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Naturland Nachrichten 1/2026

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Naturland

Fachinformationen für den Öko-Landbau NACHRICHTEN

WIE FRAUEN

die Landwirtschaft prägen

BIO-MARKT

Der Handel setzt auf Bio

HAFER

Tipps für den Frühjahrsanbau

BioAgenasol ®

Bringt alle Kulturen zum Wachsen

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ANERKENNUNG & SICHTBARKEIT

Das Jahr 2026 wurde von den Vereinten Nationen als Internationales Jahr der Bäuerin und Landwirtin ausgerufen. Es ist schon lange an der Zeit, ein Bewusstsein für die herausragende Rolle der Frauen in der Landwirtschaft herzustellen und junge Frauen zu ermutigen, in dieser Männerdomäne Verantwortung zu übernehmen und sichtbar zu werden.

Als ich vor knapp 18 Jahren bei der Beratung für Naturland gestartet bin, gab es gerade mal zwei Frauen im Beratungsteam. Auch bei meinem Einstieg in die Leitungsebene war ich – neben einer Präsidentin – lange Zeit die einzige Frau in den Runden der Geschäftsführer; ich war die „Quotenfrau“. Seit einigen Jahren erleben wir nicht nur hier einen unheimlichen Wandel. Die Frauenquote bei der Beratung für Naturland liegt derzeit bei annähernd 50 %. Auch in den Beratungen auf den landwirtschaftlichen Betrieben werden Frauen als Beraterinnen inzwischen ebenso angenommen wie Männer. Diese Entwicklung passiert nicht zufällig. Dazu braucht es Frauen, die selbstbestimmt ihren Weg gehen und somit für alle eine Entwicklung anstoßen. Es ist wichtig, dass wir Frauen uns in der Landwirtschaft und auch in den Führungsebenen klar positionieren und uns auf unsere Stärken besinnen. Ich habe erfahren, dass Frauen oft besser darin sind, neue Entwicklungen und Ideen am Laufen zu halten und voranzutreiben. Dies schaffen sie durch Weitblick, umsichtiges Handeln und Empathie.

Die Frage, wie Frauen heute die Landwirtschaft prägen, haben wir in dieser Ausgabe gemeinsam mit fünf Frauen unterschiedlichen Alters und verschiedener Herkunft besprochen. Doch so unterschiedlich unsere Gesprächspartnerinnen waren, so einheitlich war deren Anspruch: Anerkennung und Sichtbarkeit!

Dr. Gertraud Branner-Hiebl Stellv. Geschäftsführung Beratung für Naturland

IMPRESSUM NATURLAND NACHRICHTEN

Herausgeber: Beratung für Naturland Öko-BeratungsGesellschaft mbH Eichethof 1, 85411 Hohenkammer Telefon: +49 (0)8137/ 6372-902 info@naturland-beratung.de www.naturland-beratung.de

Verantwortlich im Sinne des Presserechts (V.i.S.d.P): Martin Bär

Vertrieb: Regina Springer Telefon: +49 (0)8137/6372-912 r.springer@naturland-beratung.de

Anzeigen: Tanja Edbauer Telefon: +49 (0)172/3126816 t.edbauer@naturland-beratung.de

Redaktion: Markus Fadl, Roman Goldberger (leitend), Walter Zwingel redaktion@naturland-beratung.de

Titelfoto: agrarheute

Grafik & Layout: Werbeagentur Oberhofer, Ingolstadt Alison Goldberger, Rainbach

Druck: Riegler Druck, Pfaffenhofen

Bezug: Die Fachzeitschrift erscheint sechsmal im Jahr im Umfang von mind. 76 Seiten. Der Bezugspreis der Naturland Nachrichten ist im Mitgliedsbeitrag enthalten.

Alle namentlich gekennzeichneten Artikel geben die Meinung des Verfassers wieder. Die Beiträge sind urheberrechtlich geschützt. Nachdruck ist nur mit schriftlicher Genehmigung der Redaktion zulässig.

Wir formulieren in unseren Texten die weibliche und männliche Form aus. Wenn dies die Lesbarkeit beeinträch-

tigt, verwenden wir die generische Form – diese schließt Frauen dann selbstverständlich ein.

DER UMWELT ZULIEBE

Die Naturland Nachrichten werden aus Recyclingpapier (Blauer Engel) und mit natürlichen Farben ohne Mineralöl hergestellt. Druck und Versand erfolgen -neutral durch Kompensation. Daher darf die Zeitschrift – als Ganzes – den Blauen Engel tragen.

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titelthema

20 WIE FRAUEN DIE

LANDWIRTSCHAFT PRÄGEN

Drei Frauen, drei Perspektiven – und viele gemeinsame Themen

26 „DU MUSST DIESEN BERUF LIEBEN“

Naturland Bäuerin Annemarie

Koller und der Weinhof Koller im Porträt

30 DIE BÄUERIN

Wandel eines Rollenbilds

33 NICHT NUR ACKERN, AUCH ENTSCHEIDEN

Erklärung zum internationalen

Jahr der Frauen in der Landwirtschaft

MARKT & VERMARKTUNG

34 GETREIDE

Hafer bleibt deutlich überversorgt, während Futtergetreide wieder fester tendiert

35 RIND & SCHWEIN

Markt für Bio-Rindfleisch bleibt unterversorgt

36 SONDERKULTUREN

Sojabohne und Sonnenblumen sind weiterhin gefragt

37 BIO-MILCHMARKT

Große Auszahlungsunterschiede zwischen den Molkereien

RIND & GRÜNLAND

40 INTERVIEW

Bio-Kälber in der Sackgasse

44 AMPFER

Ursachen und Ansätze zur Bekämpfung im Grünland

47 ZUCHT

Besser anpaaren mit dem Ökologischen Gesamtzuchtwert

48 BÄRENKLAU

Unerwünschte Pflanze im Grünland

SCHWEIN & GEFLÜGEL

50 RÜCKSCHAU

Das war die Naturland

Mastgeflügeltagung 2025

52 PROJEKT LAND.LUFT

Schweine auf der Weide halten und schlachten

56 BERATERTIPP

Räudedruck reduzieren

ACKERBAU & TECHNIK

58 HAFER-ANBAU

So sichern Sie die Qualität des Speisehafers

64 KICHERERBSEN

Kichererbsen in Hessen: Ist das möglich?

69 PFLANZENSCHUTZ

Neue Aufzeichnungspflichten

70 NÄHRSTOFFKOOPERATIONEN

Das gilt für die Düngesaison 2026

AUS DEM NATURLAND

6 INTERVIEW

Der Handel setzt auf Bio

10 POLITIK & VERBAND Aktuelles rund um Naturland

14 GRÜNE WOCHE Naturland auf der Grünen Woche

16 BUNDESPREIS ÖKOLOGISCHER LANDBAU Naturland Betrieb Neudecker ausgezeichnet

18 EU-ÖKO-VERORDUNG Kommission schlägt Anpassungen vor

AUTOR

Roman Goldberger

Beratung für Naturland r.goldberger@ naturland-beratung.de

setzt auf Bio Handel

Interview mit Wilhelm Heilmann, Geschäftsführer der Naturland Zeichen GmbH, über Preisdruck, Rohstoffknappheit und neue Wege für mehr Wertschöpfung

WILHELM HEILMANN

Wilhelm Heilmann ist Geschäftsführer der Naturland Zeichen GmbH. Der Agraringenieur stammt aus einem Naturland Betrieb in Oberbayern.

Die Naturland Zeichen GmbH ist mit der Vergabe und Lizenzierung des Naturland Zeichens beauftragt, betreut Partner aus Verarbeitung und Handel und übernimmt die finanzielle Abwicklung des Förderprogramms Artenvielfalt.

Drängt die aktuelle weltpolitische Lage Themen wie Klima- und Umweltschutz in den Hintergrund?

Auf politischer Ebene mag das so sein, in den Gesprächen mit dem Handel spielt das aber keine Rolle. Die Handelsunternehmen verfolgen ihre Nachhaltigkeitsstrategie weiter – oder bauen sie sogar aus. Wir sehen beispielsweise beim Naturland Partner Aldi, dass das Thema Nachhaltigkeit sogar weiter internationalisiert wird. Das verdeutlicht die langfristige Ausrichtung.

Wenn Nachhaltigkeit weiter auf der Agenda steht – warum ist die Stimmung am Markt trotzdem so angespannt?

Weil es am Ende immer um Preise und Wertschöpfung geht. Verbraucherinnen und Verbraucher kaufen weiterhin sehr preissensibel ein, was auf Ebene des Handels zu Preiskämpfen führt. Diese werden mittel- und langfristig auch am Erzeugerpreis spürbar. Ich gehe daher nicht davon aus, dass die Erzeugerpreise in den nächsten Jahren spürbar steigen werden.

Die Kosten auf den Höfen steigen aber weiter. Wie passt das zusammen?

Das ist genau die Herausforderung, vor der wir stehen. Ich hoffe, es gelingt uns, notwendige Erhö-

hungen punktuell durchzusetzen. Aber die Wertschöpfung grundsätzlich auf ein höheres Niveau zu heben, das wird schwierig. Man muss aber sagen: Die Einkommenssituation auf den Höfen ist individuell – je nach Region, Betriebsstruktur, Intensität und Familiensituation. Jeder Betrieb hat sein eigenes Geschäftsmodell.

Du warst im Dezember beim Naturland Partner Rewe. Was nimmst du aus diesem Gespräch mit? Das war ein positives Signal. Ich habe nicht damit gerechnet, dass sich gleich zwei Vorstände eine Stunde Zeit nehmen. Früher hieß es eher: „Das macht der Vertrieb.“ Dass Bio wieder auf dieser TopEbene diskutiert wird, stimmt mich optimistisch.

Am gleichen Tag hat Rewe eine Partnerschaft mit Bioland verkündet. Eine Niederlage für Naturland?

Nein, ganz im Gegenteil. Rewe will im Bio-Segment weiterhin wachsen und da kommt das Thema Rohstoffsicherung ins Spiel. Dass Bio in den Zukunftsplänen unserer Partner eine wichtige Rolle spielt, ist für alle Bio-Bauern eine gute Nachricht – da dürfen die Verbände keine Scheuklappen haben. Ich sehe diese Entwicklung als Auftrag an die Bio-Branche, noch intensiver mit dem Handel im Gespräch zu sein.

Fotos:

Das Förderprogramm Artenvielfalt ist eine zusätzliche Möglichkeit, Landwirte monetär zu unterstützen.

Wilhelm Heilmann setzt auf eine Intensivierung der Gespräche mit dem Handel, hier im Austausch mit REWEManager Matthias Sinn.

Es sollen also keine Naturland zertifizierten Produkte ersetzt werden?

Es wurde uns klar versichert, dass Naturland zertifizierte Produkte mittelfristig nicht substituiert werden sollen. Es geht tatsächlich um zusätzliches Wachstum und die entsprechenden Rohstoffe. Hier will sich Rewe breiter aufstellen, um der Rohstoffknappheit zu entgehen.

Stichwort Rohstoffknappheit: Warum gibt es so wenige Umsteller-Betriebe?

Am Ende hängt es an Wertschöpfung und Planungssicherheit. Wir bräuchten nicht nur punktuell bessere Preise, sondern grundsätzlich eine attraktivere Perspektive. Mehrjahresverträge wären ein wichtiger Baustein, gerade für Investitionen – etwa in der Tierhaltung. Diese Punkte sprechen wir seit Jahren an, sie sind oft verhallt. Der Handel bewegt

sich nur schwer aus dem gewohnten Korsett klassischer Einkaufsprozesse konventioneller Waren heraus. Wir wünschen uns mehr strategische Planung statt „Einkaufen nach Schema F“.

Was stimmt dich angesichts dieses Drucks optimistisch?

Das Naturland Förderprogramm Artenvielfalt. Wir haben früh erkannt, dass Impulse bei Erzeugerpreisen nicht immer so leicht umzusetzen sind. Deshalb brauchen wir zusätzliche Möglichkeiten, Landwirte monetär zu unterstützen – nicht nur für die Rohware, sondern für zusätzliche Leistungen im Bereich Umweltschutz und Artenvielfalt. Mit dem Förderprogramm Artenvielfalt haben wir einen guten Ansatz gefunden. Wir wollen zusätzlich zu staatlichen Programmen auch privatwirtschaftliche Wege aufbauen. Nun gilt es, das Programm, das derzeit noch in einer Prototypenphase ist, weiterzuentwickeln.

Aktuell finanziert sich das Programm durch die Zusammenarbeit mit Aldi. Siehst du auch außerhalb der Lebensmittelkette Potenzial?

Ja, da bin ich optimistisch. Zukünftige Rahmenbedingungen wie EU-Taxonomie und Nachhaltig-

keitsberichtspflichten werden viele Unternehmen außerhalb des Lebensmittelbereichs beeinflussen – auch Banken. Solange diese Themen noch nicht für die Unternehmen schlagend sind und es keine Deadlines gibt, widmen sie sich nicht mit voller Kraft diesem Thema. Wir wollen aber vorbereitet sein und mit dem Förderprogramm ein passendes Angebot schaffen.

Ist das eine der Hauptaufgaben im Jahr 2026? Wir befinden uns aktuell in einer Phase der Konsolidierung und Optimierung. Nach Jahren des raschen Wachstums kommen wir nun wieder in eine Phase, in der wir mehr agieren statt reagieren. Wir überprüfen auf Ebene des Lebensmittelhandels einzelne Produkte und ersetzen sie durch andere. Wir durchleuchten interne Abläufe. Und ja, auch das Förderprogramm gilt es nun weiterzuentwickeln. Unser Ziel ist es, Dienstleistungen zu liefern, die für alle Beteiligten zufriedenstellend sind.

In den vergangenen Jahren sind viele Mitgliedsbetriebe in Österreich dazugekommen. Wie sieht die Vermarktungslage da aus?

Viele dieser landwirtschaftlichen Betriebe sind Mitglied geworden, weil deren Vermarkter nach Deutschland exportieren und die Naturland Zertifizierung dafür nutzen. Wir bauen aber auch in Österreich Schritt für Schritt ein Absatz-Netz für Naturland Betriebe auf. Uns ist dabei wichtig, mit den Playern in Österreich im guten Austausch zu sein. Wenn wir Bio voranbringen wollen, dürfen wir uns nicht intern voneinander abgrenzen. Ganz im Gegenteil: Wenn wir nicht stärker zusammenarbeiten, werden wir gegenseitig ausgespielt.

Was meinst du konkret?

Nur ein Beispiel: Die regenerative Landwirtschaft wird vom Handel immer wieder als Alternative zu Bio ins Spiel gebracht, hier braucht es ein gemeinsames, klares Auftreten der Bio-Organisationen. Auch deshalb sind Kooperationen wichtig, in Österreich etwa im Austausch mit Bio Austria. Wir müssen Symbiosen eingehen und gleichzeitig unsere Identität halten.

Umso wichtiger also, dass sich Bio-Bauern über Verbände bündeln?

Auf jeden Fall – wegen Vermarktung, politischer Vertretung und vor allem wegen der Beratung vor Ort. Gleichzeitig müssen Verbände aber aufpassen, sich nicht nur mit sich selbst zu beschäftigen. Wir müssen Bürokratie abbauen. Kooperationen sind notwendig – ohne dass man gleich verschmelzen muss.

Jetzt schon drauf freuen.

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KOMMENTAR

Kurz vor Weihnachten legte EU-Kommissar Christophe Hansen Vorschläge zur Änderung der EU-Öko-Verordnung vor. Der Vorschlag ist ein Bekenntnis zum Ökolandbau als einem Schlüsselelement der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP). Vor dem Hintergrund einer als Bürokratieabbau getarnten Demontage von Umwelt-, Klimaschutz und Nachhaltigkeitsgesetzen ist das ein positives Signal. Jetzt müssen Taten folgen. Dies gilt zum einen für die Öko-Förderung in der GAP nach 2027 und ganz aktuell für bessere Rahmenbedingungen in der Tierhaltung. Positiv sind die Kommissions-Vorschläge für die Geflügelhaltung, noch unklar ist der Ausgang bei Rindern und Schweinen. Hier steht der Agrarkommissar im Wort konstruktive Vorschläge zu machen, die eine Entwicklung des Ökolandbaus fördern und verhindern, dass Betriebe aussteigen müssen.

NATURLAND STYLEGUIDE

Der neue Naturland Styleguide ist da und bietet unter anderem Direktvermarktern Hilfe, das Naturland Logo auf Website, Verpackungen oder Kommunikationsmaterialien richtig zu verwenden. Der neue Styleguide enthält detaillierte Informationen sowie konkrete Anwendungsbeispiele. Zu finden ist der Styleguide online unter mein-naturland.de. Bei Fra-

gen zur Verwendung des Naturland Logos steht das Marketing-Team der Naturland Zeichen GmbH unter marketing@naturland-zeichen.de zur Verfügung.

SRI LANKA: NATURLAND HILFT

Nach einem schweren tropischen Wirbelsturm Ende November 2025 haben Überschwemmungen und Erdrutsche weite Teile Sri Lankas verwüstet. Mehrere hundert Menschen kamen ums Leben, ganze Bergregionen sind zerstört. Zeitweise stand rund ein Fünftel der Landesfläche unter Wasser. Besonders hart traf es die BioAnbaugebiete Gampola im Teehochland und Matale in den Gewürzbergen. Viele Bio-Bäuerinnen und Bio-Bauern verloren Angehörige, ihre Häuser, ihre Felder und die Infrastruktur, von der ihre Existenz abhängt.

Naturland reagiert gemeinsam mit lokalen Partnerorganisationen und unterstützt die betroffenen Familien über den Naturland Hilfsfonds. Die Hilfe reicht von akuter Nothilfe über den Wiederaufbau zerstörter Tee- und Gewürzflächen bis hin zu Maßnahmen, die vor weiteren Erdrutschen schützen. So hilft Naturland, Existenzen zu sichern und ökologische Lieferketten langfristig zu erhalten. Möchten Sie die betroffenen Bio-Bäuerinnen und Bio-Bauern in Sri Lanka unterstützen? Hier können Sie spenden: www.naturland-hilft.de

Erdrutsche und Überschwemmungen haben weite Teile Sri Lankas verwüstet.

NEUE HOFSUCHE AUF DER

NATURLAND WEBSITE

Die Naturland Hofsuche wurde neu überarbeitet. Naturland Betriebe können sich kostenlos eintragen und ihr Angebot sichtbar machen.

Eine der meistbesuchten Seiten auf der Naturland Website ist die Hofsuche, auf der sich Naturland Betriebe mit ihrem Angebot präsentieren können. Besucherinnen und Besucher der Website finden hier ihren Bio-Direktvermarkter in der Nähe, den Ferienbauernhof für den nächsten Familienurlaub oder Naturland Schulbauernhöfe mit pädagogischem Angebot. Die Hofsuche wurde neu überarbeitet und überzeugt jetzt mit Übersichtlichkeit sowie einfachen und intuitiven Suchfunktionen. Über die Filterfunktion kann man einfach die passenden Produkte oder Angebote auswählen und die Naturland Betriebe per Umkreissuche in der gewünschten Region

anzeigen lassen. Nutzen auch Sie das kostenlose Angebot von Naturland, und präsentieren Sie sich mit Ihrem Angebot auf der

Naturland Website. Bei Interesse melden Sie sich per E-Mail bei Pascale Weiß-Naumann: p.naumann@naturland.de.

Die Naturland Hofsuche ist jetzt noch übersichtlicher und leichter zu nutzen.

EZG SCHWARZWALD BIOWEIDERIND

NATURLAND PODCAST: ES GEHT WIEDER LOS

Naturland ist auf vielen Ebenen präsent: Markus Kaiser (am Mikro), Naturland Mitglied und Vorsitzender der EZG Schwarzwald Bio-Weiderind, diskutierte bei der Grünen Woche in Berlin beim Empfang des Landes Ba den-Württemberg über Weide, Tierwohl und Produktqualität

– gemeinsam mit Baden Württembergs Landwirtschaftsminister Peter Hauk (li). Die EZG bündelt Bio-Weiderinder aus dem Schwarzwald und vermarktet Naturland Weiderindfleisch in Partnerschaft mit EDEKA Süd-

Nach einer kurzen Winterpause hat er wieder losgelegt: Der Naturland Podcast WIR BIOBAUERN: Ende Januar ging die erste Folge 2026 online – mit Social-Media-Tipps für landwirtschaftliche Betriebe, Direktvermarkter etc. Die Februar-Folgen geben Einblick in die aktuellen Markt-Entwicklungen bei Bio-Milch, Bio-Getreide und Sonderkulturen. Wir freuen uns, wenn Sie reinhören. Sie finden den Podcast WIR BIOBAUERN auf allen gängigen Podcast-Plattformen und auf www.naturland-beratung.com/ podcast.

SCHLAGABTAUSCH BEIM BÖLW-EMPFANG

Er ist ein fester Termin auf der Grünen Woche und der Auftakt im politischen Jahr: der BioEmpfang des BÖLW.

Hier treffen Vertreter von BioVerbänden, Handel und Verarbeitung mit Vertretern von Regierungen und Parteien zum Austausch im lockeren Rahmen zusammen. Hier werden Verbindungen geknüpft, die dann in

vielen politischen Einzelgesprächen im Laufe der Messe vertieft werden.

Die Reden der politischen Ehrengäste sind dabei auch eine Art Gradmesser für die aktuelle politische Stimmung. Dass es dabei in diesem Jahr fast schon zu einem kleinen Schlagabtausch über richtige Wege in der Land- und Lebensmittelwirtschaft kam, war insofern durchaus spannend.

Oben: Die Gastredner Bundesumweltminister Carsten Schneider (2.v.l.), Ophelia Nick (4.v.l.) und BMLEH-Staatssekretär Markus Schick (3.v.r.) gemeinsam mit dem BÖLW-Vorstand und der Ceres Award Gewinnerin Syleke Herse (li.).

Unten: Der Naturland Stand in der Bio-Halle war Austragungsort des BÖLW-Empfangs.

Die Vorsitzende des Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft, Tina Andres, mahnte als Gastgeberin an, keines der „großen Probleme“ würde gelöst, wenn alle Verordnungen der letzten 20 Jahre zum Schutz von Natur und Umwelt „vom Tisch gewischt“ würden. Während Bundesumweltminister Carsten Schneider diese Ansicht deutlich unterstützte, warb der Staatssekretär im Bundeslandwirtschaftsministerium Markus Schick auch für gentechnische Lösungen. Beide Regierungsvertreter bedauerten, dass Deutschland sich bei der Abstimmung im Europäischen Rat enthalten hatte – allerdings aus gegensätzlichen Positionen pro und contra Gentechnik heraus.

Immerhin waren sich alle Gastredner, einschließlich der Vertreterin der Grünen Ophelia Nick, einig, dass Bio eine erfolgreiche und daher unterstützenswerte Transformationsbranche sei. Es werde auch weiterhin ein Bundesprogramm Ökologischer Landbau geben, versprach Schick. Angesichts der Einsparverpflichtungen im Haushalt werde man allerdings „priorisieren“ müssen. Der Fokus in dieser Legislatur werde auf Gemeinschaftsverpflegung und Unterstützung der Kommunen beim ökologischen Umbau liegen.

Der Staatssekretär sprach in Vertretung von Bundesminister Alois Rainer (CSU), der bereits am Morgen beim Eröffnungsrundgang gemeinsam mit EUKommissar Christophe Hansen die Bio-Halle besucht hatte.

Markus Fadl, Naturland e.V.

Fotos: Naturland / Sabine Bielmeier

MEHR BIO-UMSATZ, MEHR BIO-JOBS

Bio wächst weiter: 2025 dürfte der Umsatz über 18 Mrd. Euro liegen, auch online ist Bio gefragt.

Bio-Anteile im OnlineLebensmittelhandel

Im Jahr 2025 ist der Bio-Umsatz erneut deutlich gewachsen: Experten schätzen, dass die 18-Milliarden-Euro-Marke überschritten wird. Der Bio-Anteil am gesamten Lebensmittelmarkt dürfte damit bei rund 7,5 % liegen. Die genauen Zahlen veröffentlicht der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) pünktlich zur Biofach am 10. Februar.

Erstmals wurde auch der BioAnteil im wachsenden OnlineLebensmittelhandel erhoben: Er reicht von 10 % (Picnic) bis 28 % (Tegut). Der Rewe-Lieferservice liegt mit 20 % im Mittelfeld – und ist damit fast dreimal

so hoch wie im Gesamtmarkt. Auffällig ist, wie häufig Bio mitbestellt wird: Bei 85 % der ReweBestellungen ist mindestens ein Bio-Produkt im Warenkorb, bei Flink sind es 57 %.

Auch die Beschäftigung wächst weiter: 388.000 Menschen arbeiteten 2024 in Bio-Erzeugung, -Verarbeitung und -Handel (+2,1 %). Zusammen mit Erneuerbaren Energien kommen die beiden Transformationsbranchen auf 794.000 Jobs und liegen damit inzwischen vor der Autoindustrie (773.000).

BÖLW

Umsatzanteil, in Prozent* Warenkörbe mit mind. einem Bioprodukt, in Prozent

*2025: tegut: 01/02/03, knuspr: Q1, Rewe: 01/02, Wolt: Q1/02, PicNic: Q1/02/03 (Jan-Nov), Flink: 01/02

Grünes Geld lässt Bio wachsen

Grünes Geld lässt Bio wachsen

SieBesuchen

Nutzen auch Sie unsere Erfahrung in der Finanzierung von biologischen Erzeugnissen, Verarbeiter*innen sowie Groß- und Einzelhändler*innen – seit 1974 arbeiten wir gemeinsam am Ziel 100 % Bio. Alle Infos auch unter gls.de/biobranche

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Quelle:

Naturland auf der Grünen Woche

100 Jahre Grüne Woche in Berlin (16. bis 25. Januar): Zum Jubiläum der weltgrößten Landwirtschaftsmesse in Berlin gab es bei Naturland wieder jede Menge zu erleben und zu kosten. Entsprechend groß war der Andrang am Naturland Stand in der Bio-Halle. Viele Besucher nutzten die Gelegenheit, Naturland näher kennenzulernen und sich auf unterhaltsame Weise über Bio zu informieren. Parallel gab es auch wieder viele Begegnungen und Gespräche mit Politik und Wirtschaft. Ein Überblick in Bildern:

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7 Annemarie Paulsen berichtet vom Naturland Stand: Mehr als 455.000 Menschen folgen der Agrarinfluencerin auf Instagram, wo sie mit viel Humor von ihrem Leben auf dem Hof erzählt. Die 33-Jährige führt gemeinsam mit ihrem Mann einen Naturland Betrieb in der Uckermark . verbands, Günther Felßner (li.).

2 Runde Formen symbolisieren den Kreislauf der Natur: Der Naturland Stand erwies sich einmal mehr als großer Anziehungspunkt in der BioHalle.

3 Naturland schmecken direkt ab Hof: Verschiedene Naturland Betriebe waren zu Gast und boten ihre Produkte an, hier der Brandenburger Betrieb Gut&Boesel mit Spezialitäten vom Bio-Weiderind.

4 Zum Internationalen Jahr der Frauen in der Landwirtschaft berichteten auf der Bühne in der Bio-Halle Landwirtinnen von ihren Erfahrungen. Hier Rosa Knauer, die gemeinsam mit ihrem Bruder zwei Naturland Milchviehbetriebe in Bayern und in Mecklenburg-Vorpommern leitet.

5 Naturland zum Staunen: Das Angebot, Bio mittels Virtual-Reality-Brille hautnah zu erleben, traf besonders bei Kindern auf viel Begeisterung.

6 Alles im Griff und immer eine freundliche Antwort parat: Mit guter Laune sorgte das Naturland Messeteam dafür, dass zehn Tage lang alles rund lief.

Fotos:
Naturland / Sabine Bielmeier

Die GEWINNER

Die Naturland Betriebsgemeinschaft Neudecker wurde mit dem Bundespreis Ökologischer Landbau 2026 ausgezeichnet – für Energieautarkie, Kreislaufwirtschaft und Innovationen auf vielen Ebenen: von Bio-Zuckermais, über Aktivstall bis hin zur Biogasanlage mit Altbrot-Verwertung.

Die Naturland Betriebsgemeinschaft von Barbara und Anton Neudecker in Hohenpolding in Bayern ist von Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer mit dem Bundespreis Ökologischer Landbau 2026 ausgezeichnet worden. Der Minister überreichte dem Betriebsleiterpaar die Auszeichnung auf

der Grünen Woche in Berlin. Im Bundeswettbewerb Ökologischer Landbau werden jedes Jahr drei Bio-Betriebe für besondere Betriebskonzepte und weitergehende Leistungen für den Ökolandbau und die Region ausgezeichnet. Der Preis ist mit 12.500 Euro für jeden Betrieb dotiert.

Innovationen auf vielen Ebenen

Barbara und Anton Neudecker führen ihre Betriebsgemeinschaft mit zwei Bio-Betrieben in geteilter Verantwortung. Die Betriebe sind in den letzten Jahren enorm gewachsen, haben mehrere Bereiche als GbR ausgegliedert und auf allen Ebenen

herausragende Innovationen entwickelt.

So setzt Anton Neudecker im Ackerbau auf eine breite Fruchtfolge. 80 Prozent der Flächen werden zur Lebensmittelerzeugung genutzt. Ein Schwerpunkt ist der Anbau von Bio-Zuckermais, für den gemeinsam mit einem Verarbeiter eine eigene Vermarktungsschiene entwickelt wurde. In der betriebseigenen Werkstatt entwickelt der Betrieb regelmäßig Maschinen für den Ackerbau weiter. So wurde zum Beispiel ein Gülletruck so umgebaut, dass Wirtschaftsdünger exakt in der Reihe ausgebracht und per Hackschar eingearbeitet werden kann.

Aktivstall

Barbara Neudecker hat auf ihrem Betriebsteil eine Pensionspferdehaltung aufgebaut und

AUTOR

Jürgen Beckhoff

Bundesprogramm Ökologischer Landbau beckhoff@ bkommunikation.de

das Konzept eines Bewegungsstalls weiterentwickelt. Es sorgt dafür, dass die Pferde auch dann regelmäßig genügend Bewegung erhalten, wenn sie nicht geritten werden.

Biogasanlage

Eine zentrale Rolle spielt die ökologische Biogasanlage für die Betriebsgemeinschaft. Im Verbund mit etwa zwanzig anderen Bio-Betrieben der Region wird die Anlage zu über 50 % mit Kleegras betrieben. Dazu kommen noch etwa 35 % Mist aus weiteren Kooperationen. Das anfallende Gärsubstrat ist für die BetriebsgemeinschaftunddieKooperationsbetriebe ein hochwertiger Dünger.

Verwertung von 2.000

Tonnen Altbrot

Um die Abwärme der Anlage sinnvoll zu nutzen, hat das Betriebsleiterpaar ein ganz besonderes Konzept entwickelt: die Bröselei. Hier werden pro Jahr

Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer (li) und die BÖLW-Vorsitzende Tina Andres (re) gratulierten bei der Preisübergabe Ende Januar im Rahmen der Grünen Woche dem Betriebsleiterpaar Anton und Barbara Neudecker mit ihren drei Söhnen.

TIPP

Weitere Infos über die Betriebsgemeinschaft Neudecker finden Sie im Video, scannen Sie dazu den QR-Code.

Sie möchten am Bundeswettbewerb Ökologischer Landbau 2027 mitmachen? Wir helfen Ihnen gerne bei der Bewerbung. Nähere Infos bei Sonja Straß; E-Mail: s.strass@naturland.de; Tel.: +49 89898082309

etwa 2.000 Tonnen Bio-Altbrot getrocknet, gemahlen und als Öko-Kraftfutterkomponente an ein Mischfutterwerk und an Betriebe geliefert. Zusätzlich trocknet der Betrieb mit der Abwärme etwa 1.500 Tonnen Ackerfrüchte. Für den Transport wird ein vollelektrischer 40-Tonnen-Lkw eingesetzt.

Die Energie für den Lkw stammt komplett aus den eigenen Photovoltaikanlagen des Betriebs, die eine Gesamtleistung von 1,8 Megawatt haben. Mehr als die Hälfte des Stroms liefert eine Agri-PV-Anlage im Außenbereich der Legehennenhaltung mit 3.000 Tieren. Die aufgeständerten Module dienen zusätzlich als Beschattung und bieten Schutz vor Greifvögeln. Ein Grünspeicher mit rund 1.000 Kilowatt Kapazität ermöglicht es, die Betriebsgemeinschaft ganzjährig mit eigenem Strom zu versorgen.

Jury beeindruckt

Die Jury zeigte sich sehr beeindruckt von der Innovationskraft des Betriebsleiterpaars Neudecker. Mit viel Pioniergeist, Engagement und Herzblut habe das Paar neue Wege in der Kreislaufwirtschaft und in der Energieautarkie beschritten und nicht zuletzt den Begriff Tierwohl mit Leben erfüllt. Das mache die Betriebsgemeinschaft zu einem Vorzeigeprojekt der ökologischen Landwirtschaft.

EU-ÖKO-VERORDNUNG: KOMMISSION SCHLÄGT ANPASSUNGEN VOR

Lösung bei Junggeflügel-Auslauf und Wartezeit, Roadmap für Weide und Schweineauslauf.

Die EU-Öko-Verordnung wird geöffnet – und das nicht ohne Grund: Auslöser war das sogenannte Herbaria-Urteil des EuGH, das die EU-Kommission

Agrarkommissar Christophe Hansen (re) – hier mit Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer zu Besuch auf der Grünen Woche – will die Praxistauglichkeit der Öko-Verordnung verbessern. Naturland fordert weiterhin Lösungen für Weide und Schweineausläufe.

zum Handeln zwang. Demnach sollen die Regeln zur Nutzung von Bio-Bezeichnungen und des EU-Bio-Logos für Importware präzisiert werden. In diesem Zuge kündigte Agrarkommissar Hansen weitere notwendige Anpassungen an, um die Praxistauglichkeit zu verbessern.

Das soll sich ändern

Im Mittelpunkt stehen praxisna-

he Änderungen in der Tierhaltung. Besonders relevant sind die Vorschläge für Geflügel: In Ställen für Junggeflügel soll künftig kein Auslauf nötig sein, weil die Tiere in der sensiblen Aufzuchtphase nicht ausreichend befiedert sind, um den Auslauf ohne Gesundheitsrisiko zu nutzen. Außerdem soll bei Mastgeflügel die maximal zulässige Stallfläche künftig pro Stall und nicht mehr pro Produktionseinheit berechnet werden – damit würden betriebliche Strukturen flexibler.

Auch bei Tierarzneimitteln ist eine wichtige Erleichterung vorgesehen: Wenn ein Präparat offiziell eine Null-Karenzzeit hat, soll nicht automatisch eine zusätzliche 48-Stunden-Wartezeit gelten. Das schafft mehr Handlungssicherheit, ohne die Lebensmittelsicherheit zu gefährden.

Weitere Änderungen betreffen u. a. Direktvermarktung, Gruppenzertifizierung sowie Verarbeitung/Desinfektionsmittel –sie sind ebenfalls Teil des Pakets.

Roadmap für Weide und Schweine

Zentrale Streitpunkte wie die Weide für Rinder und die Ausgestaltung der Ausläufe für Schweine sollen hingegen nicht im Basisrecht gelöst werden, sondern über eine begleitende Roadmap bzw. Auslegungshilfen. Dafür braucht die Kommission keine Zustimmung von Parlament und Rat.

Naturland unterstützt den Ansatz grundsätzlich – warnt aber davor, dass wichtige Fragen auf die lange Bank geschoben werden. Wir fordern praxisgerechte Lösungen, die Investitionen absichern und den Umbau hin zu tierwohlgerechteren Haltungsformen ermöglichen. Gerade bei Weide braucht es eine klare, umsetzbare Regelung, die BioBetrieben Perspektive gibt und regionale Versorgung stärkt.

Wie geht’s weiter?

Aktuell handelt es sich um einen Vorschlag der Kommission. Die Abstimmungen mit Parlament und Rat folgen in diesem Jahr – wirksame Änderungen wären Ende des Jahres zu erwarten. Naturland wird die weiteren Schritte eng begleiten und über die Entwicklungen informieren.

Roman Goldberger, Beratung für Naturland

Foto: Naturland / Sabine
Bielmeier

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Wir BioBauern

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Wie

Frauen

Landwirtschaft prägen die

Drei Frauen, drei Perspektiven – und viele gemeinsame Themen: Marina Grölz, Franziska Blind und Helene Paulsen sprechen über ihren Weg in der Landwirtschaft, über Hofübernahmen, familiäre Konflikte und darüber, wie persönliche Lebenssituationen landwirtschaftliche Entscheidungen prägen.

Marina, du leitest im Alter von 25 Jahren einen Bio-Betrieb mit knapp 200 Hektar. Wie kam es dazu?

Marina Grölz: Ich habe den Hof nach dem plötzlichen Tod meines Vaters mit 20 Jahren übernommen. Vorher war eigentlich klar, dass ich das nie machen wollte. Ich wollte in die Forschung gehen, Agrarwissenschaftlerin sein. Heute sehe ich das anders.

Möchtest du deinen Betrieb und deine Lebenssituation genauer erklären?

Marina Grölz: Der Betrieb liegt in Mittelhessen und von den 200 Hektar sind 150 Ackerland. Nach der Hofübernahme kam vieles gleichzeitig: Studium, Betriebsführung, Pflege der Eltern. Meine Mutter ist vor kurzem ebenfalls verstorben. Diese Zeit war sehr fordernd. Nun schöpfe ich aber wieder mehr Mut. Ich habe seit einem Jahr einen festen Mitarbeiter, das macht vieles einfacher. Die Rinderhaltung haben wir zuletzt wieder etwas aufgestockt und die Saatgutvermehrung als neues Standbein gestartet. Heute bin ich froh, dass ich geblieben bin – auch wenn der Weg hart war.

„Ich hatte lange das Gefühl, mich beweisen zu müssen.“

Welche Rolle nimmst du ein, Franziska?

Franziska Blind: Ich sehe mich klar als Landwirtin, auch wenn ich aktuell aus dem elterlichen Betrieb ausgestiegen bin. Ich bin gelernte Gärtnerin, habe Gartenbau studiert und mich im Studium auf Gemüsebau spezialisiert. Schon früh war klar, dass ich als einzige von vier Töchtern daran Interesse habe, den elterlichen Betrieb in Bayern zu übernehmen. Aktuell stecken wir aber in diesem Übergabeprozess etwas fest.

Wie kam es dazu?

Franziska Blind: Ich war vor allem für die Außenwirtschaft zuständig. Traktor fahren, Bodenbearbeitung, Aussaat – das war mein Bereich. Dazu

Roman Goldberger

Beratung für Naturland r.goldberger@ naturland-beratung.at

„Vertreter fragen nach dem Chef, obwohl ich vor ihnen stehe.“
Franziska Blind

kamen die bürokratischen Aufgaben: Agrarantrag, Düngeverordnung, Dokumentation. In der Theorie hatten mein Vater und ich klare Zuständigkeiten. In der Praxis gab es mal mehr und mal weniger Absprachen, das hat zu Konflikten geführt. Irgendwann war klar: Entweder wir schaffen Abstand oder wir verlieren uns als Familie komplett.

Gibt es eine Chance, dass ihr wieder zueinander findet?

Franziska Blind: Ja, ich denke schon. Ich bin nicht ausgestiegen, weil ich die Landwirtschaft aufgeben will, sondern um sie mir zu erhalten. Ich bin weiterhin motiviert, den Betrieb zu übernehmen – aber zu klaren Bedingungen.

Helene, dein Weg hat dich vom elterlichen Hof weg zu Naturland geführt, wo du Bio-Betrieben beratend zur Seite stehst.

Helene Paulsen: Ja, ich bin eine sogenannte wei-

chende Erbin eines landwirtschaftlichen Betriebs in Brandenburg, den mein Bruder übernommen hat. Der Landwirtschaft fühle ich mich sehr nahe, auch als Absolventin einer Agrar-Fachhochschule. Als Beraterin für Naturland habe ich einen intensiven Blick auf viele Betriebe und auf eine Branche, die nach wie vor stark männlich geprägt ist.

Was schätzt ihr besonders an der Arbeit in der Landwirtschaft?

Marina Grölz: Die Abwechslung. Ich sitze gern im Büro, bin aber genauso gern draußen auf dem Feld oder bei den Tieren. Dieses breite Spektrum gibt kein anderer Beruf her. Man arbeitet mit der Natur und entwickelt sich laufend weiter.

Franziska Blind: Für mich ist es die Sichtbarkeit. Man sieht, was man geschafft hat. Ein fertig bearbeitetes Feld, auflaufende Saat – das sind echte Glücksmomente.

AUTOR

forderungen?

Marina Grölz: Ich hatte lange das Gefühl, mich beweisen zu müssen. Es ist ein sehr sichtbarer Beruf. Man sieht auf den Feldern oder im Stall, wenn etwas gelingt, aber auch, wenn etwas schiefgeht. Fehler werden bei uns Frauen schneller kommentiert. Gleichzeitig ist der Arbeitsumfang enorm, gerade in Familienbetrieben. Da muss man Grenzen setzen – das habe ich erst spät gelernt.

Franziska Blind: Dieses Beobachtet-Werden kenne ich sehr gut. Man ist oft die einzige Frau auf Versammlungen oder Feldtagen. Technische Kompetenz wird bei uns schneller hinterfragt. Das stresst –manchmal mehr, als es müsste. Denn überwiegend bekommt man als Frau positive Rückmeldung.

Helene Paulsen: Ich erlebe das auch in der Beratung. Frauen in der Tierhaltung werden eher akzeptiert, im Ackerbau und bei Technik müssen sie sich stärker beweisen – sowohl als Landwirtin als auch als Beraterin.

Nicht selten wird die gute Vereinbarkeit von Familie und Beruf als Vorteil der Landwirtschaft genannt. Aber ist das tatsächlich so?

Marina Grölz: Ich sehe das nicht so positiv. Ich habe meine Eltern gepflegt, während ich den Betrieb führte und hatte viele Situationen, in denen es mich regelrecht zwischen beiden Aufgaben zerrissen hat. Es stimmt schon, dass du dich um deine Familie in dieser Form nur kümmern kannst, wenn du beruflich selbstständig bist. Aber Pflege, Betrieb und Privatleben vermischen sich dann komplett.

Helene Paulsen: Ich sehe das auch ambivalent: Für viele Frauen in der Landwirtschaft ist es nicht immer einfach, Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen, weil sie am Betrieb fix eingeplant sind. Da kann nicht einfach so Elternzeit genommen werden. Wenn die Kinder älter werden, dann greift der oft genannte Vorteil der Vereinbarkeit bei manch einer vielleicht eher: man kann zusammen Mittag essen, ist da, wenn die Kinder aus der Schule kommen etc. Marina Grölz: Ich kenne in meinem Umfeld keine Landwirtin, die alleine einen Betrieb leitet und zusätzlich ein kleines Kind hat. Ein Kinderwunsch ist bei mir auch nicht ausgeschlossen, aber ich frage mich, wann? In der Ernte geht’s nicht, in der Aussaat auch nicht. Ich habe keine Eltern mehr, die dann einspringen und ich denke, das ist ja oft das Erfolgsrezept auf landwirtschaftlichen Betrieben, dass da genügend Leute da sind.

Franziska Blind (links), Helene Paulsen (Mitte) und Marina Grölz (rechts): Drei junge Frauen in der Landwirtschaft, drei Perspektiven – und viele gemeinsame Themen.

Franziska Blind (oben) und Helene Paulsen (unten) arbeiten für die Beratung für Naturland. Franziska Blind möchte zudem den landwirtschaftlichen Betrieb ihrer Eltern übernehmen.

Franziska Blind: Ja, auch ich kenne diese Aussagen, wonach sich Familie und Landwirtschaft so gut vereinbaren ließen. Da wird meiner Meinung nach zu viel romantisiert. Ich kenne zwei Betriebsleiterinnen in meinem Umfeld, die Kinder und Betrieb gut kombinieren – allerdings unter kräftiger Mithilfe der ganzen Familie. Bei uns in Bayern sind Mehrgenerationen-Betriebe sehr verbreitet. Oft wird eingeplant, dass Eltern oder Großeltern mitarbeiten. Wenn aber – wie bei Marina – die Großeltern fehlen, dann entlarvt sich diese Aussage schnell als falsch.

Helene, wie entwickeln sich die Rollen der Frauen auf den Betrieben deines Beratungsgebietes?

Helene Paulsen: Ich erlebe eine sehr große Bandbreite, wie Frauen ihr Leben mit der Landwirtschaft gestalten. In meinem Beratungsgebiet in Ostdeutschland sind Betriebsleiterinnen und Betriebsleiter oft in einem Angestelltenverhältnis. Ganz anders ist die Situation bei Familienbetrieben: Die Vielfalt reicht von der alleinigen Betriebsleiterin, über die „mitarbeitende“ Frau bis hin zur Partnerin, die einer außerlandwirtschaftlichen Arbeit nachgeht. Trotz dieser großen Bandbreite erlebe ich über all diese Varianten hinweg aber auch, dass die traditionelle Rolle der Bäuerin oft vorgegeben ist: Kinder, Haushalt, Garten, Büro. Für manche Frauen ist das auch total in Ordnung. Ich erlebe aber auch Frauen, die damit nicht glücklich sind.

Franziska Blind: Auf vielen Höfen wird immer noch davon ausgegangen, dass Frauen alles „nebenher“ mitmachen: Büro, Haushalt, Pflege, Familie. Meine Mutter hat das neben dem Betrieb jahrzehntelang geleistet. Für mich ist klar, dass ich dieses Modell nicht fortführen kann und will. Wenn Frauen Betriebe übernehmen, muss sich auch strukturell etwas ändern.

Helene Paulsen: Das zeigt sich auch bei der Absicherung. Viele Frauen arbeiten voll im Betrieb mit, sind aber rechtlich und finanziell schlecht abgesichert – gerade im Alter oder im Trennungsfall. Das ist ein Thema, über das zu wenig gesprochen wird.

Es heißt ja, Frauen tun der männerdominierten Landwirtschaft auch in sozialer Hinsicht gut. Was sagst du dazu, Marina?

Marina Grölz: Ja, das glaube ich auch. Ich denke, dass wir Frauen gerade im Umgang mit Mitarbeitern, Dienstleistern aber auch mit Familienangehörigen eine sozialere Note haben. Bei uns am Betrieb bespreche ich viel mit meinem Mitarbeiter und meinem Bruder, bevor ich Entscheidungen treffe. Mir ist wichtig, dass wir uns auf Augenhöhe begegnen. Entscheidungen tragen sich besser, wenn alle eingebunden sind. Gleichzeitig habe ich gelernt, die

„Frauen in der Tierhaltung werden eher akzeptiert, im Ackerbau und bei Technik müssen sie sich oft stärker beweisen.“
Helene Paulsen

Entscheidung am Ende selbst zu treffen, denn ich trage die Verantwortung. Das ist gerade als junge Betriebsleiterin wichtig, auch nach außen.

Franziska Blind: Dieses Auftreten nach außen ist ein großes Thema. Ich erlebe immer wieder, dass ich trotz klarer Zuständigkeit nicht als Ansprechpartnerin wahrgenommen werde. Vertreter fragen nach dem Chef, obwohl ich vor ihnen stehe. Solche Situationen zeigen, wie tief diese traditionellen Bilder noch sitzen.

Wie sieht eure persönliche Zukunft aus?

Marina Grölz: Für mich waren die vergangen Jahre hart und lehrreich: Die Hofübergabe, das Studium, die Pflege meiner Eltern und deren Tod haben viel Kraft gekostet. Ich habe gelernt, Aufgaben abzugeben und blicke nun gemeinsam mit meinem Mitarbeiter wieder optimistischer in die Zukunft. Über den Winter habe ich eine 30-Prozent-Stelle als Lehrperson einer landwirtschaftlichen Berufsschule angenommen. Dieser Blick über den Tellerrand erfüllt mich sehr und motiviert mich auch für den eigenen Betrieb. Der wird in zehn Jahren wohl anders aussehen als jetzt, aber ich freue mich, die Entwicklung zu gestalten.

Franziska Blind: Bei uns hat sich die Übergabe verzögert, weil mein Vater und ich unterschiedliche

Ansichten von der Zukunft haben. Als Frau mit Kinderwunsch werde ich den Betrieb nicht so führen können, wie er sich das vorstellt. Ich würde den Betrieb gerne mit meiner außerlandwirtschaftlichen Arbeit kombinieren. Ich sehe den Nebenerwerb nicht als Rückschritt, sondern als Absicherung des Betriebs.

Und wie werden zukünftig Frauen die Landwirtschaft prägen?

Helene Paulsen: Immer stärker. Allein die steigende Anzahl an Agrar-Studentinnen und weiblichen Agrar-Lehrlingen zeigt, dass Frauen diesen Beruf immer stärker prägen. Damit auch immer mehr Frauen tragende Rollen in der Leitung landwirtschaftlicher Betriebe einnehmen, müssen aber Themen wie soziale Absicherung und Vereinbarkeit von Familie und Beruf verbessert werden.

Franziska Blind: Ich wünsche mir, dass es irgendwann mal nicht mehr exotisch ist, wenn eine Frau einen landwirtschaftlichen Betrieb führt – und dass Landtechnikhersteller bei der Konzeption ihrer Maschinen auch Frauen mitdenken. Gleichberechtigung in der Landwirtschaft heißt nicht, Frauen in männliche Rollen zu pressen, sondern Ungleichheiten anzuerkennen und passende Antworten darauf zu finden.

„DU MUSST DIESEN BERUF lieben“

Annemarie Koller führt mit ihrer Familie einen vielseitigen Naturland Betrieb im Weinviertel – und zeigt eindrucksvoll, wie Frauen die Landwirtschaft prägen. Für Annemarie gilt trotz Schicksalsschlägen: Du musst diesen Beruf lieben.

AUTOR

Nikolaus Fuchs

Beratung für Naturland n.fuchs@ naturland-beratung.at

Weihnachten 2025 wird Annemarie Koller lange in Erinnerung bleiben. Mitte Dezember war sie noch am Planen, wie sie ihre Tour zum Liefern von BioWein nach Vorarlberg, dem westlichsten Bundesland Österreichs, am besten gestaltet. Dann war über Nacht ihre rechte Gesichtshälfte gelähmt. Was der Auslöser war, ist unklar – aber Annemarie war gezwungen, sich zu schonen. „Das war im vorweihnachtlichen Trubel schwierig“, sagt sie und verweist auf die vielen Helfer, die einsprangen. Die Weihnachtsfeiertage verbrachte sie dann ruhig mit ihrer Familie: „Eine ungewohnte, aber auch schöne Situation“, erzählt sie und lächelt: „Wir haben das einfache, gemütliche und zwanglose Weihnachtsfest ohne hohe Erwartungen genossen.“

Gerade in solchen Momenten zeigt sich, wie sehr Frauen die Landwirtschaft prägen: mit Organisation, Tatkraft und der Fähigkeit, den Betrieb und die Familie zusammenzuhalten – selbst dann, wenn das Leben plötzlich einen Schnitt macht. Annemarie Koller ist dafür ein eindrückliches Beispiel.

Ölkürbis wurde am Betrieb Koller „immer schon bio“ produziert.

Betrieb steht auf drei Säulen

Die 60jährige Landwirtin leitet mit ihrem Mann Alfred und ihrem Sohn Mark einen facettenreichen Betrieb im Nordosten Österreichs. Der Naturland Betrieb steht auf drei Säulen: Ackerbau, Weinbau und „Urlaub am Bauernhof“. Bewirtschaftet werden 150 Hektar Acker und 28 Hektar Wein, daneben werden Gästezimmer und Ferienwohnungen vermietet. Der Betrieb beschäftigt drei Festangestellte.

Annemarie stammt selbst von einem Weinbaubetrieb und wurde 1986 Niederösterreichische Weinkönigin. Ihren Fred lernte sie schon in den frühen 70ern kennen. 1987 heirateten die beiden und starteten mit 15 Hektar Weinbau und 18 Hektar Ackerbau. 1989 und 1992 kamen ihre Kinder Mark und Isabel zur Welt. „Seitdem ist unser Betrieb sukzessive gewachsen“, schaut Annemarie zurück – auch, weil die Möglichkeit entstand, Flächen im nahen Tschechien zu bewirtschaften. Neben der fordernden Arbeit in der Landwirtschaft wurde von 1995 bis 2005 der Hof neu gebaut. Auch wenn die Zeit sehr anstrengend war, hatte die Baustelle ihre Vorteile, scherzt Annemarie: „Unsere Kinder hatten dadurch immer einen Sandhaufen zum Spielen im Innenhof.“

Kichererbsen, Linsen und Trockenbohnen

Wirtschaftlich am bedeutendsten ist mittlerweile der Ackerbau. Hier setzt die Familie auf den Anbau von trockenheitsresistenten Sonderkulturen wie Kichererbsen, Linsen und Trockenbohnen. Diese Körnerleguminosen funktionieren gut auf dem

Fotos:

Standort in der Molassezone, der gute Böden aufweist, aber mit weniger als 400 Millimetern Jahres-Niederschlägen sehr trocken ist. Auch Anbau und Vermehrung von Ölkürbis der regionalen Sorte „Retzer Gold“ ist ein wichtiger Teil der Frucht-

Dass Frauen Betriebe weiterentwickeln und Zukunftsthemen mittragen, zeigt sich bei Familie Koller auch in der Entscheidung für Bio. Im Jahr 2002 wurden die Ackerflächen und wenige Jahre später auch der Weinbau bio. 2025 präsentierte Annemarie ihren Betrieb auf einer internationalen Agrartagung in Pilsen. Auch das ist eine Form, wie Frauen die Landwirtschaft prägen: indem sie ihr Know-how sichtbar machen, Netzwerke knüpfen und offen

Betrieb musste funktionieren

Annemarie Kollers Weg hatte aber auch Schattenseiten: 2018 wurde für sie und die Familie der schlimmste Albtraum wahr: Tochter Isabel hatte einen Autounfall. Sie wurde von einem LKW übersehen und fiel ins Wachkoma. Für die Familie war dadurch die Welt von einem auf den anderen Tag eine andere – dennoch musste der Betrieb weiter

Jeder ging mit dieser Situation anders um. Alfred stürzte sich ganz in die Arbeit, Annemarie mauerte: „Ich ließ in dieser Zeit keine Nähe zu.“ Bei der Frage der bestmöglichen Pflege entschied sich die Familie für externe Hilfe. Annemarie: „Ich hätte es nicht durchgehalten, mich neben dem intensiven Tagesgeschäft zusätzlich um unsere Tochter zu kümmern.“ Also wurde Isabel in einem guten Pflegeheim versorgt. Das hatte den Vorteil, dass die Familie bei ihren vielen Besuchen zu 100 Prozent für Isabel da sein konnte. 2024 wurde Isabel von ihrem Leid erlöst und verstarb. „Nach der ersten tiefen Trauer überwiegt jetzt die Dankbarkeit für die gemeinsame Zeit“, sagt Annemarie und ergänzt: „Als Familie sind wir nochmals enger zusammengerückt.“

1 2025 präsentierte Annemarie ihren Betrieb auf einer internationalen Agrartagung in Pilsen.

2 & 3 Im Ackerbau setzt die Familie unter anderem auf den Anbau von trockenheitsresistenten Sonderkulturen wie Kichererbsen (Mitte), Linsen und Trockenbohnen (unten). 1 2 3

Betrieb und Familie

Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie sei für Annemarie das Schönste und gleichzeitig die größte Herausforderung. „Auf unserem Betrieb mit den vielen Standbeinen und der vielen Arbeit war es schwierig, die Balance zu finden, gerade als unsere Kinder noch klein waren.“ Dennoch überwiegen für Annemarie die Vorteile, ihr eigener Chef sein zu können: „Ich denke, wir konnten Isabell und Mark dadurch eine schöne und abwechslungsreiche Kindheit ermöglichen. Das wäre in diesem Ausmaß nicht möglich gewesen, wenn mein Mann und ich in einem Angestelltenverhältnis gewesen wären.“

Komme als Gast, gehe als Freund

Annemaries Hauptaufgaben liegen in der Organisation des Urlaubsangebots am Hof und bei der Betreuung der Gäste. Auch die Vermarktung von Wein und Feldfrüchten leitet sie federführend. Das positive Feedback stärkt sie. „Die harte Arbeit, die gute innerbetriebliche Organisation, der starke familiäre Zusammenhalt und die Qualität der Produkte werden sehr geschätzt.“ Auch für Haus, Hof und Gästezimmer gibt es viel positive Rückmeldung. Annemaries Philosophie lautet: „Komme als Gast, gehe als Freund.“ Viele Gäste wurden zu Stammgästen. „Auch in der Vermarktung von Wein und Feldfrüchten versuchen wir, vertrauensvolle und langfristige Partnerschaften zu entwickeln.“

Mehr Vor- als Nachteile

Was die Betriebsleiterin jungen Frauen in der Land-

wirtschaft rät? „Du musst den Beruf lieben, damit du die Herausforderungen schaffst.“ Besonders für Frauen, die – wie Annemarie – in einen Betrieb einheiraten, sei es eine Herausforderung, sich mit sämtlichen Familienmitgliedern aller Generationen am Hof zu arrangieren. „Ich glaube, diese Form der Zusammenarbeit hat mehr Vor- als Nachteile, denn sie bietet das Potenzial, gemeinsam viel bewirken zu können.“ Dies sei aber nur miteinander möglich.

Enormes Potenzial sieht Annemarie im großen fachlichen Informationsangebot der heutigen Zeit und rät jungen Frauen, dieses Angebot auch zu nutzen – und auch eine Ausbildung abseits der Landwirtschaft abzuschließen.

Druck steigt

Wichtig sei, als Familie gemeinsame Auszeiten zu nehmen. „Daraus schöpft man Kraft und findet wieder näher zueinander.“ Kritisch sieht die Landwirtin die schlechte Entlohnung für die Arbeit in der Landwirtschaft: „Der wirtschaftliche Druck ist in den vergangenen Jahren schon stark gewachsen.“ Das umstrittene Freihandelsabkommen Mercosur werde diesen Druck weiter erhöhen: „Agrarpolitik und Interessenvertretung waren hier zu schwach und konnten sich nicht durchsetzen“, bemängelt die Betriebsleiterin. Dennoch glaubt sie fest an eine gute Zukunft für ihren Betrieb: Mit den vielen Standbeinen und der Direktvermarktung erhöht der Betrieb Koller die Wertschöpfung und reduziert die Abhängigkeit vom Weltmarkt. Annemarie Koller: „Das ist zwar sehr viel Arbeit, aber ich mach das gerne. Du musst diesen Beruf lieben.“

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Das Rollenbild der Bäuerin ist diverser geworden: Betriebsleiterin, mithelfende Frau am Hof, Direktvermarkterin etc. Maria Goldberger (rechte Seite) beschäftigte sich in einer wissenschaftlichen Abschlussarbeit mit dem Wandel dieses Rollenbilds.

Bäuerin

Ein Rollenbild im Wandel der Zeit. Persönliche Einblicke in eine Welt, die sich in wenigen Jahrzehnten grundlegend verändert hat.

Wenn ich heute auf mein Leben als Bäuerin zurückblicke, dann sehe ich vor allem eines: Veränderung. Das Rollenbild der Bäuerin hat sich seit den 1950er Jahren bis in die 2020er Jahre rasant gewandelt –und mit ihm das Leben auf den Bauernhöfen. Diese Entwicklung habe ich über Jahrzehnte hinweg selbst miterlebt – zuerst als Bauerstochter, dann als Bäuerin und jetzt als interessierte Altbäuerin (75). Der Wandel des Rollenbilds der Bäuerin faszinierte mich über all diese Jahre, denn er erzählt viel über den Wandel der Landwirtschaft und der Gesellschaft insgesamt.

Patriarchalische Welt

In den ersten Nachkriegsjahrzehnten war die bäuerliche Welt patriarchalisch geprägt. Der Arbeitsbereich der Bäuerin war in dieser Zeit vorwiegend im und um das Haus: Haushalt, Kinder, Wäsche, Kochen und häufig auch das Kleinvieh wie Hühner, Schweine oder Kälber. Dazu kam oft die Verarbeitung von Geflügel und Schweinen sowie von Milch, Getreide (Mehl), Obst und Gemüse - alles wurde selbst erzeugt. Von den Einkünften aus dem Verkauf (Eier, Milch, Butter, Geflügel) wurden meist die Ausgaben für den Haushalt bestritten, wie Rosa Scheuringer im Buch „Bäuerinnen erzählen“ schreibt. Der Haushalt war entsprechend groß. Mit Knechten, Mägden, Altenteilern und oft vielen Kindern galt es auf größeren Höfen 15 bis 20 Personen täglich zu versorgen. Die Bäuerin hatte zu diesem Zweck meist ein bis zwei weibliche Dienstboten.

Großer Umbruch

Ein entscheidender Wendepunkt kam ab den 1960er Jahren. Knechte und Mägde verließen die Höfe, sie fanden Arbeit in Industrie und Gewerbe. Gleichzeitig hielt die Mechanisierung Einzug – und verschob die Rollenbilder. Christine Goldberg fasst diese neue

Maria Goldberger

Naturland Betrieb Goldberger maria.th.goldberger@ gmail.com

Arbeitsteilung in ihrem Buch „Postmoderne Frauen in traditionellen Welten“ so zusammen: „Kamen Maschinen zum Einsatz, wurde eine Tätigkeit zur Männerarbeit; Hand- und Hilfsarbeiten blieben Frauenarbeit.“

Zeitgleich veränderte sich der Alltag im Haus. Scheuringer („Bäuerinnen erzählen“) spricht von einer Verbürgerlichung des bäuerlichen Haushalts: „Bürgerliche Standards hinsichtlich Hygiene, Sauberkeit und Komfort setzten sich auch in Bauernhäusern durch.“ Diese sind aus der Dienstbotenzeit meist sehr groß. Doppelbelastung war die Folge: mehr Mitarbeit am Betrieb und mehr Verantwortung im Haushalt – nun ohne Hilfe durch Dienstboten. Dass Bäuerinnen in den 1970er und 1980er Jahren durchwegs überlastet waren, zeigt sich auch an den Ergebnissen der sogenannten Bäuerinnenbefragung. Seit 1976 wird in Österreich alle zehn Jahre eine repräsentative Fragebogenerhebung zur „Situation der Bäuerinnen in Österreich“ durchgeführt. 1986 gaben 61,4 % der befragten Bäuerinnen an, sich körperlich teilweise überlastet zu fühlen, 66,6 % empfanden, auch „manchmal seelisch und nervlich“ überlastet zu sein. 1976 gaben 83 % an, noch nie auf Urlaub gewesen zu sein.

AUTORIN

Höchster Bildungsabschluss (Anteile in Prozent)

Anteile in % der Befragten

Bäuerinnen 2016 (akt.)

Bäuerinnen 2006 (akt.)

Bäuerinnen 2006 (alle)

Bäuerinnen 1996 (alle)

Österreicherinnen 2013

Österreicherinnen 2001 Österreicherinnen

Pflichtschule* Lehre Fachschule/BMS Uni/FH/Matura

Quelle: Bäuerinnenbefragung 1996, 2006, 2016; Statistik Austria – Volkszählung 2001 & Bildungsstandsregister 2013 akt.: aktive Bäuerinnen (ohne Jung- und Altbäuerinnen) *inkl. Personen ohne Pflichtschulabschluss.

BMS: berufsbildende Schule; FH: Fachhochschule; Matura = Abitur

Bäuerin im neuen Jahrtausend

Mit dem Ende des 20. Jahrhunderts wird das Rollenbild der Bäuerin deutlich breiter. Wirtschaftlicher Druck führte dazu, dass viele Höfe zu Nebenerwerbsbetrieben werden und die Arbeit am Hof neu verteilt wird. Gleichzeitig wächst eine neue Generation heran: gut ausgebildet, berufstätig, mit einem Anspruch auf Lebensqualität. Eine zentrale Veränderung ist die außerlandwirtschaftliche Tätigkeit: Während 2006 rund 22 % der Bäuerinnen außerhalb des Hofes arbeiteten, waren es 2016 bereits 37 %. Ich vermute, dass die Ergebnisse der neuen Bäuerinnenbefragung im Laufe dieses Jahres einen Anteil von ca. 50 % hervorbringen werden. Dass im Jahr 2026 jede zweite Bäuerin einer außerlandwirtschaftlichen Tätigkeit nachgeht, wäre noch vor einer Generation undenkbar gewesen. Auch in meiner eigenen Biografie spiegelt sich das: Ich konnte den Wunsch, meinem erlernten Beruf als Lehrerin oder landwirtschaftliche Beraterin parallel zu Betrieb und Familie nie umsetzen. Dass heute die Zeit dafür reif ist, ist ein Stück Emanzipation – und gleichzeitig eine neue Form der Mehrfachbelastung, weil Hof, Familie und Beruf zusammenkommen. Oft sind Frauen für die administrativen Tätigkeiten am Betrieb zuständig. Das bestätigt auch eine Befragung des Thünen-Instituts aus dem Jahr 2021. Hier gaben 63 % der Befragten (7.345) an, für Buchhaltung, Finanzen und Büro verantwortlich zu sein.

Diverses Rollenbild

Im Vergleich zu früher kommen heute mehr Frauen ohne landwirtschaftlichen Hintergrund auf die

Höfe und bringen neue Sichtweisen mit. Damit wird auch die Frage schwieriger: Wer ist heute eigentlich „die Bäuerin“? Die, die im Stall steht? Die, die den Betrieb führt? Oder die, die am Hof lebt, aber nur mehr punktuell mitarbeitet? Diese Unschärfe zeigt, wie viel diverser das Rollenbild geworden ist – und wie viele Lebensmodelle Platz haben.

Kraft für Innovationen

Besonders sichtbar wird das neue Rollenbild dort, wo Bäuerinnen Betriebe weiterentwickeln. Direktvermarktung, Ferienbauernhof, Schule am Bauernhof, Seminarbäuerin oder Green Care: Diversifizierung ist für viele Höfe längst zur Strategie geworden – und trägt oft eine weibliche Handschrift. Bäuerinnen werden somit auch oft zu Brückenbauerinnen zwischen Landwirtschaft und Gesellschaft. Der Grüne Bericht 2024 des österreichischen Landwirtschaftsministeriums formuliert das sehr deutlich: „Landwirtinnen sind oftmals die treibende Kraft für Innovationen.“

Starke Frauen

Der Wandel des Rollenbilds der Bäuerin war kein gerader Weg – getragen von starken Frauen mit dem Wunsch nach Emanzipation und Selbstbestimmung. Meine Generation war wohl eine der letzten, in der die Bäuerin in den meisten Fällen Arbeitskraft in Haus, Hof und Betrieb war. Heute ist das Rollenbild breiter und selbstbestimmter. Was die Zukunft bringt, bleibt offen. Aber: Landwirtschaft war nie statisch. Und die Rolle der Bäuerin schon gar nicht.

Fotos: Naturland / Sicht
Schaffen, Sebastian Stiphout, Sabine Bielmeier

NICHT NUR ACKERN, AUCH ENTSCHEIDEN

Viele Organisationen haben zum Internationalen Jahr der Frauen in der Landwirtschaft eine gemeinsame Erklärung veröffentlicht: Sie fordert mehr Sichtbarkeit, Absicherung und Mitbestimmung für Frauen am Hof.

Frauen spielen eine zentrale Rolle in der Landwirtschaft. Dennoch bleiben ihre Leistungen häufig unsichtbar, in Entscheidungsstrukturen sind Frauen noch immer unterrepräsentiert. So werden in Deutschland fast 90 Prozent der landwirtschaftlichen Betriebe von Männern geführt.

Vor diesem Hintergrund haben zahlreiche Organisationen aus Landwirtschaft, Handel und Zivilgesellschaft – darunter auch Naturland – eine gemeinsame Erklärung zum Internationalen Jahr der Frauen in der Landwirtschaft 2026 veröffentlicht. Mit dieser Erklärung setzen die Organisationen ein klares Zeichen für den Schutz und die Stärkung aller Frauen in ihrer Vielfalt. Angesichts weltweiter Rückschritte bei Selbstbestimmung und Gleichberechtigung sei Solidarität wichtiger denn je, so die Erklärung.

Die Erklärung formuliert acht Handlungsfelder der Landwirtschaft, in denen Politik, Verbände und Gesellschaft aktiv werden sollen:

TIPP

Machen Sie mit beim Naturland Frauennetzwerk. Nähere Infos erhalten Sie bei Rebecca Megersa. Sie haben Interesse? Senden Sie eine kurze E-Mail an r.megersa@naturland.de und wir versorgen Sie mit Infos.

1. Frauen als Eigentümerinnen und Betriebsleiterinnen fördern

2. Soziale Absicherung garantieren: Sozial- und Rentensysteme geschlechtergerecht umbauen

3. Care-Arbeit anerkennen und gerecht umverteilen, da Sorgearbeit oft unsichtbar bleibt

4. Lohngerechtigkeit verankern: Gleicher Lohn für gleiche Arbeit – unabhängig von Geschlecht

5. Sichere und gesunde Arbeitsbedingungen gewährleisten – insbesondere für Schwangerschaft und Stillzeit

6. Politische Teilhabe und Repräsentation stärken: Mitgestaltungsmöglichkeiten von Frauen sicherstellen

7. Bildung, Forschung und Beratung geschlechtergerecht gestalten, um echte Chancengleichheit zu ermöglichen

8. Daseinsfürsorge in ländlichen Räumen sichern: Finanzielle Mittel zur Entwicklung des ländlichen Raums

Die Botschaft ist klar: Frauen sollen in der Landwirtschaft nicht nur mitarbeiten, sondern (mit)entscheiden – und in ihrer Arbeit, Verantwortung und Lebensrealität anerkannt werden. Das Internationale Jahr 2026 soll dazu beitragen, die Debatte zu stärken und konkrete Schritte anzustoßen.

MARKT & PREISE

Hafer bleibt deutlich überversorgt, während Futtergetreide wieder fester tendiert. Soja und Sonnenblumen sind weiterhin gefragt – genauso wie Bio-Rindfleisch, dieser Markt ist weiterhin unterversorgt. Bei Bio-Milch zeigen sich hingegen große Auszahlungsunterschiede zwischen den Molkereien. Lesen Sie dazu in den folgenden Seiten.

BIO-DRUSCHFRÜCHTE

HAFER

Der Bio-Hafermarkt bleibt deutlich überversorgt. Nach einer sehr guten Ernte samt Flächenausweitung und höheren HL-Gewichten ist viel Ware am Markt, zugleich rufen viele Mühlen ihre Kontrakte nur zögerlich ab. Es zeigt sich, dass sich einige Marktteilnehmer in den vergangenen knappen Jahren vorsorglich eingedeckt haben – teils ohne fixe Abnehmer. Die Überhänge wirken preisbelastend und dürften auch in die neue Saison nach der Ernte 2026 mitgenommen werden. Für Vorkontrakte der kommenden Ernte werden aktuell Niveaus im Bereich um 340 Euro/t diskutiert.

BRAUGERSTE

Braugerste steht weiter stark unter Druck. Der Markt schrumpft und die Bedarfe der Brauereien gehen zurück. Teilweise liegt noch Ware aus der Ernte 2024, sodass neue Mengen nur eingeschränkt Platz finden. Für die Anbauplanung gilt: Braugerste bleibt risikobehaftet und sollte nur mit Vorkontrakt erfolgen. Ansonsten empfehlen wir Gerstensorten, die auch Futtereignung haben.

FUTTERGETREIDE

Bei Futtergetreide ist dagegen wieder Bewegung nach oben erkennbar. Futterweizen hat sich gegenüber den Erntewochen merklich erholt und liegt aktuell bei etwa 320 bis 340 Euro/t. Auch bei Mais wird Aufwärtspotenzial gesehen, während bei Gerste aufgrund der hohen Erträge eher wenig Bewegung erwartet wird. Futterleguminosen bleiben knapp, obwohl die Preise attraktiv sind. Gleichzeitig gehen die Anbauflächen weiter zurück. Ackerbohnen und Erbsen können daher für den Frühjahrsanbau empfohlen werden.

WEIZEN

Im Weizenmarkt zeigt sich ein differenziertes Bild: Der Backbereich bleibt gesättigt, denn ein Großteil

AUTOR

Stefan Schmidt

Marktgesellschaft der Naturland Bauern pflanze@naturland-markt.de

der Ernteware liegt im hohen Kleberbereich. Gleichzeitig sind die Weizenmengen für den qualitativ darunter liegenden Mehlpackungsbereich knapper. Dadurch kann es im Verlauf der Saison zu Verschiebungen hoher Qualitäten in den Mehlpackungsbereich kommen. Die Preise für den Mehl- und Backbereich liegen aktuell ca. 30 bis 40 bzw. 70 bis 80 Euro über Futterweizen.

DINKEL

Der Bio-Dinkelmarkt präsentiert sich weiterhin ruhig und stabil. Die Ware wird gut abgerufen, größere Rückstände im Kontraktgeschäft sind nicht erkennbar. Auch Partien mit schwächeren Fallzahlen können über den Flockenbereich gut vermarktet werden, wodurch der Markt insgesamt „sauber“ durchläuft. Preislich bewegt sich Dinkel stabil um 430 Euro/t. Erste Vorkontrakte für die Ernte 2026 sind bereits am Markt, größere Abschlüsse werden ab Februar/März erwartet.

ROGGEN

Bei Roggen ist der Markt für die laufende Saison weitgehend gedeckt. Größere Abnehmer sind bereits versorgt, sodass nur noch punktuell Restbedarf entsteht. Preislich hat sich Roggen nach den Spitzen beruhigt und liegt aktuell bei etwa 320 bis 340 Euro /t (je nach Herkunft und Qualität). Im Vergleich zu den Vorjahren bleibt das Niveau damit dennoch deutlich verbessert.

RIND

Der Rindfleischmarkt bleibt auch zum Jahresstart 2026 fest und zeigt weiterhin eine knappe Versorgung. Nach der Preisspitze im Herbst (um KW 40) waren zum Jahresende zwar kurzfristig Korrekturen sichtbar, inzwischen ziehen die Notierungen aber wieder deutlich an. Besonders Jungbullen halten sich auf hohem Niveau und bewegen sich bereits wieder nahe am bisherigen Höchststand. Auch Färsen und Kühe, die zum Jahreswechsel stärker nachgegeben hatten, starten mit klarer Aufwärtsbewegung ins neue Jahr.

Insgesamt zeigt der Vergleich zum Vorjahr deutliche Sprün-

ge: Zwischen Januar 2025 und Januar 2026 liegen die Preise je nach Kategorie rund 1,40 bis 1,50 Euro/kg höher. Treiber bleibt das weiterhin knappe Angebot – die Marktsituation ist aufnahmefähig, gute Qualitäten finden zügig Absatz.

Bei Naturland liegen die Rinderpreise weiterhin über dem konventionellen Niveau, wobei die Abstände je nach Kategorie variieren: Bei Jungbullen ist der Abstand aktuell geringer, bei Kühen und Färsen deutlicher. Der Ausblick bleibt jedenfalls positiv: Gesucht werden weiterhin gute Färsen, Ochsen, Jungbullen und Schlachtkühe.

BIO-SCHWEINEMARKT

Der Bio-Schweinemarkt zeigt sich relativ ausgeglichen. Die Vermarktung läuft gut, allerdings spüren viele Verarbeiter und Lieferanten des Einzelhandels zunehmenden Preisdruck – vor allem durch günstigere EU-BioWare aus dem europäischen Ausland, wie z.B. auch aus Spanien. Dadurch entsteht ein spürbarer Mengen- und Preiswettbewerb.

Wir konnten die Preise halten und vereinzelt sogar leicht nach oben korrigieren. Die angebotenen Mengen lassen sich aktuell gut unterbringen – „zu viel“ ist derzeit nicht am Markt. Gleichzeitig wird die Vermarktung kurzfristiger: Während man früher zu Wochenbeginn oft ausverkauft war, ist heute am Montag noch nicht sicher, ob bis Freitag alles platziert ist. Gute Beziehungen und verlässliche Abnehmer gewinnen damit an Bedeutung.

Auf der Erzeugerseite bleibt der mengenmäßige Engpass bei

Naturland Ferkeln bestehen –besonders in Süddeutschland, bundesweit gibt es hier deutliche regionale Unterschiede. Vor allem potenziell neue Mastkapazitäten lassen sich auf Sicht von zwei bis drei Jahren nur schwer mit ausreichend Naturland Ferkeln bestücken. Umstellungsinteressierte Ferkelerzeuger oder geschlossene Systeme können hingegen gut aufgenommen werden.

Tomás Sonntag

Marktgesellschaft der Naturland Bauern tier@naturland-markt.de

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BIO-SONDERKULTUREN

SOJABOHNE

Bio-Speisesoja wird stabil abgerufen, unsere Mengen sind fest verkauft. Die Ernte 2025 fiel insgesamt durchschnittlich aus. Ein wichtiges Thema bleiben Tropanalkaloide (z. B. durch Stechapfel): Bei Befund ist eine Vermarktung ausgeschlossen, weshalb die Bestandskontrolle entscheidend bleibt. Die Preise lagen bei gereinigtem Speisesoja ab 900 Euro/t (frei Feinreinigung geliefert). Für die neue Saison ist die Preisfindung offen, Gespräche auf der Biofach im Februar werden Aufschluss geben, wohin die Reise nach der Ernte 2026 gehen wird. Danach wird sich auch der Anbau richten. Aufgrund der aktuell hohen Futtersojapreise rechnen wir mit einem stabilen Speisesojamarkt.

SONNENBLUME

Nach einer Durchschnittsernte zeigt sich am Markt für Bio-Sonnenblumen, dass vor allem der HO-Bereich knapp ist. Viele Partien sind bereits ausgeliefert, auch LO-Ware fließt kontinuierlich ab. Die Ölmühlen werden zur neuen Ernte wohl „leer“ starten – damit bleibt Potenzial am Markt. Preislich lagen ÖlsaatenSonnenblumen vielfach um 700 Euro/t ab Lager Landwirt, bei Vermarktung zur Ernte auch darunter. Ebenfalls gefragt sind Schälsonnenblumen, vor allem aus Deutschland. Hier werden zusätzliche Anbauer gesucht, Saatgut ist hier aufgrund von schlechter Ernte ein kritischer Faktor. Bestellen Sie bitte rechtzeitig.

RAPS & HANF

Raps bleibt gesucht, vor allem wegen der Nachfrage nach Rapskuchen. Die Ölschiene ist stabil, zeigt aber wenig Wachstum. Die besten Erlöse wurden zur Ernte erzielt (Spitzen um 900 Euro/t ab Lager Landwirt), danach war bei gedeckten Ölmühlen wenig Bewegung im Markt.

Auch Körnerhanf zur Schälung wird als Fruchtfolge-Ergänzung weiterhin empfohlen und bleibt über Vertragsanbau vermarktbar.

AUTORIN Liane Regner

SPEZIALGETREIDE

Bei Spezialgetreide bleiben Emmer, Goldhirse, Buchweizen und Nackthafer im Fokus. Emmer ist grundsätzlich weiter gefragt, Saatgut bleibt knapp. Preislich bewegen sich Emmer-Kontrakte je nach Bedingungen um 550 bis 590 Euro/t ab Lager Landwirt. Goldhirse war zur Ernte stark witterungsbelastet, daher werden zusätzliche Mengen dringend gesucht; als Orientierung werden häufig 540 bis 600 Euro/t ab Lager Landwirt genannt. Auch Buchweizen ist über Verträge möglich, gilt aber als wirtschaftlich weniger attraktiv und risikoreich hinsichtlich Qualitäten. Als Zweitfrucht oder als Alternative nach Umbruch eignet sich Buchweizen aber gut.

GEMÜSE & KARTOFFEL

Im Industriegemüse gab es deutliche Übermengen (Rote Bete, Möhren), da die Erträge 2025 sehr gut ausfielen. Die Verarbeiterkapazitäten sind begrenzt, weshalb eine eng abgestimmte Anbauplanung für die kommende Saison wichtig bleibt. Bei Kartoffeln war die Ernte sehr gut, Naturland Speisekartoffeln standen mehr als ausreichend zur Verfügung, konnten aber nahezu vollständig vermarktet werden. Wie immer bei Geschäften mit Tagespreisen stehen diese bei Übermengen enorm unter Druck. Hier gibt es aber wohl nur wenige Organisationen, die ihre Übermengen so sicher vermarkten konnten wie wir. Parallel läuft bereits die Planung für die nächste Saison.

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BIO-MILCHMARKT

2025 war ein gutes Bio-Milch-Jahr: Die Preise erreichten im Oktober ihre Spitze und blieben bis zuletzt auf hohem Niveau. Die Auszahlungspreise je Molkerei liegen aber stark auseinander. Der Ausblick ist schwierig, weil die Entwicklung des Bio-Milchpreises stark von der Absturzhöhe des konventionellen Erzeugerpreisniveaus abhängt.

Der durchschnittliche deutsche Bio-Milchpreis erreichte im Oktober 2025 mit 67 Cent seinen Jahreshöhepunkt und fiel in den letzten beiden Monaten leicht auf zuletzt 66,5 Cent (siehe Abb.1.). Der Jahresdurchschnittspreis liegt aktuell (noch ohne Nachzahlungen) bei 65,2 Cent und damit um 7,2 Cent über dem Vorjahrespreis (mit Nachzahlungen).

Auch der konventionelle Preis hielt sich bis August auf hohem Niveau, verzeichnete im September erstmals einen Rückgang und stürzte bis Dezember auf 43,2 Cent ab. Der konventionelle Jahresdurchschnittspreis liegt damit ohne Nachzahlung nur 3,3 Cent über dem Vorjahr bei 51,4 Cent. Der rechnerische Bío-Zuschlag im Dezember erreichte mit 23,2 Cent einen Wert wie zuletzt 2016. Dieser Wert liegt weit über dem Jahresmittelwert von 13,8 Cent.

Der österreichische Bio-Milchpreis startete laut AMA im Januar 2025 3 Cent unter dem deutschen Bio-Milchpreis. Im Vergleich zu Deutschland liegt der konventionelle Milchpreis in Österreich immer deutlich näher am Öko-Milchpreis und hat i. d. R. einen paralleleren Verlauf (Abb.2).

Molkerei-Preise

Auf Molkereiebene verlief die Entwicklung der Bio-Auszahlungspreise zuletzt unterschiedlich: Bei einigen gab es noch leichte Anhebungen, bei vielen Stabilität, bei einzelnen bereits Rückgänge bis zu 2 Cent. Die Durchschnittspreise (Abb.3) liegen weit auseinander und variieren zwischen knapp 60 und 68 Cent (ohne Nachzahlungen). Über das Jahr 2025 hinweg wurden die Auszahlungspreise überall deutlich angehoben, im Maximum um 9 Cent. Gegenüber 2024 liegen damit die

Abb.1: Preise für ökologisch und konventionell erzeugte Kuhmilch in Deutschland 25 (ab Hof, 4,0% Fett, 3,4% Eiweiß, Cent/kg netto)

Stephan Scholz

Naturland Zeichen GmbH s.scholz@ naturland-zeichen.de

Preise aller Molkereien deutlich höher.

Die Naturland Standard-Milchpreise in Österreich werden seit Januar 2025 separat ausgewiesen. Derzeit erfassen zwei deutsche und drei österreichische Naturland zertifizierte Molkereien in Österreich Bio-Standardmilch von Naturland Betrieben. Der Großteil der Bio-Milch der österreichischen Naturland Molkereien verbleibt nach wie vor auf dem österreichischen

Abb.2: Preise für ökologisch und konventionell erzeugte Kuhmilch in Österreich 25 (ab Hof, 4,0% Fett, 3,4% Eiweiß, Cent/kg netto)

konventionell öko

AUTOR

Markt und muss sein Geld überwiegend dort verdienen.

Naturland Landwirte in Österreich erhalten größtenteils höhere Auszahlungspreise als jene ohne Naturland Zertifizierung. Der letzte veröffentlichte AMA-Preis datiert vom November mit 61,4 Cent und lag damit um 3 Cent unter dem Naturland Mischpreis (AT) des Monats November. Auch in Österreich sind im Jahresverlauf 2025 alle Naturland Preise angestiegen, der Jahresmittelwert 2025 liegt bei 62,8 Cent (Abb.4).

Bio-Heumilch

Auch die Preise für Bio-Heumilch (Abb.5) sind seit Januar bei den betrachteten Molkereien konstant und teils stark angestiegen. Die Heumilchpreise entwickelten sich nicht ganz so stark wie bei Standardmilch, waren zum Jahresende jedoch stabiler. In Deutschland liegt der Jahresmittelwert 2025 bei 67,6 Cent ohne Nachzahlungen und damit bereits 6 Cent höher als 2024 (mit NZ). Die Naturland Heumilchpreise in Österreich liegen in ähnlichen Größenordnungen wie die Preise der deutschen Heumilchverarbeiter und differieren nicht so stark wie die deutschen Standardpreise.

Mengenentwicklung

In Deutschland lag die Anlieferungsmenge von Bio-Milch bis Juli bei – 0,9 % gegenüber dem Vorjahr, im Juli sogar bei – 1,8 %. Im August kam dann die Trendwende mit erstmaligen Mehranlieferungen gegenüber den Vorjahresmonaten: konventionell + 2,1 %, danach stiegen die Mengen unerwartet stark an – bis zu einem Monatsplus von über 5 %. Der ökologische Rohstoff ist bei einigen Molkereien aktuell leicht im Überhang. Mittelfristig ist je-

Abb.3: Durchschnittspreise von Molkereien mit Naturland Lieferanten in Deutschland (Jan-Dez 2025, in Cent/kg netto)

Allgäu Milch Käse e.G. Kimratshofen

Ammerland

Andechser Molkerei Scheitz

Bayernland (Domspitz, Bayreuth) Arla Foods

Berchtesgadener Land

Berliner Milchmanufaktur

Gläserne Molkerei

Goldsteig Käsereien

Gropper

Gropper Moers Frischeprodukte

Hochland

Käserei Leupolz

Lobetal

Milchwerke Oberfranken West

Milchwerke Schwaben

Naabtaler Milchwerke MVO Rückholz

Nordseemilch

Schwarzwaldmilch

Söbbeke

Upländer Bauernmolkerei

Würzburger Milchwerke (Lactalis)

Durchschnittlicher Milchpreis D * Zott

4,0 % Fett und 3,4 % Eiweiß

Naturland Zeichen GmbH, * Durchschnittspreise

Abb.4: Durchschnittspreise von Molkereien mit Naturland Lieferanten aus Österreich (Jan-Dez 2025, in Cent/kg netto)

Käserei Stift Schlierbach Berglandmilch

Schlierbach mit PrüfNach

Milchwerke BerchtesgadenerLand

Salzburgmilch

Salzburgmilch mit

Durchschnittspreis

4,0 % Fett und 3,4 % Eiweiß ² mit Mengengewchtung ³ ohne Dezember, die AMA-Zahlen erscheinen verzögert * Von allen Naturland Lieferanten erfülllt etwa die Hälfte der Betriebe zusätzlich noch den Prüf Nach oder Silberstandard und erhält dafür weitere Zuschläge

doch eher wieder mit knapperem Rohstoff zu rechnen, da die Nachfrage nach Bio-Milch und Bio-Milchprodukten teils deutlich gestiegen ist.

In Österreich gab es im ersten Halbjahr (schalttagsbereinigt)

eine Anlieferungssteigerung von 1,9 % gegenüber 2024, im Juni war die Anlieferung erstmals rückläufig. Das dürfte sich fortsetzen, da die Saisonalität in Österreich stärker ausgeprägt ist und die Blauzungenkrankheit weniger durchgeschlagen

Quelle:
lt. BLE/AMI
Quelle: Naturland Zeichen GmbH, Durchschnittspreise: Bioland (D), AMA (AT)

Durchschnittspreise* Bio-M ilch Jan-August 2024

Abb.5: Bio-Heumilch: Durchschnittspreise von Naturland zertifizierten Molkereien in Deutschland und Österreich (Jan-Dez 2025, in Cent/kg netto) hat als in Deutschland. In Frankreich sinkt die Bio-Milchanlieferung bereits zum dritten Mal in Folge: Nach – 4 % in 2024 lagen die Mengen von Januar bis Juli 2025 nochmals 6,6 % unter dem Vorjahresniveau. Auch in Dänemark ging die Anlieferung 2024 erneut stark zurück: Von 746 Mio. kg (2021) auf 633 Mio. kg (2024), ein Minus von rund 15 % innerhalb von drei Jahren.

Milchgetränke steigen

Die Nachfrage nach Bio-Molkereiprodukten zog bis September deutlich an, während Bio-Butter und Käse zunächst hinterherhinkten. Preissenkungen im Einstiegssegment brachten zuletzt wieder Schwung. Auffällige Mengensteigerungen gab es 2025 vor allem bei Milchgetränken, Natur- und Fruchtjoghurt. Auch Trinkmilch lag mit rund + 5 % gegenüber 2024 gut im Trend.

Durchschn. Bio-Heumilchpreis

4,0 % Fett und 3,4 % Eiweiß, inkl. S-Abschläge, mit Mengengewichtung

einem aktuellen Börsenpreis für konventionelle Milch von rund 30 Cent sind 60 Cent für Biomilch langfristig kaum zu halten.

Durchschnittspreise* Bio-Milch Jan-August 2024

Blick in die Zukunft

Das Jahr 2025 kann insgesamt als gutes Jahr für Bio-Milch bezeichnet werden. So wird es jedoch voraussichtlich nicht weitergehen: Die konventionellen Preise sind sowohl auf Erzeugerals auch auf Handelsebene so

stark abgestürzt, dass die Biomilchpreise davon nicht unberührt bleiben werden. Ein Blick in die Glaskugel war selten so schwierig wie derzeit. Optimisten hoffen auf eine Stabilisierung der konventionellen Preise – und damit auf einen begrenzten Rückgang auch bei der Biomilch, idealerweise weiterhin mit einer „sechs“ vorne. Ein Szenario mit Preisen unter 60 Cent ist jedoch ebenfalls denkbar. Bei

An der Nachfrage wird es nicht liegen: Über das Jahr gesehen war sie 2025 höher als die Mengensteigerung bei der Anlieferung. Exakte Zahlen dazu liegen noch nicht vor, wir erwarten diese von der AMI im Februar zur BioFach.

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Quelle:

Bio-Kälber

in der Sackgasse.

Interview mit Konrad Maier über die Vermarktung von Bio-Kälbern aus Milchviehbetrieben, wirtschaftliche Hürden und mögliche Wege aus dem Dilemma.

KONRAD MAIER

Konrad Maier arbeitet seit zehn Jahren bei der Beratung für Naturland. Er studierte Landwirtschaft an der Fachhochschule Weihenstephan.

Heute leitet Maier als Fokusteamleiter die Beratung der Naturland Rinderbetriebe und betreut zusätzlich Naturland Betriebe im nordöstlichen Bayern.

Viele Bio-Kälber aus Milchviehbetrieben verlassen die Bio-Wertschöpfungskette. Was passiert da konkret?

Das stimmt, viele Bio-Kälber werden in konventionelle Strukturen abgegeben – und am Ende weiß man nicht immer, wo sie landen. Das ist für viele Betriebe frustrierend. Wir verlieren Bio-Kälber aus der Kette, weil das System dafür noch keine befriedigende Antwort hat.

Warum ist das so schwer zu lösen? Von außen denkt man: Dann muss es doch einfach mehr BioMast geben. Es ist leider deutlich komplexer. Ein zentraler Punkt ist die Rasse. In Süddeutschland – und besonders in Bayern – haben wir einen hohen Fleckviehanteil. Fleckvieh ist eine Zweinutzungsrasse mit guter Milch- aber auch guter Fleisch- beziehungsweise Mastleistung. In Regionen mit milchbetonten Rassen ist das anders, dort spielt die Mastleistung eine untergeordnete Rolle. Und entsprechend haben Kälber aus milchbetonten Rassen oft eine sehr geringe Wertigkeit.

Heißt das: Bei Zweinutzungsrassen ist es einfacher, die Kälber im Bio-System zu halten? Nicht unbedingt. Der Unterschied ist eher: FleckviehKälber finden im Gegensatz zu Milchrasse-Kälbern einen Markt, weil sie für konventionelle Mäster interessanter sind. Das macht es paradoxerweise sogar schwerer, eine Bio-Schiene aufzubauen. Denn wenn

das Kalb konventionell hohe Preise erzielt, ist kaum noch „Luft nach oben“ für eine Bio-Wertschöpfungskette.

Von welchen Preisen spricht man da?

Wir hatten im letzten Jahr bei männlichen Fleckvieh-Kälbern zeitweise Höchstpreise von knapp 15 Euro pro Kilo Lebendgewicht – das gab es so noch nie. Aktuell liegen die Preise zwischen acht und zehn Euro, das ist immer noch sehr hoch. Wenn man von rund 80 Kilogramm Lebendgewicht ausgeht, reden wir über hohe Summen. Daraus ein schlachtreifes Tier zu mästen, ist wirtschaftlich schwer darstellbar und braucht am Ende für Öko-Betriebe die Schlachttiere verkaufen, einen entsprechend guten Öko-Schlachtviehpreis. Damit stecken Bio-Kälber in der Sackgasse.

Weil Bio-Mast höhere Kosten verursacht als konventionelle?

Genau. Bio-Kälber müssen mindestens 90 Tage mit Milch getränkt werden. Das ist teuer und macht die Sache kompliziert. Wenn ein Betrieb seine Kälber mit rund 80 Kilogramm an einen Bio-Mäster verkauft – also nach fünf bis sieben Wochen – dann müsste der Mastbetrieb die Milchphase weiterführen. Dafür bräuchte er eigene Ammenkühe oder er bekommt Bio-Milch aus einem Milchviehbetrieb in der Nähe oder er vertränkt Vollmilchaustauscher –und das wird schnell sehr teuer und ist nicht in allen Bundesländern zulässig.

Eine Möglichkeit wäre, dass Bio-Kälber über die gesamten 90 Tage am Milchviehbetrieb getränkt werden. Dazu braucht es aber gesicherte Absatzwege, damit die entstandenen Kosten dafür getragen werden.

Das heißt, es braucht am Ende einen Abnehmer, der diese Kosten über einen deutlich höheren Produktpreis trägt.

Es gab in der Vergangenheit schon viele Versuche, solche Vermarktungsprojekte zu starten. Manche laufen auch immer noch, blieben aber sehr klein, andere wurden eingestellt. Der Grund war meist der hohe Mehraufwand, der an der Ladentheke dann nicht honoriert wurde. Die Folge: Milchviehbetriebe verkaufen die Kälber mit rund 80 Kilogramm an Händler oder Kälbermärkte – und damit sind die Kälber in der Regel aus dem Bio-Sektor raus.

Wäre es eine Lösung, wenn der Milchviehbetrieb das Kalb die vollen 90 Tage tränkt und erst dann verkauft?

Das würde zumindest, das Problem des Mästers lösen, die Kälber weiterhin tränken zu müssen. Neben den betriebsüblichen Tränkeverfahren könnte der Milchviehbetrieb das auch über Ammen machen.

Er braucht dazu jedoch den Platz, zum Beispiel ein Gruppeniglu und natürlich die Arbeitskapazität. Die Kehrseite: Das Kalb wird teuer, ein Fleckviehkalb hat dann rund 120 kg und kostet den Milchviehbetrieb so schnell mal 1.100 Euro. Damit die hohen Kälberpreise für einen Bio-Mäster wirtschaftlich darstellbar bleiben, bräuchte es Abnahmeverträge und garantierte Preise, die diese entstandenen Kosten decken.

Es fehlt aber nicht nur die wirtschaftliche Absicherung, es fehlt auch die Aufzuchtstruktur Richtig, wir haben gar nicht die nötige Anzahl an Bio-Mästern. Das System hat sich nie in diese Richtung entwickelt, weil es eben keine funktionierende wirtschaftliche Lösung dafür gibt. Stattdessen stellen im Bio-Bereich überwiegend Mutterkuh-Betriebe die Versorgung sicher.

Du bringst mit dem Mutterkuh-Betrieben eine weitere Dynamik ins Spiel. Warum?

Weil Mutterkuhbetriebe im Bio-Bereich zahlreich sind; sie verkaufen Absetzer mit 220 bis 300 Kilogramm zum Beispiel für 1.000 Euro. Diese Absetzer sind mehr als doppelt so schwer wie Milchviehkälber. Mäster fragen sich dann logischerweise, warum sie ein leichtes Kalb aus dem Milchviehbetrieb kaufen sollen, wenn sie für einen ähnlichen Preis deutlich schwerere Tiere bekommen.

Mutterkuhhaltung wird oft auch mit Landschaftspflege begründet.

Ich stelle die Mutterkuhhaltung nicht grundsätzlich in Frage. Auf sehr extensiven Standorten ist sie sogar sinnvoll. Aber wenn man das System insgesamt mit etwas Abstand betrachtet, erkennt man: Wir haben auf der einen Seite viel Bio-Fleischpotenzial aus der Mutterkuhhaltung – und verlieren auf der anderen Seite tausende Kälber aus Milchviehbetrieben in konventionelle Strukturen, weil es bis heute keine wirtschaftlich tragfähige Lösung für sie gibt. Viele Mutterkuhbetriebe befinden sich nicht in besonders extensiven Regionen, das Grünland und Kleegras dort könnte auch über Masttiere verwertet werden. Es braucht aus meiner Sicht einen Transfer: mehr Maststrukturen, weniger Systemkonkurrenz. Mutterkuh-Betriebe könnten sich so zu Mastbetrieben entwickeln, wenn die Rahmenbedingungen stimmten. Dazu gehört auch, dass die Milchrasse-Kühe im Milchviehbetrieb mit einer Fleischrasse belegt werden, neudeutsch auch beef on dairy genannt. Das ist ein Wandel, den wir in der Bio-Branche zumindest anstoßen müssen.

Vernetzungstreffen

Am 18. und 19. März findet in Visselhövede (Niedersachsen) eine Vernetzungsveranstaltung statt. Ziel des Veranstalters Ökologische Tierzucht gGmbH ist es, Milchviehhalter, Mäster, Verarbeitung und Vermarktung zusammenzubringen, Kontakte zu knüpfen und Kooperationen für eine wirtschaftliche und nachhaltige Bio-Kälberaufzucht zu starten. Folgendes erwartet die Besucherinnen und Besucher:

• Fachvorträge von Zuchtexperten

• Konzepte für (potenzielle) Mastbetriebe

• Zahlreiche Praxisbeispiele

• Vernetzung von Milchhöfen und Mastbetrieben

• Dialog und Workshops mit Vertretern aus Handel und AHV.

Weitere Infos und die Anmeldung finden Sie online unter unserebiokaelber.de. Dort finden Sie auch eine Umfrage zum Thema.

Wenn wir die Kernfrage zuspitzen: Woran scheitert es am Ende – am Handel, an der Organisation oder am Konsum?

Es ist alles zusammen. Nach wie vor ist keine echte Lösung in Sicht, weil man sich am Ende immer fragen muss: Wer bezahlt es – und kauft der Verbraucher dann das Produkt noch? Wenn wir aus diesem Dilemma rauskommen wollen, müsste man das Produkt massiv bewerben, unendlich viel erklären und über längere Zeit investieren.

Was braucht es, damit neue Projekte entstehen –und diesmal dauerhaft tragfähig sind?

Erstens: Partner, die Verantwortung übernehmen. Ohne Vermarktung und gesicherte Abnahme wird es nicht funktionieren. Zweitens: Wirtschaftlichkeit und Planbarkeit – also verlässliche Preise. Und drittens Strukturen. Wir brauchen Betriebe, die BioKälber aufziehen und welche, die mästen können – und dafür müssen die Rahmenbedingungen passen und gesichert sein. Sonst bleibt es beim guten Willen und die Kälber gehen weiterhin dem BioMarkt verloren.

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AUTORIN

Annegret Schrade

Beratung für Naturland a.schrade@naturlandberatung.de

Stumpfblättriger

Ampfer

Wachsstauden, Blacken, Krottenstengel, Rootstrunk, Strumpfen oder Spezistaud‘n: Auch wenn es viele Namen für den Ampfer gibt – gern gesehen ist er wahrscheinlich nirgendwo.

Als Lichtkeimer besiedelt Ampfer entstehende Lücken sofort und bildet schnell eine tiefe Pfahlwurzel

nasser Witterung unterbrechen, Maulwurfhügel abschleppen, Greifvogel-Sitzstangen gegen Mäuse aufstellen etc.

Falls doch Lücken entstehen sollten, muss dringend versucht werden, dem Ampfer mit einer rasch ausgebrachten Übersaat zuvorzukommen. Grundsätzlich wird eine regelmäßige Nachsaat von der Beratung für Naturland empfohlen.

Samenvermehrung unterbinden

Wie bei allen unerwünschten Pflanzenarten sollte ein Aussamen durch rechtzeitige Mahd verhindert werden. Die Samen sind etwa eine Woche nach der Blüte bereits keimfähig. Daher lohnt es sich, grüne bzw. weiter abreifende Blütenstände komplett von den Flächen zu entfernen.

Wirtschaftsdüngern wird nachgesagt, dass durch ihr Ausbringen oftmals Ampfersamen wieder auf Flächen gelangen. In der Tat sollte hier Vorsicht geboten sein, aber gut durchdacht kann das Risiko vermindert werden: Waren die Futterflächen „Ampfer-belastet“? Wie ist der Wirtschaftsdünger gelagert worden?

Der Stumpfblättrige Ampfer hat einen schlechten Futterwert und wird aufgrund seines hohen Gehalts an Oxalsäure und Gerbstoffen meistens nicht gefressen. Er ist ein Platzräuber, mehrjährig, sehr ausdauernd und hat ein hohes Potenzial zur Vermehrung über Samen: Eine Pflanze kann bis zu 10.000 Samen pro Jahr produzieren, die bis zu 50 Jahre im Boden keimfähig bleiben und auch den Verdauungstrakt der Rinder unbeschadet überstehen.

Vorbeugen ist besser als heilen

Ampfer kommt vor allem in stark gedüngten Wiesen und Weiden vor. Als Lichtkeimer besiedelt er entstehende Lücken sofort und bildet schnell eine bis zu 2,5 m tiefe Pfahlwurzel - auch unter ungünstigen Bodenbedingungen. Wer wüsste es nicht: Wenn sich der Ampfer erst einmal etabliert hat, ist es schwierig und aufwändig, ihn wieder loszuwerden… Daher gilt der Grundsatz: Vorbeugen ist besser als heilen!

Ganz entscheidend ist, dass Lücken und Narbenschäden vermieden werden, da der Ampfer diese sonst schnell besetzt. Konkret heißt es also: Nicht zu tief mähen, zetten oder schwaden, das Befahren von zu feuchten Flächen vermeiden, Beweidung bei zu

Eine Untersuchung der LfL Bayern aus 2005 hat nachgewiesen, dass nur ein geringer Prozentsatz an ausgereiften Samen den Silierprozess übersteht. Pötsch und Krautzer haben sich 2000 in Gumpenstein mit den Samen in Wirtschaftsdüngern beschäftigt. Sie sind zu dem Schluss gekommen, dass bei 12 Wochen Lagerung des Düngers die Keimfähigkeit in normalem Stallmist um 35 %, in Gülle um 55 % und in Jauche um 95 % reduziert wird. Alte Gülle hat wenige keimfähig Samen, d.h. zwei Gruben sind vorteilhaft, wenn dadurch immer nur die ältere Gülle zur Ausbringung gewählt werden kann.

Wenn bei Kompostierung und Umsetzung des Stallmists mindestens 50°C erreicht worden sind, sind kaum mehr Ampfersamen keimfähig, so die Untersuchungen von Elsässer 2002. In einer Biogasanlage werden bei einer Temperatur zwischen 35 und 37°C und einer Verweildauer von sieben Tagen im Fermenter nahezu alle Ampfersamen abgetötet, wie die Universität Hohenheim 2003 herausfand.

Von Vorweide bis ausstechen Zum einen sollte also die Ausbreitung des Ampfers eingedämmt werden. Gleichzeitig muss der Standort für „gute“ Futterpflanzen attraktiv gemacht werden: Dazu zählen vor allem angepasste Nutzung und

Wenn sich der Ampfer erst einmal etabliert hat, ist es schwierig und aufwändig, ihn wieder loszuwerden. Neben dem klassischen Ampferstechen kann auch die Vorweide eine Lösung sein.

Gegenspieler wie Ampferblattkäfer können den Stumpfblättrigen Ampfer nur kurzzeitig schwächen.

Düngung, keine zu hohen Stickstoff-Einzelgaben, pH-Wert und möglichst schadhaften Bodendruck vermeiden.

Auch durch Weidenutzung kann der Ampfer zurückgedrängt werden. Bei einer möglichst frühen und intensiven Beweidung werden junge Pflanzen eher mitgefressen. Die Vorweide im zeitigen Frühjahr ab Vegetationsbeginn (Ende März, je nach Region) ist das wichtigste Instrument. Ampfer wird bis zu einer Blattgröße von 5 cm gut gefressen (keine Oxalsäure), aber danach gemieden.

Manuelles Ausstechen einzelner Pflanzen lohnt sich bei geringem Ampferdruck, dabei sollte die Wurzel in 8-15 cm Tiefe entfernt werden. In der Literatur finden sich auch Hinweise, dass das Ausstechen bevorzugt im „wurzellosen Monat nach Johanni“ (24. Juni) stattfinden soll.

Technische Lösungen

Gegenspieler wie Ampferblattkäfer und Glasflügler können den Stumpfblättrigen Ampfer kurzzeitig zwar schwächen, langfristig aber nicht bekämpfen. Dennoch besteht Hoffnung auf Alternativen zum klassischen Ampferstechen. Aktuell wird an vielversprechenden anderen Methoden geforscht:

Geräte mit Heißwasser-Hochdruck versprechen ca. 80 % Wirksamkeit mit Rotationsdüse und Wassertemperatur über 80°C, weisen aber eine geringe Flächenleistung auf. Technik mit Infrarot-Gas hat vor allem Erfolg bei jungen Pflanzen. Dabei wird ein ca. 600°C heißer Metalldorn in das Wurzelgewebe gestochen und dabei das pflanzliche Eiweiß zerstört.

Auch hier ist der Zeitaufwand mit etwa einer Minute pro Pflanze hoch. Eine Elektrolanze mit 4000 Volt zerstört durch die Erhitzung die Zellwände. Mittlerweile wurden auch Roboter entwickelt, die mithilfe einer Drohne arbeiten und die Wurzel mechanisch zerstören.

Auch die Robotertechnik mit KI-Unterstützung entwickelt sich in diesem Bereich rasant, so dass es vielleicht in den nächsten Jahren überbetriebliche Angebote geben könnte.

Für die breite Praxis hat sich jedoch noch keine der Techniken durchgesetzt.

Ursachen abstellen

Entscheidend für den langfristigen Erfolg ist aber immer, die Ursachen abzustellen: Narbendichte herstellen und erhalten sowie Nutzung und Düngung auf den Standort ausrichten.

Der Ökologische Gesamtzuchtwert ÖZW

EINFACH BESSER ANPAAREN

Der Ökologische Gesamtzuchtwert

unterstützt Bio-Milchviehbetriebe bei der Bullenauswahl. Er soll bekannter werden, denn er gibt

Bio-Betrieben eine schnelle Orientierung für die nächste Bullenbestellung.

Der Ökologische Gesamtzuchtwert (ÖZW) steht seit über 25 Jahren als Werkzeug für Bio-Milchviehbetriebe zur Bullenauswahl und Anpaarung (z. B. über OptiBull-Öko) in den Rassen Fleckvieh und Braunvieh zur Verfügung.

Er setzt die Prioritäten auf Eigenschaften, die im Ökobetrieb besonders zählen:

• Fitness

• Tiergesundheit

• Langlebigkeit.

Im Fokus stehen somit vor allem stabile Kühe und hohe Lebensleistungen. Milch- und Fleischleistung bleiben weiterhin wichtig, werden im ÖZW aber bewusst nicht auf Kosten der Robustheit gewichtet.

Die Weiterentwicklung des ÖZW begleitet der Arbeitskreis Ökologische Rinder-

Ökologische Tierzucht gGmbH

carsten.scheper@ oekotierzucht.de

zucht, der von der LfL koordiniert wird. Darin aktiv sind die Bio-Verbände Naturland, Bioland, Demeter und Biokreis sowie die LVÖ Bayern und die Ökologische Tierzucht (ÖTZ), gemeinsam mit Besamungsstationen aus Bayern, Österreich und Baden-Württemberg. Auch Vertreterinnen und Vertreter der ökologischen Zucht aus Österreich und der Schweiz haben den ÖZW mitentwickelt und engagieren sich weiterhin im Arbeitskreis.

Was passiert rund um den Ökologischen Zuchtwert?

Der Ökologische Zuchtwert soll bekannter werden. Ziel ist es, dass Bio-Betriebe ihre Anpaarungsentscheidungen bewusster treffen und mit Hilfe des ÖZW robuste Tiere für Weide, Raufutterverwertung und Lebensleistung erhalten.

Die Zukunft der Öko-Rinderzucht liegt in Zusammenarbeit und Kooperation – innerhalb der Biobranche ebenso wie mit Zuchtverbänden und Besamungsstationen. Gemeinsam mit der Praxis gilt es, die inzwischen breit verfügbaren Angebote (ÖZW, OptiBull-Öko und RZÖko) weiterzuentwickeln und stärker in die Anwendung auf den Betrieben zu bringen. Dazu folgen in diesem Jahr Fachartikel und weitere Aktivitäten.

AUTOR

UNERWÜNSCHTE PFLANZEN IM GRÜNLAND

AUTORIN

Annegret Schrade

WIESEN-BÄRENKLAU

Wiesen-Bärenklau ist ein Platzräuber, dessen Blätter zwar gern gefressen werden, ältere, holzige Stängel jedoch nicht. Bei der Heugewinnung entstehen starke Bröckelverluste, zudem ist die Schimmelgefahr wegen der ungleichen Abtrocknung der Pflanzenteile erhöht.

wuchs). Die mehrjährige Pflanze kann bis zu einem Meter tief wurzeln.

Wenn sich der Wiesen-Bärenklau zunehmend ausbreitet (Flächenanteil ca. 20 % und mehr), sollte mit Gegenmaßnahmen versucht werden, ihn einzudämmen. Dabei hat sich eine Kombination aus mehreren Schritten als wirkungsvoll erwiesen:

Während Wiesenkerbel (kleines Bild) im ersten Aufwuchs häufiger vorkommt, ist Bärenklau im zweiten Aufwuchs präsenter.

möglich, kann ersatzweise nach dem ersten Schnitt mit schwerer Walze der Stängelschaft gestört werden

• Eine zusätzliche Übersaat hilft, den durch die genannten Maßnahmen geschwächten Bärenklau weiter zurückzudrängen und mehr „erwünschte“ Futterpflanzen in dem Bestand zu etablieren.

Beratung für Naturland a.schrade@naturlandberatung.de Fotos: Beratung für Naturland,

Bärenklau wächst bevorzugt auf gut mit Stickstoff versorgten Wiesen („Gülleflora“) und ist Zeiger für basenreiche, gut mit Nährstoffen versorgte, eher frische bis feuchte Standorte. Er ist im zweiten Aufwuchs stärker präsent - im Gegensatz zum Wiesenkerbel (erster Auf-

• Reduzierung der einzelnen Düngegaben und somit auch der Gesamtdüngermenge

• Früher Schnitt vor Samenreife, um die weitere Ausbreitung zu bremsen

• die Pflanze ist trittempfindlich, daher die Fläche frühzeitig beweiden, wenn möglich

• ist eine Beweidung nicht

Exkurs: Verwandt ist der RiesenBärenklau („Herkules-Kraut“), ein aus dem Kaukasus eingeschleppter Neophyt, der auf jeden Fall bekämpft werden sollte. Bei intensiver Sonneneinstrahlung und Hautkontakt mit dem Pflanzensaft verursacht er Hautrötungen bis hin zu Verbrennungen und schwere allergische Reaktionen (Handschuhe tragen!).

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 Hemmung der Milchproduktion

 Senkung des Euterdrucks

 Unterstützung eines schnellen Zitzenverschlusses

 Förderung der Geweberückbildung

MASTGEFLÜGELTAGUNG 2025 DAS WAR DIE

TIPPS ZUR KÜKEN-EINSTALLUNG

PEKINGENTEN UND BRUDERHAHN

Auch die Exoten unter den Mästern kamen nicht zu kurz: Reinhard Derntl und Martin Salvasohn stellten in ihren Praktikerberichten Pekingenten- und Bruderhahnmast vor. Sie untermauerten ihre Erfahrungen mit vielen Bildern und Kennzahlen. Wer sich über diese wenig bekannte Geflügelmast informieren möchte, findet die Vorträge online unter www.naturland-beratung.de. Der QR-Code führt direkt zu den Vorträgen.

Worauf kommt es grundsätzlich bei der Kükeneinstallung an? Hans Peter Jud von der Beratung für Naturland ist selbst Putenhalter in Österreich und hat im Vortrag seine Erfahrungen und Tipps zusammengefasst. Themen wie Stallvorbereitung, Futter, Wasser und das Stallklima wurden praxisnah beleuchtet. Dabei wurde klar, dass ein guter Start die Basis einer erfolgreichen Mast ist.

Das Geflügel-Team der Beratung für Naturland hat es gescha t, nicht nur ein umfangreiches Themenfeld zu bespielen, sondern zusätzlich nahezu alle Vermarkter an einen Tisch gebracht. Diese warben angesichts des Marktes und der Warenknappheit um Erzeuger und stellten Produkte, Warenströme und die aktuelle Marktentwicklung vor. Das war die Naturland Mastgeflügeltagung 2025.

AUTOR Franziska Müller

Beratung für Naturland f.mueller@ naturland-beratung.de

TECHNISCHE OPTIMIERUNG

Ein Thema, das immer wieder aufkommt, ist die Fußballengesundheit bei Masthähnchen. Alois Glandorfer hat zunächst über seinen Betrieb und dann über einen spannenden und erfolgreichen Versuch zur Verbesserung der Fußballengesundheit referiert. Dabei wurde fein vermahlenes Calciumsulfat (Gips) regelmäßig in kleinen Mengen in die Einstreu gebracht. Die Unterschiede der Fußballenbonitur zwischen dieser und der Kontrollgruppe waren signifikant, weitere Versuche dazu sollen folgen.

Licht, Temperatur, Lüftung, Stalleinrichtung, Stallklima – alles hat Auswirkungen auf Tierwohl und Wirtschaftlichkeit. Vorträge der Firma Vencotec und des Stallklimadienstes des Regierungspräsidiums Stuttgart unterstrichen dies und zeigten, dass immer etwas verbessert werden kann. Zudem brachte Reinhard Derntl interessante Infos zum Thema Energieautarkie und Energieverbrauch.

Die Vorträge zum Nachlesen finden Sie online unter www. naturland-beratung.de im Reiter Mitglieder-Service → Tagungsberichte. Der QR-Code führt direkt zu den Vorträgen. Die Naturland Mastgeflügeltagung 2026 findet am 4. und 5. November statt, nähere Infos folgen rechtzeitig.

Fotos: Franziska Müller, Naturland / Christoph Assmann

SCHWEINE AUF DER

Weide

Bei Land.Luft leben Naturland-Schweine ganzjährig im Freien – und werden möglichst stressfrei direkt auf der Weide geschlachtet. Das Herzensprojekt der Familie Lindner verbindet Tierwohl, handwerkliche Verarbeitung und regionale Vermarktung.

„Oink-Grunz-Oink-Grunz“ – diese typischen Schweinelaute begleiten Spaziergänger auf den Wegen rund um die weitläufigen Gehege von Land.Luft in Leberfing. Hier lebt eine bunte Vielfalt alter, robuster Schweinerassen, die sich bestens für das Leben unter freiem Himmel eignen.

Dahinter steckt die Firma Lindner aus Arnstorf in Niederbayern, ein familiengeführtes Bauunternehmen mit weltweit rund 8.000 Mitarbeitern und dem Branchenzweig Hotellerie und Gastronomie. Im Jahr 2015 war bei einer Familienfeier das Thema Fleisch im Mittelpunkt des Gesprächs: Fleisch werde immer

AUTORIN

Martina Kozel

Beratung für Naturland m.kozel@ naturland-beratung.de

mehr zum Industrieprodukt, zum Leid der Tiere, der Natur und letztlich zum Schaden des Menschen. Und weil der Fleisch- und Wurstbedarf in den Unternehmen der Familie Lindner sehr groß ist, entstand so die Idee, selbst in Tierhaltung und Fleischherstellung zu investieren. Bereits im Folgejahr 2016 befanden sich die ersten Schweine auf der Weide.

Alte Rassen in Freilandhaltung

„Im Mittel haben wir 500 bis 800 Schweine auf rund 45 Hektar Weidefläche verteilt“, erzählt Johannes Saller. Er ist als Bewirtschafter für die Tierhaltung zuständig, auch Rinder werden gehalten – knapp über 50 Tiere, aufgeteilt in zwei Herden (Masttiere und Mutterkuhherde mit Stier). Schwäbisch-Hällische Schweine sind widerstandsfähige Tiere, die Wind und Wetter trotzen – deshalb fiel die Wahl auf diese Rasse, sie werden unter anderem mit Duroc-Pie-

train-Ebern gekreuzt. Seit 2020 bereichern auch Schweizer Edelschweine die Weiden rund um Leberfing und sorgen für noch mehr genetische Vielfalt.

Schlachtung direkt vor Ort

500 bis 800 Schweine werden, auf rund 45 ha Weidefläche verteilt, gehalten.

Was Land.Luft besonders macht ist nicht nur die artgerechte Haltung im Freien, sondern auch die durchdachte Schlachtung vor Ort. Mit einem eigens entwickelten Schlachtanhänger werden die Schweine direkt auf der Weide geschlachtet – dort, wo sie ihr Leben verbracht haben. Bereits 2017 entwickelte die Unternehmerfamilie Lindner in Zusammenarbeit mit der LudwigMaximilians-Universität (LMU) München ein erstes EU-konformes Schlachtmobil für Schweine. Die praktische Umsetzung wurde im Rahmen einer Dissertation wissenschaftlich begleitet und erprobt. In der sogenannten „Schlachtweide“ befinden sich bis zu 30 schlachtreife Mastschweine. Auf dieser Weide befindet sich eine Holzhütte, in der die Schweine gefüttert werden. „Die Schweine schlafen auch dort, die Hütte ist für sie eine gewohnte Umgebung“, erklärt Betriebsleiter Johannes Saller. „Am Schlachttag geht einer unserer Landwirte vor Sonnenaufgang zur Weide und schließt die Hütte ab. Gleichzeitig dockt ein weiterer Landwirt mit unserem Schlachtanhänger an der anderen Seite der Holzhütte an. Nun muss nur noch die Holzhütte in Richtung Schlachtanhänger geöffnet werden und die Schweine spazieren die Rampe hoch.“ Die Tiere werden vor Ort betäubt und entblutet und dann in das wenige hundert Meter von der Weide entfernte hofeigene Schlachthaus gebracht. Im Fokus steht dabei die möglichst stressfreie Schlachtung – be-

Johannes Saller steht die möglichst stressfreie Schlachtung im Fokus der Weideschlachtung.

Im selbst entwickelten Schlachtanhänger werden die Tiere betäubt und entblutet und dann in das wenige hundert Meter von der Weide entfernte hofeigene Schlachthaus gebracht.

gleitet von vertrauten Landwirten und geschlachtet von den betriebszugehörigen Metzgern. „Dieser letzte Schritt geschieht ruhig, respektvoll und angstfrei“, erzählt Johannes Saller.

Vermarktung vor Ort & online

Nur wenige Minuten nach der Schlachtung erreicht der selbstentwickelte Schlachtanhänger die hofeigene Metzgerei. Dort beginnt sofort die Weiterverarbeitung des Fleisches. Diese direkte Verarbeitung ermöglicht die Gewinnung von sogenanntem Warmbrät, einer besonders frischen Wurstgrundmasse, die ohne technische Hilfsmittel auskommt. Saller ergänzt: „Dank dieser Methode kann vollständig auf Phosphat-Zusätze verzichtet werden.“ Auch bei anderen Zusatzstoffen wie Nitritpökelsalz werde der Einsatz so weit wie möglich vermieden.

Verkauft werden die Produkte zum Beispiel im hofeigenen BioRestaurant und im Hofladen vor Ort. „Außerdem geht viel Ware in unsere Betriebskantine und die betriebseigenen Hotels, aber auch externe Hotels, Restaurants und Bio- bzw. Feinkostläden werden beliefert“, erzählt Johannes Saller. Ein wichtiger Vertriebsweg ist zudem der Onlineshop über www.landluft.bio, hier werde deutschland- und österreichweit versandt.

Noch viele offene Fragen

Die wissenschaftliche Untersuchung der LMU bestätigte:

Die teilmobile Schlachtung von Freilandschweinen verursacht in der Regel keinen Stress für die Tiere. Dies zeigte sich deutlich in den niedrigen Laktat- und Cortisolwerten. Trotz dieser vielversprechenden Ergebnisse und der seit 2021 bestehenden EUrechtlichen Grundlage steckt die Schlachtung von Schweinen

direkt am Herkunftsbetrieb noch in den Kinderschuhen. Viele Fragen sind weiterhin offen – von der praktischen Umsetzung über die Genehmigungsprozesse bis hin zur Wirtschaftlichkeit für unterschiedliche Betriebsgrößen. Mehrere Forschungs- und Modellprojekte widmen sich derzeit diesen Herausforderungen

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und arbeiten daran, die mobile Schlachtung als zukunftsfähige Alternative weiterzuentwickeln. Johannes Saller ist jedenfalls zufrieden mit der Entwicklung der letzten zehn Jahre: „Was vor zehn Jahren auf einer Familienfeier begann, wurde mit dem Projekt Land.Luft ein echtes Herzensprojekt.“

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Mit einem eigens entwickelten Schlachtanhänger werden die Schweine direkt auf der Weide geschlachtet – dort, wo sie ihr Leben verbracht haben.

BERATERTIPP

von Martina Kozel Beratung für Naturland m.kozel@naturland-beratung.de

RÄUDEDRUCK REDUZIEREN

Räudemilben kommen in vielen Schweinebeständen vor und sind in der Bio-Schweinehaltung schwer auszuschalten. Dennoch gilt es, den etwa 0,5 mm großen Parasiten, der in der Haut von Schweinen lebt, bestmöglich zu bekämpfen.

Die Übertragung der Räudemilbe erfolgt von Tier zu Tier; in leerstehenden Stallungen kann die Milbe jedoch maximal zehn Tage überleben. Ein Befall äußert sich vor allem durch starken Juckreiz und damit verbundene Unruhe der Tiere. Bei starkem Befall kann die Haut hinter den Ohren sogar borkenartig verdicken.

Das Problem ist, dass sich Schweine nach einer erfolgreichen Räudebehandlung wieder anstecken können, wenn sie Kontakt zu befallenen Schweinen oder Ställen haben. Regelmäßige Behandlungen senken dennoch den Räudedruck im Bestand und heben das Wohlbefinden der Tiere.

Bei hohem Räudedruck kann im Einzelfall sogar eine Räudesanierung sinnvoll sein. Besprechen Sie diese Möglichkeit mit Ihrem Bestandstierarzt, denn gerade in der Bio-Schweinehaltung ist die Räudesanierung nicht so einfach durchführbar. Sie umfasst mehrere genau abgestimmte Schritte: Am Tag 0 und am Tag 14 werden alle Schweine des Betriebes (inkl. Krankenstall) behandelt.

• Zuchtsauen und Ferkel: Behandlung per Injektion

• Mastschweine: Behandlung über das Futter.

Ferkel, die zwischen Tag 0 und Tag 7 geboren werden, erhalten ihre Behandlung an Tag 7 und Tag 21. Ferkel, die nach Tag 7 geboren werden, werden nicht mehr behandelt.

Zwischen den beiden Hauptbehandlungen (Tage 0 und 14) werden alle leerstehenden Stallungen und sämtliche Arbeitsgeräte (Schaufeln, Treibbretter, Schubkarren, Transportanhänger usw.) gründlich gereinigt.

Zudem werden bis einschließlich Tag 21 der Sanierung keine Tiere zugekauft. Tiere, die danach in den Bestand kommen (z.B. Jungsauen), dürfen nur nach zweimaliger Räudebehandlung im Quarantänestall im Abstand von 14 Tagen in die Herde eingegliedert werden.

Fotos: Naturland / Lara Freiburger

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Speisehafer:

Qualität sichern

AUTOR

Thomas Klein

Beratung für Naturland t.klein@ naturland-beratung.de

Hafer passt in viele

Bio-Fruchtfolgen: robust, konkurrenzstark und mit guter Stickstoffeffizienz. Für eine Vermarktung als Speisehafer gilt es jedoch, Stellschrauben im Anbau und vor allem in Ernte und Lager konsequent zu nutzen

Hafer ist im Ökolandbau ein gern gesehenes Fruchtfolgeglied: Neben seiner Robustheit und guten Beikraut-Unterdrückung kann die Pflanze auch bei etwas geringerer Stickstoffversorgung gute Erträge erzielen. Wichtig für eine erfolgreiche Vermarktung als Speisehafer sind aber entsprechende Qualitäten. Was es dabei zu beachten gilt, soll im folgenden Artikel beschrieben werden.

Standortansprüche

Die Kultur ist zwar weniger anspruchsvoll als z.B. Weizen, dankt aber auch besseren Standorten. Besonders wichtig für einen gleichmäßigen und zügigen Feldaufgang ist ausreichend Feuchtigkeit im Saathorizont, im weiteren Vegetationsverlauf

Hafer überzeugt im Ökolandbau durch seine schnelle Jugendentwicklung und dichte Bestandsbildung – so unterdrückt er Beikräuter und entlastet die Beikrautregulierung.

bildet Hafer aber ein ausgeprägtes Wurzelsystem. Er bevorzugt schwach saure und feucht-küh-

„Hafer wird als Auflockerung in engen Getreidefruchtfolgen und Gesundungsfrucht gesehen.“

le Standorte. Aber auch neutrale bis schwach alkalische Böden können geeignet sein.

Fruchtfolge

Hafer wird gerne als Auflockerung in engen Getreidefruchtfolgen und „Gesundungsfrucht“ gesehen. Sommerhafer lockert zudem winterungs-lastige Fruchtfolgen

auf. Mit der passenden Vorfrucht – etwa Kleegras oder Leguminosen – hätte Hafer ein großes Ertrags- und Qualitätspotenzial. Im Ökolandbau steht Hafer aufgrund seiner sehr guten Stickstoffeffizienz aber oft in zweiter Reihe nach Weizen oder Dinkel. Mit dem vermehrten Auftreten der Schilf-Glasflügelzikade in Zuckerrübe und Rote Bete wird Hafer in Zukunft wohl auch als Nachfrucht dieser Kulturen an Bedeutung gewinnen.

Nach Getreide wird das Ertragspotenzial von Hafer zwar nicht voll ausgeschöpft, auf die gesamte Fruchtfolge gesehen ist dies aber durchaus eine praktikable Variante. Selbstverständlich bietet sich zur Bodenbedeckung und dem Verringern von Stickstoffverlusten eine entsprechende Zwischenfrucht vor dem Hafer an.

Was kommt danach?

Durch den oft üblichen Anbau „in zweiter Reihe“ und die gute Stickstoffeffizienz von Hafer bleibt für die Folgekultur meist nicht viel Stickstoff übrig – was bei der weiteren Anbauplanung zu berücksichtigen ist. Dank seiner guten Beikrautunterdrückung sind als Nachfrucht durchaus auch Kulturen mit schlechter „Unterdrückung“ interessant. Auch Hackfrüchte als Nachfrucht (z.B. Mais, Sojabohne, Zuckerrüben, Rote Bete) profitieren von der guten Beikrautunterdrückung des Hafers. Oft ist Hafer auch das letzte Fruchtfolge-Element, bevor mit Ackerfutter die Fruchtfolg neu startet. Anbei zwei Beispiele:

Fruchtfolge 1:

1. Luzerne-Kleegras

2. Luzerne-Kleegras

3. Winter-Dinkel

4. Winter-Hafer

5. Sojabohne

Fotos: Agrarfoto

6. Winter-Weizen

7. Winter-Roggen mit Untersaat (Luzerne-Kleegras)

Fruchtfolge 2:

1. Luzerne-Kleegras

2. Zuckerrüben

3. Sommer-Hafer

4. Winter-Dinkel (ev. Düngung)

5. Sojabohne

6. Winter-Weizen

Zu beachten ist, dass die gute Stickstoffeffizienz den Vorfruchtwert des Hafers für die Folgekulturen mindern kann, die Nmin-Werte nach Hafer sind in der Regel niedrig. Hafer selbst benötigt eine Anbaupause von mindestens vier Jahren.

Sortenwahl

Die Sorteneigenschaften hinsichtlich Standfestigkeit, Strohstabilität und Pflanzengesundheit werden in der Praxis häufig herangezogen. Für die Erzeugung von Speisehafer sind jedoch vor allem gute Sortierung und hohe Hektoliter-Gewichte die entscheidenden Kriterien. In jüngster Vergangenheit hat sich gezeigt, dass neben den Sommerformen auch die Winterformen sehr gute HL-Gewichte erzielen können. In sogenannten Kahlfrostlagen sollte jedoch eher zu den Sommerformen gegriffen werden. Zu beachten ist, dass die Winterformen bei Hafer im Frühjahr etwas langsamer starten als man das von herkömmlichen Winterungen gewohnt ist.

Saatzeit und Saatstärke

Eine frühe Aussaat bei passenden Bodenverhältnissen hat positive Auswirkungen auf Wurzelsystem, Bestände und Erträge. Sie sorgt für bessere Bestockung, längere Vegetation vor allem im Kurztag und damit für kräftige Triebe und Wurzeln. Dies finden wir je nach Region ab Ende Februar und im März vor, eine alte Regel besagt nicht von ungefähr: „Maihafer ist Spreuhafer“.

Der Boden sollte in der oberen Schicht abgetrocknet und der Wasservorrat im Boden noch vorhanden sein. Die Saat darf nicht „hineingeschmiert“ werden. Die Saatbettvorbereitung sollte zügig, flach, mit wenigen Arbeitsgängen und nicht tiefer als die Aussaat erfolgen. Wichtig ist eine schonende Bodenbearbeitung bei Vermeidung von Sperrschichten wie Pflugsohlenverdichtung im Boden – dies ermöglicht eine möglichst intensive und tiefgehende Durchwurzelung.

Wie üblich gilt: Je früher die Aussaat, desto geringer die Aussaatstärke. ABER: Die Saatstärke hängt u. a. maßgeblich von Hafersorte, Witterung und Bodenverhältnissen ab, daher hier nur grobe Orientierungswerte:

• Frühe Saat bei guten Bedingungen: ca. 280 –330 Körner/m²

• Normale Saat: ca. 320 – 360 Körner/m²

• Späte Saat bei schlechten Bedingungen: ca. 350 – 400 Körner/m².

Aussaattiefe: auf besseren Böden mit viel Feuchtigkeit 2-3 cm tief, auf leichteren Böden 3-5 cm.

Beikraut-Regulierung

Neben dem sogenannten „Blindstriegeln“ kann im frühen Nachauflauf ein Striegelgang sinnvoll sein, dabei sind die üblichen Parameter des Striegelns von Getreide zu beachten. In der Bestockung schließt der Hafer den Bestand zügig und in der Regel ist keine weitere Überfahrt mit dem Striegel nötig.

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Nährstoffbedarf

Hafer hat einen moderaten Stickstoffbedarf. Bei überzogener N-Düngung drohen niedrigere Hektolitergewichte und Lagerdruck, außerdem verzögert sich die Abreife. Mist sollte vor der Saat eingearbeitet werden, Gülle kann bis Anfang Bestockung gegeben werden. Das fördert eine zügige Jugendentwicklung, schnell schließende Bestände sind bei Frühjahrstrockenheit weniger von unproduktiver Verdunstung betroffen.

Ernte und Lagerung

Die Erntereife erreicht Sommerhafer in der Zeit der Winterweizenernte, Winterhafer räumt etwas früher das Feld. Zur Ernte sollten die besten Druschstunden am Tag genutzt werden. Zu beachten ist, dass Hafer aufgrund seines höheren Fettge-

haltes niedrigere Kornfeuchten für die Lagerung braucht als Weizen. Ideal wären 12-13 %. Im Vergleich zu Weizen kann die Hafer-Ernte nach Niederschlägen eher beginnen.

Die Druschschärfe sollte stets an die aktuelle Situation angepasst werden. Eine zu niedrige Druschschärfe kann zu niedrigerem Hektolitergewicht und stärkerem Besatz führen. Ein zu scharfer Drusch kann den Anteil nackter Körner oder den Bruchanteil im Erntegut erhöhen.

Im Lager soll die Ware dann durch regelmäßiges Belüften zügig auf unter 12-13°C heruntergekühlt werden. Bereits bei der Einlagerung sollte eine Mischprobe gezogen werden, um aussagekräftige Durchschnittsmuster für die weitere Vermarktung zu erhalten. Neben einem Gesamtbesatz von

max. 2,0 % und einer maximalen Feuchte von 13,5 % ist für Schälhafer ein HL-Gewicht von mindestens 52 kg erforderlich. Während der weiteren Lagerung muss der Qualitätszustand regelmäßig überprüft werden.

Aufbereitung im Lager

Bei der Einlagerung ist ein Windsichter von Vorteil, da dieser das HL-Gewicht des Ernteguts erhöht. Schwache Partien können oft noch über eine Siebreinigung erheblich aufgewertet werden. Hierbei werden neben Staub, Stroh und Steinen auch die kleinen und „leichten“ Körner weggereinigt. Dabei ist ein 2-mm-Sieb als Untersieb zu empfehlen. In den meisten Fällen genügt es jedoch, wenn die Ein- und Auslagerung des Ernteguts über den Windsichter/Vorreiniger läuft.

Die Erntereife erreicht Sommerhafer in der Zeit der Winterweizenernte, Winterhafer räumt etwas früher das Feld.

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KICHERERBSEN IN HESSEN

Ist das möglich ?

Kichererbsen funktionieren längst auch in Europa –und ein Praxisprojekt in Hessen zeigt das eindrücklich. Die Erfahrungen aus drei Anbaujahren liefern wertvolle Erkenntnisse zu Standort, Sortenwahl und Bestandsführung, die auch für andere Regionen als Orientierung dienen können.

Kichererbse oberes Hessisches Ried, sechs Wochen nach der Aussaat am 21.Mai 2025.

AUTORIN

Helena Knaus

Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen helena.knaus@ llh.hessen.de

AUTOR

Robert von Klitzing

Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen robert.vonklitzing@ llh.hessen.de

Die Kichererbse gilt in Deutschland und Hessen im Anbau noch als Nischenkultur. Das Interesse experimentierfreudiger Betriebe wächst jedoch: Regionale Versorgung, pflanzenbasierte Ernährung und eine Bereicherung der Fruchtfolge sowie sich verändernde klimatische Bedingungen treiben die Entwicklung voran. In den vergangenen drei Jahren haben Landwirte in Südhessen im Rahmen eines gemeinsamen Projekts mit mehreren Organisationen* die Chancen eines regionalen KichererbsenAnbaus ausgelotet.

Welcher Standort?

Die Temperaturen steigen, was längere heiße Perioden, längere Trockenzeiten und größere Schwankungen während der Vegetationsperiode mit sich bringt. Für den erfolgreichen Anbau der Kichererbse wird eine Wärmesumme von etwa 1.745 °C (1. Mai – 30. September) benötigt. Hessen bietet insbesondere im Hessischen Ried, in der Wetterau und im Reinheimer Hügelland gute Voraussetzungen: milde Winter, frühere Bodenerwärmung, relativ geringe Niederschläge und längere Vegetationszeiten im Vergleich zu kühleren nördlichen Lagen. Aber auch Nordhessen und der Vogelsberg liefern erste Erfolge im Kichererbsenanbau.

AUTOR

Julian Ingenbleek

Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen julian.ingenbleek@ llh.hessen.de

Leichte Fröste im frühen Entwicklungsstadium werden toleriert, die Verträglichkeit nimmt mit der Blüte ab. Bevorzugt werden leichte, sich rasch erwärmende Böden. Der Wasserbedarf in der Keimung ist hoch, danach genügt der Pflanze weniger Wasser. Leichte Niederschläge zur Blüte und Hülsenbildung fördern die Korn- und Ertragsbildung. Innerhalb der Vegetationsperiode werden insgesamt 150–250 mm Niederschlag benötigt. Das indeterminierte (Fachbegriff für unbegrenzt) Wachstum erfordert trockene Bedingungen ohne Niederschläge zur gleichmäßigen Abreife.

Schwach-lehmige Sandböden mit neutralem pHWert bis etwa 7,5 eignen sich gut, doch auch Böden mit höherem Lehmgehalt, wie im Hessischen Ried, sind tauglich. Wesentlich sind gute Durchlüftung, keine Staunässe, keine Verdichtungshorizonte, geringer Unkrautdruck und sonnige Standorte. Die Pfahlwurzel der Kichererbse hilft Trockenphasen zu überstehen und verbessert die Bodenstruktur. In Fruchtfolgen wirkt sich der Anbau als Leguminose positiv aus (Stickstoffbindung). Die Kichererbse ist mit sich selbst unverträglich; deshalb ist eine Anbaupause von fünf bis sechs Jahren sinnvoll. Standorte mit Wurzelunkräutern und hohem Unkrautdruck sollten vermieden werden.

* Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen, Projekt 100 nachhaltige Bauernhöfe, Ökomodellregion Süd

Beispiel eines Kabuli Bestandes, Sorte Rondo (2025) Mitte Juli.

Kichererbsen-Bestand der Sorte Rondo kurz vor der Ernte am 05.08.2025 im Hessischen Ried. Man sieht die unterschiedlichen Reifestadien der Pflanzen.

Saatgut und Sortenwahl

Die Saatgutqualität ist entscheidend für einen erfolgreichen Anbau. Eine Impfung der Knöllchenbakterien ist notwendig, damit die Stickstoffbindung funktioniert. Kichererbsen können zwischen KabuliTypen (groß, cremefarbene Samen) und Desi-Typen (kleiner, dunkler) unterschieden werden. Die hellen Kabuli-Typen sind in Deutschland und Europa deutlich nachgefragter als die dunklen Desi-Typen, können aber durch spätere Abreife und schwächeres Unkrautunterdrückungsvermögen die Ernte und Aufbereitung herausfordern.

Es gibt verschiedene Sorten beider Typen; das Saatgut stammt oft aus Frankreich oder Italien

Durch Pflanzensäfte verfärbte Kichererbsen eines Kabuli-Typen; links nicht verfärbte Ware.

(Kosten ca. 150 – 350 Euro pro Doppelzentner). ÖkoSaatgut ist schwer verfügbar; konventionelles, nicht chemisch gebeiztes Saatgut ist im Öko-Anbau teilweise zulässig. Bekannte Sorten sind Flamenco und Orion (Kabuli); Desi-Varianten wie Olga werden zunehmend getestet. 2025 wurde in Südhessen die Sorte Rondo (Kabuli-Typ) angebaut.

Aussaat und Bestandsführung

Die Keimfähigkeit variiert stark (ca. 20–95 %), daher sollten Keim- und Triebkrafttests vor der Aussaat erfolgen. Empfohlen werden 50 – 60 keimfähige Körner pro m². Die Aussaat erfolgt in der Regel Mitte April bis Anfang Mai als Drill- oder Einzelkornsaat. Die optimale Keimtemperatur liegt bei 10 – 15 °C,

die Bodentemperatur sollte optimalerweise über 7 °C liegen. In manchen Regionen Deutschlands wird auch bereits eine sehr frühe Aussaat (ab Mitte März) praktiziert. Ein Risiko hierbei sind Fröste, ein Vorteil die frühe Bestandsentwicklung und Abreife. Das Saatgut wird etwa 3–5 cm tief in die wasserführende Bodenschicht abgelegt, dabei ist ein gut vorbereitetes, unkrautfreies, feinkrümeliges Saatbeet ohne Verdichtungshorizonte wichtig. Ideale Aussaatbedingungen und eine Schön-Wetter-Periode nach der Saat fördern eine zügige und gleichmäßige Keimung. Danach benötigt die Pflanze weniger Wasser; Staunässe wird jedoch nicht toleriert (Fäulnis).

Die Unkrautregulierung ist der entscheidende Erfolgsfaktor: Frühzeitiges Blindstriegeln sowie mehrmaliges Striegeln und/oder Hacken bis zum Reihenschluss halten den Bestand unkrautfrei, erleichtern die Ernte und sichern Qualität.

Ernte, Ertrag und Risiken

Der Erntetermin liegt je nach Sorte und Wetterbedingungen in einem Zeitfenster von Mitte August

bis Mitte Oktober. Spätere Ernte erhöht das Risiko von Pilzbefall und Spätverunkrautung. Idealerweise ist ein Großteil der unteren und mittleren Hülsen zur Ernte abgereift und gelb (ca. 90 %). Durch das indeterminierte Wachstum kommt dies jedoch nicht jedes Jahr zustande; oft müssen Kompromisse beim Erntezeitpunkt eingegangen werden. Die Samen in den Hülsen sollten „rascheln“, Kornrestfeuchte von mindestens 16 % ist zum Drusch anzustreben; unter 14 % drohen Beschädigungen.

Gedroschen wird mit gängiger Erntetechnik. Tief schneidende Flexschneidwerke helfen, tiefhängende Hülsen aufzunehmen, die richtige Mähdreschereinstellung ist essenziell. Zeitnahes Herausreinigen verbleibender Grünanteile und Unkrautsamen sowie anschließende Trocknung entscheiden über die Qualität. Um diese Arbeiten in der Ernte zeitnah durchführen zu können, empfiehlt sich eine frühzeitige Abstimmung und Planung mit allen Beteiligten.

Verunkrautete Bestände erschweren den Drusch; austretende Pflanzensäfte können helle Kichererbsen-Sorten grau-bläulich verfärben. Verfärbte Samen oder Partien sind nicht vermarktungsfähig.

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Kurz & knapp

Kichererbsen haben in Hessen, insbesondere in Südhessen, ein Anbaupotenzial, wenn klimatische Bedingungen und Bodenverhältnisse am Standort passen. Die Ertragssicherheit ist aktuell noch nicht gegeben.

Hier die wichtigsten Erkenntnisse:

• Rechtzeitige Aussaat bei idealen Bedingungen, Bodenverhältnissen und passender Standortwahl sind entscheidend.

• Frühzeitiges und erfolgreiches Unkrautmanagement ist zentral, um einen sauberen, später druschfähigen Bestand zu etablieren.

• Die Sortenwahl ist ein wichtiger Faktor: Neue Sorten zu testen, insbesondere mit Blick auf Unkrautunterdrückung und frühe Abreife, kann einen Beitrag zum erfolgreichen Anbau leisten.

• Die Witterungsverhältnisse ab Ende Juli, Anfang August beeinflussen das Abreifeverhalten und den Erntezeitpunkt.

• Zur Ernte muss auch das Nacherntemanagement im Vorhinein mitgedacht werden.

Oben Ernte 2025, unten Ernte 2024. Man sieht unten einen Anteil an grünen Kichererbsen, die herausgereinigt bzw. -sortiert werden müssen

Je nach Anteil der Verunreinigung können verfärbte Samen nach der Ernte durch Farbsortieren herausgereinigt werden. Grüne Erbsen müssen vor der Einlagerung aussortiert werden, da diese nicht nachreifen.

Gereinigte Kichererbsen lassen sich gut lagern, wenn sie auf eine Restfeuchte von 12–14 % getrocknet werden. Die Ertragserwartung reicht von 500 bis 2.000 kg/ha. Einzelne Jahre mit schlechten Feldaufgängen, starker Verunkrautung oder Ernteproblemen können Totalausfall bedeuten.

Vermarktung und regionale Wertschöpfung

Die Vermarktung sollte schon vor dem Anbau geklärt werden, damit regionale Wertschöpfungsketten aufgebaut werden können. Kichererbsen dienen als pflanzliche Proteinquelle für die menschliche Verpflegung und können un- oder weiterverarbeitet als Mehl oder Falafel in Kantinen, Gastronomie, Lebensmitteleinzelhandel und Direktvermarktung genutzt werden.

Vor dem Einstieg in den Anbau empfiehlt es sich, letzteres sowie Vermarktungsmöglichkeiten zu klären. Qualität, Trocknung, Sortierung, Verarbeitung und Preisgestaltung sind entscheidend, ebenso wie Zusammenarbeit und Vernetzung von allen am Thema Interessierten (Anbau, Verarbeitung und abnehmende Hand).

NEUE AUFZEICHNUNGSPFLICHTEN

Seit dem 1. Januar gilt auf europäischer Ebene eine neue Verordnung zur Dokumentation des Pflanzenschutzmittel-Einsatzes. Hier ein kurzer Überblick.

Zusätzlich zu den bisher nötigen Angaben sind ab diesem Jahr weitere Aufzeichnungen zu führen. Die Tabelle gibt einen detaillierten Überblick dazu.

Die ursprünglich ebenfalls für 2026 geplante verpflichtende elektronische Dokumentation wurde um ein Jahr verschoben. Ab 01.01.2027 müssen diese Aufzeichnungen digital und maschinenlesbar erfolgen. Was bedeutet das konkret?

• Werden nur wenige Anwendungen durchgeführt, reicht eine Excel-Datei.

• Maschinenlesbar bedeutet, dass man die ExcelDatei z. B. unter dem Format „.csv“ abspeichern muss. Open Office bietet dieses Format ebenfalls an.

• Kommerzielle Anbieter von Ackerschlagkarteien werden die neuen Anforderungen voraussichtlich in ihre Programme aufnehmen.

• Für Betriebe mit wenigen Anwendungen hat das DLR Rheinland-Pfalz die Anwendung PSMDok entwickelt, www.psm-dok.de . Betriebe in

INFO

In Österreich werden die Aufzeichnungsprogramme der Landwirtschaftskammer und weiteren Anbietern um die entsprechenden Funktionen erweitert.

Aufzeichnungspflicht: Das ändert sich

Angaben nach bisheriger Regelung

Zusätzliche Angaben ab 01.01.2026

Bezeichnung Pflanzenschutzmittel  + Zulassungsnummer

Anwendungsdatum + Uhrzeit (Start der Anwendung)*

Aufwandmenge

Behandelte Kulturpflanze

Behandelte Fläche

+ EPPO-Codes (eindeutige Bezeichnung)**

+ BBCH-Stadium***

+ FID sofern vorhanden, ansonsten Flurstücknummer, GPS-Geometrie, GPS-Punkt

+ Größe der behandelten Fläche (z. B. ha) oder Einheit (z. B. Saatgutmenge in t/kg)

+ Art der Anwendung: Agrarflächen, Gewächshaus, Lager oder Saat-/ Pflanzgutbehandlung

Anwender

(Name und Vorname)

* Erforderlich, wenn die Verwendung des Pflanzenschutzmittels auf bestimmte Tageszeiten (z. B. B2-Anwendungen) beschränkt ist.

** EPPO-Code: fünfstelliger Buchstabencode für jede Pflanzenart, hier zu finden: https://gd.eppo. int/search?k=

*** BBCH-Stadien müssen bei Pflanzenschutzmitteln angegeben werden, bei denen das Teil der Zulassung ist. Dies findet man z. B. unter www.pflanzenschutz-information.de. Berufliche Verwender zeichnen jede Verwendung eines Pflanzenschutzmittels unverzüglich auf, spätestens 30 Tage nach der Anwendung.

Bayern, Berlin, Bremen, Hamburg, Niedersachsen und Thüringen können diese Anwendung nicht nutzen, weil sich diese Bundesländer nicht an den Entwicklungskosten beteiligt haben.

• Für Betriebe mit vielen PflanzenschutzmittelAnwendungen bietet Rheinland-Pfalz das Programm „Mein Betrieb“ an (Kosten: 175 €/Jahr), www.psinfo.org.

Autorin: Regina Schneider Beratung für Naturland

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Neue Nährstoffkooperationen

Düngesaison

Mit der beschlossenen Richtlinienänderung im Bereich Düngung aus dem Mai 2025 sind für einige Betriebe Nährstoffkooperationen möglich, die vorher ausgeschlossen waren. Unter welchen Bedingungen eine Zusammenarbeit möglich ist und was beim Ablauf zu beachten ist, wird hier erläutert.

Im Zentrum der Richtlinienänderung steht, mehr Möglichkeiten zur Kleegrasverwertung im Naturland Betrieb zu schaffen. Damit sind jetzt unter bestimmten Voraussetzungen Kooperationen mit konventionellen Rinderhaltern möglich, auch wenn deren Gülle zurückgenommen werden oder die Gülle in einer Biogasanlage vergoren werden soll. Dies geht aber nur, wenn der konventionelle Betrieb bestimmte Voraussetzungen zur Haltung der Tiere erfüllt, und der aufnehmende Öko-Betrieb mindestens 10 % seiner Ackerfläche mit Feldfutterleguminosen bestellt. Der Aufwuchs aus diesen Flächen muss zwingend verwertet werden. Die Haltungsbedingungen für den Tierhalter orientieren sich an Haltungsstufe 3 bzw. am DLG Tierwohl Silber. Darüber hinaus darf im kompletten Tierbestand kein Vollspaltenboden vorhanden sein und es dürfen keine GVO-Pflanzen verfüttert werden. Eine derartige Kooperation ist nur mit Rinderhaltern zulässig, konventionelle Schweinegülle oder Geflügelmist bleiben ausgeschlossen.

Für die Kooperation mit einem konventionellen Rinderhalter, der die genannten Kriterien erfüllt, oder einer Agrogasanlage, in der entsprechende Rindergülle vergoren wird, gilt: Der konventionelle Betrieb bzw. die Biogasanlage muss zwingend mit Futter (Aufwuchs von Feldfutter- und Dauergrünlandflächen bzw. Silomais) beliefert werden. Dann kann im Nährstoffäquivalent getauscht und darüber hinaus können bis zur Zukaufsgrenze Nährstoffe zurückgenommen werden.

Dies gilt ebenfalls für NaWaRo-Biogasanlagen, mit denen auch bisher schon eine Zusammenarbeit möglich war. Hier können nun Nährstoffe bis zur Zukaufsgrenze (bisher nur +15 % des Nährstoffäquivalents) zurückgenommen werden. Bei NaWaRoBiogasanlagen, in denen nur pflanzliche Rohstoffe und Festmist von Huf- und Klauentieren vergoren

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werden, entfällt unter dieser Bedingung auch die Belieferungspflicht.

In allen Fällen muss vor der Rücknahme von Gülle oder Gärrest weiterhin ein Beleg mit der zuständigen Beratung für Naturland erstellt werden. Darin wird die Einhaltung der geltenden Richtlinien bestätigt und eine entsprechende Nährstoffäquivalentberechnung erstellt.

Die neu geschaffenen Möglichkeiten zum Tausch z.B. von Kleegrasaufwuchs gegen Wirtschaftsdünger dienen vor allem dazu, die Nährstoffversorgung in Regionen zu verbessern, in denen die Dichte an Öko-Tierhaltern gering ist. Dort können die Betriebe jetzt ihre Nährstoffkreisläufe verbessern und weitere Optionen nutzen. Weiterhin gilt aber: Ein Öko-Betrieb ist bei der Zusammenarbeit für einen derartigen Futter-Mist-Tausch bzw. Futter-GülleTausch zu bevorzugen.

Die Neu-Regelung zusammengefasst

1. Kooperation mit konventionellem Rinderhalter > Rücknahme von Gülle

• Naturland-Betrieb muss min. 10 % Feldfutterleguminosen anbauen

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AUTOR
Stefan Veeh
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HALTUNGSKRITERIEN

Milchkühe:

Laufstall mit Liegeboxen: Tier- Liegeplatzverhältnis 1:1 oder

Laufstall ohne Liegeboxen: mind. 5 m² Liegeund Lauffläche pro Tier (über 350 kg) oder

1.000 m² Weidefläche pro Tier

Laufstallhaltung mit ganzjährig nutzbarem Laufhof (min. 3 m² pro Tier) oder

Weidegang (120 Tage; 6 h pro Tag) oder Offenfrontstall

Keine Anbindehaltung. Teilnahme am Antibiotika-Monitoring.

Mastrinder: Jungbullen, Färsen, Ochsen, Mastkälber

Mindestfläche Laufstall pro Tier:

• bis 150 kg: 1,5 m²

• bis 220 kg: 2 m²

• bis 400 kg: 3 m²

• über 400 kg: 4 m²

Laufstallhaltung mit ganzjährig nutzbarem Laufhof (3 m² pro Tier) oder

Weidegang (120 Tage, 6 h) oder

Offenfrontstall

Keine Anbindehaltung

• Konventioneller Tierhalter muss die geforderten Haltungsbedingungen einhalten

• Konventioneller Tierhalter muss mit Grundfutter beliefert werden

• Beleg muss mit der Beratung erstellt werden.

2. Kooperation mit Biogasanlage, die konventionelle Rindergülle vergärt, und Rücknahme des Gärrests

Voraussetzung ist, dass der Naturland-Betrieb min. 10 % Feldfutterleguminosen anbaut und der konventionelle Rinderhalter bestimmte Haltungskriterien einhält.

• Naturland-Betrieb muss min. 10 % Feldfutterleguminosen anbauen

• Konventionelle Tierhalter, die Rindergülle in die Anlage liefern, müssen die geforderten Haltungsbedingungen einhalten

• Es kommen in der Biogasanlage nur Zuschlagsstoffe zum Einsatz, die nach den Naturland Richtlinien zugelassen sind.

• Biogasanlage muss mit Grundfutter beliefert werden

• Beleg muss mit der Beratung erstellt werden.

3. Kooperation mit Biogasanlage (nur NaWaRo + Festmist) – Aufnahme von Gärrest

• Keine Belieferungspflicht mehr

• Es werden nur pflanzliche Inputstoffe und Festmist von Huf- und Klauentieren vergoren

• Es kommen in der Biogasanlage nur Zuschlagsstoffe zum Einsatz, die nach den Naturland Richtlinien zugelassen sind.

• Beleg muss mit der Beratung erstellt werden

Bei Rückfragen zu möglichen Konstellationen oder dem Prüfen von Einzelfällen stehen die regionalen Beraterinnen und Berater der Beratung für Naturland zur Verfügung, um offene Punkte zu klären.

Naturland

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Siloballen; Klaus Gerst; 85435 Erding; Tel.: 0179 7042455

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Eber, Jungeber Pietrain; Cornelius Grote; 31603 Diepenau / Nordel; Tel.: 0171 7133 741

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Rotbunte Jungkuh mit Hörner; Markus Hehle; 88281 Schlier; Tel.: 07529 911 200

Finnschafe und Finn-Merinos (Kurzschwanzzucht); Philipp Sehner, 91281 Thurndorf, Tel.: 09647-1351

Limousin Zuchttiere ml./ wbl. (HBZucht); Philipp Sehner, 91281 Thurndorf, Tel.: 09647-1351

Jungsauen-Nachzucht; Stefan Rothammer; 94372 Rattiszell; Tel.: 09964 225318

Husumer-Freiland-Ferkel; Roland Brand; 97717 Aura; Tel.: 09704 6207

Biete Sonstiges

Speisezwiebel; David Reinartz; 18198 Bliesekow; Tel.: 0178 5148925

Speisekartoffeln; Hannes Helbing; 19412 Kloster Tempzin OT Häven; Tel.: 0162 4367047

Hafer; Fam. Cloppenburg Nenndorfer-Bio-Eierhof GbR; 26871 Papenburg; Tel.: 0172 9734 578

50 t Weizen A-Ware; Heinrich Aue; 31177 Harsum; Tel.: 0170 9019514

Agria und Lady Jane zu verkaufen gute Qualität; Steffen Wiebe; 31535 Neustadt am Rübenberge; Tel.: 0151 50643451

Komplette Naturland Imkerei zu verkaufen (Bienen, Beuten, Technik); Rolf Siegwald; 32699 Extertal; Tel.: 0151 70105731

Anuschka; Dirk Neutze; 34379 Calden; Tel.: 0173 5259467

Speisekartoffeln; Jonas Weisel; 35423 Lich; Tel.: 0174 9784277

20-40 ha Rote Beeteanbau zur Saftproduktion; Oliver Rollwage; 38279 Sehlde; Tel.: 0177 3690117

Hofladeneinrichtung Kühltheke und ähnliches; Everhard Hüseman; 48531 Nordhorn; Tel.: 05921 79855

Eier aus Mobilstallhaltung; Philipp Stelz; 61130 Nidderau; Tel.: 0160 4676796

Miscanthus für Hühnereinstreu, Pferde; Silke und Rainer Vogel; 61130 Nidderau; Tel.: 01604 676796

Salbei „extrakta“ Salvia Officinalis getrocknet in 10 kg Säcken abgepackt.; Dirk Krämer; 65618 Selters; Tel.: 0171 2204784

Milchtränkeautomat Förster; Rüger; 74589 Satteldorf-Bronnholzheim; Tel.: 0170 9397145

Nachsaatstriegel Saphir ES 600; Gerhard Schroll; 83132 Pittenhart; Tel.: 08624 829336

Speisesoja Amandine 15,5 t; Maier; 84169 Altfraunhofen; Tel.: 08705 939373

Hafer; Klaus Reger; 84405 Dorfen; Tel.: 0151 44339879

Speise Kartoffeln div. Sorten sortiert/ unsortiert lose oder gepackt; Martin Brunnhuber; 84478 Waldkraiburg; Tel.: 0176 23750305

Roggen Sorte Dukato hohe Backqualität, vorgereinigt; Martin Brunnhuber; 84478 Waldkraiburg; Tel.: 0176 23750305

Hafer; Klaus Gerst; 85435 Erding; Tel.: 0179 7042455

Speisekartoffeln Sorten Melia, Otolia, Agria, Corinna; Bernadette Lex; 85461 Bockhorn; Tel.: 08122 4477

Rhabarber-Rhizome abzugeben; Brandmair; 85737 Ismaning; Tel.: 0178 1562404

Weizen, Wendelin, Ernte 2025, 192 Fallzahl; Johann Tremmel; 86453 Dasing-Rieden; Tel.: 08205 266

Amaranth; Rupert Merkle; 86655 Harburg; Tel.: 0176 58665149

Zwiebel Gelb, 25t; Martin Kießling; 86720 Nördlingen/Baldingen; Tel.: 09081 2763227

Turiel-Dammkulturgerät mit Sämaschine; Holland; 88416 Ochsenhausen; Tel.: 0177 3376132

Backweizen Sorte Wendelin; Burger; 92358 Seubersdorf; Tel.: 0160 92058074

Backroggen Dukato ca. 24 to; Burger; 92358 Seubersdorf; Tel.: 0160 92058074

Hafer; Reisinger; 93093 Donaustauf; Tel.: 0160 97222818

Suche pflanzliche Produkte/ Futtermittel

Weizen, Gerste, Triticale; Weickmann; 91792 Ellingen; Tel.: 0171 9347621

Suche Zucht- oder Nutzvieh

Männliche Absetzer, ab KW8; Silke und Rainer Vogel; 61130 Nidderau; Tel.: 0160 4676796

Pensionsbetrieb für Weibliche Nachzucht; Suiter; 87754 Kammlach; Tel.: 0176 62484981

Hof- und Flächenmarkt

Kleines Bauernhöfle im westl. Lks. UA sucht neue Bauersleut (Ortsrandlage, noch konventionell). Versch. Formen der Weiterbewirtschaftung sind möglich. Tel. 0160 98468501

Stellenmarkt

Biete Arbeitsplatz; Christoph Förster; 63654 Büdingen; E-Mail: Christoph@Gut-marienborn.de

Suche Herdenmanager, Landwirt, Tierwirt; Maurer GbR; 67829 Reiffelbach; Tel.: 06753 2052

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