Wirtschaft
Samstag, 5. Juli 2025
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Der SAP-Chef fordert eine einzige Cloud für die ganze EU Christian Klein findet, die Staatengemeinschaft setze bei der digitalen Souveränität und der künstlichen Intelligenz die falschen Schwerpunkte MICHAEL RASCH, FRANKFURT
Was bedeutet digitale Souveränität eines Landes oder einer Region wie der EU? Für den SAP-Konzernchef Christian Klein sind die Schwerpunkte klar. Für ihn sind nicht die Standorte der Infrastruktur wichtig, beispielsweise für eine Cloud, also eine sogenannte Datenwolke. Wichtig sei vielmehr die Frage der Datenkontrolle, wie Klein am Donnerstag im virtuellen Gespräch mit Journalisten sagte. Digitale Souveränität beginne nicht bei den Standorten der Infrastruktur, etwa von Rechenzentren, und auch nicht bei der Herkunft von Chips. Entscheidend sei es dagegen, die Kontrolle über die eigenen Daten zu behalten. Dabei gehe es darum, wer wirklich Zugriff auf die Daten hat und wer den Schlüssel für die Entschlüsselung der gespeicherten Daten besitze. Viele dieser Fragen seien bereits gelöst.
USA könnten Zugriff erzwingen Die EU konzentriert sich derzeit allerdings auf das Gegenteil. Sie fördert die Schaffung eigener Rechenzentren und Halbleiter. Klein hält das für falsch. Brüssel will in den kommenden Jahren 20 Milliarden Euro in fünf Giga-Factories für künstliche Intelligenz (KI) investieren. Diese sollen helfen, Europas Rückstand bei der KI aufzuholen.
Deutschland hätte gerne eine dieser Fabriken im eigenen Land. Auch in diesem Kontext wird in der EU schon länger über eine europäische Cloud diskutiert, um sich unabhängig von ausländischen IT-Anbietern zu machen. Beim Cloud-Computing können Kunden Rechenleistung, Speicherplatz oder Programme über das Internet nutzen, ohne dafür vorher die nötige Hardware oder Software selbst besitzen oder betreiben zu müssen. Stattdessen stellt ein Unternehmen diese Dienste in grossen Rechenzentren bereit. Die grössten Anbieter von CloudDiensten sind die amerikanischen Konzerne Microsoft, Google und Amazon Web Services (AWS). In den USA verpflichtet die Cloud Act diese Unternehmen allerdings dazu, Behörden auch dann Zugriff auf gespeicherte Daten zu gewähren, wenn diese ausserhalb der USA liegen. In Europa geht deshalb die Angst um, dass besonders unter der neuen Regierung von Präsident Donald Trump amerikanische Behörden auf sensible europäische Daten zugreifen könnten, indem sie sich bei den betreffenden amerikanischen Konzernen den Zugriff erzwingen. Einer der naheliegendsten Anbieter in der EU für eine eigene Sovereign Cloud ist der grösste europäische Software-Konzern SAP. In Deutschland arbeitet das Unternehmen be-
reits an einer souveränen Datenwolke und würde diese gern auch der EU und allen Mitgliedstaaten verkaufen. Der SAP-Chef Klein warnt jedoch davor, dass sich Brüssel wieder verzettelt, indem jedes Land seine eigene souveräne Cloud aufbaut. Er fordert eine einzige Cloud für die ganze Europäische Union. Zudem plädiert er dafür, Daten nach
«In den USA wird zuerst über Wettbewerbsfähigkeit diskutiert, in Europa zuerst über Regulierung.» Christian Klein Konzernchef von SAP
dem Sicherheitsbedarf zu klassifizieren. Hochsensible Daten, beispielsweise aus dem Verteidigungssektor oder dem Gesundheitswesen, benötigten einen deutlich höheren Schutz als viele andere Daten. Auf eine solche Klassifizierung sollte sich die EU schnell einigen. Mit der Tochterfirma Delos Cloud will SAP ab diesem Jahr Cloud-Dienste
in Kooperation mit Microsoft anbieten – und zwar aus eigenen und besonders abgeschirmten Rechenzentren. Damit will SAP den Sicherheitsbedürfnissen der Kunden nachkommen. Unabhängig davon will Microsoft jedoch eine eigene Sovereign Cloud lancieren. Die Bundesrepublik ist seit vielen Jahren ein wichtiger Kunde von Microsoft, etwa bei der Office-Bürosoftware oder für das Teams-Produkt. In einigen Jahren werden diese Anwendungen jedoch nicht mehr lokal installierbar sein, Kunden müssen sie dann ausschliesslich aus der Cloud beziehen. Daraus ergeben sich Sicherheitsfragen.
Anwendungen fördern Klein ortet nicht nur beim Thema Sovereign Cloud ein falsches Vorgehen der EU, sondern auch bei der künstlichen Intelligenz (KI). Er sei vor zwei Wochen in Washington gewesen, erzählte Klein in der Journalistenrunde. «In den USA wird zuerst über Wettbewerbsfähigkeit diskutiert, in Europa zuerst über Regulierung», sagte er. Dabei sollte sich die EU besser Gedanken machen, was nötig sei, um in bestimmten Branchen in zehn Jahren noch Weltklasse zu sein, etwa in der Autound Chemiebranche. Im Technologiesektor sei die Basis für Fortschritte zuerst oft die Hard-
ware, doch wenn diese gegeben sei, finde der Wettbewerb bei der Software statt, sagte Klein sinngemäss. Als Beispiel zeigte er ein Handy. Beim Smartphone gehe es heute darum, tolle Anwendungen im App-Store anzubieten. Eine ähnliche Entwicklung sieht er auch bei der KI. Bei der Hardware sei der Zug für Europa in vielen Bereichen abgefahren, meinte Klein. Daher sei es verfehlt, sich auf eine Aufholjagd gegenüber den USA einzulassen. Besser sei es, die Anwendungen von KI zu fördern. Inzwischen gebe es eine gute Auswahl von grossartigen und umfangreichen Sprachmodellen, die immer intelligenter würden und als Open Source zur Verfügung stünden. Für ihn gehe es deshalb darum, KI so einzusetzen, dass Europa in den Schlüsselindustrien auch in zehn Jahren noch zu den Besten gehöre. Dafür sei die Anwendung von KI entscheidend, nicht die Hardware. Es sei für Unternehmen beispielsweise wichtig, zu wissen, wie man mit KI seine Lieferketten widerstandsfähiger machen und dekarbonisieren könne. Um dies zu erreichen, müssten die Firmen die besten KI-Köpfe gewinnen. «Was uns fehlt, sind nicht Chips oder Rechenzentren, sondern die Menschen, die Talente», sagte Klein weiter. «Wer kann KI jetzt im Kontext dessen anwenden, was wir hier brauchen?»
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Rückenschmerzen im Alter – die richtige Diagnose ist entscheidend Das interdisziplinäreTeam der Wirbelsäulen- und Schmerz-Clinic setzt seit über zwei Jahrzehnten auf präzise Diagnostik und individuelle Behandlungsstrategien – besonders bei Rückenleiden im höheren Lebensalter. 20 Jahre Wirbelsäulenund Schmerz-Clinic: Vortragsabend für Betroffene
Wie entstehen Rückenschmerzen im Alter? Die Wirbelsäule unterliegt, wie alle Organe beim Menschen, im Verlaufe des Lebens Verschleisserscheinungen. Bandscheiben und Wirbelgelenke nutzen sich im Lauf der Zeit ab, ähnlich wie bei einer Arthrose. Dies kann zu schmerzhaften Entzündungen und Einengungen der Nerven sowie zu Verschiebungen der Wirbel oder zur Verkrümmung der ganzen Wirbelsäule führen. Zusätzlich verschlechtert sich die Knochenqualität im Alter, was sogar zu Wirbelbrüchen führen kann. Warum ist es so wichtig, die genaue Schmerzursache bei Rückenbeschwerden zu kennen? Aufgrund der komplexen und filigranen Anatomie der Wirbelsäule und infolge der grossen Anzahl der Wirbel ist es oft schwierig, die schmerzverursachende Stelle exakt zu lokalisieren. Genau hier ist es daher besonders wichtig, dass der behandelnde Spezialist eine sehr grosse Erfahrung hat. Insbesondere im Falle einer Operation ist es besonders wichtig, dass die Schmerz verursachende Struktur ganz genau identifiziert ist. Eine noch so gut durchgeführte Operation bringt nämlich nichts, wenn sie am falschen Ort, zu wenig oder zu viel – also am Problem vorbei – durchgeführt wird. Worauf sollte bei der Behandlung von Wirbelsäulenbeschwerden in erster Linie geachtet werden? Im Zentrum sollte die Diagnosestellung und die auf den jeweiligen Patienten individuell abgestimmte Behandlungsmethode stehen. Ent-
Anlässlich des 20-jährigen Bestehens der Wirbelsäulenund Schmerz-Clinic findet am 20. August 2025 ab 18.30 Uhr in der Klinik Hirslanden Zürich ein öffentlicher Informationsabend rund um die Behandlung von Rücken- und Ischiasbeschwerden mit modernen, konservativen und operativen Therapieverfahren statt. Für Anmeldung QR-Code scannen, anrufen oder E-Mail schicken. Das Team der Wirbelsäulen- und Schmerz-Clinic Hirslanden (von links): Dr. med. Jürgen Klasen, Dr. med.Armin Aeschbach, Dr. med. Jilali Rhiati, Dr. med. Markus Rühli, Dr. med. Monika Jaquenod, Dr. med. Cyrill Dennler.
«Eingriffe am Rücken müssen individuell auf die Patienten zugeschnitten sein.»
scheidend ist eine auf den Patienten individuell abgestimmte Behandlung, die seine persönlichen Umstände berücksichtigt – nicht das blosse Proklamieren bestimmter Operationsmethoden. Moderne, aber auch bewährte Operationsmethoden sind an renommierten Adressen eigentlich selbstverständlich. Gerade in Fällen mit hartnäckigen Rückenbeschwerden sollten die Therapien stufenweise erfolgen: mit Schmerzmitteln und Physiotherapie, dann allenfalls mit Infiltrationen. Erst wenn alle nicht-operativen Massnahmen ausgeschöpft sind, sollte über eine Operation diskutiert werden.
PD
An wen sollten sich Betroffene mit Rückenbeschwerden zunächst wenden – und wann ist ein spezialisiertes Zentrum sinnvoll? Die erste Anlaufstelle kann durchaus der Hausarzt sein. Dieser kann erste Abklärungen treffen und die meisten Rückenbeschwerden mit der Verschreibung von Medikamenten oder Physiotherapie oft schon gut behandeln. In hartnäckigen Fällen aber ist der Patient in einem interdisziplinären Wirbelsäulenzentrum besser aufgehoben, wo Orthopäden, Wirbelsäulenchirurgen und anästhesiologische Schmerztherapeuten Hand in Hand zusammenarbeiten.
Erfahrung, Empathie und Hightech Die Gründer der Wirbelsäulen- und Schmerz-Clinic Zürich erkannten früh die Zeichen der Zeit: Schon vor 20 Jahren gründeten sie die erste private Praxisgemeinschaft, in der Orthopäden, Neurochirurgen und anästhesiologische Schmerztherapeuten ausschliesslich Wirbelsäulenpatienten betreuen. Wirbelsäulen- und Schmerz-Clinic Klinik Hirslanden Witellikerstrasse 40 8032 Zürich +41 44 387 37 40 wsc@wsc.ch