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Axpo (D)

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20. September 2026

Windkraft: Wie aus Skepsis Vertrauen entsteht Die Schweizer Bevölkerung hat in der Stromgesetz-Abstimmung im Jahr 2024 mit 68,7 Prozent Ja-Stimmen dem Ausbau erneuerbarer Energien und so auch der Windenergie deutlich zugestimmt. Sobald sich aber die Planung eines Windparks konkretisiert, formiert sich mancherorts Widerstand. Gemäss einer aktuellen Studie der Universität St. Gallen sind es jeweils rund elf Prozent der lokalen Bevölkerung, die sich wehren. Häufig wird in diesem Zusammenhang der ­sogenannte Nimby-Effekt («Not In My Backyard», auf Deutsch etwa: «nicht in meinem Garten») erwähnt. Die Akzeptanzforschung zeigt aber, dass die Ursachen für allgemeine Zustimmung und lokale Ablehnung einer Neuerung komplexer sind. Denn wo Wind­ energieprojekte konkret werden, treffen unterschiedliche Interessen aufeinander: Fragen zu Landschaft, Natur, Wirtschaftlichkeit oder Lebensqualität werden plötzlich unmittelbar. Und während lokale Bedenken manchmal durchaus ­berechtigt sind, beeinflussen psychologische Faktoren auch, wie Nutzen, Risiken und Veränderungen individuell wahrgenommen und gewichtet werden: Die ­sogenannte Verlustaversion etwa besagt: Ein Verlust, beispielsweise an vertrauter Landschaft, wiegt stärker als ein gleich grosser oder sogar späterer grösserer Gewinn. Hinzu kommt der Status-quo-Bias, also die Tendenz, Bestehendes dem Neuen vorzuziehen, sowie die subjektive Risikowahrnehmung, etwa mit Blick­ auf Gesundheit, Natur, Wirtschaft oder Ästhetik.

Wissen allein schafft keine Akzeptanz Mit solchen Diskrepanzen zwischen allgemeiner Zustimmung und lokalem ­Widerstand beschäftigt sich unter anderem die Akzeptanzforschung, prominent vertreten durch Rolf Wüstenhagen, Professor an der Universität St. Gallen. Sein 2007 publiziertes Modell, seither tausendfach zitiert, unterscheidet drei Ebenen der Akzeptanz: die grundsätzliche soziopolitische Zustimmung zu einer Technologie, die lokale Akzeptanz der Bevölkerung vor Ort und schliesslich die Marktakzeptanz von Investoren und Unternehmen. Ein Graben klafft gemäss Wüstenhagen oft zwischen der ersten und der zweiten Ebene. Dieses Phänomen hängt eng mit Emotionen zusammen. Entscheidend für die Akzeptanz sind die wahrgenommene Fairness eines Verfahrens, das Vertrauen in die Projektverantwortlichen und eine gerechte Verteilung von Nutzen und Lasten. Der Nutzen eines Windparks, also günstiger, sauberer Strom, verteilt sich auf die ganze Bevölkerung, während die sichtbaren Folgen, eine veränderte Landschaft, nur vor Ort anfallen. Lange dachte man, diese Emotionalität liesse sich durch die Vermittlung von Fakten entkräften: Wer um den Nutzen für alle weiss, könnte einem Projekt ­offener gegenüberstehen. Wüstenhagen relativiert im Gespräch: Information wirke vor allem auf der analytischen Seite unseres Denkens. Widerstand entstehe aber oft auf der emotionalen Seite. Und dort helfen keine Zahlen, sondern der Miteinbezug der lokalen Bevölkerung und vertrauenswürdige Ansprechpartner, mit denen sich die Bevölkerung im Idealfall identifizieren kann: «Es gab zum Beispiel ein Windprojekt im Kanton Thurgau, das von einem ausserkantonalen Energieversorger geplant wurde. Das

AXPO

Die Schweiz befürwortet den Ausbau erneuerbarer Energien. Wird aber etwa ein Windparkprojekt konkret, kann sich lokal Widerstand regen. Akzeptanzforscher und Historiker erklären, warum sich anfängliche Skepsis oft in Identifikation verwandelt.

Sauber, zukunftsweisend und manchmal lokal nicht unumstritten: Windkraft.

«Es geht Axpo darum, Vertrauen in der Bevölkerung aufzubauen, damit sie schliesslich selbst über Windkraftprojekte entscheiden kann.» Cédric Aubert Leiter Windportfolio Schweiz, Axpo

ergibt natürlich eine ganz andere Ausgangslage, als wenn das lokal verankerte Elektrizitätswerk die Federführung hat», sagt Wüstenhagen und verweist auf den Windpark Gütsch in Andermatt, der kürzlich erweitert wurde, ohne dass es zu Einsprachen gekommen ist. Zudem werde jede neue Infrastrukturtechnologie zunächst schwer akzeptiert, bis man sich selbst ein Bild von den Auswirkungen machen konnte. Wie stark der Gewöhnungseffekt wirkt, zeigt sich etwa bei Chur. Seit 2013 dreht sich bei Haldenstein die erste grosse Windturbine der Ostschweiz. Als die Bevölkerung im ­Februar 2025 über eine zweite Anlage abstimmte, sagten 83 Prozent Ja. In Regionen ganz ohne eigene Windturbinen bleiben die Bedenken hingegen zunächst abstrakt und die Abstimmungen fallen entsprechend knapper aus. «Aller Anfang ist schwer», sagt Wüstenhagen dazu, «aber das Beispiel Chur zeigt, was auch an anderen Orten möglich ist, nachdem die Bevölkerung den Realitätscheck machen konnte.» Für Projektentwickler wie Axpo stellt sich damit die Frage, wie dieser Dialog möglichst sachlich geführt werden kann. Dass sich Akzeptanz gegenüber neuer ­Infrastruktur verändert, sobald Menschen konkrete Erfahrungen damit machen und Nutzen sowie Auswirkungen

selbst beurteilen können, zeigt ein Blick zurück: «Auto, Eisenbahn, Tunnelbau, vieles stiess zunächst auf Skepsis», sagt ­Jakob Tanner, emeritierter Professor für neuere Schweizer Geschichte an der Universität Zürich. Nach 1900 habe es zehn Volksabstimmungen gebraucht, um im Kanton Graubünden die neuartigen Autos auf den Strassen zuzulassen; erst 1925 kippte das Verbot. Die Sorge der Bündner Bevölkerung: Die lauten Maschinen könnten Menschen und Pferde erschrecken und so zu Unfällen führen. Genauso erging es damals der Bahn: Als 1838 bei Zürich erste Vermessungsarbeiten für eine Bahnstrecke begannen, behinderten aufgebrachte Landbewohner aktiv die Beamten. Befeuert durch die Schriften einiger Ärzte, befürchteten sie gesundheitliche Folgen durch die «fauchenden Ungetüme». Hinzu kam ein wirtschaftliches Motiv, sagt Tanner: «Bauern und Kleingewerbler fürchteten, ein Bahnanschluss öffne die Tür für billige Konkurrenz von auswärts. Plötzlich liess sich günstigeres Getreide aus Argentinien via den Hafen von Genua und die Bahn in die Schweiz importieren.» Diese Mischung aus Landschafts- und Sicherheitssorge einerseits und sehr konkreter wirtschaftlicher Angst andererseits kennt man auch von heutigen

Windpark-Konflikten: Gegner warnen etwa vor einer Veränderung der Landschaft, aufgrund der sie wirtschaftliche Beeinträchtigungen, beispielsweise im Tourismusbereich, befürchten.

Kein neues Phänomen Infrastrukturprojekte, die zunächst auf erbitterten Widerstand stossen, können später aber auch Stolz auf das ­Erreichte auslösen, sagt Tanner am Beispiel des Gottharddurchstichs. Die Kantone stritten damals im Vorfeld über die Streckenführung, die europäische Presse sprach wegen der schlechten ­finanziellen Lage der Gotthardbahn-­Gesellschaft ­offen von einer «Eisenbahnkalamität» und die Zürcher Stimm­bevölkerung lehnte 1878 eine Nachsubvention ab. Erst eine gesamtschweizerische Volksabstimmung rettete ein Jahr später den Bergdurchstoss. Die Lage war zeitweilig so schlecht, dass ­Alfred Escher, der Treiber des ganzen Unterfangens, als Direktionspräsident zurücktreten musste. «Nachdem sich aber der Nutzen für die europäische Verkehrsinfrastruktur zeigte», sagt Tanner, «verklammerten sich Nationalideologie und Wirtschaftsinteressen, und der Gotthard steht in der Folge zunehmend als Beispiel für schweizerische Ingenieurskunst.»

Ähnliches kann man für die Bahn geltend machen; die Pünktlichkeit der SBB ist heute sprichwörtlich. Widerstand und Skepsis haben sich über Jahre oder Jahrzehnte zu Stolz gewandelt. Der Unterschied zu heute: Der Umbau des Energiesystems muss heute deutlich schneller gelingen als damals die Entwicklung der Bahn. Umso wichtiger ist es, die Beteiligung der Bevölkerung von Beginn an mitzudenken. Der Stromanbieter Axpo bietet hierfür unter anderem einen Türöffner für einen Dialog an: das sogenannte Windmobil. Ein mobiler, interaktiver Ausstellungsraum bringt erlebbare Windenergie ­direkt auf Dorfplätze, an Schulen und Veranstaltungen: Besucherinnen und Besucher können den Klang einer Anlage hören oder sich mit VR-Brillen in einen Windpark versetzen. Ziel ist es, Windenergie konkret und sinnlich erfahrbar zu machen und frühzeitig den Austausch über Chancen, Auswirkungen und offene Fragen zu ermöglichen. Informationsveranstaltungen, an denen Projektverantwortliche vor Ort Rede und Antwort stehen, ergänzen das Angebot. Bei Axpo betont man: «Es geht mit diesen Angeboten nicht darum, die Bevölkerung um ­jeden Preis zu überzeugen, sondern ­darum, Verständnis und Vertrauen aufzubauen, damit die Anwohnerinnen und Anwohner schliesslich selbst entscheiden können», sagt Cédric Aubert, Leiter Windportfolio Schweiz bei Axpo. Dass so auch bei der Windenergie, wie bei der Bahn und beim Gotthardtunnel, aus anfänglicher Skepsis am Ende Stolz werden kann, zeigt das Beispiel des grössten und ältesten Windparks der Schweiz: Auf dem Mont Crosin bei­ St. Imier stehen seit 1996 Turbinen, heute sind es bereits deren 16. Landwirte und die lokale Bevölkerung wurden seit Anbeginn in die Planung miteinbezogen, und heute gelten gemäss einer Reportage des «Beobachters» aus dem Jahr 2024 «die Windräder als Teil unserer Identität». Die lokale Käserei verkauft sogar stolz sogenannte «Éoliennes à la crème», zu Deutsch etwa «Windrad-Rahmkäsli».

Axpo Energieproduktion, Energiehandel und Innovationstreiberin: Axpo ist nicht nur die grösste Schweizer Stromproduzentin, sondern auch internationale Vorreiterin im Energiehandel und in der Vermarktung von Solar- und Windkraft. Rund 7500 Mitarbeitende verbinden Erfahrung und Know-how mit der Leidenschaft für Innovation und der gemeinsamen Suche nach immer besseren Lösungen. Axpo setzt auf innovative Technologien, um die sich stets wandelnden Bedürfnisse ihrer Kunden in über 30 Ländern in Europa, Nordamerika und Asien zu erfüllen. Axpo hat bereits über 100 Windparks gebaut. axpo.ch

Dieser Inhalt wurde von NZZ Story Lab im Auftrag von Axpo erstellt.


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