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BCG (D)

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SUSTAINABLE SWITZERLAND

20. September 2026

Diagnose: Wettbewerbsvorsprung durch nachhaltige Medizintechnik Fast 5 Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen entstehen im Gesundheitswesen. Wie die Medizintechnik ­Nachhaltigkeit und Innovation verbinden und daraus Wettbewerbsvorteile schaffen kann, erklärt Can Schnigula von BCG. spitzt gesagt: Wer sich nicht nachhaltig aufstellt, wird in Zukunft möglicherweise Mühe haben, talentierte Fachleute in ausreichender Zahl zu finden», ist er überzeugt. Für ihn ist es offensichtlich, dass Nachhaltigkeit in der Medizintechnik nicht einfach ein kurzfristiger Trend ist. Wer sich jetzt bereits nachhaltig aufstellt, kann neue Innovationen für Therapien vorantreiben und gleichzeitig die PD

ADOBE STOCK

Die Schweiz hat sich mit dem Klima- und Innovationsgesetz ambitionierte Klimaziele gesteckt – und ist gewillt, diese auch zu erreichen. Das europäische Klimagesetz verfolgt nahezu dieselben Ziele und will erreichen, dass die EU bis 2050 klimaneutral wird. Für die Wirtschaft bedeutet dies nichts anderes, als dass Nachhaltigkeit wieder stärker in den Fokus rücken wird. Besonders anspruchsvoll ist dieser Wandel für die Medizintechnik: Sie muss klimafreundlicher werden, ohne dabei Therapieerfolge und Patientensicherheit zu gefährden. «Das Kerngeschäft der Medtech-Branche ist schliesslich die Verbesserung der Gesundheit und Lebensqualität des Menschen mit ihren Medizinprodukten – und daher sind auch Nachhaltigkeitsmassnahmen essenziell», sagt Can Schnigula, Experte für Medizintechnikunternehmen sowie Managing Director und Partner der Boston Consulting Group (BCG). «Nachhaltigkeit lässt sich in ein Asset umwandeln, das auf dem Markt zu einem echten Wettbewerbsvorteil wird.» Gemeinsam mit MedTech Europe, dem europäischen Dachverband der Medizintechnikunternehmen, erarbeitete BCG den Bericht «Decarbonising Healthcare». Er ist einerseits eine genaue Analyse der aktuellen Situation der Branche, regt aber andererseits auch zu einem Perspektivenwechsel an. «Wir möchten aufzeigen, dass Nachhaltigkeit nicht nur kostspielige regulatorische Investitionen bedeutet, sondern auch die Möglichkeit zu bahnbrechenden Innovationen und Partnerschaften in der Industrie bietet», so Schnigula.

Can Schnigula, Experte für Medizintechnikunternehmen sowie Managing Director und Partner der Boston Consulting Group (BCG)

Starke Verbände Dies gerade auch vor dem Hintergrund, dass die Medtech-Branche noch stärker als andere Industrien KMU-getrieben und inhaltlich breit gefächert ist. Allein in Europa beschäftigen sich über 37 000 Unternehmen mit der Herstellung von Produkten, die von alltäglichen Mullbinden bis zu Hightech-Laborgrossgeräten reichen. In der Schweiz allein sind mehr als 70 000 Personen in der Medizintechnik beschäftigt. «Verglichen mit anderen Industrien, gibt es darunter weniger grosse Player, und ein substanzieller Teil der Innovationen wird weiterhin von Startups – etwa von der ETH oder EPFL – vorangetrieben», sagt Can Schnigula.­ «95 Prozent der Schweizer Medizintechnikfirmen beschäftigen weniger als 250 Personen. Umso wichtiger ist es, dass sich Nachhaltigkeitsinitiativen an die gesamte Branche richten, damit sie sich auf breiter Basis durchsetzen und Wirkung erzielen.» MedTech Europe sei vorbildlich darin, die wichtigen Themen zu identifizieren und branchenweit Veränderungen anzuschieben, welche die gesellschaftlichen, therapeutischen und unternehmerischen Bedürfnisse gleichermassen in den Blick nehmen. In der Schweiz übernimmt diese Rolle Swiss MedTech, der grösste nationale Medtech-Verband Europas. Im vergangenen Jahr veröffentlichte er den ersten, speziell auf die Medizintechnikindustrie zugeschnittenen Dekarbonisierungsfahrplan der Schweiz. Auch dort heisst es, dass Gesetzgeber, Investoren und Kundschaft zunehmend messbare Umweltkennzahlen forderten. Dass Nachhaltigkeit damit auch zu einem Wettbewerbsfaktor wird, zeigt sich zunehmend bei Ausschreibungen. In Dänemark sollen Nachhaltigkeitsfaktoren mittlerweile

Die Medtech-Branche im Spagat: Sie muss nachhaltiger werden, ohne Innovation und Patientenwohl aus dem Blick zu verlieren.

bis zu 30 Prozent Gewicht haben. «Der britische National Health Service hat zum Beispiel bereits Vorgaben, nur noch mit Unternehmen zu arbeiten, die einen Netto-Null-Plan implementiert haben», weiss Can Schnigula. Wie Unternehmen mit dieser Realität zurechtkommen und Umweltbelange in einen wirtschaftlichen Vorteil übersetzen können, beleuchtet der BCG-Bericht im Detail.

Schnelle Erfolge möglich Im Medtech-Sektor entfallen nur 5 bis 10 Prozent aller Emissionen auf Scope 1 und 2, also auf jene Quellen, die Unternehmen mit geeigneten Massnahmen direkt beeinflussen können. Die restlichen Emissionen sind Scope-3-Emissionen, die entlang der Wertschöpfungskette entstehen und anspruchsvoller zu kon­ trollieren sind. Dennoch ist Can Schnigula überzeugt: «40 Prozent ihrer Emissionen können Unternehmen schon jetzt einsparen, ohne dass sie sich mit regulatorischen Hürden befassen oder Unsummen in die Hand nehmen müssen.» Beispiele für mögliche Massnahmen gibt es mittlerweile viele. Philips stellte zum Beispiel an einem seiner Standorte die Wärmeversorgung von einer lokalen Gasheizung auf CO2-neutrale Fernwärme um. Das Unternehmen reduzierte so die jährlichen Heizkosten um 30 Prozent und die CO2-Emissionen um 770 Tonnen. Einen ähnlich schnell messbaren Effekt kann die Optimierung von Prozessen und Lieferketten haben. «Bei manchen Produkten stehen bis zu 30 Fertigungs-

schritte an, zum Teil in der eigenen Produktion, aber auch zu grossen Teilen von Zulieferern», sagt Can Schnigula. «Es kann sich lohnen, genau zu prüfen, ob das noch nötig ist – oder ob es mittlerweile effizientere Lösung gibt, die zudem noch nachhaltiger sind, ohne die Qualität zu beeinträchtigen.»

«Unternehmen können jetzt schon 40 Prozent ihrer Emissionen einsparen.» Can Schnigula, Managing Director & Partner, BCG

ckelte. Der Bioplastik wird in den Handgriffen der Einweg-Endoskope des Unternehmens verwendet, was die Produktionskosten senkt und für die nächsten zehn bis 15 Jahre die Materialverfügbarkeit deutlich erhöht. Dennoch ist klar, dass nicht jede Innovation, die theoretisch möglich ist, es auch in die Praxis schafft. Dafür sorgt der regulatorische Rahmen, der im medizintechnischen Bereich besonders streng ist. «Das ist gewollt und richtig», sagt Can Schnigula, «denn letztlich geht es um das Wohlbefinden des Menschen.» Dass der Mensch dem Umweltgedanken im Weg steht, dürfe man daraus jedoch nicht ableiten. «Wir müssen aber als Gesellschaft die Frage beantworten, in welchen Bereichen wir zugunsten der Umwelt eventuell bereit sind, mit gewissen kleinen Abstrichen zu leben», so Schnigula. «Für lebenswichtige Produkte wird und muss aber immer der Mensch und die bestmögliche Therapie im Vordergrund stehen.»

Chance Nachhaltigkeit Die Medtech-Branche ist hochinnovativ: Im Schnitt melden Unternehmen aus diesem Sektor in Europa alle 30 Minuten ein Patent an. Bei Neuentwicklungen spielen Nachhaltigkeitsüberlegungen eine immer wichtigere Rolle. Ein Beispiel dafür ist das dänische Medizintechnikunternehmen Ambu, das einen emissionsarmen Bioplastik auf der Basis von Biomasse der zweiten Generation – zum Beispiel gebrauchtes Speiseöl – entwi-

Es werden neue Geschäftsmodelle entstehen, die sowohl ökonomisch als auch ökologisch attraktiv sind: Rücknahmeund Recyclingservices, Abo-Modelle oder Upgrade-Modelle gehören zu den vielen möglichen Ansätzen. «Doch es geht nicht nur ums Geld», fügt Can Schnigula an. «Gerade in der Medizintechnikbranche sehen wir den Wunsch der jungen Fachkräfte, in einem Arbeitsumfeld tätig zu sein, in dem auf Nachhaltigkeit Wert gelegt wird. Etwas über-

ökologischen Anforderungen bei Ausschreibungen leichter erfüllen. Dadurch können Kosten eingespart werden, die entweder in neue Innovationen investiert werden oder auch die Gesundheitsausgaben direkt entlasten könnten. Nachhaltigkeit wird die MedtechBranche verändern – und in gewisser Weise sogar neu erfinden. Doch der kontinuierliche Wandel hin zu mehr Nachhaltigkeit in der Medizintechnikbranche ist komplex. Das Wohl der Patientinnen und Patienten steht weiterhin im Vordergrund und muss mit ökologischen Zielen in Einklang gebracht werden. «Wir bei BCG verstehen uns als Partner, der Unternehmen aufzeigt, wie sie sich erfolgreich für die Zukunft aufstellen können, damit Patientenwohl, Innovation und Nachhaltigkeit Hand in Hand gehen», sagt Can Schnigula. «Und gemeinsam mit unserem Unternehmen Quantis helfen wir Unternehmen, ihren derzeitigen Fussabdruck zu verstehen, Massnahmen zu erarbeiten und deren positive Auswirkungen auch mit messbaren Fakten zu untermauern.» So wird Nachhaltigkeit nicht nur zur ökologischen Notwendigkeit, sondern auch zur Chance für Innovation und Wettbewerbsfähigkeit.

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Sustainable Switzerland ist die nationale Nachhaltigkeitsinitiative des Unternehmens NZZ mit Partnern aus Wirtschaft und Wissenschaft. Gemeinsam beschleunigen wir die nachhaltige Entwicklung der Schweiz. sustainableswitzerland.ch Dieser Inhalt wurde von NZZ Story Lab und Sustainable Switzerland im Auftrag von BCG erstellt.


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