04. 06. – 30. 07. 2022
DE
„Um den Körper neu sehen zu können, [muss man sich] den Raum neu vorstellen. […] Daher erfordert die Deterritorialisierung des Körpers eine Abkehr von der Schwere des Raumes und stattdessen die Erkenntnis, dass die physische Form dynamisch ist.“1 Legacy Russell
„Die Fixierung in Zeit und Raum ist eine der grundlegendsten und beständigsten Methoden des Kapitalismus, um unseres Körpers habhaft zu werden.“2 Silvia Federici
LIMINAL SPACE RECORDS Impressum
Künstler:innen Stine Deja Monika Grabuschnigg Eva Papamargariti Louise Sparre Rowdy SS Gastkuratorin Frederike Sperling
Texte: Frederike Sperling Lektorat: Else Rieger (dt.), Charlotte Maconochie (engl.) Übersetzung: Peter Blakeney & Christine Schöffler Grafische Gestaltung: Wolfgang Gosch Medieninhaber: NÖ Festival und Kino GmbH, Minoritenplatz 4, A-3500 Krems Herausgeber: Kunstraum Niederoesterreich, Wien © 2022 NÖ Festival und Kino GmbH, Kunstraum Niederoesterreich Kunstraum Niederoesterreich Herrengasse 13, A-1010 Wien www.kunstraum.net ISBN 978-3-9505011-4-8
Das Palais Niederösterreich ist ein Sinnbild für die Schwere physischen Raumes. Seine klassizistische Fassade, die verborgenen Fresken an seinen meterhohen Decken – sie erzählen von politischen und kulturellen Funktionen und transportieren das Gewicht der Geschichte. Die monumentale Architektur des Palastes weist Körpern ihren Platz zu, presst sich auf sie, konturiert Welten und Vorstellungshorizonte. Viele von uns haben diese Schwere von physischer Räumlichkeit in den letzten zwei Jahren zu spüren bekommen – sei es im Lockdown, im Homeoffice oder gar in Quarantäne. Aufgrund der Pandemie waren wir gezwungen, unsere Körper stets in Referenz zu geschlossenen Innenräumen zu erleben und zu definieren. Der digitale Raum, der dabei mitunter neue, virtuelle Mobilitäten und willkommene „Ortswechsel“ eröffnete, untergräbt immer mehr die Autorität des physischen Raumes als Legitimationsfläche alles Körperlichen, als Bühne der Lesbarkeit. In einer Zeit, da die Grenzen zwischen digitalen und analogen Realitäten also unaufhaltbar verschmelzen, sucht die Gruppenausstellung LIMINAL SPACE RECORDS nach neuen Verortbarkeiten für Körperlichkeit in ihren hybriden, kosmischen Formen. In Anlehnung an das Manifest Glitch Feminism (2020)
Mit Unterstützung von:
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Legacy Russell, Glitch Feminismus. Ein Manifest (Leipzig: Merve, 2021), 78. Silvia Federici, Jenseits unserer Haut. Körper als umkämpfter Ort im Kapitalismus (Münster: UNRAST, 2020), 125.
Künstler:innen Stine Deja Monika Grabuschnigg Eva Papamargariti Louise Sparre Rowdy SS
von Autorin und Kuratorin Legacy Russell macht sie sich mit den Künstler:innen Stine Deja, Monika Grabuschnigg, Eva Papamargariti, Louise Sparre und Rowdy SS auf die Suche nach leichter Räumlichkeit. Die präsentierten Arbeiten deterritorialisieren Körperlichkeit, beleuchten sie als gleitende, flexible Formation und fragen: Was wäre, wenn wir beginnen würden, Raum als Ergebnis von Körperlichkeit zu denken und nicht als Voraussetzung? LIMINAL SPACE RECORDS verhandelt das Verhältnis zwischen Körperlichkeit und Räumlichkeit neu, beleuchtet künstlerische Strategien zur Wiederaneignung des Körpers. Dies scheint gerade jetzt urgent, da techno-optimistische Infrastrukturen mit ihren deterministischen und binären Algorithmen unsere virtuellen wie auch analogen Realitäten beginnen zu dirigieren und dabei selbst immer mehr den Charakter „schwerer Räumlichkeit“ annehmen. Frederike Sperling Gastkuratorin