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INVESTMENT No 188

Kaufen mit Bedacht. Wir haben da ein paar Ideen: besondere Mode, Zeit für sich, neue Design-Ikonen und jede Menge Kunst

DAS LIESL

Viele bekannte Klassiker der Moderne sind am legendären Bauhaus entstanden oder mindestens 50 Jahre alt. Unsere Expertin Barbara Friedrich erklärt in ihren Exkursen jüngere Einrichtungsgegenstände zu Ikonen des Designs.

Dieses Regalsystem kam erst Anfang des Jahres auf dem Markt. Ein brandneues Produkt der bayrischen Möbelmanufaktur Nils Holger Moormann aus Aschau im Chiemgau. Und eins, das die originäre Kollektion um eine weitere Ikone des Designs bereichert. Weil „Liesl“ alles hat, was ein klassisches Moormann-Möbel auszeichnet: Es ist originell, minimalistisch gestaltet, ins Detail verliebt verarbeitet – und natürlich wie alle anderen nachhaltig von regionalen Betrieben im Umkreis des Firmensitzes hergestellt.

Das Unternehmen, 1984 vom Namensgeber gegründet, gilt seither in der Einrichtungsbranche als Unikum. Moormann, eigentlich Jurist, stürzte sich in die Möbelproduktion aus purer Leidenschaft für Design und fürs Andersmachen. Es war die Zeit von „Memphis“ in Mailand, „Wohnen von Sinnen“ in Düsseldorf, „Möbel Perdu“ in Hamburg. Revolution von Form und Funktion war angesagt. Und das Revoluzzer-Sein im gediegenen deutschen Möbelmarkt war Nils Holger Moormanns Ding. Bis er vor fünf Jahren mit 67, ohne familiären Nachwuchs, seine Nachfolge regelte und seine Firma an die Geschwister Kristina Münnix und Christian Knorst verkaufte. „Wir waren vorher in einer komplett anderen Branche tätig,“ erklärt Geschäftsführer Christian Knorst (45), „als ich aber durch einen befreundeten Unternehmensberater von der Möglichkeit der Übernahme erfuhr und Nils kennenlernte, war ich schockverliebt.“ Die unternehmerische Idee von Nils Holger Moormann gefiel ihm – und dem gefiel, sein spezielles Lebenswerk einem Außenseiter der Branche anzuvertrauen.

Auf die Entwicklung von „Liesl“ ist Christian Knorst besonders stolz. Es ist schließlich das erste Möbel, das unter seiner Leitung entstand. Eingereicht hatte den Entwurf die Berliner Designerin Marie Luise Stein noch als Studentin an der Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe. Ihr Professor war Architekt und Designer Volker

Albus, einer der Protagonisten des „Neuen Deutschen Designs“ der 1980er-Jahre und Kurator der bereits erwähnten Ausstellung „Wohnen von Sinnen – Gefühlscollagen“. Albus hatte Stein zum Umsetzen ihrer Ideen immer ermutigt: „Einfach machen“.

Diese Motivation ist bis heute Antrieb der 1993 geborenen Berlinerin, die seit drei Jahren als freiberufliche Designerin mit Schwerpunkt auf Produkt- und Raumgestaltung arbeitet. Ihr Regalsystem sollte so einfach und so praktisch wie möglich sein, unter anderem inspiriert von „String“, dem schwedischen Klassiker aus dem Jahr 1949, der mit wenigen Teilen eine ganze Wand strukturieren kann.

Steins Entwurf, den sie Nils Holger Moormann anbot, organisiert sich um mehrere Aufhängepunkte an der Wand und lässt sich beliebig erweitern. Allerdings stellte sich heraus, dass die ursprünglich gedachten Spanplatten als Regalböden die geplante Endlos-Kombinationsmöglichkeit des Regals nicht würden tragen können. „Wir haben in gut dreijähriger Entwicklung gefühlte 6000 Prototypen gebaut. Acht sind von der Wand gefallen, bis wir die optimale Lösung hatten,“ sagt Christian Knorst. Nun stehen neben den Wandhalterungen, Montageknöpfe aus Aluminium zur Verfügung, vier verschiedene Stangen in Edelstahl und vier verschiedene Böden in unbehandeltem Aluminium für die beliebige Konfiguration des Regals. In der Entwicklung lief das System wegen seiner Linearität unter „Line“. Doch in guter alter Moormann-Tradition wurde zum Verkaufsstart daraus „Liesl“, mit einem augenzwinkernden Bezug zum Namen der Berliner Designerin. „Luiserl“ wäre auch nett gewesen, aber wohl allzu bajuwarisch für das Produkt einer Preußin …

moormann.de marieluisestein.com

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