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Martin Prinz holt die

Ereignisse des J ahres 1945 in die Gege nwart zurück.

och im A pril 1945, kurz vor Ende des nationalsozialistischen Regimes, wurden Unschuldige willkürlich abgeurteilt und getötet,darunter auch

NdieE nkelinnenvonSchnitzler-Muse O lga Waissnix– O lga und Elisabeth Erschossen von jugendlichen Mitgliedern desVolkssturms. Z wei Jahre späterstanden die drei Haup tverantwortlichen vor Gericht. Do ch anstatt von Einsi cht oder Bedauern zu sprechen, pochten sie auf ihr damaliges Recht, beriefen sich auf einen Staat, der ringsum schon beinahe verschwunden war,und auf Befehle,die nur mehr sie selbst gaben (und befolgten). So steht es in den Prozessakten, die Martin Prinz’ R oman „Die letzten T age“ zugrunde liegen. Für die Festspiele Rei chenau erstellte der A utor eine Bühnenfassung,dievonSchauspielerinnen und Schauspielerndesheurigen Ensembles in einer szenischenL esung,eingerichtetvonMaria Ha ppel,dargebracht wird Denn ausdemHins chauen auf Vergangenesgelingt es uns vielleicht, einen besseren Weg in die Z ukunft zu beschreiten.

ERINNERN

STATT VERD RANGEN

Der Roman „D ie letz ten Tag e“ besch äftigt sich mit einem dunklen Kapitel der NS -Zeit rund um Reichenau. Autor Martin P rinz ada ptierte seinen Text selbst für eine hoch karätig bes etzte szenische Lesung.

TEXTKlaus P et er Vollmann.

„E in Stück zu schreiben, war für mich im G runde stets eine parallele Vorstellung zum R oman“,so Martin Prinz. „Denn die Geschehnisse, die dieser R oman erzählt, werden auch darin zwischen z wei Ge richtssälen geschildert. Dem illegalen, privaten und menschenverachtenden Standgericht des NS -K reisleiters und K onsorten während der letzten Kriegswochen und dem Prozessgegen diesedrei Männer und ihreMittäterin demsinnlosenMordenab1946 vor dem eigens eingerichteten Volksgericht in W ien. Es ist ein doppeltes Ge richtssaaldrama, das uns anhand der Suche nach der einzig bis datonicht gefundenenTotenbisins Heute führt.“

FR AGE DER GESEL LSCHAFT

Ein erstesRecherchekonvolutüberdiesesdunkle, weithin unbekannte K apitel österreichischer Z eitgeschichte habe er bereits vor zehn Jahren in dieHand gedrückt bekommen Damals seies ihm wieeineA nmaßungvorgekommen,darüber zu schreiben.Erst viel späterhabeersich in die A rchive gewagt und die Or iginalprozessakten der Haupttäter eingesehen.

„Ab dem M oment war mir klar, wo ich ansetzen konnte und wo ich esmir auch erlauben durfte,und daswardie Sprache derTäterselbst. Es warendasVersteck und dieVerdrängung,die

sie in ihrem ständigen Reden in der Verallge- wiealleanderenFrauen,ganz im Unterschiedzu meinerung suchten. Dieses Sprechen deutlich den Männern, die vor das Standgericht gestellt zu machen, die Feigheit darin, die Menschen- wurden,ins D unkle gebracht – in dunkle,enge, verachtung, aber auch der fehlende Bli ck auf feuchte Keller.Sie wurden dort körperlich wie sich selbst,das kann Literatur im bestenFall.“ psychisch erniedrigt. Sie wurden versteckt und Warum war es ihm wichtig, diesen Aspekt von15-,16-jährigenHJ -Buben erschossen,von desK riegs in den Fokus zu rücken?„Es ist kein denenesan einerStelle der Prozessaktenheißt, Aspekt desK riegs.Es ist eine Frage der Gesell- diese Burschen hielten in der anderen Hand schaft selbst.Es ist die Frage: W ie blind kann noch ihre Marmeladenbrote vom Frühstück.“ eineGesellschaft werden,dieselbstdann,wenn $e reseA %olter ist eine jenerSchauspieler*allesvorbeiist,wennselbstderK rieg rundum so innen,diedenTextzum L ebenerweckenwerden. gut wievorbeiist,immer noch aufallen Ebenen Weshalb ist es ihr wichtig, Teil des Teams zu und unterMithil feallerGesellschaftsschichten sein,das„Die letztenTage“in einerszenischen beisolchenVerbrechenmithilft undsieohneNot L esungin ReichenauaufdieBühne bringt?„Das selbst begeht? Blind letztlich dafür, dass man Buch basiert auf Ge richtsakten – auf Fakten, wenige Wochen odersogarnur Tage,nachdem die wir nun im Detail kennen und die dadurch man dieN achbarin denunzierte,mit und neben erschreckend konkret werden. Man spürt: So deren Familie weiterleben sollte und musste“, etwas kann jederzeit und überall geschehen, erklärt Martin Prinz. besondersim K ontextvon Diktatur und K rieg! In solche Z eitendürfen wir nie wiedergeraten.

ERS TICKENDES SCHWEIGEN

Vor allem auch für junge Menschen ist es mir Auch dieEnkeltöchterderSchnitzler-Vertrauten daher wichtig, dass wir nie vergessen,was war! O lga Waissnix wurden in den letzten K riegs- Ich bin überzeugt,dasseswichtig ist,Tatsachen tagenumgebracht WelcheRollennehmendiese klar zu benennen– und genaudeshalbmöchte beiden jungen Frauen im R oman beziehungs- ich diesen Geschehnissen eine Stimme geben. weise auf der Bühne ein? „Sie wurden ebenso Denn wasausderVergangenheitverdrängtwird, ist nicht verschwunden – es bleibt!

Traumata wirken oft transgenerational. Inwiefernist davonnoch heutein derGesellschaft etwasspürbar?„Es ist alles davon noch spürbar, wiedieVerö%entlichung meinesR omanszeigte. Das enorme Interesse daran und nicht zuletzt auch in der Regi on macht nur zu deutlich, wie notwendigesist,dassendlich erzähltwird Denn bislang und bei vielen immer noch gab es nur erstickendesSchweigen“,schildert Martin Prinz. Er hat seinenTextauch selbstfür die Bühne adaptiert Welche Ä nderungen mussteer dabei konkretvornehmen?„Ich mussteim G rundevon vornebeginnen Ich musstemir einfallen lassen, wie ich aus den NS-Ri chtern über L eben und Tod gleichzeitig A ngeklagte zwischen L eben und Tod machen könnte. Und zwar auf eine Weise, wie das nur am $eater geht L assen Sie sich überraschen!“

Infos

Mit. Therese A$olter,Nils Arztmann, Markus

INT ENDANT IN

MARIAHAPPEL

Die szenische L esung von „Die letzten T age“ nach dem T atsachenroman von Ma rtin Prinz ist für uns in Rei chenau an der R ax keine beliebige künstlerische Ents cheidung, sondern A usdruck unserer Verantwortung als $eate r. Ge rade im Jubiläumsjahr stellen wir uns bewusst auch jenen K apiteln der regionalen Geschichte, die lange im Verborgenen lagen. Die sogenannten End phaseverbrechen sind historisch belegtund Teil derE rinnerungskultur dieserRegi on – zugleich stehensie beispielhaft für eineGesellschaft insgesamt, die unterdem D ruck von R adikalisierung zu G ewalt fähig wird, eine D ynamik, die auch heute wieder spürbar wird. Unsere A ufgabe ist es, diese Ges chichte würdevoll, sachlich und ohne Vorwurf erfahrbar zu machen. $eater kann ein R aum der Re&exion sein – damals wie heute.Umso berührenderist es,dasssich die großartigen Ensemblemitglieder eigenständig bereit erklärt haben,dieseszenische L esungmitzutragen Dieses gemeinsameEnga gement unterstreicht, wie wichtig es ist, Haltung zu zeigen und E rinnerung als Beitrag zu einer lebendigen demokratischen K ultur zu verstehen.

Schauspielerin Therese A$olter wird gemeinsam mit zehn Kolle g*innen den Text lesen.
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Freis tätter,Daniel J esch, Maria Happel, Gerha rd Kasal, David O ber kogle r,J akob
Sem otan, Oliver Urbanski, Lukas Watzl, Sebastian Wendelin Wann. ab 12 7 2026
Wo. G roßer Saal fes tspiele -reichenau. at

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