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Im Oktober und November sind Marc Sway und Thomas Hampson zusammen mit dem Swiss Orchestra in der Andermatt Konzerthalle zu hören.
Lena-Lisa Wüstendörfer hat allen Grund, sich zu freuen: Andermatt Music hat sich unter ihrer Intendanz seit 2022 hervorragend entwickelt und ist aus der Schweizer Kulturlandschaft nicht mehr wegzudenken. Durch seine Verbindung von regionaler Verankerung und internationaler Ausstrahlung zieht der Ganzjahresbetrieb sowohl die einheimische Bevölkerung als auch Musikbegeisterte und Feriengäste aus aller Welt an. Das Engagement der Schweizer Dirigentin und Musikwissenschafterin wird anerkannt: Soeben ist ihr Vertrag um fünf Jahre verlängert worden. Davon will sie aber kein Aufhebens machen: Lieber spricht sie über die neue Konzertsaison, die am 25. September mit einem fulminanten Wochenende beginnt. «Zur Eröffnung wollen wir gleich unsere tragenden Programmsäulen präsentieren», sagt sie: «Das Swiss Orchestra steht für die Wiederentdeckung der Schweizer Sinfonik in Kombination mit bekannten Meisterwerken des klassischen Kanons, ‹World Stage› bringt internationale Spitzenmusikerinnen und -musiker nach Andermatt, während ‹Local Roots› die Verbindung zur Region mit herausragenden Innerschweizer Formationen stärkt.» Wer Lena-Lisa Wüstendörfers bisheriges Wirken in Andermatt verfolgt hat, weiss, dass es ihr bei ihren Crossover-Projekten nicht um eine gefällige Mélange von Klassik und Pop geht, sondern um herausfordernde Begegnungen und echte musikalische Dialoge zwischen dem von ihr geleiteten Swiss Orchestra, das auch weiterhin das Residenzorchester im höchstgelegenen Konzertsaal der Alpen bleibt, und markanten Stimmen aus Pop und Weltmusik.
Zwischen Orient und Okzident Das Auftaktkonzert am 25. September bestreiten die Ayoub Sisters. Laura Ayoub spielt Violine, ihre Schwester Sarah Cello. Begleitet werden sie vom zwanzigköpfigen Ayoub Ensemble, mit dem sie eine grenzüberschreitende Musik pflegen: Diese verbindet europäische Klassik mit Melodien und Rhythmen der arabischen Welt, ohne sich um die (einstmals) strenge Trennung von sogenannter Eund U-Musik zu scheren. Diese Schubladisierung ist sowieso eine relativ junge Erfindung des Bildungsbürgertums: Haydn und Mozart hätten über sie gelacht und den Kopf geschüttelt. Sie wussten, dass sich Musik stets in einem konkreten gesellschaftlichen Kontext ereignet. Die von ihnen, aber auch von Beethoven oder Bartók gepflegte Gattung «Divertimento» meint nichts anderes als «Unterhaltung». Die beiden Schwestern Ayoub sind als Töchter ägyptischer Eltern in Glasgow aufgewachsen; ihre Ausbildung absolvierten sie an der schottischen Douglas Academy School of Music und an führenden Konservatorien in Grossbritannien. Internationale Aufmerksamkeit erlangte das Duo, nachdem
Fernweh und Heimweh Zum Auftakt ihrer fünften Saison bei Andermatt Music präsentiert die Intendantin und Dirigentin Lena-Lisa Wüstendörfer ein so durchdachtes wie überraschendes Programm, das Klassik, Pop und Weltmusik verbindet.
sein in den Abbey Road Studios mit dem Royal Philharmonic Orchestra aufgenommenes Debütalbum im Jahr 2017 Platz 1 der offiziellen Klassik-Albumcharts erreichte. Seitdem sind sie weltweit gefragte Künstlerinnen. In ihrem aktuellen Programm «Arabesque» finden technische Virtuosität und genuine Spielfreude aufs Schönste zusammen.
Wiederentdeckt: Joachim Raff Der zweite Abend am 26. September gehört ganz dem Swiss Orchestra. Eröffnet wird er mit Auszügen der Orchestersuite Nr. 1 op. 101 des in der Innerschweiz aufgewachsenen Komponisten Joachim Raff (1822 – 1882). Zu seinen Lebzeiten war der so vielseitige wie produktive Tonschöpfer hochgeachtet; Zeitgenossen stellten ihn gleichberechtigt neben Liszt, Brahms und Wagner. Im zwanzigsten Jahrhundert geriet er zunächst in Vergessenheit. In den letzten Jahrzehnten wurde er jedoch zunehmend wiederentdeckt und in seinem Rang erkannt. Da Joachim Raff ein grosser Bewunderer von Franz Liszt war und von diesem gefördert wurde, liegt es nahe, auch ein Werk seines Vorbilds ins Konzertprogramm aufzunehmen, und zwar das Klavierkonzert Nr. 1 Es-Dur. Als Solistin konnte die italienisch-niederländische Pianistin Saskia Giorgini gewonnen werden. Die Liszt-Spezialistin – gelobt für die Poesie, Tiefe und Klarheit ihres Spiels – wird das Werk, das zu den Paradestücken bedeutender Pianisten wie Claudio Arrau, György Cziffra und Artur Rubinstein gehörte, in Andermatt präsentieren. Nach der Pause erklingt Beethovens Sinfonie Nr. 6, die sogenannte «Pastorale». Ein Orchesterwerk wie gemacht für die Urner Berglandschaft, wie Wüstendörfer mit einem Zwinkern sagt: «Natürlich kann keine Gegend diese wunderbare Musik für sich allein beanspruchen, aber die idyllische Szene am Bach im zweiten, das gewaltige Gewitter im vierten und der Hirtengesang im fünften Satz passen doch perfekt in die Schweizer Alpen!» Vier Wochen nach dem Eröffnungs-Weekend überrascht Andermatt Music mit zwei Konzerten der besonderen Art: Beim Festival «The Bash»
geht es am 23. Oktober um «Ufbruch» und tags darauf um «Heicho». Artiste étoile des von LenaLisa Wüstendörfer konzipierten Programms ist der Schweizer Popmusiker Marc Sway. Mit Mitgliedern seiner Band trifft er auf die Swiss Orchestra Soloists und auf ein Ensemble des Schweizer Jugendchors. «Es geht um den Themenkomplex Heimat und Fremde, Fernweh und Heimweh», erläutert die Dirigentin. «Wir denken ihn in einem weiten historischen Kontext. Die Schweiz war im 19. Jahrhundert eine arme Gegend. Viele Menschen sind deshalb ausgewandert, um anderswo, etwa in Amerika, ihr Glück zu suchen. Wir versuchen, uns in sie hin einzuversetzen – bei ihrem Aufbruch, aber auch
Highlights der Herbstsaison 2026 Saisoneröffnung:
Ayoub Sisters & Ensemble Freitag, 25. September, 19.30 Saisonauftakt mit dem Swiss Orchestra:
Beethoven, Liszt, Raff Samstag, 26. September, 19.30 «The Bash» – Teil 1:
Marc Sway & Band Freitag, 23. Oktober, 19.30 «The Bash» – Teil 2:
Marc Sway, Swiss Orchestra Samstag, 24. Oktober, 19.30
Samstag, 5. September 2026
ANDERMATT MUSIC
bei ihrer Rückkehr. Das Thema Heimat beschäftigt uns in unterschiedlichen Aspekten jedoch bis heute und ist verbunden mit ganz verschiedenen Emotionen. Deshalb wird unsere Musik teils zuversichtlich klingen, teils melancholisch, sie wird pathetisch und eruptiv sein, vor allem aber immer überraschend.» Für dieses Projekt ist Marc Sway die Idealbesetzung. Als Sohn einer brasilianischen Mutter und eines Schweizer Vaters ist er in zwei Welten zu Hause. Zudem ist er ein charismatischer Entertainer zwischen Soul und Pop. Für südamerikanische und afrikanische Rhythmen hat er ein besonderes Gespür. Obwohl längst ein Star, ist er nahbar und natürlich geblieben.
Pop trifft Klassik trifft Heimat Wie vor ihm bei dem jährlich stattfindenden «The Bash» schon Stephan Eicher und Bligg trifft Sway auf das Swiss Orchestra. Mit ihm unternimmt er eine musikalische Reise, die ihn von Andermatt bis nach Rio de Janeiro führt. Auf dem Programm stehen neben Sways Songs, die hier erstmals in Orchesterfassung erklingen, auch klassische Werke von Ludwig van Beethoven, Antonín Dvorák, Heitor VillaLobos und anderen. Die beiden «Bash»-Abende sind als Gesamtkunstwerk konzipiert, können aber auch einzeln besucht werden. «In der Woche vor der Aufführung wird unsere Konzerthalle zu einem Klanglabor», sagt Lena-Lisa Wüstendörfer. «Aber wenn es dann so weit ist, werden wir das Zusammentreffen richtig feiern!» Mit dem Bariton Thomas Hampson kommt am 29. November ein Weltstar des klassischen Gesangs nach Andermatt. Der gebürtige Amerikaner gilt wie vor ihm der legendäre Dietrich Fischer-Dieskau als Intellektueller unter den Sängern. In seinen Rezitalen verbindet er Klangschönheit mit geistiger Gestaltungskraft. Mit dem Swiss Orchestra führt er eine Auswahl von Gustav Mahlers «Wunderhornliedern» auf, die er schon mustergültig eingespielt hat, und kombiniert sie mit den zarten, selten gehörten «Trois Aquarelles» des Genfer Komponisten George Templeton Strong. Eingerahmt werden die beiden Liedzyklen durch Orchesterwerke von Schubert, Raff und Mendelssohn. Die Zusammenstellung setzt die Werke zueinander in Beziehung und entfaltet sich um die grossen Themen Liebe, Sehnsucht, Natur, Freiheit und Vergänglichkeit. Damit wird Lena-Lisa Wüstendörfer die Erfolgsgeschichte von Andermatt Music um ein weiteres Kapitel fortschreiben.
«Swiss Romance»:
Thomas Hampson, Swiss Orchestra Sonntag, 29. November, 17.00 Informationen und Tickets: andermattmusic.ch
Dieser Inhalt wurde von NZZ Story Lab im Auftrag von Andermatt Music erstellt.