SUSTAINABLE SWITZERLAND
20. September 2026
Wertschätzen statt Wegwerfen Sandra mag ihre Arbeit, aber das frühe Aufstehen ist nicht so ihre Sache. An diesem Morgen kommt die 32-Jährige wieder recht verschlafen in die Küche, öffnet wie immer zuerst den Kühlschrank und greift fast automatisch nach einem Joghurt. Als sie den Deckel aufreissen will, stockt sie kurz: Das Mindesthaltbarkeitsdatum ist vor einigen Tagen abgelaufen. Ohne lange nachzudenken, landet der Becher im Abfalleimer. So wie Sandra fürchten viele Menschen, sich den Magen an Lebensmitteln zu verderben, deren Mindesthaltbarkeits datum (MHD) bereits abgelaufen ist. Oft aus Unsicherheit, manchmal aus Gewohnheit wandern insbesondere Milchprodukte, Käse- und Wurstwaren unbesehen in den Müll. Jedes Jahr fallen in der Schweiz laut Bundesamt für Umwelt (Bafu) rund 2,8 Millionen Tonnen an Food Waste über die gesamte Lebensmittelkette an. Weltweit geht sogar ein Drittel aller essbaren Güter auf dem Weg vom Feld bis zum Teller verloren. Der englische Begriff Food Waste beschreibt Nahrungsmittel, die zwar für den Menschen produziert wurden, aber am Ende nie verzehrt werden. Dazu gehören Reste aus Haushalten oder aus der Hotellerie, aber auch unverkauftes Essen aus Supermärkten oder überschüssige Ernten. Die Auswirkungen dieses Abfalls auf die Umwelt, also unnötige CO2-Emissionen, Biodiversitätsverlust sowie Land- und Wasserverbrauch, sind beträchtlich. Doch dazu später mehr. Bleiben wir bei den Haushalten, in denen in der Schweiz am meisten Food Waste entsteht: Hierzulande wirft jede Person jährlich rund 80 Kilogramm Essbares weg. Laut Schweizer Umweltpanel der ETH Zürich von 2025 geben zugleich
Richtig einräumen, richtig verwerten Am häufigsten landen frische Lebensmittel im Müll, also Gemüse, Früchte, Milchprodukte sowie Brot- und Backwaren. Dabei lässt sich Brot beispielsweise p ortionsweise einfrieren und später auftauen – oder altes Brot einfach als Croutons für Salate und Suppen verwenden. Lidl Schweiz bietet zum Thema Food Waste viele Rezepte. Untenstehend einige Tipps, wie man den Kühlschrank je nach Klimazone richtig füllt: • Trockenfleisch, Käse und Essensreste kommen ins oberste Fach des Kühlschranks. • Milchprodukte fühlen sich bei 4 Grad am wohlsten (mittleres Fach). • Fleisch und Fisch gehören in den kältesten Bereich (0-2 Grad). • Gemüse, Salate und Früchte haben ihren Platz ganz unten in der Schublade. • Das Wärmste zum Schluss: In der Kühlschranktür sind Tuben, Einmachgläser, offene Milchtüten und Butter am besten aufgehoben. QR-Code scannen und mehr erfahren.
nahezu 96 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer an, dass ihnen Lebensmittelverschwendung unangenehm ist. Die Diskrepanz zwischen Wissen und Verhalten ist allerdings gross. Das will Lidl Schweiz ändern und Privathaushalte für das Thema stärker sensibilisieren.
LIDL/GENERATIVE AI
Der bewusste Umgang mit Lebensmitteln beginnt zu Hause. Im Rahmen der nationalen Woche gegen Food Waste lanciert Lidl Schweiz eine eigene Kampagne, um seine Kundinnen und Kunden für das Thema zu sensibilisieren.
«Luege. Schmöcke. Probiere.» «Als Detailhändler möchten wir unsere Kundinnen und Kunden dabei unterstützen, den eigenen Lebensmitteln wieder mehr zu vertrauen und Food Waste dort zu bekämpfen, wo er am häufigsten anfällt: direkt zu Hause», erklärt Nadja Hauser, Head of CSR bei Lidl Schweiz. Das Unternehmen bringt sich deshalb aktiv in die Nationale Woche gegen Food Waste ein. Die von United Against Waste (UAW) und Foodwaste.ch koordinierte Initiative vereint schweizweit Akteure aus Wirtschaft, Gastronomie und Gesellschaft, die sich auf unterschiedliche Weise für denselben Zweck engagieren. Lidl Schweiz ist Mitglied von UAW und nutzt die Woche für seine Sensibilisierungskampagne. Ins Zentrum setzt das Unternehmen eine wichtige und kinderleichte Botschaft: «Luege. Schmöcke. Probiere.» Bevor etwas weggeworfen wird, helfen die eigenen Sinne. Sieht der Fruchtsaft gut aus? Riecht der Quark frisch? Schmecken die Haferflocken wie gewohnt? Viele Lebensmittel sind oft länger gut, als das Haltbarkeitsdatum auf der Verpackung vermuten lässt, Eier zum Beispiel bis zu sechs Tage länger, UHTMilch und Hartkäse sogar bis zu 30 Tage. Wichtig ist die richtige Interpretation der Haltbarkeitsdaten: Denn das MHD («mindestens haltbar bis») gibt lediglich an, wie lange ein Produkt seine optimale Qualität behält. Das Verfallsdatum VD («zu verbrauchen bis») besagt dagegen, bis wann ein Lebensmittel bei Einhaltung der Kühlkette ohne Gesundheitsrisiko konsumiert werden kann. Dazu gehören aber nur besonders empfindliche Lebensmittel wie Frischfleisch, Fisch, Fertigmenus oder vorbereitete Salate. Nach Ablauf des Verbrauchdatums darf das Produkt nicht mehr abgegeben oder verarbeitet werden. Ein Tipp: Wer das Produkt vorher einfriert, verlängert die Haltbarkeit jedoch um bis zu 90 Tage. Markus Hurschler, Ökonom und Geschäftsleiter von United Against Waste, begrüsst die Kampagne als wichtigen Schritt in die richtige Richtung. Er kennt die Herausforderungen für Detailhändler. Sie müssten ihre Logistik gut im Griff haben. Effizienz sei entscheidend, um möglichst wenige Produkte abschreiben zu müssen, sagt der 41-Jährige. Nun betreten die Detailhändler neues Terrain, indem sie versuchen, mit ihren Kundinnen und Kunden die Nutzung der gekauften Produkte zu Hause zu thema tisieren. Markus Hurschler freut sich über das gemeinsame Vorgehen der grossen Schweizer Detailhändler im Rahmen der Nationalen Woche gegen Food Waste: «Das ist nicht selbstverständlich, denn hier arbeiten Mitbewerber zusammen. Aber nur gemeinsam kann man etwas verändern.»
Vielfältige Massnahmen in Filialen und Lagern Neben der Sensibilisierung der Kundschaft setzt sich Lidl Schweiz auch eigene Ziele im Betrieb: So will man Food Waste in den Filialen und Lagern des Unternehmens bis 2030 auf maximal 1,2 Prozent der Einkaufsmenge reduzieren. Dafür setzt der Detailhändler auf mehrere Massnahmen: Straffe Bestell-
Viele Milchprodukte sind auch nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums noch einwandfrei.
Bevor etwas weggeworfen wird, helfen die eigenen Sinne am zuverlässigsten.
prozesse sollen helfen, Überbestände zu vermeiden. Zudem senkt Lidl Schweiz mit gezielten täglichen Rabatten die Preise von Produkten, deren MHD oder VD näher rückt. Und mit den «Retter säckli» erhält man Früchte und Gemüse mit kleinen Schönheitsfehlern zu einem günstigeren Preis. Zusätzlich gibt es Bakery-Rettersäckli mit übrig gebliebenen Backwaren. Und last, but not least: Lidl Schweiz spendet Produkte an Hilfsorganisationen wie die Schweizer Tafel und Tischlein deck dich. Seit 2025 gehören auch gekühlte Lebensmittel wie Käse, Joghurt und Frischfleisch dazu.
Ziel ist es, Food Waste bis 2030 zu halbieren Darüber hinaus engagiert sich Lidl Schweiz bei der Reduktion von Food Waste in der gesamten Wertschöpfungskette. Wird ein Lebensmittel weggeworfen, verschwindet nicht nur das Produkt im Abfall. Verloren gehen auch all die Ressourcen, die darin stecken: Wasser, Energie, Dünger, Transportleistungen und wertvolle Arbeitszeit. Am Ende der Wertschöpfungskette – also in Restau rants und Haushalten – fällt die Belastung der Umwelt mit 13 beziehungsweise 35 Prozent an der Gesamtbelastung am grössten aus. In die Berechnung fliessen Emissionen von insgesamt 26 Schadstoffen, darunter auch CO2 und Pflanzen schutzmittel, der Verbrauch von Ressourcen sowie Sonderabfälle ein. Bei Produkten wie Fleisch, Fisch, Käse, Butter, Kaffee oder Kakao veru rsachen schon kleine Mengen überdurchschnittlich hohe Emissionen und Ressourcenverbräuche. Lidl Schweiz versucht daher, auch in den vor- und nachgelagerten Wertschöpfungsketten gegenzu steuern. «Gemeinsam mit Produzenten stimmen wir die Anbauplanungen ab und versuchen, wenn möglich, Übermengen zu vermarkten», erklärt Nadja Hauser. Auf Kundenseite setzt Lidl auf das Label «Oft länger gut», das auf vielen Eigenmarkenprodukten zu finden ist. Hinzu kommen die «Zero Food Waste Kitchen» mit Rezeptideen (siehe Box)
für übrig gebliebene Zutaten sowie die Umstellung von Verbrauchsdaten auf Mindesthaltbarkeitsdaten, wo dies rechtlich und produktspezifisch möglich ist. «Mit unseren Massnahmen unterstützen wir auch den Aktionsplan des Bundes, der zum Ziel hat, Lebensmittelverschwendung in allen Bereichen der Schweiz bis 2030 zu halbieren», so Nadja Hauser. Für den Food-Waste-Experten Markus Hurschler steht fest, dass der Erfolg aller Bemühungen am Ende auch von unserem täglichen Verhalten als Konsumenten abhängt: «Entscheidend ist, ob wir tatsächlich bereit sind, krumme Rüebli zu kaufen, Lebensmittel länger zu nutzen oder einem Produkt nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums noch eine Chance zu geben.» Was bedeutet das für Sandra, wenn sie am nächsten Morgen wieder verschlafen vor dem Kühlschrank steht und ein Joghurt mit abgelaufenem Datum in den Händen hält? Statt den Becher sofort zu entsorgen, heisst es für sie: «Luege. Schmöcke. Probiere.» Ein kurzer Blick, ein Geruchstest und ein Löffelchen voll – und Sandra wird feststellen, dass das Joghurt noch einwandfrei geniessbar ist. Ein kleiner Schritt in ihrer Küche, der jedoch Teil einer grossen, wichtigen Veränderung ist.
Sustainable Switzerland ist die nationale Nachhaltigkeitsinitiative des Unternehmens NZZ mit Partnern aus Wirtschaft und Wissenschaft. Gemeinsam beschleunigen wir die nachhaltige Entwicklung der Schweiz. sustainableswitzerland.ch Dieser Inhalt wurde von NZZ Story Lab und Sustainable Switzerland im Auftrag von Lidl Schweiz erstellt.