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Naturland Nachrichten 4/2024

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Naturland

NACHRICHTEN

Fachinformationen für den Öko-Landbau

Mit & ohne pflug

Welcher Preis für

Entwurmung von SILOMAIS?

SCHWEINEN

InsectoSec ®

Für einen sicheren Langzeitschutz gegen die Rote Vogelmilbe

Leichte Anwendung

Keine Rückstände

Keine Resistenzen

Zugelassen für die ökologische Landwirtschaft

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OFFEN BLEIBEN

„Am Pflug führt im Öko-Landbau kein Weg vorbei“. Diese Überzeugung vieler Praktiker beruht vor allem auf zwei Erkenntnissen:

1. Reduzierte Bodenbearbeitung hat in aller Regel eine geringere Mineralisierung zur Folge. Wenn weniger Stickstoff frei wird, muss mehr gedüngt werden. Was aber tun, wenn es diesen Stickstoff von außen nicht gibt?

2. Gleichzeitig steigt unter reduzierter Bodenbearbeitung tendenziell auch der Unkrautdruck. Wie passt das zum Öko-Landbau?

Genau diese beiden Knackpunkte, die Stickstoff-Versorgung und das Unkrautmanagement, gilt es aber gerade im Öko-Landbau ins Optimum zu bringen. Nicht nur die Erfahrungen der Praktiker – auch Versuchsergebnisse zeigen in diese Richtung, mal mehr, mal weniger: ertraglich liegt die Pflug-Variante meist vorne.

Doch die Zeiten ändern sich und bringen neue Herausforderungen mit sich. Insofern bin ich manchen Betriebsleitern geradezu dankbar, dass sie nicht immer auf mich gehört und Neues ausprobiert haben – auch in der Bodenbearbeitung. Nur so kann man lernen und sich weiterentwickeln. Kosten, Diesel-Verbrauch und Flächenleistung waren zunächst einige der Aspekte, die diese Offenheit für die pfluglose Bodenbearbeitung förderten. Das begann mit ersten Ansätzen, nach bestimmten Kulturen mal auf den Pflug zu verzichten. Immer stärker führten die zunehmenden Anzeichen des Klimawandels dazu, bei den ersten Versuchen nicht stehenzubleiben: Humusaufbau, Bodenleben sowie energie- und wassersparende Verfahren haben enorm an Bedeutung gewonnen.

Mittlerweile gibt es eine ganze Reihe von Betrieben, die für sich neue Wege in der Bodenbearbeitung gefunden haben. Heute wird freilich schnell ein Hype aus allem gemacht, auch aus „pfluglos“. Die Natur mag jedoch keine Übertreibungen – an bestimmten Naturgesetzen kommen wir nicht vorbei. Aber wir können uns mit ihnen „arrangieren“. Im Titelthema dieser Ausgabe widmen wir uns daher dem Thema „Mit & ohne Pflug“. Es lohnt immer, offen auf die Dinge zu schauen – gerade auch auf die jeweils „andere“ Seite des Meinungsspektrums.

IMPRESSUM NATURLAND NACHRICHTEN

Herausgeber: Beratung für Naturland Öko-BeratungsGesellschaft mbH Eichethof 1, 85411 Hohenkammer Telefon: +49 (0)8137/ 6372-902 info@naturland-beratung.de www.naturland-beratung.de

Verantwortlich im Sinne des Presserechts (V.i.S.d.P): Martin Bär

Vertrieb: Regina Springer Telefon: +49 (0)8137/6372-912 r.springer@naturland-beratung.de

Anzeigen: Tanja Edbauer Telefon: +49 (0)172/3126816 t.edbauer@naturland-beratung.de

Redaktion: Ralf Alsfeld, Markus Fadl, Roman Goldberger (leitend), Walter Zwingel

Titelfoto: Raphael Rother

Grafik & Layout: Werbeagentur Oberhofer, Ingolstadt Alison Goldberger, Rainbach

Druck: Riegler Druck, Pfaffenhofen

Bezug: Die Fachzeitschrift erscheint sechsmal im Jahr im Umfang von mind. 80 Seiten. Der Bezugspreis der Naturland Nachrichten ist im Mitgliedsbeitrag enthalten.

Alle namentlich gekennzeichneten Artikel geben die Meinung des Verfassers wieder. Die Beiträge sind urheberrechtlich geschützt. Nachdruck ist nur mit schriftlicher Genehmigung der Redaktion zulässig.

Wir formulieren in unseren Texten die weibliche und männliche Form aus. Wenn dies die Lesbarkeit beeinträchtigt, verwenden wir die generische

Form – diese schließt Frauen dann selbstverständlich ein.

DER UMWELT ZULIEBE

Die Naturland Nachrichten werden aus Recyclingpapier (Blauer Engel) und mit natürlichen Farben ohne Mineralöl hergestellt. Druck und Versand erfolgen CO2-neutral durch Kompensation. Daher darf die Zeitschrift – als Ganzes – den Blauen Engel tragen.

Walter Zwingel Beratung für Naturland w.zwingel@naturlandberatung.de

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· ressourcenschonend und umweltfreundlich hergestellt

· emissionsarm gedruckt

· aus 100 % Altpapier IP3

titelthema

3 OFFEN BLEIBEN

Mit & ohne Pflug: Die zwei Seiten der Diskussion

20 MIT & OHNE PFLUG

Beide Verfahren haben ihre Vorteile und Herausforderungen

26 DAMMKULTUR

So macht‘s NaturlandBetrieb Stephan Krämer

30 DIREKTSAAT

Die besondere Situation im Öko-Landbau

35 DIREKTSAAT MIT PFLUG

Was ein Langzeitversuch aus den USA zeigt

MARKT & VERMARKTUNG

36 15 JAHRE REWE & NATURLAND

Die Initialzündung für Bio im Handel.

42 MARKT & PREISE

Aktuelle Entwicklungen

44 DIREKTVERMARKTUNG

… als zweites betriebliches Standbein am NaturlandHof Seitz

RIND & GRÜNLAND

50 HERDENSCHUTZ

Weniger Emotionen und mehr pragmatische Lösungen

52 KETOSE VORBEUGEN

Gute Beobachtung und vorbeugende Maßnahmen

56 7 TIPPS

… für Triebwege und saubere Weiden

SCHWEIN & GEFLÜGEL

60 MILKSPOTS

So bekämpfen Sie Spulwurmbefall

64 EU-BIO-VERORDNUNG

Neue Vorgaben für ÖkoGeflügelhalter

ACKERBAU & TECHNIK

68 ERBSE & ACKERBOHNE

Anbau im Gemenge mit Getreide

70 WINTERERBSE

Den passenden

Gemengepartner finden

73 BERATERTIPP

Nachbau-Saatgut auf Steinbrand untersuchen

74 PREIS FÜR SILOMAIS

Preisfindung für Verkauf ab Feld

76 FELDGEMÜSE

Positive Wirkung der Zwischenfrüchte nutzen

6 INTERVIEW „Visionär, aber trotzdem praxisorientiert.“

10 AKTUELLES

Das Naturland in Bildern

14 POLITIK & VERBAND

Cem Özdemir besucht Hubert Heigl

16 KOMMUNIKATION

Bio für Kinder erlebbar machen

18 AUS DER KONTROLLE

Antworten auf häufige Fragen

19 NATURLAND-APP

Die meistgelesenen Beiträge

AUTOR

Marcus Nürnberger

Beratung für Naturland m.nuernberger@ naturland-beratung.de aber trotzdem praxisorientiert

Visionär,

Marion Bohner im Interview

Als Naturland-Präsidiumsmitglied ist Marion Bohner eine bessere Einbindung der Frauen wichtig, denn sie seien die Innovationstreiber auf den Betrieben.

Marion Bohner

In Bad Waldsee in Oberschwaben bewirtschaften

Marion Bohner und ihr Mann

Klaus einen Naturland-Hof mit 55 Fleckvieh-Kühen, 20 Hektar Grünland, 20 Hektar Ackerland und 4 Hektar Wald. Ein besonderes Anliegen ist es

Marion Bohner, Frauen in der Landwirtschaft sichtbarer zu machen. Seit drei Jahren ist sie Mitglied des Naturland-Präsidiums.

Marion, Du und Dein Mann habt zwei Kinder, betreibt einen Milchviehbetrieb, bietet Führungen für Schulklassen und Du arbeitest noch zwei Tage im sozialpädiatrischen Zentrum. Was ist die Motivation, sich auch noch für Naturland im Ehrenamt einzusetzen?

Gesellschaft funktioniert in meinen Augen so ein bisschen wie Landwirtschaft: Man kann vom Acker auch nicht immer nur nehmen, ohne Nährstoffe zurückzugeben. Das ist in der Gesellschaft für mich ähnlich. Daraus schöpfe ich meine Motivation. Mit meiner Arbeit für Naturland setzte ich mich darüber hinaus für etwas ein, an dem mein Herz hängt.

Was ist Deine Vision vom Öko-Landbau?

Felix zu Löwenstein hat mal gesagt: „Wir werden uns entweder ökologisch ernähren oder gar nicht!“

Das heißt aber auch, wir werden entweder ökologisch wirtschaften oder gar nicht mehr. Für mich ist der Öko-Landbau die einzige, zukunftsfähige Form der Landwirtschaft.

Was leitet sich daraus für Naturland ab?

Ich denke, wir sind da in vielen Bereichen schon immer sehr vorausschauend gewesen und haben mit unseren Richtlinien zu sozialen Standards, zum Umgang mit Wasser oder in Bezug auf Nachhaltigkeit schon sehr visionär gehandelt. Auch in anderen

Bereichen, zum Beispiel bei Fisch und Aquakultur, sind wir im Öko-Bereich wirkliche Vorreiter: Visionär, aber trotzdem praxisorientiert. Ich denke, das ist ein zentraler Punkt von Naturland. Gleichzeitig wird Naturland immer bekannter. Wir wollen im Öko-Bereich auch zukünftig eine sehr zentrale Rolle spielen.

Du bist Teil des fünfköpfigen Naturland-Präsidiums, gewählt von den Delegierten aus den Bundesländern, in denen es wiederum Landesvorstände gibt. Wie wichtig ist diese demokratische Struktur für das Naturland-Selbstverständnis?

In den unterschiedlichen Gremien wird viel diskutiert, sich ausgetauscht und Positionen werden erarbeitet. Ich denke, für die Mitglieder und auch für mich ist es wichtig, dass wir nicht von Funktionären geführt werden. Wir sind ein Verband, der von Kolleginnen und Kollegen, also von Landwirtinnen und Landwirten geführt wird. Jeder kann sich einbringen. Das ist ein zentraler Punkt bei Naturland. Wir haben sehr flache Strukturen, die eine vielfältige Beteiligung zulassen. Alle können an Mitgliederversammlungen teilnehmen, sich im Vorstand engagieren und als Delegierte aktiv werden. Für wen das nicht passt, der kann sich zum Beispiel auch in einem der Fachausschüsse einbringen oder dem Naturland der nächsten Generation anschließen.

Fotos:
Naturland / Sabine
Bielmeier
„Für mich ist der Öko-Landbau die einzige, zukunftsfähige Form der Landwirtschaft.“

Die Delegiertenversammlung ist das höchste Gremium des Verbands? Welche Entscheidungen werden hier getroffen?

In der Delegiertenversammlung werden die zentralen Entscheidungen im Verband getroffen. Hier wird über Richtlinien und mögliche Anpassungen und Änderungen entschieden. Die Delegiertenversammlung entscheidet aber auch über den Haushalt und damit über die zukünftige Ausrichtung des Verbands. Darüber hinaus wählen die Delegierten das Präsidium, die Richtlinienkommission, die Anerkennungskommission und die Mitglieder der Fachausschüsse.

Wie wird man Delegierter?

Die Hürde zur Mitarbeit bei Naturland ist nicht hoch. Wenn man auf Landesebene aktiv ist, kann man sich in den Vorstand und damit zum Delegierten wählen lassen. Mit einem kleinen Schritt wird man zur Interessensvertretung der Mitglieder. Damit die Delegiertenversammlung ein funktionierendes Gremium bleibt, wird erwartet, dass die Gewählten an den Prozessen aktiv teilnehmen. Und weil Naturland ein internationaler Verband ist, werden

auch Entscheidungen mit den Delegierten aus anderen Ländern und Kontinenten erarbeitet. Ich schätze diesen Perspektivwechsel sehr, auch für den Blick auf unseren eigenen Betrieb.

Wie würdest du die Stimmung auf den Delegiertenversammlungen beschreiben?

Bei den Treffen, die zweimal im Jahr stattfinden, kommen nicht nur Menschen aus Deutschland zusammen. Über die Vertreter des World Advisory Boards sind auch die vielen Betriebe aus anderen Ländern vertreten. In meiner Wahrnehmung arbeiten wir alle in einem vertrauensvollen Miteinander daran, die nach Möglichkeit beste Lösung für die Betriebe zu finden. Das bedeutet nicht, dass es keine kontroversen Diskussionen gibt. Aber immer mit dem Ziel, die beste Lösung für die Betriebe und den Verband zu finden.

Das Naturland-Präsidium besteht aus drei Männern und zwei Frauen. Wie ist die Geschlechterverteilung in der Delegiertenversammlung?

Im Präsidium sind Frauen durch Frauke Weissang und mich inzwischen ganz gut vertreten. Das war nicht immer so. Eine ausgewogenere Besetzung war im Übrigen auch ein Wunsch der Delegierten vor der letzten Wahl. Bei der Zusammensetzung der Delegierten gibt es noch Verbesserungspotenzial.

Haben wir Dein Interesse geweckt oder hast Du Fragen zur Mitarbeit in den Naturland-Gremien? Wende Dich gerne an uns per E-Mail (ehrenamt@ naturland.de) oder telefonisch (0175-37337548).

In der Delegiertenversammlung werden die zentralen Entscheidungen im Verband getroffen.

Warum brauchen wir mehr Frauen in den Entscheidungsgremien?

Mir ist eine bessere Einbindung der Frauen wichtig, weil ungefähr 40 % der Arbeit auf landwirtschaftlichen Betrieben von Frauen erledigt werden. In den landwirtschaftlichen Gremien spiegelt sich das aber überhaupt nicht wider. Da sind wir bei Naturland mit fast 15 Prozent über alle Gremien hinweg noch relativ gut. Dennoch: Wir brauchen diese Diversität, wenn wir wirklich gut sein wollen. Wir greifen damit ein gesellschaftliches Thema auf, das in eher traditionellen landwirtschaftlichen Strukturen und Rollenbildern einiger Unterstützung bedarf. Um diese Entwicklung voranzubringen, werden wir Frauentreffen organisieren und hoffen auf viele engagierte Unterstützerinnen in den Regionen. In Baden-Württemberg hatten wir schon drei Frauentreffen, quasi als Pilotprojekt; Beteiligung und Austausch waren sehr gut. Neben der aktiven Beteiligung in Gremien geht es dabei auch um die Wertschätzung der geleisteten Arbeit und eine gleichwertige Absicherung im Krankheitsfall und im Alter.

Im vergangenen Jahr wurde eine Studie zur Rolle der Frauen in der Landwirtschaft veröffentlicht. Und diese Studie zeigt unter anderem, dass Frauen nicht unwesentliche „Innovationstreiber“ auch

auf den Betrieben sind. Wenn es darum geht, etwas Neues auf dem Hof zu etablieren, z. B. Bauernhofpädagogik, Direktvermarktung, dann sind es meistens die Frauen, die das aktiv vorantreiben. Erfolgreich kann das aber meist nur sein, wenn sich auch die Aufgaben der Männer verändern, weil die Frauen mit den bestehenden Aufgaben ausgelastet sind. Um neue Aufgaben übernehmen zu können, muss umverteilt werden.

Bei Euch auf dem Hof übernimmt Dein Mann den Haushalt, wenn du unterwegs bist. Wenn wir mehr Frauen im Ehrenamt wollen, müssen sich auch die Männer mehr einbringen, oder? Wenn wir mehr Frauen in den Gremien wollen, dann ist ein wichtiger Schritt, diese gezielt anzusprechen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass bei der Vergabe von Aufgaben aus einem Reflex heraus vor allem die Männer angesprochen werden. Und dann ist es natürlich auch entscheidend, dass die Menschen im Ehrenamt die notwendige Unterstützung auch auf den eigenen Höfen bekommen. Für mich ist das die Definition vom Familienbetrieb: Die Arbeiten und Aufgaben werden auf alle Schultern verteilt. Um den Öko-Landbau und Naturland weiter voranzubringen, müssen wir alle zusammenarbeiten und brauchen ein starkes Ehrenamt — Jung und Alt, Frauen und Männer.

Das Naturland

in Bildern

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1 D as österreichische Beratungsteam kurz vor dem Besucheransturm bei den Biofeldtagen in Donnerskirchen am Naturland-Stand, v.l.n.r.: Nikolaus Fuchs, Lisa Krallinger, Isabella Hiebaum und Hans Peter Jud, nicht im Bild Stefan Lemmerer.

2 Ewald Pieringer (Beratung für Naturland) bei Kontrolle der Striegeleinstellung beim Kämmen von Hartweizen gegen Klettenlabkraut vor dem Ährenschieben.

3 Beratertagung in Buchenau (Hessen). Naturland-Präsident Hubert Heigl erläutert die Naturland-Nachhaltigkeitsstrategie, die den Erzeugerbetrieben große Chancen bietet.

4 Im Rahmen des sogenannten GaLaPark-Tags am Betriebsgelände der Firma Wittenzellner in Niederbayern informierten Tanja Edbauer und Hubert Weigand (Beratung für Naturland) Konsumenten und Landwirte über die Vorzüge von Naturland.

5 Stefan Kolonko (rechts), einer der ersten Naturland-Förster, geht in den wohlverdienten Ruhestand. Nach 24 Jahren konsequenter Öko-Waldnutzung und regem fachlichen Erfahrungsaustausch wurde er nun von Martin Reinold (Naturland) verabschiedet.

6 Neben dem Haus der Kunst ist die Landeshauptstadt München um eine Institution reicher geworden: das „Haus der Kost“. Kristina Mayr und

Karin Romeder (beide ganz außen) haben für die Naturland Zeichen GmbH an der Eröffnungsfeier teilgenommen.

7 Landwirtschaftsminister Özdemir (links) besucht den Naturland-Hof von Eveline und Hubert Heigl. Beim Hofrundgang wurden, gemeinsam mit dem geschäftsführende BÖLW-Vorstand Peter Röhrig, aktuelle politische Fragen zu artgerechter Tierhaltung, Bürokratieabbau und Forschung diskutiert.

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8 Demeter feierte 100 Jahre biodynamische Landwirtschaft. Als Gratulanten dabei waren NaturlandGeschäftsführer Steffen Reese und Naturland-Präsidiumsmitglied Peter Warlich (im Vordergrund während eines Hofrundgangs).

9 Workshop „Bayerisches Getreide – das heimische Superfood“ für Fachleute aus der Gastronomie und Gemeinschaftsverpflegung in der Münchener Rathauskantine. Veranstalter waren Naturland Zeichen GmbH und BUND Naturschutz in Bayern.

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10 Rund 40 Veranstaltungen und Aktionen sorgten im gesamten Münsterland für Picknickstimmung.

Hof Schwienhorst war mit dabei. Auf dem Bild zu sehen v.l.n.r.: Jutta Höper (Stadt Münster), Annette Alpers (Beratung für Naturland) und Juliane Rabe (Öko-Modellregion Münsterland).

11 Die Genossenschaft der ÖkoBauern in Lippetal (NRW) eröffnete eine neue Produktions- und Lagerhalle für Bio-Kartoffeln und Zwiebeln, v.l.n.r: Steffen Reese (NaturlandGeschäftsführer), Geschäftsführer

Klaus Rauhaus (Genossenschaft der Ökobauern), Axel Altenweger (Aufsichtsratsvorsitzender der Genossenschaft und Naturland-Landwirt), NRW-Landwirtschaftsministerin Silke Gorißen, Stephan Bolduan (UPMANN Verpackungsmaschinen), Matthias Lürbke (Lippetaler Bürgermeister) und Elisabeth Goldstein (Gemeinde Lippetal).

12 Feldbegehung im Nordosten Österreichs: Naturland-Landwirt Franzi Schleinzer mit Soja der Sorte Lenka. Gut sichtbar sind die Knöllchenbakterien.

13 G leich zehn Naturland-Betriebe haben den Förderpreis „Gemeinsam Boden gut machen“ gewonnen. Alnatura-Geschäftsführer Götz Rehn und NABU-Präsident Jörg-Andreas Krüger übergeben den Preis im Rahmen der 40-Jahr-Feier von Alnatura.

14 Die Grünlandspezialisten Sebastian Wagner und Stefan Lemmerer (beide Beratung für Naturland) begutachten während des Beratertreffens den Kleegrasbestand auf einer Biodiversitätsfläche.

e.V.,

für

Fotos: Beratung
Naturland, Naturland
alegra-kommunikation, Daniel Schubert, Münsterland e.V./Lisa Reitinger, Genossenschaft der Öko-Bauern eG, Alnatura/Annika List

KOMMENTAR

Von Lea Ilgeroth-Hiadzi, Naturland e.V.

Europa hat gewählt. Die Ergebnisse waren abzusehen, nachdenklich stimmt der Rechtsruck dennoch – wie auch die jüngsten Entwicklungen in der Agrarpolitik. Wo wollen wir hin mit der Landwirtschaft? Aus den Wahlergebnissen, wie schon aus den Bauernprotesten, spricht die Sehnsucht nach Stabilität und Sicherheit. Wer nun aber meint, dies sei mit den alten Rezepten wie chemischem Pflanzenschutz und Kunstdünger sowie pauschalen Flächenprämien zu erreichen, wird an der Realität scheitern. Stabile Ernten und rentable Höfe wird es auf Dauer nur geben, wenn wir die Betriebe dafür fit machen, Lebensmittelproduktion, Umwelt- und Klimaschutz zu vereinen. Vieles, was dafür notwendig wäre, war im Green Deal angelegt. Nach der Wahl sollten alle einen Schritt zurücktreten, sich besinnen – und dann gemeinsam einen neuen Aufbruch wagen.

Mit dem Ziel der Weiterentwicklung der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie hatte Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir die junge Generation zum „Jugendpolitischen Forum 2024“ im Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) nach Berlin eingeladen. Anfang Juni diskutierten ca. 50 junge Menschen darüber, welche Veränderungen es braucht, um Landwirtschaft zukunftsfähig und für die kommende Generation attraktiv und lohnend zu machen. Naturland-Bäuerin Marina Grölz, die für Naturland teilnahm, berichtet: Ohne Presse und in einem kleinen Kreis stellte sich Landwirtschaftsminister Cem Özdemir unseren Fragen und beantwortete diese äußerst

NEUE LAGER- UND PRODUKTIONSHALLE NATURLAND IM BMEL

Vor dreißig Jahre wurde die Genossenschaft der Öko-Bauern eG von Naturland-Landwirten gegründet. Nun hat die Genossenschaft am 21. Juni eine neue Lager- und Produktionshalle in Lippborg eingeweiht. In der mit

offen und direkt. „Klimapolitik in der Land- und Forstwirtschaft“, „Artenvielfalt und Biodiversität“ sowie „Nachhaltiger Konsum“ waren die Themen an denen gearbeitet wurde. Unsere Lösungsvorschläge präsentierten wir im Nachgang Staatssekretärin Silvia Bender. Sie sollen in zukünftige politischen Entscheidungen einfließen.

Tipp: Gerne wollen wir uns als Naturland der nächsten Generation noch stärker bei politischen Entscheidungen einbringen. Du hast Lust mitzumachen? Dann melde dich unter info@junges-naturland.de.

Autorin: Marina Grölz, NaturlandDelegierte

ware angelieferten Bio-Kartoffeln und Bio-Zwiebeln gelagert, gewaschen und nach Kundenvorgabe sortiert und verpackt werden. 80 Prozent der zuliefernden Bio-Erzeuger kommen aus Nordrhein-Westfalen und

v.l.n.r.: Axel Altenweger (Aufsichtsratsvorsitzender und Naturland-Landwirt), Silke Gorißen (NRW-Landwirtschaftsministerin), Klaus Rauhaus (Geschäftsführer), Matthias Lürbke (Bürgermeister Lippetal), Steffen Reese und Anette Alpers (Naturland) sowie Jochen Voß (Vorstandsvorsitzender).

CEM ÖZDEMIR BEI HUBERT HEIGL

Öko-Landwirtschaft und Politik im Dialog: Bundeslandwirtschafts minister Cem Özdemir hat an Fronleichnam den Hof von Natur land-Präsident Hubert Heigl in der Oberpfalz besucht. Heigl hatte den Minister eingela den, damit dieser sich beim Hofrundgang ein Bild davon machen konnte, wie Bio-Betrie be durch ihre ganzheit liche Wirtschaftsweise für das Wohl der Tiere und der Umwelt sorgen. Anschließend diskutier ten Özdemir, Heigl und der geschäftsführende BÖLW-Vorstand Peter Röhrig aktuelle politische Fragen rund um die Themen artgerechte Tierhaltung, Bürokratieabbau und mehr Forschung für Bio.

Minister Cem Özdemir hatte bei seinem Besuch Schwein; mit Naturland-Präsident Hubert Heigl und BÖLW-Vorstand Peter Röhrig. sorgt mit hoher Effizienz dafür, dass gute Ernährung und Umweltschutz zusammen gehen“, sagte Heigl, der zugleich BÖLWVorstand Landwirtschaft ist.

Heigl forderte vom Minister eine bessere Anerkennung der Um-

weltleistungen der Bio-Betriebe: „Unsinnige doppelte Auflagen müssen gestrichen werden, um Bürokratie abzubauen. Die EUAgrarpolitik muss denen Sicherheit geben, die den notwendigen Umbau der Landwirtschaft anpacken. Der Öko-Landbau

GAP 2028: IFOAM STELLT SICH

Autor: Markus Fadl, Naturland e.V.

REESE WIRD FFH-VIZE

Eine wichtige Aufgabe des neuen EU-Parlaments ist es, die Agrarförderung ab 2028 neu zu ordnen. Die europäischen BioVerbände gehen dabei mit dem

von Naturland initiierten GAPStufenmodell des BÖLW in die Gespräche in Brüssel. Darauf hat sich die IFOAM Farmers Group, der landwirtschaftliche Fachausschuss von IFOAM Organics EU, bei seinem Treffen Anfang Mai in der Schweiz geeinigt. Vorsitzender der Farmers Group ist seit 2022 Naturland-Vizepräsident Hans Bartelme. Er wurde bei dem Treffen im Mai für weitere drei Jahre in seinem Amt bestätigt.

Naturland-Geschäftsführer Steffen Reese rückt in die Spitze des Forums Fairer Handel (FFH) auf. Bei der FFH-Mitgliederversammlung Anfang Juli in Berlin wurde Reese erstmals zum stellvertretenden Vorsitzenden des FFH-Vorstands gewählt. Bislang hatte er dem Gremium als Beisitzer angehört. Als erste Vorsitzende wurde Andrea Fütterer, Leiterin der Abteilung Grundsatz und Politik beim NaturlandPartner GEPA, für weitere zwei Jahre im Amt bestätigt. FFH ist der Verband des Fairen Handels in Deutschland.

Naturland-Vizepräsident Hans Bartelme

Autor: Markus Fadl, Naturland e.V.

Autor: Markus Fadl, Naturland e.V

VON NATURLAND-HÖFEN IN DIE TOLLWOOD KINDERKÜCHE

Wo kommt das Essen eigentlich her? Und wie kann ich mich am besten lecker, gesund und natürlich Bio ernähren? Antworten erhielten Kinder spielerisch in der von Naturland gesponsorten Kinderküche auf dem Tollwood Sommerfestival 2024. Dieses Festival findet halbjährlich in München statt.

Für diesen Anlass wurde die illustrierte Artenvielfaltskampagne vom Kommunikationsteam Marke & Endverbrau-

cher adaptiert - natürlich mit viel Liebe zum Detail. Schließlich sollen sich die Kinder und ihre Eltern nicht nur auf dem Tollwood Sommerfestival, sondern auch noch zu Hause für Naturland begeistern. Deshalb bekamen die kleinen Köchinnen und Köche einen Naturland-Minibeutel, befüllt mit einer eigens dafür entwickelten Rezeptbroschüre für Kinder und vielen weiteren Utensilien zur Artenvielfalt, wie Ausmalbilder, Sticker und Vieles mehr.

Die beim Kochen verwendeten Lebensmittel und Getränke wurden von unseren spendablen Naturland-Partnern Milchwerke Berchtesgadener Land, Ökoring und Hofpfisterei geliefert. Vielen Dank dafür.

Nach getaner Arbeit und mit wohlig gefülltem Magen konnte man sich anschließend im angrenzenden Barfußpfad die Beine vertreten. Die essbare Bepflanzung steuerte die Naturland-Gärtnerei Kinara bei.

GROSSE UND KLEINE INFLUENCER

BEI DER SCHATZSUCHE

Im Rahmen des dreijährigen Projekts „Being Organic in EU“ lud Naturland Eltern-Influencerinnen und Influencer auf den wunderbaren Billesberger Hof nordöstlich von München ein.

Das Ziel: Möglichst viele Menschen für die wertvolle Arbeit unserer Naturland-Landwirtinnen und Landwirte und für ökologische Landwirtschaft zu begeistern.

Das Ergebnis: Leuchtende Kinderaugen und viele lebendige Eindrücke von Naturland auf den Social-Media-Kanälen.

AUTORIN Brita Bertsch Naturland e.V b.bertsch@naturland.de

Das Ergebnis...

Fotos: Naturland / Sabine Bielmeier

AUS DER KONTROLLE

Naturland-Betriebe halten die EU-Bio-Verordnung und Naturland-Richtlinien ein. Gemeinsam mit den Kontrollstellen Gesellschaft für Ressourcenschutz und Austria Bio Garantie beantworten wir hier Ihre Fragen.

Die kommende Körnermaisernte wird ein konventioneller Dienstleister für mich trocknen. Worauf ist zu achten?

Die konventionelle Lohntrocknung ist ein kontrollpflichtiger Verarbeitungsvorgang. Daher muss vor der Trocknung ein Lohnverarbeitervertrag mit dem Dienstleister geschlossen werden. Zusätzlich sind Maßnahmen festzuhalten, die den Bio-Status des Körnermaises während des Vorgangs gewährleisten (Schutz vor Kontamination, Vermischung und Vertauschung). Der Lohnverarbeiter ist vorab der Kontrollstelle mitzuteilen, damit sie Ablauf und Maßnahmen prüfen kann. Über eine Änderungsmeldung wird der Lohnverarbeiter in Deutschland auch der jeweiligen Landesbehörde gemeldet, in Österreich muss eine Lohnvereinbarung von der Kontrollstelle angefordert werden. Wichtig: Die Mengenflüsse zwischen Öko-Betrieb und konventionellem Trockner dokumentieren! Da bei der Jahreskontrolle der Dienstleister mit überprüft wird, sollte eine Besichtigung der Trocknungsanlage vorab mit dem Kontrolleur geklärt werden.

Kann ich konventionelle Milchkühe aus einer Betriebsübernahme in eine Naturland-Herde integrieren?

Prinzipiell können konventionelle Tiere bei einer Betriebsübernahme übernommen werden. Dieser Sonderfall eines Tierzukaufs muss jedoch eng mit der Kontrollstelle und unter Einbezug der zuständigen Landesbehörde abgesprochen werden. Wichtige Umstellungszeiten sind sechs Monate für Milch und zwölf Monate für Fleisch (mindestens ¾ des Lebens). Die Tiere müssen getrennt gemolken und die Milch separat aufgefangen werden. Die konventionelle Milch darf nicht an die BioKälber des Naturland-Betriebs vertränkt werden.

Ich möchte ein konventionelles Rind einer gefährdeten Rasse zu Zuchtzwecken kaufen. Wie weise ich die Rasse nach?

Das Rind muss nicht im Herdbuch eingetragen sein. Die Rasse kann über den Rinderpass oder die HI-Tier nachgewiesen werden. Wichtig ist, dass nur im Fall regionaler und gefährdeter Rassen für den Zukauf keine Ausnahmegenehmigung über oganicxlivestock.de bzw. almmarkt.at erforderlich ist. Eine Liste dieser Rassen ist auf der Startseite der www.organicxlivestock.de verlinkt. Bei allen anderen Tierzukäufen ist zu prüfen, ob ein Beleg nötig ist. Welcher Fall vorliegt und ob ein Beleg nötig ist, kann am Kopf der Belegvorlage abgelesen werden.

Haben Sie Fragen

ZUR BIO-KONTROLLE?

Dann schicken Sie uns diese an redaktion@ naturland-beratung.de

Fotos: Goldberger, Shutterstock / E. O.

DIE MEISTEN KLICKS

Sie möchten in Kürze erfahren, was im ÖkoLandbau und in der Naturland-Welt gerade passiert oder suchen Tipps bei aktuellen Problemen? Mit den Push-Mitteilungen, Chat-Foren und dem Terminkalender der Naturland-App bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Überzeugen Sie sich selbst: Wir stellen Ihnen hier drei der am häufigsten gelesenen Beiträge in der Naturland-App vor.

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Bundesgerichtshof entscheidet über Saatgut

veröffentlicht am 23.05.2024

Laut einem Urteil des Bundesgerichtshofs haben Händler von Erntegut eine „Erkundigungspflicht“, die sicherstellt, dass der Anbau ohne Verstöße gegen das Sortenschutzrecht erfolgt ist. So fordern jetzt Händler, Mühlen und andere Aufkäufer die Unterzeichnung einer LieferantenErklärung, in der der ordnungsgemäße Anbau aus Z-Saatgut oder der rechtmäßige Nachbau bestätigt wird.

Maßnahmen gegen Fliegen

veröffentlicht am 31.05.2024

Die Belastung von Rindern durch Fliegen kann durch folgende Maßnahmen reduziert werden: Saubere Ställe, regelmäßiges Ausmisten, Ventilatoren, Kalken, Schwalben fördern, Nützlingseinsatz, Fliegengitter, Fliegenfallen und windige Weiden. Chemisch-synthetisch-allopathische Mittel muss der Tierarzt verschreiben, deren prophylaktische Anwendung ist unzulässig, es gilt eine doppelte Wartezeit.

Ackerfuchsschwanz regulieren

veröffentlicht am 13.6.2024

Was tun, wenn Fuchsschwanz die mechanische Beikrautregulierung im Frühjahr überstanden und sich im Getreide ausgebreitet hat? Jetzt bekämpfen! Der Fuchsschwanz hat seine Hauptauflaufzeit nach der Ernte. Daher können dessen Samen nach der Ernte zum Auflaufen gebracht, mechanisch reguliert und durch eine Zwischenfrucht unterdrückt werden.

DIE KOMPLETTEN ARTIKEL FINDEN SIE IN DER NATURLAND-APP

Fotos: BLEDominic Menzler, Ralf Alsfeld, Landpixel

TITEL THEMA

Mit & ohne

Pflug

Der Pflug ist für Viele aus dem Öko-Landbau nicht wegzudenken. Trotzdem machen sich immer mehr Betriebe Gedanken, wie sie Pflugeinsatz und Bodenbearbeitung reduzieren können. Nicht Wenige setzen dies bereits in ihrer Praxis um –beschreiten hierbei jedoch unterschiedliche Wege.

Die Diskussion um pfluglose Anbausysteme begleitet den ÖkoLandbau seit seinen Anfängen. Was gelegentlich sogar zu einer Art Glaubensfrage hochstilisiert wurde, ist längst praktischen Fragen und pragmatischen Umsetzungen gewichen – nicht zuletzt durch die Umsetzung der GLÖZ-Standards, der Veränderung der Erosionskulisse und den immer klarer werdenden Herausforderungen des Klimawandels. Wie immer ist es wichtig, die Ansätze und Bodenbearbeitungssysteme ideologiefrei und nüchtern zu betrachten. Sind die Erfahrungen, die mit ihnen unter konventionellen Bedingungen gemacht worden sind, 1 : 1 auf den Öko-Landbau übertragbar? Wo setzt der in mancherlei

Hinsicht radikal andere Ansatz zwangsläufig andere oder neue Grenzen? Der Öko-Landbau erfordert andere Prioritäten oder Umsetzungen.

Schon seit Langem wird zwischen der wendenden (konventionellen) und der nicht wendenden (konservierenden) Bodenbearbeitung unterschieden. Welche Charakteristika, Vor- und Nachteile haben beide Systeme?

Wendend mit Pflug

Das wendende Bodenbearbeitungssystem besteht in der Regel aus den Arbeitsschritten: Stoppelbearbeitung → Pflug → Saatbettbereitung → Saat in

„Es ist wichtig, die Bodenbearbeitungssysteme ideologiefrei zu betrachten.“

den „reinen Tisch“. Die großen Vorteile für den Öko-Landbau liegen dabei auf der Hand: seine beiden „Knackpunkte“, die geringere N-Versorgung und das höhere Verunkrautungsrisiko können entscheidend verbessert werden, denn die Lockerung auf Krumentiefe fördert die Mineralisierung. Außerdem werden

AUTOR

Stefan Veeh Beratung für Naturland s.veeh@ naturland-beratung.de

durch das Wenden organische Dünger eingemischt und Pflanzenreste, Verunkrautung etc. untergepflügt. Die Folge: Der Druck insbesondere von Ungräsern und Wurzelbeikräutern ist in der Regel geringer; der „reine Tisch“ und eine entsprechende (Frost-) Gare bieten zunächst optimale Bedingungen für den Start der Folgekultur.

Ein großer Nachteil des Pflugeinsatzes ist die Überlockerung der Krume unterhalb der Ablagetiefe der Saat. Je stärker ein Boden

„Die Stoppelbearbeitung ist ein entscheidender Grundbaustein jedes Bearbeitungssystems.“

gelockert wird, desto eher neigt er zu Verdichtung. Gleichzeitig besteht die Gefahr einer Verdichtung oder Schmierschicht auf Pflugsohlentiefe, die dann durch die Wurzeln der Folgekultur nur schwer zu durchwachsen ist und Kraft kostet.

Der zweite große Nachteil ist die Erosionsgefahr – welche in Zeiten des Klimawandels neue Dimensionen erreicht hat. Ziel beim Einsatz des Pfluges ist ein ebenes und gleichmäßiges Pflugbild, um in der Folge schnell

und effizient mit Saatbettbereitung und Saat, am besten in einer Überfahrt, die Nachfrucht bestellen zu können. Aber genau dann ist auch die Erosionsgefahr am größten. Die raue Pflugfurche kann daher nur bedingt den notwendigen Erosionsschutz über den Winter bieten.

Nicht wendend ohne Pflug

Bei der nicht wendenden Bodenbearbeitung wird die Grundbodenbearbeitung (statt mit

Vorteile des Pflugeinsatzes im Öko-Landbau: bessere N-Versorgung durch Lockerung und Mineralisierung sowie geringeres Verunkrautungsrisiko.

Pflug) durch andere Gerätschaften ersetzt. Eine geringere Bearbeitungsintensität bringt dabei mehr Bodenruhe für ein stabiles und tragfähiges Bodengefüge. Die nichtwendende Bodenbearbeitung geht zwei große Nachteile der wendenden „Lockerbodenwirtschaft“ an: Durch den Verzicht auf die Lockerung werden nachfolgende Verdichtungen vermieden und durch das Belassen des Mulches an oder nahe der Bodenoberfläche kann das Erosionspotenzial enorm gesenkt werden. Außerdem versorgt die organische Masse im belebten Oberboden das Bodenleben besser.

Es gibt aber auch Nachteile, die vor allem im Öko-Landbau nicht einfach zu kompensieren sind:

Die nicht wendende Bodenbearbeitung kann zu einer erschwerten Bekämpfung von Beigräsern und -kräutern führen – besonders dann, wenn aufgrund des Mulches eine ausreichende mechanische Unkrautregulierung mittels Striegel und Hacke nicht mehr optimal möglich ist.

Ein weiterer Nachteil zeigt sich vor allem auf schweren Böden und auf „langsamen“ Standorten: Die Bestände zeigen oft eine schwache Jugendentwicklung, weil das Bodenbiom nicht in Gang kommt und eine nur langsame Umsetzung (zu) wenig Stickstoff in der entscheidenden Phase freisetzt; gleichzeitig kann die Ackerbegleitflora nahezu ohne Vegetationsstopp durchwachsen.

Kurz & knapp

Gutes Beobachten, Geduld, Optimierung und Flexibilität sind die Schlüssel zu einer erfolgreichen Bodenbearbeitung. Auf einem Bodenbearbeitungssystem zu beharren, ist angesichts der Folgen des Klimawandels nicht mehr zielführend. Trotzdem kann nicht jeder Betrieb jede Maschine vorhalten, um alle möglichen Einsatzbedingungen abzudecken. Das bedeutet: Jeder Betrieb kann nur für sich sein eigenes Bodenbearbeitungssystem etablieren und muss Vor- und Nachteile der Maßnahme langfristig bewerten – immer mit Blick auf den eigenen Boden.

Mischformen in der Praxis

Die Vorteile des einen sind also die Nachteile des anderen. Diese Bodenbearbeitungssysteme sind aber in Reinform kaum noch zu finden; gleichzeitig wird der Begriff „reduzierte Bodenbearbeitung“ oft falsch und missverständlich verwendet. Das reine Weglassen bzw. eine „Extensivierung“ der Bodenbearbeitung passt in keines der beiden Systeme. Trotzdem treffen wir solche Bodenbearbeitungskonzepte in der Praxis oft an. Im Zentrum steht dabei meist eine spezielle Maschine als „Alleskönner“, die vermeintlich innerhalb kürzester Zeit alle Probleme und Nachteile ausräumen kann und nur noch Vorteile in einer ökologischen Minimalbodenbearbeitung bietet.

Vorteile kombinieren

Die Bodenbearbeitungskonzepte in der Praxis sind oft Mischformen, die den individuellen Umständen angepasst wurden. Die große Gefahr der Mischformen liegt darin, die Nachteile beider Systeme zu potenzieren. Um aber möglichst die Vorteile zu kombinieren, sollten folgende Überlegungen angestellt werden:

2

3

1. G elockerter Boden neigt zur Verdichtung

In beiden Systemansätzen spielt die Lockerung eine große Rolle. Auch in der nicht wendenden Bodenbearbeitung wird mittlerweile manchmal sogar über die Krumentiefe hinaus mit Grubber oder Tiefenlockerer gelockert. Die Bedingungen sind entscheidend, um eine nachfolgende Verdichtung zu vermeiden. Eine Lockerung wird im besten Falle biologisch stabilisiert, also durch die Wurzeln einer nachfolgenden Zwischen- oder Hauptfrucht.

2. Passende Maschine für das System Maschinentypen wurden ursprünglich für das eine oder das andere System entwickelt. Klar ist, dass auf einer Pflugfurche eine schwere Anhängesämaschi-

1 Risiken des Pflugeinsatzes: überlockerte und verdichtete Böden, die das Wasser nicht aufnehmen können.

2 Eine Mischform in der Praxis: vor der Zwischenfrucht pflügen und die darauffolgende Sommerung im Frühjahr nichtwendend einarbeiten.

3 Um den Pflug im Öko-Landbau gleichwertig zu ersetzen, sollten mindestens drei Grubber-Durchgänge eingeplant werden. 1

Fotos: Veeh, Pöttinger, Einböck

ne mit zwei Tonnen pro Meter Arbeitsbreite zu schwer ist. Andererseits braucht sie aber für die klassische „Festbodenwirtschaft“ mit einem Bodenbearbeitungshorizont von max. 10 cm dieses Gewicht, um den entsprechenden Schardruck realisieren zu können.

3. Keine Pauschallösungen, der eigene Standort zählt Was bei dem einen Betrieb funktioniert, muss bei dem anderen nicht zwingend klappen. Jeder sollte seinen eigenen Standort am besten kennen. Mit einer Spatenprobe ist festzustellen, ob die jeweilige Bodenbearbeitungsmaßnahme sinnvoll ist. Beim Pflug ist es einfach: Glänzt die Pflugsohle, sind Schmierschicht und Pflugsohlenverdichtung offensichtlich. Ist die Pflug-

sohle rau und locker, sind die Bedingungen optimal. Bei der Grundbodenbearbeitung mit Grubber ist dies nicht so offensichtlich, hier muss nachgegraben werden.

4. P fluglose Bodenbearbeitung heißt nicht weniger Bodenbearbeitung Oft wird das Weglassen des Pfluges und der Ersatz durch eine „tiefere“ Bearbeitung mit dem Grubber als identisch gesehen. Das ist aber nicht der Fall: Wer ein nicht wendendes System im Öko-Landbau etablieren will, sollte für den Ersatz des Pfluges mindestens drei Durchgänge einplanen. Das relativiert die oft argumentierte Ersparnis an Diesel und Bodenwasser, weil hier meist je ein Durchgang verglichen wird.

Wir bieten für die wendende Bodenbearbeitung mit den LEMKEN Pflugserien Juwel verschiedene Pflugkörperformen, um flach zu arbeiten, den Schichtaufbau im Boden zu erhalten und dennoch eine sichere Reduzierung des Unkrauts zu gewährleisten.

5. Ein Jahr ist kein Jahr Etablierung und Umstellung eines Bodenbearbeitungssystems dauern Jahre. Erst nach längerer Zeit haben sich die jeweiligen Charakteristika und Parameter des Bodens so angepasst, dass ein stabiles Gleichgewicht entsteht.

6. P flugeinsatz optimieren Oft wird in „Schwarz-Weiß“ gedacht, wobei der Pflug schlechter abschneidet als er ist, denn auch der Pflugeinsatz kann optimiert werden. Wer klassisch im Winter vor Sommerungen nicht mehr pflügen kann, will oder darf, hat zum Beispiel die Möglichkeit, die Grundbodenbearbeitung in den Herbst zu verlagern und vor der Zwischenfrucht zu pflügen. Die Bearbeitung im Frühjahr erfolgt pfluglos.

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Der Anbaudrehpflug Juwel

Licht aus fürs Unkraut.

AUTOR

Maximilian Bott

Beratung für Naturland m.bott@ naturland-beratung.de

DIE Dammkultur

Schwere Lösslehm-Böden mit Strukturproblemen, ein immer stärker werdender Distelbesatz und Saisonarbeitskräfte, die das Hacken leid sind: So sah die Situation am Betrieb Krämer 2006 aus. Das brachte Stephan Krämers Vater dazu, auf Julian Turiel zuzugehen, der moderne Dammkultur-Systeme entwickelt.

Das System Dammkultur stammt ursprünglich aus Spanien und wurde dort noch bis in die 1970erJahre traditionell praktiziert. Mit der fortschreitenden Modernisierung der Landwirtschaft verlor es immer mehr an Bedeutung und drohte auszusterben. Durch die Firma Turiel wird es seit den 1990er Jahren auch in Deutschland in moderner Weise praktiziert. Einer, der die Dammkultur nach dem Turiel-System umsetzt, ist Naturland-Bauer Stephan Krämer aus Mittelfranken in Bayern. Auch von anderen Praktikern wird diese Anbauvariante, mit unterschiedlicher Technik und oft in Eigenbauweise, durchgeführt.

Lockerbodenwirtschaft

Grundsätzlich handelt sich beim System Dammkultur um eine sogenannte Lockerbodenwirtschaft. Der Boden wird weder mechanisch zerkleinert noch rückverfestigt, es findet kein starkes Wenden oder Vermischen statt. Stattdessen steht der Bodenaufbau im Fokus, die natürliche Bodengare soll gefördert werden. Alle Kulturen sind im Anbau auf Dämmen möglich, sowohl Getreide als auch Körnerleguminosen oder Hackfrüchte. Bei Zuckerrüben sieht der Praktiker Stephan Krämer allerdings das Problem der standardisierten Rodetechnik, da ein 50er-Damm im Turiel-System aktuell nicht umgesetzt werden kann. Maschinen zur Pflege haben

1 Naturland-Bauer Stephan Krämer setzt auf das System Dammkultur. Die Erträge sind mit dem Flachanbau vergleichbar.

2 Der „60er-Damm“ ist die häufigste Anbauvariante, hier in Stephan Krämers Dinkelbestand.

3 Die Ernte kann mit gewohnter Technik erfolgen, die Dämme sind zu diesem Zeitpunkt bereits flacher und können mit dem Mähdrescher befahren werden.

schmale Schare und kommen ohne Steuerung aus, da sie sich selbstständig führen. Der Verschleiß ist gering und die Bodenstruktur bleibt erhalten. „Es ist ein System, das den Ton-Humus-Komplex schont, da er nicht aktiv zerschlagen wird“, so Krämer.

Mit Dammkultur soll das Bodenleben und die Pflanzengesundheit verbessert werden, was letztlich zu guten Erträgen und hohen Qualitäten des Erntegutes führen soll. Das kann auch Stephan Krämer bestätigen, er hat mit Getreide im System Dammkultur vergleichbare Erträge wie im Flachanbau und regelmäßig sehr gute Qualitäten bei der Backfähigkeit. „Die Bestände wachsen in eine zunehmende Vitalität hinein“, fasst er aus seiner Sicht die entscheidenden Vorteile zusammen.

Mit Grindel und Hacke im Bestand

Der Anbau erfolgt in diesem System auf Dämmen mit einem Abstand von 60, 90 oder 75 cm. Der „60er-Damm“ ist die häufigste Anbauvariante. Zu Beginn kann ein „Hügeln“ auf der Fläche erfolgen, das heißt die Dämme werden zunächst vorgeformt. Ein folgendes „Umhügeln“, also das Versetzen der Dämme um einige Zentimeter, reduziert Beikräuter vor der Saat und grobe Kluten wandern dadurch auf die Dammspitze. Dort sollen sie durch Schrumpfen und Quellen auf natürliche Weise gar werden und zerfallen. Betriebe mit steinigen Böden profitieren laut Turiel davon, dass Steine tendenziell in die Furche fallen und damit die Kultur beim Wachsen weniger behindern. Im Saatbereich sei auf der Dammspitze im langfristigen Ergebnis gleichmäßig Feinerde zu finden.

Das Formen der Dämme und die Aussaat können auch in einem Arbeitsgang erfolgen. Hierzu wird

der sogenannte „Multi-Rahmen“ verwendet, auf den eine mechanische oder pneumatische Sämaschine aufgebaut werden kann. Für die Einzelkornsaat wird das betriebseigene Sägerät mit den entsprechenden Grindeln des Turiel-Systems ausgestattet. Die Saattiefe liegt bei 8 – 10 cm bei Getreide. Es wird eine Einzel- oder Doppelreihe ausgesät, bei Gemüse auch ein Saatband. Wichtig sind nach Erfahrung des Praktikers gut bestockende Getreidesorten, um eine ausreichende Bestandesdichte zu erreichen. Durch die tiefe Ablage entsteht beim Getreide ein sehr langer Halmheber und Stephan Krämer berichtet, dass das erste Keimblatt deutlich stärker ausgeprägt ist als üblich. Ein großer Vorteil dieses Systems sei auch die Flexibilität bei der Pflege der Dämme, durch die tiefe und starke Verwurzelung reißen die Kulturpflanzen auch bei einer Bewegung des gesamten Dammes nicht ab. Eine Unkrautregulierung ist sehr effektiv möglich, es kann bis in die Dammmitte gehackt werden.

Die Ernte erfolgt mit der gewohnten Druschtechnik, dabei ist die Bearbeitungsrichtung aus dem Anbau nicht entscheidend, die Dämme sind weich und können auch schräg zur Saatrichtung mit dem Mähdrescher befahren werden. Eine Strohbergung ist ebenfalls regulär möglich.

Welche Vorteile sehen die Vertreter des Turiel-Systems?

Als Vorteile der Dammkultur werden eine langfristig bessere Bodenstruktur und dadurch geringere Erosionsanfälligkeit und Verschlämmungsgefahr sowie eine stärkere Durchwurzelung in den Dämmen angeführt. In Trockenphasen soll durch die größere Bodenoberfläche eine höhere Taubildung generiert werden. Ebenso soll die lockere, trockene Bodenschicht auf dem Damm als eine Art Mulchauflage zum Schutz vor Verdunstung dienen. Ein zentraler Punkt für die Umstellung auf dieses System war für Stephan Krämer der extreme Distelbesatz in den Flächen. Hier gibt es aus seiner Sicht eine deutliche und langfristige Besserung. Disteln tauchen in sei-

Fotos: Raphael Rother

4 Für die Aussaat nutzt Stephan Krämer zusätzlich eine Kettenwalze im Frontanbau. Im Hintergrund die Sämaschine, diese besteht nur aus dem Säschar und einem nachfolgenden Grindel zur Bedeckung der Saat.

5 Der Hackrahmen besteht aus einer Getreidehacke und nachfolgender Kettenschleppe. Mit ihm werden alle Pflegearbeiten an den Dämmen erledigt.

6 Ein Vorteil der Dammkultur ist die starke Durchwurzelung in den Dämmen.

„Die Bestände wachsen in eine zunehmende Vitalität hinein.“

nen Flächen schon seit Jahren nur noch als Einzelpflanzen auf und sind durch das Anbausystem sehr stark geschwächt worden. Turiel begründet dies mit einer besseren Nährstoffverfügbarkeit sowie weniger Verlagerung von Nährstoffen in den Unterboden – und damit auch weniger Nahrung für die Distel. „Ich brauche nicht zwingend ein Kleegras, um die Distel zu bekämpfen“, ist Stephan Krämer von der Wirkung der Dammkultur überzeugt.

Werkzeuge und Rahmen

Bei der Dammkultur werden nur wenige Geräte benötigt. Die Arbeitsbreiten reichen von 3,00 bis 5,40 Meter. Die Aufteilung erfolgt in die Technik zur Bodenbearbeitung und Aussaat sowie die Maschinen zur Pflege. Der „Multi-Rahmen“ dient als Träger für den Dammpflug und die Sämaschine. Diese besteht nur aus dem Säschar und einem nachfolgenden Grindel zur Bedeckung der Saat, eine Rückverfestigung gibt es nicht. Der Naturland-Betrieb nutzt zusätzlich eine Kettenwalze im Frontanbau bei der

Kurz & knapp

Das System Dammkultur ist eine Sonderform der pfluglosen Bodenbearbeitung. Mit einem sogenannten Dammpflug werden Dämme gezogen, meist wird in einem Arbeitsgang gesät. Dabei wird der Boden weder mechanisch zerkleinert noch rückverfestigt, es findet kein starkes Wenden oder Vermischen statt. Das Besondere ist auch der überschaubare Maschinenpark: Der „MultiRahmen“ dient als Träger für den Dammpflug und die Sämaschine. Die dritte Maschine ist das Hackgerät, es kommt ohne Steuerung aus, da es von den Dämmen geführt wird.

Aussaat. Sie arbeitet wie ein Frontpacker und bereitet die Dämme vor. Zudem kann sie im Frühjahr im Getreide als Walze eingesetzt werden, um die Bestockung zu fördern. Der Dammpflug dient der tiefen Lockerung und zur Formung der Dämme vor der Saat. Für sehr steinige Böden gibt es den MultiRahmen auch mit einer Steinsicherung.

Zusätzlich eingesetzt wird der Hackrahmen. Er besteht aus einer Getreidehacke und nachfolgender Kettenschleppe. Mit ihm werden alle Pflegearbeiten an den Dämmen erledigt.

Die Vorteile dieses überschaubaren Maschinenparks sind der einfache und robuste Aufbau der Technik und die lange Haltbarkeit. Das bestätigt auch Stephan Krämer: Er hat seit dem Einstieg in die Dammkultur dafür keine neuen Geräte mehr angeschafft. Bei der Aussaat schätzt er die Schlagkraft mit seiner 3,60 m Sämaschine, bei der eine höhere Fahrgeschwindigkeit als bei üblicher Technik mit Kreiselegge und Sämaschine möglich ist.

AUTOR

Philip Köhler

Beratung für Naturland p.koehler@ naturland-beratung.de

7 FRAGEN

ZUR

Direktsaat

Bei der Direktsaat in Reinform wird auf jegliche Bodenbearbeitung verzichtet. Dies soll den Boden schützen. Doch ist das System sinnvoll und funktioniert es im Öko-Landbau?

1.

DIREKTSAAT OHNE HERBIZIDE?

Direktsaat als System der konventionellen Landwirt schaft entstand im Zusammenhang mit Herbiziden und mineralischem Stickstoffdünger. Damit können in der konventionellen Landwirtschaft zwei Heraus forderungen entschärft werden, die der Verzicht auf Bodenbearbeitung mit sich bringt: die Beikrautkon trolle wird schwieriger und die Mineralisierung des Bodens durch den fehlenden mechanischen Eingriff geringer. Der Öko-Landbau definiert sich jedoch genau darüber, keine Herbizide und mineralischen N-Dünger einzusetzen. Pflanzenbaulich kann man trotzdem an bestimmten Stellen in der Fruchtfolge ansetzen, um gezielt Bodenbearbeitung zu redu zieren – oder auch mal ganz wegzulassen. Über gesamte Fruchtfolgen funktioniert der Verzicht auf Bodenbearbeitung in der ökologischen Landwirt schaft mutmaßlich nicht. Spätestens beim Klee grasumbruch wird ein mechanischer Bodeneingriff notwendig. Deshalb sprechen wir bei DirektsaatSystemen für den Öko-Landbau von temporärer Öko-Direktsaat. Dies ist eine Abgrenzung zu kon ventionellen Direktsaat-Systemen, in denen meist versucht wird, über mehrere Fruchtfolgerotationen keine Bodenbearbeitung vorzunehmen.

Ziel der Direktsaat ist es, den Boden vor intensiver Sonneneinstrahlung und dem damit verbundenen Aufheizen sowie vor Starkregen zu schützen.

2.

WELCHE VORTEILE BIETET

DIREKTSAAT?

Ziel der Direktsaat ist es, den Boden vor intensiver Sonneneinstrahlung und dem damit verbundenen Aufheizen sowie vor Starkregen zu schützen. Da keine Bodenbearbeitung erfolgt, verbleiben Rückstände der Vor- oder Zwischenfrucht auf der Bodenoberfläche. Bei Niederschlägen treffen die Regentropfen deshalb zunächst auf unzersetztes organisches Material an der Bodenoberfläche, das ihre kinetische Energie bricht. Das macht Erosionsereignisse unwahrscheinlicher – in Bezug auf Bodenabschwemmung und innere Erosion. Zudem werden die Bioporen - also Röhren im Boden aufgrund von abgestorbenen Wurzeln oder Bodenlebewesen wie Regenwürmern - in der Direktsaat nicht durch Bodenbearbeitung zerstört. Regen kann durch Bioporen und die Mulchauflage auch besser infiltrieren. Durch eine bessere Infiltrationsleistung fließt insbesondere bei Starkregenereignissen weniger Wasser oberflächlich ab. Wenn es in den Wasserspeicher Boden versickert und durch eine intakte Poren- und Kapillarstruktur wieder aufsteigen kann, sollte den Kulturpflanzen in Direktsaatsystemen mehr Was-

ser zur Verfügung stehen. Allerdings ist gleichzeitig, insbesondere im Oberboden, das Porenvolumen bei längeren Perioden ohne Bodenbearbeitung oft geringer. Der Boden setzt sich stärker ab, er lagert dichter. Aus Sicht der Direktsäerinnen und Direktsäer entspricht das Wachstum in festem Boden der Natur der Pflanzen. Allerdings hat dies auch einen Preis in Form langsamerer und geringerer Mineralisierung. Auch für Bodenlebewesen ergibt sich ohne Bodenbearbeitung eine veränderte Situation. Da die Schichtung des Bodens beibehalten wird, bleiben die Milieus, auf die die einzelnen Arten angepasst sind, intakt. Die Bodenlebewesen profitieren im sowieso schon stärker belebten Oberboden von der Mulchauflage. Durch sie werden auch Temperaturschwankungen in der oberen Bodenschicht abgemildert: sie wird weniger heiß und kühlt weniger stark aus. Die Humusdynamik verändert sich bei längerfristiger Direktsaat dahingehend, dass in den oberen Zentimetern mehr und in der Schicht zwischen 20 und 30 cm jedoch weniger Humus aufgebaut wird. Für positive Effekte auf die Jugendentwicklung der Pflanzen ist Humus jedoch besonders im oberen Bereich des Bodens wichtig.

Risiko der Direktsaat ist die stärkere Verunkrautung. Vor allem Mais reagiert sehr sensibel auf Konkurrenz.

3.

WELCHE KULTUREN EIGNEN SICH FÜR DIE TEMPORÄRE DIREKTSAAT IM ÖKO-LANDBAU?

Ein mittlerweile fast „klassisches“ System, das am Rodale Institute in den USA intensiv erforscht, aber mittlerweile auch an deutschen Forschungseinrichtungen und dem FiBL in der Schweiz getestet wurde, ist die Direktsaat von Soja in umgewalztem Grünroggen. Dabei wird Grünroggen in der Blüte mit einer Knickwalze gequetscht und auf den Boden gedrückt. Der Zeitpunkt dafür muss stimmen und der Roggen sollte nicht zerschnitten werden, sodass er als eine Matte am Boden liegen bleibt. Es braucht einen ausreichenden Biomasseaufwuchs des Roggens, damit er den Boden beschattet und das Beikraut unterdrückt. Ein ähnliches Verfahren haben Universität Kassel (Witzenhausen), LfL Bayern und Thünen Institut Trenthorst für die Di-

rektsaat von Mais in Wintererbse und andere Vorfrüchte erforscht. Das LTZ Augustenberg erprobt in einem Versuch auch die Direktsaat von Weizen und weiteren Kulturen im Öko-Landbau. Zusätzlich zur Forschung sind viele Öko-Landwirtinnen und Landwirte innovativ und treiben mit eigenen Tests neue Varianten voran.

4.

WAS SIND DIE GRÖSSTEN HERAUSFORDERUNGEN DER ÖKO-DIREKTSAAT?

Die kritischen Aspekte der Direktsaat unter ÖkoBedingungen sind Beikraut, Stickstoff, Temperatur und Feuchtigkeit. Ohne Bodenbearbeitung fehlt ein im Öko-Landbau wichtiger Schritt der Beikrautkontrolle. Die Möglichkeit, mit mehreren Grubberstrichen oder einer Pflugfurche den Bestand etablierter Beikräuter „auf null“ zu setzen und im Weiteren mit Striegel oder Hacke keimende Beikrautsamen zu bekämpfen, fehlt. Dadurch funktioniert bei Direktsaat die klassische Beikrautkontrolle des ÖkoLandbaus nicht mehr. Auch und insbesondere Wurzelunkräuter können sich zum manifesten Problem entwickeln. Durch die fehlende Bodenbearbeitung

in der Direktsaat wird zudem weniger organische Substanz umgesetzt. Folglich wird kaum Stickstoff freigesetzt, der somit den Kulturen fehlt. Deshalb eignet sich beispielsweise die Direktsaat von Soja als Leguminose vergleichsweise gut. Hier kommen wir jedoch zur nächsten Herausforderung: um Roggen in der Blüte (keinesfalls vorher!) walzen und danach noch erfolgreich Soja anbauen zu können, ist eine recht hohe Temperatursumme nötig. Zudem kostet das Roggenwachstum wichtiges Wasser. Der optimale Saatzeitpunkt später Sommerungen ist zudem zwangsläufig später, da sich der Boden unter der Mulchdecke langsamer erwärmt. Auch trocknet er langsamer ab, sodass in feuchten Frühjahren teils sehr lang gewartet werden muss, um sachgerecht säen zu können. Bei kühlerer Temperatur, Feuchtigkeit und Schutz fühlen sich außerdem Schnecken oft wohler als auf bearbeiteten Flächen. Auch Mäuse können zum Problem werden.

5. WELCHE ROLLE SPIELT DER STANDORT?

Da für die Verfahren zur Direktsaat von Mais und Soja Zwischenkulturen aufwachsen müssen und

zur Blüte gelangen sollen, beschränken sie sich auf Standorte mit langer Vegetationsdauer. Gleiches gilt für Konzepte, bei denen beispielsweise Weizen direkt ohne Bodenbearbeitung in eine Sommerzwischenfrucht gedrillt wird. Auf schweren Standorten ist die oberflächliche Abtrocknung ein zusätzlicher kritischer Faktor, um korrekt säen zu können. Betriebe, die auf schneller wirksame Düngemittel zurückgreifen können, sind deutlich im Vorteil gegenüber den Betrieben, die verstärkt auf die Mineralisierung aus organischer Bodensubstanz angewiesen sind.

6.

BENÖTIGT DIREKTSAAT MEHR ODER WENIGER TECHNIK?

Letztlich wird speziell für Direktsaat geeignete Technik benötigt. Konventionelle Betriebe können bei permanenter Direktsaat auf Bodenbearbeitungsgeräte weitgehend verzichten. Öko-Betriebe, die in einzelnen Furchtfolgeteilen auf das System setzen wollen, können diesen Vorteil nicht nutzen. Um die temporäre Direktsaat mit guten Chancen umsetzen zu können, sollte man auf passende Sätechnik zurückgreifen können. Welche das ist, hängt vom Standort und ein wenig von der Philosophie

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DAS UNKRAUT IM GRIFF.

Präzisions-Zinkenstriegel

Präzisions-3-Punkt-Grubber

Präzisions-Federzahnegge

Präzisions-Hackgerät

Im Öko-Landbau erprobt ist die Direktsaat in einen umgewalzten Bestand in der Blüte. Doch auch dieses System ist mit Risiken verbunden. So kann es vorkommen, dass das Saatgut auf Stroh abgelegt wird – der sogenannte Hairpinning-Effekt.

ab. Von Einscheiben- über Zweischeiben und Zinkenschar bis hin zu Cross-Slot gibt es viele Varianten. Insbesondere Scheibensämaschinen sollten ausreichend Druck aufbauen können, um das Saatgut in die gewünschte Tiefe bringen zu können. Zudem sollte der Saatschlitz zuverlässig geschlossen werden. Mit Räumsternen vor dem Säwerkzeug kann vermieden werden, dass das Saatgut auf Stroh abgelegt wird – der sogenannte Hairpinning-Effekt. Oft muss aber zunächst keine eigene, neue Technik angeschafft werden, um erste Versuche mit Direktsaat starten zu können.

7.

WIE KANN EIN SANFTER EINSTIEG GELINGEN?

Der unproblematischste Einstieg in temporäre Direktsaat im Öko-Landbau kann wohl bei der Ansaat von Kleegras oder Zwischenfrüchten unter günstigen Bedingungen gelingen. Eine gut etablierte Kleegrasansaat kann durch Schröpfschnitte oder Beweidung meist gut von Beikraut bereinigt werden. Eine gegebenenfalls misslungene Zwischen-

„Die kritischen Aspekte der Direktsaat unter Öko-Bedingungen sind Beikraut, Stickstoff, Temperatur und Feuchtigkeit.“

frucht kann mit überschaubarem Verlust umgebrochen werden, falls sie nicht über Förderprogramme finanziell gebunden ist. Nächste Schritte können wissenschaftlich gut untersuchte Verfahren wie Mais in Wintererbse oder Soja in Grünroggen sein – sofern die Vegetationszeit dies hergibt. Klassische Getreide oder andere Winterungen in Direktsaat zu etablieren, sollten nur jene versuchen, die sich bereits langjährig intensiv damit beschäftigt und Erfahrungen mit Direktsaat gesammelt haben.

Fotos: Björn Stamer, LTZ Augustenberg

DIREKTSAAT MIT PFLUG

Traditionell werden Direktsaatsysteme als „No-till“-Systeme umgesetzt. Ein Langzeitversuch aus den USA zeigt aber, dass auch der Pflug in Direktsaatsystemen eine Rolle spielen kann.

Bei der Direktsaat wird ohne Bodenbearbeitung und Lockerung direkt in die Stoppeln, die Mulchschicht oder einen umgewalzten („gecrimpten“) Pflanzenbestand gesät. Im konventionellen Landbau wird dabei fast immer ein Totalherbizid eingesetzt.

Die Vorteile der Direktsaat machen sie auch für den Öko-Landbau interessant. Ihr Erfolg im Öko-Landbau hängt aber entscheidend davon ab, ob und wie die Umsetzung ohne Totalherbizid gelingt. Das Rodale Institute in den USA vergleicht seit mehr als 40 Jahren die Bodenbearbeitungssysteme in einem Langzeitversuch, der Rückschlüsse und langfristige Einschätzungen zur Umsetzung der Direktsaat im Öko-Landbau erlaubt. Interessant in diesem Vergleich ist, dass die Direktsaat nicht zwingend mit einem No-till-Ansatz verknüpft ist. Denn das Hauptaugenmerk liegt bei der Direktsaat des Rodale Institutes in einer sauberen „Cover-Crop“, die mit einer „Crimp“-Walze umgedrückt wird; in diesen „gecrimpten“ Bestand wird meist in einem Bearbeitungsgang hineingesät – in der Re

gel mit späten Sommerungen, wie Soja oder Mais.

Die Etablierung der „Cover-Crop“ muss dabei ohne Beikraut- oder Beigrasdruck gelingen, da in der folgenden Sommerung keine Unkrautregulierung mehr möglich ist. Deshalb wird im Zweifelsfall der Pflug eingesetzt, um einen möglichst reinen Tisch für die Zwischenfrucht zu erreichen. Im Langzeitversuch des Rodale Institutes wird das Direktsaatsystem nicht für jede Kultur angewendet, sondern nur für die späten Sommerungen, bei denen der Zeitraum des unbedeckten Bodens am längsten ist.

Dieses System zeigt, dass die Grenzen zwischen den einzelnen Bodenbearbeitungssystemen aufgebrochen werden, um sich an die jeweiligen Standortbedingungen anzupassen. Es zeigt auch, welche Voraussetzungen notwendig sind: Wasser (Niederschlag und Speicherfähigkeit des Bodens) ist der limitierende Faktor, der über die grundsätzliche Möglichkeit eines solchen Systems entscheidet. Der dichte und saubere Zwischenfruchtbestand ist als zweiter Faktor entscheidend für den Erfolg der Nachfrucht.

Unabhängig davon, ob ein Betrieb über ein Direktsaatsystem nachdenkt oder nicht, steckt in dem Ansatz eine wichtige Kernbotschaft: Die Bodenbearbeitung muss sich immer dem Standort und seinen Besonderheiten anpassen – unabhängig von Systemen und Rezepten.

Foto: Lyckegard

Die Initialzündung für

Bio im handel

Vor 15 Jahren begann die Zusammenarbeit der Naturland Zeichen GmbH mit REWE. Verbandsbio in den Regalen einer konventionellen Handelskette –das war 2009 noch neu. Rückblick auf eine Partnerschaft, die die Entwicklung des Bio-Markts in Deutschland entscheidend geprägt hat.

AUTOR Markus Fadl
Naturland e.V. m.fadl@naturland.de
Fotos: REWE Markt GmbH, Maurice Weiss/Ostkreuz, Christian Lietzmann, Naturland/Ralf Alsfeld

2009 sah die deutsche Bio-Welt noch ganz anders aus als heute. „Verbandsware gab es nur im Fach handel. Die Supermärkte standen dagegen noch ganz am Anfang mit ihren Bio-Sortimenten“, erin nert sich Jörg Reuter, Strategieberater für Lebens mittelunternehmen aus Berlin. Reuter beriet damals REWE bei der Weiterentwicklung der damaligen Bio-Marke „Füllhorn“ – und wurde dadurch gewis sermaßen zum Geburtshelfer der strategischen Partnerschaft der Handelskette mit der Naturland Zeichen GmbH.

Aus Füllhorn wurde zunächst einmal REWE Bio: „Damit war REWE das erste Handelsunternehmen, das sich getraut hat, seinen Unternehmensnamen direkt mit Bio zu verbinden. Das war ein großer Schritt, aber es war auch klar, dass es um mehr ge hen musste als nur um einen neuen Namen“, betont Reuter. Es ging um Vertrauen und die Glaubwürdig keit von Bio. Und so kam schließlich Naturland ins Spiel.

In der Schweiz war man damals schon viel weiter. „Bei der Coop gab es im Bio-Sortiment von Anfang an 100 Prozent Verbandsware, mit der „Knospe.“ Ich fand das sehr spannend“, erinnert sich Reuter. In Deutschland hatte er selbst einige Jahre bei Gäa gearbeitet, kannte auch bei anderen Bio-Verbänden einige Leute. Diese Verbindungen versuchte er nun zu nutzen – zunächst bei Bioland, wo man ihm aber „einfach nicht geantwortet“ habe, erzählt er:

Lionel Souque, Vorstandsvorsitzender der REWE-Group, ist Podiumsgast beim Kongress zu „40 Jahre Naturland“ in Berlin.

„Also habe ich Michael Stienen von der Naturland Zeichen GmbH angerufen, den ich auch kannte, und der war sofort zu einem Treffen bereit.“

So kam die Sache ins Rollen – wenn auch zu Beginn nur langsam. Denn auch hier ging es zunächst

einmal darum, Vertrauen aufzubauen. „Für REWE ging es um Vertrauen durch Qualitätssicherung, Zertifizierung, Richtlinien. Da mussten wir vieles erst einmal grundlegend erklären“, erinnert sich Naturland-Geschäftsführer Steffen Reese, der damals auch schon dabei war. Naturland-intern habe man hingegen ganz andere Vertrauensfragen diskutiert: „Was heißt das für Naturland? Werden die versuchen, auf unsere Richtlinien einzuwirken? Besteht ein Risiko, in Abhängigkeit zu geraten – und wie schließen wir das aus?“

MEILENSTEINE IN 15 JAHREN REWE & NATURLAND

Beginn der Partnerschaft

Das erste zertifizierte Produkt ist Butter, gefolgt von Räucherlachs und weiteren Milchprodukten.

Aufbau der Sortimente für Wurst und Fleisch in Naturland-Qualität.

Start des Tiefkühlsortiments (Erbsen, Bohnen und Spinat) in Zusammenarbeit mit der Öko Service GmbH, einer Tochter der Marktgesellschaft der Naturland Bauern AG.

Impfen statt kastrieren Rewe unterstützt aktiv den Ausstieg aus der betäubungslosen Ferkelkastration durch Impfung. Naturland-Betriebe bekommen Abnahmegarantien für Fleisch von geimpften Tieren. Erster langfristiger Vertrag mit der Marktgesellschaft, Lieferungen von Naturland-Schweinen und -Rindern (2022 Erweiterung und Verlängerung des Vertrags).

(26. Mai)

„Der Eisbrecher, der den Weg für Bio bereitet hat.“

Vorstandsvorsitzenden der

Group, Lionel Souque (Mitte) sowie dem REWE Group-Vorstand für Ware/Einkauf, Hans-Jürgen

Und nicht zuletzt ging es auch um die Frage, was der Schritt in den Lebensmitteleinzelhandel (LEH) für die Bio-Branche bedeuten würde. „Damals gab es noch kein 30-Prozent-Bio-Ziel der Bundesregierung. Dennoch waren wir uns irgendwann einig: Wenn wir Bio wirklich voranbringen wollen, können wir uns mit dem Naturland-Zeichen dem LEH nicht verschließen“, unterstreicht Reese. Eine Sichtweise, die heute selbstverständlich scheinen mag, die 2009 aber noch die wenigsten in der Bio-Branche teilten. „Zwei Jahre lang sind wir Spießruten gelaufen, bis auch die anderen Verbände nach und nach

200 REWE Bio-Produkte tragen das Naturland-Zeichen.

REWE im BÖLW-Vorstand

Mit Marcus Wewer, Öko-Referent bei REWE, wird erstmals ein Vertreter einer großen konventionellen Handelskette in den BÖLW-Vorstand gewählt.

auf den gleichen Kurs eingeschwenkt sind, weil sich die Erkenntnis durchgesetzt hatte, dass es der richtige Weg ist.“

Diese Pionierrolle bestätigt auch Bio-Strategieberater Jörg Reuter: „Für den deutschen Markt war die Zusammenarbeit von REWE und Naturland der Eisbrecher, der den Weg für Bio bereitet hat, auf dem die anderen Handelsketten und Verbände dann später nachgefolgt sind.“ Und Hans-Jürgen Moog, heute Vorstand der REWE Group für Ware/Einkauf, lobt den „Mut und Pioniergeist“ der damals Betei-

REWE auf den Öko-Feldtagen

Auf den Öko-Feldtagen im hessischen Villmar ist REWE erstmals Hauptsponsor und zeigt sein Engagement für den Öko-Landbau auch mit einem großen eigenen Auftritt.

Lionel Souque beim Naturland-Jubiläumskongress

Lionel Souque, Vorstandsvorsitzender der REWEGroup, ist Podiumsgast beim Kongress zu „40 Jahre Naturland“ in Berlin.

400 REWE Bio-Produkte sind Naturland-zertifiziert.

Penny wird NaturlandPartner

Damit werden erstmals auch Produkte von „Naturgut“, der Bio-Eigenmarke der Discount-Tochter der REWE Group, Naturland-zertifiziert.

Naturland beim REWE Group-Dialogforum 2024 in Berlin: Hubert Heigl, Wilhelm Heilman und Steffen Reese mit dem
REWE
Moog (rechts).

ligten von Naturland und REWE: „Die Kooperation war die entscheidende Initialzündung innerhalb der Branche, die den Bio-Markt auf eine andere Ebene gehoben hat.“

Und wie geht’s nun weiter, nach den ersten 15 Jahren? Nach dem allgemeinen Rückgang infolge der Inflation verzeichne REWE „seit einem Jahr wieder ein kontinuierliches Bio-Wachstum“, sagt Matthias Sinn, verantwortlich für REWE Bio & Innovationen bei der REWE Group (siehe Interview auf Seite 40): „Treiber ist maßgeblich unsere Eigenmarke REWE Bio. Hier ist das Ziel, das bereits sehr breite Sortiment von derzeit 850 Artikeln, von denen knapp die Hälfte das Naturland-Zeichen trägt, bis 2025 auf 1.000 Artikel auszubauen. Naturland ist dabei ein

Die REWE Group gründet das Kompetenzzentrum Landwirtschaft

Naturland-Präsident Hubert Heigl vertritt in dem Experten-Gremium das Thema Fleisch, hinzu kommen Stephan Scholz (Milch) und Benedikt Uerlings (Gemüse) für die Naturland Zeichen GmbH.

2023 (Januar)

REWE Wegbereiter

Mit dem Projekt „Wegbereiter“ unterstützt REWE durch den Verkauf von Umstellungsware Betriebe bei der Umstellung auf Naturland.

2023 (Mai)

strategisch wichtiger Partner.“

„Wir haben viel miteinander erreicht und es ist gut, dass die Bio-Sortimente weiter ausgebaut werden“, betont Wilhelm Heilmann, Geschäftsführer der Naturland Zeichen GmbH. Das gelte nicht nur für REWE, sondern auch für die Discount-Tochter Penny, die mit ihrer Bio-Eigenmarke „Naturgut“ seit Anfang 2023 ebenfalls Naturland-zertifiziert ist. Mindestens ebenso wichtig wie neue Produkte im Regal seien aber langfristige Liefervereinbarungen, fügt Heilmann hinzu: „Unser Ziel sind Vereinbarungen über mindestens drei Jahre, die den Naturland-Betrieben Planungssicherheit geben. Daran arbeiten wir gemeinsam mit REWE für die unterschiedlichsten Produktbereiche.“

REWE Group tritt FÖM bei

Die REWE Group bekennt sich zu fairen Handelspraktiken nach dem Leitbild der Allianz „Faire und Ökologische Marktwirtschaft“.

2023 (Juni)

Rund 420 REWE BioProdukte sind Naturlandzertifiziert, bei Penny sind es 99 Naturgut-Produkte.

Naturland und REWE Seite an Seite auf den Öko-Feldtagen 2022 in Villmar. Auch im Jahr darauf, bei den Öko-Feldtagen im Ditzingen bei Stuttgart, war REWE wieder Hauptsponsor.

3 Fragen an Matthias Sinn

Für Matthias Sinn, verantwortlich für REWE Bio & Innovationen bei der REWE Group, ist der Start der Zusammenarbeit mit Naturland vor 15 Jahren ein Meilenstein.

Vor 15 Jahren stand Bio im LEH allein für nachhaltige Lebensmittelerzeugung. Nun gibt es auch hier Konkurrenz wie Carbon Farming, dem Versprechen von Klimaneutralität bis hin zu Naturschutzprojekten. Welche strategische Rolle spielt hier Bio für REWE?

Der Ausbau des Bio-Sortiments ist bereits seit über 30 Jahren eine wichtige Säule der REWE Group Nachhaltigkeits- und Sortimentsstrategie. Hierbei war die vor 15 Jahren geschlossene Partnerschaft mit Naturland ein Meilenstein. Gemeinsam werden wir auch zukünftig an einer wachsenden Vielfalt im Bio-Sortiment arbeiten. Für die Wende hin zu einer zukunftsfähigen und klimaschonenden Lebensmittelerzeugung spielt der Öko-Landbau eine elementare Rolle. Carbon Farming oder auch spezielle Projekte in Kooperation mit Naturschutzorganisationen sind jedoch eine sinnvolle Ergänzung. Auch

hier ist REWE engagiert, Bio bleibt aber im Fokus. Doch für mehr Öko-Anbau insgesamt mangelt es weiterhin an Dynamik und politischem Gestaltungswillen, um das begrüßenswerte, aber ambitionierte 30-Prozent-Bio-Flächenziel der Bundesregierung bis 2030 zu erreichen.

Die Corona-Zeit hat zu einem Nachfrageschub bei Bio geführt, danach ging es infolge der Inflation wieder etwas bergab. Wie sieht das bei REWE aus? Was sind die Ziele für die Entwicklung des Bio-Sortiments und welche Rolle spielt dabei Naturland?

Wir sehen bei REWE, dass unsere Kundschaft nach wie vor gerne ökologisch einkauft – sie ist in diesen herausfordernden Zeiten allerdings deutlich preissensibler. Darunter leidet der Fachhandel, der Marktanteile verliert. Insgesamt verzeichnen wir

Fotos: REWE
Markt GmbH

Mit Bio handeln. Für Bio handeln.

seit einem Jahr wieder ein kontinuierliches BioWachstum — vor allem bei den Mengen. Treiber ist maßgeblich unsere Eigenmarke REWE Bio. Hier ist das Ziel, das bereits sehr breite Sortiment von derzeit 850 Artikeln, von denen knapp die Hälfte das Naturland-Zeichen trägt, bis 2025 auf 1.000 Artikel auszubauen. Naturland ist dabei ein strategisch wichtiger Partner.

Regionalität ist für Verbraucher bei Bio besonders wichtig, zugleich ist Naturland auch ein internationaler Verband. Welche Rolle spielt das für REWE?

Lokalität und Regionalität spielen schon durch die genossenschaftliche, regionale Organisationsstruktur von REWE eine wichtige Rolle. In der Kombination ökologisch und regional oder lokal erzeugter Produkte liegt aus unserer Sicht Zukunftspotenzial. Aber klar ist auch: Im Sinne einer möglichst breiten Angebotsvielfalt von REWE Bio-Lebensmitteln ist es für uns von großem Wert, dass Naturland ein internationaler Verband ist. Denn so erhalten wir BioProdukte höchster Qualität auch aus dem Ausland – von unserem REWE Bio Bergkäse aus Österreich bis hin zur Mango aus Westafrika.

BioSüd Augsburg

29. September 2024 | 9 – 17 Uhr biosued.de

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13. Oktober 2024 | 9 – 17 Uhr bionord.de

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Breite Auswahl: Etwa die Hälfte der aktuell 850 REWE BioProdukte ist Naturland-zertifiziert.

KOMMENTAR

Von Klaus Rauhaus, G eschäftsführer der Genossenschaft der Öko-Bauern eG

Der derzeitige Markt von Bio-Frischeprodukten für den LEH und den Bio-Supermarktbereich ist von einer stabilen, allerdings nicht „berauschenden“ Nachfrage geprägt. Die ersten heimischen Ernteprodukte sind seit einigen Wochen auf dem Markt und finden nach der endenden Saison aus Südeuropa ihren Weg in den Handel. Restmengen aus Italien und Spanien werden parallel zu den deutschen (und österreichischen) Herkünften gelistet.

Je nach Produkt spielt die Wetterlage bezüglich der Verfügbarkeit eine Rolle. Speziell bei Kartoffeln haben die feuchte Witterung und folgend Krautfäule ihren Tribut gefordert – das ging bis zu Totalausfällen. Vor diesem Hintergrund und einem hohen Preisniveau für südeuropäische Bio-Kartoffeln liegt auch der Einstiegspreis für deutsche Bio-Kartoffeln deutlich über dem Niveau der Vorjahre.

MILCHMARKT

In den ersten vier Monaten lag die Bio-Milchanlieferung in Deutschland leicht über jener des Vorjahreszeitraum. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Steigerung aber moderater ausgefallen. Dieses eher stagnierende Angebot stößt auf eine gute Nachfrage nach ökologischen Milchprodukten. Neben Trinkmilch profitieren laut AMI-Analyse auch BioKäse und Bio-Milchgetränke von Absatzzuwächsen. Weiterhin würden Verbraucher stärker zu Pro-

dukten der Preiseinstiegsstufe greifen, so die AMI. Nach einer saisonal begründeten Preisdelle im April erwarten Marktkenner eine Erholung am Markt für Bio-Milch. Der zwischenzeitliche Rückgang des Durchschnittspreises im April lag an den Sommerpreisabsenkungen einzelner, weniger Molkereien. Der Großteil der Molkereien hat die Auszahlungspreise stabil gehalten. Die individuellen Molkereipreise liegen nach wie vor weit auseinander.

Durchschnittspreise* Bio-Milch Jan-April 2024

Ammerland

Milchwerke Ofr. West

Milchwerke Schwaben

Bayernland (Domspitz, Beyreuth)

Schwarzwaldmilch

Hochland

Bad Wörishofen

Naabtaler Milchwerke

Würzburger Milchwerke (Lactalis)

Andechser Molkerei Scheitz

Saliter Ehrmann

Zott

MVO Rückholz

Gläserne Molkerei

Allgäu Milch Käse e.G. Kimratshofen

Söbbeke Gropper

Berliner Milchmanufaktur Bergpracht

Berchtesgadener Land

Salzburgmilch (AT) Nordseemilch

Gropper Moers Frischeprodukte

Arla Foods

Käserei Leupolz

Schlierbachmilch (AT)

Goldsteig Käsereien

Upländer Molkerei

*Durchschnittspreise bei 4,0 % Fett und 3,4 % Eiweiß, alle Preise inkl. S-Zuschläge

MARKT & PREISE

SCHLACHTKÜHE

Eine große Nachfrage nach Hackfleisch, gepaart mit einem geringen Angebot an Schlachtkühen führt seit Jahresbeginn zu einem starken Preisanstieg. Saisonal werden im Frühjahr und Sommer weniger Kühe aussortiert als im Herbst. Gleichzeitig ist die Nachfrage nach Bio-Rinderhackfleisch in den ersten vier Monaten 2024 um 11 % gestiegen, gemischtes Bio-Hackfleisch wurde gar um 40 % mehr gekauft.

Am Markt für Bio-Schlachtrinder passen Angebot und Nachfrage ganz gut zusammen. Die Nachfrage ist saisontypisch nicht allzu groß, die Preise sind stabil.

MISCHFUTTER

Unverändert ging der Markt für Bio-Mischfutter in die neue Getreideernte. Die Versorgung mit Futtergetreide und Mais war bis zur Ernte ausreichend und die Nachfrage seitens der Tierhaltung gering. Seit Monaten dümpelt sie vor sich hin. Für eine Analyse der neuen Getreideernte – und wie viel davon in den Futterbereich wandert – ist es noch zu früh. Wie alljährlich dürften aber auch in diesem Jahr wieder zu wenig heimische Bio-Leguminosen als Eiweißfutter auf den Markt kommen.

Erzeugerpreise für Bio- und konventionelle Schlachtkühe

*Durchschnitt aller Klassen bei Abgabe an Verarbeiter, frei Schlachtstätte, in Deutschland, in Euro/kg SG (Monatsmitte)

Einkaufspreise der Erzeuger für Öko-Verbandsware in Deutschland (Euro/t ohne MwSt. frei Hof im gewogenen Bundesmittel)

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DIREKT

vermarkten

Am Seitzhof haben die Frauen der Familie das Ruder in der Hand. Barbara und Tochter Steffi haben mit der Direktvermarktung ein zweites betriebliches Standbein aufgebaut.

Langsam und bedächtig leckt die Kuh das Kraftfutter aus dem Trog, während sich der Laser suchend über ihr Euter bewegt. Kurz bedient Barbara Seitz das Display des Melkroboters und führt mit einem schnellen Handgriff selbst den Melkbecher zur Zitze. Im großen Laufstall des Seitzhofs werden um die 50 Kühe gemolken, seit neuestem von einem Roboter. In der zweiten Hälfte des Stalls tummelt sich Jungvieh. „Den Sommer darf die Nachzucht aber auf der Alm verbringen“, erklärt Barbara Seitz, während sie den Roboter auf Automatik zurückstellt. Nur dafür verlassen die Tiere den Betrieb, denn am Seitzhof muss kein Tier mehr vom Viehhändler abgeholt werden. Das war aber nicht immer so.

Start mit Fleischpaketen

Der Seitzhof gehört zur Gemeinde Baierbrunn im Isartal und liegt circa 20 km südlich von München. Vor ein paar Jahren übernahm Barbara den Betrieb von ihren Eltern. Schnell wurde ihr klar, dass sie einen neuen Weg einschlagen will. „Wir kümmern uns intensiv um unsere Kälber, stehen teilweise nachts auf, wenn eins krank ist oder ziehen sie mit der Hand auf. Dann werden sie vom Viehhändler geholt und du siehst in der Datenbank, dass sie wieder irgendwo in den Export gegangen sind. Das fand ich einfach schlimm.“

1 Der Naturland-Betrieb von Barbara Seitz liegt circa 20 km südlich von München – eine optimale Lage für Direktvermarktung.

2 Zwischen 8 und 20 Uhr kann per Münzeinwurf Milch gezapft werden. Durchschnittlich 800 Liter werden monatlich über den Automaten verkauft.

3 Fleischpakete sind am Seitzhof nur noch wenig gefragt, das meiste wird als Einzelteile gekauft.

Bereits vor 25 Jahren fing Barbaras Mutter an, 10-kg-Fleischpakete in einem umfunktionierten Gartenhäuschen zu verkaufen. Doch mit der Zeit wurde der Kundenkreis immer kleiner. Barbara führt dies auf das schwindende Wissen der Verbraucherinnen und Verbraucher über Fleischverarbeitung zurück. Nur noch wenige wüssten, wie man die verschiedenen Fleischteile identifiziert, verarbeitet oder konserviert. Besonders der Umgang mit der großen Menge von zehn Kilogramm überfordere viele Kunden, so Seitz.

Milchautomat lockt

Um mit wenig Aufwand wieder mehr Verbraucher auf den Hof zu locken, hatte Barbara zunächst die Idee, einen Milchautomaten aufzustellen. Dieser kam schnell sehr gut bei der Kundschaft an. „An den Wochenenden fahren Familien bis zu 30 km zu uns, um ihren Milchbedarf für die ganze Woche zu decken“, erzählt Barbara Seitz. Unter der Woche sind es die Stammkunden aus der Nachbarschaft, die regelmäßig kleinere Milchmengen beziehen. Der Milchautomat ist direkt an den Milchtank angeschlossen, muss also nicht nachgefüllt oder separat gekühlt werden. Einmal am Tag, morgens zur Stallzeit, wird er gespült. Zwischen 8 und 20 Uhr kann dann per Münzeinwurf Milch gezapft werden. Damit die Kundinnen und Kunden das Geld nicht immer passend haben müssen, können sie im Hofladen Wertmarken kaufen. Der Automat generiert am Seitzhof circa 1.000 Euro Umsatz im Monat, das entspricht bei einem Milchpreis von 1,20 Euro über 800 Litern. Die Reinigung dauert gerade mal zehn Minuten am Tag. Bei einer Anfangsinvestition von 6.000 Euro hat sich die Milchtankstelle also nach kürzester Zeit gelohnt.

AUTORIN

Anna Pfrommer

Beratung für Naturland a.pfrommer@ naturland-beratung.de

Fleischverkauf in Einzelteilen

Als nächsten Schritt nahm Barbara Seitz die Fleischvermarktung wieder auf. Von Vorteil war, dass sowohl ein kleines Schlachthaus als auch ein Verkaufsraum bereits von ihren Eltern am Betrieb vorhanden waren. Mittlerweile wird einmal im Monat geschlachtet und an jedem ersten Wochenende im Monat von Donnerstag bis Samstag verkauft. Die Nachfrage ist so gewachsen, dass nicht

Zum Verkauf der haltbaren Ware wurde am Seitzhof ein kühlbarer Warenautomat gekauft. Dieser ermöglicht den Kunden, auch außerhalb der Verkaufszeiten einzukaufen.

„Die Leute freuen sich, wenn sie hierherkommen und sehen, wer hinter dem Produkt steht.“

nur Ochsen und Färsen, sondern auch die Altkühe am Betrieb geschlachtet und als hochwertige Rindersalami verkauft werden können. Fleischpakete sind nur noch wenig gefragt, das meiste geht in Einzelteilen über die Theke. Ein Glückstreffer ist die Kooperation mit der nahegelegenen Jugendherberge. Sie ist mit 60 kg Hackfleisch pro Monat eine verlässliche Abnehmerin. Alles, was am Ende des Verkaufswochenendes an Fleisch übrigbleibt, wird zu Wurst oder anderen haltbaren Produkten

verarbeitet. Aus diesem Grund leben auch zehn Schweine am Seitzhof. Zum Verkauf der haltbaren Ware kam zum Milchautomat schließlich ein kühlbarer Warenautomat hinzu. Der ist mit 17.000 Euro zwar eine teure Anschaffung, ermöglicht den Kunden jedoch, auch außerhalb der Verkaufszeiten einzukaufen.

Kosten und Erlöse

Die Kosten einer Schlachtung sind nicht unerheblich. Pro Schlachttier sind zwei Metzger jeweils

Direktvermarktung ist arbeitsintensiv, auch Tochter Steffi hilft fleißig mit. Ein Teil der Kuhmilch wird seit einiger Zeit verkäst.

sechs Stunden mit Schlachten und Zerlegen beschäftigt. Da es für viele Kunden praktisch ist, wird ein großer Teil des Fleischs vakuumverpackt. Barbara und ihre Tochter Steffi benötigen dafür jedes Mal circa acht Stunden. An den drei Verkaufstagen sind immer mindestens drei Personen im Laden. Auch Barbaras Mutter Anni packt mit an und unterstützt Tochter und Enkelin, wo sie kann. Zeitweise brauchen sie im Laden dennoch Fremdpersonal. Neben der Arbeitszeit entstehen zusätzliche Kosten durch Fleischbeschau, Kühlung und Konfiskatentsorgung, welche sich auf ungefähr 250 Euro pro Schlachtung belaufen.

Das Kilogramm Fleisch in Einzelteilen kostet am Seitzhof durch-

schnittlich 19 Euro, im Fleischpaket 18,50 Euro. Jährlich werden 25 bis 30 Tiere im Alter von circa 30 Monaten geschlachtet. Bei der letzten Schlachtung wog einer der Ochsen 400 kg am Haken. Rechnet man mit einer Ausschlachtung von 60 %, bleiben davon am Ende ca. 250 kg Fleisch für den Verkauf. Ab und zu wird auch ein Kalb mit sechs bis sieben Monaten geschlachtet. Barbara erklärt den Vorteil der Direktvermarktung: „Verkaufen wir das Kalbfleisch im Laden, bekommen wir die Kosten für die vertränkte Milch plus den

Die ganze Familie hilft mit – auch Sohn Luki.

Foto:
Naturland / Sabine
Bielmeier

3

Wert des Tieres gezahlt. Geht das Kalb hingegen auf den Markt, zahlen wir drauf.“ Da die Kälber hier vier Monate getränkt werden, trinkt ein Kalb in seinem Leben circa 1.000 Liter Milch. Im Hofladen ist am Kalbsfleisch zwar am wenigsten zu verdienen, aber Barbara kann den Preis so ansetzen, dass sie am Ende nicht im Minus landet.

Familie Seitz legt Wert darauf, immer neue Anreize und Angebote für ihre Kunden zu schaffen. So lässt sie seit kurzem einen Teil ihrer Milch verkäsen. Sie bezieht z. B. regionale Bio-Eier und bietet zusätzlich saisonales Gemüse im Laden an. Außerdem backt Anni für die Verkaufswochenenden Sauerteigbrot und Steffi ist gerade dabei, ein kleines Hofcafé in den Laden zu integrieren.

Direktvermarktung ist arbeitsintensiv

Am Seitzhof haben die Frauen der Familie das Ruder in der Hand. Helfendes Familienmitglied ist auch Barbaras Lebensgefährte Robert. Ohne Fremdarbeitskräfte wären die arbeitsintensiven Schlachtund Verkaufstage aber nicht zu stemmen. Die zwei Metzger teilen sich eine Vollzeitstelle, zwei externe Verkaufskräfte helfen im Hofladen aus und ein weiterer Mitarbeiter ist in Teilzeit in der Landwirtschaft angestellt. Ohne Zweifel gäbe es Arbeit für weitere Angestellte. Zum einen ist es jedoch bekanntlich schwer geworden, geeignetes Fachpersonal zu finden. Zum anderen ermöglicht der direkte Kontakt zwischen Landwirten und Verbrauchern eine engere Kundenbindung und ist außerdem von der Kundschaft gewünscht, betont Steffi: „Die Leute freuen sich, wenn sie hierherkommen und sehen, wer hinter dem Produkt steht. Viele kommen auch ab und zu sonntags mit ihren Kindern vorbei, die dürfen dann im Stall zum Beispiel beim Kälbertränken helfen“. Die Vermittlung von Landwirtschaft an Kinder liegt Steffi besonders am Herzen. Deshalb bietet sie zusätzlich Schule am Bauernhof an. Einige Eltern konnte sie dadurch als Kunden gewinnen.

1 Am Seitzhof haben die Frauen der Familie das Ruder in der Hand. Barbara und Tochter Steffi haben mit der Direktvermarktung ein zweites betriebliches Standbein aufgebaut.

2 Pro Schlachttier sind zwei Metzger jeweils 6 Stunden mit Schlachten und Zerlegen beschäftigt.

3 Tochter Steffi ist gerade dabei, ein kleines Hofcafé in den Hofladen zu integrieren. 1 2

Am Seitzhof verlässt kein Tier den Hof, alles wird über die eigene Direktvermarktung verkauft.

Nähe zu München

Den beiden Frauen ist bewusst, dass sie von der Nähe zur Stadt profitieren. Ein Großteil der Kundschaft sind junge Familien, häufig aus München, die auf der Suche nach regional produziertem Fleisch auf den Betrieb stoßen. Andere erfahren über SocialMedia-Kanäle vom Hofladen. Den guten Absatz von Innereien zum Beispiel kann Barbara auf eine Influencerin zurückführen, die den Seitzhof in ihren Beiträgen verlinkt. Mithilfe eines Newsletters informiert Steffi den Kundenstamm jeden Monat über die Angebote bei der nächsten Schlachtung. Der Verteiler umfasst inzwischen um die 700 Adressen.

Mittlerweile ist Barbara im Hofladen zugange. Fürs nächste Wochenende müssen noch die Hack-

fleischpakete eingeschweißt werden. Während sie an der Waage steht, gibt sie einen Aspekt zu bedenken: „Bei all den Vorteilen unserer vielfältig aufgestellten Landwirtschaft darf man eines nicht unterschätzen: Wir haben mindestens jeden zweiten Monat eine Kontrolle am Betrieb“. Angefangen von Cross-Compliance, Schweinehygiene und BioKontrolle über die Schlachthaushygiene, die Kontrolle der Schlachtung an sich und die Lebensmittelkontrolle bis hin zum Finanzamt, das die richtige Programmierung der Ladenkasse kontrolliert. Barbara nimmt diese Belastung jedoch in Kauf. Sie hat am Seitzhof ein geschlossenes System geschaffen, das jedem ihrer Tiere eine gute Haltung und ein würdevolles Ende ermöglicht. So ergibt die Arbeit für Barbara einen Sinn und das ist am Ende das, was für sie zählt.

Der Hofladen hat an jedem ersten Wochenende im Monat von Donnerstag bis Samstag geöffnet.

„Weniger Emotionen und mehr pragmatische Lösungen“

Simon Zimmermann (rechts im Bild) im Interview

Wolfsrisse sind im Schwarzwald keine Seltenheit mehr. Ein Projekt soll helfen, zumutbaren Herdenschutz für Weiderinder umzusetzen. Wir haben mit Herdenschutzberater Simon Zimmermann gesprochen.

„Betriebe brauchen enge Ansprechpartner und Beratung aus bäuerlichen Kreisen.“

Was ist das Herdenschutzprojekt?

Mit dem Herdenschutzprojekt wollen wir Herdenschutzmaßnahmen und den dazugehörigen Wissenstransfer aus bäuerlicher Hand gestalten. Der Schwerpunkt liegt dabei auf Betrieben mit Rinderhaltung. Das Projekt ist aus einer Initiative des Badischen Landwirtschaftlichen Hauptverbands, dem Naturpark Südschwarzwald und der Erzeugergemeinschaft Schwarzwald Bio Weiderind entstanden.

Was sind die Ziele des Projektes?

Ziel ist, den zumutbaren Herdenschutz in der Praxis umzusetzen und zu erproben, gegebenenfalls aber auch Herdenschutzmaßnahmen zu optimieren und anzupassen. Das Projekt soll Wissenstransfer auf die Betriebe sicherstellen, nach dem Motto: Was kann man tun? Was muss man aber auch nicht tun? Wichtig in dem Zusammenhang ist, dass die Betriebe bei Weideerschließung, Zaunbau und Weideplanung den Herdenschutz mitdenken.

Wie arbeitest Du mit den Betrieben zusammen?

Es gibt 15 Projektbetriebe. Diese liegen in der Kulisse des Naturparks Südschwarzwald. Die Betriebe halten Milchkühe, Mutterkühe und Mastrinder und haben eine gewisse Vorstellung davon, wie ihr täglicher Arbeitsablauf gestaltet sein soll. Ich gebe dazu Impulse, wie sie den Herdenschutz in ihren Arbeitsalltag integrieren können. Der zumutbare Herdenschutz konnte bisher auf fast allen Betrieben umgesetzt werden. Bei fest installierten Herdenschutzzäunen sind die Landwirte eher vorsichtig. Die großen Investitionen sind ein Grund. Was aber mehr Kopfzerbrechen bereitet, ist die Pflege und Instandhaltung der Anlagen.

Was sind Deine größten Probleme in der täglichen Arbeit?

Auf betrieblicher Ebene haben wir eher wenig Probleme. Konkrete Herdenschutzmaßnahmen zu beantragen oder umzusetzen, wird aber dann auf Behördenebene eher mal kompliziert. Vor allem weil Unterschiede zwischen den einzelnen Landkreisen bestehen. Pro Betrieb bekommt man maximal 30.000 Euro pro Jahr an Fördermitteln für Herdenschutzmaßnahmen. Für fest installierte Herdenschutzzäune ist das Geld aber sehr schnell aufgebraucht.

AUTOR

Timo Manger

Beratung für Naturland t.manger@ naturland-beratung.de

Herdenschutzberater Simon Zimmermann (rechts vorne) bei einer der Projektveranstaltungen.

Weitere Informationen zum Herdenschutzprojekt im Südschwarzwald finden Sie online unter www.herdenschutzprojekt.de.

Wo siehst Du den größten Handlungsbedarf?

Meines Erachtens darin, das Thema niederschwellig in die Fläche zu bringen. Im Moment ist die Informationsbeschaffung zum Thema eher schwierig und es ist anspruchsvoll zu filtern, was für die Praxis später von Relevanz ist. Betriebe sind sehr individuell aufgestellt und brauchen deshalb enge Ansprechpartner und Beratung aus bäuerlichen Kreisen. Wünschenswert wäre daher weiterhin eine Beratung aus bäuerlicher Sicht. Was ist beim Herdenschutz zumutbar? Wann ist aber auch die Grenze erreicht? Weniger Emotionen und mehr pragmatische Lösungen würden eher zum Ziel führen. Daran arbeiten wir.

VORBEUGEN Ketose

Jede dritte Kuh in der Frühlaktation ist subklinisch an Ketose erkrankt. Gute Beobachtung und vorbeugende Maßnahmen helfen, den Anteil der erkrankten Tiere zu reduzieren. Das erhöht auch die Wirtschaftlichkeit.

Ketose ist eine Störung des Energiestoffwechsels. Sie führt zum Anstieg von Ketonkörpern im Blut in Folge einer negativen Energiebilanz. Betroffen sind vor allem frisch gekalbte Kühe. Dabei wird vermehrt Körpergewebe (Fett/Muskulatur) abgebaut und in der Leber eingelagert (Fettleber). Ketose kann aber auch sekundär als Folge einer anderen Krankheit entstehen, wenn die Futteraufnahme der Kühe zurückgeht. Da die Ketonkörper ihrerseits zu vermindertem Appetit führen, entsteht ein Teufelskreis, der bis zum Tierverlust führen kann! Ketose ist eine Krankheit, die in fast jedem Betrieb vorkommt und deswegen auch immer wieder thematisiert werden muss. Sie ist allerdings nicht immer leicht zu erkennen.

Anzeichen für Ketose

Bei Hochleistungskühen sind mittlerweile circa 30 % aller Tiere in der Frühlaktation subklinisch erkrankt. Allein dieser hohe Anteil des „Graubereichs“ macht die Bedeutung dieser Stoffwechselerkrankung deutlich. Dabei treten unspezifische Symptome auf, die mit einer aufmerksamen Tierbeobachtung zu registrieren sind. Dazu zählen Fressunlust, träge Bewegungen, Veränderungen am Kot (etwas fester oder Durchfall) und ein rapider Gewichtsverlust (> 0,5 BCS-Punkte) innerhalb der ersten vier Wochen nach Kalbung.

Zu einem gewissen Grad sind diese ersten Anzeichen eines nicht gedeckten Energiebedarfes und eines Abschmelzens von Reserven durchaus normal. Daher ist es nicht immer einfach, hier den Kipppunkt – sprich die Krankheit – rechtzeitig zu erkennen. Bei 2 – 3 % der Tiere treten die typischen klinischen Symptome einer Ketose auf. Dazu zählen ein Aceton- oder Apfelessiggeruch in der Atemluft, im Urin und in der Milch sowie zunehmende Trägheit bis hin zum Festliegen.

Subklinische Ketose feststellen

Aufgrund der unspezifischen Symptome ist es in der Praxis nicht leicht, die subklinische Ketose zu erkennen. Am besten eignet sich hierfür eine Untersuchung von Blut, Urin oder Milch – die Ergebnisse bieten jedoch eine unterschiedliche Aussage-Sicherheit: Der Einsatz von Urinsticks oder Milchteststreifen führt zu sofortigen Ergebnissen, diese sind aber etwas ungenau. Beim Testen der Milch können hohe Zellzahlen das Ergebnis verfälschen. Viele Tierärzte haben auch digitale Messgräte zur Be-

AUTOR

Hubert Weigand

Beratung für Naturland h.weigand@ naturland-beratung.de

stimmung der Ketonkörper dabei. Hierbei wird mit einem Tropfen Blut der BHB-Wert (Beta-Hydroxybutyrat=Ketonkörper) bestimmt. Das sehr genaue Ergebnis liegt sofort vor. Ein weiterer Schritt wäre dann die Untersuchung im Labor: Dort werden Ketonkörper über BHB und freie Fettsäuren (NEFA) gemessen, gleichzeitig können auch die Leber- und Muskelenzyme bestimmt werden (z. B. GLDH, Bilirubin, CK, ASAT).

Beste Vorbeugemaßnahme: ausreichende Grobfutteraufnahme über optimale Futterqualität und beste Schmackhaftigkeit.

Eine verringerte Milchleistung ist typisch für subklinische Ketose.

Ein weiterer deutlicher Hinweis auf subklinische Ketose als Bestandsproblem sind Fett-Eiweiß-Quotienten von 1,5 und höher bei mehreren Kühen in den ersten 100 Laktationstagen.

Wie wird behandelt?

In akuten Fällen kann nur der Tierarzt helfen. Vorbeugend ist Risikotieren nach tierärztlicher Indikation zehn Tage vor der Kalbung 150 ml Propylenglykol je Tag und 250 ml bis drei Tage nach der Kalbung zu verabreichen bzw. ein Energietrunk nach der Kalbung anzubieten.

Wichtig: Wenn die Ketose die Folge einer anderen Grunderkrankung ist, muss diese natürlich auch behandelt werden.

KUHKOMFORT HILFT (AUCH) GEGEN KETOSE

• Aufstallung der Kühe ein bis zwei Wochen vor der Abkalbung bis zwei Wochen danach auf Stroh, rutschfest, um das Aufstehen zu erleichtern.

• Kühe in Abkalbeboxen brauchen Sichtkontakt zur Herde (Vermeidung von oxidativem Stress).

• Mindestens 10 m² Platz pro Tier im Abkalbebereich.

• G ute Wasserversorgung hinsichtlich Qualität und Quantität.

• In größeren Abkalbebuchten mit mehreren Tieren: ausreichend Platz am Futtertisch für jedes Tier, ein Fressgitter sollte vorhanden sein.

Sehr wichtig, weil oft übersehen:

• auf möglichst gesunde Klauen achten: eine Kuh, die beim Aufstehen und Laufen Schmerzen oder Schwierigkeiten hat, geht deutlich seltener zum Futtertisch.

• andere Erkrankungen, die zu vermindertem Appetit führen, möglichst frühzeitig behandeln.

Ketose reduziert die Wirtschaftlichkeit

Auch in der subklinischen Form ist Ketose eine Erkrankung mit Folgen wie verringerte Milchleistung und höheres Risiko einer Labmagenverlagerung. Die größte Beeinträchtigung ist allerdings die Schwächung des Immunsystems, wodurch das Risiko von Infektionskrankheiten steigt, z. B. ein viermal höheres Risiko einer Gebärmutterentzündung und siebenmal höheres Risiko von Mastitiden. Vom Tierleid abgesehen, reduzieren daher die Folgekosten deutlich die Wirtschaftlichkeit.

Vorbeugung

Besonders wichtig ist die Fütterung: Wie wir wissen, werden die entscheidenden Grundlagen in einer ausreichenden Grobfutteraufnahme gelegt, die bei einem entsprechenden Leistungsniveau nur über optimale Futterqualität bei bester Schmackhaftigkeit zu erreichen ist. Ausreichend strukturierte Rohfaser und ein passendes Protein-Energieverhältnis in allen Laktationsstadien gewährleisten eine optimale Stoffwechselfunktion. Darüber hinaus kann eine zweiphasige Trockensteherfütterung helfen:

1. Phase vom Trockenstellen bis zwei bis drei Wochen vor dem Abkalbetermin: Fütterung energie- und nährstoffarm, strukturreich (max. 5,7 MJ NEL/kg, über 20 % XF, unter 10 % Stärke, 12 - 13 % XP, 11 – 12 % nXP in der Trockenmasse).

2. Phase bis zur Abkalbung: Anfütterung (möglichst mit Komponenten aus der laktierenden Ration): nährstoff- und stärkereich (mindestens 6,5 MJ NEL/ kg TM, 16 – 21 % Stärke, 14 – 15 % XP, 14 – 15 % nXP in der Trockenmasse).

Die Fütterung sollte zum Ziel haben, eine optimale Körperkondition am Ende der Laktation zu gewährleisten (BCS um 3,5 bei HF und Braunvieh, bei Fleckvieh um 4,0). Oft führt mangelnder Kuhkomfort zum Krankheitsausbruch. Tipps hierzu finden Sie in der Infobox.

Ausschlaggebend für eine gute Ketoseprophylaxe ist zudem eine gute Tierbeobachtung, um auftretende Probleme schon im Ansatz zu erkennen, denn „das Auge des Herrn füttert das Vieh“. Die Summe der genannten Punkte macht somit den „Erfolg im Stall“ aus.

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Laurin Spensberger

Beratung für Naturland l.spensberger@ naturland-beratung.de

Wie bestreiten Sie jeden Tag den Weg vom Haus zum Stall? Sicherlich auf einem geteerten, betonierten, gepflasterten oder gekiesten Weg. Auch Ihre Kühe müssen ihren Weg von der Weide zum Stall mindestens zwei Mal täglich gehen – und wie sieht dieser Weg aus? Triebwege, Weideeingänge und die Weideflächen rund um Tränken sind oft feucht und matschig. Die folgenden 7 Tipps können helfen, das Weidemanagement wieder mal auf den Prüfstand zu stellen und zu verbessern.

1.

BREITE DES WEIDETRIEBWEGES

Grundsätzlich hängt die Breite des Triebweges neben den örtlichen Gegebenheiten vor allem von der Herdengröße ab. Klar, die ersten Meter des Weges sollten mit drei bis vier Metern etwas breiter sein als der Rest der Strecke. Bei kleineren Herden unter ca. 40 Kühen kann sich danach der Triebweg auf bis zu einen Meter Auftrittbreite verringern. Dabei sollte der Zaun links und rechts jeweils 50 cm vom Wegrand platziert werden. Somit kommt man auf eine Gesamtbreite von mindestens zwei Metern. Bei Herden mit mehr als rund 40 Kühen sollte die

Gesamtwegbreite (inklusive Zaun) eher drei bis vier Meter betragen. Diese Breite gilt auch für Betriebe mit AMS, hier sollte der Weg generell drei bis vier Meter breit sein, damit die Kühe problemlos aneinander vorbeigehen können.

2.

WEIDETRIEBWEG TROCKEN HALTEN

Wichtig ist, dass der Weidetriebweg nach Regen rasch abtrocknen kann, rutschfest ist und langlebig. Daher kann es sinnvoll sein, Drainagen anzulegen. Damit Wasser gut abfließen kann, sollte der Weg im Querschnitt gewölbt (bombiert) angelegt sein. So trocknet die am meisten beanspruchte Wegmitte rascher ab. Außerdem sollte der Unterbau das Oberflächenwasser gut durchlassen.

3.

STUFEN ANLEGEN

Müssen Steigungen über 20 % überwunden werden, sind Stufen zu empfehlen. Die Stufenhöhe sollte bei 15 bis 30 cm liegen. Wichtiger ist allerdings, dass die Auftrittsfläche der Stufe selbst mindestens 50 cm tief ist, besser wären 120 cm. Relevant ist, dass jede Stufe gleich hoch und aus trittsicherem Material gestaltet ist, um Stolperstufen zu vermeiden. Bei Steigungen unter 20 % sind keine Stufen nötig, allerdings sollte hier besonders auf ein rutschfestes Bodenmaterial geachtet werden.

„Wichtig ist, dass der Weidetriebweg nach Regen rasch abtrocknen kann.“

Der Zaun links und rechts des Triebwegs sollte jeweils 50 cm vom Wegrand platziert werden. Bei Herden mit mehr als 40 Kühen sollte die Gesamtwegbreite (inklusive Zaun) drei bis vier Meter betragen.

4.

WAHL DES RICHTIGEN MATERIALS

Natürlich ist jede Situation anders. Jeder Betrieb versucht, aus den Gegebenheiten das Beste zu machen. Ein paar grundsätzliche Aspekte gilt es aber doch in Erinnerung zu rufen: Weichere Materialien sind harten vorzuziehen. Dabei können auch Materialien verwendet werden, die dem Betrieb kostengünstig zur Verfügung stehen. Das können zum Beispiel ausrangierte Liegematten sein, die sicher miteinander verbunden werden. Oft werden auch Hackschnitzel verwendet, die bei guter Wasserführung ein bis zwei Jahre halten können. Mit Hackschnitzeln können weite Wegstrecken mit hohem Kuhkomfort gestaltet werden, allerdings benötigen solche Wege ein gutes Wassermanagement. In den regenreichen Regionen Österreichs und des südlichen Deutschlands kann die Haltbarkeit von Hackschnitzeln auch geringer ausfallen. Härteres Material, das in Betrieben oft kostengünstig zur Verfügung steht, sind ausrangierte Spaltensegmente. Die Zwischenräume der Elemente sind mit Sand aufzufüllen, damit diese Wege sicher abtrocknen. Wege aus Kies, Beton oder Asphalt sind langlebig und befahrbar. Zu bedenken ist, dass sich die Kühe hier leicht Steine eintreten können. Außerdem besteht bei Beton und Asphalt eine erhöhte Rutschgefahr, vor allem bei Steigungen. Beim Anlegen eines gekiesten Wegs sollte das Sand-Schottergemisch leicht feucht sein, um es gut verdichten zu können. Zuletzt gibt es noch die Möglichkeit, Rasengittersteine, Kunststoffgitter oder Gummimatten für Steigungen oder Lochmatten aus dem Agrarhandel zu verwenden. Kunststoffgitter (z. B. Ecoraster) sind langlebig, können begrünt werden und garantieren auch bei nassen Bedingungen durch den hohen Lochanteil stabile Wegbedingungen für die Kühe. Rasengittersteine haben einen ähnlichen Effekt, sie sind schwerer und durch den kleineren Lochanteil härter. Lochmatten sind am weichsten. Gummimatten für Steigungen sind besonders rutschfest und daher sehr trittsicher.

1 Auch ausrangierte Spalten können zur Befestigung von Triebwegen verwendet werden. Die Zwischenräume der Elemente sind mit Sand aufzufüllen, damit diese Wege sicher abtrocknen.

2 Die Stufenhöhe sollte gleich sein (15 bis 30 cm), die Auftrittsfläche selbst mindestens 50 cm tief, besser wären 120 cm.

Kunststoffgitter (z. B. Ecoraster) sind langlebig und garantieren auch bei nassen Bedingungen durch den hohen Lochanteil stabile Wegbedingungen.

5.

WEIDEEINGANG SAUBER HALTEN

Nun sind die Kühe gut auf die Weide gekommen. Doch wie sieht es mit dem Weideein- und -ausgang aus? Hier bietet es sich an, den Weidetriebweg anhand der Hauptverkehrsachsen auf der Weide weiter in die Fläche zu ziehen. Dadurch entlastet man den Grasbestand am Eingang der Weide. Zusätzlich reduziert sich die „Schuhabputzfläche“, die kaum als Futterfläche zu werten ist. Darüber hinaus bietet es sich je nach Standortverhältnissen an, den Ein- und Ausgang der Weide ebenfalls zu drainieren, um auch hier ein rasches Abtrocken des Bodens nach Niederschlägen zu ermöglichen. Das wiederum erhöht die tatsächlich genutzte Weidefläche und reduziert Weidereste.

6.

ANORDNUNG DER TRÄNKEN

Um die ausgeschiedenen Nährstoffe, das Abfressen und den Kuhverkehr möglichst gleichmäßig über die Weide zu verteilen, sollten die Tränken dezentral angeordnet sein und dabei circa 300 Meter voneinander entfernt platziert werden. Damit müssen die Kühe maximal 150 Meter zur nächsten Tränke gehen, der Abstand kann aber durch die Gegebenheiten vor Ort, z. B. Hügel, Kuppen und Windrichtung variieren. Wichtig ist, dass die Tränken nicht am Weideingang oder in Zaunnähe installiert werden, damit die Kühe von allen Seiten an die Tränke gelangen können. Pro Parzelle sollten mindestens zwei Tränken zur Verfügung stehen, damit auch rangniedere Kühe uneingeschränkt trinken können. Dies ist vor allem an heißen Tagen wichtig, denn an solchen Tagen nehmen Kühe bis zu 150 Liter Wasser und mehr auf. Deshalb ist ein hoher Wasserdurchlauf von mindestens 20 Liter pro Minute nötig. Auch um fest installierte Tränkestellen sollte der Boden befestigt werden. Es bietet sich an, auch hier das gewählte System des Weidetriebwegs anzuwenden.

7.

TRÄNKEWAHL

Mit gut geplanter Wasserversorgung auf der Weide können auch an heißen Tagen die Stressfaktoren für Rinder reduziert werden. Dies spiegelt sich direkt in Milchleistung und vor allem Tiergesundheit wider. Auch die saisonal erhöhten Zellzahlen können dadurch reduziert werden. Trogtränken ermöglichen die schnellste und tiergerechteste Wasseraufnahme. Bei der Versorgung mit Weidefässern ist besonders an heißen Tagen auf die Wasserqualität zu achten, denn die Fässer heizen sich auf. Zudem ist die Durchflussrate aufgrund des geringen Drucks meist niedriger, weshalb pro Fass zwei Trogtränken zu empfehlen sind. Eine arbeitszeitsparende Option sind Wasserleitungen zu den Weiden, die schnell und narbenschonend mit einem Schlauchpflug verlegt werden können. Bei Strecken über einem Kilometer sind Leitungsquerschnitte von 1 Zoll zu empfehlen. Das Trinken aus offenen Gewässern ist aus immunologischer Sicht nicht zu empfehlen.

Kurz & knapp

Ein gut eingerichteter Weidetriebweg, der auf Herdengröße und betriebliche Bedingungen abgestimmt ist, fördert Tierwohl und Gesundheit der Kühe. Er spart täglich Zeit und reduziert Stress für Mensch und Tier. Die Verwendung weicher, schnell abtrocknender Materialien sowie eine dezentrale Wasserversorgung auf der Weide sind dabei essenziell. Dies steigert ebenfalls Tierwohl und Tiergesundheit. Die Beratung für Naturland hilft Ihnen gerne bei der Optimierung der Weiden und Triebwege.

Fotos: Spensberger, Agrarfoto

Schweine nehmen aus ihrer Umwelt Parasiteneier auf, der bedeutsamste Parasit ist der Schweinespulwurm.

AUTORIN

Elisabeth Hofinger

Naturland e.V. e.hofinger@naturland.de

SO VERMEIDEN SIE

Milkspots

Milkspots nennt man die weißen Flecken auf der Leber von Schweinen. Derart befallene Lebern müssen verworfen werden und sind ein Indiz für Spulwurmbefall. Bei Bio-Schweinen tritt dies durchaus häufiger auf. Die gute Nachricht: Es gibt Abhilfe.

Zu den größten Herausforderungen in der BioSchweinehaltung zählt der Befall der Tiere mit Spulwürmern – das zeigt die Auswertung der NaturlandTierwohlkontrollen. Zu erkennen ist der Befall an Milkspots auf der Leber. Sie sind das Resultat eines Wurmbefalls, der sich nicht nur auf die Verwertbarkeit der Leber auswirkt, sondern auch Gesundheit und Leistung der Tiere beeinträchtigt: Geringere Tageszunahmen und höhere Krankheitsanfälligkeit sind typische unspezifische Symptome, die man als Tierhalterin und Tierhalter oft nicht eindeutig zuordnen kann.

Chancen und Grenzen des Schlachtbefunds

Bei jedem geschlachteten Schwein wird eine Fleischuntersuchung durchgeführt. Relevante Befunde werden dabei an den Ursprungsbetrieb zurückgemeldet. Diese Rückmeldungen können helfen, Management und Behandlung der Tiere anzupassen, bevor es zu einem akuten Krankheitsausbruch im Bestand kommt – denn Schweine sind schlechte Krankheitsanzeiger. Allerdings unterliegt die Befundung auch menschlichen Fehlern und Bewertungsschwankungen, weshalb langfristige Auswertungen zielführender sind als Momentaufnahmen einzelner Lieferpartien.

Hier ist der Wurm drin

Bei den sogenannten „Milkspots“ handelt es sich um Narbengewebe. Wenn das Schwein Eier des Schweinespulwurmes aufgenommen hat, schlüpfen diese im Darm des Tieres. Anschließend wandern sie durch die Darmschleimhaut ins Blutgefäßsystem und gelangen in die Leber. Dort bohren sich die Larven durch die Leber (Wandergänge = Milkspots). Letztlich gelangen sie übers Blut in die Lunge, wo sie bei starkem Befall größeren Schaden anrichten können, werden hochgehustet und abgeschluckt („Wurmhusten“). Im Darm entwickeln sich die Larven weiter zu adulten Tieren und scheiden mit dem Kot der Schweine neue Eier aus. Danach sind diese bereits nach etwa vier Wochen infektionsfähig. Der gesamte Entwicklungszyklus von Infektion bis Eiausscheidung dauert sechs bis acht Wochen.

Warum Öko-Schweine betroffen sind

Die Eier des Parasiten sind besonders widerstandsfähig und klebrig. Zudem können sie bis zu vier Jahre ansteckungsfähig bleiben und kommen überall in der Umwelt vor. So zum Beispiel auch auf der Schweineweide, dem Acker oder Grünland – aber

TIPP

Erhält man keine Rückmeldung zu den Schlachtbefunden oder zweifelt man an den Befunden, liefern auch Kotuntersuchungen Auskunft über den Parasitenstatus im Bestand. Aber: Die Wurmeier werden nicht laufend, sondernd in unregelmäßigen Abständen ausgeschieden. Daher sollte die Beprobung mehrmals und bei verschiedenen Tierkategorien erfolgen.

auch auf der künftigen Einstreu und dem Futter, das vorher mit Eier-belasteter Gülle oder Mist gedüngt wurde. Auch Mistachsen, die quer durch Stall oder Auslauf verlaufen oder der zum Ausmisten genutzte Frontlader verursachen eine Kreuzkontamination von Stallabteilen. Hinzu kommt, dass der Einsatz von Desinfektionsmitteln mit Kresol im ÖkoLandbau grundsätzlich verboten ist. Kresol ist der einzige Wirkstoff, der die widerstandsfähigen Eier „knacken“ kann. Die Reinigung kann also nur mechanisch erfolgen.

Durch den kurzen Entwicklungszyklus, den wiederkehrenden Eintrag und die lange Infektiosität kann sich der Infektionsdruck immer weiter verschärfen –wenn nichts dagegen unternommen wird.

Schweineleber mit Milkspots (weiße Flecken). Es handelt sich dabei um Vernarbungen nach der Larvenwanderung.

Wird in der Ferkelerzeugung nicht entwurmt, können u. U. in der Mast bei der ersten Entwurmung ausgewachsene Spulwürmer mit dem Kot ausgeschieden werden.

Was tun?

Zur Senkung des Infektionsdruckes sollten die Ställe idealerweise im Rein-Raus-System geführt werden. Dadurch kann eine Stalleinheit gründlich gereinigt (Besenrein → Schaumreiniger → Hochdruckreinigung mit Heißwasser → abtrocknen lassen) und eine Infektionskette unterbrochen werden. Wird der Stall kontinuierlich belegt, kann über eine buchtenweise Reinigung der Infektionsdruck reduziert werden. Die Stallbereiche sollten während der Nutzung möglichst sauber und trocken gehalten werden, da sich die Wurmeier im Mist besonders wohlfühlen. In Freilandhaltungen sollten Weiden gewechselt werden und mindestens ein Jahr ruhen. Zudem ist die Entwurmung wichtiger Bestandteil des Hygienemanagements, denn selbst die besten Hygienemaßnahmen können nicht alle Eier entfernen und die weitere Ei-Einbringung, Reinfektion und erneute Eiausscheidung völlig unterbinden. Nur in Kombination von Hygienemanagement und Entwurmung kann dem stetigen Infektionsdruck standgehalten werden.

Im Darm entwickeln sich die Larven zu ausgewachsenen Spulwürmern, die über den Kot der Schweine neue Eier ausscheiden.

Entwurmung im Detail

Neben der Hygiene ist die Entwurmung also der Schlüssel zum Erfolg, um die regelmäßige Eiausscheidung und damit den steigenden Infektionsdruck im Bestand zu reduzieren. Die Abbildung zeigt Beispiele verschiedener Entwurmungsschemata. Generell müssen die jeweiligen Mittel aber nach Angabe des Herstellers angewendet und das Entwurmungskonzept betriebsindividuell mit der tierärztlichen Hofpraxis abgesprochen werden.

In der Ferkelerzeugung empfiehlt es sich, die Zuchttiere ca. eine Woche vor dem Umstallen ins Abferkelabteil zu entwurmen. Jede Zuchtsau wird also zweimal pro Jahr entwurmt (dabei den Eber nicht vergessen). Idealerweise wäscht man auch die Sau bei der Umstallung, damit keine am Tier haftenden Wurmeier eingebracht werden. Von der Aufnahme der ersten infektionsfähigen Eier durch die Saugferkel erfolgt die Eiausscheidung der Folgegeneration ungefähr in der Vormast. Um diesen Zyklus

Beispiele für Entwurmungsschemata (Quelle: eigene Darstellung)

Wirkstoff Bezeichnung des Tierarzneimittels Verabreichung

Piperazin Piperazincitrat

Fenbendazol

Panacur® AquaSol 200 mg/ml

Pigfen® 200 mg/ml

Pigfen® 40 mg/g

Flubendazol Flubenol® 5 % Pulver

Ivermectin

Ivomec S®

Noromectin® Injection 1 %

Doppelte Wartezeit in Tagen (Bio)

Oral über Trinkwasser8

Oral über Trinkwasser8

Oral über Trinkwasser8

Oral über Fütterung 8

Oral über Fütterung 28

Injektion 28

Injektion 36

Auszug wirksamer Entwurmungsmittel gegen den Schweinespulwurm (Ascaris suum)

zu unterbrechen, können die Ferkel das erste Mal, z. B. zwei Wochen nach dem Absetzen, entwurmt werden.

In der Mast empfiehlt sich die erste Entwurmung mit etwa 40 kg Lebendgewicht und die zweite Entwurmung ungefähr sechs Wochen vor der geplanten Schlachtung. Letzteres hat vor allem den Hintergrund, dass Milkspots innerhalb von sechs Wochen verheilen und dadurch die Anzahl an Milkspots auf der Leber reduziert werden kann. Bei starkem Befall kann zyklisch alle fünf bis sechs Wochen in der Mast entwurmt werden, um damit den sechs- bis achtwöchigen Entwicklungszyklus des Wurmes zu unterbrechen.

Für das betriebsindividuelle Behandlungsschema ist aber die Absprache mit der tierärztlichen Hofpraxis und gegebenenfalls dem ferkelliefernden Betrieb nötig. Durch Absprachen mit dem Ferkellieferanten können Mastbetriebe gezielter therapieren und gegebenenfalls Behandlungen vermeiden. Wird beispielsweise in der Ferkelerzeugung die Hygiene

vernachlässigt und/oder nicht entwurmt, kann es vorkommen, dass in der Mast bei der ersten Entwurmung adulte Würmer mit dem Kot ausgeschieden werden. Dies deutet auf einen massiven Befall der Ferkel hin.

Entwurmungsmittel

Welche Wirkstoffe für die Behandlung gegen den Schweinespulwurm wirksam sind und eine Auswahl an entsprechenden Tierarzneimitteln können Sie der Tabelle entnehmen. Die verschiedenen Wirkstoffe haben unterschiedliche Wirkmechanismen. Außerdem wirken die Mittel oft gegen unterschiedliche Entwicklungsstadien, z.B. können teilweise die Wanderlarven nicht erreicht werden. Die Auswahl soll daher in Absprache mit der tierärztlichen Hofpraxis erfolgen. Sollte die letzte Entwurmung vor der Schlachtung aufgrund der Wartezeit nicht möglich sein – manche Vermarkter verlangen eine dreifache Wartezeit – kann in Absprache mit der tierärztlichen Hofpraxis auf andere Entwurmungsmittel mit kürzerer Wartezeit zurückgegriffen werden.

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AUTOREN

BÖLW Fachausschuss Geflügel

Michael Däuber (Bioland)

Annette Alpers (Naturland)

a.alpers@naturland-beratung.de

Peter Röhrig (BÖLW)

Tanja Barbian (BÖLW)

Neues

für Öko-Geflügelhalter

2022 ist die neue EU-Bio-Verordnung in Kraft getreten. Für Geflügelbetriebe brachte sie besonders viele Änderungen und damit auch Fragen zur Umsetzung mit. Mittlerweile liegen neue Auslegungshinweise der Bundesländer vor.

Die Öko-Verordnung erlaubt insgesamt drei Ebenen. Ab dem 1. Januar 2030 ist nach Ablauf der Übergangsfrist eine vierte Ebene nicht mehr zulässig.

Vorausgegangen war eine umfassende Liste, die von der Länderarbeitsgemeinschaft ökologischer Landbau (LÖK) in Zusammenarbeit mit dem Fachausschuss Geflügel des Bund Ökologischer Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) erarbeitet wurde. Dieser Vorschlag scheiterte jedoch an der Prüfung durch die EU-Kommission: zu ausführlich und in manchen Punkten überinterpretiert. So wurde das Papier überarbeitet und hat jetzt weniger detaillierte Auslegungen. Hier sind die wichtigsten Punkte des überarbeiteten „Geflügelpapiers“. Mit einigen Auslegungen sind wir (BÖLW-Fachgruppe Geflügel) nicht einverstanden, hier werden wir weiter für eine fachlich gute Ausrichtung kämpfen.

Mehr-Etagensystem

Die Verordnung erlaubt – mit Übergangsregelung für vor dem Inkrafttreten der neuen Verordnung gebaute bzw. in Betrieb genommene Ställe – maximal zwei zusätzliche Ebenen über der Bodenfläche, insgesamt also drei Ebenen. Ab dem 1. Januar 2030 ist nach Ablauf der Übergangsfrist eine vierte Ebene nicht mehr zulässig und soll sogar zurückgebaut werden. Wir im BÖLW setzen uns dafür ein, dass die vierte Ebene als Luxusfläche erhalten bleiben kann, auch wenn sie nicht mehr angerechnet wird.

Entmistung

Kotbretter unter begehbaren Ebenen gelten als „effiziente Entmistung“. Somit können Ebenen als begehbare Flächen für die Besatzdichte angerechnet werden, wenn sich ein Kotbrett darunter befindet.

Auslaufgewährung

Geflügel muss grundsätzlich Auslauf gewährt werden, wann immer Witterungsbedingungen, Jahreszeit und Zustand des Bodens es erlauben. Ausnahmen sind also nur bei extremen Witterungsbedingungen wie Sturm oder starken Niederschlägen und infolgedessen extremer Nässe möglich oder wenn der physiologische Zustand der Tiere es nicht zulässt. Es muss wie bisher ein Auslaufjournal geführt werden, in dem die Gründe für die befristete Aufstallung dokumentiert sind. Die Auslegungshinweise lassen den Landwirtinnen und Landwirten

einen gewissen Spielraum, wann Tiere in den Grünauslauf dürfen, abhängig von den Witterungs- und Bodenbedingungen.

Freigelände für Junggeflügel

Junggeflügel muss ab einem geeigneten physiologischen Alter und bei geeigneten physischen Bedingungen (Witterung, Bodenverhältnisse, Jahreszeit) tagsüber uneingeschränkten Zugang zu einem Freigelände haben. Vor dem Inkrafttreten der neuen Verordnung gebaute bzw. in Betrieb genommene Aufzuchtställe ohne Freigelände haben eine Übergangsfrist bis spätestens 31. Dezember 2030. Die Kombination aus Alter und Bedingungen führt dazu, dass es keinen für alle Betriebe einheitlichen Zeitpunkt für die Auslaufgewährung gibt. Der geflügelhaltende Betrieb muss der Öko-Kontrollstelle nachvollziehbar aufzeigen, warum er wie handelt.

Zudem sagen die Bundesländer, dass bei der Aufzucht von Junggeflügel von Anfang an Freigelände am Stall bereitgestellt werden muss, auch wenn dieses noch nicht genutzt wird. Diese Vorgabe ist völlig unverständlich und unserer Meinung nach nicht durch die Öko-Verordnung gedeckt, die ja mit dem Hinweis „physiologischer Zustand der Tiere“ Spielraum lässt. Sie bewirkt, dass bei Ställen mit sehr jungem Geflügel Auslauf vorgehalten werden muss, der ohnehin nicht genutzt wird, da die Tiere noch zu klein sind. In der Praxis werden die Tiere

Die Auslauffläche sollte mit Bäumen oder Gehölzen bewachsen sein, die Schatten und Schutz bieten.

Die Beratung für Naturland bietet Unterstützung bei der Umsetzung der EU-Bio-Verordnung. Wenden Sie sich an Ihre Beraterin oder Ihren Berater.

Konventionelles Eiweißfutter (bis max. 5 %) darf ausschließlich für „Junggeflügel“ verwendet werden, wenn ökologisches Eiweißfutter nicht ausreichend verfügbar ist. Die Grenze für „Junggeflügel“ liegt unter 18 Wochen und für Jungmastgeflügel bis zum Eintritt der Geschlechtsreife.

rechtzeitig, bevor die Bedingungen für den Freigeländezugang überhaupt greifen, in Ställe mit Grünauslauf umgestallt. Wir setzen uns weiter dafür ein, dass die bisherige Praxis der Voraufzuchten fortgeführt werden kann. Allerdings gilt Stand heute, dass keine neuen Voraufzuchtställe für Junggeflügel ohne Grünauslaufmöglichkeit gebaut werden dürfen. Bestehende Voraufzuchtställe ohne Grünauslaufmöglichkeit sollen noch bis 31.12.2030 betrieben werden dürfen.

Wir haben auch eine Initiative gestartet für die Einführung von Regeln für die Jungtierphase in die Öko-Verordnung, denn es ist fachlich nicht gerechtfertigt, dieselben Auslaufflächen bei Voraufzuchten wie für adulte Tiere zu haben. Ob sich diese Initiative durchsetzen kann, ist allerdings noch nicht absehbar.

Weitere Vorgaben für den Auslauf

Die Auslaufflächen können mehrfach genutzt werden, beispielsweise durch Beweidung mit anderen Tieren als Schutz vor Beutegreifern. Eine Beschränkung der Auslaufzeit aufgrund der Bodenart ist nicht zulässig, nur vorübergehende Witterungsbedingungen können dies rechtfertigen. Die Auslauffläche sollte mit Bäumen oder Gehölzen bewachsen sein, die Schatten und Schutz bieten. Insbesondere bei Gehölzen ist eine Anpflanzung mit dem Ziel der Beerntung möglich. Freigelände für Geflügel muss überwiegend mit unterschiedlichen Pflanzen bewachsen sein – auch wenn man eine PV-Anlage im Auslauf betreiben möchte. Es sind mindestens 50 % Vegetationsdecke sicherzustellen.

Definition Junggeflügel

Bekräftigt wird in dem neuen Geflügelpapier die Definition von Junggeflügel. Diese hat eine sehr hohe Bedeutung in der Fütterung, weil konventionelles Eiweißfutter (bis max. 5 %) laut EU-Öko-Verordnung ausschließlich für „Junggeflügel“ verwendet werden darf, wenn ökologisches Eiweißfutter nicht ausreichend verfügbar ist. Die Grenze für „Junggeflügel“ liegt für Tiere der Art Gallus gallus unter 18 Wochen und für Jungmastgeflügel bis zum Eintritt der Geschlechtsreife.

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ERBSE UND ACKERBOHNE im Gemenge

Die immer häufigeren und oft langanhaltenden Trockenperioden im Frühjahr machen den Anbau von Ackerbohnen und Sommererbse in Reinsaat riskant: Schwache, lückige und verunkrautete Bestände sind oft die Folge. Was tun?

Der zunächst naheliegende Ausweg ist, die Winterform zu nutzen. Tatsächlich hat in den vergangenen Jahren der Anbau von Wintererbsen und Winterackerbohnen zugenommen. In der Regel werden Wintererbsen (z. B. Peluschken) mit Wintertriticale im Gemenge angebaut. Das Getreide übernimmt dabei die Stützfunktion. Da Wintererbsen (vor allem im Frühjahr) je nach Sorte und Wasserangebot starkes Wachstum aufweisen, ist sortenabhängig eine geringe Saatstärke im Gemenge von 30 bis 50 kg/ha üblich – z.T. auch deutlich niedriger, wenn der Be-

AUTORIN

Leah Hornung

Beratung für Naturland l.hornung@ naturland-beratung.de

AUTOR

Roman Goldberger

Beratung für Naturland r.goldberger@ naturland-beratung.de

stand auf jeden Fall gedroschen werden soll und die GPS-Variante als Plan B nicht zur Verfügung steht. Auch Triticale wird mit verminderter Saatstärke im Gemenge von 100 bis 120 kg/ ha gesät. Bis ins Frühjahr scheint sie im Bestand die Überhand zu haben, dann kommt aber die Zeit der Erbsenpflanzen. Sie entwickeln sich nun rasant und können das Getreide auch überwuchern. Empfehlenswert ist ein Saattermin Mitte Oktober. Je später das Gemenge angebaut wird und je weniger Stickstoff aus der Vorfrucht im Boden ist, desto höher ist der Erbsenanteil der Ernte, aber auch hierfür ist die Erbsensorte mitentscheidend. Ein großer Vorteil des Wintererbse-Triticale-Gemenges ist die gute Unkrautunterdrückung. Striegeln ist in der Regel nicht nötig und auch nur im Herbst im frühen Erbsenstadium möglich.

Auch Winterackerbohnen können mit Gemengepartnern angebaut werden. Hier steht allerdings nicht die Stützfunktion, sondern vielmehr der „Lückenfüller-Effekt“ im Mittelpunkt sowie

Der Anbau von Wintererbse im Gemenge mit Triticale bzw. Winterackerbohne mit Winterweizen hat in den vergangenen Jahren zugenommen.

eine gewisse Absicherung bzgl. Auswinterung; die Winterhärte der Winterackerbohne ist noch „ausbaufähig“. Die späte Saat von Winterackerbohnen sowie der Abreifezeitpunkt machen Winterweizen zum passenden Gemengepartner. Mit Saatstärken von 150 bis 180 kg/ha Ackerbohne und nur 30 bis 50 kg/ha Weizen liegt der Fokus „ohne Absicherung“ klar auf der Winterackerbohne, ansonsten müsste Weizen auf ca. 80 bis 100 kg/ha erhöht werden.

Gemenge mit Sommerung

Ein Nachteil der Winter-Körnerleguminosen ist, dass mit ihnen die Winterungen in der Fruchtfolge nochmals zunehmen. Nicht selten sollte dieser Anteil aber aufgrund bereits bestehendem Unkrautdrucks (Stichwort Ackerfuchsschwanz) eher reduziert werden. Eine Alternative ist, ein Gemenge mit Hafer und Erbse in den Frühjahrsanbau zu nehmen.

Die zwei Komponenten reifen zum gleichen Zeitpunkt ab und der Hafer hat eine gute Stütz-

leistung für die Erbse. Auch hilft er, den Unkrautdruck geringer zu halten, indem er Stickstoff aus dem Boden abzieht sowie seine gute Beschattung und Konkurrenzkraft einbringt. Anders sieht es bei Sommergerste und Erbse als Partner aus. Aktuell verfügbare Sommergersten-Sorten sind „kurz“ oder „sehr kurz“, sie bleiben dadurch im Wuchs zurück und werden von der Erbse überwachsen. Bei der Ackerbohne ist es deutlich schwieriger, einen geeigneten Gemengepartner zu finden, der die gleiche Abreifezeit hat. Dort muss man sich herantasten, beispielsweise mit Hafer als Gemengepartner. Es wäre aber zum Beispiel auch Senf als Gemengepartner mit einer Saatstärke von max. 2,5 kg pro ha denkbar.

Als Aussaatstärke des Hafer-Erbsengemenges empfiehlt sich das Verhältnis 50 : 50 (80 Körner Hafer; 80 Körner Sommererbse), was die Stützfrucht-Wirkung des Hafers und die starke Ausrichtung auf die Erbse deutlich macht: während die Erbse so nahezu in Reinsaatstärke ausgesät wird, liegt der Hafer bei

ca. einem Viertel davon. Ein Verschieben der Aussaatrelationen ist aber jederzeit möglich, wenn andere Ziele mit dem Anbau verfolgt werden.

Die Ernteerträge der Kulturen können jedoch von Jahr zu Jahr stark schwanken, je nach Witterungsbedingungen entwickeln sie sich unterschiedlich. Die positive Seite davon: wenn´s dem einen Mischungspartner aufgrund der Bedingungen weniger passt, profitiert der andere eher davon. Wichtig ist, dass die Vermarktung vorher geklärt wird. Oft sind tierhaltende Betriebe Abnehmer.

Anbaupausen

Eine dringende Empfehlung ist, die Anbaupause von sechs bis neun Jahren bei der Erbse auch beim Anbau im Gemenge einzuhalten, da sonst Fußkrankheiten zu einer schlechten Ernte bis hin zu einem Totalausfall führen können. Auch in Zwischenfruchtmischungen sollte auf Leguminosen oder Wirtspflanzen, die Fußkrankheiten auslösen können, verzichtet werden.

Fotos: Goldberger

Triticale hat sich im Versuch als Mischungspartner für die Wintererbse als am besten geeignet herausgestellt. Hier stabilisiert Triticale den blühenden Erbsenbestand als Stützfrucht.

GEMENGEANBAU MIT

Wintererbsen

Wintererbsen sind auf vielen Betrieben eine Alternative zu Sommererbsen. Nur welcher Mischungspartner in welchem Gemengeverhältnis eignet sich für welchen Erbsentyp? Dies wurde in mehreren Feldversuchen erforscht.

AUTOREN

Peer Urbatzka

Georg Salzeder

Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft

Stefan Zott

Bayerische Staatsgüter

Wintererbsen bieten im Vergleich zu Sommererbsen einige Vorteile. Sie nutzen die Winterfeuchte besser und Beikräuter können im Wintererbsenbestand gut unterdrückt werden. Die gute Beikraut-Unterdrückung wird beim Anbau von normalblättrigen Wintererbsen wie EFB 33 erreicht, da diese stark massenwüchsig und damit sehr konkurrenzstark sind. Andererseits brauchen diese stark lageranfälligen Erbsen zum Korndrusch eine Stützfrucht, da sie sonst ab Blühende komplett am Boden lagern.

Der Gemengeanbau mit den konkurrenzstarken Wintererbsen sollte möglichst optimal gestaltet werden. Hierbei ist der Mischungspartner der Erbsen, der Erbsentyp und das Verhältnis der Saatstärke beider Saaten (Mischungsverhältnis) zu beachten. Semi-leafless oder halbblattlose Wintererbsen sind aufgrund ihres deutlich kürzeren Wuchses und damit geringer Konkurrenzkraft im ökologischen Pflanzenbau weniger geeignet.

Gemengepartner

In einer ersten Versuchsserie an der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) wurden die vier Mischungspartner

Winterroggen, Wintertriticale, Winterweizen und Winterrübse in Kombination mit den beiden Wintererbsen EFB 33 und Pandora getestet. Beide Wintererbsen sind normalblättrig und langwüchsig. Die buntblühende EFB 33 ist nochmals massenwüchsiger und stärker in der Konkurrenzkraft. Trotzdem ist Pandora als weißblühende Erbse aufgrund geringer Tanningehalte interessant.

Im Ergebnis erwiesen sich Roggen und Triticale als Gemengepartner mit einem Gesamtertrag von 45 dt/ha (Erbse + Gemengepartner) als gut geeignet. Ein Totalausfall waren dagegen die Winterrübsen, welche mit 15 dt/ha einen schwachen Gesamtertrag brachten, der überwiegend aus Erbsen bestand. Hauptursache war die unzureichende Pflanzenentwicklung der Rübsen. Aufgrund der für Rübsen späten Saat Ende September war schon die Vorwinterentwicklung schwach und dann fehlte den Rübsen in der für Erbsen typischen Fruchtfolgestellung der Stickstoff. Auch der Mischungspartner Winterweizen war keine Alternative, da der Gesamtertrag mit 30 dt/ha deutlich schwächer ausfiel als bei den anderen beiden Wintergetreiden. Mischungsverhältnisse

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Abb.: Erträge der Gemenge-Varianten

Mischungsverhältnisse

In einer zweiten Versuchsserie wurden die beiden bewährten Wintergetreide Roggen und Triticale in drei verschiedenen Mischungsverhältnissen mit den beiden Erbsen EFB 33 und Pandora getestet. Die Saatgutmenge für Pandora wurde im Vergleich zu EFB 33 aufgrund der geringeren Konkurrenzkraft erhöht (siehe Tabelle auf Seite 71). Alle drei Mischungsverhältnisse erzielten mit 45 bis 50 dt/ha ordentliche Erträge (siehe Abbildung). Der Getrei-

deertrag fiel im Gemenge 1 mit niedriger Getreide-Saatdichte um etwa 20 % geringer aus als in den Gemengen 2 und 3. Andererseits war der Erbsenertrag im Gemenge 1 erhöht. Ursache war die geringere Konkurrenz für die Erbsen aufgrund des niedrigeren Getreideanteils. Damit können Praktikerinnen und Praktiker steuern, ob ein höherer Getreideertrag oder ein höherer Erbsenertrag erreicht werden sollte. Zwischen Gemenge 2 und 3 lagen ertraglich keine signifikanten Unterschiede vor. Da Gemenge 3 eine

geringere Saatstärke bei beiden Gemengepartnern hat, können damit Saatgutkosten eingespart werden.

Triticale erwies sich als der ertragreichere Gemengepartner. Sowohl der Getreide- als auch der Erbsenertrag waren höher als mit dem Gemengepartner Roggen. Der Gesamtertrag mit Triticale fiel dabei um knapp 15 % höher aus.

Trotz höherer Saatstärken zeigte Pandora mit durchschnittlich 10 dt/ha um 40 % niedrigere Erbsenerträge als EFB 33. Zwar war mit Pandora der Getreide- und der Gesamtertrag höher, aber die Erbsenanteile fielen auch in Gemenge 1 mit hohem Erbsenanteil mit bis zu 30 % enttäuschend aus. Hier stellt sich die Frage, ob die Mischungsverhältnisse noch erbsenbetonter zusammengestellt werden sollten. Bei EFB 33 waren die Mischungsverhältnisse passend und lagen in Gemenge 1 bei bis zu 50 %.

Kurz & knapp

Als Mischungspartner von Wintererbsen hat sich Wintertriticale am besten bewährt. Insbesondere Rübsen, aber auch Winterweizen zeigten schwache Erträge im Gemengeanbau mit Wintererbsen. Über die Mischungsverhältnisse konnte die Zusammensetzung des Erntegutes gesteuert werden. Mit geringerem Getreideanteil beim Saatgut stieg der Erbsenertrag, mit höherem Getreideanteil erhöhte sich der Getreideertrag. Bei EFB 33 passten die geprüften Gemengeverhältnisse gut, während bei Pandora das Erntegut zu Getreide-lastig ausfiel. Hier sind zum Erzielen guter Erbsenerträge vermutlich noch erbsenbetontere Mischungen

Im Vordergrund vorne links die weißblühende Pandora, im Hintergrund die massenwüchsigere, buntblühende EFB 33 im Gemenge mit Triticale.
Fotos: Goldberger, Urbatzka

BERATERTIPP

Katharina Matull

Beratung für Naturland k.matull@ naturland-beratung.de

Nachbau-Saatgut auf Steinbrand untersuchen!

Weizensteinbrand und Zwergsteinband sind gefährliche Pilzkrankheiten im ökologischen Getreideanbau. Auch wenn sie im Bestand nicht auffällig sind, können sich Sporen auf der Fläche und über die Ernte- und Lagerkette verteilen.

Weizensteinbrand befällt neben Weizen auch verwandte Arten wie Dinkel, Triticale, Emmer und Einkorn. Befallene Partien sind schwierig bis gar nicht zu vermarkten oder zu verfüttern, häufig ist die Biogasanlage die letzte Verwertungsmöglichkeit. Gefährlich kann aber auch latenter Befall werden, der weder im Bestand noch bei der Ernte wahrgenommen und auch in der Vermarktung nicht beanstandet wird – vor allem dann, wenn solche Partien wieder zur Aussaat kommen.

Weizensteinbrand verbreitet sich hauptsächlich über das Saatgut. Besonders bei eigenem Nachbau besteht ein erhöhtes Risiko für einen Befall. Aber auch ZSaatgut kann betroffen sein, da eine Untersuchung auf Brandsporen nicht gesetzlich vorgeschrieben ist. Klären Sie daher vor dem Kauf, ob das Saatgut auf Brandsporen untersucht ist und welche Grenzen eingehalten werden.

Der eigene Nachbau sollte jedenfalls zügig untersucht werden, denn es kann bis zu sechs Wochen dauern, bis das Ergebnis da ist. Die Untersuchung auf Brandsporen wird von verschiedenen (staatlichen) Laboren angeboten. Einige Labore unterscheiden dabei aber nicht zwischen den beiden unterschiedlichen Arten (Steinbrand und Zwergsteinbrand), die jeweils etwas andere Gegenmaßnahmen erfordern.

Für die untersuchte Partie gilt: Ein Besatz bis zu zwanzig Spo-

ren pro Korn gilt als tolerierbar. Dennoch kann eine vorbeugende Saatgutbehandlung mit Tillecur® oder Cerall® sinnvoll sein, je nach Anfälligkeit der Getreidesorte. Auch wenn bereits eine Steinbrand-Vorgeschichte vorliegt, kann dies ratsam sein, um ein weiteres Aufschaukeln des Sporendrucks zu verhindern. Bei mehr als zwanzig Brandsporen pro Korn sollte das Saatgut unbedingt behandelt werden. Bei einem Besatz von mehr als 100 Brandsporen pro Korn raten wir von der Verwendung als Saatgut ab.

Verfahren der Saatgutbehandlung finden Sie hier: Tipp

Weitere Infos zu Weizenstein- und Zwergsteinbrand im Öko-Landbau und Versuchsergebnisse zu verschiedenen

Foto: Naturland / Sabine Bielmeier

Preis für Silomais

Wetterextreme wie Trockenheit oder zu viel Regen bedingen oft geringere Futterbauerträge und können zu Knappheiten führen. Dann wird Körnermais in Regionen mit Futterbedarf häufig als Silomais geerntet. Wie eine angemessene Preisfindung unter Landwirten erfolgen kann, beleuchtet dieser Artikel.

Eine Preismeldung für Silomais gibt es bislang nicht. Ausgehend von einer einigermaßen realistischen Ertragseinschätzung und der Einsparung von Drusch, Trocknung und Transport beim Körnermais kann ein Preis von stehendem Silomais jedoch relativ gut abgeschätzt werden.

Zur Preisfindung wird der Marktwert von Körnermais der kom-

menden Ernte geschätzt. Dazu muss eine möglichst realistische Ertrags- und Preisannahme getroffen werden – was natürlich nicht immer ganz einfach ist.

Silomaisertrag umrechnen

Falls der Körnerertrag schwierig zu schätzen ist, kann der Hektarertrag des Silomaises durch

Kipperwiegung und Messung des Trockenmassegehaltes (TM) auf den Körnermaisertrag umgerechnet werden. So wird vom Silomaisertrag auf den Körnermaisertrag geschlossen: Bei einem ermittelten Silomaisertrag von z. B. 400 dt/ha nach Kipperwiegung mit 32 % TM lässt sich ein Silomais-Trockenmasseertrag von 128 dt/ha errechnen. Bei einem Trocken-

Foto: Agrarfoto

Preiskalkulation stehender Silomais ausgehend vom Körnermais-Marktwert

Einsparung

Geschätzter Ertrag Körnermais (14 % Feuchte)

Preis netto ab Station Marktwert pro ha

abzgl. Druschkosten

abzgl. Trocknungskosten, 6,30 €/dt trockene Ware1

Verlust bei Abfuhr

abzgl. Transport 2 Strohwert 3 Wert pro ha stehender Mais

35

1) Ernte bei 32 % TM, Endfeuchte 86 % TM 2) Transport vom Feld zur Trocknung und zum Lager

3) Nährstoffwert des Strohs von 1,50 €/kg für P2O5, K 2O und MgO und 2,50 €/kg N bei 25 % N-Ausnutzung, Nährstoffgehalt aus Gelbem Heft (Leitfaden für die Düngung)

masse-Verhältnis Körnermais zu Silomais von 1 : 2,1 ergibt das 61 dt/ha Körner-Trockenmasse. Mit 14 % Wasser, also 86 % Trockenmasse im Korn, entspricht das einem Körnermaisertrag von 71 dt/ha.

Marktwert von Körnermais

Erfolgt die Preisfindung für den Silomais über den Marktwert von Körnermais, müssen verschiedene Annahmen getroffen werden. Im Beispiel der Tabelle wird von 35 Euro/dt netto für trockenen Körnermais mit 14 % Feuchte ausgegangen; das entspricht einem mittleren Durchschnittspreis über die Jahre. Die Druschkosten werden mit 180 Euro/ha inklusive Diesel angenommen und die Trocknungskosten mit circa 5 Euro/dt feuchter Ware mit 32 % Wasser oder 6,30 Euro/dt auf die trockene Ware bezogen. Transporte vom Feld zur Trocknung und anschließend zum Lager werden mit circa 1 Euro/dt veranschlagt, bezogen auf die trockene Ware. Kosten für Lagerung, Transport, Trocknung und Drusch sowie ein

Lagerrisiko entstehen beim Verkauf als stehender Silomais ab Feld nicht und können deshalb vom Marktwert des Körnermaises abgezogen werden. Bei Abfuhr der Gesamtpflanze geht allerdings der Nährstoff- und Humuswert des Körnermaisstrohes verloren und muss als Kosten-Faktor angesetzt werden. Eine monetäre Bewertung kann über die entzogenen Nährstoffe erfolgen. Dabei wird ein Pauschalpreis von je 1,50 Euro/ kg netto für Phosphor, Kali und Magnesium und 2,50 Euro/kg für Stickstoff (mit nur 25 % Ausnutzung) angenommen. Mit den Inhaltswerten für Maisstroh (2 kg/t P 2O5 und 20 kg/t K 2O, 4 kg/t MgO und 2,25 kg/t N 25 %) kommt der in der Tabelle angesetzte Strohwert zustande. Die anfallende Strohmenge entspricht dem 1,1-fachen vom Körnerertrag bei 86 % TM. Die verschiedenen Einflussparameter können bzw. sollten je nach Preis- und Kostenentwicklung entsprechend angepasst werden.

Ein weiterer Vorteil: Wenn die Fläche früh geräumt wird, kann

Ewald Pieringer

Beratung für Naturland e.pieringer@ naturland-beratung.de

dies eine zeitgerechtere Ansaat der Folgekultur ermöglichen. Und in betroffenen Lagen könnten mit der Silomaisbeerntung auch Schwarzwildprobleme entschärft werden.

Transparente Preisfindung

In der Region können bei Futterknappheit Maisbestände als Silomais geerntet und so Futternotstände verhindert oder reduziert werden. Die erläuterten Überlegungen bieten eine Hilfestellung zur möglichst transparenten Preisfindung unter Landwirten. Die Beratung für Naturland kann dabei gerne unterstützen.

AUTOR

AUTORIN

Franziska Blind

Beratung für Naturland f.blind@ naturland-beratung.de

Feldgemüse Zwischenfrucht

Zwischenfrüchte erbringen viele Leistungen, die sie im Öko-Landbau unentbehrlich machen. Es können aber auch unerwünschte Nebeneffekte auftreten. Gerade im kostenintensiven Feldgemüseanbau sollten diese beachtet werden, damit die positive Wirkung der Zwischenfrüchte intensiv genutzt werden kann.

Zwischenfrüchte sind ein wichtiges Element in den Fruchtfolgen des Öko-Landbaus. Das gilt auch im Feldgemüseanbau. Hier muss aber genau abgewogen werden, ob der Zwischenfruchtanbau neben seinen positiven Effekten auf Bodengesundheit und Pflanzenernährung nicht auch unerwünschte Nebeneffekte hat. Diese können den kostenintensiven Anbau von Feldgemüse unter Umständen erschweren oder sogar verteuern.

Bodenleben – Fluch und Segen

So viel Freude uns das Bodenleben mit der Umwandlung organischer Substanz in Pflanzennährstoffe machen kann, so viel Ärger kann es uns im Einzelfall auch mal bereiten. Das trifft besonders auf frühe Säkulturen wie Zwiebeln oder Zuckerrüben zu. Der Boden ist zum Zeitpunkt der zeitigen Frühjahrssaat meist noch kalt und im besten Fall kommt er

1 In Frühsaaten wie der Zwiebel können durch die vorhergehende Zwischenfrucht auch Schädlinge zum Problem werden.

2 Wird nach der Zwischenfrucht Weißkraut angebaut, sollte auf Kreuzblütler in der Zwischenfrucht verzichtet werden, da ansonsten der Kohlerdfloh das Weißkraut befällt.

3 Für Frühsaaten eignen sich abfrostende Zwischenfruchtmischungen besser.

noch feucht aus dem Winter. Gerade dann dauert das Auflaufen der Säkulturen länger und Destruenten, die wir zur Umsetzung von organischer Masse im Boden brauchen, können zu Schädlingen werden. Ein Beispiel ist der getüpfelte Tausendfüßler. Tritt er in Massen auf, weil vor der Kultur viel organische Substanz in den Boden eingebracht wurde, kann er sich auch über die Keimlinge früher Saaten hermachen. Von der sogenannten „grünen Brücke“, die nicht selten etwas einseitig positiv präsentiert wird, profitiert auch und im Besonderen der Drahtwurm. Er kann im Sommer bei der Stoppelbearbeitung nach Getreide mit mehrmaliger Bodenbearbeitung bekämpft oder zumindest reguliert werden. Dies steht aber in einem Zielkonflikt mit einer Zwischenfruchtansaat. In vielen Zwischenfruchtmischungen finden sich auch Vertreter der Familie der Kreuzblütler wie Senf, Ölrettich und Kresse, die der Kohlerdfloh gerne frisst. Soll auf demselben Feld im Folgejahr z. B. Weißkraut angebaut werden, hat man den Schädling schon vorab „an den gedeckten Tisch geladen“. Gleiches gilt für den Rübenerdfloh, der auf Vertreter der Familie der Knöterich- und Gänsefußgewächse spezialisiert ist, zu der auch Buchweizen zählt. Auch Nematoden können unter bestimmten Bedingungen durch Zwischenfruchtanbau gefördert werden. Wer hier schon mal Probleme hatte, sollte auch und im Besonderen darauf seinen Zwischenfruchtanbau ausrichten.

Vor Feinsämereien wie der Zwiebel sollte der Boden im Frühjahr nur noch auf Saathorizont bearbeitet werden. Da aber keine über den Winter stehende Zwischenfrucht so flach eingearbeitet werden kann, sollten abfrierende Komponenten gewählt werden.

Durchwuchs vermeiden

Bei der Auswahl der Zwischenfruchtkomponenten muss insbesondere bei Mischungen auch darauf geachtet werden, dass einzelne Zwischenfrucht-Arten nicht aussamen und in den Folgejahren durchwachsen. Das würde die ohnehin teure Handarbeit zur Unkrautregulierung noch erschweren und verteuern. Ein gutes Beispiel dafür ist die Winterwicke: Während die pannonische Wicke unproblematisch ist, bildet die Zottelwicke hartschalige Samen aus, die mit hoher Wahrscheinlichkeit ungewollt im Folgejahr wieder auskeimen. Auch Weidelgras sollte, wenn in der Zwischenfrucht genutzt, nicht bis zur Samenreife stehen gelassen werden. Hat man einmal Weidelgras im Bestand, kostet es viel Zeit und Geld, es wieder loszuwerden. Ähnliches gilt für Buchweizen: Bei früher Saat oder zu langer Standzeit kann auch dieser abreifen und in den Folgejahren immer wieder als Beikraut auf dem Acker auftauchen. Die Liste ließe sich fortset-

zen. Der an sich positive Trend, immer vielfältigere Mischungen mit immer mehr Komponenten auszusäen, kann zum Pferdefuß werden, wenn die unterschiedliche Abreife der einzelnen Komponenten und ein mögliches Aussamen der frühen Art(en) nicht beachtet wird.

Saatgutherkünfte prüfen

Gerade abfrierende Komponenten wie Ramtillkraut oder Sommer-Kleearten werden aufgrund der klimatischen Bedingungen nicht bei uns in Deutschland vermehrt. Dies birgt ungeahnte Gefahren (nicht nur) für Feldgemüseanbauer. Unseriöse Saatgutherkünfte können neben den bestellten Samen „blinde Passagiere“ wie Portulak, Kleeseide oder Stechapfel in den Bestand einschleppen. Meist hat man die Zwischenfrucht weniger im Blick als die teuren Hauptkulturen und übersieht so leicht, dass solch unerwünschte Begleitpflanzen vorhanden sind. Einmal in die Fläche eingebracht und nicht rechtzeitig erkannt bzw. besei-

tigt, können sie massive Probleme verursachen. Portulak zum Beispiel hält das in der Pflanze enthaltene Wasser sehr gut und lange und übersteht deswegen Regulierungsmaßnahmen oft besser als gewünscht: Auch ausgehackt kann er noch längere Zeit wieder anwurzeln. Zudem produziert die Pflanze sehr viele kleine, unscheinbare Blüten und Samen – ähnlich der Kleeseide. Als Vollschmarotzer produziert Kleeseide kein eigenes Chlorophyll und entzieht der Wirtspflanze Wasser und Nährstoffe. Die Vielzahl möglicher Wirtspflanzen und die doch sehr weitreichenden negativen Folgen auf deren Wachstum machen sie gerade im Öko-Landbau zu einem „heißen Eisen“, mit dem nicht vorsichtig genug umgegangen werden kann (siehe NN 02-2024). Auch hier können einzelne, übersehene Pflanzen zu viel Ärger in den Folgejahren führen. Der Gemeine Stechapfel enthält Tropanalkaloide und ist somit giftig. Besonders in Druschkulturen und beim Anbau frischer Kräuter führt eine uner-

Als Vollschmarotzer produziert Kleeseide kein eigenes Chlorophyll und entzieht der Wirtspflanze – hier Rote Bete – Wasser und Nährstoffe.

wünschte Kontamination bei der Ernte durch Pflanzenteile oder Pflanzensaft des Stechapfels zu Problemen, da hier Grenzwerte zum Schutz der menschlichen Gesundheit eingehalten werden müssen.

Wann ist der geeignete Umbruchtermin?

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Vorgaben – an vorgegebene Termine gebunden. Doch gerade für Feinsämereien wie die Zwiebel ist ein ebenes und feines Saatbeet für die Aussaat entscheidend für den Anbauerfolg. Strukturschäden verzeiht diese empfindliche Kultur nicht. Um einen zu hohen Wasserverlust zu vermeiden, sollte der Boden theoretisch im Frühjahr nur noch auf Saathorizont bearbeitet werden. So flach kann aber keine über den Winter stehende Zwischen-

frucht eingearbeitet werden. Daher sollten auf jeden Fall abfrierende Komponenten gewählt und je nach Vorgabe auch bereits mit Mulchgerät oder Messerwalze vor dem Einarbeiten zerkleinert werden.

Was tun bei Disteln?

Disteln und anderen Wurzelunkräuter sind der Schrecken jedes Sonderkulturbetriebes. Sie sind schwer zu bekämpfen und

Bei der Wahl der Zwischenfruchtmischungen sollte auf die Einzelkomponenten geachtet werden. Beim Anbau derselben Pflanzenfamilie ist schnell klar, dass hier Fruchtfolgekrankheiten zum Problem werden können.

müssen im Bestand für viel Geld händisch entfernt werden. Zudem haben sie eine starke Konkurrenzkraft und überwachsen schnell die meist eher konkurrenzschwächere Hauptkultur. Die Distel wurzelt sehr tief und kann aus ihrem starken Wurzelsystem immer wieder neu austreiben, in tieferen Bodenschichten kann ihr kaum jemand Wasser und Nährstoffe streitig machen. Selbst Luzerne muss mindestens drei Jahre stehen, um die Distel zu bedrängen. Tiefwurzelnde Zwischenfruchtkomponenten wie Ölrettich dringen zwar weit in den Unterboden vor, etablierte Distelstellen im Acker sind damit aber wenig zu beeindrucken. Daher stellt sich bei Distel-problematischen Äckern grundsätzlich die Frage nach der Anbauwürdigkeit teurer Hackkulturen. Sollte es aber unumgänglich sein und eben absehbar, dass Disteln zum Problem werden können,

erscheint eine mehrmalige Bodenbearbeitung sinnvoller als der Anbau von Zwischenfrüchten. In deren Bestand kann sich die Distel nicht selten sogar noch weiter ausbreiten, wenn er nicht sehr konkurrenzstark ist und zügig „dicht macht“. Die Klimaänderung ist hier jedoch ein zunehmender Unsicherheitsfaktor.

Fruchtfolgekrankheiten

Beim Anbau derselben Pflanzenfamilie hintereinander ist schnell klar, dass Fruchtfolgekrankheiten zum Problem werden können. Es gibt aber auch Pilze und Schädlinge, die sich leider nicht nur auf eine bestimmte Pflanzenfamilie konzentrieren. Ein Beispiel ist der Pilz Sclerotinia sclerotiorum. Er verbreitet sich überwiegend über den Boden und hat einen sehr weiten Wirtspflanzenkreis, zu dem Sonnenblume, Soja und Kartoffeln als

Die Bayerische Landesanstalt für Wein- und Gartenbau hat verschiedene Einzelkomponenten und Zwischenfruchtmischungen zu verschiedenen Aussaatterminen getestet. Sie finden den Versuchsbericht unter www. hortigate.de.

Ackerbaukulturen sowie Gemüse wie Rote Bete, Karotten und Kohl gehören. Die markanten schwarzen Dauersporen des Pilzes (Sclerotien) können zwischen sieben und zwölf Jahre (unterschiedliche Angaben in der Literatur) im Boden überdauern und so mehrere Jahre in Folge in verschiedenen Kulturen zum Problem werden. Daher sollte auch hier bei der Wahl der Zwischenfrucht-Mischungen auf die Einzelkomponenten und deren Anfälligkeit auf Sclerotinia geachtet werden.

Foto: Franziska Blind, Agrarfoto
Tipp

Naturland

BIO-WARENBÖRSE

BIETE / VERKAUFE PFLANZLICHE

PRODUKTE, FUTTERMITTEL

Heulage; Inge Behrendt; 21710 Engelschoff; Tel.: 04144 8859

U-Ware Weizen, Gerste, Triticale, Hafer, Mais, Ackerbohne; Jakob Buse; 23617 Arfrade; Tel.: 0176 22954261

gedroschenen Feuchtmais A-Ware ab Ernte 24; Heinrich Aue; 31177 Harsum; Tel.: 0170 9019514

Heu in Rundballen und in Quaderballen; Dettmer; 31718 Pollhagen; Tel.: 0162 9198498

Heu & Grassilage Ernte24; Angelika und Hugo Althaus; 35099 Burgwald; Tel.: 0172 5732409

Rundballenheu; Dieter Müller; 35460 Staufenberg; Tel.: 06406 71975

Heu; Füg; 36367 Wartenberg; Tel.: 0170 1261501

Weizen oder Triticale Stroh; Silke und Rainer Vogel; 61130 Nidderau; Tel.: 0160 4676796

Heu 1.Schnitt 2023 ca. 15 Ballen; Silke und Rainer Vogel; 61130 Nidderau; Tel.: 0160 4676796

15 ha Luzernegras 3. Schnitt ab Feld Mitte Juli; Silke und Rainer Vogel; 61130 Nidderau; Tel.: 0160 4676796

Silomais; Burkhard Reutzel; 63688 Gedern; Tel.: 0175 8840156

Roggen; Jakob Rothmeier; 82065 Baierbrunn; Tel.: 08979 31530

Heu Rundballen 2. Schnitt 2024; Christian Hofmann; 83043 Bad Aibling; Tel.: 0173 3806891

U-Ware 5 ha Erbse Protecta 2024; Johannes Limmer; 85395 Attenkirchen; Tel.: 0176 22906714

Heu, 1. Schnitt; Brandmair; 85737 Ismaning; Tel.: 0178 1562404

Weizen (Carusum) & Körnermais (Amavit); Robert Reth; 86441 Vallried; Tel.: 0175 2463850

Heu und Silage; Stocker Markus; 86704 Tagmersheim; Tel.: 0157 31808256

Weizen Stroh; Stefan Zekl; 86747 Maihingen; Tel.: 0151 1210 5964

Heu, Quaderballen; Robert Wüst; 86753 Möttingen; Tel.: 0177 4740093

Grassilage; Ralf Arnold; 88175 Scheidegg; Tel.: 0151 2244 5593

Futtererbsen A-Ware; Michael Süß; 89362 Offingen; Tel.: 0160 90717036

40 Rundballen Heu, Spende für Flutopfer; Schmitt; 91466 Gerhardshofen; Tel.: 0173 9042171

60 Heulageballen, 1 Jahr alt -für Flutopfer kostenlos; Christian Beierl; 92637 Weiden; Tel.: 0160 8562758

Futtergerste U1-Ware; Gerhard Froschhammer; 93055 Regensburg; Tel.: 0171 7602711

Körnermais und Futterweizen AWare, Gerste U-Ware E24; Reisinger; 93093 Donaustauf; Tel.: 0160 97222818

Grassilage; Michael Weindl; 94244 Geiersthal; Tel.: 0151 50447084

Heu und Strohballen; Andreas Heckendorf; 94569 Stephansposching; Tel.: 0171 7532 132

Heu Rundballen; Norman Biering; 95192 Lichtenberg; Tel.: 0151 5855 5043

Kleegras Siloballen & Aufwuchs 3. Schnitt Kleegras und Wiesen; Julia Hartmann; 95460 Bad Berneck; Tel.: 0171 3455408

Heu oder Silo Luzerne; Benedikt Böhm; 97464 Niederwerrn; Tel.: 0151 22556686

Fläche zum Abweiden; Roland Brand; 97717 Aura; Tel.: 09704 6207

BIETE / VERKAUFE ZUCHTVIEH, NUTZVIEH

Schwarzköpfiges Fleischschaf (SKF): Deck-Böcke; Beate Künneke; 33165 Lichtenau; Tel.: 05295 8015

Legereife Junghennen aus eigener Aufzucht Dekalb (weiß) und Lohmann Sandy (creme) ab Mitte August 2024; Fabian Häde; 36211 Alheim-Heinebach; Tel.: 05664 930930

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Weitere Infos unter www.einboeck.at/red-summer

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* Rabatthöhe abhängig vom Bestellzeitpunkt und Maschinentyp

ÖTZ Bruderhähne; Josef Freitag; 48163 Münster; Tel.: 02536 8528

12 Fleckvieh/ Limousin Jungbullen & 11 Kalbinnen, die im Juli- August abkalben; Andreas Aller; 56244 Maxsain; Tel.: 02626 8146

Deckbullen; Christian Zimmermann; 64760 Oberzent/ Beerfelden; Tel.: 0157 85507975

Jungputen Lohnaufzucht nach Naturland-Richtlinien. Habe noch Kapazitäten frei; Hofspezialitäten Lojdl Agrar GbR; Tel.: 0172 2729334

Rinder; Josef Birkle; 79286 Glottertal; Tel.: 0152 08887240

Angus Absetzer und Färsen trächtig nur zur Zucht & Angus-Jungbullen rot und schwarz zur Zucht; Lothar Kempfle; 89312 Günzburg; Tel.: 0170 6341650

Jungsauen/Zuchtläufer; Stefan Rothammer; 94372 Rattiszell; Tel.: 09964 225318

BIETE SONSTIGES

Gerstenstroh Rundballen 1,50 m; Jakob Buse; 23617 Arfrade; Tel.: 0176 22954261

Hähnchenmasthütte; Dettmer; 31718 Pollhagen; Tel.: 0162 9198498

Abgepresste Gärreste Ökogasanlage; Matthias Krampe; 46286 Dorsten; Tel.: 0163 2864121

Gärreste fest und flüssig; Hermann Meyer zu Reckendorf; 49176 Hilter; Tel.: 0174 9575045

„Öko Champost“ - abgeerntetes Champignonsubstrat; Tegeler; 49685 Emstek; Tel.: 04473 94100

Mittelwände Zander; Holger Weiß; 61130 Nidderau; Tel.: 0151 15240492

Salbei (trocken oder frisch); Dirk Krämer; 65618 Selters; Tel.: 0171 2204784

Insektenschutznetz 13 m x 100 m; 3 Rollen; Fichtner; 73540 Heubach; Tel.: 0179 7608029

Eier-Nudeln für Wiederverkäufer; Daniela Gauß; 88239 Neuravensburg; Tel.: 07528 927110

Gewalzte Mittelwände in Zandermaß; Roland Brand; 97717 Aura; Tel.: 09704 6207

SUCHE PFLANZLICHE PRODUKTE, FUTTERMITTEL

Ackerbohne, Lupine; Matthias Krampe; 46286 Dorsten; Tel.: 0163 2864121

KuLaP Heu; Anna-Maria Bissinger; 86690 Mertingen; Tel.: 09078 321

SUCHE ZUCHT-/ NUTZVIEH

Kalbinnen oder Jungkühe; Georg Berwanger; 83629 Großpienzenau; Tel.: 08025 7516

SUCHE SONSTIGES

Nackthafer, Nacktgerste, Einkorn, Emmer, Lichtkornroggen im Bigbag; Udal Wiederhold; 27386 Brockel; Tel.: 04266 505

Pflegeschlepper; Thorsten Gröb; 35274 Kirchhain; Tel.: 06422 8500038

Nordzucker Liefervertrag; Oliver Rollwage; 38279 Sehlde; Tel.: 0177 3690117

BIO-HTK, Bio-Stroh in Quaderballen - keine Umstellungsware, Bio-Hühnermist (auf Späne oder Stroh); Tegeler; 49685 Emstek; Tel.: 04473 94100

STELLENMARKT

Wir suchen zum frühestmöglichen Eintrittstermin einen Landwirt (m/w/d) in Vollzeit; Stefan Bidenbach, Klostergut Scheyern; 85298 Scheyern; Tel.: 0151 57569072

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Die unabhängige Fachzeitschrift für ökologische Land - und Lebensmittelwirtschaft

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Beiträge, Interviews, Meinungen aus Praxis, Forschung und Beratung

Ein Schwerpunktthema ( Generationswechsel, Bi o 3.0, Bäuerliche Landwirtschaft, Weltmarkt Bio,…) Fachartikel aus Pflanzenbau,Tierhaltung, Ernährung, Verarbeitung, Handel, Forschung … Interviews mit dem Nachwuchs der Biobranche Serviceteil

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