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Schmuckstück

Diese kabellose Leuchte namens „118p“ ist ein Schmuckstück, das nebenbei auch Licht abgibt. Hinter der äußeren Hülle aus klarem Glas scheinen sich Federn oder Blütenblätter aufzufalten – ein Spiel aus transparenten und opaken Flächen, das vom Licht des Leuchtmittels in der Mitte der Kugel noch zusätzlich belebt wird. Um diese kunstvollen Effekte zu erreichen, blasen die Glasmacher bei Bocci im kanadischen Vancouver das flüssige Glas in kleine stählerne Käfige. So entstehen regelmäßige Ausbuchtungen in der Glasblase, die dann weiter aufgeblasen und verformt werden. Bei diesem Prozess spielen Präzision, Zufall und handwerkliche Erfahrung zusammen, jede „118p“ ist ein Unikat. Erhältlich in klarem, bronzefarbenem, grauem und grünem Glas.

Hart, aber niedlich

So weich und cremig dieses Sahnehäubchen auch aussehen mag – die Leuchte „Soft Serve“ besteht aus hartem Kunststoff, genauer: aus 3D-gedrucktem recyceltem und biologisch abbaubarem PLA-Kunststoff. Entworfen und vertrieben von Crème Atelier aus Stockholm ist die Leuchte zu einem kleinen Instagram-Star avanciert. Die Form, die sie der 3DDrucktechnik verdankt, und der Name „Soft Serve“, zu Deutsch „Softeis“, sind so eingängig und selbsterklärend, dass sie auch in den hektischen Bilderwelten der sozialen Medien in Erinnerung bleiben. Zudem passt die Leuchte zur gerade beliebten Ästhetik der Niedlichkeit, die alles mit Schleifen, Herzen, Früchten und Ähnlichem überzieht. Das süße Stück gibt es in verschiedenen Größen und auch als kabellose Version.

Die nackte Leuchtstoffröhre an der Decke ist der Endgegner atmosphärischer Beleuchtungsbemühungen, man denke nur an italienische Bars oder türkische Teestuben. Deutlich raffinierter und stimmungsvoller hat Designer Thierry Dreyfus die Röhre bei seinem Entwurf „Seagull“ für den Pariser Hersteller DCW Éditions eingesetzt. Die Glasröhren leuchten nämlich nicht selbst. Sie verteilen lediglich das Licht, das die streifenförmige Lichtquelle über ihnen abgibt Weil sich die Strahlen dabei vielfach und in verschiedenen Winkeln im Glas brechen entsteht ein warmer, weicher Schein – so ziemlich das Gegenteil des erbarmungslosen Gleißens der Leuchtröhre also.

Schön hell in den Herbst

Diese neun neuen Leuchten setzen strahlende Akzente in der dunklen Jahreszeit Von Jasmin Jouhar

Wo kommt bei Ihnen zu Hause der Strom aus der Decke? In der Mitte der Zimmer? Glückwunsch, dann gehören Sie zur großen Mehrheit der Menschen, die sich mit Standardverkabelungen einrichten müssen. Ob Altoder Neubau, oft ist in Wohnräumen nur ein mittiger Deckenauslass vorgesehen: das berüchtigte Kabel, an dem manchmal noch lange nach dem Umzug bloß die nackte Glühbirne baumelt. Wer Glück hat findet zumindest in Küche oder Bad auch Auslässe an den Wänden, aber das ist nicht unbedingt die Regel. Logische Folge: In jedem

Zimmer prangt im Zentrum eine Leuchte, häufig eine mit gläserner Kugel oder mit Papierschirm. Oder, schlimmer: eine Leuchtröhre Profis nennen das „Allgemeinlicht“. Es erhellt den jeweiligen Raum relativ gleichmäßig und hilft bei der Orientierung. Wichtiger ist allerdings, was die Allgemeinbeleuchtung alles nicht kann: spezielle Funktionen erfüllen wie etwa fokussiertes Licht am Lesesessel oder über dem Esstisch zu spenden. Es kann den Raum auch nicht modulieren, schöne Ecken hervorheben und weniger schöne verschwinden lassen beispielsweise. Es taucht alles unterschiedslos in

eine matschige, mittlere Helligkeit, und entsprechend mittelmäßig sieht es meistens aus. Im Frühling und Sommer mag das nicht weiter stören, da reicht das Tageslicht, aber jetzt im Herbst brauchen wir schöne Kunstlichtstimmungen, um uns wohlzufühlen. Lernen wir also von den Skandinavierinnen und Skandinaviern und feiern wir in der dunklen Jahreszeit elektrisch erzeugten Schein und Glanz –dank fokussierter Beleuchtung und im Raum verteilten Leuchtakzenten. Mit diesen neun Neuheiten bekommt das Licht jenseits der Zimmermitte auch noch eine gute Form.

Handliches Handlicht, inspired by Memphis

Die „Fire“ liegt gut in der Hand. Eine Eigenschaft, die in den vergangenen Jahren wichtig geworden ist für Leuchten – wenn sie, wie dieses Modell von Grau aus Hamburg, kabellos und tragbar sind. „Fire“ jedenfalls trägt man am

Zentralgestirn

Die Glühlampe als Zentrum des Entwurfs, das war lange die Regel in der Gestaltung von Leuchten. Denn die wurden meist um das Leuchtmittel herum entworfen. Mit Leuchtdioden als neuem Standard befreite sich die Gestaltung von ihrer Fixierung auf die Birne – Stäbe, Bänder, Ringe, Flächen, alles möglich. Gelegentlich kehren Designer dann aber doch zurück zum einstigen Zentralgestirn, wie aktuell das deutsche Duo Haus Otto bei „La Dré“ für Moormann. Hier dient die (LED-)Lampe nicht nur als Leuchtmittel, sondern auch als Kugelgelenk: Der runde Schirm wird mit zwei Drahtbügeln direkt auf die Birne gesteckt. So kann er beliebig gekippt werden. Je nach Winkel funktioniert „La Dré“ als Leseleuchte oder Stimmungsmacher. Die Leuchte besteht aus wenigen Edelstahlteilen, die ohne Schrauben einfach zusammengefügt werden.

besten dorthin, wo Stimmung gefragt ist. Denn ihr Licht pulsiert sanft und fast unmerklich in zwei Farbtemperaturen und schafft so eine ruhige, meditative Atmosphäre – als alleinige Lichtquelle oder als Akzent im Raum. Bislang ledig-

lich in einfarbigen Varianten erhältlich, hat Grau jetzt drei mehrfarbige ins Sortiment aufgenommen. Mit ihren Colorblocking-Kontrasten erinnern „Silent Earth“, „Tulip“ und „River Stone“ an Objekte des Memphis-Designs.

Bauhaus heute

Das Unternehmen Midgard aus Hamburg pflegt das Leuchtenerbe der Moderne – und entwickelt es weiter, aktuell etwa mit dem Modell „Modular Neo“. Es basiert auf der Modular“, der von Midgard neu aufgelegten Bauhaus-Gelenkleuchte „Typ 113“ Die „Neo“-Variante kommt mit einem Gestell aus Vierkantprofilen und zwei Schirmen, die von historischen Formen abgeleitet sind Als Tisch- oder Stehversion spendet sie Licht am Schreibtisch, am Bett und überall sonst, wo es auf begrenzter Fläche Helligkeit braucht. Doch nicht nur die Gestaltung hat Midgard aktualisiert, auch die Technik ist auf heutigem Stand: Das LED-Leuchtmittel ist austauschbar – keine Selbstverständlichkeit – und kann gedimmt werden Das Modell mit dem rechteckigen Schirm verfügt zudem über einen Helligkeits- und Bewegungssensor

Wie eine Laterne

Draht Papier und Klebeband: Mit einfachen Mitteln improvisierte Designerin Ana Kraš, als sie in eine neue Wohnung zog und Licht brauchte Aus der spontanen Kreation entwickelte Kraš mit der dänischen Designmarke Hay die Ava“-Kollektion, die Tisch-, Wand- und Pendelleuchten umfasst Der grafische Charakter des geklebten Originals wurde erhalten, statt Papier dient jetzt allerdings ein robusteres Material aus recyceltem PET als Schirm Es streut das Licht jedoch so weich und atmosphärisch wie Papier. Besonders stimmungsvoll: die Tischversion mit ihrer archetypischen Form die wie eine Laterne in der Dunkelheit alle Blicke auf sich zieht.

Rückstrahler

D„Tangent“ von RK Lab ist weniger eine funktionale Leuchte als ein experimentelles Lichtobjekt, bestehend aus einem stählernen Keil mit Arm, einer magnetischen Kugel und einem LED-Filament. Wird die Kugel an den Stahlkörper angedockt, schließt sich der Stromkreis, und der Glühfaden leuchtet auf. Endlose Konstellationen scheinen möglich, und „Tangent“ erweist sich trotz seines kargen

Charakters als erstaunlich spielerisch. Hinter dem Entwurf steckt das Münchner Designstudio Relvãokellermann, das sich mit RK Lab einen Spielplatz neben der Arbeit für Auftraggeber aus der Industrie geschaffen hat. Unter dem Namen RK Lab erproben Ana Relvão and Gerhardt Kellermann freie und nicht kommerzielle Konzepte, die sie als Designer inspirieren. Lichtspiel

Als die dänische Designerin Nanna Ditzel 1962 eine Lichtlösung für eine Ausstellung suchte, fragte sie den befreundeten Gestalter Verner Panton um Rat. Der schlug vor, seine „Topan“-Pendelleuchte wie schwebend auf einem Zylinder aus Acrylglas zu platzieren. Fertig war eine so einfache wie wirkungsvolle Boden- und Tischleuchte, die sich stufenlos verändern lässt. Pantons ursprüngliche Idee überzeugt noch heute: Wenn man die „Topan“ auf eine Wand richtet, strahlt ihr Licht gestreut und angenehm indirekt in den Raum zurück. Die dänische Designmarke &Tradition, zu deren Portfolio auch Pantons Bestseller „Flowerpot“ gehört, hat „Topan“ jetzt in Chrom, Rot und Greige neu aufgelegt.

er „Eiermann“ ist der vielleicht deutscheste aller Tische. Keine Allüren, kein Chichi, nur ein Kreuzgestell und eine Platte – ein Möbel, das aus der calvinistischen Arbeitsethik dieses Landes einen international gefragten Designklassiker gemacht hat. Entworfen wurde der Tisch 1953 vom Architekten Egon Eiermann, zunächst für den eigenen Bedarf Seit den Neunzigerjahren produziert der Stuttgarter Richard Lampert das Original; ein Klassiker, der keiner Moden bedurfte, um relevant zu bleiben. Wer an einem „Eiermann 1“ sitzt (so der offizielle Name), fühlt sich gleich ein bisschen effizienter konzentrierter vielleicht auch geerdeter Letzteres ist ein Problem. Denn erstens nimmt man hierzulande die protestantische Arbeitsmoral nicht mehr allzu ernst (so wird es zumindest immer wieder kolportiert), zweitens ist langes Sitzen aus ergonomischen Gründen verpönt. Wer heute etwas auf seine Gesundheit hält, steht, zumindest halbtags. Das hat zu einer ganzen Welle an Stehschreibtischen mit monströsen Beinen geführt, die zwar Designpreise erhalten, die sich die Preisvergeber teuer bezahlen lassen, aber wahrlich keinen Schönheitswettbewerb gewinnen würden. Auch wenn das Gefühl, im ZoomCall wie ZDF-Frontmann Christian Sievers oder seine ARD-Kollegin Susanne Daubner daherzukommen, die gleich die Abendmeldungen verlesen, natürlich unbezahlbar ist. Wobei wir wieder beim „Eiermann“ sind. Den gibt es neuerdings nämlich höhenverstellbar elektrisch und mechanisch. Ausgedacht hat sich den „Move Me Eiermann“ der Berliner Designer Tim Schütze, ursprünglich als Seminararbeit. Inspiriert von Spindeltrieben in 3DDruckern entwickelte er ein System, das die Tischplatte heben und senken kann. Dass sich der Designer, wie er selbst sagt, „nicht von der Aura des Gestells einschüchtern“ ließ, war wohl Voraussetzung für diese Arbeit. Einen Klassiker modifiziert man nicht, indem man ihn ehrfürchtig anschaut. Zwei Jahre tüftelte er an dem Modell, das nun auch vom Hersteller Richard Lampert verkauft wird. Der „Move Me Eiermann“ hat etwas stärkere Rohre, die ein verchromtes Gestell bilden. Die Tischplatte ist aus marmoriertem Linoleum. Egon Eiermann dachte seine Produkte immer aus ihrer Ästhetik und Funktion heraus, aber als alltagserleichternde Gebrauchsgegenstände“, sagt Lampert. Und fasst damit diese Neuauflage gut zusammen: Der Tisch bleibt der gleiche. Nur die Haltung ist eine andere

„Was für ein Ding!“ erscheint alle zwei Wochen.

Büros zu Wohnungen

Der Leerstand von Büroflächen hat einem Bericht des Bundesbauministeriums zufolge stark zugenommen. Die Leerstandsquote in 127 Büromärkten stieg zwischen 2019 und 2024 von rund zwei auf 5,6 Prozent. Anders gesagt: Elf Millionen Quadratmeter stehen leer Die schwarz-rote Koalition will nun den Umbau zu Wohnungen fördern. Man stimme die Richtlinien für das Förderprogramm „Gewerbe zu Wohnen“ ab, wie ein Vertreter der Bundesregierung am Mittwoch im Bauausschuss des Bundestags erläuterte. Dafür seien im Entwurf des Wirtschaftsplans für das „Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität“ für 2026 Mittel in Höhe von 360 Millionen Euro eingeplant. Man hoffe, dass es im Sommer 2026 losgehen könne Für eine Mietobergrenze im Rahmen des Programms sieht die Regierung „keine verfassungsrechtliche Kompetenz“, wie es auf Nachfrage der Grünen hieß Die geförderten Wohnungen könnten frei vermietet werden. F.A.S.

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