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AW Architektur & Wohnen

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„U N S E R E MÖBEL HABEN EINE ART S T A L L G E R U C H“


Design AW Gespräch

Global denken, lokal handeln – dieses Motto prägt die Nils Holger Moormann Möbel GmbH in Aschau. Auch nach dem Wechsel in der Geschäftsführung geht es vor allem um drei Dinge: Konsequenz, Transparenz und Haltung Inter view UTA AB ENDROTH

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und setzen mit ca. 25 Betrieben unsere Produktion um. Die Kehrseite unserer Art zu fertigen ist, dass wir beschränkt sind in dem, was wir machen können. Es geht ja um Kleinstbetriebe, manchmal Vater und Sohn, da sind die Kapazitäten sehr überschaubar. 2025 haben wir zusätzlich eine eigene Schreinerei aufgemacht, so können wir die Qualität oben halten und schneller agieren. C. H.: Für eine so kleine Firma wie unsere ist das eine enorme Investition. Aber wir wollen hierbleiben, wir wollen nah an der Quelle sein.

eit 1982 stehen Moormann-Möbel für das sogenannte Neue Deutsche Design. Was ist das Typische an den Entwürfen?

Wo kommen Ihre Möbel mit den hintersinnigen Namen wie „Tagedieb“, „Siebenschläfer“ oder „Abgemahnt“ denn am besten an?

Christian Knorst: Unsere Möbel haben einen unverwechselbaren Charakter, sie sind auf das Wesentliche reduziert, haben einfache Verbindungen. Konstruktion, Funktion, Material – alles liegt offen da. Das gilt für die Kollektionsmöbel aus Holz ebenso wie für die Entwürfe aus Metall. Regale wie „FNP“ von Axel Kufus oder „Liesl“ von Marie Luise Stein sind endlos erweiterbar und maximal flexibel. Moormann entstand in den 1980er-Jahren im Chiemgau – mitten in jener Phase, in der das Neue Deutsche Design eine eigensinnige, unverwechselbare Formensprache entwickelte. Aus diesem Denken heraus hat sich bei Moormann ein Wertekosmos gebildet, den wir bis heute weiterschreiben.

R. C.: Deutschland, Österreich und die Schweiz sind unsere wichtigsten Märkte. Aber wir haben auch eine große Fangemeinde in Asien, vor allem in Südkorea, Japan und Taiwan. Die reduzierte Formensprache trifft dort offenbar einen Nerv. Aktuell findet das neue Wandregal „Liesl“ großen Anklang in Skandinavien und sogar in den USA.

Zählt dazu auch die konsequente Regionalität?

Robert Christof: Ja, genau. In einem Umkreis von rund 40 Kilometern arbeiten wir mit dem lokalen Handwerk zusammen

Das Hängeregal ist aus Aluminium und Sie haben gerade eine neue Schreinerei aufgemacht – wie passt das zusammen?

C. K.: Na, gar nicht! Aber genau dieser Widerspruch fordert uns. Uns geht es darum, die richtige Idee zu finden. Manche Entwürfe brauchen Ruhe und Wärme, andere die kühle Präzision. Wir wollen, dass das Material sinnvoll gewählt ist. Das rohe Aluminium von „Liesl“ zwingt uns zu einer fast asketischen Klarheit – und genau das hat uns gereizt. Die neue Schreinerei wiederum ist ein Versprechen an unser

Umfeld und unser Handwerk. Sie gibt uns die Nähe, die wir brauchen, um Dinge auszuprobieren, zu scheitern, neu zu denken. Wie lange haben Sie denn mit der Designerin an der Umsetzung des Regals gearbeitet?

R. C.: Das hat dreieinhalb Jahre gedauert, aber als Marie die Idee eingereicht hat, sah der Entwurf noch ganz anders aus. Es ist dann etwas ganz anderes geworden, ein superreduziertes und modulares Metallregal. Das kommt dann aus der internen Produktentwicklung. Schön, dass die Designerin Geduld mit uns hatte! Ist eine so lange Entwicklungsdauer üblich?

C. K.: Das ist bei uns durchaus normal. Ein Kriterium ist: Können wir das überhaupt machen, haben wir dafür die Ressourcen? Das andere Kriterium ist: Haben wir hier im Ort jemanden, der diesen Weg mitgehen will? Wir scheitern auch immer wieder am Preis. Jeder bei uns intern weiß, warum ein Produkt soundso viel kosten muss, aber das kann man nicht mehr kommunizieren. Und das sind dann auch die ganz schlimmen Absagen, die man Designern schreiben muss, wenn man sagt, es passt nicht, wir haben jetzt drei Jahre rumprobiert und wir scheitern am Preis. Umso schöner ist es dann aber, dass manchmal auch alles passt und wir ein neues Moormann-Möbel in die Kollektion aufnehmen können. Trotzdem können Sie sich vor Einreichungen wahrscheinlich kaum retten, oder?

R. C.: Im Schnitt bekommen wir 300 Einreichungen pro Jahr, mal mehr, mal weniger. Wir setzen

Foto: PR

Christian Knorst und Robert Christof Christian Knorst (l.) hat die Nils Holger Moormann Möbel GmbH am 1. Januar 2020 als Inhaber und Geschäftsführer von ihrem Gründer übernommen. Robert Christof (r.) kam Anfang 2022 mit dazu und ist seit 2025 in der Geschäftsführung für Marketing und Vertrieb zuständig. Das Unternehmen ist in der Festhalle Aschau im Chiemgau, einem ehemaligen Pferdegestüt, ansässig.

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Design AW Gespräch

haben alle Stücke in unserer Kollektion diesen ganz eigenen Stallgeruch. Im Hinblick auf die älteren Möbel: Gibt es da auch noch was zu tun?

uns dann regelmäßig unregel­ mäßig zusammen und schauen uns die Vorschläge an. Dabei spielen die Namen der Designer keine Rolle, wir anonymisieren das. Was zählt, sind die Konzep­ tion, die Idee, der Grundgedanke und: Ist es was für uns oder nicht? Da haben Geschäftsfüh­ rung, Produktentwicklung und Marketing alle ihre Meinung. Wonach sucht Ihr Team?

C. K.: Der Entwurf muss einen besonderen Dreh haben, ein Augenzwinkern oder eine kleine Erfindung, wie etwa bei dem Tisch und der Bank „Kampen­ wand“, bei denen ein gespanntes Seil für Stabilität sorgt. Wie geht es dann weiter?

R. C.: Wenn wir uns einig sind, bitten wir den Designer oder die Designerin vorbeizukommen. Dann geht die Arbeit erst rich­ tig los und wir entwickeln mit unseren internen Ressourcen und Methoden den Entwurf zu einem marktreifen Produkt. C. K.: Die Art, wie wir arbeiten – die Nähe zu unseren lokalen Handwerkerinnen und Hand­ werkern, die kurzen Wege, das gemeinsame Ringen um gute Lösungen –, all das hinterlässt Spuren. Ich glaube, deshalb 116

CHRISTIAN KNORST

Lauter Klassiker In denkmalgeschützten Stallungsräumen in Aschau steht unter anderem das Regal „FNP“ (r.) von Axel Kufus. Harry Thalers „Pressed Chair“ (u.) besteht aus einer einzigen Fläche und erhält durch nur einen Pressvorgang seine Stabilität

essenziell ist. Und genauso wich­ tig sind uns die Menschen, die mit unseren Möbeln leben. Ihre Rückmeldungen, ihr Alltag, ihr Blick auf das, was wir tun. Wenn jemand nach dreißig Jahren schreibt, dass sein Regal noch immer zuverlässig seinen Dienst tut oder wenn bei unserer Kun­ denbetreuerin plötzlich eine kleine Aufmerksamkeit landet, dann ist das weit mehr als eine nette Geste. Es zeigt uns sehr unmittelbar, warum wir das alles machen. •

Das klingt nach Beratungsbedarf.

R. C.: Für uns ist es sehr wichtig, dass unsere Kunden etwas mit den Möbeln anfangen können. Vielleicht bedarf es der einen oder anderen längeren Erklärung zu einzelnen Möbelstücken, die wir machen. Aber die Menschen sollen wissen, was sie da stehen haben, dann können sie das auch weitertransportieren. Sie pflegen nicht nur zu Ihren KundInnen, sondern auch zu Ihren DesignerInnen einen besonderen Kontakt.

C. K.: Das stimmt. Über die Jahre haben sich daraus kleine Rituale entwickelt: gemeinsame Berg­ wanderungen, Kochen in großer Runde mit Designerinnen und Designern, die uns schon lange begleiten, oder ein Wiedersehen beim „Salone di Aschau“, wo wir Menschen aus ganz unterschied­ lichen kreativen Bereichen zu­ sammenbringen. All das schafft Raum für Austausch – und für ein Miteinander, das für uns

Fotos: Paul Sebesta, PR (2)

Scheinbar schwebend Das Wandregal „Liesl“ von Marie Luise Stein erlaubt dank jeweils vier verschiedener Regalböden und -stangen unendlich viele Kombinationen

C. K.: Ja, auf jeden Fall. Wir über­ arbeiten ständig Details, Mate­ rialien und Proportionen – sehr behutsam, aber mit echter Freude. Uns reizt die Reduktion. Deshalb haben wir uns die ge­ samte Kollektion angeschaut und beschlossen, konsequenter zu vereinfachen. Unser „Zoll D“­Re­ galsystem gibt es seit Kurzem in unbehandeltem Aluminium, und insgesamt verwenden wir jetzt häufiger Rohmaterialien. Das Tannenholz unserer „Kampen­ wand“, ein Outdoor­Möbel, wird grau und wird sich biegen. Das gibt aber Charakter und wir be­ gegnen immer wieder Menschen, die das verstehen und schätzen. Wir mögen die Patina des Ge­ brauchs, wenn man sie zulässt.

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