

Naturland
Fachinformationen für den Öko-Landbau NACHRICHTEN








ARTENVIELFALt
zahlt sich aus


Weide
So bleiben die Tiere gesund TECHNIK
Geräte zur flachen Bodenbearbeitung































LIEBE FREUNDINNEN UND FREUNDE IM NATURLAND!
Da ist einiges ins Rollen gekommen, seit die Bundesregierung kurz vor Weihnachten ihre unseligen Sparpläne verkündet hat. Ich spreche nicht nur von den Schleppern auf den Bauerndemos landauf, landab, an denen sich auch viele Naturland-Mitglieder beteiligt haben; einige davon kommen auch in dieser Ausgabe der Naturland Nachrichten zu Wort. Ich spreche vor allem davon, dass die Zukunft der Landwirtschaft die Ö entlichkeit bewegt wie schon lange nicht mehr. Darin liegt eine große Chance, die wir nutzen sollten.
Denn klar ist: Es geht um weit mehr als Agrardiesel! Es geht darum, dass die Bäuerinnen und Bauern endlich eine langfristige Perspektive brauchen, wie die Zukunft der Landwirtschaft in Deutschland aussehen soll. Wir brauchen ein klar formuliertes Zielbild und wirklich verlässliche Rahmenbedingungen, die den Weg dorthin vorzeichnen. Dann können die Betriebe sich auch auf notwendige Veränderungen einstellen.
Die gute Nachricht ist: Es gibt dieses Zielbild längst. In der Zukunftskommission Landwirtschaft etwa haben – noch unter der Vorgängerregierung – Akteure aus Wirtschaft, Umwelt, Landwirtschaft, Tier- und Verbraucherschutz sowie Wissenschaft miteinander gerungen und kamen schließlich zu dem Schluss, dass die ökologische Transformation von Landwirtschaft und Ernährung unumgänglich ist. Und seither sind weitere Konzepte und Lösungsvorschläge hinzugekommen. Man denke etwa an die Vorschläge der Borchert-Kommission für den Umbau der Tierhaltung. Und für die Zukunft der GAP hat Naturland mit dem BÖLW ein Drei-Stufen-Konzept vorgelegt, das sich als Angebot ausdrücklich auch an die konventionellen Betriebe richtet.

Naturland-Präsident und Öko-Landwirt
Es mangelt also nicht an Ideen – aber wir müssen endlich ins Handeln kommen. Das gilt für die Bundesregierung, aber auch für die Landwirtschaft selbst. Lasst uns, geeint durch das Ziel, frohen Mutes an die Ausgestaltung der Transformation gehen. Die Chance dazu war vielleicht nie so groß wie jetzt.
Euer Hubert Heigl
IMPRESSUM NATURLAND NACHRICHTEN
Herausgeber: Beratung für Naturland Öko-BeratungsGesellschaft mbH Eichethof 1, 85411 Hohenkammer
Telefon: +49 (0)8137/ 6372-902 info@naturland-beratung.de www.naturland-beratung.de
Verantwortlich im Sinne des Presserechts (V.i.S.d.P): Martin Bär
Vertrieb: Regina Springer Telefon: +49 (0)8137/6372-912 r.springer@naturland-beratung.de
Anzeigen: Tanja Edbauer Telefon: +49 (0)172/3126816 t.edbauer@naturland-beratung.de
Redaktion: Ralf Alsfeld, Roman Goldberger, Walter Zwingel
Titelfoto: Sabine Bielmeier
Grafik & Layout: Werbeagentur Oberhofer, Ingolstadt Alison Goldberger, Rainbach
Druck: Riegler Druck, Pfa enhofen
Papier: Circle O set Premium White, 100 % Recycling, nach Blauer Engel zertifiziert, Umschlag 200 g/qm, Innenteil 90 g/qm
Bezug: Die Fachzeitschrift erscheint sechsmal im Jahr im Umfang von mind. 80 Seiten. Der Bezugspreis der Naturland Nachrichten ist im Mitgliedsbeitrag enthalten.
Alle namentlich gekennzeichneten Artikel geben die Meinung des Verfassers wieder. Die Beiträge sind urheberrechtlich geschützt. Nachdruck ist nur mit schriftlicher Genehmigung der Redaktion zulässig.
Wir formulieren in unseren Texten die weibliche und männliche Form aus. Wenn dies die Lesbarkeit beeinträchtigt, verwenden wir die generische Form – diese schließt Frauen dann selbstverständlich ein.
DER UMWELT ZULIEBE
Die Naturland Nachrichten werden aus Recyclingpapier (Blauer Engel) und mit natürlichen Farben ohne Mineralöl hergestellt. Druck und Versand erfolgen CO2-neutral durch Kompensation. Daher darf die Zeitschrift – als Ganzes – den Blauen Engel tragen.

Hubert Heigl





Titelthema
20 FÖRDERPROGRAMM
Artenvielfalt zahlt sich aus
24 FÖRDERUNG
4 Maßnahmen für mehr Artenvielfalt
26 INTERVIEW
„Die Zukunft gestalten“
30 MARKT & PREISE Aktuelle Entwicklungen
32 HOFGUT KAPELLENHOF Hofeigene Käserei
36 INTERVIEW
„Auf der Biofach wird die ganze Naturland-Welt sichtbar“


RIND & GRÜNLAND
40 WEIDEMANAGEMENT
Parasiten auf der Weide Kotproben richtig entnehmen
50 NATURLAND-BETRIEB PAULSEN
Hohe Milchleistung bei e zientem Kraftfuttereinsatz
54 BERATERTIPP
Finanzielle Förderung mit Öko-Regelung 5



SCHWEIN & GEFLÜGEL
56 NATURLAND-BETRIEB
MAY
Der Rinderstall als Vorbild
60 SCHWEINEFÜTTERUNG
Vorteile der mehrphasigen Fütterung
64 LÄNGERE
LEBENSLEISTUNG
Legehennen in die Poleposition bringen
66 PROJEKT
Werden Sie RegioHuhnBauer

6 INTERVIEW
„Die Fesseln des ÖkoLandbaus lösen“
10 BAUERNPROTESTE
„Dafür gehe ich auf die Straße“
14 AKTUELLES
ACKERBAU & TECHNIK
68 FLACHE
BODENBEARBEITUNG
Pflanzenbaulicher Sinn Grubber u. Bodenfräse
80 CUT & CARRY
Eine Option für viehschwache Regionen
86 KARTOFFEL
Schlecht versorgt ist halb verloren
90 PFLANZENKOHLE
Lohnt sich der Einsatz?
94 SPEISEKAROTTEN
Einsatz von Huminsäure
Das Naturland in Bildern
16 POLITIK & VERBAND Gentechnik, Grüne Woche & Co
19 NATURLAND-APP
Die meistgelesenen Beiträge
















AUTOR
Roman Goldberger
Beratung für Naturland r.goldberger@ naturland-beratung.de

„Die Fesseln des
Öko-Landbaus
Öko-Landwirtschaft sei mehr als die Einhaltung von Fristen, sagt Hubert Heigl. Was der NaturlandPräsident fordert, lesen Sie im Interview. lösen“
Hubert Heigl

Seit 2017 leitet Hubert Heigl
Naturland als Präsident. Zudem ist der Landwirt Vorsitzender der Landesvereinigung für den ökologischen Landbau in Bayern. Seine Frau und er wirtschaften bereits seit 1998 nach den Standards des ÖkoVerbands.
Seit fast sieben Jahren bist Du Präsident des größten internationalen Öko-Verbands. Wie viel Zeit bleibt da noch für den Familienbetrieb mit 90 Sauen und 70 Hektar Ackerbau?
Hubert Heigl lacht: Meine Frau und ich haben gelernt, e zient zu arbeiten. Natürlich nimmt die Arbeit für Naturland viel Zeit in Anspruch, aber wir haben unsere Landwirtschaft auch zuvor im Nebenerwerb geführt. Insofern sind wir das gewohnt. Glücklicherweise ist unser Sohn Stefan vor drei Jahren in den Betrieb eingestiegen. Die Konstante in diesem System ist aber meine Frau Eveline.

den das 30-Prozent-Ziel auf alle Stakeholder ausübt, damit sich die Dinge in die richtige Richtung bewegen. Ob diese Zielmarke dann auch innerhalb der angestrebten Frist erreicht wird, ist zweitrangig. Momentan stehen wir ohnehin eher vor der Frage, ob die Politik angesichts der Finanzlage überhaupt Kurs hält.
Was meinst Du damit konkret?
Eine Konstante in Deiner politischen Arbeit für den Öko-Landbau ist das 30-Prozent-Ziel der Bundesregierung. Bis 2030 sollten 30 Prozent der Agrarflächen in Deutschland ökologisch bewirtschaftet werden. Ist dieses Ziel noch erreichbar? Das 30-Prozent-Ziel ist politisch unglaublich wichtig. Erst vor diesem Hintergrund entstehen Maßnahmen, die den Öko-Landbau entscheidend weiterbringen. Ein Beispiel ist die neue Richtlinie zur Außer-Haus-Verpflegung. Sie unterstützt Restaurants und Kantinen mit gezielten Beratungsangeboten dabei, den Öko-Anteil in ihren Küchen zu erhöhen. Solche Richtlinien entstehen nicht aus dem Nichts. Wir brauchen den politischen Druck,
Um noch einmal das Beispiel der Außer-Haus-Verpflegung zu nehmen: Die Richtlinie sieht vor, dass die Beratung zu 80 Prozent gefördert wird. Und in der Bio-Strategie der Bundesregierung, die Landwirtschaftsminister Özdemir im November vorgestellt hat, kam dann noch das Versprechen hinzu, dass der Staat die Zertifizierungskosten der Restaurants für die ersten zwei Jahre übernimmt. Kurz darauf kam das Haushaltsurteil – und nun steht das alles wieder infrage.
Viele Maßnahmen in der Bio-Strategie 2030 betre en eine Ausweitung der Forschung in Richtung Öko-Landwirtschaft. Ein richtiger Weg?
Es ist eine unserer Kernforderungen, den Öko-Anteil in der Forschung zu erhöhen. Damit können zum Beispiel auch Erfahrungen aus der Praxis wissenschaftlich abgesichert werden, was uns
Fotos:
Naturland / Lara
Freiburger, shutterstock / Eric
Isselee


weitere Argumente für politische Diskussionen geben kann. Zudem gibt es Forschungsbedarf in Themenfeldern wie der ökologischen Pflanzenzucht, Tierzucht oder dem Weidemanagement. Wir müssen aber aufpassen: Die Fokussierung auf die Forschung kann auch ablenken.
Wovon ablenken?
Auch dem Öko-Landbau wurden in letzter Zeit immer mehr Fesseln angelegt, die wir wieder lösen müssen. Statt zunehmend auf Fristen und ausdifferenzierte Einzelmaßnahmen zu setzten, muss der Systemansatz wieder in den Mittelpunkt rücken. Wir Bäuerinnen und Bauern wissen doch am besten, wie und wann wir unsere Böden bearbeiten und wie wir unsere Tiere am besten halten. Alles

Gemeinsam mit seiner Frau Eveline und seinem Sohn Stefan bewirtschaftet Hubert Heigl den Familienbetrieb mit Schweinhaltung und Ackerbau.


„Die überbordende Verwaltungsbürokratie, die sich wie Mehltau auf unsere Arbeit legt, müssen wir hinter uns lassen.“
natürlich innerhalb des definierten Öko-Rahmens. Aber die überbordende Verwaltungsbürokratie, die sich wie Mehltau auf unsere Arbeit legt, müssen wir hinter uns lassen. Deshalb haben wir für die zukünftige Ausrichtung der Gemeinsamen Agrarpolitik unser BÖLW-Stufenmodell vorgeschlagen.
Kannst Du das Stufenmodell kurz skizzieren?
Die Maxime ist: Es muss einfach sein und trotzdem in Richtung Umwelt- und Klimaschutz seine Wirkung entfalten. Als Basis gehen wir von einer Landwirtschaft ohne Förderung aus; hier wird auf Niveau des Ordnungsrechts produziert. Darüber hinaus gibt es drei Förderstufen mit steigendem Ambitionsniveau in Bezug auf die dafür geforderten gesellschaftlichen Leistungen. Der Öko-Landbau stellt die dritte und höchste Stufe dar. Landwirte verpflichten sich für fünf Jahre, an einer dieser Stufen teilzunehmen und bekommen dafür Honorare: je höher die Stufe, desto mehr. Darüber hinaus können die Bundesländer Maßnahmen als freiwillige Top-Ups anbieten.





Die deutschen Öko-Verbände fordern, dass die Öko-Kombinationshaltung laut Verbandsdefinition für kleine Öko-Betriebe bis 35 GVE zeitlich unbegrenzt weiterlaufen muss.




Wie wird dieses Modell von den Entscheidungsträgern angenommen?
Die Resonanz ist nach meiner Wahrnehmung bislang sehr positiv. Das Modell ist ganz bewusst ein Angebot an die gesamte Landwirtschaft, konventionell genauso wie bio. Man wählt die für den eigenen Betrieb passende Stufe und wird für die damit verbundenen Umweltleistungen über eine Hektarprämie entlohnt. Von der Politik erfordert es durchaus Mut, diese Einfachheit anzunehmen. Aber die Bäuerinnen und Bauern erhalten dadurch ihre Entscheidungsfreiheit zurück.
Aldi ist seit einem Jahr Partner der Naturland Zeichen GmbH, Rewe bereits seit 15 Jahren. War es ein richtiger Schritt, Verbandsmarken im Lebensmittelhandel und im Discount zu platzieren? Der Beginn der strategischen Zusammenarbeit der Naturland Zeichen GmbH mit REWE im Jahr 2009 war ein Wendepunkt. Naturland musste man sich damals viel Kritik aus der Bio-Szene anhören, was im Rückblick ziemlich absurd anmutet. Denn wo wäre Bio in Deutschland heute ohne diesen mutigen Schritt von damals? Bio ist in diesen 15 Jahren immer weiter in die Mitte der Gesellschaft gerückt und wird diesen Platz auch nicht mehr preisgeben. Der Schritt in den Discount festigt diese Position, gerade auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten wie heute, wenn die Leute wieder mehr sparen.


































































Bis 2030 will die Bundesregierung die Anbindehaltung verbieten. Was passiert mit der Kombihaltung?
Die Position der deutschen Bio-Verbände ist klar: Die Öko-Kombinationshaltung laut Verbandsdefinition (Anm.: Weidemaximierung, Einstreu etc.) muss für kleine Öko-Betriebe bis 35 GVE zeitlich unbegrenzt weiterlaufen. Diese Betriebe haben in Winterausläufe investiert und brauchen Planungssicherheit. Wenn bei Naturland neue Ställe gebaut werden, dann Laufställe, auch bei Kleinstbetrieben. Aber den Kombihaltern, die sich mit uns auf den Weg gemacht haben und die ja meist langjährige ÖkoBetriebe sind, müssen wir eine Perspektive geben.


Besuche n S i e u ns : BIOFACH 13 . - 1 6 .









„Dafür gehe ich auf die
Straße!“
Die Kürzungspläne der Bundesregierung bei Agrardiesel und Kfz-Steuer haben zumindest eines erreicht: Die Zukunft der Landwirtschaft bewegt die Ö entlichkeit wie schon lange nicht mehr. Viele Naturland-Bäuerinnen und Bauern haben an den Demonstrationen teilgenommen. Eines ist klar: Es geht um mehr als Agrardiesel. Vier Naturland-Bauern schildern, wofür sie auf die Straße gehen.


Peter Arndt
Naturland-Betrieb in der Nähe von Marburg (Hessen)
220 ha Acker und 40 ha Grünland
Färsenaufzucht, Pensionsrinder


„Ich möchte als Landwirt umweltschonend und eigenverantwortlich hochwertige Nahrungsmittel produzieren.“







der Abnehmer bin ich mir aber unsicher, ob es in Zukunft reicht, diesen Beruf alleine auszuüben. Die sich immer wieder ändernden politischen und rechtlichen Vorgaben machen es auch fast unmöglich neue Bereiche, z. B. in der Direktvermarktung, zu entwickeln. Mir ist es als Agrarbetriebswirt und Unternehmer eigentlich unmöglich, in meinem Betrieb neu erforschte Methoden umzusetzen, weil die politischen und rechtlichen Vorgaben meistens Idiotie sind und eine




Entwicklung verhindern. Vor allem hat in den vergangenen Jahren der Kontroll- und Dokumentationsaufwand extrem zugenommen. Dabei möchte ich eigentlich als Landwirt umweltschonend und eigenverantwortlich mit der Kreislaufwirtschaft hochwertige Nahrungsmittel produzieren. Damit ökologisch wirtschaftende Familienbetriebe über Generation bestehen können, muss sich in Deutschland einiges ändern. Dafür gehe ich auf die Straße.“

„Durch die Kontrolle mittels Satellitenaufnahmen fühlt man sich zunehmend überwacht.“
Manfred Singhof Naturland-Betrieb in Nastätten (Rheinland-Pfalz)
120 ha Acker und 100 ha Grünland 125 Milchkühe mit eigener Nachzucht
„Meine Familie und ich stehen voll hinter der ökologischen Landwirtschaft, wir sind seit 23 Jahren Naturland-Betrieb - selbstständig und autark. Die Zahl der Auflagen und Anforderungen steigt immer weiter. Durch die Dokumentation von Maßnahmen und die Kontrolle mittels Satellitenaufnahmen fühlt man sich zunehmend überwacht. Auch die bauliche Weiterentwicklung des Betriebs bleibt nicht verschont, wenn Mistplatte oder Fahrsilo als Gefahrensto ager ausgeführt werden muss. Besonders enttäuschend

finde ich, dass die Bundesregierung kein Glyphosatverbot durchgesetzt hat, obwohl es im Koalitionsvertrag steht. Zudem hat sich die Bundesregierung auf europäischer Ebene nicht nachdrücklich für eine strikte Kennzeichnung der neuen Gen-
technik einsetzt. Ein weiterer Kritikpunkt: Es ist für mich überhaupt nicht nachvollziehbar, dass auch Bio-Betriebe 4 % ihrer Fläche stilllegen sollen, wo doch die Regierung bis zu 30 % ÖkoLandwirtschaft in Deutschland anstrebt.“
Amadé Billesberger

Naturland-Betrieb in Moosinning (Nähe München)
Direktvermarktung
900 Hühner, 55 ha Acker, 1 ha Gemüse
„Mich stört, dass für Handy, Miete und Auto viel Geld ausgegeben wird, aber Lebensmittel günstig sein müssen.“
„Supergünstig produzieren und dafür Subventionen bekommen. Dieses Agrarmodell findet keine Zustimmung mehr — auch wenn Missernten und Wetterextreme die Betriebe ohne die Zuwendungen mehr belasten würden. Mich stört, dass für Handy, Miete und Auto viel Geld ausgegeben wird, aber Lebensmittel in Deutschland günstig sein müssen. Bei uns auf dem Hof kaufen viele Kunden Eier und Kartof-
feln, aber das Gemüse ist den „Cayenne-Porsche Mamas“ zu krumm und teuer. Dabei zeigen die Kalkulationen der wahren Preise, bei denen die versteckten Kosten einbezogen werden, dass Bio-Produkte die bessere Wahl sind. Wir können den Politikern kein Jahr Praktikum in der Landwirtschaft vorschreiben, aber eine direkte Beteiligung und enge Abstimmung mit den Praktikern wären sicher hilfreich.“


Johannes Hohenester
Naturland-Betrieb in Altdorf (Bayern)
175 ha Acker, 2,5 ha Grünland
Öko-Schweinemast mit 1.200 MP
„Es kommen immer neue Vorschriften.“
„Die Diskussion um den Agrardiesel und die KFZ-Steuer sind für mich eher zweitrangig. Aber es kommen immer neue Vorschriften. Bei uns ist jetzt ein Großteil der Flächen als erosionsgefährdet eingestuft. In der Konsequenz wird daraus ein Pflugverbot und das macht den Karto elanbau auf unseren schweren Böden fast unmöglich. Mich ärgern auch die vielen Dokumentationspflichten, zum Beispiel bei der Nährsto bilan-

Die Be.Well-Buchten sind so gebaut, dass die Tiere sie nutzen können, wie sie möchten. Zusammen mit der Firma WEDA konnten wir dies ideal umsetzen!
Christoph Heimann BIOBRÜDER Heimann
www.weda.de
zierung. Da haben wir im ÖkoLandbau durch die begrenzten Zukaufmöglichkeiten und den niedrigen Tierbesatz schon klare Vorgaben. Und aus 4 % verpflichtender Stilllegung werden in meiner Bilanz 6.000 Euro Verlust, weil wir hier Pachtpreise von 1.500 Euro pro Hektar haben. Der Entwicklungsprozess für landwirtschaftliche Rahmenbedingungen muss durch Praktiker unterstützt werden. “
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Das Naturland
in Bildern


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1 Steffen Reese, Geschäftsführer Naturland e.V., nahm an der 5. African Organic Conference teil, an der sich die wichtigsten Akteure des ÖkoLandbaus in Afrika treffen. Zuvor besuchte er die Kaffee-Kooperative Dukundekawa und ließ sich unter anderem die Kaffeesetzlinge zeigen.
2 Schulung von Naturland-Jungberatern zu den Themen Fruchtfolge, Zwischenfrüchte etc. unter der Leitung von Naturland-Berater Ewald Pieringer im Oktober auf dem Naturland Betrieb von Josef Hanrieder.





3 Der Auftritt von Naturland war ein großer Anziehungspunkt auf der Grünen Woche. Naturland-Präsident Hubert Heigl konnte Landwirtschaftsminister Cem Özdemir und viele Vertreter der Öko-Landwirtschaft willkommen heißen.
5 Im Vorfeld des Naturland-Beratertre ens in Neuburg an der Donau hatten sich 25 Beraterinnen und Berater fortgebildet. Das Thema: Mit einfachen Mitteln den Bodenzustand bewerten. V.l.n.r.: Julius Heise, Udo Rumpel und Stefan Veeh.
6 Zu den vielen aktuellen Fragen rund um CRISPR/Cas und Co diskutierten am 14. Dezember in Ravensburg: Naturland-Präsidiumsmit-
4 Im Rahmen der Delegiertenversammlung im November lobte Prof. Dr. Wilhelm Windisch von der TU München (links neben Naturland-Präsident Hubert Heigl) die NaturlandKraftfutterrichtlinie als „wegweisend für die Tierproduktion“. Futtermittel, die in Konkurrenz zur menschlichen Ernährung stehen, werden reduziert.
glied Marion Bohner (3.v.l.) mit den Podiumsteilnehmern Martina Braun (Grüne, Mitglied im BW-Landtag), Jan Plagge (Bioland und IFOAM) und Norbert Lins (CDU, Mitglied im EU-Parlament) sowie weitere Organisatoren.
7 Mit dem Kernerhof ist das erste Hofcafé Naturland Gastro Partner geworden. Im Bild Kristina Mayr, Elisabeth Peters und Timea Stein bei der Schildübergabe. Zu der NaturlandGärtnerei gehören drei Gewächshäuser, eine Obstplantage samt Destillerie und Hofladen.

ETAPPENSIEG IN BRÜSSEL, NUN WIRD ES ERNST
KOMMENTAR
Von Lea Ilgeroth-Hiadzi Referentin Agrarpolitik bei Naturland e. V.
Bei immer mehr Themen will die EU-Kommission regulieren und kennzeichnen. Da wirkt es fast skurril, dass gerade bei der neuen Gentechnik dereguliert und auf keinen Fall gekennzeichnet werden soll. Man fragt sich, warum die EU oder jene, vor deren Karren sie sich spannen lässt, so viel Angst vor einer Kennzeichnung haben. Gibt es vielleicht doch „zu“ viele Konsumentinnen und Konsumenten, die keine neue Gentechnik in ihren Produkten wollen? Aktuell suchen sowohl die EU-Mitgliedsstaaten als auch das EU-Parlament eine gemeinsame Position für den anstehenden Trilog. Damit es zu keiner Deregulierung kommt, muss die deutsche Enthaltung im Rat bestehen bleiben. Dafür sollte sich der Bundeskanzler an den Koalitionsvertrag erinnern und sein Drängen auf eine Zustimmung Deutschlands zur Deregulierung aufgeben.
Vor der Jahreswende kam es in Brüssel zu keiner Einigung mehr bei der Deregulierung der Neuen Gentechnik. Im Ministerrat fehlte die qualifizierte Mehrheit für eine Einigung über den Vorschlag der EU-Kommission. Dieser beinhaltet für die Neuen Gentechnik-Verfahren (z. B. Genschere CRISPR/Cas) eine Deregulierung geltender Gentechnikregelungen. Auch durch das deutsche Veto konnte im Ministerrat keine qualifizierte Mehrheit erreicht werden. Nach dem Etappensieg wird es nun aber wieder ernst. Unter belgischer Ratspräsidentschaft fanden im Januar wieder Verhandlungen
„WIR
statt. Die Position Deutschlands ist dabei mitentscheidend, bisher enthielt sich Deutschland.
Auch das EU-Parlament sucht nach einer Position, wobei die Berichterstatterin Jessica Polfjärd (Fraktion der Europäischen Volkspartei) ihren Bericht noch im Januar — nach Redaktionsschluss der Naturland Nachrichten — dem Umweltausschuss vorlegen wollte. Das Parlament könnte den Bericht bereits im Februar bestätigen und somit eine Position für den Trilog erreichen.
Lea Ilgeroth-Hiadzi
HABEN ES SATT!“
Rund 8.000 Menschen haben zum Auftakt der Grünen Woche in Berlin gegen Gentechnik und für eine ökologische Agrarwende demonstriert, die bäuerlichen Betrieben wieder eine Zukunft gibt. Angeführt von 50 Traktoren, darunter einige von Naturland, zog die traditionelle „Wir haben es satt!“-Demo von der SPD-Parteizentrale in Kreuzberg bis vor‘s Bundeskanzleramt.
Naturland-Präsident Hubert Heigl, der im Naturland-Block mitlief, forderte die Bundesregierung zu entschlossenem Handeln auf: „Statt planlos Subventionen zu streichen, brauchen wir endlich einen verlässlichen Fahrplan für den ökologischen Umbau der Landwirtschaft. Dann wissen die Betriebe, was auf sie zukommt und können planen“, sagte Heigl.

Fotos: Naturland / Sabine Bielmeier
DIE MARKE NATURLAND ERLEBBAR MACHEN
Grüne Woche mit neuer
Bio-Halle
Großer Auftritt auf der Grünen Woche: Auf der internationalen Leitmesse für Ernährung, Landwirtschaft und Gartenbau in Berlin präsentierte sich die BioBranche vom 19. bis 28. Januar in einer komplett neu gestalteten Bio-Halle. Größter Anziehungspunkt war dabei der Auftritt von Naturland, bei dem ein besonders breites und buntes Angebot zum Entdecken, Erleben und Mitmachen einlud.
Da konnte man mit Virtual-Reality-Brillen als Biene durch einen artenreichen Bio-Acker schwirren oder eine Naturland-Aquakultur unter Wasser erleben. Beim Bio-Quiz und dem Artenvielfalts-Memory testeten nicht nur angemeldete Schulklassen ihr Wissen, sondern auch viele Erwachsene. Auch kulinarisch wurde einiges geboten: Am BioFoodtruck ebenso wie an den Ständen der Naturland-Partner, wo z.B. Ökofrost Naturlandzertifizierte Pizzen anbot. Mit REWE, ALDI und EDEKA/Netto präsentierten sich zudem gleich drei große Handelsketten einträchtig nebeneinander unter dem Naturland-Dach und trugen so ihren Teil dazu bei, die Marke Naturland für die Messebesucher erlebbar zu machen.
Kein Wunder also, dass Landwirtschaftsminister Cem Özdemir seinen Zwischenstopp in der Bio-Halle beim traditionellen Erö nungsrundgang kurzerhand komplett zu Naturland verlegte. Beim BÖLW-Empfang am


Abend des Erö nungstags, einem der politischen Höhepunkte der Messe, kam Özdemir dann auch auf die aktuellen Bauernproteste zu sprechen und räumte dabei Fehler ein.
„Dass eine Branche, die nur ein Prozent zum Bruttoinlandsprodukt beisteuert, fünf Prozent der Einsparsumme erbringen sollte, war ungerecht“, sagte der Minister. Er habe sich deshalb im Kabinett dafür stark gemacht, dass dies zumindest in Teilen korrigiert werde. Das
sei „ein hartes Stück Arbeit“ gewesen, auch wenn sich manche sicher mehr gewünscht hätten. Für die Wut, die in den aktuellen Protesten zum Ausdruck komme, seien die vorangegangenen Bundesregierungen aber mindestens ebenso verantwortlich:
„Das Fass, das da übergelaufen ist, das war schon voll, als ich es übernommen habe“, sagte Özdemir.
Markus Fadl Pressesprecher Naturland e. V.
Größter Anziehungspunkt in der Bio-Halle war der Auftritt von Naturland. Mit den Virtual-Reality Brillen als Biene durch den Bio-Acker zu fliegen, belustigte viele.
IN EIGENER SACHE
WIR LADEN SIE EIN!
Ihnen ist sicher bereits an der Titelseite aufgefallen: Wir haben die Naturland Nachrichten einem Relaunch unterzogen. Wir wollen Sie weiterhin bestens über Entwicklungen im Öko-Landbau und unseres Verbands informieren und Sie mit praktikablen Fachbeiträgen bei Ihrer Arbeit unterstützen. Unser Ziel: Die Naturland Nachrichten sollen Ihnen Freude bereiten. Lust zum Lesen und zum Blättern durch die Naturland-Welt.
Naturland wächst, in praktisch allen deutschen Bundesländern und besonders in Österreich nehmen die Mitgliedszahlen zu. Diese Breite wollen wir auch in unserer Berichterstattung abbilden. Und: Wir möchten Sie als Naturland-Mitglied einladen, an Ihrer Verbandszeitschrift mitzuwirken und sich einzubringen. Haben Sie Fragen zur Bio-Kontrolle, zu Fachthemen oder besondere Anregungen? Wir freuen uns von Ihnen zu hören, Ihnen zu helfen oder Ihnen in Form von Leserbriefen Platz zu geben. Ihre E-Mail richten Sie bitte an redaktion@ naturland-beratung.de.
Naturland-Termine finden Sie ausschließlich online unter naturland-beratung.de bzw. in der Naturland-App.
Ihr Redaktionsteam
INTERNATIONALE MITGLIEDERVERSAMMLUNG
Am 5. Dezember 2023 fand die internationale Mitgliederversammlung von Naturland e. V. online statt. Sie bietet den internationalen Landwirtinnen und Landwirten die Möglichkeit, sich zu „begegnen“ und auszutauschen: 75 Mitglieder aus 20 Ländern von Peru und Brasilien über Uganda, Türkei und Österreich bis hin zu Indien, Vietnam und den Philippinen verfolgten die Präsentationen. Themen waren Naturlands internationale Entwicklung, die Naturland Academy Plattform sowie die Bio-Marktsituation in Deutschland und Europa. Die internationale Naturland-Abteilung wird die Themenwünsche der Teilnehmenden wie Klimaresilienz oder Wassermanagement aufgreifen und den regionalen und fachlichen Austausch unterstützen.
Autorin:
Minou Yussefi-Menzler, Naturland e.V.
PARTNERSCHAFT MIT
RUANDA
In Ruanda (Ostafrika) unterstützt Naturland Bio-Ka eebauern bei der Bewältigung zentraler Herausforderungen wie Klimaresilienz, Bodenschutz, Gleichstellung und Einkommenssicherheit. Bis Mitte 2025 werden mehr als 100 Beschäftigte in sieben Kaffee-Kooperativen durch ein Naturland-Team geschult, Arbeitsbedingungen verbessert und höhere Sozial- und Fair-TradeStandards eingeführt. Insbesondere die Beschäftigungsmöglichkeiten für Frauen und junge Menschen sollen verbessert werden. Außerdem werden die Kooperativen bei der Einrichtung
neuer Baumschulen beraten. So können auf über 300 Hektar ausgewählte Bäume und Sträucher gepflanzt werden, die den Kaffeepflanzen Schatten spenden. Dies verscha t den Bauern ein zusätzliches Einkommen durch die Ernte von Früchten, Holz usw. Es wird hierbei aber auch Kohlendioxid gebunden, Bodenerosion gemindert und lokale Artenvielfalt gefördert. Das Projekt wird vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung gefördert.
Autorin: Minou Yussefi-Menzler, Naturland e.V.

DIE MEISTEN KLICKS
Sie möchten in Kürze erfahren, was im ÖkoLandbau und der Naturland-Welt gerade passiert oder suchen Tipps bei aktuellen Problemen? Mit den Push-Mitteilungen, Chat-Foren und dem Terminkalender der Naturland-App bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Überzeugen Sie sich selbst: Wir stellen Ihnen hier die drei am häufigsten gelesenen Beiträge in der Naturland-App vor.

Keine Haushaltssanierung auf Kosten der Bauern
verö entlicht am 15.12.2023
Agrardiesel-Beihilfe und Befreiung landwirtschaftlicher Fahrzeuge von der Kfz-Steuer sollen 2024 gestrichen werden. Gerade für kleinere Betriebe würde so ein erheblicher Teil des Einkommens wegbrechen, das Höfesterben beschleunigt. Die Bundesregierung muss daher diese für die Bauern unverhältnismäßigen Sparpläne zurücknehmen, forderte NaturlandPräsident Hubert Heigl.



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Absatzsteigerung durch Nudging
verö entlicht am 23.10.2023













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Lupinen
können Bio-Milch belasten!
verö entlicht am 08.11.2023
Menschen auf subtile Weise zu einer erwünschten Verhaltensweise zu motivieren, nennt man „Nudging“. Drei dieser Techniken wurden getestet: 1. Positives Framing: „Wählen Sie den Geschmack, wählen Sie Bio“, 2. Social Proofing: „95 % der Menschen kaufen Bio“ und 3. Rückversicherung: „Danke, dass Sie sich für Bio entschieden haben“. Das Ergebnis: eine 21%ige Verkaufssteigerung.
Durch Verfütterung von Lupinen an Milchvieh kann Milch mit QAs (Chinolizidinalkaloide) belastet werden. Daher Lupinenernte auf QA untersuchen, bei Fertigfutter Alkaloidwerte überprüfen. Lupinenpartien mit über 1.000 mg QA/kg Lupinen meiden. Partien mit 500-1000 mg QA/kg Lupine sollten auf 1 kg Lupine pro Kuh und Tag begrenzt werden; Partien mit unter 500 mg QA/kg Lupine auf 2 kg.




Artenvielfalt
zahlt sich aus












„Artenvielfalt ist essenziell für den Klimaschutz. Das Leben auf unserem Planeten ist nur möglich, wenn wir nicht noch mehr Arten verlieren“, sagt Veronika Wolf. Sie ist Beraterin für Naturland und betreut mit Georg Maier einen der Pilotbetriebe des Förderprogramms Artenvielfalt.




Endlich ist es so weit. Nach der Pilotphase können nun weitere Naturland-Betriebe am Förderprogramm Artenvielfalt teilnehmen.
„Die ökologische Landwirtschaft leistet durch ihre Wirtschaftsweise per se schon einen großen Beitrag für den Artenschutz. Wollen wir aber den Artenschutz in die Breite bringen, muss es auch einen Absatz für ökologische Produkte geben.“
Genau in diese Kerbe schlägt das Förderprogramm Artenvielfalt












auf Naturland-Höfen. Betriebe können freiwillig teilnehmen und aus vier biodiversitätsfördernden Maßnahmen auswählen. Das Förderprogramm unterstützt die teilnehmenden Bäuerinnen und Bauern. Finanziert wird es über den Verkauf von Naturland-zertifizierten Produkten mit dem Logo „Für mehr Artenvielfalt“. Bis Ende dieses Jahres werden diese Produkte exklusiv bei Aldi angeboten. Ab 2025 sollen weitere Kooperationspartner mitmachen. Veronika Wolf: „Für jedes verkaufte Produkt mit dem Logo Für mehr Artenvielfalt zahlt Aldi einen bestimmten Betrag in den Fördertopf. Aus diesem Topf werden











die Beträge für die Maßnahmen finanziert..“ Trägerin des Programms und Inhaberin des Logos „Für mehr Artenvielfalt“ ist die Naturland Zeichen GmbH.

„Die ökologische Landwirtschaft leistet per se schon einen großen Beitrag.“

Georg Maier ist einer von zehn Pilotbetrieben, die bereits 2023 am Förderprogramm teilnahmen. Der Naturland-Bauer













aus dem Landkreis Traunstein in Oberbayern buchte unter anderem die Maßnahme „Wildtierfördernde Nutzung von Klee- und Luzernegras“. Dabei verzichtete er auf Teilen seiner Kleegrasfläche auf einen Schnitt und legte sogenannte Schonstreifen an. Damit wurden diese Flächen über einen längeren Zeitraum (fast drei Monate) nicht gemäht und zu einem beliebten Rückzugsort für Wildtiere, Insekten und viele weitere Arten. „Es ist schon erstaunlich, was in diesen Flächen alles so kreucht und fleucht“, lacht Georg Maier. Der

Georg Maier ist einer von zehn Pilotbetrieben. Die Anlage einer Hecke wurde über das Förderprogramm genauso honoriert wie die Maßnahme „Wildtierfördernde Nutzung von Klee- und Luzernegras“.






„Es ist schon erstaunlich, was in diesen Flächen alles so kreucht und fleucht.“






Verlust an Futter sei überschaubar, so Maier: „Die Folgeschnitte waren auf diesen Flächen umso besser und konnten vieles kompensieren.“ Auch eine neue Hecke pflanzte der Milchviehhalter im vergangenen Jahr und vielfältige Fruchtfolgen sät er ohnehin schon lange.
Der Leitfaden als Basis



Diese Leistungen sind den Entwicklern des Förderprogramms bewusst. „Viele Naturland-Betriebe leisten bereits durch ihre ökologische Wirtschaftsweise


Das Förderprogramm Artenvielfalt wird über den Verkauf von Naturland-zertifizierten Produkten mit dem Logo „Für mehr Artenvielfalt“ finanziert.

einen erheblichen Beitrag zur Förderung der Biodiversität“, erklärt Carolin Pieringer. Gemeinsam mit ihren Kolleginnen und Kollegen im Team Nachhaltigkeit entwickelte sie Teile des Förderprogramms Artenvielfalt. Der Leitfaden „Biodiversität auf Naturland-Betrieben“ bildet dabei die fachliche Grundlage des Förderprogramms. Erst kürzlich wurde mit dem Leitfaden „Biodiversität mit Maßnahmen im Obstbau“ ein weiteres Nachschlagewerk für Naturland-Betriebe verö entlicht. „Die Leitfäden sollen Landwirte und Berater sensibilisieren und Lust machen, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen“, so Pieringer. Die darauf aufbauenden drei Bausteine des Programms sind Beratung & Bildung, digitale
Erfassung und finanzielle Unterstützung.

Drei Bausteine
Die Beratung erfolgt über die Berater vor Ort und über Bildungsveranstaltungen. Mit Hilfe der digitalen Erfassung sollen die bisher erbrachten Leistungen zur Artenvielfalt nach außen kommuniziert werden. Damit möchte Naturland ein Gesamtbild über die vielfältigen Leistungen der Naturland-Betriebe erhalten. Unter www.mein-naturland.de können Naturland-Betriebe künftig ihre Biodiversitätsleistungen in einem Fragenkatalog eintragen. Carolin Pieringer beruhigt: „Das ist rasch beantwortet, das dauert nicht länger als eine halbe
2024 auf eine größere Gruppe an Naturland-Betrieben ausgeweitet. Ab Frühjahr können über das Förderportal www.mein-naturland.de Maßnahmen gebucht werden. Die Teilnahme erfolgt nach dem sogenannten „Windhundprinzip“, also nach Eingang der Buchungen. Pro Betrieb wird der Förderbetrag mit 10.000 Euro über den gesamten Förderzeitraum gedeckelt. Die Hälfte des ersten Jahresbetrags wird bereits nach der Buchung ausbezahlt. Georg Maier wird auch 2024 wieder mitmachen: „Der Vorteil des Förderprogramms ist die Flexibilität. Man merkt, dass das Programm von Bauern und für Bauern gemacht worden ist.“
Fotos: Naturland / bsp media GmbH





4 MASSNAHMEN FÜR MEHR ARTENVIELFALT





1. ÜBERWINTERNDE, VIELFÄLTIGE
ZWISCHENFRUCHT
Überwinternde Zwischenfrüchte bieten aufgrund ihrer langen Standzeit Lebensraum und Nahrung für Insekten und andere Wildtiere. In diesem Programm werden mindestens fünf Arten gesät, davon mindestens drei Blüharten (z. B. Phacelia, Sonnenblumen etc.) und zwei wintergrüne Arten (z. B. Inkarnatklee, Grünroggen etc.). Die Zwischenfrucht bleibt über den Winter bis mindestens zum 15. Februar stehen. Die finanzielle Unterstützung für diese einjährige Maßnahme beträgt 220 Euro pro Hektar.
2.
WILDTIERFÖRDERNDE NUTZUNG VON KLEE- UND LUZERNEGRAS
Die wildtierfördernde Nutzung von Klee- und Luzernegras ist eine zweijährige Maßnahme. Die Betriebe entscheiden sich zwischen Schonstreifen und Ruhezeiten. Wechselnde Schonstreifen (mindestens 10 % der Fläche, mindestens 5 m breit) bleiben bei der Mahd stehen. Bei der letzten Mahd im Herbst kann die ganze Fläche gemäht werden. Alternativ zu den Schonstreifen kann sich ein Betrieb für eine achtwöchige Ruhezeit auf dem Schlag im Zeitraum von 1. April bis 31. Juli entscheiden. Zusätzlich setzt der Betrieb mindestens zwei Maßnahmen aus einem Maßnahmenkatalog zur wildtierschonenden Mahd um. Dazu zählen unter anderem Einsatz von Drohnen, Abgehen von Flächen oder Verwendung von Doppelmesser- und Balkenmähwerken anstelle von Trommel- oder Scheibenmähwerken. Die finanzielle Unterstützung liegt bei 250 Euro / ha Klee- und Luzernegras (Gesamtfläche) und Jahr.








TEILNAHME
Das Förderprogramm Artenvielfalt auf Naturland-Höfen bietet vier Maßnahmen an. Ab Frühjahr 2024 können Naturland-Mitglieder über das Förderportalmein-naturland.de Maßnahmen für ihren Betrieb buchen. Dort finden Sie auch die gesamten Details zu den einzelnen Maßnahmen. Die Teilnehmerzahl ist begrenzt. Die Förderung erfolgt nach dem Windhund-Prinzip: Wer als erstes bucht, bekommt die Förderung, bis der Fördertopf ausgeschöpft ist.

ÜBERJÄHRIGE ALTGRASSTREIFEN
Altgrasstreifen im Ausmaß von 5 – 20 % der Schlagfläche sind Überwinterungshilfen für Insekten. Die Maßnahme dauert zwei Jahre, wobei der Altgrasstreifen im ersten Förderjahr nicht bewirtschaftet werden darf. Im zweiten Förderjahr darf der Streifen ab 15. März einmal gemäht oder gemulcht werden. Geschieht das nach dem 15. April, muss an anderer Stelle auf dem Schlag ein Altgrassteifen bei der ersten Mahd stehen gelassen werden. Eine Bearbeitung ist aber nicht zwingend erforderlich. Unterstützt wird diese Maßnahme mit einem Betrag von 500 Euro pro Hektar Altgrasstreifen und Jahr.

NEUANLAGE VON HECKEN
Eine ökologisch besonders wertvolle Maßnahme ist die Neuanlage von Hecken. Diese Maßnahme wird über eine Dauer von fünf Jahren mit jährlich 1,60 Euro/m² unterstützt. Die Gesamtbreite aus Hecke und Saum muss dabei mindestens 5 m betragen, die Hecke selbst sollte zumindest drei Meter breit sein und aus mindestens drei Pflanzenreihen mit einem Abstand von 1,5 Meter bestehen. Die Säume auf beiden Seiten der Hecke sollten mindestens einen Meter breit sein. Die Hecken werden so angelegt, dass an den Längsseiten ein sonnenexponierter Saum entsteht. Das fördert die Heckenfauna. Keinesfalls sollten die Hecken neben Straßen angelegt werden, sondern im Idealfall an einer Geländekante (Erosions-/ Bodenschutz), an Flurwegen oder Grabenrändern. Eine korrekte Heckenpflege ist durchzuführen. Die jungen Heckenpflanzen sollen durch Umzäunung und Ausmahd geschützt werden.
Fotos: Naturland / bsp media GmbH

„Die Zukunft gestalten“
Nach der Pilotphase werden dieses Jahr weitere NaturlandBetriebe in das Förderprogramm Artenvielfalt aufgenommen. Kommendes Jahr soll das Programm auf weitere Partner ausgeweitet werden, verraten Thomas Neumaier und Wilhelm Heilmann im Interview.
AUTOR Roman Goldberger Beratung für Naturland r.goldberger@ naturland-beratung.de

im interview
Thomas Neumaier (li) ist einer von zwei Geschäftsführern der Beratung für Naturland und federführend an der Ausrichtung des Artenvielfaltprogramms beteiligt. Wilhelm Heilmann (re) ist Geschäftsführer der Naturland Zeichen GmbH, welche die finanzielle Unterstützung an die Landwirte auszahlt.

Das Förderprogramm Artenvielfalt honoriert die wichtigen Umweltleistungen auf den NaturlandHöfen. Wie kam es dazu?
Thomas Neumaier: Die Idee dazu gab es schon länger. Immer wieder wiesen die Berater auf die bestehenden Umweltleistungen unserer landwirtschaftlichen Betriebe hin. In kleinen Initiativen kamen Vorschläge, neben der klassischen Produktvermarktung mit Ökodienstleistungen einen zweiten Markt aufzubauen.
Wilhelm Heilmann: Durch die Zusammenarbeit mit Aldi wurde dann aus den kleinen Initiativen ein großes Projekt. Wir wollen damit den Mehrwert der Naturland-zertifizierten Produkte sichtbar machen. So viele Naturland-Bäuerinnen und Bauern leisten jetzt schon tolle Arbeit für die Artenvielfalt. Das wollten wir monetär bewerten und in diesem Projekt belohnen.
Seit einem Jahr befindet sich das Förderprogramm in der Pilotphase. Wie sind die bisherigen Erfahrungen?
Wilhelm Heilmann: Gut. In der Pilotphase machten neun Betriebe aus ganz Deutschland und ein Betrieb aus Österreich mit. Wir mussten im Hintergrund ein schlankes System für die Abwicklung aufbauen. Finanziert wird die Förderung über den
Verkauf der Naturland-zertifizierten Produkte bei Aldi. Mit jedem verkauften Produkt wird ein Betrag in den Biodiversitätstopf der Naturland Zeichen GmbH bezahlt. Über diesen Topf erfolgt dann die Auszahlung an die Landwirte.
Ist die Teilnahme freiwillig?
Thomas Neumaier: Selbstverständlich ist die Teilnahme freiwillig. Wir wollen hier von der klassischen Richtliniendenke wegkommen und unsere Mitglieder nicht zu etwas verpflichten, was sie zum Teil ohnehin schon machen. Im Gegenteil: Wir scha en Vertrauen und eine Entlohnung für Biodiversitätsleistungen.
Was meinst Du mit Vertrauen?
Thomas Neumaier: Wir setzen auf Vertrauen und nicht auf Verpflichtung. Das Förderprogramm Artenvielfalt besteht aus drei Bausteinen: Der finanziellen Förderung, Beratung und Bildung und der digitalen Erfassung. Als Basis haben wir den Naturland-Leitfaden Biodiversität für unsere Mitglieder produziert und bieten Beratung und Bildung zu diesem Themenkomplex an. Zudem wird es zukünftig eine digitale Biodiversitätsabfrage auf den Naturland-Höfen geben. Wir gehen den Weg auf Augenhöhe mit unseren Landwirtinnen und Landwirten.


„Gemeinsam können wir Mehrwerte für unsere Betriebe scha en.“
Wie geht es nach der Pilotphase in diesem Jahr weiter?
Wilhelm Heilmann: Der Fördertopf wird sich mit Fortdauer des Projekts immer mehr füllen, sodass wir 2024 weitere Betriebe in das Förderprogramm Artenvielfalt aufnehmen werden. In den folgenden Jahren soll das Budget weiterwachsen, wir wollen das Programm ab 2025 auch auf andere Partner im Lebensmittelhandel ausweiten. Somit wird das Programm für mehr und mehr Betriebe zugänglich werden.
Wer darf mitmachen und wo meldet man sich an?
Thomas Neumaier: Jeder Naturland-Hof kann mitmachen. Voraussetzung ist, dass er zumindest eine der Maßnahmen bucht und umsetzt. Eine Teilnahme ist online im Förderportal für Naturland-Höfe auf mein-naturland.de möglich. Die Reihung der Betriebe erfolgt nach dem Zeitpunkt der Maßnahmenbuchung.
Ab wann kann man teilnehmen?
Wilhelm Heilmann: Im Frühjahr 2024 ö net das Förderportal für die beiden Maßnahmen „Neuanlage von Hecken“ und „Überjährige Altgrastreifen“. Zwei Wochen später können auch die weiteren zwei Maßnahmen „Wildtierfördernde Nutzung von Kleeund Luzernegras“ und „Überwinternde, vielfältige Zwischenfrucht“ gebucht werden. Die Hälfte der finanziellen Unterstützung für das erste Jahr wird gleich nach der Anmeldung ausbezahlt, um Kosten für Pflanzmaterial, Saatgut etc. zu decken. Die Förderobergrenze liegt bei 10.000 Euro pro Betrieb über den gesamten Förderzeitraum.
Sind weitere Maßnahmen geplant?
Thomas Neumaier: Ja, es sind weitere Maßnahmen geplant. Wir haben uns in der Pilotphase bemüht, das Programm möglichst einfach in der Abwicklung zu halten. Es sollten keine hohen Systemkosten anfallen und die Prämien bei den Landwirten ankommen. Wir erhalten Anfragen und Vorschläge

Die finanzielle Unterstützung erfolgt über die Naturland Zeichen GmbH. Geschäftsführer Wilhelm Heilmann und sein Team sind für die Abwicklung zuständig.
von Obst- und Gemüsebauern, teilweise auch von Grünlandbauern, die mehr Grünland-Maßnahmen fordern. Wir werden uns in diese Richtungen etwas überlegen. Wichtig ist aber, dass das System einfach in der Abwicklung bleibt.
Blicken wir in die Zukunft. 2025 könnte das Programm auch für weitere Naturland-Markenpartner geö net werden. Ist das Interesse groß?
Wilhelm Heilmann: Ja natürlich! Neben weiteren Handelspartnern sind auch einige Verarbeiter mit Eigenmarken an einer Zusammenarbeit interessiert. Wir sind hier erst zu Beginn der Gespräche. In diesem Jahr werden wir im Förderprogramm Artenvielfalt exklusiv mit Aldi zusammenarbeiten.
Thomas Neumaier: Unser Auftrag bei Naturland ist es, nicht nur die Gegenwart zu verwalten, sondern auch die Zukunft zu gestalten. Wir wollen möglichst vielen Naturland-Mitgliedern mit dem Förderprogramm Artenvielfalt die Wertschätzung für ihre Arbeit geben. Gemeinsam als Beratung für Naturland mit der Naturland Zeichen GmbH decken wir die Wertschöpfungskette ab und können Mehrwerte für unsere Betriebe scha en.

Für jedes verkaufte Produkt mit dem Logo „Für mehr Artenvielfalt“ wird ein Betrag in den Fördertopf bezahlt.
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KOMMENTAR
Von Tomás Sonntag, Naturland Marktgesellschaft
War vor einem Jahr noch ein leichter Überhang an Naturland-Schweinen zu beobachten, so ist heute die Nachfrage größer als das Angebot. Gründe dafür sind Neulistungen im Lebensmittelhandel und ein besseres Konsumklima. Dies hat seit dem zweiten Halbjahr 2023 zu leichteren Schlachtgewichten geführt: Schlachtpartien werden in Einzelfällen vorgezogen. Der Bedarf ist vor allem nach Verarbeitungsfleisch groß, während Frischfleisch in einigen Sortimenten noch nicht gelistet ist. Auch diese Lücken sollten in Zukunft geschlossen werden. Zur Deckung des wachsenden Bedarfs an Naturland-Schweinen sind wir bundesweit auf der Suche nach neuen Lieferanten – sowohl nach Ferkelerzeugern als auch nach Schweinemästern. Wichtig ist, dass die Bundesregierung die Förderung von Tierwohlställen rasch umsetzt, damit investitionswillige Betriebe Anträge stellen und mit den Investitionen starten können.
GETREIDEMARKT
Zu Jahresbeginn zeigte sich der Bio-Getreidemarkt ruhig. Während Weizen und Hafer in hoher Qualität Mangelware sind, ist das Angebot am Futtermarkt groß. Deutscher Speisehafer in Verbandsqualität wird demnach teilweise hochpreisig gehandelt. Ähnlich wie bei Speiseweizen fehlen aber die Mengen am Markt. Mit großen Mengen haben Vermarkter hingegen bei Futtergetreide umzugehen. Entsprechend niedrig sind hier die Preisvorstellungen.
Großhandelspreise* für deutsche Verbandsware von Getreide und Futtermittel im Januar 2024 frei Rampe (netto, Euro/t)
Gewichteter
Durchschnittspreis Von Bis
Ackerbohne 559 550 575
Körnermais (vorger.) 324 310 345
Eliteweizen (vorger.) 507 480 610
Qualitätsweizen (vorger.) 479 450 508
Brotweizen (vorger.) 415 360 460
Futterweizen
297 285 330 Futtergerste 301 290 310
Speisehafer 449 420 480
Futterhafer** 265 260 275
Dinkel entspelzt 771 620 880
Roggen (vorger.) 343 250 390
* Erzeugerpreise liegen – je nach Vermarkter und Transportkosten – um 30 bis 50 Euro/t darunter. In Einzelfällen kann die Di erenz auch größer sein. ** prompt/ex Ernte, Preise ohne Stern = Termin/Jahreskontrakt
MISCHFUTTER
Das große Angebot an Futtergetreide am Öko-Markt hat die Mischfutterpreise in den vergangenen Monaten sinken lassen. Nun scheinen die Preise den Boden erreicht zu haben. Ein Grund dürfte der Nahostkonflikt sein, der die Transportkosten von Sojakuchenimporten aus China verteuert. Der Eiweißmarkt für EU-Bio-Ware wird stark durch Importe aus Südeuropa und China versorgt. Viele Frachtschiffe umfahren das Konfliktgebiet weiträumig, was die Transportkosten hebt. Dies wiederum wirkt sich auf den Preis für EU-Bio-Mischfutter aus und indirekt auch auf die Preise für Verbandsware. Zuletzt kamen die Preisrückgänge daher zum Erliegen.
Alleinfutter für Legehennen, Verband, Phase 1 Endmast für Schweine ab 80 kg, Verband 18/4 Milchleistungsfutter mit Mais, Verband
MARKT & PREISE
MILCHMARKT
Nach Preisrücknahmen und hohen Öko-Milchanlieferungen im ersten Halbjahr 2023 stabilisierte sich der Bio-Milchmarkt im zweiten Halbjahr weitgehend. Das lag auch an der rückläufigen Bio-Milchanlieferung im zweiten Halbjahr. Während sie in den ersten Monaten 2023 um mehr als 8 % über den Vormonatswerten lag, reduzierten sich die zusätzlichen Anliefermengen Monat für Monat. Zu Jahresende wurde dann sogar weniger Bio-Milch angeliefert als ein Jahr zuvor. Das tat dem ÖkoMilchmarkt gut, da der Absatz im Jahr 2023 durch die Kaufzurückhaltung vieler Verbraucher schwächelte. Andererseits konnte die Nachfrage im zweiten Halbjahr wieder zulegen, die Differenz zum konventionellen Milchpreis stieg wieder und lag zu Jahresende bei circa 12 Cent.
Auch in Österreich stabilisierten sich die Milchpreise in den letzten Monaten des vergangenen Jahres. Durch die Kopplung an den konventionellen Markt mit Zuschlägen änderten sich die Differenzen zwischen den einzelnen Preisen kaum.
RINDFLEISCH
Die Nachfrage nach Bio-Rindfleisch ist im abgelaufenen Jahr gestiegen – laut GfK-Haushaltspanel kauften die Haushalte in Deutschland von Januar bis November 2023 um 8 % mehr Bio-Rindfleisch als im Vorjahreszeitraum. Das wirkt sich nun mit Zeitverzögerung auch auf den Öko-Rindermarkt aus, er scheint sich langsam zu erholen. Zwar führen die meisten Vermarkter immer noch Wartelisten, weshalb eine schnelle Vermarktung oft nicht sichergestellt ist. Auch die hohen Schlachtzahlen bei Kühen nach Ende der Weidesaison haben das Angebot im Herbst 2023 nochmals sprunghaft erhöht. Die Wartelisten bauen sich aber nach und nach ab. Vermarkter berichten, dass der Preisboden erreicht sein dürfte. Zudem habe das gute Weihnachtsgeschäft im Dezember laut AMI für steigende Preise gesorgt. Auch Impulse aus dem konventionellen Markt hätten demnach geholfen, denn auch dort wird Rindfleisch knapper.
Preise für ökologisch und konventionell erzeugte Kuhmilch in Deutschland (4,0% Fett, 3,4% Eiweiß)
Bioheu Konventionell Öko
Preise für ökologisch und konventionell erzeugte Kuhmilch in Österreich (4,0% Fett, 3,4% Eiweiß)

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Betriebsportrait
Hofgut Kapellenhof
HOFEIGENE Käserei
6:30 Uhr. Noch ist es stockdunkel auf dem Hofgut Kapellenhof östlich von Frankfurt. Nur im Melkstand klackern schon die Pulsatoren. Dagmar und Martin melken 150 Lacaune-Schafe. In der hofeigenen Molkerei wird die Milch zu Joghurt, Frischkäse, Camembert, Feta und Räucherkäse verarbeitet.

AUTOR Marcus Nürnberger
Beratung für Naturland m.nuernberger@ naturland-beratung.de
Begonnen hat die Geschichte des Kapellenhofs an diesem Standort erst 1998. Was damals mit nur zwei Hektar begann, hat sich in über 20 Jahren zu einem Betrieb mit mehr als 70 Hektar und hofeigener Käserei sowie regionaler Vermarktung entwickelt. Schafe sind die zentrale Säule des Hofs. Dies alles verdankt der Hof der Überzeugung seiner Betreiber, dass eine nachhaltige Landwirtschaft ohne Tiere nicht darstellbar ist. Dazu gehört auch, dass möglichst viele Schritte der Verarbeitung direkt am Hof stattfinden. Neben der handwerklichen Milchverarbeitung ist für die Zukunft auch eigene Schlachtung geplant.
Die Lämmer werden nach dem zweiten Tag von ihren Müttern getrennt und wachsen in einer Lämmergruppe auf. Gefüttert werden sie am Automaten. Das, so Betriebsleiter Pascal Klüthe, verhindert blutig gebissene Zitzen und spart Antibiotika. Das gesamte Futter wird auf den eigenen Flächen in Kooperation mit dem Naturland-Betrieb von Christoph Förster erzeugt. Viele der Maschinenarbeiten sind so ausgelagert. Anders als in einem
Familienbetrieb, in dem nicht alle Arbeitsstunden erfasst und entlohnt werden, muss Klüthe mit Arbeitszeiten und Gehältern effizient umgehen. Vor allem Arbeitsspitzen und Wochenenden sind mit Angestellten nicht immer leicht abzubilden.
Mehr Inhaltssto e
„Käse ist nicht gleich Käse und Milch nicht gleich Milch“, sagt Betriebsleiter Pascal Klüthe. Im Gegensatz zur Kuhmilch hat jene der Schafe deutlich mehr Inhaltssto e. Bis zu neun Prozent Fett bei sechs bis sieben Prozent Eiweiß sorgen für eine hohe Ausbeute in der Käserei. Während aus 100 Litern Kuhmilch circa 10 kg Käse werden, liegt die Ausbeute in der Käserei des Kapellenhofs bei 17-18 Prozent, bei Frischkäse sogar bei bis zu 50 Prozent. Dementsprechend gehaltvoll sind die Produkte. „180 Gramm Joghurt sind dann schnell mehr als eine Zwischenmahlzeit“, so Klüthe.
Verkauf auf Vertrauensbasis
Die Lage am Rand der kaufkräftigen Metropolregion Frankfurt


und die Herstellung hochpreisiger Qualitätsprodukte schafft ökonomische Spielräume. Ursprünglich war geplant, die gesamte Produktion über den Großhandel zu vermarkten. Dann kam Corona. Die Nachfrage im Handel ging zurück, dafür stieg die Frequentierung des Fahrradwegs direkt am Hof. Zuerst war es nur ein Kühlschrank mit Vertrauenskasse unter dem Vordach, in dem für das Abendbrot Käse zu kaufen war. Bald wurde das Sortiment
durch Schafmilch-Eis erweitert und eine kleine Verkaufshütte aufgebaut. Begeistert ist Pascal Klüthe, dass das Modell der Vertrauenskasse so gut funktioniert. Größere Fehlbeträge gab es selten und manchmal war sogar mehr bezahlt worden. Inzwischen gibt es einen eigenen Hofladen. Noch immer auf Vertrauensbasis.
Bis zu 80.000 Liter Milch geben die 200 Schafe im Jahr. Die sind nicht mehr allein über Direktver-
marktung abzusetzen. Das umfangreiche Sortiment aus Brie, Camembert, Grillkäse und Joghurt, aber auch Eis und Fleisch wird an verschiedene REWE-Filialen, Bioläden, Käsefachgeschäfte und die Gastronomie im Rhein-Main-Gebiet geliefert.
Wie am Kapellenhof Schafmilch zu Käse wird, sehen Sie auf der nächsten Doppelseite.













Mit der Milch der Lacaune-Schafe machen Betriebsleiter Pascal Klüthe und sein Team vom Kapellenhof Joghurt und Käse.
Fotos: sajaseus
Aus Milch



1 2 3 5 wird Käse

1 Die Milch fließt am Kapellenhof aus dem Melkstand direkt in den Käsekessel. Dort wird sie pasteurisiert und kühlt danach ab. Bei 32 Grad werden Milchsäurebakterien und Schimmelkulturen zugegeben. Eineinhalb Stunden haben diese nun Zeit, sich zu vermehren, den pH-Wert zu senken und Aromen auszubilden.
2 In der Zwischenzeit verpacken die Käserinnen Ilka, Stine und Isabell die Camembert-Produktion der vergangenen Woche. „Käsen heißt immer auch warten und improvisieren,“ erklärt Ilka. Je nach Jahreszeit, Futterzusammensetzung und Laktationsperiode verändern sich die Inhaltsstoffe – und damit auch der Käse.

4 6 7

3 Bis zur Zugabe des Labs ist die Milch im Kessel flüssig. Circa 30 Minuten braucht es, um sie „festzulegen“. Mit der Käseharfe wird die Masse in Würfel geschnitten, damit die Molke austreten kann.
4 Zu Beginn sind die Würfel noch weich und zerfallen schnell. Nach mehrmaligem, behutsamem Durchrühren werden sie fester. Der Zeitpunkt zum Abfüllen ist erreicht, wenn die Käsewürfel eine gummiartige Konsistenz haben und auf der Schuffe springen.


5 Auf dem Abfülltisch sind schon die Käsebecher bereitgestellt. Jetzt gilt es, den Käsebruch zügig aus dem Kessel in die Förmchen zu verteilten. Immer 40 sind in einer Form zusammengefasst. Die Käseförmchen aus Plastik sind von kleinen Löchern durchsetzt, damit die Molke abfließen kann.
6 Damit der Camembert am Ende eine gleichmäßige Form bekommt, werden die Stiegen in den kommenden Stunden noch mehrmals gewendet. 20-25 kg wiegt eine Stiege.
7 Am nächsten Morgen kommt der feste Käse für eine Stunde ins Salzbad. Auf Edelstahlgestellen, mit feuchten Tüchern abgedeckt, reifen sie für circa eine Woche bei 23 Grad im Reiferaum. Dort bilden sie ihre Aromen aus und bekommen den bekannten weißen Edelschimmel, bevor sie einzeln von Hand verpackt werden.
Claudia Mattuschat




„Auf der Biofach wird die ganze

sichtbar“

Naturland-Welt




AUTORIN
freie Journalistin

martina romanski
Martina Romanski ist Mitglied der Geschäftsleitung und verantwortlich für den Bereich Marketing und Messe in der Naturland Zeichen GmbH.
„Ohne unsere Bäuerinnen und Bauern geht gar nicht.“

Martina Romanski ist für die Naturland Zeichen GmbH schon zum 28. Mal auf der Weltleitmesse in Nürnberg. Mit ihrem Team organisiert sie unter anderem den NaturlandGemeinschaftsstand.
Bald startet die Biofach. Worauf freust Du dich am meisten?
Für mich ist die Biofach ein ganz besonderer Ort und ein motivierender Start ins neue Jahr. Hier wird nach wie vor der Bio-Spirit spürbar, der mich in meiner täglichen Arbeit antreibt. Ich freue mich jedes Mal, wenn sich die Halle 7A füllt und sich überall am Naturland-Gemeinschaftsstand angeregte Gespräche entwickeln. Da entsteht ein echter Ort der Begegnung, an dem es um weit mehr geht als „nur“ um gute Geschäfte. Wir ö nen die Naturland-Welt für interessierte Besucherinnen und Besucher, teilen mit ihnen unsere Haltung zu ökosozialen Themen und regen an zum Diskurs. Nirgendwo sonst können wir unsere Vielfalt und die Marktstärke unserer Partner in dieser Bandbreite zeigen. Dabei wird mir immer wieder bewusst, wie sehr wir in all den Jahren gewachsen sind und wie viel wir quer über den Erdball miteinander bewegen. Das macht mich richtig stolz.
Du sprichst von der ganzen Wertschöpfungskette. Wo kommen die Bäuerinnen und Bauern vor?
Die Naturland Zeichen GmbH hat rund 1.400 Partner in Verarbeitung und Handel, die auf Rohsto e von 125.000 Naturland-Erzeugerbetrieben in aller Welt angewiesen sind. Das heißt also: Ohne unsere Bäuerinnen und Bauern geht gar nichts. Es ist unserem Messeteam deshalb ein großes Anliegen, auf der Biofach die Gemeinschaftsleistung hervorzuheben, die auf Äckern, Feldern, Weiden und mehr ihren Ursprung hat. Auch im Rahmen des Programms stellen wir die besonderen Verdienste der Landwirtschaft in den Mittelpunkt. Da geht es unter anderem um die Maßnahmen zur Förderung der Artenvielfalt oder zur Verbesserung des Tierwohls, bei denen Naturland-Betriebe mit bestem Beispiel vorangehen.
Worauf dürfen die Besucherinnen und Besucher diesmal gespannt sein?
Naturland betreibt in Halle 7A den größten Gemeinschaftsstand. Wir sind mit 50 Naturland-Markenpartnern vor Ort und freuen uns, dass neben langjährigen Wegbegleitern wie LaSelva oder der Molkerei Berchtesgadener Land einige neue Gesichter dabei sind. Eine feste Größe ist inzwischen der Themenbereich Fish & Seafood, den Naturland als Pionier für ökologische Aquakultur und nachhal-
Fotos: Naturland / Christoph Assmann


Naturland wird auf der Biofach die besonderen Verdienste der Landwirtschaft in den Mittelpunkt stellen. Da geht es unter anderem um die Förderung der Artenvielfalt oder die Verbesserung des Tierwohls.
tigen Fischfang in Zusammenarbeit mit der Biofach etabliert hat. Die Gastro-Lounge ist ein guter Ort, um Landwirtschaft und Gastronomie miteinander zu vernetzen. Dort stehen unsere NaturlandGastro-Beraterinnen bereit für alle Fragen rund um den vielversprechenden Marktsektor. Schließlich geht der Trend nicht nur im Handel, sondern auch in der Gastronomie zu Bio in Verbandsqualität. Hier hat Naturland schon einige Best Practices zu bieten – zum Beispiel das Restaurant Fürstenfelder in Fürstenfeldbruck.
Wie hast Du die Biofach in deinen Anfängen erlebt?
Ich gehöre noch zu den Bios, die damals hoch motiviert, aber recht hemdsärmelig auf die Messe gefahren sind. Einmal habe ich mit meinem früheren Arbeitgeber einen Hofladen ab- und auf der Biofach wieder aufgebaut. Wir wollten Bio so authentisch und ursprungsnah wie möglich präsentieren.
Wenn ich an die Biofach von damals denke, erinnere ich mich an geballte Kreativität und Gestaltungsfreiheit, ein starkes Wir-Gefühl und lange Partynächte. Was kam ich damals müde aus Nürnberg zurück!
Und wie erlebst Du die Biofach heute?
In den fast drei Jahrzehnten, die ich inzwischen bei Naturland bin, hat sich die Branche in jeder Hinsicht professionalisiert. Messestände erfordern heute einen erheblichen Gestaltungsaufwand. Der Rahmen wird minutiös geplant und nichts dem Zufall überlassen. Man tri t sich nicht einfach auf ein lockeres Gespräch unter engagierten Bio-Verfechtern, sondern vereinbart lange im Voraus o zielle Termine.
Hat sich der Charakter der Messe durch die Professionalisierung verändert?
Bio war damals eine kleine Nische und hat heute eine beachtliche Marktmacht. Ich hätte mir niemals träumen lassen, dass von Tansania bis Vietnam einmal fast 600.000 Hektar Land nach Naturland-Richtlinien bewirtschaftet werden, um die wachsende Nachfrage zu decken. Das sehe ich mit großer Begeisterung, denn die Welt lässt sich nun mal nur im großen Stil verändern. Und dennoch vermisse ich auf der heutigen Biofach manchmal




„Die GastroLounge ist ein guter Ort, um Landwirtschaft und Gastronomie miteinander zu vernetzen.“
die Leichtigkeit, Lebendigkeit und Überzeugung der Bio-Community von damals. Der Wettbewerb ist groß und lässt die Wertegemeinschaft von damals manchmal in den Hintergrund treten. Vielleicht hänge ich deshalb so an dem Motto, das wir mal für


Naturland entwickelt hatten: Öko fürs Wir. Das steht diesmal nicht mehr auf unseren Messebannern, aber es ist und bleibt Ausdruck meiner Haltung und wird rund um den Gemeinschaftsstand in Halle 7A zu spüren sein.



























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Parasiten auf der Weide


AUTORIN
Veronika Wolf
Beratung für Naturland v.wolf@ naturland-beratung.de
Parasiten können hohe wirtschaftliche Schäden am Bestand verursachen und haben Auswirkungen auf die Qualität der tierischen Erzeugnisse. Liegt ein betriebsindividuelles Konzept vor, muss sich davor aber niemand fürchten.
Die wichtigsten Weideparasiten sind Lungenwurm, Großer Leberegel sowie Magen-Darm-Strongyliden (MDS). Letztgenannte verursachen die sogenannte parasitäre Magen-Darm-Entzündung (Gastroenteritis), die meist ab Juni/Juli zu beobachten ist. Tiere im ersten Weidesommer leiden unter Durchfall und kümmern. Im zweiten Weidesommer haben Jungtiere und ausgewachsene Rinder eine körpereigene Abwehr gegen MDS entwickelt und eine akute Erkrankung bleibt meist aus.
Die Anzahl der Betriebe, die mit Lungenwürmern zu kämpfen haben, nahm in den letzten Jahren zu. Mit Lungenwürmern infizierte Tiere fallen zunächst durch eine erhöhte Atemfrequenz und Husten auf. Bleibt dies unbemerkt,

Eine Behandlung mit Antiparasitenmittel sollte gut überlegt sein und ersetzt keinesfalls Prophylaxe.
folgt oft eine parasitäre Bronchitis, die bis zur Lungenentzündung und in den schlimmsten Fällen zum Tod führen kann.
Die Ausbildung einer Immunität gegen Lungenwürmer ist leider nicht so ausgeprägt und langanhaltend wie bei MDS. Auch ältere und ausgewachsene Tiere können erkranken. Krankheitssymptome treten ab Juli, am häufigsten aber im Herbst auf.
„Prophylaxe braucht Wissen“
Der Leberegel wandert durch den Darm in die Leber und zerstört die Leberzellen, was zu Vernarbungen und Entzündungen im Lebergewebe führt. Leistungseinbußen der Leber als zentrales Sto wechselorgan sind die Folge. Krankheitszeichen sind unspezifisch und reichen von Durchfällen über Milchmengen-
rückgang, verringerte Fruchtbarkeit (Milchkühe) und struppiges Haarkleid bis hin zu Abmagerung (Jungtiere). Akut können plötzliche Todesfälle auftreten, wenn die Leber versagt. Gegen Leberegel wird keine Immunität aufgebaut, alle Altersgruppen können sich infizieren.
Zeigen die Tiere während der Weidezeit die eben beschriebenen Anzeichen einer Parasiteninfektion, kann der Verdacht über eine Kotprobe überprüft werden. Was es hier zu beachten gibt, lesen Sie im nachfolgenden Beitrag.
Für die Feststellung eines Leberegelbefalles können die Schlachttierbefunde gute Informationen liefern. Diese können im Internet unter www.qualifood.de bzw. in Österreich unter www.oefk.at abgerufen werden. Außerdem gibt es beim Leberegel die Möglichkeit, einen Befall über die Tankmilch festzustellen.
Sprechen sie hierzu mit Ihrem Hoftierarzt oder wenden Sie sich an den TGD.
Ergibt die Kotuntersuchung einen behandlungswürdigen Befall, stehen Anthelmintika (Antiparasitenmittel) zur Verfügung. Jedoch sind nicht alle verfügbaren Mittel für jede Tiergruppe zugelassen und die jeweils zugelassenen Mittel erfassen nicht zwangsläufig alle Stadien der Parasiten. Auch die abnehmende Wirksamkeit dieser Medikamente (Resistenzen) sollte den Einsatz genauso wohl überlegt sein lassen wie die erhebliche Umweltwirkung der mit dem Kot ausgeschiedenen Arzneimittelrückstände, die sich negativ auf Vögel und Insekten rund um den Kuhfladen auswirken.
Ein nachhaltiges Parasitenmanagement erfordert also Prophylaxe. Dazu ist die Artenkenntnis der einzelnen Spezies die Grundvoraussetzung.
MAGEN-DARM-STRONGYLIDEN
Tiere im ersten Weidesommer sind besonders anfällig für Magen-Darm-Strongyliden (MDS). Ab Juni/Juli zeigen diese Tiere Durchfall und kümmern. Die MDS-Larven überwintern auf der Weide und werden im Frühjahr von den Rindern beim Grasen aufgenommen. Binnen drei Wochen entwickeln sich im Magen-Darmtrakt adulte Würmer, die beginnen, Eier zu legen. Diese werden circa drei Wochen nach der Eiaufnahme mit dem Kot ausgeschieden. Im Fladen entwickeln sich aus den Eiern die Larvenstadien 1 und 2 bis hin zum infektiösen 3. Larvenstadium. Bei ausreichend Feuchtigkeit können diese Larven ins umliegende Gras auswandern. Die Larve 3 kann einige Monate auf der Weide überleben. Mit sinkenden Temperaturen fällt sie in eine Sto wechselstarre und überwintert in einem inaktiven Stadium. Im Frühling wird sie mit zunehmenden Temperaturen wieder aktiv und verbraucht ihre Reserven. Wird sie nicht rechtzeitig von Rindern aufgenommen, stirbt sie ab.
Je später der Weideaustrieb der Jungtiere erfolgt, desto weniger infektiöse Larven sind noch vorhanden. Wird der Bestand vor dem ersten Austrieb
zusätzlich gemäht, können die verbliebenen Larven (L3) weiter verringert werden, da auch die UVStrahlung bei kurzem Aufwuchs die Larven schädigt.
Später Weideaustrieb hilft
Zudem sollten „erstsömmrige“ Rinder mit MDS in Kontakt kommen, um eine Immunabwehr ausbilden zu können. Dafür darf aber der Infektionsdruck nicht zu hoch sein. Folgende Maßnahmen helfen:
• Möglichst später Weideaustrieb
• Keine reine Jungvieh-/Kälberweide, hier kann sich sehr hohe Wurmlast aufbauen
• Keine zu hohe Besatzdichten
• Möglichst trockene Weiden
• Flächen, die auch gemäht werden können
• Bei Verdacht auf parasitären Durchfall: Kotprobe ziehen und ggf. Behandlung durchführen, höchste Wurmlast im August/September Abtriebsbehandlung sinnvoll
Ab der zweiten Weidesaison haben Rinder meist eine körpereigene Abwehr gegen MDS entwickelt.

Je später Jungtiere auf die Weide getrieben werden, desto weniger infektiöse MDSLarven sind vorhanden.

Weil die infektiösen L3-Larven der Lungenwürmer auf der Weide nach wenigen Wochen absterben, sind Weidewechsel und Weidepausen eine gute Prophylaxe-Maßnahmen.
LUNGENWÜRMER
Betriebe, die mit Lungenwurm im Rinderbestand zu kämpfen haben, sind keine Seltenheit. Auch die Larven des Lungenwurms werden beim Grasen von Rindern aufgenommen. Vom Darm wandern die Larven in acht bis neun Tagen zur Lunge/Bronchien, wo sie sich innerhalb von zwei Wochen zu adulten Würmern entwickeln, die Eier legen. Larven und Eier werden aus der Lunge hochgehustet und abgeschluckt. Während der Passage durch den Verdauungstrakt schlüpfen die Larven, so dass mit dem Kot nur Larven (keine Eier) ausgeschieden werden.
Von der Aufnahme der infektiösen Larven mit dem Gras bis zum Ausscheiden neuer Larven mit dem Kot vergehen drei bis vier Wochen. Im Dungfladen entwickeln sich in etwa fünf bis acht Tagen die infektiösen Larven. Im Gegensatz zu den MDS-Larven sind die infektiösen Lungenwurmlarven
sehr träge, sie können aber mit Hilfe des im Rinderkot sehr häufig vorkommenden Pilzes Pilobolus spp. flächig in den Grünlandbestand gelangen. Dieser Prozess ist wetterunabhängig. Innerhalb einer Woche sind große Mengen infektiöser Larven flächendeckend auf der Weide vorhanden.
Larven sterben ab
Die infektiösen L3-Larven der Lungenwürmer überleben auf der Weide weniger gut wie die der Magen-Darm-Würmer. Bereits nach zwei Wochen tritt eine starke Reduktion ein, nach sechs Wochen sind nahezu alle infektiösen Lungenwurmlarven abgestorben. Lungenwürmer überwintern vorzugsweise im Wirtstier, z. B. in älteren Jungrindern und Kühen. Jungrinder infizieren sich z. B. dann, wenn auf ihren Weiden vorher Trockensteherinnen geweidet wurden.
Weideflächen wechseln
Folgende vorsorgliche Maßnahmen helfen, den Infektionsdruck zu reduzieren:
• Eine leichte Lungenwurminfektion zu Weidebeginn ist sinnvoll, um Immunität aufzubauen.
• Parzellen wählen, auf denen zuvor ältere Tiere (Überwinterung in Wirtstier) geweidet haben.
•Weideflächen wechseln und Weidepausen einhalten wegen der geringen Überlebensfähigkeit der Larven.
• Bei Anzeichen von parasitärer Bronchitis: Kot untersuchen und ggf. Behandlung durchführen. Nähere Informationen dazu lesen Sie im folgenden Artikel.
•Tiere, die lange nicht auf der Weide waren, beobachten, weil die Immunität nicht dauerhaft bestehen bleibt.


Feuchte Stellen sollten ausgezäunt werden, um die Zwergschlammschnecke als Wirtstier des Leberegels aus der Weide zu bekommen.
LEBEREGEL
Der große Leberegel ist für seine Entwicklung auf einen Zwischenwirt, die Zwergschlammschnecke, angewiesen. Ohne sie kann der Lebenszyklus nicht ablaufen. Die von infizierten Tieren ausgeschiedenen Eier entwickeln sich zu Wimpernlarven, die in die Zwergschlammschnecke eindringen. Dort vermehren sie sich und bilden infektiöse Dauerstadien. Diese sind sehr widerstandsfähig und können Austrocknung und Winter überleben. Sogar Futterkonserven können mit Dauerstadien infiziert sein (Achtung bei Futterzukauf). Nachdem sie die Schnecke verlassen haben, heften sich die Larven an die Spitze von Grashalmen und werden wieder von Rindern aufgenommen. Etwa acht bis zehn Wochen nach der Aufnahme der infektiösen Dauerstadien sind Leberegeleier im Kot nachweisbar, wobei die Kotuntersuchung
hier nicht das Mittel der Wahl ist, da die Eier nur unregelmäßig ausgeschieden werden. Ein Schlachtbefund hat den besten Aussagewert.
Feuchte Stellen abzäunen
Die Zwergschlammschnecke bewohnt bevorzugt dauerfeuchte Wiesen oder feuchte Stellen auf der Weide (Tränken, Gräben, Bäche). Diese Habitate müssen gezielt aus der Beweidung genommen (abzäunen, mindestens zwei Meter Abstand) oder trockengelegt werden. Dadurch wird der Lebenszyklus unterbrochen. Zudem ist zu bedenken, dass Leberegel auch durch Tierzukauf und Futterzukauf eingeschleppt werden können. Denken Sie bei unspezifischen Krankheitssymptomen (z. B. erhöhte Zellzahl, vermindert Milchleistung, struppiges
Kurz
& knapp
WAS TUN GEGEN WEIDEPARASITEN?
Vorausschauende Maßnahmen helfen, um eine veterinärmedizinische Behandlung gegen Weideparasiten zu vermeiden. Um die richtigen Maßnahmen zu tre en, müssen Sie die Entwicklungskreisläufe der Parasiten kennen. Während gegen MDS und Lungenwürmer eine körpereigene Immunabwehr aufgebaut werden kann, ist dies bei Leberegel nicht der Fall. Die prophylaktischen Maßnahmen reichen vom Wechsel der Weideflächen bzw. von Weidepausen (Lungenwurm), über einen späten Weideaustrieb (MDS) bis hin zur Abzäunung von feuchten Weidestellen (Leberegel).
Haarkleid) auch an Leberegel. Mittels Untersuchung einer Tankmilchprobe auf Antikörper kann der Befall nachgewiesen werden. Bei einem Befall wird die Behandlungsstrategie mit dem Tierarzt oder TGD besprochen, da besonders für laktierende Tiere nur Mittel zur Verfügung stehen, die erwachsenen Egel erfassen.
Fotos:
(2),
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KOTPROBEN
richtig entnehmen
Kotproben von ihren Tieren zu nehmen, ist für Rinderhalter nichts Neues. Dennoch braucht es Wissen über den optimalen Zeitpunkt der richtigen Probenahme. Hier die Details.
Eine Kotprobenuntersuchung kann aus verschiedenen Gründen sinnvoll sein. Einerseits hilft das Ergebnis, den Verwurmungsgrad einer Herde und den zukünftigen Kontaminationsgrad der Weiden abzuschätzen. Entwurmungsmittel können dann gezielt eingesetzt oder sogar vermieden werden. Anderseits ist sie ein probates Mittel, um den Verdacht einer bereits symptomatischen Wurmerkrankung zu bestätigen oder die Ursachen für eine unspezifische MagenDarm-Erkrankung beim Einzeltier einzugrenzen.
Sammelkotprobe

AUTORIN Anna Pfrommer
Beratung für Naturland a.pfrommer@ naturland-beratung.de
Die Sammelkotprobe spart Kosten, da mit einer Untersuchung gleich mehrere Tiere beprobt werden. Außerdem ermöglicht sie Aussagen über den Status der Herde. Ein positives Ergebnis hat aber auch zur Konsequenz, dass die gesamte Gruppe behandelt wird. Bei der Kotprobenentnahme kommt es vor allem auf den richtigen Zeitpunkt an. Dieser ergibt sich aus den Vermehrungszyklen der Wurmarten (siehe vorheriger Artikel). Eine Probe zur Einschätzung der aktuellen Weidebelastung ist daher frühestens vier Wochen nach Weideaustrieb sinnvoll. Tiere aus verschiedenen (Alters-)Gruppen
sollten separat beprobt werden, z.B. Färsen getrennt von Kühen. Besonders aussagekräftig sind Proben von Tieren mit geringer Immunität, die zum ersten Mal Kontakt zu kontaminierten Weiden haben. Für ein aussagekräftiges Ergebnis werden Proben von ca. 25 % der Tiere einer Gruppe gesammelt. Der Kot sollte möglichst frisch sein. Bei bestehendem Durchfallproblem in der Herde wird empfohlen, Exkremente von Tieren mit und ohne Durchfall zu mischen. Je nach Infektionsstadium werden unterschiedliche Mengen an Wurmeiern ausgeschieden. In einer festen Plastiktüte werden fünf bis maximal 15 Proben gemischt (Menge pro Kothaufen ungefähr 1 Esslö el). Das Risiko einer Parasiteninfektion ist in der zweiten Hälfte der Weideperiode am größten. In dieser Zeit sollte bei belasteten Flächen das Monitoring etwa alle vier Wochen wiederholt werden.
Einzelkotprobe
Einzeltiere zu beproben ist sinnvoll, wenn diese sichtbar erkrankt sind und eine passende Behandlung angesetzt werden soll. Wichtig ist, dass die Kothaufen genau zugeordnet werden können. Auch hier wird empfohlen, Proben aus mehreren Haufen

Für
eine Sammelprobe werden fünf bis maximal 15 Proben in einer festen Plastiktüte gemischt.

zu mischen. Teilweise werden die Wurmeier nicht täglich ausgeschieden. Daher wird die Probenentnahme optimiert, wenn Kot über drei Tage hinweg gesammelt wird. Die Probe sollte in der Zwischenzeit im Kühlschrank gelagert werden.
„Entwurmung nur nach Untersuchung“
Das Ergebnis der Untersuchung auf Magen-Darm-Würmer wird mit der Einheit EPG angegeben, was für „Eier pro Gramm Kot“ steht. Liegt dieser Wert über 100 sollte eine Behandlung erfolgen.
Im Fall von Lungenwürmern reicht allein das positive Ergebnis für eine Behandlung aus.
Auch ein Befall mit Pansenegel kann im Kot festgestellt werden.
Es gibt kurzwirkende und langwirkende Entwurmungsmitteln (sog. Anthelmintika), die entweder aufgegossen, gespritzt oder oral verabreicht werden. Die kurzwirkenden sind nur sinnvoll, wenn anschließend auf eine „saubere“ Weide ausgetrieben wird. Unabhängig vom Medikament sollte nach acht Wochen eine Kontrollbeprobung stattfinden.
Eine prophylaktische Entwurmung, also ohne vorherige Kotprobenuntersuchung und die Anwendung von antiparasitisch wirkenden Boli ist nicht zu empfehlen.
Wann behandeln?
Eine Entwurmung vor Weideaustrieb ist bei Betrieben mit langjährig hohem Parasiten-
druck sinnvoll, denn so kann die Kontamination einer Weide mit Wurmeiern verringert werden. Wenn Rinder zum Beispiel auf einer Alm geweidet werden und nach Austrieb nicht mehr erreichbar sind, ist ebenfalls eine vorherige Entwurmung zu empfehlen. Sofern aber keine besondere Belastungssituation vorliegt und die Tiere jederzeit behandelt werden können, liegt der optimale Entwurmungszeitpunkt circa einen Monat nach Austrieb. Grund dafür ist, dass nicht alle Parasiten auf den Weiden über den Winter absterben. Durch zeitlich begrenzten Kontakt zu einer dann geringen Erregermenge, können die Tiere so eine gewisse Immunität aufbauen. Am Ende der Weidesaison sollten alle Tiere erneut behandelt werden. Beachten Sie die jeweiligen Wartezeiten auf Milch und Fleisch und deren Verdopplung im Öko-Landbau. Das gilt auch bei nur
Die Sammelkotprobe spart Kosten, da mit einer Untersuchung gleich mehrere Tiere beprobt werden. Einzeltiere zu beproben ist sinnvoll, wenn diese sichtbar erkrankt sind.

„Der optimale Zeitpunkt zur Entwurmung liegt ca. ein Monat nach dem Weideaustrieb.“
äußerlicher Anwendung. Vorsicht: auch Null Tage Wartezeit bedeutet für den Biobetrieb immer 48 Stunden. Welche Wirksto e genau gegen welchen Parasiten wirken, weiß am besten Ihr Hoftierarzt.
Spezialfall Leberegel
Die Eier des Leberegels werden ebenfalls mit dem Kot ausgeschieden, jedoch nicht bei jedem Kotabsatz und erst circa zehn Wochen nach einer Infekti-
on. Für ein Herdenscreening von Milchkühen bietet sich daher die Untersuchung einer Tankmilchprobe an. Auch im Blut kann der Befall mit Leberegeln nachgewiesen werden. Blut und Milch werden auf Antikörper untersucht. Für die Interpretation des Ergebnisses ist wichtig zu beachten, dass Antikörper noch lange Zeit nach einer Infektion nachweisbar sein können. Der sicherste Beweis einer Leberegelbelastung jedoch ist ein entsprechender Schlachtbefund.
Kurz & knapp
Der optimale Entwurmungszeitpunkt liegt circa ein Monat nach dem Weideaustrieb. Eine prophylaktische Entwurmung ohne vorherige Kotprobenuntersuchung ist nicht zu empfehlen. Eine derartige Vorgehensweise kann zu Resistenzbildungen sowie einer vermeidbaren Umweltbelastung durch Medikamente führen. Besprechen und planen Sie die Kontrollnahmen und etwaige Behandlungen mit dem Hoftierarzt. Wichtig: Die genaue Beschriftung der Probenbeutel mit Ohrmarkennummer oder Gruppenname nicht vergessen, sodass die richtige Zuordnung der Ergebnisse gewährleistet ist.









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9.500 kg Milchleistung – und das bei geringem Kraftfutteranteil und schwacher Grundfutterqualität. Wie das möglich ist, erklärt uns Hans-Jürgen Paulsen, Naturland-Bauer in Brandenburg.
Die Uckermark ist eine dünn besiedelte Region im Nordosten Brandenburgs. Trockene Witterung und eiszeitlich bedingt sehr durchwachsene Böden prägen den Landstrich. Nach dem Mauerfall gründete Familie Paulsen im Jahr 1991 genau in dieser Gegend ihren landwirtschaftlichen Betrieb. Viola und Hans-Jürgen Paulsen, beide ursprünglich aus Schleswig-Holstein, wagten den Schritt nach Brandenburg, um sich eine eigene Existenz aufzubauen. 26 Jahre später, im Jahr 2017, entschieden sie sich für eine Mitgliedschaft bei Naturland. Der Betrieb besteht heute aus
330 Milchkühen plus Nachzucht und hat einen Flächenumfang von 70 ha Grünland und 360 ha Ackerland. Zudem befindet sich eine Biogas-Anlage (250 kW) am Betriebsstandort.
„Jeder Standort hat seine Vorund Nachteile“, betont HansJürgen Paulsen. „Es liegt an uns, uns anzupassen und die zur Verfügung stehenden Ressourcen bestmöglich zu nutzen.“ Während seine Berufskollegen in Schleswig-Holstein ihn um seine im Vergleich günstigen Rahmenbedingungen zur Maisaussaat beneiden, vermisst er in Brandenburg das üppige Gras Schleswig-Holsteins, welches aufgrund der höheren Niederschläge dort besser gedeiht. Tatsächlich bedeutete der Umzug nach Brandenburg einen Wechsel von vergleichsweise günstigen Standortbedingungen hin zu einer sehr trockenen Witterung und stark wechselnden Bodenqualitäten. „Die größte Herausforderung hier ist es, trotz fehlenden Niederschlagsmengen gute Grundfutterqualitäten für unsere

AUTORIN
Janina Metzler
Beratung für Naturland j.metzler@ naturlandberatung.de
Milchkühe zu erzeugen – und das bei möglichst vergleichbarer Milchleistung wie in der Heimat“, bringt es der Naturland-Bauer auf den Punkt.
Wir haben Hans-Jürgen Paulsen für einen Tag begleitet. Er hat uns erklärt, wie er es scha t, trotz herausfordernden Standortbedingungen eine Milchleistung von 9.500 kg zu erzielen. Und das bei einer kraftfutterreduzierten Fütterung von unter 20 % in der Jahresration*, so, wie es die neue Kraftfutter-Richtlinie seit Anfang des Jahres für alle NaturlandMilchviehbetriebe vorgibt.
„Für unsere Region ist der hohe Maisanteil im Grundfutter unausweichlich.“
Hans-Jürgen Paulsen
* bezogen auf Kraftfutter, welches in Nahrungsmittelkonkurrenz zum Menschen steht



Tagesmischration für die laktierenden Milchkühe (in FM)
25 kg Maissilage
25 kg Luzernesilage
0,8 kg Stroh
4 kg silierte Rübenpressschnitzel
0,8 kg getoastete Ackerbohne
3,5 kg MLF (davon 32% Reste der Nahrungsmittelerzeugung)
2,5 kg Getreideschrot
0,3 kg Mineralfutter
Luzerne als Proteinlieferant
Eine wichtige Stellschraube ist am Betrieb Paulsen der Anbau von mehrjähriger Luzerne. Nach Einschätzung von Hans-Jürgen Paulsen lassen sich so wesentliche Kraftfuttereinsparungen realisieren. Seine Luzernesilage liefert hochwertiges Protein und steigert als strukturgebende Futterkomponente die Wiederkautätigkeit seiner Milchkühe. Er baut aktuell 80 ha Luzerne (vierjährig) und 30 ha Luzerne-Gras-Gemenge (zweijährig) an. Ergänzend dazu kooperiert er mit einem viehlosen Ackerbaubetrieb in der Region. Er liefert organischen Dünger aus der Biogasanlage und erhält im Gegenzug dazu den Aufwuchs von weiteren Luzerne-Flächen.
Ackerbohne als pansenstabiles Protein
Zur Erhöhung des pansenstabilen Proteinanteils in der Mischfutterration setzen die Paulsens auf den
Einsatz von getoasteten, heimischen Ackerbohnen. Diese kaufen sie von einer Toastungsanlage zu. Schlechte Erfahrungen machte Familie Paulsen während der Betriebsumstellung zum Öko-Landbau mit der Neugestaltung der Futterration. Damals ersetzten sie konventionelles Soja- und Rapsextraktionsschrot ausschließlich mit Luzernesilage als proteinliefernde Futterkomponente. Die Kühe zeigten deutliche Anzeichen von Sto wechsel- und Fruchtbarkeitsstörungen. Ein erfahrener Öko-Landwirt aus Brandenburg riet ihnen damals, neben der Luzerne auch getoastete Ackerbohne einzusetzen. Ein Tipp, den sie seitdem befolgen.
Futteraufnahme steigern
Mit silierten Rübenpressschnitzeln konnten die Paulsens die Schmackhaftigkeit der Mischfutterration deutlich steigern. Die Kühe nehmen dadurch eine höhere Futtermenge auf, was sich maßgeblich
Mit Luzerne und getoasteter Ackerbohne lässt sich am Betrieb Paulsen Kraftfutter einsparen.
auf die Milchleistung auswirkt. In der Vergangenheit wurden eigens Zuckerrüben angebaut. Das funktioniert in der Uckermark verhältnismäßig gut. Die Rübenpressschnitzel sind am Betrieb Paulsen ein alternativer Energielieferant, mit dem der Maisanteil in der Ration reduziert werde kann. Diesen Kreislauf möchte Familie Paulsen zukünftig noch ausbauen.
Neues ausprobieren
Der Maisanteil im Grundfutter ist relativ hoch, was im Allgemeinen unüblich für die Öko-Branche ist. „Für unsere Region jedoch unausweichlich“, so Hans-Jürgen Paulsen. „Denn in Zeiten langanhaltender Trockenheit gilt der Mais als einziger Futtergarant für unsere Milchkühe. Hier haben andere Regionen einen deutlichen Standortvorteil“.
Generell ist der Betrieb im Bereich Futterbau sehr experimentierfreudig. Im letzten Jahr säten die Paulsens versuchsweise ein Mais-Bohnen-Gemenge, um daraus Silage mit höherer Proteinmenge zu erzeugen. Leider kam es zu Fraßschäden durch Kraniche, sodass sich der Bestand nicht etablierte. Erfolge im Anbau von Mais-Alternativen konnten die Paulsens bislang noch nicht erzielen. Sie bleiben
Kurz & knapp
Der Milchviehbetrieb Paulsen zeigt, dass eine Reduktion von Kraftfutter in der Milchviehfütterung auch bei hoher Milchleistung und auf einem Standort mit schlechten Grundfutterqualitäten möglich ist. Futtermittel, die auch Nahrungsmittel in der menschlichen Ernährung sein könnten, können auch bei leistungsorientierter Fütterung reduziert werden, wenn an entscheidenden Stellschrauben sinnvoll gedreht wird.
Die Herangehensweise am Betrieb Paulsen hat uns sehr beeindruckt. Statt sich darauf zu konzentrieren, was fehlt, optimiert er das, was am Standort möglich und in der Region verfügbar ist. Er zeigt, wie sich Öko-Landwirte sowohl an herausfordernde Standorte als auch an sich wandelnde klimatische Anbaubedingungen anpassen können.
jedoch weiterhin o en für neue Kulturen und Anbaupraktiken. Das Mais-Bohnen-Gemenge möchten sie weiterhin versuchsweise anbauen.
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(Witwenblume) im extensiven Grünlandbestand. Foto: Ewald Pieringer
Finanzielle Förderung mit Öko-Regelung 5
Seit 2023 können sich
Betriebe im Rahmen der neuen „Öko-Regelung 5“ ihre Grünlandbestände im Mehrfachantrag fördern lassen.
Die extensive Bewirtschaftung von Dauergrünlandflächen ist Lebens- und Nahrungsgrundlage für viele Insekten. Reich an Arten fördern diese Grünlandflächen die Biodiversität. Der Erhalt der Lebens- und Nahrungsgrundlage für eine Vielzahl an Insekten ist ein wichtiger Beitrag für unser ganzes Ökosystem. Daher können sich Betriebe in Deutschland ihre wertvollen Dauergrünlandbestände durch
die „Öko-Regelung 5“ fördern lassen. Voraussetzung ist, dass eine Fläche mindestens vier Pflanzenarten aus einer Liste mit - je nach Bundesland - 30 bis 40 regional typischen Kennarten enthält. Die Bundesländer legen hierfür Pflanzenarten, Nachweismethode und Mindestzahl der Exemplare pro Hektar fest. Darüber hinaus bieten einige Länder auch Programme mit mehr als vier Kennarten an. Mit den Stichworten „Öko-Regelung 5“ und (Ihrem) „Bundesland“ finden Sie in der Internet-Suchmaschine (z.B. Google) die passende Broschüre Ihrer Behörde. Die führt die relevanten, regionaltypischen Kennarten und Kennartengruppen auf und beschreibt das Vorgehen bei Beurteilung
der einzelflächenbezogenen Maßnahme. Als Bestimmungshilfe eignet sich ebenfalls die kostenlose App „Flora Incognita“. Sie ist einfach zu installieren, sehr bedienungsfreundlich und kann sowohl mit Mobilfunknetz als auch im o ine Modus im Grünlandfeld genutzt werden.
Eine Dokumentation war 2023 nach der Beantragung Pflicht und wird auch 2024 eingefordert. Im Einzelfall kann eine Kontrolle auch durch die Landwirtschaftsbehörde erfolgen.
In Österreich werden die extensiven Grünlandbestände über das ÖPUL gefördert. Die Öko-Regelung 5 wird in Österreich nicht angeboten.
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AUTOR
Marzell Bu er
Redakteur der Zeitschrift
LANDWIRT bio
Erstverö entlichung in LANDWIRT bio, Ausgabe
Mai 2023




Der Rinderstall als Vorbild
Vor acht Jahren ist der Schweinebetrieb von Familie May komplett abgebrannt. Doch statt eines Neubaus „von der Stange“ haben sie auf eine individuelle Lösung gesetzt – und sich dabei viel von Rinderbauern abgeschaut.

Es nieselt an diesem Morgen im fränkischen Junkershausen bei Bad Neustadt an der Saale. Die Temperaturen liegen bei 10 °C, der Wind weht kräftig um den Außenklimastall von Familie May. Der Seniorchef Dietmar May greift zur Heugabel, stößt sie in den Großballen neben sich und schiebt einen Packen Heu quer über den Futtertisch zum Fressgitter. Es rührt sich etwas. Doch es sind keine Rinder, die ihre Köpfe durch die Streifenvorhänge im hinteren Bereich der acht Buchten strecken. Stattdessen trotten nach und nach Zuchtsauen nach vorne und machen sich gierig über das Futter her. Dietmar May lehnt sich an den Gabelstiel und erklärt: „Bei uns ist Grundfutter aus Heu, Stroh und Silage ein wichtiger Bestandteil der Ration. Und das nicht nur bei den Sauen. In der Endmast liegen wir bei fast 50 % Grundfutteranteil.“
Die Ställe hat Christian May, Dietmars Sohn und Hofnachfolger, 2016 für 40 Zuchtsauen und 350 Aufzuchtferkel (Baukosten: 15.000 Euro pro Sauenplatz) oder Mastschweine komplett neu gebaut. Nicht ganz freiwillig, denn 2015 ist der Betrieb seiner Eltern bis auf das Wohnhaus abgebrannt. Für Christian, der sein Leben bis dahin mit Frau Rebekka in der Metropole Frankfurt geführt hatte, ein gewaltiger Schritt. Doch mit dem Unglück konnten die
1 Das Besondere an der Abferkelbucht sind die doppelt schwenkbare Tür und die Ferkelschutzabweiser aus Holz.
2 Da die Außenbuchten länger als breit sind, hat Dietmar May die Abtrennungen kurzerhand klappbar gemacht.
Fotos: Bu er (5), zVg (1)
Jungbauern auch gleich ihre eigenen Ideen verwirklichen. „Dazu gehört, dass wir beim Stallbau ganz viel von Rinderbauern abgeschaut haben“, weiß Dietmar May. „Alle Ställe sind in Holzbau-
Tränke Stufe
Auslauf
Stufe
Liegebereich
Fressgang
Ferkelnest
Trog Ferkel Anfüttern Kontrollgang
Skizze: Goldberger

Der Wartestall ähnelt eher einem Kuh- als einem Schweinestall. Die Dachö nung in der Mitte war Auflage beim Bau. Heute verlangt die neue EUÖkoverordnung einen höheren Anteil an unüberdachter Fläche.

weise, die Dächer begrünt und die Nordseiten unter dem Bodenniveau.“ Was au ällt: In keinem der Ställe riecht es nach Ammoniak. Dietmar May: „Wir haben im Kotbereich überall eine schmale Metallrinne eingebaut. Über die läuft der Urin sofort ab und vermischt sich nicht mit dem Kot.“
Anpassungen am Abferkelstall
Der Bio-Landwirt macht sich auf den Weg zum 50 Meter entfernten Abferkelstall. Er ö net die Tür und bleibt im schmalen Gang stehen, an dem sich die 15 Abferkelbuchten aufreihen. Hier hat Tüftler Dietmar May die eine oder andere Anpassung vorgenommen. „Normal verbaut Schauer zwei Türen zwischen Fressgang und Bucht. Die gehen jeweils nur in eine Richtung auf. Das soll die Tiere lenken, damit sie zuerst in den Auslauf gehen und erst dann ans Futter kommen. Wir haben stattdessen eine Pendeltür, und das funktioniert genauso gut.“
Statt Metallrohren zum Ferkelschutz sind bei den Mays Holzkeile an den Buchtenwänden montiert.
„Da legen sich die Sauen lieber ab“, erklärt er. Auch im Außenbereich des Abferkelstalles ist nicht mehr alles Standard. Weil auf dem Hof May die Außenbuchten 3,50 m lang, aber nur 2,50 m breit sind, kann man die Buchtenabtrennungen zur Entmistung nicht komplett wegklappen. Kurzerhand hat Dietmar May den vordersten Meter der Abtrennung abgeschnitten und mit Scharnieren wieder klappbar anmontiert. Eine Seilaufhängung zieht das Tor beim Aufklappen nach oben. So ist auch die Stufe zwischen Innen- und Außenbereich kein Hindernis.
tipp
Falsch geplante Ställe für Bio-Schweine können rasch zur Arbeitsfalle werden. In der kommenden Ausgabe lesen Sie Tipps für die Planung von Bio-Schweineställen. Außerdem hat Dietmar May einen Futterautomaten gebaut, der Schweine bedarfsgerecht füttert und gleichzeitig beschäftigt. Alles dazu in der kommenden Ausgabe der Naturland Nachrichten.

Rebekka und Christian sind die Hofnachfolger und Betriebsleiter. Dietmar und Klara May stehen den beiden mit Rat und Tat zur Seite.
Kein stilles Örtchen
Um den Aufzuchtstall zu erreichen, steigt Dietmar May ins Auto. Denn der Stall ist zusammen mit dem Maststall 500 Meter außerhalb der Ortschaft: „Das war meinem Sohn wichtig. Er wollte alles, was Lärm macht und vielleicht Gerüche verursacht, von den Nachbarn wegrücken.“ Es ist sauber und riecht kaum. Das liegt auch am Übergang zwischen Innenbereich und Auslauf, den die Mays optimiert haben. „Am Anfang gab es nur in der Mitte jeder Bucht eine Tür mit Streifenvorhang. In die Ecken links und rechts davon haben die Ferkel gerne gekotet“, schildert Dietmar May. Nun haben sie die Außenwand auf der kompletten Länge im unteren Bereich geö net und mit Streifenvorhängen ausgerüstet. Somit gibt es keine stillen Örtchen mehr.
Hell und luftig

Am Ende seiner Runde geht Bio-Bauer May noch in den Maststall. Der ist ein nach Süden hin weit o enes Gebäude, hier ist es immer hell und luftig. Darin reihen sich die Buchten. Die Liegenester sind aus Holz und mit einem zweigeteilten, klappbaren Deckel ausgestattet. Über einen Seilzug und eine Umlenkrolle ist dieser mit einem Gegengewicht versehen. Dieses hält den Deckel im Bedarfsfall o en. Der Deckel selbst ist ein Holzrahmen, der mit einem Drahtgitter bespannt ist. In den Feldern liegen zwei Schichten Kokosmatten: „Die isolieren prima und wir
müssen sie nur zweimal im Jahr kurz ausklopfen.“ Zusätzlich ist entlang der ganzen Südseite ein Futtertisch betoniert. Hier bekommen die Mastschweine dreimal täglich ihr Grundfutter vorgelegt.
Dietmar May schwingt erst das eine, dann das andere Bein über das Fressgitter und fragt: „So weit zu unseren Schweineställen. Wir können jetzt gerne noch auf unsere Äcker fahren. Da hab‘ ich auch einige Experimente am Laufen.“








AUTORIN Marie Lüke
Beratung für Naturland m.lueke@ naturland-beratung.de







Christian Weber
Naturland-Schweinemäster
Christian Weber setzt auf Dreiphasenfütterung und den Einsatz vollfetter Sojabohnen.

Nährsto optimierte Fütterung bietet Vorteile für Umwelt, Schwein und Konto. Eine Multiphasenfütterung ist aber nicht für jeden Betrieb umsetzbar. Eine dreiphasige Mast kann daher für viele Betriebe eine gute Lösung sein – so auch für den Naturland-Hof Weber.
„Vorteile für Umwelt, Schwein und Konto“
Seit der Umstellung 2001 ist die Fütterung am SchweinemastBetrieb Weber ein wichtiges Thema. Der Naturland-Hof Weber mit Ackerbau und Schweinemast in der Wetterau in Hessen umfasst 240 Mastplätze, die kontinuierlich mit Ferkeln belegt werden. Die Schweine werden über die Naturland Marktgesellschaft vermarktet. Betriebsleiter Christian Weber setzt schon seit Jahren eine dreiphasige Fütterung mit Ferkelfutter sowie Vor- und Endmastfutter um. In den ersten Wochen füttert er die Ferkel mit einer Mischung aus Getreide, Acker- und Sojabohnen sowie vier Prozent Karto eleiweiß an. „So haben die Ferkel einen weichen Übergang zwischen Ferkelerzeuger und Mäster und werden mit qualitativ hochwertigem Eiweißfutter versorgt“, erklärt der Landwirt. Mit einem Gewicht von 35 kg wechselt er zur Vormastmischung ohne Karto eleiweiß.
Einsatz von Vollfettsojabohnen
Anstelle von gepresstem Sojakuchen setzt Christian Weber Sojavollfettbohnen ein und ist davon überzeugt: „Die Bohnen kann ich ganzjährig lagern, Sojakuchen hingegen ist je nach Jahreszeit nur 6-10 Wochen lagerfähig.“
Christian Weber baut Sojabohnen selbst an und lässt sie mit einer mobilen Toastanlage toasten. Soja muss vor dem Verfüttern unbedingt getoastet werden, so werden antinutritive Inhaltsstoffe inaktiviert und die Schweine können die enthaltenden Aminosäuren besser verdauen.
Soja ist ein hochwertiges Eiweißfuttermittel mit 35-42 % Rohprotein und einem hohen Gehalt an verdaulichem Lysin. Der begrenzende Faktor bei der Fütterung von ganzen Sojabohnen ist der hohe Ölgehalt (ca. 20 %). Im


• Für den Einsatz von Sojabohnen spricht die ganzjährige Lagerungsmöglichkeit, weil Sojakuchen nur kürzer lagerfähig ist.
Sojaöl ist zudem ein großer Anteil von Polyensäuren und ungesättigten Fettsäuren enthalten, diese führen zu einem weichen Depotfett bei den Schweinen und sind bei der Verarbeitung unerwünscht. Daher sollte der Anteil von Vollfettsojabohnen in der Endmast auf maximal zehn Prozent in der Ration begrenzt werden. Üblicherweise wird Sojakuchen als Nebenprodukt der Ölherstellung an Schweine verfüttert. Das Öl wird herausgepresst und zurück bleibt ein proteinreiches Eiweißfuttermittel mit 42 % Rohprotein und einem wesentlich geringeren Restfettgehalt. Leider ist dieser je nach Ölmühle und Pressverfahren schwankend, daher ist es empfehlenswert den Sojakuchen vor der Fütterung im Hinblick auf Rohfett und Rohprotein untersuchen zu lassen.
Der Anteil von Vollfettsojabohnen sollte in der Endmast auf maximal zehn Prozent in der Ration begrenzt werden.
Christian Weber hat schlechte Erfahrungen mit den schwankenden Restfettgehalten bei Ölkuchen gemacht und so die Entscheidung getro en, ausschließlich Vollfettsojabohnen zu füttern.
Einsatz von Körnerleguminosen
Auch heimische Körnerleguminosen wie Ackerbohnen, Erbsen und Lupinen sind gute Eiweißfuttermittel. Aber Achtung: Sie haben zwar einen hohen Lysingehalt, aber einen niedrigen Methioningehalt. Die Fütterung von Körnerleguminosen als einziges Eiweißfuttermittel in der Ration ist daher nicht empfehlenswert. Für eine optimale Versorgung der Schweine mit Methionin ist die Ergänzung durch einen Ölkuchen (Soja, Raps, Sonnenblume) oder einen darauf abgestimmten Eiweißergänzer wichtig. Begrenzt wird der Einsatz von Körnerleguminosen zudem durch antinutritive Inhaltssto e, die bei einer zu hohen Dosierung zu gesundheitlichen Problemen bei den Schweinen führen können. Erbsen können in der Vormast bis zu 20 % und in der Endmast bis zu 25 % eingesetzt werden. Süßlupinen und Ackerbohnen können in der Vormast bis zu 15 % und in der Endmast bis zu 20 % bzw. 25 % eingesetzt werden. Bei den Lupinen muss außerdem der Bittersto gehalt beachtet werden. Beim Einsatz von mehr als acht Prozent kann es zu sinkender Futteraufnahme kommen.

Beispielration für eine dreiphasige Fütterung (Quelle: Peter Weindl, HSWT):
Nährsto optimierte Fütterung
Besonders wichtig für die ideale Entwicklung ist die bedarfsgerechte Fütterung mit verdaulichen Aminosäuren. Überschüssiges oder nicht verdauliches
Eiweiß muss vom Schwein versto wechselt und ausgeschieden werden. Das belastet die Tiere und macht die Futterration unnötig teuer. Diese Universalmast führt dazu, dass die Schweine am Anfang unterversorgt und ab einem Gewicht von
70 kg überversorgt mit Proteinen sind. Bei einer Multiphasenmast hingegen ist der Rohproteinbedarf der Futtermischung auf den Bedarf der Schweine abgestimmt und es kommt zu keiner Unter- oder Überversorgung. Hier spart man im Vergleich zu einem Universalfutter 10 bis 15 % Eiweißfuttermittel. Neben Kosten für das teure und knappe Eiweißfutter verbessern sich auch Sto wechsel, Verdauung und Lebergesundheit der Schweine. Die Investition in eine automatisierte, mehrphasi-
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ge Fütterung ist aber mit hohen Kosten verbunden und muss sich für den einzelnen Betrieb rentieren. Alternativ dazu lässt sich eine 2- oder 3-Phasenmast oft mit ökonomisch vertretbaren Investitionen nachrüsten.
Dreiphasige Fütterung
Christian Weber hat sich für eine dreiphasige Fütterung entschieden. Er kann dadurch den Anteil von Sojabohnen von 12 % in der Anfangsmast auf 7 % in der Endmast reduzieren. Die dreiphasige Fütterung mit Mischungen für die Anfangs-, Mittel- und Endmast kommt dem tatsächlichen Proteinbedarf der Mastschweine sehr nahe. Wer Ölkuchen einsetzt, kann deren Anteil im Laufe der dreiphasigen Mast von 31 % Soja- und Rapskuchen in der Anfangsmast auf 14 % Soja- und Rapskuchen in der Endmast senken. Gleichzeitig kann der Anteil von Körnerleguminosen im Laufe der Mast leicht erhöht werden (siehe Beispielrationen). Die Kosten für die Futtermischungen können so um knapp 100 Euro pro Tonne reduziert werden.

Längere Lebensleistung Legehennen
in Poleposition bringen

Der Grundstein für eine längere Lebensleistung von Legehennen wird bereits während der Junghennenaufzucht und der Transitphase gelegt. Fehler in diesen Phasen können später kaum behoben werden.
Küken lernen sehr schnell. Sie sind neugierig, erkunden ihre Umgebung und interagieren in der Gruppe. Dieses arttypische Verhalten ist ihnen angeboren. Einmal erlerntes Verhalten legen die adulten Tiere kaum ab. Haben sie gelernt, auf Sitzstangen zu schlafen, tun sie das später auch problemlos. Haben sie das Bepicken der Artgenossen gelernt, legen sie auch dieses Verhalten nicht mehr ab.

Beratung für Naturland f.mueller@ naturland-beratung.de

Daher können Legehennenhalter das arttypische Verhalten der Tiere auch dazu nutzen, sie früh an spätere Haltungssysteme zu gewöhnen. Um Übersprungs-



AUTORIN Franziska Müller
handlungen wie Federpicken zu vermeiden, müssen die Tiere von Anfang an genau beobachtet und Beschäftigungsmaterialien angeboten werden.
Stress meiden
Solange sich die Tiere ruhig und arttypisch verhalten, können sie mit einzelnen Stressfaktoren umgehen. Doch Umzug der Junghennen in den Legehennenstall, Futterwechsel, Betreuerwechsel, Impfung und Hormonumstellung sind nicht zu vermeiden – und nicht selten etwas viel auf einmal. Um dem Stress und den Anforderungen zu Beginn der Legephase gewachsen zu sein, sollten die Junghennen über genügend körperliche Reserven verfügen. Hier kommt es besonders auf die Fütterung an.
Junghennenphase
Die Junghennenaufzucht beginnt in den ersten zwei bis drei Lebenswochen mit einem Kükenstarter, gefolgt von Küken- und Junghennenalleinfutter. In der ersten Hälfte der Aufzucht steht die Entwicklung

von leistungsfähigen Organen im Vordergrund, in der zweiten die Entwicklung des Körperrahmens, also Skelett und Muskulatur sowie das weitere Training der Futteraufnahme. Ein Baustein, mit dem die Küken sehr früh an eine hohe Futteraufnahme gewöhnt werden können, sind Magen-Gritsteine in passender Partikelgröße. Sie helfen, gröberes Futter gut zu vermahlen – auch kleinere Samenkörner wie Hirse.
Transitphase
Bei der Umstallung in den Legehennenstall kommen die Junghennen in eine völlig neue Umgebung. Oft sind die Tiere dann genüchtert und kennen das Fut-

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tersystem noch nicht. Ein in Geschmack und Aussehen bekanntes Futter erleichtert den Tieren die Umstellung. Sie füllen dann zuerst ihre Kröpfe, um dann satt den neuen Stall zu erkunden.
In der Folgezeit unterliegt das Huhn physiologischen Veränderungen: das Ovar wächst noch, ansonsten wird zunehmend auf Reproduktion umgestellt. Der hohe Nährsto bedarf muss durch ausreichende Futteraufnahme über alle Lebensabschnitte gewährleistet sein.
Quellen und weitere Infos zum Thema: DLG-Merkblätter 492 und 493 „Verlängerung der Haltungsdauer bei Legehennen“.





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Fotos: Franziska Müller
Legehennen beim täglichen Staubbad.
WERDEN SIE
RegioHuhn-Bauer
Traditionelle oder regionale Hühnerrassen wirtschaftlich zu nutzen, ist das Ziel des Projekts RegioHuhn. Die ersten Ergebnisse sind vielversprechend. Nun werden Praxisbetriebe gesucht.
Altsteirer, Bielefelder Kennhühner und Ramelsloher: Diese drei alten Rassen sind die Basis des Projekts RegioHuhn. Seit 2020 wird daran gearbeitet, ein leistungsfähiges und gleichzeitig robustes und anpassungsfähiges Zweinutzungshuhn zu entwickeln. Hierfür werden Hähne dieser alten Rassen mit Hennen
REGIO HUHN
aus modernen Mast- und Legelinien wie Ranger und White Rock gekreuzt. Ziel ist, diese regionalen Rassen zu erhalten und gleichzeitig eine wirtschaftlich tragfähige Haltung zu schaffen. Gemeinsam mit den wissenschaftlichen Projektpartnern werden die Tiere züchterisch weiterentwickelt und sollen nun in der landwirtschaftlichen Praxis auf Betrieben etabliert werden.
Sie sind interessiert?
Wir suchen Bäuerinnen und Bauern, die Lust haben, die RegioHühner in den eigenen Betrieb zu integrieren. Über das Projekt können ganzjährig Bruteier und Küken bezogen werden und abhängig von der Region auch Junghennen. Dafür suchen wir auch inter-
Das Projekt RegioHuhn wird bis 2028 vom Bundesprogramm Ökologischer Landbau (BÖL) gefördert. Die Steckbriefe mit den Leistungsdaten der sechs Kreuzungen finden Sie auf unserer Website www.naturland-beratung.de. Bei Interesse und Fragen stehen die Projektmitarbeiterinnen Johanna Krebs und Pauline Eichenseer gerne zur Verfügung:
Johanna Krebs
Tel.: +49 (0)171 8308 682
Mail: j.krebs@ naturland-beratung.de

Pauline Eichenseer
Tel.: +49 (0)151 6555 6721
Mail: p.eichenseer@ naturland-beratung.de














Eine Ramelsloher-White RockKreuzung auf einem Praxisbetrieb. Foto: Naturland
essierte Brütereien und Aufzucht- sowie Elterntier-Betriebe. Darüber hinaus gibt es die Möglichkeit, als Praxisbetrieb aktiv im Projekt mitzuwirken und sich an der Datenerfassung (z. B. Gewichte, Futtermengen, Arbeitszeit) zu beteiligen. Dafür gibt es eine pauschale Entlohnung und die Betriebe werden über das Projekt eng betreut.

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SCHWERPUNKT FLACHE BODENBEARBEITUNG







Flach
statt tief
Flache Bodenbearbeitung hat in den vergangenen Jahren an Bedeutung gewonnen. Wir zeigen in den folgenden Beiträgen, wann es sinnvoll ist, den Boden flach zu bearbeiten und welche Geräte sich dazu eignen.
Ob Kleegrasumbruch oder Zwischenfruchteinarbeitung, ob Stoppelbearbeitung oder Saatbettbereitung, überall wird eine flache Bodenbearbeitung benötigt - mit unterschiedlichen Zielsetzungen und Einsatzzeitpunkten, aber doch mit den gleichen technischen Voraussetzungen, damit die flache Bodenbearbeitung gelingt.
Viele Betriebe tüfteln fortlaufend an der Optimierung ihres Bodenbearbeitungssystems. Sie versuchen an den richtigen
Stellschrauben zu drehen, um Wasser zu sparen, Überfahrten zu reduzieren und ihr Ackerbausystem nachhaltiger und effizienter zu gestalten. Dabei spielt die flache Bodenbearbeitung eine zentrale Rolle.

promissbereitschaft erfordert. Beispielhaft sollen hier vier Anwendungen mit ihren jeweiligen Herausforderungen vorgestellt werden.
Stoppelbearbeitung


Jeder Betrieb hat spezielle Einsatzzwecke, zu denen er einen flachen Bodenbearbeitungsgang einplant; er hat dafür entweder verschiedene Maschinen oder auch nur eine Maschine, die alle Einsatzzwecke abdecken soll, was eine gewisse Kom-

Die Stoppelbearbeitung stellt eine ganz „klassische“ Situation für einen flachen Bodenbearbeitungsgang dar. Nach dem Mähdrusch verdunstet Restwasser durch den „Kamineffekt“ der Getreidestoppel und auch über die Bodenporen. Hier
AUTOR
Stefan Veeh

Beratung für Naturland s.veeh@ naturland-beratung.de
flache Bodenbearbeitung sehr sinnvoll, denn nicht nur die Kapillarität des Bodens wird gebrochen und Verdunstung verringert, es werden auch weitere ackerbauliche Vorteile geschaffen. Erntereste sollten in diesem Fall tatsächlich nur flach eingearbeitet werden. Damit werden Unkrautsamen nicht vergraben und – je nach Art – in Keimruhe versetzt, sondern auch das Ausfallgetreide wird zum Auflaufen bewegt. Das Vermischen von Stoppel und Ernteresten mit Erde setzt die biologische Aktivi-


„Die entscheidende Herausforderung ist, flächig zu schneiden –und zwar so flach wie möglich.“
tät und damit die „Verdauung“ der Spreu in Gang und scha t gleichzeitig eine schützende Mulchauflage.
Die entscheidende Herausforderung ist, flächig zu schneiden – und zwar so flach wie möglich. Das scha t bei weitem nicht jede Maschine. Wer zu tief arbeiten muss, um einen Einzug des Gerätes oder einen flächigen Schnitt zu erreichen, riskiert einen Boden, der sehr grob bricht. Zum einen werden dann Kluten hinterlassen, die sich nur schwer
zerkleinern und rückverfestigen lassen, zum anderen verdunstet damit wertvolles Restwasser. Und gerade für den Öko-Landbau ganz entscheidend: Je tiefer der Schnitt, desto länger sind die dabei abgeschnittenen Wurzelköpfe ausdauernder Unkräuter, wie zum Beispiel Ampfer. Das fördert den Wiederaustrieb.
Klee- und Luzernegrasumbruch
Hier herrschen ähnliche Einsatzbedingungen wie bei der Stop-



Links: Das Vermischen von Stoppel und Ernteresten mit Erde setzt die biologische Aktivität in Gang. Rechts: Bei der Saatbettbereitung sollte die Arbeitstiefe der Ablagetiefe der anschließenden Saat entsprechen.
pelbearbeitung, aber vor allem bei Luzerne sind diese noch herausfordernder, was flächigen Schnitt und Arbeitstiefe betri t. Viele Betriebe scheuen sich, trotz trockener Standorte Luzerne in ihre Feldfuttermischung aufzunehmen, weil sie den Luzernedurchwuchs fürchten. Mit einem flachen Bearbeitungsdurchgang beim Umbruch lässt sich dieses Risiko aber deutlich minimieren. Wird Luzerne nur mit dem Pflug „umgedreht“, so wächst sie relativ sicher im nächsten Jahr wieder hoch. Deswegen ist ein flacher Durchgang in vier bis fünf Zentimetern Arbeitstiefe notwendig, um Spross und Wurzel zu trennen und damit den Wiederaustrieb zu verhindern.
Das bedeutet aber auch, dass hier ein Gerät benötigt wird, das sicher ganzflächig in dieser flachen Arbeitstiefe schneidet. Gerade auf leichten Böden hat sich gezeigt, dass der Scherwiderstand beim ersten Durchgang noch ausreichend ist, um Luzerne zuverlässig zu schneiden. Deswegen muss der erste Durchgang hier auch „sitzen“.
Zwischenfrüchte einarbeiten
Die Etablierung von Zwischenfrüchten ist oft eine Herausforderung. Genauso herausfordernd ist auch die Einarbeitung, vor allem dann, wenn teilabfrostende oder komplett winterharte


Je tiefer der Schnitt, desto länger sind die dabei abgeschnittenen Ampfer-Wurzelköpfe. Das fördert den Wiederaustrieb.


Zwischenfrüchte entwickeln im Herbst viel Grünmasse. Im Frühjahr darf diese bei der Bearbeitung nicht nach unten gedreht werden, sonst kommt es zu Fäulnisprozessen.
Zwischenfrüchte angebaut und eingearbeitet werden sollen.
Hier gibt es andere Anforderungen als bei den vorherigen Einsatzfällen, denn hier muss der Grünaufwuchs der Zwischenfrucht grob zerkleinert und mit Erde vermischt werden, um den Rotteprozess zu starten. Dabei geht es vor allem darum, einen entsprechenden Durchgang zu haben, um Verstopfungen zu vermeiden und die Zwischenfrucht gut einzumischen. Hierbei soll die Grünmasse nicht nach unten gedreht werden, denn sonst kommt es zu Fäulnisprozessen, die den Bodensauersto aufbrauchen. Die Folge sieht man meist erst im Pflanzenbestand im Folgejahr, wenn es zur Gelbfärbung kommt.
Saatbettbereitung
Nicht zuletzt ist die Saatbettbereitung der Klassiker für eine flache Bodenbearbeitung. Im Frühjahr soll der Boden zum Abtrocknen und Erwärmen ge-
„Die Saatbettbereitung ist der Klassiker für eine flache Bodenbearbeitung.“
bracht und Feinerde erzeugt werden. Die Arbeitstiefe ist dabei variabel und sollte der Ablagetiefe der anschließenden Saat
entsprechen oder sogar noch flacher sein. Für die notwendige Feinerde hat sich hier ein „vibrierender“ Zinken bewährt, außerdem ist dabei auch die Rückverfestigung entscheidend.
Vorsicht bei Kompromissen
Die genannten Beispiele zeigen, wie vielfältig die Anforderungen an eine flache Bodenbearbeitung sein können. Hier gilt es, die Maschinen auf die vorherrschenden Bedingungen und Arbeitsziele abzustimmen. Nicht jede Maschine kann diese dann vollends erfüllen, gegebenenfalls sind Kompromisse notwendig. Ein Mittelweg, bei dem einzelne Anforderungen nicht oder nur teilweise erfüllt werden, kann



Für die notwendige Feinerde hat sich bei der Saatbettbereitung hier ein „vibrierender“ Zinken bewährt.
sich negativ auf das Arbeitsergebnis auswirken. Oft werden diese Mängel erst im Verlauf der Vegetation sichtbar, wenn ein Eingreifen nicht mehr möglich ist. Jede Bodenbearbeitung hat Einfluss auf Bodenstruktur, Bodenleben, Bodenphysik (Verdichtung, Schmierschichten, etc.) und damit die Bodenfruchtbarkeit insgesamt. Deshalb gilt es, Maschinenwahl und -einstellung, Terminierung und Kontrolle des Arbeitsergebnisses sorgfältig vorzunehmen, um optimale Ausgangsbedingungen für die folgende Kultur zu scha en.

DAS UNKRAUT IM GRIFF. MECHANISCH.
Präzisions-Zinkenstriegel









Präzisions-Hackgerät

AUTOR Simon Pfeifer
Beratung für Naturland s.pfeifer@ naturland-beratung.de

AUTOR Klaus Girg
Beratung für Naturland k.girg@ naturland-beratung.de





DER Grubber
Wenn es um flache Bodenbearbeitung geht, ist der Grubber in den meisten Betrieben die Maschine der Wahl. Doch Grubber ist nicht gleich Grubber. Es gibt eklatante Unterschiede.
Pfluglose Bodenbearbeitung liegt voll im Trend. Der Grubber ist dabei eines der meistverwendeten Geräte. Doch Grubber ist nicht gleich Grubber. Am Markt ist eine große Bandbreite mit unterschiedlichen Scharformen und Nachläufern verfügbar. Zudem sind Balkenanzahl und Zinkenabstand wichtige Kenngrößen. Die hieraus resultierenden Faktoren wie Zinkendurchgang und Strichabstand wirken sich erheblich auf das Arbeitsergebnis aus. Die gängigste Variante zur flachen Bodenbearbeitung ist der Flügelschargrubber. Er hat das größte Einsatzspektrum. Der Spezialist für flache Bodenbearbeitung ist aber der Federzinkengrubber.
Vielseitig mit Flügelschar
Der Flügelschargrubber ist den Schwergrubbern zuzuordnen. Typische Einsatzbereiche sind das flächige Unterschneiden des Bodens zur Regulierung von Wurzelunkräutern (siehe Abb. 1) sowie die tiefe Lockerung des Erdreichs, beispielsweise vor der Saat oder zum Lockern von Bodenverdichtungen im Sinne der Grundbodenbearbeitung.
Um die Maschinen flexibel und vielseitig nutzen zu können, bieten Landmaschinenhersteller mittlerweile Wechselscharsysteme an. Damit kann die Grundmaschine für verschiedene Arbeiten verwendet werden, zum Beispiel auch für eine tiefere
Lockerung mit Schmalscharen oder eine Durchmischung mit Doppelherzscharen. Im Regelfall erfolgt der Scharwechsel mit nur marginalem Werkzeugeinsatz und geringem Zeitaufwand.
Für die flache Bodenbearbeitung von unter zehn Zentimetern ist das System Flügelschar weniger geeignet, da eine bestimmte Arbeitstiefe zum vollständigen Durchschneiden/Aufbrechen des Bodens erreicht werden muss. Oft wird der Flügelschargrubber zur Stoppelbearbeitung verwendet, jedoch führt die nötige Arbeitstiefe unweigerlich zu einer vergleichsweise tiefen Einarbeitung der Ernterückstände. Das Arbeitsziel Ausfallgetreide und Unkrautsamen zügig zum Auflaufen zu bringen, wird dadurch nur bedingt erreicht.
Für den Flügelschargrubber spricht, dass mit einem Grundgerät mehrere Ziele der Bodenbearbeitung erreicht werden können. Neben dem flächigen Unterschneiden kann der Boden (zum Beispiel mit Schmalscharen) auch tiefer bearbeitet werden. Diese Vielseitigkeit spart Kosten. Nicht nur die stark gestiegenen Anscha ungskosten für Bodenbearbeitungsgeräte, sondern auch Treibsto - und Reparaturaufwendungen sorgen für eine erhebliche Verteuerung der Bodenbearbeitung. Der Flügelschargrubber liegt im direkten Kostenvergleich (Gesamtkosten inklusive Dieselverbrauch) je Hektar weit unter den Aufwendungen für Tiefgrubber und Pflug.
1 Flügelschare sind vielseitig einsetzbar, eine ultraflache Bearbeitung ist aber mit ihnen nicht möglich.
2 Das Einsatzspektrum der mit Gänsefußschare ausgestastteten Federzinkengubber ist die ultraflache Bodenbearbeitung.
Spezialist Federzinkengrubber
Federzinkengrubber, auch Federzinkeneggen genannt, gehören zu den Leichtgrubbern. Im Gegensatz zu den Standard- oder Schwergrubbern liegt

dessen Einsatzspektrum in der flachen Bodenbearbeitung. Nutzbar ist ein Federzinkengrubber für den Öko-Betrieb z. B. im Frühjahr zur Saatbettbereitung oder auch zum Anlegen eines falschen Saatbetts. Auch nach der Getreideernte zur Stoppelbearbeitung oder später zum „schwarz halten“ kann er Anwendung finden. Zu den Vorteilen zählt die Leichtzügigkeit. Bereits mit Schleppern der 150 PS-Klasse können im Dreipunkt je nach Standort fünf bis sechs Meter Arbeitsbreite gefahren werden. Daraus resultieren hohe Schlagkraft und geringe Hektarkosten.
Flacher Schnitt mit Gänsefußschare


Federzinkengrubber werden in vielen Fällen mit Gänsefußscharen ausgestattet. Ziel dabei ist, mit einer Überfahrt einen ganzflächigen, flachen Schnitt zu erzeugen. Zum Erhalt hoher Arbeitsqualität empfiehlt es sich besonders für größere ÖkoBetriebe, hartmetallbeschichtete Gänsefußschare zu wählen. Optional sind bei den meisten Herstellern leichtzügigere Schmalschare erhältlich. Hierbei kann allerdings in vielen Fällen ein ganzflächiger Schnitt nicht mehr gewährleistet werden. Die Schare sind an Federzinken angebracht. Je nach Härte und Trockenheitszustand des Bodens gibt der Federzinken nach. Das Arbeitsbild ähnelt dann eher einem Kratzen als dem gewünschten ganzflächige Schneiden. Es kann dabei nach längeren Trockenphasen zu Materialermüdung oder Zinkenbrüchen kommen. Auf Standorten mit Steinbesatz ist die Ausweichmöglichkeit des Zinkens von Vorteil. Die Tiefenführung erfolgt bei einigen Geräten über höhenverstellbare Stützräder, die für eine exakte Einhaltung der Arbeitstiefe sorgen.
Walze oder Striegel?
Es gilt zu beachten, dass ein Einsatz direkt nach dem Drusch meist nur auf leichteren Standorten zufriedenstellend umsetzbar ist. Für mittlere und vor allem schwerere Standorte ist aufgrund des höheren Eindringwiderstands des Bodens eine vorgeschaltete Bodenbearbeitung per Scheibenegge
1 Der Scharwechsel erfordert meist nur minimalen Werkzeugaufwand. Einige Hersteller bieten sogar Schnellwechselsysteme an.
2 Der Federzinkengrubber mit Gänsefußschare soll mit einer Überfahrt einen ganzflächigen, flachen Schnitt erzeugen.
3 Mit dem Federzinkengrubber erfolgt zum Beispiel im Frühjahr die Saatbettbereitung.

Fotos: Hersteller

Viele Öko-Betriebe verzichten bewusst auf eine Walze und entscheiden sich für einen Striegel, der Unkräuter freilegt und nicht andrückt.

Werden größere Arbeitsbreiten von sechs Meter oder mehr angestrebt, sind hauptsächlich aufgesattelte Maschinen am Markt zu finden.
oder ein flacher Standardgrubber-Strich sinnvoll. Je nach Rahmenhöhe und Strichabstand neigen Federzinkengrubber bei größeren Mengen an organischer Masse von Ernteresten oder Zwischenfrüchten zur Verstopfung. Erfolgt eine Strohabfuhr, ist die Verstopfungsgefahr geringer.
Etabliert haben sich mehrbalkige Modelle mit bis zu acht Balken. Vorteil dabei ist der größere Durchgang und damit die geringere Verstopfungsanfälligkeit. Dem gegenüber steht die ausladende Baulänge, die beim Dreipunktgerät dem eingesetzten Schlepper durch die Schwerpunktverlagerung eine ausreichende Hubkraft abverlangt. Werden größere Arbeitsbreiten von sechs Meter oder mehr angestrebt, sind hauptsächlich aufgesattelte Ma-
schinen am Markt zu finden. Als Nachläufer sind z. B. verschiedene Walzen zur Rückverfestigung erhältlich. Viele Öko-Betriebe verzichten bewusst auf eine Walze und entscheiden sich für einen Striegel oder Doppelstriegel als Nachwerkzeug. In diesem Fall übernehmen Stützräder bzw. der Oberlenker die exakte Tiefenführung. Damit ist besonders bei sonnigen oder leicht windigen Bedingungen durch die lockere, enterdende Ablage ein hoher Beseitigungsgrad von beispielsweise Ausfallgetreide oder Altverunkrautung möglich.
Der Grubber zeichnet sich im Öko-Betrieb durch seine Flexibilität aus und ist deswegen die zentrale Stellschraube bei der Umsetzung reduzierter Bodenbearbeitung.
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Die Bodenfräse
Die Bodenfräse ist ein leichtes Bodenbearbeitungsgerät, dessen Einsatz nicht unumstritten ist.
Die Bodenfräse hat das Potenzial, große Mengen organischen Materials gut zu zerkleinern und flach in den Boden einzuarbeiten. Ideal ist ihr Einsatz beispielsweise für das Umbrechen von winterharten Zwischenfrüchten oder Kleegrasbeständen. Die Fräs-Messer sollen dabei den Wurzelhals durchtrennen, sodass die Pflanzen absterben. Auch Wurzelunkräuter wie Ampfer
bzw. zum Durchwuchs neigender Kulturpflanzen wie Luzerne können damit gebremst werden.
Die Tiefeneinstellung erfolgt meist über Stützräder. Manche Modelle haben eine Stützwalze. Auch eine Kombination von Front- und Heckstützrädern ist möglich, was das Einhalten einer gleichmäßigen Arbeitstiefe erleichtert, den Erdfluss allerdings
stört. Bodenfräsen sind mit einer Rotorwelle samt zahlreichen Bogen- bzw. Winkelmessern ausgestattet. Wichtig ist, dass die Messer so steil wie möglich auf den Boden auftre en. Nur dann wird der Boden sauber aufgebrochen und nicht verschmiert. Die richtige Einstellung ist erkennbar, wenn die Messerschneide blank und der Messerrücken nicht abgewetzt ist.
Kritisch ist ein Einsatz der Fräse bei zu feuchten Bodenbedingungen — dies hätte eine Schmierschicht zur Folge. Aber auch eine zu hohe Drehzahl in Verbindung mit zu langsamer Fahrgeschwindigkeit kann Fräshorizonte verursachen.
Die Auswurfklappe kann in der Regel hydraulisch verstellt werden. Je nach Stellung kann das leichtere organische Material eher eingearbeitet oder oberhalb abgelegt werden. Die starke Zerkleinerung des pflanzlichen Materials sowie die oberflächennahe und luftige

AUTOR
Nikolaus Fuchs
Beratung für Naturland n.fuchs@ naturland-beratung.at
„Die Bodenfräse ist nichts für Kalenderlandwirte.“
Ablage erlauben es den Bodenmikroben, das Material schnell umzusetzen. Der Rotteprozess wird rasch in Gang gesetzt und in Folge die organische Substanz mineralisiert. Besonders stark ist dieser E ekt, wenn Pflanzen ein-

AUTOR
Julius Heise
Beratung für Naturland j.heise@ naturland-beratung.de

Die Fräse bietet das Potential, oberflächlich liegendes Material sehr gut zu zerkleinern und intensiv in den Boden einzuarbeiten.
gearbeitet werden, die noch vor der Blüte stehen, da in diesem Zeitraum die meisten Wurzelexudate gebildet werden. Nach ein bis zwei Wochen kann die umgebrochene Vegetation –beispielsweise mit einem Leichtgrubber – tiefer eingearbeitet werden.
Auch der Zeitpunkt der Bodenbearbeitung muss gut gewählt sein. Damit die Flächenrotte optimal verläuft, ist nach der Bearbeitung gutes Wetter wichtig. Ist der Boden zu trocken, werden Pflanzenreste nur langsam umgesetzt. Ist es zu feucht, können insbesondere Gräser wieder anwachsen. Regnet es gar stark, kann das auch Fäulnisprozesse verursachen.
Ganzflächiger Schnitt
Insgesamt können Fräsen organisches Material zuverlässiger und intensiver als ein (Flach-) Grubber einmischen. Auch sind Fräsen weniger anfällig gegenüber Verstopfungen. Im Gegensatz zu Scheibeneggen und vielen Flachgrubbern wird mit Fräsen ein ganzflächiger Schnitt erreicht. Diesbezüglich weisen sie eine hohe Arbeitsqualität auf. Nachteil der Fräsen ist allerdings ein insgesamt hoher Leistungsbedarf von etwa 50 PS je Meter Arbeitsbreite. Daraus resultieren geringe Arbeitsgeschwindigkeit und Flächenleistung. Auch der hohe Verschleiß soll nicht unerwähnt bleiben.
Grundsätzlich sollte die Bodenfräse also nur für bestimmte Maßnahmen eingesetzt werden. Während sie für eine Stoppelbearbeitung deutlich zu zeitaufwändig und teuer ist, können Kleegrasumbruch oder Saatbettbereitung (Dammaufbau) vor Sonderkulturen mittels Fräse durchaus sinnvoll sein.

Eine Option für viehschwache Regionen
Cut & Carry


AUTORIN
Anne Diederichs
Beratung für Naturland a.diederichs@ naturland-beratung.de
Was macht ein Ackerbaubetrieb mit seinem Luzerne- oder Kleegrasaufwuchs, wenn die Tierhaltung als potenzieller Abnehmer in der Region fehlt? Eine mögliche Antwort ist: Cut & Carry.
Kleegras ist der Motor der Fruchtfolgen im ökologischen Landbau. Seine Verwertung stellt jedoch für viehlose Betriebe, vor allem in viehschwachen Regionen, oft eine große Herausforderung dar. Wenn keine Kooperation mit viehhaltenden Betrieben oder Biogasanlagen möglich ist, wird der Aufwuchs häufig gemulcht.
Dies hat aber den Nachteil, dass die Leguminosen in der Folge weniger Sticksto (N) fixieren. Zudem verändern sich die Bestände hin zu höheren Grasanteilen. Der Fruchtfolgewert des Kleegrases wird also tendenziell gemindert.
Eine mögliche Lösung der beschriebenen Problematik ist der Transfermulch, auch Cut & Carry genannt. Es handelt sich dabei um ein Verfahren, bei dem das Erntegut, z.B. Kleegras, von einer Geberfläche auf eine Nehmer-

Kleegrasaufwüchse werden gemäht und als Häcksel- bzw. Schnittgut mit dem Miststreuer oder Ladewagen auf die Nehmerfläche ausgebracht.
„Transfermulch kann in viehschwachen Regionen eine sinnvolle Option sein.“
fläche transferiert wird. Dort wirkt es – je nach Zielstellung –als Dünger oder als schützende Mulchschicht.
Durch Nutzung als Cut & Carry erfüllt das Kleegras auf der Geberfläche viele seiner wichtigen Aufgaben in der Fruchtfolge. Neben Unkrautunterdrückung, Bodenruhe und vielen weiteren positiven Eigenschaften bleibt die N-Fixierleistung durch den Abtransport auf hohem Niveau. Auf der Nehmerfläche hat das Mulchmaterial gleich verschiedene positive Wirkungen und Vorteile:
Mulch als Dünger
Pro Schnitt enthält Kleegras etwa 80 bis 100 kg N je Hektar.
Die Nährsto gehalte sind stark abhängig von Schnittzeitpunkt, Schnitthöhe, abgefahrener Menge und Alter des Bestands. So kann der erste Schnitt bis zu 200 kg N pro Hektar enthalten. Grundsätzlich gilt: je früher gemäht wird, desto sticksto haltiger ist das Transfergut, aber desto weniger Masse kann transferiert werden.
Das C-N-Verhältnis schwankt zwischen 7:1 bis 20:1, ebenfalls je nach Alter und Zusammensetzung von Leguminosen und Gräsern des Bestands. Junge Bestände haben ein engeres C-N-Verhältnis. Je enger das CN-Verhältnis und je kleiner das Häckselgut, desto besser wird das organische Material mineralisiert und stellt so Nährsto e
schneller zur Verfügung. Wenn also die Düngewirkung des Transfermulchs im Vordergrund stehen soll, sind dies die entscheidenden Stellschrauben.
Gegen Unkraut und Schädlinge
Durch die Mulchschicht wird Striegeln oder Hacken erschwert und zeitweise unmöglich. Samenbürtige Unkräuter können jedoch durch den Mulch gehemmt werden. In gemüsebaulichen Versuchen wurden bei einer zehn Zentimeter dicken Schicht bis zu 98 % der Samenunkräuter unterdrückt. Hierfür ist allerdings sehr viel Mulchmaterial nötig. Für einen Hektar Nehmerfläche werden dann bis zu sieben Hektar Geberfläche benötigt

Im Karto elbau kann Transfermulch den Schädlingsdruck von Karto elkäfern und Blattläusen reduzieren.
(ACHTUNG: Nährsto eintrag und Gesetzgebung beachten!). Wurzelunkräuter werden durch die Mulchschicht jedoch nicht unterdrückt, zum Teil werden sie durch das Verfahren sogar gefördert. Sehr wichtig und unbedingt zu beachten ist, dass der Kleegrasbestand zur Mahd noch nicht samenreif ist, um nicht ungewollt Samen auf der Nehmerfläche mit auszubringen.
Im Karto elbau haben Versuche gezeigt, dass Transfermulch den Schädlingsdruck von Karto elkäfern und Blattläusen reduzieren kann und die Anfälligkeit gegenüber Krankheiten vermindert wird.
Mulch schützt den Boden
Transfermulch kann bei der Anpassung an den Klimawandel helfen. Das zusätzlich ausgebrachte organische Material fördert den Humusaufbau und
verbessert damit u.a. das Bodengefüge, die Wasserhaltekapazität sowie das Bodenleben. Außerdem schützt die Mulchschicht den Boden vor Erosion, isoliert gegen extreme Hitze und verringert die Transpiration. Konkret wurde in Versuchen bei 29°C Lufttemperatur auf der Bodenoberfläche ohne Mulchdecke eine Temperatur von 70°C gemessen. Unter Mulch waren es 50°C – ein wichtiger Aspekt, um das Bodenleben dauerhaft in den oberen Bodenschichten aktiv zu halten. Gleichzeitig konnten in den oberen Bodenschichten (0-30 cm) bis zu 50 Liter Wasser im Boden gehalten und gegen Verdunstung geschützt werden.
Praxistauglichkeit
Im Ackerbau ist die Anwendung derzeit wenig verbreitet und es gibt wenige Erfahrungswerte. Im Gemüsebau ist Mulch
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SO IST DER ABLAUF
inzwischen recht gut erprobt und der Aufwand wird durch höhere Erträge und Erlöse meist ausgeglichen.
Der Erfolg des Verfahrens ist von sehr vielen Faktoren abhängig: Angefangen beim Erntezeitpunkt des Kleegrases und der gleichzeitigen Nutzbarkeit des Mulchs in anderen Ackerkulturen, über die Entfernung zwischen Geber- und Nehmerfläche, bis hin zur eingesetzten Technik und dem sich verändernden Beikrautmanagement.
Im Vergleich zum Mulchen von Kleegras sind Aufwand und Kos-
ten für Cut & Carry deutlich höher. Dafür kann Transfermulch den Ertrag der Nehmerfläche erhöhen und gleichzeitig Nutzen und Wert des Kleegrases auf der Geberfläche verbessern. Positive E ekte auf Boden und Wasserspeicherkapazität sind weitere wichtige Faktoren, deren Werte nicht zu unterschätzen sind.
Betrachtet man die Summe dieser E ekte und Eigenschaften, kann Transfermulch in viehschwachen Regionen eine sinnvolle Option sein. Bei extremer Hitze und Trockenheit kommen diese E ekte noch stärker zu tragen.
Kleegrasaufwüchse werden gemäht und als Häcksel- bzw. Schnittgut mit Miststreuer oder Ladewagen auf die Nehmerfläche ausgebracht. Als Orientierung für die Flächenrelationen gilt: Das Material von 1-3 ha Geberfläche kann auf 1 ha Nehmerfläche ausgebracht werden.
Der erste Schnitt kann z.B. zu Mais oder Karto eln kurz vor deren Auflaufen gestreut, der zweite oder frühe dritte Schnitt kann auf Stoppelflächen vor Wintergetreide ausgebracht werden.
Länderspezifische Gesetzgebungen müssen beachtet werden. Transfermulch gilt in einigen Bundesländern (z.B. Bayern) als Dünger mit wesentlichem Nährsto gehalt. Lesen Sie dazu den Beratertipp auf der nächsten Seite.
Fotos: Christoph Förster, Anne Diederichs

Transfermulch und Düngeverordnung
Viele Betriebe spielen mit dem Gedanken, „Cut-and-Carry“ und andere Transfermulchsysteme auszuprobieren. Ein wichtiger Punkt muss bei der Umsetzung beachtet werden.
Der gehäckselte Aufwuchs, der auf die Nehmerflächen ausgebracht werden soll, hat einen wesentlichen Sticksto gehalt (mehr als 1,5 % N), die entsprechenden Vorgaben der Düngeverordnung müssen deshalb auf jeden Fall berücksichtigt werden. Je nach Land und Bundes-
land kann sich die Auslegung hinsichtlich der Behandlung des Mulches jedoch unterscheiden.
So ist z.B. in Bayern der Mulch kein Wirtschaftsdünger, wie Festmist oder Kompost – obwohl erste Versuche zeigen, dass er eigentlich nicht anders zu bewerten wäre; er fällt somit unter die strengste Kategorie, analog zur Gülle. Dies bedeutet, dass eine Ausbringung im Herbst, wie bei Gülle, nur zu Wintergerste, Winterraps oder zur Zwischenfrucht möglich ist. Außerdem greift bei der Anwendung im Herbst die 60/30-Regel, die oft schon bei geringen Ausbringmengen erreicht wird.

BERATERTIPP
Stefan Veeh Beratung für Naturland s.veeh@ naturland-beratung.de
Genauso müssen Einarbeitungsfristen, Vorgaben zu gelben und roten Gebieten und alle anderen fachrechtlichen Auflagen eingehalten werden. Dazu kommen auch die Vorgaben hinsichtlich der Feldrandlagerung des Mulchmaterials, die sich regional unterscheiden. Dies ist besonders auch dann zu beachten, wenn das Mulchmaterial mit anderen organischen Materialien vermischt oder kompostiert werden soll.
In jedem Fall ist es wichtig, vor dem Ausprobieren die jeweiligen Vorgaben mit der Beratung abzuklären und einzuplanen, so dass es nicht zu bösen Überraschungen kommt.
Foto: Christoph Förster



SCHLECHT VERSORGT IST HALB VERLOREN
Wasser beeinflusst die Karto elqualität

AUTOR
Hannes Schulz
Beratung für Naturland h.schulz@ naturland-beratung.de

ZWEITE GENERATION

Es gibt eine weitere Auswirkung von Wassermangel zum Zeitpunkt des ersten Knollenansatzes Ende Mai/Anfang Juni. Die Karto elpflanze stellt sich nun darauf ein, dass ihr zu wenig Wasser zur Verfügung steht und bildet einen reduzierten Knollenansatz. Erst wenn sich die Wasserversorgunglage verbessert, bildet sie eine zweite Karto elgeneration aus. Die Folgen sind ungleichmäßige Größen, vermehrt Über- oder Untergrößen und wahrscheinlich größere Abzüge beim Verpacken.
KLEINER ANSATZ
Erleidet die Karto el im Zeitraum von Ende Mai bis Anfang Juni während des Knollenansatzes einen Wassermangel, zum Beispiel aufgrund einer Trockenheit, legt sie entsprechend weniger Knollen an – und zwar nur so viele, wie sie auch versorgen kann. Wenn sich dann die Wasserversorgung in der Folge nicht verbessert, können nur wenige Knollen einen kleinen Ertrag erzeugen.



FOLGEN EINES WASSERMANGELS
In unserer Serie zur Bewässerung haben wir verschiedene Aspekte der Karto elversorgung mit Wasser beschrieben. Nun gehen wir auf die Auswirkungen einer ungenügenden Wasserversorgung ein. Durch die richtige Sortenwahl können Sie häufig Probleme abmildern. Doch es gibt vor der Karto elernte noch weitere Fallgruben. Hier nun ein Überblick über die häufigsten Probleme, die bei einer unzureichenden Wasserversorgung entstehen können.

STARKER SCHORFBEFALL
Besonders die jungen (vier Wochen nach dem Knollenansatz) und sehr kleinen Knollen sind anfällig für Krankheiten. Ein schlecht mit Wasser versorgter Boden ist zwar nicht der einzige Grund für einen starken Befall, begünstigt jedoch die Infektion mit dem Bakterium Streptomyces scabies , dem Erreger des gewöhnlichen Karto elschorfs. Stärker mit den pustelartigen Schadstellen geschädigte Partien können als Pflanz- und Konsumkarto eln nur schwer vermarktet werden.

SCHWARZFLECKIGKEIT…
entsteht häufig erst im Lager. Durch Druck oder Schlag färben sich beschädigte Bereiche gräulich bis schwarz. Die Ursache für die Schwarzfleckigkeit sind häufig trockene Perioden während des Wachstums, infolge der Stärke- und Trockensubstanzgehalt ansteigt. Mit dramatischen Folgen: Die Karto eln können hierbei ihre typische Kocheigenschaften verlieren. Und: Partien mit erhöhtem Schwarzfleckigkeitsbefall können von außen nicht erkannt werden und sind daher oft nicht mehr zu vermarkten.

Sorten für Ihren Öko-Betrieb



KEIMAUSTRIEB UND KETTENBILDUNG
Tri t während der Ertragsbildung (Juli/August) Hitze auf Trockenheit, treiben die Tochterknollen bereits im Damm aus. Schlimmstenfalls bilden sich dann Ketten von Knöllchen, die nur selten abreifen. Die eigentliche Ernteknolle kann hierbei Nährsto e an die nächste Generation abgeben, was ihre Qualität mindert. Die weiteren Generationen reifen nur unvollständig ab. Bleiben sie klein, fallen sie durch die Siebkette. Erreichen sie Rodemaß, ist ihre Haltbarkeit und Lagerung kompliziert.

HOHLE KNOLLEN

Sie entstehen durch einen späten, großen Wasserschub bei der Karto elpflanze. Hierdurch reißen die Zellen in der Karto el. Es bilden sich sternförmige Löcher bzw. es entsteht ein Hohlraum im Kern der Karto el, der sich braun einfärben kann. Diese Hohlherzigkeit ist von außen nicht zu erkennen. Häufig sind nur die Übergrößen betro en, die stärker dazu neigen, hohl zu werden.
Fotos: Hannes Schulz, Wilfried Dreyer (1) und agrarfoto.com (1)

UNGLEICHE ABREIFE
Tritt Wassermangel zur Abreife von Beständen (August) auf, können sich zusätzlich Schimmelpilze wie Alternaria oder bodenbürtige Pilze (Fusarium) ausbreiten. Geschwächte Pflanzen werden zuerst und stärker befallen. Ungleichmäßige Böden oder starke Reliefausprägungen verstärken dieses Phänomen. Da folglich die Karto elschalen nur verzögert reifen, kann sich auch die Ernte verzögern. Vorkommende Drahtwürmer nehmen das zusätzliche Nahrungsfenster gerne an.

TROCKENE RODEBEDINGUNGEN
Sie erschweren nicht nur die Arbeit auf dem Roder, auch die Karto eln leiden. Es sind zwei Hauptprobleme, die auftreten. Einerseits kann der Boden so siebfähig sein, dass er bereits zügig von der ersten Siebkette fällt. Andererseits können Kluten und Steine zum ernstzunehmenden Sparringspartner auf dem Weg durch den Roder werden. Folglich können die Karto eln hier leicht beschädigt werden. Der Roder muss deutlich langsamer fahren als üblich.

WIR HEFLFEN IHNEN WEITER
Als Naturland-Betrieb können Sie auf die Karto el-Fokusberatung zurückgreifen: Zur Seite stehen Ihnen hierfür Hannes Schulz (Tel: 0151/ 65 90 51 91, h.schulz@naturlandberatung.de) und für Bayern und BadenWürtemberg Simon Pfeifer (Tel: 0170/ 48 12 232, s.pfeifer@naturland-beratung.de).
Zu unseren Leistungen gehört auch ein regelmässiges Beratungsrundschreiben. Wenn Sie dieses erhalten möchten, wenden Sie sich bitte per Mail an Ihren oben genannten Ansprechpartner.

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Annemarie Ohlwärter
Beratung für Naturland a.ohlwaerter@ naturland-beratung.de
AUTORIN
Lohnt sich
Pflanzenkohle ?
Pflanzenkohle wird seit einigen Jahren verstärkt in der Landwirtschaft angeboten, auch das Interesse der Landwirte nimmt zu. Umso aktueller sind deshalb die Fragen: wie wird Pflanzenkohle überhaupt hergestellt, wo und wie kann man sie einsetzen und vor allem, welchen Nutzen hat die Anwendung auf meinem Betrieb?
Pflanzenkohle wird häufig mit Terra Preta in Verbindung gebracht. Als Terra Preta bezeichnet man die besonders fruchtbaren Böden in ehemaligen Siedlungsgebieten im Amazonasbecken. Diese entstanden durch die jahrhundertelange Flächenkompostierung der Hausabfälle gemeinsam mit Verkohlungsrückständen und Exkrementen. Dort stellen diese Böden einen Kontrast zu den stark verwitterten und humusarmen tropischen Böden dar. Seit ihrer Entdeckung hat sich die Wissenschaft dem Thema intensiv gewidmet.
So wird Pflanzenkohle hergestellt
Die Herstellung von Pflanzenkohle funktioniert durch die Pyrolyse von Biomasse. Unter Abschluss von Sauersto wird diese – je nach Verfahren – auf Temperaturen zwischen 350 °C und 750 °C erhitzt. Dabei entsteht neben Pflanzenkohle und Wärme ein brennbares Gas (Pyrolysegas). Als Ausgangssto e werden meist holzige Substrate aus unterschiedlichen Herkünften verwendet (Landschaftspflege, Energiepflanzen, Ernterückstände etc.). Je nach Prozesstemperatur unterscheiden sich Gehalt und Stabilität des in der Kohle gebundenen Kohlensto s. Nährsto e wie Kalium und Phosphor
bleiben bei der Pyrolyse erhalten, während vom Sticksto je nach Pyrolyseintensität 50 % oder mehr verloren gehen. Allerdings bleiben auch vorhandene Schwermetalle im Ausgangsmaterial in der daraus produzierten Pflanzenkohle erhalten. Außerdem können, wie bei allen Verbrennungsprozessen, organische Schadsto e wie polyzyklische aromatische Kohlenwassersto e (PAK) entstehen. Pflanzenkohle besitzt eine sehr große innere Oberfläche und eine hohe Porosität. Dadurch kann sie sehr viel Wasser und sowohl Nähr- als auch Schadsto e an sich binden und langsam wieder abgeben. Auch Mikroorganismen können die Oberfläche besiedeln.
Wirkungen im Boden
Pflanzenkohle wirkt nicht als Dünger, sondern unter bestimmten Voraussetzungen als Bodenverbesserer. Macht man sich die Adsorptionsfähigkeit der Pflanzenkohle in Kombination mit organischen Düngern zu Nutze, kann man so die Qualität der Wirtschaftsdünger verbessern sowie N-Verluste bei Ausbringung und Lagerung vermindern. In wissenschaftlichen Studien führte Pflanzenkohle zu einer erhöhten mikrobiellen Aktivität im Boden,



erhöhtem Wurzelwachstum und einer verbesserten Wasserspeicherkapazität. Die erhöhte mikrobielle Aktivität ist v. a. auf die Oberflächenstruktur der Pflanzenkohle zurückzuführen, die neue Nischen für das Bodenleben scha t. Auf den Ertrag kann sich Pflanzenkohle ebenfalls auswirken, im Durchschnitt vieler Studien mit einer Steigerung von rund 10 %. Allerdings ist hier zu berücksichtigen, dass starke Ertragssteigerungen vor allem auf verarmten, sauren Böden in tropischen Gebieten erreicht wurden. In gemäßigten Breiten konnten meist keine Ertragssteigerungen erzielt werden. Auch in Versuchen der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft, die von 2013 bis 2017 auf Standorten unterschiedlicher Bodengüte durchgeführt wurden, konnte keine der beschriebenen Wirkungen erzielt werden. Ein weiterer Aspekt: Die C-Anreicherung über Pflanzenkohle bindet BodenN und entzieht es dem pflanzlichen Wachstum. Das ist vor allem für den Öko-Landbau relevant, in dem Sticksto meist der entscheidende knappe Faktor ist.
Einsatzmöglichkeiten
Pflanzenkohle kann als Zusatz zu Tierfutter und Einstreu, zur Behandlung von Wirtschaftsdüngern und Komposten oder auch als Zusatzsto in der Biogasanlage verwendet werden. Beim Einsatz in der Tierhaltung ergibt sich eine Kaskadennutzung, da über die Zugabe ins Futter oder in das Einstreumaterial die Kohle letztendlich im Boden landet. In Deutschland ist Pflanzenkohle noch nicht in die Düngemittelverordnung aufgenommen, in der EU kann sie seit 2022 als EU-Düngeprodukt zugelassen werden. In der EU-Öko-Verordnung ist Pflanzenkohle seit Anfang 2020 bei Einhaltung verschiedener Bedingungen und Einschränkungen zugelassen; hierbei geht es insbesondere um maximale Gehalte an möglichen Kontaminanten. Als Ausgangssubstrate dürfen nur pflanzliche Sto e
1 Pflanzenkohle kann als Bodenverbesserer wirken, eine ertragssteigernde Wirkung ist eher unter nährsto armen, ungünstigen Bodenverhältnissen zu erwarten.
2 Pflanzenkohle besitzt eine sehr große innere Oberfläche und kann dadurch Wasser, Nähr- und Schadsto e an sich binden.
3 Pflanzenkohle kann u. a. als Zusatz zu Tierfutter und Einstreu verwendet werden. Hier ergibt sich eine Kaskadennutzung, da die Kohle letztendlich im Boden landet.
Fotos: Naturland / Sabine Bielmeier (2), Klimafarmer, Benedikt Zorn




Pflanzenkohle wird seit einigen Jahren verstärkt in der Landwirtschaft angeboten, auch das Interesse der Landwirte nimmt zu.
verwendet werden, die nach der Ernte nicht oder ausschließlich mit im Ökolandbau zugelassenen Sto en behandelt wurden. Naturland Betriebe dürfen Pflanzenkohle einsetzen, die diesen Vorgaben entspricht.
Potenzial für den Klimaschutz
Spannend ist die Minderung von Emissionen (Methan, Lachgas, Nitratauswaschung), die der Pflanzenkohle in mehreren Studien bestätigt wird. Gemeinsam mit der Bildung der sehr stabilen
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Kohlensto reaktionen, die bei der Pyrolyse entstehen, hat die Pflanzenkohle daher das Potenzial, Treibhausgasemissionen zu senken. Das Institut für ländliche Strukturforschung (ILFS) hat Anfang 2023 einen umfangreichen Report über die Chancen und Herausforderungen von Pflanzenkohle in der Landwirtschaft vorgelegt. In diesem wird auf die Notwendigkeit von „Negativemissionen“ hingewiesen – also die gezielte Entnahme und Speicherung von CO2 aus der Atmosphäre, da alleinige Einsparungen von CO2 nicht ausreichend sind, um den Klimawandel einzugrenzen. Die landwirtschaftliche Verwendung von Pflanzenkohle wird vom ILFS als Möglichkeit angesehen, solche Negativemissionen zu erzeugen, auch weil eine dezentrale, an die regionale Verfügbarkeit von Biomasse angepasste Produktion möglich ist. Im Bericht wird dazu aufgerufen, dass sich Politik und Ö entlichkeit verstärkt mit der Thematik auseinandersetzen und die Chancen der Pflanzenkohlenutzung wahrnehmen. Aktuell wird in mehreren Forschungsprojekten untersucht, wie sich die Anwendung von Pflanzenkohle unter Praxisbedingungen Ökolandbau auf Ertragsstabilität und Kohlensto speicherung auswirkt, unter anderem vom FiBL in der Schweiz. Ein weiteres Forschungsprojekt des Thünen-Instituts beschäftigt sich ebenfalls damit, wie groß das Klimaschutzpotenzial ist und wie im Falle einer positiven Einschätzung der praktische Einsatz in der Landwirtschaft funktionieren kann. Es bleibt abzuwarten, ob sich die Anwendung von Pflanzenkohle in den Forschungsprojekten als neue Strategie für Bodenfruchtbarkeit und Klimaschutz oder gar als Irrweg herausstellt.



AUTOR
Holger Buck
Beratung für Naturland h.buck@ naturland-beratung.de
Einsatz von
Huminsäure
in Bio-Speisekarotten 2023
Biostimulanzien werden vielfach beworben, auch wenn oft unklar ist, ob und wie das jeweilige Mittel auf die Pflanze wirkt – und ob es die Kosten rechtfertigt. Huminsäure ist solch eine Biostimulanz, deren Wirkung auf Ertrag und Qualität bei Bio-Frischmarkkarotten nun in einem Feldversuch getestet wurde.

Die mit Humiverse behandelten Karotten waren im Versuch ertragreicher. Die Ergebnisse müssen nun noch wissenschaftlich abgesichert werden.
Der konkrete Versuchsplan
Sorte: Novara F1 (115 Wachstumstage, Bejo)
Aussaat: 8.5.2023 / 1,6 Mio Korn/ha (160 Korn/m2)
Wiederholung: vierfach
Versuchsparzellen: 3x15 m (behandelte Fläche)
Ernteparzellen: 5 m2
Bestandesdichte: Auszählung Pflanzenbestand Ernteparzellen am 30.6. (BBCH 17)
Kontrolle: 120 Pflanzen/m2 (113-124)
Humiverse: 120 Pflanzen/m2 (114-123)
Spritztermin/BBCH: 14.6.2023, BBCH 14
Aufwandmengen: 300 l/ha Wasser, 4 Liter/ha Humiverse
Ernte/Bonitur: 31.7.2023 (84 Wachstumstage)
Wetter: bis Mitte Mai kühlfeuchte Witterung, Mitte Mai – 22. Juni warm und trocken (keine Niederschläge), ab 22. Juni regelmäßige Niederschläge
Huminsäuren sind ein Abbauprodukt organischer Substanz im Boden, die in Humusböden, Torf und Braunkohle vorkommen. Der Hersteller TERRA OPTIMA AG (Vertrieb über Fa. Beckmann und Brehm) vermarktet Huminsäure unter der Produktbezeichnung „Humiverse“, die aus nachwachsenden pflanzlichen Rohsto en gewonnen wird und in der FiBL-Betriebsmittelliste gelistet ist. Laut Hersteller bietet diese Biostimulanz bei Nutzung zahlreiche Vorteile für Boden und Pflanze. Hierzu gehören unter anderem bessere Bodenstruktur, Humusbildung, Verfügbarkeit von Makro- und Mikronährsto en, Kationenaustauschkapazität, Wasserhaltefähigkeit und vieles mehr. An
wissenschaftlich abgesicherten Daten fehlt es jedoch noch. Die Beratung für Naturland hat sich die Wirkung von Humiverse in einem
Feldversuch genauer angeschaut.
Die Versuchsbedingungen waren nahezu optimal. Die Karotten keimten konzentriert und standen über den gesamten Versuchszeitraum sehr homogen. Die Bestandesdichte von 120 Pflanzen pro Quadratmeter lag im anzustrebenden Bereich. Zum Zeitpunkt der Behandlung mit einer motorbetriebenen Rückenspritze (Mitte Juni 2023) verschlechterte sich jedoch die Situation: Aufgrund einer vier
Wochen dauernden Trockenphase wuchsen die Karotten nur schleppend, eine zunehmende Stresssituation war zu beobachten.
Die Ergebnisse im Einzelnen
Zum Aussaattermin herrschten gute äußere Bedingungen. Ende Juni 2023 wurde eine sehr homogene Bestandesdichte von durchschnittlich 120 Pflanzen/ m2 (vierfache Wiederholung) in beiden Varianten ausgezählt. Die Pflanzen beider Varianten entwickelten sich durch die gesamte Saison sehr gleichmäßig und ohne optische Unterschiede bei der Laubentwicklung.

Die Versuchsfläche im Juli 2023, die Karotten in den rechten vier Kisten wurden mit Humiverse behandelt.
Der Behandlungstermin (Mitte Juni 2023, BBCH 14) fiel in eine sehr trockene und warme Wetterphase. Am 22./23. Juni 2023 wurde diese Phase von teils ergiebigen, regelmäßigen Niederschlägen bis zum Erntetermin abgelöst. Der Versuch wurde nicht zusätzlich beregnet.
Die Beerntung erfolgte Ende Juli nach 84 Wachstumstagen und musste aus technischen Gründen vor der sortentypischen Abreife durchgeführt werden. Ein Großteil der geernteten Karotten war abgerundet, jedoch fehlte es ihnen noch an Gewicht. Während der Ver-
suchsphase gab es keine weiteren den Versuch negativ beeinflussenden Faktoren.
950 Euro Mehrerlös
Die Kontrolle erreichte einen durchschnittlichen Bruttoertrag von 451 dt/ha. Demgegenüber erbrachten die mit Humiverse behandelten Karotten 479 dt/ ha brutto (siehe Abb. 2), also einen Mehrertrag von 28 dt/ ha (6 %). Bei Annahme von 70 % marktfähigen Karotten ergäben sich Erträge von 316 dt/ ha in der Variante Kontrolle und 335 dt/ha in der Variante Humiverse. Der Mehrertrag von 19 dt/ ha würde bei einem Marktpreis
von 50 Euro/dt einem Mehrerlös von 950 Euro/ha gegenüber der Kontrollvariante entsprechen. Mittel- und Ausbringungskosten können mit rund 120 Euro/ha kalkuliert werden.
Ein erster Fingerzeig
Der Mehrertrag (Brutto) der mit Humiverse behandelten Karotten ist vielversprechend, aber statistisch nicht abzusichern – er ist damit zunächst nicht mehr als ein Fingerzeig. Daher ist geplant, die Versuche hierzu fortzuführen, um die ersten Ergebnisse absichern zu können. Es sollten dabei neben dem Brutto- auch der Nettoertrag (marktfähige Ware) und die wertgebende Inhaltsto e (Brix Nitrat) ermittelt sowie (eine) Variante(n) Mehrfachbehandlung mit Humiverse durchzuführt werden. Ob eine stärkere Reaktion von Humiverse auf das Pflanzenwachstum auf leichteren Böden (im Vergleich zu besser bonitierten Standorten) zu erwarten ist, sollte ebenfalls als Versuchsfrage diskutiert werden.
Fotos: Holger Buck
Natürliche Stickstofflieferanten: die Leistung von Utrisha N im Feldversuch
Im Jahr 2022 hat Corteva Agriscience mit Utrisha™ N eine sehr interessante neue Technologie zur Steigerung der Stickstoff-Effizienz im Pflanzenbau auf den Markt gebracht. Utrisha N stellt eine natürliche Stickstoffquelle für unsere Kulturpflanzen dar. Das Produkt enthält das Methylobacterium symbioticum, ein Bakterium, das sich in den Blättern ansiedelt und in der Lage ist Luftstickstoff zu Ammonium umzuwandeln und der Pflanze direkt zur Verfügung zu stellen. Utrisha N ist geeignet für Bio-Betriebe (FiBL gelistet).
WIE FUNKTIONIERT DAS?
Utrisha N wird in den Jugendstadien der P anze auf das Blatt ausgebracht. Das darin enthaltene M. symbioticum dringt über die Spaltö nungen in die P anze ein und breitet sich schnell im wachsenden P anzengewebe aus. Nach kurzer Zeit wird die gesamte P anze kolonisiert. Dabei ernährt sich das Bakterium von Methanol, ein Sto , den P anzen während ihres Wachstums bilden und über die Spaltö nungen ausscheiden. Wächst die P anze, verbreiten sich auch die Bakterien über das Gefäßsystem in das neue Gewebe. Einmal in der P anze angekommen wandelt M. symbioticum über den Nitrogenase-Komplex Lusticksto in die p anzenverfügbare Ammoniumform um, um die P anze zu weiterem Wachstum und damit zur Methanolproduktion zu motivieren.
WIRKUNGSWEISE









Utrisha N enthält das Methylobacterium symbioticum. Die Bakterien besiedeln die Blätter und wandeln Luftstickstoff zu Ammonium um. So wird die Pflanze auf natürliche Weise zeitlebens mit Stickstoff versorgt.
1. Utrisha N dringt über die Stomata in die Blätter ein und besiedelt diese
2. Utrisha N wandelt Luftstickstoff (N2) in Ammonium (NH4+) um
Konstante Stickstoff-Quelle
Utrisha N liefert Stickstoff über die gesamte Wachstumszeit – effektiv und kontrolliert
Tabelle 1: Mittlerer Mehrertrag durch die Applikation von Utrisha N je Kultur (gleiche N-Düngestufe).
Kultur Anwendungsfenster Mittlerer Mehrertrag (dt/ha) Anzahl Versuche
Getreide Frühjahr: BBCH 25 – 45 3,6 53
Raps
Herbst: BBCH 14 – 18
Frühjahr: BBCH 30 – 51 1,7 17
Kartoffeln zum Reihenschluss 31,0 14
Körnermaisab 4-6 Blattstadium 5,7 14
Zuckerrübeab 6 Blattstadium 50 7
Somit ist Utrisha N die ideale Ergänzung für jede N-Düngestrategie. Vor allem in Kulturen mit hohem N-Bedarf ist dieser zusätzliche bilanzfreie Sticksto ein guter Baustein, damit Erträge und Qualitäten weiterhin gesichert werden können – ohne das Risiko einer Nitratauswaschung oder klimarelevanter N-Emissionen.
Mehr erfahren:

PRODUKTPROFIL
VERSUCHSERFAHRUNG
Zahlreiche Feldversuche in den unterschiedlichsten Kulturen belegen die positive Wirkung von Utrisha N auf die N-Versorgung, Vitalität, Qualität oder den Ertrag. Sowohl bei reduzierter NVersorgung (bis -30 kg N) als auch bei guter und hoher N-Versorgung konnte mit Utrisha N der Ertrag im Vergleich zu Unbehandelt gesteigert werden (Tab. 1).
Kulturen Einsetzbar in allen Kulturen (auch in Sonderkulturen)
Aufwandmenge 333 g/ha
Anwendung Zur Blattapplikation
Lagerung Bei Raumtemperatur 2 Jahre (ab Herstelldatum)
Gebindegröße1 kg, 3 kg









VLIESE
UND FOLIEN













IN JEDER AUSGABE:

Beiträge, Interviews, Meinungen aus Praxis, Forschung und Beratung Ein Schwerpunktthema ( Generationswechsel, Bi o 3.0, Bäuerliche Landwirtschaft, Weltmarkt Bio,…) Fachartikel aus Pflanzenbau,Tierhaltung, Ernährung, Verarbeitung, Handel, Forschung … Interviews mit dem Nachwuchs der Biobranche Serviceteil
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