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Naturland Nachrichten 2/2026

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Naturland

Fachinformationen für den Öko-Landbau NACHRICHTEN

WASSER IM FOKUS

Bodenbearbeitung anpassen

WEIDE

Die größten Fehler

FRUCHTFOLGE

Kleegras lohnt sich

BioAgenasol ®

Bringt alle Kulturen zum Wachsen

Organisches Düngergranulat

(NPK 5,5-3-2)

Auf rein pflanzlicher Basis

Zügige N-Freisetzung

Anwendbar in der ökologischen Produktion (FiBL gelistet)

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DE ÖKO-006

ES IST HÖCHSTE ZEIT

Frauen, die landwirtschaftliche Betriebe führen und auf den Höfen Verantwortung übernehmen, gibt es nicht erst seit dem „Internationalen Jahr der Bäuerinnen“ 2026. Gerade die Geschichte des ÖkoLandbaus ist eine ausgesprochen weibliche. Einige Frauen zählen zu den großen Pionieren des Öko-Landbaus, etwa Maria Müller oder Annie Francé-Harrar. Doch der Beitrag von Frauen zur Entwicklung des Öko-Landbaus reicht weit darüber hinaus. Viele grundlegende Fragen rund um Bodenfruchtbarkeit und gesunde Ernährung mit hochwertigen Lebensmitteln entstanden aus der praktischen Versorgungs- und Sorgearbeit von Frauen.

Neben dieser Wissens- und Entwicklungsarbeit leisten Frauen tagtäglich unverzichtbare Arbeit auf dem Feld, im Stall und im Betriebsbüro. Ihr Anteil an der landwirtschaftlichen Arbeit ist deutlich höher als jener der offiziellen Betriebsleiterinnen: Nur jeder zehnte Betrieb wird in Deutschland von Frauen geführt.

Das UN-Jahr der Bäuerinnen rückt diese Leistungen stärker ins öffentliche Bewusstsein. Noch wichtiger wäre jedoch, dass Frauen auch in den führenden Funktionen bäuerlicher Organisationen sichtbar werden – in Vorständen, Gremien und Leitungsebenen. Verhindert wird dies sehr oft durch die unzähligen Pflichten einer Bäuerin im Familienverbund. Würde neben der „produzierenden“ Arbeit am Hof auch die Sorgearbeit für Kinder, Alte, Kranke und Haushalt stärker geteilt, entstünde für viele Frauen mehr Raum, sich auch in Verbänden und Organisationen zu engagieren. Auch Naturland hat hier – wie so viele landwirtschaftliche Organisationen – großen Nachholbedarf.

Die Perspektiven von Bäuerinnen sind auf allen Ebenen der Landwirtschaft dringend gefragt. Mit dem Naturland Frauennetzwerk (Seite 14) setzt Naturland nun einen wichtigen Impuls, um Austausch, Sichtbarkeit und Engagement von Bäuerinnen weiter zu stärken. Nutzen wir also die Chance – und geben wir den Stimmen der Frauen in der Landwirtschaft mehr Gewicht. Es ist höchste Zeit!

Isabella Hiebaum Beratung für Naturland

Isabella Hiebaum

für Naturland

IMPRESSUM NATURLAND NACHRICHTEN

Herausgeber: Beratung für Naturland Öko-BeratungsGesellschaft mbH Eichethof 1, 85411 Hohenkammer Telefon: +49 (0)8137/ 6372-902 info@naturland-beratung.de www.naturland-beratung.de

Verantwortlich im Sinne des Presserechts (V.i.S.d.P): Martin Bär

Vertrieb: Regina Springer Telefon: +49 (0)8137/6372-912 r.springer@naturland-beratung.de

Anzeigen: Tanja Edbauer Telefon: +49 (0)172/3126816 t.edbauer@naturland-beratung.de

Redaktion: Roman Goldberger (leitend), Walter Zwingel redaktion@naturland-beratung.de

Titelfoto: Roman Goldberger

Grafik & Layout: Werbeagentur Oberhofer, Ingolstadt Alison Goldberger, Rainbach

Druck: Riegler Druck, Pfaffenhofen

Bezug: Die Fachzeitschrift erscheint sechsmal im Jahr im Umfang von mind. 76 Seiten. Der Bezugspreis der Naturland Nachrichten ist im Mitgliedsbeitrag enthalten.

Alle namentlich gekennzeichneten Artikel geben die Meinung des Verfassers wieder. Die Beiträge sind urheberrechtlich geschützt. Nachdruck ist nur mit schriftlicher Genehmigung der Redaktion zulässig.

Wir formulieren in unseren Texten die weibliche und männliche Form aus. Wenn dies die Lesbarkeit beeinträch-

tigt, verwenden wir die generische Form – diese schließt Frauen dann selbstverständlich ein.

DER UMWELT ZULIEBE

Die Naturland Nachrichten werden aus Recyclingpapier (Blauer Engel) und mit natürlichen Farben ohne Mineralöl hergestellt. Druck und Versand erfolgen -neutral durch Kompensation. Daher darf die Zeitschrift – als Ganzes – den Blauen Engel tragen.

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14 WASSER IM FOKUS

Welche Hebel jetzt in Bewegung zu setzen sind

20 ERFOLGREICH IM TROCKENGEBIET

Naturland Betrieb Schleinzer in Niederösterreich

24 FRUCHTFOLGE IM WANDEL

Dem Klimawandel mit neuen Strategien begegnen

27 FELDGEMÜSE

Tipps zur Beregnung

28 KARTOFFEL

Beregnungsmenge richtig berechnen

30 PORTRÄT

Beregnung am Naturland

Betrieb Schäfer-Meyer

34 AGROFORST & KEYLINE-DESIGN

Werkzeuge im Kampf gegen die Trockenheit

38 WASSER FÜR DEN WEIN

Anpassungsmaßnahmen im Bio-Weinbau

42 NATURLAND & WASSER

Alexander Koch und Tom Mitschi im Interview

45 WASSERMANAGEMENT IN INDIEN

Naturland Betrieb Mother India Farms

MARKT & VERMARKTUNG

48 MARKT-KOMMENTAR

Vertrauen und Wachstum

50 BIO-MILCH, RIND & SCHWEIN

Bio-Rindfleischmarkt stabil, Schweinemarkt angespannt

51 BIO-GETREIDE

Übermengen bei Hafer, Stabilität bei Dinkel

52 BIO-SONDERKULTUREN

Gute Nachfrage nach Sojabohne und Sonnenblume

53 MARKTGEFLÜSTER

Neues von der Naturland

Zeichen GmbH

RIND & GRÜNLAND

54 WEIDE

Die größten Fehler im Weidemanagement

58 UNERWÜNSCHTE PFLANZEN

Herbstzeitlose erkennen und richtig regulieren

62 BERATERTIPP

Praktische Tipps gegen den Scharfen Hahnenfuß

63 SCHADNAGER & CO

Wühlmaus, Feldmaus und Maulwurf – wirksame Maßnahmen im Bio-Grünland

SCHWEIN & GEFLÜGEL

64 ENTEN-PRODUKTION

Naturland Betrieb Forstner im Porträt

69 EIWEISS AUS… Luzerne, Insekten und Fischmehl

ACKERBAU & TECHNIK

72 KLEEGRAS LOHNT SICH … sogar ohne Nutzung

76 PARALLEL-FAHRSYSTEME Fahrer entlasten und Überlappungen verhindern

6 POLITIK & VERBAND Aktuelles rund um Naturland

8 BIOFACH

Naturland auf der BIOFACH

12 NATURLAND FRAUEN-NETZWERK

Interview mit Naturland Delegierter Marina Grölz

KOMMENTAR

von Marcus Nürnberger Naturland e.V.

Machen Sie Lärm gegen Gentechnik in Lebensmitteln! Denn in diesem Frühjahr droht die Zustimmung des EU-Parlaments zu einer Deregulierung des Gentechnikrechts. Für einen bedeutenden Teil gentechnischer Veränderungen soll zukünftig allein eine Kennzeichnung des Saatguts gelten. Weder Anbauregister noch Kennzeichnung der Ernte sind geplant. Gleichzeitig droht durch die dann mögliche Patentierung das Ende einer unabhängigen Lebensmittelversorgung. Wenn Patente auf Pflanzen und Tiere zur Regel werden, bekommen wenige international agierende Konzerne Zugri auf die gesamte Wertschöpfungskette und jeden Saatguttank. Auf dem Spiel steht unsere unabhängige Lebensmittelversorgung: Noch könnten die Europaparlamentarier das verhindern. Hier können Sie Ihre Stimme erheben:

GEMEINSAM BODEN GUT MACHEN

Im Rahmen des Förderpreises „Gemeinsam Boden gut machen“ können sich Landwirtinnen und Landwirte aus Deutschland bewerben. Teilnehmen können Betriebe, die an einer Umstellung auf Ökolandbau interessiert sind oder Unterstützung benötigen, um ihre ökologisch bewirtschaftete Fläche zu vergrößern. Der Wettbewerb soll die Betriebe bei der Umstellung auf den Ökolandbau finanziell unterstützen. Der Förderpreis ist ein Projekt des Naturschutzbund Deutschland. Die neue Bewerbungsrunde startet am 1. April 2026. Ge-

sucht werden Betriebe, die ihren gesamten Betrieb auf Bio umstellen oder umgestellt haben und ab dem 1. Januar 2024 einem Verband beigetreten sind. Außerdem müssen sie mindestens weitere fünf Jahre lang ökologisch wirtschaften. Auch bereits länger umgestellte Betriebe können sich bewerben, wenn sie einen neuen Betriebszweig aufbauen möchten, der mindestens 30 % Flächenzuwachs ausmacht. Weitere Informationen sind unter www.nabu.de/abbi oder bei Sonja Straß (s.strass@naturland. de) erhältlich.

NATURLAND FÖRDERPROGRAMM ARTENVIELFALT WÄCHST

Was 2023 als Pilotprojekt auf zehn Naturland zertifizierten

Höfen mit finanzieller Unterstützung von ALDI SÜD und ALDI Nord begann, ist heute eine der größten Initiativen zur Förderung von Biodiversität. Im Jahr 2026 beteiligen sich fast 1.000 Naturland Betriebe aus Deutschland und Österreich –so viele wie noch nie zuvor. Sie setzen auf ihren Flächen gezielte Maßnahmen zum Schutz von Lebensräumen und Arten um. Dazu gehören überjährige Schutzstreifen und Sommer-Rückzugsorte im Grünland, wildtierfreundliche Nutzung von Klee- und Luzernegras, überwinternde Zwischenfrüchte als Nahrungs- und Lebensraum sowie Hecken zur Vernetzung von Biotopen.

Für ihr Engagement werden die Betriebe dieses Jahr im Durchschnitt 2.500 bis 3.000 Euro er-

halten. Insgesamt wurden seit Beginn der Pilotphase im Jahr 2023 bereits mehr als sechs Millionen Euro an die teilnehmenden Naturland Betriebe ausgezahlt, das ist zusätzliches Geld für die Landwirtschaft aus der Wirtschaft.

Das Programm zeigt damit eindrucksvoll, wie Biodiversitätsmaßnahmen und ökologische Landwirtschaft erfolgreich miteinander verbunden werden

BIO-NACHFRAGE WÄCHST UMSTELLUNG BLEIBT ZURÜCK

Die Nachfrage nach Bio-Lebensmitteln ist 2025 weiter gestiegen. Laut Branchenreport des Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW), der auf der Biofach vorgestellt wurde, wuchs der Bio-Umsatz in Deutschland auf 18,23 Milliarden Euro – ein Plus von 6,7 % gegenüber dem Vorjahr. Bio bleibt damit ein stabil wachsender Markt. Gleichzeitig zeigt sich jedoch ein Problem: Das Angebot kann mit der steigenden Nachfrage nur begrenzt Schritt halten. So wuchs die Öko-Fläche 2025 lediglich um 1,1 %. Insgesamt wurden 11,7 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche in Deutschland ökologisch bewirtschaftet.

Etliche Verbände verloren Betriebe, Naturland zeigte hingegen auch 2025 ein leichtes

Wachstum: So stieg die nach Naturland Richtlinien bewirtschaftete Fläche in Deutsch-

land um 2,8 % auf rund 365.000 Hektar. Knapp 10.000 Hektar wurden neu umgestellt, die Zahl der Betriebe stieg um 2,2 %.

Das Wachstum bleibt damit jedoch deutlich hinter dem Marktpotenzial zurück. Ein wichtiger Grund ist die in Teilen schwierige Markt- und Preissituation in der Bio-Landwirtschaft. In einzelnen Produktbereichen stehen Erzeugerpreise unter Druck, während Kosten für Betriebsmittel, Energie und Arbeit steigen. Viele Betriebe zögern daher, den Schritt in den Ökolandbau zu wagen. Hinzu kommen politische Unsicherheiten und unklare Perspektiven für die Gemeinsame Agrarpolitik nach 2027. Dabei ist eine Umstellung für Betriebe eine langfristige Investition, die Planungssicherheit erfordert. BÖLW-Vorstandsvorsitzende Tina Andres forderte daher auf der Biofach: „Höfe und Verarbeiter-Betriebe brau-

INFOTAG ÖKOLANDBAU

Am 25. Februar 2026 fand in Nordrhein-Westfalen der Infotag Ökolandbau für Umstellungsinteressierte statt. Veranstaltet wurde er gemeinsam vom Ökoteam der Landwirtschaftskammer NRW und den vier Ökoverbänden Bioland, Bio-

Die Veranstaltung bot kompakte Informationen rund um Einstieg und Praxis des Ökolandbaus. Auf dem Foto zu sehen sind Annette Alpers (Naturland), Franziska Günther (GfRs) und Hanna Fischer (Ökomodellregionen). Eine Neuauflage ist für

chen jetzt deutliche Signale aus der Politik! Zur deutschen Nachhaltigkeitsstrategie gehört das 30-Prozent-Bio-Ziel. Die Bundesregierung muss dazu die BioStrategie umsetzen.“

Nicht nur die Politik ist gefordert, Impulse müssen auch vom Markt kommen. Wie das klappen kann, erfahren Sie im Naturland Video auf unserem YouTube-Kanal. Der QR-Code führt direkt zum Video.

GAK-KÜRZUNG VORERST VOM TISCH

Kaum bekannt, schon gekippt:

Die befürchtete Kürzung der Mittel für die Gemeinschaftsaufgabe Agrarstruktur und Küstenschutz (GAK) im Jahr 2026 ist vorerst gestoppt. Nach Kritik aus Ländern und Bio-Branche stellte Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer klar, dass die GAK nicht gekürzt werden soll. Verbände begrüßen das Signal, betonen aber: Die im Koalitionsvertrag angekündigte Aufstockung der Mittel muss nun auch umgesetzt werden, damit Betriebe Planungssicherheit haben.

VIDEOTIPP

Starker Auftritt auf der biofach

Im Februar stand Nürnberg wieder für vier Tage ganz im Zeichen von Bio. Auf der Biofach, der Weltleitmesse für Bio-Lebensmittel, präsentierten sich Naturland e.V. und Naturland Zeichen GmbH zusammen mit 40 Partnern aus Verarbeitung und Handel. Einen Überblick über das bunte Messetreiben gibt unser Fotorückblick.

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1 Verbandsgespräche auf höchster Ebene: Naturland Präsident Eberhard Räder (re.) empfing seine Amtskollegen von Bio Austria und Bioland, Barbara Riegler und Jan Plagge, am Naturland Stand zum gemeinsamen Austausch.

2 Viel los bei Naturland: An der zentralen Infotheke auf der „Naturland Experience“-Fläche ging es von morgens bis abends rund. Wer etwas suchte im Naturland, war hier goldrichtig.

3 „Bio rules the Bierbank“: Unter diesem Motto moderierte Karin Romeder (li.), AHV-Expertin der Naturland Zeichen GmbH, eine Podiumsveranstaltung zu mehr Bio auf dem Münchener Oktoberfest.

4 Das Leitmotto der Biofach lautete in diesem Jahr „Growing Tomorrow: Young Voices, Bold Visions!“ Eine dieser jungen Stimmen war Klimaaktivistin Luisa Neubauer. Als KeynoteSprecherin bei der Eröffnungsveranstaltung stellte sie Bio als „das gelebte Ja zur Welt“ in den Zusammenhang der weltweiten Transformationsbewegung.

5 Die Kontaktpflege mit Naturland Partnern aus aller Welt gehört zu den wichtigsten Aufgaben auf der Messe. Hier sitzt Wilhelm Heilmann, Geschäftsführer der Naturland Zeichen GmbH (re.), mit Verantwortlichen von dm Drogeriemarkt zusammen, um neue gemeinsame Projekte zu besprechen.

6 Andrea Wagner, Vizepräsidentin der Landwirtschaftskammer Niederösterreich und Mitglied im Bio-Ausschuss der LK Österreich, traf sich zum Austausch mit Naturland Präsident Eberhard Räder (li.) und dem Naturland Geschäftsführer in Österreich, Josef Brunnbauer.

Fotos: Christoph Assmann, Sabine Bielmeier

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7 Superfood aus der Region: Beim Wettbewerb „Bayerns beste Bioprodukte 2026“ war der Biohof Lex aus Erding mit seinen „Bayerischen Chiasamen“ erfolgreich. Bernadette und Raphaela Lex nahmen die Auszeichnung von Staatsministerin Michaela Kaniber entgegen.

8 Unterhaltsame Produktkunde: Beim Live-Kochevent in der Naturland Lounge konnten die Besucher erfahren und schmecken, was man zum Beispiel aus Bio-Algen aus Naturland Aquakultur in der Küche alles zaubern kann.

9 Karin Romeder von der Naturland Zeichen GmbH (hinten) unterstützt mit ihrem Team Küchenchefs von der Menüplanung bis zur Kommunikation des Bio-Engagements an die Gäste, etwa durch das staatliche AHV-Siegel in Bronze, Silber und Gold. Auf der Messe gab’s das Bio-Zertifikat in Gold dann auch für das gastronomische Angebot am Naturland Stand.

10 Die Beratung für Naturland war Anlaufstelle für Landwirtinnen und Landwirte. Hier unsere Beraterin

Annette Alpers (re., Naturland NRW) im Austausch.

11 Rohwarenverfügbarkeit ist ein Thema, dass derzeit die meisten BioHersteller bewegt. Die Marktgesellschaft der Naturland Bauern AG sowie die Genossenschaft der Ökobauern eG als große Erzeugergemeinschaften waren am Naturland Gemeinschaftsstand dabei und konnten Antworten liefern.

12 Das Kongressprogramm der Biofach bietet Raum für Wissensaustausch und Diskussionen. Naturland war wieder mit verschiedenen Beiträgen vertreten, hier etwa eine gemeinsam mit dem „Bündnis enkeltaugliche Landwirtschaft“ organisierte Podiumsdiskussion zur Bedrohung unseres Grundwassers durch sogenannte Ewigkeitschemikalien.

13 Landesvorstände, Fachausschüsse, Anerkennungskommissionen – in den unterschiedlichsten Funktionen sind Naturland Mitglieder im Verband ehrenamtlich engagiert. Beim Ehrenamtstreffen in der Naturland Lounge kamen rund 40 von ihnen zum gemeinsamen Austausch mit dem Präsidium zusammen.

Naturland Frauennetzwerk

Frauen miteinander verbinden

Marina Grölz im Interview

Hinter jedem starken Mann steht eine starke Frau, sagt man gemeinhin so. Doch warum steht sie eigentlich dahinter? Wir wollen Frauen miteinander verbinden und sichtbarer machen. Mit einem Netzwerk für Frauen aller Altersgruppen, Regionen und Betriebsarten. Startschuss ist am Donnerstag, 30. April. Bio-Bäuerin und Naturland Delegierte Marina Grölz erklärt, worum es geht.

Fotoquelle: Agrarheute, Naturland / Christian Nusch
„Wir wollen ein beständiges Netzwerk aufbauen, um uns besser kennenzulernen, zu unterstützen und zu inspirieren.“

Marina, warum sollten sich Frauen im Naturland Frauennetzwerk zusammentun?

Wir sehen in der Vernetzung großes Potenzial. Die Pläne dazu sind bereits in der letzten Naturland Legislaturperiode des Ehrenamtes entstanden. Durch Erfahrungsaustausch kann man sich von anderen viel abschauen. Die Treffen auf der Biofach und den Ökofeldtagen sind nur der Anfang. Wir wollen ein beständiges Netzwerk aufbauen, um uns gegenseitig besser kennenzulernen, zu unterstützen und zu inspirieren.

Was erwartet die Naturland Frauen bei der Auftaktveranstaltung?

Das erste Treffen wird eine Standortbestimmung sein, um zu schauen, wo wir gemeinsam hinwollen. Jede Teilnehmerin kann ihre Gedanken einbringen. Zusammen werden wir dem Netzwerk eine Richtung geben. Wir konnten Anne Dirksen von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen für ein Impulsreferat zum Thema Soziale Absicherung gewinnen, mit anschließender Diskussion und der Möglichkeit, Fragen zu stellen.

Was sind die nächsten Schritte?

Die Auftaktveranstaltung am 30. April wird uns hoffentlich viel Input geben. Was wollen die Landwirtinnen, was erhoffen sie sich vom Netzwerk?

Das sind unsere Kernfragen. Danach werden wir versuchen, die Ideen gemeinsam umzusetzen. Wir werden eine Kontaktliste aufbauen. Und wir haben auch selbst schon an Ideen gebastelt: Wir werden Online-Veranstaltungen anbieten, möchten uns aber auch gezielt vor Ort treffen. Cool wäre es, wenn regionale Gruppen entstehen.

Du bist eine der wenigen Frauen unter den Naturland Delegierten . . .

Ja, und wir wollen mehr. Ziel ist es, Naturland im Ehrenamt so vielfältig abzubilden, wie es ist. Deshalb brauchen wir Menschen aus verschiedenen Regionen, Jung und Alt – und neben Männern eben auch Frauen. Sie bringen eine andere Sicht-

weise ein. Eine Sichtweise, die das Bild erst komplett macht.

Was muss geschehen, damit sich Frauen stärker in Ehrenamt, Politik oder Gesellschaft engagieren?

Ich persönlich halte nichts von einer Frauenquote. Es sollen sich weiterhin die Menschen einbringen, die Lust und Kapazität haben. Ich nehme aber schon wahr, dass Frauen sich oft zu wenig trauen. Das ist schade, denn mit ihrer Sichtweise könnten sie die Diskussion bereichern. Als Delegierte mache ich die Erfahrung, dass es sehr positiv aufgenommen wird, wenn Frauen ihre Position nach außen tragen. Besonders in der Politik wird es geschätzt, wenn eine Landwirtin mitdiskutiert. Gleichzeitig will ich betonen, dass es in unserem Frauennetzwerk vorrangig um Erfahrungsaustausch geht.

Sei dabei bei der Online-Auftakt-Veranstaltung des Naturland Frauennetzwerks am 30. April, ab 9:30 Uhr. Nähere Infos in der Naturland App und online unter www.naturland-beratung.de.

Nutze dazu gerne den QR-Code.

TIPP

TITEL THEMA WASSER IM FOKUS

ZU VIEL ODER ZU WENIG

WASSER…

… und immer öfter zur falschen Zeit. Wasser ist für landwirtschaftliche Betriebe ein entscheidender Faktor. Welche Hebel wir jetzt in Bewegung setzen können – und wo Anpassung an ihre Grenzen stößt – lesen Sie im Titelthema.

„ Zu viel oder zu wenig Regen – eine Herausforderung, mit der Landwirte zunehmend konfrontiert sind.“

Wetterextreme nehmen zu, die Klimaveränderungen werden für die Landwirtschaft deutlich spürbar und das nicht nur gefühlt. Auf ausgeprägte Frühjahrs- und Frühsommertrockenheit folgen nicht selten sintflutartige Regenfälle. Zu viel oder zu wenig Regen - beides eine Heraus-

forderung, mit der Landwirte in allen Regionen zunehmend konfrontiert sind. Im Titelthema dieser Ausgabe beschäftigen wir uns mit praktischen Ansätzen und Lösungen von Naturland Betrieben. Berater stellen angepasste Kulturen und Systeme vor und Naturland präsentiert sein weltweites Engagement für diese globale Herausforderung.

Mit welchen Maßnahmen kann sich die Landwirtschaft anpassen und wo sind Grenzen der Anpassung? Dieser Artikel gibt einen Überblick.

Mehr Vielfalt im Anbau

Eine erste Maßnahme ist, den Betrieb breiter aufzustellen. Die Erweiterung der Fruchtfolgen

und der Anbau weiterer Kulturen bietet eine gewisse Risikostreuung der nicht planbaren Wetterereignisse. Vielleicht kann sogar ein weiterer Betriebszweig aufgebaut werden, der als zusätzliche Diversifizierung das Betriebseinkommen stabilisieren kann. Totalverluste sind dann weniger wahrscheinlich, als wenn man alles auf eine Karte setzt.

Wasser und Boden sind eng verknüpft

Von zentraler Bedeutung ist der Boden, ein fruchtbarer Boden funktioniert wie ein Schwamm: Bei Trockenheit bleibt das Wasser länger pflanzenverfügbar und bei Starkregenereignissen wirkt er als Puffer. Was vielen

Alexander Koch

Naturland e.V. a.koch@ naurland.de

Tom Mitschi

Naturland e.V. t.mitschi@ naurland.de

Stefan Veeh

Beratung für Naturland s.veeh@ naturland-berartung.de

nicht bewusst ist: Ein Boden mit guter Struktur, hohem Humusgehalt und hoher biologischer Aktivität kann bis zu 100 Liter Wasser pro Stunde aufnehmen und speichern. Bodenverdichtungen mindern diese „Leistungsfähigkeit“. Unsere landwirtschaftlichen Maschinen werden immer schwerer, gerade weil wir auch bei den kurzen Bearbeitungsfenstern hohe Schlagkraft benötigen. Wenn dann aber im zu feuchten Zustand mit hohen

Radlasten ins Feld gefahren wird, sind Bodenverdichtungen

und Strukturschäden die Folge. Der Boden kann die Funktion als Wasserspeicher dann aufgrund von Schmier- und Sperrschichten nur noch sehr eingeschränkt erfüllen.

Genauso wichtig sind Maßnahmen im Anbau zur Vermeidung von Erosion. Dabei können im Anbau z.B. durch angepasste Bodenbearbeitung quer zum Hang oder entlang der Höhenlinien (Keyline Design) die Wasserabflüsse genauso gebremst werden wie durch begrünte

Abflussmulden oder Erosionsschutzstreifen. Ziel ist es dabei, die Hanglänge zu verkürzen und damit den Wasserabfluss zu bremsen und gezielt abzuleiten.

Boden beleben

Daneben sind auch Maßnahmen in der Fruchtfolge wichtig, um die Bodenfruchtbarkeit und die Wasserverdauung des Bodens durch Förderung der Infiltration und Speicherfähigkeit des Bodens zu erhalten und im Idealfall zu verbessern. Neben dem

AUTOREN

TIPPS

Um die „Schwammfunktion“ des Bodens zu fördern, sind Bodenverdichtungen unbedingt zu vermeiden. Das gilt es vor allem bei der Bodenbearbeitung (linke Seite) zu bedenken. Ein wichtiger Faktor ist das Bodenleben. Wer das Bodenleben fördert, erhält und fördert Humus – und Humus ist für die Aufnahmefähigkeit des Bodens enorm wichtig. Er kann ein Mehrfaches seines Gewichts an Wasser speichern. Vor diesem Hintergrund spielen auch Feldfutterleguminosen wie Klee- oder Luzernegras eine wichtige Rolle. Damit werden Regenwürmer und Bodenorganismen gefördert, die den Boden beleben und Poren schaffen - nicht zuletzt auch ein wertvoller Beitrag für mehr Biodiversität.

Erhalt einer mindestens ausgeglichenen Humusbilanz durch die Zufuhr organischer Substanz wie Mist oder Kompost tragen auch „rasenbildende“ Kulturen wie Feldfutterleguminosen zur Erhöhung der Infiltration bei. Damit werden Regenwürmer und Bodenorganismen gefördert, die den Boden beleben und Poren schaffen. Maßnahmen zum Humuserhalt und -aufbau tragen so auch wesentlich zum Erosionsschutz bei, denn Humus kann ein Mehrfaches seines Gewichts an Wasser speichern.

Boden bedecken

Für eine gute Bodenstruktur ist auch eine ausreichende Kalk-

versorgung von zentraler Bedeutung. Nicht zuletzt sollte der Boden möglichst ganzjährig bedeckt sein. Eine Bodenbedeckung, sei es in Form von Mulch oder mittels Zwischenfrucht, Untersaat u.ä. schützt wie eine Haut vor Verschlämmung durch Starkregenereignisse. Sie verbessert die Infiltration, in dem sie die Aufprallenergie des Wassers abschwächt und damit die Splash-Erosion durch das Aufprallen großer Regentropfen bei Starkregenereignissen bremst.

Wasserrückhalt in der Landschaft

Neben den erwähnten Maßnahmen der Diversifizierung der Produktion

Fotos: Agrarfoto, Goldberger, Naturland / Sabine Bielmeier

Boden sollte ganzjährig bedeckt sein. Fehlt die Bodenbedeckung, so fehlt der Schutz vor Verschlämmung durch Starkregenereignisse.

und des Bodenschutzes auf Betriebsebene ist auch die Landschaftsebene wichtig. Jahrzehntelang war es Ziel, Wasser möglichst schnell aus der Landschaft abzuleiten. Tümpel wurden zugeschüttet, Feuchtgebiete trockengelegt, Bäche und Flüsse begradigt und allerorts Entwässerungsgräben und Drainagen angelegt. Zusätzlich wurden Flächen zusammengelegt und Landschaftselemente beseitigt. Ergebnis ist, dass die Landschaft bei hohen Temperaturen schneller austrocknet, Grundwasserspiegel sinken und der Landschaftswasserhaushalt gestört ist. So allmählich setzt sich die Erkenntnis durch: wir müssen das Niederschlagswasser verlangsamen und versickern lassen, also in der Landschaft

halten. Wir brauchen nicht nur die vielzitierten Schwammstädte, sondern auch Schwammlandschaften. Und wir brauchen

„Wir brauchen nicht nur Schwammstädte, wir brauchen auch Schwammlandschaften.“

auch Strukturelemente in der Landschaft, in denen sich das Mikroklima in der Fläche entwickeln kann und somit eine Austrocknung gebremst wird.

Im großen Maßstab heißt das, die weitere Versiegelung zu verringern und Flusslandschaften zum Hochwasserschutz zu renaturieren. Auf Betriebsebene heißt es, Regenwasser, wo möglich, dezentral aufzufangen und in regenreichen Jahreszeiten zu speichern, um es dann in Trockenphasen nutzen zu können. Je nach Standort und Betriebssituation können vorhandene Drainagen und Entwässerungsgräben temporär geschlossen werden, um den Wasserablauf zu steuern. In hängigem Gelände können Infiltrationsdämme und -gräben, möglichst entlang von Höhenlinien, angelegt werden. Auch kleine Regenrückhaltebecken in Geländemulden sind eine Möglichkeit, wieder mehr Wasser in

der Landschaft zu halten. Natürlich sind Flächen- und Eigentümerstrukturen oft ein Hemmnis für solche Maßnahmen, bei fortschreitenden Klimaveränderungen werden wir aber solche „radikalen“ Maßnahmen durchaus brauchen.

Weg von Hitze- zu Klimalandschaften

Großflächig ausgeräumte Landschaften – oft in Verbindung mit kahlen Böden – heizen stärker auf, trocknen schneller aus und leiden schneller unter Wassermangel als Landschaften mit einer grünen Infrastruktur in Form von Hecken, Bäumen und Feldgehölzen. Diese Strukturelemente sorgen durch die Verdunstung für mehr Kühlung und

Feuchtigkeit in ihrer Umgebung. So wird Mikroklima verbessert, kleine Wasserkreisläufe werden gefördert. Je mehr Wasser auf dem Feld zur Verfügung steht, desto stärker ist die abkühlende Wirkung dieser Strukturelemente. Auch deshalb ist die Förderung des Wasserrückhalts so wichtig. Dieser gut belegte „Grün-Feucht-Kühl“-Effekt verstärkt sich damit selbst positiv.

In der Praxis können Betriebe dazu beitragen, ausgetrocknete Hitzelandschaften in widerstandsfähigere Klimalandschaften umzuwandeln. Windschutzhecken und Agroforstsysteme verringern die Austrocknung, können Erträge stabilisieren und das Verlustrisiko mindern.

Kurz & knapp

Es sind nicht nur der Regen und die Niederschlagsverteilung, sondern auch die Vegetation, die darüber entscheiden, ob Niederschläge effektiv zurückgehalten und verwertet werden, was zu kühleren und feuchteren Landschaften führt. Genauso sind der Boden und eine dezentrale Wasserspeicherung in der Landschaft von entscheidender Bedeutung für gutes Wassermanagement.

Boden, Wasser und Vegetation sind lebende Systeme, die es positiv zu beeinflussen gilt. Damit ist eine gewisse Anpassung an die Niederschlagsvariabilität – also an zu viel oder zu wenig Wasser – möglich. Allerdings soll auch auf die Grenzen von Anpassungsmaßnahmen bei Eintreten von entsprechenden Extremereignissen hingewiesen werden.

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ERFOLGREICH IM

Trockengebiet

Besondere Kulturen, ausgeklügelte Vermarktung: Wie der Betrieb Schleinzer in Niederösterreich der Trockenheit begegnet.

Viel Sonne, wenig Regen: Das Weinviertel in Niederösterreich zählt zu den trockensten Regionen des Landes. Wer hier Landwirtschaft betreibt, muss fähig sein, sich an die schwierigen klimatischen Bedingungen anzupassen. Einer, der das geschafft hat, ist Herbert Schleinzer (63). Mit seinem Sohn Franz (25) führt er einen gemischten Wein- und Ackerbaubetrieb in dem kleinen Dorf Unterretzbach direkt an der Grenze zu Tschechien. Die Niederschläge übersteigen hier selten 400 Millimeter im Jahr, und ihre ungleichmäßige Verteilung stellt für Landwirte eine zusätzliche Herausforderung dar. Die Böden in der Molassezone sind zwar gut, aber zu trocken, um hohe Erträge erzielen zu können.

Vom Spinner zum Experten

Als Herbert Schleinzer 1990 den Betrieb von seinem Vater übernahm, war die Fruchtfolge in erster Linie auf Getreide mit ein bisschen Klee und Kartoffeln beschränkt. „Damals hat man nach der Ernte das Stroh noch auf den Feldern verbrannt”, erinnert sich der Landwirt. Man habe die Äcker ‚sauber‘ hinterlassen wollen und dem Boden im Trockengebiet nicht zugetraut, die organische Masse selbst umzusetzen. Anfang der 1990er Jahre stellte Herbert Schleinzer seinen Wein- und Ackerbaubetrieb auf ökologische Bewirtschaftung um. Konflikte mit seinem anfangs skeptischen Vater waren vorprogrammiert. „Andere habe mich als Spinner abgestempelt. Und ich habe für meine Experimente natürlich auch Lehrgeld ge-

1 Herbert und Franz Schleinzer bauen den selbst gezüchteten robusten Ölkürbis „Retzer Gold“ an.

2 Kichererbsen lieben trockene Standorte. Auf dem Betrieb Schleinzer wird die gefragte Kultur bereits seit 2013 angebaut.

3 Große Körner, lange Grannen: Khorasan-Weizen stammt aus dem Nahen Osten.

zahlt“, erzählt Herbert Schleinzer. Doch er blieb seinem Weg treu. Heute ist er ein gefragter Experte in der Produktion von Sonderkulturen unter trockenen Bedingungen. Mit seiner sympathischen Art, Wissen und Erfahrung zu teilen, inspirierte er viele weitere Landwirte in der Region, die Umstellung auf Bio zu wagen. Vor zwei Jahren übergab Herbert Schleinzer die Betriebsleitung an seinen Sohn Franz, arbeitet aber nach wie vor mit.

Ausgewogene Fruchtfolge

Ihr „Geheimnis“ liegt in einer ausgewogenen Fruchtfolge. Darin finden sich neben Dinkel und Hafer zahlreiche Körnerleguminosen wie Trockenbohnen (rot und weiß), Kichererbsen, Sojabohnen und mitunter auch Linsen. Spezielle Getreidesorten wie Nackthafer, Waldstaudenroggen und Khorasan-Weizen sowie die regionale Ölkürbissorte „Retzer Gold“ komplettieren die Fruchtfolge. Luzerne und Kleegras bauen die Schleinzers nicht an: „Einerseits gibt es in unserer Region keine sinnvolle Möglichkeit, den Auf-

Fotos: Harald Seymann

Beratung für Naturland n.fuchs@ naturland-beratung.at

AUTOR Nikolaus Fuchs

wuchs zu verwerten”, erklärt Herbert Schleinzer, andererseits sei der Anteil von Hülsenfrüchten aufgrund der Speiseleguminosen in der Fruchtfolge schon an der Obergrenze. Herbert und Franz Schleinzer fördern den Humusgehalt aktiv, indem sie überwinternde Zwischenfrüchte anbauen, und Stroh, das insbesondere der Waldstaudenroggen in Hülle und Fülle produziert, einarbeiten.

Die Zwischenfrucht bauen sie nach Getreide an, da es bei anderen Kulturen zeitlich zu knapp ist. Sie beinhaltet neben Waldstaudenroggen auch Phacelia, Leindotter, Winterrübse, Buchweizen und Winterwicke. Herbert und Franz Schleinzer vermehren das Saatgut nach Möglichkeit selbst. Die vielfältige Mischung entwickelte Herbert Schleinzer mit der Bio Forschung Austria. Dabei legten sie besonderen Wert darauf, dass die Wurzeln der Mischungspartner den größtmöglichen Bereich des Bodens abdecken. „Überwinternde Pflanzen nutzen die Winterfeuchte aus – das ist bei uns im Trockengebiet essenziell. Außerdem sorgt die Zwischenfrucht dafür, dass der Boden gut durchlüftet und aufgelockert sowie die Pflugsohle durchbrochen wird“, erklärt Franz Schleinzer.

Spannende Kulturen

Die robuste Ölkürbissorte „Retzer Gold“ ist eng mit Herbert Schleinzer verbunden, denn er hat sie zusammen mit einem Kollegen selbst gezüchtet. „Retzer Gold“ zeichnet sich durch Langtriebigkeit und Trockenheitstoleranz aus und wird auf dem Betrieb vermehrt. Das Ertragspotenzial ist niedriger als bei modernen Hybridsorten.

- Khorasan-Weizen

Eine spannende Kultur ist auch der Khorasan-Weizen, benannt nach seiner Herkunftsregion im Nahen Osten. Bei dieser sehr alten Weizensorte handelt es sich um eine natürliche Hybride aus Durum und einer Weizen-Wildform. Das Besondere an dieser Weizenform ist, dass sie mehr Eiweiß und höhere Anteile an den meisten ungesättigten Fettsäuren, Aminosäuren, Vitaminen und Mineralstoffen aufweist als moderne Weizensorten. Auch im Anbau unterscheidet

1 Arbeiten an der Landtechnik, wie hier am Schneidwerk des Mähdreschers, werden nach Möglichkeit selbst erledigt.

2 Franz und Herbert Schleinzer teilen ihr Wissen über Sonderkulturen bei Vorträgen.

3 Die gründliche Getreidereinigung ist essenziell für die Vermarktung, am Betrieb wird sie auch als Dienstleistung angeboten. 1 2 3

Hebel.

sich der Khorasan-Weizen stark von anderen Sorten. „Er bestockt nicht, jede Pflanze entwickelt nur einen Halm. Deshalb ist eine höhere Saatstärke erforderlich. Wir bringen 275 Kilo pro Hektar aus“, sagt Franz Schleinzer. Auch beim Drusch ist Vorsicht geboten, da die im Vergleich zum modernen Weizen bis zu drei Mal so großen Körner leicht zu Bruch gehen können. Das Ertragspotential liegt bei 2.000 kg/ha. Franz und Herbert Schleinzer vermarkten ihre Ernte an spezialisierte Verarbeiter, die Lebensmittel für gesundheitsbewusste Kunden entwickeln. Der Preis liegt etwa 950 Euro/t für gereinigte Ware.

- Kichererbse

Bestens mit den trockenen Bedingungen kommt auch die Kichererbse zurecht. Herbert Schleinzer produziert die anspruchsvolle Körnerleguminose bereits seit 2013 und konnte damals von seinen Erfahrungen im Anbau von Soja profitieren. Die Erträge liegen durchschnittlich bei etwa 1,5 t/ha. „Kichererbsen sind ein gefragtes Produkt und können in der Fruchtfolge flexibel eingesetzt werden“, sagt Herbert Schleinzer, vorzugsweise würden sie nach einem Starkzehrer angebaut. Kichererbsen bieten gute Voraussetzungen für Getreide als Folgekultur. Zu viel Niederschlag kann für die

trockenheitsliebende Körnerleguminose problematisch werden, da Feuchtigkeit die Pflanze zum Weiterwachsen bewegt, wenn die Körner eigentlich abreifen sollten. Regnet es zu einem ungünstigen Zeitpunkt, kann das ein Schwadern vor dem Drusch notwendig machen. Vermarktet wird an diverse Verarbeiter, unter anderem die Marktgesellschaft der Naturland Bauern.

Charakteristisch für den Betrieb von Franz und Herbert Schleinzer sind außerdem die gründliche Reinigung und Farbsortierung. Letztere kommt bei Trockenbohnen, Kürbiskernen, Kichererbsen, Linsen und Soja zum Einsatz. Wenn erforderlich, kann auch Getreide von Unkrautsamen befreit werden.

Durch die vielen Sonderkulturen ist die Vermarktung der Erzeugnisse ein anspruchsvolles Unterfangen. „In 35 Jahren Bio ist vieles an Vermarktung gewachsen”, erzählt Herbert Schleinzer. Zu den neuesten Abnehmern gehört auch die österreichische Nationalbank, genauer gesagt deren Kantine. Auf ihrem Speiseplan stehen seit Kurzem Bio-Bohnen aus dem Hause Schleinzer.

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Herbert und Franz Schleinzer achten auf den Humusgehalt ihres Bodens. Zwischenfrüchte sind für die beiden ein wichtiger

Fruchtfolge im WANDEL

Hitze, Trockenphasen und Starkregen verändern die Anbaubedingungen. Winterformen, neue Sommerungen und trockenheitstolerante Kulturen rücken in den Fokus – doch keine Lösung funktioniert überall verlässlich. Entscheidend wird neben der Kulturwahl vor allem die effiziente Nutzung des verfügbaren Wassers.

Die immer deutlicheren Klimaveränderungen werden auch in veränderten Wetterlagen sichtbar. „Stehende“ Wetterlagen, bei denen sich das Wetter über einen längeren Zeitraum hinweg nicht wesentlich verändert und wie festgefahren wirkt, nehmen zu. Lange trockene Phasen oder dauerhafte Niederschläge machen der Bewirtschaftung zunehmend zu schaffen. Auch wenn es immer wieder mal Ausreißer gibt, ist während der Vegetation immer stärker mit tendenziell geringeren Niederschlägen zu rechnen.

Natürlich sind Ackerbauern da auf der Suche, diesen Anbaubedingungen mit Kulturen zu begegnen, die einen geringeren Wasserbedarf haben. Und auch

in Forschungsvorhaben werden bewährte und neue Kulturen auf Wasserbedarf getestet. Welche Kulturen werden wir in Zukunft auf unseren Äckern also neu oder stärker berücksichtigen?

Winterungen als Ausweg

Wenn wir uns die klassischen Marktfrüchte anschauen, sehen wir aktuell schon einen starken

Trend: Klassische Sommergetreide weichen den jeweiligen Winterformen. Winter-Erbsen und Winter-Ackerbohnen haben sich immer größere Anteile im Anbau erobert. Neben dem mittlerweile weit verbreiteten Winterhafer oder -durum gibt es zunehmend auch bei Spezialkulturen Winterformen, beispielsweise bei Lein oder Linsen. Winterformen können die Winterfeuchte besser nutzen und damit Wuchs-, Ertrags- und Qualitätsvorteile in frühsommertrockenen Lagen ausspielen. Gleichzeitig sollte dabei jedoch der klassische Wechsel zwischen Winterung und Sommerung nicht vernachlässigt werden, damit nicht die Lösung des einen Problems zur Ursache eines

AUTOR

Stefan Veeh

Beratung für Naturland s.veeh@ naturland-beratung.de

anderen wird. Durch den einseitigen Anbau von Winterungen können in der Fruchtfolge auch einseitige Verunkrautung bzw. „Verungrasung“ entstehen.

Neue Sommerungen

Deswegen läge eine andere Anpassungsstrategie in neuen Kulturen, die gezielt als Sommerungen angebaut werden können und gleichzeitig durch eine gewisse „Trockentoleranz“ besser mit Trockenphasen zurechtkommen können. Welche Kulturen kommen dabei ins Spiel?

1. Kichererbsen

Die Kichererbse kommt mit heißen und trockenen Bedingungen gut zurecht und auch die Nachfrage am Markt ist vorhanden. Es gibt nur einen Nachteil: Die Kichererbse hat keinerlei Toleranz gegenüber Nässe. Treten frühe Nassphasen auf, so wird sie von zahlreichen Krankheiten befallen. Wird die Abreife von Nieder-

Kichererbse hat keinerlei Toleranz gegenüber Nässe, was in feuchten Phasen zu zahlreichen Krankheiten führen kann.

schlägen gestört, so blüht die Kichererbse erneut und ist ebenfalls oft nicht zu ernten. Auf nicht wenigen Standorten ist ihr Anbau deswegen mit (zu) hohem Risiko verbunden.

2. Hirse

Die Hirse ist bei uns bekannt und gerade Rispenhirse ist für Speise- und Futternutzung gut eingeführt. Der große Vorteil: Rispenhirse kann in Drillsaat gesät und mit dem Getreideschneidwerk geerntet werden. Sie passt also perfekt in Getreidebetriebe, die ihr Anbauspektrum ausweiten bzw. das Anbaurisiko senken wollen. Rispenhirse darf aber erst bei ausreichenden Bodentemperaturen gesät werden, damit sie zügig wächst. Ein Hacksystem ist dabei von Vorteil, wenn bei einem späten Kälteeinbruch die Hirse „stehen bleibt“, das Unkraut aber weiterwächst.

3. Erdnuss

Unter den neuen trockenheitstoleranten Kulturen wird oft auch die Erdnuss genannt. Ebenfalls eine Leguminose, ist sie zunächst eine spannende Kultur. Aber es zeigt sich in den Anbauversuchen, dass für eine betriebswirtschaftlich interessante Ertragsbildung die Klimabedingungen noch nicht passen. Die Erdnuss müsste dazu mehrere Zyklen durchlaufen, in denen sie Blüten bildet und ihre Samen unter der Erde platziert. Aktuell schafft sie das in unseren Breitengraden nur einmalig und damit ist der Ertrag zu gering für einen konkurrenzfähigen Deckungsbeitrag.

4. Trockenreis

Trockenreis ist in die gleiche Kategorie wie die Erdnuss einzuordnen. Die Vegetationszeit ist für ihn in Deutschland in der Regel zu kurz. Aber auch hier wäre die Nachfrage da, so dass wir diese Kultur im Auge behalten sollten.

Fotos: Goldberger, Landpixel

Gerade für späte Körnermaislagen z.B. in Österreich könnte Trockenreis in den nächsten Jahren noch interessant werden.

5. Pseudogetreide

Pseudogetreide wie Quinoa, Amaranth oder Chia kommt unter trockenen Bedingungen besser zurecht als viele bekannte Kulturen. Trotzdem darf man nicht vergessen: Auch trockentolerante Kulturen brauchen Wasser zum Wachsen. Und: gerade bei späten Sommerungen muss vor der Saat wassersparend gearbeitet werden, um ausreichend nutzbare Feldkapazität für die Vegetation der Kultur „übrig“ zu haben. Das erfordert Fingerspitzengefühl im Anbausystem.

Kurz & knapp

Stehende Wetterlagen mit Hitze, Trockenheit oder Starkregen stellen den Ackerbau vor neue Herausforderungen. Winterformen nutzen die Winterfeuchte besser, eine einseitige Fruchtfolge birgt jedoch Risiken. Neue trockenheitstolerante Sommerungen wie Kichererbse, Hirse oder Pseudogetreide bieten Chancen, sind aber nicht immer wirtschaftlich sicher. Entscheidend wird künftig neben der Kulturwahl vor allem die Wassereffizienz bestehender Arten – ein Schlüssel liegt hier in der Züchtung.

Was die Aufzählung verdeutlicht: Derzeit sind noch keine Geheimtipps unter den Kulturen erkennbar, die sicher funktionieren und auch mit wechselnden Anbaubedingungen zurechtkommen. Ein anderer Ansatz betrachtet die Wassereffizienz der einzelnen Kulturen und berücksichtigt sie als Zuchtziel, denn da gibt es durchaus Unterschiede. Versuche aus Kanada zeigen: Während Weizen aus 25 mm genutztem Niederschlag 55 bis 77 kg Ertrag/ ha bildet, kann Gerste mit der gleichen Menge Niederschlag 77 bis 100 kg Ertrag bilden, also 25 % mehr. Natürlich herrschen in Kanada andere Bedingungen und niemand wird aktuell in Euphorie ausbrechen, wenn er Gerste anbauen soll. Trotzdem zeigt sich, dass wir auch bei den bestehenden Kulturen im Anbau optimieren könnten und wohl auch müssen, um den Herausforderungen des Wassermangels zu begegnen.

BEREGNUNG IM FELDGEMÜSE

Die Beregnung ist im ökologischen Freilandgemüsebau in der Regel wirtschaftlich und auf den meisten Standorten mittlerweile unentbehrlich.

Es liegt im Interesse eines jeden Gärtners und Landwirts, zum richtigen Zeitpunkt die richtige Menge Zusatzwasser auf seine Kulturen zu geben, denn die Wasserversorgung bestimmt Ertrag und Qualität. Hauptziel der Beregnung ist eine möglichst regelmäßige und ungestörte Nährstoffaufnahme der Pflanzen. Gezielte Beregnung kühlt die Pflanzen bei Hitze und lässt sie weniger schnell altern. Gerade in den zurückliegenden Beregnungsjahren reichten über Jahre antrainierte Beregnungsrhythmen aber oft nicht mehr aus.

Früher anfangen, später aufhören

Mehr Regen im Winter und weniger in der Saison: Durch steigende Temperaturen erhöht sich die Verdunstungsrate, Pflanzen wachsen schneller, es entsteht ein früherer und insgesamt höherer Wasserbedarf für Kulturpflanzen.

„Den richtigen Beregnungsbeginn im Frühjahr zu erwischen, ist wichtig.“

Experten der Hochschule Geisenheim, des Dienstleistungszentrums Ländlicher Raum Rheinpfalz und des Deutschen Wetterdienstes geben im aktuellen Bericht „Der Bewässerungsbedarf von Freilandgemüse steigt“ einen präzisen Überblick über Verdunstung und Bewässerungsbedarf von Freilandgemüsekulturen.

Nutzen Sie dazu den QR-Code.

Viele Landwirte und Gärtner haben sich auf einen längeren Beregnungszeitraum eingestellt. Im vergangenen Jahr aber wurde Gemüse so früh wie nie zuvor feldmäßig beregnet. Das sind entscheidende Veränderungen, es fehlt noch an Sicherheit und Erfahrung im Umgang mit solch ungewöhnlichen Situationen. Den richtigen Beregnungsbeginn im Frühjahr zu erwischen, ist wichtig. Das gilt vor allem für Feinsämereien, bei denen ein gleichmäßiger Auflauf der Kultur von entscheidender Bedeutung ist. Einige Gemüsekulturen, vor allem Wurzelgemüse, müssen sich vor der Ernte bzw. Einlagerung mit Wasser gewissermaßen aufladen, um gut zu lagern.

Über Möglichkeiten der Beregnungssteuerung wird ab Seite 30 berichtet. Die Ansprüche der Feldgemüsekulturen sind ebenso anspruchsvoll wie vielfältig.

TIPP

Beregnungsmenge

RICHTIG BERECHNEN

Kartoffel reagiert empfindlich auf Trockenstress – Ertrag, Qualität und Lagerfähigkeit hängen maßgeblich von einer gleichmäßigen Wasserversorgung ab. Damit kommt die Bewässerung ins Spiel –und damit etliche Faktoren.

Beratung für Naturland s.pfeifer@ naturland-beratung.de Kartoffel

Die Kartoffel zählt zu den anspruchsvollsten Ackerkulturen. Ein erfolgreicher Anbau setzt günstige Standortbedingungen voraus: nährstoffreiche, humose, gut siebfähige und klutenarme Böden sowie kühl-gemäßigte Klimaverhältnisse. Für optimales Wachstum braucht die Kartoffel außerdem eine gleichmäßige Wasserversorgung. Wassermangel verringert – je nach Zeitpunkt des Auftretens – den Knollenansatz und das Knollenwachstum. Zudem drohen Qualitätsmängel wie reduzierte Stärkeeinlagerung, erhöhter Schorfbefall, Zwiewuchs oder ungleichmäßige Reife. Dies beeinträchtigt auch die Lagerfähigkeit negativ, verfrühte Keimung kann die Folge sein. Mit einer fachgerechten Feldberegnung lässt sich Wasserknappheit jedoch gezielt ausgleichen.

Wasserverfügbarkeit als Grundlage

Ob beregnet werden muss, hängt von der Beregnungsbedürftigkeit des Standorts ab. Entscheidend sind Niederschlagsmenge und -verteilung während der Vegetationsperiode sowie die natürliche Wasserspeicherfähigkeit des Bodens.

Maßgeblich ist die nutzbare Feldkapazität (nFK) – also das tatsächlich pflanzenverfügbare Wasser. Sie ist von der Bodenart abhängig (siehe Tabelle) und wird in mm je 10 cm Bodentiefe angegeben. Bis zum BBCH-Stadium 39 rechnet man mit 30 cm Durchwurzelungstiefe, ab Bestandsschluss mit 60 cm. Die Kartoffel besitzt ein relativ schwach ausgeprägtes Wurzelsystem.

Beregnungsmenge errechnen

Für einen schwach lehmigen Sand (Sl2) zu Beginn Reihenschluss ergibt sich folgende Kalkulation:

16 mm/10 cm Bodentiefe x Faktor 3 (30 cm Durchwurzelungstiefe) = 48 mm verfügbares Wasser pro m² bei 100 % nutzbarer Feldkapazität.

In der Praxis beregnet man, wenn die nFK auf etwa 50 % abgesunken ist, und füllt bis rund 80 % auf. So vermeidet man Trockenstress, ohne Sickerwasserbildung und Nährstoffauswaschung zu riskieren. Infos zur jeweils aktuell nutzbaren Feldkapazität bieten zum Beispiel der Deutsche Wetterdienst und andere Anbieter

AUTOR
Simon Pfeifer

Welche Auswirkungen Bewässerung auf den Bestand hat, zeigen diese Aufnahmen vom Juli 2025. Die Felder liegen ca. fünf Kilometer auseinander: Ein Feld wurde bewässert, das andere nicht.

von Wetterdaten. Mit einem Bodenfeuchtesensor kann die nFK zudem selbst gemessen werden.

In unserem Beispiel müsste also der Wasservorrat von 50 % nFK (= 24 mm) auf 80% nFK (= 38 mm) aufgefüllt werden – also 14 mm/m², das sind 140 m³/ha beregnen!

Verdunstung bestimmt den Zeitpunkt

Neben dem Boden beeinflusst vor allem die Verdunstung den Bewässerungszeitpunkt. Bemessungsgrundlage ist die potenzielle Verdunstung bei optimaler Wasserverfügbarkeit über natürlicher Vegetation (z.B. Grasland). Für Kulturen werden dafür je nach Entwicklungsstadium sogenannte kc-Werte (Crop Coeffizient) festgelegt. Für die Kartoffel gelten typische Richtwerte:

• Auflaufen (BBCH 09): kc 0,5

• Ab 2. Trieb (BBCH 22): kc 0,8

• Ab Bestandsschluss (BBCH 39): kc 1,1

• Ab Blattvergilbung (BBCH 91): kc 0.

Multipliziert man die tägliche potenzielle Verdunstung (Infos

Tabelle: nutzbare Feldkapazität verschiedener Bodenarten

Bodenart

Nutzbare Feldkapazität (lt. oder mm je 10 cm Bodenschicht)

Sand 9 bis 15

Schwach lehmiger Sand

Stark lehmiger Sand

Sandiger Lehm

Schluffiger Lehm

12 bis 18

12 bis 15

12 bis 21

7 bis 13

Quelle: verändert nach Ergebnissen und Vorschlägen der DBG-Arbeitsgruppe „Kennwerte des Bodengefüges“ zur Schätzung bodenphysikalischer Kennwerte.

aus Wetterdiensten) mit dem kcWert, erhält man die kulturabhängige Verdunstung. Zieht man die Niederschläge ab, ergibt sich der Zusatzwasserbedarf.

Beispiel : Potenzielle Verdunstung 4 mm/ Tag, kc 0,8 → 3,2 mm tatsächlicher Wasserverbrauch pro Tag.

Muss eine Differenz von 14 mm ausgeglichen werden, wäre nach rund 4,4 Tagen erneut zu beregnen – sofern kein Niederschlag fällt.

Gesamtwasserbedarf

Auch wenn der Wasserbedarf je nach Standort stark variiert,

stehen uns Richtwerte zur Verfügung. Der gesamte Wasserbedarf eines Kartoffelbestands liegt über die Vegetationszeit laut ALB Bayern bei rund 430 mm. Besonders nach dem Knollenansatz steigt der Bedarf stark an.

Digitale Hilfsmittel wie die Bewässerungs-App des ALB Bayern e. V. unterstützen die Praxis, sie errechnen unter Berücksichtigung von Bodenart, Kulturstadium sowie standortspezifischen Wetterdaten konkrete Bewässerungsempfehlungen. Eine bedarfsgerechte Steuerung der Beregnung sichert damit Ertrag, Qualität und Ressourceneffizienz gleichermaßen.

Beregnungskanone – gut in der Arbeitswirtschaft aber bekannt anfällig beim Thema Wassereffizienz.

TROCKENHEIT FORDERT

Beregnung

In Ostniedersachsen war das Wasser schon immer knapp, Beregnung ist hier seit jeher Grundausstattung landwirtschaftlicher Betriebe. Auch am Naturland Betrieb Schäfer-Meyer gehört die Feldberegnung von April bis Oktober zum Arbeitsalltag.

Offizielle Statistiken belegen den Trend: Im langjährigen Mittel steigen die Temperaturen, die Verdunstung nimmt zu, während die Niederschläge in der Anbausaison tendenziell zurückgehen. Damit sinkt die Wasserverfügbarkeit für die Pflanzen. Für die Praxis heißt das: Die Beregnung startet heute meist deutlich früher. Insgesamt müssen Betriebe mehr beregnen, um das wachsende Defizit auszugleichen und die Kulturen angemessen zu versorgen. Auf rund 90 % der Fläche in Niedersachsen ist die klimatische Wasserbilanz im langjährigen Vergleich laut Fachverband Feldberegnung zwischen 15 und 85 mm weiter ins Minus gerutscht (siehe Info-Box). Diese Größenordnung entspricht der zusätzlichen Wassermenge, die über den üblichen Bedarf hinaus beregnet werden muss. Auch im Betrieb Schäfer-Meyer zeigen langjährige Aufzeichnungen ein um 25 mm gestiegenes Bilanzminus.

Der Beregnungstag hat nur 18 Stunden

Für den stark spezialisierten 400-Hektar-Betrieb im Landkreis Lüchow-Dannenberg in Niedersachsen ist die Beregnung organisatorisch eine der größten Herausforderungen in der Saison. „Beregnung ist einerseits der unbeliebteste Job im Betrieb“, sagt Betriebsleiter Alexander Reiske. Gleichzeitig sieht er den positiven Aspekt: „So kommen wir auf die Flächen und können alle Kulturen regelmäßig in Augenschein nehmen.“

Vor allem in der Spitzenzeit von Mai bis August verlangt die Beregnung eine präzise Organisation. Unter der Regie von Mitarbeiter Felix Harborth koordiniert das Team die täglichen Abläufe. Motivation und Eigenverantwortung seien dabei entscheidend, wenn es darum geht, die eingezogenen Regner morgens umzubauen und an anderer Stelle für den

AUTOR

Holger Buck Beratung für Naturland h.buck@ naturland-beratung.de

abendlichen Neustart wieder in Position zu bringen, so Reiske.

Nicht alle Flächen werden beregnet. Dafür steht weder ausreichend Wasser zur Verfügung, noch ist es im klassischen Ackerbau wirtschaftlich sinnvoll. Anders bei den 150 ha Cash Crops am Betrieb: Kartoffeln, Feldgemüse und Kräuter. Diese Kulturen müssen intensiv mit Wasser versorgt werden. Sie nicht bedarfsgerecht bewässern zu können, würde diese Kulturen unrentabel machen.

Für diese Flächen stehen zehn Beregnungsmaschinen bereit: acht Kanonen und zwei 60-Meter-Düsenwagen. „Mit einer Beregnungsmaschine kommen wir auf 20 ha rum. Wir brauchen aber einen Überhang an Maschinen, weil wir viel Rüstzeit haben und bei bestimmten Wetterbedingungen nicht beregnen dürfen“, erklärt Reiske. Nur so lassen sich Bedarfsspitzen abfedern. Tatsächlich gibt es zeitliche Vorgaben: Ab 25 °C darf im Landkreis Lüchow-Dannenberg zwischen 12 und 18 Uhr nicht

Christoph Schäfer (3.v.li.) und Alexander Reiske (3.v.re.) mit einem Teil ihres Teams. Beregnung ist in der Saison arbeitswirtschaftlich eine große Herausforderung.

Fotos: A. Reiske, H. Buck

Düsenwagen – schonend und effizient, aber mit hohem Arbeitsbedarf und nur auf Flächen mit gutem Zuschnitt einsetzbar.

DER BETRIEB

Schäfer-Meyer GmbH Co. KG, Landkreis Lüchow-Dannenberg (Niedersachsen) www.bio-feldgemuese.de

400 ha Ackerbau (20 – 60 Bodenpunkte), davon

• 50 ha Kartoffeln

• 40 ha Möhren und anderes Wurzelgemüse für die Verarbeitung

• 25 ha Speisezwiebeln

• 25 ha Kräuter, u.a. Schnittlauch, Petersilie, Liebstock

• Getreide, Sojabohnen, Sonnenblumen

Arbeitskräfte

• zwei Betriebsleiter: Alexander Reiske, Christoph Schäfer

• sieben festangestellte Mitarbeiter

• 15 SaisonAKs, ab 2026 Carbon Robotics Laserweeder (3m) für die Unkrautregulierung

bewässert werden. Der Beregnungstag umfasst damit faktisch nur rund 18 Stunden. Zudem gilt bei Windgeschwindigkeiten über 11 m/s ein generelles Beregnungsverbot.

Mit weiteren Einschränkungen bei Beregnungszeiten und Wasserentnahmemengen rechnet Betriebsleiter Christoph Schäfer auch künftig. „Dennoch gelingt es uns bereits heute, rund 90 Prozent der Flächen zwischen 18 und 10 Uhr zu beregnen. Damit setzen wir das Wasser effizient ein“, erklärt Schäfer.

Teure Technik, Energie und Arbeit

Steigende Energie- und Arbeitskosten erhöhen den Druck zusätzlich. Der Betrieb prüft kontinuierlich, wie sich Wasser und Energie einsparen und Investitionen sinnvoll steuern lassen. Aufgrund der Streulage der Flächen fördern bei etwa der Hälfte der Anlagen Dieselaggregate das Wasser. „Elektropumpen sind in der Anschaffung teurer, würden uns jedoch arbeitswirtschaftliche Vorteile bieten“, gibt Betriebsleiter Christoph Schäfer Einblick in die Überlegungen. Die Überkopfberegnung mit Kanone bleibt wegen ihrer Flexibilität Standard – nicht nur im Betrieb Schäfer-Meyer. Die beiden großen

Düsenwagen arbeiten effizient, wenn der Flächenzuschnitt passt, das hat allerdings seine Grenzen. Tropfberegnung bleibt im Blickfeld der Betriebsleiter, ist aufgrund hoher Material- und Wartungskosten derzeit jedoch nicht wirtschaftlich.

Aktuell plant der Betrieb die Anschaffung eines kleineren Düsenwagens für Pflanzkulturen. Damit will er die tägliche Pflanzleistung besser begleiten sowie schonend und wassersparend das sichere Anwachsen gewährleisten.

Über die Jahre haben sich weitere betriebliche Anpassungen etabliert, erzählt Alexander Reiske: „Die Sektorensteuerung spart in fünf von sechs Jahren Energie und verbessert die Wasserverteilgenauigkeit.“ Gleichzeitig verhindert sie das Beregnen von Straßen, Radwegen und Hecken – eine behördliche Vorgabe, die Naturschutz und gesellschaftliche Akzeptanz gleichermaßen berücksichtigt.

Nicht zuletzt spielt auch der Schlauch- und Rohrdurchmesser eine Rolle für den Energiebedarf, wie Christoph Schäfer erklärt: „Bei der Neuanschaffung oder Neuverlegung von Schlauch- und Rohrmaterial ist mindestens ein 110er oder 120er Durchmesser unumgänglich, dies spart enorm Energie.“

Verbesserungen im Anbau

Auch agronomisch hat sich im Betrieb viel verändert. Beregnungsgassen schonen die Kultur und sind bei Kartoffeln, Zwiebeln und Porree zum Standard geworden. Langjährige Erfahrungen zeigen zudem, dass sich Kultivierung und Beregnung des Vorgewendes bei einigen Kulturen nicht lohnen. Dort wird nur noch eine Gründüngung platziert.

Aufgrund häufiger Frühjahrstrockenheit erfolgt die Gemüseaussaat möglichst direkt nach der Grundbodenbearbeitung, um das vorhandene Bodenwasser für die Keimung zu nutzen. „Eine Vorsaatberegnung oder das Herausberegnen von Sägemüse wäre zu teuer“, sagt Christoph Schäfer. Zwar steige dadurch in der Regel der Jäteaufwand, doch Schäfer sieht darin einen tragfähigen Kompromiss. Bei Bedarf werden in den Dammkulturen ein paar Zentimeter der Dammkrone präzise abgeschoben, um an ausreichend Wasser für die Keimung des Sägemüses zu gelangen.

Zentrale Bausteine bleiben die Fruchtfolge und der Boden als Wasserspeicher. Ausgewogene Kulturfolge und organische Düngung sichern nicht nur die Pflanzengesundheit, sondern stabilisieren auch die Bodenstruktur. Hackfruchtbetonte Fruchtfolgen können die Bodenstruktur schwächen, den Wurzelraum einschränken und den Beregnungsaufwand erhöhen. Deshalb nutzt der Betrieb vor sensiblen Kulturen gezielt ein Hygienejahr. Das schließt auch die rund 1.500 t selbst erzeugten Kompost, bestehend aus Schafmist, Rindermist, Champost und Grünlandaufwuchs, ein, die im Betrieb jährlich produziert werden.

KLIMATISCHE WASSERBILANZ

Der globale Klimawandel hat erhebliche Auswirkungen auf unsere Umwelt, insbesondere auf die Klimatische Wasserbilanz. Klimatrends zeigen eine Zunahme der Verdunstung aufgrund steigender Temperaturen sowie eine Abnahme der Niederschläge im Sommerhalbjahr. Die Klimatische Wasserbilanz beschreibt das mengenmäßige Verhältnis von Niederschlag und berechneter Verdunstung.  Anhand dieser Größe kann eine Aussage über die Wasserverfügbarkeit getroffen werden. In Gebieten mit einer langanhaltenden negativen Klimatischen Wasserbilanz im Sommerhalbjahr übersteigt die Verdunstung die Niederschläge deutlich, sodass Trockenstress bei den Pflanzen auftreten kann und eine Beregnung notwendig wird. Quelle: Fachverband Feldberegnung

Gemeinsames Handeln erforderlich

Christoph Schäfer engagiert sich seit einigen Jahren beim Fachverband für Feldberegnung (fachverband-feldberegnung.de). Der Verband vertritt die Interessen der Beregnungslandwirtschaft und versorgt seine Mitglieder während der Saison wöchentlich mit aktuellen Hinweisen. „Es gibt einen Flickenteppich an Regelungen und Auflagen auf Ebene der Landkreise beim Thema Bewässerung“, erzählt der Betriebsleiter: „Als Einzelbetrieb steht man im Beregnungslandkreis Lüchow-Dannenberg mit seinen Anliegen mittlerweile auf verlorenem Posten. Um Gehör zu finden und Dinge umsetzen zu können, ist die Mitgliedschaft in einem Beregnungsverband heute unumgänglich.“ Das betrifft bereits die Beantragung neuer Brunnen, die der Landkreis nur als abgestimmtes, über den Verband vorgetragenes Anliegen akzeptiert. Auch größere Vorhaben wie Wasserrückhalte- oder Speicherbecken stehen zur Diskussion – Projekte, die einzelne Betriebe aufgrund der hohen Aufwendungen allein nicht stemmen können.

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Stephan Sinn

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Beratung für Naturland s.lemmerer@ naturland-beratung.at

UND KEYLINE-DESIGNAgroforst

Agroforst und Keyline-Design sind Werkzeuge im Kampf gegen die Trockenheit. Keyline-Design wird neuerdings oft mit Agroforst kombiniert. Sieben Fragen und Antworten, warum sie gegen Dürre und Trockenheit helfen können.

1) Wie wirkt sich Agroforst auf den Wasserhaushalt einer Fläche aus?

Agroforstsysteme können, in Abhängigkeit von ihrer Ausgestaltung und Ausrichtung auf einer Fläche, Einfluss auf den Wasserhaushalt nehmen. Ein wesentlicher Effekt ist die Reduktion der Windgeschwindigkeit in Bodennähe, wenn das Agroforstsystem quer zur Hauptwindrichtung angelegt ist. Das reduziert nicht nur Bodenerosion, sondern verringert auch die Austrocknung, da die von den Kulturpflanzen verdunstete Feuchtigkeit nicht so schnell abtransportiert wird. Durch die in Bodennähe etwas höhere Luftfeuchtigkeit wird in Folge weniger verdunstet und Bodenfeuchte „gespart“. Die Gehölze selbst tragen über Verdunstung ebenfalls zur Kühlung und Erhöhung der Luftfeuchte bei. Da Gehölze in der Regel tiefer wurzeln als Ackerkulturen oder Grünland, erreichen sie Wasser in tieferen Bodenschichten und können diesen Verdunstungseffekt auch in Trocken-

perioden länger aufrechterhalten; allerdings entziehen sie dabei dem Unterboden natürlich auch Feuchtigkeit. Zudem kann der Schattenwurf von Gehölzen Verdunstung und Hitzestress reduzieren. Zusätzlich beeinflussen Agroforstsysteme durch verbesserte Infiltration und Wasserspeicherkapazität im Baumstreifen den Wasserhaushalt der Fläche positiv, da Niederschlagswasser effektiver genutzt wird.

2) Wie groß ist die Wirkung von Agroforstsystemen tatsächlich?

Monotone, großräumig ausgeräumte und entwässerte Agrarlandschaften heizen sich stärker auf, verbrauchen Bodenfeuchte schneller und können weniger zu Konvektion und regionaler Wolkenbildung beitragen als gehölzreiche Landschaften oder Wälder. In Kombination mit dem Klimawandel entsteht ein Teufelskreis, der Trockenphasen tendenziell verstärkt und Niederschläge intensiviert.

1 Untersuchungen zeigen: In niederschlagsarmen Regionen können Agroforstsysteme Erträge stabilisieren oder sogar steigern, da Gehölzstreifen Mikroklima und Wasserverfügbarkeit positiv beeinflussen.

2 Großräumig ausgeräumte Agrarlandschaften ohne Gehölzstrukturen erwärmen sich stärker und verlieren schneller Bodenfeuchte – hier können Agroforstsysteme Mikroklima und Wasserhaushalt deutlich verbessern.

3 Agroforstsysteme mit regelmäßigen Baumreihen verbessern Mikroklima, Infiltration und Wasserspeicherung auf dem Schlag.

Eine systematische und großflächige (Re)Integration von Gehölzen in die Land(wirt)schaft könnte Folgen des Klimawandels abmildern und regionale Wasserkreisläufe positiv beeinflussen. Dafür muss nicht großflächig aufgeforstet werden. Studien haben gezeigt, dass Agroforstsysteme, in denen ca. 15 % der Fläche mit Gehölzstreifen bepflanzt wurden (z.B. 8 m Baumstreifen alle 48 m), nicht nur das Mikroklima auf dem Feldstück verbessern, sondern auch überregional positive Effekte auf Temperatur und Niederschlagsmuster hätten – allerdings nur, wenn großflächig umgesetzt. Untersuchungen haben ergeben,

Auf dem Gladbacherhof in Hessen wurde ein innovatives Agroforstsystem auf Dauergrünland umgesetzt. Unser Video von diesem Projekt finden Sie auf dem YouTube-Kanal von Naturland. Der QR-Code führt direkt zum Video.

Keyline-Design ordnet Strukturen wie Gehölzstreifen, Gräben oder Wälle parallel zu den Höhenschichtlinien an, um Wasser quer zum Hang zu verteilen, Abfluss zu bremsen und die Infiltration zu fördern.

dass die landwirtschaftlichen Kulturen in Agroforstsystemen vor allem in niederschlagsarmen Gegenden höhere Erträge abwerfen und der Flächenverlust dadurch zum Teil sogar kompensiert wird. Agroforstsysteme können die landwirtschaftliche Produktion sinnvoll ergänzen und widerstandsfähiger machen. Im Gegensatz zu anderen (grundsätzlich berechtigten) Klimaschutzmaßnahmen, wie der Wiedervernässung von Mooren oder der Umwandlung von Acker in Dauergrünland, können sie potenziell sehr großflächig und verhältnismäßig kostengünstig umgesetzt werden, ohne die Lebensmittelproduktion stark zu beeinträchtigen.

3) Was ist Keyline-Design?

Keyline-Design beschreibt ein Planungskonzept, das Wasser in der Landschaft und für die Landwirtschaft speichert und verteilt. Eine der Kernideen des Konzepts ist der Ansatz, Strukturen wie Gräben und/ oder Erdwälle in der Landschaft weitgehend parallel zu den Höhenschichtlinien anzulegen, also quer zum Hang bzw. zur Fließrichtung des Wassers. Dadurch soll der rasche oberflächliche Abfluss gebremst und Wasser möglichst gleichmäßig auf Flächen bzw. in der Landschaft verteilt werden. Es handelt sich dabei ursprünglich um ein sehr großflächiges Landschaftsplanungskonzept, das ganze Täler und Wassereinzugsgebiete umfasst und neben Gräben, Wällen und Terrassen beispielsweise auch Speicherteiche inkludiert. Keyline-Design kann aber auch auf einzelnen

Schlägen umgesetzt werden und findet heutzutage vor allem im Zusammenhang mit der Anlage von Agroforstsystemen Anwendung.

4) Was bringt Keyline-Design in Hinblick auf Wasser und Klimawandel?

Durch den Klimawandel werden sehr langanhaltende trockene Phasen im Wechsel mit Starkniederschlägen häufiger. Der ausgetrocknete Boden kann das plötzliche, viele Wasser dann oft nicht rasch genug aufnehmen. Es fließt oberflächlich ab und führt dabei oft zu Abtrag wertvollen Oberbodens bis hin zu massiven Erosionsschäden. Der Bodenwasserspeicher wird unter diesen Bedingungen nur wenig aufgefüllt, Wasser und Humus sind verloren. Wenn erfolgreich umgesetzt, kann Keyline-Design helfen, mehr Wasser zurückzuhalten, quer zum Hang zu verteilen und ihm die Zeit zu geben, um in den Boden infiltrieren zu können. Dadurch können die Bodenwasserspeicher besser gefüllt und genutzt werden. Wenn Keyline-Design erfolgreich auf Landschaftsebene umgesetzt ist, können damit sogar Grundwasserstände positiv beeinflusst und Hochwasser verringert sowie dadurch entstehende Kosten und Probleme reduziert werden.

5) Erhöht Keyline-Design den Bewirtschaftungsaufwand auf den Flächen?

Keyline-Design ist ein äußerst komplexer Planungs-

prozess, der viele Aspekte (Hydrologie, Geologie, Gelände- und Feldstückform, geplante Bewirtschaftung etc.) zu berücksichtigen hat und, wenn in größerem Ausmaß umgesetzt, auch den Wasserhaushalt einer Landschaft verändert. Das hat im Hinblick auf Klimawandelanpassung Potenzial, birgt aber auch Risiken. Die Umsetzung dieser Landschaftsveränderungen verursacht relativ hohe Kosten und sie beeinflusst die Bewirtschaftung der Flächen nachhaltig, insofern ist eine gute Planung essenziell. Noch sind Keyline-Systeme wenig erforscht und ihr Nutzen ist schwer zu quantifizieren. Aufwand, Kosten und potenzieller Nutzen hängen stark von den lokalen Gegebenheiten und der geplanten Bewirtschaftung ab. Hier gilt es, kritisch zu hinterfragen und abzuwägen. Jedenfalls sollte man professionelle Beratung hinzuziehen.

6) Warum Agroforst und Keyline-Design kombinieren?

Keyline Design gewann erst in den letzten 20 Jahren mit der zunehmenden Popularität der Agroforstwirtschaft mehr Bekanntheit. Agroforst im Keyline Design bedeutet, dass die Gehölzpflanzungen mehr oder weniger entlang der Höhenschichtlinien am Feld angeordnet werden. Zum Teil werden vor der Pflanzung auch Erdarbeiten durchgeführt und Gräben und Wälle angelegt, auf denen später die Gehölze gepflanzt werden. Da das Konzept erst seit ein paar Jahren an Bedeutung gewinnt, gibt es bis jetzt kaum wissenschaftliche Untersuchungen und keine langjährigen Erfahrungen zu solchen Systemen. Ob und wie sich Keyline-Systeme in ihren Wirkungen von

anderen Agroforstsystemen unterscheiden, ist nicht gesichert und ob der vielen Variablen vermutlich auch nicht zu verallgemeinern. Je nach den Gegebenheiten und Zielvorstellungen kann eine Anordnung im Keyline-Design entweder durchaus sinnvoll erscheinen oder sich als unpraktikabel oder mit primären Zielvorstellungen nicht in Einklang zu bringen erweisen.

7) Ich kann kein Agroforstsystem anlegen. Was kann ich sonst tun?

Wichtig ist anzumerken: auch Bäume ersetzen nicht eine sich an verändernde Bedingungen angepasste Acker- oder Grünlandbewirtschaftung; hier kann schon viel Positives bewirkt (oder auch unterlassen) werden und nicht jede Fläche „braucht“ ein Agroforstsystem. (Wasser)konservierende Bodenbearbeitung, Humusaufbau, möglichst kurze Brachezeiten, Untersaaten und angepasste Fruchtfolgen sind Werkzeuge und Stellschrauben, die jeder Bio-Ackerbauer kennt und bestmöglich nutzen sollte. Im Grünland sind abgestufte Nutzung und angepasste Weidesysteme (z.B.: Koppel- statt Kurzrasenweide, Mob Grazing) als Beispiele zu nennen. Windschutzgürtel mit mehrjährigen Kulturen wie Miscanthus/Elefantengras als Alternative zu Hecken bzw. Agroforst oder regulierbare Drainagen sind weitere Ansätze, um Trockenheit zu begegnen. Der bestmögliche Umgang mit der Ressource Wasser ist jedenfalls ein wichtiger Schlüssel in der Klimawandelanpassung und jeder Betrieb sollte sich mit den für ihn passenden und umsetzbaren Stellschrauben am eigenen Betrieb auseinandersetzen.

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AUTOR

Dr. Wolfgang Patzwahl

Naturland Beratung w.patzwahl@ naturland-beratung.de

FÜR DEN WEIN Wasser

Wasserdefizite wirken sich auf Pflanzen und Böden negativ aus – auch im Weinbau. Ökologisch wirtschaftende Betriebe sind zwar oft resilienter gegenüber den Folgen des Klimawandels, aber auch sie müssen sich anpassen.

Der Klimawandel wirkt sich zunehmend auf die Landwirtschaft aus. Es steigen nicht nur die mittleren Jahrestemperaturen, auch Extremereignisse wie Hitzewellen, langanhaltende Trockenperioden und Starkniederschläge nehmen zu. Gleichzeitig erhöht sich die Verdunstung. Übersteigt die Verdunstung die Niederschlagsmenge, entstehen Wasserdefizite, welche die physiologischen Prozesse in Pflanzen, Bodenhydrologie und Produktionssystemen erheblich beeinträchtigen. Damit wird Wasser zum limitierenden Faktor für Ertrag und Qualität. Beobachtet man die Differenz zwischen Niederschlagsmenge und Verdunstung, die sogenannte Klimatische Wasserbilanz (KWB), können Bewässerung, Humusauf-

bau, Bodenbearbeitung und Anbauplanung gezielt gesteuert werden. In fränkischen Weinbaugebieten hat man damit gute Erfahrungen gemacht. Ziel der Winzer und Wissenschaftler ist es, die Resilienz der Weinberge gegenüber klimatischen Extremereignissen zu erhöhen.

Wasserdefizit im Weinbaugebiet

Langjährige Aufzeichnungen von 1991 bis 2025 aus dem unterfränkischen Weinanbaugebiet Sommerach zeigen, dass mehr als 80 % der Jahre negative Wasserbilanzen aufweisen. Besonders stark ausgeprägt waren die Defizite in den Jahren 2003

Die Klimatische Wasserbilanz (KWB) Sommerach 1991 bis 2025: Negative Werte markieren Wasserdefizite, positive Werte zeigen Überschüsse. Der Trend geht zum Defizit.

< Die Weinstöcke bei der Wallfahrtskirche Maria im Weingarten werden über einen Tropfschlauch bewässert.

Kurz & knapp

Wasser wird zum strategischen Produktionsfaktor des 21. Jahrhunderts. Ökologisch wirtschaftende Betriebe sind durch humusorientierte Bodenbewirtschaftung, Dauerbegrünung, hohe Biodiversität und integratives Landschaftsmanagement resilienter. Fallstudien wie das kombinierte System VINAQUA in Volkach und Agroforstsysteme wie im Würzburger Stein zeigen, dass intelligente Anpassungsmaßnahmen wirksam sind. Interessierte Fachleute können das VINAQUA-Projekt in Volkach besichtigen. Nehmen Sie dazu Kontakt mit dem Autor auf.

(−446,9 mm), 2015 (−401,7 mm), 2018 (−394,3 mm), 2022 (−372,2 mm) und 2025 (−301 mm). Diese Defizite sind nicht auf einzelne Extremjahre zurückzuführen, vielmehr zeigt sich an ihnen eine langfristige strukturelle Verschiebung des Wasserhaushalts. Selbst Jahre mit vergleichsweise hohen Niederschlägen erreichen nur ausgeglichene oder leicht positive Bilanzen, da die Verdunstung überproportional zunimmt. Die Daten belegen die zunehmende Bedeutung systematischer Anpassungsmaßnahmen im ökologischen Landbau.

Vermindertes Pflanzen- und Fruchtwachstum

Eine Wetterstation liefert Daten zu Niederschlägen, Temperatur, Luftfeuchte und weiteren Parametern. So lässt sich die Bewässerung gut bedarfsgerecht steuern (oben). Ein Tropfschlauch versorgt die Weinstöcke mit Wasser (unten).

Wasser ist limitierend für zentrale physiologische Prozesse wie Photosynthese, Verdunstung, Nährstofftransport und Nährstoffbildung. Sinkt die Bodenwasserverfügbarkeit, reduziert sich das Blattwasserpotenzial. Die Folge ist, dass sich die Blattporen teilweise oder vollständig schließen, um den Wasserverlust zu begrenzen. Dies verringert jedoch auch CO₂-Aufnahme und Netto-Photosynthese. Die reduzierte Verdunstung wiederum erschwert die Blattkühlung. Hohe Temperaturen belasten die Weinstöcke umso mehr. Die Pflanze kann nur noch begrenzt Nährstoffe wie Kohlenhydrate, Glucose, Assimilationsstärke, Aminosäuren und Fettsäuren herstellen. Für die Weinrebe hat dies besondere Bedeutung. Tiefreichende Wurzelsysteme erlauben zwar Toleranz gegenüber Trockenheit, jedoch zeigen Studien, dass anhaltender Wasserstress das vegetative Wachstum reduziert und das Zucker-Säure-Verhältnis der Beeren negativ beeinflusst. Auch werden die Ressourcen für Abwehr- und Reparaturmechanismen eingeschränkt, was die Anfälligkeit erhöht. Ein stabiler Wasserstatus ist daher für Photosyntheseleistung, Nährstoffverteilung und Fruchtentwicklung entscheidend.

Verminderte Humusbildung

Auch Böden reagieren empfindlich auf den veränderten Wasserhaushalt. Trockenperioden mindern die mikrobielle Aktivität und destabilisieren die Bodenaggregate, Starkregen auf ausgetrockneten

Fotos: W. Patzwahl

Böden reduziert die Infiltration und erhöht Oberflächenabfluss sowie Erosion. So ergibt sich eine negative Feedbackschleife: Weniger Humus → geringere Wasserspeicherung → verstärkter Trockenstress → reduzierte Biomasseproduktion → geringerer organischer Input. Ökologische Bewirtschaftungssysteme profitieren hier vom praktizierten Humusaufbau, von Dauerbegrünung und reduzierter Bodenbearbeitung. Durch diese Maßnahmen können Landwirte die Wasserspeicherfähigkeit und Widerstandsfähigkeit ihrer Böden erhöhen.

Erfolgreiches Wassermanagement mit VINAQUA

Wie man erfolgreich Wassermanagement betreibt, zeigt seit 2009 das integrative Wassermanagementsystem VINAQUA in der Stadt Volkach im Weinbaugebiet Franken. Der Schlüssel zum Erfolg liegt in der Kombination mehrerer Maßnahmen. Oberflächenwassersammlung, dezentrale Speicherung in Retentionsbecken, bedarfsgerechte Tropfbewässerung und ganzjährige Bodenbedeckung durch Zwischenfrucht- und Dauerkulturen verbessern die Wasserverfügbarkeit im Wurzelraum. Gleichzeitig wird organische Bodensubstanz aufgebaut, wodurch Aggregatstabilität, Porenstruktur und Wasserspeicherfähigkeit gestärkt werden. Hydrologische Messungen zeigen eine bis zu 23 % höhere Feldkapazität. Die Feldkapazität bezeichnet die Wassermenge, die ein zunächst wassergesättigter Boden gegen die Schwerkraft nach zwei bis drei Tagen noch halten kann. Die Infiltration wird verbessert, Erosion reduziert. Langzeitbeobachtungen bestä-

Im Projekt VINAQUA wird mittels eines Pumpwerks Wasser aus dem Retentionsbecken in die Weinberge befördert.

tigen stabile Erträge und Produktqualität, selbst in trockenen Jahren. Die Wirksamkeit von VINAQUA resultiert aus der Verbindung biologischer Bodenverbesserung mit präziser, standortangepasster Bewirtschaftung.

Agroforst für ein besseres Mikroklima

Aktuelle Simulationen für das Weinbaugebiet Würzburger Stein zeigen, dass Agroforstmaßnahmen den Zusatzwasserbedarf um 10-20 % senken, die Bodenfeuchte stabilisieren und die Grundwasserneubildung fördern würden. Strategische Gehölzstreifen würden laut Simulation der Planungsbüros (btw. patzwahl.de und ib-arz.de) die Landschaftsrauigkeit erhöhen und Windgeschwindigkeiten reduzieren. Das würde die Verdunstung vermindern und den Wasserhaushalt stabilisieren. Gleichzeitig würde die Biodiversität gestärkt, die Erosion gemindert und die mikroklimatischen Bedingungen verbessert.

Herstellung von hochwertigen Mischfuttern, optimiert nach dem Bedarf der ökologischen Tierhaltung

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AUTORIN

Magdalena Nertinger

Naturland e.V. m.nertinger@ naturland.de

& Wasser Naturland

Alexander Koch und Tom Mitschi im Interview

Seit über zehn Jahren bearbeitet Naturland bereits das Thema nachhaltiges Wassermanagement und hat es auch in seine Richtlinien aufgenommen. Welche Inhalte dahinterstehen, erklären Alexander Koch und Tom Mitschi.

ALEXANDER KOCH & TOM MITSCHI

Alexander Koch (li.) hat das Thema Wasser bei Naturland von Anfang an mitentwickelt. Seit 2025 arbeitet auch Tom Mitschi als Referent für Wassermanagement im Team „Internationale Mitgliederbetreuung und Qualitätssicherung“ bei Naturland e.V.

Warum ist Wasser global ein so wichtiges Thema für Naturland?

Koch: Nicht nur für Naturland. Wasser ist global eines der wichtigsten Zukunftsthemen. Für Naturland wurde es um 2012 zum Thema, als die ersten spanischen Betriebe um die Naturland Zertifizierung anfragten. Da die meisten dieser Betriebe in Trockenregionen liegen und bewässern, wollten wir das Thema nicht ausblenden, also bestand für Naturland Handlungsbedarf.

Wie ging es dann weiter?

Koch: In Zusammenarbeit mit der Bio Suisse und dem WWF Deutschland wurde ein Vorschlag für die Naturland Richtlinienkommission erarbeitet, der dann von der Delegiertenversammlung 2016 verabschiedet wurde. Wir wollen damit in Regionen mit Wasserrisiken zu einer nachhaltigen Nutzung von Wasserressourcen beitragen.

Dazu habt ihr auch Wassermanagementpläne erarbeitet.

Koch: Ja, mit der Entwicklung der Wasser-Richtlinien war es nicht getan. Die Umsetzung der Richtlinie mittels Wassermanagementplänen war eine gewaltige Herausforderung, sowohl für die Betriebe als auch für uns, da wir damit vielfach Neuland betreten haben. Zusätzlich veröffentlichten wir 2021 den ersten Leitfaden für nachhaltige Wassernutzung in fünf Sprachen, da schnell klar war, dass wir den Betrieben eine praktische Hilfestellung an die Hand geben müssen. Außerdem organisierten wir Schulungen zu nachhaltigem Wassermanagement in Spanien, in Griechenland und in Indien und haben das Thema mit Artikeln in der Fachpresse sowie Präsentationen weiter vorangebracht.

Das heißt, die Naturland Betriebe in diesen Regionen mussten sich anpassen?

< Tropfleitungen auf einem neu gesäten Knoblauchfeld in Ägypten.

Koch: Ja, wir mussten einige Betriebe, die sich nicht an die Vorgaben der Wasser-Richtlinien halten wollten oder konnten, ausschließen. Auch für die Neuaufnahme von Betrieben spielt die Einhaltung dieser Vorgaben eine entscheidende Rolle. Der größte Effekt ist aber die Bewusstseinsbildung: Die Richtlinien und die intensive Auseinandersetzung in der Umsetzung tragen zur Bewusstseinsbildung bei Betrieben und weit darüber hinaus bei.

Fotos:
T. Mitschi

Den aktuellen Naturland Leitfaden für nachhaltiges Wassermanagement finden Sie online unter www.naturland.de.

Über den QR-Code gelangen Sie direkt zum Dokument.

Im Jahr 2021 kam es dann auch zur Kooperation mit Bio Suisse.

Koch: Genau, mit Bio Suisse arbeiteten wir von Anfang an eng beim Thema Wasser zusammen. Im Jahr 2021 unterzeichneten wir dann offiziell eine Kooperationsvereinbarung, die die gegenseitige Anerkennung der Zertifizierung bezüglich Wasser zum Inhalt hat.

Wie sieht der Ansatz von Naturland beim Thema Wasser in der konkreten Umsetzung aus?

Mitschi: Im internationalen Bereich zielt Naturland auf die Verbesserung des Wassermanagements der Betriebe ab. Das gilt insbesondere für diejenigen, die in wasserkritischen Gebieten liegen. Dies erfolgt einerseits durch die Kontrolle der Richtlinien und andererseits durch Sensibilisierung und Wissenstransfer. Neben den bereits erwähnten Seminaren und Webinaren, die in den letzten Jahren durchgeführt wurden, gibt es seit März einen Online-Kurs zum nachhaltigen Wassermanagement auf der Plattform der Naturland Academy. In vier Sprachen werden theoretische und praktische Grundlagen zum Thema vermittelt. Der Kurs soll den Betrieben dabei helfen, die Anforderungen der Naturland Richtlinien bezüglich Wasser zu erfüllen.

Rotierende Pivot-Bewässerung in einem Pfefferminzfeld in Ägypten. Das kleine Bild zeigt „soil bunding“ mit Tropfbewässerung zur Effizienzsteigerung. Erdwälle hindern das Wasser am Ablaufen.

Welche Länder stehen beim Thema Wasser im Fokus?

Mitschi: Die meisten Naturland Betriebe in Gebieten mit Wasserrisiken befinden sich in Südeuropa, vor allem in Spanien, aber auch in Italien und Griechenland. Auch in der Türkei, in Ägypten, Indien, Peru, im Iran und in China müssen Betriebe – je nach Region – einen Wassermanagementplan einreichen. Es sind also sehr unterschiedliche landwirtschaftliche Praktiken und Regelungsrahmen für die Bewässerung zu berücksichtigen.

Dann noch ein Blick in die Zukunft. Was ist in nächster Zeit geplant?

Mitschi: Eine Weiterentwicklung der Naturland Richtlinien hat zur Folge, dass ab 2026 die Reichweite unseres Filters, mit dem wasserkritische Gebiete definiert werden, vergrößert wird. Das bedeutet, dass mehr internationale Betriebe die zusätzlichen Anforderungen zum Thema Wasser erfüllen müssen. Das spiegelt die Realität wider, weil mehr und mehr Regionen von Wasserrisiken betroffen sind. Zudem arbeiten wir dieses Jahr intensiver an den Themen Wassernutzungsrechte und Legalität der Wassernutzung in den vielen Ländern, in denen Naturland arbeitet. Außerdem werden wir uns vermehrt mit fachlichen Themen wie Versalzung beschäftigen.

WASSERMANAGEMENT IN INDIEN

Wasser ist in Indien eine knappe und ungleich verteilte Ressource. Wie nachhaltiges Wassermanagement konkret umgesetzt werden kann, zeigt der Naturland Betrieb Mother India Farms. Ergänzende Praxisschulungen stärken zudem Betriebe im Umgang mit Wasserknappheit und Klimaschwankungen.

Indien beheimatet rund 16 Prozent der Weltbevölkerung, verfügt jedoch nur über etwa vier Prozent der globalen Süßwasserressourcen. Diese sind zudem regional sehr ungleich verteilt. Unregelmäßige Monsunregen, längere Trockenperioden und sinkende Grundwasserspiegel verschärfen in vielen Regionen den Druck auf die Wasserverfügbarkeit. Für landwirtschaftliche Betriebe ist ein durchdach-

tes und standortangepasstes Wassermanagement daher von zentraler Bedeutung.

Mother India Farms

Wie nachhaltiges Wassermanagement in der Praxis aussehen kann, zeigt der Naturland Betrieb Mother India Farms im südindischen Bundesstaat Tamil Nadu. Der Familienbetrieb wurde 1997 gegründet, wirtschaftet seit dem Jahr 2000 ökologisch und ist seit 2016 Naturland zertifiziert. Auf rund 200 Hektar werden verschiedene Mangosorten angebaut. Die Region ist geprägt von stark schwankenden Niederschlägen, häufigen Trockenperioden und einem hohen Nutzungsdruck auf die Grundwasserressourcen.

Lea Moog

Naturland e.V. l.moog@naturland.de

Fotos: Naturland / Lea Moog
AUTORIN

Um Wasser effizient zu nutzen und die Böden langfristig zu stabilisieren, setzt Mother India Farms auf ein ganzheitliches System aus gezielter Bewässerung, Bodenaufbau und Wasserrückhalt. Die Mangobäume werden über eine sogenannte Circular Irrigation direkt im Wurzelbereich bewässert, wodurch Wasserverluste durch Verdunstung oder Abfluss minimiert werden. Sämtliche organische Reststoffe des Betriebs werden kompostiert und wieder ausgebracht, was Bodenstruktur und Humusgehalt verbessert und die Wasserspeicherfähigkeit erhöht. Zusätzlich schützt eine lebende oder frische Mulchschicht den Boden vor Austrocknung und Erosion. Entlang der Höhenlinien angelegte Contour Bands verlangsamen den Wasserabfluss und fördern die Versickerung. Ergänzt wird das System durch Maßnahmen zur Grundwasserneubildung sowie durch Teiche und kleine Reservoirs, in denen Regenwasser gespeichert wird.

Praxisschulungen

3 Neben dem Besuch eins Praxisbetriebes wurden bei der Schulung in Südindien auch Risikoanalysen für die Naturland Betriebe in Hinblick auf Wasser durchgeführt und Anpassungsszenarien entwickelt. 1 2 3

Ergänzend zu diesem Praxisbeispiel führte Naturland Ende 2024 zwei zweitägige Praxisschulungen zum nachhaltigen Wassermanagement in Indien durch. Eine Schulung fand im nordindischen Bundesstaat Uttar Pradesh statt, wo der Schwerpunkt auf dem Reisanbau lag. Thematisiert wurden wassersparende Bewässerungssysteme sowie alternative Anbaumethoden. Die zweite Schulung wurde in Kerala im Süden Indiens durchgeführt und richtete sich an Betriebe mit tropischen Dauerkulturen wie Mango, Kokos und Gewürzen. Dort standen traditionelles Wissen, Regenwassernutzung und einfache, aber smarte Bewässerungssysteme im Fokus.

An den Workshops nahmen jeweils bis zu 30 Bäuerinnen und Bauern aus Naturland Kooperativen teil. Im Mittelpunkt stand der gegenseitige Austausch zu regional angepassten Verfahren wie z.B. Regenwassersammlung- und Nutzung, Ero-

1 Ashok Amruthraj vom Naturland Betrieb Mother India Farms setzt auf ein ganzheitliches System aus gezielter Bewässerung, Bodenaufbau und Wasserrückhalt. Hier eine Gründüngung unter den Mangobäumen.

2 Die Bewässerungsschläuche liegen unterirdisch, kreisförmig um die Mangobäume. Die Bodenbearbeitung findet ebenfalls kreisförmig um die Bäume statt, damit Regenwasser direkt zu den Bäumen fließen kann.

Eine Naturland Schulung fand im nordindischen Bundesstaat Uttar Pradesh statt, der Schwerpunkt lag auf dem Reisanbau. Die Schulung wurde gemeinsam mit Bio Suisse durchgeführt.

sionsschutz und verbesserte Wassernutzung durch Landschaftsgestaltung mit Hilfe von Keyline-Design und Wasserspeicherbecken. Gemeinsame Feldbesuche ermöglichten zudem die direkte Anschauung der praktischen Umsetzung.

Unterstützung der Betriebe

Die Erfahrungen aus Tamil Nadu sowie aus den Praxisschulungen in Uttar Pradesh und Kerala zeigen, dass ein nachhaltiges Wassermanagement

robust, tiergerecht,

Ein Video zur praktischen Umsetzung auf dem Betrieb Mother India Farms finden Sie auf dem Naturland YouTube-Kanal. Der QR-Code führt direkt zum Video.

auf betrieblich umsetzbaren Maßnahmen aufbaut. Die Kombination aus gezielter Bewässerung, Bodenpflege und Wasserrückhalt kann dazu beitragen, Wasser effizienter zu nutzen, Böden langfristig zu erhalten und die Anbausysteme gegenüber klimatischen Schwankungen stabiler zu machen.

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Biogas und Klauen

TIPP

Markt & Vermarktung

MARKTKOMMENTAR

Markt- und Preisentwicklung sind für Bäuerinnen und Bauern elementar für den Betriebserfolg. Mit den folgenden Marktberichten wollen wir Transparenz bieten. Sie entstanden in Zusammenarbeit mit der Naturland Zeichen GmbH und der Marktgesellschaft der Naturland Bauern AG. Jörg Große-Lochtmann ist Geschäftsführer und Vorstand der Marktgesellschaft. Er fordert mehr Planungssicherheit für Landwirte und die gesamte Wertschöpfungskette.

Der Bio-Lebensmittel-Umsatz ist in den vergangenen beiden Jahren gestiegen. Für 2025 verzeichnete der Handel im Bio-Segment ein Plus von 6,7 Prozent, und auch im ersten Quartal 2026 zeichnet sich diese Entwicklung weiter ab. Trotzdem hat das erfreuliche Umsatzwachstum kaum zu Bio-Umstellungen geführt. Warum? Für die weiterhin nachhaltige Entwicklung muss der Zeitverzug von drei Jahren bei Neuumstellungen berücksichtigt werden – vorausgesetzt Preissituation, Planungssicherheit und Aussichten stimmen!

Dass man nicht auf Knopfdruck „Bio“ wird, zeigt sich besonders in der Tierhaltung. Denn hier kommt die Vorlaufzeit für Stallum- und -Neubauten dazu. Hier wird nochmals klarer, wie wichtig stabile Märkte und politische Rahmenbedingungen sind, denn landwirtschaftliche Betriebe binden sich mit diesen Investitionen oft für eine ganze Generation.

Wer es also in Handel und Verarbeitung ernst meint mit Regionalität, Umweltschutz und Tierwohl, sollte das auch in seiner Vertragsgestaltung und Vertragsdauer mit seinen Lieferanten zum Ausdruck bringen. Jährliche Ausschreibungsverfahren und häufige Lieferantenwechsel stehen dem Aufbau einer stabilen Wertschöpfungskette und Wertschätzungskette für alle Beteiligten diametral entgegen. Das erzeugt Marktdruck und Instabilität. Wir empfehlen hin-

gegen dringend mehrjährige Vertragslaufzeiten zumindest für Basismengen, die man dann jährlich weiterentwickelt. So entstehen stabile Lieferketten mit Synergien für alle. Im Sinne des Umweltschutzes wäre auch, eine Lieferstruktur aufzubauen, die sich an der Regionalität orientiert und die Erzeugnisse auf möglichst kurzem Weg zwischen beispielsweise Nord, Mitte und Süd verteilt. So erschließt man für alle Beteiligten Synergien und spart Ressourcen. So wird umweltschädlicher Transportaufwand vermieden und planbare Wertschöpfung geschaffen.

Erfahren Sie mehr in unserem MarktVideo auf dem YouTube-Kanal von Naturland. Der QRCode führt direkt zum Video.

Wer – wie Bäuerinnen und Bauern – mit hohen Investitionen und vielgliedrigen Fruchtfolgen bei steigendem Wetterrisiko arbeitet, muss im Absatz auf Planung und Zuverlässigkeit setzen. Nur so können sich Bio-Betriebe positiv entwickeln und nur so kann der Biomarkt nachhaltig wachsen. Chaos und unvermutete Katstrophen gibt es von außen mehr als genug. In der Vergangenheit warb ein Handelshaus einmal mit dem Slogan „Hier wächst Vertrauen“. Das war das richtige Signal. Wachsen und vertrauen gehören zusammen.

Ihr Jörg Große-Lochtmann

Foto: Naturland / Christoph Assmann
VIDEO-TIPP

MILCHMARKTKOMMENTAR

von Stephan Scholz

Naturland Zeichen GmbH

Gemischte Signale am BioMilchmarkt: Zum einen bleibt die Nachfrage der Konsumenten relativ stabil. Der Griff nach Bio-Produkten aus dem Kühlregal kann als lebhaft bezeichnet werden. Zum anderen mussten nach den letzten Preisverhandlungen einige Abschläge akzeptiert werden. Neben der zum Ende des Jahres stark gestiegenen Bio-Milchmenge ist es vor allem die negative Preisentwicklung im konventionellen Sektor, die auch auf die BioProdukte Druck macht. Bei Dauerniedrigpreisen vor allem für Butter – ausgelöst durch die großen Discounter – droht weiter Wechselkaufverhalten. Es gibt aber auch Anzeichen, dass 2026 stabil bleiben könnte. Entscheidend dafür ist, dass Milchanlieferung und Nachfrage im Gleichgewicht bleiben. Bei aller berechtigter Unsicherheit über die Frage, wie es weiter geht, muss man hervorheben, dass 2025 mit 66,5 Cent Jahresdurchschnitt (ohne NZ) ein Rekordjahr für den Bio-Milchpreis war.

MARKT & PREISE

Die Bio-Märkte zeigen derzeit ein gemischtes Bild: Während viele Bereiche stabil bleiben, geraten andere durch veränderte Nachfrage und stärkeren Wettbewerb unter Druck. So zeigen sich zum Beispiel bei Hafer Übermengen, während Soja oder Sonnenblumen gefragt sind. Und auf den Fleischmärkten verändern sich gerade die Rahmenbedingungen.

BIO-SCHWEIN

Der Bio-Schweinemarkt befindet sich derzeit in einer angespannten Phase. Hintergrund ist vor allem zusätzlicher Wettbewerb durch günstige EU-BioWare aus anderen europäischen Ländern, insbesondere aus Spanien. Gleichzeitig versuchen einige Anbieter, die in Deutschland verdrängte Bio-Ware kurzfristig zu platzieren, das sorgt für eine unruhigere Marktsituation. Trotz dieser Entwicklung läuft die

BIO-RIND

Der Bio-Rindfleischmarkt bleibt grundsätzlich fest, steht aber zunehmend vor neuen Herausforderungen. Die starke Preisrallye der konventionellen Rindfleischpreise scheint seit Jahresbeginn zunächst beendet. Die Preise stabilisierten sich auf hohem Niveau. Dadurch liegen vor allem EU-Bio-Preise oft nur knapp über dem konventionellen Niveau. Bei Naturland Rindern ist der Abstand zwar etwas größer, insgesamt wird der Spielraum für weitere Preissteigerungen jedoch kleiner, zumal sich im Handel zunehmend zeigt, dass hohe Preise – etwa bei Edelteilen – nur noch

Vermarktung weitgehend reibungsfrei. Allerdings beobachten Marktteilnehmer, dass der Abstand zwischen Bio- und konventionellen Schweinepreisen größer wird. Sinkende konventionelle Preise können den Druck des Handels auf die Bio-Preise erhöhen. Ob diese Entwicklung länger anhält oder nur eine kurzfristige „Marktunruhe“ ist, lässt sich derzeit noch nicht eindeutig beurteilen.

begrenzt durchsetzbar sind. Damit bleibt der Markt zwar weiterhin von einem knappen Angebot geprägt, gleichzeitig wird deutlich, dass die Luft nach oben beim Preisniveau dünner wird.

AUTOR Tomás Sonntag

Marktgesellschaft der Naturland Bauern tier@naturland-markt.de

BIO-DRUSCHFRÜCHTE

HAFER

Der Bio-Hafermarkt bleibt deutlich überversorgt. Nach einer guten Ernte, steigenden Anbauflächen und hohen Hektolitergewichten ist viel Ware am Markt. Gleichzeitig rufen viele Mühlen ihre Kontrakte nur langsam ab. In einigen Fällen liegen sogar noch Lagerbestände aus der vorherigen Saison, sodass ein Teil der Ware voraussichtlich noch mindestens bis zum Jahreswechsel mitgeführt wird. Entsprechend stehen die Preise unter Druck. Für die kommende Ernte werden derzeit Landwirtspreise von etwa 300 bis 330 Euro/t diskutiert.

WEIZEN

Im Weizenmarkt zeigt sich ein differenziertes Bild. Insgesamt reicht die verfügbare Menge für diese Saison aus. Besonders im Bereich hochwertiger Qualitäten ist ausreichend Ware vorhanden, sodass der Markt relativ entspannt versorgt ist. Gleichzeitig kommt es immer wieder zu Verschiebungen zwischen verschiedenen Qualitätssegmenten. Insgesamt bleibt der Markt jedoch ausgeglichen.

DINKEL

Auch der Bio-Dinkelmarkt präsentiert sich weiterhin stabil. Angebot und Nachfrage halten sich weitgehend die Waage, größere Rückstände sind derzeit nicht erkennbar. Preislich bewegt sich der Markt in Hinblick auf die neue Ernte weiterhin relativ konstant im Bereich von etwa 400 bis 430 Euro/t, abhängig von Liefertermin und Vermarktungsform. Auch der Anbau scheint derzeit stabil zu bleiben.

ROGGEN

Beim Roggen hat sich die Marktsituation gegenüber den vergangenen Monaten beruhigt. Nach zwischenzeitlich höheren Preisen liegt das Niveau derzeit wieder bei etwa 320 bis 340 Euro/t. Der Markt ist für die laufende Saison weitgehend gedeckt, größere Abnehmer haben ihren Bedarf bereits gesichert. Für die kommende Saison wird kein deutlicher Flächenanstieg erwartet. Allerdings könnte die Verschärfung der Grenzwerte für Mutterkorn Einfluss auf den Anbau nehmen, da Roggen hier ein erhöhtes Risiko aufweist.

AUTOR

Marktgesellschaft der Naturland Bauern pflanze@naturland-markt.de

BRAUGERSTE

Der Braugerstenmarkt bleibt schwierig. Die Nachfrage der Brauereien geht weiter zurück, während gleichzeitig noch Bestände aus der vergangenen Saison vorhanden sind. Teilweise wird berichtet, dass Brauereien ihre Bedarfe deutlich reduzieren oder nur noch begrenzte Mengen kontrahieren. Hintergrund ist unter anderem der rückläufige Bierkonsum. Für die Anbauplanung gilt daher weiterhin: Braugerste sollte möglichst nur mit Vorkontrakt angebaut werden.

FUTTERGETREIDE

Bei Futtergetreide zeigt sich derzeit ein relativ stabiler Markt. Futterweizen und Mais liegen aktuell im Bereich von etwa 330 bis 340 Euro/t ab Hof. Wie jedes Jahr ergab sich auch dieses Jahr nach der Biofach ein kurzes Zeitfenster mit zusätzlicher Nachfrage. Danach sind viele Futtermühlen für den Rest der Saison eingedeckt, das scheint auch jetzt so zu sein. Für Landwirte bedeutet das: Wer Ware noch vermarkten möchte, sollte jetzt noch handeln, da im späten Frühjahr häufig weniger Nachfrage vorhanden ist.

PODCAST

Hintergründe zur aktuellen Entwicklung am Bio-Markt hören Sie auch im Naturland Podcast WIR BIO-BAUERN. Der QR-Code führt direkt zur Folge.

BIO-SONDERKULTUREN

SOJABOHNE

Die Nachfrage nach Naturland Speisesoja aus Deutschland bleibt hoch und wird durch den wachsenden Markt für pflanzliche Proteinprodukte getragen. Gleichzeitig steigt jedoch auch der Wettbewerb durch EU-Bio-Ware. Für fein gereinigte Speisesojabohnen sollten auch dieses Jahr die Preise wieder über 900 Euro/t frei Feinreinigung liegen, ab Station Landwirt 30 bis 50 Euro darunter. Der Futtermarkt sorgt zusätzlich für Konkurrenz um die Ware: In Einzelfällen wurden für Futtersoja sogar bis zu 800 Euro/t (geliefert) gezahlt. Entscheidend bleibt daher, den Speisesojamarkt stabil zu halten.

SONNENBLUME

Bei Bio-Sonnenblumen ist vor allem der High-OleicBereich (HO) knapp. Ölmühlen werden voraussichtlich mit geringen Vorräten in die neue Ernte starten. Die Nachfrage bleibt hoch. Preislich liegen HO-Sonnenblumen (Verbandsware) meist deutlich über 700 Euro/t, während Linolsäure-Sorten (LO) etwa um 700 Euro/t ab Station Landwirt liegen. Wir erwarten stabile bis leicht steigende Anbauflächen.

RAPS & HANF

Beim Bio-Raps bleibt vor allem der Rapskuchen gefragt, während der Absatz von Rapsöl weiterhin schwierig ist. Dadurch sind die Preise weniger dynamisch und liegen zwischen 800 und 900 Euro. Auch Körnerhanf (zur Schälung) bleibt über Vertragsanbau vermarktbar und ist bei Preisen von 1,80 bis 1,90 Euro/kg eine interessante Ergänzung für extensive Standorte.

AUTORIN Liane Regner

Marktgesellschaft der Naturland Bauern sonderkulturen@ naturland-markt.de

SPEZIALGETREIDE

Bei Spezialkulturen werden weiterhin Goldhirse, Buchweizen und Hartweizen gesucht. Für Goldhirse werden meist 540–600 Euro/t ab Lager Landwirt genannt. Voraussetzung ist eine sorgfältige Produktion hinsichtlich Unkrautkontrolle und glutenfreier Verarbeitung. Buchweizen bleibt eine mögliche Zweitfrucht oder Alternative nach Umbruch. Zusätzlich steigt die Nachfrage nach Hartweizen (Durum), der allerdings nur auf trockenen und warmen Standorten zuverlässig Qualitätsware liefert.

GEMÜSE & KARTOFFEL

Im Industriegemüse (Rote Bete, Möhren) geht man gut gedeckt in die neue Saison. Insgesamt ist der Markt aber trotz leichter Überversorgung stabil geblieben. Anders sieht es bei Kartoffeln aus. Die überregional sehr gute Ernte 2025 sorgte für Übermengen und fallende Preise. Trotz Käufermarkt konnten Naturland Speisekartoffeln über die Marktgesellschaft nahezu vollständig und sicher vermarktet werden.

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MARKTGEFLÜSTER

VON STEFAN ZEIPER

Von der Ernte auf dem Feld bis zum Produkt im Regal ist es mitunter ein weiter Weg. Diesen Weg erfolgreich zu gestalten, damit die Erzeugnisse der Naturland Betriebe ihren Absatz finden, ist Kernaufgabe der Naturland Zeichen GmbH. Stefan Zeiper leitet das Team „Verarbeitung und Handel“ und ist seit Jahren eng vertraut mit dem Bio-Markt. In der Kolumne „Marktgeflüster“ plaudert er aus dem Nähkästchen.

Bio boomt! Ganz gleich, wie rückwärtsgewandt und mutlos die Signale sein mögen, die derzeit von der Politik in Sachen Bio und Nachhaltigkeit kommen – die Verbraucher halten Bio die Treue. 2025 steigerte sich der Bio-Umsatz in Deutschland gegenüber dem Vorjahr um 6,7 Prozent auf über 18 Milliarden Euro. Bio-Produkte waren trotz Inflation und Wirtschaftskrise Top-Seller in allen Lebensmittelläden, wie der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) zur Biofach bekannt gab. In Österreich stiegen die Ausgaben der privaten Haushalte für Bio-Produkte laut RollAMA um 6,5 Prozent.

Dabei wächst Bio nach Angaben des BÖLW in allen Generationen, von den Babyboomern über die Generation X bis zu den Millennials. Zugleich gilt: je jünger, desto höher ist auch der Bio-Anteil im Warenkorb. In der Gen Z – der Gruppe der heute 13- bis 28-Jährigen, von denen viele noch gar nicht für den Lebensmitteleinkauf zuständig sein dürften – geben gleichwohl schon heute 90 Prozent an,

beim Einkauf auf Bio zu achten. Bio wird also insbesondere für die Jugend immer selbstverständlicher. Und Bio wächst genau da besonders stark, wo vor allem jüngere Menschen zunehmend auch ihre Lebensmittel einkaufen: im Internet. Das Online-Geschäft mit Lebensmitteln per Lieferservice legt insgesamt rasant zu, mit Wachstumsraten von über 15 Prozent – und gerade diese Kunden kaufen überdurchschnittlich viel Bio.

Eine Umfrage des BÖLW bei verschiedenen Anbietern von Online-Lieferdiensten ergab, dass der Bio-Anteil hier deutlich über dem Marktdurchschnitt liegt. Bei Rewe etwa liegt bei 85 Prozent aller Online-Bestellungen mindestens ein Bio-Produkt im Korb, insgesamt hat Bio auf diesem Vertriebsweg einen Anteil von 20 Prozent. Und dm Drogeriemarkt meldet online ein zweistelliges Umsatzplus, das über dem Zuwachs im stationären Handel liege. Beim reinen Online-Lieferdienst knuspr.de/gurkerl.at, über den auch immer mehr Bio-Direktvermarkter ihre

Bio-Anteile im OnlineLebensmittelhandel

Umsatzanteil, in Prozent* Warenkörbe mit mind. einem Bioprodukt, in Prozent

*2025: tegut: 01/02/03, knuspr: Q1, Rewe: 01/02, Wolt: Q1/02, PicNic: Q1/02/03 (Jan-Nov), Flink: 01/02

Produkte vertreiben, liegt der Bio-Anteil sogar bei 26 Prozent.

Bio ist also besonders stark auf den Vertriebswegen, wo in Zukunft das stärkste Wachstum im Lebensmittelhandel zu erwarten ist. Mit unseren zahlreichen Handelspartnern sind wir gut aufgestellt, diese Chance für die Naturland Betriebe zu nutzen.

Herzlichst Ihr Stefan Zeiper

Flink
Quelle: BÖLW

AUTOR

Timo Manger

Beratung für Naturland  t.manger@ naturland-beratung.de

Die größten

Fehler

im Weidemanagement

Wie viel Futter steht noch? Wie lange reicht das Futter? Wann muss ich umtreiben? Darüber herrscht in der Praxis immer wieder Unsicherheit. Dabei dient die Weide während der Vegetationszeit den Tieren als wesentliche Futtergrundlage.

Kühe auf der Vorweide im Frühjahr. Ziel ist, im zeitigen Frühjahr einmal alle Grünlandflächen zu überweiden.

Themen wie Weidesysteme, Weidemanagement und Futteraufnahme auf der Weide sind heute immer öfter eine große Unbekannte.  Das hat seine Gründe:

Forschung und Lehre fokussierten sich in den vergangenen Jahren stark auf die Futtervorlage im Stall. Zur Fütterung der Tiere auf der Weide ging viel Wissen verloren und etliche Kenntnisse müssen wieder neu erworben werden.  Wer mit gesunden Tieren erfolgreich Milch und Fleisch aus Weidegras produzieren will, ohne dabei negative Entwicklungen der Weideflächen in Kauf zu nehmen, muss sich über die Konsequenzen folgender drei Fragen im Klaren sein:

1. Welche Pflanzen wachsen in meinen Grünlandbeständen?

2. Welche Ansprüche haben diese unterschiedlichen Pflanzenarten?

3. Welche klimatischen Besonderheiten bringt mein Standort mit sich und welche Bodenart herrscht vor?

Wer sich dieser Fragen bewusst ist und daraus die richtigen Schlüsse zieht, kann professionelles Weidemanagement betreiben. Umgekehrt werden Pflanzengesellschaften und Erträge stark beeinträchtigt, wenn diese Punkte nicht berücksichtigt werden. Hier vier Fehler, die passieren können.

Tiere zu lange auf derselben Fläche

Wenn die Fläche zu lange beweidet wird, werden die Pflanzen zu stark und zu tief verbissen. Die typischen Arten der Kurzrasenweide (Deutsches Weidelgras, Wiesenrispe, Weißklee) vertragen intensive Beweidung und den Tritt sehr gut. Die geringen Aufwuchshöhen von 5 – 8 cm stellen keine Probleme für diese Pflanzen dar – vorausgesetzt die Versorgung mit Wasser und Nährstoffen ist sichergestellt. Anders verhält es sich bei Weideflächen, in denen Ober-

gräser (z.B. Knaulgras, Glatthafer, Rohrschwingel, Lieschgras, Wiesenfuchsschwanz) in Verbindung mit Kräutern und Rotklee oder sogar Luzerne anzutreffen sind. Diese vertragen intensiven und zu tiefen Verbiss nicht so gut und sollten nicht tiefer als 10 cm Restauswuchshöhe abgegrast werden.

Zwar ist ein tiefes und intensives Abweiden auch für Obergräser, Kräuter, Rotklee und Luzerne grundsätzlich kein Dilemma. Zum Problem wird es aber, wenn den Pflanzen nach der intensiven Beweidung keine ausreichende Ruhezeit gegeben wird.

Grundsätzlich kann als Empfehlung gegeben werden: kurz und intensiv beweiden und dann die Fläche lange genug in Ruhe lassen!

Keine oder zu kurze Ruhezeit

< Eine Kurzrasenweide im Allgäu. In dieser Grünlandgunstlage kann sehr intensiv beweidet werden.

Die oben beschriebenen typischen Pflanzen der Kurzrasenweide regenerieren schnell. Es wird hier auch von der „Rückzahlzeit“ gesprochen. Diese beschreibt die Dauer, welche die Pflanze benötigt, um wieder ausreichend Blattmasse zu bilden. War dafür genügend Zeit, konnten wieder Wurzelmasse aufgebaut und Reservestoffe einlagert werden. Diese stehen der Pflanze bei der nächsten Nutzung für den Wiederaustrieb zur Verfügung. Die klassischen Arten der Kurzrasenweide lagern ihre Reservestoffe dicht am Boden und vermehren sich z.T. auch über Ausläufer. Das macht sie gegenüber einem intensiven und tiefen Verbiss sehr tolerant.

Blattstadium und Ertrag

Tageskoppeln für eine Stundenweide. Im Vordergrund sieht man, wie gründlich die Kühe am Tag zuvor beweidet haben (oben).

Mutterkühe beweiden Luzernegras “Mob Grazing”. Auch hier versperrt eine Litze den Weg auf die vorangegangene Koppel (unten).

1 Blatt

2 Blatt

3 Blatt

Quelle: Teagasc

Obergräser, aber auch Kräuter und Grünland-Leguminosen (außer Weißklee), vermehren sich nicht über Ausläufer. Ihre Reservestoffe lagern in den jungen, frischen Trieben, die an der Pflanzenbasis austreiben. Werden diese durch zu tiefen Verbiss immer wieder weggefressen, schwächt das die Pflanzen stark. Es kann zum Ausfall der Pflanzen innerhalb eines Jahres kommen.

Wird nach der Nutzung nicht ausreichend gewartet, wird der Pflanze zu früh Blattmasse und damit Wuchskraft genommen. Wachstum und Ertrag bleiben hinter den Erwartungen zurück. Oft werden Trockenstress oder fehlende Nährstoffe für ein unbefriedigendes Nachwachsen verantwortlich gemacht. In vielen Fällen ist das aber nicht der Grund, sondern die Rückzahlzeit wurde nicht beachtet!

Gräser wachsen in einer S-Kurve, ihr Wachstum ist exponentiell. Das heißt: Je länger das Gras Zeit hat, aufzuwachsen, umso mehr Ertrag kann es bilden. Das exponentielle Wachstum flacht erst zu dem Zeitpunkt ab, an dem das Gras vom vegetativen Stadium in das generative wechselt, wenn es also in Blüte und Samenbildung kommt.

Bei einer Portionsweide zum Beispiel ist der „Ruhedraht“ entscheidend. Wird hinten nicht wieder weggezäunt, werden die Kühe nach kurzer Zeit wieder anfangen, auf der bereits beweideten Fläche zu grasen. Die erforderliche Rückzahlzeit beachtend,

Koppelwechsel auf einer Luzernegrasfläche in Brandenburg. Die Tiere können nicht auf die vorherige Koppel zurück.

sollte spätestens nach vier Tagen begonnen werden, die Weidefläche hinten wieder wegzuzäunen. Nur so kann der Pflanzenbestand ungestört nachwachsen. Wichtig ist also, nicht nur vorne dazuzustecken, sondern hinten auch wegzuzäunen!

Die Ruhezeit hängt, wie schon beschrieben, von der Pflanzenart, aber auch von den Wasser- und Bodenverhältnissen ab. In niederschlagsreichen Gebieten mit ausreichender Nährstoffversorgung kann das Deutsche Weidelgras oft nach zwei bis drei Wochen wieder beweidet werden. Dagegen benötigen obergrasbetonte Bestände gut und gerne sechs Wochen, bis eine erneute Beweidung keine negativen Auswirkungen hat.

Weideform passt nicht

zu Standort

Wer mit Koppel- oder Kurzrasenweide intensiv beweidet, braucht Pflanzenarten mit einer kurzen Rückzahlzeit. Diese benötigen ausreichend Wasser und Nährstoffe. Intensive Weiden haben den Nährstoffbedarf einer 6+X Schnitt-Mähfläche. Die Ausscheidungen der Tiere auf der Weide reichen hier bei Weitem nicht aus. Wer nicht genug Nährstoffe oder nicht die klimatischen Voraussetzungen dafür hat, muss sich mit anderen Weidesystemen und abgestufter Grünlandnutzung auseinandersetzen. Nur so bleiben Ertrag, Pflanzengesellschaft und Futterqualität nachhaltig gesichert.

Die Kurzrasenweide übers ganze Jahr funktioniert nur bei ausreichendem Niederschlag oder bei Böden, die ausreichend Wasser bis zur Pflanzenwurzel nachliefern können. Wichtig ist außerdem eine ausreichende Nährstoffversorgung. In Gebieten mit wiederkehrenden Trockenphasen kann nicht so

Kurz & knapp

Erfolgreiches Weidemanagement basiert auf Pflanzenkenntnis, Standortbewertung und der konsequenten Einhaltung der „Rückzahlzeit“. Wer zu tief oder zu früh wieder beweidet, schwächt besonders Obergräser, Kräuter und Leguminosen und riskiert Ertragseinbußen. Kurz und intensiv beweiden, anschließend ausreichend lange ruhen lassen – das sichert Blattmasse, Wurzelwachstum und Reservestoffe. Weideform, Düngung und Intensität müssen zu Pflanzenbestand, Klima und Boden passen. Auch Zaunführung und Nährstoffverteilung spielen eine zentrale Rolle für stabile Bestände und hohe Futterqualität.

intensiv beweidet werden. Die Pflanzengesellschaften sind andere und es darf nicht so tief abgeweidet werden. Wichtig ist, das Weidemanagement flexibel an die jeweiligen Bedingungen anzupassen. So kann es sein, dass im Frühjahr intensiv und tiefer beweidet und über den Sommer auf ein Koppel- oder Portionsweidesystem umgesattelt wird. Im Frühjahr empfiehlt sich ohnehin, vorausgesetzt es ist genügend abgetrocknet, alle Flächen einmal zu überweiden – auch diejenigen, welche später durch Schnitt genutzt werden.

Topografie wird nicht beachtet

Wichtig für eine erfolgreiche Weidehaltung und die Erhaltung einer wertvollen Grasnarbe ist die gleichmäßige Verteilung von Kot und Harn auf der Fläche. Vor allem Rinder liegen gern auf ebenen Plätzen, an denen sie dann auch viel Kot und Urin absetzen. Sind die Weideflächen hängig, kommen an die Hangflächen zu wenig bis keine tierischen Ausscheidungen. Die Flächen können verarmen, während auf den ebenen Flächen die Verunkrautung zunimmt. Hier ist die Zaunführung entscheidend, damit Kot und Harn möglichst gleichmäßig über die gesamte Weidefläche verteilt werden. Andernfalls kann bei der Düngung der Flächen bedacht werden, dass die Hänge eher mit Wirtschaftsdüngern versorgt werden als die ebenen Flächen.

AUTORIN

Dr. Kerstin Grant

Landwirtschaftliches

Zentrum für Rinderhaltung, Grünlandwirtschaft, Milchwirtschaft, Wild und Fischerei

Baden-Württemberg (LAZBW)

kerstin.grant @lazbw.bwl.de

Herbstzeitlose

regulieren

Die giftige Pflanze mindert den Futterwert und kann Tiergesundheit wie Vermarktung gefährden. Was über Lebenszyklus, Risiken und wirksame Regulierung bekannt ist – und welche neuen Techniken Hoffnung machen.

Im Spätsommer zeigt sich die Herbstzeitlose für kurze Zeit mit ihren zarten, lila Blüten.

Die Herbstzeitlose ist eine heimische, mitteleuropäische Pflanzenart des extensiv genutzten Wirtschaftsgrünlands. Ihre nördliche natürliche Verbreitungsgrenze verläuft in etwa durch die Mitte Deutschlands. Daher kommt es v.a. in Süddeutschland durch ihr deutliches Vorkommen in extensiv genutzten Grünlandflächen zu großen Problemen, da sie für Tier und Mensch giftig ist. Zahlreiche Landwirte und Landwirtinnen befürchten die totale Wertlosigkeit ihrer Aufwüchse, denn in der Regel wird der Grünlandaufwuchs als Heu konserviert und an Pferde und Rinder verfüttert.

Lebensraum

Ursprünglich wuchs die Herbstzeitlose in lichten Laub- und Auwäldern, von denen sie sich in angrenzende Wiesen und Weiden ausgebreitet hat. Sehr charakteristisch ist sie auf saisonal-feuchtem und frischem Grünland, aber auch auf Feuchtwiesen. Sie meidet dauerhaft wassergesättigte Böden. Wenn genügend Bodenfeuchtigkeit in einem bestimmten Teil der Vegetationszeit vorhanden ist, kann sie allerdings auch auf relativ trockenen Standorten vorkommen. Aufgrund ihrer Empfindlichkeit gegenüber Tritt kommt die Herbstzeitlose seltener auf Weiden vor. Sie toleriert Schatten, bevorzugt allerdings direktes Sonnenlicht. Besonders auf moderatnährstoffreichen, tiefgründigen Böden (Lehm- und Tonböden) kommt sie häufiger vor.

Lebenszyklus

Der Lebenszyklus ist anders als der von anderen Wiesenkräutern: Betrachtet man eine Wiese im Laufe des kalendarischen Jahres, so sieht man im zeitigen Frühjahr zunächst dickfleischige Blätter aus der Erde herauswachsen, meist noch bevor der Rest des Grünlandbestandes mit dem Wachstum beginnt. Nachdem die Blätter ausgebildet sind, treten anstatt von Blüten eine oder auch mehrere Kapseln hervor. Diese enthalten die Samen der Herbstzeitlose. Eine Pflanze kann zwischen ein und sechs Kapseln bilden, die wiederum jeweils zwischen sechs und 200 Samen enthalten können. Die Samen reifen im Laufe des Frühjahrs und Frühsommers aus, dann öffnet sich die Kapsel und verteilt

klebrige Samen. Im Laufe der Samenreife fängt die Herbstzeitlose bereits an, die bisher verbrauchten Reservestoffe wieder aufzufüllen und in die unterirdische Knolle einzulagern. Auch werden allmählich die Blätter welk, weil auch aus ihnen Stoffe entzogen und wieder in die Knolle zurückgelagert werden. Mit Hilfe dieser Knolle kann sie den Winter überdauern. Die oberirdischen Pflanzenteile sterben ab, werden in der Regel mit der Mahd abgeschnitten und finden sich anschließend im Heu wieder. Durch das Wenden des Heus können sich noch in der Kapsel befindliche Samen weiter auf der Wiese verbreiten. Oberirdisch sieht man nach dem Schnitt erstmal keine Pflanzenteile mehr, Blätter erscheinen erst wieder im kommenden Jahr. Jedoch zeigen sich nach einigen Wochen im Spät-Sommer und Herbst für kurze Zeit die zarten, lila Blüten der Herbstzeitlose. Eine Herbstzeitlose blüht nach vier bis sechs Jahren zum ersten Mal. Wenn sie sich vegetativ aus einer anderen Pflanze entwickelt hat (in ca. 30 % der Fälle), dann kann sie auch bereits im Folgejahr zur Blüte kommen. Eine Herbstzeitlose kann mindestens 15 bis 20 Jahre alt werden, es gibt auch Exemplare, die über 50 Jahre wurden.

An der HfWU Nürtingen wurde ein Gerät entwickelt, das über Sensor-Bilderkennung die Herbstzeitlose identifiziert und mit einem Hochdruck-Wasserstrahl zerkleinert (oben).

Ende April bis Mitte Mai, wenn die Herbstzeitlose ihre Kapsel geschoben hat, ist das optimale Stadium zur Regulierung (unten).

Manchmal werden Herbstzeitlosen beobachtet, die nur ein oder zwei sehr dünne Blätter ausgebildet haben und mit Gräsern verwechselt werden können. Dies sind noch recht junge Pflanzen, die sich aus Keimlingen gebildet haben. Es braucht i.d.R. einige Jahre, bis sie den typisch kräftigen Wuchs aufweisen.

Giftigkeit

Die Herbstzeitlose enthält über 20 Alkaloide, darunter das für Mensch und Tier sehr giftige Colchicin. Dieses ist in allen Teilen der Pflanze, vor allem aber im Samen enthalten. Erst nach einer stunden- oder sogar tagelangen Latenzzeit treten Vergiftungserscheinungen auf. Das Gift Colchicin wird auch durch Konservierung (Heu oder Silage) nicht oder nur in sehr geringen Mengen abgebaut und behält noch nach mehreren Wochen und Monaten seine Wirksamkeit. Es wurde beobachtet, dass erfahrene Rinder und Pferde die Pflanze nicht nur auf der Weide, sondern auch im Futtertrog meiden, wenn die Möglichkeit zur Selektion besteht, wenn also genug Futter verfügbar und dieses nicht zerstückelt oder zerbröckelt ist. Allerdings gibt es auch Tiere, die die Herbstzeitlose nicht ausselektieren und nach ihrem Verzehr gesundheitliche Probleme aufweisen. Rechtlich darf Schnittgut, das Herbstzeitlose enthält und damit die Tiergesundheit beeinträchtigen kann, nicht verfüttert oder in Verkehr gebracht werden. Damit ist nicht nur die landwirtschaftliche Verwendung des Schnittgutes wesentlich eingeschränkt, sondern auch die aus Sicht des Naturschutzes gewünschte Offenhaltung der Landschaft gefährdet. Zu einer Regulierung der Herbstzeitlose auf landwirtschaftlich genutztem Grünland wird daher dringend geraten.

Vorbeugung und Regulierung

Im Idealfall sollte die Grasnarbe so dicht sein, dass sich keine Individuen ansiedeln können. Daher ist bei der Bewirtschaftung darauf zu achten, dass keine Lücken erzeugt werden! Jedoch sind extensive, meist magere Wiesen generell lichter und konkurrenz-schwächer, so dass sich Kräuter dort besser etablieren und ausbreiten können – besonders wenn sie erst nach der Samenreife geschnitten werden, wie es auf vielen Heuwiesen üblich ist.

Pflanzen entfernen

Es ist wichtig, frühzeitig zu reagieren! Es sollte bereits bei wenigen Problempflanzen eingegriffen werden, bevor flächendeckende Bestände entste-

hen. Dann kann man die Pflanze noch bei feuchtem Boden mit der Hand herausziehen oder sie mit ihrer Knolle ausstechen/ausgraben. Hier empfiehlt es sich, Handschuhe zu tragen, da Menschen über die Haut Giftstoffe aufnehmen können.

Schröpfschnitt

Bei größerem Vorkommen kommt man händisch nicht mehr weiter. Langjährige Versuche des Landwirtschaftlichen Zentrums Baden-Württemberg zur Regulierung in FFH-Mähwiesen haben gezeigt, dass eine erfolgreiche, flächige Reduktion der Pflanze über frühes Mulchen oder einen frühen (Schröpf)Schnitt mit Abfuhr über mindestens drei Jahre hinweg gelingen kann. Dazu sollte je nach Standort Ende April bis Mitte Mai, wenn die Herbstzeitlose bereits ihre Kapsel geschoben hat, gemulcht oder geschnitten werden. Dies trifft die Herbstzeitlose zu einem Zeitpunkt, zu dem sie maximal geschwächt wird, da danach weder Einlagerung der Reservestoffe noch die Samenreife und -ausbreitung erfolgen können. Signifikante Reduktion um 70 bis 80 % sind damit möglich, ohne dass die geschützte Artenzusammensetzung der FFH-Mähwiesen negativ beeinflusst wird. Es sollte darauf geachtet werden, dass der Bestand nach dem Regulierungseingriff genügend Zeit bis zum nächsten Schnitt bekommt (ca. sechs bis acht Wochen), damit die wertvollen Kräuter ihre möglicherweise gestörte Entwicklung abschließen können. Das Material des Regulierungsschnitts kann nicht

verfüttert werden, eine Entsorgung ist zudem häufig schwierig (z.B. ohne Biogasanlage in der Nähe). Daher ist das Mulchen praktikabler, wenn auch die Konsequenzen für die Wiesenfauna bekannterweise größer sind.

Neue Techniken

Mittlerweile gibt es neue Techniken, die vielversprechend die HZL regulieren können. Zum einen wurde an der HfWU Nürtingen zusammen mit Projektpartnern ein Gerät entwickelt, das über SensorBilderkennung die HZL identifiziert und dort einen Hochdruck-Wasserstrahl auslöst, der wiederum die Einzelpflanze zerkleinert. Eine weitere Möglichkeit ist die Lokalisierung der Pflanzen mittels Drohne. Im Anschluss fährt ein Feldroboter an die lokalisierten Stellen und zerstört die Knolle durch einen Bohrer. Momentan noch in der Testphase ist zudem der händische Einsatz einer Elektrolanze an der HZL. Hierbei wird Strom an die Pflanze angelegt und der Stromfluss durch Pflanze und Knolle zerstört diese. Dieser Ansatz ist allerdings etwas zeitaufwendiger. Alle drei Techniken greifen auf Einzelpflanzen-Ebene ein und wären daher schonender für den restlichen Bestand als Mulchen oder Schnitt.

Es gibt also mehrere Möglichkeiten, die Herbstzeitlose zu regulieren. Wichtig ist, dass man konsequent dranbleibt, da sich aus dem Samenvorrat im Boden noch lange Zeit wieder Einzelpflanzen etablieren können.

Die Herbstzeitlose im ersten Quartal noch ohne Blüten
… mit Blüten im Herbst
… und mit Blättern und noch unreifen Kapselfrüchten

BERATERTIPP

von Annegret Schrade Beratung für Naturland a.schrade@ naturland-beratung.de

Fotos: Annegret Schrade, Christian Fischer

SCHARFER HAHNENFUSS

Der Scharfe Hahnenfuß ist vor allem auf Weideflächen ein Problem, da er zwar verschmäht wird, aber zum Aussamen kommt und sich weiterverbreitet. In frischem Zustand wird er aufgrund des scharfen Geschmacks ungern gefressen.

Kritisch ist der Scharfe Hahnenfuß bei Grünfütterung, da hier weniger selektiert wird. Der Giftstoff Protoanemonin erreicht zur Blütezeit seine größte Wirkung und kann Reizungen und Entzündungen in Maul und Verdauungstrakt verursachen. Dies wiederum kann zu Koliken, Harnbrennen, Euterentzündungen, Durchfall und in Einzelfällen sogar bis zum Tod führen.

Im Heu zerfällt der Giftstoff während der Trocknung, in Silagen soll er hingegen erst innerhalb von zwei Monaten

allmählich abgebaut werden. Der Futterwert ist auch im getrockneten oder konservierten Zustand als niedrig einzustufen. Dazu kommt, dass der Scharfe Hahnenfuß ein Platzräuber ist.

Der Scharfe Hahnenfuß ist ausdauernd und hat hohen Lichtbedarf. Häufig kommt er in lückigen, gut gedüngten, eher frischen Flächen vor. Bodenverdichtungen stören ihn nicht. Hahnenfuß ist eine Zeigerpflanze für oberflächennasse, gut mit Nährstoffen versorgte Standorte. Der Scharfe Hahnenfuß vermehrt sich ausschließlich über Samen, im Gegensatz zum Kriechenden Hahnenfuß, der sich dagegen auch durch Ausläufer verbreitet. Samen bildet dieser erst ab dem zweiten Jahr. Im Vergleich zum Scharfen Hahnenfuß ist der Kriechende Hahnenfuß weniger giftig.

Eine dichte, intakte Grasnarbe, insbesondere mit Obergräsern, beugt dem Hahnenfuß vor. Narbenverletzungen sollten daher vermieden werden oder durch Nach- oder Übersaaten rasch geschlossen werden. Gleichzeitig sollte die Düngung der Nutzungshäufigkeit angepasst sein. Das Befahren und Beweiden bei Nässe sollte vermieden werden, um Bodenverdichtungen vorzubeugen. Zudem verhindern eine frühe Schnittnutzung und die Nachmahd auf Weideflächen noch vor dem Abblühen das Aussamen und somit die weitere Verbreitung. Auch eine sehr frühe Beweidung kann den Hahnenfuß verdrängen.

SCHADNAGER REGULIEREN

Wühlmäuse und Feldmäuse schädigen im Grünland vor allem durch das Abfressen von Wurzeln und Pflanzen, während Maulwürfe mit ihren Erdhaufen die Grasnarbe beeinträchtigen und das Futter verschmutzen. Gemeinsam können sie Ertrag, Futterqualität und Wirtschaftlichkeit deutlich mindern.

Was zunächst unscheinbar beginnt, kann sich schnell zu einem ernsthaften Problem für Futterqualität und Wirtschaftlichkeit entwickeln: Kahle, lückige Stellen entstehen und geben Raum für konkurrenzstarke Beikräuter. Bei starkem Befall sind deutliche Ertragseinbußen möglich. Gleichzeitig verschmutzen Erdauswürfe das Futter, mindern die Futteraufnahme und erschweren die stabile Silage-Gärung.

Was hilft im Bio-Grünland?

Gerade im Bio-Grünland finden Schadnager oft ideale Bedingungen vor, weil hier keine chemischen Tötungsmittel eingesetzt und Bestände extensiv genutzt werden. Seltene oder späte Schnitte fördern ihre Ausbreitung, denn dichte und hoch gewachsene Grasbestände bieten Schutz und Nahrung. Zudem begünstigen milde Winter das Überleben. Da chemi-

sche Rodentizide auf Bioflächen verboten sind, stehen Vorbeugung und Management im Vordergrund:

- Natürliche Feinde fördern

Greifvögel wie Mäusebussard, Turmfalke oder Schleiereule sowie Füchse regulieren Mäusebestände auf natürliche Weise. Ansitzstangen für Greifvögel haben sich in der Praxis bewährt. Je höher die Sitzstange, desto besser. Rund drei Meter hohe Stangen werden deutlich häufiger angenommen als niedrigere. Kantiges Aufsitzholz bietet besseren Halt als rundes. Diese Maßnahme wirkt effektiv, ist naturnah und kostengünstig.

- Mechanische Maßnahmen

Auf kleineren Flächen können traditionelle Fallen wie Zangenfallen helfen. Allerdings erfordern sie regelmäßige Kontrollen und sind somit arbeitsintensiver.

- Bestände aktiv führen

Regelmäßiges Abmähen und Pflegemaßnahmen reduzieren Unterschlupfmöglichkeiten. Eine gezielte Herbstbewirtschaftung sowie die Bestandspflege im Frühjahr können Populationen stören und das Grünland stabilisieren.

Schadnager im Bio-Grünland sind eine unsichtbare, aber ernstzunehmende Gefahr. Frühes Monitoring, die Förderung natürlicher Feinde und angepasstes Grünlandmanagement sind zentrale Bausteine für eine nachhaltige Regulierung.

„ Sitzstangen wirken effektiv, naturnah und sind kostengünstig.“

Enten, in Bio?

AUTOR

Hans-Peter Jud

Beratung für Naturland hp.jud@ naturland-beratung.at

Masthähnchen, Bruderhähne und Puten sind gängige Mastgeflügelarten auch für die Haltung unter Öko-Bedingungen. Enten im Bio-Betrieb hingegen sind eine Nische; sie biologisch zu halten galt lange Zeit zumindest in größeren Einheiten als kaum möglich. Familie Forstner aus St. Marien in Oberösterreich zeigt jedoch, dass und wie es geht. Also, Ente gut – alles gut?

Von vorne: 2017 wollte Johann Forstner seinen Betrieb vom Nebenerwerb wieder in den Haupterwerb führen, deshalb suchte er mit seinem Sohn Markus ein zusätzliches Standbein. Die Geflügelmast sollte es werden, Favorit waren die Masthähnchen. Doch zum selben Zeitpunkt baute die Geflügel-Firma Eiermacher im 20 Kilometer entfernten Kremsmünster eine Schiene für Bio-Enten auf, um diese an die Gastronomie und den Einzelhandel zu liefern. Die Forstners reagierten

< Vom Wintergarten aus gelangen die Enten ins Freie.

Der Stall ist für Enten in zwei Hälften unterteilt. Pro Abteil dürfen 3.200 Tiere gehalten werden. Der Auslauf wird von den Enten gut genutzt.

darauf: Seit 2018 produzieren sie Enten für die Eiermacher GmbH, europaweit das einzige Unternehmen mit einem kompletten Produktionsablauf für Bio-Enten, von den Elterntieren über das Ei bis zum schlachtreifen Tier. Familie Forstner ist einer von 16 Partnern in diesem Betriebszweig.

Ein Stall für zwei Nutzungen

Wer den Hof von Familie Forstner besucht, findet auf einer Wiesenfläche von gut drei Hektar rund 6.000 Bio-Enten vor. Meist in Gruppen erkunden sie watschelnd und quakend das Gelände.

Der Stall wurde so konzipiert, dass er auch für Bio-Masthähnchen geeignet ist. Eine sinnvolle Entscheidung: Zwar bietet Eiermacher die ganze Produktpalette von Entenfleisch ganzjährig an, doch in den Sommermonaten

und nach Weihnachten schwächelt oft der Absatz. Das gleichen Johann und Markus Forstner mit der Hähnchenmast aus.

Ihr Stall ist größenmäßig mit einem 9.600er Bio-Masthähnchenstall vergleichbar. Für die Enten wird er in zwei Einheiten unterteilt. Pro Abteil dürfen maximal 3.200 Tiere gehalten werden, bei einem maximalen Lebendgewicht von 21 kg/m². Zu den Einheiten ist 1/3 Wintergarten angebaut. Vom Wintergarten gelangen die Enten ins Freie, im Schnitt stehen pro Tier 4,5 m² Auslauf zur Verfügung. Bäume und Unterstände sorgen für Schatten und sollen natürlichen Schutz vor Beutegreifern und Greifvögeln bieten, doch das allein reicht nicht.

Strategien gegen Fuchs und Krähe

„Sind die Enten einmal auf der

Weide, sind sie auch sehr schwer wieder in den Stall zu bekommen. Gerade in der Nacht ist jedoch die Gefahr von RaubtierAttacken groß“, berichtet Markus Forstner, Füchse und Krähen seien das Hauptproblem. Hierzu hat sich Markus, der 2025 den Betrieb übernahm, allerdings etwas einfallen lassen: Er und sein Vater halten auf der Weide zusätzlich Damwild. „Das schreckt Raubtiere ab“, sagt Markus Forstner. Auch die gute Zusammenarbeit mit den regionalen Jägern hilft dabei, die Gefahr zu minimieren, und das laute Quaken tut sein Übriges. „Die Verluste sind dadurch zwar nicht gleich Null, aber so gering, dass die Enten über Nacht auf der Weide bleiben können“, sagt Markus Forstner.

Bei Enten handelt es sich um Wassergeflügel. Um ihnen ihr arteigenes Verhalten zu ermöglichen, müssen sie Zugang zu Wasserflächen bekommen. Pfützen,

Deckungsbeitrag

DB 1 Rechnung

DB 2 Rechnung Heizung

Die Enten brauchen Wasser zum Kopfeintauchen und zur Gefiederreinigung. Hierzu eignen sich Wannen im Wintergarten.

Wasserlöcher und Teichflächen sind dafür nur bedingt geeignet. Sie stellen vielmehr ein Hygienerisiko dar. Zum einen kann man Pfützen und Teiche zwischen den Durchgängen schwer reinigen, und zum anderen locken sie auch Wildvögel an – was wiederrum das Risiko der Vogelgrippe erheblich steigert. Deshalb verzichtet Familie Forstner auf solche Wasserquellen. Damit ihre Enten ihr natürliches Verhalten dennoch ausleben können, befinden sich im Wintergarten Wasserwannen. Sie sind mindestens 10 Zentimeter tief und 19 Zentimeter breit. „So sind Kopfeintauchen und Gefiederreinigung möglich“, erklärt Johann Forstner.

Wahre Wachstumswunder

In gerade einmal 49 Tagen sind die Tiere schlachtreif und weisen ein Lebendendgewicht von 3,5 bis 3,7 kg auf. Dadurch ergeben sich ca. 5,5 Umtriebe pro Jahr.

Zwei bis drei verschiedene Futterphasen bekommen die Enten in einer Mastperiode. Beim Starter setzt Markus auf reines Fertigfutter. Danach wird nur mehr das Eiweißkonzentrat zugekauft und mit eigenen bzw. aus einer Naturland Kooperation stammenden Ackerbohnen, Mais und Weizen gemischt. Die Futterverwertung liegt am Schluss bei ca. 1:2,6 kg.

Wasser, Wasser, Wasser

Der Wasserverbrauch ist enorm. In der Endmastphase steigt er für die beiden Einheiten auf bis zu 8.000 Liter pro Tag. „Wer sich für die Entenmast entscheidet, sollte einen eigenen Brunnen haben“, empfiehlt Markus Forstner.

Viel Wasser bedeutet auch viel Einstreu. Bis zu zweimal täglich muss nachgestreut werden.

Familie Forstner würde sich jederzeit wieder für Enten entscheiden.

Bei einem Entenbetrieb in dieser Größe muss man mit vier Stunden Arbeit pro Tag rechnen. Der größte Zeitfaktor ist das Nachstreuen. Einstreuen ist händisch oder mit der sogenannten „Strohmatic“ möglich. Familie Forstner hat in zweiteres investiert und würde dies auch immer wieder tun. Die Maschine zerkleinert die Strohballen und bläst das Stroh über einen Schlauch in den Stall. Markus sorgt am Schlauch für eine gute Verteilung. „Die Ente ist zwar ein Wasservogel, will aber trotzdem trocken stehen – und das wird mit Fortdauer der Aufzucht immer aufwändiger“, gibt er zu bedenken. Rund 300 Strohrundballen werden pro Jahr benötigt.

Gesunde Tiere

Stolz erzählt Markus Forstner, dass er für die Enten so gut wie

keine Arzneimittel benötigt. Seit 2018 wurde nur einmal ein Antibiotikum eingesetzt und auch nur, weil die Küken bereits krank angekommen waren. Einerseits meint Forstner, dass durch den hohen Wasserverbrauch kein Keim die Möglichkeit habe, sich im Organismus der Ente breit zu machen. Andererseits sieht man, welchen Erfolg gutes Management, Futter, Wasser und regelmäßiges Nachstreuen mit sich bringen können.

Entenspezialitäten

Pro Umtrieb werden 300 bis 400 Enten ab Hof vermarktet –von der halben Ente über Keulen und Filet, welche die Forstners direkt vom Schlachthof zurückbekommen, bis hin zu Leberknödeln, geräuchertem Entenfilet und Leberaufstrich, die am Hof

produziert werden. Die Nachfrage für die Produkte ab Hof steige stetig, sagt Markus Forstner.

Der Weg zum Vollerwerb

Nach acht Jahren und einer Hofübergabe kann man sagen: der Weg in den Vollerwerb ist geglückt. Als Markus Forstner 2025 den Betrieb übernahm, legte er seine Teilzeitarbeitsstelle als Zimmerer nieder und ist nun zu 100 Prozent Landwirt. Auf die Frage, ob er noch einmal auf Enten oder doch ganz auf Masthähnchen umstellen würde, kommt sofort die Antwort, dass es auf jeden Fall wieder die Enten werden würden: „Enten sind neugierig und vital. Und nach wie vor können nicht viele Bio-Bauern von sich behaupten, Enten zu halten.“ Also: Ente gut, alles gut.

Fotos: Roman Goldberger, Familie Forstner

ALTERNATIVES EIWEISS FÜR SCHWEIN & GEFLÜGEL

Die Eiweißversorgung bleibt eine zentrale Herausforderung in der ökologischen Schweine- und Geflügelfütterung. Neben klassischen Futtermitteln rücken daher alternative Proteinquellen wie Luzerne, Insekten oder Fischmehl stärker in den Fokus.

Die Eiweißversorgung in der ökologischen Schweine- und Geflügelfütterung bleibt eine der zentralen Herausforderungen für landwirtschaftliche Betriebe. Hintergrund sind unter anderem die schrittweise verschärften Vorgaben zur 100 %igen Biofütterung, die den Einsatz konventioneller Eiweißkomponenten weiter einschränken (siehe Infobox). Gleichzeitig ist die Verfügbarkeit hochwertiger ökologischer Eiweißfuttermittel begrenzt: Bio-Soja steht wegen nicht ausreichenden Anbauflächen und konkurrierenden Absatzmärkten oft nur eingeschränkt zur Verfügung. Zudem bestehen regional oft Engpässe in der Verarbeitung sowie eine Methionin-Limitierung in der ökologischen Fütterung. Bei Expeller sprechen der hohe Restölgehalt sowie stark schwankende Qualitäten gegen einen breiten Ein-

„Keine der verfügbaren Proteinquellen kann den Bedarf allein decken.“
AUTORIN Gretha Schnieders

satz. Bio-Maiskleber und -Kartoffeleiweiß verfügen zwar über günstige Aminosäuremuster, sind jedoch teuer und ebenfalls nur begrenzt verfügbar. Milchprodukte können zwar in der Ferkelfütterung eingesetzt werden, stehen jedoch hinsichtlich Nachhaltigkeit und Ressourceneffizienz in der Kritik. Damit rücken weitere alternative Proteinquellen zunehmend in den Fokus von Forschung und Praxis.

Luzerne

Eine seit längerem diskutierte Option ist Luzerne. Die Leguminose bietet aus pflanzenbaulicher Sicht zahlreiche Vorteile: N-Fixierung, Verbesserung der Bodenstruktur, Nährstoffmobilisierung, Erosionsschutz etc. Luzerne kann in vielen Regionen angebaut werden und steht nicht in direkter Konkurrenz zur Humanernährung. Futtermittelseitig zeichnet sie sich durch relativ hohe Rohproteingehalte sowie nennenswerte Gehalte an essenziellen Aminosäuren aus.

Max. 10 % bei Geflügel

Entscheidend für den Einsatz in der Tierfütterung ist jedoch die Aufbereitung. Während blattreiche Produkte bei Geflügel häufig zu geringeren Futteraufnahmen und Zunahmen führen, zeigen Luzernespitzen oder gesiebte Luzerne deutlich bessere Ergebnisse. In Versuchen mit Masthähnchen konn-

100 % Biofütterung

Mit der EU-Öko-Verordnung rückt die verpflichtende 100-%-Biofütterung in der Schweine- und Geflügelhaltung weiter in den Fokus. Bis Ende 2026 gelten noch folgende Ausnahmen:

• Junggeflügel (bis 18 Wochen): bis 5 % konventionelle Eiweißfuttermittel in der Ration.

• Ferkel (bis 35 kg): in Deutschland bis 3 % konventionelle Eiweißkomponenten

Ohne neue Entscheidung der EU würde ab 2027 eine vollständige 100-%-Biofütterung auch für Ferkel und Junggeflügel gelten. Auf der BÖLW-Eiweißtagung im März 2025 wurde deutlich, dass nach wie vor keine wirklich praxisreife Lösung existiert, um den Bedarf an Eiweiß und Aminosäuren sicher zu decken. Der BÖLW fordert deshalb, die bisher erlaubten Ausnahmen bis 2030 zu verlängern. Zudem müsse die EU-Bio-Verordnung in allen Mitgliedstaaten einheitlich umgesetzt werden. Die EU-Kommission prüft derzeit entsprechende Anpassungen; eine Entscheidung wird bis spätestens 1. Juli 2026 erwartet.

Annette Alpers

Beratung für Naturland

ten bei Einsatzraten von bis zu 10 % Luzernespitzen nur leichte Leistungseinbußen im Vergleich zur Kontrollgruppe beobachtet werden. Auch bei Legehennen deuten aktuelle Untersuchungen darauf hin, dass maximal 10 % Luzernespitzen in der Ration eingesetzt werden sollten. Aufgrund der niedrigen Energiekonzentration der Luzerne muss die Rationsenergie entsprechend angepasst werden. Zu-

Luzerne hätte als heimischer Eiweißträger Potenzial, weist jedoch Lücken in der Aminosäureversorgung – insbesondere bei Methionin – auf.

dem kann Luzerne die Methionin-Lücke bei Geflügel nicht schließen. Eine langsame Angewöhnung der Tiere durch niedrige Einsatzraten in den frühen Mast- bzw. Aufzuchtphasen ist zu empfehlen.

Einsparungspotenzial bei Mastschweinen

Für Schweine fällt die Bewertung günstiger aus, da Luzerneprodukte grundsätzlich lysinbetont sind. In einem Mastversuch konnten bei Einsatzraten von 15-20 % vergleichbare Leistungen hinsichtlich Futteraufnahme, Schlachtgewicht und Muskelfleischanteil erreicht werden. Lediglich die Mastdauer verlängerte sich leicht und der Ausschlachtungsgrad sank geringfügig. Bemerkenswert ist ein Einsparpotenzial von rund 28 kg Eiweißfuttermittel pro Mastschwein gegenüber der Kontrollgruppe. Damit zeigt sich ein beachtliches Potenzial für Luzerneprodukte. Bei Sauen führten 20 % Luzernespitzen im Säugefutter zu einer geringeren Futteraufnahme, allerdings ohne Effekt auf das Ferkelwachstum. Bei Ferkeln senkte ein hoher Anteil an Luzerneprodukten zunächst die Futteraufnahme, eine schonende Gewöhnung mit niedrigen Mischungsanteilen bereits

im Trage- bzw. frühen Aufzuchtfutter ist daher sinnvoll. Voraussetzung ist jedoch eine genaue Analyse, da Rohprotein- und Fasergehalte stark variieren können.

Insekten

Neben pflanzlichen Eiweißquellen rücken auch Insekten zunehmend in den Fokus. Besonders die Schwarze Soldatenfliege wird intensiv untersucht. Ihre Larven enthalten hohe Rohproteingehalte (40 –55 %) sowie relevante Fettanteile (20–30 %) und liefern darüber hinaus funktionelle Inhaltsstoffe wie Laurinsäure oder antimikrobielle Peptide. Diese Komponenten können positive Effekte auf Darmgesundheit und Immunstatus haben. Gleichzeitig lassen sich Insekten auf Basis verschiedener Nebenströme produzieren und könnten damit perspektivisch auch einen Beitrag für zur Schließung regionaler Nährstoffkreisläufe beitragen.

Leistung steigt

Fütterungsversuche zeigen, dass Geflügel Insektenprodukte sehr gut akzeptiert. Bei Masthähnchen führten Einsatzraten von 5-10 % Insektenmehl (entfettet) oder Larven zu verbesserten Zunahmen und einer effizienteren Futterverwertung. Bei Legehennen blieben Leistung und Eiqualität stabil. Ähnliche Ergebnisse liegen für Schweine vor. In Versuchen mit Absetzferkeln und Mastschweinen zeigten Einsatzraten von bis zu 10 % keine negativen Effekte auf Wachstum oder Fleischqualität. Zusätzlich konnten lebende Larven das Aktivitäts- und Beschäftigungsverhalten der Tiere verbessern.

Allerdings ist Larvenmehl bislang in der EU-Bio Verordnung nicht als erlaubtes Futtermittel aufgenommen. Derzeit können nur lebende Insekten eingesetzt werden (Bio oder konventionell im Rahmen der 3 bzw. 5 % Ausnahme). Eine weitere Einschränkung ist die Produktqualität, die stark abhängig von Substrat, Aufzuchtbedingungen und Verarbeitung ist. Erst mit klaren rechtlichen Rahmenbedingungen und standardisierten Produktionsverfahren könnte sich hier ein breiterer Einsatz in der Praxis entwickeln.

Fischmehl

Eine weitere Eiweißquelle mit besonderer Bedeutung ist Fischmehl. Es stellt eine der wenigen tierischen Proteinquellen dar, die im ökologischen Landbau unter bestimmten Voraussetzungen eingesetzt werden dürfen. Voraussetzung für von

Naturland zugelasse nes Fischmehl ist, dass als Rohstoff nur Fisch reste aus der Lebens mittelverarbeitung (Fischfiletierung) aus zertifizierter nach haltiger Fischerei eingesetzt werden dürfen. Da es nicht landwirtschaftlichen Ursprungs ist, kann es auch im Rahmen einer 100 %igen ÖkoFütterung verwendet werden. Fischmehl zeichnet sich durch sehr hohe Lysin-Gehalte sowie eine aus gezeichnete Aminosäureverdaulichkeit und eine hohe Schmackhaftigkeit aus. Besonders in sensiblen Phasen wie der Geflügelaufzucht (Einsatzmenge bis ca. 3 %) oder nach dem Absetzen von Ferkeln (bis ca. 2,5 %) kann es die Futteraufnahme stabilisieren und die Aminosäureversorgung absichern. Aufgrund seiner begrenzten Verfügbarkeit bleibt Fischmehl jedoch eine ergänzende, mengenmäßig eingeschränkte Ressource.

Kurz & knapp

Insgesamt zeigt sich, dass keine der verfügbaren Proteinquellen den Bedarf allein decken kann. Vielmehr liegt die Zukunft der ökologischen Schweine- und Geflügelfütterung in der intelligenten Kombination verschiedener Eiweißträger. Für die Praxis bedeutet dies, dass eine präzise Rationsgestaltung, die Berücksichtigung von Verfügbarkeit und Kosten sowie eine realistische Einschätzung der rechtlichen Rahmenbedingungen entscheidend bleiben. Nur durch die Kombination verschiedener Eiweißquellen und eine kontinuierliche Weiterentwicklung von Verarbeitung, Forschung und Regulierung lässt sich die Eiweißversorgung in der ökologischen Schweine- und Geflügelhaltung langfristig sichern.

Wir bedanken uns bei Peter Weindl, Laura Schneider und Carsten Pohl, die im Rahmen einer von uns durchgeführten Fachveranstaltung aktuelle Forschungsergebnisse zu alternativen Proteinquellen vorgestellt und hinsichtlich ihrer praktischen Relevanz eingeordnet haben. Dieser Artikel entstand aus dieser Veranstaltung.

Fotos: Agrarfoto, Naturland / Daniel Schubert

lohnt sich KLEEGRAS

Im vieharmen, ökologischen Pflanzenbau wird Kleegras in der Fruchtfolge gerne hinausgezögert, da häufig kein direkter monetärer Nutzen gesehen wird. Ergebnisse eines Dauerversuchs zeigen aber: Kleegras lohnt sich, selbst ohne Nutzung.

Kleegras hat bekanntermaßen eine höhere Vorfruchtwirkung als Körnerleguminosen. Allerdings wird der Anbau von Kleegras im vieharmen Pflanzenbau häufig hinausgezögert und erfolgt so zu selten. Anstelle vom Kleegras werden dann vielfach Marktfrüchte wie Körnerleguminosen gesät, hier haben die Landwir-

te einen direkten ökonomischen Nutzen. Dass sich der Anbau von Kleegras trotzdem lohnt, wird anhand von Ergebnissen eines langjährigen Dauerfeldversuches gezeigt. Standort ist die Versuchsstation Viehhausen der Technischen Universität München bei Freising in Oberbayern. Die Bodenart auf dem Versuchs-

schlag war schluffiger Lehm mit einer Bodenzahl von 61. Für den Versuch wird die dreijährige Fruchtfolge

1. Leguminose

2. Winterweizen

3. Sommerhafer

Fotos: Landpixel, Peer Urbatzka

im 18. bis 27. Versuchsjahr betrachtet. Bei den Leguminosen handelt es sich um Kleegras mit Mulchnutzung und um Sojabohne. Kleegras wurde im Frühjahr als Untersaat in das vorlaufende Getreide gesät. Es erfolgte keine organische Düngung der Nachfrüchte. Nur in der Fruchtfolge mit Soja wurde zwischen Winterweizen und Sommerhafer Kleegras als Zwischenfrucht als Untersaat integriert.

Weizenertrag doppelt so hoch

Die Ergebnisse nach langjährigem Anbau sind eindeutig: Kornertrag und Qualität liegen nach Kleegras im Durchschnitt der zehn Jahre deutlich höher als nach Sojabohne (Abbildung). Winterweizen erreicht nach Kleegras einen mehr als doppelt so hohen Kornertrag wie nach Soja. Der Feuchtklebergehalt zeigt nach Kleegras mit durchschnittlich 25 % eine gute Backqualität an, während nach Soja mit 17 % ein reiner Futterweizen erzeugt wurde. Beim Sommerhafer war der Kornertrag im zweiten Jahr nach Kleegras um 80 % höher als im zweiten Jahr nach Sojabohne. Beim wichtigsten Qualitätsmerkmal Hektolitergewicht lagen hingegen keine Unterschiede nach den verschiedenen Leguminosen vor.

AUTOR

Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) peer.urbatzka@ lfl.bayern.de

Wirtschaftlichkeit

Diese Unterschiede der Nachfrüchte führen auch zu sehr deutlichen Unterschieden in der Ökonomie (Tabelle). Der Deckungsbeitrag nach Kleegras liegt bei Weizen und Hafer mit je 1.200 Euro/ha deutlich höher. In der Sojafruchtfolge erreichten Weizen und Hafer mit 300 und 500 Euro/ha viel niedrigere Ergebnisse. Der Deckungsbeitrag der Leguminosen unterscheidet sich natürlich stark. Bei Sojabohnen wurden bei einem Ertrag von 27 dt/ha 1.200 Euro/ha erreicht, während dieser bei Kleegras mit knapp minus 500 Euro/ ha negativ ausfiel. Wird der Deckungsbeitrag der Leguminose berücksichtigt, ergibt sich in beiden Fruchtfolgen eine Summe von knapp 2.000 Euro/ha.

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Unkrautdruck steigt

Hier fehlen allerdings noch zwei Aspekte in der Fruchtfolge mit Soja: Zum einen sind die Kosten für die Zwischenfrucht, welche mit etwa 300 Euro/ha zu Buche schlagen, noch anzurechnen. Zum anderen fiel der Unkrautdruck in der Fruchtfolge mit Soja deutlich höher aus. Dieser schaukelte sich über die Jahre immer weiter auf. Im Schnitt der Jahre waren in der zweiten Versuchsphase pro Hektar 200 Stunden Handarbeit notwendig. Bei einem Lohnansatz von 15 Euro pro Stunde entstehen hierdurch Kosten von 3.000 Euro/ha. Damit wird der Deckungsbeitrag der Fruchtfolge mit Soja deutlich negativ. Durch das mehrmalige Mulchen konnte aufgrund der sehr hohen Konkurrenzfähigkeit

Tab.: Deckungsbeitrag (€/ha) der einzelnen Kulturen und Summe der Fruchtfolge mit verschiedenen Leguminosen

* händische Unkrautregulierung im Versuch, im Mittel der Jahre waren 200 h/ ha beim Soja nötig, Ansatz 15 €/Akh

des Kleegrases dagegen das Unkraut in dieser Fruchtfolge gut reduziert werden.

Mindestens überjähriges Kleegras

Damit erreicht die Fruchtfolge mit Kleegras insgesamt einen Deckungsbeitrag von knapp 2.000 Euro/ha. Dieser liegt deutlich höher als bei der

Fruchtfolge mit Soja mit minus 1.300 Euro/ha. Bei langjähriger Betrachtung zeigte Kleegras seine sehr gute Vorfruchtwirkung im Vergleich zu Soja. Dies betrifft sowohl die Stickstoffleistung, als auch die Regulierung des Unkrauts. Demnach sollten alle Öko-Landwirte regelmäßig ein mindestens überjähriges Kleegras in ihre Fruchtfolge integrieren.

Links Winterweizen nach Kleegras, rechts nach Soja. Beide Bilder entstanden Mitte Mai 2022.

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AUTOR

Ruedi Hunger

Landtechnik Schweiz r.hunger@ agrartechnik.ch

Fahrer

entlasten & Überlappungen verhindern

Je größer die Arbeitsbreite und je höher die Arbeitsgeschwindigkeit, desto schwieriger wird das genaue Anschlussfahren. Mit einem Parallelfahrsystem kann die Arbeitsbreite von Arbeitsgeräten fast vollständig ausgenutzt werden.

Die Landwirtschaft war schon immer bemüht, nicht nur gute, sondern auch genaue Arbeit zu leisten. Die Visitenkarte eines Ackerbauern waren daher Saatreihen ohne Schlenker und schnurgerade Kartoffeldämme. Immer wollte es nicht gelingen: Eine kurze Unaufmerksamkeit, eine Ablenkung, ein zu langer Kontrollblick nach hinten - und schon war es passiert. Der Schlenker im Saatbild ist gesetzt und nach dem Auflaufen der Kultur über Monate sichtbar. Wie ein Magnet zieht er die Blicke der Nachbarn auf sich.

Genaues Anschlussfahren

Fluchtstangen, Spuranreisser, Fahrgassen und Schaummarkierungen sind – wenn man so will – die Vorläufer von modernen Parallelfahrsystemen. Immer wieder ist es faszinierend, wie genau unsicht-

Düngung +/- 30 cm

Bodenbearbeitung / Saat +/- 3 cm

Kurz & knapp

Lenkhilfen, Lenkassistenten und Lenkautomaten entlasten den Fahrer bei seiner Lenkarbeit. Besonders zum Tragen kommen die Vorteile bei großen Arbeitsbreiten, auf großen Flächen, in Beständen ohne Fahrgassen, bei Nachtarbeit und in Reihenkulturen. Um wirtschaftliche Auslastung bzw. Kostengleichheit zu erzielen, braucht es je nach System eine Mindest-Einsatzfläche von 100 Hektar. Zu berücksichtigen ist, dass Komfortgewinne nur schwer mit Euro und Cent zu bewerten sind.

bare Signale aus dem All den Traktor übers Feld und das Hackgerät im Abstand von wenigen Zentimeter entlang der Pflanzreihe führen. Automatische Lenksysteme für Traktoren gibt es seit 2003. Bereits 2006 verfasste Agroscope (früher: ART) einen ART-Bericht (659) zu Parallelfahrsystemen für Traktoren. Sechs Jahre später befasste sich Agroscope (ART-Bericht 756) erneut mit der Thematik, diesmal mit automatischen Lenksystemen. Die Autoren kamen zum Schluss, dass sich zum einen, wie erwartet, mit einem Lenksystem die Lenkgenauigkeit erhöht. Der Effekt war mit großen Arbeitsbreiten ohne Spuranreißer wesentlich ausgeprägter als bei der Saat mit geringen Arbeitsbreiten und Spuranreißer. Folglich lassen sich Überlappungen und Fehlstellen beim Anschlussfahren mit einem automatischen Lenksystem nicht nur verkleinern, sondern ganz verhindern.

Mähen +/- 10 cm

Kulturpflege +/- 2.5/3.0 cm

Tabelle 1: In der Praxis erreichbare Arbeitsbreiten mit und ohne Parallelfahrsystem

KonstruktiveNenn-Arbeitsbreiten (m)

(ohne Fahrgassen)

Lenksystem (% zu Nennarbeitsbreite)

Wenn es um höchste Genauigkeit geht, sind zwei Empfangsantennen erforderlich (oben).

Verschenkte Arbeitsbreite, ein Fahrsystem kann dies verhindern (unten).

Ein echter Komfortgewinn

Lenken ist nicht anstrengend. Wer aber schon lange Tage mit einem guten Lenksystem gearbeitet hat, steigt abends viel entspannter vom Traktor. Zudem kann der Fahrer auch minutenlang nach hinten schauen, um die Maschine zu überwachen, ohne dass vorne etwas anbrennt. Verbogene, abgerissene und auf schweren Böden kaum oder gar nicht sichtbare Spuranreißer gehören der Vergangenheit an.

Bei den Untersuchungen 2012 hat Agroscope die Herzfrequenz beim Fahren ohne und mit Lenksystem ermittelt. Dabei hat man festgestellt, dass es signifikante Unterschiede gibt. Im Mittel lag die Herzfrequenz von 14 ausgewerteten Fahrern bei 84 Schlägen pro Minute. Mit Lenksystem sank die durchschnittliche Herzfrequenz in der Hauptfläche gegenüber der Variante ohne Lenksystem auf 98.5 % oder um zwei Schläge in der Minute. Noch ausgeprägter waren die Unterschiede bzw. die Entlastung im Vorgewende 97,5 %. Das mag auf den ersten Blick gering erscheinen. Dabei muss aber berücksichtigt werden, dass ein Lenksystem die körperliche Anstrengung nicht oder kaum verändert. Die veränderte Herzfrequenz ist folglich primär auf mentale Belastungsänderungen zurückzuführen.

Überlappung ist Verlust

Genaues Anschlussfahren mit Arbeitsbreiten bis drei Meter ist machbar, obwohl sich Ermüdungserscheinungen schon nach zwei Stunden zeigen. Je größer die Arbeitsbreite, desto schwieriger wird es, die Gerätebreite voll auszunutzen. Gelingt es Überlappungen zu reduzieren, können auch Treibstoff, Dünger und letztlich Arbeitszeit gespart werden. Vorsichtige Berechnungen für den Ackerbau, im konkreten Fall Getreideanbau, gehen von Einsparungen in Höhe

Fotos: R. Hunger, Pötinger, zVg
Quelle: KTBL-Heft 96

von rund 13 Euro/ha aus. Bei intensiver Grünlandbewirtschaftung mit zahlreichen Überfahrten liegen die Einsparungen im Bereich von 9 Euro/ha.

Wendestrategie überdenken

In der Praxis gibt es verschiedene Wendestrategien am Feldende. Eine arbeitswirtschaftliche Optimierung bringt die Wahl der richtigen Wendeart. Abhängig vom Verhältnis von Arbeitsbreite zu Wenderadius und Wendeform können Zeitgewinne zwischen einer und acht Sekunden realisiert werden. Auf die gesamte Wendezeit bezogen, entspricht dies Einsparungen bis zu 30 %. Anstelle der oft praktizierten Schwalbenschwanz-Wende (vorwärts-rückwärts-vorwärts) wird entweder die Omegaform-Wende oder das Überspringen einer Fahrspur empfohlen. Bei Letzterer ist ein genaues Anschlussfahren nur mit einem Parallelfahrsystem möglich.

Unterschiedliche Parallelfahrsysteme

- Lenkhilfen

Lenkhilfen sind das einfachste Parallelfahrsystem. Sie zeigen dem Fahrer die Abweichungen von der gewünschten Spur mittels Lichtbalken, Leuchtdioden oder Display an. Die Lenkbewegung muss der Fahrer selbst ausführen. Eine Fahrspur-Annäherung und die exakte Einfahrt werden optisch, teilweise auch akustisch, angezeigt. Lenkhilfen lassen sich auf einfache Weise von einem Fahrzeug zum nächsten versetzen. Der Fahrer muss grundlegende Parameter wie die mittige Position der Antenne beachten und die Arbeitsbreite des Arbeitsgerätes in die Einstellungen der Lenkhilfe eingeben. Lenkhilfen erzielen Genauigkeiten von +/- 30 cm. Mithilfe geeigneter Software sind auch Smartphones, Tablets und Navigationsgeräte als Lenkhilfen einsetzbar.

- Lenkassistenten

Lenkassistenten sind die nächste Ausbaustufe. Sie übernehmen die Lenkung, indem ein elektrischer Motor am Lenkrad oder direkt an der Lenkspindel die Lenkbewegung auslöst. Dabei setzt ein Stellmotor die Richtungsangaben des Navigationsrechners in eine Lenkbewegung um, das Umsetzen auf ein anderes Fahrzeug ist möglich. Auch hier muss die Antenne an der richtigen Position platziert und die Arbeitsbreite des Arbeitsgerätes am Bedienterminal eingegeben werden. Wendevorgänge am Feldende sind weiterhin manuell

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Für eine präzise Steuerung mit Section Control ist GPS unerlässlich.

durchzuführen. Bei ausreichender Annäherung an die nächste Fahrspur übernimmt das System nach Aktivierung die Kontrolle über die Lenkung. Der Fahrer kann jederzeit durch eine manuelle Lenkbewegung die Steuerung übernehmen.

- Lenkautomaten

Mit einem Lenkautomaten erfolgt der Eingriff zur Fahrzeugsteuerung direkt in der Lenkhydraulik. Zusätzlich braucht es einen Radwinkelsensor, der die elektronische Fahrzeugsteuerung mit zusätzlichen Informationen unterstützt. Lenkautomaten sind die teuersten Parallelfahrhilfen, bieten aber die höchste Genauigkeit. Sie sind nicht komplett von einem Fahrzeug auf das andere übertragbar: Weil die meisten Lenkautomaten die mögliche Präzision nur mit Zusatzsensoren erreichen, sind kostenpflichtige Korrekturdienste erforderlich. Bei sehr langsamer Fahrgeschwindigkeit (unter 2 km/h) und bei Systemen mit nur

Tabelle 2: Kostenrelevante Annahme für Parallelfahrsysteme

einer Antenne kann der Navigationsrechner unter Umständen die Fahrrichtung nicht bestimmen. Ist dies der Fall, wird eine zweite Antenne benötigt.

Spezialfall Hang

Der Antennenmittelpunkt ist für die Navigationsbewegung des Fahrzeugs maßgebend. Dieser Mittelpunkt verschiebt sich, wenn die Kabine (mit der Antenne) am Hang aus der Senkrechten kippt, weil sich das Fahrzeug in eine Richtung neigt. Für eine geländespezifische Lagekorrektur sind zwei hochpräzise Antennen auf dem Fahrzeug erforderlich, welche die Kippbewegung registrieren.

Auch ein angehängtes Anbaugerät kann am Hang aufgrund der Abdrift die Spur des Traktors nicht halten. Folglich kann dessen Position nicht durch eine Positionskorrektur der Zugmaschine korrigiert werden. Möglichkeiten zur Korrektur sind:

• Bei der passiven Steuerung wird mithilfe einer zweiten Antenne auf dem Anbaugerät die Position festgestellt und die Zugmaschine so korrigiert, dass das Anbaugerät exakt in der Spur läuft. Dies hat unter Umständen zur Folge, dass der Traktor dann neben der eigentlichen Fahrspur bzw. Fahrgasse läuft.

• Bei einer aktiven Steuerung wird die Abdrift ebenfalls mit einer zweiten Antenne erfasst. Mittels aktiver Steuerung über gelenkte Achsen oder Scheibensech am Gerät wird die Spur exakt gehalten.

• Die Nachlenkung eines gezogenen Gerätes ist auch über die seitliche Verschiebung des Trägerrahmens möglich.

Quelle: KTBL & Agripedia

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