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Naturland Nachrichten 6/2024

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Naturland

NACHRICHTEN

Fachinformationen für den Öko-Landbau

BURN-OUT

Du bist nicht allein

AGROFORST

im Trockengebiet

GETREIDEMARKT

zwischen Hoffen und Bangen

Zutritt nur für Fachbesuchende #intoorganic

Nürnberg, Germany 11.-14.2.2025

Weltleitmesse für Bio-Lebensmittel

Gemeinsam die Zukunft der Ernährung gestalten

Tauchen Sie ein in die inspirierende Welt der BIOFACH 2025, wo visionäre Vordenker und führende Expertinnen der internationalen Bio-Branche zusammenkommen, um gemeinsam an einer nachhaltigeren Welt zu arbeiten. Hier geht es um mehr als nur Business: Gemeinsam entwickeln wir zukunftsweisende Lösungen –für uns und unseren Planeten. Sind Sie dabei?

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LIEBE NATURLANDBÄUERINNEN UND BAUERN!

Ich durfte Sie mit den Naturland Nachrichten 16 Jahre lang bei Ihrer Arbeit begleiten. Hierbei haben sich für mich beeindruckende Betriebsbesuche, angenehme Erlebnisse und viele gute Gespräche ergeben. In dieser Zeit haben sich Naturland und der gesamte Öko-Landbau rasant weiterentwickelt – nicht ohne Folgen für unsere Fachzeitschrift. Aus dem ursprünglich kaum 40-seitigen Heft in schwarz-weiß sind die Naturland Nachrichten zu einer festen Größe im Öko-Landbau geworden. Sie sind nun farbiger, die Fotos präsenter, der Umfang größer. Und sie verzahnen Homepage, Newsletter und App miteinander.

Gleich geblieben ist: die meisten Artikel kommen aus der NaturlandFamilie – Kolleginnen und Kollegen aus Beratung, Verband und Markt sowie von unseren Mitgliedern selbst. Trotz der rasanten Entwicklungen im Öko-Landbau, der Umbrüche in der Politik und den veränderten Verbraucherpräferenzen sind viele der damaligen Themen aktuell geblieben. Ich erinnere nur an GAP, Tierwohl und Gentechnik. Auch der Bezug zur Praxis ist weiterhin unverzichtbar für die Naturland Nachrichten.

Und hier sind auch Sie weiterhin gefragt: als Naturland-Bäuerinnen und Bauern vertrauen Sie nicht auf die vermeintlichen „Lösungen“ der Agrarindustrie. Vielmehr tüfteln Sie und viele Ihrer Kolleginnen und Kollegen an individuellen Lösungen für Ihren Betrieb. Lassen Sie uns teilhaben: berichten Sie über Ihre Erfahrungen, Entwicklungen, Erfolge oder Misserfolge! Nichts ist so interessant wie authentische Berichte von Berufskollegen.

Ich werde Anfang 2025 in Ruhestand gehen und die Rolle als Leser einnehmen. Mein Nachfolger Roman Goldberger begleitet die Naturland Nachrichten bereits seit einem Jahr und hat maßgeblich den letzten Relaunch realisiert. Er wird als Journalist und Naturland-Bauer unsere Zeitschrift in gewohnter Weise und Qualität weiterentwickeln. Ich wünsche ihm viel Erfolg und Ihnen ein friedvolles Weihnachtsfest, einen guten Rutsch ins Jahr 2025 – und alles Gute.

Ihr Ralf Alsfeld

Ralf Alsfeld Naturland e.V. r.alsfeld@ naturland.de

IMPRESSUM NATURLAND NACHRICHTEN

Herausgeber: Beratung für Naturland Öko-BeratungsGesellschaft mbH Eichethof 1, 85411 Hohenkammer Telefon: +49 (0)8137/ 6372-902 info@naturland-beratung.de www.naturland-beratung.de

Verantwortlich im Sinne des Presserechts (V.i.S.d.P): Martin Bär

Vertrieb: Regina Springer Telefon: +49 (0)8137/6372-912 r.springer@naturland-beratung.de

Anzeigen: Tanja Edbauer Telefon: +49 (0)172/3126816 t.edbauer@naturland-beratung.de

Redaktion: Ralf Alsfeld, Markus Fadl, Roman Goldberger (leitend), Walter Zwingel

Titelfoto: Lisa Mauer

Grafik & Layout: Werbeagentur Oberhofer, Ingolstadt Alison Goldberger, Rainbach

Druck: Riegler Druck, Pfaffenhofen

Bezug: Die Fachzeitschrift erscheint sechsmal im Jahr im Umfang von mind. 80 Seiten. Der Bezugspreis der Naturland Nachrichten ist im Mitgliedsbeitrag enthalten.

Alle namentlich gekennzeichneten Artikel geben die Meinung des Verfassers wieder. Die Beiträge sind urheberrechtlich geschützt. Nachdruck ist nur mit schriftlicher Genehmigung der Redaktion zulässig.

Wir formulieren in unseren Texten die weibliche und männliche Form aus. Wenn dies die Lesbarkeit beeinträchtigt, verwenden wir die generische

Form – diese schließt Frauen dann selbstverständlich ein.

DER UMWELT ZULIEBE

Die Naturland Nachrichten werden aus Recyclingpapier (Blauer Engel) und mit natürlichen Farben ohne Mineralöl hergestellt. Druck und Versand erfolgen CO 2-neutral durch Kompensation. Daher darf die Zeitschrift – als Ganzes – den Blauen Engel tragen.

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· ressourcenschonend und umweltfreundlich hergestellt

· emissionsarm gedruckt aus 100 % Altpapier IP3

titelthema

MENTALE GESUNDHEIT

24 LEISER TOD

Burnout, Ängste und Depression sind in der Landwirtschaft keine Seltenheit. Gesprochen wird darüber kaum. Naturland-Bauer Christoph Rothhaupt will das ändern.

30 NATURLAND VERTRAULICH

Naturland bietet seit Neustem ein Beratungstelefon an, Initiatorin Brigitte LenhardScheithauer stellt es vor.

33 WER HÖRT ZU?

Das sind die Menschen hinter „Naturland vertraulich“.

MARKT & VERMARKTUNG

34 MARKT & PREISE Aktuelle Entwicklungen

36 INTERVIEW

Der Bio-Markt für Druschfrüchte

40 FÖRDERPROGRAMM ARTENVIELFALT

Es geht wieder los

GRÜNLAND & WIEDERKÄUER

44 10 FRAGEN zur Blauzungenkrankheit

48 TROCKENSTELLEN Nicht immer mit der Tube

51 NEUES VIDEO Der Melkroboter auf der Weide

52 PROTEINREICHES FUTTER für Schafe & Ziegen

56 MILCHVIEHSTALL am Naturland-Betrieb Pletschacher

SCHWEIN & GEFLÜGEL

62 BIO-EIERMARKT Nachfrage nach Naturland-Eiern steigt

64 AUS DER WISSENSCHAFT Forschungsergebnisse kompakt

66 NACHRICHTEN Wissenswertes für BioSchweinehalter

67 NEUES VIDEO Naturland-Bauer entwickelt Futterautomat

ACKERBAU & TECHNIK

68 DIE LINSE

Interessantes, ergänzendes Fruchtfolgeglied

72 KONZEPTE FÜR DEN NORDEN

Damit der Stickstoff nicht verloren geht

76 AGROFORST im Trockengebiet

81 BILDUNG Onlineveranstaltungen Agroforst

8 NATURLAND IN ÖSTERREICH

Josef Brunnbauer ist neuer Geschäftsführer für Naturland in Österreich

12 AKTUELLES

Das Naturland in Bildern

14 DELEGIERTENVERSAMMLUNG Neufassung der Naturland-Satzung

16 ZEICHEN SETZEN Marion Bohner im Interview

18 KATASTROPHENHILFE für die NaturlandKooperative in Uganda

20 NACHRICHTEN Aktuelles aus Politik & Verband

22 AUS DER KONTROLLE Antworten auf häufige Fragen

AUS DER REDAKTION

DANKE RALF ALSFELD

Ralf Alsfeld hat den Naturland Nachrichten seit Oktober 2008 seinen Stempel aufgedrückt. Nach 16 Jahren und 90 Ausgaben als Chefredakteur geht unser Kollege in den wohlverdienten Ruhestand. Stellvertretend für das gesamte Naturland sagen drei Weggefährten Danke!

Ralf Alsfeld war ein Glücksgriff!

„Na, das kann ja heiter werden.“ So ungefähr könnte ich mir meine damalige Reaktion vorstellen, als es vor 16 Jahren hieß, dass Ralf Alsfeld neu bei Naturland anfangen und die Redaktion der Naturland Nachrichten übernehmen würde. Er war ja damals kein unbeschriebenes Blatt in der Öko-Szene – als langjähriger Pressesprecher von Bioland hatte man laufend von ihm gelesen. Das allein war ja schon „nicht so ganz ohne“. Noch dazu jemand, der nicht aus der Landwirtschaft kommt und auch schon bei der Verbraucherzentrale gearbeitet hat?! Na super!

„Mit einem Kollegen zusammenarbeiten zu dürfen, der unter Zeitdruck immer ruhig und geduldig bleibt, ist ein Geschenk.“

Nun – ich muss sagen: Ralf Alsfeld war ein Glücksgriff! Er hat genau das mitgebracht, was es an der Stelle braucht: professionelles Herangehen an die Themen, Offenheit für die vielen spannenden Aspekte des Öko-Landbaus, Interesse an der Sache wie auch an den Menschen. Zudem hatte er auch immer wieder den (kritischen) Blick von außen, der uns Ökos ja gelegentlich abgeht.

Ralf Alsfeld hat den Naturland Nachrichten seit Oktober 2008 in 90 Ausgaben seinen Stempel auf-

gedrückt. Er hat mit beneidenswerter Beharrlichkeit sowie Geduld immer wieder im Naturland und auch bei externen Experten und Autoren interessante und informative Beiträge eingeworben und so im Lauf der Zeit für eine breite Themenvielfalt gesorgt. Er hat dabei immer über den Tellerrand hinausgeblickt – und gleichzeitig die besonderen Facetten der Naturland-Welt wie auch den Puls der Zeit im Blick gehabt.

Natürlich hat es — wie in jeder Beziehung — eine ganze Weile gedauert, bis wir zwei uns „zusammengerauft“ haben. Aber mit einem Kollegen zusammenarbeiten zu dürfen, der auch unter dem üblichen permanenten Zeitdruck immer ruhig und geduldig bleibt, dabei absolut verlässlich und vertrauenswürdig ist, ist ein Geschenk! DANKE Ralf Alsfeld!

Walter Zwingel Langjähriges Mitglied des Redaktionsteams der Naturland Nachrichten

Ralfs zweite Leidenschaft

Dass Ralf als Chefredakteur über viele Jahre die Naturland Nachrichten verantwortet hat, sollte den meisten bekannt sein. Was viele aber nicht wissen: Ralf hatte neben den Naturland Nachrichten noch eine andere Leidenschaft – die Konsumentinnen und Konsumenten. Ob es mit seiner Vergangenheit bei der Verbraucherzentrale zu tun hat? Man kann es vermuten. Jedenfalls verdanken wir Ralf die legendären Kundeninformationen, bei denen sich Ralf die Mühe gemacht hat, alle wichtigen Naturland-Themen verbraucherfreundlich und faktisch aufzubereiten. Seit vielen Jahren unterstützen uns die Faktenblätter bei unserer Verbraucherkommu-

Danke für Deinen jahrelangen Einsatz

Lang, lang ist es her – meine erste Begegnung mit Ralf. In der Naturland-Zentrale in Gräfelfing auf dem Flur wurde mir der wichtigste Mann von Naturland vorgestellt. Wichtig, ja Ralf und sein Team waren in dem damals schon großen Naturland „unsere“ Kommunikation nach innen und nach außen. Denn das waren die Naturland Nachrichten. Social Media, gab es so etwas schon? Keine Ahnung, ich bin heute noch kein Freund davon, sondern „fan“ vom geschriebenen Wort in unseren Naturland Nachrichten. Wer aus dem schönen Naturland etwas

„Ralf war immer offen, sich neuen Themen zu stellen und mit der Zeit zu gehen.“

erfahren will, der musste die NN von Ralf lesen. Die Zusammenstellung der Themen war und ist immer ausgewogen: Politik, Tierhaltung, Ackerbau, Technik und Spezialkulturen – nicht ein Thema kommt zu kurz. TOP! Ralf war immer offen, sich neuen Themen zu stellen und mit der Zeit zu gehen. Er und sein Team schafften es auch immer wieder, Menschen zu begeistern, motivierend als „Fachreporter“ tätig zu werden, und das auf einem sehr guten Niveau. Bemerkenswert finde ich auch, wie er es geschafft hat, dass das Layout der Naturland Nachrichten sich weiterentwickelt hat. Es wurde bis zum heutigen Tag immer besser. Ralf, ich weiß nicht wie du

nikation und ich möchte mich bei Ralf ganz herzlich für die wichtige Arbeit bedanken, die er hier reingesteckt hat.

Es freut mich daher auch sehr, dass ich mich noch nicht endgültig von Ralf verabschieden muss, denn er wird mein Team auch nach seinem Eintritt in den Ruhestand im Bereich Kommunikation weiter unterstützen. Danke Ralf!

Pascale Weiß-Naumann Leiterin der Erzeuger-Kommunikation

In der Ausgabe 1/2009 verfasste Ralf Alsfeld sein erstes Editorial in den Naturland Nachrichten, in der aktuellen Ausgabe sein (vorläufig) letztes.

jetzt die vielen freien Tage verbringen willst. Ich hoffe, nein ich bin fast sicher, du wirst der Öko-Branche nicht verloren gehen – und vielleicht auch nicht den Naturland Nachrichten. Ein Tipp von mir: Schreib doch Kolumnen für unsere Zeitung. Ralf, herzlichen Dank für deinen jahrelangen Einsatz. Es ist der Dank von tausenden Naturland Nachrichten Lesern.

Peter Warlich Mitglied des Naturland-Präsidiums

in Österreich Naturland

Josef Brunnbauer und Steffen Reese im Interview

Josef Brunnbauer ist neuer Geschäftsführer für Naturland in Österreich. Gemeinsam mit den Naturland-Bäuerinnen und Bauern will er ein Zukunftsbild für Naturland in Österreich entwickeln.

JOSEF BRUNNBAUER

Josef Brunnbauer ist seit 1. November 2024 Geschäftsführer für den Bereich Österreich bei Naturland e.V. Von 1995 bis August 2024 war Brunnbauer Geschäftsführer des ökologischen Anbauverbands Biokreis e.V. Bis 2022 leitete er außerdem den 2005 neu gegründeten landwirtschaftlichen Ackerbaubetrieb „Stelzlhof“ in Passau.

Sepp, Du warst 30 Jahre lang Geschäftsführer des Öko-Verbands Biokreis. Wie fühlt es sich an, nun Naturländer zu werden?

Josef Brunnbauer: Die Entscheidung Biokreis zu verlassen, ist mir nicht leicht gefallen und hatte vor allem damit zu tun, dass meine Vorstellungen über die strategische Ausrichtung des Verbands mit denen des Vorstands nicht mehr in Deckung zu bringen waren. Daher habe ich mich nach reiflicher Überlegung zu diesem Schritt entschlossen. Nun freue ich mich auf die neue Herausforderung bei Naturland.

Der Wechsel ist für die ganze Bio-Branche überraschend. Wie kam es dazu?

Josef Brunnbauer: Es gab im vergangenen Jahr eine Reihe von Gesprächen zwischen Naturland und Biokreis über Möglichkeiten einer Kooperation zwischen beiden Verbänden. Am Ende gab es zwar keine konkreten Ergebnisse, aber es ist viel Vertrauen zwischen Steffen und mir entstanden.

Steffen Reese: Als Sepp bei Biokreis seinen Abschied genommen hat, musste ich nicht lange überlegen. Ich wusste, er ist genau der Richtige für die geschäftsführende Verantwortung in Österreich. Die Gelegenheit, einen so erfahrenen Geschäftsführer zu gewinnen, muss man ergreifen, wenn sie sich bietet.

Für viele in der Branche war Sepp Brunnbauer das Gesicht von Biokreis. Was bedeutet der Wechsel zu Naturland für das Verhältnis der beiden Verbände?

Josef Brunnbauer: Erst einmal waren viele Weg-

gefährten überrascht – ich glaube, auch deshalb, weil sie vor allem die Konkurrenzsituation und Unterschiedlichkeit der Verbände im Blick hatten. Aber es gibt auch sehr viele Gemeinsamkeiten. Ich denke, man kann das auch so sehen: Wenn wir uns im ÖkoLandbau mehr auf die Gemeinsamkeiten konzentrieren, schaffen wir mehr.

Steffen Reese: Ich finde es ein schönes Zeichen für die Bio-Branche, dass ein solcher Wechsel möglich ist. Darin zeigt sich, dass wir alle für die gleiche Sache arbeiten. Und dieses Zeichen ist gerade jetzt wichtig, angesichts der großen und manchmal auch schmerzhaften Veränderungen, welche die BioBranche gerade erlebt und durch die die Verbände in unterschiedlicher Weise gefordert sind.

Hauptaufgabe des neuen Naturland-Geschäftsführers in Österreich ist der Aufbau von Verbandsstrukturen für die rund 2.000 Mitgliedsbetriebe im Land. Wie werden diese Strukturen aussehen?

Steffen Reese: Das ist noch offen. Es ist Sepps Aufgabe, genau dafür Vorschläge und Lösungen zu entwickeln, im Dialog mit den österreichischen Naturland-Mitgliedern, dem Ehrenamt in Österreich und in Absprache mit dem Naturland-Präsidium. Unser Wachstum in Österreich war in den vergangenen vier Jahren so rasant, dass wir da einiges nachzuholen haben.

Josef Brunnbauer: Die Frage der Strukturen ist wichtig, aber es geht dabei um mehr. Wir wollen

Fotos: Naturland / Sabine Bielmeier

ein Zukunftsbild für Naturland in Österreich entwickeln. Was erwarten die österreichischen NaturlandBäuerinnen und Bauern von ihrem Verband, wie wollen sie sich einbringen? Ich freue mich schon darauf, in Gesprächen landauf, landab gemeinsam Ideen zu entwickeln.

Mit den beiden österreichischen Delegierten Franz Bernhofer und Zeno Piatti-Fünfkirchen stehe ich schon in Kontakt, ebenso mit den Kolleginnen und Kollegen der Beratung für Naturland, die ja bereits gut funktionierende Strukturen aufgebaut haben. Nun geht es darum, ein Format zu finden, z. B. Regionaltreffen oder ähnliches, um mit möglichst vielen Mitgliedern in persönlichen Kontakt zu treten. Dieser direkte Austausch ist mir wichtig.

Das Mitgliederwachstum in Österreich hing bislang stark mit den guten Absatzchancen Naturland-zertifizierter Produkte am deutschen Markt zusammen. Bleibt das so?

„Wir wollen ein Zukunftsbild für Naturland in Österreich entwickeln.“

Steffen Reese: Österreich ist auch deshalb so stark in der Bio-Erzeugung, weil Überschüsse immer als günstige EU-Bio-Ware in den Export nach Deutschland gehen konnten. Die Entwicklung eigener Erzeugermarken im Inland wurde dagegen vernachlässigt. Starke Erzeugermarken sind aber nicht nur wichtig, um den regionalen Konsum zu stärken. Sie sorgen auch dafür, dass Bäuerinnen und Bauern mehr Einfluss darauf gewinnen, wohin Bio sich entwickelt, etwa bei Themen wie Richtlinien und Qualitätssicherung. Dafür setzen wir uns ein.

Wird es auch eine Naturland-Geschäftsstelle in Österreich geben?

Brunnbauer: Mein Büro wird zunächst einmal in Passau sein. Da liegt Österreich vor der Haustür.

Etwas weiter ist der Weg von Passau nach Wien, wo die Agrarpolitik gemacht wird. Wird Naturland sich hier künftig auch aktiv einbringen?

Josef Brunnbauer: Auch das hängt ganz wesentlich

damit zusammen, was unsere österreichischen Betriebe von Naturland als ihrem Verband erwarten. Und dann ist bei der politischen Arbeit natürlich immer auch das gute Zusammenwirken mit den anderen Bio-Verbänden und Branchen-Akteuren wichtig. Was das angeht, kann ich auf viel Erfahrung im deutschen BÖLW zurückgreifen.

Steffen Reese: Wir wollen im engen Austausch mit anderen Verbänden politisch in Österreich aktiv sein, um die Stimme des Öko-Landbaus zu stärken. Natürlich sind wir nicht so eng vernetzt mit der Politik in Wien, aber das gibt uns auch die Freiheit, kritische Positionen an mancher Stelle deutlicher zu artikulieren. Ich denke, wir haben zur Vielfalt der politischen Interessenvertretung in Österreich einiges beizutragen.

Naturland hat Mitglieder in 60 Ländern der Erde, Verbandsstrukturen gibt es bislang aber nur in Deutschland, künftig nun auch in Österreich. Ist ähnliches in weiteren Ländern geplant?

Steffen Reese: Es gilt, die Position der Mitglieder vor Ort zu stärken – und dies unterstützen wir bestmöglich. Dass Österreich hierbei vorangeht, ist neben dem Mitgliederzuwachs der vergangenen Jahre natürlich bedingt durch die direkte Nachbarschaft und die gemeinsame Sprache. Auch die Beratung für Naturland ist ja längst beiderseits der Staatsgrenze tätig. Diese Gemeinsamkeiten machen vieles einfacher.

Trotzdem sind wir auch in anderen Ländern dabei, unsere Aktivitäten als Verband zu intensivieren, immer abhängig von den jeweiligen Gegebenheiten. Dabei versuchen wir, möglichst viel über Projekte zu organisieren, für die wir Drittmittel bekommen. Wir testen aus, was geht und was den Betrieben nützt. Das sind Schritte auf dem Weg, den Verband internationaler zu denken.

Dabei gelingt es auch immer besser, die Mitglieder emotional näher an den Verband zu binden. Über die Gemeinschaft gelingt es, die ökologische Weiterentwicklung mit allen Säulen der Nachhaltigkeit besser nach vorne zu bringen.

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Das Naturland

in Bildern

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1 Naturland gratuliert der Ökofrost GmbH auf der BioSüd 2024 zum 20-jährigen Naturland-Jubiläum. Auf dem Bild zu sehen v.l.n.r.: Martina Romanski (Naturland-Zeichen GmbH), Marc Rauner (Öko-Frost GmbH) sowie Karin Romeder und Wilhelm Heilmanner (beide Naturland-Zeichen GmbH).

2 Die Bergkreishof Ökologischer Landbau GmbH & Co. KG hat den ersten Platz beim Thüringer Bio-Preis 2024 für ihren Naturland-Lupinenkaffee erhalten. Der koffeinfreie Lupinenkaffee wird in Thüringen angebaut, verarbeitet und angeboten. Diese regionale Wertschöpfungskette überzeugte die Jury.

3 Der Naturland-Stand auf der MeLa Messe bot den Besuchern ein vielseitiges Programm und war gut besucht. Virtuelle Touren mit VR-Brillen, Fotobox und Probierhäppchen vom Bio-Foodtruck lockten viele Besucher an den Stand. Die Beratung für Naturland lieferte Infos zu allen Themen rund um Umstellung und Bio-Landwirtschaft.

4 Naturland-Bäuerin Anna-Maria Bissinger wurde für ihren aktiven Vogelschutz vom LBV (Landesbund für Vogelund Naturschutz in Bayern e. V.) ausgezeichnet. Für den Kiebitz verzichtet sie z. B. auf das Abschleppen ihrer Wiesen und pausiert die Bewirtschaftung auf einem Teil ihrer Wiesen.

5 Annette Alpers (Beratung für Naturland) verabschiedet Andreas Löloff, Öko Referent im Landwirtschaftsministerium Niedersachsen, in den Ruhestand. Hierbei überreichte sie einen Präsentkorb mit NaturlandProdukten, praktische Utensilien und Arbeitshandschuhe.

6 Eine Weidesaison geht zu Ende: Sennerin Helena Planitscher (links) vom Naturland-Betrieb Scheffaulehen treibt ihre neun Kühe, sechs Jungrinder und drei Kälber von der Engert-Alm durchs Klausbachtal Richtung Hintersee. Das Scheffaulehen ist einer von 16 Ramsauer Bauernhöfen der Molkerei Berchtesgade-

ner Land, die ihre Kühe im Sommer auf die Kallbrunn treiben. Es war ein aufregender Sommer: die hochträchtige Fleckviehkuh Gamsei war ausgerutscht und fast 200 Meter abgerutscht. Kuh und Kalb blieben jedoch unverletzt – zumindest fast. Nun ist Gamsei die Einhorn-Kuh in der Herde.

7 Auf der landwirtschaftlichen Fach- und Verbrauchermesse Norla war das Bio-Areal Anziehungspunkt. Unter anderem konnte das Publikum am Naturland-Stand mit VR-Brille und Fotobox auf Entdeckungsreise gehen und sich Bio-Cracker schmecken lassen.

Bild-Quellen: Naturland-Zeichen

Berchtesgadener Land, Sonja Straß

GmbH, TMIL/D. Santana, Petra Wörsching, Nicole Friedrich, Andreas Löloff, Molkerei

Delegiertenversammlung beschließt Neufassung der Naturland-Satzung

STÄRKUNG DES Naturland-Ehrenamts

Ehrenamt stärken, Frauen fördern, Satzung verschlanken: Das sind die drei Hauptziele einer grundlegenden

Revision der NaturlandSatzung, welche die Delegiertenversammlung Mitte November nach intensiven Debatten mit großer Mehrheit (zwei Enthaltungen, eine Gegenstimme) beschlossen hat. Die wichtigsten Änderungen im Überblick:

Präsidium

Die Zahl der Mitglieder wird von bislang fünf auf künftig sechs Mitglieder erhöht, von denen mindestens die Hälfte weiblich sein soll. Alle sechs Mitglieder haben gleiches Stimmrecht. Bei Stimmengleichheit wird die Stimme des Präsidenten oder der Präsidentin doppelt gewertet, um die Entscheidungsfähigkeit des Präsidiums sicherzustellen.

Delegiertenversammlung

Die Vertretungsmöglichkeiten für gewählte Delegierte werden vereinfacht. Künftig ist es möglich, sich nach schriftlichem Antrag in einer Sitzung durch ein anderes Mitglied des eigenen Vorstands vertreten zu lassen. Das gilt national (auf Ebene der Landesvorstände) ebenso wie international (im Rahmen des World Advisory Board). Dadurch soll sichergestellt werden, dass immer alle Bundesländer/Regionen vertreten sind, auch wenn einzelne Delegierte in einer Sitzung verhindert sind. Zugleich soll damit auch die Entscheidung für eine Kandidatur erleichtert werden, weil man sich im Zweifel auch einmal vertreten lassen kann.

Anerkennungskommission

Die Anerkennungskommission besteht aktuell aus bis zu 40 ehrenamtlichen Mitgliedern, die auf Vorschlag des Präsidiums von der Delegiertenversammlung für vier Jahre gewählt werden. Darunter sind auch zahlreiche Mitarbeitende aus dem Naturland-Hauptamt, die der Anerkennungskommission in ehrenamtlicher Funktion angehören. Künftig wird die Anerkennungskommission auf maximal zwölf Mitglieder reduziert. Hauptamtliche Mitarbeitende der Zertifizierungsabteilung werden weiterhin für die Anerkennungskommission tätig sein, aber nicht als Mitglieder, sondern angebunden über die Geschäftsordnung der Anerkennungskommission.

Ziel ist eine klarere Trennung von Haupt- und Ehrenamt. Zugleich kann das Wachstum im Zertifizierungsbereich leichter abgebildet werden: Wenn mehr Arbeit anfällt, kann einfach die Zahl der Mitarbeitenden, die die Anerkennungskommission unterstützen, dem neuen Bedarf angepasst werden, ohne dass jedes Mal die Delegiertenver-

Um dem starken internationalen Wachstum von Naturland gerecht zu werden, beschloss die Delegiertenversammlung eine Erweiterung des World Advisory Boards auf bis zu 20 Mitglieder.

sammlung die Zahl der Anerkennungskommission-Mitglieder in der Satzung erhöhen muss.

Richtlinienkommission

Die Richtlinienkommission ist verantwortlich für die Entwicklung und Auslegung der Naturland-Richtlinien. Sie erarbeitet Vorlagen und Empfehlungen, über die dann die Delegiertenversammlung entscheidet. Delegierte konnten bislang allerdings nicht zugleich auch Mitglied der Richtlinienkommission sein, weil beide Gremien laut Satzung „zentrale Organe“ sind (so wie auch Präsidium und AKK). Deshalb wird die Richtlinienkommission in der neuen Satzung zu einem „funktionalen Organ“, das dann mit bis zu drei ordentlichen Naturland-Mitgliedern besetzt wird.

Ähnlich wie bei der Anerkennungskommission werden auch hier Haupt- und Ehrenamt künftig klarer getrennt. Zugleich wird die Rolle der NaturlandBäuerinnen und Bauern bei der Ausarbeitung der NaturlandRichtlinien gestärkt. Aufgabe der ehrenamtlichen Richtlinien-

kommission ist es, darauf zu achten, dass die Entwicklung von Richtlinien im Sinne der Entscheidungen der Delegiertenversammlung erfolgt. Zugleich wird ein hauptamtliches Richtlinien-Team gebildet, dass die ehrenamtliche Kommission in ihrer Arbeit unterstützt. Dieses hauptamtliche Team kann je nach Bedarf durch weitere Experten unterstützt werden.

Bundesausschuss

Der Bundesausschuss, dem die Landesvorsitzenden angehören, wird aus der Satzung gestrichen. Das Gremium hatte kaum eigene Entscheidungskompetenzen, sondern dient in erster Linie der internen Kommunikation. Zu diesem Zweck wird der Bundesausschuss auch weiterhin bestehen – nur eben nicht als ordentliches Organ nach der Satzung. Dadurch wird in der Praxis Vieles einfacher, weil satzungsgemäße Vorgaben wegfallen.

Regionalgruppen

Die Regionalgruppen waren der Versuch, die Naturland-Stammtische in die Satzung einzubin-

den und ihnen perspektivisch eine Rolle bei der Wahl der Delegierten zu geben. Dieser Versuch ist gescheitert, weil die Struktur der Stammtische nur in besonders mitgliederstarken Regionen wirklich gut ausgebildet ist. Deshalb werden die Regionalgruppen wieder aus der Satzung gestrichen. Die Stammtische sollen aber bestehen bleiben, als informelle Treffen außerhalb der Satzung.

Beirat International / World Advisory Board (WAB)

Mit dem starken internationalen Wachstum von Naturland wachsen auch die Anforderungen an eine angemessene Repräsentation der Mitgliedsbetriebe und ihrer Bedürfnisse in den unterschiedlichen Weltregionen. Deshalb wird die Größe des WAB auf bis zu 20 Mitglieder verdoppelt. Dadurch wird es möglich, neben den derzeit neun internationalen Delegierten, die automatisch dem WAB angehören, auch zusätzliche Experten ins WAB zu berufen, um die internationale Entwicklung und die große Vielfalt der Betriebe besser abzubilden.

setzenZeichen

Marion Bohner im Interview

Ab dem kommenden Jahr soll das Naturland-Präsidium mindestens zur Hälfte von Frauen besetzt werden. Diese Satzungsänderung haben die Delegierten Mitte November beschlossen. Schon jetzt ist Marion Bohner Mitglied des Präsidiums. Sie erklärt diese Entscheidung.

Foto: Naturland / Sabine Bielmeier
„Wir brauchen Euer Engagement im Verband, deshalb bringt Euch ein!“

Die Delegiertenversammlung hat die Erweiterung des Präsidiums von fünf auf sechs Personen beschlossen, von denen mindestens die Hälfte Frauen sein sollen. Was sind die Hintergründe dieser Entscheidung?

Wir haben unheimlich viele tolle Bio-Bäuerinnen bei Naturland, deren Leistungen in der Verbandsarbeit aber bislang noch viel zu wenig sichtbar werden. Im kommenden Jahr wird bei Naturland neu gewählt, von den Landesversammlungen bis hin zum Präsidium. Wenn wir wollen, dass sich mehr Frauen bewerben und dann hoffentlich auch gewählt werden, können wir nicht nur abwarten, sondern müssen etwas tun. Mit der paritätischen Besetzung des Naturland-Präsidiums wollen wir ein deutliches Zeichen setzen, mit Signalwirkung für das gesamte Ehrenamt. Die Idee kam übrigens von einem männlichen Delegierten, was mich ganz besonders freut.

Gilt die Quote auch für andere NaturlandGremien?

Zunächst einmal gilt es klarzustellen: Wir haben keine feste Quote beschlossen. Es handelt sich um eine Soll-Bestimmung. Das ist weniger zwingend als eine feste Quote, die ich auch kritisch gesehen hätte. Aber zugleich ist es viel mehr als eine unverbindliche Absichtserklärung. Immerhin schreiben wir das Ziel eines paritätisch besetzten Präsidiums nicht irgendwo fest, sondern in unserer Satzung. Dieses Ziel müssen wir jetzt auch ernsthaft verfolgen.

Die Satzungsänderung selbst betrifft nur das Präsidium. Aber tatsächlich geht es natürlich um mehr. Wir brauchen insgesamt mehr Frauen im Naturland-Ehrenamt, auf allen Ebenen. Aktuell sind unter den 40 Delegierten gerade einmal fünf Frauen. Das sind 12,5 Prozent. In den Landesvorständen sieht es ähnlich mau aus. Da müssen wir besser werden.

Woran liegt es, dass Frauen hier noch so wenig vertreten sind?

Das hat sicher auch damit zu tun, dass Landwirtschaft eher traditionell geprägt ist. Die Arbeit auf dem Hof wird zwar geteilt und wichtige Entscheidungen werden gemeinsam getroffen. Trotzdem ist in den meisten Fällen noch immer nur der Mann als Betriebsleiter eingetragen. Unsere Satzung sieht deshalb vor, dass auch Familienmitglieder wie

Fadl

Naturland e.V. m.fadl@naturland.de

Ehe- und Lebenspartner oder Kinder für einen Posten, etwa im Landesvorstand oder als Delegierte, kandidieren können.

Wie geht es jetzt weiter?

Wir müssen Kandidatinnen finden! Ich bin fest davon überzeugt, dass mehr Frauen in den Entscheidungsstrukturen positive Auswirkungen haben, und das fängt schon bei der Art des Umgangs miteinander an. Also, bitte bewerbt Euch! Und diese Bitte gilt genauso der jungen Generation. Wir brauchen Euer Engagement im Verband, deshalb bringt Euch ein!

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in Uganda Katastrophenhilfe

Starke Regenfälle im Mai 2024 in Uganda führten zu Überflutungen mit vielen Toten. Betroffen ist auch die Naturland-Kooperative „Bukonzo Joint Cooperative Union“. Dank einer Spendenaktion von Naturland erhalten die Flutopfer nun Unterstützung.

Im Mai 2024 wurde die Naturland-Kooperative „Bukonzo Joint Cooperative Union“ in Uganda von schweren Unwettern getroffen. Nach der Katastrophe mit insgesamt 35 Toten und zahlreichen komplett zerstörten Kaffee-Farmen hatte Naturland zu einer Spendenaktion aufgerufen. Dabei kamen insgesamt 20.000 Euro zusammen, die nun

eingesetzt werden, um die Flutopfer beim Wiederaufbau zu unterstützen.

Neben den Naturland-Delegierten und anderen ehrenamtlich Tätigen beteiligten sich auch zahlreiche Mitarbeitende aus allen Naturland-Organisationen mit privaten Spenden. Eine bedeutende Summe kam zudem

aus dem Nachlass von Friedrun Sachs, der leider früh verstorbenen früheren Leiterin der Abteilung Naturland Fair, die sehr eng mit Ost-Afrika verbunden war. Die Endsumme wurde vom Naturland e.V. aufgerundet.

Die „Bukonzo Joint Cooperative Union“ liegt in der Region des Rwenzori-Gebirges im Wes-

< Bilder linke Seite

1 Die Bambussetzlinge werden entlang des Ufers gesetzt. Diese werden hier abtransportiert.

2 Auch die Bauern der NaturlandKooperative Bukonzo Joint wurden von den schweren Unwettern getroffen.

3 Hunderte von kleinbäuerlichen Familien in der Region verloren ihre Häuser.

4 Die zerstörten Kaffee-Waschstationen werden wieder aufgebaut.

ten Ugandas und ist seit 2018 Naturland-Mitglied. Aktuell sind 1.581 Bauern aus der Kasese Region Naturland-zertifiziert und produzieren Arabica-Kaffee in Agroforstsystemen. Bei dem Unwetter im Mai 2024 kam es zu dramatischen Überschwemmungen und Schlammlawinen von den Bergen. 35 Menschen

AUTORIN

Anne-Catrin Hessenland

Naturland e.V. a.hessenland@ naturland.de

wurden tot geborgen, darunter 29 Naturland-Bäuerinnen und Bauern. Hunderte von kleinbäuerlichen Familien in der Region verloren ihre Häuser und häufig auch all ihre Kaffee-Parzellen. Die Familien wurden evakuiert und temporär in Camps untergebracht.

Durch die Flut wurden auch die Mikro-Kaffee-Waschstationen der Kooperativen beschädigt, vor allem die Trocknungstische. Kaffee muss noch am Tag der Ernte verarbeitet werden. Ohne genügend Trocknungstische ist das nicht möglich, die Bauern verlieren dann noch zusätzlich die Einnahmen für die Ernte.

Genau hier setzen die Maßnahmen zum Wiederaufbau an, welche die gemeinnützige ugandische Organisation Tunaweza Foundation (www.tunawezafoundation.org) koordiniert und mithilfe der Spenden aus dem Naturland umsetzt. Unter ande-

rem konnten bislang bereits bei vier Mikro-Kaffee-Waschstationen neue Kaffeetrocknungstische gebaut und Lagerhallen renoviert werden.

Zudem wurden die Bauern mit Baumaterial sowie Bambus- und Niembaum-Setzlingen versorgt. Die Bambussetzlinge sollen entlang des Flussufers gepflanzt werden, um das Risiko neuer Überflutungen zu reduzieren. Der Niembaum ist ein sehr wichtiger Baum in Agroforstsystemen, aus seinen Blättern und Samen wird ein Bio-Insektizid gewonnen.

Bislang haben 729 Kaffee-Erzeuger von den Spenden profitiert, darunter 162 Naturland-Mitglieder. Weitere Maßnahmen sind noch im Gange. Naturland und die Menschen aus der Kasese Region bedanken sich bei allen Spendern. Das ist ein gutes Beispiel dafür, dass man mit Zusammenhalt viel bewegen kann.

(Swahili für: Zusammen können wir es schaffen!)

Dank der Spendenaktion konnten den Bauern unter anderem Baumaterialien sowie Bambus- und NiembaumSetzlinge zur Verfügung gestellt werden.
Fotos:
Bukonzo
Pamoja Tunaweza!

NACHRICHTEN

KARTOFFELKOMBINAT

GEWINNT AWARD

Wie man Stadtbewohner mit biologisch angebauten Lebensmitteln zu fairen Preisen versorgen kann, das zeigt das Kartoffelkombinat aus München auf eindrucksvolle Weise. Rund 2.400 Haushalte beliefert die solidarische Landwirtschaft (SoLaWi) wöchentlich mit selbst angebautem Naturland-zertifiziertem Gemüse und ist damit die größte SoLaWi in Deutschland. Die Mitglieder finanzieren dafür im Gegenzug Gewächshäuser, Felder, Gebäude, Saatgut und laufenden Kosten, so dass der Betrieb gut im Voraus planen kann. Dieses Konzept wurde jetzt mit dem EU Organic Award ausgezeichnet. Betriebsleiter Benny Schöpf nahm stellvertretend für sein Team in Brüssel die Auszeichnung als bester Bio-Bauer entgegen und erklärte bei der

WISSENSTRANSFER

Über die kommenden Monate finden viele Seminare und Fachtage statt. Bewährte Präsenzformate und niederschwellige Online-Veranstaltungen laden Interessierte ein, sich in der ruhigeren Jahreszeit Impulse für die betriebliche Weiterentwicklung zu holen. Alle Veranstaltungen im Bundesgebiet finden Sie online unter www.oekolandbau.de/ forschung/veranstaltungen; Die Organisatoren sind: Biokreis, Bioland, BÖLW, FiBL Projekte GmbH, Forschungsring, Gäa und Naturland. Das Naturland-Bildungsangebot finden Sie unter www. naturland-beratung.de.

Jan Plagge (Präsident des IFOAM Organics Europe) überreichte die Auszeichnung an Benny Schöpf, Sophie Pöll und Agnes Ziegler vom Kartoffelkombinat.

Preisverleihung den Beweggrund des Betriebs: „Für uns als Genossenschaft ist es essenziell, Gemüse so anzubauen, dass niemand darunter leiden muss.“

Der EU Organic Award wird jährlich von der Europäischen Kommission in Zusammenarbeit mit dem Europäischen Wirtschaftsund Sozialausschuss (EWSA),

dem Europäischen Ausschuss der Regionen (AdR), den landwirtschaftlichen Dachorganisationen COPA sowie COGECA und der internationalen Vereinigung der ökologischen Landbaubewegungen (IFOAM) verliehen. Er würdigt Projekte der ökologischen Wertschöpfungskette, die besonders nachhaltig und innovativ sind.

AUSZEICHNUNG FÜR NATURLANDFÖRDERPROGRAMM ARTENVIELFALT

Das Naturland-Förderprogramm Artenvielfalt ist mit dem Sustainability Heroes Award ausgezeichnet worden. Die Naturland Zeichen GmbH als Projektträger erhielt die Auszeichnung in der Kategorie Biodiversität gemeinsam mit den Projektpartnern ALDI Süd und ALDI Nord. Die Deutsche Gesellschaft zur Zertifizierung von Qualitätssicherungssystemen und die Deutsche Gesellschaft für Qualität würdigen mit der Auszeichnung Unternehmen und Organisationen, die sich besonders für Nachhaltigkeit und Umweltschutz einsetzen.

Fotos: zVg

NATURLAND

Next Farmers

Das Junge Naturland prä sentiert sich ab sofort mit einem neuen Namen: Naturland Next Farmers – die nächste Generation von engagierten Landwirtinnen und Landwirten, die mit viel Herzblut und Leidenschaft den ÖkoLandbau vorantreiben. Damit setzen wir als Naturland ein zukunftsweisendes Zeichen!

Ich bin Janina Witt, 28 Jahre alt, und betreue seit Oktober 2024 Naturland Next Farmers. Es liegt mir besonders am Herzen, junge Stimmen aus der Landwirtschaft in den öffentlichen Diskurs einzubeziehen – damit wir gemeinsam an einer nachhaltigen und zukunftstauglichen Landwirtschaft arbeiten können.

zwischen 16 und 35 Jahre alt bist und Dich mit den Werten von Naturland identifizierst, bist du bei Naturland Next Farmers genau richtig!

Bei Naturland Next Farmers können sich junge Mitglieder vernetzen und austauschen. Dazu gehören regionale Treffen, spannende Betriebsbesichtigungen und gemeinsame Besuche von Veranstaltungen. Jeder und jede ist willkommen, mitzugestalten, sich einzubringen oder einfach dabei zu sein.

Dabei spielt es keine Rolle, ob Du bereits die Hofnachfolge angetreten hast, eine Ausbildung auf einem Naturland-Hof absolvierst oder als Mitarbeiterin oder Mitarbeiter auf einem NaturlandHof tätig bist. Wenn Du ungefähr

Hast Du Lust an einem unserer Treffen teilzunehmen? Melde dich bei Interesse an j.witt@naturland.de. Ich freue mich auf dich!

Bis bald!

Janina Witt

Hier schon mal die nächsten Termine von Naturland Next Farmers: Wir besuchen gemeinsam die Grüne Woche in Berlin (17. - 26.01.2025) und die Biofach in Nürnberg (11. - 14.02.2025).

Genauere Infos folgen!

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AUS DER KONTROLLE

Naturland-Betriebe halten die EU-Bio-Verordnung und Naturland-Richtlinien ein. Gemeinsam mit den Kontrollstellen „Gesellschaft für Ressourcenschutz“ und „Austria Bio Garantie GmbH“ beantworten wir hier Ihre Fragen.

Darf ich als Öko-Betrieb gegen Blauzungenerkrankung impfen?

Impfungen – auch gegen die Blauzungenerkrankung – sind grundsätzlich auch im Öko-Landbau erlaubt. Sie zählen nicht zu den maximal drei möglichen Behandlungsgängen von chemisch-synthetischen Tierarzneimitteln (einschließlich Antibiotika) innerhalb von zwölf Monaten. Bei Impfungen gilt nur die einfache Wartezeit – wie auf der Packungsbeilage angegeben.

Bitte beachten: anzeigepflichtige Tierseuchen, zu denen die Blauzungenkrankheit gehört, dürfen NUR vom Tierarzt geimpft werden.

Mein Futterhändler kann kein Naturland-zertifiziertes Futter anbieten. Wie kann ich nun vorgehen?

Hier sollten Sie nach folgendem Schema vorgehen:

1. Nachfrage bei der Naturland-Beratungskraft, ob andere Futtermühlen Naturland-zertifiziertes Futter abgeben können.

2. Ist kein entsprechendes Futter vorhanden, können Sie einen Beleg für den Futterzukauf ausfüllen. Den Beleg finden Sie online unter www.naturland-beratung.de im Reiter Mitglieder-Service -> Anträge und Vorlagen. Der QR-Code führt Sie ebenfalls zum Beleg.

3. Den ausgefüllten und unterschriebenen Beleg senden Sie an Ihre Naturland-Beratungskraft.

4. Je nachdem, um welches Futtermittel es sich handelt, kann die Beratungskraft bestätigen, dass der Futterzukauf den QS-Vorgaben von Naturland entspricht (bzw. auch nicht) oder den Beleg an die Naturland-QS-Abteilung Rohwaren weiterleiten. Diese überprüft dann die Futtermittelherkunft und das Vorliegen weiterer Voraussetzungen für eine Freigabe.

5. In beiden Fällen erhalten Sie eine E-Mail und können, wenn die entsprechenden Bedingungen erfüllt sind, das Futtermittel zukaufen.

Darf ich zur Düngung Nebenprodukte der Lebensmittelerzeugung wie Kartoffelrestfruchtwasser oder Vinasse einsetzen?

ZUR BIO-KONTROLLE?

Dann schicken Sie uns diese an redaktion@ naturland-beratung.de

Ja, Sie dürfen ökologische und auch konventionelle Nebenprodukte aus der pflanzlichen Lebensmittelerzeugung einsetzen, wenn der externe Nährstoff-Input über organische Dünger von 40 kg N und 35 kg P pro Jahr und Hektar nicht überschritten wird und die Freiheit von GVO gesichert ist. Hierfür ist kein Antrag notwendig. Dies gilt für Deutschland und Österreich gleichermaßen. Bei Nebenprodukten der Lebensmittelerzeugung tierischen Ursprungs gelten gesonderte Regelungen: z. B. Fleisch-, Fisch-, Horn-, Haar- und Blutmehl kann eingesetzt werden, hydrolisierte Proteine dürfen hingegen nicht auf essbare Teile der Pflanze angewendet werden.

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TITEL THEMA MENTALE GESUNDHEIT

Leiser

TOD

Viele Bäuerinnen und Bauern leiden unter Burnout, Angstzuständen oder Depression. Gesprochen wird darüber kaum. Naturland-Bauer Christoph Rothhaupt will das ändern.

Es ist der 17. August 2018, frühmorgens. Christoph Rothhaupt quält sich aus dem Bett, er hat Angst. Seit ein paar Wochen hat der Milchviehhalter aus Bayern mit Euterkrankheiten in seiner 80-köpfigen Milchviehherde zu kämpfen. „Nix Schlimmes“, wie er heute sagt. Damals war es aber schlimm für den jungen Landwirt, ganz besonders an diesem Tag: „Ich gehe in den Stall, ziehe den Milchfilter raus und sehe wieder die Flocken. Das war zu viel“, beschreibt Rothhaupt jenen Morgen, der sein Leben verändert hat. Der damals 35-jährige Bauer sackte vor dem Milchtank zusammen und weinte.

Schon eine Zeit lang plagten den jungen Milchviehhalter Selbstzweifel, Angst und Panikattacken. Die viele Arbeit am

„Ich wollte einfach Hilfe, ich war zu allem bereit.“

Betrieb in Kombination mit seinem Hang zum Perfektionismus setzte ihm zu. Ganz schlimm sei das nach dem Tod seines Vaters vier Jahre zuvor gewesen. Damals wurde der Monate vorher bestellte Melkroboter nur wenige Tage nach der Beerdigung des Vaters geliefert und eingebaut. „Ich hatte keine Zeit, den Verlust zu verarbeiten, ich musste funktionieren“, beschreibt der Landwirt. Der Roboter habe sich gut eingegliedert, die Leistung sei nochmals gestiegen. „Aber ich, ich war echt geschlaucht.“ Heute wisse er, dass er damals ein Burnout hatte. Ein zweiwöchiger Urlaub habe ihm wieder Kraft gegeben – aber nicht lange, erzählt er: „Im Mai 2018 ging’s wieder los. Ich war nur noch im Hamsterrad, kam spätabends vom Stall heim und hatte das Gefühl, dass ich nichts mehr fertigbringe.“ Kleine Herausforderungen wurden zu vermeintlich unüberwindbaren Problemen. „Ich wollte nicht

AUTOR

Roman Goldberger

Beratung für Naturland r.goldberger@ naturland-beratung.de

mehr zum Hof fahren. Ich hatte Angst, dass dort etwas Ungeplantes auf mich wartet, für das mir die Kraft fehlte.“ Auch Suizid spielte in den Gedanken des jungen Landwirts eine Rolle: „Ich sagte mir damals, wenn’s nicht mehr geht, dann geht’s nicht mehr – ich hatte meinen Plan.“

Dass es am frühen Morgen des 17. Augusts 2018 nicht so weit kam, verdankt Christoph Rothhaupt seinem damals dreijährigen Sohn und seiner Frau. „Der Gedanke an meinen Sohn hat mich damals am Leben gehalten.“ Seine Frau habe ihm Tage zuvor die Telefon-

„Ich hatte keine Zeit, den Verlust zu verarbeiten. Ich musste funktionieren.“

nummer der Ländlichen Familienberatung hingelegt. Christoph Rothhaupt traf eine Entscheidung: Er rief an.

Psychische Erkrankungen in der Landwirtschaft

Psychische Erkrankungen spielen in der Landwirtschaft eine große Rolle, wie eine Studie aus dem Jahr 2021 unterstreicht. In dieser Untersuchung (Roth, Universität Salzburg) wurden 2.800 Bäuerinnen und Bauern in Deutschland und Österreich befragt. Die Ergebnisse waren eindeutig und bestätigen internationale Unter-

suchungen zum Thema Burnout, Depression und Angstzustände in der Landwirtschaft: 27 % der an der Studie teilnehmenden Bäuerinnen und Bauern waren als Burnout-gefährdet einzustufen, während die Häufigkeit in der Allgemeinbevölkerung Deutschlands bei 6 % liegt (Jacobi et al., 2014). Ähnliche Ergebnisse zeigten sich auch für die Symptome Depression und Angst. 24 % der Bäuerinnen und Bauern erfüllten in der Studie die Kriterien für auffällig depressive Symptomatik und 33 % die Kriterien für Angstsymptome. Zum Vergleich: Die Raten in der Allgemeinbevölke-

Mutterkühe sind weiterhin auf dem Betrieb von Christoph Rothhaupt. Er genießt es, frühmorgens raus zu den Kühen zu fahren.

rung liegen bei 8 % für Depression und 15 % für Angst. Nur die Hälfte der Landwirte dieser Studie zeigte keine Symptome für eine der drei psychischen Störungsbilder, was zur drastischen Schlussfolgerung führt: Fast die Hälfte (46 %) der teilnehmenden Bäuerinnen und Bauern wurde in der Studie als psychisch krank eingestuft. Anzeichen psychischer Erkrankungen sind also tief in der Landwirtschaft verankert. Gesprochen wird darüber aber kaum, es ist ein Tabuthema. Umso wichtiger sind die Beratungsangebote der verschiedenen Organisationen. Diese berichten von einer steigenden Nachfrage nach Beratung. „Immer, wenn es um‘s Zwischenmenschliche in der Landwirtschaft geht, kommen wir ins Spiel“, bringt es eine Beraterin der

Ländlichen Familienberatung auf den Punkt. Auch Naturland bietet ab sofort mit „Naturland vertraulich“ ein Beratungstelefon an (siehe Seite 30).

Beratungstelefon als Anlaufstelle

Christoph Rothhaupt wählte im August 2018 die Nummer der Ländlichen Familienberatung. Es eilte, er brauchte Hilfe. Bereits für den nächsten Tag wurde ein persönliches Treffen in Würzburg vereinbart. Rothhaupt: „Wenn es Berlin gewesen wäre, wäre ich nach Berlin gefahren. Ich wollte einfach Hilfe, ich war zu allem bereit.“ Das persönliche Gespräch sei wichtig gewesen, erzählt er. Er fühlte sich dort sicher und konnte sich öffnen. „Ich

hatte das Gefühl, dass mir geholfen werden kann. Das tat gut.“ Auf dem Nachhauseweg und in den nächsten Tagen und Wochen beschäftigte Christoph

Christoph Rothhaupts Leidenschaft war die Milchviehhaltung. Darin habe er sich komplett verloren, wie er heute sagt.

Rothhaupt eine Frage der Beraterin: Wie wäre es ohne Kühe? Rothhaupt: „Ich habe mir vorher nie erlaubt, darüber nachzudenken. Am Ende war es eine schwere Entscheidung, so Rothhaupt: „Der Stall war meine Leidenschaft, aber ich hatte mich darin komplett verloren. Wir hatten einen guten Stalldurchschnitt, aber das hatte einen hohen Preis: meine Gesundheit.“ Im März 2019

„Es tut gut, die Maske fallen zu lassen.“

kamen schließlich die Kühe weg. Das sei damals hart gewesen, so der Landwirt: „Ich hatte das Gefühl, eine Entwicklung von Generationen platt zu machen.“

Im Nachhinein ist er froh darüber. Er betont aber auch: „Der Ausstieg aus der Tierhaltung ist selbstverständlich keine Generallösung. Andere Landwirte haben

andere Probleme und andere Lösungen.“

Gründe für psychische Belastung

Die bereits erwähnte Studie versucht herauszufinden, welche Gründe hauptverantwortlich für die weit verbreitete psychische Belastung in der Landwirtschaft sind. Dabei werden laut Autorin der Studie folgende Faktoren am häufigsten genannt:

• Agrarpolitik/Richtlinien

• Bürokratie

• Darstellung der Landwirte in den Medien

• finanzielle Schwierigkeiten.

Man könnte also sagen: Agrarpolitik, Bürokratie und Medien treiben Landwirte ins Burnout. Aber ganz so einfach ist es nicht. Die Berater der Ländlichen Familienberatung nennen die Arbeitsbelastung sowie das Zusammenleben mehrerer Generationen am Hof als die häufigsten Beratungsthemen. Klar ist jedenfalls, dass

dringender Handlungsbedarf hinsichtlich Unterstützung und Prävention bei Landwirten besteht. Die Autorin der Studie sieht es so: „Es wird deutlich, dass sich die Lage bereits aufs Äußerste zugespitzt hat und ein Umdenken im Gesundheitssystem, in Politik und Gesellschaft überfällig ist.“

Etwas zurückgeben

Heute betreibt Christoph Rothhaupt gemeinsam mit zwei Partnern einen Naturland-Betrieb mit Ackerbau und Bio-Gemüse samt Verkauf im eigenen Hofladen. Außerdem arbeitet er halbtags im Agrarhandel. „Es geht mir gut“, sagt er. Diesen September hat er die Ausbildung abgeschlossen und arbeitet nun auch in der Ländlichen Familienberatung. Der Naturland-Bauer möchte gegen Schweigen und gegen das Tabu kämpfen. Er hält Vorträge, spricht in Medien über sein Leben und organisiert Gesprächskreise. Jeden ersten Montag im Monat treffen sich 15

Heute betreibt Christoph Rothhaupt einen Naturland-Betrieb mit Ackerbau und Bio-Gemüse samt Verkauf im eigenen Hofladen.
Fotos: Lisa Mauer Fotografie (4), Halfpoint -
(1)

Landwirtinnen und Landwirte. Rothhaupt: „In dieser Gemeinschaft wird aus dem Gefühl, allein mit meiner Krankheit zu sein, plötzlich ein Wir-Gefühl. Der Gesprächskreis stützt uns alle.“ Schade findet er, dass es vielen in der Landwirtschaft immer noch so schwer fällt, über Gefühle zu reden. „Ich beobachte, dass sich viele Landwirte ihren Selbstwert allein aus ihrer Arbeit holen. Das kann nach hinten los gehen und bis zum Burnout führen.“ Zur Einschätzung haben ihm die zwölf

Entwicklungsstufen zum Burnout sehr geholfen. „Ich zeige dieses Schema bei meinen Vorträgen, weil es dem einen oder anderen helfen kann, Alarmsignale besser wahrzunehmen. Wichtig ist zu erkennen, wenn man stetig eine Stufe weiterklettert.“

Leben gerettet

Die Ländliche Familienberatung sei eine ungemein wichtige Einrichtung, sagt Christoph Rothhaupt. „Heute bin ich glücklich,

dass ich diese Nummer gewählt habe.“ Der Anruf am Morgen des 17. Augusts habe sein Leben gerettet. Doch dieses Glück haben leider nicht alle. Die Suizidrate in der Landwirtschaft sei hoch, so Rothhaupt. „Aber darüber, wie es so weit kommen konnte, wird nicht gesprochen – es ist ein leiser Tod.“ Es sei daher wichtig zu wissen, dass diese Krankheit behandelbar ist und man damit auch nicht allein ist. Rothhaupt: „Es tut gut, die Maske fallen zu lassen.“

lisierung

Verhaltensänderungen

Sozialer Rückzug

Vernachlässigen eigener Bedürfnisse

Verdrängen von Konflikten

Umdeutung von Werten

Verleugnen auftretender Probleme

DIE 12 STUFEN DES BURNOUTS

nach Freudenberger

Burnout ist ein medizinisch anerkannter Risikozustand schwerer körperlicher, emotionaler und psychischer Erschöpfung. An einem Burnout-Syndrom leidet jedoch keiner von heute auf morgen, es handelt sich um einen schleichenden Prozess. Mit den 12 Stufen nach Freudenberger lässt sich die aktuelle Situation realistisch einschätzen. Aber Vorsicht: Nicht jede dieser 12 Stufen zeigt sich für jeden Menschen in der gleichen eindeutigen Weise.

1. Starkes Engagement, hohe Ansprüche an sich selbst – über die Grenzen hinweg

2. Gefühlte Unentbehrlichkeit, lange Arbeitstage, Bereitschaft zu neuen Aufgaben

3. Familie, Freunde und eigene Bedürfnisse (z.B. Schlaf) werden hintenangestellt.

4. Aufgabe von Hobbys, Vergessen von Terminen oder Aufgaben, Schwächegefühl

5. Soziale Kontakte, auch enge Bezugspersonen, werden als Belastung empfunden.

6. Offensichtliche Überlastung wird geleugnet, Widerstand zur Arbeit zu gehen

7. Abfallende Leistung wird erkannt, Hoffnungslosigkeit, Alkohol und andere Ersatzbefriedigung

8. Verhaltensänderung ist offensichtlich, Besorgte werden zurückgewiesen, soziale Verflachung

9. Man muss funktionieren, Persönlichkeit wird nicht mehr gefühlt

10. Ständige Müdigkeit, Angst und Panikattacken

11. Antriebslosigkeit, existenzielle Verzweiflung

12. Lebensgefährliche geistige, körperliche und emotionale Erschöpfung

NATURLAND vertraulich

Das Beratungstelefon ist jeden Dienstag von 12 bis 14 Uhr unter der Telefonnummer +49 (0)89/89 80 82-222 besetzt. Ein Gesprächstermin ist aber auch außerhalb dieser festen Beratungszeit immer möglich. Man muss nur über ein OnlineKontaktformular auf www.naturland.de/naturland-vertraulich eine Rückrufbitte hinterlassen.

Über den QR-Code kommen Sie direkt zum Formular.

Wenn die Probleme größer werden, tut es oft gut, mit jemandem darüber zu reden. Naturland bietet seit Neustem ein Beratungstelefon an, Initiatorin Brigitte Lenhard-Scheithauer stellt es vor.

Naturland bietet ein Beratungstelefon an. Wie kam es dazu?

Brigitte Lenhard-Scheithauer: Das Thema an sich ist nicht neu. Die Anfänge der Landwirtschaftlichen Familienberatung, in der ich selbst auch gearbeitet habe, gehen zurück bis in die frühen 1990er Jahre. Seither ist zwar einerseits die Zahl der Angebote stark gewachsen, der Bedarf andererseits aber auch – und sogar noch stärker. Es ist aber immens wichtig, dass Betroffene immer wissen, wohin sie sich wenden können. Mit dem Beratungstelefon wollen wir unseren Beitrag als Verband dazu leisten, dass hier keine Lücke entsteht.

Woran liegt der zunehmende Bedarf?

Ich sehe da im Wesentlichen zwei Faktoren: Zum einen ist das Thema mentale Gesundheit in der Gesellschaft heute endlich kein Tabuthema mehr. Man kann offen darüber sprechen, wenn man Pro-

bleme hat. Es ist kein Makel mehr damit verbunden. Das gilt zum Glück zunehmend auch für die Landwirtschaft, obwohl man auf dem Hof traditionell vielleicht noch eher geneigt ist, Probleme nicht nach außen zu tragen, sondern alles mit sich selbst auszumachen.

Der zweite Faktor betrifft die allgemeine Situation in der Landwirtschaft, die – wie wir ja alle wissen – auch nicht gerade leichter wird. Stichworte sind etwa Arbeitsüberlastung, finanzieller Druck, Zukunftsfragen: Wie geht es weiter, übernimmt noch jemand den Hof? Oder die manchmal sehr beglückende, manchmal aber auch sehr herausfordernde Situation, mit mehreren Generationen auf einem Hof gemeinsam zu leben und zu arbeiten –das gibt es so auch fast nur in der Landwirtschaft.

Haben Landwirte also mehr psychische Probleme als andere?

Nicht grundsätzlich. Allerdings ist es schon so, dass das Risiko, psychisch zu erkranken, in der Landwirtschaft signifikant höher ist als im Durchschnitt. Eine Studie aus dem Jahr 2021 bestätigt, dass Symptome von seelischen Belastungen wie Angstzuständen, Burnout oder Depression bei Landwirten deutlich häufiger auftreten als in der Allgemeinbevölkerung. Das hängt mit den bereits genannten besonderen Herausforderungen zusammen.

Fotos: Naturland / Sabine Bielmeier; Agrarfoto

Arbeitsüberlastung, finanzieller Druck, Zukunftsfragen – Studien belegen, dass Symptome von seelischen Belastungen bei Landwirten deutlich häufiger auftreten als in der Allgemeinbevölkerung.

„Naturland ist eine Gemeinschaft und in der Gemeinschaft ist man füreinander da, auch wenn’s mal schwieriger wird.“

Sind Bio-Betriebe genauso betroffen?

Dazu gibt es keine Studien. Es wäre durchaus interessant, das einmal wissenschaftlich zu erheben. Ich denke aber, dass die Sinnhaftigkeit der eigenen Arbeit sowie die Anerkennung, die man seitens der Gesellschaft dafür erfährt, wichtige Faktoren für die eigene Zufriedenheit sind. Und da stehen Bio-Landwirte sicher besser da als ihre konventionellen Kollegen.

Abgesehen davon können Bio-Bäuerinnen und Bauern aber natürlich genauso von Krisen, Schicksalsschlägen oder ganz einfach von Erkrankungen betroffen sein. Das ist der Grund, weshalb wir dieses Angebot mit dem Beratungstelefon machen. Naturland ist eine Gemeinschaft und in der Gemeinschaft ist man füreinander da, auch wenn’s mal schwieriger wird.

Wen kriege ich denn ans Telefon, wenn ich dort anrufe?

Vor allen Dingen jemanden, der zuhört – aus einer wohlwollenden und unterstützenden Haltung heraus, ohne Wertung oder Urteil. Wir sind drei Kolleginnen aus unterschiedlichen Funktionen im Naturland-Hauptamt, die alle eine Zusatzausbildung im Bereich der psychosozialen Beratung mitbringen. Über alles, was uns am Telefon anvertraut wird, bewahren wir striktes Stillschweigen – wie schon der Name „Naturland vertraulich“ sagt.

Was ist das Ziel der Beratungsgespräche?

Wir wollen Menschen auf Naturland-Betrieben

unterstützen, ihren eigenen Weg zu finden, um mit möglichen Problemen umzugehen. Oft kann es schon genügen, mal mit einer unbeteiligten, neutralen Person darüber zu sprechen, um eine neue Perspektive zu entdecken und damit vielleicht eine Lösung.

Und wenn das nicht reicht?

Wenn wir nicht selbst helfen können, dann wissen wir zumindest, wer es vielleicht kann. Wir haben gar nicht den Anspruch, immer selbst eine Lösung anzubieten, das wäre vermessen. Aber wir können dabei helfen, den nächsten Schritt zu gehen.

Es gibt sehr viele professionelle Hilfsangebote für die unterschiedlichen Situationen, aber man muss wissen, was es gibt und wo. Wir können dabei unterstützen, das Richtige zu finden. Das ist ein wesentlicher Bestandteil unseres Angebots.

Wann kann man Euch erreichen und wie?

Es gibt ein Kontaktformular auf der NaturlandHomepage, über das man uns jederzeit per E-Mail erreichen kann. Dann melden wir uns möglichst umgehend zurück. Außerdem gibt es feste Beratungszeiten, fürs Erste immer dienstags von 12 bis 14 Uhr. Dann kann man einfach anrufen und hat direkt eine von uns dreien am Hörer. Wir möchten zunächst einmal austesten, wie stark das Angebot tatsächlich genutzt wird. Sollte der Bedarf größer sein, kann das später auch noch ausgebaut werden.

WER HÖRT ZU?

Über die Telefonnummer des Beratungsangebots „Naturland vertraulich“ finden Sie jemanden, der Ihnen zuhört und Sie unterstützt, Ihren eigenen Weg zu finden.

Doch wer sind die Menschen hinter „Naturland vertraulich“?

Brigitte Lenhard-Scheithauer ist schon seit 35 Jahren bei Naturland. Als Mitglied mit einem Nebenerwerbsbetrieb in Unterfranken war sie von 1989 bis 2003 im Landesvorstand Bayern, die ersten fünf Jahre davon als dessen Vorsitzende. Seit 2009 werden die Flächen von einem anderen Naturland-Betrieb bewirtschaftet, seither arbeitet Lenhard-Scheithauer hauptberuflich beim Verband in der Zertifizierung.

Bereits in den 1990er Jahren arbeitete LenhardScheithauer zudem neben der Landwirtschaft auch in der Landwirtschaftlichen Familienberatung. Nach ihrer Ausbildung zur Diplom-Therapeutin war sie für die Psychologische Beratungsstelle für Ehe, Familie und Lebensfragen der Diözese Würzburg tätig.

Nicol Georgiadou und Martina Weber sind die weiteren Ansprechpartnerinnen von „Naturland vertraulich“. Nicol Georgiadou ist seit 2012 Assistentin der Geschäftsleitung und hat eine Zusatzausbildung als Coach und Achtsamkeitstrainerin. Martina Weber ist Teamleiterin der Naturland-Personalabteilung. Nach der Ausbildung zur systemischen Beraterin absolviert Weber derzeit noch eine berufsbegleitende Fortbildung zur systemischen Kinder-, Jugend- und Familientherapeutin.

Nicol Georgiadou, Martina Weber und Brigitte Lenhard-Scheithauer (v.li.) sind die Menschen hinter dem Beratungsangebot „Naturland vertraulich“.

BIO-MILCHMARKT

Der Bio-Milchpreis hat weiter steigende Tendenz, allerdings nicht in dem Maße, wie es sein müsste. Im September 2024 lag der gemittelte Bio-Milchpreis für 4,0 % Fett und 3,4 % Eiweiß bei 58,1 Cent.

Gute Nachfrage

Laut AMI lag die Nachfragesteigerung bei Bio-Konsummilch von Januar bis August 2024 mit 8 % wieder deutlich über dem Vorjahresniveau. Gleichzeitig lag auch die Erzeugung und damit das Angebot an Bio-Milch im bisherigen Jahresverlauf über dem Vorjahresniveau. Von Januar bis Juli lieferten die deutschen Landwirte rund 2 % mehr Bio-Milch an die Molkereien als im Vorjahreszeitraum. Die zusätzlich anfallenden Mengen werden gut vom Markt aufgenommen. Bis November gehen die BioMilchmengen saisonal bedingt zurück. Dabei könnte der Rückgang durch die Ausbreitung der Blauzungenkrankheit und die hochsommerlichen Temperaturen im August und Anfang September verstärkt werden.

Ausblick

Die starke Nachfrage der privaten Haushalte, eine leicht positive Entwicklung in der Außerhausverpflegung, hohe konventionelle Spotmarktpreise und das Weihnachtsgeschäft bei guter Konjunkturlage sind beste Aussichten für weiter steigende Erzeugerpreise. Mit Blick auf den konventionellen Markt müssten sich die Bio-Preise aber deutlich nach oben bewegen, um den Bio-Milchmarkt weiterzuentwickeln und faire Erzeugerpreise zu generieren. Die Naturland Zeichen GmbH führt seit Mitte 2024 Gespräche mit dem Handel, um darauf aufmerksam zu machen.

BIO-HEUMILCH

Die Preise für Bio-Heumilch sind seit Januar bei den hier abgebildeten fünf deutschen und drei österreichischen Naturland-zertifizierten Molkereien konstant bis leicht angestiegen. Zwei der acht Molkereien haben Sommerpreisabsenkungen, die Schönegger Käsealm hat hingegen seit 2024 einen Sommerzuschlag eingerichtet. Der österreichische Bio-Heumilchpreis liegt im Unterschied zum „Silomilchpreis“ immer relativ nah am deutschen Durchschnittspreis. Der Bio-Zuschlag 2024 bei Heumilch beträgt aktuell 9,4 Cent, bei Silomilch sind es nur 7,3 Cent.

Preise für ökologisch und konventionell erzeugte Kuhmilch in Deutschland (4,0% Fett, 3,4% Eiweiß, in Cent/kg netto)

Preise für ökologisch und konventionell erzeugte Kuhmilch in Österreich (4,0% Fett, 3,4% Eiweiß, in Cent/kg netto)

Bio-Heumilch: Durchschnittspreise* von Naturland-zertifizierten Molkereien (Jan-Aug 2024, in Cent/kg netto)

Gläserne Molkerei

Schlierbachmilch (AT) mit ZZU bzw. JA Natürlich

Allgäu Milch Käse e.G. Kimratshofen

Andechser Molkerei Scheitz

Durchschnittspreis Deutschland

Käserei Woerle (AT)

Salzburgmilch (AT)

Durchschnittspreis Österreich

Schwarzwaldmilch

Schönegger Käsealm

* 4,0 % Fett und 3,4 % Eiweiß, alle Preise inkl. S-Zu- und Abschläge

AUTOR

Stephan Scholz

Naturland Zeichen GmbH s.scholz@ naturland-zeichen.de

NATURLAND-RANKING

Alle Naturland-zertifizierten Molkereien konnten ihre Auszahlungspreise im Verlauf der letzten acht Monate halten oder anheben, allerdings mit großen Unterschieden. Außerdem fiel der Preisanstieg in den meisten Fällen moderat aus. Den durchschnittlichen Preisanstieg konventioneller Milch konnten nur vier Molkereien mit ihrem Bio-Milchpreis übertreffen. Entsprechend weit auseinander liegen daher weiterhin die individuellen Molkereipreise, aktuell liegen 9,2 Cent zwischen dem billigsten und teuersten Preis. Zehn Molkereien liegen mit ihrem Auszahlungspreis

Bio-Milch: Durchschnittspreise* von Molkereien mit Naturland-Lieferanten (Jan-Aug 2024, in Cent/kg netto)

Ammerland

Milchwerke Ofr. West

Milchwerke Schwaben

Lobetal

Bayernland (Domspitz, Beyreuth)

Hochland

Naabtaler Milchwerke

Saliter Ehrmann

Allgäu Milch Käse e.G. Kimratshofen

Bad Wörishofen

Andechser Molkerei Scheitz

Durchschnittspreis Deutschland

Zott

Würzburger Milchwerke (Lactalis)

Gropper

MVO Rückholz

Gläserne Molkerei

Nordseemilch

Berliner Milchmanufaktur

Bergpracht

Söbbeke

Gropper Moers Frischeprodukte

Arla Foods

Salzburgmilch (AT)

Schwarzwaldmilch

Berchtesgadener Land

Käserei Leupolz

Durchschnittspreis Österreich

Goldsteig Käsereien

* 4,0 % Fett und 3,4 % Eiweiß, alle Preise inkl. S-Zuschläge

über dem deutschen Durchschnittspreis. Im NaturlandRanking ist zur Information auch der österreichische Auszahlungspreis laut Agrarmarkt Austria (AMA) aufgeführt. Dieser fällt aktuell mit 53,8 Cent sehr

niedrig aus. In Österreich sind die rechnerischen Bio-Zuschläge immer deutlich niedriger als in Deutschland. Zuletzt waren die Bio-Milchpreise in Österreich aber stärker angestiegen als in Deutschland.

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Wir beraten Sie gerne unverbindlich:

Quelle: Naturland Zeichen
GmbH, Durchschnittspreise von
Upländer Molkerei
Schlierbachmilch (AT)

Mehr

Planbarkeit

AUTOR

Roman Goldberger

Beratung für Naturland r.goldberger@ naturland-beratung.de

Jörg Große-Lochtmann von der Marktgesellschaft der Naturland Bauern AG fordert mehr Planbarkeit am Bio-Markt und kostenorientierte Preise für Landwirte.

MARKTGESELLSCHAFT

DER NATURLAND BAUERN AG

Die Marktgesellschaft der Naturland Bauern AG ist die größte Bio-Erzeuger-Gemeinschaft in Deutschland. Über 1.000 Landwirte sind Aktionäre, fast 2.500 Bio-Betriebe vermarkten jedes Jahr ihre Produkte über die Marktgesellschaft. Jörg Große-Lochtmann ist Vorstand der Marktgesellschaft.

Wie entwickelt sich aktuell der Bio-Markt für Druschfrüchte?

Unterschiedlich; Futtergetreide wird derzeit stärker nachgefragt als Speiseware. Generell wird auch Verbandsware mehr gesucht als EU-Bio-Ware. Die Menge an Naturland-Produkten wächst derzeit am stärksten.

Dennoch ist das Preisniveau für Landwirte auf so niedrigem Niveau, dass kaum Betriebe neu umstellen. Woran liegt das?

Viele Verarbeiter haben sich zu Beginn der Ernte weitreichend für die Saison eingedeckt. Das hat man im Frühjahr gespürt. Außerdem fehlt noch die Erfahrung über die tatsächlichen Abverkaufsmengen vieler, neu gelisteter Naturland-Produkte im Handel. Mehr Planbarkeit und Erzeugerkostenorientierte Mittelfristpreise wären daher wichtig.

Haben die Kriege in der Ukraine sowie im Nahen Osten Einfluss auf den Bio-Markt?

Diese Krisen haben Einfluss auf alle Märkte und natürlich auch auf den Bio-Markt. Zum einen sind die Verbraucher verunsichert ob der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung und neigen mehr zum Sparen. Zum anderen führen die Ukraine als Ex-

portland und die aktive Einflussnahme Russlands auf den Getreidemarkt zu hohen Volatilitäten.

Bei welchen Bio-Kulturen ist die Nachfrage gut?

Zu den sicher nachgefragten Produkten zählen weiter Hafer, Leguminosen, Weizen und einige Sonderkulturen. Gefragt ist Verbandsware, darunter überwiegend Naturland. Wichtig wären nun vor der Aussaat korrespondierende Bedarfs- und Preissignale aus dem Markt, um das spekulative Momentum zu verringern.

Wie sieht die Situation bei Dinkel und Roggen aus? Dinkel ist eines der spekulativeren Bio-Produkte. Nachdem die Nachfrage 2023 zusammenbrach, wurde drastisch weniger ausgesät. Naturgemäß waren die Erntemengen 2024 geringer. Gleichzeitig zeigte sich im Jahresverlauf ein höherer Bedarf, weshalb sich viele Abnehmer bereits vor der Ernte 2024 gut mit Ware eingedeckt haben. Das gab dem Preis einen leichten Auftrieb. Bei Dinkel bin ich aber vorsichtig, denn es kommt immer noch Altware aus 2023 auf den Markt. Außerdem haben die Bio-Bauern mit einer Ausweitung der Herbstaussaat 2024 reagiert. Warten wir die Entwicklung im Frühjahr ab.

Foto: Goldberger

Nach dem Einbruch der Dinkel-Nachfrage 2023 erholt sich dieser Bio-Markt langsam. Prognosen sind schwierig, Dinkel ist eines der spekulativeren Bio-Produkte.

Roggen wurde im vergangenen Wirtschaftsjahr aufgrund der niedrigen Preise weniger angebaut. Das führte 2024 zu begrenzten Erntemengen, dazu kommt noch das Mutterkornrisiko bei zukünftig sinkenden Grenzwerten. Der niedrige Preis zur Aussaat 2024, steigendes Risiko und begrenztes Ertragspotenzial drängen den Roggen trotz geringer Ansprüche aus der Fruchtfolge. Aktuell ziehen die Preise leicht an.

Viele Landwirte verstehen nicht, dass die Sojapreise in den letzten Jahren zurückgegangen sind, obwohl doch in Europa viel zu wenig Soja produziert wird. Können Sie das erklären?

Beim Sojamarkt muss man klar zwischen Speisesoja und Futtersoja unterscheiden. Nur bei Speiseware ist die regionale Präferenz hoch genug, um ein ausreichend hohes Preisniveau für den heimischen Anbau abzusichern. Bei Futtersoja hingegen sind wir in hohem Maße auf das europäische, günstigere Angebot angewiesen. Das Preisniveau von Soja aus Süd- und Südost-Europa ist wesentlich niedriger. Das drückt den Preis.

Wintererbse und Winterackerbohne werden häufiger angebaut, wenn auch auf niedrigem Niveau. Steigt hier die Nachfrage?

Gemenge sind für Betriebe mit eigener Futtermischung ein hervorragendes Futter, das gezielt mit Eiweißergänzern aufgemischt werden kann. Von Futtermühlen sind sie aus rechtlichen Gründen nur getrennt einsetzbar und das ist technisch anspruchsvoll. Generell unterliegen Erbsen und Ackerbohnen hinsichtlich Speise- und Futterverwertung aber engen Grenzen. Durch die vorgeschriebene 100%ige Bio-Fütterung und den damit verbundenen höheren Anspruch an essenziellen Aminosäuren verlieren sie gegenüber Soja an Bedeutung.

Zudem sind Winterleguminosen für die Speise- und oft auch Futterverwertung aufgrund der dunkleren Farbe und der Eiweißqualität weniger einsetzbar.

Gibt es einen wachsenden Bio-Markt für Linsen, Kichererbsen, Raps und andere Bio-Exoten?

Den gibt es, aber er ist produktspezifisch mit Augenmaß auszubauen. Dabei ist der regionale Mehrpreis mit dem Mehraufwand und dem Ernterisiko abzuwägen. Diversifizieren und ausprobieren ist zwar eine Tugend der guten Bio-Betriebe. Allerdings sollte hier keinesfalls eine Hochrisikostrategie eingegangen werden. Man muss sich bewusst sein, dass es in diesen Segmenten immer günstigere Angebote aus anderen Regionen geben wird.

Welche Kulturen können Sie für den Frühjahrsanbau empfehlen?

Eine Ausweitung der Fläche kann ich bei Leguminosen und Hafer empfehlen – in Absprache mit dem Abnehmer auch bei Sonnenblumen, bestimmten Sonderkulturen und auf geeigneten Standorten bei Sommerroggen.

Seit vier Jahren bietet die Marktgesellschaft der Naturland Bauern die gemeinsame Vermarktung mit BAT Agrar und der Raiffeisen Waren GmbH an. Wo liegen die Vorteile für die Naturland-Bauern?

Mit der aus dieser Zusammenarbeit entstandenen neuen Bio Kontor GmbH ergeben sich viele Vorteile, etwa die bessere Erfassung in der Fläche in ganz Deutschland, die gemeinsame Auslastung von Lagern und die Logistik bei der Erfassung. Der größte Vorteil ist aber die Angebotsbündelung. Sie schafft Möglichkeiten und Sicherheit bei der Belieferung großer Kunden und Preisstabilität für Landwirte durch Verhandlung auf Augenhöhe.

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Der Einkauf erfolgt eigenständig über unsere drei erfahrenen Partner in der Landwirtschaft:

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Vertriebsinnendienst

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FÖRDERPROGRAMM ARTENVIELFALT

Es geht wieder los

Das Naturland-Förderprogramm Artenvielfalt geht in die nächste Runde. Ab Januar können Sie über das Förderportal biodiversitätsfördernde Maßnahmen beantragen.

AUTORIN

Johanna Saxler

Naturland e.V.

j.saxler@ naturland.de

&AUTORIN

Ulrike Wochnig

Naturland Zeichen GmbH

u.wochnig@ naturland-zeichen.de

Andreas Knobloch steht in seiner Zwischenfrucht und nickt zufrieden. „Sie hat sich dieses Jahr wieder gut entwickelt“, sagt der Naturland-Bauer aus Winhörig bei Altötting (Bayern). Der 49-jährige Bio-Bauer hat dieses Jahr am Naturland-Förderprogramm Artenvielfalt teilgenommen. Zwanzig Hektar Zwischenfrucht und vierzig Hektar Kleegras werden somit finanziell unterstützt.

Nachhaltigkeitsstrategie

Naturland hat sich im Rahmen seiner Nachhaltigkeitsstrategie zum Ziel gesetzt, die zentralen Herausforderungen unserer Zeit wie Klimawandel und Artensterben in Chancen zu verwandeln. Mit dem Naturland-Förderprogramm Artenvielfalt wird genau dies umgesetzt: Das Programm unterstützt Naturland-Bäuerinnen und Bauern dabei, die Biodiversität auf ihren Betrieben zu fördern und zugleich das Klima zu schützen. Dabei werden unter anderem ausgewählte, biodiversitätsfördernde Maßnahmen finanziell unterstützt. Das Programm besteht zudem aus weiteren Bausteinen (siehe Infobox).

2024 war ein großer Erfolg

Das Naturland-Förderprogramm Artenvielfalt verzeichnete 2024 große Erfolge und wurde seither intensiv weiterentwickelt:

Die fachliche Basis wurde verbreitert und ein neuer Leitfaden für den Weinbau wird in Kürze veröffentlicht. Die bereits erschienenen Leitfäden zur Förderung der Biodiversität im Obstbau, auf dem Acker, im Grünland, an der Hofstelle und zur Schaffung von

Naturland-Bauer Andreas Knobloch nimmt am Förderprogramm Artenvielfalt teil.

Vernetzungsstrukturen in der Landschaft, einem Biotopverbund, stießen auf großes Interesse und positive Resonanz.

Darüber hinaus fanden vier gut besuchte OnlineBildungsveranstaltungen statt, die aufzeigten, wie Biodiversität und Produktion gut miteinander verbunden werden können.

Auch die erste finanzielle Förderrunde im März 2024 war ein voller Erfolg. „Das Interesse der NaturlandBetriebe an einer Teilnahme war so groß, dass der Fördertopf innerhalb weniger Minuten ausgebucht war“, berichtet Wilhelm Heilmann, Geschäftsführer der Naturland Zeichen GmbH. Mit Unterstützung des Förderprogramms werden so in diesem Jahr auf über 900 Hektar Fläche verschiedene konkrete Maßnahmen zur aktiven Förderung der Artenvielfalt umgesetzt.

Quelle: Naturland

DIE DREI BAUSTEINE DES FÖRDERPROGRAMMS

Das Förderprogramm besteht aus drei Bausteinen, die auf der fachlichen Grundlage des „Leitfadens Biodiversität auf Naturland-Höfen“ aufbauen:

• Eine digitale Biodiversitätsabfrage soll es zukünftig ermöglichen, die Leistungen der Naturland-Höfe für mehr Artenvielfalt zu erfassen und sichtbar zu machen.

• Naturland-Betriebe werden im Rahmen von Bildungsangeboten und durch das weitreichende Beratungsangebot der Beratung für Naturland zur Umsetzung von biodiversitätsfördernden Maßnahmen informiert und bei der praktischen Umsetzung unterstützt.

• Ausgewählte biodiversitätsfördernde Maßnahmen werden finanziell unterstützt. Für die finanzielle Abwicklung und Unterstützung ist die Naturland Zeichen GmbH zuständig.

Der überjährige Schutzstreifen im Grünland dient als Überwinterungshilfe für Insekten. Hier ein Schachbrettfalter in einem Schutzstreifen.

Auch die Anlage von Hecken wird über das Förderprogramm unterstützt.

Der Fördertopf füllt sich kontinuierlich durch den Verkauf von Produkten, die neben dem Naturland-Zeichen auch das Label „Für mehr Artenvielfalt“ tragen. Bis Ende des Jahres sind ALDI Süd und ALDI Nord exklusive Partner des Programms. Ab 2025 ist das Programm auch für weitere Partner der Naturland Zeichen GmbH aus Handel und Verarbeitung offen.

Gemeinsam mit ALDI Süd und ALDI Nord hat die Naturland Zeichen GmbH im Herbst 2024 den Sustainability Heroes Award für das Naturland-Förderprogramm Artenvielfalt gewonnen (siehe Seite 14).

Ablauf der neuen Förderrunde 2025

Am 15. Januar startet eine neue Förderrunde, bei der sich alle Naturland-Höfe aus Deutschland und Österreich unter www.mein-naturland.de in einem zweiwöchigen Antragszeitraum für die Förderung von biodiversitätsfördernden Maßnahmen bewerben können. In einer darauffolgenden Zuteilungsphase wird das zur Verfügung stehende Fördergeld fair und gerecht auf die Betriebe verteilt. Ziel ist, dass möglichst viele Naturland-Betriebe finanzielle Unterstützung für biodiversitätsfördernde Maßnahmen erhalten. Die Bekanntgabe der Mittelverteilung erfolgt bis spätestens Mitte März. Pro Betrieb ist die maximale Förderhöhe auf 10.000 Euro festgelegt. Die erste Hälfte des Jahresbetrags wird bereits nach erfolgreicher Buchung ausbezahlt, die restliche Summe nach Bestätigung der nötigen Aktivitäten zur Durchführung der Maßnahmen.

Fünf Maßnahmen

Naturland-Höfe können 2025 Förderungen für fünf biodiversitätsfördernde Maßnahmen erhalten. Neu ist eine Maßnahme für Grünland-Betriebe, perspektivisch sollen noch weitere Maßnah-

men in das Förderprogramm aufgenommen werden. Die vier bekannten Maßnahmen aus der ersten Phase wurden teilweise inhaltlich angepasst. Zum Beispiel ist bei der Maßnahme „Überjährige Schutzstreifen im Grünland“ jetzt auch ein WeideSystem möglich. Die Maßnahmen der an-

stehenden Förderphase sind:

• Überjährige Schutzstreifen im Grünland als Überwinterungshilfe für Insekten (ehemals „Überjährige Altgrasstreifen“)

• Sommer-Rückzugsorte im Grünland

• Überwinternde vielfältige Zwischenfrucht

• Wildtierfördernde Nutzung von Klee- und Luzernegras

• Neuanlage von Hecken zur Vernetzung von Lebensräumen.

Konkrete Informationen zu den Maßnahmen finden Sie in übersichtlichen Maßnahmen-Steckbriefen, die im Förderportal zum Download zur Verfügung stehen. Darüber hinaus wird ein Online-Informationstag zum Förderprogramm stattfinden, bei dem sich alle Interessierten zu relevanten Details, Terminen und Anforderungen informieren können (siehe Infokasten).

Naturland-Bauer Andreas Knobloch möchte jedenfalls auch im kommenden Jahr wieder am Förderprogramm teilnehmen. Tatsächlich werden 2025 mehr Landwirtinnen und Landwirte am Programm teilnehmen können, weil mittlerweile auch der Fördertopf gewachsen ist. Andreas Knobloch ist zufrieden: „Es ist großartig, was Naturland hier geschafft hat und gut, dass unser Beitrag für mehr Biodiversität und Nachhaltigkeit unabhängig von staatlichen Programmen unterstützt wird.“

ONLINE-INFORMATIONSTAG AM 14.01.2025

Das Förderprogramm Artenvielfalt geht in die nächste Runde! Naturland gibt Ihnen die Möglichkeit, sich optimal darauf vorzubereiten. Die Online-Veranstaltung informiert zu den organisatorischen und technischen Abläufen rund um die Teilnahme und beleuchtet jede Fördermaßnahme. Sie können individuell an für Sie relevanten Vorträgen teilnehmen. Weitere Informationen zum Programm und zur Anmeldung finden Sie hier:

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10 Fragen ZUR BLAUZUNGENKRANKHEIT

AUTOR Sebastian Wagner

Beratung für Naturland s.wagner@ naturland-beratung.de

Die Blauzungenkrankheit ist zurück – und zwar mit einem neuen Serotyp. Was Sie dagegen tun können, haben wir in kurzen Antworten auf zehn Fragen zusammengefasst.

1.

WAS IST DIE BLAUZUNGENKRANKHEIT?

Die Blauzungenkrankheit ist eine Virusinfektion, an der nur Wiederkäuer erkranken. Sie ist in den letzten Jahren schon mehrfach seuchenartig aufgetreten. Neu ist, dass es sich beim aktuellen Seuchengeschehen um den Virus Serotyp 3 (BTV 3) handelt, der heftigere Symptome hervorruft als die bisherigen Serotypen. Auch der Serotyp 3 ist nicht auf den Menschen übertragbar, Fleisch und Milchprodukte von betroffen Tieren sind unbedenklich. Folgende Tierarten sind für die Krankheit empfänglich: Rinder, Schafe, Ziegen sowie Rehe und Hirsche.

2.

WIE WIRD DIE BLAUZUNGENKRANKHEIT ÜBERTRAGEN?

Gnitzen (Mückenart) saugen Blut von Virus-tragenden Tieren und übertragen das Virus durch Stich auf ein gesundes Tier. Auch wenn das Virus-tragende Tier keine Krankheitssymptome zeigt, kann es infektiös sein. In den Wintermonaten ist die Übertragungswahrscheinlichkeit durch Gnitzen gering. Die Gnitzen können aber im Stall überwintern und breiten sich dann im Frühjahr wieder aus. Somit steigt im Frühjahr die Wahrscheinlichkeit, dass sich das Virus verbreitet. Aus eigener Kraft können Gnitzen drei bis fünf Kilometer weit fliegen. Da Gnitzen aber klein sind (1 – 3 mm), können sie durch den Wind transportiert werden und so wesentlich weiter vorankommen. Es ist mit einem Radius von 100 bis 150 km zu rechnen.

3.

WIE WIRD EINE INFEKTION FESTGESTELLT?

Das Virus selbst ist etwa 40 bis 80 Tage im Körper aktiv. Mit einer Blutprobe wird die Infektion nachgewiesen. Anhand des sogenannten PCR-Tests kann ein Virusbefall in der Vergangenheit deutlich länger zurück festgestellt werden.

4.

WELCHE SYMPTOME ZEIGEN SICH BEI DER BLAUZUNGENKRANKHEIT?

Die Krankheitszeichen unterscheiden sich je nach Tierart.

Bei Schafen endet eine Erkrankung mit BTV 3 häufig tödlich. Die Tiere werden teilnahmslos, teilweise bekommen sie Fieber, Entzündungen der Bindehaut, des Zahnfleisches, der Lippen und der Nase. Es können sich in schweren Fällen Einblutungen in den Maul- und Nasenschleimhäuten und auch der Zunge bilden. Diese färben sich dann manchmal blau, was der Krankheit ihren Namen gibt. Zudem ist die Fruchtbarkeit stark beeinträchtigt. Auch bei Schafböcken wird berichtet, dass sie mehrere Monate nach einer Infektion unfruchtbar sein können. Bei Rindern treten Todesfälle selten auf, sie zeigen trotzdem teils deutliche Krankheitszeichen (hohes Fieber, fließende Nase, Frühgeburten, Aborte, anfällige Kälber). Großer wirtschaftlicher Schaden kann durch einen deutlichen und längerfristigen Rückgang der Milchmenge und eingeschränkte Fruchtbarkeit entstehen. Auch geimpfte Tiere zeigen Krankheitssymptome. Diese fallen aber nicht so stark aus, entsprechend geht die Milch weniger stark zurück.

Ziegen erkranken weniger stark als Schafe und Rinder.

Es gibt aktuell keine Impfpflicht. Wir empfehlen Ihnen aber, sich sachlich mit einer Impfung auseinanderzusetzen und den Tierarzt zu Rate zu ziehen.

Fotos: Naturland / Christoph Assmann (2), Agrarfoto

Grundsätzlich können alle Wiederkäuer an der Blauzungenkrankheit erkranken. Ziegen erkranken allerdings weniger stark als Schafe und Rinder.

5.

SOLL ICH AN MEINEM BETRIEB IMPFEN?

Es gibt aktuell keine Impfpflicht. Da das Erkrankungsrisiko und die Folgen einer Erkrankung sehr unterschiedlich sein können, empfehlen wir Ihnen, sich von Ihrem Hoftierarzt zu einer Impfung beraten zu lassen. Impfungen sind auch in Öko-Betrieben erlaubt; gegen anzeigepflichtige Tierseuchen, zu denen die Blauzungenkrankheit gehört, müssen sie vom Tierarzt verordnet werden. Impfungen zählen nicht zu den maximal drei möglichen Behandlungsgängen von chemisch-synthetischen Mitteln oder Antibiotika innerhalb von zwölf Monaten. Es gilt bei Impfungen (falls eine Wartezeit angegeben ist) die einfache Wartezeit.

Bei weiteren Fragen wenden Sie sich bitte an Ihre Beratung für Naturland. Informationen über das Ausbruchsgeschehen finden Sie auf der Website des Friedrich-LöfflerInstituts.

WIE LÄUFT DIE IMPFUNG AB?

Falls Sie sich gemeinsam mit Ihrem Tierarzt für eine Impfung entscheiden, wird das Vorgehen in etwa wie folgt aussehen: Nach der ersten Impfung folgt circa drei bis vier Wochen später, je nach Hersteller, eine zweite Impfung. Eine nennenswerte Zahl an Antikörpern und damit ein guter immunologischer Schutz tritt etwa fünf Wochen nach der ersten Impfung ein. Wintermonate sind ein günstiger Zeitpunkt für die erste Impfung, da das Infektionsgeschehen voraussichtlich durch die erhöhte Gnitzen-Aktivität im März oder April wieder an Fahrt aufnehmen wird. Planen Sie einen längeren Vorlauf, wenn nicht alle Tiere auf einmal geimpft werden sollen, z. B. hochtragende Kühe oder Kühe in der Spitzenlaktation. Die Immunität durch die Impfung hält in der Regel ein Jahr an.

7.

HANDELT

ES SICH UM GENTECHNIKIMPFSTOFFE?

Die Impfstoffhersteller haben bestätigt, dass die Impfstoffe nicht gentechnisch hergestellt werden. Es sind also keine mRNA-Impfstoffe wie bei der Coronaimpfung. Die drei aktuell verwendeten Impfstoffe haben eine Notfallzulassung, da es aktuell keine regulär zugelassenen Impfstoffe gegen den Virustyp 3 gibt. Die Impfstoffe werden vom Friedrich-Löffler-Institut als gleich gut wirksam eingestuft, Impfdurchbrüche sind bisher nicht bekannt.

8.

WIEVIEL KOSTEN DIE IMPFUNGEN?

Die einmalige Impfung kostet üblicherweise ca. 10 Euro, das kann aber je nach Tierarztpraxis abweichen, je Tier sind zwei Impfungen notwendig. Eine Impfung schützt nicht vollständig vor Erkrankung. Falls aber Ihre Herde betroffen ist und die Milchleistung durch die Impfung weniger absackt als bei ungeimpften Tieren, sind die Impfkosten schnell wieder gedeckt. Die Kosten sollten also nicht der Hauptfaktor bei einer Impfentscheidung sein. Die

TIPP

Tierseuchenkassen der Länder bezuschussen die Impfung. Die Bezuschussung fällt in den Bundesländern unterschiedlich hoch aus. Beispielsweise wird in Bayern mit 1 Euro und in NRW mit 4 Euro pro Impfung bezuschusst, genauere Informationen erhalten Sie bei Ihrer zuständigen Tierseuchenkasse. Tier- oder Leistungsausfälle können über eine Zusatzversicherung von der Tierseuchenkasse teilweise abgedeckt werden.

innerhalb von zwölf Monaten. Bei Parasitenmitteln muss geprüft werden, ob es sich um ein natürliches Mittel oder ein chemisch-synthetisches Mittel handelt. Bei chemisch-synthetischen Mitteln braucht es eine Verschreibung des Tierarztes und es gilt die doppelte Wartezeit. Bei natürlichen Mitteln gilt die einfache Wartezeit (oft keine Wartezeit) und es ist keine Verschreibung vom Tierarzt nötig. FiBL-gelistete Aufgussmittel ohne Wartezeit für Milch sind z. B. der Insect Blocker organic pour-on (Achtung: bei Fleisch drei Tage Wartezeit), Cit PyrEuca ParasitenAbwehrspray oder DESINTEC PyrEx Pour On. 9.

REICHEN AUFGUSSMITTEL GEGEN

FLUGINSEKTEN AUS?

Aufgussmitteln wird zurecht eine schützende Wirkung zugesprochen, weil damit die Tiere seltener gestochen werden. Da so die Tiere aber nicht zu 100 % vor Stichen sicher sind und nur wenige Stiche ausreichen, um ein Tier zu infizieren, bieten Aufgussmittel keinen vollständig wirksamen Schutz. Parasitenmittel zählen wie Impfungen nicht zu den maximal drei möglichen Behandlungsgängen von chemisch-synthetischen Mitteln oder Antibiotika

10.

GIBT ES EINSCHRÄNKUNGEN BEIM TIERTRANSPORT?

Nein! Da mittlerweile gesamt Deutschland als „nicht seuchenfrei“ bezüglich der Blauzungenkrankheit (Serotypen 1 – 24) eingestuft ist, sind bei der Verbringung von Tieren innerhalb von Deutschland keine besonderen BTV-relevanten Tiergesundheitsbedingungen einzuhalten.

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TROCKENSTELLEN

NICHT IMMER mit der Tube

Selektives Trockenstellen reduziert den Antibiotikaeinsatz. Hierfür ist aber ein geschultes Auge für den Euter-Gesundheitszustand der Herde notwendig.

AUTOR

Timo Manger

Beratung für Naturland t.manger@ naturland-beratung.de

Multiresistente Keime und Reserveantibiotika – diese zwei Begriffe gehen vielen Menschen durch den Kopf, wenn sie an den Antibiotikaeinsatz in der Landwirtschaft denken. Zweifelsohne tragen Landwirte und Tierärzte große Verantwortung beim Einsatz von Antibiotika in der Nutztierhaltung. Im Öko-Landbau regelt die EU-Öko-Verordnung den Einsatz „chemisch-synthetischer allopathischer Tierarzneimittel“ und die Bedingungen, unter denen sie verwendet werden dürfen. Dabei geht es keineswegs darum, den Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung komplett in Frage zu stellen, denn Tierhalter haben auch die Verpflichtung, ihren Tieren Leid und Schmerzen zu ersparen. Ein Bereich, in dem der Einsatz solcher Präparate aber verringert werden kann, ist das Trockenstellen von Milchkühen.

Antibiotika nur nach Erregernachweis

Damit die Kuh nach dem Kalben hochwertige Biestmilch produziert, darf sie nicht durchgemolken worden sein, sondern sollte

mindestens sechs, besser acht Wochen, trockengestanden haben. In der Trockenstehphase regeneriert das Eutergewebe, auch Euterinfektionen können in diesem Zeitraum ausheilen.

Grundsätzlich dürfen Antibiotika nicht zur Prophylaxe eingesetzt werden. Das bedeutet: Für den Einsatz von antibiotischen Trockenstellern ist ein Erregernachweis Voraussetzung.

Selektives Trockenstellen

Eine Strategie, die die Reduktion des Antibiotikaeinsatzes zum Ziel hat und ihn in nicht dringlich gebotenen Fällen vermeidet, ist das sogenannte selektive Trockenstellen. Dabei werden ausschließlich Problemtiere antibiotisch trockengestellt. Als Grenze, um überhaupt darüber nachzudenken, eine Kuh selektiv trockenzustellen, wird oft eine Zellzahl von 100.000 Zellen/ml Milch genannt. Die restliche Herde wird nur mit einem Zitzenversiegler oder sogar ohne ihn trockengestellt. Grundsätzlich können Zitzenversiegler durchaus sinnvoll sein, weil es Kühe gibt, de-

Beim viertel-individuellen Trockenstellen wird eine Probe pro Euterviertel genommen und bakteriologisch untersucht. Bei maximal 100.000 Zellen pro ml Milch kann auf Antibiotika verzichtet werden.

ren Strichkanäle nicht von einem Keratinpropf verschlossen werden. Bei Neuinfektionsraten in der Trockenstehphase von unter 15 % kann auch auf Zitzenversiegler verzichtet werden.

Werden antibiotische Trockensteller oder Zitzenversiegler bei vorhandenem Erregernachweis in die Striche verabreicht, ist es wichtig, die Zitzenkuppe vorher zu desinfizieren. Dabei sind sauberes Arbeiten mit Einweghandschuhen und sachgerecht gelagerten Euterinjektoren unverzichtbar, damit nicht schon beim Trockenstellen Keime in den Strichkanal gelangen.

Wer sich dafür entscheidet, seine Kühe selektiv trockenzustellen, muss sich mit dem Euter-Gesundheitszustand seiner Herde intensiver auseinandersetzen. Nur so bekommt man mit der Zeit ein genaues Bild über den Leitkeim in der Herde und darüber, wie sich das Infektionsgeschehen entwickelt. Hat man im

Betrieb Probleme mit Staphylococcus aureus, Mykoplasmen, Hefen oder Schimmelpilzen, sollte ein beabsichtigtes selektives Trockenstellmanagement vorher unbedingt mit dem Tierarzt abgesprochen und gegebenenfalls davon abgesehen werden. Wenn diese Problemkeime nicht im Fokus stehen bzw. der Tierarzt dafür grünes Licht gibt, kann der RAST-Entscheidungsbaum (siehe Abbildung) bei der Entscheidungsfindung helfen, ob eine Kuh im Sinne des selektiven Trockenstellens mit oder ohne Antibiotika trockengestellt wird. In einer wissenschaftlichen Untersuchung (Schmon 2019) konnten bei strikter Einhaltung des Entscheidungsbaums durchschnittlich 40 % der Kühe bei gleichbleibender Eutergesundheit ohne antibiotisches Präparat trockengestellt werden.

Grenzwert festlegen

Die Entscheidung für das selektive Trockenstellen sollte also in

Zusammenarbeit mit dem Hoftierarzt getroffen werden. Gemeinsam wird ein Zellzahlgrenzwert festgelegt, ab dem auf Antibiotika verzichtet werden soll. Das können zum Beispiel 100.000 Zellen im Schnitt der letzten drei Milchkontrollergebnisse und ein negativer Schalmtest beim Trockenstellen sein. Zellzahlgrenzwerte sind natürlich nicht in Stein gemeißelt und können immer wieder angepasst werden.

Kühe, die über dem selbst gesetzten Grenzwert liegen und bei denen zwei bis vier Wochen vor dem Trockenstellen ein Erreger festgestellt wurde, werden mit antibiotischem Trockensteller und einem Zitzenversiegler trockengestellt. Um den Erfolg einer Antibiotikagabe beurteilen zu können, muss die Neuinfektionsrate während dem Trockenstellen und am Anfang der Laktation kontrolliert werden. Hier sollte die Neuinfektionsrate maximal bei 25 Prozent liegen.

Fotos: Christina Vetta (2),

„RAST“ - Entscheidungsbaum

Herdenvoraussetzungen

Regelmäßig überprüfen

Zellzahl / Mastitishistorie

• Theoretische Herdensammelmilchzellzahl

< 200 Tsd. in den letzten 3 MLP

• Neuinfektionsrate in der Trockenperiode < 25 %

Erfüllt

„Unauffällige Kühe“

ZZ < 200 Tsd. in den letzten 3 MLP UND keine klinische Mastitis

Mikrobiologische Untersuchung

14 Tage vor dem Trockenstellen

Schalmtest am Tag des Trockenstellens

Bakteriologische Untersuchung

Negativ

Positiv KNS, Co. bovis

Schalmtest

Unauffällig

Positiv Weitere Erreger

Auffällig

TS ohne Antibiotikum

Interner Zitzenversiegler empfohlen

• Bestandsuntersuchung bzw. regelmäßige

Beprobung:

• frei von Streptococcus agalactiae

• frei von Streptococcus canis

• Anteil der Tiere mit Streptococcus uberis < 15 %

• Anteil der Tiere mit Staphylococcus aureus < 15 %

Nicht erfüllt Ggf. Sanierung

„Verdächtige Kühe“

ZZ > 200 Tsd. in den letzten 3 MLP ODER klinische Mastitis

Bakteriologische Untersuchung

Schalmtest

TS mit Antibiotikum

Interner Zitzenversiegler empfohlen

Ist der Schalmtest unauffällig, kann die Kuh ohne Antibiotikum trockengestellt werden. Ein interner Zitzenversiegler wird dennoch empfohlen. Bei auffälligem Schalmtest sollte das Trockenstellen mit Antibiotikum erfolgen. Quelle:

Chronisch euterkranke Kühe, bei denen es immer wieder zu Mastitiden kommt, sollten auf jeden Fall keine Antibiotika mehr bekommen und gemerzt werden. Dazu gehören auch Kühe mit Verhärtungen und Knoten im Euter.

Viertel-individuelles Trockenstellen

Wer gute Erfahrungen mit selektivem Trockenstellen gemacht hat und sich noch mehr zutraut, kann ausprobieren, nur noch die wirklich infizierten Euterviertel antibiotisch trockenzustellen. Hierbei ist weniger die

Zellzahl der Kuh entscheidend, sondern vielmehr die bakteriologische Untersuchung jedes einzelnen Euterviertels. Oft haben Kühe nur auf einem Euterviertel eine Infektion. Der Antibiotikaeinsatz hängt stark vom Erregerspektrum ab. Wie auch beim selektiven Trockenstellen des gesamten Euters, sollte beim viertel-individuellen Trockenstellen der Hoftierarzt einbezogen werden und mit ihm ein Plan erarbeitet werden. Die größte Herausforderung ist, eine saubere Probenahme der Viertelgemelksproben und deren richtige Beschriftung hinzubekommen, damit auch wirklich das infizierte Euterviertel behandelt wird. Auch hier gilt: Wer in seinem Betrieb mit Staphylococcus aureus Probleme hat, sollte auf viertel-individuelles Trockenstellen definitiv verzichten.

MELKROBOTER AUF

DER WEIDE

Interesse an landwirtschaftlichen Videos? Auf dem YouTube-Kanal von Naturland finden Sie seit kurzem informative und unterhaltsame Fachvideos. Den Anfang macht Naturland-Bauer Markus Legge. Er melkt seine Kühe auf der Weide mit einem Melkroboter. Wir waren bei ihm.

Es ist Anfang September und die Eifel ist schon von Nebel umhüllt. Es nieselt. Wir fahren von Markus Legges Betrieb am Rand von Imgenbroich, einem Ortsteil von Monschau, zunächst über eine große Straße Richtung Monschau. Bald biegen wir auf eine kleinere Straße ab und es geht weiter auf einem Feldweg. Noch bevor wir die Weideflächen mit Legges 70 Milchkühen erreichen, wird klar: Für den Viehtrieb zweimal am Tag hin und zurück ist diese Strecke viel zu weit und mit der großen Straße erst recht nicht umsetzbar. An der Weide angekommen bauen wir unsere Videoausrüstung auf. Im Interview erzählt uns Markus Legge, dass er nach einer Exkursion in die Schweiz vom Modell der 100%igen Weidehaltung mit Kurzrasenweide überzeugt war. „Ich wollte Weide“, sagt er, doch der Weg dorthin war nicht einfach.

Hier geht’s zum Video!

Direkt am Hof liegen nur drei Hektar Weidefläche. Hier an diesem Standwort stehen ihm jedoch insgesamt 40 Hektar Grünland zur Verfügung, aufgeteilt auf zwei Flächen. Legge entschloss sich daher, die Technik zu den Tieren zu bringen – der Melkroboter zog auf die Weide.

In einem Stahlcontainer, gebaut von einem ortsansässigen Schlosser, wurde der Roboter mobil gemacht – samt Büro, Milchtank und allem, was für das Melken nötig ist. Der Container wurde so konstruiert, dass er mit einem Plattformwagen umziehen kann. So kann der Melkroboter flexibel zwischen Hof im Winter und Weide im Sommer hin- und hertransportiert werden.

Der Erfolg stellte sich ein: Die Kühe gewöhnten sich an den Roboter und die Abläufe laufen mittlerweile reibungslos. Der Melkroboter ermöglicht nicht nur eine effizientere Milchproduktion, sondern auch mehr Lebensqualität für Legge.

VIDEOTIPP

Das Video über den Weidemelkstand am Betrieb Legge finden Sie in der Naturland-App und im YouTube-Kanal von Naturland. Nutzen Sie dazu den QR-Code.

Proteinreiches Futter für Schafe & Ziegen

Klee und Luzerne sind ein gesundes und schmackhaftes Grundfutter für Wiederkäuer. Allerdings hängt die Qualität dieses Futters stark von einer guten Ernte und Verarbeitung ab.

Vorteile über Vorteile – wer wüsste es nicht: Kleinkörnige Leguminosen wie Klee und Luzerne sind hochwertige, einheimische Futtermittel. Sie lassen sich vielseitig einsetzen, etwa als Grünfutter, Heu, Silage, Cobs oder zur Beweidung. Ihr Anbau schont Klima und Umwelt, sie tragen dazu bei, den Import von Eiweißfuttermitteln zu reduzieren. Dies wiederum verringert CO2-Emissionen. Klee und Luzerne verbessern die Bodenqualität durch ihre intensive Durchwurzelung. Mit ihren Knöllchenbakterien können sie Stickstoff aus der Luft fixieren. Gleichzeitig bieten sie ein attraktives Blühangebot für Insekten und schmecken kleinen und großen Wiederkäuern vorzüglich.

Klee und Luzerne in der Ration

Klee und Luzerne sind bekannt für ihren hohen Gehalt an Rohprotein und Mineralstoffen wie Calcium. Aber auch ihre wenigen kritischen Punkte sollen in Erinnerung gerufen werden:

Lämmern und Jungschafen sollten sie nicht unbegrenzt angeboten werden, da aufgrund des hohen Rohproteingehalts und des geringen Strukturanteils Blähungen und Enterotoxämie (Breinierenkrankheit) auftreten können. Deshalb ist bei der Beweidung, insbesondere bei Lämmern, darauf zu achten, dass die Klee- und Luzerneflächen möglichst eng abgesteckt sind. So werden nicht nur die proteinreichen Blätter, sondern auch die faserreichen Stängel gefressen. Den Tieren sollte zu jeder Zeit ausreichend Strukturfutter zur Verfügung stehen, vor allem bei sehr jungen Beständen und hohen Mengen an Kleegras. Zudem sollten die Flächen nur langsam angeweidet werden. Eine Impfung der Lämmer gegen Enterotoxämie vor der Weidesaison ist empfehlenswert. Die Silagen dürfen weder schimmlig oder warm, noch muffig sein, um schwere Erkrankungen wie Listeriose („Linksdreher“-Krankheit) zu verhindern.

Die in den Infoboxen vorgestellten Betriebe schwören auf Klee und Luzerne als Futtergrundlage für ihre Schafe bzw. Ziegen. Ihre ausführlichen Betriebsporträts und weitere Erfahrungen sind auf der Internetseite www.Demonet-KleeLuzPlus.de zusammengestellt. Die QR-Codes führen direkt zum jeweiligen Betrieb.

Die Mischung macht‘s

Ob Klee oder Luzerne angebaut wird, ist natürlich in erster Linie von den Boden- und Klimagegebenheiten sowie der Verwendung abhängig. Dass Rotklee eher in feuchteren und Luzerne in trockeneren, wärmeren Lagen gedeiht, ist bekannt. Der Mischan-

AUTORIN

Silvia Matray

Beratung für Naturland s.matray@ naturland-beratung.de

bau mit Gräsern ist im Futterbau üblich – er senkt das Anbaurisiko und verbessert die Silierfähigkeit. Saatgutmischungen aus mehreren Arten und Sorten erhöhen die Nutzungselastizität und können unterschiedliche klimatische Bedingungen in verschiedenen Jahren besser abfedern.

Produktionstechnik und Verarbeitung

Ob besser im Spätsommer oder im Frühjahr als Blanksaat angesät wird, mit einer Deckfrucht wie etwa Grünhafer oder als Untersaat unter Getreide, ist von vielen Faktoren abhängig: u. a. dem Standort, der Technik auf dem Betrieb, dem Futterbedarf und bisherigen Erfahrungen. Allerdings hat hier der Klimawandel schon so manche lang bewährte

Klee und Luzerne sind bekannt für ihren hohen Gehalt an Rohprotein und Mineralstoffen wie Calcium.

DEMONET KLEELUZPLUS

Der Anbau kleinkörniger Leguminosen hat in Deutschland in den vergangenen Jahren stetig zugenommen. Dazu beigetragen hat die Eiweißpflanzenstrategie des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL). Im Rahmen dieser Strategie wurde unter anderem das Demonstrationsnetzwerk für kleinkörnige Leguminosen „Demonet-KleeLuzPlus“ ins Leben gerufen. Es wird durch das BMEL von 2019 bis 2024 gefördert und hat in Zusammenarbeit mit 70 Demonstrationsbetrieben das Ziel, das Wissen um Anbau, Wert und Verwertung der Futterleguminosen zu verbreiten. Hieraus ist unter anderem eine informative Broschüre entstanden. Weitere Informationen finden Sie unter www.demonet-kleeluzplus.de.

Die Lacaune-Schafe des Kapellenhofs werden mit frischem Grünschnitt gefüttert.

Im Ziegenstall des Karolinenhofs wird das schmackhafte Heu aus Luzerne-Kleegras gefüttert.

Strategie in Frage gestellt. Neben der passenden Anbaumischung ist der Nutzungszeitraum ganz entscheidend für hohe Rohprotein- und Energiegehalte: Für die Beweidung sollten die Bestände im Stadium des Schossens sein. Gerade Luzerne sollte hier nicht zu kurz abgebissen werden, damit sie wieder austreiben kann. Der optimale Schnittzeitpunkt zur Silagebergung ist bei Klee und Luzerne der Beginn des Knospenschiebens.

Wenn verfügbar: Balkenmähwerke mit Doppelmessern sind insekten- und amphibienschonender als Trommel- und Scheibenmähwerke. Wird eine Schnitthöhe von 8 bis 10 cm eingehalten, kommt es zu einem deutlich schnelleren Wiederaustrieb bei gleichzeitiger Bodenbeschattung. Außerdem wird das Futter weniger durch Bodenpartikel verschmutzt, was insbesondere bei der Verwendung als Silage wichtig ist. Beim Silieren von Futterleguminosen empfiehlt die Beratung für Naturland DLG-geprüfte Siliermittel der Wirkungsrichtung 1 (homofermentative Milchsäurebakterien), um Fehlgärungen wie Buttersäurebildung zu vermeiden. Bei der Herstellung von Ballensilage sollten insbesondere Luzerneballen besonders fest gepresst und mit mehreren Folienlagen (acht bis zehn) umwickelt werden, damit die Stängel die Folien nicht durchstoßen und sich kein Schimmel bildet.

Bei der Ernte von Klee und Luzerne ist besonders wichtig, dass möglichst wenige Arbeitsgänge wie Wenden und Schwaden durchgeführt werden. Die proteinreichen Blätter von Luzerne und Klee trocknen schneller als die Stängel, dies kann bei der Heugewinnung zu erheblichen Blattverlusten führen. Insbesondere bei einem Restfeuchtegehalt unter 40 % nehmen diese Bröckelverluste stark zu.

Foto: Pascal Küthe, Sarah Spindler und Oliver Diehl

KAPELLENHOF

Grünschnitt und Silage für die Milchschafe

Das Hofgut Kapellenhof liegt in der Wetterau (Hessen), etwa 30 km nordöstlich von Frankfurt. In der hofeigenen Käserei wird die Milch der 180 Lacaune-Schafe verarbeitet. Hier werden die Futterleguminosen zum großen Teil frisch verfüttert. In der Saison bekommen nicht laktierende Schafe ausschließlich Grünfutter, während laktierende Schafe zusätzlich Kraftfutter (200 bis 400 g Pellets pro Tier und Tag je nach Laktationsstadium) im Melkstand erhalten. Die Lämmer bekommen während der Mast ebenfalls zusätzlich zum Grundfutter 200 g Kraftfutterpellets pro Tier und Tag. Das Klee- und Luzernefutter gibt es für alle Tiere ad libitum. Im Winter, den die Schafe im Stall verbringen, wird Silage aus Luzernekleegras verfüttert. Außerdem steht ihnen jederzeit Stroh und Heu zur freien Verfügung.

HOF NIEDERHOLZHAUSEN

Silage und Weide für die Rhönschafe

Der Hof Niederholzhausen hält im hessischen Gemünden (Wohra) 450 Rhönschafe zur Landschaftspflege. Die Fütterung der Schafe basiert auf dem angebauten Klee- und Luzernegrasgemenge, entweder als Silage oder direkt als Weidefutter für die Lämmer. Zusätzlich wird das eigene Wiesenheu in einer Rundballenraufe angeboten, bei Bedarf wird draußen Heu zugefüttert. Vor der Lammung kommen die Schafe in den Stall, wo ihnen Heu ad libitum zur Verfügung steht. Dazu bekommen sie ca. 0,5 kg rohe Futterkartoffeln pro Tag, die sich gut zur Beschäftigung eignen, wenn sie nach dem Einstreuen im Stroh verteilt werden. Nach der Lammung werden täglich ca. 4 bis 5 kg Silage (45 % Trockenmasse) verfüttert. Die Silage aus dem ersten, relativ feuchten Kleegrasschnitt wird besser gefressen als die des zweiten, eher trockeneren Schnitts.

Zwillingsmütter erhalten zusätzlich etwa 700 g Kraftfutter pro Tag sowie Mineralfutter. Die Lämmer bekommen zusätzlich zu Silage und Heu Kraftfutter ad libitum. Die im Frühjahr geborenen Lämmer weiden im Spätsommer zur Mast im Klee- und Luzernegras und auch den Winter verbringt ein Teil der Schafherde auf der Fläche.

KAROLINENHOF

Heu und Portionsbeweidung für die Milchziegen

Der Karolinenhof liegt im brandenburgischen Oberhavel, nordwestlich von Berlin. Die Milch der 100 Ziegen wird direkt auf dem Hof zu Käse verarbeitet. Pro Ziege und Tag wird etwa ein Kilo Bio-Ziegen-Pellets (bestehend aus Weizen, Erbsen, Hafer, Sonnenblumenkuchen, Mais, Sojakuchen, Calciumcarbonat, Zuckerrohrmelasse und Natriumchlorid) verfüttert, dazu gibt es Heu aus Luzerne und Kleegras ad libitum. Zusätzlich beweiden die Ziegen das Klee- und Luzernegras.

Während der Vegetationsperiode werden täglich Portionsweiden abgesteckt. Wenn kein Heuschnitt mehr möglich ist, werden die Flächen als Weide genutzt.

Auf dem Großteil der Fläche (27 Hektar) wird Luzerne-Kleegras angebaut. Zur Ansaat wird eine mehrjährige Saatgutmischung verwendet, die sich mit einem hohen Luzerneanteil von 40 % zur Schnittnutzung auf trockenen Standorten eignet. Zudem sind 10 % Rotklee enthalten, die den Ertrag in den ersten Jahren absichern, die übrigen 50 % bestehen aus verschiedenen Futtergräsern. Das Ackerfutter hat eine Standzeit von maximal fünf Jahren mit zwei bis drei Schnitten jährlich. Dazu wird ein Scheibenmähwerk mit Walzenaufbereiter genutzt, damit die Luzernestängel besser angebrochen werden.

AUTORIN Veronika Wolf

Beratung für Naturland v.wolf@ naturland-beratung.de

WAS SICH LOHNT,

wird umgesetzt

Barbara und Felix Pletschacher haben ihren ehemaligen Anbindestall vor zwanzig Jahren umgebaut und bis heute immer wieder weiterentwickelt. Ihre Überlegungen, Erfolge und auch Fehler können anderen Betrieben wertvolle Anregungen geben.

In Schleching, einem Dorf im schönen Achental, liegt der 1385 erstmals urkundlich erwähnte Grafnhof der Familie Pletschacher. Der Betrieb umfasst 17 ha Dauergrünland im Tal und 17 ha Almfläche, die mit der eigenen Nachzucht bestoßen wird. 1996 übernahm Felix Pletschacher den damals konventionell bewirtschafteten Milchviehbetrieb im Nebenerwerb von seinen Eltern und reihte sich in eine lange Tradition von Betriebsleitern ein. „Uns war schnell klar, dass es nur weitergehen kann, wenn die Arbeit weniger wird“, denkt Felix Pletschacher zurück. Schließlich vermieten die Pletschachers auch noch drei Ferienwohnungen, die neben der Milchviehhaltung gemanagt werden müssen.

Aus Anbindestall wird Laufstall

Felix und Barbara entschieden sich, ihren Anbindestall in einen Laufstall umzubauen. Zwar stand auch ein Stallneubau im Raum, aber: „Uns war es lieber, das Vorhandene zu nutzen und effizienter zu gestalten“, erklärt Barbara. Außerdem wollten sie ihre Entscheidung unabhängig von der Nachfolgegeneration treffen, was gegen einen teureren Neubau sprach. Da sie sich nicht von Pachtflächen abhängig machen wollten, sollte der Betrieb nicht größer

werden. Zudem musste bei gleichem Tierbestand und Nutzung des bestehenden Stallgebäudes kein zusätzlicher Güllelagerraum gebaut werden – ein großer Vorteil. Felix: „Es kam uns zugute, dass mein Vater schon vorher für eine eventuelle Schwemmentmistung in eine ausreichend große Güllegrube investiert hatte.“ Sogar auf eine Baugenehmigung konnten Barbara und Felix Pletschacher verzichten, weil das Gebäude weiterhin als Stall genutzt wurde.

Optimale Voraussetzungen

Beim Umbau ging es aber nicht nur um die Steigerung der Arbeitseffizienz, sondern auch besonders um‘s Tierwohl. Insofern war es ein Vorteil, dass sich um die Hofstelle ausreichend beweidbare Fläche befand. Der Wunsch, den Betrieb auf ökologische Wirtschaftsweise umzustellen, war damals schon vorhanden – auch wenn es noch bis 2007 dauern sollte, bis der Betrieb das Okay für die Bio-Milchanlieferung der Molkerei bekam.

Günstige Stallplatzkosten

1 Die neuen Iglus wurden mit Aluverbundplatten verkleidet und mit Kettenschlaufen zum Anheben mit der Staplergabel versehen.

2 Die Futterachse des alten Anbindestalls wurde um 90 Grad gedreht und die Außenwand nach Westen geöffnet. Hier der Blick von außen über den Futtertisch in den Stall.

So packten die Pletschachers 2001 die Sache an und drehten den alten Anbindestall auf links: es entstand ein Boxenlaufstall für 14 Kühe mit Nachzucht; die Futterachse wurde um 90 Grad gedreht und die Außenwand nach Westen geöffnet. Es wurde ein Doppelzweier-Melkstand eingebaut – und der alte Stall war fit für die Zukunft. Felix und Barbara konnten damals ihren Stallumbau mit einem Investitionsvolumen von ca. 60.000 Euro verwirklichen. Maßgeblich entscheidend für diese, aus heutiger Sicht sehr günstigen Stallplatzkosten von knapp

4.300 Euro, waren Beibehaltung der Bestandsgröße (kein Güllelager, keine zusätzlichen Futterlager, keine Quotenkosten), großer Pragmatismus der beteiligten Akteure (vom Stallplaner bis zum Maurermeister) und das Kiesrecht des Betriebes.

Froh um den Melkstand

Die Umbaulösung auf dem Grafnhof ist nun schon über zwanzig Jahre praxiserprobt. Daher können die beiden Betriebsleiter nun fundierte Aussagen darüber treffen, was sie heute wieder so und was sie anders machen würden: „Ich denke täglich daran, wie froh ich bin, dass wir uns für einen Melkstand entschieden haben“, sagt Felix Pletschacher. Er könne die heute oft umgesetzte Praxis, eine Fressliegehalle zu bauen und in der alten Anbindehaltung weiter zu melken, überhaupt nicht nachvollziehen. Das Melken im Melkstand sei um so viel leichter, so der Naturland-Bauer. „Nach dem Umbau konnte damals sogar die Oma wieder melken“, erzählt er mit einem Schmunzeln. Auch die Kosten für die Melktechnik seien überschaubar gewesen. „Wir konnten viel von der alten Absauganlage weiterverwenden.“

Weitere Investitionen

Im Jahr 2018 ersetzten Barbara und Felix Pletschacher die alten Melkzeuge durch vier Multilaktoren. Barbara Pletschacher: „Dieses sehr schonende Melken danken die Kühe mit sehr guter Eutergesundheit.“ Auch der Spaltenschieber wurde in dieser Zeit angeschafft. Felix: „Früher hatte sich Opa um die Sauberkeit der Spalten gekümmert. Später mussten wir uns selbst darum kümmern, das war mühsam und kostete viel Zeit. Die Entscheidung, auch diese Arbeit zu automatisieren, lag daher auf der Hand.“

1 Barbara und Felix Pletschacher sind froh, dass sie sich für den Bau eines Melkstands entschieden haben. 2018 ersetzten sie die alten Melkzeuge durch vier Multilaktoren.

2 Mit einem Spaltenschieber automatisieren die Pletschachers die Spaltenreinigung.

3 Die Schwenktore zum Abtrennen des Vorwartebereichs für das Melken wurden durch elektrisch angetriebene Hubtore ersetzt. 1 2 3

Blick über die Liegeboxen Richtung offene Stallfassade.

Links zu sehen das Rolltor mit LKW-Plane, das die dahinterliegende Melkgrube vor Dreckspritzern schützt. Im Detailbild zu sehen: Das Rolltor vom Melkstand aus gesehen.

Tierbeobachtung mit Kameras

Die Tierbeobachtung wird auf dem Grafnhof mit vier Kameras unterstützt. Felix: „Die kosten heute nicht mehr viel und bringen sehr viel Lebensqualität.“ Ausgezahlt hatte sich diese Investition schon nach kurzer Zeit, wie Barbara berichtet: „Eine höhere Brunsterkennungs- und Nutzungsrate, die daraus resultierende kürzere Zwischenkalbezeit und die vielen eingesparten nächtlichen Kontrollgänge haben den Kauf der Kameras auf jeden Fall gerechtfertigt.“

Großraumiglus selbst gebaut

Wie bei den meisten Investitionen haben sich auch am Grafnhof einzelne Entscheidungen als falsch

herausgestellt, wie Barbara erzählt: „Ein Fehler war es, die Tränkekälber so weit weg vom Melkstand unterzubringen.“ Lange habe sie die Nuckeleimer über den ganzen Hof geschleppt. Irgendwann wurde dann in Kälberiglus investiert, in denen die Kälber aber nicht die ganze Tränkeperiode untergebracht werden konnten. Die Grundsätze Arbeitseffizienz und Tierwohl gelten auch zwanzig Jahre später noch und so haben die Pletschachers den Kälberbereich diesen Sommer noch um zwei weitere Großraumiglus „Marke Eigenbau“ erweitert. Dort können die Kälber jetzt Komfort genießen, außerdem sehen die selbst geplanten Kälberhütten richtig hübsch aus. Die Hütten können versetzt werden, um den Keimdruck immer gering zu halten. Die Holzwände wurden mit Aluverbundplatten verkleidet, damit sich auch da keine Krankheitserreger halten können.

Elektrisch angetriebene Schwenktore

Im Laufe der Zeit wurden außerdem die Schwenktore im Stall, die zum Abtrennen eines Vorwartebereichs für das Melken eingesetzt wurden, durch elektrisch angetriebene, ebenfalls selbst konstruierte Hubtore ersetzt. Sie werden kostengünstig mit einem Antrieb für Elektrogaragentore angetrieben. Das ist nicht nur praktisch, weil alle Tore vom

Melkstand aus per Knopfdruck bedient werden können, sondern bringt auch mehr Arbeitssicherheit, weil man viel seltener unter die Kühe muss. Und weil es Barbara, nicht zuletzt wegen der Urlaubsgäste, gern sauber hat, wurde ein Rolltor mit LKWPlane vor dem Melkstand installiert. „Damit spritzt der Dreck nicht in die Melkgrube“, so Barbara. Natürlich wird auch dieses Tor vom Melkstand aus mit Schalter betätigt.

Blockabkalbung auf der Weide

Dass es am Hof immer etwas zu optimieren gibt, ist für Felix und Barbara Pletschacher Herausforderung und Ansporn zugleich.

„Uns störte, dass die Trockensteher nicht separat gehalten werden können und es keine Abkalbebox gibt“, erklärt Barbara. Im Sommer sei es nicht so tragisch, da könne der Jungviehbereich als Abkalbebox genutzt werden, weil alle Jungtiere auf der Weide oder Alm sind.

Natürlich machten sich Felix und Barbara Gedanken, wie sie dieses Problem lösen können. Felix: „Baulich war das etwas schwierig umzusetzen, deshalb haben wir auf Blockabkalbung im Spätsommer und Herbst umgestellt. So kommen die meisten Kälber jetzt auf der Weide zur Welt.“ Dieses Jahr habe das zu hundert Prozent geklappt, berichten beide zufrieden.

Umgesetzt wird nur, was sich lohnt

Auch wenn sich Felix und Barbara einiges an Komfort und Technik in ihrem Betrieb leisten, so kalkulieren sie doch jede Investion genau. Die Betriebsleiterin legt hier ein besonderes Augenmerk auf die Finanzen, was sicher ihrem beruflichen Hintergrund geschuldet ist: Sie hat früher in einer Bank gearbeitet. Die beiden sind sich einig und ergänzen sich dadurch perfekt im betrieblichen Alltag: Umgesetzt wird nur, was sich lohnt - und das dann konsequent. Das ist in einem kleinen Betrieb nicht anders als in einem großen. Und wenn es sich für Mensch und Tier gleichzeitig „lohnt“, umso besser!

Barbara und Felix Pletschacher haben auf Blockabkalbung im Spätsommer und Herbst umgestellt. So kommen die meisten Kälber auf der Weide zur Welt.
Fotos:
Veronika Wolf

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TIPP

Sie interessieren sich für die Vermarktung von Bio-Eiern? Dann nehmen Sie gerne Kontakt mit der Beratung für Naturland auf. Wir helfen Ihnen gerne.

AUTORIN

Tanja Edbauer

Beratung für Naturland t.edbauer@ naturland-beratung.de

Der BIO-EIERMARKT

Die Nachfrage nach Naturland-Eiern steigt. Der Markt ist wieder aufnahmefähig, neue Betriebe willkommen. Das war nicht immer so.

Der Eiermarkt hat sich gedreht. Das war eine der Grundaussagen der Naturland-Veranstaltung zur Markttransparenz am Bio-Eiermarkt im Herbst 2024. Annette Alpers (Beratung für Naturland) und Kai Schrempp (Naturland Zeichen GmbH) waren sich einig: Es sind zu wenige Naturland-Eier auf dem Markt.

Eiermarkt hat sich gedreht

Das war aber nicht immer so. In den letzten Jahren war der Eiermarkt ziemlich turbulent – so turbulent, dass sich 2023 sogar

In den ersten sieben Monaten dieses Jahres seien laut Kai Schrempp 1,11 Mrd. NaturlandEier produziert worden – zu wenig für die gute Nachfrage. Schrempp: „Wer in die Bio-Eiervermarktung einsteigen möchte, findet ein gut abgedecktes Netz an Packstellen.“ Der Markt würde neue Naturland-Legehennen-Betriebe vertragen, so Annette Alpers.

Fotos: Naturland / Christoph Assmann

Betriebe aus der Branche verabschiedet oder die Auslastung gedrosselt haben. Gründe dafür waren laut Schrempp die steigenden Kosten beispielsweise für Energie, der Bruderhahn und die Arbeitsbelastung. Doch seit Anfang 2024 hat sich dieser Trend umgekehrt. „Aufgrund der guten Nachfrage haben die Betriebe ihre Auslastung wieder auf durchschnittlich 90 % hochgefahren“, berichtet Kai Schrempp. Überraschend sei auch die Entwicklung der Ver-

Laut Annette Alpers haben die NaturlandBetriebe ihre Auslastung aufgrund der guten Nachfrage wieder hochgefahren. Sie sieht am Bio-Eiermarkt Potenzial für neue Naturland-Betriebe.

braucherpreise, wie Schrempp erklärt: Der Preisabstand zwischen Fachgeschäft und Discounter sei in den letzten Jahren geschrumpft. Insgesamt werden laut AMI 40 % der Eier im Discounter gekauft, wohingegen nur 15 % auf die Direktvermarktung entfallen.

Was das Naturland-Ei verspricht

Im stärkeren Engagement der Discounter für Öko-Produkte liegt wohl auch der Grund für

die wachsende Nachfrage. Die Argumente für das NaturlandEi lassen sich im Handel gut vermarkten. Annette Alpers zählt auf: „Das Naturland-Ei verspricht, dass gesonderte Tierwohl-Kontrollen durchgeführt werden, die Bruderhähne aufgezogen werden und mindestens die Hälfte des Futters aus dem eigenen Betrieb oder vom Kooperationspartner kommt.“ Das alles seien Argumente, die dem Naturland-Ei den Weg in die Geschäfte ebnen. Vertreten sind die Naturland-Eier z. B. bei REWE, Penny, EDEKA, tegut, Netto, Aldi, Globus, Denree und weiteren Naturkost-Fachgeschäften.

Orientierungspreis

Mit dem Orientierungspreis stellte Annette Alpers einen besonderen Service der Beratung für Naturland vor. Diese Kalkulation wird halbjährlich aktualisiert und steht allen Mitgliedsbetrieben zur Verfügung. „Der Orientierungspreis hilft Naturland-Betrieben für die Gespräche mit den Packstellen, damit sie einen fairen Preis erzielen“, so Annette Alpers. Aktuell liegt der Orientierungspreis bei 24 Cent pro Ei (ab Hof). Für die Kalkulation werde laut Alpers von einem 12.000er Stall ausgegangen. Die Kosten für Futter in hoher Qualität wurden mit 63 Euro/dt angesetzt.

Neue Organisationen

Um faire Preise ging es auch in der anschließenden Diskussion, dort stellten sich die „08er Gruppe“ aus Baden-Württemberg sowie der „Bio-Legehennenverein e.V.“ vor. Ziele der beiden Organisationen sind Transparenz am Markt und faire Preise für Erzeuger und Packstellen.

AUS DER WISSENSCHAFT

Wissenschaftliche Erkenntnisse sind besonders wertvoll, wenn Bäuerinnen und Bauern sie in der landwirtschaftlichen Praxis umsetzen. Wir stellen Ihnen vier Forschungsfelder aus dem Themenkomplex Schwein der Wissenschaftstagung Ökologischer Landbau 2024 vor.

Wickensilage als proteinreiches Raufutter in der Schweinemast

Silagen aus Leguminosen können als proteinreiches Raufutter einen Beitrag zur Energie- und Proteinversorgung von Mastschweinen leisten. Winterwicken bereichern die Fruchtfolge, stehen nicht in Konkurrenz zur menschlichen Ernährung und können in der Ganzpflanze Rohproteingehalte von über 20 % aufweisen. Die Akzeptanz von Wickensilage bei Mastschweinen konnte in einem vorangegangenen Versuch bestätigt werden. Ziel der Untersuchung des Thünen Instituts für Ökologischen Landbau war festzustellen, ob sich der Einsatz von Wicken-Ganzpflanzensilage als Raufutter im Vergleich zu Stroh positiv auf die Mastleistung von Schweinen auswirkt. Das Ergebnis der Untersuchung: Wicken-Ganzpflanzensilage kann als proteinreiches Raufutter eingesetzt werden und zu Einsparungen beim Mischfutter zu führen.

Wie Untersuchungen am Thünen Institut für Ökologischen Landbau bestätigten, hat der Einsatz von Wickensilage keine negativen Einflüsse auf Schlachtkörper- und Fleischqualität der Mastschweine.

Einfluss von Wickensilage auf Schlachtkörper- und Fleischqualität

Ebenfalls untersucht wurde, ob sich der Einsatz von WickenGanzpflanzensilage negativ auf die Schlachtkörper- und Fleischqualität von Mastschweinen auswirkt. Der intramuskuläre Fettgehalt der mit Wickensilagen versorgten Tiere war nicht signifikant höher als jener der Kontrollgruppe. Der Gesamtanteil an gesättigten und einfach sowie mehrfach ungesättigten Fettsäuren in Speck und Muskel der Tiere unterschied sich ebenfalls nicht signifikant zwischen den Gruppen. Insgesamt hatte die Vorlage von 0,9 und 1,4 kg Wicken-Ganzpflanzensilage pro Tier und Tag keinen negativen Einfluss auf die erhobenen Parameter zur Schlachtkörper- und Fleischqualität. Der Einsatz von Wickensilage in der Schweinemast ist daher möglich.

TIPP

Die Wissenschaftstagung Ökologischer Landbau findet jedes Jahr statt. Mit Vorträgen, Workshops, Exkursionen und Postern wird ein produktiver Austausch geschaffen. Detaillierte Informationen zu den aufgeführten Themen erhalten Sie von der Beratung für Naturland (siehe Autorenbeschreibung).

Kleegrasaufnahme durch tragende Sauen im Freiland

Der Einsatz von Raufutter in der Fütterung tragender Sauen ist nicht nur unter gesundheitlichen Aspekten interessant. Ein Teil des Protein- und Energiebedarfes tragender Sauen kann durch qualitativ hochwertiges Raufutter abgedeckt und dadurch Kraftfutter eingespart werden. Ziel einer Untersuchung des Thünen Instituts für Ökologischen Landbau war es, die Gesamtaufnahme von Kleegras zu messen. Die berechnete Trockenmasse und Energiemenge der Versuchsfläche verdeutlichen, dass die Sauen in beiden Versuchsjahren über die Aufnahme von Kleegras ihren Erhaltungsbedarf an Energie zu einem erheblichen Teil aus Raufutter decken konnten.

Luzernespitzen als Eiweißfutter für laktierende Sauen

Die Luzerne ist eine eiweißreiche Futterpflanze, die besonders in ihren Blättern und Pflanzenspitzen erhöhte Rohproteingehalte gegenüber der Ganzpflanze aufweist. Die mit einem speziellen Hochschnittverfahren geernteten und anschließend heißluftgetrockneten sogenannten Luzernespitzen wurden in einem Fütterungsversuch mit Zuchtsauen als eiweißliefernde Komponente in einer ökokonformen Säugefuttermischung eingesetzt. Fazit des Versuches: Luzernespitzen sind ein sinnvolles Eiweißfuttermittel für die ökologische Sauenfütterung. Eine frühzeitige Gewöhnung ist zur Verbesserung der Akzeptanz ratsam.

AUTORIN

Martina Kozel

Beratung für Naturland m.kozel@ naturland-beratung.de

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Fotos: Agrarfoto, Roman Goldberger, Naturland / Sabine Bielmeier

NACHRICHTEN

WICHTIGE ÄNDERUNG

AB 2025

Ab 1. Januar 2025 wird in Deutschland die Ausnahmeoption für die Verwendung nichtökologischer Eiweißfuttermittel in der ökologischen Schweinehaltung weiter eingeschränkt. Für Schweine bis 35 kg sinkt der zulässige Anteil von bisher 5 % auf 3 %. Dies sieht ein Beschluss der Länderarbeitsgemeinschaft Ökologischer Landbau (LÖK) vor. Bei Schweinen über 35 kg ist die 100%ige Bio-Fütterung be-

reits verpflichtend.

Nach wie vor sind hochwertige Eiweißfuttermittel wie Maiskleber oder Kartoffeleiweiß in Bio-Qualität nur begrenzt verfügbar. Der Bedarf kann aktuell nur zu einem kleinen Anteil gedeckt werden. Die Versorgung mit hochqualitativen Eiweißquellen ist jedoch essenziell für die Tiergesundheit und somit eine große Herausforderung für die Bio-Betriebe.

Bei Fragen zur Umstellung der Ration wenden Sie sich gerne an Ihre Beraterin oder Ihren Berater.

FORSCHUNG: FERKELVERLUSTE

SENKEN

Seit Anfang Oktober läuft das Projekt „ProFerkel“: Es zielt darauf ab, die Saugferkelverluste in der Bio-Schweinehaltung weiter zu senken. Das Projekt der Öko-BeratungsGesellschaft mbH wird in Zusammenarbeit mit den Partnern Bioland, dem Forschungsinstitut für Nutztierbiologie (FBN) und Naturland e. V. umgesetzt. Es soll der Status quo in ferkelproduzierenden Betrieben deutschlandweit erfasst und praxistaugliche Maßnahmen zur Minimierung der Verluste herausgearbeitet werden.

Bei Sauen ist die 100%ige Bio-Fütterung verpflichtend, für Schweine unter 35 kg sinkt der maximale Anteil nicht-ökologischer Eiweißfuttermittel ab 1. Januar auf 3 %.

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jekt-Koordinator Werner Vogt-Kaute.

Bio-Ferkelerzeugerbetriebe, die an dem Projekt teilnehmen wollen, melden sich bitte beim Pro(w.vogt-kaute@naturland-beratung.de).

Für alle Bestellungen eingehend zwischen 6.12.–24.12.2024 mit dem Code NL_WEIHNACHTEN

Autorin: Gretha Schnieders, Beratung für Naturland

Foto: Agrarfoto

BESSER FRESSEN FÜR

MEHR TIERWOHL

In der letzten Ausgabe haben wir über Dietmar Mays Futterautomaten berichtet. Auch ihn hat unser Filmteam auf seinem Hof in der Röhn besucht.

Es ist kurz vor Mittag in der bayerischen Rhön. Die Sonne steht hoch und Dietmar May begrüßt uns auf seinem Naturland-Betrieb. Gerade ist er noch in seiner Werkstatt und mit Reparaturarbeiten beschäftigt. Der Landwirt, Tüftler und Erfinder hat einen Futterautomaten für Schweine entwickelt, der sich einer der häufigsten Herausforderungen der modernen Tierhaltung stellt: Wie kann man das Leben der Schweine artgerechter gestalten und gleichzeitig den Betriebsablauf optimieren?

AUTORIN

Regina Springer

Beratung für Naturland r.springer@ naturland-beratung.de

Drehen die Schweine den Ring, fällt Futter in kleinen Mengen heraus. Dadurch werden Fresszeit verlängert und Futterverluste minimiert.

Hier geht’s zum Video!

Dietmar May berichtet, dass in der Vergangenheit Längströge in der Fütterung eingesetzt wurden. Dabei sei ihm aufgefallen, dass häufig Altfutter in der Schale zurückgeblieben ist, welches dann versauerte. Damit verbunden war ein erheblicher Arbeitsaufwand, um die Tröge zu reinigen.

Der neue Automat besitzt daher keine Schale, sondern einen Kegel. Ähnlich wie in der Natur, wo Wildschweine den größten Teil ihrer Zeit mit der Nahrungssuche verbringen, unterteilt der Automat das Fressen in viele Etappen. Dadurch hat sich nicht nur die tägliche Fresszeit pro Tier auf zwei bis drei Stunden erhöht, sondern die Tiere sind auch geistig und körperlich beschäftigt.

Der Futterautomat hat sich besonders in der Absetzphase bewährt. Zu Beginn zeigt Dietmar May den Ferkeln, wie sie den Automaten bedienen können. Und da die Tiere sehr schlau sind, gewöhnen sie sich schnell daran. Die Futterabgabe wird auf minimale Mengen eingestellt, was die Verdauung entlastet und damit die Gesundheit der Ferkel in dieser sensiblen Umstellungsphase fördert. Aber sehen Sie selbst.

VIDEOTIPP

Das Video über den Futterautomaten am Betrieb May finden Sie in der Naturland-App und im YouTube-Kanal von Naturland. Nutzen Sie dazu den QR-Code.

Foto: Marcus Nürnberger

Beratung für Naturland j.wicklein@ naturland-beratung.de

Für eine gute Hülsenausbildung braucht die Linse zur Blüte genügend Licht, der Gemengepartner sollte daher den Linsenbestand nicht überwuchern.

AUTOR
Jonas Wicklein

DIE

Linse

Linsen sind für den einen oder anderen Naturland-Betrieb möglicherweise ein interessantes, ergänzendes Fruchtfolgeglied. Besonders für Grenzertragsstandorte und Direktvermarkter kann der Anbau eine Überlegung wert sein.

Der Öko-Linsenanbau hat in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen, trotzdem stammt der überwiegende Teil der Ware in den Regalen des Lebensmitteleinzelhandels aus dem Ausland, zum Beispiel aus Kanada. Doch der Linsenanbau ist kein Phänomen der Neuzeit. Auf der fränkischen und schwäbischen Alb wird dieses hochwertige Lebensmittel schon lange für die menschliche Ernährung angebaut. Inzwischen gewinnt die Linse wieder an Bedeutung, vor allem in der Direktvermarktung werden regionale Linsen von den Kunden gut angenommen und als hochwertiges, leckeres Essen wiederentdeckt.

Für welche Betriebe geeignet?

Die Linse passt allerdings nicht in jede Region. Sie liebt karge, trockene und kalkreiche Böden wie zum Beispiel Kalkscherben, Kalkmergel, Kalkschotter oder kalkreichen Sand. Diese Eigenheit macht sie vor allem auf Grenzertragsstandorten zu einem möglichen, ergänzenden Fruchtfolgeglied. Auf besseren Böden (pH >6) ist der An-

bau natürlich auch möglich. Hier zeigt sich aber nicht selten der Nachteil, dass die Unkrautkonkurrenz gegenüber der eher konkurrenzschwachen Linse steigt, schwächere Standorte bieten diesbezüglich einen deutlichen Vorteil. Grundsätzlich sollten aufgrund der Konkurrenzschwäche eher unkrautarme und schwächer mit Stickstoff (N) versorgte Flächen gewählt werden. Da die Linse als Leguminose mithilfe der Knöllchenbakterien selbst Luftstickstoff binden kann, fördert eine schwache N-Versorgung des Bodens zudem das Potenzial, mehr Luftstickstoff zu binden. Um Leguminosenmüdigkeit vorzubeugen, sollte auf einen Anbauabstand von mindestens sechs Jahren geachtet werden.

Neben der schwarzen Beluga-Linse kommt die grün-schwarze Puy-Linse in Deutschland am häufigsten vor.

Gemengepartner

Die Standfestigkeit der Linsen-Pflanze lässt sehr zu wünschen übrig, weshalb im Grunde nur ein Anbau im Gemenge in Frage kommt. Der Gemengepartner soll dabei die Linse stützen und somit einen Drusch ermöglichen. Als Partner haben sich unter anderem Sommergerste, (Nackt-)Hafer, Sommerweizen und Leindotter bewährt. Wichtig ist, dass die Gemengepartner die Linsen nicht sofort überwuchern und „ausdunkeln“, denn für eine gute Hülsenausbildung braucht die Linse zur Blüte genügend Licht.

Entscheidend bei der Wahl der Stützfrucht ist die spätere Aufbereitung. Hierzu sollte im Vorfeld mit dem Aufbereiter abgeklärt werden, welche Früchte gut von der Linse getrennt werden können. Von Vorteil ist es, wenn Linse und Stützfrucht bereits am Betrieb grob getrennt werden können. Ist bei schwierigen Erntebedingungen eine Trocknung nötig, so könnte man die beiden Früchte getrennt auf die richtige Feuchte bringen. Als Speiseware muss die Linsenernte auch sicher von Steinen befreit und falls nötig farbrein sortiert sein. Auch diese Dienstleistungen sollten bereits vor dem Anbau geklärt sein.

Saat im Frühjahr

Gesät werden Linsen von Anfang März bis Ende April – je nach Region und Klima. Zur Keimung reichen 5 °C aus, Frost bis minus 6 °C ist kein Problem. Bei einer frühen Saat kann die Winterfeuchte besser ausgenutzt werden, bei schlechter Befahrbarkeit des Bodens ist es aber besser zu warten. Auch eine späte Aussaat Mitte Mai ist noch möglich, was beispielsweise Rispenhirse als Gemengepartner nicht ausschließt. Linsen werden mit der üblichen Getreidesaattechnik angebaut. Manche Betriebe halten sich mit dem doppelten Reihenabstand von 25 cm die Möglichkeit offen, Beikräuter später mit der Getreidehacke zu regulieren. Das Saatkorn sollte etwa 3 cm tief abgelegt werden. Angestrebt wer-

1 Hafer ist ein häufiger Gemengepartner für Linsen. Er stützt die Linse gut und ist relativ gut vom Linsen-Erntegut zu trennen.

2 Linsenbestand zur Blüte – der Anbau erfolgt in der Regel in Breitsaat.

3 Auch Leindotter wird oft als Gemengepartner verwendet. Sowohl Linsen als auch Leindotter sind in der Regel gut zu vermarkten.

Kurz & knapp

Linsen können vor allem für Landwirte mit Hofladen ein interessantes, ergänzendes Fruchtfolgeglied sein, denn in der Direktvermarktung werden Linsen von den Kunden gerade „wiederentdeckt“. Die Linse liebt karge, trockene und kalkreiche Böden, was sie für Grenzertragsstandorte so interessant macht. Als Leguminose mit geringer Unkrautunterdrückung sollte die Linse auf schwächer mit Stickstoff versorgten Flächen stehen. Angebaut wird ab Anfang März im Gemenge und meist in Breitsaat. Der Gemengeanbau ist aufgrund der schlechten Standfestigkeit notwendig. Mögliche Gemengepartner sind Hafer, Leindotter oder Sommergerste. Zur Unkrautbekämpfung wird meist gestriegelt, nur selten wird die Getreidehacke eingesetzt. Die Erträge schwanken in der Praxis stark und sollten sich im Durchschnitt der Jahre bei 400 bis 500 kg einpendeln.

den im Gemengeanbau rund 220 bis 230 Linsenpflanzen/m². Die Stützfrucht wird mit ca. 25 % der üblichen Reinsaatmenge beigemischt. Auf wüchsigen Standorten sollte der Stützfrucht-Anteil etwas reduziert werden. Zur mechanischen Unkrautregulierung ist der Striegel ab dem Zweiblattstadium bis zu einer Höhe von ca. 10 cm einsetzbar.

Ernte und Vermarktung

Geerntet wird mit einem normalen Mähdrescher. Für den Erntezeitpunkt muss – je nach Witterung – ein Kompromiss gefunden werden: Bei guter Wasserversorgung blüht die Linse im oberen Bereich noch, während der untere Teil bereits abreift. Zusätzlich ist auch der Reifegrad der Stützfrucht mitzudenken. Vor allem bei sehr trockenen Beständen ist ein schonender Drusch umso wichtiger, da sonst bereits auf dem Feld viele Linsen brechen. Ein weiteres Risiko: Bei ständig feuchten Bedingungen während der Ernte können die Linsen auch bereits in der Hülse anfangen zu keimen. Eine etwaige Trocknung sollte schonend erfolgen, da die Linsen ansonsten beim Aufbereiten leicht zerbrechen. Anzustreben ist ein Feuchtigkeitsgehalt von 12 bis 14 Prozent.

1/4 Satzspiegel

78 x 122 mm

Die Auswahl an unterschiedlichen Linsenarten ist aktuell ziemlich beschränkt, da Linsen die letzten Jahre züchterisch kaum bearbeitet wurden. Am gängigsten sind die grüne Puy-Linse Anicia und die schwarze Beluga Linse, regional auch Späths Alblinse. Die Sorte sollte vorher mit dem Abnehmer geklärt werden, damit die Linsen vermarktet werden können. Direktvermarkter können natürlich

frei wählen und auch mit den größeren Tellerlinsen einen Versuch starten. Diese haben aber meist einen geringeren Ertrag. Bei der Wahl der passenden Sorte für die Direktvermarktung, sollte man das Kriterium der einfachen Zubereitung nicht außer Acht lassen. Die Belugalinse hat diesbezüglich den Vorteil, dass sie im Gegensatz zu anderen Linsen nicht vorab in Wasser eingweicht werden muss. Nach 15 Minuten Kochzeit ist sie fertig für den Verzehr.

Da die Erträge stark schwanken, sind Linsen sicher in der Kategorie Sonderkultur einzuordnen. Realistische Erträge sind 100 bis 1.000 kg speisefähige Linsen/ha. Hinzu kommt noch der Stützfrucht-Ertrag. In der Praxis kommen also auch schlechte Jahre vor, in denen man gerade „das Saatgut“ vom Acker bekommt. Über die Jahre hinweg stellen sich aber in den meisten Betrieben Durchschnittserträge von 400 bis 500 kg/ha ein. Die Aufbereitungskosten bis zur speisefertigen Ware sind nicht zu unterschätzen: Kosten von über 1 Euro/kg Verkaufsware sind keine Seltenheit. Wirklich interessant erscheint der Öko-Linsenanbau in diesem Zusammenhang für Direktvermarkter, die damit ihr Produktportfolio ergänzen.

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Alle Infos und Anmeldung: landwirt-media.com/webinare

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AUTOR

Gustav Alvermann

bio2030.de gustav.alvermann@ t-online.de

AUTOR

Andreas Jessen

Beratung für Naturland a.jessen@ naturland-beratung.de

DAMIT DER

NICHT VERLOREN GEHT

Stickstoff

Die letzten Winter waren von hohen Niederschlagsmengen geprägt. Für die Sandböden norddeutscher Regionen bedeutet das Auswaschungsgefahr, Stickstoff und andere Nährstoffe können verloren gehen. Darauf haben Öko-Landwirte reagiert.

Das vergangene Wirtschaftsjahr war durch ein sehr hohes Wasserangebot gekennzeichnet. Während der langjährige, bundesweite Durchschnitt bei gut 750 mm Jahresniederschlag liegt, waren es von Juli 2023 bis Juni 2024 über 1.000 mm. Die daraus resultierende Ernte 2024 zeigte prompt: zu viel Wasser ist auch nicht gut. Während in den Vorjahren über Trockenheit und Möglichkeiten zur Anpassung diskutiert wurde, stellt sich heute vielmehr die Frage: Wie gehe ich besser mit der Nässe um?

Regenverteilung als Herausforderung

Für die Standorte des Nord-Westens – nördlich einer Linie vom Ruhrgebiet über Hannover bis Rostock – kommt erschwerend hinzu, dass die Regenverteilung maritim geprägt ist. Der Atlantik erwärmt sich im Frühjahr nur langsam; das führt langjährig zu einer trocken-kühlen Witterung im für‘s Wachstum wichtigen Frühsommer. Der Regenschwerpunkt beginnt nach der Erwärmung im

Sommer und zieht sich oft bis in den Winter hinein. Im vergangenen Winter fielen hier allein in den vier Monaten von November bis Februar deutlich über 400 mm Regen, sagenhafte 100 mm pro Monat. Der Winterregen prallt dann vielerorts auf Sandböden von bis zu 30 Bodenpunkten, die eine nutzbare Wasserkapazität von kaum mehr als 120 mm aufweisen. Die Böden waschen über Winter gleich mehrmals durch, so dass sich der verfügbare Stickstoff nicht über Winter hält. Wie betreibt man unter solchen Bedingungen Bio-Ackerbau? Dieser Frage stellte sich im März 2024 eine Online-MitmachTagung von bio2030.de. Sechs Praxisbetrieben aus ganz Deutschland berichteten über ihre Erfahrungen.

Sommerungen mit Begrünung über Winter

Aus der angesprochenen Region berichtete der langjährige Bio-Ackerbauer Harm Kolloge über seinen Betrieb westlich von Bremen. Seine etwa 100 Hektar Ackerfläche bewirtschaftet er viehlos, aber nicht ohne organischen Dünger. Er erzeugt überwiegend Futterkomponenten für eine der ansässigen Bio-Futtermühlen und bekommt über eine Futter-Mist-Kooperation Hühnertrockenkot im Umfang von etwa einer Dungeinheit pro Hektar zurück. Dies schließt zwar nicht den Nährstoffkreislauf, hält die negative Nährstoffbilanz jedoch immerhin in Grenzen. Eine Dungeinheit organischer Dünger ist auch die Obergrenze des örtlichen Wasserversorgers für die Wasserschutzförderung.

3

So kann der Landwirt seine vorhandenen Nährstoffe im System halten:

• Er hält seinen Acker über Winter weitgehend grün (mit Kleegras oder winterharten Zwischenfrüchten).

• Und er baut auf Basis von 20 % Kleegras in der Fruchtfolge nur Frühjahrskulturen an (Körnermais, Sommergetreide, Ackerbohnen).

• Durch eine intensive Bodenbearbeitung mobilisiert er die Nährstoffe zur Frühjahrskultur, nach der Ernte arbeitet er eher extensiv und begrünt wieder, wo es möglich ist.

Wollte man ein Wintergetreide aus dem Vorfruchtwert des Kleegrases versorgen, so müsste man mit dem Umbruch bis Dezember warten, um übermäßige Stickstoffverluste über Winter zu vermeiden – das weiß diese Region. In manchen Jahren unterbleibt dann eine Bestellung. Aufgrund solcher Erfahrungen steht heute Körnermais nach dem Kleegras und setzt dessen Stickstoff nach intensiver Frühjahrsrotte effizient in Ertrag um. Nachfolgend kommen Ackerbohne und dann zweimal Sommergetreide – zwischendurch jeweils Begrünung. Die Wasserschutzberatung begleitet die Abläufe und ist weitgehend zufrieden mit den Herbst-Nmin-Werten.

Gedüngte Winterung

Da sich Landwirtschaft immer weiterentwickelt, ist auch im Betrieb Kolloge ein weiterer Schritt geplant: Eine Bio-Biogasanlage in der Nachbarschaft wird in Zukunft den Kooperations-Hühnertrockenkot aufnehmen und quasi „vorverdauen“. So be-

1 Für die Standorte des Nord-Westens – nördlich einer Linie vom Ruhrgebiet über Hannover bis Rostock – kommt erschwerend hinzu, dass sich der Regenschwerpunkt oft bis in den Winter hineinzieht.

2 Ein Mitte September gesäter Roggen auf Gut Vorderbollhagen nach Erbsen. Der Roggen schöpft Stickstoff nach der Ernte ab und reguliert die Beikräuter.

3 Durch die Frühsaat von Roggen kommt der Bestand noch im Herbst in die Bestockung und nimmt mehr Stickstoff auf.

kommt der Betrieb einen mobilen flüssigen Dünger, der ihm ermöglicht, mindestens eine Winterung in die Fruchtfolge aufzunehmen. Und im Frühjahr kann er, bei guter Befahrbarkeit der Sandböden, ab Anfang März düngen – mit verlustarmer Technik und bei bedecktem, kühlem Wetter. Baut man nur Sommerungen an, droht auf Dauer eine einseitige Verkrautung z. B. mit Ackersenf. Zudem bricht das Sommergetreide bei Trockenheit im Ertrag stärker ein – daher dieser Schritt über die Winterung zu einer ausgeglicheneren Fruchtfolge. Aber auch für das in der Fruchtfolge verbleibende Sommergetreide ermöglicht der vor der Saat eingearbeitete Gärrest ein verlustarmes Arbeiten. Sofortige Einarbeitung vermindert Verluste noch besser als der Schleppschlauch bei Kopfdüngung. Zudem ist die Nachmineralisierung des eingearbeiteten Gärrestes nach der Ernte geringer als beim Hühnertrockenkot – ein Vorteil für den Wasserschutz.

Frühsaat von Wintergetreide

Ein weiterer Betrieb auf Sandboden brachte eine andere Möglichkeit für effiziente und wasserverträgliche Winterungen in die Diskussion. Betriebsleiter Johannes Lampen vom Gut Vorderbollhagen in der Nähe von Rostock an der Ostsee hat seit Jahrzehnten gute Erfahrungen mit der Frühsaat von Roggen und Triticale Mitte September gemacht. Seine Böden haben einen etwas besseren anlehmigen Untergrund und der Winterregen ist um etwa 100 mm geringer als bei seinem Kollegen aus der Weser-Ems-Region. Dort, wo im Sommer nach der Ernte viel Stickstoff vorhanden

BIOFUTTER

BIO 2023

Die Betriebsbeispiele zeigen, wie individuell sich je nach Gegebenheit und Möglichkeit der ökologische Landbau entwickelt. Weitere Betriebsbeispiele für Bio-Ackerbau in Wasserschutzgebieten aus Ostund Süd-Deutschland finden Sie im Tagungsbericht und in den Video-Mitschnitten der Gruppenberichte unter www.bio2030.de.

ist, z. B. nach der Abfolge Kleegras-Hafer oder nach Kartoffeln oder Körnerleguminosen, wird das frühe Wintergetreide mit angepasster Saatstärke auf maximal 250 Körner pro m² gesät. Kommt die Ansaat noch im Herbst voll in die Bestockung, nimmt der Bestand nicht die oft pauschal für den Herbst genannten 20 kg Stickstoff pro Hektar auf, sondern eher 50 kg oder mehr – so die Erfahrung. Die Nmin-Vorräte sind dann bis zur beginnenden Sickerwasserperiode weitgehend geräumt und aus dem aufgenommenen Vorrat bringen Roggen und Triticale ohne weitere Düngung 30 – 40 dt pro Hektar Ertrag. Das ist insbesondere für Trockenregionen ein interessanter Weg, da die Kulturen noch im Herbst eine tiefe Wurzel entwickeln. Aber auch in nassen Regionen wie der Westfälischen Bucht wurden hiermit schon gute Erfahrungen gemacht. Bei unkrautarmer Situation oder gutem Management mit Herbststriegeln eignet sich auf etwas besseren Böden auch eine virusresistente Wintergerste für dieses Verfahren.

Maren Maitra, Tel. 0172 446 0465 maitra@bio-futter.sh für Schleswig-Holstein

Getreide-Team

Thies Thamling, Tel. 0162 765 4297 thies.thamling@bio-futter.sh

Jetzt mit zwei Werken in Bassum und neu in Süderbrarup

Telefon 04321 990-102 getreide@gut-rosenkrantz.de GETREIDEHANDEL Saatgut-Team Telefon 04321 990-105 saaten@gut-rosenkrantz.de

Kontrollstellen:

Saatgut und Getreidehandel DE-ÖKO-001 www.bio-futter.sh www.gut-rosenkrantz.de

Agroforst im Trockengebiet

Aller Anfang ist schwer. Auf den Agroforst trifft das Sprichwort sehr gut zu, gibt es ja nur wenige Betriebe, die bereits eine Anlage etabliert haben. Wir haben einen Bio-Betrieb im Trockengebiet Österreichs besucht, der im vergangenen Herbst seinen ersten modernen Agroforst gepflanzt hat. Es ist der Betrieb des Naturland-Delegierten Zeno PiattiFünfkirchen.

Der Motor hustet und hustet, Zeno Piatti-Fünfkirchen sitzt auf dem Fahrersitz und steigt wieder und wieder ins Gaspedal, während er den Schlüssel in der Starterposition hält. Es dauert ein paar Sekunden, bis der Motor des Oldtimer-Jeeps endlich mit einem mächtigen Rums anspringt. „Die Agroforstfläche ist nicht weit“, sagt der junge BioAckerbauer. Mit einer ruckartigen Bewegung legt er den Gang ein und lässt die Kupplung etwas springen. „Nur den halben Kilometer bis gleich nach der Grenze.“

Bio-Pioniere

Zeno Piatti-Fünfkirchen verwaltet zusammen mit seinem Vater Michael den Gutsbetrieb

Stutenhof im niederösterreichischen Pottenhofen. Bewirtschaftet werden rund 2.000 Hektar Land- und Forstwirtschaft. Die eine Hälfte in Österreich, die andere Hälfte bewirtschaftet der direkt an der Grenze liegende Betrieb in Tschechien. Der Betrieb wird schon seit 1982 ökologisch geführt, wie der Bio-Bauer erzählt. „Meine Eltern wollten damals wieder zurück zu einer natürlicheren Art der Landwirtschaft. Mein Vater ist ein wahrer Pionier im Bereich des viehlosen Bio-Ackerbaus. Er ist damals teilweise hunderte Kilometer gefahren – nur, um sich mit Gleichgesinnten an einem Stammtisch auszutauschen.“

Der Schwerpunkt des Betriebes liegt auf Getreidekulturen. Hier

wird das ganze Spektrum von diversen Futter- und Speisegetreidearten bis hin zu Mais abgedeckt. Als reiner Ackerbaubetrieb versucht Piatti-Fünfkirchen jedoch auch, den Anteil an Leguminosen zwischen 20 und 30 % zu halten. Zum Einsatz kommen hier vorwiegend Sommererbsen und Winterackerbohnen, aber auch Sojabohnen und Esparsette. Letztere hat am Trockenstandort die extrem wasserziehende Luzerne abgelöst. In Zukunft sollen zwischen den Ackerkulturen Streifen mit Agroforst wachsen.

Auf den Agroforst gekommen

Über das Thema ist der Junglandwirt vor ein paar Jahren

gestolpert. Über das Studium „Agrar- und Umweltpolitik“ in Belgien, Ungarn und Kanada ist er vor über zehn Jahren fast zufällig über tschechische Kollegen zum „Welt Agroforst Forum“ nach Frankreich gekommen.

„Seitdem lässt mich der Agroforst nicht mehr los“, erzählt der 34-Jährige. Die Gründe dafür sind aus seiner Sicht recht simpel: „Hier bei uns im Trockengebiet wird der Klimawandel mehr und mehr zum Problem. Aktuell haben wir noch 420 Liter Jahresniederschlag. Doch die sind nicht gerade optimal verteilt. Zeitgleich herrschen bei uns sehr trockene und heiße Sommer mit viel Wind. Da geht einiges von dem wenigen Wasser zusätzlich verloren. Die Baumreihen sollen dem entgegenwirken. Sie schaffen einen Korridor, in dem sich der Wind nicht bewegt und somit die unproduktive Verdunstung über den Boden gebremst wird. Gleichzeitig verringert die Beschattung die Bodentem-

peratur im Sommer.“ Mit ersten Agroforstversuchen hat er schon vor ein paar Jahren begonnen. „Damals haben wir versuchsweise ein paar Bäume entlang von Feldgrenzen gesetzt. Wir wollten nur mal schauen, welche Bäume sich bei uns gut eignen würden“, erklärt der Landwirt.

Richtige Bäume, richtig erzogen

„Entscheidend für den Erfolg des Agroforsts ist die richtige Baumartenwahl“, gibt Zeno PiattiFünfkirchen zu bedenken. „So sind Flachwurzler im Agroforst kontraproduktiv. Die würden zu sehr in die Ackerfläche reinwachsen und da der Kultur das Wasser wegsaugen.“ Daher empfiehlt der Weinviertler vorrangig Tiefund Herzwurzler. Deren Wurzel geht, wie der Name schon sagt, eher in die Tiefe und entnimmt da das Wasser – also dort, wo die einjährige Ackerkultur sowieso nicht hinkommen würde.

Damit es aber auch wirklich zu keiner Konkurrenz um Wasser kommt, müssen die Wurzeln der Gehölze richtig erzogen werden. Mit einem Tiefgrubber will der Landwirt zumindest zu Beginn eines jeden Jahres so nah wie möglich an den jungen Bäumen bis auf 50 cm Bodentiefe entlangfahren, um die sich ausbreitenden Wurzeln in die Schranken zu weisen. „Man zeigt dem Baum, dass er in der Breite nichts verloren hat und in die Tiefe gehen soll. Wenn man die jungen Wurzeln abreißt, tut das dem Baum nicht wirklich weh. Anders bei älteren Wurzeln. Daher ist diese Überfahrt auch jedes Jahr notwendig.“

Erste Fläche bepflanzt

2023 war es dann an der Zeit, die erste moderne Agroforstfläche zu setzen. Der Betrieb entschied sich für ein 4,5 Hektar großes Feld. Hier wurden mehrere Reihen in einem Abstand von 38

Ein Gehölzrandstreifen, den Piatti-Fünfkirchen schon vor ein paar Jahren angelegt hat.

Metern mit vier verschiedenen Gehölzen angelegt. „Bis zu 50 Meter wären in Ordnung“, weiß Piatti-Fünfkirchen „Die 38 Meter wurden gewählt, da es sich um die dreifache Arbeitsbreite von 12 Metern beim Striegel plus einem 2-Meter-Gehölzstreifen handelt.“ In der Reihe wurden in einem Abstand von zwei Metern Hybridwalnuss (A), Maulbeere (B), Pappel (C) und Spitzahorn (D) in der Folge „A-C-B-D-B-C“ gesetzt. Der Zukunftsbaum Walnuss wächst schön und schnell, ist recht pflegeleicht und soll in 60 Jahren als Wertholz vom Feld kommen. Die Maulbeere wird als Hecke erzogen, die den

Wind bremsen soll. Dazu wird sie alle paar Jahre geköpft. Die Ernte der Früchte ist aktuell nicht angedacht, sie sollen vorrangig den Insekten und Tieren als Futter dienen und zu einer höheren Biodiversität beitragen. Pappel und Spitzahorn kommen zusätzlich dazwischen. Die Pappel soll sehr schnell Masse machen und nach fünf Jahren entnommen werden.

Klare Vorstellungen

Der Plan für die Anlage kam von einem tschechischen Planungsbüro. „Die Chefin dort ist gleichzeitig auch die Chefin vom Ag-

Die Agroforstreihe entwickelt sich schön, ebenso die Gerste.

AUTOR Alexander Böck

Redakteur der Zeitschrift LANDWIRT bio alexander.boeck@ landwirt-media.com

roforstverband in Tschechien“, berichtet der junge Bio-Landwirt. „Sie ist sehr kompetent und hat uns auch sehr bei der Abwicklung mit den tschechischen Behörden geholfen. Das war eigentlich auch die kompliziertere Angelegenheit. Die Erstellung des Plans selbst war nicht so tragisch, da ich bereits sehr genau wusste, was ich wollte.“

Eine Herausforderung sollte dann aber auch noch das Setzen der Bäume werden. „Die Findung eines genauen Termins war halt schwierig“, so Piatti-Fünfkirchen. „Die Bäume dürfen erst aus der Baumschule, wenn der erste Frost die Blätter abwirft. Das war dann erst im November der Fall. Plötzlich hatte der Lohnunternehmer mit dem Setzpflug keine Zeit mehr. Später war aufgrund der Niederschläge die Befahrbarkeit der Fläche nur mehr so lala. Naja. Aber am Ende hat dann doch alles gut funktioniert.“

Kein Schnäppchen

Günstig ist die Anlage eines Agroforsts aber nicht. „Das Pflanzmaterial war eigentlich das Günstigste an der Sache“, so der Niederösterreicher. „Acht Euro für die Nuss, zwei Euro für die Pappel und vier bis sechs Euro für Maulbeere und Ahorn. Bei 100 Bäumen pro Hektar macht das rund 500 Euro. Was deutlich

Kurz & knapp

mehr kostet, sind der Setzpflug, der extra kommen muss, und dann natürlich die Personalkosten. Jeder Baum bekommt einen Pflock, wird durch einen Drahtkorb geschützt und dann kommt noch eine Schicht Hackschnitzel drauf. Und wenn es dann in den ersten beiden Jahren mal trocken wird, müssen die Bäume beregnet oder gegossen werden. Später kommt die Erziehung der Bäume dazu. Alles viel Aufwand an Zeit und Geld.“

In fünf Jahren…

Jetzt heißt es abwarten, wie sich die Gehölze entwickeln und ob sich der gewünschte Erfolg und die erhofften Effekte einstellen.

„In den kommenden fünf Jahren werden wir uns die Fläche genau ansehen“, so Zeno Piatti-Fünfkirchen. „Wenn wir einen Erfolg sehen, möchte ich den Agroforst um weitere 25 Hektar ausweiten. In diesem Fünf-Jahres-Rhythmus möchte ich den Agroforst am Betrieb Schritt für Schritt weiter etablieren – je nach aktuellen Erkenntnissen natürlich. Es ist ja ein ständiger Lernprozess. Ich weiß auch jetzt schon, was ich beim nächsten Mal besser machen möchte. Darüber werde ich auch bei der nächsten Veranstaltung der ARGE Agroforst berichten“, gibt uns der Mitbegründer des Vereins zur Förderung von Agroforstwirtschaft zum Schluss noch mit auf den Weg.

Naturland-Landwirt Zeno Piatti-Fünfkirchen ist einer der wenigen Agroforst-Pioniere. Auch wenn das Thema medial präsent ist, gibt es nur wenige Betriebe, die bereits eine Anlage etabliert haben. Der österreichische NaturlandDelegierte ist einer davon. Im Trockengebiet gelegen, sollen die Baumreihen die unproduktive Verdunstung bremsen und die Bodentemperatur durch die Beschattung verringern. Im Vorjahr wurde ein 4,5 Hektar großes Feldstück mit Bäumen bepflanzt. Hier wurden mehrere Reihen in einem Abstand von 38 Metern mit vier verschiedenen Gehölzen angelegt. Die 38 Meter entsprechen der dreifachen Arbeitsbreite von zwölf Metern beim Striegel plus einem 2-Meter-Gehölzstreifen. Jetzt heißt es abwarten. Sollten sich die gewünschten Effekte in den kommenden Jahren einstellen, wird die Agroforst-Fläche um weitere 25 Hektar erweitert.

Fotos: Alexander Böck (3), Zeno Piatti-Fünfkirchen (1)

ONLINE-VERANSTALTUNGEN ZU AGROFORST

Agroforstsysteme sind im Optimalfall ein Multitool für Klimaanpassung, Klimaschutz und mehr Biodiversität.

Zwei Naturland-Online-Veranstaltungen informieren zu diesem Zukunftsthema.

Bei Agroforstsystemen werden bewusst Gehölze in Acker- oder Grünlandflächen integriert. Agroforstgehölze können in Reihen oder als verstreute Einzelbäume gepflanzt werden. Die Gehölze dürfen, wenn sie als Agroforstsysteme im Mehrfachantrag codiert sind, auch wieder gerodet werden. Eine klassische Form von Agroforst, bei der Grünland und Obstbäume kombiniert werden, sind Streuobstwiesen. Auch Gehölzreihen in Geflügelausläufen oder Schattenbäume auf Weiden zählen zu Agroforstsystemen, wenn sie in einer bestimmten Menge vorhanden sind. Auf Äckern werden meist Gehölzreihen in unterschiedlichen Abständen gepflanzt. Im globalen Süden sind schattenspendende Bäume häufig Teil des Anbaukonzeptes, z. B. im Kaffeeanbau.

Agroforstsysteme binden das Treibhausgas Kohlendioxid (CO2), schützen Grundwasser und Böden und halten Wasser bei Starkregenereignissen. Darüber hinaus erhöhen sie Biodiversität, verändern das Mi-

Wer in Erwägung zieht, auf seinen Fläche Agroforst zu betreiben, findet hierzu bei den OnlineVeranstaltungen fundierte Hintergrundinfos.

Naturland e.V. c.pieringer@ naturland.de

kroklima, bieten Windschutz und können einen Beitrag zum Betriebseinkommen leisten.

Naturland bietet zu diesem Thema zwei kostenlose Online-Veranstaltungen an:

Agroforst im Ökolandbau – Warum?

Einführung & Nachhaltigkeitswirkungen:

Dienstag, 25. Februar 2025, 9:00 – 11:30 Uhr

Agroforst im Ökolandbau – Wie? Planung, Umsetzung & Finanzierung: Dienstag, 11. März 2025, 9:00 – 11:30 Uhr

Die Referent:innen kommen von der Agroforst-Akademie des Deutschen Fachverband für Agroforstwirtschaft, der Beratungsfirma Triebwerk, Warnke Agrar GmbH und von der Beratung für Naturland. Auch Praktiker kommen zu Wort: Mehrere Naturland-Betriebe berichten von ihren Erfahrungen bei der Umsetzung von Agroforstsystemen.

Anmeldung über www.naturland.de, Naturland-App oder direkt über die QR-Codes (siehe oben).

AUTORIN
Carolin Pieringer
Foto: Katharina Mayer

Naturland

BIO-WARENBÖRSE

BIETE VERKAUFE PFLANZLICHE

PRODUKTE FUTTERMITTEL

Biete Heu und Heulage; Inge Behrendt; 21710 Engelschoff; Tel.: 04144 8859

Mais LKS in Ballen; Rittergut Berninger; 34326 Morschen; Tel.: 0157 52136086

Silomais; Rittergut Berninger; 34326 Morschen; Tel.: 0157 52136086

Heu, 1. Schnitt; Werner Schmal; 51789 Lindlar; Tel.: 0171 9422921

Bergwiesenheu; Wolfgang Winterhalder; 79822 Titisee-Neustadt; Tel.: 0160 5072494

Roggen mit 21 % Erbsen bis 14 Tonnen; Jakob Rothmeier; 82065 Baierbrunn; Tel.: 089 7931530

Weizen bis 16 Tonnen; Jakob Rothmeier; 82065 Baierbrunn; Tel.: 089 7931530

Heu- und Grummetballen; Florian Rank; 83122 Samerberg; Tel.: 0151 64040700

Sehr schönes unverregnetes Grummet (2. Schnitt) in Rundballen; Josef Stumböck; 83627 Warngau-Wall; Tel.: 08021 901614

Silageballen; Klaus Gerst; 85435 Erding; Tel.: 0179 7042455

Körnermais A-Ware; Michael Gastl; 86660 Erlingshofen; Tel.: 0171 1788151

BIETE VERKAUFE ZUCHTNUTZVIEH

Murnau-Werdenfelser Kalbin; Florian Mayer; 82399 Raisting; E-Mail: auhmayer@kabelmail.de

Kalbin Kreuzung Pustertaler/FV trächtig; Michael Zerluth; 82431 Kochel a. See; Tel.: 0175 5469158

Laufend Jungvieh abzugeben; Anna-Maria Bissinger; 86690 Mertingen; Tel.: 0907 8321

FV-Jungkuh, geb. 7.5.22 v. Hokuspokus, weidegewohnt, sehr gute Melkbarkeit; Helmut Knestel; 87496 Hopferbach; Tel.: 0170 6386929

Galloway Rinder, Schlachtochsen, Absetzer; Andreas Waibel; 88484 Gutenzell-Hürbel; Tel.: 0152 02886995

Mutterkuh mit drittem Kalb bei Fuß; Familie Hümpfer; 97708 Großenbrach; Tel.: 09708 704440

Original Braunvieh Deckbulle gekört; Familie Hümpfer; 97708 Großenbrach; Tel.: 09708 704440

BIETE SONSTIGES

Frühjahrs- und Sommerblütenhonig; Franz Hammer; 01662 Meißen; Tel.: 0172 3445806

Wunderschöne Boskop-Äpfel; Josef Impler; 83075 Bad Feilnbach; Tel.: 0160 6783147

Bio-Gülle vom Milchvieh; AnnaMaria Bissinger; 86690 Mertingen; Tel.: 0907 8321

Bunte Bio-Kartoffeln zum Wiederverkauf; Anna-Maria Bissinger; 86690 Mertingen; Tel.: 0907 8321

Streu, gute Qualität; Manfred Lechleitner; 87466 Oy-Mittelberg; Tel.: 0170 4489295

Frühlingsblütenhonig; Christian Peter; 97274 Leinach; Tel.: 09364 9453

INFO

Weitere Anzeigen finden Sie im Internet unter www.biowarenboerse.de. Dort können Sie auch Ihre Anzeige schalten oder telefonisch bei Regina Springer unter Tel: +49 (0)8137 6372-912.

Baldrian in Arzneimittel-Qualität; Guido Herbig; 97447 Gerolzhofen; Tel.: 0175 3313703

SUCHE PFLANZLICHE PRODUKTE FUTTERMITTEL

Erbsen; Betrieb Zens; 84140 Gangkofen; Tel.: 0171 8265890

SUCHE ZUCHT-/ NUTZVIEH

DN.Rinder oder Kühe, Tragend , Frühjahrskalbend gesucht; Fokke Dirksen; 26427 Stedesdorf; Tel.: 0170 9243277

Milchkühe; Tobias Kaltenegger; 89331 Burgau; Tel.: 0178 2744519

Kalbinnen gesucht; Hubert Ott; 84140 Gangkofen Sackstetten; Tel.: 0160 94719035

SUCHE SONSTIGES

Dinkel im Spelz, Emmer im Spelz, Leindotter; Stefan Schmutz; 83308 Trostberg; Tel.: 0173 6018232

Öko-Belugalinsen, schwarz, Verbandsware, bevorzugt Naturland oder Bioland; Marktgesellschaft der Naturland Bauern AG; 85411 Hohenkammer; Tel.: 08137 931820

Wir suchen Futter- und Speisegetreide, Verbandsware; Marktgesellschaft der Naturland Bauern AG; 85411 Hohenkammer; Tel.: 08137 931820

Seit über 330 Jahren wird die Rubinmühle von der Familie Rubin, heute in der 14. Generation, geleitet und das Wissen rund ums Korn konsequent weiterentwickelt.

Seit 30 Jahren sind wir Naturland Partner.

Mit insgesamt rund 300 qualifizierten Mitarbeiter / innen in Baden-Württemberg und Sachsen werden Kunden vor allem in Europa, aber auch weltweit beliefert.

Die Rubinmühle lebt höchste Qualität. Sie wählt Rohstoffe und deren Herkünfte bewusst und schafft so eine Verbindung zu den Erzeugern, die unsere Produkte ermöglichen.

Rubin Mühle GmbH, 77933 Lahr

Rubinmühle Vogtland GmbH, 08527 Plauen

www.rubinmuehle.de

Mehr Infos hier

Land Green ® Öko

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