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21. Juni 2026
So intensiv werden Windkraftanlagen geprüft Die Schweiz ist europäisches Schluss licht bei der Windenergie. Gerade einmal 0,2 Terawattstunden (TWh) Windstrom produziert das Land jährlich. Das reicht, um den Strombedarf der Haushalte einer mittelgrossen Stadt wie Frauenfeld zu decken, oder – auf die Schweiz hoch gerechnet – 1,5 Prozent aller Haushalte. Das theoretische Potenzial wäre gemäss einer Studie des Bundesamts für Energie aus dem Jahr 2022 fast 150-mal grösser und könnte nicht nur den gesamten Strombedarf der Schweizer Haushalte, sondern die Hälfte des Strombedarfs der gesamten Schweiz inklusive Verkehr und Industrie abdecken. Aber auch «nur» das vom Bund nicht als theoretisch, sondern als realistisch gesehen tatsächlich umsetzbare Potenzial liegt bei knapp 10 TWh – rund die Hälfte des Strom bedarfs aller Schweizer Privathaushalte könnte damit abgedeckt werden. In Zeiten steigender Nachfrage gilt es, diese praktisch brachliegende Energie quelle möglichst bald zu nutzen, auch weil die Abhängigkeit von Stromimpor ten aufgrund der geopolitischen Lage ein Risiko bleibt. Insbesondere im Winter, wenn weniger Strom aus Solar- und Windanlagen zur Verfügung steht. Die Volksabstimmung zum Stromgesetz hat zudem 2024 klar gezeigt, dass die Bevöl kerung den Ausbau erneuerbarer Ener gien zumindest theoretisch wünscht. In der Realität zeigen sich aber Einschrän kungen: Windenergie soll lieber nicht im eigenen Hinterhof stattfinden. Sobald ein Gebiet als geeignet gilt und noch be vor die Faktenlage geklärt ist, regt sich vielerorts bereits Widerstand. Aktuell etwa im Winterthurer Weinland. Dort hat der Kanton Zürich gemäss den Empfeh lungen des Windatlas des Bundesamts für Energie, der die Windintensität an verschiedenen Schweizer Standorten misst, gleich elf Gebiete festgelegt, die sich möglicherweise für Windenergie eignen könnten. Ob sich aber dort in Zukunft wirklich Windräder drehen, ist unklar. Der Windatlas ist nur eine gene relle Einschätzung möglicher Gebiete, die aufgrund relativ grober Messdaten zustande kommt.
Erste Prüfung: Wirtschaftlichkeit Die Feststellung der tatsächlichen Wirt schaftlichkeit muss also bei jedem Gebiet erste Priorität haben. Diese Initial prüfung ist aber nur Teil eines komple xen, dreistufigen Verfahrens, das die Expertise verschiedener Akteure vereint. Sie prüfen jeden Standort unter unter schiedlichsten Gesichtspunkten auf Herz und Nieren. Ist auch nur eine Bedingung nicht erfüllt, wird am betref fenden Standort nicht gebaut. Umge kehrt gilt aber natürlich auch: Ist das Ende der Prüfungen erreicht, eignet sich der Standort. Ein in vielerlei Hinsicht gewinnbringendes Projekt wird möglich. Bevor sich etwa der Schweizer Strom konzern Axpo um eine Baubewilligung bemüht, prüft er also die Wirtschaft lichkeit eines Standorts während 12 bis 18 Monaten mittels Windmessmast, Lasersensorik und eines Abgleichs mit mehrjährigen Referenzdaten. Axpo hat für sich eine mittlere Windgeschwindig keit von durchschnittlich 5 m/s übers Jahr gesehen als Wirtschaftlichkeits schwelle berechnet. Was dies in der Praxis bedeutet, zeigt sich am Beispiel Flumserberg: Nachdem die Stimmbürger der Ortsgemeinde
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Windparkprojekte sind vor allem im Winter dringend benötigt. Doch bevor sich an einem Schweizer Standort auch nur eine einzige Turbine zu drehen beginnt, spielt sich ein dreistufiger Prüfungsprozess von höchster Komplexität ab – der schliesslich geeignete Lösungen garantiert. Tiere belasten würden. Ob der Infra schall der Turbinen die Tiere stören würde, diese Beurteilung ist die Aufgabe der UVP. Trifft der Vorwurf zu, sind die Tiere beeinträchtigt, wird nicht gebaut. Dies gilt genauso für alle insgesamt 26 Prüffaktoren: Fällt ein Teilbereich durch, wird nicht gebaut. Beim Lärm etwa gel ten sogar die strengeren Planungswerte der Lärmschutzverordnung, nicht bloss die normalen Grenzwerte.
Dritte Prüfung: Wille der Bevölkerung
Produziert seit 2013 mehr Strom als erwartet: Windrad in Lutersarni im Entlebuch (LU).
Flums Dorf der Axpo im März 2024 das Baurecht für die Planung des Windparks erteilt hatten, startete der Schweizer Stromriese die Messungen. Knapp zwei Jahre später, am 18. Februar dieses Jah res, beerdigte der Stromkonzern das Pro jekt offiziell bereits wieder: «Am Flum serberg war leider die Voraussetzung der Wirtschaftlichkeit nicht erfüllt. Das war unbequem, weil wir die Erwartungen vieler Menschen und Unternehmen vor Ort enttäuschen mussten. Aber es zeigt, dass wir zu unseren Prinzipien stehen», sagte damals Cédric Aubert, Leiter Wind Schweiz bei Axpo, gegenüber der NZZ. Die internen Messungen hatten ergeben, dass die durchschnittliche Windge
Der Weg zum Windpark Ein dreistufiges Prüfungsverfahren
Quelle: Axpo
schwindigkeit mit 3,5m/s unter der rele vanten Wirtschaftlichkeitsschwelle liegt. Ein solcher Ablauf würde sich genauso auch bei Standorten im Winterthurer Weinland abspielen – dort bemängeln Kritiker wie die SVP oder der eigens gebildete Verein Gegenwind Wyland Winterthur bereits im Vorfeld, das Wind potenzial sei zu gering. Dies, obwohl die eigentlichen Messungen noch gar nicht stattgefunden haben. Es stellt sich zudem bei diesen Mes sungen ein Nebeneffekt ein: Da die Mess stationen mit diversen Sensoren bestückt werden können, können viele Umwelt verträglichkeitstests bereits in diesem
Prüfungsschritt vorgenommen werden. So lassen sich etwa Ultraschallmessun gen durchführen, die auf Fledermaus aktivität hinweisen, wie sie im nächsten Prüfungsverfahren benötigt werden.
Zweite Prüfung: Umweltverträglichkeit Denn ist die Wirtschaftlichkeit eines Standorts für Axpo gegeben, tritt ein weiterer Akteur auf: der Bund. Jeder potenzielle Standort durchläuft die s ogenannte Umweltverträglichkeits prüfung (UVP). Der Bund hat für diese Prüfung, die übrigens gleichermassen für Industriegebiete, Kraftwerke, Auto bahnen und vieles mehr gilt, insgesamt 26 Teilbereiche definiert, die unabhän gige Fachgutachter vor einem potenziel len Baubeginn überprüfen müssen, um so zu eruieren, ob sich ein Gebiet wirk lich eignet. Unter die 26 Prüfungen fallen so viel fältige mögliche Auswirkungen wie Lärmemissionen und Schattenwurf, der Einfluss auf Boden und Grundwasser, Beeinträchtigung des Landschaftsbildes, die Arbeiten und Emissionen, die zur Erschliessung des Areals benötigt wer den, mögliche Lichtverschmutzung, und, sehr wichtig, der mögliche Einfluss auf die lokale Flora und Fauna. Hierfür erheben etwa vom Bund beauftragte Bio logen, ob seltene Pflanzen und Tiere im Gebiet vorkommen und ob für sie bei einer eventuellen Projektplanung eine Beeinträchtigung entsteht. Auch hierfür gibt es im Weinland ein Beispiel: Der Verein Gegenwind Wyland Winterthur hat kürzlich auf eine bedeu tende Kolonie einer vom Aussterben be drohten Fledermausart hingewiesen. Das «Graue Langohr» brütet im Kirch turm der Zürcher Gemeinde Henggart. Der Verein fordert deshalb, im Umkreis von 5,5 Kilometern keine Windräder zu bauen, da die Geräuschemissionen die
Wirtschaftlichkeit und Umweltverträg lichkeit sind zwar Voraussetzungen, aber immer noch keine Garantie dafür, dass ein Projekt realisiert wird. Axpo baut nur dort, wo das dritte Kriterium erfüllt ist: eine sinnvolle Einbettung in die Region. Das bedeutet frühzeitiger Dialog mit G emeinden, Bevölkerung und lokalen Unternehmen – über Pachteinnahmen, Beteiligungsmodelle und Partnerschaf ten mit lokalen Elektrizitätswerken und KMU. Ziel ist echte Mitträgerschaft: Die Region soll nicht nur informiert, sondern eingebunden sein. Ein Beispiel hierfür ist der Windpark Gütsch im Kanton Uri. Dort produzieren auf etwa 2300 Metern Höhe sieben Windräder Strom für rund 5000 lokale Haushalte. Die Anliegerge meinden Andermatt und Göschenen stimmten dem Windpark zu, die lokale Bevölkerung ist am Windpark und am lokalen Elektrizitätswerk beteiligt. Fazit: Ein Gebiet, das alle drei Prüfun gen besteht, bietet Hand für ein Projekt zur Erzeugung erneuerbarer Energie, das allen nützen kann, strengste Umweltan forderungen erfüllt und von der Region mitgetragen wird. Rund 50 der im Wind atlas verzeichneten Standorte prüft Axpo. Der Konzern hofft natürlich, dass möglichst viele Standorte das strenge Prüfungsverfahren überstehen. Denn um das hochgesteckte Schweizer Ziel Netto-Null bis 2050 zu erreichen und da mit auch in Zukunft im Winter unsere Stuben warm bleiben, ist Strom aus Windenergie unabdingbar.
Axpo Energieproduktion, Energiehandel und Innovationstreiberin: Axpo ist nicht nur die grösste Schweizer Stromproduzentin, sondern auch internationale Vorreiterin im Energiehandel und in der Vermarktung von Solar- und Windkraft. Rund 7500 Mitarbeitende verbinden Erfahrung und Know-how mit der Leidenschaft für Innovation und der gemeinsamen Suche nach immer besseren Lösungen. Axpo setzt auf innovative Technologien, um die sich stets wandelnden Bedürfnisse ihrer Kunden in über 30 Ländern in Europa, Nordamerika und Asien zu erfüllen. Aktuell beginnt Axpo mit dem Bau des hundertsten Windparks. axpo.ch
Dieser Inhalt wurde von NZZ Story Lab im Auftrag von Axpo erstellt.