Ein bewegtes Jahr liegt hinter uns, mit einigen Turbulenzen auch bei uns innerhalb von Naturland. Mit der Neuwahl des Präsidiums im September durch die Delegierten haben wir diese Phase der internen Auseinandersetzungen nun hinter uns. Deshalb möchte ich an dieser Stelle nun auch nicht im Rückblick verharren, sondern lieber den Blick nach vorn richten. Denn die Aufgaben, die vor uns liegen, sind riesig und dulden keinen Aufschub.
Der Verlust der Biodiversität, der Schutz unseres Trinkwassers, die Klimakrise oder die sichere Versorgung aller Menschen mit gesunden Nahrungsmitteln – für all diese Herausforderungen, vor denen unsere Gesellschaft steht, bietet der Öko-Landbau Lösungen. Aus der Politik mag gerade weniger Unterstützung zu erwarten sein, wie der gescheiterte Klima-Gipfel in Brasilien gezeigt hat. Dennoch dürfen wir das Feld gerade jetzt nicht jenen überlassen, die lieber wegschauen und echte Lösungsvorschläge als grüne Ideologie abtun.
Das Gebot der Stunde ist Kooperation. Wir müssen unsere Kräfte bündeln. Als ersten Schritt werden wir die Zusammenarbeit mit Bioland intensivieren. Eine gemeinsame Erklärung mit dem Bioland Vorstand hierzu lest Ihr auf Seite 11. Gemeinsam wollen wir auch die politische Arbeit über unseren Dachverband BÖLW stärken.
Darüber hinaus müssen wir die Zusammenarbeit mit vielen weiteren gesellschaftlichen Gruppen suchen, bis wir laut genug sind. Aus vielen einzelnen Stimmen muss ein unüberhörbarer Chor werden, der erst verstummt, wenn die Politik entsprechende Maßnahmen trifft.
Das scheint mühsam, braucht einen langen Atem und birgt die Gefahr des Scheiterns. Und es braucht die Fähigkeit, Einzelinteressen hintenanzustellen. Dessen bin ich mir bewusst. Doch was wäre die Alternative? Klimakrise und der Verlust der Biodiversität warten nicht bis wir ins Handeln kommen.
Auf diesem Weg möchte ich gerne vorangehen und Euch mitnehmen. Ich wünsche Euch allen eine besinnliche Weihnachtszeit und einen guten Start in ein erfolgreiches Jahr 2026.
Redaktion: Markus Fadl, Roman Goldberger (leitend), Walter Zwingel redaktion@naturland-beratung.de
Titelfoto: Markus Dlouhy
Grafik & Layout: Werbeagentur Oberhofer, Ingolstadt Alison Goldberger, Rainbach
Druck: Riegler Druck, Pfaffenhofen
Bezug: Die Fachzeitschrift erscheint sechsmal im Jahr im Umfang von mind. 76 Seiten. Der Bezugspreis der Naturland Nachrichten ist im Mitgliedsbeitrag enthalten.
Alle namentlich gekennzeichneten Artikel geben die Meinung des Verfassers wieder. Die Beiträge sind urheberrechtlich geschützt. Nachdruck ist nur mit schriftlicher Genehmigung der Redaktion zulässig.
Wir formulieren in unseren Texten die weibliche und männliche Form aus. Wenn dies die Lesbarkeit beeinträch-
tigt, verwenden wir die generische Form – diese schließt Frauen dann selbstverständlich ein.
DER UMWELT ZULIEBE
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18 MEHR WERTSCHÖPFUNG…
statt mehr Kühe am Naturland Betrieb der Familie Grundbacher
24 24/7 BROTZEITHÄUSLE
Selbstbedienungs-Weinverkauf mit Brotzeitstation am Naturland Betrieb Lange
28 BEIM KERNER
Hofcafé und Hofladen am Kernerhof
32 INTERVIEW
Vorteile der Naturland Zertifizierung
34 RECHTLICHES
Was vor Einstieg in die Diversifizierung zu klären ist
MARKT & VERMARKTUNG
40 GETREIDE
Zwischen Überversorgung und Stabilität
41 RIND & SCHWEIN Entspannung im Herbst
42 SONDERKULTUREN
Interessante Optionen für den Frühjahrs-Anbau
43 MARKTGEFLÜSTER
Die „Verbinder“ in der Naturland Zeichen GmbH
44 SAATGUT Lehren aus der Herbstsaison
46 BIO-MILCHMARKT
Positive Entwicklung, aber deutliche Unterschiede
RIND & GRÜNLAND
50 DIE FUTTERSCHIEBER
Überblick über Angebot an automatischen Futterschiebern
56 BAD, MATTE ODER DUSCHE?
Klauenbadsysteme im Vergleich
60 AKTUELLES ZUR WEIDE
Diese Regelungen und Fristen gelten
SCHWEIN & GEFLÜGEL
62 JUNGTIERE GEHEN INS GRÜNE
Naturland JunghennenAufzüchter Claas Deetjen
68 SAUGFERKELVERLUSTE SENKEN
Erste Auswertungen des Projekts ProFerkel
71 PODCAST
Bio-Schweine gesucht
ACKERBAU
& TECHNIK
72 DARUM KLEEGRAS!!!
Warum Futterleguminosen die Motoren der BioFruchtfolgen sind
78 WEINBAU
Reben im Klimastress
SEITE 6
AUS DEM NATURLAND
6 UMWELTLEISTUNGEN IN WERT SETZEN
Das Förderprogramm Artenvielfalt geht in den nächste Runde
10 POLITIK & VERBAND Aktuelles rund um Naturland
12 AKTUELLES
Das Naturland in Bildern
14 LERNEN AUF DEM NATURLAND HOF
Praktikantin aus Kasachstan auf dem Naturland Betrieb
16 BODEN VERSTEHEN
Das war der BodenpraktikerKurs 2025
AUTOR
Roman Goldberger
Beratung für Naturland
r.goldberger@ naturland-beratung.de
in Wert setzen Umweltleistungen
Das Naturland Förderprogramm Artenvielfalt geht 2026 in die nächste Runde. Wilhelm Heilmann und Thomas Neumaier blicken auf die bisherigen Erfolge zurück – und zeigen, wie Umweltleistungen künftig noch sichtbarer und wirksamer werden sollen.
INTERVIEW
Thomas Neumaier ist einer der beiden Geschäftsführer der Beratung für Naturland, die im Förderprogramm Artenvielfalt als Bindeglied zu den Naturland Betrieben fungiert. Wilhelm Heilmann ist Geschäftsführer der Naturland Zeichen GmbH, die Partner aus Verarbeitung und Handel betreut und die finanzielle Abwicklung des Förderprogramms übernimmt.
Das Förderprogramm geht 2026 in seine nächste Runde. Wie hat sich das Programm bislang entwickelt?
Wilhelm Heilmann: Wir sind inzwischen in der dritten Förderrunde – und die Resonanz ist nach wie vor groß. Nachdem das Programm 2023 mit zehn Pilotbetrieben gestartet ist, nahmen 2025 bereits 653 Betriebe aus Deutschland und Österreich teil. Das zeigt, dass das Konzept funktioniert: einfache Abwicklung, spürbarer Nutzen für die Betriebe und Wirkung in der Landschaft.
Thomas Neumaier: Ja, die Entwicklung ist enorm. Wir haben in kurzer Zeit eine Plattform geschaffen, die Landwirte erreicht und motiviert. Das Programm ist inzwischen so breit verankert, dass man sagen kann: Es kommt aus der Praxis und wird von der Praxis getragen.
Wie viel konnte dieses Jahr an die teilnehmenden Naturland Betriebe ausgeschüttet werden?
Heilmann: Wir haben knapp drei Millionen Euro an die teilnehmenden Betriebe ausgeschüttet, das ist zusätzliches Geld aus der Wertschöpfungskette für die Landwirtschaft. Jeder Cent ist direkt in die Landwirtschaft geflossen, das war uns wichtig. Im Schnitt erhielten die Betriebe rund 5.000 Euro.
Neumaier: Die Rückmeldungen aus der Landwirtschaft sind durchweg positiv. Die Kombination aus einfacher Antragstellung, schneller Abwicklung und
direkter Wertschätzung überzeugt. Viele Betriebe sagen uns, dass sie dadurch erstmals eine konkrete Honorierung für ihre Umweltleistungen erfahren. Das zeigt, dass das Programm einen Nerv trifft.
Wie sieht es auf der Finanzierungsseite aus? Seit dem ersten Jahr sind Aldi Nord und Aldi Süd Partner des Naturland Förderprogramms.
Heilmann: Aldi hat als erster Vertreter der Lebensmittelbranche das enorme Potenzial, aber auch die dringende Notwendigkeit der aktiven Regeneration unserer Lebensgrundlagen erkannt und steht weiterhin als unser Partner im Förderprogramm Artenvielfalt an unserer Seite. Darüber hinaus versuchen wir natürlich, mittelfristig weitere Partner aus Handel und Verarbeitung zu finden. Wir wollen das Programm bewusst auf breite Schultern stellen und laden auch die vielen kleineren und mittleren Naturland Partner ein. Mit mb Vermarktung konnten wir erst kürzlich einen neuen Partner für das Förderprogramm gewinnen. Darüber hinaus sind wir in guten Gesprächen, das kommende Förderjahr kommt dazu aber zu früh.
Woran hakt es?
Heilmann: Weitere Einzahler in das Programm zu finden, ist in der aktuellen Wirtschaftslage schwierig. Wir sprechen mit Unternehmen aus Handel und Verarbeitung, um sie davon zu überzeugen, zusätzliche Beiträge für Artenvielfalt zu zahlen. In Zeiten knapper Margen ist das nicht leicht. Denn wir müssen
Fotos: Naturland / Jan Malte Neuhaus
Das Naturland Förderprogramm honoriert unter anderem das Anlegen von Hecken und unterstützt in seiner Gesamtheit die Artenvielfalt auf den landwirtschaftlichen Flächen.
uns bewusst sein, das am Ende des Tages das ÖkoProdukt im Regal im Wettbewerb steht – gerade, wenn die Inflation wieder anziehen würde.
Neumaier: Hinzu kommt, dass die Stimmung in Politik und Gesellschaft, aber auch im Markt schwieriger geworden ist. Viele Unternehmen hinterfragen gerade den Mehrwert von Umwelt- und Nachhaltigkeitsprojekten. Gerade deswegen sehen wir das Programm als Erfolg, weil es in seiner Einfachheit überzeugt – und weil es greifbar ist. Aber klar: Wir müssen langfristig auch über den Tellerrand der Lebensmittelbranche hinausschauen, hin zu Stiftungen, Finanzwirtschaft und anderen privaten Partnern. Eine intakte Umwelt ist die Lebensgrundlage für alle wirtschaftlichen Aktivitäten. Nicht mehr und nicht weniger muss in die Köpfe der Entscheider. Und der Ökolandbau nach Naturland Standard bietet dafür einen sehr gut ausgestatteten Werkzeugkoffer.
Die teilnehmenden Naturland Betriebe schätzen die einfache Struktur des Programms. Wird das so bleiben?
Heilmann: Das ist uns wichtig, die Einfachheit ist eine der großen Stärken. Aber die Anforderungen ändern sich. Potenzielle Partner wollen heute eine messbare Wirkung sehen – und das ist bei Artenvielfalt schwierig. Manuell Vögel zu zählen oder Insekten zu erfassen ist weder praktikabel noch zielführend. Wir arbeiten daher daran, neue und intelligente Wege zu
finden, Biodiversität sicht- und messbar zu machen, ohne das Programm zu verkomplizieren.
Neumaier: Genau. Wir denken stärker in Richtung systemischer Wirkung. Der Ökolandbau leistet per se sehr viel für die Artenvielfalt und die Gesellschaft. Wir prüfen, wie sich ökologische Leistungen über Fernerkundung und KI-basierte Analysen abbilden lassen. Ziel ist, die Wirkung des gesamten Programms als solches messbar darzustellen und nicht auf einzelbetrieblicher Basis.
Viele internationale Naturland Betriebe wünschen sich, ebenfalls teilnehmen zu können. Wie steht es um eine Ausweitung des Programms?
Heilmann: Das Interesse ist groß, aber die Integration internationaler Betriebe ist komplex: unterschiedliche Steuer- und Finanzsysteme, verschiedene rechtliche Rahmenbedingungen und zum Teil komplett andere Agrarstrukturen. Wir möchten das, aber wir müssen es solide vorbereiten. Langfristig ist das Ziel klar: Das Programm soll international anschlussfähig werden. Doch dafür brauchen wir Strukturen und Personal.
Neumaier: Bislang läuft vieles nebenbei – getragen vom Engagement Einzelner. Zudem fehlt außerhalb Deutschlands und Österreichs die Naturland Bera-
tungsstruktur, die maßgeblich für die gute Akzeptanz und Umsetzung auf den Betrieben sorgt. Um das Programm international zu verstetigen, braucht es Ressourcen.
Was ist Eure Vision für die kommenden Jahre?
Neumaier: Unsere Vision ist, dass das Förderprogramm ein echter Beitrag zur Regeneration von Böden, Wasser und Biodiversität wird. Naturland Betriebe leisten hier schon viel – aber wir wollen das sichtbarer machen und ökonomisch in Wert setzen. Wir wollen einen zusätzlichen Markt schaffen, denn Leistungen für gesunde Böden, Wasserqualität oder Artenvielfalt könnten zukünftig handelbar werden. Das ist meine Vision.
Heilmann: Genau. Wir haben mit dem Programm ein gutes Instrument geschaffen, das wir gemeinsam mit Partnern weiterentwickeln wollen. Jetzt müssen wir es strategisch ausrichten und fest im Verband verankern. Es geht darum, dass Naturland sich bewusst dazu bekennt, dieses Programm langfristig als einen Kernbaustein seiner Arbeit zu sehen – für die Bauern, für die Biodiversität und für die Zukunft des Öko-Landbaus.
Förderprogramm Artenvielfalt geht in die nächste Runde
Wann? 15.01.2026 von 9 bis 13 Uhr Sie erhalten Infos zu den organisatorischen und technischen Abläufen rund um die Teilnahme am Förderprogramm. Zudem werden die Fördermaßnahmen mit ExpertInnen aus Naturschutz, Beratung und Praxis beleuchtet. Die Teilnahme ist kostenlos. Anmeldung und nähere Informationen in der Naturland App oder im Naturland Veranstaltungskalender unter www. naturland-beratung.de oder über den QR-Code.
Ein Landwirt sagte neulich, er bekomme seine Naturland Mitgliedschaft quasi durch das Förderprogramm zurück – stimmt das?
Neumaier (lacht): Das hören wir tatsächlich öfter. Viele Betriebe sagen: Das Programm trägt sich für sie wirtschaftlich so, dass die Mitgliedschaft bei Naturland fast „kostenlos“ wird. Das zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind – weil Artenvielfalt hier nicht als Zusatzlast empfunden wird, sondern als gemeinsamer Gewinn.
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KOMMENTAR
von Zeno Piatti-Fünfkirchen, Mitglied des Naturland Präsidiums
Enkeltauglich
Im Oktober trat Naturland der Bewegung Enkeltaugliches Österreich bei – übrigens gemeinsam mit den beiden Bio-Verbänden Demeter und Bio Austria. Ziel der Bewegung ist, die österreichische Landwirtschaft, Landschaft und Wirtschaft „enkeltauglich“ zu machen. Enkeltaugliches Österreich vereint alle, denen die Zukunft unserer Landwirtschaft und Ernährung ein Anliegen ist. Als größte unabhängige Bio-Bewegung in Österreich setzt diese starke Allianz wichtige Impulse für mehr heimisches Bio, vom Acker bis zum Teller. Naturland ist mit rund 2.400 Mitgliedsbetrieben in Österreich ein wichtiger Teil der Bio-Bewegung. Mit dem Beitritt des Naturland e.V. zum ETÖ wollen wir deshalb die Arbeit des Bündnisses aktiv unterstützen und gemeinsam die Zukunft von Bio in Österreich gestalten.
NATURLAND BETRIEBSMITTELLISTE ÖSTERREICH
Ab Sommer 2026 werden österreichische Naturland Mitglieder online auf eine eigene Naturland Betriebsmittelliste zugreifen können. Naturland hat mit der EASY-CERT services GmbH, die den Betriebsmittelkatalog erstellt, eine entsprechende Vereinbarung getroffen. Unter www.betriebsmittelbewertung.at soll die Betriebsmittelliste dann verfügbar sein, auch in den druckbaren Produktbestätigungen wird künftig der jeweilige Naturland Status erscheinen.
Bisher mussten unsere österreichischen Naturland Landwirte bei Fragen zum Einsatz bestimmter Betriebsmittel (Futtermittel, Dünger, Pflanzenschutzmittel, Reinigungsmittel etc.) meist direkt beim zuständigen Berater nachfragen. Der Grund dafür war, dass es bislang in Österreich keine offizielle Übersicht über die für Naturland Betriebe zugelassenen Betriebsmittel gab.
Autor: Josef Brunnbauer, Naturland e.V.
GESPRÄCHE ZWISCHEN BIO
AUSTRIA UND NATURLAND
Im Oktober trafen sich der neu gewählte Naturland Präsident Eberhard Räder und Barbara Riegler, Obfrau von Bio Austria, zu einem ersten persönlichen Austausch in Linz. Das Treffen bot Gelegenheit, sich kennenzulernen und einen offenen Dialog über anstehende Herausforderungen zu führen.
Eberhard Räder: „Bio Austria und Naturland sind zwei der wichtigsten Bio-Verbände in Europa. Wenn wir gut zusammenarbeiten, ist das gut für unsere Betriebe und für die Verbraucherinnen und Verbraucher. Die Grundlage dafür ist, dass wir uns kennen und vertrauen. Deshalb habe ich Barbaras Einladung für ein erstes persönliches Kennenlernen hier in Linz sehr gerne wahrgenommen.“
Barbara Riegler: „Kooperation ist seit jeher eine unserer Stärken. So bringen wir Lösungen für unsere mehr als 12.000 Mitglieder und die Bio-Landwirtschaft
v.l.n.r.: Susanne Maier (GF Bio Austria), Barbara Riegler (Obfrau Bio Austria), Eberhard Räder (Präsident Naturland), Stephanie Lehmann (Referentin GF Naturland)
voran, sowohl national als auch auf europäischer Ebene. Wenn wir Bio-Verbände in Europa gut zusammenarbeiten, profitieren alle davon. Das erste persönliche Kennenlernen mit Eberhard hier in Linz war ein wichtiger Schritt, um die Vertrauensbasis zu schaffen, die für eine erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen Naturland und Bio Austria entscheidend ist.“
Autor: Markus Fadl, Naturland e.V.
SCHULTERSCHLUSS FÜR BIO
Die beiden Öko-Verbände Naturland und Bioland werden in Zukunft enger zusammenarbeiten. Darüber einigten sich der Bioland-Vorstand sowie das Naturland-Präsidium in einer gemeinsamen Erklärung, die den Delegierten beider Verbände vorgelegt wurde. Hier die Erklärung:
Naturland und Bioland bekräftigen mit dieser Erklärung ihren entschiedenen Schulterschluss im Einsatz für eine zukunftsfähige Land- und Lebensmittelwirtschaft. Wir handeln als starke Öko-Verbände gemeinsam, um den Mehrwert ökologischer Leistungen sichtbar und messbar zu machen. Durch Kooperation schaffen wir ein Wettbewerbsumfeld, das die gesellschaftlichen Leistungen unserer Mitglieder und Partner honoriert.
Unser gemeinsames Ziel ist es, die Rahmenbedingungen für den ökologischen Landbau kontinuierlich und partnerschaftlich weiterzuentwickeln. Durch
koordinierte Arbeitsteilung und gemeinsam aufgesetzte Projekte in diesen konkreten Themenfeldern schaffen wir einen nachhaltigen Mehrwert für unsere Mitgliedsbetriebe und Marktpartner:
• Wir setzen auf eine noch intensivere politische Zusammenarbeit und Verzahnung im Bereich der Politik über die „klassischen Agrarpolitik-Themen“ hinaus, insbesondere im immer wichtiger werdenden Bereich Nachhaltigkeit.
• Gemeinsam stärken wir unsere politischen Dach-
MASTGEFLÜGELTAGUNG WAR
EIN GROSSER ERFOLG
Mit 80 Teilnehmenden aus Deutschland und Österreich war die Naturland Mastgeflügeltagung am 19. und 20. November in Bayern ausgebucht – und ein voller Erfolg. Neueste Forschungsergebnisse wurden vorgestellt, Praktiker berichteten von ihren Erfahrungen. Eine Austauschrunde der Erzeuger zu verschiedenen Fachthemen brachte Be-
wegung in die Gruppe. Abends beim Branchentreffen wurde dieser Austausch zwischen Praxis, Forschung und Wirtschaft fortgeführt, abgerundet durch die Verkostung von Bio-Käse der SalzburgMilch. Im Bild die Organisatoren der Tagung.
Autorin: Annette Alpers, Beratung für Naturland
verbände, um damit eine fachliche und inhaltliche Weiterentwicklung des ÖkoLandbaus durch agile Themenbearbeitung zusammen mit Fachleuten und Praktikern zu erreichen.
• Gemeinsam setzen wir uns für eine verbesserte Inwertsetzung der Nachhaltigkeitsleistungen unserer Mitgliedsbetriebe ein.
NEUER PODCAST: HOFNACHFOLGE
Die Hofübergabe gehört zu den bedeutendsten Entscheidungen im landwirtschaftlichen Familienleben. Wir haben im Podcast WIR BIO-BAUERN mit Junglandwirtin Marie Saudhof aus Sachsen-Anhalt und mit Franziska Blind (Beratung für Naturland) über den Prozess der Hofübergabe gesprochen. Nachzuhören auf allen Podcast-Plattformen oder direkt über diesen QR-Code:.
Autorin: Celine Grau, Beratung für Naturland
AUTOREN
Präsidium Naturland e.V.
Vorstand Bioland e.V.
Das Naturland
in Bildern
1 2
3 4
1 Auch in diesem Herbst wurden wieder Bayerns beste Käsespezialitäten ausgezeichnet. Sieger in der Kategorie Schaf, Ziege & Co war mit dem Berghof in Schöllkrippen (Lkr. Aschaffenburg) ein langjähriger Naturland Betrieb.
2 Die Landesvereinigung ökologischer Landbau Nordrhein-Westfalen, mit Annette Alpers als Geschäftsführerin von Naturland NRW, traf sich im Oktober mit NRW-Landwirtschaftsministerin Silke Gorissen auf dem Kürbis-Hof Ligges, um über die Zukunft des Ökolandbaus in NRW zu sprechen. Von links nach
6 7 5
rechts: Annette Alpers, Ute Rönnebeck, Julia Schmidt, Herr Ligges Sen., Ministerin Silke Gorissen, Frau Ligges, Herr Ligges Jun. und Landwirtschaftskammer-Direktor Arne Dahlhoff.
3 Im Rahmen des überregionalen Forschungsprojekts „Biodiversität im Grünland“ lud das Projektkonsortium (Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft, Bioschule Schlägl und Bayerische Staatsgüter Kringell) zum Praxistag auf einem landwirtschaftlichen Milchviehbetrieb im Landkreis Deggendorf ein. Detail am Rande:
Alle vier am Projekt teilnehmenden Betriebe sind Naturland Mitglieder.
4 Im November fand die Naturland Mastgeflügeltagung im Bayerischen Piding, nahe der Grenze zu Österreich, statt. Mit 80 Teilnehmenden aus Deutschland und Österreich war die Veranstaltung ausgebucht – und inhaltlich ein voller Erfolg.
5 Ende Oktober durften die Studierenden der Ökoklasse am Landwirtschaftlichen Bildungszentrum Emmendingen-Hochburg die Urkunden
als Wirtschafterin bzw. Wirtschafter für Landbau, mit dem Schwerpunkt ökologischer Landbau, stolz entgegennehmen. Wir gratulieren herzlich.
6+7 Im Rahmen des Wettbewerbs „Naturschutzpartner Landwirt 2025“ zeichnete Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber am 17. November in Nürnberg insgesamt 15 Betriebe aus Bayern aus, darunter mit dem Abrahamhof aus Benediktbeuren (Bild 6) und dem Biohof Schmutzer aus Grainet (Bild 7) auch zwei Naturland Betriebe.
Dilnura aus Kasachstan sammelt auf dem Naturland Betrieb von Valentina und Walter Hollmann praktische Erfahrungen in der ökologischen Landwirtschaft – und entdeckt ein Stück Europa.
Praktikanten gibt es in allen Branchen, so auch in der Landwirtschaft. Auf dem Naturland Hof von Walter Hollmann im Affinger Ortsteil Miedering lernt gerade eine junge Frau aus Kasachstan mehr über die deutsche Landwirtschaft im Allgemeinen und speziell über Bio-
Betriebe. Dilnura lebt mit ihren Eltern in der Stadt Karaganda und studiert normalerweise in Astana. Ackerbau gebe es in ihrem Land erst seit dem Anschluss an die Sowjetunion. Damals seien die nomadisch lebenden Kasachen gezwungen worden in Kolchosen zu arbeiten, lässt die
Studentin von Walter Hollmanns Frau Valentina übersetzen. Viehzucht allerdings sei schon immer in Kasachstan betrieben worden, darum habe sie sich für das Studium im Fach Tierhaltung und Züchtung eingeschrieben. „Wenn ich ein Praktikum in Kasachstan gemacht hätte, dann
hätte ich nicht viel Neues erfahren“, argumentiert Dilnura. Für ihr Auslandssemester hat sie sich bei der privaten Organisation LOGO (Siehe Info-Box) beworben. Die Organisation knüpft Kontakte
„Wenn ich ein Praktikum in Kasachstan gemacht hätte, hätte ich nicht viel Neues erfahren.“
zwischen Universitäten und (Bio-) Bauern in Deutschland, kümmert sich um die erforderlichen Papiere und erklärt allen Studierenden gemeinsam in einem Zweitageskurs, wie ihre Aufgaben auf den landwirtschaftlichen Bio-Betrieben aussehen werden. „Diese beiden Tage genügen den jun-
AUTOR
Martin Golling
Freier Journalist
gen Menschen, um sich umfassend untereinander zu vernetzen, so dass Informationen und Tipps gut fließen“, erklärt Walter Hollmann. Auf seinem Betrieb hatte er schon rund zwanzig Praktikanten. „Dilnura ist eine von den besten“, sagt Hollmann mit einem zufriedenen Lächeln. Von Deutschland ist die Studentin begeistert: „Nette Menschen, gute Infrastruktur, gute Straßen. Hier wird jeder Quadratmeter genutzt“, stellte sie bereits in der ersten Woche ihres Aufenthalts erstaunt fest. Als beispielhaft für die mangelnde Nutzung von Ackerland in ihrer Heimat berichtet sie über ihren Onkel. Der besitze zwar drei Felder, aber er schaffe es nicht, sie zu bebauen. Nur eines davon würde beackert.
Und warum dann das Studium der Tierhaltung statt Ackerbau? „Meine Liebe zu Tieren hat mir mein Opa vermittelt. Er war als Tierarzt viel unterwegs und hat mich oft mitgenommen“, erinnert sich Dilnura und ihre Augen
LOGO e.V.
Seit 1995 engagiert sich LOGO e.V. (Landwirtschaft und Oekologisches Gleichgewicht mit Osteuropa) für die berufliche Bildung, den ökologischen Landbau und die Völkerverständigung. Der gemeinnützige Verein organisiert Praktika und Seminare für Studierende aus den Staaten der ehemaligen UdSSR und führt Projekte mit Unterstützung des Bundes durch. LOGO vermittelt auf eine Bewerbung hin sechsmonatige Praktika und betreut die Praktikantinnen und Praktikanten vor Ort. Weitere Infos online unter logoev.de
leuchten dabei. Darauf angesprochen erklärt sie, ihr Name Dilnura heiße übersetzt Sonnenstrahl.
Die Studentin aus Kasachstan nutzt ihre Zeit in Deutschland nicht nur, um Neues im Fach Landwirtschaft zu erfahren. Neben einer Reise nach Rom steht auch der Besuch anderer europäischer Metropolen auf ihrer selbstauferlegten Agenda. Walter Hollmann: „Das Praktikum soll eine gute Mischung sein aus Arbeit und Lernen. Und natürlich gehören auch Kultur, soziales Leben und etwas Tourismus dazu.“ Zum fachlichen Lernen zählt der Bio-Bauer, dass er vorab alle anfallenden Arbeiten erklärt, Sicherheitseinweisungen gibt und dann, zuerst unter Aufsicht, selber ausführen lässt. Wichtig seien auch Besuche auf anderen Betrieben und das Führen des Berichtshefts. Zusammen mit den Studierenden hat Walter Hollmann schon mehrere Vermittlungsorganisatoren kenngelernt. Sein Statement dazu: „LOGO ist die beste.“
Walter Hollmann und seine Frau Valentina (rechts) mit Praktikantin Dilnura aus Kasachstan.
Fotos: Martin
Golling
BODEN VERSTEHEN
Sieben intensive Kurstage, praxisnah, fundiert und von großem gegenseitigem Austausch geprägt –so lässt sich der Bodenpraktiker-Kurs 2025 zusammenfassen.
Von März bis Oktober trafen sich 28 Teilnehmende aus dem Südostbayerischen Raum, um ihren Blick für die Bodengesundheit zu schärfen und gemeinsam praxisorientiertes Fachwissen auszubauen.
Schon der erste Termin bot mit Beiträgen des Deutschen Wetterdienstes zu Klimawandel und Anbaubedingungen sowie aktuellen Erkenntnissen zur Kleemüdigkeit einen tiefen Einstieg in aktuelle Herausforderungen. Es folgten Tage voller Fachwissen über Kompostierung, organische Düngung und mechanische Unkrautregulierung, begleitet von praktischen Übungen auf den Höfen der teilnehmenden Betriebe. Die beiden Kurstage im Mai zu Futterleguminosen, Bodenbearbeitungsstrategien und Verdichtungsvermeidung legten den Schwerpunkt auf unmittelbare Wirkungen der Bewirtschaftung auf den Boden – immer verbunden mit ausführlichen Praxisteilen auf den Feldern sowie an den vorhandenen Bodenprofilen.
Ein besonderes Highlight waren zwei Tage mit Prof. Dr. Knut Schmidtke, der mit prägnanten Begriffen
AUTOR
Franz Wieser
Beratung für Naturland f.wieser@ naturland-beratung.de
In diesem Jahr nahmen 28 Bäuerinnen und Bauern am Bodenpraktiker-Kurs der Beratung für Naturland teil.
wie „Beerdigungssaat“ und seinem tiefen Verständnis für Bodenprozesse die Gruppe nachhaltig beeindruckte. Weitere Schwerpunkte des Kurses lagen auf Zwischenfrüchten, Bodenleben und Humusaufbau. Mehrmals ergab sich eher zufällig ein Austausch mit Austraglern, die von ihren jahrzehntelangen Erfahrungen im Ökolandbau berichten konnten.
Neben den fachlichen Inhalten entstand auch eine starke Gemeinschaft: Gemeinsame Abendessen zwischen den Doppelterminen boten Raum für Austausch, Diskussionen und Vernetzung – gelebte Bodenpraxis in der Gruppe.
2026 geht es weiter
Aufgrund der großen Nachfrage wird der Bodenpraktiker-Kurs von März bis September 2026 erneut angeboten – dieses Mal im Großraum Nürnberg–Bamberg–Bayreuth. Eingeladen sind alle, die sich intensiv und praxisorientiert mit dem Thema „Bodengesundheit“ auseinandersetzen möchten.
Interesse?
Das Programm und die sieben Termine werden Anfang des neuen Jahres bekannt gegeben. Eine Anmeldung für den Kurs 2026 wird ab Ende Januar online unter www.naturland-beratung.de möglich sein. Nähere Infos dazu bei den beiden Koordinatoren Klaus Girg (k.girg@naturland-beratung.de) oder Franz Wieser (f.wieser@naturland-beratung.de).
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Diversifizierung
damit zwei Generationen vom Betrieb leben können
Mehr Wertschöpfung statt mehr Kühe: Durch Hofkäserei und Direktvermarktung machte Familie Grundbacher ihren Betrieb fit für zwei Generationen.
Der Obermooser Bio-Hof, in Irschenberg im malerischen Alpenvorland gelegen, wurde viele Jahre als klassischer, extensiver Milchviehbetrieb mit Ablieferung der Milch an die Molkerei geführt. Als vor rund 20 Jahren die mittlerweile vierte Generation in den Betrieb einstieg und dann zwei Generationen von dem Betrieb leben mussten, entschied sich Familie Grundbacher für eine Neuaus-
richtung. Sie stellte auf ökologische Wirtschaftsweise um und stieg in Hofverarbeitung und Direktvermarktung ein.
Mit dieser Herausforderung ist Familie Grundbacher nicht allein. Viele Betriebsleiterinnen und Betriebsleiter spielen mit dem Gedanken, mehr Wertschöpfung am Betrieb zu erzielen. Soll ich diversifizieren? Und wenn ja, wie? Diversifizierung ist ein etwas
sperriger Begriff, gemeint ist eine Einkommenskombination. Die landwirtschaftliche Erwerbstätigkeit wird um eine zusätzliche, betriebsgebundene Unternehmertätigkeit ergänzt. Darunter fallen so unterschiedliche Wege wie z.B. Direktvermarktung, Hofcafé, Hofkäserei oder andere handwerkliche Hofverarbeitung, Urlaub auf dem Bauernhof, Erlebnispädagogische Ansätze und einiges mehr.
Mit dem Umstieg auf ökologische Wirtschaftsweise, Hofverarbeitung und Direktvermarktung können am Obermooser Bio-Hof zwei Generationen vom Betrieb leben.
Damit können Betriebe mit ihren Produkten Möglichkeiten am Markt geschickt nutzen. Nicht selten ist der Generationswechsel am Betrieb Anlass für eine betriebliche Weiterentwicklung in diese Richtung. So war das auch bei Familie Grundbacher. Sepp jun. erinnert sich: „Der damals sehr geringe Milchpreis hätte nicht die Existenz von zwei Familien ermöglicht.“ In der Menge zu wachsen und die Milchproduktion auszuweiten, sei eine Möglichkeit gewesen, so der Naturland Bauer. Am Ende setzte man aber auf Qualität, Handwerkskunst und höhere Wertschöpfung.
Die Hofkäserei entsteht
Die eigene Käseproduktion entwickelte sich Schritt für Schritt.
Anfangs wurde mit einer mobilen Lohnkäserei zusammengearbeitet, dann im ehemaligen Jungviehstall eine eigene Hofkäserei errichtet. Die Investitionskosten beliefen sich damals auf rund 100.000 Euro und setzten sich aus der Umnutzung des Altgebäudes, der Errichtung von Wandpaneelen und dem Kauf von Maschinen und Geräten zusammen, wie z.B. dem 500 Liter Käsekessel, den rollbaren Regalen zur Käsereifung, der Waage oder dem Vakuumiergerät zum Verpacken. In der Käserei ist nichts gefliest, sondern mit abwaschbaren Wandpaneelen versehen. Das hat Hygienegründe: So können sich Schimmel oder Fremdkörper weniger festsetzen. „Ganz wichtig ist dabei auch eine gute Lüftung“, rät Sepp Grundbacher.
Weitere Faktoren, die bei der Gestaltung berücksichtigen wurden, sind kurze Wege und ebene Flächen ohne Stolperstellen, um die Rollwägen und Käseregale auf Rollen bewegen zu können.
Die Diversifizierungsförderung durch das Bayerische Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten und Tourismus (StMELF) unterstützte die Errichtung. Diese fördert Investitionen, die landwirtschaftsnahe Dienstleistungen ermöglichen und zusätzliche Einkommensquellen aus selbstständiger Tätigkeit schaffen. Wertvolle Hilfe gab dabei eine Käsereiberatung, die bei Planung, Anträgen, Hygienemaßnahmen und Einführung in die Herstellung zur Seite stand. „Ohne Beratung wäre es schwer
Im ehemaligen Jungviehstall errichtete Familie Grundbacher eine eigene Hofkäserei.
gewesen, da überall durchzublicken“, sagt der Hofverarbeiter. Die ersten fünf Jahre waren erfahrene Käsemeister am Betrieb angestellt. Denen hat Sepp Grundbacher erfolgreich „über die Schulter geschaut“, denn seit 2013 liegt die Produktion ganz in den eigenen Händen. „Daneben war der Austausch mit Kollegen sehr hilfreich und: ausprobieren, ausprobieren, ausprobieren“, ergänzt der Naturland Bauer.
Käse fürs Oktoberfest
Das Käsesortiment erstreckt sich von sanft gereiftem Camembert, dem „Camembär“, über Brie und Alpentilsiter bis hin zu kräftigem Bergkäse. Es wird ausschließlich Milch von den eigenen Kühen verarbeitet, 35 an der Zahl. Rund
80 Prozent der Milch wird selbst verkäst, der Rest landet bei einer regionalen Molkerei.
Im Käsekeller geht es traditionell zu; die Käse Laibe werden täglich von Hand gewendet und sorg-
DIREKTVERMARKTUNG
Direktvermarktung ist wohl die am häufigsten vorkommende Form der Diversifizierung auf landwirtschaftlichen Betrieben. Rund 35.000 Betriebe vermarkten in Deutschland einen Teil ihrer Produkte direkt an Konsumenten, Tendenz steigend. Besonders interessant: Mit 8.000 Bio-Direktvermarktern sind fast 30 % der Bio-Betriebe Direktvermarkter, während der Anteil an den konventionellen Betrieben nur 10 % ausmacht. Das sind erste Ergebnisse des Projekts WiBiDi, das die wirtschaftliche Bedeutung der (Bio)-Direktvermarktung in Deutschland beleuchtet. In Österreich vermarktet jeder dritte landwirtschaftliche Betrieb einen Teil seiner Produkte selbst - das sind rund 30.000 Betriebe.
fältig mit Salzlake geschmiert. Bis zu eine Tonne Käse wird an manchen Tagen per Hand gepflegt. Diese besonderen Produkte haben es dieses Jahr sogar in die Festhalle Schottenhamel auf dem Oktoberfest geschafft.
Fotos:
Markus
Dlouhy
„Der Kontakt entstand über einen regionalen Gastro-Großhandel“, erklärt Sepp Grundbacher. „Zudem war’s dem Küchenkoordinator der Festhalle wichtig, vor Ort vorbeizuschauen, das ganze Sortiment zu probieren und zu erfahren, wo die Produkte hergestellt werden, wer die Menschen und der Betrieb hinter den Produkten sind.“
Tourismus als Vorteil
Die Vermarktung des Käses erfolgt direkt ab Hof und über Wiederverkäufer. Dazu zählen Gastronomie, Gastronomie-Großhandel, Metzgereien, Dorfläden und der Lebensmitteleinzelhandel. Am Hof gibt es direkt neben der Hofkäserei einen Hofladen, der freitags von 9 bis 18 Uhr geöffnet ist und von Sepps Frau Theresa betrieben wird. Die andere Zeit deckt seit einem Jahr ein kleiner Selbstbedienungsbereich mit einer Kasse des Vertrauens ab. Im Hofladen wird der eigene Käse durch ein Zukaufs-Sortiment aus regionalen und saisonalen Produkten ergänzt. Die Hofladen-Kundschaft setzt sich zusammen aus einer für den Betrieb wichtigen Stammkundschaft und – besonders in der Ferienzeit – aus viel Laufkundschaft. Hier spielt die Touristenregion Landkreis Miesbach mit ihrer Nähe zu Bergen und Seen in die Karten.
90 % an Wiederverkäufer
„90 Prozent der Ware geht allerdings über Wiederverkäufer und da zu zwei Drittel in die Gastronomie und zu einem Drittel in den LEH“, stellt Sepp Grundbacher klar. „Für die Gastronomie sind die Käselaibe interessant und die Sortimentskisten mit einer festen Mischung aus acht Käsen à 3 Kilo.“ Diese würden sich hervorragend für Frühstücksbuffets eignen, so der Direktvermarkter. Im LEH hat der Absatz im SB-Bereich stark zugenommen. Laut Grundbacher brauche es daher kleinere, vakuumierte Stücke – für die Obermooser Bio-Hofkäserei kein Problem.
Zur Akquise von Gastronomen und Wiederverkäufern hat die Familie Grundbacher anfangs Märkte be-
1 Sepp Grundbacher sen. füllt Milch in den Käsekessel, wo er sie erwärmt sowie mit Milchsäurebakterien und Lab versetzt, bis sie gerinnt.
2 Mit einer Käseharfe wird die feste Gallerte in kleine Stücke zerteilt und vorsichtig bewegt. Der Käsebruch gibt Molke ab, was die spätere Festigkeit des Käses beeinflusst.
3 Der Käsebruch wird in Formen gefüllt, die Molke läuft ab, der Frisch- oder Weichkäse nimmt Form und Konsistenz an. 1 2 3
sucht, Zeitungsannoncen geschaltet und Geschäfte und Restaurants im näheren Umkreis angefahren. Sepp Grundbacher: „Wichtig war, viel zu kommunizieren, den Hof und die Käseherstellung transparent zu erklären und Produktmuster anzubieten.“ Inzwischen sorgt vor allem Mundpropaganda dafür, dass neue Kundinnen und Kunden auf sie aufmerksam werden.
Die Bestellung erfolgt über E-Mail, WhatsApp, Fax oder Anruf. In der Regel muss eine Bestellung zwei Tage vor dem Liefertermin aufgegeben werden. Bei den festen Liefertouren rufen die Grundbachers die Kundschaft auch direkt an und fragen nach dem Bedarf. Der Dienstleistungsgedanke steht bei Familie Grundbacher im Vordergrund, da wird im Notfall auch mal am Wochenende reagiert und ausgeliefert.
Preisfindung liegt in eigener Hand
Was ist anders bei einer eigenen Hofverarbeitung und Direktvermarktung im Vergleich zur Molkerei-
Im Käsekeller geht es traditionell zu; die Käse-Laibe werden täglich von Hand gewendet und sorgfältig mit Salzlake geschmiert.
belieferung? Da braucht Sepp Grundbacher nicht lange nachdenken: „Die Bürotätigkeiten zur Dokumentation sowie das Rechnungs- und Mahnwesen haben zugenommen, das ist nicht zu unterschätzen.“ Dafür gebe es den direkten Kundenkontakt, denn Feedback, positiv oder negativ, sei hilfreich. Auch die oftmals erhaltene Wertschätzung tue gut. Der größte Unterschied zur Molkereibelieferung ist für ihn aber ein anderer. Grundbacher: „Die Preisfindung liegt in der eigenen Hand; die Preise können so festgelegt werden, wie sie für das Produkt gebraucht werden, um langfristig zu bestehen. Das ist wohl der größte Vorteil.“
Einfach anfangen
Deshalb lautet auch der Tipp an die Kolleginnen und Kollegen: einfach anfangen! Keine Angst haben und einfach ausprobieren. „Hätten wir gewusst, wieviel Aufwand und auch Auflagen auf uns zukommen, hätten wir es wohl nicht gemacht. Aber heute möchte ich nicht mehr zurück“, lacht Sepp Grundbacher.
Selbstbedienung
MIT APP
Am Weingut nahe ihrer Weinberge hat Familie Lange ihren
Traum verwirklicht: Selbstbedienungs-Weinverkauf mit Brotzeitstation in spektakulärer Lage. Das „Brotzeithäusle“ zeigt, wie Direktvermarktung heute funktionieren kann.
Bei Hammelburg, der ältesten Weinstadt Frankens, liegt oben auf dem Berg Schloss Saaleck, umgeben von Weinbergen der Familie Lange. Seit 2011 ist das Weingut im Besitz der Familie Lange, Ulrike Lange und ihr Mann Thomas erwarben das im Jahr 1298 erstmals urkundlich erwähnte Weingut damals von der Stadt. „Damit erfüllten wir uns einen Traum“, erzählt Ulrike Lange. Sie stammt aus einer Winzerfamilie in Unterfranken, ist Diplom-Ingenieurin für Weinbau und Kellerwirtschaft. Unterstützt wird sie von ihrem Mann Thomas, der extra noch eine Ausbildung zum Winzer und staatlich geprüften Brenner absolvierte. Das Weingut Lange Schloss Saaleck umfasst 18,5 ha Rebflächen, die seit 2013 ökologisch nach den Richtlinien von Naturland bewirtschaftet werden.
Das Brotzeithäusle entsteht
Wie kam es nun zu dem 24/7 Brotzeithäusle? Eigentlich wollten Langes einen Verkaufsautomaten als zusätzliche Einkommensquelle aufstellen, doch dann schloss der Hotel- und Gastronomiebetrieb auf der
Burg. Immer wieder fragten Ausflügler und Wanderer nach einer Kostprobe. So reifte die Idee, ein Brotzeithäusle in Selbstbedienung zu errichten. Es dauerte jedoch über ein Jahr, bis im Frühjahr 2025 die Eröffnung stattfinden konnte. Ein Verzögerungsgrund war die Baugenehmigung, die das Landratsamt forderte. Statt des vereinfachten Verfahrens bei Bauvorhaben im Außenbereich brauchte es nun doch Gutachten von Architekten und Statikern. Ulrike Lange erinnert sich zurück: „Das Brotzeithäusle wurde von der Behörde wie ein Supermarkt gewertet, da ein geschlossener Raum betreten wird, in dem man verweilt.“ Das verzögerte den Umsetzungsprozess und trieb die Kosten in die Höhe. In viel Eigenregie ist schließlich ein Weinverkaufshäuschen mit Brotzeitstation in spektakulärer Lage mit Blick auf die Burg entstanden, bei dessen Errichtung auf eine nachhaltige Bauweise geachtet wurde. So verwendeten sie viele vorhandene und gebrauchte Bauelemente, beauftragten regionale Firmen und setzten auf das Dach ein Solar-Balkonkraftwerk, das den Strom für die Kühlschränke und Beleuchtung liefert.
Zukaufprodukte erweitern Sortiment
1 Das Brotzeithäusle bietet für Wanderer eine gern genutzte Möglichkeit zur Einkehr.
2 Neben dem eigenen Naturland Wein wird ein Zukaufsortiment aus Erfrischungsgetränken und Produkten für eine Brotzeit angeboten – alles Selbstbedienung.
3 Ulrike und Thomas Lange betreiben das Weingut Schloss Saaleck und seit diesem Jahr auch das Brotzeithäusle.
Angeboten werden der eigene Naturland Wein sowie ein Zukaufsortiment aus Erfrischungsgetränken und Produkten für eine leckere Brotzeit wie Wurst, Käse, Schüttelbrot, Kartoffelaufstrich und Essiggurken. Das umsatzstärkste Produkt ist der eigene Wein. Aber auch das Bier sowie die Wurst im Glas erfreuen sich einer großen Nachfrage. Um die Ware gleich vor Ort zu genießen, können gegen Pfand Weingläser
Da im Brotzeithäusle Wein angeboten wird, braucht es Jungendschutz-Vorkehrungen. Familie Lange hat das mit einer App gelöst.
Zur Finanzierung des Projekts konnten sich auch Kundinnen und Kunden mit sogenannten Genussrechten beteiligen.
ausgeliehen und Holzbesteck sowie Palmblattteller erworben werden. Bei der Sortimentsergänzung wird auf regionale Kooperationen gesetzt, so Ulrike Lange: „Wichtig war in erster Linie, dass es sich um regionale Produkte handelt und dass es unkompliziert ist, an die Ware ranzukommen.“ Zur Sortimentsgestaltung trägt auch das Campingangebot bei. Das Weingut Schloss Saaleck verfügt über drei Stellplätze, die sich direkt neben dem Brotzeithäusle befinden. „Für ihren Urlaubsbedarf fragten die Kunden nach Eiern und Milch. Somit bieten wir auch dieses Sortiment an“, erzählt Ulrike Lange. Als landwirtschaftlicher Betrieb muss man allerdings bei den Zukaufprodukten aufpassen. Wird der Anteil zu hoch, kann der Betrieb in die Gewerblichkeit rutschen.
Weinverkauf in Selbstbedienung – wie geht das?
Die Abgabe von Alkohol ist in Deutschland nur an Menschen über 16 bzw. 18 Jahre erlaubt. Deshalb braucht es dafür entsprechende Sicherheitsvorkehrungen. Diese stellen für viele Betriebe mit Direktvermarktung ein Hindernis dar. Familie Lange hat das mit der App lockbest gelöst. Diese App wurde speziell für die Direktvermarktung entwickelt. Die Kundschaft muss sich die kostenlose App herunterladen, sich registrieren und vor dem ersten Einchecken einmalig mit einem Ausweis verifizieren. Nur so kommt man ins Brotzeithäusle. Zu umständlich? Nicht für die Kundschaft des Weingut Schloss Saaleck. Zwar gibt es einige ältere Menschen ohne Smartphone, aber diese kommen manchmal auf kreative Lösungen, erzählt Ulrike Lange: „Ein Kunde hat sein Enkelkind mitgebracht oder es wird sich gegenseitig geholfen.“
Klar nimmt man bei dieser Verkaufsform nicht alle mit, aber „wir müssen für die Zukunft denken“, sagt Ulrike Lange. Und als Alternative gebe es noch die Vinothek unten im Ort direkt am Marktplatz.
Ist die Eingangskontrolle geschafft, werden die Produkte mittels Codes gescannt und bar, kontaktlos via PayPal oder Zahlkarte gezahlt. Eine Barzahlung anzubieten, ist laut Ulrike Lange wichtig. „Immerhin 20 Prozent greifen beim Brotzeithäusle auf diese Bezahlungsart zurück.“
Ein weiterer Vorteil der App ist, dass Ulrike Lange auf ihrem Handy die Bestände sehen kann und so immer weiß, wann sie welche Produkte auffüllen muss. Es wäre sogar möglich per Push Nachricht informiert zu werden, wenn die Bestände zur Neige gehen. Die App hilft auch die Abrechnungen zu erleichtern, z.B. indem darüber ein Verkaufsjournal geführt werden kann.
Fotos: Lange
„Wir sind sehr zufrieden, wie es läuft“, sagt Ulrike Lange. Auf diese Weise haben wir das Problem der Alterskontrolle bei Abgabe von alkoholischen Getränken gelöst und auch einen wirksamen Schutz vor Diebstahl. Ein solcher kommt in der Gegend öfter bei Selbstbedienungsläden mit einer Kasse des Vertrauens vor. Nicht so beim Weingut Lange Schloss Saaleck.
Wie lässt sich so ein Vorhaben finanzieren?
Nicht zu unterschätzen sind allerdings die Kosten. Bei der Errichtung kam einiges zusammen, sowohl für die Konstruktion (Bodenplatte, Betonkernbohrungen, Holzkonstruktion, Solaranlagen, elektrische Leitungen, Außenanlage mit Sitzgelegenheiten) als auch für die Ausstattung (Kühlschrank, Kameras, Schränke). Am Ende lagen die Investitionskosten bei 80.000 Euro inkl. Eigenleistung. Um das finanzieren zu können, wurde zum einen auf eine Förderung durch das Regionalbudget der Ämter für Ländliche Entwicklung zurückgegriffen, zum anderen erfolgte eine Finanzierung über Genussrechte. Genussrechte sind ein Finanzierungsinstrument, das eine direkte finanzielle Beteiligung von Verbraucherinnen und Verbrauchern an einem Vorhaben ermöglicht. Als Anleger investiert man eine gewisse Summe, beim Brotzeithäusle mindestens 1.000 Euro, und kann
jährlich zwischen einer Verzinsung in Ware oder Geldzins wählen, wobei die Verzinsung in Naturalien (Gutscheine) in der Regel höher ist. Über die Jahre hat das Weingut Schloss Saaleck eine große Kundenkartei aufgebaut. Über den regelmäßig erscheinenden Newsletter konnten sie viele „Genussrechtler“ erreichen. Auch über einen Zeitungsartikel haben sie weitere Anleger gefunden. Ulrike Lange: „Unterstützer finden sich von Berlin bis Rosenheim, von Frankfurt bis Dresden und eben auch vor Ort.“ Für die Umsetzung dieser Finanzierungsmethode wurde Familie Lange vom Beratungsunternehmen Genussinvest unterstützt.
Tipp: Zeit nehmen
Das 24/7 Brotzeithäusle lockt sowohl Touristen als auch Einheimische an, von denen einige mittlerweile zu Stammkunden zählen, die ihren abendlichen Spaziergang mit einem Glas Wein und Picknick versüßen.
Die erste Saison ist nun vorüber. Es konnten Erfahrungen gesammelt und Verbesserungen umgesetzt werden. Die Langes sind zufrieden mit dem Verlauf. Nun wollen sie noch mehr Werbung machen und z.B. einen Flyer erstellen. Ulrike Langes Tipp: „Vor allem für die Entwicklung des Konzepts sollte man sich Zeit nehmen.“
Ein Vorteil der App ist, dass Ulrike Lange auf Ihrem Handy die Bestände sehen kann und so immer weiß, wann sie welche Produkte auffüllen muss.
BEIM
Kerner
Mitten im Grünen, fernab von Durchgangsverkehr und Fußgängerzonen, liegt der Kernerhof. Trotz der abgeschiedenen Lage hat sich das Hofcafé „Beim Kerner“ rasch zu einem beliebten Treffpunkt entwickelt.
Seit Herbst 2023 ist Timea Stein (rechts) mit dem Kernerhof Naturland Gastro Partner.
Südlich von Rosenheim liegt in Stephanskirchen in schönster ländlicher Idylle der Kernerhof. Er umfasst neben einer Bio-Gärtnerei das Hofcafé mit Hofladen Beim Kerner. „Bio ist unsere Leidenschaft und die leben wir“, beschreibt Timea Stein das Motto am Kernerhof. Gemeinsam mit ihrem Mann Bernhard hat sie den Hof 2001 von Bernhards Vater übernommen.
Neue Wege suchen
Schon seit 1994 ist der Kernerhof Bio-Betrieb und Naturland Mitglied. Zu dieser Zeit bestand der Hof aus einer großen Apfelplantage, einigen Zwetschenbäumen, Nusssträuchern und einer Mosterei, die es allerdings nur bis 2003 gab. Damals wurde in kleinem Stil mit der Direktvermarktung begonnen, 1998 wurde der Hof mit einem kleinen Tunnel im Freien für Gemüse erweitert. Zehn Jahre später kamen große Gewächshäuser hinzu, um Gemüse im größeren Stil biologisch anzubauen.
Die Betriebsentwicklung zeigt: Timea und Bernhard Stein sind ständig auf der Suche nach neuen Wegen in der Landwirtschaft. Auf den Feldern finden sich heute verschiedenste Feldgemüsesorten wie Tomaten, Salat, Kohl, Fenchel, Kartoffeln und Kräuter – kaum eine heimische Art fehlt hier. Auch die Obstvielfalt wurde mit Birnen und Johannisbeeren vergrößert. Die Hühner – genauer gesagt die Les Bleues Hühner, das sind Zweinutzungshüh-
ner – leben das ganze Jahr auf den Obstplantagen im Freien. Seit 2019 gehören auch Alpakas und seit 2023 Nandus zum Hof.
Hofladen & Hofcafé
Das jüngste Projekt war der Neubau des Hofladens inklusive Hofcafé auf Flächen, die vorher zur Apfelplantage gehört haben. „Schon im alten Hofladen schenkten wir Kaffee aus, insofern war das Hofcafé der logische nächste Schritt“, erklärt Timea Stein die Motivation mit einem Rückblick in die Vergangenheit: „Ein Highlight in der Kirchweihzeit waren Omas selbstgemachte Ausgezogene (Anm.: bayerische Spezialität eines Schmalzgebäcks), die durchs Küchenfenster verkauft wurden.“ Angesprochen auf die Kosten resümiert Timea Stein: „Die gestiegenen Baukosten während der Corona-Krise sowie Brandschutzauflagen machten die Investitionskosten von 1,2 Millionen Euro um 20 Prozent teurer als erwartet.“ Der Neubau wurde zusammen mit Architekten und einer Holzhaus Bau-Firma geplant, Hofladen und Hofcafé mit Sonnenterasse öffneten im März 2022. Die Naturland Gastro Partnerschaft folgte im Herbst 2023. Hofladen und Hofcafé sind ein Gewerbe, dafür wurde eine zweite Firmierung gegründet.
Im März 2022 wurden Hofladen und Hofcafé mit Sonnenterasse eröffnet.
„In der Anfangszeit war die Kundenakquise die größte Herausforderung“, erinnert sich Timea Stein zurück. Die abgelegene Lage verspricht keine Laufkundschaft, so wurde zunächst Werbung in Printund digitalen Medien geschaltet, beispielsweise im Radio, in der Zeitung und auf Instagram. Durch die hohe Kundenzufriedenheit und eine funktionierende Mund-zu-Mund-Propaganda erfreute sich das Café rasch wachsender Beliebtheit. Nach zwei Jahren sind die beiden sehr zufrieden, erzählt Timea Stein: „Unsere Gäste sind kunterbunt: von jung bis alt, mit unterschiedlichem gesellschaftlichen Hintergrund und zu verschiedensten Anlässen. Familien, Freunde, junge Erwachsene, Seniorinnen, Touristen, Einheimische, für die Mittagspause, für Hochzeiten, für Trauer- oder Geburtstagsfeiern, zum Stammtisch.“ Das Café kann auch für eigene Veranstaltungen gemietet werden.
Was wird nachgefragt?
3 Direkt vermarktet wird am Kernerhof schon lange, mit dem neuen Hofladen kam neuer Schwung in die Direktvermarktung. 1 2 3
Das Angebot an Speisen und Getränken ausschließlich aus biologischen Zutaten reicht von Frühstück über warmes Mittagessen bis hin zu Kaffee und Kuchen und Aperitif. Die Phase des Ausprobierens und Entdeckens der Wünsche und Vorlieben der Gäste ist inzwischen abgeschlossen und es hat sich eine gewisse Routine eingestellt. Das Ergebnis zeigt: selbstgemachte Speisen – am besten mit den hofeigenen Produkten Obst, Gemüse und Eier – werden am meisten nachgefragt. Entsprechend ist das Angebot aufgestellt: Aus den hofeigenen Eiern werden Quiche, Eierspeisen fürs Frühstück und Kuchen gemacht. Ebenso wird das Obst der Plantagen für die selbstgebackenen Kuchen verwendet sowie das Gemüse der Gärtnerei für Quiche und warme Mittagsgerichte. Auch Frischkäseaufstriche wie Obazda werden selbst gemacht und sowohl in der Theke verkauft als auch als Brotbelag zum Frühstück serviert. All das sind Besonderheiten, die sich in bester Bio-Qualität sonst kaum finden. Aber was geht besonders gut? Timea Stein gibt Einblick: „Zwetschgendatschi, Krautwickerl, Linseneintopf, Kürbissuppe und Gemüsequiche sind die Renner im Café
1 Die Betriebsentwicklung zeigt: Timea und Bernhard Stein sind ständig auf der Suche nach neuen Wegen in der Landwirtschaft.
2 In Gewächshäusern wird Gemüse biologisch angebaut und in Hofladen und Hofcafé verwertet.
Draußen befindet sich eine wunderbare Sonnenterasse, die Platz für 60 Personen bietet.
- nicht zu vergessen das Frühstück Auszeit zu zweit mit Käse, Wurst, Lachs, Aufstrichen, Honig, Marmelade, Joghurt mit Früchten, Rührei mit Speck und Prosecco.“
Hofladen und Café profitieren
Das Café „Beim Kerner“ ist von Dienstag bis Samstag in der Zeit von 8 bis 18 Uhr geöffnet. Es ist ein Ort zum Wohlfühlen: modern gestaltet in hochwertiger Holzoptik mit bunt bezogenen Stühlen und in heller und freundlicher Atmosphäre - durch eine Glasfront sieht man auf den Hof und die Felder. Draußen befindet sich eine wunderbare Sonnenterasse mit Blick auf die Berge. Platz ist für 30 Personen drinnen und 60 Personen draußen – mit Vergrößerungsoption, wie Timea Stein sagt: „Bei uns wird niemand weggeschickt, wir sind ganz flexibel und erweitern mit zusätzlichen Tischen. Unsere Gäste sind ganz pflegeleicht und mit unseren kreativen Zwischenlösungen sehr zufrieden.“ Die meisten Gäste essen vor Ort, aber „seit kurzem merken wir eine steigende Nachfrage nach Take-away“, berichtet Timea Stein. Kuchen und Brotzeitplatten können vorbestellt und für private Feste abgeholt werden.
Für Kinder besonders attraktiv sind der Spielplatz und die Tiere vor Ort. Sechs zahme Nandus können durch den Zaun gefüttert werden – das ist so beliebt, dass es inzwischen sogar einen Futterautomaten gibt. Die Eltern können in der Zeit unbesorgt essen. Hier zahlt sich die abgelegene Lage voll aus, so Timea Stein: „Kein Verkehr und keine fremden Menschen. Die Kinder können unbeaufsichtigt spielen.“
Im Hofladen werden neben dem eigenen Gemüse, Obst und Eiern auch weitere Bio-Produkte in einem umfangreichen Sortiment angeboten.
Daneben gibt es frisches Bio-Brot aus der Region von der Bäckerei Fritz sowie eine große Käse- und Wursttheke. Auch Honig, der in den Bienenhäusern auf dem Gärtnereigelände produziert wird, steht in den Regalen. Genauso wie Schnäpse und Liköre, die in der eigenen Destillerie aus dem Hof-Obst produziert werden. „Der Hofladen und das Café schaffen gegenseitig eine Win-Win-Situation“, berichtet die Unternehmerin. Besonders der Hofladen profitiere von den Gästen des Cafés, die oft noch spontan im Hofladen nach dem Besuch einkaufen – so die Beobachtung der Familie Stein.
Weitere Vermarktungswege
Die Steins sind in ihren Vermarktungsmethoden kreativ und vielseitig. Sie verkaufen mittwochs am Markt in Schlossberg, bieten Gemüsekisten für Privatpersonen an, Obstkörbe für Firmen und machen am Schulfruchtprogramm für Schulen und Kindergärten mit. Außerdem bieten sie im Rahmen des Programms „Erlebnis Bauernhof“ des Bayerischen Landwirtschaftsministeriums zwischen Juni und Oktober Führungen für Schulklassen an.
Dass all das viel Arbeit bedeutet, ist selbstredend. Am Hof arbeiten drei Generationen zusammen: sowohl die Oma als auch die drei Kinder von Timea und Bernhard helfen mit – „soweit es ihr jeweiliger Beruf zulässt“, ergänzt Timea Stein. Zusätzlich sind inzwischen 14 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter angestellt, die variabel im Hofcafé, in der Gärtnerei und im Hofladen eingesetzt werden. „Dazu zählen aber auch Aushilfen“, vervollständigt Timea.
Die Erfahrung der Steins zeigt: Gäste wählen das Hofcafé vor allem wegen der Bio-Speisen aus hofeigenen Zutaten und eigener Produktion. Die Naturland Partnerschaft schätzen die Steins als ein weiteres Alleinstellungsmerkmal.
Das Café „Beim Kerner“ ist ein Ort zum Wohlfühlen und bietet Platz für 30 Personen drinnen.
„Naturland vom Feld bis auf den Teller“
Kristina Mayr im Interview
Hofcafés, Weinstuben oder Almwirtschaften sind auch auf Naturland Betrieben keine Seltenheit. Doch wie kann man dort mit dem Naturland Zeichen werben? Kristina Mayr erklärt, welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen – und welche Vorteile die Zertifizierung bietet.
„Sie zeigen mit dem Naturland Zeichen, dass Ihr Betrieb durchgängig nachhaltig handelt.“
Wenn ich als Naturland Betrieb neben der Landwirtschaft auch ein Hofcafé, ein Restaurant oder eine Weinstube betreibe – kann ich hier auch mit Naturland werben?
Ja, auch als Gastrobetrieb können Sie mit dem Naturland Logo ein starkes Zeichen für höchste Bio-Qualität und soziale Verantwortung setzen. Heutzutage suchen Gäste neben einem guten Geschmackserlebnis nach etwas Besonderem – nach Bio-Zutaten, Transparenz und verantwortungsvollem Umgang mit der Umwelt. Dafür gibt es extra die Naturland Richtlinien für die Außer-Haus-Verpflegung. Auch jegliche Art von Hof-Gastronomie kann mit der Nutzung des Naturland Logos das eigene Profil schärfen.
Wie gehe ich vor, wenn ich als Naturland Betrieb hier Interesse habe?
Sie melden sich einfach beim zuständigen Naturland Team AHV & Direktvermarktung. Wir stehen als persönliche Ansprechpartnerinnen an Ihrer Seite und begleiten Sie bei der Umsetzung.
Welche Bedingungen muss ich erfüllen?
Voraussetzung ist eine Bio-Zertifizierung nach der Bio-Außer-Haus-Verpflegungs-Verordnung (Anm.: Bio-AHV-Verordnung), das Angebot von mindestens einem vegetarischen Gericht sowie der kontinuierliche Einsatz mindestens eines Naturland Produktes in der Küche.
Wenn Sie als Naturland Betrieb Ihre eigenerzeugten Produkte ganzjährig verwenden, ist der letzte Punkt schon erfüllt. Auch bei der Umsetzung der bundesweiten Bio-AHV-Verordnung und der optionalen Auslobung des Bio-Anteils in Bronze, Silber und Gold unterstützen wir Sie gerne. Außerdem
Ihre Bio-AHV-Ansprechpartnerinnen:
geben wir Tipps zu Bezugsquellen, wobei wir auf unser starkes und vielfältiges Netzwerk aus Direktvermarktern, Naturland zertifizierten Verarbeitern und Großhändlern zurückgreifen.
Was habe ich als Naturland Betrieb davon?
Sie vermitteln ein ganzheitliches Bild Ihres Betriebs: Vom Feld bis auf den Teller – Ihr Engagement für Ökologie und soziale Verantwortung wird sichtbar. Damit schärfen Sie Ihr eigenes Profil und setzen sich von der Masse ab. Gleichzeitig setzen Sie ein Zeichen für eine ökologische und soziale Lebensmittelwirtschaft und zeigen, dass Ihr Betrieb durchgängig nachhaltig handelt. Sie werden besser und deutlicher wahrgenommen –ein entscheidender Erfolgsfaktor in heutiger Zeit.
Wie hilft mir Naturland dabei konkret?
Ihre Bekanntheit wächst durch gezielte Kommunikation auf unseren Social-Media-Kanälen, in unserem Bio-Gastro-Newsletter und durch Verlinkung und Auflistung als Naturland Gastronomie auf der Naturland Website. So werden Sie auch von außen als Teil einer starken Community wahrgenommen. Darüber hinaus gibt es noch eine Reihe praktischer Vorteile.
Die da wären?
Sie bekommen zum Beispiel Unterstützung für Ihre Bio-Küche bei Fragen zur erfolgreichen Herangehensweise und Umsetzung. Außerdem bieten wir praxisnahe Workshops und Fortbildungen für Sie und Ihr Team an. Dabei greifen wir aktuelle und spannende Themen aus der Gastronomie auf wie beispielsweise die Zubereitung von Sushi aus regionalem Fisch oder die Verwendungsmöglichkeiten von regionalem Getreide in der Küche.
Kontakt: gastro@naturland-zeichen.de
Karin Romeder
Nina Berner
Kristina Mayr
Diversifizieren 7 Fragen & Antworten ohne Steuerfalle
Österreich
Die Antworten auf diese steuerrechtlichen Fragen beziehen sich auf deutsches Recht. Für Betriebe in Österreich verweisen wir auf das Nachschlagewerk „Rechtliches zur Direktvermarktung“ des Ländlichen Fortbildungsinstituts. Über den QR-Code gelangen Sie zum Download.
Der Artikel entstand in Zusammenarbeit mit der Steuerberatungsgesellschaft ECOVIS: www.ecovis.com
Die im Titelthema porträtierten Naturland Betriebe steigern ihre Wertschöpfung mit Hofcafé, Hofladen oder Hofmolkerei. Mit solchen Einkommenskombinationen wachsen aber auch die steuerlichen Fragen: Was zählt noch zur Landwirtschaft, ab wann wird es gewerblich? Wer seinen Betrieb weiterentwickelt, sollte diese Punkte früh mitdenken. Sieben Fragen und Antworten geben Orientierung für die Praxis.
Ich betreibe einen landwirtschaftlichen Betrieb und möchte gerne einen Teil meiner Erzeugnisse direkt vermarkten. Zählen diese Einnahmen dann noch zur Landwirtschaft oder braucht es die Anmeldung eines Gewerbes?
Der Verkauf unbearbeiteter oder nicht weiter verarbeiteter landwirtschaftlicher Erzeugnisse ist grundsätzlich der land- und forstwirtschaftlichen Urproduktion zuzuordnen. Dazu zählen zum Beispiel Milch, Eier, Kartoffeln (siehe Übersicht). Auch bei Produkten der ersten Verarbeitungsstufe ist keine Gewerbe-
Fotos: Landwirt Agrarmedien GmbH, Naturland/ Sebastian Stiphout, Naturland / Christoph Assmann; Being Organic in EU
Gewerberechtliche Einstufung ausgewählter Produkte und Tätigkeiten
Voraussetzung für einen Nebenbetrieb der landwirtschaftlichen Urproduktion ist, dass die Erzeugnisse im Rahmen der ersten Verarbeitungsstufe anfallen. Käse zählt zu diesen Produkten.
Der Verkauf von Eiern ist steuerrechtlich der land- und forstwirtschaftlichen Urproduktion zuzuordnen.
anmeldung nötig. Dazu zählen zum Beispiel Mehl, in Viertel zerlegte Schlachtkörper, Butter, Käse oder Getreideflocken.
Darüberhinausgehende Be- und Verarbeitungsprozesse (2. Verarbeitungsstufe) oder die Be- und Verarbeitung von fremden Erzeugnissen führen zu gewerblichen Einkünften – außer, die Umsätze liegen nachhaltig
• unter 1/3 des Netto-Gesamtumsatzes und
• unter 51.500 Euro.
Dann bleibt die Direktvermarktung der landwirtschaftlichen Produkte als Nebenbetrieb der landwirtschaftlichen Urproduktion untergeordnet.
Wie kann zum Beispiel eine Hofmolkerei ein Nebenbetrieb der landwirtschaftlichen Urproduktion bleiben?
Bei einem Nebenbetrieb der landwirtschaftlichen Urproduktion zählen die Einkünfte aus diesem Nebenbetrieb auch zu den Einkünften aus Landund Forstwirtschaft. Dazu muss der Nebenbetrieb den Hauptbetrieb fördern, ergänzen und durch den Hauptbetrieb geprägt sein. Der Nebenbetrieb muss in funktionaler Hinsicht vom Hauptbetrieb abhängig sein. Eine Voraussetzung ist, dass überwiegend im eigenen Hauptbetrieb erzeugte Rohstoffe be- oder verarbeitet werden. Für das Beispiel der Hofmolkerei gilt, dass diese überwiegend (mehr als 50 %) im eigenen land- und forstwirtschaftlichen Hauptbetrieb erzeugte Rohstoffe verarbeitet. Erreicht die Verarbeitung eigener Roh-
stoffe diesen Umfang nicht, wird die Hofmolkerei gewerblich.
Wichtigste Voraussetzung für einen Nebenbetrieb ist, dass die Erzeugnisse im Rahmen der ersten Verarbeitungsstufe anfallen. Keine Nebenbetriebe sind der Absatz von Eigenerzeugnissen der zweiten Be- und Verarbeitungsstufe oder die Verarbeitung fremder Erzeugnisse. Diese können jedoch unter gewissen Voraussetzungen und Grenzen (Umsätze liegen nachhaltig unter 1/3 des Netto-Gesamtumsatzes und unter 51.500 Euro) aus Vereinfachungsgründen noch der Land- und Forstwirtschaft zugerechnet werden.
Wie weit darf die Verarbeitung von Milch in einer Hofmolkerei gehen, damit sie noch Teil der Landwirtschaft ist?
Die Verarbeitung von überwiegend selbsterzeugter Milch zu Milchprodukten einer einfachen Bearbeitungsstufe (Butter, Käse, Sauermilcherzeugnisse usw.) und der Verkauf dieser Erzeugnisse in handelsüblichen Mengen und Verpackungen ist als Nebenbetrieb des land- und forstwirtschaftlichen
Hauptbetriebs anzusehen, weil die Herstellung von Milcherzeugnissen dieser Bearbeitungsstufe noch als zum Bereich der Land- und Forstwirtschaft gehörend anzusehen ist.
Dagegen führt eine weitergehende Bearbeitung von Milch zu höherwertigen Produkten (z. B. unter Verwendung von Zusatzstoffen wie Früchten, Farbstoffen, Vitaminen etc.) zur Bewertung der Milchverarbeitung als Gewerbebetrieb.
Darf ich im Hofladen Fremdprodukte von anderen Direktvermarktern verkaufen und hat das Konsequenzen?
Ja, Sie dürfen in Ihrem Hofladen auch Fremdprodukte von anderen Direktvermarktern mitverkaufen. Wichtig ist, dass der Verkauf von Fremdprodukten die eingangs erwähnten Umsatzgrenzen nicht überschreitet, also dauerhaft nicht mehr als ein Drittel des Gesamtumsatzes und nicht mehr als 51.500 Euro im Wirtschaftsjahr ausmacht. Wird eine der beiden Grenzen über mehr als drei Jahre überschritten, liegt ein Gewerbebetrieb vor. Dabei werden nur die gewerblichen Tätigkeiten
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Beim Verkauf im Hofladen unterliegen nur die Umsätze der eigenerzeugten landwirtschaftlichen Produkte der Umsatzpauschalierung.
(Verkauf von Fremdprodukten) bei Überschreiten der Grenzen nicht mehr zur Land- und Forstwirtschaft gerechnet. Werden z. B. in einem Hofladen auch zugekaufte Produkte veräußert, und betragen die Umsätze hieraus dauerhaft mehr als
Kurz & knapp
Bei all den beschriebenen Möglichkeiten zur Diversifizierung (Hofcafé, Hofladen, Hofmolkerei) spielen Umsatzgrenzen eine wesentliche Rolle bei der steuerrechtlichen Einordnung. Grundsätzlich sind gewerbliche Einnahmen „unschädlich“, wenn:
• weniger als 51.500 Euro im Jahr und
• weniger als 1/3 des Gesamtumsatzes dort erwirtschaftet werden.
> Folge: Es bleibt bei Einkünften aus Landund Forstwirtschaft.
> Erst dann Gewerbe, wenn Grenzen mehr als drei Jahre überschritten wurden.
Die Fragen und Antworten dieses Beitrags sollen helfen, einen ersten Überblick zu gewinnen. Wer sich tiefer mit dem Thema Einkommenskombination am eigenen Betrieb auseinandersetzt, sollte unbedingt eine steuerliche Beratung in Anspruch nehmen.
51.500 Euro im Wirtschaftsjahr, so sind nur diese Umsätze als gewerbliche Einkünfte zu qualifizieren; der Verkauf der eigenen Produkte im Hofladen bleibt weiterhin Teil der Land- und Forstwirtschaft.
Wird ein Hofcafé immer als Gewerbe eingestuft?
Beim Betrieb eines Hofcafés werden in der Regel einkommensteuerrechtlich ausschließlich Einkünfte aus Gewerbebetrieb erzielt, da nur gewerbliche Produkte wie Kaffee, Speisen, etc. veräußert werden. Zudem spielt hier der Dienstleistungscharakter stark mit rein.
In seltenen Ausnahmen können diese Einkünfte noch denen aus Land- und Forstwirtschaft zugeordnet werden. Dies ist dann der Fall, wenn eigen erzeugte landwirtschaftliche Getränke, wie z. B. Wein im Rahmen der Besen- und Straußwirtschaften, veräußert werden.
Gilt für die Vermarktung im Hofladen die umsatzsteuerliche Pauschalierung?
Beim Verkauf im Hofladen unterliegen nur die Umsätze der eigenerzeugten landwirtschaftlichen Pro-
dukte (unverarbeitete Produkte und Produkte der 1. Verarbeitungsstufe) der Umsatzpauschalierung.
Die Verkaufserlöse aus der Weiterveräußerung sowohl sämtlicher zugekaufter Waren als auch aus Produkten der 2. Verarbeitungsstufe unterliegen ab dem ersten Euro der Regelbesteuerung.
Werden die eigenen Erzeugnisse untrennbar mit zugekaufter Ware vermischt, dann muss das jeweils zum Verkauf angebotene Enderzeugnis zu einem bestimmten Prozentsatz aus eigenen Erzeugnissen bestehen, damit die daraus resultierenden Betriebseinnahmen der Land- und Forstwirtschaft zugerechnet werden können.
Darf ich als landwirtschaftlicher Direktvermarkter eine SB-Verkaufshütte neben eine vielbefahrene Straße stellen oder muss ich „am Hof“ verkaufen?
Der Verkauf der land- und forstwirtschaftlichen Erzeugnisse ist Teil der land- und forstwirtschaftlichen Betätigung. Verkaufsstellen auf der Hofstelle bilden mit dem Erzeugungsbetrieb einen einheitlichen land- und forstwirtschaftlichen Betrieb, wenn sie nicht auch der Veräußerung von Zukaufwaren in „schädlichem Umfang“ dienen. Die in der Frage erwähnte Selbstbedienungs-Verkaufshütte ist ein räumlich getrenntes Handelsgeschäft. Diese sind ebenfalls Bestandteile des land- und forstwirtschaftlichen Betriebs, wenn darin ausschließlich Eigenprodukte vermarktet werden. Werden in dem Hofladen oder in dem Handelsgeschäft zugekaufte Produkte abgesetzt, entsteht daraus
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ein selbstständiger Gewerbebetrieb, wenn der Umsatzanteil aus den zugekauften Produkten ein Drittel des Gesamtumsatzes des Hofladens (netto) oder 51.500 Euro nachhaltig übersteigt.
Betrieb St. Wolfgang Raiffeisenstraße 3, 84427 St. Wolfgang st.wolfgang@rwg-erdinger-land.de · Tel. 0 80 85 - 15 32 www.rwg-erdinger-land.de www.bio-kleegras.de
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BIO-DRUSCHFRÜCHTE
HAFER
Hafer ist in diesem Jahr deutlich überversorgt. Gute Erträge und ein zusätzliches Flächenwachstum sorgen für erheblichen Druck. Unsere Landwirte erfüllten die Kontrakte insgesamt zu 110 %, was gegenüber einer Kontrakterfüllung von 90 % im Vorjahr erhebliche Mehrmengen bedeutet. Die Mühlen haben sich nach der Ernte frühzeitig eingedeckt und zeigen aktuell kaum Aufnahmebereitschaft. Demnach sind die Preise gegenüber dem Vorjahr um 70 bis 80 Euro/t gefallen; Landwirte erzielen aktuell vielfach knapp über 300 Euro/t. Neue, preislich etwas attraktivere Vorkontrakte wurden zwar angeboten, stießen jedoch erst auf geringe Resonanz. Preislich ist allerdings auch für 2026 nicht mit einer raschen Erholung zu rechnen.
WEIZEN
Bei Weizen blicken wir mengenmäßig auf eine stabile Ernte zurück. Allerdings ist die Qualitätsverteilung ungünstig – viel Ware liegt im hohen Kleberbereich, während Weizen für den darunter liegenden Mehlpackungsbereich knapper ist. Gerade in diese Absatzwege fließen aber die größten Mengen, weshalb das Überangebot im Backweizenbereich (hohe Kleber) zu deutlichem Preisdruck führt. Nicht verkaufte Backpartien dürften im Saisonverlauf zunehmend abgewertet werden. Futtergetreide bleibt dagegen knapp, nachdem der kurzfristige Preisrückgang unmittelbar nach der Ernte überwunden ist. Die Preise haben sich für Futterweizen wieder stabilisiert und liegen bei 320 bis 330 Euro/t. Die Preise für den Mehl- und Backbereich liegen aktuell ca. 30 bis 40 bzw. 70-80 Euro darüber.
BRAUGERSTE
Der Markt für Braugerste schrumpft weiter. Die Brauereien reduzieren ihre Bedarfe kontinuierlich, und auch Verbandsmengen gehen zurück. Trotz geringerer Anbauflächen besteht weiterhin ein Überangebot.
DINKEL
AUTOR
Stefan Schmidt
Marktgesellschaft der Naturland Bauern pflanze@naturland-markt.de
Relativ stabil zeigt sich der Markt für Bio-Dinkel, die Erträge waren gut und lagen etwas über den Kontraktmengen. Aufgrund des regnerischen Julis wurden in Süddeutschland einige Partien mit geringen Fallzahlen angeliefert, für diese Mengen existiert bei Dinkel ein stabiler Absatzkanal über Flockenware, sodass auch problematische Partien vermarktet werden konnten. Gute Dinkel-Qualitäten erzielen Preise von über 400 Euro ab Hof, Vorkontrakte für die Ernte 2026 auf ähnlichem Preisniveau stoßen aktuell auf reges Interesse. Insgesamt zeigt sich der Dinkelmarkt ruhig und stabil.
ROGGEN
Bei Roggen zeigt sich die Qualitätssituation stabil. Es gibt größere Mengen an fallzahlschwachen Partien, die unter 150 liegen. Mühlen können bis 100 gut damit umgehen. Schwächere Partien nimmt der Futtermarkt problemlos auf. Etwa 10 % der Partien überschreiten die Mutterkorn-Grenzwerte – jedoch ausschließlich aufgrund der verschärften gesetzlichen Vorgaben (von 0,05 % auf 0,02 %). Preislich bewegt sich Roggen stabil im Bereich von 320 bis 360 Euro/t.
Nach einem nahezu durchgängigen Preisanstieg über das Jahr hinweg zeigt sich am Rindfleischmarkt im Spätherbst erstmals eine leichte Entspannung. 2025 war bislang geprägt von stetig steigenden Preisen im konventionellen Bereich – eine Entwicklung, die auch auf die Bio-Vermarktung ausstrahlte, da die Abstände zwischen konventionellen und ökologischen Preisen zumindest mittelfristig gewahrt bleiben müssen. Zudem sind einzelne Bio-Preise, etwa bei Kühen, direkt an die konventionelle Preisentwicklung gekoppelt.
Vor der Winteraufstallung hat sich das Angebot spürbar ausgeweitet. Am konventionellen Markt führte dies vor allem bei Kühen und Färsen zu rückläufigen Preisen. Für Jungbullen
BIO-RINDFLEISCHMARKT BIO-SCHWEINEMARKT
Der Bio-Schweinemarkt zeigte sich im Herbst ausgeglichener als im Jahr zuvor. Nach Monaten knapper Versorgung hat sich das Verhältnis von Angebot und Nachfrage etwas entspannt. Dies lag natürlich auch an den höheren Zunahmen der Masttiere im Herbst, die saisonal das Angebot steigerten. Es gibt immer noch einen größeren Bedarf an Bio-Ferkeln, wobei auch hier in manchen Regionen der Markt bereits ausgeglichen ist. Insgesamt bleibt der Bedarf an größeren Ferkelpartien aber weiterhin bestehen.
Am Bio-Schweinemarkt konnten zuletzt leichte Preisaufschläge erzielt werden. Größere Preissprünge sind aktuell jedoch derzeit nicht zu erwarten, da der Handel angesichts gestiegener Ladenpreise bei Bio-Fleisch (vor-
hingegen werden zum Weihnachtsgeschäft nochmals leicht steigende Preise erwartet. Für Bio-Betriebe bedeutet das: Während die Kuhpreise weiterhin 1:1 an die Entwicklung der konventionellen Preise angepasst werden, bleiben die Preise für Naturland-Färsen, -Ochsen und -Jungbullen vorerst stabil. Eine stärkere Korrektur der Naturland Preise ist kurzfristig nicht zu erwarten. Wie sich der RindfleischMarkt im neuen Jahr entwickelt, hängt neben der Nachfrage auch davon ab, wie stark die Bestände der Masttiere bis Jahresende geräumt sind. Insgesamt bewegen sich die Preise weiterhin auf hohem Niveau. Naturland Schlachtrinder - Färsen, Ochsen, Jungbullen und Kühe - werden auch im Jahr 2026 gut und stabil zu vermarkten sein.
Biofutter mit Rat und Tat
wiegend Rindfleisch) zurückhaltend agiert und die Kaufreaktion der Konsumenten abwartet. Mittelfristig rechnen wir mit einem moderat wachsenden Bedarf an Naturland Ferkeln und Mastschweinen bei stabiler Preisentwicklung.
AUTOR
Tomás Sonntag
Marktgesellschaft der Naturland Bauern tier@naturland-markt.de
Umfassende Futterlösungen für alle Biobetriebe und umstellungsinteressierte Betriebe. Von spezialisierten Werken in Gescher (NordrheinWestfalen), Ichenhausen (Bayern) und Lochem (NL).
www.reudink-bio.de
T: 04447 – 7429 880
M: info @reudink-bio.eu
Unser team
BIO-SONDERKULTUREN
SOJABOHNE
Die Sojaernte verlief trotz der engen Erntefenster im Herbst insgesamt stabil. Viele Partien mussten dieses Jahr getrocknet werden. Wieder einmal zeigt sich daher, wie wichtig ausreichende Trocknungskapazitäten am Betrieb oder in der Region sind. Die Qualitäten bewegen sich im durchschnittlichen bis guten Bereich. Der Markt ist nach einer insgesamt zufriedenstellenden Ernte zwar gut versorgt, gleichzeitig steigt aber auch die Nachfrage in der Humanernährung. Entsprechend werden wir den Anbau für 2026 deutlich ausweiten. Preisseitig herrscht Stabilität: Heimische Verbandsware bleibt wertbeständig und Speiseware kann sich klar vom Futtersegment absetzen. Wir arbeiten an einer Ausweitung des Vertragsanbaus mit Fokus Speisesoja.
SONNENBLUME
Die Lager waren zur neuen Ernte nahezu leer, und die verzögerte Ernte sorgte vielerorts für Unsicherheit. Trotz heterogener Erträge wurde insgesamt eine solide Durchschnittsmenge erreicht. Besonders im HO-Bereich sind die Bestände bereits fast vollständig ausgeliefert, zusätzliche Mengen werden gesucht. Auch LO-Ware fließt kontinuierlich ab, wobei die Vermarktung voraussichtlich bis Frühjahr 26 abgeschlossen ist. Für Schälsonnenblumen rechnen wir erneut mit einer Lücke bis zur nächsten Ernte, weshalb der Vertragsanbau 2026 weiter ausgebaut wird. Die Preise zeigen sich stabil.
AUTORIN
Liane Regner
Marktgesellschaft der Naturland Bauern sonderkulturen@ naturland-markt.de
RAPS & HANF
Raps war rasch vermarktet und ist inzwischen so gut wie ausverkauft. Die Auszahlungspreise lagen zur Ernte zwischen 870 und 900 Euro/t. Spielräume für Lageraufschläge gab es dieses Jahr nicht, da die Mühlen frühzeitig gedeckt waren. Hanf bleibt eine attraktive Ergänzung im Ölsaatenbereich, sofern Technik und Reinigung vorhanden sind.
Für 2026 können bereits feste Vorverträge abgeschlossen werden – besonders interessant für Betriebe, die auf stabile Fruchtfolgen setzen.
SPEZIALGETREIDE
Emmer, Nackthafer, Goldhirse und Buchweizen bleiben stark nachgefragt. Für alle vier Kulturen können wir Ihnen Vorverträge anbieten. Die Preise sollen bewusst stabil gehalten werden, um eine nachhaltige Entwicklung der Märkte zu sichern. Besonders im glutenfreien Segment (Hirse, Buchweizen) ist eine sorgfältige Trocknung, Reinigung und Lagerung zwingend notwendig. Die Nachfrage im LEH gilt als verlässlich, sodass die Planungssicherheit hoch ist.
GEMÜSE & KARTOFFEL
Gerste
KOSIMA
Wir wünschen Ihnen/Euch frohe Weihnachten und ein gesundes neues, erfolgreiches Jahr 2026!
www.natur-saaten.de
Im Industriegemüse sorgt die gute Ertragssituation trotz anfänglicher Sorgen über Zikadenbefall für erheblichen Vermarktungsdruck. Besonders Möhren und Rote Bete sind reichlich vorhanden, Verarbeiter stoßen an ihre Kapazitätsgrenzen. Zwiebeln und Chinakohl laufen stabil. Im Kartoffelbereich entwickelt sich der Absatz positiv - wenn auch unter Preisdruck angesichts der deutlich höheren Mengen, nachdem Flächenausweitungen und überdurchschnittliche Erträge zusammenfielen. Die Vermarktung läuft planmäßig, Übermengen konnten bisher vollständig integriert werden.
MARKTGEFLÜSTER
VON
STEFAN ZEIPER
Von der Ernte auf dem Feld bis zum Produkt im Regal ist es mitunter ein weiter Weg. Diesen Weg erfolgreich zu gestalten, damit die Erzeugnisse der Naturland Betriebe ihren Absatz finden, ist Kernaufgabe der Naturland Zeichen GmbH. Stefan Zeiper leitet das Team „Verarbeitung und Handel“ und ist seit Jahren eng vertraut mit dem Bio-Markt. In der Kolumne „Marktgeflüster“ plaudert er aus dem Nähkästchen.
„Die Naturland Zeichen GmbH arbeitet mit 1.500 Naturland Partnern zusammen und schafft so Verbindungen zwischen der Verarbeitung und Erzeugung von Rohstoffen.“ Dieser Satz aus unserer Außenkommunikation umschreibt in wenigen Worten, was wir tun, um sichere Absatzwege für die Erzeugnisse der Naturland Mitgliedsbetriebe zu gestalten und weiterzuentwickeln. Aber was heißt das ganz praktisch? Natürlich geht es da zunächst einmal um konkrete Produkte, Projekte und Lieferketten, es geht aber immer auch darum, Menschen miteinander zu verbinden.
Diese Verbindungen zu schaffen, zu pflegen und fruchtbar zu machen, ist die Aufgabe von über 20 Kolleginnen und Kollegen, die mit mir das Team „Verarbeitung & Handel“ der Naturland Zeichen GmbH bilden. Damit sie alle einen guten und möglichst direkten Draht zu den Partnerunternehmen haben, die sie jeweils betreuen, sind die Zuständigkeiten innerhalb des Teams klar aufgeteilt: Kleinere Verarbeitungsunternehmen sind in regionalen Gruppen zusammengefasst, für die großen Partner gibt es einzelne Key-Accounts.
In der Regel betreut jedes Mitglied im Team jeweils eine Region sowie einen Fachbereich oder Key-Account. Die Aufteilung erfolgt dabei so, dass wir die
fachlichen Stärken und regionalen Bezüge unserer Team-Mitglieder möglichst gut nutzen können. Ein paar Beispiele:
Die Produktgruppe Milch wird betreut von Stephan Scholz, vielen Betrieben noch bekannt als langjähriger Naturland Milchviehberater. In dieser Ausgabe berichtet er ab Seite 46 über die Entwicklungen am Milchmarkt. Die österreichischen Verarbeitungspartner werden von Sandra Dalvai betreut, die in Kärnten lebt und als gelernte Gärtnerin außerdem noch für den Bereich Obst und Gemüse zuständig ist. Diese Zuständigkeit teilt sie sich mit Benedikt Uerlings, den viele Naturland Erzeuger noch als früheren Gemüsebauberater kennen werden. Backzutaten sind die Domäne von Laura Hurter, gelernte Konditorin, die als französische Muttersprachlerin zugleich auch für alle französischen Partner zuständig ist. Und so weiter…
Diese Kombination aus inhaltlicher Spezialisierung und regionaler Zuordnung der einzelnen Kolleginnen und Kollegen im Team schafft Kontinuität und Vertrauen als Basis für eine starke Verbindung mit unseren Naturland Partnern am Markt. So gelingt es uns, das Beste für die Naturland Mitgliedsbetriebe rauszuholen.
Herzlichst Ihr Stefan Zeiper
Fotos: Naturland / Christoph Assmann; DM
Lehren aus der Herbstsaison ´25
BEI SAATGUTAUSLIEFERUNG KÜNFTIG
Zeit-Optimierung
Mit dieser Ausgabe der Naturland Nachrichten erhalten Sie den aktuellen Saatgutkatalog der Marktgesellschaft der Naturland Bauern mit dem wohl reichhaltigsten Angebot an Saatgut für den Ökolandbau. Darüber hinaus wollen wir Hintergrundinformationen und künftige Neuerungen aus der Abteilung Saatgut darstellen.
AUTOR Michael Konrad
Marktgesellschaft der Naturland Bauern m.konrad@ naturland-markt.de
Nachdem sich in der vergangenen Saatgutsaison gegen Ende einige Auslieferungen verzögert haben, erscheint es uns wichtig, zum besseren Verständnis die Wege einer Saatgutpartie zu beschreiben: Nach Ernte und Aufbereitung sowie Probeziehung und Versand an die Anerkennungsstelle umfasst das anschließende Anerkennungsverfahren die Bestimmung von Reinheit, TKG, Besatz und Keimfähigkeit (Dauer ca. 7 Tage). Zusätzlich wird der Kalttest durchgeführt (Dauer ca. 14 Tage) und ggf. der Befall von samenbürtigen Krankheiten geprüft. Eventuell muss eine Partie bei Aberkennung nachgereinigt und nochmal vorgestellt werden. Erst nach dem Anerkennungsbescheid kann mit der Abpackung der Ware begonnen werden. Und nur wenn die verschiedenen Partien bereitstehen und die Verfrachtung an die Zentrallager erfolgt ist, kann die Auslieferung an die Abholstellen oder Kunden beginnen. Es ist leicht ersichtlich, dass für einen optimalen Ablauf alle Räder gut ineinandergreifen müssen – und dass sich Verzögerungen an jedem einzelnen Punkt schnell fortpflanzen und addieren können.
Druck durch Verzögerung
Wenn nach Ernteanlieferung z.B. die Reinigung nicht sofort erfolgen kann, der Probenehmer nicht gleich Zeit hat, die Probe verspätet im Labor ankommt, das Labor nicht gleich mit der Anlage der Proben beginnen kann, beim ersten Mal zunächst eine Aberkennung erfolgt, müssen Absackung und Verfrachtung warten. Damit erhöht sich die Zeitspanne eines optimalen Ablaufs sehr schnell von drei auf fünf Wochen. Das ist quasi der Alltag jeder Saatgut-Saison. Wenn es allerdings - wie in diesem Jahr – darüber hinaus auch noch zu einem witterungsbedingten Verzug der Ernte um regional bis zu drei Wochen kommt, erhöht sich der „Druck“ auf das System dramatisch - zum einen durch die fehlende Zeit und zum anderen durch die angestaute Menge, die dann gereinigt, anerkannt, abgepackt und verfrachtet werden muss.
Systemwechsel
120 Vermehrungsvorhaben verschiedenster Kulturen und Sorten und die Verteilung der Ver-
Durch neue Abläufe sollen Saatgutpartien künftig schneller bereitstehen – für deutlich kürzere Lieferzeiten.
mehrungen über ganz Deutschland stellen uns jede Saison vor mehr oder weniger große Herausforderungen. Die von den Kunden geforderte Angebots-Vielfalt wird aber unter Erntebedingungen wie 2025 schnell bei einigen Auslieferungstouren zu einem Problem; denn bisher wurden diese erst gefahren, wenn alle bestellten Sorten verfügbar waren und somit alle Bestellungen der Tour auch bedient werden konnten. Eine Erntesituation wie 2025 führt das bisherige Vorgehen somit an seine Grenzen. Dies hat nun den Anstoß für einen Systemwechsel gegeben.
Der bis dato erhobene Spätbestellerzuschlag entfällt in Zukunft. Der Frühbestellbonus bleibt erhalten.
Um Service und Kundenzufriedenheit zu verbessern, werden wir ab der nächsten Saatgutsaison einige Neuerungen einführen, die sich im Kern so zusammenfassen lassen: „Auslieferungs-Optimierung hat Vorrang vor Frachtkosten-Optimierung“.
Grundsätzlich gelten die Zustellbedingungen bis zu den jeweils veröffentlichten Bestellterminen. Die auf den Bestellscheinen veröffentlichten Frachtkosten gelten während der Hauptauslieferungszeit. Sobald die Sammelauslieferung zu den Verteilstellen logistisch und zeitlich keinen Vorteil mehr bringt, werden wir die Bestellungen direkt zustellen. Wir werden künftig also ab diesem Zeitpunkt einer zügigen Belieferung aller Kunden Vorrang vor einer Frachtkostenoptimierung einräumen, ohne Zwischenlager und zusätzliche Kommissionierungen. Für Bestellungen,
Info über Lieferstatus
die nach den jeweiligen Bestellterminen getätigt werden, kann es sein, dass wir das Saatgut per Stückgut zu den jeweiligen Kosten liefern. Auch wenn diese für einzelne Bestellungen höher ausfallen, stehen sie in keinem Verhältnis zu den Kosten verspäteter Aussaaten. Diese Lehre und Konsequenz aus der Saison 2025 ist nahezu zwingend. Wir werden auch nach diesem Zeitpunkt versuchen, möglichst frachtgünstig zu liefern. Auch die frachtfreie Abholung des Saatgutes direkt beim Vermehrer wird bei fristgerechter Bestellung erhalten bleiben.
Unter der Mailadresse lieferstatus-saatgut@naturland-markt.de können Sie künftig bei Bedarf den Lieferstatus Ihrer Saatgutbestellung erfragen. Wir beantworten diese Anfragen werktags garantiert innerhalb von 24 Stunden.
Die genauen Daten und Termine finden Sie in Zukunft auf den Bestellunterlagen, in unserem Onlineportal und unserem WhatsAppNewsletter.
Durch diese Maßnahmen wird die zeitgerechte Bereitstellung des Saatgutes auch in schwierigen Jahren deutlich verbessert.
BIO-MILCHMARKT
Mit über 65 Cent hat der Bio-Milchpreis seit Sommer ein neues Niveau erreicht – und die Dynamik hält an. Knappes Rohstoffangebot, stabile Nachfrage, aber auch deutliche Unterschiede zwischen den Molkereien prägen den Markt. Ein aktueller Überblick über Preise, Mengen und Trends.
Erstmals überschritt der deutsche Bio-Milchpreis im Juli 25 die Marke von 65 Cent und hat seitdem weiter steigende Tendenz. Mit einem Plus von 3,4 Cent seit Januar hat er sich auch über das Jahr betrachtet sehr gut entwickelt. Der Jahresdurchschnittspreis liegt mit Oktober bei 64,95 Cent und damit 6,75 Cent über dem Vorjahrespreis samt Nachzahlungen. Im Vergleich dazu verzeichnete der konventionelle Durchschnittspreis im September erstmals einen Rückgang auf zunächst 52,5 Cent, ehe er im Oktober dann mit unter 50 Cent deutlich abstürzte. Damit stieg der Bio-Zuschlag zuletzt auf 17,1 Cent –über die ersten zehn Monate ergibt sich ein durchschnittlicher Zuschlag von 12,3 Cent.
Mengenentwicklungen
In Deutschland lag die Anlieferungsmenge von Öko-Milch bis Juli bei einem Minus von 0,9 % gegenüber dem Vorjahr, im Juli waren es sogar -1,8 %. Die Trendwende kam dann im August mit erstmaligen Mehranlieferungen gegenüber dem Vorjahresmonaten: Konventionell waren es +2,1 %, bei Öko-Milch lag der Wert bei +1,5 %. Der ökologische Rohstoff bleibt trotzdem knapp, weil die Nachfrage nach Bio-Milch und Bio-Milchprodukten weiter gestiegen ist (siehe Seite 48).
In Österreich wurde bereits im ersten Halbjahr 1,9 % mehr Öko-Milch angeliefert als im Vorjahreszeitraum. Im Juni war die Anlieferung erstmals rückläufig. Das dürfte sich auch fortsetzen, weil in Österreich eine deutlich ausgeprägtere Saisonalität als in Deutschland bei den Milchanlieferungen vorliegt und die Blauzungenkrankheit nicht so stark durchgeschlagen hat. Bemerkenswert ist der hohe Heumilchanteil, ein Drittel der gesamten BioMilchmenge in Österreich ist Bio-Heumilch.
In Frankreich sinkt die Anlieferung von BioMilch zum dritten Mal in Folge. 2024 ging die Produktion bereits um mehr als 4 % zurück. Laut Daten von FranceAgriMer lagen die An-
Preise für ökologisch und konventionell erzeugte Kuhmilch in Deutschland 2025 (ab Hof, 4,0% Fett, 3,4% Eiweiß, in Cent/kg netto)
Preise für ökologisch und konventionell erzeugte Kuhmilch in Österreich 2025 (ab Hof, 4,0% Fett, 3,4% Eiweiß, in Cent/kg netto)
Bio-Heumilch: Durchschnittspreise von Naturland-zertifizierten Molkereien in Deutschland und Österreich (Jan-Okt. 2025, in Cent/kg netto) 4,0 % Fett und 3,4 % Eiweiß, inkl. S-Abschläge, mit Mengengewichtung
Quelle:
Quelle: Naturland Zeichen GmbH; Durchschnittspreise: Bioland (D), AMA (AT)
lieferungsmengen von Bio-Milch von Januar bis Juli 2025 nochmals 6,6 % unter dem Vorjahresniveau. „Die Branche tut sich schwer, sich zu erholen – Produktion wie Verbrauch bleiben unter Druck“, erklärt Corentin Puvilland, Ökonom beim Branchenverband CNIEL gegenüber der AMI. In Dänemark sank die Anlieferung 2024 ebenfalls zum dritten Mal in Folge, aber noch deutlicher als in Frankreich. Die Jahresmenge lag 2024 bei 633 Mio. kg und nähert sich damit der Menge Österreichs an. 2021 waren es noch 746 Mio. kg – der Rückgang beträgt somit 15 %. Der erneute Verlust um nahezu 60 Mio. kg belastet die Milchversorgung des gesamten europäischen Marktes stark.
Durchschnittspreise von Molkereien mit Naturland-Lieferanten in Deutschland (Jan-Okt. 2025, in Cent/kg netto)
Molkerei-Preise
Die Entwicklung auf Molkereiebene bleibt im Trend überall positiv – mit sehr unterschiedlichen individuellen Verläufen. Die aktuellen Durchschnittspreise liegen teilweise weit auseinander und variierten in den ersten zehn Monaten zwischen 60 und 71,5 Cent. Eine Gemeinsamkeit ist allerdings, dass die Monatspreise bei allen Molkereien seit Januar angehoben wur-
den, sodass alle Molkereien dieses Jahr deutlich bessere Auszahlungspreise als im Vorjahr haben. Bei einzelnen Molkereien liegt der durchschnittliche Milchpreis sogar um 9 Cent höher als der Jahresmittelwert 2024 mit Nachzahlung. In Österreich erfassen aktuell zwei deutsche und drei österreichische Naturland zertifizierte Molkereien Bio-Standardmilch von Naturland zertifizierten Be-
trieben. Der Großteil der Bio-Milch der österreichischen Naturland Molkereien verbleibt nach wie vor auf dem österreichischen Markt und muss sein Geld überwiegend dort verdienen. Der österreichische Bio-Milchpreis startete laut AMA im Januar drei Cent unter dem deutschen Bio-Milchpreis. Die österreichischen Naturland Landwirte erhalten überwiegend höhere Auszahlungspreise als die „nicht Naturland zertifizierten Betriebe“. Seit Januar sind auch in Österreich alle Naturland Preise angestiegen. Der Naturland Durchschnittspreis lag im September bei 64,5 Cent und im Oktober bei 65,7 Cent. Der letzte veröffentlichte AMA-Preis datiert vom September mit 63,1 Cent und damit 1,4 Cent unter dem Naturland Mischpreis. Im Vergleich zu Deutschland liegt der konventionelle Milchpreis in Österreich immer noch deutlich näher am Öko-Milchpreis. Der rechnerische Bio-Zuschlag lag zuletzt in Österreich bei 7,5 Cent.
Bio-Heumilch
Auch die Preise für Bio-Heumilch sind seit Januar bei den auf Seite 46 abgebildeten fünf deutschen und drei österreichischen Heumilch-Molkereien mit Naturland zertifizierten Lieferanten konstant und teilweise stark angestiegen. Die Bio-Heumilchpreise haben sich in beiden Ländern nicht ganz so stark wie jene von Standardmilch entwickelt, sind aber – Stand Oktober – dennoch um fast 4 Cent höher als noch im Januar. Der Jahresmittelwert liegt aktuell bei 67,3 Cent und damit 5,7 Cent höher als 2024. Die Naturland-Preise in Österreich unterscheiden sich weitaus weniger stark von den deutschen Preisen und liegen in den Größenordnungen der deutschen Heumilchverarbeiter.
Fettprodukte unter Druck
Während die Nachfrage nach Bio-Molkereiprodukten in diesem Jahr insgesamt deutlich anzieht, bleibt Bio-Butter die Ausnahme. Ob die aktuellen Preissenkungen im Einstiegssegment frischen Schwung bringen, bleibt abzuwarten. Im September senkten Lidl und Aldi auf-
Durchschnittspreise von Molkereien mit Naturland-Lieferanten aus Österreich (Jan-Okt. 2025, in Cent/kg netto)
Bayernland
Berglandmilch
Schlierbach
Käserei Stift
Milchwerke BerchtesgadenerLand
Salzburgmilch
Salzburgmilch mit Ja Natürlich *
Schlierbach mit PrüfNach *
Durchschnittspreis AT AMA ³
Durchschnittspreis Naturland AT ²
4,0 % Fett und 3,4 % Eiweiß ² mit Mengengewchtung ³ Die AMA Zahlen erscheinent 2 Monate Zeit verzögert
*Von allen Naturland Lieferanten erfülllt etwa die Hälfte der Betriebe zusätzlich noch den Prüf Nach oder Silberstandard und erhält dafür weitere Zuschläge
Info
Naturland Mitglieder erhalten den detaillierten Naturland Marktbericht dreimal jährlich per E-Mail. Hier finden Sie auch die durchschnittlichen Milchpreise der einzelnen Molkereien je Monat.
grund sinkender konventioneller Rohstoffpreise ihre Preise für Butter, auch Bio-Butter wurde im Preiseinstiegssegment um 50 Cent pro 250 g Ziegel gesenkt, andere Discounter zogen nach. Nach Butter senkten Lidl und Aldi im September auch die Käsepreise, Fettprodukte stehen also stark unter Druck. Für die Spezialisten unter den Molkereien werden die Verhandlungsrunden schwer. Ob und wie stark auch die weiße Linie betroffen sein wird, bleibt abzuwarten. Aufgrund der Milchmengen-Knappheit auf der Angebotsseite dürften die Bio-Milchpreise aber nicht sinken, wenn weiterhin die Marktgesetze gelten. Andererseits sind zu hohe Preisabstände zwischen Bio und konventionell absatzschädlich, Wechselkäufer greifen dann vermehrt wieder zu konventionellen Produkten.
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DIE
Futterschieber
Sie schieben rund um die Uhr. Zeitersparnis und Entlastung sind die Hauptargumente für eine Investition in automatische Futterschieber. Sie werden heute oft mittels Induktion oder Ultraschall gelenkt. Hier ein Überblick über das Angebot an automatischen Futterschiebern.
AUTOR
Heinz Röthlisberger
Landtechnik Schweiz
heinz.roethlisberger@ agrartechnik.ch
Das automatische Futteranschieben gehörte zu den ersten Routinearbeiten, für die im Rinderstall Roboter entwickelt wurden. Fuhren diese zunächst noch an fix montierten Schienen entlang, werden sie heute mittels Induktion oder Ultraschall gelenkt. Vertikale Trommeln, Bänder oder horizontale Schnecken übernehmen die Arbeit. Außerdem kann mit den Robotern Lock- bzw. Kraftfutter am Futtertisch verteilt werden – für Betriebe ohne Mischwagen eine interessante Option. Die Anschieber der verschiedenen Hersteller sind sehr individuell: vom Einbau über die Software bis hin zur Bedienung. Zum Einsatz kommen Anschiebe-Roboter vorwiegend in Milchviehställen und teilweise in der Rindermast.
Kein Futterstress
Landwirte erzählen immer wieder, dass Kühe, die noch nicht gefressen haben, mit der Zeit wissen, dass der Roboter erneut vorbeifährt und es dann wieder Futter geben wird. Dadurch wird das Konkurrenzverhalten innerhalb der Herde abgeschwächt, was insbesondere für erstlaktierende und rangniedere Kühe wichtig ist. Die Tiere sind ruhiger und entspannter, was sich positiv auf das Verhalten im Milchviehstall auswirkt. Aus der Praxis hört man oft, dass die Melkverteilung bei Melkroboterbetrieben vor allem nachts besser ist. Zudem kann Stress durch Rangkämpfe am Futtertisch oder am Melkroboter zu höheren Zellzahlen führen.
Zeitersparnis
Ein Futterschiebe-Roboter kostet aktuell – je nach Hersteller, Typ und Installation – zwischen 20.000 und 35.000 Euro. Das hängt von Faktoren wie Stallgröße, programmierten Routen, Zusatzausstattung und Wartungsvertrag ab. Hauptargument für die Investition ist die Zeitersparnis und der Wegfall von
CO-AUTOR
Konrad Maier
Beratung für Naturland k.maier@naturlandberatung.de
Routinearbeiten. Zur Verdeutlichung: Einer 40-köpfigen Milchviehherde werden jährlich ca. 600 Tonnen Futter am Futtertisch vorgelegt und mehrmals täglich angeschoben. Kühe gehen bei attraktivem Futter durchaus 10 bis 15 Mal zum Futtertisch. Das Futter sollte daher mindestens fünfmal täglich nachgeschoben werden – je öfter, desto besser.
kontinuierliches Futteranschieben
Steigerung der Grundfutteraufnahme hohe wirtschaftliche Rentabilität
Die Futterschieberoboter der verschiedenen Hersteller sind sehr individuell: vom Einbau über die Software bis hin zur Bedienung.
Hand aufs Herz, in welchem Betrieb geschieht dies im Jahresschnitt täglich mehr als fünfmal? In den meisten Milchviehbetrieben ist die Arbeitskraft ein (viel) zu knappes Gut. Mit dieser Technik kann eine Routinearbeit, die bei Arbeitsspitzen schnell leidet, deutlich verbessert werden.
Vorteil für Tiergesundheit
Von den Herstellern wird ins Feld geführt, dass ein Roboter Futteraufnahme und Milchleistung der Kuh steigern kann. Eine Diplomarbeit an der Höheren Fachschule am Inforama kam 2019 zum Fazit, dass zwar eine leichte Steigerung des Verzehrs und der Milchleistung feststellbar war, es aber keine signifikante Leistungssteigerung durch den automatischen Futterschieber gegeben habe. Hingegen habe sich das Verhalten der Kühe signifikant geändert: Sie seien ruhiger gewesen und hätten immer genügend gefressen. Zudem hat die angeführte Diplomarbeit erforscht, dass die Wiederkautätigkeit der Kühe beim Einsatz eines Futteranschiebers im Vergleich zum manuellen Anschieben erhöht war. Damit sind der Pansen und die mit ihm einhergehende Verdauung stabiler. Die Futterverwertung verbessert sich und die Gefahr von Acidosen, Ketosen und Klauenproblemen geht zurück. Aus einer amerikanischen Studie geht hervor, dass sich die Liegezeiten mit einem Anschiebe-Roboter verbessern können, da die Kühe wissen, dass es immer Futter gibt. Der Roboter schiebt je nach Einstellung 8- bis 14-mal pro Tag an.
Finanziert werden kann der Futterschiebe-Roboter in aller Regel nicht durch eine zusätzlich zu erwartende deutlich höhere Milchmenge, aber es können Arbeitskraftstunden eingespart und die Tiergesundheit erhöht werden. Gerade letzteres ist besonders im Öko-Betrieb von größter Bedeutung. Hier sollte eine gesunde Kuh immer an oberster Stelle stehen.
Detektor gegen Kollisionen
Einige der auf dem Markt erhältlichen Geräte sind vorne mit einer Förderschnecke ausgestattet (DeLaval, Wasserbauer). Es gibt aber auch runde Modelle, die beim Vorwärtsfahren um die eigene Achse rotieren (Rovibec, GEA, Lely, Joz, Hetwin, Schauer). Ein Kollisionsdetektor, der den Anschieber bei Anfahren eines Hindernisses zum Anhalten bringt, ist Standard. Nach Abschluss der Anschiebe-Arbeiten fahren die Roboter wieder zurück in ihre Ladestationen. In der Regel sind die Geräte mit einer Fernwartungsfunktion ausgestattet, die es sowohl dem Betriebsleiter als auch Hersteller bzw. dem Service erlaubt, bei Störungen jederzeit auf das System zuzugreifen.
Teils auch für Steigungen
Die automatisierten Futterschieber unterscheiden sich in einem weiteren Punkt: In der Technik, dank der die Strecke programmiert und abgefahren werden kann. Am häufigsten werden Magnetbänder oder Induktionskabel im Boden installiert, um die zu befahrende Route zu programmieren. Andere Modelle suchen sich mit 3D-Kameras, Ultraschallsensoren und Magnetsensoren ihren vorgegebenen Weg. Zwar ist ein völlig flacher Boden für alle Futterschiebermodelle generell am besten geeignet, es gibt aber auch Modelle, die bei einer Bodenneigung zwischen 2 und 15 % eingesetzt werden können. Die Programmierung der Einsatzstunden, Frequenz der Durchgänge, Schubkraft oder Intensität des Vorschubs werden auf der Maschine reguliert oder in einigen Fällen auch über den Computer, das Tablet oder das Handy des Nutzers. Wer sich nicht für ein bestimmtes Modell entscheiden kann, sollte sich eine Vorführung organisieren. Am besten auf einem Betrieb, wo der in Frage kommende Futterschieberoboter bereits im Einsatz ist.
Manche Futterroboter verteilen zusätzlich Lock- bzw. Kraftfutter am Futtertisch, wie hier in der Rindermast.
FUTTERSCHIEBEROBOTER
HERSTELLER/TYP/EIGENSCHAFTEN/IMPORTEUR
RoboPusher Nimbo von Sveaverken
Der Nimbo vom schwedischen Hersteller Sveaverken ist in der Lage, sich mithilfe von visueller Navigationstechnologie eigenständig im Stall zurechtzufinden. Mithilfe einer 3D-Kamera erkennt der Roboter Hindernisse. So kann nach Aussage von Sveaverken der Aufwand für den Umbau der Futtergasse reduziert werden. Es müssen nur Magnete um die Ladestation und jeweils am Anfang/ Ende der Futtergasse verlegt werden. Die Gesamtbreite des Nimbo beträgt 108 cm im Durchmesser. Er ist 112 cm hoch und hat ein Gewicht von 420 kg (optional 520 kg). Die Geschwindigkeit des Roboters kann zudem in drei Stufen über eine mobile Handy-App und Funkverbindung eingestellt werden. Eine Kraftfuttergabe ist nicht vorgesehen.
Ranger von Rovibec
Mit einer Geschwindigkeit von rund 30 Metern pro Minute gehört der Ranger vom kanadischen Hersteller Rovibec zu den schnellsten automatischen Futterschiebern am Markt. Er bewegt sich mithilfe eines in den Boden eingelassenen Magnetstreifens fort und schiebt so das Futter wieder zurück an die Fressplätze. Der Roboter passt sich an die vorliegende Futtermenge an und hat unbegrenzte programmierbare Abfahrten. Der Ranger kann über ein Mobiltelefon bedient werden und hat eine WLAN-Verbindung, sodass Betriebsstatus, E-Mail-Benachrichtigungen oder Ereignisaufzeichnung jederzeit abgerufen werden können. Rovibec bietet unterschiedliche Modelle des Rangers an, abhängig von der Kuhzahl im Stall. Der Ranger wiegt 610 kg, ist 84 cm hoch und 114 cm breit.
Faro von Schauer
Der Futteranschieber Faro der Firma Schauer aus Österreich kann während der Fahrt Lockfutter abgeben. Dies wird ermöglicht durch einen optimal aufgebauten Kraftfutterdosierer, so Schauer. Zudem ist es möglich, das Futter links und rechts anzuschieben. Das soll Zeit und Energie sparen und Leerfahrten verhindern. Durch seinen Selbstreinigungsmechanismus garantiert er einen hygienischen Fütterungsablauf. Futterreste können ohne weiteres während des Schiebens durch das automatische Öffnen der Räumerleiste entweichen. Der Roboter kann mithilfe einer App manövriert werden. Betriebsstatus und Log-Daten werden aufgezeichnet und sind jederzeit abrufbar. Der Faro wiegt 700 kg, ist 85 cm hoch und 110 cm breit.
HERSTELLER/TYP/EIGENSCHAFTEN/IMPORTEUR
Butler Gold Pro von Wasserbauer
Der Butler Gold Pro von Wasserbauer aus Österreich hat eine patentierte Förderschnecke, die zu einer optimalen Auflockerung und Durchmischung des Futters führt. Eine integrierte Reinigungsleiste stellt sicher, dass kaum Feinteile (Kraftfutter) am Boden zurückbleiben. Eine intelligente Ladestation bestimmt selbst, ob der Roboter geladen werden muss oder nicht. Der Butler Gold Pro hat eine Breite von 110 cm und ein Gewicht von 750 kg und orientiert sich über Magnetpins im Boden. Über das WLAN-Netzwerk kann ortsunabhängig auf das Gerät zugegriffen werden. Die Sensortechnik des Roboters umfasst eine Vielzahl von Funktionen. Zusätzlich kann der Futteranschieber mit einem Lockfutterbehälter mit bis zu zwei Komponenten aufgestockt werden. Der Butler ist baugleich mit dem Profeed 2020 von Happel und dem Futterschieber von Boumatic, der ebenfalls Butler heisst.
Moov 2.0 von JOZ
Der Moov 2.0 vom holländischen Hersteller JOZ funktioniert mit einem Transponder und kann innerhalb oder ausserhalb des Stalls stehen. Die Routen stellt der Benutzer selbst ein. Es kann eine unbegrenzte Anzahl von Routen gefahren werden. Der Futteranschieber kann links- und rechtsrum drehen. Dadurch soll keine Leerfahrt entstehen und der Roboter effizienter arbeiten. Der Moov 2.0 kann zudem die Schürze anheben, um Hindernisse und Steigungen zu überwinden. Mit einer Geschwindigkeit von 12 Metern die Minute ist der Roboter auch für grössere Ställe geeignet, so der Hersteller. Der Moov 2.0 hat eine Gesamtbreite von 128 cm, bei einer Höhe von 101,5 cm und einer Länge von 128 cm. Das Gewicht beträgt 680 kg.
OptiDuo von DeLaval
Der OptiDuo hat die Doppel-Funktion Aufschieben und Mischen. Die Schnecke mischt das Futter neu und sorgt dafür, dass das Futter aufgelockert wird. Eine Gummilippe sorgt für einen sauberen Futtertisch ohne Schmierschichten. Mit dem «e Adaptive Drive System» kann sich der OptiDuo an unterschiedliche Futtermengen anpassen. Zudem ist der Futterschieber in der Lage, mit Steigungen bis zu 5 % fertig zu werden. Die Orientierung erfolgt über ein im Boden eingelassenem Induktionskabel. Der OptiDuo wiegt 560 kg ist 120 cm breit und 100 hoch. Der optionale Kraftfutterdosierer fasst rund 90 Liter. Während des Schiebens fährt der Roboter rund 8,5 Meter pro Minute. Er wechselt selbsttätig die Spur, sollte einmal zu viel Futter auf der Strecke liegen.
HERSTELLER/TYP/EIGENSCHAFTEN/IMPORTEUR
DairyFeed F4800 von GEA
Positionsermittlung und Streckenführung des vollautomatischen Futterschiebers DairyFeed F4800 von GEA aus Deutschland erfolgt per Transponder, Sensortechnik und Gyroskop – behinderungsfrei eingelassen in den Stallboden. Mit der Software können spezielle Zeit- und Routenpläne festgelegt werden, um die Bedürfnisse bei der Fütterung verschiedener Kuhgruppen zu erfüllen. Der DairyFeed F4800 kann seine Trommelschürze per Liftfunktion anheben. Dadurch kann der Roboter Unebenheiten, Höhenunterschiede oder Bodenschwellen gut meistern. Selbst Böden mit Gefälle oder Steigung bis 15 Prozent können so laut Hersteller problemlos befahren werden. Die Breite misst 138 cm, das Gewicht beträgt rund 720 kg. Eine Kraftfuttergabe ist nicht vorgesehen.
Stallboy von Hetwin
Den Stallboy von Hetwin aus Österreich gibt es in der größeren Variante Feed (Gewicht 620 kg) und in Kompakt-Bauweise Light (470 kg). Durch die separat angetriebene Anschiebetrommel verfügt der Stallboy über eine starke Schiebeleistung. Die Futternacherwärmung wird laut Hersteller reduziert, da das Futter beim Nachschieben nicht aufgelockert wird. Optional können mittels Kraftfutteraufsatz auch kleine Mengen an Lockfutter auf das Grundfutter gestreut werden (nur Modell Feed). Automatisches Nachschieben des Futters um fünf Zentimeter näher an das Fressgitter alle zwei Stunden. Der Roboter orientiert sich an den im Boden versenkten Referenzmagneten und fährt somit schienenlos durch den Stall. Hersteller Lemmer Fullwood bietet den Hetwin-Roboter unter dem Namen FeedRover an.
Juno J2 von Lely
Lely hat den bereits 2008 vorgestellten Juno-Futterschieber stetig weiterentwickelt. Ziel bei der Entwicklung des J2 war es laut Lely, die Wartungsfreundlichkeit zu optimieren und Betriebskosten zu senken. Der Roboter ist mit Ultraschallsensoren und Magnetsensoren ausgestattet und folgt den Fressgittern per Ultraschall auf beiden Seiten des Futtertisches. Dabei hält der Roboter selbstständig weitere Abstände zum Fressgitter, wenn viel Futter registriert wird und fährt näher heran, wo weniger Futter liegt. Zudem kann der Juno J2 auch außerhalb des Stalls fahren. Eine Kraftfuttergabe ist nicht möglich. Der Juno hat eine Breite von 110 cm bei einer Höhe von 115 bis 155 cm. Das Gewicht beläuft sich auf 620 Kilogramm. Neu für Großbetriebe gibt es seit kurzem den Juno Max.
Fotos: Heinz Röthlisberger, Agrarfoto
Beratung für Naturland m.schwienhorst@ naturland-beratung.de
KLAUENBADSYSTEME IM VERGLEICH
Bad, Matte oder Dusche?
Eine gute Klauenhygiene ist entscheidend für Tierwohl und Leistung. Klauenbad, -matte oder -dusche können dabei wirkungsvoll unterstützen – wenn sie richtig eingesetzt werden.
Lahmheit ist nicht nur eine der häufigsten Abgangsursache bei Milchkühen, sie bewirkt auch Fruchtbarkeitsstörungen, geringere Milchleistung sowie erhöhte Anfälligkeit für Stoffwechselerkrankungen. Bei Melkroboter-Betrieben sind Lahmheiten doppelt nachteilig, denn durch erhöhten Nachtreibeaufwand kann der Arbeitszeitbedarf deutlich steigen. Der wirtschaftliche Schaden, den Lahmheiten verursachen können, ist somit bedeutsam. Hervorgerufen werden sie vor allem durch Bakterien wie Mortellaro oder auch durch falsche Fütterung, Fehlbelastungen und Druckstellen. Kühe sind Weichbodengänger und können ihre Klauen an harten und abrasiven Stallböden nicht gleichmäßig belasten. Die Außenklaue wird auf dem harten Stallboden stärker belastet als die Innenklaue, was zu druckbedingten Klauenerkrankungen führen kann.
Voraussetzung im Stall
Durch gute Klauenhygiene können Lahmheiten vorgebeugt und Tiergesundheit sowie Tierwohl der Herde verbessert werden. Am wichtigsten für gute Klauenhygiene sind ein sauberer Stall und möglichst gute und trockene Triebwege beim Weidegang. So kann das Risiko für direkte und indirekte Krankheitserreger schon deutlich verringert werden. Ebenfalls entscheidend sind saubere und trockene Laufgänge sowie trockene Liegeflächen, in denen die Tiere gerne und lange liegen.
Das Klauenbad und seine Varianten
Auch ein Klauenbad kann die Klauenhygiene positiv beeinflussen. Da ein zu hoher Einsatz von Medikamenten im Öko-Betrieb immer vermieden werden sollte, wollen wir eine pauschale Anwendung bei guter Klauengesund im Betrieb nicht empfehlen. Die Anwendung soll tatsächlich nur dann stattfinden, wenn ein Bedarf vorliegt. Dies sollte am besten mit dem Tierarzt besprochen werden.
Klauenbäder gibt es in vielen verschiedenen Varianten, wobei das klassische Klauenbad die bevorzugte Art auf hiesigen Betrieben ist. Die Varianten können als fixe Konstruktionen oder auch als portable Systeme in den Stall integriert werden. Damit ein Klauenbad effektiv zur Klauenhygiene beitragen kann, sollte es regelmäßig, z.B. nach 200 Tierdurchgängen, ausgetauscht werden. Dabei empfiehlt es sich, das Klauenbad zweimal die Woche zu den Melkzeiten anzuwenden. So bleibt die investierte Arbeitszeit relativ gering. Wird das Klauenbad zu oft angewendet, können die Klauen austrocknen. Verletzte Tiere, die offene Wunden aufweisen, sollten die Wanne nicht betreten, da das Reinigungsund Desinfektionsmittel in den Verletzungen brennt.
Die Klauenbadwanne
Bei einem klassischen Klauenbad durchlaufen die Kühe eine mit Wasser und einem Klauenpflegemittel gefüllte Wanne, dabei sollen Krankheits-
erreger und Bakterien auf der Klaue abgetötet werden. Am effektivsten ist es, wenn vor der Wanne eine weitere mit Wasser gefüllte Wanne zur Verfügung steht, somit können grobe Verschmutzungen auf der Klaue abgewaschen werden. An einer sauberen Klaue haftet das Mittel im Klauenbad besser und kann somit seine Wirkung besser entfalten. Dabei ist auch darauf zu achten, dass die Kühe mit jeder Klaue durch die Wanne laufen. Eine Wannenlänge von 3 bis 3,7 m ist optimal dafür. Als erster Schritt ist eine Anlernphase ratsam. Die Kühe sind an das Wasser nicht gewöhnt und durchlaufen die Wanne zum Teil zu schnell oder versuchen sogar, sie zu überspringen. Außerdem koten die Kühe auch vermehrt in die Wanne, was eine Minderung der Wirkung zur Folge hat. Beginnen Sie daher erstmal ohne Wasser in den Wannen und steigern Sie nach und nach die Mengen.
Die Klauenmatte
Die Klauenmatte ist eine Variante des Klauenbades, bei dem die Kühe über eine Matte gehen und die Klauen gleichzeitig eingeschäumt werden. Sobald die Kühe an die Matte gewöhnt sind, überqueren sie diese besser und koten weniger. Sofern die Klauen richtig benetzt werden, ist die Matte sehr wirkungsvoll und arbeitssparend. Eine Reinigung ist allerdings oft aufwändiger als beim Klauenbad, es gibt jedoch auch Matten, die sich selbst reinigen können. Selbstreinigende Matten sind freilich deutlich teurer als die normalen Standardmatten.
Der Klauenschaum
Der Klauenschaum ist eine weitere Variante des Klauenbades. Er hat eine andere Zusammensetzung als die Reinigungs- und Desinfektionsmittel, die in der Klauenmatte und dem Klauenbad verwendet werden. Er benetzt als Schaumteppich die Klaue und bewirkt somit eine Reinigung für mehrere Minuten. In der Praxis wird der Klauenschaum kaum angewendet. Der Boden muss hierfür zwingend planbefestigt und darf nicht abschüssig sein, da der Schaum sonst zerfließt. Nachteilig ist
1 Mit Wasserstrahlen sorgt die Klauendusche für saubere Klauen – automatisch und mit individuell einstellbarer Reinigungszeit.
2 Mit dem GEA PedicoSprayer erfolgt die Klauenpflege automatisch im Melkstand – direkt nach dem Melken für optimale Hygiene und gesunde Klauen.
3 Beim Überqueren der Klauenmatte werden die Klauen eingeschäumt und gereinigt – eine einfache, wirkungsvolle und arbeitsarme Methode zur Klauenpflege. 1 2 3
außerdem, dass Klauenschaum in der Anschaffung relativ teuer ist und viel Produkt verloren geht.
Die Klauendusche
Die Klauendusche ist eine Alternative zum Klauenbad, die in Betrieben eher selten zu finden ist. Hierbei werden die Klauen mit Bürsten oder Wasserstrahl sauber gespült und es kann optional ein Reinigungsund Desinfektionsmittel auf die Klaue aufgetragen werden. Die Reinigungszeit kann hierbei individuell eingestellt werden. Oft sind diese Klauenduschen Lichtschranken-gesteuert, somit werden sie automatisch entleert und gefüllt. Das bedeutet für den Landwirt eine Arbeitserleichterung. Die Klauendusche muss immer an einem festen Standort stehen und kann nicht flexibel auf- und abgebaut werden. Investition und Anschaffungskosten einer Klauendusche sind sehr hoch und zudem hat die Klauendusche einen hohen Wartungsaufwand.
Die Rückenspritze
Eine gute Alternative zum Klauenbad stellt das Besprenkeln der Klauen mit einer Rückenspritze dar. Hierbei hat man einen geringeren Produktaufwand, aber einen deutlich höheren Arbeitsaufwand.
Auf der FibL-Betriebsmittelliste für den ökologischen Landbau lassen sich u.a. folgende Klauenpflegemittel finden: „PA-FEET 5“ und „PODOFEET MAX“ von der Firma Kersia Deutschland GmbH, „HooFoss“ von der Firma Deutsche Vilomix Tierernährung GmbH , „Intra Eco-Bath“ von der Firma Intracare B.V. oder „FINK-FC-MO“ von der Firma FINK TEC GmbH.
Kurz & knapp
Das A und O einer guten Klauenhygiene ist Sauberkeit im Stall, eine aufmerksame Tierbeobachtung und ein angepasstes Management mit wiederkäuergerechter Fütterung. Entscheidend sind saubere Laufgänge, trockene Liegeflächen und eine gute Stallhygiene. Nur wer Lahmheiten früh erkennt und konsequent handelt, kann Tierwohl, Leistung und Wirtschaftlichkeit langfristig sichern. Klauenbad, Klauenmatte oder Klauendusche unterstützen die Pflege wirkungsvoll, wenn sie regelmäßig, richtig dosiert und mit geeigneten Pflegemitteln eingesetzt werden. Die Anwendung sollte stets mit dem Tierarzt abgestimmt sein, um die Klauengesundheit gezielt zu fördern. Sollten Kühe akute Lahmheit aufweisen oder an den Klauen verletzt sein, dann ist es zwingend notwendig, die Kühe in einem Klauenpflegestand zu behandeln. Eine konsequente Klauenpflege fördert Tierwohl, Leistung und die Wirtschaftlichkeit.
Falls Sie ein anderes Klauenpflegemittel favorisieren, überprüfen Sie vor dem Einsatz, ob Sie es in der FiBL-Betriebsmittelliste finden können. Andernfalls fragen Sie bei der Beratung für Naturland nach, ob Ihr Mittel zulässig ist. Gerade im Bereich der Biozidhaltigen Klauenpflegemittel ist dies ratsam.
BIOFUTTER
Maren Maitra, Tel. 0172 446 0465 maitra@bio-futter.sh für Schleswig-Holstein Thies Thamling, Tel. 0162 765 4297 thies.thamling@bio-futter.sh
Fotos: Schippers, GEA, Naturland / Annette Alpers
Aktuelles zu
WEIDE
Rund um die Weideverpflichtung herrschte zuletzt viel Bewegung und auch Verunsicherung. Hier fassen wir kurz zusammen, welche Regelungen und Fristen nun gelten.
Seit 2025 müssen auch in Deutschland grundsätzlich alle Pflanzenfresser (Rinder, Schafe, Ziegen und Equiden) auf die Weide. Diese Regelung ist das Ergebnis eines von der EU-Kommission angestrengten Pilotverfahrens. Betriebe, die aufgrund struktureller Bedingungen wie Straßen, Innerortslage oder
großen Entfernungen ihre Rinder nicht auf die Weide bringen können, können dies nicht mehr über einen Auslauf und Grünfütterung im Stall ausgleichen. Das Jahr 2025 galt als „Übergangsjahr“, in dem die Umsetzung noch nicht zu 100 % erfolgt sein musste. Alle Betriebe müssen ein Weidekonzept er-
stellen, dass aufzeigt, wie die Umsetzung für alle Tiergruppen zukünftig erfolgen kann. Nachdem deutlich wurde, dass die EU-Kommission Änderungen in der EU-Ökoverordnung vornehmen wird, haben Betriebe, die nicht schon im kommenden Jahr „100 % Weide“ erreichen können, Spielraum bis 2028 ge-
Fotos: Naturland
wonnen: Vorausgesetzt sie legen schon jetzt ein Konzept vor, das darlegt, mit welchen Maßnahmen allen Tiergruppen Weidegang gewährt werden kann (z. B. Umstellung neuer Flächen, Einsaat von Ackerflächen, Um-/ Neubau von Ställen). Zudem muss von Jahr zu Jahr ein Fortschritt deutlich erkennbar sein (z.B. Weidezugang für weitere Tiergruppen, Baufortschritt etc.). Darüber hinaus fordern wir weiterhin, dass die starre Umsetzung der Weidevorgaben flexibler werden muss, um unnötige Härten auf den Betrieben zu vermeiden.
Was hat Naturland gemacht?
In dem Prozess hat sich Naturland, insbesondere der ehemalige Präsident Hubert Heigl, seit langem intensiv dafür eingesetzt, dass die Anforderungen und Probleme der Praxis berücksichtigt werden. Auch wenn es immer wieder Zeiten gab, in denen kaum Anlass zur Hoffnung bestand, insbesondere, nachdem die EU-Kommission ihre Haltung in Österreich durchgesetzt hatte. Als diese auch auf Deutschland übertragen werden sollte, hat dies zu einem
Unsere Beraterinnen und Berater haben bei der Erstellung des Weidepapiers die Sorgen und Nöte der Praktiker eingebracht.
AUTOR
Marcus Nürnberger
Naturland e.V. m.nuernberger@ naturland.de
weiteren langen und zähen Ringen auf allen Ebenen geführt, in dem zunächst alle AuslegungsMöglichkeiten im Mittelpunkt standen. Unsere Beraterinnen und Berater haben sich deshalb intensiv bei der Erstellung des LÖK-Weidepapiers eingebracht und die Sorgen und Nöte der Praktiker vertreten, um kurzund mittelfristig Probleme in der Umsetzung abzufedern. Parallel dazu hat Naturland in einem breiten Bündnis mit Bioland, Demeter, Demeter Österreich sowie dem Deutschen und dem Bayerischen Bauernverband in den Bundesländern, beim deutschen Landwirtschaftsminister Rainer und auch in direkten Gesprächen mit Agrarkommissar Hansen auf die Notwendigkeit einer Anpassung der Vorgaben in der EU-Öko-Vorordnung gedrängt.
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gehen ins Grüne Jungtiere
AUTORIN
Birgit Waterloh
Landwirtschaftsverlag
Redaktion Wochenblatt & top agrar
birgit.waterloh@ wochenblatt.com
Die ökologisch aufgezogenen Junghennen dürfen bei Claas Deetjen so früh wie möglich den Auslauf erobern. Oregano im Futter hilft, den Darm zu stabilisieren. Allerdings verursachen Greifvögel einige Verluste.
Bereits seit zwölf Jahren zieht Claas Deetjen Junghennen auf. Zusammen mit Dr. Jan Janssen, einem Arzt, betreibt er zwei Ställe in Westerstede. Diese beherbergen jeweils 38.400 Junghennen. Ökologisch wird hier schon von Anfang an gearbeitet. Janssen züchtet Welsh-Black-Rinder, ebenfalls nach Ökorichtlinien. Deetjen und er sahen in der Ökoaufzucht von Hühnern das größte Potenzial.
Landwirt Deetjen wollte sich eigentlich langsam an die Geflügelhaltung herantasten und seine 60 Kühe vorerst weiter-
< In der ökologischen Junghennenaufzucht ist ein Auslauf obligatorisch. Hier bieten Binsen den Tieren Schutz.
melken. Die Aufzucht lief jedoch so gut an, dass er sich bereits kurz nach dem Start mit dem ersten Stall von seinen schwarz-bunten Holstein Friesians trennte.
Ein Mix aus Weiß und Braun
Kooperationspartner der Dr. Janssen und Deetjen GbR ist die Bio-Aufzucht Gudendorf-Ankum. Aktuell werden LSL Lite Europe sowie Lohmann Brown-Classic Junghennen aufgezogen, in einigen der jeweils vier Abteile pro Stall auch zusammen. Alle Tiere sind bereits beim Einstallen an die zukünftigen Legehennenhalter verkauft.
Weiße und braune Herkünfte haben teilweise andere Ansprüche an die Haltung, beispielsweise reagieren weiße sensibler auf Licht. Wie in der Aufzucht üblich, verkürzt Deetjen nach der Einstallung der Küken die Länge des
Lichttages schrittweise. Weiße Herkünfte erhalten ab der neunten Lebenswoche noch neun Stunden Licht pro Tag, braune eigentlich eine Stunde mehr. Bei gemeinsamer Aufzucht sind jedoch die weißen Tiere maßgeblich.
Aus Deetjens Sicht profitieren die Tiere durchaus von der gemeinsamen Aufzucht. So sind die Lohmann Brown-Classic seiner Erfahrung nach eher träge und werden von den weißen Hennen zu mehr Bewegung animiert. Umgekehrt wirkt sich die Anwesenheit der braunen Tiere beruhigend auf die weißen aus, sodass sie sich in stressigen Situationen weniger aufregen.
Nach ihrer Ankunft werden die Küken kistenweise (jeweils 80 Küken) in die geschlossene Voliere der ersten und zweiten Etage eingestallt. Mit etwa 38 °C ist es anfangs mollig warm im Stall. In
den großen Abteilen verbringen die Küken die ersten drei Wochen auf Kükenpapier. Die Reste des Kükenpapiers werden nach dem Öffnen der Volieren zerkleinert und auf dem mit Hobelspänen eingestreuten Boden verteilt.
Augenmerk auf Kokzidien
Die Impfung gegen Kokzidien erfolgt zuvor in der Brüterei. Im Zuge der Immunisierung müssen die Jungtiere bestimmte Entwicklungsstadien der Kokzidien (Oozysten) wieder aus dem Kot aufnehmen. Dies ist wichtig für eine vollständige Immunisierung gegen Kokzidiose, die sich über einen Zeitraum von vier Wochen erstreckt. Damit die Entwicklungsschritte sicher ablaufen, ist eine ausreichende Luftfeuchtigkeit im Stall vonnöten, bei Bedarf stellt Deetjen die Vernebelung an.
Warum Deetjen die Immunisierung gegen Kokzidien besonders
Claas Deetjen hat viel Freude an der ökologischen Junghennenaufzucht. In einigen Abteilen zieht er weiße und braune Junghennen gemeinsam auf.
im Blick behalten muss, erklärt Ann-Kathrin Reinhard, Produktionsleiterin Junghenne bei der Bio-Aufzucht Gudendorf-Ankum: „In einer Bioaufzucht ist der Felddruck von Kokzidien höher, weil keine Kresole zur Stalldesinfizierung zugelassen sind“, erklärt sie.
Wenn die Volieren nach drei Wochen geöffnet werden, hat Deetjen vorübergehend mehr zu tun. „Ich muss die Tiere abends hochsetzen“, erklärt er. Dies ist aber nur an den ersten zwei Abenden etwas zeitaufwendiger, bereits ab der dritten Nacht haben die meisten Tiere verstanden, wo sie schlafen sollen. Vorerst ist der Zugang unter den Volieren noch abgesperrt. Das erleichtert die Tierkontrolle und verhindert, dass sich Tiere dorthin zurückziehen und nicht mehr zu Futter und Wasser finden. Etwa ab der fünften Woche schiebt Deetjen die Absperrplatten unter den Volieren dann zur Seite. Ein letzter Schritt ist die Öffnung der obersten Volierenetage bis zum Ende der siebten Lebenswoche. Ab dann können die Junghennen sich im gesamten Stall bewegen.
Auf Gewicht bringen
Deetjen ist auch Naturland zertifiziert. Deshalb darf er im Stall ab der elften Woche maximal 13 Tiere/m2 begehbarer Fläche halten. Das sind fünf Tiere weniger als bei konventioneller Aufzucht. Nach EU-Öko-VO darf eine maximale Besatzdichte von 21 kg/m2 nutzbare Bewegungsfläche erreicht werden.
Lediglich unterbrochen durch eine Nadelimpfung in der 12. bis 14. Woche läuft die Aufzucht ruhig bis längstens zur 18. Woche weiter, je nach Kundenwunsch. „Dann müssen die Junghennen raus sein“, sagt Reinhard. Der Grund: Ist die 18. Woche vollendet, gelten die Tiere laut EU-ÖkoVO als Legehennen und haben andere Haltungsvorgaben.
Wie Reinhard erläutert, ist Fingerspitzengefühl entscheidend, um die Tiere gewichtsmäßig auf den Punkt zu bringen. Angestrebt wird bei den braunen Tieren eine Uniformität von 85 % bei einem Ausstallgewicht von 1.400 g. Bei den LSL Lite Europe-Hennen wird
Ann-Kathrin Reinhard ist Expertin für die ökologische Junghennenaufzucht.
eine Uniformität von 95 % angepeilt, das Gewicht sollte bei 1.250 g liegen.
Deetjen muss seine Tiere daher sehr genau im Blick haben. Zwar soll das angestrebte Gewicht er-
An den Ausgängen des Kaltscharrraumes bieten die Stängel der Melde den aktuell 13 Wochen alten Junghennen Schutz.
„ Am Anfang waren die weißen Hühner viel hibbeliger.“ Claas Deetjen beschreibt den Zuchtfortschritt.
reicht werden, andererseits können zu schwere Tiere zu früh mit dem Legen beginnen oder verfetten.
Entscheidend ist in diesem Punkt das Futter. Im Ökobereich sind für Jungtiere noch 5 % konventionelle Bestandteile erlaubt, wobei aufgrund der guten Aminosäurenausstattung häufig Kartoffeleiweiß eingesetzt wird. Synthetisches Lysin oder Methionin wie in der konventionellen Aufzucht zuzugeben, ist im Biobereich nicht erlaubt.
Schärfste Regelung erfüllen
Nach dem Beginn des Lichttages hat der Landwirt eine Blockfütterung eingerichtet. So erhalten auch rangniedrige Tiere ausreichend Möglichkeiten, alle Futter-
bestandteile aufzunehmen. Über die gesamte Aufzucht kommen vier verschiedene Phasenfutter zum Einsatz, mit der Konzeption kommen sowohl die weißen als auch die braunen Tiere zurecht. Im Stall ist die Gabe von Raufutter Pflicht. Neben den Picksteinen können die Biohennen deshalb auch an Luzerneballen picken.
Deetjen, der morgens und abends jeweils zwei bis drei Stunden im Stall verbringt, ist mit der Ökoaufzucht sehr zufrieden. In den zwölf Jahren hat er bislang nur zwei Herden mit Medikamenten behandeln müssen. Über diesen Zeitraum konnte er eine Weiterentwicklung der Zucht beobachten. „Am Anfang waren die weißen Hühner viel hibbeliger“, sagt er. Was ihn manchmal fordert, sind die unterschiedlichen Haltungsvorschriften, die
es zu erfüllen gilt. „Da steigt man manchmal nicht mehr durch“, sagt er. Egal welche Anforderung, ob KAT, EU-Öko-VO oder Naturland, es muss die jeweils schärfste Regelung erfüllt werden. Dabei steht ihm Ann-Kathrin Reinhard zur Seite. Sie kontrolliert auch die von Deetjen übermittelten wöchentlichen Gewichte aus den Wiegungen sowie die Tierverluste. Bei Auffälligkeiten hält sie Rücksprache mit ihm. Während der Aufzucht kommt Reinhard mindestens vier Mal auf den Hof, um die Tiere selbst zu begutachten. Regelmäßig schaut sich zudem der bestandsbetreuende Tierarzt die Herden an. Dank der guten Zusammenarbeit aller Beteiligten schafft Deetjen in den 18 Wochen die Basis dafür, dass die Biohennen auf dem Legebetrieb über eine lange Zeit hohe Leistungen erbringen.
Fotos: Waterloh, Lohmann
DIE FLÄCHE DES GRÜNAUSLAUFS
REICHT AKTUELL NOCH AUS
In den Auslauf sollen die Tiere laut EU-Öko-VO so früh wie möglich. Die Voraussetzung hierfür ist, dass die physiologische und physische Konstitution der Tiere dies gestattet. Deetjen lässt seine Jungtiere meist ab der achten Woche in den Grünauslauf. Dieser ist seit Januar 2021 in der Biohaltung vorgeschrieben. Bei Neubauten muss 1 m2/Tier vorhanden sein. Bestandsbetriebe, die bei Inkrafttreten der neuen Regelung bereits über einen Grünauslauf von mindestens 0,5 m2/Tier verfügten, haben eine Übergangsfrist bis zum 31. Dezember 2029.
Bei Deetjen liegen insgesamt 5,5 ha Auslauf an den beiden Ställen, das sind 0,7 m2/Tier. Wenn er in vier Jahren mehr Fläche vorhalten muss, wird sich der Auslauf, der jetzt nur an jeweils einer Längsseite der Ställe angrenzt, auch auf die andere Seite erstrecken müssen. Ein Kaltscharrraum ist dort bereits vorhanden, wird aber aktuell nicht von den Tieren genutzt. Deetjen hat die Erfahrung gemacht, dass dies Vorteile hat. „Ist der Stall an beiden Seiten offen, zieht es mehr“, sagt er. Dem Geflügelhalter ist wichtig, dass die Jungtiere gesund bleiben, deshalb lässt er sie bei ungünstigen Witterungsbedingungen auch im Stall.
Glücklicherweise hat er die beiden Ställe nicht nebeneinander, sondern längs hintereinander gebaut. „Beim Bau damals gab es schon Gerüchte, dass
zukünftig ein Grünauslauf Pflicht werden könnte“, erläutert er. Weil er angrenzend an die anderen Längsseiten ebenfalls über genügend Fläche verfügt, kann er der verschärften Anforderung gelassen entgegensehen.
Im Auslauf müssen zwei verschiedene Unterschlupfmöglichkeiten bzw. Strukturelemente für die Junghennen vorhanden sein. Neben den vorhandenen Schutzhütten zählt hierzu auch der Aufwuchs der Binsen.
Eine spezielle Auslaufpflege betreibt Deetjen nicht. „Ab und zu wird gemulcht“, erklärt er. Das mit den Hühnern gehaltene Biodamwild hält den Aufwuchs kurz. Auch weil jeweils zehn Wochen Pause zwischen einer erneuten Nutzung durch die Junghennen liegen, hat sich bisher kein Wurm- oder Keimdruck aufgebaut. Zur Stabilisierung des Darmes erhalten die Junghennen mit dem Gang ins Freie zusätzlich Oregano im Futter. Probleme mit Würmern hat Deetjen bislang nicht gehabt. Die in der 15. Lebenswoche gezogenen Kotproben waren stets negativ. Dass die Tiere so gesund durchlaufen, ist nach Reinhards Ansicht auch dem speziell angepassten Impfprogramm zu verdanken. Tierverluste entstehen meist nur, wenn Greifvögel im Auslauf zuschlagen.
Birgit Watterloh
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SENKEN Saugferkelverluste
Die ökologische Sauenhaltung ist vielfältig – und genau das macht sie so lernfähig. ProFerkel hat diese Vielfalt erstmals systematisch erfasst und zeigt, welche Faktoren die Saugferkelverluste maßgeblich beeinflussen.
Wo liegen die durchschnittlichen Leistungen der Öko-Ferkelerzeugung? Und welche Maßnahmen zeigen in der Praxis die größte Wirkung, wenn es um die Reduktion der Saugferkelverluste geht? Antworten auf diese Fragen soll ProFerkel geben, ein Gemeinschaftsprojekt der Öko-Verbände Bioland und Naturland sowie des Forschungsinstituts für Nutztierbiologie in Dummerstorf. Ziel des Projekts: Im ersten Schritt eine breit angelegte Ist-Analyse der ÖkoFerkelerzeugung in Deutschland. Daraufhin sollten praxisbezogene Ansätze zur Reduzierung der Saugferkelverluste erarbeitet werden.
Status Quo
In der ersten Phase erfolgte eine umfangreiche Bestandsaufnahme. Insgesamt beteiligten sich 62 ökologische Ferkelerzeuger mit sehr unterschiedlichen Betriebsstrukturen, Haltungsformen und Genetiken. Die Auswertung dieser Projektphase zeigt: Die ökologische Sauenhaltung in Deutschland ist geprägt von einer beeindruckenden Vielfalt. Sie reicht von kleinen Familienbetrieben mit weniger als zehn Sauen bis hin zu spezialisierten Ferkelerzeugern mit über 900 Muttertieren – im Durchschnitt werden rund 125 Sauenplätze bewirtschaftet. Ebenso breit gefächert sind die Leistungen: Die Zahl der lebend geborenen Ferkel liegt zwischen neun und 18 pro Wurf, durchschnittlich bei 14,1. Die Saugferkelverluste bewegen sich zwischen 5,9 und 36 %, im Mittel bei etwa 16,4 %. Pro Sau und Jahr werden durchschnittlich 20,3 Ferkel abgesetzt – die Spanne reicht von sechs bis zu 30 Ferkeln. Diese großen Bandbreiten zeigen, dass viele Betriebe noch Potenzial haben und Beratung, Forschung und Praxis von Betrieben lernen können.
Leistungszahlen kennen
Zur Vielfalt trägt ebenfalls die eingesetzte Genetik bei: Von traditionellen Rassen wie dem Angler Sattelschwein bis hin zu modernen Hochleistungsgenetiken bietet die ökologische Ferkelerzeugung die gesamte Bandbreite. Diese Unterschiede spiegeln auch die individuellen Betriebsstrukturen und Strategien wider, mit denen die Betriebe Tiergesundheit, Wirtschaftlichkeit und Tierwohl gezielt fördern und weiterentwickeln wollen. Deutlich wurde jedoch auch: Auf vielen Betrieben besteht noch Verbesserungsbedarf bei der Dokumentation der Leistungskennzahlen – dabei sind sie der Schlüssel, um Schwachstellen
AUTORIN
Gretha Schnieders
Beratung für Naturland g.schnieders@ naturland-berartung.de
zu erkennen und gezielt gegenzusteuern. Eine gute Datengrundlage ist dafür entscheidend.
Best-Practice-Leitfaden
Das sind erste Erkenntnisse aus dem Projekt ProFerkel. In der nächsten Projektphase werden ausgewählte Betriebe intensiver begleitet, um praxisnah zu untersuchen, welchen Einfluss Tiergesundheit, Hygiene und Fütterungsmanagement auf die Ferkelverluste haben. Abschließend soll ein Best-PracticeLeitfaden entstehen, der erfolgreiche Strategien zur Minimierung von Saugferkelverlusten zusammenfasst und für die Praxis nutzbar macht.
Stabile Temperaturen im Ferkelnest sowie gezielter Wurfausgleich wirken sich positiv auf das Überleben der Ferkel aus.
Fotos:
Elisabeth Hofinger, Gretha Schnieders
Zusammenhang der durchschnittlichen Saugferkelverluste und der Zahl gesamtgeborener Ferkel je Wurf bei Betrieben mit hinreichend gesicherter Datenlage.
Trotzdem geben die Daten wertvolle Hinweise für die Praxis. Oft waren die Saugferkelverluste sichtbar geringer, wenn bestimmte Maßnahmen umgesetzt wurden – selbst wenn dieser Effekt aufgrund der stark variierenden Rahmenbedingungen nicht wissenschaftlich „beweisbar“ war.
Die fehlende statistische Signifikanz ist Ausdruck der heterogenen Ausgangssituationen in der ökologischen Ferkelerzeugung. Die große Spannbreite an unterschiedlichen Betrieben macht es schwer, eindeutige Effekte isoliert darzustellen – aber genau diese Vielfalt spiegelt die ökologische Praxis authentisch wider.
• Genetik und Wurfgröße: Moderne Genetiken gehen häufig mit größeren Würfen und höheren Absetzleistungen einher, allerdings steigen mit zunehmender Wurfgröße auch die Ferkelverluste.
• Kolostrum und Wurfausgleich: Die Kolostrumaufnahme ist von entscheidender Bedeutung für das Überleben der Ferkel und kann durch das Ansetzen der Ferkel unterstützt werden. Auch durch einen gezielten Wurfausgleich lassen sich die Verluste reduzieren.
• Gesundheitskontrolle: Bei konsequenter Kontrolle der Sauen auf MMA-Anzeichen werden geringere Ferkelverluste verzeichnet.
• Klima und Ausstattung: Stabile Temperaturen im Ferkelnest sowie Ferkelschutzeinrichtungen wirken sich positiv auf das Überleben der Ferkel aus.
• Hygiene: Eine konsequente Nassreinigung des Abferkelbereiches nach jedem Durchgang wirkt sich positiv auf die Ferkelgesundheit aus.
• Remontierung: Betriebe, die ihre Jungsauen selbst remontieren, verzeichnen meist geringere Saugferkelverluste.
Die Auswertung der ersten Phase zeigen, dass viele verschiedene Faktoren Einfluss auf die Höhe der Saugferkelverluste haben. Aufgrund der enormen betrieblichen Vielfalt – von Betriebsgröße über Genetik und Haltungsform bis zum Management –ließ sich für viele Zusammenhänge kein statistisch signifikanter Effekt nachweisen.
Deutlich wird, dass es keine pauschalen Lösungen gibt – jeder Betrieb muss individuell prüfen, welche Maßnahmen am besten greifen. Regelmäßige betriebliche Datenerfassung und Auswertung bleiben der wichtigste Schlüssel – nur wer seine Zahlen kennt, kann diese gezielt verbessern und damit Tiergesundheit, Wirtschaftlichkeit und Tierwohl nachhaltig stärken.
Der Bio-Schweinemarkt in Deutschland wächst stetig, aber noch immer fehlen Tiere – besonders Bio-Ferkel. Der Selbstversorgungsgrad bei Bio-Schweinefleisch liegt nur bei rund 75 Prozent. Das bedeutet: Der Markt hat Platz für Neueinsteiger.
Im Podcast WIR BIO-BAUERN gibt Beraterin Martina Kozel interessierten Betrieben Einblicke in die Öko-Schweinehaltung. Welche Deckungsbeiträge sind möglich? Wie hoch sind die Baukosten und wie viel Arbeitszeit bindet die Bio-Schweinehaltung? Antworten
auf diese Fragen und viele mehr gibt’s im Podcast.
Den Podcast WIR BIO-BAUERN finden Sie auf allen gängigen PodcastPlattformen bzw. online auf
www.naturland-beratung.de/podcast
Über den QR-Code gelangen Sie direkt zur Folge mit Martina Kozel.
BE.WELL
Das Biokonzept für Sau, Ferkel & Mast. Technik, die mitdenkt. Haltung, die wirkt.
AUTOR Stefan Veeh
Beratung für Naturland s.veeh@ naturland-beratung.de
In der Wirtschaftlichkeits-Berechnung von Klee- und Luzernegras muss der positive Effekt auf die nachfolgenden Kulturen in der Fruchtfolge mitkalkuliert werden.
DARUM
Kleegras !!!
Klee- oder Luzernegras sind die Motoren der Fruchtfolge –aber nicht nur als Stickstofflieferanten für die nachfolgenden Kulturen. Feldfutterleguminosen sind die Antwort auf etliche Probleme des ökologischen Ackerbaus.
Steigende Betriebskosten, niedrige Erzeugerpreise – die Kostendeckung scheint nicht selten in weiter Ferne. Viele Betriebsleiter rechnen ihre Fruchtfolge mit spitzem Bleistift und trennen sich von Kulturen und Verfahren, die im Deckungsbeitrag und beim Betriebsergebnis nicht den erwünschten Erfolg erzielen. Auch die Feldfutterleguminosen werden dann oft auf das notwendige Minimum reduziert - zu Unrecht. Das Potenzial des „Motors der Fruchtfolge“ wird häufig viel zu wenig ausgenutzt, um seine Stärken und Vorteile richtig auszuspielen. Beobachtungen aus der Praxis zum Kleegrasanbau sollen hier Anreize für die Optimierung der eigenen Fruchtfolge geben.
Mist-Tausch bis hin zu einem aufwendigen Umbruch von Luzerne – und das alles für eine Kultur, die dann in den meisten Fällen einen geldwerten Ertrag von 0 Euro liefert. Natürlich kann man sich dann fragen, ob da nicht ein mit Zukaufsdünger gedüngtes Getreide die bessere Wahl wäre.
„Klee- und Luzernegras sind die entscheidenden
Motoren der Fruchtfolge im Öko-Betrieb.“
An dieser Stelle könnte man die zahlreichen Vorteile der Feldfutterleguminosen aufzählen, so, wie es jedes Lehrbuch tun würde (und wie sie eigentlich auch jeder kennt), es sollen hier aber Beobachtungen und Fälle aus der Praxis dargestellt werden, die zum Nachdenken anregen.
Zukaufdünger statt Feldfutter?
„So wie dein Kleegras steht, so stehen danach der Weizen und alle anderen Kulturen der Fruchtfolge.“ Diesen Satz haben schon viele Naturland Bäuerinnen und Bauern von mir gehört – vor allem dann, wenn nur ein „halb-gutes“ Kleegras auf der Fläche steht und der Landwirt sich schwer damit tut, den Bestand umzubrechen und mit teurem Saatgut neu anzusäen. Richtig, Kleegras kostet Geld; das beginnt bei der Kulturvorbereitung, zeigt sich in hohen Kosten für Saatgut, aufwendiger Pflege mit Schröpfschnitt, dem Aufwand für Mulchen, Ernten und Konservieren, der Suche nach einem Futter-
Was passiert, wenn Feldfutter am Betrieb auf ein Minimum reduziert wird? Tatsächlich sind mir schon einige Fälle begegnet, in denen Betriebsleiter nach der Bio-Umstellung ihr Feldfutter immer weiter reduziert haben. Die Grundprinzipien des Ökolandbaus sind vermeintlich klar, man freut sich über die funktionierende mechanische Regulierung von Beikräutern und wird dann leicht übermütig. Die interessante Beobachtung: Sieben bis zehn Jahre nach der Umstellung kommt der Kipppunkt. Die Erträge nehmen ab, die Beikrautflora nimmt zu und wird
Ob der Weizenbestand gute Erträge verspricht (Bild oben) oder schwach und dünn (unten) ist, hängt vor allem vom voranstehenden Klee- oder Luzernebestand ab. Je besser der Feldfutterbestand, desto größer die Chance für gute Weizenerträge.
immer schwerer zu beherrschen; die Betriebsleiterin bzw. der Betriebsleiter kommt dann ins Grübeln, und fragt sich, wo denn der Fehler bei der Bewirtschaftung war.
Fast immer liegt dabei rückblickend der Fehler im Verkürzen der Standzeiten und/oder der Reduktion der Flächenanteile des Feldfutters. Denn je kürzer die Standzeit und je geringer seine Anteile, desto weniger langfristig können die positiven Effekte sein. Und das kann nicht ohne Folgen bleiben.
Disteln unterdrücken
Wer Disteln nachhaltig schwächen will, muss in Bodenschichten vordringen, in denen die Distel „daheim“ ist. Das schafft die Luzerne – aber nur dann, wenn sie auch mindestens zwei Jahre auf der Fläche in die Tiefe wurzeln kann. Und das auch nur bei gleichzeitigem Mähen der oberirdischen Pflanzenteile, so dass Disteln gleichzeitig geschwächt und zurückgedrängt werden. Mit einem überjährigen Rotklee ist das eher seltener möglich.
Und genau hier liegt in vielen Fällen eines der Missverständnisse: Feldfutterleguminosen fixieren eben nicht nur Stickstoff. Ja, dieser kann auch aus anderen Quellen zur Versorgung der Kulturen bereitgestellt werden. Aber Stickstoff ist eben nur ein (kleiner) Baustein im Konzept des Feldfutteranbaus und des „Motors der Fruchtfolge“. Der Motor muss über die ganze Fruchtfolge nachwirken können und Grundlage sowie optimale Ausgangssituation für die „Cash Crops“ sein. Und das geht eben nur mit einem dichten und wüchsigen Feldfutterbestand mit entsprechender Standzeit. Einem lückigen Kleegras mit 10 % Klee kann selbst mit entsprechender Zusatzdüngung selten ein dichter Weizenbestand mit 60 dt/ha folgen.
Feldfutter rotieren
Ein weiterer wichtiger Faktor ist, Kleegras über alle Flächen rotieren zu lassen. Nicht selten wird auf Betrieben mit wechselnden Böden auf den guten und ertragreichen Flächen Kleegras hinausgezögert, um diese möglichst lange „im Ertrag“ zu halten. Feldfutterleguminosen werden öfter auf den eher schlechten Standorten rotiert. Das rächt sich aber spätestens dann, wenn der Beikrautdruck auf den guten Flächen so stark wird, dass eine Feldfutterleguminose auf den guten Flächen gleichzeitig zwingend notwendig wird. Dann sinkt der Gesamtertrag des Betriebs auf einmal und der Frust steigt, weil das Betriebsergebnis stark zurück geht.
Aber treten die vielversprochenen Effekte des Kleegrasanbaus denn auch sicher ein? In Bayern haben in letzter Zeit viele Betriebe den Feldfutteranbau ausgedehnt, weil es ein Förderprogramm gab, in welchem 40 % humusmehrende Kulturen (= Feldfutter) gefordert und dann alle Flächen dafür gefördert wurden. Für viele Betriebe kam der Ein-
„Nur ein wüchsiger und dichter Kleebestand führt auch zu guten Folgekulturen.“
stieg oft aus wirtschaftlichen Überlegungen, um bei schlechten Erzeugerpreisen und zunehmenden Witterungsrisiken die Kosten zu reduzieren und die Einnahmenseite „abzusichern“. Was ist die Folge? Nach drei bis vier Jahren Laufzeit entdecken viele Betriebe deutlich die Vorteile des Feldfutterbaus, wie die Aussage eines Betriebsleiters im Rahmen eines Beratungsbesuchs bestätigt: „Mit 40 Prozent Feldfutter dreschen wir nur noch 60 Prozent der Fläche, ernten aber genauso viel Menge wie vorher.“ Natürlich wurde diese Aussage auch von den diesjährig vielfach überdurchschnittlich hohen Ernten getragen. Es gibt dennoch auch Betriebe, die selbst ohne Förderprogramm mit „hohem“ Feldfutteranteil diese Aussage so unterstreichen können.
Potenzial nutzen
Das Konzept des „Motors der Fruchtfolge“ ist kein Wunschdenken; das Potenzial des Anbaus von Feldfutterleguminosen wird aber oft nur teilweise ausgenutzt. Man sollte sich deswegen schon den Aufwand bewusst machen, den man in einen Klee-
oder Luzernebestand stecken muss, damit er sich optimal etabliert – wenn man ihn sich dann wegen zu kurzer Standzeit nicht auch entsprechend zu Nutzen macht.
Das gilt auch für den Aufwand, den man in die Verwertung des Aufwuchses stecken muss; Manchen schrecken auch Absagen von Viehhaltern und Biogasanlagenbetreibern ab, die man wegen einer möglichen Zusammenarbeit anspricht. Aber fast alle Betriebsleiter, die zunächst keine Verwertungsmöglichkeit hatten, aber Zeit und Durchhaltevermögen in die Suche eines geeigneten Kooperationspartners gesteckt haben, sind letztlich fündig geworden.
Impulse für erfolgreichen
Feldfutterbau
Diese Denkanstöße will ich für den Anbau von Kleeund Luzerne(gras) mitgeben:
1. Zeit und Sorgfalt in die Feldfutterbestände stecken Auch wenn aus dem Feldfutteranbau kein Geldbetrag aufs Konto fließt: die nachfolgenden Kulturen profitieren, wenn er mit hoher Sorgfalt durchgeführt wird. Von der Saatbettbereitung über den Schröpfschnitt, aber auch beim Mähen des Aufwuchses: viel zu oft fehlt es an Genauigkeit: Saatgutablage, Bodenschluss, Restfeuchte oder Schnitthöhe müssen eingehalten werden. Nur ein wüchsiger und dichter Klee- und Luzernebestand führt auch zu guten Folgekulturen mit gutem Ertrag.
2. Feldfutter rotieren lassen, Standzeiten nutzen Jede Fläche braucht ihren „Motor“, also muss das Feldfutter auch über alle Flächen rotieren; vor allem wenn größere Probleme (z.B. Distel) vorherrschen, ist genügend Standzeit einzuräumen. Die Effekte
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der Durchwurzelung durch das Feldfutter sind dabei nicht zu gering zu schätzen, Stichwort Humus! Der fixierte Stickstoff über die Knöllchen ist nur einer von vielen positiven Faktoren.
3. Deckungsbeitrag des Feldfutters über die Fruchtfolge rechnen
Den Feldfutteranbau nicht abhängig machen von wirtschaftlichen Betrachtungen. Eine möglichst regelmäßige Rotation bringt die besten Effekte und im Schnitt auch den besten Deckungsbeitrag über die gesamte Fruchtfolge. Kontinuität und Konsequenz halten den „Motor der Fruchtfolge“ am Laufen.
4. Kooperationen zum Tausch des Aufwuchses brauchen Zeit, Pflege und Kompromissbereitschaft
Über die Verwertung des Aufwuchses wird viel diskutiert; Konzepte wie Cut-and-Carry können durch-
Wer Disteln nachhaltig schwächen will, muss ihre tiefen Wurzelzonen erreichen. Das gelingt der Luzerne – vorausgesetzt, sie kann mindestens zwei Jahre auf der Fläche wurzeln.
aus helfen, sind aber mit mehr oder weniger hohem Aufwand und Kosten verbunden. Stabile Kooperationen zum Futter-Mist-Tausch noch immer der Königsweg für einen soliden Feldfutteranbau, wenn keine eigenen Verwertungsmöglichkeiten gegeben sind. Egal ob Rinderhalter oder Biogasanlagenbetreiber, die Zusammenarbeit benötigt einen gewissen Aufwand und auch Kompromissbereitschaft, um einen geeigneten Partner nicht nur zu finden, sondern auch langfristig zu halten.
Das Konzept des Feldfutteranbaus ist nicht innovativ oder neu, im Gegensatz zu manchen verlockenden Anbausystemen, die mit neuen (oder auch wiederkehrenden) Ansätzen „einfache Lösungen nach Rezept“ versprechen. Der Anbau von Klee und Luzerne ist manchmal herausfordernd und arbeitsintensiv, kann aber in manchen Jahren und Betriebskonstellationen auch ein Selbstläufer sein. Ein konsequenter und sorgfältiger Feldfutteranbau kann für alle Betriebe ein solider Baustein zum nachhaltigen ackerbaulichen Erfolg sein. Nicht zufällig ist Klee- und Luzernegrasanbau das zentrale Element und der entscheidende „Motor der Fruchtfolge“ im Öko-Betrieb.
Reben im
Klimastress
Der Klimawandel und seine Folgen fordern den Öko-Weinbau heraus. Auf einer Naturland Veranstaltung wurde deutlich: Öko-Weinberge brauchen neue Strategien – und die enge Zusammenarbeit von Forschung, Beratung und Praxis.
AUTOR
Dr. Wolfgang Patzwahl
Beratung für Naturland w.patzwahl@ naturland-beratung.de
Der Ertragsrückgang kann bei virusbefallenen Reben enorm sein, wie eine Untersuchung der Bayerischen Landesanstalt für Wein- und Gartenbau zeigt.
Steigende Temperaturen, längere Vegetationsperioden und Extremwetter setzen auch dem Öko-Weinbau zunehmend zu. Welche Herausforderungen daraus für Pflanzenschutz und Gesunderhaltung entstehen, war Thema einer NaturlandVeranstaltung auf dem Weingut Rainer Sauer in Escherndorf (Weinanbaugebiet Franken). Winzerinnen und Winzer, Berater und Wissenschaftler diskutierten dort aktuelle Forschungsergebnisse und Strategien für die Praxis. Im Fokus standen alte und neue Schadorganismen.
Klimawandel verschärft Krankheitsdruck
Steigende Temperaturen, längere Vegetationsperioden, mehr Hitzetage und Starkniederschläge stellen nicht nur die Reben, sondern auch das Pflanzenschutzmanagement vor völlig neue Herausforderungen. Besonders problematisch sind die vermehrten Infektionszyklen von Oidium (Echter Mehltau) und Peronospora (Falscher Mehltau). Letzteres lässt sich selbst mit maximal zugelassenen Kupfermengen nur schwer kontrollieren. Gleichzeitig gewinnt Oidium an Bedeutung, da es von den wärmeren Klimabedingungen profitiert. Entscheidend sind daher konsequente Kontrollen, angepasste Spritzintervalle und gezielte Laubarbeiten, um einen Befall gar nicht erst entstehen zu lassen.
Alte Bekannte, neue Probleme
Neben Pilzkrankheiten gewinnen Viren und Phytoplasmen zunehmend an Bedeutung. Krankheiten wie Schwarzholzkrankheit (Bois noir) oder Flavescence dorée sowie Viruserkrankungen wie Blattrollkrankheit, Reisigkrankheit und Grauburgunderkrankheit (GPGV) nehmen zu. Verstärkt wird ihre Ausbreitung durch wärmere Winter und aktivere Überträger (Zikaden, Wollläuse, Schildläuse). Virusfreies Pflanzgut und striktes Monitoring sind die Basis jeder Prävention.
Am Beispiel des Himbeerringfleckenvirus (RpRSV, chTyp) wurde gezeigt, dass es nicht genügt, die Verteilungshäufigkeit von Viren zu erfassen. Entscheidend
sind wissenschaftlich fundierte Vergleichsuntersuchungen zwischen Standard-Rebsorten/Klonen ohne Virusbefall und befallenen Klonen, um das tatsächliche Schadpotenzial zu ermitteln. Eines der wenigen Beispiele solch einer Vergleichsuntersuchung stammt von der Bayerischen Landesanstalt für Wein- und Gartenbau (LWG) in Veitshöchheim. In diesem Versuch brachte ein virusbelasteter Silvaner-Klon (Wü 0115) nach sieben Ertragsjahren rund 70 % weniger Ertrag als der gesunde Vergleichsklon (Wü 92). In weiteren Praxisweinbergen wurden diese Ergebnisse hinsichtlich der Ertragsentwicklung auch in der Praxis bestätigt. Diese Ergebnisse unterstreichen die wirtschaftliche Bedeutung von Virusinfektionen und zeigen, dass ohne vergleichende Langzeitstudien das Risiko für Winzerinnen und Winzer nicht adäquat eingeschätzt werden kann.
Die Rückkehr der Reblaus
Ein weiterer Themenschwerpunkt war die Reblaus. Lea Linhart (BOKU Wien) präsentierte aktuelle Forschungsergebnisse, die zeigen: Die Schädlinge waren nie wirklich verschwunden. Veränderungen im Klima und in den Anbaustrukturen begünstigen ihre Ausbreitung, auch für Unterlagen-geschützte Bestände. Ein wirksames Monitoring-System ist daher unverzichtbar.
Praxisempfehlungen für gesunde Reben
Neben Theorie und wissenschaftlichen Erkenntnissen wurden bei der Veranstaltung auch praktische Ansätze der Kulturführung vorgestellt:
• Laubarbeit: Entblätterung der Traubenzone verbessert das Kleinklima, reduziert Feuchtigkeit und unterstützt Pflanzenschutzmaßnahmen.
• Applikation: Anpassung von Spritzintervallen, Wassermengen und Technik an Witterung und Rebenwachstum.
Die Reblaus verursacht sogenannte Blattgallen, wie hier bei der Rebsorte Muscaris zu sehen ist.
Reblaus im Inneren einer Blattgalle an einem Blatt der Rebsorte Müller-Thurgau
• Monitoring und Hygiene: Frühzeitige Kontrollen, Laboranalysen und konsequenter Umgang mit infizierten Stöcken.
• Sortenwahl: Einsatz resistenzstarker PIWI-Sorten und standortangepasster Unterlagen gewinnt an Bedeutung.
Im anschließenden Feldrundgang vertieften die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ihr Wissen beim Erkennen und Bewerten von Schadorganismen direkt im Weinberg. Gemeinsam mit Lea Linhart (BOKU Wien, Institut für Weinbau und Pomologie) und Dr. Wolfgang Patzwahl (Beratung für Naturland) wurden die theoretischen Inhalte direkt im Weinberg umgesetzt - Forschung, Beratung & Praxis Hand in Hand.
Forschung, Beratung & Praxis
Die von Naturland initiierte Veranstaltung machte deutlich: Der ökologische Weinbau braucht eine kontinuierliche Anpassung der Gesunderhaltungsstrategien. Die enge Zusammenarbeit zwischen Praxis, Beratung und Forschung – wie sie auch die Kooperation mit der BOKU Wien verdeutlichte – ist der Schlüssel, um Reben fit für den Klimawandel zu machen.
Naturland
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