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Raiffeisen (D)

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Dienstag, 5. November 2024

Ruhestand: Planung statt Blindflug Viele Menschen lassen ihre Pensionierung unvorbereitet auf sich zukommen. Laut Tashi Gumbatshang, Vorsorgeexperte bei Raiffeisen Schweiz, kann eine sorgfältige Pensionsplanung aber viele Vorteile bringen – nicht nur im Alter, sondern auch lange davor. Das Vorsorgebarometer 2024 von Raiffeisen zeigt: Lediglich etwas über ein Fünftel der Befragten besitzt einen Finanzplan im Hinblick auf das Rentenalter. Überrascht Sie dieser tiefe Wert? Tashi Gumbatshang: Nein. Vielmehr erstaunt mich, dass auf der anderen Seite 80 Prozent der Befrag­ ten unvorbereitet auf die Pensionierung zusteuern. Beim Nachlass ist die Situation übrigens vergleich­ bar. Auch diesen haben nur 25 Prozent der Leute geregelt. Wie erklären Sie sich das? Die Pensionierung und erst recht die Nachlass­ planung sind keine Angelegenheiten, mit denen man sich gerne auseinandersetzt, da sie die eigene Vergänglichkeit vor Augen führen. Als Reaktion darauf verschieben viele Menschen das Thema auf später oder lassen es ganz beiseite. Was bedeutet das für die betroffenen Personen? Sie könnten eine unschöne Überraschung erle­ ben. Denn die Realität nach der Pensionierung deckt sich oftmals nicht mit den Wunschvorstel­ lungen der Leute. Eine ungenügende Pensions­ planung kann finanzielle Engpässe und unnötige Kosten – beispielsweise als Steuern – nach sich ziehen. Manchmal führt ein Mangel an Liquidi­ tät sogar dazu, dass das langjährige Eigenheim im Ruhestand veräussert werden muss. Sinnvoller­ weise wird im Zuge einer Pensionsplanung auch der Nachlass in Form eines Testaments, eines Eheoder Erbvertrags gewissenhaft geregelt. Dadurch lassen sich viele Familienstreitigkeiten vermeiden. Wann sollte man entsprechend mit der Pensionsplanung starten? Grundsätzlich empfehle ich, ab 45 mit den ersten Vorbereitungen zu beginnen. Je eher man das Heft in die Hand nimmt, desto mehr Gestaltungsmög­ lichkeiten stehen zur Verfügung. Was viele nicht wissen: Bereits der erste Lohn kann die finanzi­ elle Situation bei der Pensionierung beeinflussen. Doch auch kurz vor der Pensionierung lohnt sich der Schritt noch immer. Schliesslich gilt auch hier der Grundsatz: Es ist nie zu spät, um etwas zu tun!

Wer das Thema Vorsorge auf die lange Bank schiebt, könnte später «eine böse Überraschung erleben», sagt der Experte Tashi Gumbatshang. PD

Und doch bleibt die grosse Mehrheit untätig. Ja, und das ist besonders schade vor dem Hin­ tergrund, dass immer mehr Menschen nicht bis zum Referenzalter in Vollzeit arbeiten möchten. Laut dem Vorsorgebarometer würden 56 Prozent der Erwerbstätigen lieber vorzeitig in Pension ge­ hen – auch solche, die es sich eigentlich nicht leis­ ten können.

rente den mutmasslichen Ausgaben gegenüber­ stellt. Ein realistisches Budget ist essenziell, weil es eine wichtige Planungsgrundlage darstellt. Aus der Beratung wissen wir, dass die Ausgaben häufig un­ terschätzt werden und die Steuerbelastung höher bleibt als erwartet – beispielsweise weil die Ren­ ten als Einkommen versteuert werden müssen und viele Abzüge wegfallen.

Wie kommt das? Die meisten Menschen verlassen sich weitgehend auf Schätzungen und falsche Erwartungen. Diese Haltung ist vergleichbar mit einem Piloten eines Flugzeuges, der bei Nebel im Blindflug landen möchte. Manchmal klappt dies tatsächlich. Doch die Landung wäre deutlich entspannter und siche­ rer, wenn er sich auf seinen Autopiloten verlassen könnte. Und in der Altersvorsorge ist die Pensions­ planung der Autopilot. Welche Punkte sollte eine Pensionsplanung unbedingt einschliessen? Das Herzstück einer Pensionsplanung ist das Bud­ get. Dieses beantwortet die Frage nach den Ein­ nahmen und Ausgaben im Ruhestand. Sind grös­ sere Investitionen geplant? Reisen, Renovationen, Schenkungen an die Kinder und Enkel oder Ähn­ liches? In diesem Zusammenhang sollte man auch die Liquidität fest im Auge haben, sonst können sich unangenehme Situationen ergeben. Ich erlebe es immer wieder, dass auch vermögende Personen, die in einem teuren Eigenheim leben, in Liquidi­ tätsengpässe geraten, weil dieser Posten in der Pla­ nung zu wenig berücksichtigt wurde. Nur ein Zim­ mer einer Villa zu verkaufen, ist nicht möglich. Und die Hypothek im Pensionsalter zu erhöhen, ist kein einfaches Unterfangen. Wie unterscheidet sich die Situation für verheiratete und unverheiratete Personen? Im Rahmen der Pensionsplanung ergeben sich für Verheiratete durch ihre rechtliche Verbindung und deren Auswirkungen auf die Sozialwerke zusätzli­ che Optionen. Zum Beispiel bei einem gestaffel­ ten Kapitalbezug bei der Pensionierung. Eine ge­ wissenhafte Planung erlaubt es hier, die ganze Kla­ viatur der Möglichkeiten im Sinne der Eheleute zu spielen. Wie gehen Sie bei der Budgetplanung vor? Als Grundlage dient uns das Budget aus dem Er­ werbsleben. Dabei werden absehbare Einkom­ mensbestandteile wie AHV- und Pensionskassen-

«Eine Pensionsplanung ist bestimmt eine der besten Investitionen, die man im Leben tätigen kann.»

Die Ausgaben nehmen also im Alter nicht ab? Nein, entgegen der weitverbreiteten Meinung ist das nicht der Fall. Der Trend geht sogar in die an­ dere Richtung: Heute geben die Leute nach der Pensionierung mehr Geld aus als zuvor. Hier zeigt sich die Diskrepanz zwischen den Erwartungen und der Realität besonders deutlich. Objektiv be­ trachtet, ist die Entwicklung dagegen gut nachvoll­ ziehbar: Die Menschen werden älter, sind nach wie vor bei guter Gesundheit und haben mehr Frei­ zeit. Dann pflegen sie ihre Hobbys, erfüllen sich oftmals lang gehegte Wünsche, gehen auf Reisen. Warum sollten ihre Ausgaben genau zu diesem Zeitpunkt zurückgehen? Der Bezug der Pensionskassengelder ist in verschiedenen Formen möglich. Wie entscheidet man sich für die richtige? Hierzu gibt es keine Faustregel. Ob Rente, Kapi­ tal oder eine Mischform – am Ende hängt es von der persönlichen Lebenssituation ab. Für die Abde­ ckung der laufenden Ausgaben würde ich eine Rente wählen. Wenn darüber hinaus noch Kapital vorhan­ den ist, kann man dieses für grössere Anschaffun­ gen, Schenkungen, Renovationen oder eine vorzei­ tige Erbschaftzahlung einsetzen. Letztendlich hängt es jedoch auch von der eigenen Lebenserwartung, der familiären Situation und der Präferenzen ab. Wann lohnt es sich, bei der Pensionsplanung eine externe Beratung in Anspruch zu nehmen? Eine Pensionsplanung ist bestimmt eine der bes­ ten Investitionen, die man im Leben tätigen kann. Und sie lohnt sich gleich mehrfach. Denn die Bera­ tung beschränkt sich nicht nur auf das Budget, son­ dern umfasst sämtliche Vermögenswerte und bie­ tet zahlreiche wertvolle Entscheidungshilfen. Wir zeigen den Kundinnen und Kunden viele mögli­ che Parameter, Optionen und Kombinationen auf. Ein Beispiel: Bei der Pensionierung ergeben sich ganz unterschiedliche Auswirkungen, wenn man

sich mit 58, 62 oder regulär mit 65 Jahren aus dem Arbeitsleben zurückzieht. Je nachdem sind unter­ schiedliche Vorkehrungen nötig, um den Lebens­ standard zu erhalten. Darüber hinaus ergeben sich durch eine gezielte Pensionsplanung auch zahlrei­ che Sparmöglichkeiten.

Fünf Tipps des Vorsorgeexperten 1. Planen Sie frühzeitig! Je früher Sie damit beginnen, desto bes­ ser können Sie Ihre Pensionierung planen. Gleichzeitig ergeben sich oftmals auch Ein­ sparmöglichkeiten. 2. Nutzen Sie die Möglichkeiten der zweiten und dritten Säule! Damit blicken Sie entspannter auf die Zeit im Ruhestand und profitieren von steuerli­ chen Vorteilen. 3. Erstellen Sie ein Budget! Oftmals stimmen die eigenen Annahmen und Erwartungen nicht mit der Realität nach der Pensionierung überein. 4. Behalten Sie die Liquidität im Auge! Selbst vermögende Personen können in fi­ nanzielle Engpässe geraten. Dies kann sogar den Verkauf des Eigenheims zur Folge haben. 5. Lassen Sie sich beraten! Eine Pensionsplanung umfasst sämtliche As­ pekte auf dem Weg in den Ruhestand und dar­über hinaus. Wer dank professioneller Un­ terstützung gut darauf vorbereitet ist, erreicht finanzielle Sicherheit bis ans Lebensende.

Dieser Inhalt wurde von NZZ Content Creation im Auftrag von Raiffeisen erstellt.


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