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KPMG (D)

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SPONSORED CONTENT FÜR KPMG SCHWEIZ

Samstag, 11. April 2026

«Ich denke bei künstlicher Intelligenz im Audit zuerst an Qualität, danach an Effizienz» Michael Blume leitet den Bereich Audit bei KPMG Schweiz. Evgenia Lopushanskaya ist Expertin für Audit Technology. Ein Gespräch über den Wandel der Wirtschaftsprüfung, die Grenzen von KI – und was Verwaltungsräte jetzt tun sollten. Letztendlich geht es um eines: eine Prüfung mit ­höherer Qualität und stärkerer Aussagekraft. Profitieren alle Unternehmen gleichermassen von technologisch basierten Prüfungen? Blume: Noch nicht. Je ausgereifter und standar­ disierter die IT-Landschaft eines Kunden ist, desto besser können wir technologiebasierte ­Prüfverfahren einsetzen. Bei weniger digitalisier­ ten Unternehmen kann dieser Ansatz nicht oder oder nicht vollständig ­angewendet werden, weil der ­Aufwand – und damit die Kosten – manchmal ­grösser wäre als der Nutzen. Mit der fortschreiten­ den Digitalisierung – und auch der Entwicklung von rechtlichen Anforderungen an eine Prüfung – wird sich die Ist-Situation jedoch bald verändern.

Zwei der Wirtschaftsprüfungsexperten von KPMG Schweiz: Michael Blume, Leiter Audit und Mitglied der Geschäftsleitung, und Evgenia Lopushanskaya, ­Expertin für Audit Technology. GEERTJAN VAN BEUSEKOM Schweizer Unternehmen verbuchen Hunderte Millionen Transaktionen pro Jahr: ein Einkauf, eine ­ Reisekostenabrechnung, eine Lieferanten­ rechnung … Über Jahrzehnte hinweg ­arbeiteten Abschlussprüfer mit Stichproben. Heute analysiert technologiegestütztes Audit jede ­einzelne Buchung. Was derzeit noch als rein technischer ­Aspekt der Abschlussprüfung wahrgenommen wird, gewinnt mit der technologischen Weiter­entwicklung – ins­ besondere künstlicher ­Intelligenz (KI) – zuneh­ mend an strategischer Bedeutung. ­Damit die Ab­ schlussprüfung auch in Zukunft ihre Erwartungen erfüllt, müssen Geschäftsleitung und Verwaltungsrat jetzt beginnen, deren Ausgestaltung a­ ktiv zu hinter­ fragen und weiterzuent­wickeln. Michael Blume und ­Evgenia Lopushanskaya von KPMG Schweiz er­ klären, warum. Herr Blume, Sie arbeiten seit fast 30 Jahren in der Wirtschaftsprüfung. Wie hat sich der Beruf in d ­ ieser Zeit verändert? Blume: Der Wandel ist nicht sofort spürbar. Aber wenn wir fünf Jahre zurückschauen, sehen wir klar: Die technologische Entwicklung hat die Prüfung um neue Möglichkeiten und Sichtweisen e­ rweitert. Früher entwickelten wir unser ­ Verständnis des Geschäftsmodells des Mandanten primär durch ­ Er­fahrung, Befragungen und Branchenkenntnisse, ­bevor wir den Prüfungsansatz festlegten. Heute wird Technologie deutlich früher in die Prüfung

e­ inbezogen und ergänzt dieses Verständnis, indem sie z­ usätzliche Erkenntnisse aus Daten liefert. Hat sich damit auch der Zweck einer Prüfung ver­ ändert? Blume: Für uns als Wirtschaftsprüfer ist der ge­ setzliche Kern derselbe geblieben: die Bestätigung, dass die Jahresabschlüsse des geprüften Unter­ nehmens die Rechnungslegungsstandards erfüllen. Aber die Erwartungen von Verwaltungsräten und Prüfungsausschüssen gehen weit über die eigent­ liche Kernaufgabe hinaus. Unsere Stakeholder im ­Unternehmen wollen nicht nur das grüne Licht am Ende. Sie erwarten Einsichten: Gibt es Schwach­ stellen in unserer Organisation oder unseren Pro­ zessen? Wo können wir uns verbessern? Was bedeutet die fortschreitende Technologie für Verwaltungsräte? Blume: Die Zukunftsfähigkeit der Abschlussprü­ fung sicherzustellen, beginnt beim Verwaltungsrat – und sie beginnt früher, als viele denken. Als Ver­ waltungsrat sollte man sich jeweils fragen, ob die ­Effektivität der bisherigen Prüfung noch gegeben ist. Wenn ein Wirtschaftsprüfer technologisch nicht auf der Höhe ist oder keine überzeugenden Ant­ worten liefert, wie Technologie die Prüfungsqualität steigert, muss der Verwaltungsrat aktiv werden und nach Lösungen suchen. So einfach ist das. Verwal­ tungsräte sollten sich aber auch hinterfragen: Kann

Vom traditionellen zum technologiegestützten Audit Traditionelle Wirtschaftsprüfung

Manuell getestet Nicht für den Test ausgewählt Fehler in der Population festgestellt Unentdeckter Fehler in der Population QUELLE: KPMG SCHWEIZ

Technologiegestützte Wirtschaftsprüfung

Technologisch geprüft Fehler in der Population festgestellt

ich meinem Prüfer in die Augen schauen und ihm vertrauen, dass er eine Prüfung von höchster Qua­ lität durchführt? Vertrauen ist die Grundlage jeder Prüfung. Doch wenn Prüfer technologisch nicht mithalten, wird dieses Vertrauen – und damit die ­Legi­timation eines Prüfauftrags – infrage gestellt. Frau Lopushanskaya, wie muss man sich eine tech­ nologiebasierte Prüfung vorstellen? Lopushanskaya: In der klassischen Prüfung zieht man als Basis eine Stichprobe, ein paar Hundert Transaktionen aus einer Population von Millionen. Technologiegestützte Prüfungen ermöglichen es heute, jede einzelne Transaktion über die gesamte Population hinweg zu analysieren. Das verändert die Reichweite und Tiefe der Erkenntnisse grundlegend. Was lässt sich konkret finden, was ohne Techno­ logie unsichtbar geblieben wäre? Lopushanskaya: Ein Beispiel: Bei der Analyse der gesamten Betriebsausgaben eines Unternehmens haben wir festgestellt, dass derselbe L ­ ieferant im Stammdatensystem fünf- oder sechsmal ­erfasst war. Die Transaktionen waren zwar korrekt ­gebucht, aber das Unternehmen hatte keinen konsolidier­ ten Überblick über sein Gesamtvolumen mit die­ sem Lieferanten. Und damit auch keine optimale Verhandlungsposition. Solche Zusammenhänge ­werden oft erst durch den systematischen Ein­ satz von Technologie sichtbar. Es geht also nicht nur ­darum, Fehler zu finden, sondern neue, tiefere ­Einblicke aus den Daten zu gewinnen. Und wenn Sie tatsächlich einen Fehler finden? Blume: Die erste Reaktion des Managements ist oft: Das kann nicht sein. Dann schauen sie genauer hin und fragen: Wie habt ihr das gefunden? Und dann folgt die eigentlich wichtige Frage: Warum ­haben unsere eigenen Kontrollen das nicht ent­ deckt? Bei einem multinationalen Industrieunter­ nehmen haben wir ein paar unübliche Umsatzbu­ chungen in einer lokalen Gesellschaft identifiziert. Am Ende hat diese Feststellung zu einer Verbesse­ rung der Genehmigungsprozesse im gesamten Kon­ zern geführt. Viele Kunden fragen sich: Wenn künstliche Intelli­ genz so viel leistet, müsste die Prüfung dann nicht günstiger werden? Blume: Diese Frage höre ich oft. Meine Antwort ist eindeutig: Ich denke bei KI im Audit zuerst an ­Qualität, danach an Effizienz. Die Tools werden für jeden Kunden individuell konfiguriert, getestet und validiert. Es gibt zurzeit keine technologische Einheits­lösung, die für jedes Unternehmen passt.

Wo liegt die Grenze? Was kann Technologie in der Prüfung nicht ersetzen? Lopushanskaya: Technologie ist sehr ­leistungsfähig und liefert Daten. In Ermessensfragen ist das Urteil eines erfahrenen Prüfers jedoch u ­ nersetzlich. Man kann nicht einfach alle Kundendaten in eine KI ­laden und verwertbare Ergebnisse er­warten. Denn nicht jede Anomalie ist ein Fehler. Manche sind erklärbar, weil wir den Kunden kennen, seine Märkte, seine Regulierungsumgebung. Umsatz­ transaktionen beispielsweise werden in der Schweiz und in China unterschiedlich bilanziert, etwa auf­ grund von Unterschieden in der Ausgestaltung und Anwendung der Regulierung. Kein Modell kann dieses Verständnis ersetzen. Blume: Ich würde hier einen weiteren wichtigen As­ pekt nennen. Der Prüfer muss seine Erfahrung und sein Urteil einbringen, wenn es um S ­ chätzungen und Ermessensentscheide des Managements innerhalb der Buchhaltung geht. Das CFO-Team bringt Er­ fahrung ein, hat aber manchmal auch ein I­ nteresse ­daran, die Zahlen in eine bestimmte Richtung zu lenken. Der Entscheid darüber, ob diese Darstel­ lung vertretbar ist und den Rechnungslegungsregeln entspricht, sollte nicht der KI überlassen werden. Hier verlasse ich mich weiterhin auf meine Teams, die solche Fälle aufgrund ihrer Erfahrung besser ­beurteilen können. Und wenn Unternehmen selbst KI einsetzen, ­prüfen Sie die Tools Ihrer Kunden? Lopushanskaya: Wir sehen Kunden, die dabei sind, KI in ihren Finanzprozessen und internen Kontrollsyste­men einzusetzen. Wie KI geprüft wird, hängt von der Art der ­implementierten ­Lösungen sowie vom Grad der menschlichen Einbindung ab. Aber die Richtung ist klar: Wenn KI-Agenten ­Aufgaben voneinander übernehmen, ohne dass ein Mensch in den Prozess miteinbezogen ist, ­werden wir verstehen müssen, wie diese ­Modelle funktio­ nieren. Das ist die Zukunft. Und sie ist viel n ­ äher, als viele denken. Verändert das die Zusammensetzung der Teams? Lopushanskaya: Deutlich. Vor 15 Jahren bestanden Teams zu rund 75 Prozent aus klassischen Prüfungsund Accounting-Spezialisten. Heute ist dieser An­ teil auf 50 Prozent gesunken, nicht weil Prüfungs­ kompetenz unwichtiger geworden wäre, sondern weil w ­ eitere Spezialisierungen h ­inzugekommen sind. Data Analytics, KI und Automatisierung ­machen heute durchschnittlich 20 Prozent in der Teamzusammensetzung aus. Dazu kommen Cyber­ sicherheit, ESG-Kompetenz und IT-System­wissen. Gerade Letzteres ist wichtiger, als man denkt. ­ Unsere Kunden sagen uns immer öfter: Das macht das System. Wir müssen verstehen, wie das ­System konfiguriert ist und welche R ­ isiken dahinter­stecken. Ohne dieses Verständnis können wir keine robuste Prüfung durchführen. Was bleibt am Ende trotz aller Technologie? Blume: Prüfungs- und Rechnungslegungskompetenz werden immer das Fundament sein. Doch der Prüfer der Zukunft muss IT-Neugier als Pflicht und Nach­ haltigkeitswissen als wachsende Anforderung mit­ bringen. Und exzellente Kommunikation. Doch über allem steht das absolute Ziel, Vertrauen bei allen An­ spruchsgruppen zu schaffen – beim ­Unternehmen, bei der Aufsicht und allen Wirtschaftsteilnehmern. kpmg.ch/audit

Dieser Inhalt wurde von NZZ Story Lab im Auftrag von KPMG Schweiz erstellt.


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