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Axpo (D)

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So intensiv werden Windkraftanlagen geprüft

Windparkprojekte sind vor allem im Winter dringend benötigt. Doch bevor sich an einem Schweizer Standort auch nur eine einzige Turbine zu drehen beginnt, spielt sich ein dreistufiger Prüfungsprozess von höchster Komplexität ab –der schliesslich geeignete Lösungen garantiert.

Die Schweiz ist europäisches Schlusslicht bei der Windenergie. Gerade einmal 0,2 Terawattstunden (TWh) Windstrom produziert das Land jährlich. Das reicht, um den Strombedarf der Haushalte einer mittelgrossen Stadt wie Frauenfeld zu decken, oder – auf die Schweiz hochgerechnet – 1,5 Prozent aller Haushalte. Das theoretische Potenzial wäre gemäss einer Studie des Bundesamts für Energie aus dem Jahr 2022 fast 150 ­mal grösser und könnte nicht nur den gesamten Strombedarf der Schweizer Haushalte, sondern die Hälfte des Strombedarfs der gesamten Schweiz inklusive Verkehr und Industrie abdecken. Aber auch «nur» das vom Bund nicht als theoretisch, sondern als realistisch gesehen tatsächlich umsetzbare Potenzial liegt bei knapp 10 TWh – rund die Hälfte des Strombedarfs aller Schweizer Privathaushalte könnte damit abgedeckt werden. In Zeiten steigender Nachfrage gilt es, diese praktisch brachliegende Energiequelle möglichst bald zu nutzen, auch weil die Abhängigkeit von Stromimporten aufgrund der geopolitischen Lage ein Risiko bleibt. Insbesondere im Winter, wenn weniger Strom aus Solar ­ und Windanlagen zur Verfügung steht. Die Volksabstimmung zum Stromgesetz hat zudem 2024 klar gezeigt, dass die Bevölkerung den Ausbau erneuerbarer Energien zumindest theoretisch wünscht. In der Realität zeigen sich aber Einschränkungen: Windenergie soll lieber nicht im eigenen Hinterhof stattfinden. Sobald ein Gebiet als geeignet gilt und noch bevor die Faktenlage geklärt ist, regt sich vielerorts bereits Widerstand. Aktuell etwa im Winterthurer Weinland. Dort hat der Kanton Zürich gemäss den Empfehlungen des Windatlas des Bundesamts für Energie, der die Windintensität an verschiedenen Schweizer Standorten misst, gleich elf Gebiete festgelegt, die sich möglicherweise für Windenergie eignen könnten. Ob sich aber dort in Zukunft wirklich Windräder drehen, ist unklar. Der Windatlas ist nur eine generelle Einschätzung möglicher Gebiete, die aufgrund relativ grober Messdaten zustande kommt.

Erste Prüfung: Wirtschaftlichkeit

Die Feststellung der tatsächlichen Wirtschaftlichkeit muss also bei jedem Gebiet erste Priorität haben. Diese Initialprüfung ist aber nur Teil eines komplexen, dreistufigen Verfahrens, das die Expertise verschiedener Akteure vereint. Sie prüfen jeden Standort unter unterschiedlichsten Gesichtspunkten auf Herz und Nieren. Ist auch nur eine Bedingung nicht erfüllt, wird am betreffenden Standort nicht gebaut. Umgekehrt gilt aber natürlich auch: Ist das Ende der Prüfungen erreicht, eignet sich der Standort. Ein in vielerlei Hinsicht gewinnbringendes Projekt wird möglich. Bevor sich etwa der Schweizer Stromkonzern Axpo um eine Baubewilligung bemüht, prüft er also die Wirtschaftlichkeit eines Standorts während 12 bis 18 Monaten mittels Windmessmast, Lasersensorik und eines Abgleichs mit mehrjährigen Referenzdaten. Axpo hat für sich eine mittlere Windgeschwindigkeit von durchschnittlich 5 m/s übers Jahr gesehen als Wirtschaftlichkeitsschwelle berechnet. Was dies in der Praxis bedeutet, zeigt sich am Beispiel Flumserberg: Nachdem die Stimmbürger der Ortsgemeinde

Flums Dorf der Axpo im März 2024 das Baurecht für die Planung des Windparks erteilt hatten, startete der Schweizer Stromriese die Messungen. Knapp zwei Jahre später, am 18. Februar dieses Jahres, beerdigte der Stromkonzern das Projekt offiziell bereits wieder: «Am Flumserberg war leider die Voraussetzung der Wirtschaftlichkeit nicht erfüllt. Das war unbequem, weil wir die Erwartungen vieler Menschen und Unternehmen vor Ort enttäuschen mussten. Aber es zeigt, dass wir zu unseren Prinzipien stehen», sagte damals Cédric Aubert, Leiter Wind Schweiz bei Axpo, gegenüber der NZZ. Die internen Messungen hatten ergeben, dass die durchschnittliche Windge ­

Der Weg zum Windpark Ein dreistufiges Prüfungsverfahren

schwindigkeit mit 3,5m/s unter der relevanten Wirtschaftlichkeitsschwelle liegt.

Ein solcher Ablauf würde sich genauso auch bei Standorten im Winterthurer Weinland abspielen – dort bemängeln Kritiker wie die SVP oder der eigens gebildete Verein Gegenwind Wyland Winterthur bereits im Vorfeld, das Windpotenzial sei zu gering. Dies, obwohl die eigentlichen Messungen noch gar nicht stattgefunden haben.

Es stellt sich zudem bei diesen Messungen ein Nebeneffekt ein: Da die Messstationen mit diversen Sensoren bestückt werden können, können viele Umweltverträglichkeitstests bereits in diesem

Prüfungsschritt vorgenommen werden. So lassen sich etwa Ultraschallmessungen durchführen, die auf Fledermausaktivität hinweisen, wie sie im nächsten Prüfungsverfahren benötigt werden.

Zweite Prüfung:

Umweltverträglichkeit

Denn ist die Wirtschaftlichkeit eines Standorts für Axpo gegeben, tritt ein weiterer Akteur auf: der Bund. Jeder potenzielle Standort durchläuft die sogenannte Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP). Der Bund hat für diese Prüfung, die übrigens gleichermassen für Industriegebiete, Kraftwerke, Autobahnen und vieles mehr gilt, insgesamt 26 Teilbereiche definiert, die unabhängige Fachgutachter vor einem potenziellen Baubeginn überprüfen müssen, um so zu eruieren, ob sich ein Gebiet wirklich eignet.

Unter die 26 Prüfungen fallen so vielfältige mögliche Auswirkungen wie Lärmemissionen und Schattenwurf, der Einfluss auf Boden und Grundwasser, Beeinträchtigung des Landschaftsbildes, die Arbeiten und Emissionen, die zur Erschliessung des Areals benötigt werden, mögliche Lichtverschmutzung, und, sehr wichtig, der mögliche Einfluss auf die lokale Flora und Fauna. Hierfür erheben etwa vom Bund beauftragte Biologen, ob seltene Pflanzen und Tiere im Gebiet vorkommen und ob für sie bei einer eventuellen Projektplanung eine Beeinträchtigung entsteht.

Auch hierfür gibt es im Weinland ein Beispiel: Der Verein Gegenwind Wyland Winterthur hat kürzlich auf eine bedeutende Kolonie einer vom Aussterben bedrohten Fledermausart hingewiesen. Das «Graue Langohr» brütet im Kirchturm der Zürcher Gemeinde Henggart. Der Verein fordert deshalb, im Umkreis von 5,5 Kilometern keine Windräder zu bauen, da die Geräuschemissionen die

Tiere belasten würden. Ob der Infraschall der Turbinen die Tiere stören würde, diese Beurteilung ist die Aufgabe der UVP. Trifft der Vorwurf zu, sind die Tiere beeinträchtigt, wird nicht gebaut. Dies gilt genauso für alle insgesamt 26 Prüffaktoren: Fällt ein Teilbereich durch, wird nicht gebaut. Beim Lärm etwa gelten sogar die strengeren Planungswerte der Lärmschutzverordnung, nicht bloss die normalen Grenzwerte.

Dritte Prüfung:

Wille der Bevölkerung

Wirtschaftlichkeit und Umweltverträglichkeit sind zwar Voraussetzungen, aber immer noch keine Garantie dafür, dass ein Projekt realisiert wird. Axpo baut nur dort, wo das dritte Kriterium erfüllt ist: eine sinnvolle Einbettung in die Region. Das bedeutet frühzeitiger Dialog mit Gemeinden, Bevölkerung und lokalen Unternehmen – über Pachteinnahmen, Beteiligungsmodelle und Partnerschaften mit lokalen Elektrizitätswerken und KMU. Ziel ist echte Mitträgerschaft: Die Region soll nicht nur informiert, sondern eingebunden sein. Ein Beispiel hierfür ist der Windpark Gütsch im Kanton Uri. Dort produzieren auf etwa 2300 Metern Höhe sieben Windräder Strom für rund 5000 lokale Haushalte. Die Anliegergemeinden Andermatt und Göschenen stimmten dem Windpark zu, die lokale Bevölkerung ist am Windpark und am lokalen Elektrizitätswerk beteiligt. Fazit: Ein Gebiet, das alle drei Prüfungen besteht, bietet Hand für ein Projekt zur Erzeugung erneuerbarer Energie, das allen nützen kann, strengste Umweltanforderungen erfüllt und von der Region mitgetragen wird. Rund 50 der im Windatlas verzeichneten Standorte prüft Axpo. Der Konzern hofft natürlich, dass möglichst viele Standorte das strenge Prüfungsverfahren überstehen. Denn um das hochgesteckte Schweizer Ziel Netto ­Null bis 2050 zu erreichen und damit auch in Zukunft im Winter unsere Stuben warm bleiben, ist Strom aus Windenergie unabdingbar.

Axpo

Energieproduktion, Energiehandel und Innovationstreiberin: Axpo ist nicht nur die grösste Schweizer Stromproduzentin, sondern auch internationale Vorreiterin im Energiehandel und in der Vermarktung von Solar- und Windkraft. Rund 7500 Mitarbeitende verbinden Erfahrung und Know-how mit der Leidenschaft für Innovation und der gemeinsamen Suche nach immer besseren Lösungen. Axpo setzt auf innovative Technologien, um die sich stets wandelnden Bedürfnisse ihrer Kunden in über 30 Ländern in Europa, Nordamerika und Asien zu erfüllen. Aktuell beginnt Axpo mit dem Bau des hundertsten Windparks. axpo.ch

Dieser Inhalt wurde von NZZ Story Lab im Auftrag von Axpo erstellt.

Produziert seit 2013 mehr Strom als erwartet: Windrad in Lutersarni im Entlebuch (LU).

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