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AW Architektur und Wohnen

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69 JAHRE RAUM FÜR INSPIRATION

36 Seiten SPECI A L

DE SIGN A US SK A NDIN AV IEN

Reise

HAMBURG, MEINE PERLE 1 / 2026

Architektur

Ästhetik vs. Moral: (un)vereinbare Gegensätze?

D 11,90 € A 12,90 € CH 22,90 sfr Architektur & Wohnen Ausgabe 1 /2026 Januar / Februar

01 01 711905 711905 4 190524 4 190524

Neue Perspektiven

Benelux 13,50 € E 15,30 € I 15,30 €

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JUNGE BÜROS AUS NORDDEUTSCHLAND

Dossier

+ die 50 besten Einrichtungshäuser Deutschlands

NEUE PERSPEK TIVEN Made in Germany: Architektur, Design & Interior


„U N S E R E MÖBEL HABEN EINE ART S T A L L G E R U C H“


Design AW Gespräch Design AW Gespräch

Global denken, lokal handeln – GlobalMotto denken, lokal dieses prägt diehandeln Nils – dieses Moormann Motto prägtMöbel die Nils Holger GmbH Holger Moormann Möbel GmbH in Aschau. Auch nach dem in Aschau. Auch nach dem Wechsel in der Geschäftsführung Wechsel in der Geschäftsführung geht es vor allem um drei Dinge: geht es vor allem um drei Dinge: Konsequenz, Transparenz Konsequenz, Transparenz und Haltung und Haltung Inter view UTA AB ENDROTH Inter view UTA AB ENDROTH

S

eit eit1982 1982stehen stehen Moormann-Möbel Moormann-Möbel für Deutfürdas dassogenannte sogenannte Neue Neue Deutsche Design. Was ist das Typische Design. Was ist das Typische schean anden den Entwürfen? Entwürfen?

Christian Möbel ChristianKnorst: Knorst: Unsere Unsere Möbel haben einen unverwechselbaren haben einen unverwechselbaren Charakter, WeCharakter,sie sie sind sind auf das Wesentliche einfasentlichereduziert, reduziert, haben einfache cheVerbindungen. Verbindungen. Konstruktion, Konstruktion, Funktion,Material Material – alles liegt Funktion, liegt offenda. da.Das Dasgilt gilt für für die Kollekoffen Kollektionsmöbelaus aus Holz Holz ebenso wie tionsmöbel wie fürdie dieEntwürfe Entwürfe aus aus Metall. Metall. Refür Regalewie wie„FNP“ „FNP“ von von Axel Axel Kufus gale Kufus oder„Liesl“ „Liesl“von von Marie Marie Luise Luise Stein oder Stein sind endlos erweiterbar sind endlos erweiterbar und und mamaximalflexibel. flexibel. Moormann Moormann entximal entstand in den 1980er-Jahren stand in den 1980er-Jahren im Chiemgau – mitten in jener im Chiemgau – mitten in jener Phase, in der das Neue Deutsche Phase, in der das Neue Deutsche Design eine eigensinnige, unDesign eine eigensinnige, unverwechselbare Formensprache verwechselbare Formensprache entwickelte. Aus diesem Denken entwickelte. Aus diesem Denken heraus hat sich bei Moormann heraus hat sich bei Moormann ein Wertekosmos gebildet, den ein gebildet, den wirWertekosmos bis heute weiterschreiben. wir bis heute weiterschreiben. Zählt dazu auch die konsequente Zählt dazu auch die konsequente Regionalität? Regionalität? Robert Christof: Ja, genau. In

Robert Christof:von Ja, rund genau. einem Umkreis 40In Kiloeinem Umkreis 40 Kilometern arbeitenvon wirrund mit dem metern wir mit dem lokalenarbeiten Handwerk zusammen lokalen Handwerk zusammen

Umfeld und unser Handwerk. Sie und setzen mit ca. 25 Betrieben gibt uns Nähe, die wir brauunsere Produktion Die Kehr- Umfeld unddie unser Handwerk. Sie und setzen mit ca. 25um. Betrieben unsum die Dinge Nähe, die wir brauunsere Produktion um. Die Kehrchen, auszuprobieren, seite unserer Art zu fertigen ist, gibt um Dinge neu auszuprobieren, seite Art zu fertigen zu scheitern, zu denken. dassunserer wir beschränkt sind inist, dem, chen, dass sind inEs dem, was wir wir beschränkt machen können. geht zu scheitern, neu zu denken. was wirKleinstbetriebe, machen können.manchmal Es geht ja um Wie lange haben Sie denn mit ja um Kleinstbetriebe, manchmal lange haben Sie mit Vater und Sohn, da sind die Kapa- Wie der Designerin an denn der Umsetzung Vater und Sohn, da sind die KapaDesignerin an der Umsetzung zitäten sehr überschaubar. 2025 der des Regals gearbeitet? zitäten sehrzusätzlich überschaubar. haben wir eine2025 eigene des R.Regals C.: Dasgearbeitet? hat dreieinhalb Jahre haben wir zusätzlich eine eigene R. C.: Das hataber dreieinhalb Jahre Schreinerei aufgemacht, so köngedauert, als Marie die Idee Schreinerei aufgemacht, so köngedauert, aber als Marie die Idee nen wir die Qualität oben halten eingereicht hat, sah der Entwurf nen wir die Qualität oben halten eingereicht hat, sah der Entwurf und schneller agieren. noch ganz anders aus. Es ist dann und schneller agieren. noch ganz anders aus. Es ist dann C. H.: Für eine so kleine Firma etwas ganz anderes geworden, C. H.: Für eine so kleine Firma etwas ganz anderes geworden, wie unsere ist das eine enorme ein superreduziertes und moduwie unsere ist das eine enorme ein superreduziertes und moduInvestition. Aber wir wollen hier- lares Metallregal. Das kommt Investition. Aber wir wollen hier- lares Metallregal. Das kommt bleiben, wir wollen nah an der dann aus der internen Produktbleiben, wir wollen nah an der dann aus der internen ProduktQuelle sein. entwicklung. Schön, dass die Quelle sein. entwicklung. Schön, dass die Designerin Geduld hatte! Designerin Geduld mitmit unsuns hatte!

Wokommen kommenIhre IhreMöbel Möbelmit mitden den Wo hintersinnigenNamen Namenwie wie„Tage„Tage- IstIst eine lange Entwicklungshintersinnigen eine soso lange Entwicklungsdieb“, „Siebenschläfer“ oder „Abdauer üblich? dieb“, „Siebenschläfer“ oder „Ab- dauer üblich? gemahnt“denn dennam ambesten bestenan? an? Das durchaus gemahnt“ C.C. K.:K.: Das istist beibei unsuns durchaus

normal. Ein Kriterium KönR.C.: C.:Deutschland, Deutschland,Österreich Österreich normal. Ein Kriterium ist:ist: KönR. nen wir das überhaupt machen, und die Schweiz sind unsere nen wir das überhaupt machen, und die Schweiz sind unsere haben wir dafür Ressourcen? wichtigstenMärkte. Märkte.Aber Aberwir wir ha- haben wir dafür diedie Ressourcen? wichtigsten haDas andere Kriterium Haben benauch aucheine einegroße großeFangemeinde Fangemeinde Das andere Kriterium ist:ist: Haben ben wir hier jemanden, inAsien, Asien,vor vorallem allemininSüdkorea, Südkorea, wir hier imim OrtOrt jemanden, derder in Weg mitgehen will? WirWir Japan diesen Weg mitgehen will? Japanund undTaiwan. Taiwan.Die Diereduzierte reduzierte diesen auch immer wieder Formensprache scheitern auch immer wieder Formensprachetrifft trifftdort dortoffenoffen- scheitern amam Preis. Jeder beibei unsuns intern bar Preis. Jeder intern bareinen einenNerv. Nerv.Aktuell Aktuellfindet findet warum einein Produkt so-sodas groweiß, warum Produkt dasneue neueWandregal Wandregal„Liesl“ „Liesl“ gro- weiß, undso viel kosten muss, aber dasdas ßen undso viel kosten muss, aber ßenAnklang AnklangininSkandinavien Skandinavien kann man nicht mehr kommuniund sogar in den USA. kann man nicht mehr kommuniund sogar in den USA. zieren. Und dasdas sind dann auch zieren. Und sind dann auch die ganz schlimmen Absagen, Das Hängeregal ist aus Alumidie ganz schlimmen Absagen, Das Hängeregal ist aus Alumiman Designern schreiben nium und Sie haben gerade eine die man Designern schreiben nium und Sie haben gerade eine die muss, wenn man sagt, es passt neue Schreinerei aufgemacht – muss, wenn man sagt, es passt neue Schreinerei aufgemacht – nicht, wir haben jetzt drei Jahre wie passt das zusammen? nicht, wir haben jetzt drei Jahre wie passt das zusammen? rumprobiert und wir scheitern C. K.: Na, gar nicht! Aber genau rumprobiert und wir scheitern C. K.: Na, gar nicht! Aber genau am Preis. Umso schöner ist es dieser Widerspruch fordert uns. am Preis. Umso schöner ist es dieser Widerspruch fordert uns. dann aber, dass manchmal auch Uns geht es darum, die richtige dann aber, dass manchmal auch Uns geht es darum, die richtige Idee zu finden. Manche Entwürfe alles passt und wir ein neues Idee zu finden. Manche Entwürfe alles passt und wir ein neues Moormann-Möbel in die Kollekbrauchen Ruhe und Wärme, Moormann-Möbel in die Kollekbrauchen Wärme, tion aufnehmen können. andere die Ruhe kühleund Präzision. Wir tion aufnehmen können. andere die kühle Präzision. Wir wollen, dass das Material sinnwollen, dassist. dasDas Material sinnvoll gewählt rohe AlumiTrotzdem können Sie sich vor voll gewählt ist. Das rohe AlumiTrotzdem können Sie sich vor nium von „Liesl“ zwingt uns zu Einreichungen wahrscheinlich nium von „Liesl“ zwingt uns zu Einreichungen wahrscheinlich einer fast asketischen Klarheit kaum retten, oder? fast asketischen –einer und genau das hat unsKlarheit gereizt. R.kaum C.: Imretten, Schnittoder? bekommen wir – und genau das hat wiederum uns gereizt. 300 R. Einreichungen C.: Im Schnitt bekommen wir Die neue Schreinerei pro Jahr, mal Dieein neue Schreinerei wiederum mehr, 300 mal Einreichungen Jahr, mal ist Versprechen an unser weniger. Wirpro setzen ist ein Versprechen an unser mehr, mal weniger. Wir setzen

Foto: PR Foto: PR

Christian Knorst und Robert Christof Christian Knorst (l.) hatund die Nils Holger Moormann Christian Knorst Robert ChristofMöbel GmbH am 1. Januar 2020 als Inhaber und Geschäftsführer von ihrem

Gründer übernommen. Robert Christof (r.) kam Anfang 2022 mit dazu und ist seit 2025 in der Geschäftsführung für Marketing Christian Knorst (l.) hat die Nils Holger Moormann Möbel GmbH am 1. Januar 2020 als Inhaber und Geschäftsführer von ihrem und Vertrieb zuständig. Das Unternehmen ist in der Festhalle Aschau im Chiemgau, einem ehemaligen Pferdegestüt, ansässig. Gründer übernommen. Robert Christof (r.) kam Anfang 2022 mit dazu und ist seit 2025 in der Geschäftsführung für Marketing und Vertrieb zuständig. Das Unternehmen ist in der Festhalle Aschau im Chiemgau, einem ehemaligen Pferdegestüt, ansässig.

No. 1 2026

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Design AW Gespräch

haben alle Stücke in unserer Kollektion diesen ganz eigenen Stallgeruch. Im Hinblick auf die älteren Möbel: Gibt es da auch noch was zu tun?

uns dann regelmäßig unregel­ mäßig zusammen und schauen uns die Vorschläge an. Dabei spielen die Namen der Designer keine Rolle, wir anonymisieren das. Was zählt, sind die Konzep­ tion, die Idee, der Grundgedanke und: Ist es was für uns oder nicht? Da haben Geschäftsfüh­ rung, Produktentwicklung und Marketing alle ihre Meinung. Wonach sucht Ihr Team?

C. K.: Der Entwurf muss einen besonderen Dreh haben, ein Augenzwinkern oder eine kleine Erfindung, wie etwa bei dem Tisch und der Bank „Kampen­ wand“, bei denen ein gespanntes Seil für Stabilität sorgt. Wie geht es dann weiter?

R. C.: Wenn wir uns einig sind, bitten wir den Designer oder die Designerin vorbeizukommen. Dann geht die Arbeit erst rich­ tig los und wir entwickeln mit unseren internen Ressourcen und Methoden den Entwurf zu einem marktreifen Produkt. C. K.: Die Art, wie wir arbeiten – die Nähe zu unseren lokalen Handwerkerinnen und Hand­ werkern, die kurzen Wege, das gemeinsame Ringen um gute Lösungen –, all das hinterlässt Spuren. Ich glaube, deshalb 116

CHRISTIAN KNORST

Lauter Klassiker In denkmalgeschützten Stallungsräumen in Aschau steht unter anderem das Regal „FNP“ (r.) von Axel Kufus. Harry Thalers „Pressed Chair“ (u.) besteht aus einer einzigen Fläche und erhält durch nur einen Pressvorgang seine Stabilität

essenziell ist. Und genauso wich­ tig sind uns die Menschen, die mit unseren Möbeln leben. Ihre Rückmeldungen, ihr Alltag, ihr Blick auf das, was wir tun. Wenn jemand nach dreißig Jahren schreibt, dass sein Regal noch immer zuverlässig seinen Dienst tut oder wenn bei unserer Kun­ denbetreuerin plötzlich eine kleine Aufmerksamkeit landet, dann ist das weit mehr als eine nette Geste. Es zeigt uns sehr unmittelbar, warum wir das alles machen. •

Das klingt nach Beratungsbedarf.

R. C.: Für uns ist es sehr wichtig, dass unsere Kunden etwas mit den Möbeln anfangen können. Vielleicht bedarf es der einen oder anderen längeren Erklärung zu einzelnen Möbelstücken, die wir machen. Aber die Menschen sollen wissen, was sie da stehen haben, dann können sie das auch weitertransportieren. Sie pflegen nicht nur zu Ihren KundInnen, sondern auch zu Ihren DesignerInnen einen besonderen Kontakt.

C. K.: Das stimmt. Über die Jahre haben sich daraus kleine Rituale entwickelt: gemeinsame Berg­ wanderungen, Kochen in großer Runde mit Designerinnen und Designern, die uns schon lange begleiten, oder ein Wiedersehen beim „Salone di Aschau“, wo wir Menschen aus ganz unterschied­ lichen kreativen Bereichen zu­ sammenbringen. All das schafft Raum für Austausch – und für ein Miteinander, das für uns

Fotos: Paul Sebesta, PR (2)

Scheinbar schwebend Das Wandregal „Liesl“ von Marie Luise Stein erlaubt dank jeweils vier verschiedener Regalböden und -stangen unendlich viele Kombinationen

C. K.: Ja, auf jeden Fall. Wir über­ arbeiten ständig Details, Mate­ rialien und Proportionen – sehr behutsam, aber mit echter Freude. Uns reizt die Reduktion. Deshalb haben wir uns die ge­ samte Kollektion angeschaut und beschlossen, konsequenter zu vereinfachen. Unser „Zoll D“­Re­ galsystem gibt es seit Kurzem in unbehandeltem Aluminium, und insgesamt verwenden wir jetzt häufiger Rohmaterialien. Das Tannenholz unserer „Kampen­ wand“, ein Outdoor­Möbel, wird grau und wird sich biegen. Das gibt aber Charakter und wir be­ gegnen immer wieder Menschen, die das verstehen und schätzen. Wir mögen die Patina des Ge­ brauchs, wenn man sie zulässt.

„EIN PRODUKT, DAS BENUTZT WIRD, KRIEGT MACKEN UND KANTEN. WIR MÖGEN DIESE GEBRAUCHSPATINA.“

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