Skip to main content

DECO_0126_044-045_Handwerk Portrait Moormann

Page 1


Ein bisschen Spaß

.. muss sein? Bei Nils Holger Moormann wäre die klare Antwort: ja. Ein Besuch in der Idylle Oberbayerns, wo diese Möbel gar nicht so recht reinpassen. Aber genau da wird’s lustig

Das Beste ist immer, wenn’s Diskussionen gibt, wenn’s polarisiert“, sagt Christian Knorst und meint im Zweifel jedes neue Produkt. Der Geschäftsführer der Möbelmarke Nils Holger Moormann steht im ziemlich zugigen Ausstellungsraum des Aschauer Headquarters. Die gesamte historische Fläche der alten Stallungen durchzuheizen, wäre Wahnsinn, gar nicht grün und damit auch nicht sachgerecht. Wer diese Firma verstehen will, der muss auch mal aushalten können. Das macht schon das Schild vor der Tür deutlich: „Freiheit aushalten“ statt Ausfahrt freihalten. Wortspiele und ihre optischen Entsprechungen gehören hier zum Konzept.

Das Sperrige, das hier gefeiert wird wie andernorts der nächste Bestseller, beginnt schon im Designprozess. Die Marke versteht sich als Möbelverlag und heißt Entwurfsideen von Konstantin Grcic genauso willkommen wie von Max Mustermann. Bei der Auswahl potenzieller Produkte werden Urhebernamen geschwärzt. Entscheidend sei allein, ob’s passt. Der neueste, auch kommerzielle Erfolg: Regal „Liesl“, für dessen Entwicklung man sich dreieinhalb Jahre Zeit genommen hat. Und das mit seinen hauchdünnen Metallelementen auch gar nicht mehr ausschaut wie der ursprüngliche Entwurf von Marie Luise Stein. Aber das muss man aushalten. | Info: www.moormann.de

OBEN LINKS: Hocker „Strammer Max“. UNTEN: Harry Thalers ikonischer „Pressed Chair“ war anfangs ein hoffnungsloser Fall von „Das geht so nicht“. Die Lösung: Das Aluminium wird in einer Werkstatt für Autokarosserien gefräst, gepresst und gebogen. Maßgabe für alle MoormannProdukte: Sie werden in einem Radius von 40 km gefertigt. „Man muss mit dem Fahrrad hinfahren können“, sagt Christian Knorst. 2025 nahmen die eigenen Produktionshallen am Chiemsee den Betrieb auf

OBEN: Ausstellungsraum im Headquarter, einer ehemaligen Reitanlage von 1895. LINKS: Besucherin des Salone di Aschau, zu dem gleich tickende Brands als Aussteller geladen wurden.

RECHTS: Neuheit „Liesl“ kommt in seiner ganzen Schlichtheit gut an. „Das, was einfach aussieht, macht oft die meiste Arbeit“, sagt Robert Christof, Geschäftsführer Marketing und Vertrieb.

UNTEN LINKS UND LINKE SEITE: Dorfschmied in Action, etwa für Untergestelle der „Kampenwand“Kollektion. UNTEN

RECHTS: Der Prototyp von Steckregal „Zoll D“ blieb mal stecken. Genau, im Zoll

Text: CHRISTINA PEARCE
Fotos: Lorraine Hellwig (3), Julia Sang Nguyen (1), Paul Sebesta (1), Julia Rotter (1)

Turn static files into dynamic content formats.

Create a flipbook