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Lucerne Festival (D)

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«Beethoven ist für mich ein Gigant»

Das Lucerne Festival Spring rückt Ende März die grossen Komponisten Mozart, Mendelssohn und Beethoven in den Fokus.

Maestro Chailly, seit zehn Jahren sind Sie Chefdirigent des Lucerne Festival Orchestra. Ihr Vertrag wurde kürzlich bis Ende 2028 verlängert. Was bedeutet Ihnen die Zusammenarbeit mit diesem aussergewöhnlichen Klangkörper?

RICCARDO CHAILLY: Jedes Mal, wenn ich nach Luzern zurückkehre, spüre ich die Freude am gemeinsamen Musizieren. Meine Beziehung zu den Orchester mitgliedern lebt von einer grossen Frische. Wir haben uns auf musikalischer und menschlicher Ebene sehr gut kennengelernt und sind miteinander vertraut – das ist ein wertvolles Geschenk. Die Musiker kommen bestens vorbereitet zu den Proben, mit hohen Erwartungen und immer offen für eine neue Entdeckungsreise.

Claudio Abbado, den 2014 verstorbenen Gründer des Festivalorchesters, lernten Sie schon früh in Mailand kennen. Was empfanden Sie dabei, sein grosses Erbe anzutreten?

Ich war lange Zeit mit Claudio befreundet, als junger Dirigent hatte ich ihm bereits bei Sinfoniekonzerten im Teatro alla Scala assistiert. Als ich in Luzern die Leitung seines hervorragenden Orchesters übernahm, war in einem so sensiblen Moment viel Feingefühl gefragt. Letztlich muss jeder seiner Persönlichkeit treu bleiben. Mit den Musikern habe ich inzwischen den MahlerZyklus vollendet. Nach der achten Sinfonie – der einzigen, die Claudio hier nicht mehr dirigieren konnte – haben wir im vergangenen Sommer die zehnte in der vervollständigten Fassung von Deryck Cooke aufgeführt.

Was ist das Geheimnis des unverwechselbaren Klangs des Orchesters? Ihm gehören erfahrene Solisten und Kammermusiker an, etwa die Mitglieder des Hagen­ Quartetts, das sich als Quartett in diesem Jahr von der Bühne verabschiedet.

Für Claudio zählte immer die persönliche Freundschaft zu den Musikern. In den letzten zehn Jahren habe ich erleben dürfen, dass wir uns nicht nur ernsthaft auf die Partituren konzentrieren, sondern auch viel Spass miteinander haben kön-

«Der Klang wird durch die heitere Leichtigkeit beeinflusst, mit der sich alle hier an die Arbeit begeben.»

nen. Der Klang wird auch durch die heitere Leichtigkeit beeinflusst, mit der sich alle hier an die Arbeit begeben.

Wie haben Sie sich gemeinsam dem Werk Beethovens angenähert?

Die Musiker wissen inzwischen genau, wie ich die Musik dieses Giganten interpretieren möchte. Er erweist sich jedes Mal als höchst schwieriger Komponist, dennoch kehren wir mit ihm stets zur Freude des zusammen Musizierens zurück. Bevor wir zu Beethoven kamen, haben wir ein breites sinfonisches Repertoire erkundet, das das Orchester früher nie oder nur selten aufgeführt hatte –Rachmaninow, Strawinsky, Strauss, Tschaikowsky oder Mendelssohn, aber auch Zeitgenössisches, etwa von Wolfgang Rihm. Wir wollten unseren Horizont erweitern und zugleich die durch Mahler geprägte Identität des Orchesters erhalten.

Beim Lucerne Festival Spring steht jetzt Beethovens vierte Sinfonie auf dem Programm. Was verbinden Sie speziell mit diesem Werk?

Die Sinfonie gehört zu denen, die ich am meisten liebe. Robert Schumann be -

zeichnete sie einmal als «griechisch schlanke Maid zwischen zwei Nordlandriesen». Bereits im Allegro des ersten Satzes ist grosse Lebensfreude zu spüren, und diese Freude zeigt sich auch noch im Finale, auf eine spielerische Art und Weise. Ich kehre immer wieder gern zu diesem Werk zurück. Die Einleitung ist sehr tiefgründig, spirituell und meditativ. Ein Moment grosser Erwartung, auf den die Explosion des Allegro vivace folgt, das die Stimmung von diesem Moment an völlig verändert.

Als Solist in Mendelssohns berühmtem Violinkonzert ist Emmanuel Tjeknavorian zu erleben. Mit diesem grossartigen jungen Musiker arbeite ich seit Jahren zusammen. Gemeinsam haben wir uns schon Violinkonzerte von Sibelius, Prokofjew und Brahms vorgenommen. Mittlerweile verfolgt er eine Karriere als Dirigent und tritt nur noch selten solistisch auf. Wenn ich ihn frage, lässt er sich aber immer wieder auf das Abenteuer ein, seine Virtuo sität als Geiger unter Beweis zu stellen. Es ist mir nun eine besondere Freude, mit ihm in Luzern das Mendelssohn-Konzert aufzuführen.

Epochale Musik vom Lucerne Festival Orchestra

Wie bereits in früheren Frühlingsfestivals erkundet das Lucerne Festival Orchestra den sinfonischen Kosmos Ludwig van Beethovens auch dieses Jahr weiter. Unter Leitung des österreichischen Dirigenten Franz Welser-Möst führen die Musiker und Musikerinnen eine Woche vor Ostern die monumentale dritte Sinfonie auf, die unter dem Beinamen «Eroica» weltberühmt wurde. Um die Entstehung des Werkes, das erstmals 1804 in Wien zu hören war, ranken sich viele Legenden. So soll Beethoven, ein glühender Verfechter der Ideale von Freiheit und Gleichheit, die Sinfonie ursprünglich zu Ehren von Napoleon Bonaparte geschrieben haben. Doch als sich Napoleon selbst zum Kaiser krönte, habe der Komponist wütend das Titelblatt zerrissen und gegen den Tyrannen gewettert, berichtete sein Sekretär. Die Schnipsel wurden zwar niemals gefun-

den – aber vieles deutet darauf hin, dass Beethoven seine Widmung nachträglich ausradiert hat. Am selben Abend interpretiert der norwegische Meisterpianist Leif Ove Andsnes Wolfgang Amadeus Mozarts dramatisches Klavierkonzert Nr. 20 in der dunklen Tonart d-Moll. Auch Beethoven liess sich offenbar von dem Stück inspirieren, das bereits auf die Romantik vorausdeutet.

Mit seinem Chefdirigenten Riccardo Chailly führt das Festivalorchester dann Beethovens vierte Sinfonie auf, die 1807 ihre Uraufführung erlebte. Zwischen der «Eroica» und der als «Schicksalssinfonie» bekannten fünften fristete sie lange ein Schattendasein. Zu Unrecht, wie Chailly mit seinem spielfreudigen Orchester zeigen will. Die Grundstimmung ist heiter, das Finale wirkt unbekümmert und verspielt – und dennoch verlangt die hell getönte Sinfonie nicht nur den Holzbläsern

eine virtuose Beherrschung ihrer Instrumente ab. Der in Wien geborene Geiger Emmanuel Tjeknavorian, Sohn einer armenischen Musikerfamilie, tritt als Solist in Felix Mendelssohns Violinkonzert auf, das schon zu Lebzeiten des Komponisten ausserordentlich populär war. Tjeknavorian hat inzwischen die Dirigentenlaufbahn eingeschlagen. Das Publikum in Luzern kann sich auf die seltene Gelegenheit freuen, ihn nochmals als Virtuosen zu erleben.

Liebhabern der Kammermusik ist das Hagen-Quartett seit den Siebzigerjahren ein Begriff. Die Kinder einer Salzburger Musikerfamilie überzeugten durch ihr perfekt aufeinander abgestimmtes Zusammenspiel. Gidon Kremer, Nikolaus Harnoncourt und György Kurtág zählten zu ihren frühen Unterstützern. Seit 1987 ist Rainer Schmidt an der zweiten Geige dabei. Die Musiker und Musikerinnen

Lucerne Festival Spring vom 27. bis 29. März

Lucerne Festival Orchestra, Franz Welser-Möst, Leif Ove Andsnes: Mozart, Beethoven.

27. März | 19.30 Uhr, KKL Luzern, Konzertsaal

Ausblick auf Lucerne Festival Summer: 28. März | 17.00 Uhr, KKL Luzern, Auditorium

Hagen Quartett, Kirill Gerstein, Julia Hagen: Brahms, Schubert. 28. März | 19.30 Uhr, KKL Luzern, Konzertsaal

Lucerne Festival Orchestra, Riccardo Chailly, Emmanuel Tjeknavorian: Mendelssohn, Beethoven.

29. März | 17.00 Uhr, KKL Luzern, Konzertsaal

Tickets: lucernefestival.ch

sind ausserdem feste Mitglieder im Lucerne Festival Orchestra. Nach einem halben Jahrhundert und zahlreichen Konzerten mit weltbekannten Solisten wie Maurizio Pollini, Krystian Zimerman, Heinrich Schiff, Mitsuko Uchida, Sabine Meyer und Jörg Widmann, dem neuen künstlerischen Leiter der Lucerne Festival Academy, löst sich das Quartett nun auf. Bei seinem letzten Auftritt in der Schweiz sind die Cellistin Julia Hagen in Franz Schuberts Streichquintett C-Dur und der Pianist Kirill Gerstein in Johannes Brahms Klavierquintett f-Moll ebenfalls mit von der Partie.

Dieser Inhalt wurde von NZZ Content Creation im Auftrag von Lucerne Festival erstellt.

PRISKA KETTERER / LUCERNE FESTIVAL
Mit seinem Chefdirigenten Riccardo Chailly führt das Lucerne Festival Orchestra Beethovens vierte Sinfonie auf.
Dirigiert Beethovens dritte Sinfonie: Franz Welser-Möst.

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