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�he, who dwells in the shadows

Künstler*innen

Morehshin Allahyari

Soumya Sankar Bose

Chitra Ganesh

Naomi Rincón-Gallardo

Gastkuratorin

Kinnari Saraiya

Ulrike Königshofer

Kawanabe Kyōsai

Einleitung

Der Schatten trägt Spuren des Verschwindens, Präsenzen, die keinen Namen kennen, Monster und Traumgestalten.

She, Who Dwells in the Shadows nähert sich dem Thema Dunkelheit als ein Medium, das von historischen Bruchstellen, verdrängten Mythologien und spekulativen Zukunftsentwürfen erzählt. In ihr verdichten sich Geschichten ohne Anfang und Ende, ordnet sich die Wahrnehmung neu und entstehen alternative Wissensformen.

Sichtbarkeit, Distanz und Klarheit galten in dominanten Wissenssystemen lange Zeit als vorrangige Maßstäbe der Wahrheitsfindung. Dunkelheit durchbricht diese Hierarchie. Sie birgt Sinneswahrnehmungen, die auf Nähe, Wärme, Vibration, Rhythmus, Verkörperung und Einfühlen beruhen. In diesem Schwellenbereich, einem Ort, an dem Infrastrukturen wie Erhellungs-, Daten- und Kontrollsysteme keine Eindeutigkeit mehr bieten, entsteht Wissen in der Ambivalenz zwischen dem, was erinnert wird, und dem, was unzugänglich bleibt.

In der Ausstellung spannt die Dunkelheit ein Feld zwischen brüchigen Erzählungen und spekulativen Zukunftsentwürfen auf, in dem jedes der gezeigten Kunstwerke eine eigene,

unverwechselbare Form einnimmt: von in Finsternis getauchter, ausgelöschter Erinnerung, mythischer Hitze und spekulativen Architekturen bis hin zu ritueller Zerstörungskraft, lunaren Zeitbildern und nächtlichen Prozessionen, bei denen nicht-menschliche Welten in den kollektiven Raum vordringen.

Wo feste Orientierungspunkte ihre Gültigkeit verloren haben, nehmen Geschichten andere Wege: durch Erinnertes und Atmosphäre, entlang der Pfade der Unterwelt und der Himmelsgestirne. Im Pluriversum der Erzählungen werden Utopien erprobt und behaupten Geister ihre Präsenz. Im Schatten zu verweilen bedeutet, Vielfalt zu akzeptieren, sich eher an Spuren als an Koordinaten oder überlieferten Karten zu orientieren und das Obskure als schöpferische Bedingung des Geschichtenerzählens anzuerkennen.

Kawanabe Kyōsai

Kyōsai Hyakki Gadan, 1890

Als Teil der uralten japanischen Bildkulturtradition ist Kyōsai Hyakki Gadan (zu Deutsch „Kyōsais Bilder der 100 Dämonen“) Hyakki Yagyō gewidmet, der nächtlichen Prozession der Yōkai-Geister, die, so der Volksglaube, nach Einbruch der Dunkelheit die Erde heimsuchen. Inspiriert von mittelalterlicher Folklore, satirischer Illustrationskunst der Edo-Zeit1 und damals beliebten Erzähltraditionen beschwören Kyōsais Holzschnitte eine überbordende, ungebändigte Welt, in der nichtmenschliche Geschöpfe aus den Schatten hervortreten und die gewohnte soziale und moralische Ordnung außer Kraft setzen. Die Figuren entstammen einem Zwischenreich, in dem Angst, absurde Komik, Exzess und Gestaltwandlung regieren: Alltagsgegenstände werden lebendig, Tiere nehmen menschliche Züge an, Gespenster mischen sich ins Geschehen, und die Grenze zwischen Lebenden und Toten ist durchlässig.

Kyōsais Dämonen erscheinen grotesk, komisch, manche wirken vertraut, andere bedrohlich. Viele sind dem Alltag entlehnt, wurden jedoch in der folkloristischen Deutung abgewandelt, um Urängste rund um Vergänglichkeit, Begehren, Tabubrüche und die Unwägbarkeiten der Natur anzusprechen. Erschaffen in einer Periode gesellschaftlicher Umwälzungen in Japan, zeugt das Werk auch von den Spannungen zwischen den tradierten kosmologischen Weltbildern und der aufkommenden Modernität. Das nicht auf eine einzelne Szene beschränkte, sondern als Sequenz gestaltete Kyōsai Hyakki Gadan inszeniert die Dunkelheit als Raum, in dem

mehrere Wirkkräfte koexistieren und das Geschichtenerzählen eine Möglichkeit bietet, die Unsicherheiten des menschlichen Daseins zu bewältigen.

Ulrike Königshofer

Sechs Sekunden Mondlicht, 2015

Sechs Sekunden Mondlicht ist eine Serie von 17 Fotodrucken. Mittels einer eigens angefertigten Apparatur hat Ulrike Königshofer das Mondlicht direkt auf Farbfotopapier gebannt. Die Arbeit dokumentiert einen vollständigen Mondzyklus zwischen dem 20. Februar und dem 14. März 2015; vom Neumond über die zunehmenden Phasen bis zum Vollmond und der sich dann wieder abschwächenden Sonnenlichtreflexion. Jede Belichtung entspricht einer bestimmten Nacht innerhalb dieses Zyklus – und deren Wetterlage: Die unbelichtet gebliebenen Zeitfenster mit Wolkendecke präsentieren sich als Lücken und zeugen von den atmosphärischen Veränderungen parallel zur Mondbewegung.

Jeder Abzug ist Ergebnis einer sechssekündigen Belichtung. Die Werkserie dokumentiert das Mondlicht als physikalisches Phänomen, eine Kombination aus Planetenkonstellation, Dichte der Atmosphäre und chemischer Reaktion. Dunkelheit manifestiert sich hier nicht als bloße Leere, sondern als aktive Präsenz mit quantifizierbarer Intensität. Bei genauem Hinsehen geben die monochromen Bildtafeln subtile Variationen der Farbtonwerte zu erkennen, die die feinen Veränderungen der Leuchtkraft während des gesamten Zyklus in sich tragen.

Zusammen mit dem Apparat als Teil des Displays führt Sechs Sekunden Mondlicht eine planetarische Zeitskala vor, die außerhalb der menschlichen Wahrnehmung liegt. Dunkelheit wird zu einer messbaren, strukturierenden Einheit.

Der Film Eclipse bezieht sich auf mesoamerikanische Kosmologien und inszeniert ein nächtliches Schauspiel, das sich in dem Augenblick vollzieht, in dem der Mond die Sonne förmlich zu verschlingen droht. Im Mittelpunkt steht Ītzpāpālōtl, die Obsidianschmetterlingsgöttin, die in der Mythologie mit Wiedergeburt, Weissagung, Selbstopferung und Auflösung in Verbindung gebracht wird. Ihr Hinabsteigen auf die Erde signalisiert einen Bruch in der kosmischen Ordnung. Eclipse bildet das letzte Kapitel der TzitzimimeTrilogie (2021–2023), in der die Reiche der Toten, der Untoten und der Lebenden in Momenten planetarischer Krisen buchstäblich in eins zusammenfallen.

Im Film tummeln sich Gestalten der Nacht und der Unterwelt: ein enthaupteter Mann, dessen abgetrennter Hals Schlangen und Blut speit; der blutende Blumenbaum aus Tamoanchan, der Wiege der Zivilisation und Geburtsstätte der Gottheiten aus eisigen Winden; oder Mometzopinque, die Zauberin, die für ihre nächtliche Jagd nach Blut ihre Gliedmaßen in Truthahnflügel verwandelt und vampirhafte Züge der Obsidianschmetterlingsgöttin annimmt. Diese Wesen bevölkern eine ruinenhafte, von Erschöpfung, Ritualen und Exzessen geprägte Welt.

In der aztekischen Mythologie wurden die Tzitzimime als dämonische Göttinnen gefürchtet und verehrt. Mit ihrer schöpferischen Kraft konnten sie ebenso Zerstörung wie Heilung, Fruchtbarkeit oder Katastrophen über die Welt bringen. Eclipse greift die Urangst rund um Sonnenfinsternisse auf,

dass die Dunkelheit auf Dauer herrschen könnte. Im Film zeigt sich Dunkelheit als eine kosmische Schwelle, an der Untergang, Transformation und Erneuerung gleichzeitig stattfinden; die vorgestellten Mythen und Figuren sind ein Schlüssel, sich mit den auf uns zurasenden Endzeitszenarios in der Gegenwart auseinanderzusetzen.

Soumya Sankar Bose

A Discreet Exit Through Darkness, 2020–2024

Im multimedialen Projekt A Discreet Exit Through Darkness geht es um Verschwinden, Gedächtnisverlust und die Verstrickungen von persönlicher Erfahrung mit folkloristischem Gedankengut, politischen Unruhen und kollektiver Imagination. Im Zentrum der Arbeit steht das Verschwinden der Mutter des Künstlers im Oktober 1969, als diese im Alter von neun Jahren zu einem Süßwarenladen in der Nachbarschaft geschickt wurde und nicht nach Hause zurückkehrte. Als man sie nach drei Jahren schließlich wiederfand, konnte sie nicht sagen, was ihr zugestoßen war. Bis heute hat sie keine Erinnerung an diese Zeit. Noch verstärkt wurde dieser Zustand durch Prosopagnosie, die ihre Fähigkeit beeinträchtigte, Gesichter zu erkennen und erlebte Begegnungen zu rekonstruieren. Fortan war ihre Kindheit in zwei Zeitzonen geteilt: vor dem Verschwinden und nach der Rückkehr, getrennt durch eine unüberbrückbare Leere.

Bose kombiniert in seinem Projekt einen 360-Grad-VR-Film in Spielfilmlänge ohne Animationseffekte mit Archivbeständen und inszeniertem Fotomaterial. Der VR-Film lässt die Zuschauer*innen in düstere Umgebungen eintauchen, schemenhaft deuten sich Wohnräume, menschenleere Zimmer, von Pflanzen überwucherte Gemäuer an. Die Settings sind eher psychologische und mnemonische Landschaften als konkrete Rekonstruktionen. Die Geschichte wird aus der Sicht des Großvaters mütterlicherseits

des Künstlers dargestellt, der die Suche nach seiner verschwundenen Tochter vorantrieb, bis er 1971, zwei Jahre vor ihrer Rückkehr, auf tragische Weise ums Leben kam. Seine Abwesenheit steht für einen einschneidenden Orientierungsverlust in der Narration: Alles, was bleibt, ist ein bruchstückhaftes archivarisches Mosaik aus unvollständigen Berichten und Spekulationen.

Der Mangel an konsistenten Erinnerungen öffnet Raum für Fantasie und Aberglaube. Geschichten über eine mysteriöse alte Frau in der Nähe des Hauses, Furcht vor dem bösen Blick, Gerüchte über Geister, Mutmaßungen über Kinderhandel und politische Verschwörung gehen in den Familienerinnerungen um, die sich noch dazu vor dem Hintergrund sozialer Instabilität und des Bangladesch-Kriegs formen. Fotografische Arbeiten mit nachgestellten Szenarien aus verdeckten oder teilweise ausgelöschten Gesichtern, Körpern und Negativbildern erweitern diesen erzählerischen Duktus. Als Metapher und strukturierendes Element zugleich steht Dunkelheit hier für das Abwesende als materiell verdichteter Zustand, in dem sich Geschichte über Stimmungen und Spekulation sowie verkörpertes Erinnern fortschreibt.

Morehshin Allahyari

She Who Sees the Unknown: Huma, 2016

She Who Sees the Unknown (2016–2021) ist Ergebnis eines langfristigen Forschungsprojekts, in dem weiblichen und queeren Dschinnīya-Figuren aus nahöstlichen Mythologien neues Leben eingehaucht wird. Der Vorstellung nach verfügen sie, lebenden Archiven gleich, über besondere Fähigkeiten, auf aktuelle politische, ökologische und soziale Kontexte einzuwirken. Im weitgespannten Rahmen der Arbeit tritt die Huma als zentrale Figur hervor. Mit Hitze und Fieber assoziiert, galt die Huma als dämonische Erscheinung, als Verursacherin von Krankheit und körperlichem Unwohlsein. Allahyari

verleiht dieser Figur neue Bedeutung, indem sie ihre Monstrosität zelebriert und ihren Furor auf die aktuellen planetarischen Krisen lenkt.

In dem fiktional-feministisch gehaltenen Storytelling agiert die Huma als spekulative Akteurin, deren Macht über die Hitze in Zusammenhang mit dem Klimawandel gebracht wird, der sich auch in der ungleichen Verteilung von Umweltschäden auf der Erde durch koloniale und kapitalistische Systeme auswirkt. Morehshin Allahyaris Arbeit liegen umfangreiche Archivrecherchen zugrunde, etwa historische Texte, Bilder und mündliche Überlieferungen, die sie in digital modellierte und 3D-gedruckte Formen übersetzt. Diese skulpturalen Elemente dienen als spekulative Artefakte, die neue Konfigurationen historischer Illustrationen und talismanischer Objekte hervorbringen.

In der begleitenden Videoarbeit versetzt ein gesprochener poetischer Text die HumaDschinnīya in eine mythologische Gegenwart. Dunkelheit strukturiert die Installation und schafft einen Raum, in dem Hitze, Fieber, Besessenheit und Transformation Formen des Wissens verkörpern. Humas Macht entfaltet sich in dieser Undurchdringlichkeit als relationale Kraft, durch die sich Verletzlichkeit und Unordnung nun als Quellen des Widerstands und spekulativen Potenzials erweisen.

Chitra Ganesh

Atlas, 2013; Metropolis, 2018; Urgency, 2021

Diese Werkauswahl bietet in der Zusammenschau eine spekulative Auseinandersetzung mit Zivilisation, Übersetzung, Protest und technologischem Innovationsstreben: Benannt nach Fritz Langs Film von 1927, entstand die Videoarbeit Metropolis im Dialog mit einem tibetischen Gemälde aus dem 19. Jahrhundert. Es zeigt den Gelehrten Shantarakshita, der bedeutende literarische Schriften überlieferte und Mitbegründer des Samye-Klosters war. Ganesh nutzt die Figur des Übersetzers,

um die Hybris der Zivilisation und der Fortschrittsfantasien zu untersuchen, die groß angelegten kulturellen und technologischen Projekten oftmals eingeschrieben sind. Mehrarmige Cyborg-Femmes, darunter die Neuinterpretation einer Maitreya, nehmen Anleihen bei buddhistischer Ikonografie und frühem Science-Fiction-Bildvokabular. Die mit von Solarenergie betriebenen Maschinen und symbolgeladenen Infrastrukturen durchsetzte Stadtlandschaft zeichnet eine Welt zwischen mythischer Vergangenheit und imaginärer Zukunft.

Atlas verlagert den Fokus von der Stadt auf den Körper als infrastrukturell geprägten Austragungsort. Mit Verweis auf die titelgebende mythische Figur, die einst dazu verdammt war, die Welt auf ihren Schultern zu tragen, wird in der Arbeit diese Last als Akt von Gewalt und Widerstandsfähigkeit zugleich gelesen. Angestrengt und doch beharrlich tragen die Körper ganze historische Zeitalter, Systeme und Welten, die ihre individuellen Kapazitäten übersteigen. Atlas zeigt Standhaftigkeit als Teil eines politischen Gefüges, in dem Arbeit, Fürsorge und Überleben ungleich verteilt sind und sich der Körper dennoch gegen den Zusammenbruch stemmt.

In Urgency verdichtet Ganesh Bilder von Protest, kollektiven Bewegungen und sozialen Spannungen zu einer intensiven visuellen Sphäre, die von Dunkelheit und Blackout geprägt ist. Das in Reaktion auf Momente politischer Umbrüche und der Mobilisierung von Massen entstandene Werk erfasst, wie sich in Protestszenarien Zeit und Raum zu komprimieren scheinen, wenn die Sichtbarkeit gestört ist und Bewegung unter taktischen Gesichtspunkten erfolgt. Urgency situiert die Dunkelheit als operative Bedingung, in der Rückzug, Opazität und das Bündeln von Kräften als Strategien für politische Transformation zum Tragen kommen können.

1 Das Japan der Edo-Zeit (1603–1867) war ein feudalistisch geprägtes Land unter der Herrschaft des Tokugawa-Shogunats. Die Ära kennzeichnete sich durch anhaltenden Frieden und Stabilität.

Kawanabe Kyōsai

Kyōsai hyakki gadan (1890), Tinte auf Archivpapier, 118 Seiten, 696 × 19,8 cm

Chitra Ganesh

Urgency (2021), Tinte auf Baumwolle, 146 × 241 cm Metropolis (2018), Video, 1:25 min Atlas (2013), Tinte auf Baumwolle, 146 × 128 cm

Soumya Sankar Bose

A Discreet Exit Through Darkness (2020–2024), Tapeten, 230 × 184 cm, 330 × 264 cm; Tintenstrahldruck auf Hahnemühle-Papier, verschiedene Maße; 360-Grad-VR-Video, 51:00 min

Naomi Rincón-Gallardo

Capa Ītzpāpālōtl (2023)

Polyesterstoff, mit bedrucktem Stoff und kleinen Holzstäbchen, 20 × 240 × 1 cm Eclipse (2023), HD-Video, 18:01 min

Morehshin Allahyari

She Who Sees the Unknown: Huma (2016), HD-Video, 06:04 min; 3D-Druck Harzskulptur, Maße variabel, 23 × 30 × 13 cm

Ulrike Königshofer

Sechs Sekunden Mondlicht (20.02. – 14.3.2015), Mondlicht auf Fotopapier (gerahmt), 17-teilig, je 21 × 15 cm; Apperatur: unterschiedliche Materialien, 60 × 40 × 50 cm

She, Who Dwells in the Shadows

Laufzeit

Fr, 13.03. – Sa, 09.05.2026

Eröffnung

Do, 12.03.2026, 19 Uhr

Führungsreihe

Through the lens of …

Asmita Banerjee

Mi, 08.04.2026, 18:30 Uhr

Alexandra Ganser

Mi, 22.04.2026, 18:30 Uhr

Arno Böhler

Mi, 06.05.2026, 18:30 Uhr

Künstler*innen

Morehshin Allahyari

Soumya Sankar Bose

Chitra Ganesh

Naomi Rincón-Gallardo

Ulrike Königshofer Kawanabe Kyōsai

Gastkuratorin

Kinnari Saraiya

Herausgeber: Kunstraum Niederoesterreich, Wien · Medieninhaber: NÖ Festival und Kino GmbH, Minoritenplatz 4, A-3500 Krems · Text: Kinnari Saraiya · Lektorat (EN) & Übersetzung (DE): Peter Blakeney & Christine Schöffler · Lektorat (DE): Else Rieger · Grafik: Kristin Metho · © 2026 NÖ Festival und Kino GmbH, Kunstraum Niederoesterreich

KUNSTRAUM NIEDEROESTERREICH

HERRENGASSE 13, 1010 WIEN WWW.KUNSTRAUM.NET

Mit Unterstützung von:

�he, who dwells in the shadows

Artists

Morehshin Allahyari
Soumya Sankar Bose
Chitra Ganesh
Naomi Rincón-Gallardo
Ulrike Königshofer
Kawanabe Kyōsai
Guest curator
Kinnari Saraiya

Introduction

Shadows gather traces of disappearance, presences that evade naming, the monstrous and the dreamt.

She, Who Dwells in the Shadows approaches darkness as a medium through which fractured histories, suppressed myths, and speculative futures are told. It operates as a density that reorganizes perception, holds unresolved narratives, and enables other forms of knowledge to emerge.

Dominant epistemologies have long privileged visibility, distance, and clarity as measures of truth. Darkness disrupts this hierarchy. It harbors sensory modes grounded in proximity, heat, vibration, rhythm, embodiment, and attunement. At this infrastructural limit, a point where systems of illumination, data, and control lose coherence, knowledge constitutes in the ambiguity between what is remembered and what remains inaccessible.

Across the exhibition, darkness holds fractured histories and speculative futures within the same field. Each artwork contributes its own distinct form: from the darkness of erased memory, mythic heat, and speculative architectures to that of

ritual collapse, lunar calibration, and nocturnal processions where non-human worlds press into collective space.

As fixed orientation points have lost their command, stories travel along other routes: through memory and atmosphere, along subterranean and celestial pathways. It produces a pluriverse of stories in which utopia is rehearsed, and ghosts insist on their presence. To dwell in the shadows is to accept multiplicity, to navigate by traces rather than fixed coordinates or inherited maps, and to recognize obscurity as a generative condition for storytelling.

Works

Kawanabe Kyōsai

Kyōsai hyakki gadan (Kyōsai’s Pictures of One Hundred Demons), 1890

Kyōsai hyakki gadan belongs to a long lineage of Japanese visual culture devoted to the hyakki yagyō, the nocturnal procession of the yōkai spirits, who are believed to roam the earth after dark. Drawing on medieval folklore, Edo period1 satire, and popular storytelling traditions, Kyōsai’s woodblock prints conjure a dense, unruly world in which non-human beings emerge from the shadows to unsettle ordinary social and moral order. These figures occupy an ambiguous terrain marked by fear, humor, excess, and transformation: domestic objects become animate, animals assume human traits, spirits wander freely, and the distinction between the living and dead is permeable.

Some of Kyōsai’s demons seem grotesque, comical, intimate, or threatening. Many of them derive from everyday life but were transformed through folklore to expose anxieties around decay, desire, transgression, and the unpredictability of the natural world. Created during a phase of rapid social change in Japan, the work embodies tensions between inherited cosmologies and emerging modernity. Presented as a sequence as opposed to a single scene, Kyōsai hyakki gadan stages darkness as a realm where multiple agencies coexist and storytelling is a method for navigating human uncertainties.

Ulrike Königshofer

Sechs Sekunden Mondlicht (Six Seconds of Moonlight), 2015

Sechs Sekunden Mondlicht is a series of 17 photographic prints. Moonlight was captured directly on color photographic paper using a custom-built apparatus. The work documents a single lunar cycle between February 20 and March 14, 2015, from a new moon through waxing phases to a full moon and into waning illumination. Each exposure corresponds to a specific night within this cycle – weather permitting: the unexposed days of cloud cover are present as gaps, registering the atmospheric conditions parallel to lunar movement.

Each print is the product of a six-second exposure. The work documents moonlight as a physical phenomenon, a combination of planetary alignment, atmospheric density, and chemical reaction. Darkness manifests here as an active presence with a quantifiable intensity and not just emptiness. Upon closer inspection, the monochrome plates reveal subtle tonal variations that convey shifts in luminosity throughout the cycle.

Presented together with the apparatus, Sechs Sekunden Mondlicht introduces a planetary temporal scale that transcends human perception. Darkness becomes a measurable, structuring entity.

Drawn from Mesoamerican cosmologies, the film Eclipse stages a nocturnal convergence that unfolds at the moment when the Moon threatens to devour the Sun. It centers on Ītzpāpālōtl, the obsidian butterfly goddess associated with rebirth, divination, self-sacrifice, and dismemberment whose descent signals a rupture in cosmic order. Eclipse forms the final chapter of the Tzitzimime Trilogy (2021–2023) in which the realms of the dead, the undead, and the living collapse into one another during moments of planetary crisis.

The film brings together figures that populate the night and the underworld: a decapitated man whose severed neck sprouts snakes and blood; the bleeding flower-tree of Tamoanchan, the cradle of civilization and birthplace of gods amid cold winds; and Mometzopinque, the sorceress who switches her limbs for turkey wings to fly at night in search of blood, appearing as the vampiric alter ego of Ītzpāpālōtl. These characters perform against the backdrop of a ruined landscape shaped by exhaustion, rituals, and excess.

In Aztec mythology, the Tzitzimime were feared and revered as demonic goddesses with generative powers, capable of both destruction and healing, fertility and catastrophe. Eclipse revisits the dread surrounding eclipses as moments when darkness threatens to prevail permanently. The work presents darkness as a cosmic threshold where collapse, transformation, and regeneration unfold simultaneously, and myths are a means to confront the acceleration of end times in the present.

Soumya Sankar Bose

A Discreet Exit Through Darkness, 2020–2024

A Discreet Exit Through Darkness is a multimedia project that explores disappearance, memory loss, and the ways in which personal narratives can become entangled with folklore, political unrest, and collective imagination. The work centers on the disappearance of the artist’s mother in October 1969, when, at the age of nine, she was sent to a neighborhood sweet shop and failed to return home. She remained missing for over three years. When she was eventually recovered, she retained no memory of the intervening period. This condition was compounded by prosopagnosia, which impaired her ability to recognize faces and reconstruct lived encounters. Her childhood became split into two temporal zones: before disappearance and after return, separated by an irrecoverable void.

Bose’s project combines a non-animated feature-length 360-degree VR film with archival and staged photographic prints. The VR film immerses viewers within dim, subdued environments that echo domestic interiors, abandoned rooms, and overgrown spaces. These settings serve as psychological and mnemonic landscapes rather than literal reconstructions. The story unfolds through the voice of the artist’s maternal grandfather, who led the search for his missing daughter until his tragic death in 1971, two years before her return. His absence represents a crucial lost anchor point in the narrative, leaving behind only a fractured archive sustained through partial testimonies and speculation.

In the absence of coherent memories, imagination and superstition proliferate. Stories of a mysterious old woman near the house, beliefs in the evil eye, rumors of ghosts, fears of child trafficking, and suspicions of political collusion circulate through family recollections against the backdrop of social

instability and the Bangladeshi Liberation War. Photographic works extend this logic through staged scenes composed of obscured or partially erased faces, bodies, and negatives. Darkness, as both metaphor and structure, epitomizes absence as a material condition in which history persists via affect, speculation, and embodied remembrance.

Morehshin Allahyari

She Who Sees the Unknown: Huma, 2016

She Who Sees the Unknown (2016–2021) is a long-term research-based project dedicated to reanimating female and queer jinn from Middle Eastern mythologies. They were seen as living archives capable of responding to contemporary political, ecological, and social contexts. Within the larger framework of the project, Huma emerges as a central figure. Traditionally associated with heat and fever, Huma has often been framed as a demonic presence linked to illness and bodily imbalance. Allahyari reclaims this figure by embracing her monstrosity and redirecting her powers toward present-day planetary crises.

Through ficto-feminist storytelling, Huma becomes a speculative agent whose control over heat is reimagined in relation to climate change and the inequitable distribution of environmental harm by colonial and capitalist systems. The work is built upon extensive archival research, including historical texts, images, and oral accounts, which are translated into digitally sculpted and 3D-printed forms. These sculptural elements serve as speculative artefacts, recombining ancient illustrations and talismanic objects into new configurations.

The accompanying video features a poetic spoken narrative that situates HumaDjinnīya within a contemporary mythological register. Darkness structures the installation, furnishing a space where heat, fever,

possession, and transformation embody forms of knowledge. Huma’s power emerges through opacity and relational force, reframing vulnerability and disorder as sources of resistance and speculative possibility.

Atlas, 2013; Metropolis, 2018; Urgency, 2021

This cluster of works unfolds as a speculative inquiry into civilization, translation, protest, and technological ambition. Titled after Fritz Lang’s 1927 film, the video work Metropolis emerged in a dialogue with a nineteenth-century Tibetan painting depicting the scholar Śāntaraks · ita, who is associated with the transmission of scripture and the founding of the Samye monastery. Ganesh uses the figure of the translator to examine civilizational hubris and fantasies of progress embedded in large-scale cultural and technological projects. Multi-limbed cyborg femmes, including a reimagined Maitreya, draw on Buddhist iconography and early science fiction imagery. The city, shaped by solar machines and symbolic infrastructures, hovers between mythical pasts and imagined futures.

Atlas shifts the focus from the city to the body as an infrastructural site. Drawing on the mythical figure once condemned to hold the world on his shoulders, the work repositions this burden as both violence and resistance. Bodies appear strained yet endurant, carrying histories, systems, and worlds that exceed their individual capacity. Atlas foregrounds endurance as a political condition, exposing how labor, care, and survival are unevenly distributed while asserting the body as a site that defies collapse.

Urgency condenses protest, movement, and collective pressure into a charged visual sphere characterized by darkness and blackout. Developed in response to mo-

ments of political upheaval and mass mobilization, the work encapsulates the compression of time and space felt in protest scenarios, when visibility is disrupted and movement becomes tactical. Urgency situates darkness as an operational condition, in which withdrawal, opacity, and combined force emerge as strategies for political transformation.

1 During the Edo period (1603–1867), Japan was a feudal country under the rule of the Tokugawa shogunate, an era characterized by prolonged peace and stability.

Floor plan

Kawanabe Kyōsai

Kyōsai hyakki gadan (Kyōsai’s Pictures of One Hundred Demons) (1890), Ink on archival paper, 118 pages, 696 × 19.8 cm

Chitra Ganesh

Urgency (2021), Ink on cotton, 146 × 241 cm Metropolis (2018), Video, 1:25 min Atlas (2013), Ink on cotton, 146 × 128 cm

Soumya Sankar Bose

A Discreet Exit Through Darkness (2020–2024), Wallpaper, 230 × 184 cm, 330 × 264 cm; Inkjet print on Hahnemühle paper, various dimensions; 360-degree VR video, 51:00 min

Naomi Rincón-Gallardo

Capa Ītzpāpālōtl (2023), Polyester fabric, with printed fabric and small wooden sticks, 20 × 240 × 1 cm Eclipse (2023), HD video, 18:01 min

Morehshin Allahyari

She Who Sees the Unknown: Huma (2016) HD video, 06:04min; 3D-printed resin sculpture, dimensions variable, 23 × 30 × 13 cm

Ulrike Königshofer

Sechs Sekunden Mondlicht (Six Seconds of Moonlight) (20.02. – 14.03.2015), Moonlight on photo paper (framed), 17 pcs, each 21 × 15 cm; Apparatus: various materials, 60 × 40 × 50 cm

She, Who Dwells in the Shadows

Duration

Fri, 13.03. – Sat, 09.05.2026

Opening

Thu, 12.03.2026, 7pm

Guided tours

Through the lens of …

Asmita Banerjee

Wed, 08.04.2026, 6.30pm

Alexandra Ganser

Wed, 22.04.2026, 6.30pm

Arno Böhler

Wed, 06.05.2026, 6.30pm

Artists

Morehshin Allahyari

Soumya Sankar Bose

Chitra Ganesh

Naomi Rincón-Gallardo

Ulrike Königshofer Kawanabe Kyōsai

Guest curator

Kinnari Saraiya

Publisher: Kunstraum Niederoesterreich, Vienna ·

Media Owner: NÖ Festival und Kino GmbH, Minoritenplatz 4, A-3500 Krems ·Text: Kinnari Saraiya · Copyediting (EN) & Translation (DE): Peter Blakeney & Christine Schöffler · Copyediting (DE): Else Rieger · Graphic Design: Kristin Metho · © 2026 NÖ Festival und Kino GmbH, Kunstraum Niederoesterreich

KUNSTRAUM NIEDEROESTERREICH

HERRENGASSE 13, 1010 VIENNA

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