20/21 FEB 2026
JOACHIM SCHLOEMER
Rauschen
oder der Nachhall der Tage
JOACHIM SCHLOEMER
Rauschen oder der Nachhall der Tage
PRODUKTION Verein Joachim Schloemer & Friends
KONZEPT, CHOREOGRAFIE Joachim Schloemer
RAUM, LICHT Joachim Schloemer, Andreas Greiner, Anne-Sophie Raemy
SOUND Janiv Oron
KOSTÜME Anne-Sophie Raemy
MUSIK Janiv Oron, Kali Malone
CHOREOGRAFISCHE ASSISTENZ Elizabeth Waterhouse
DRAMATURGISCHE BEGLEITUNG Xavier Zuber
PRODUKTIONSLEITUNG Daniel Teige
TANZ Simea Cavelti, Robert Cornejo, Iva Dixson, Nona Munnix, Kihako Narisawa, Anna Riley-Shepard
Eine Koproduktion von Tanzhaus Basel und Festspielhaus St. Pölten, gefördert durch die Schweizer Kulturstiftung pro helvetia. Unterstützt durch GGG Basel, Verein Tanz Haus Basel, Ernst Göhner Stiftung.
Österreich-Premiere
Dauer: ca. 1 Std. 30 Min. (keine Pause)
„Das Leben rauscht an einem vorbei. Das Vergehen der Zeit ist in diesem Tanzstück eine Metapher für das Leben.“
JOACHIM SCHLOEMER
EInführung & Interview
DIE WELT VON RAUSCHEN
Rauschen ist aus einem Solo-Tanzstück entstanden, das Joachim Schloemer 2022 während eines Arbeitsaufenthalts in Basel kreierte. Im Alter von sechzig Jahren war der Choreograf daran interessiert, den Rausch der Bewegung mit seinem eigenen Körper wieder zu erforschen und die Art und Weise zu untersuchen, wie Tanz und Choreografie seinen Ausdruck als Künstler weiterhin beeinflussen.
Die aktuelle Produktion mit sechs Tänzer:innen erweitert diese persönliche Recherche über Zeitzyklen, Sterblichkeit und Vergänglichkeit. Die Themen Leben und Tod, Altern, Dauer und Erschöpfung, Resonanz und Nachhaltigkeit werden von diesem Ensemble aus Darsteller:innen unterschiedlichen Alters und unterschiedlicher Nationalität in Bewegung gesetzt. In Zusammenarbeit mit der Kostümbildnerin Anne-Sophie Raemy und dem Medienkünstler und DJ Janiv Oron entwickelte Schloemer eine erdgebundene Bewegungssprache, die evokative Abstraktionen aus Figuren, Klang, Licht und Worten zusammen bildet. Die ästhetische Beziehung von Tanz und musikalischen Strukturen ist ein Grundpfeiler von Joachim Schloemers choreografischer Arbeit. Für diese Produktion wählte er bestehende Musik für Orgel und Elektronik der amerikanischen Komponistin Kali Malone und neue Kompositionen, die von dem israelisch-schweizerischen Medienkünstler und DJ Janiv Oron geschaffen und live aufgeführt wurden.
Die Bewegungszyklen der Tänzer:innen verweben sich und zirkulieren innerhalb dieser Klangsphären, indem sie sich annähern, entfernen, zusammenkommen und auseinanderdriften.
ÜBER RAUSCHEN
Joachim Schloemer im Gespräch mit Xavier Zuber
Xavier Zuber: Das Tanzstück heißt Rauschen, worum geht es da?
Joachim Schloemer: In Rauschen geht es um das Vergehen der Zeit und damit um die Vergänglichkeit. Rauschen ist für mich auch dieses undefinierbare im Hintergrund liegende Geräusch. Es erinnert mich an die Geschwindigkeit des Lebens, das unaufhaltsam vorbeirauscht. Das Wort selber wurde ja aus dem Wort ruischen gebildet. Das heißt so viel wie: anstürmen, anlaufen. Auf der einen Seite ist es das drängende, nicht nachlassende, wie in einem Fluss, der nicht und nie stehenbleiben wird, den wir beobachten können, auf der anderen Seite dieses ganz weit entfernte, nur zu ahnende Geräusch. Beides sind Erfahrungen von Rauschen, entweder von innen heraus oder von
außen nach innen. Dabei geht es immer darum Zeit zu spüren. Dieses Gefühl von Rauschen begleitet uns ein Leben lang und … es rauscht an einem vorbei.
Xavier Zuber: Gibt es auch eine Geschichte?
Joachim Schloemer: Eigentlich nicht. Es geht eher um ein Gefühl, dass man Zeit hat oder wenig, oder keine. Das Gefühl von Zeit im Überfluss, nichts bewegt sich, mir ist langweilig. In solchen Momenten komme ich persönlich zum Beispiel überhaupt erst zur Ruhe. Oder im anderen Extrem das ständige Verpassen, das Gefühl einer Knappheit von Zeit. Ich vergleiche Rauschen auch immer mit einem Sinnbild für das, was Leben ist und mit dem was Vergänglichkeit ausmacht. Bis zu dem Punkt des Memento mori – an dem man sich der eigenen Sterblichkeit bewusst wird.
Xavier Zuber: Also ein Zyklus des Lebens?
Joachim Schloemer: Zum einen Teil, ja. Aber neben den ganzen philosophischen Betrachtungen sind in Rauschen auch ganz alltägliche Erfahrungen eingeflossen. Jeder kennt das. Man denkt, jetzt geht gar nichts mehr, alles um einen herum steht still, etwas ist vorbei. Woher soll ich wieder neue Kraft schöpfen, neu beginnen? Und irgendwann dann geht der Motor wieder los. Das ist mir immer wieder passiert.
Xavier Zuber: Ein Moment des Bruchs?
Joachim Schloemer: Ja. Wie: Eine Trennung, Scheidung, Kündigung, ein Zusammenbruch, ein Burnout, das Ende einer guten Phase. Im Gegensatz dazu gibt es auch den positiven Bruch, ein neuer Partner, die Geburt eines Kindes, ein neuer, großartiger Job. Jedes Mal ein Neubeginn.
Xavier Zuber: Und was sind deine künstlerischen Mittel, die du dafür einsetzt?
Joachim Schloemer: Die choreografische Übersetzung an diesem Abend ist der sich ständig wiederholende Vorgang der Erneuerung. Der stellt sich für mich vor allem in der Kreisbewegung dar. Als Metapher hierfür nehmen wir einen Kreisel. Er steht für die verschiedenen Stadien des Lebens, die wir durchlaufen. Es dreht sich immer weiter, bis zum Torkeln, Umfallen und Liegenbleiben. Auf der Bühne sieht man sechs Tänzer:innen. Die Musik wir zum großen Teil live zugespielt. Die Tänzer:innen haben während des Stückes Optionen, diese oder jene
Entscheidung im Bewegungsablauf zu treffen. Wie im Leben ist es mir wichtig, dass sie die Optionen haben auszusteigen oder mit neuem Bewegungsmaterial weiterzumachen. Es ist Teil der Freiheit sein Leben in der Gemeinschaft und mit der Gemeinschaft selber zu gestalten. Man hat ja immer die Wahl. Man kann mitmachen oder nicht. Das ist das zweite Sinnbild für Rauschen.
Xavier Zuber: Hat das auch Konsequenzen? Der Untertitel heißt ja oder der Nachhall der Tage.
Joachim Schloemer: Ja, die Resonanz im Raum zeigt das. Wenn sechs Menschen im Kreis rennen und plötzlich nur noch einer übrig bleibt, hört oder spürt man die fünf anderen trotzdem noch. Das ist der Nachhall, die Resonanz, die Konsequenz einer Entscheidung. Was klingt eigentlich nach, wenn wir auch über einen Menschen reden, den wir verloren haben, was klingt nach von einer Person, die die Wohnung verlassen hat, die jetzt nicht mehr da ist, ich selbst aber noch bleibe? Wir zeigen Momente der Resonanz auf. Ich nehme Ereignisse im Leben über den Nachhall, den sie hinterlassen wahr. Das sind meine Bezugspunkte und meine Inspirationen für die Arbeit. Diese übersetze und abstrahiere ich und gelange so von realen Dingen und Gegebenheiten vom Leben in die Kunst.
Xavier Zuber: Die Ereignisse des Lebens beeinflussen uns ...
Joachim Schloemer: Die Ereignisse begleiten uns ja in allen fünf Stadien des Lebens, bei der Geburt, im vollen Leben, im Alter, der Krankheit, und im Tod. Aber diese fünf Stadien sind eigentlich nur Momente, die mitschwingen. Sie sind Bestandteil des Lebens. Wie zum Beispiel der Tod, da ist es, wie, als würde der Kreisel sich immer langsamer drehen, … fallen … und dann liegen bleiben. Das äußere Rauschen, die Bewegung verschwindet, und doch klingt noch etwas nach ... und der Nachhall ist manches Mal emotional spürbarer, als das Geräusch selber. Das sind die Momente, die ich suche und für die Zuschauer:innen erfahrbar machen möchte.
Xavier Zuber: Danke dir für deine Ausführungen.
JOACHIM SCHLOEMER
Joachim Schloemer studierte Tanz und Choreografie an der Folkwang Universität der Künste in Essen. Anschließend trat er der Mark Morris Dance Group der Opera de la Monnaie in Brüssel bei und gründete seine erste Tanzcompagnie. 1991 wurde er als Tanztheater-Direktor ans Stadttheater Ulm berufen, 1994 in gleicher Funktion an das Nationaltheater Weimar. Von 1996 bis 2001 war er Direktor des Tanztheaters am Theater Basel. Als freiberuflicher Regisseur und Choreograf ist er für Tanz, Schauspiel, Film und Oper sowie in inter- und transdisziplinären Zusammenhängen tätig. Engagmenets führten ihn unter anderem ans Burgtheater Wien, zu den Salzburger Festspielen, zum Lucerne Festival sowie an zahlreiche Häuser in Europa, Südostasien, Russland, Indien und den USA. Von 2009 bis 2013 war er Künstlerischer Leiter des Festspielhaus St. Pölten, von 2017 bis 2019 Co-Künstlerischer Leiter der Tanzkomplizen in der Schillerwerkstatt/ Berlin. Darüber hinaus ist er Gastdozent im Fach Bühnenpräsenztraining an der Hochschule der Künste Bern. Von 2023 bis 2025 war Joachim Schloemer Künstlerischer Leiter des Choreografischen Zentrums und des Labors Tanz und Medien am Tanzhaus Basel, dem Uraufführungsort von Rauschen oder der Nachall der Tage. Er ist als Theater- und Filmautor, Regisseur und Choreograf für verschiedene Bühnen und Produktionsfirmen, vor allem in der Schweiz, tätig.
KALI MALONE
Die US-amerikanische Komponistin und Organistin studierte Elektroakustische Komposition an der Königlichen Musikhochschule in Stockholm. Gemeinsam mit Maria W. Horn gründete sie das Label und die Konzertreihe XKatedral. Malones minimalistische Kompositionen nutzen einzigartige Tuning-Systeme für die Synthese von Digitalem und Analogem. Die Musik in Rauschen stammt aus ihren Alben Living Torch (2022) und The Sacrificial Code (2019).
JANIV ORON
Der israelisch-schweizerische Medienkünstler und DJ lebt und arbeitet in Basel. Er absolvierte einen Master der Contemporary Arts Practice an der Hochschule der Künste Bern und ist Mitglied der Goldfinger Brothers, Performer, Komponist experimenteller elektronischer Musik und in verschiedenen Formationen aktiv. Aktuelle Ausstellungen und Performances führten ihn u. a. zur Art Encounter Biennial Timisoara/ Rumänien sowie auf die Contemporary Istanbul mit der Öktem Aykut Art Gallery und umfassen Zusammenarbeiten mit dem Kammerorchester Basel und dem Sinfonietta Basel.
ANNE-SOPHIE RAEMY
Die Kostümdesignerin Anne-Sophie Raemy studierte Bildende Kunst an den Hochschulen der Künste in Bern und Zürich mit einem Schwerpunkt auf Bildhauerei und Installation. Ihr Interesse an Performance und darstellender Kunst führte sie ans Theater und zum Film. Seit 2016 ist sie freischaffend als Kostümdesignerin für Tanz, Oper, Theater und Spielfilme tätig sowie als Set Designerin für transdisziplinäre Projekte.
SIMEA CAVELTI
Die Schweizerin erhielt eine Ausbildung im klassischen Ballett und studierte an der London Contemporary Dance School „The Place“. Als freischaffende Tänzerin arbeitete sie u. a. mit Joshua Monten, Marcel Lehmann und Omar Ghayatts. Seit 2016 ist sie als Choreografin tätig.
ROBERT CORNEJO
Seine Ausbildung in Contemporary Dance erhielt Robert Cornejo bei Arts Umbrella und Nuova Officina Della Danza. Engagements führten ihn u. a. zur Compagnie Zimarél, ans Tanzhaus Basel, Chaillot – Théâtre national de la Danse und zur Eröffnung der Olympischen Spiele 2024.
IVA DIXSON
Die schweizerisch-amerikanische Tänzerin erhielt ihre Ausbildung an der Ruth Asawa San Francisco School of the Arts sowie an der Rome International Dance Academy. Sie tanzte bei der Vangelis Dance Company und trat 2023 der Robert Moses Kin Company bei.
NONA MUNNIX
Die gebürtige Belgierin erhielt ihre Tanzausbildung an der Folkwang Universität der Künste. Sie tanzte für u. a. Julia Mota Carvalho, Marcela Ruiz Quintero, Pascale Touzeau und das Tanztheater mobil. Seit 2017 ist sie Mitglied der Compagnie Irene K in Belgien.
KIHAKO NARISAWA
Die in Tokio geborene Tänzerin und interdisziplinäre Künstlerin tanzte u. a. für Aterballetto, Thoss Tanzkompanie, Ballett Basel sowie Werke bedeutender Choreografen wie William Forsythe, Jiří Kylián und Ohad Naharin. Seit 2016 entwickelt sie eigene choreografische Projekte.
ANNA RILEY-SHEPARD
Die amerikanische Künstlerin, Tänzerin, Neurowissenschaftlerin, Moderatorin und Sozial- und Umweltstrategin studierte an der Harvard University, an der Oxford University, bei Steps On Broadway und der Compagnia Zappalà Danza. Sie ist Co-Director bei Otherwise Collective.
Februar 2026
mo 23 TONKÜNSTLER-ORCHESTER
19.30 Uhr Dvořák/Suk Klassik
März 2026
fr 06 MARCOS MORAU .
sa 07 OPERA BALLET VLAANDEREN .
19.30 Uhr TONKÜNSTLER-ORCHESTER
Romeo + Julia Tanz/Klassik
fr 13 SOAP&SKIN
19.30 Uhr Torso Tour Musik
mo 16 TONKÜNSTLER-ORCHESTER
19.30 Uhr Beethoven/Webern/Shin Klassik
sa 21 1 TAG ALLE RÄUME
10.00 Uhr Ein Festival für Tanz und Gemeinsinn
Tanz
do 26 DEKKER
19.30 Uhr Live 2026
Musik
so 29 VALENTIN KUNERT . DOMKANTOREI
18.00 Uhr ST. PÖLTEN
Osterkonzert
Klassik
April 2026
do 09 AMARO FREITAS
19.30 Uhr Y’Y Musik
fr 10 HESSISCHES STAATSBALLETT
19.30 Uhr Imre & Marne van Opstal .
David Raymond & Tiffany Tregarthen
Tanz
DEMNÄCHST IM FESTSPIELHAUS
GÖTEBORGSOPERANS DANSKOMPANI:
Atlas Song
Live-Musik: Anna von Hausswolff
Tanz/Live-Musik In Atlas Song verschmelzen die eindrucksvollen Choreografien von Imre & Marne van Opstal mit der mystischen Musik von Anna von Hausswolff. Eine eindringliche Reflexion darüber, wie wir unseren Platz in der Welt finden, ohne uns selbst zu verlieren.
do 21/05 & fr 22/05
EUR 12-52, -50 % für alle unter 26
Unser gesamtes Saisonprogramm 2025/2026 finden Sie auf www.festspielhaus.at. - 50 % FÜR ALLE UNTER 26
Karten & Information +43 (0) 2742/90 80 80 600 karten@festspielhaus.at www.festspielhaus.at
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