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Naturland Nachrichten 5/2025

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Naturland

Fachinformationen für den Öko-Landbau NACHRICHTEN

Mehr als nur GUTER WEIN

DEN PFLUG

richtig einstellen

GEFLÜGELMARKT

braucht Neueinsteiger

Auch keine

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LIEBE NATURLAND BÄUERINNEN UND BAUERN!

Wir leben in bewegten Zeiten und auch im Naturland blicken wir auf einige bewegte Monate zurück. Interne Querelen lähmten das alte Präsidium, was im Sommer öffentlich wurde. In dieser Situation haben die Delegierten mit der Wahl eines neuen Präsidiums nun für einen Neustart votiert und damit zugleich ein starkes Signal der Geschlossenheit gesendet. Neuer Naturland Präsident ist Eberhard Räder. Im Interview ab Seite 6 erklärt er, wie der Verband nun wieder in ruhigere Fahrwasser kommt und richtet den Blick nach vorne.

Dabei sei betont: Naturland war auch in den turbulenten Zeiten stets handlungsfähig. Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei der Beratung für Naturland, der Naturland Zeichen GmbH und im Naturland e.V. haben dafür gesorgt, dass „der Laden lief“. Zertifizierung, Beratung und die vielfältige Arbeit in Politik und Marktbetreuung liefen zuverlässig weiter.

Ein gutes Beispiel für die Innovationskraft von Naturland ist das Programm Naturland Regenerative, das wir in dieser Ausgabe im Titelthema vorstellen. Gerade im Weinbau fordern immer mehr Organisationen einen Nachweis für nachhaltiges Wirtschaften, auch zusätzlich zur Bio-Zertifizierung. Naturland Regenerative ist die passende Antwort darauf - gemeinsam mit Naturland Mitgliedsbetrieben entwickelt. Das zeigt, wie wir ökologische Landwirtschaft weiterdenken: praxisnah und wissenschaftlich fundiert.

Dieser Blick nach vorne ist entscheidend, denn die Herausforderungen sind groß: Klimawandel, Biodiversitätsverlust, politische Unsicherheiten. Doch gerade in solchen Zeiten braucht es die Stärke eines Verbandes, getragen von der Vielfalt seiner Mitglieder.

Ich bin sicher, dass das neue Präsidium diese Herausforderungen aktiv angehen wird. Gemeinsam wollen wir den Öko-Landbau weiterentwickeln – als starke Stimme für unsere Mitglieder, die tagtäglich zeigen, wie Landwirtschaft im Einklang mit Natur und Gesellschaft gelingt.

Ihr Martin Bär

Martin Bär Geschäftsführer Beratung für Naturland

IMPRESSUM NATURLAND NACHRICHTEN

Herausgeber: Beratung für Naturland Öko-BeratungsGesellschaft mbH Eichethof 1, 85411 Hohenkammer Telefon: +49 (0)8137/ 6372-902 info@naturland-beratung.de www.naturland-beratung.de

Verantwortlich im Sinne des Presserechts (V.i.S.d.P): Martin Bär

Vertrieb: Regina Springer Telefon: +49 (0)8137/6372-912 r.springer@naturland-beratung.de

Anzeigen: Tanja Edbauer Telefon: +49 (0)172/3126816 t.edbauer@naturland-beratung.de

Redaktion: Markus Fadl, Roman Goldberger (leitend), Walter Zwingel redaktion@naturland-beratung.de

Titelfoto: Pamela Schmatz

Grafik & Layout: Werbeagentur Oberhofer, Ingolstadt Alison Goldberger, Rainbach

Druck: Riegler Druck, Pfaffenhofen

Bezug: Die Fachzeitschrift erscheint sechsmal im Jahr im Umfang von mind. 76 Seiten. Der Bezugspreis der Naturland Nachrichten ist im Mitgliedsbeitrag enthalten.

Alle namentlich gekennzeichneten Artikel geben die Meinung des Verfassers wieder. Die Beiträge sind urheberrechtlich geschützt. Nachdruck ist nur mit schriftlicher Genehmigung der Redaktion zulässig.

Wir formulieren in unseren Texten die weibliche und männliche Form aus. Wenn dies die Lesbarkeit beeinträch-

tigt, verwenden wir die generische Form – diese schließt Frauen dann selbstverständlich ein.

DER UMWELT ZULIEBE

Die Naturland Nachrichten werden aus Recyclingpapier (Blauer Engel) und mit natürlichen Farben ohne Mineralöl hergestellt. Druck und Versand erfolgen -neutral durch Kompensation. Daher darf die Zeitschrift – als Ganzes – den Blauen Engel tragen.

www.blauer-engel.de/uz195 ressourcenschonend und umweltfreundlich hergestellt emissionsarm gedruckt · aus 100 % Altpapier IP3

26 MEHR ALS NUR GUTER WEIN

Mit Naturland Regenerative nachhaltiges Wirtschaften nachweisen

32 PIWIS IM ÖKO-WEINBAU

Winzerin Nicole Roth und Berater Wolfgang Patzwahl im Interview

36 10 TIPPS

…für mehr Artenvielfalt im Weinberg

MARKT & VERMARKTUNG

42 RIND & SCHWEIN

Neue Betriebe gesucht

43 SONDERKULTUREN

Positive Entwicklung bei Spezialgetreide

44 GETREIDE Hafer gerät unter Druck

RIND & GRÜNLAND

46 RINDERZUCHT Den Kurs bewusst setzen

50 NATURLAND BETRIEB MUSIL Wachstum durch Kooperation

54 AUS DEM PODCAST Melkroboter im Bio-Betrieb

SCHWEIN & GEFLÜGEL

56 BERATERTIPP

Was tun bei Kokzidiose?

57 SORTIERSCHLEUSEN… in der Bio-Schweinemast

58 BIO-MASTHÄHNCHEN

Interessantes neues betriebliches Standbein?

ACKERBAU & TECHNIK

62 PFLÜGEN… ist Einstellungssache

67 BERATERTIPP

Feldrandhygiene & Biodiversität

68 DOK-VERSUCH

Erkenntnisse aus 45 Jahren Bodenfruchtbarkeit

AUS DEM NATURLAND

6 EBERHARD RÄDER

Der neue Präsident im Interview

10 DAS NEUE PRÄSIDIUM

Wer sind die Menschen dahinter?

12 AKTUELLES

Das Naturland in Bildern

14 AUS DEM BÖLW

Politischer Schlingerkurs für Bio

18 POLITIK & VERBAND

Aktuelles rund um Naturland

20 ÖKO-LANDWIRTSCHAFT

Das umweltfreundlichere System?

Ein starkes Signal der Geschlossenheit

Der neue Naturland Präsident Eberhard Räder im Interview

Welches Signal geht von dieser Wahl aus?

Ein starkes Signal der Geschlossenheit! Alle Mitglieder des neuen Präsidiums sind jeweils im ersten Wahlgang gewählt worden, als Präsident kann ich mich auf eine Mehrheit von 39 der 41 abgegebenen Delegiertenstimmen stützen. Meinem Vorgänger Hubert Heigl bin ich dankbar, dass er durch den Verzicht auf seine eigene Kandidatur den Weg für diesen Neustart frei gemacht hat. Das zeigt Größe. So holprig die letzten Wochen waren: Huberts Verdienste um Naturland sind unbestritten, er hat den Verband in den acht Jahren seiner Präsidentschaft in vielen Bereichen vorangebracht.

Was steht jetzt als Erstes an?

Das Wichtigste ist, dass wir den Verband jetzt wieder in ruhigeres Fahrwasser bringen. Die Querelen an der Spitze haben zuletzt für einige Unruhe gesorgt, nicht nur unter den Mitgliedern, sondern auch bei unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Wobei ich an dieser Stelle betonen muss: Der Laden läuft! Dank unserer Mitarbeiter war Naturland immer handlungsfähig, die Qualität der Naturland Zertifizierung zu jedem Zeitpunkt gewährleistet.

Dennoch ist in den letzten Wochen manches an Vertrauen verloren gegangen. Unsere Aufgabe als

Eberhard Räder bewirtschaftet auf seinem Bio-Hof 350 ha Ackerland, betreibt eine Biogasanlage und produziert Kompost.

Präsidium ist es nun, dieses Vertrauen wiederherzustellen. Dazu gehört, dass wir die Trennung von Steffen Reese rechtlich sauber und in einer für beide Seiten angemessenen Weise zum Abschluss bringen. Dabei werden wir auch die Fehler ausbügeln, die bei der Anpassung des Geschäftsführervertrags gemacht wurden.

Wie schnell kann das mit der Einigung gehen?

Genau kann ich das noch nicht sagen, aber wir führen bereits gute Gespräche mit Steffen und ich bin zuversichtlich, dass wir schon bald zu einer gütlichen und gerichtlich abgesicherten Einigung kommen werden. Eine Abfindung in der Höhe, wie zuletzt in den Medien zu lesen war, wird es dabei nicht geben. Solche Forderungen hat Steffen auch nie erhoben. Der Eindruck, hier sei es um Bereicherung gegangen, ist einfach falsch.

PRÄSIDIUM DAS NEUE

Nach internen Auseinandersetzungen haben die Naturland Delegierten auf einer außerordentlichen Versammlung am 5. September in Fürstenfeldbruck ein neues Präsidium gewählt. Neuer Naturland Präsident ist Eberhard Räder. Moritz Reimer und Udo Rumpel vervollständigen den gesetzlichen Vorstand nach §26 BGB. Isabell von Oertzen, Zeno Piatti-Fünfkirchen und Jörg Hansen wurden als gleichermaßen stimmberechtige Beisitzer gewählt.

EBERHARD RÄDER

Der Betrieb des neu gewählten Naturland Präsidenten Eberhard Räder liegt in Bastheim in der bayerischen Rhön. Auf 350 ha werden Kleegras, Weizen, Dinkel, Sonnenblumen, Hirse, Körnermais, Raps, Hafer und Braugerste angebaut. Die Gülle der 600 Mastschweine wird in einer Biogasanlage vergoren. Neben Strom liefert die 250 kW-Anlage Wärme für 150 Wohnhäuser über ein Nahwärmenetz. Zudem wird das Gärsubstrat mit Holzhackschnitzeln zu Kompost weiterverarbeitet. Neben Räder arbeiten vier weitere Menschen auf dem Betrieb des vierfachen Familienvaters. Eine der größten betrieblichen Herausforderungen ist der in nächster Zeit anstehende Generationswechsel.

MORITZ REIMER

Im niedersächsischen Hornburg bewirtschaftet Reimer einen 400 ha Ackerbaubetrieb. Unterstütz wird der Familienvater mit zwei kleinen Kindern von zwei Mitarbeitenden und seinem Schwager. Der elterliche Betrieb in Homburg hat seine Wurzeln in einer preußischen Staatsdomäne, die bereits 1920 teilweise in den Familienbesitz überging. Heute sind Druschfrüchte der Betriebsschwerpunkt. Neben Kleegras und Winterweizen werden Winterdinkel, Sommergerste, Sonnenblumen, Körnermais und Soja, vorrangig für die Saatgutvermehrung, angebaut. Vor seinem Studium zum Agraringenieur hat Reimer eine landwirtschaftliche Lehre gemacht.

UDO RUMPEL

ISABELL VON OERTZEN

Nach ihrem Agrarstudium hat von Oertzen viele Jahre in der Entwicklungshilfe, vor allem in Tansania (Afrika), gearbeitet. Der Schwerpunkt ihrer Tätigkeit lag insbesondere im Naturschutz. Vor circa zehn Jahren gründete von Oertzen gemeinsam mit zwei Geschäftspartnern in Tansania ein Honigunternehmen, das auf Bio-Produktion ausgelegt ist. Inzwischen produzieren über 4.000 Erzeuger in über 50 Dörfern – vorrangig in Natur- und Artenschutzgebieten – für das Unternehmen. Das Honig Schleudern, Abfüllen und Verpacken wird zu 80 Prozent von Frauen durchgeführt und bietet diesen damit eine gute Einkommensmöglichkeit. Die Erschließung von Marktzugängen vor Ort ist eine der größten Herausforderungen mit direkter Auswirkung auf die Erzeuger.

Sein 55 ha großer Ackerbaubetrieb liegt in Unterfranken im Landkreis Schweinfurt. Auf den Feldern wird neben Weizen, Dinkel, Ackerbohnen und Soja zur Saatgutvermehrung auch Rote Bete und die „Fränkische Platterbse“ als Lebensmittel angebaut. Neben seinem Ackerbaubetrieb betreibt Rumpel einen Kompostplatz für Grüngut. Als Initiator und Teilhaber ist Rumpel seit 2002 an zwei Bürgerwindrädern beteiligt, die aktuell ein Repowering erfahren. Zudem ist er Vorstandsmitglied einer Genossenschaft, die in der Region einen Unverpacktladen sowie ein Bio-Bistro und einen Secondhandladen betreibt. Der Agraringenieur ist verheiratet und hat vier erwachsene Kinder.

ZENO PIATTI-FÜNFKIRCHEN

JÖRG HANSEN

Gemeinsam mit seiner Frau bewirtschaftet der gebürtig aus RheinlandPfalz stammende Hansen einen Betrieb nahe Grömitz

Zusammen mit seinem Vater verwaltet Piatti-Fünfkirchen den Gutsbetrieb Stutenhof in Niederösterreich. Bewirtschaftet werden rund 2.000 Hektar Land- und Forstwirtschaft. Eine Besonderheit des schon seit 1982 ökologischen Betriebs ist seine grenznahe Lage. Die Flächen liegen je zur Hälfte in Österreich und in Tschechien. Piatti-Fünfkirchen ist 35 und der erste Österreicher im Präsidium. Als Vizepräsident der Vereinigung der Land & Forstbetriebe Österreich und Obmann der ARGE Agroforst beschäftigt sich Piatti schon lange mit agrarpolitischen Herausforderungen auf nationaler und internationaler Ebene.

in Schleswig-Holstein. Auf 250 ha wird vorrangig Winter- und Sommerweizen, Hafer, Gerste, Roggen und Dinkel, Triticale und Ackerbohnen als Saatgut vermehrt, dann aufbereitet und verpackt. Nach seiner Lehre und dem Studium war der heute 50jährige als Ökokontrolleur in Deutschland und Brasilien tätig. Ein Schwerpunkt seiner Kontrolltätigkeit waren Weinbaubetriebe.  Hansen war viele Jahre als Landesvorsitzender in Schleswig-Holstein und als Delegierter im Naturland-Ehrenamt aktiv.

AUTOR
Marcus Nürnberger
Naturland e.V.

Das Naturland

in Bildern

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1 Regelmäßige Fortbildungen sichern die Qualität der Beratung für Naturland. So trafen sich Mitte September die Rinder-Beraterinnen und Berater in der Region Main-Rhön. Teil der Schulung war die Grünlandbegehung am Naturland Betrieb Kohl in Geroda.

2 „Öko-Rinder aus dem Steinwald w.V.“ hat Grund zum Feiern: Im Juli wurde das 1.000ste Bio-Rind vermarktet. Aktuell zählt die Erzeugergemeinschaft 12 Bio-Betriebe, es besteht eine enge Kooperation mit der Marktgesellschaft der Naturland Bauern.

6 7 5

3 Großes Interesse an Naturland zeigten die Besucher der Rottalschau im Landkreis Passau. Gemeinsam mit der Marktgesellschaft der Naturland Bauern standen unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für Fragen zu Vermarktung, Beratung und Interessensvertretung bereit.

4 Auch die Interessensvertretung kommt auf den Messen nicht zu kurz. Auf der Norla in Rendsburg sprachen wir mit dem Landwirtschaftsminister von Schleswig-Holstein, Werner Schwarz.

5 Dieses Jahr war Naturland auf neun Agrarmessen für unsere Mitglieder vor Ort – Anfang September mit Beraterin Magdalena Rangs auf der Norla in Rendsburg, gemeinsam mit den Töchtern eines Mitglieds, die kräftig Werbung für Naturland machten. Im November freuen wir uns auf der Agritechnica auf Ihren Besuch.

6 Unter die fünf Gewinner der diesjährigen Bayerischen Wiesenmeisterschaft schafften es zwei Naturland Betriebe: Peter-Matthias Schilling

und Stefanie Lengenfelder aus Pommelsbrunn erreichten den zweiten Platz, Carola und Peter Zeltner aus Kirchensittenbach den fünften Platz. Im Fokus stehen Erhalt und die Bewirtschaftung artenreicher Wiesen und Weiden.

7 Zum 25jährigen Jubiläum des Geflügelvermarkters Biofino gratulierte Annette Alpers dem Geschäftsführer Jürgen Tölke im Namen von Naturland – gemeinsam mit Martin Mucker, einem Geflügelmäster der ersten Stunde.

Fotos: Naturland, Steinwald-Allianz, Gleixner

POLITISCHER

Schlingerkurs

FÜR BIO

Der Bio-Markt wächst, die Ernte war vielerorts gut –doch die Politik bleibt hinter ihren Versprechen zurück. Während Brüssel Korrekturen im Bio-Recht plant, ist in Berlin dringend entschlossenes Handeln gefragt.

AUTOR Peter

Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft info@boelw.de

AUTORIN Tamira Zöller

Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft zoeller@boelw.de

Die diesjährige Bio-Ernte fiel in vielen deutschen Regionen gut bis sehr gut aus, vor allem bei Getreide, Steinobst und Beeren. Die politische Ernte dagegen ist bisher höchst durchwachsen gewesen, sowohl in Berlin als auch in Brüssel. Und auch viele Bundesländer könnten deutlich mehr für Bio tun. Angesichts der stark wachsenden Nachfrage nach Bio im Markt 2025, und zwar in so unterschiedlichen Bereichen wie Hofläden oder Drogeriemärkten, muss die Politik handeln. Dem Versprechen von Schwarz-Rot für mehr Öko-Landbau müssen jetzt Taten folgen.

Geld für Agrardiesel, kein Geld für Tierwohl

Die 100-Tage-Bilanz von Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer fällt dagegen ernüchternd aus. Im inzwischen Jahrzehnte dauernden Verfahren um die Düngegesetzgebung hat Rainer das individuelle Dünge-Monitoring durch Stoffstrombilanzen abgeschafft. Dies ist auf den ersten Blick eine Erleichterung auch für Bio-Betriebe. Allerdings fällt dadurch auch die Möglichkeit weg, verursacherspezifische Auflagen umzusetzen und damit BioBetriebe weitestgehend von diesen zu befreien – insbesondere in roten Gebieten. Eine Alternative zu den erst 2017 eingeführten Nährstoff-Bilanzen wurde lediglich in Aussicht gestellt.

Rainer hat zudem die überfällige Einführung der Tierhaltungskennzeichnung auf März verschoben; für Schweinefleisch hätte sie ab August gelten sollen. Und er hat im Juli seinen eigenen wissenschaftlichen Beirat auflaufen lassen mit dessen fundierten Gutachten zu guten Fleisch-Alternativen. Der Minister nahm die Ergebnisse öffentlich gerade einmal zur Kenntnis; über die konstruktiven Anregungen für eine langfristig mehr pflanzenbasierte Land- und Ernährungswirtschaft schwieg er sich beredt aus.

Die neue Tierschutzbeauftragte, Silvia Breher (CDU), ist zudem nicht mehr unabhängig: Rainer hat seine Parlamentarische Staatssekretärin bestellt. Breher vertritt im Bundestag mit Vechta in Niedersachsen einen der tierreichsten Landkreise Deutschlands.

Zuletzt verkündete Rainer sogar, dass er das Programm zum Umbau der Tierhaltung stoppen werde, weil es lediglich einen Placebo-Effekt habe. Anträge auf Förderung von neuen Schweineställen können nur noch bis April 2026 gestellt werden. Die Förderung laufender Kosten einer besseren Tierhaltung soll auf 2028 verkürzt werden. Das trifft den Großteil der Bio-Schweinehalter und ist das Gegenteil von verlässlicher Politik. Rainer will damit 1,5 Milliarden Euro einsparen. Eine alternative Finanzierung, wie die von der Borchert-Kommission empfohlenen Fleisch-Abgabe: Fehlanzeige.

Kürzung bei der Bio-Forschung

Der Bundesminister, der noch beim Kamingespräch beim BÖLW im Juni versprach, unter ihm werde es Bio nicht schlechter gehen als zuvor, will nun offenbar massiv bei der Öko-Forschung kürzen. Damit ignoriert Rainer den Koalitionsvertrag, der ausdrücklich die Stärkung des Bundesprogramms Ökologischer Landbau (BÖL) vorsieht. Das BÖL, das zuletzt mit 40 Mio. Euro ausgestattet war, ist das zentrale Förderinstrument für Öko-Agrarforschung. Sein Budget liegt schon heute inflationsbereinigt 30 Prozent unter dem Startwert im Jahr 2002! Der Anteil an allen Agrarforschungsmitteln dümpelt also weiter auf deutlich unter vier Prozent – und das, obwohl inzwischen jeder siebte deutsche Hof ÖkoLandbau betreibt.

Wer so vorgeht, verspielt Innovationskraft und Marktchancen. Statt Bio als Motor für regiona-

Bei der Bio-Weidehaltung, deren Vorgaben vor allem in Süddeutschland zu Härten und Planungsunsicherheit führen, hat Kommissar Christophe Hansen Korrekturen in Aussicht gestellt.

le Wertschöpfung, für Klima-, Umweltschutz und Tierwohl zu stärken, befördert Alois Rainer den Bio-Import aus anderen Ländern.

Entscheidend ist nun, wie der Deutsche Bundestag im November über die Haushaltspläne entscheidet. Der BÖLW fordert die Abgeordneten der Regierungskoalition auf, die BÖL-Mittel für die Forschung wie versprochen zu stärken.

Brüssel will Bio-Recht korrigieren

EU-Landwirtschaftskommissar Christophe Hansen kündigte bei einem Besuch in Bayern gleich mehrere Korrekturen im Bio-Recht an. So soll eine Gesetzeslücke bei der Kennzeichnung von Bio-Importen geschlossen, die Weidepflicht neu geregelt werden und eine unsinnige Vorgabe für die KükenHaltung entfallen. Alle Änderungen kommen Forderungen der Bio-Verbände und des BÖLW nach.

Bio-Importe

Im Herbst 2024 hatte der Europäische Gerichtshof im sog. Herbaria-Urteil eine Lücke im Bio-Recht offengelegt: Bio-Lebensmittel, die aus Staaten mit Handelsabkommen stammen, nach denen die Bio-Standards wechselseitig als “gleichwertig” anerkannt sind, dürfen demnach nicht mehr das EU-Bio-Logo tragen. Das war nie Intention

des EU-Gesetzgebers. Daher ist es gut, wenn die Kommission diese Ungenauigkeit im BioRecht korrigiert.

Bio-Geflügelställe

Hansen will zudem eine Vorschrift streichen, nach der Ställe für Küken in der sensiblen Voraufzuchtphase über Grünauslauf verfügen müssten – obwohl die Tiere wegen ihrer noch unvollständigen Befiederung viel zu empfindlich für das Freiland sind. Die Streichung würde eine Bürokratieposse beenden und Planungssicherheit für Investitionen in Bio-Geflügelställe schaffen.

Bio-Weidehaltung

Auch bei der Bio-Weidehaltung, deren Vorgaben vor allem in Süddeutschland zu Härten und Planungsunsicherheit führen, hat der Kommissar Korrekturen in Aussicht gestellt. Das war Ende Juli –bis Redaktionsschluss gab es dazu allerdings keine Neuigkeiten. Eine Änderung der Basis Verordnung ist ein langwieriger Prozess. Um die Höfe jetzt zu unterstützen, bräuchte es ein Signal aus den Bundesländern, doch diese haben ihre Sicht auf eine vollumfängliche Pflicht zur Weide mit Verweis auf die bestehenden Vorgaben aus Brüssel nicht verändert. Wichtig aus Sicht der Branche: Die EUKommission muss jetzt rasch Vorschläge vorlegen und die Änderungen zügig beschließen lassen. Denn Deutschland braucht dringend mehr Bio!

Fotos: Shutterstock/ JaRu
Creative Studio; Naturland / Sabine Bielmeier, Maurice Weiss/ BÖLW

Tierhaltungskennzeichnungsgesetz

BÖLW FÜR VERBESSERUNGEN

Die Bundesregierung will das Tierhaltungskennzeichnungsgesetz überarbeiten; das Inkrafttreten wurde dafür auf den 1. März 2026 verschoben.

Ein Entschließungsantrag der Regierungsfraktionen nennt für die Weiterentwicklung Eckpunkte, die der BÖLW begrüßt. Der Verband hat dazu eine ausführliche Stellungnahme vorgelegt. Zentrale Anliegen der Bio-Branche: die Kennzeichnung praxisgerecht ausgestalten, Bürokratie abbauen und überall Transparenz für Verbraucherinnen und Verbraucher schaffen.

Keine Doppelbelastung

Bio-Betriebe fallen bereits unter das strenge EU-BioKontrollsystem. Trotzdem verlangt das Tierhaltungskennzeichnungsgesetz die zusätzliche Registrierung auch für Bio-Betriebe. Diese Doppelung verursacht Aufwand ohne Mehrwert. Daten, die längst in der Bio-Kontrolle vorliegen (z. B. Tierzahlen, Stallgrößen, Flächen), sollen von Betrieben erneut eingereicht werden. Mit Blick auf die geplante Ausweitung der Kennzeichnung auf weitere Tierarten würde dieser überflüssige Verwaltungsaufwand künftig mehr als 19.000 tierhaltende Bio-Betriebe belasten.

AUTOREN

Peter Röhrig

Tamira Zöller

Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft info@boelw.de

Downgrading fair regeln

Für die Vermarktung braucht es flexible Lösungen. Heute können Bio-Betriebe Fleisch nur in die Stufe „Auslauf/Weide“ abfließen lassen („downgraden“). Die Vermarktung in noch niedrigeren Stufen ist, anders als bei konventionellen Haltungsformen, ausgeschlossen. Das benachteiligt Bio und erschwert die vollständige Nutzung der Tiere, etwa bei weniger gefragten Teilstücken. Der BÖLW fordert, dass eine marktorientierte Vermarktung ermöglicht wird, ohne zusätzliche Hürden oder komplexe Mischkennzeichnungen.

Alle Tierarten und Lebensphasen

Die derzeit avisierte Kennzeichnung erfasst nur einen Teilbereich der Tierhaltung. Für echte Transparenz muss das System den gesamten Lebenszyklus einbeziehen – von der Aufzucht bis zur Schlachtung. Gleiches gilt für weitere Tierarten wie Rinder und Geflügel sowie für verarbeitete Produkte wie Wurst oder Fertiggerichte. Die Kennzeichnung muss auch die AußerHaus-Verpflegung erfassen, so dass Bürgerinnen und Bürger auch in Kantinen, Restaurants oder Krankenhäusern über die Haltung, aus der das Fleisch stammt, informiert werden und Entscheidungsfreiheit haben.

Belastbare Kontrollen

Für die Glaubwürdigkeit der Kennzeichnung braucht es verlässliche Kontrollen, insbesondere bei Stufen wie „Stall+Platz“, „Frischluftstall“ oder „Auslauf/Weide“. Wichtig ist eine Struktur, die allen qualifizierten Kontrollstellen Zugang ermöglicht – analog zum bewährten Bio-Kontrollsystem.

Das Tierhaltungskennzeichnungsgesetz gilt in der aktuellen Fassung für frisches Schweinefleisch. Der BÖLW fordert u. a. die Ausweitung auf weitere Tierarten.

Foto: Naturland / Daniel Schubert

FIT FÜR DIE ZUKUNFT

Impulse für noch mehr Nachhaltigkeit auf ÖkoBetrieben

Die Naturland Bildungsreihe zum Thema Nachhaltigkeit bietet interessante Veranstaltungen für Bio-Bäuerinnen und Bio-Bauern.

Bio-Betriebe erbringen durch ihre umweltschonende Wirtschaftsweise systembedingt viele Nachhaltigkeitsleistungen für die Gesellschaft – beispielsweise durch den Verzicht auf chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel und Mineraldünger sowie durch humusfördernde Maßnahmen wie den Kleegrasanbau.

Dies bedeutet jedoch nicht, dass auf allen Öko-Betrieben bereits die komplette Bandbreite an Möglichkeiten für nachhaltiges Wirtschaften ausgeschöpft ist. Zudem stellen Klimawandel und Biodiversitätskrise auch Öko-Betriebe vor neue Herausforderungen und verursachen Handlungsbedarf.

Mit den Veranstaltungen der Bildungsreihe „Fit für die Zukunft: Impulse für noch mehr Nachhaltigkeit auf Öko-Betrieben“ wollen wir Ihnen spannende Inhalte zu Biodiversität, Klimawandel und Klimaanpassung sowie nachhaltigem Wassermanagement im ÖkoLandbau zur Verfügung stellen. Alle Themen bereiten wir wie gewohnt attraktiv und mit viel Praxisbezug für Sie auf. Auch in diesem Jahr wird es wieder einen Online-Informationstag

1 29.10.2025 10:00-12:15 Uhr Klima und Öko-Landwirtschaft – eine Einführung

2 18.11.2025 19:00-20:45 Uhr

Grüne Netze der Landschaft – Lebensräume für Artenvielfalt im Öko-Landbau fördern und verbinden

3 04.12.2025 9:00-11:30 Uhr Wein mit Weitblick – Naturland unterstützt Betriebe mit innovativen Angeboten

4 15.01.2026 9:00-13:00 Uhr

5 26.02.2026 19:00-20:45 Uhr

Förderprogramm Artenvielfalt geht in die nächste Runde –Online-Informationstag 2026

Nachhaltiges Wassermanagement im Klimawandel

ANMELDUNG

Haben wir Ihr Interesse geweckt? Dann melden Sie sich gerne über Ihre Naturland App an oder nutzen Sie den QRCode. Dieser führt Sie direkt zu den Veranstaltungen auf www.naturland-beratung.de.

für das Förderprogramm Artenvielfalt geben sowie eine Veranstaltung für Winzerinnen und Winzer.

KONTAKT Katharina Mayer

Naturland e.V. k.mayer@ naturland.de

JUNGE STIMMEN STÄRKEN

Naturland Next Farmers beim Jugendpolitischen Forum des BundesLandwirtschaftsministeriums.

„Landwirtschaft von morgen ökologisch, fair und krisenfest gestaltet“. Das war das Thema beim dritten Jugendpolitischen Forum des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) in Berlin Anfang September. Wir, Naturland Next Farmers, waren auch dabei und haben uns im Dialog unter anderem mit Agrarminister Alois Reiner eingebracht. Dass der Minister sich persönlich Zeit für den Austausch nahm, ist sehr zu begrüßen. Den Stimmen junger Menschen in agrarpolitischen Diskussionen mehr Gewicht zu geben, ist längst überfällig. Nachhaltige Landwirtschaft, regionale Wertschöpfung und versteckte Kosten bei Lebensmitteln sichtbar zu machen

(True Cost Accounting) waren zentrale Punkte. Die in Arbeitsgruppen entwickelten Handlungsvorschläge wurden am Ende der Staatssekretärin Martina Engelhardt-Kopf übergeben. Ein starkes Signal ging auch von Vertreterinnen des diesjährigen Organic Future Camps aus. Der auf den Öko-Feldtagen erarbeitete 16-Punkte-Plan wurde im Rahmen des Jugendpolitischen Forums ebenfalls vorgestellt. Er fordert eine Land- und Lebensmittelwirtschaft, die regionale Strukturen stärkt, Bildung und Teilhabe für alle fördert und ökologische sowie gemeinwohlorientierte Prinzipien ins Zentrum stellt. Der Bundesminister würdigte die Vorschläge und betonte die Relevanz solcher Impulse für eine

BIO-ERLEBNISTAGE

Bayerns Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber eröffnete Anfang September am Naturland Betrieb Kirchthanner Biohof die 25. Bayerischen BioErlebnistage. Bis 5. Oktober luden 175 Bio-Betriebe in Bayern zu Hoffesten, Ernte-Mitmachaktionen, Führungen etc. ein. Das Bild zeigt Ministerin Kani-

ber gemeinsam mit (v.l.): Regina Mühlbauer (Betriebsleiterin Kirchthanner Biohof), Thomas Lang (1. Vorsitzender der LVÖ Bayern), Alois Mühlbauer (Betriebsleiter Kirchthanner Biohof), Anna-Lena Dworschak (Bayerische Bio-Königin) sowie Katharina Mühlbauer (Hofnachfolgerin Kirchthanner Biohof).

zukunftsgerichtete Agrarpolitik. Bei Naturland Next Farmers setzen wir uns gemeinsam mit anderen Jugendorganisationen dafür ein, dass junge Perspektiven nicht nur punktuell, sondern dauerhaft in der Agrarpolitik verankert werden.

AUTORIN

Janina Witt

Naturland e.V. j.witt@naturland.de

BEWUSSTE ERNÄHRUNG

Bei einem Pressetermin von ALDI SÜD auf dem Naturland Betrieb Hofgut Grimm drehte sich alles um die Frage: Wie können wir uns heute bewusster ernähren? Der ehemalige Profisportler Felix Neureuther sprach dazu mit Thomas Neumaier, Geschäftsführer der Beratung für Naturland.

Nachzuhören ist das Gespräch auf dem YouTube-Kanal von ALDI SÜD, über den QR-Code kommen Sie direkt zum Video.

AUTORIN Magdalena Nertinger

Naturland e.V. m.nertinger@ naturland.de

JÜRn SANDERS

Jürn Sanders ist Vorsitzender der Geschäftsleitung am FiBL Schweiz. Gemeinsam mit einem Forschungsteam hat er eine der bislang umfassendsten Metastudien zum biologischen Landbau in gemäßigten Klimazonen veröffentlicht. Sie wertet über 500 wissenschaftlich Arbeiten aus. Im Zentrum steht die Frage, welchen Beitrag der Bio-Landbau für Umwelt, Tierwohl und Nachhaltigkeit leisten kann.

Herr Sanders, ist Öko-Landwirtschaft das umweltfreundlichere System?

Diese Frage ist so eindeutig nicht zu beantworten, denn die Bio-Landwirtschaft ist sehr vielfältig. Entscheidend ist zudem, mit welchem konventionellen System sie verglichen wird. Grundsätzlich positiv wirkt sich auf die Umwelt der systemische Ansatz des BioLandbaus aus. Damit meine ich das Bestreben, Nährstoffkreisläufe zu schließen, lokale Ressourcen zu nutzen, weniger externe Betriebsmittel einzusetzen und mit einer geringeren Intensität zu produzieren. All das führt insgesamt zu weniger Umweltbelastung.

Eine Erkenntnis der Studie ist, dass Bio-Landbau energieeffizienter ist. Woran liegt das?

Das stimmt. Im Wesentlichen liegt es daran, dass im Bio-Landbau auf chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel und leicht lösliche Mineraldünger verzichtet wird; deren Herstellung ist sehr energieintensiv. Zwar ist der direkte Energieverbrauch (Anm. Red.: z. B. Diesel) wegen mechanischer Arbeiten höher, aber der insgesamt geringere indirekte Energieeinsatz macht den Bio-Landbau deutlich effizienter.

Trotzdem wird die Bio-Landwirtschaft von Kritikern manchmal als schlechtere Alternative dargestellt. Woran liegt das?

Das liegt an der Ertragsdifferenz zwischen Öko-Betrieben und ihren konventionellen Kollegen. Aufgrund der meist niedrigeren Erträge im Bio-Landbau fällt der CO₂-Fußabdruck pro produzierte Einheit oft höher aus, obwohl er pro Hektar

niedriger ist. Die Argumentation dieser Logik ist, dass sich das Konsumverhalten der Menschen nicht ändern werde und daher an anderer Stelle mehr produziert werden müsse – dies würde die Vorzüge des Bio-Landbaus relativieren.

Stimmen Sie dem zu?

Nein, denn diese Logik ist zu kurz gedacht. Bei Fragen zum Klimaschutz ist es wichtig, das gesamte Ernährungssystem miteinzubeziehen und nicht nur auf das Agrarsystem allein zu schauen. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt zum Beispiel eine Verringerung des Fleischkonsums. Das würde durch den Rückgang der produzierten Futtermittel Treibhausgasemissionen reduzieren.

Dennoch scheint es so, als seien die niedrigeren Erträge die Achillesferse des Bio-Landbaus. Der Öko-Landbau macht jetzt schon vieles richtig, etwa durch den geringeren Stickstoffeinsatz und die folglich reduzierten Lachgasemissionen. Im Bereich Ertragsstabilität und -höhe ist das volle Potenzial aber noch nicht ausgeschöpft. Dieser Debatte muss sich der Bio-Landbau stellen und gleichzeitig versuchen, neue Wege zu gehen.

Welche neuen Wege sehen Sie zur nachhaltigen Ertragssteigerung?

Züchtung ist ein wichtiger Hebel, allerdings sind die Fortschritte hier derzeit noch geringer als in der konventionellen Landwirtschaft. Hier muss Bio aufholen. Auch die Zulassung neuer Wirk-

Fotos: FIBL, Naturland / Jan Malte Neuhaus

stoffe im Pflanzenschutz und besseres Stickstoffmanagement können helfen. Letztlich kann durch die Verbesserung der Managementpraktiken die Stickstoffverfügbarkeit im Öko-Landbau verbessert werden. Hier spielt auch Beratung eine große Rolle, die den Betrieben dabei helfen kann, ein optimales Nährstoffmanagement zu entwickeln.

Zurück zu den Umweltleistungen. Welche Praktiken des Bio-Landbaus verbessern Umweltleistungen besonders?

Einen durchschlagenden Effekt auf die Biodiversität hat der Verzicht auf chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel. Ein zweiter Punkt ist der Einsatz von Leguminosen, sie sind wichtig für Bodengesundheit, Biodiversität und Bodenfruchtbarkeit. Und da der Bio-Landbau auf leicht lösliche Mineraldünger verzichtet und daher Stickstoff immer ein knappes Gut ist, wird er im Bio-Landbau effizienter genutzt.

Sollte die Politik Öko-Landbau angesichts dieser Vorteile stärker fördern?

Die Förderung des Bio-Landbaus hat in den letzten Jahren und Jahrzehnten sicherlich zur positiven Entwicklung beigetragen. Ich glaube es ist wichtig, nicht nur eine Politik für den Öko-Landbau zu machen, sondern eine Politik, die insgesamt sicherstellt, dass Ressourcen nachhaltig genutzt werden.

Wie soll eine solche Politik konkret aussehen?

Hier gibt es zwei zentrale Ansatzpunkte: Zum einen die Honorierung von öffentlichen Gütern wie Klimaoder Biodiversitätsschutz. Denn diese Güter haben einen hohen Wert, weil ohne Klima-, Biodiversitätsund Wasserschutz hohe Folgekosten entstehen.

Zum anderen plädiere ich für einen marktwirtschaftlichen Ansatz, der umweltschädliche Betriebsmittel verteuert. Die dadurch entstehenden Gelder – beispielsweise über eine Pflanzenschutzabgabe – sollten der Landwirtschaft zugutekommen, gezielt solchen Betrieben, die umweltschonend wirtschaften.

Hinsichtlich Biodiversität hat der Öko-Landbau deutliche Vorteile. Reicht eine Umstellung auf Öko-Landbau, um die Biodiversitätskrise abzuwenden?

Das stimmt, der Öko-Landbau leistet durch seine extensive Produktionsweise per se sehr viel für die Artenvielfalt. Wichtig für eine optimale Förderung der Biodiversität ist neben den Biodiversitätsflächen auch die räumliche Vernetzung von Habitaten, es braucht zudem zusätzlich Rückzugsräume wie Hecken, Saumstrukturen usw.

Sollte die Bio-Branche ihre Umweltleistungen selbstbewusster kommunizieren?

Ich denke, dass macht die Branche bereits, denn Konsumentinnen und Konsumenten zahlen mehr für ein Bio-Produkt, wenn sie den Wert erkennen. Daher ist es sinnvoll, Umweltleistungen wie CO₂Einsparungen zu kommunizieren, auch wenn das methodisch nicht immer einfach ist. Die EU-Initiative „Green Claims“ setzt hier gute Standards gegen Greenwashing. Der Bio-Landbau muss weiter zeigen, dass er hier führend bleibt.

Neben den Biodiversitätsflächen braucht es auch die räumliche Vernetzung von Habitaten z.B. mit Hecken.

AUF DEN PUNKT GEBRACHT

Gesellschaftliche Leistungen des Ökologischen Landbaus

Dass Ökologische Landwirtschaft gut für die Umwelt ist, ist allseits bekannt. Doch was genau leistet der Öko-Landbau für die Gesellschaft und inwiefern kann das wissenschaftlich belegt werden? Eine Studie von 21 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern unter der Leitung von Dr. Jürn Sanders (siehe Interview) schafft Klarheit. Wir haben die wichtigsten Ergebnisse in Bezug auf die Umweltleistungen des Öko-Landbaus in den gemäßigten Breiten zusammengefasst.

ZUR STUDIE

Im Bericht „Auf den Punkt gebracht – gesellschaftliche Leistungen des ökologischen Landbaus“ wurden wissenschaftliche Studien, welche die gesellschaftlichen Leistungen des Öko-Landbaus erforschen, ausgewertet und mit Fachexperten diskutiert, um so wissenschaftlich fundiert zu möglichst eindeutigen Schlussfolgerungen zu kommen.

Öko-Landwirtschaft schützt das Klima

Hintergrund: Rund 7 % der Treibhausgas-Emissionen in Deutschland sind auf die Landwirtschaft zurückzuführen. Treibhausgase entstehen insbesondere durch Verdauungsvorgänge in der Tierhaltung (Methan) sowie durch Düngung und Bearbeitung landwirtschaftlicher Böden (Lachgas). Zusätzlich entstehen auch bei der Herstellung von Stickstoffdüngern und Pflanzenschutzmitteln Treibhausgas-Emissionen.

Die Bio-Landwirtschaft trägt zur Reduktion der THG-Emissionen bei, z.B. durch die Reduzierung des Stickstoffeinsatzes, den Verzicht auf leicht lösliche mineralische Stickstoffdünger oder die Begrenzung der Tierzahlen auf zwei Großvieheinheiten pro Hektar. Das Minderungspotenzial des Öko-Anbaus wird vom Autorenteam der Studie auf rund

Naturland e.V. m.nertinger@ naturland.de

eine Tonne CO2-Äquivalente pro Hektar und Jahr geschätzt.

Der Öko-Landbau fördert den Klimaschutz zudem durch verschiedene Maßnahmen, die zum Humusaufbau beitragen. Hierzu zählen beispielsweise vielfältige Fruchtfolgen, eine

dauerhafte Bodenbedeckung, organische Düngung und eine möglichst angepasste Bodenbearbeitung. Laut den ausgewerteten Studien liegen die Kohlenstoffgehalte in ökologisch bewirtschafteten Böden im Durchschnitt etwa 10 % höher als in konventionellen Böden.

AUTORIN Magdalena Nertinger

Öko-Landwirtschaft hält das Wasser sauber

Hintergrund: Erhöhte Nitratkonzentrationen aufgrund von Stickstoff-Überflüssen in der Landwirtschaft sowie Kontamination durch Pflanzenschutzmittel gefährden die Trinkwasserqualität.

Der Öko-Anbau trägt dazu bei, die Nitratbelastung zu verringern, da der Einsatz von stickstoffhaltigen Düngemitteln begrenzt ist und Stickstoff beispielsweise durch Untersaaten und Zwischenfrüchte in der Fruchtfolge möglichst verlustarm genutzt wird. Die Auswertung verschiedener Studien zeigt ein Minderungspotenzial um durchschnittlich knapp 40 %.

Der Öko-Anbau schließt die Verwendung von chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmitteln grundsätzlich aus und pflegt

einen restriktiven Umgang mit Stoffen, die die Wasserqualität gefährden (z.B. Antibiotika).

Weiteres Verbesserungspotenzial auch im Öko-Anbau besteht beispielsweise bei der Optimie-

Öko-Landwirtschaft fördert die Biodiversität

Hintergrund: Die hohe Produktionsintensität in der Landwirtschaft trägt zu einer massiven Abnahme der Biodiversität bei. Hauptursachen sind hoher Einsatz an Agrochemikalien, hoher Tierbesatz, enge Fruchtfolgen, Verlust wertvoller naturnaher Flächen sowie Versiegelung, Fragmentierung und Homogenisierung der Landschaft.

Öko-Landwirtschaft steigert die Häufigkeit und Artenvielfalt von Flora und Fauna, da weniger gedüngt und eine größere Vielfalt an Kulturen angebaut wird, der Anteil an naturnahen Flächen höher ist und chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel verboten sind. Der Öko-Landbau verbessert außerdem wichtige Ökosystem-Leistungen wie Bestäubung, Schädlingsregulation und Bodenfruchtbarkeit.

rung der Stickstoffnutzung durch optimierte Bodenbearbeitung, Fruchtfolgegestaltung, Anbautechnik und Bewässerungsmanagement oder bei der Verwendung von Kupfer in Sonderkulturen.

Über diese Vorteile hinaus besteht weiteres Verbesserungspotenzial auf vielen Betrieben, wenn zusätzliche Maßnahmen zur Förderung der Biodiversität umgesetzt werden (z.B. Hecken).

Öko-Landwirtschaft spart Energie

Hintergrund: Um die Nutzung fossiler Energien zu reduzieren - essenziell für den Klimaschutz - muss auch die Landwirtschaft sparsam mit Energie umgehen und die Energieeffizienz erhöhen.

Obwohl die Öko-Landwirtschaft mehr Überfahrten zur Beikrautregulierung benötigt, hat sie einen bis zu 50 % geringeren Energieverbrauch. Grund hierfür ist sowohl der Wegfall der vorgelagerten Emissionen bei der synthetischen Düngemittelproduktion als auch der lokale Bezug von Futtermitteln.

Studien zeigen auch, dass die Energieeffizienz im Öko-

Öko-Landwirtschaft kann die Welt ernähren

Hintergrund: Im Durchschnitt liegt das Ertragsniveau bei ökologisch produzierten Ackerkulturen in Mittel- und Westeuropa zwischen 10 und 40% unter dem Niveau der konventionellen Landwirtschaft – ist aber abhängig von der Intensität des konventionellen Anbaus und der Frage, ob Klee- und Luzernegras Teil der Fruchtfolge ist und geerntet wird oder nicht.

Der Bedarf nach Lebensmitteln kann global mit ökologischer Landwirtschaft gedeckt werden, wenn der Fleischverzehr halbiert und eine Reduzierung der Lebensmittelverluste (die z.B. durch Wegwerfen entstehen) um 50 % erreicht wird.

Nachhaltige Ertragssteigerung z.B. durch Züchtung, verbessertes Nährstoffmanagement oder Mischanbau von Kulturen bleibt trotzdem eine wichtige Strategie zur Ausweitung des ÖkoLandbaus – wobei zu beachten

Landbau höher ist als in konventionellen Systemen.

ist, dass die Ertragssteigerung nicht auf Kosten der Umwelt erfolgt.

TIPP

Fortbildungsveranstaltungen zu den Themen Biodiversität, Klimaschutz und Wassermanagement finden Sie auf Seite 18.

Mehr als nur

guter Wein

Zwischen steilen Riesling-Terrassen und sanften Donauhügeln unterstützt Winzerin Katharina Salzgeber die Entwicklung des Nachhaltigkeitsprogramms Naturland Regenerative. Ein Besuch am Nikolaihof – an einem Ort, an dem Geschichte und Zukunft eng verwoben sind.

Es raschelt und knackt zwischen den Bäumen und Sträuchern neben den Weinparzellen. Ein Reh springt erschrocken aus dem dichten Gebüsch und verschwindet leichtfüßig zwischen den Rebzeilen. „Und genau deswegen ist das so wichtig“, sagt Katharina Salzgeber und zeigt auf die vielseitige Vegetation zwischen den Riesling-Terrassen. „Man muss sich hineinversetzen – was brauchen die Tiere? Nahrung und Schutz.“

Wir stehen am „Steiner Hund“ über Mautern mit Blick auf den

Nikolaihof im Zentrum des Ortes und seine sanft-hügeligen östlichen Lagen. Wir befinden uns am Eingang zur Wachau, einer bedeutenden Weinregion Österreichs. Auf dem Donauradweg wäre es nur noch eine Etappe bis zum Wiener Stephansplatz. Aber die Stadt ist hier oben – an diesem Biodiversitäts-Hotspot –weit weg.

„Diese Vielfalt ergibt sich durch die steilen und sehr verwinkelten Hänge, die - regional üblichdurch Steinmauern querterrassiert und kaum mechanisier-

„Bio ist für mich Grundlage und Kern von Nachhaltigkeit.“

bar sind“, ordnet Katharina ein. „Hinzu kommen die fehlende Flurbereinigung, die vielen BioNachbarn und das bewohnte Löss-Gestein.“ Aber wie bei so vielen Nachhaltigkeitsthemen reicht eine eindimensionale Betrachtung nicht aus.

Naturland e.V. k.mayer@ naturland.de

„Es geht auch um Erosionsschutz. Bewachsene Böschungen und Steinmauern haben eine stabilisierende Wirkung. Hier entwickeln wir uns ständig weiter, um für Starkregenereignisse besser gewappnet zu sein.“

Vom Montafon in die Wachau

Katharina Salzgeber ist 42 Jahre alt und Winzerin aus Überzeugung – und das, obwohl sie erst mit 30 Jahren eine Winzerlehre begann. „Wein machen ist ein

Von den Weingärten des Nikolaihofs am „Steiner Hund“ blickt man über Mautern auf den Nikolaihof im Zentrum des Ortes mit seinen sanft-hügeligen Lagen.

„Was zuerst nach Pflicht klang, entpuppte sich als wertvolles Werkzeug.“

Handwerk. Man muss den Prozess begreifen, um ihn zu verstehen.“ Davor hat sie Tourismusmanagement in Krems studiert und als Pressesprecherin im Bereich Stadtentwicklung gearbeitet. „Die berufliche Veränderung war kein einfacher Prozess, aber auch wenn es pathetisch klingt, für mich war klar: das ist meine Berufung.“

Aufgewachsen ist sie im Montafon, ihre Familie betreibt eine Frühstückspension. Ein Jungsommelier-Kurs war die „Ein-

stiegsdroge“. Nach mehreren Stationen auf unterschiedlichen Weingütern kam sie an den Nikolaihof, den sie heute gemeinsam mit ihrem Partner Nikolaus „Niki“ Saahs leitet. Katharina verantwortet Weinberg und Keller, unterstützt von einem kleinen, eingespielten Team.

Ältestes Weingut Österreichs und Bio-Pionier

Der Nikolaihof befindet sich seit Ende des 19. Jahrhunderts im Besitz der Familie Saahs und wird

AUTORIN Katharina Mayer

seit 1970 nach biodynamischen Richtlinien bewirtschaftet. Die Aufzeichnungen reichen aber fast 2000 Jahre zurück. Der Nikolaihof ist ein Ort, an dem Geschichte erlebbar wird. Im schattigen Innenhof steht eine mächtige Kaiserlinde, unter deren Krone Gäste im Bio-zertifizierten Restaurant einkehren. Dabei blicken sie auf die alte Hofkapelle, darunter liegt der historische Keller, den schon die Römer nutzten.

Tradition und Moderne wirken am Nikolaihof zusammen. Das sieht man unter anderem an der Weiterverwendung des „Römerkellers“ mit seinen konstant moderaten Temperaturen und der hohen Luftfeuchtigkeit. Aber auch an Professionalisierungsschritten wie dem Hallenneubau

vor zwei Jahren mit Keller, Lager und einem kleinen Labor, wodurch Arbeitsabläufe und Logistik optimiert werden konnten.

Warum Naturland Regenerative?

Zukunftsorientiertes und nachhaltiges Wirtschaften gehört für Katharina zum Selbstverständnis ihrer Betriebsführung. Seit einigen Jahren fordern immer mehr Weinbau-Verbände genau dafür Nachweise, so auch der Gebietsschutzverband Vinea Wachau. Somit war der Anlass von Katharina, sich mit dem Nachhaltigkeitsprogramm Naturland Regenerative zu beschäftigen, zunächst pragmatisch. Die gängige Option in Österreich „Nachhaltig Austria“ kam für sie nicht

Naturland Regenerative

Sie sind Winzer oder Winzerin und möchten sich intensiver mit dem Thema Nachhaltigkeit auf Ihrem Weingut befassen? Sie möchten in den Austausch gehen mit Gleichgesinnten, Ihren Betrieb unter die Lupe nehmen und sich mit beratender Unterstützung Ziele setzen? Sie möchten einen echten Nutzen für Ihre Betriebsentwicklung generieren sowie Ihre Nachhaltigkeitsleistungen nachweisen können?

Dann ist das Nachhaltigkeitsprogramm Naturland Regenerative genau das Richtige für Sie! Ausführliche Informationen zum Programm und zur Teilnahme finden Sie hier:

Katharina Salzgeber ist Winzerin aus Überzeugung: „Das ist meine Berufung.“

Im Römerkeller am Nikolaihof wird Geschichte erlebbar.

Um die Monokultur aufzubrechen, wurden Obstbäume mit alten Sorten gepflanzt, weitere Pflanzungen sind geplant.

in Frage: „Bio ist für mich Grundlage und Kern von Nachhaltigkeit. Deshalb suchte ich einen Nachhaltigkeitsnachweis, der auf die Bio-Zertifizierung aufbaut.“

Die Suche führte sie zu Naturland – und zu einem anderen Ansatz: ein praxisnahes, auf Öko-Betriebe zugeschnittenes System, das die einzelbetriebliche Entwicklung in den Fokus nimmt, begleitet von Beratung und getragen von einer motivierenden Community. „Ich bin wegen des Nachweises eingestiegen – und dann wurde es ein augenöffnender Prozess.“

Entwicklung mit der Praxis

Naturland Regenerative wurde von Anfang an mit der Pra-

xis entwickelt. Initiator war der engagierte Naturland Winzer Axel Seck, der den Bedarf seiner Branche deutlich machte. Denn Klimawandel und Biodiversi-

„Man muss mutig und flexibel bleiben und bereit sein, zu lernen.“

dokumentieren und sichtbar zu machen.

Den Startschuss für das Projekt setzten rund ein Dutzend Winzerinnen und Winzer bei der Naturland-Fachversammlung Wein im März 2023, indem sie sich zur Mitarbeit bereiterklärten. Der Nikolaihof wurde kurz darauf Naturland Mitglied und Katharina ein aktiver Teil der Pilotgruppe.

Nachhaltigkeit als Chance erkennen

tätskrise stellen auch Bio-Winzerinnen und Winzer vor neue Herausforderungen, zudem sehen sich die Betriebe in einem schwieriger werdenden Weinmarkt gefordert, ihr Engagement für mehr Nachhaltigkeit zu

Naturland Regenerative ist mittlerweile vom deutschen Spitzenverband VDP und von der Vinea Wachau anerkannt und unterstützt Naturland Mitglieder dabei, ihre ökologischen, sozialen, ökonomischen und gesellschaft-

Fotos: Pamela Schmatz

lichen Leistungen sichtbar zu machen und gezielt auszubauen.

Aber wie sieht das nun konkret aus? Beim jährlichen Netzwerktreffen kommen alle teilnehmenden Betriebe zusammen, um von- und miteinander zu lernen. Am Bedarf für solche Foren mangelt es nicht: „Durch den Klimawandel haben wir mit starken Veränderungen zu tun, das betrifft den Weinberg genauso wie die Kellerwirtschaft“, ordnet Katharina ein. „Die Schulmeinungen sind dadurch immer schneller überholt, das macht Ausprobieren und Austausch essenziell.“

Monitoring und Nachhaltigkeitsberatung stehen dann alle drei Jahren an. „Im Daily Business verliert man leicht den Überblick. Das Monitoring hilft mir, den Betrieb strukturiert durchzugehen“, erklärt Katharina. Was zuerst nach Pflicht klang, entpuppte sich als wertvolles Werkzeug. Die Teilnehmenden bekommen hierfür sogenannte Managementpläne an die Hand, die durch Risiko- und Relevanzanalysen dabei unterstützen, wichtige Handlungsfelder zu erkennen, Ziele zu definieren und konkrete Maßnahmen zu planen.

Umsetzung erleichtern –Beratung hilft

Das Monitoring wird in der betriebsindividuellen Nachhaltigkeitsberatung aufgegriffen. „Für mich ist die praxisnahe und vor allem undogmatische Beratung von Wolfgang Patzwahl der zentrale Dreh- und Angelpunkt des Programms“, macht Katharina deutlich. Wolfgang Patzwahl ist Weinbauberater der Beratung für Naturland. Gemeinsam mit ihm hat Katharina Salzgeber nicht nur Handlungsfelder

für den Nikolaihof identifiziert, sondern auch bereits vorhandene Nachhaltigkeitsleistungen transparent gemacht.

Beispiel für eine konkrete Maßnahme, die der Nikolaihof ab 2026 mit der Unterstützung des Beraters in mehreren Weingärten umsetzen möchte, ist eine alternative Variante der rotierenden Gassenbegrünung aus dem Naturland Leitfaden Biodiversität für den Weinbau. Neben dem Mehrwert für die Artenvielfalt geht es Katharina dabei vor allem um die weitere Verbesserung von Bodenleben und Bodengesundheit.

Blick in die Zukunft

Am Ende unseres Rundgangs stehen wir auf der östlichen Donauseite. Hier sind die Weingärten vorwiegend mit Grünem Veltliner bestockt. Anders als der „Steiner Hund“ sind sie sanft hügelig und gut zu mechanisieren. Gerade deswegen ist es Katharina besonders wichtig, auch hier die Monokultur aufzubrechen: „Dass wir die Randbereiche nicht mähen und Hecken, Gebüsche sowie Weinberghütten erhalten, ist für uns eine Selbstverständlichkeit. Aber mit unserem Baumprojekt gehen wir deutlich weiter.“ Dabei zeigt sie auf die Obstbaum-Pflanzungen mit alten Sorten, die bereits an zwei Standorten umgesetzt wurden und für vier weitere geplant sind.

Dadurch zeigt sich einmal mehr: Nachhaltigkeit ist kein Zustand, sondern ein Prozess. „Man muss mutig und flexibel bleiben und immer bereit sein, weiter zu lernen“, fasst Katharina zusammen und schaut in die Ferne. Das Reh vom Morgen ist längst verschwunden, aber die Botschaft bleibt: Vielfalt ist Zukunft.

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Winzerin Nicole Roth und Berater Wolfgang Patzwahl im Interview. AUTOR Markus Fadl

DIE EXPERTEN

Nicole Roth (links) ist Naturland Winzerin aus Franken mit großer Erfahrung in Anbau, Vinifizierung und Vermarktung von PIWI-Rebsorten.

Wolfgang Patzwahl (rechts) ist Weinbauberater für Naturland. Er zählt zu den Pionieren, beschäftigt sich seit 40 Jahren mit den PIWIRebsorten und setzt sich für ihre Verbreitung ein.

Deutlich weniger Pflanzenschutz dank hoher Widerstandsfähigkeit gegen Pilzkrankheiten: Die sogenannten PIWI-Rebsorten sind durch ihrer robusten Eigenschaften im Anbau gerade für den Öko-Weinbau besonders geeignet. Warum sich trotzdem auch viele Bio-Winzer noch immer schwer damit tun und was bei der Arbeit mit PIWIs zu beachten ist, darüber sprachen wir mit Nicole Roth und Wolfgang Patzwahl.

1996 wurde mit der roten Rebsorte Regent die erste PIWI-Sorte für den Anbau in Deutschland zugelassen. Was hat sich seither getan?

Patzwahl: Der Regent ist bis heute die PIWI-Rebsorte mit dem größten Flächenanteil, aber es sind viele neue dazugekommen. Wir sind mittlerweile in der vierten Generation der PIWI-Züchtung und verfügen über eine große Auswahl sehr guter Rebsorten, rote und weiße, die im Weinberg ebenso überzeugen wie von der Weinqualität her. Längst erzielen bei internationalen Wettbewerben auch PIWI-Weine höchste Wertungen. Trotzdem sind bislang nur drei Prozent der Rebfläche in Deutschland mit PIWI-Sorten bestockt; da ist noch deutlich Luft nach oben.

Im Weingut Roth liegt der PIWI-Anteil deutlich höher. Wie haben Sie das geschafft?

Roth: Wir haben sehr früh damit angefangen und liegen jetzt bei mehr als 15 Prozent. Als mein Va-

ter 1974 als einer der ersten Winzer in Deutschland überhaupt mit Bio begonnen hat, steckte der ökologische Weinbau noch in den Kinderschuhen. Spritzen wollte man nicht mehr, aber Alternativen gab es noch keine. Bio-Pioniere wie mein Vater waren also gezwungen, einfach mal auszuprobieren, was noch funktionieren könnte im Weinberg. Es ist eigentlich die logische Konsequenz, dass man da irgendwann bei pilzwiderständigen Sorten landet.

Und wie kam das bei den Kunden an?

Roth: Auch da mussten wir erstmal ausprobieren, aber es ging dann einfacher als gedacht. Angefangen haben wir mit Johanniter und Regent, zwei absolut zuverlässige Rebsorten, die geschmacklich Bereiche abdecken, die von den traditionellen Sorten her bekannt sind. Anfangs hatten wir die Sorge, ob bei einem Namen wie Johanniter nicht mancher ans Rote Kreuz denkt. Wir sind dann trotzdem bei

Fotos: Weingut Roth, Naturland/Bielmeier

Das

dem Namen geblieben, haben aus den Jungferntrauben sogar einen Eiswein gemacht und die Kunden haben das super angenommen. Der Johanniter hat sich fest in unserem Sortiment etabliert, wie auch der Regent, außerdem Muscaris und Solaris. Zugleich probieren wir auch immer wieder neue PIWI-Sorten aus. Mit den neueren Namen wie Cabernet Blanc, Sauvignon Gris oder Blütenmuskateller tut man sich auch in der Vermarktung leichter. Wobei nicht alles gleich sortenrein in die Flasche kommt. Cuvées sind ein wichtiger Weg, um neue Sorten langsam ins Sortiment zu integrieren.

Warum tun sich die meisten Betriebe, auch im Bio-Bereich, trotzdem so schwer mit den PIWIs?

Roth: Der Weinmarkt ist sehr traditionell. Da gibt es Riesling und Silvaner, die Burgundersorten, mal einen Sauvignon Blanc - diese Sorten sind seit Jahrzehnten auf dem Markt und gelernt. Die Kunden für etwas Neues zu begeistern, das geht nur beim Probieren in der Vinothek. Man muss viel erklären; einfach die Flasche mit einem hübschen Etikett ins Regal zu stellen, funktioniert nicht.

Patzwahl: Die Kommunikation ist ganz zentral. Mit

PIWI Deutschland und PIWI International gibt es zwei Organisationen, die wichtige Informationsarbeit leisten. Besonders die Weinwettbewerbe speziell für PIWIs spielen eine wichtige Rolle dabei, die neuen Sorten positiv ins Bewusstsein der Weinkunden zu bringen und so die Akzeptanz zu erhöhen.

Kommen wir vom Weinmarketing zur Arbeit mit pilzresistenten Sorten im Weinberg: Halten die PIWIs, was sie versprechen?

Roth: Ein klares ja! Im Weinberg spricht wirklich alles für die Arbeit mit PIWIs. Bei den traditionellen Rebsorten muss ich im Schnitt pro Jahr wenigstens zehn Mal rausfahren zum Spritzen, um die Pilzbelastung einigermaßen im Griff zu halten. Auf den PIWI-Flächen reichen selbst in Jahren mit sehr hohem Pilzdruck zwei bis drei Fahrten, in manchen Jahren fahren wir auch gar nicht durch.

Patzwahl: Aus wissenschaftlicher Sicht ist es allerdings schon ratsam, auch PIWI-Flächen ein bis zwei Mal mit Pflanzenschutz zu behandeln. Das hilft, eine Anpassung des Pilzes zu vermeiden und so die Widerstandskraft der Sorten besser zu erhalten. Wir kennen das Problem von den schorfresistenten Ap-

Naturland-Weingut von Nicole Roth setzt seit Jahren erfolgreich auf PIWI-Rebsorten – heute machen sie über 15 Prozent der Rebfläche am Betrieb aus.

felsorten im Obstbau. Da wurde anfangs auch der Fehler gemacht, gar keinen Pflanzenschutz mehr auszubringen, und jetzt sehen wir bei wichtigen Sorten wie dem Topaz, dass die Widerstandskraft durchbrochen ist.

Roth: Ein bisschen zeigt sich das im Weinberg auch schon. Manche PIWI-Sorten der ersten Generation sind nicht mehr ganz so zuverlässig wie am Anfang, bei den neueren Züchtungen sind die Resistenzen wieder stärker. Aber auch mit zwei oder drei Behandlungen spart man immer noch jede Menge Traktorfahrten und damit auch CO2. Außerdem wird der Boden geschont und nicht zuletzt spart man auch enorme Kosten.

Wie sieht es mit Klimaanpassung aus: Können PIWIs hier auch etwas beitragen?

Roth: Zu den großen Herausforderungen durch den Klimawandel gehören die Wetterextreme: Heute noch 20 Grad Celsius, morgen schon 35 Grad, dann folgt heftiger Regen, so dass ich zwei Tage nicht in die Anlage fahren kann. Den Pilz schert das wenig, der kommt trotzdem. Mit einer Rebsorte, die von Natur aus widerstandsfähiger ist, kann ich meine Weinberge sehr viel gelassener führen.

Patzwahl: Die Klimaerwärmung wird auch züchterisch mitberücksichtigt. Auch deshalb tragen viele erfolgreiche neue Sorten „Cabernet“ im Namen, von Cabernet Dorsa bis Cabernet Blanc. Sie gehen zurück auf den Cabernet Sauvignon, eine Rebsorte aus südlicheren, wärmeren Gebieten. Dagegen werden traditionelle Sorten wie der Müller-Thurgau immer uninteressanter im Anbau: zu frühreif, zu alkoholisch, zu wenig Säure.

Was bedeuten PIWIs für die Arbeit im Keller: Gibt es da besondere Herausforderungen?

Roth: Die Verarbeitung im Keller ist wie bei anderen Weinen auch, jeder Ausbaustil ist möglich. Ich kann PIWIs spontan vergären, kann sie ins Holz legen, da gibt’s eigentlich keine Grenzen. Im Gegenteil: PIWIs

bieten eine riesige Aromenvielfalt und damit auch entsprechend viele Möglichkeiten, großartige Weine zu schaffen, nicht nur im Basis-Segment.

Und trotzdem dümpelt der PIWI-Anteil bei drei Prozent herum. Wie viel wäre realistisch vorstellbar?

Patzwahl: Ich würde sagen, 25 Prozent Anteil an der Fläche wären locker machbar. Das Weingesetz erlaubt, in einem Wein bis zu 15 Prozent andere Rebsorten zu verschneiden, ohne das aufs Etikett zu schreiben. So könnte man im traditionellen Programm einiges unterbringen. Zugleich braucht es den Mut, auch mal einen sortenrein ausgebauten PIWI-Wein im Spitzensegment zu etablieren. Und man kann mehr mit Cuvées arbeiten, so wie in Frankreich.

Roth: Ja, gerade in Frankreich sind die neuen Sorten gut etabliert. Dort ist die Weinphilosophie eine andere, man schreibt viel seltener Rebsorten aufs Etikett, was bei den PIWIs nun ganz bewusst genutzt wird. Selbst im strengen Bordeaux. Die Rebschulen verkaufen mittlerweile den wesentlichen Teil ihrer PIWI-Produktion nach Frankreich und Italien.

Wie bezeichnet man PIWIs auf Französisch?

Patzwahl: Ebenfalls als PIWI, das deutsche Akronym hat sich international als Markenname durchgesetzt. Seinen Ursprung hat der Begriff übrigens in der 1997 gegründeten „Arbeitsgemeinschaft zur Förderung der pilzwiderstandsfähigen Rebsorten in Franken“. Schon damals war Naturland mit dabei. Deshalb freut es mich auch immer ganz besonders, wenn gerade Naturland Betriebe wie das Weingut Roth den großen Schatz, den uns die Rebzüchtung mit den PIWIs beschert, aufgreifen und in die Praxis bringen. Solche Bespiele zeigen: PIWIs sparen nicht nur im großen Stil Pflanzschutzmittel ein, sondern man kann damit auch wirklich große Weine erzeugen.

10 tipps FÜR MEHR ARTENVIELFALT IM WEINBERG

1.

GRASSTREIFEN IM VORGEWENDE WACHSEN LASSEN

Ein Plädoyer für etwas mehr Unordnung im Weinberg: Wenn Grasstreifen im Vorgewende oder am Rand der Rebflächen nicht regelmäßig gemulcht werden, dann entstehen wertvolle Lebensräume für Insekten, wie beispielsweise Heuschrecken und Schmetterlinge. Die Tiere finden Nahrung, Versteckmöglichkeiten und möglicherweise sogar Überwinterungsplätze. Dafür sollten die Streifen lediglich ein bis zweimal pro Jahr gemäht und wenn möglich abschnittsweise über den Winter stehengelassen werden. Mit dieser einfachen Maßnahme werden außerdem Vernetzungsstrukturen im Weinberg geschaffen, d.h. Tiere können besser zwischen einzelnen Biotopen wandern.

Im Weinbau sind wir auf ein gesundes, funktionierendes Ökosystem angewiesen. Das betrifft die Verfügbarkeit von Wasser und Nährstoffen, die Regulierung von Schadorganismen, aber auch Herausforderungen wie den Klimawandel. Je vielfältiger ein Ökosystem, desto größer ist auch seine Resilienz. Doch gerade im Ökosystem Weinberg hat diese Vielfalt in den vergangenen Jahrzehnten abgenommen. Kleinstrukturierte, artenreiche Flächen sind vielerorts durch Flurneuordnung verschwunden. Die folgenden Tipps können Sie unterstützen, die Vielfalt in Ihren Weinbergen zu steigern.

3.

WILDKRÄUTER IN RANDBEREICHEN SÄEN

2. SANDFLÄCHEN IM WEINBERG ANLEGEN

Besonnte, offene Sandflächen sind ein wichtiger Lebensraum, vor allem für bodenbrütende Wildbienenarten sowie für Laufkäfer, Spinnen und Heuschrecken. Für die Anlage wird eine 50 cm tiefe Mulde erst mit einer Drainageschicht aus Steinen und dann mit ungewaschenem Sand gefüllt. Die Kombination mit Totholz oder Steinen erhöht die Attraktivität z.B. für die weinbergtypische Zauneidechse. Wichtig ist, Zuwuchs regelmäßig zu entfernen, um Beschattung zu vermeiden.

Besonders die Randzonen der Weinberge eignen sich, um wertvolle ökologische Nischen zu schaffen, ohne die Wirtschaftlichkeit zu beeinträchtigen. So können Spitzzeilen, statt sie arbeitstechnisch aufwendig zu bewirtschaften, zu mehrjährigen Wildkräuter-Blühflächen umgestaltet werden. Auch auf Flächen entlang von Wegen und Abflussrinnen oder auf Böschungen können Wildkräuterblühmischungen eingesät werden. Da diese Randbereiche nicht bearbeitet werden, entwickeln sich hier Flora und Fauna weitgehend störungsfrei. Geeignetes regional angepasstes Wildpflanzensaatgut bekommen Sie bei darauf spezialisierten Saatgutfirmen. Vor der Ansaat ist es wichtig, den Boden sorgfältig vorzubereiten und unerwünschte Beikräuter und Gräser sowie deren Rhizome und Wurzeln zu entfernen. Das Wildpflanzensaatgut sollte an der Oberfläche des feinkrümeligen Saatbeets aufgelegt und angewalzt werden, da unsere heimischen Blühpflanzen Lichtkeimer sind. Nach ungefähr vier bis sechs Wochen sollte ein Schröpfschnitt auf eine Schnitthöhe von fünf bis zehn Zentimeter erfolgen, um die Beschattung zu reduzieren. Mit dieser Maßnahme fördern Sie Bestäuber und heimische Nützlinge für die biologische Schädlingsbekämpfung im Weinberg.

4.

ARTENREICHE GASSENBEGRÜNUNGEN ALTERNATIV MANAGEN

Im Öko-Weinbau sind begrünte Fahrgassen die Regel. Werden Begrünungen nicht jedes Jahr umgebrochen bzw. gemulcht, sondern mehrjährig stehengelassen und nur bei Bedarf gewalzt, entstehen Lebensräume für Blütenbesucher, bodenlebende Insekten, Spinnen oder andere Nützlinge. Weinbauexperte Dr. Wolfgang Patzwahl (Beratung für Naturland) empfiehlt, neue Konzepte zunächst in einzelnen Parzellen zu testen. Sein Ansatz der „Rotierenden Gassenbegrünung im vierjährigen Turnus“ bricht nur jede vierte Gasse um, während eine Gasse als Biodiversitätskorridor dient. Mit artenreichen, blühenden Saatmischungen lässt sich dieser Effekt verstärken.

5.

TYPISCHE WEINBERGPFLANZEN AM DRAHTANKER WIEDERANSIEDELN

Wo im Dreieck zwischen Abspanndraht und Endstickel keine Bearbeitung erfolgt, lassen sich Weinbergstauden, Zwiebelund Knollenpflanzen oder kleine Sträucher ansiedeln. Sträucher und Stauden pflanzt man am besten im Herbst, Zwiebeln und Knollen werden von August bis Oktober gesteckt. Geeignete Weinbergstauden sind z.B. Färberkamille, Natternkopf, Rainfarn und Weinraute. Typische im Frühjahr blühende Zwiebelpflanzen sind Wilde Tulpe, Milchstern oder Traubenhyazinthe.

LEITFADEN BIODIVERSITÄT

Naturland und der Naturschutzverband LBV möchten Sie dabei unterstützen, in Ihren Weinbergen Lebensräume für heimische Arten zu schaffen und Einzelmaßnahmen untereinander zu vernetzen. Im kürzlich erschienenen Naturland Leitfaden Biodiversität mit Maßnahmen für den Weinbau finden Sie dazu zahlreiche Vorschläge und Praxistipps. Hier können Sie den Leitfaden bestellen oder als PDF herunterladen:

7.

STEINLEBENSRÄUME IM WEINBERG FÖRDERN

In der historischen Weinkulturlandschaft in Deutschland und Österreich gab es verbreitet Trockenmauern zur Hangbefestigung und Steinriegel zur Abgrenzung von Rebparzellen ebenso wie Lesesteinhaufen. Diese Strukturelemente bieten für wärmeliebende Arten einen wertvollen und abwechslungsreichen Lebensraum. Deswegen ist der Erhalt noch bestehender Steinlebensräume genauso dringend wie ein Neuaufbau. Wichtig ist, dass der Bewuchs regelmäßig entfernt wird.

6. BÄUME UND HECKEN PFLANZEN

Bäume und Sträucher sind in Weinlandschaften selten geworden. Dabei bieten Gehölze nicht nur Lebensräume für heimische Tiere und Pflanzen, sondern haben weitere positive Auswirkungen auf Mikroklima, Wasserhaushalt sowie Windund Bodenerosion. Gerade bei Trockenheit, Hitzephasen und Starkregenereignissen können Gehölze eine wichtige Maßnahme zur Klimaanpassung sein – egal ob Einzelbäume, ganze Gehölzreihen oder Hecken. Randbereiche oder aufgelassene Spitzzeilen eignen sich für erste Versuche.

Förderprogramm Artenvielfalt

Die Pflanzung einer Wildhecke fördert die Naturland Zeichen GmbH über das Naturland Förderprogramm Artenvielfalt. Informieren Sie sich online unter www.wirsindartenvielfalt.de

8. SING- UND GREIFVÖGEL UNTERSTÜTZEN

Meisen, Gartenrotschwanz, Kleiber und Co. fressen gerne Insekten und verfüttern tausende Raupen (z.B. den Traubenwickler) an ihren Nachwuchs. So helfen sie, den Schädlingsdruck zu regulieren. Nistkästen werden im Herbst auf zwei bis vier Metern Höhe mit dem Einflugloch in Richtung Osten oder Südosten angebracht.

Greifvögel und Eulen sind ebenfalls willkommene Gäste, denn sie tragen erheblich zur Mäuseregulierung bei. Sie bevorzugen hohe Ansitzstangen.

9.

PIWI-SORTEN PFLANZEN

Der Anbau pilzwiderstandsfähiger Sorten (PIWI) hat große Vorteile hinsichtlich Nachhaltigkeit. PIWI-Sorten benötigen im Durchschnitt 75 % weniger Pflanzenschutzmittel, das vermindert die negativen Auswirkungen auf die Artenvielfalt. Außerdem bedeuten weniger Pflanzenschutzfahrten auch weniger Kohlenstoffdioxid-Ausstoß, weniger Bodenverdichtung sowie weniger Arbeitsstunden und Kosten. Weitere Infos dazu ab Seite 32.

VOR NEUPFLANZUNG DIE FLÄCHE ARTENREICH BEGRÜNEN

Zwischen Rodung und Neuanpflanzung eines Weinbergs ist eine ein- oder mehrjährige Brache empfehlenswert. Weil bei der Rodung auch das Unterstützungsgerüst der Reben entfernt wird, kann wesentlich effektiver gearbeitet werden als nach der Neupflanzung. Eine Weinbergbrache dient der Bodengesundheit, der Förderung des Bodenlebens und schafft außerdem Lebensräume für Insekten, Spinnen, Vögel und Kleinsäuger. Für den Übergangszeitraum wird eine artenreiche Brachebegrünung eingesät, entweder bestehend aus Kulturarten mit tiefwurzelnden Komponenten oder – vor allem bei mehrjährigen Brachflächen – eine blühende Regio-Saatgutmischung. Die Vegetationsstruktur mit unterschiedlichen Wuchshöhen schafft ein Angebot an Verpuppungsplätzen und gibt Spinnen Raum für den Netzbau. Zudem sind die Stängel für viele Insekten ein wichtiges Überwinterungsquartier.

10.

Dein Hof. Deine Entscheidung.

Unser gemeinsames Wissen für dich.

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MARKT & PREISE

Die folgenden Marktberichte entstanden in Zusammenarbeit mit der Marktgesellschaft der Naturland Bauern AG.

Rind- und Schweinefleisch

Tomás Sonntag tier@naturland-markt.de

Druschkulturen

Stefan Schmidt pflanze@ naturland-markt.de

Sonderkulturen

Liane Regner sonderkulturen@ naturland-markt.de

Obst, Gemüse, Kartoffeln

Thomas Freudenberg ogk@naturland-markt.de

Redaktion

Roman Goldberger Beratung für Naturland r.goldberger@ naturland-beratung.de

BIO-RINDFLEISCHMARKT

Nach einer kurzen Verschnaufpause im August haben die konventionellen Preise am Rindfleischmarkt zuletzt wieder angezogen und den seit Monaten anhaltenden Steigflug fortgesetzt. Innerhalb von zehn Monaten stiegen die konventionellen Erzeugerpreise um durchschnittlich 1,70 Euro je Kilogramm Schlachtgewicht. Diese Entwicklung wirkt sich unmittelbar auf die Bio-Vermarktung aus, da die Abstände zwischen konventionellen und ökologischen Preisen zumindest mittelfristig gewahrt werden müssen.

Während die Erzeugerpreise immer weiter anziehen, bleibt das Angebot insbesondere bei Bio-Färsen, -Ochsen und -Jungbullen knapp. Saisonale Entlastungen werden voraussichtlich kurzfristig im Oktober und November erwartet, wenn die

Rinder vor der Winteraufstallung noch teilweise ausselektiert werden. Ab dem Jahresbeginn dürfte die Versorgungslage jedoch wieder enger werden. Die verschärfte Bio-Weidepflicht wird dazu sicherlich beitragen.

Auf der Nachfrageseite zeigt sich bislang keine spürbare Eintrübung. Laut AMI gingen die Einkaufsvolumina von Bio-Rindfleisch im ersten Halbjahr 2025 zwar zurück, dies wird jedoch überwiegend als angebotsbedingt interpretiert. Insgesamt spricht vieles dafür, dass die Preise auch mittelfristig hoch bleiben.

Die Marktgesellschaft der Naturland Bauern AG sucht auch für das kommende Jahr 2026 Naturland Schlachtrinder. Es wird um frühzeitige Kontaktaufnahme gebeten.

BIO-SCHWEINEMARKT

Die Nachfrage nach Bio-Schweinefleisch entwickelt sich stabil. Laut AMI gingen die Einkaufsvolumina im ersten Halbjahr 2025 zwar leicht zurück. Auch hier wird dies überwiegend dem knappen Angebot zugeschrieben.

Preislich zeigt sich der Markt weitgehend stabil bis leicht steigend. Einzelne Abnehmer haben ihre Konditionen zuletzt angehoben, insbesondere aufgrund gestiegener Futterkosten und hohem Wettbewerbsdruck. Auch strategische Preisangebote kommen vereinzelt vor, um Mengen zu sichern. Insgesamt wird die Knappheit aktuell zwar etwas weniger stark empfunden als im Vorjahr. Dennoch bleibt die Versorgungslage bei Bio-Ferkeln und Schlachtschweinen – mit durch-

aus regionalen Unterschieden –eng.

Gesucht sind beispielsweise größere Naturland Ferkelpartien insbesondere im Süden aber auch in anderen Regionen!

AUTOR Tomás Sonntag

Marktgesellschaft der Naturland Bauern tier@naturland-markt.de

SONDERKULTUREN

SOJABOHNE

Die Sojaernte startete zu Redaktionsschluss, zur Qualität lassen sich noch keine abschließenden Aussagen treffen. Grundsätzlich ist der Markt gut versorgt, die Erträge der ersten Ernten waren gut. Im Speisesegment dominiert der Vertragsanbau mit stabilen Landwirte-Preisen um 850 bis 875 Euro/t für gereinigte Speiseware. Für Futtersoja werden aktuell 700–750 Euro/t erzielt. Landwirte ohne Kontrakte müssen – je nach Versorgung des Marktes –mit etwas schwächeren Preisen rechnen.

SONNENBLUME

Auch bei Sonnenblumen sind die Ernteergebnisse zu Redaktionsschluss noch nicht absehbar. Schon jetzt ist hingegen klar, dass die sogenannte HO-Ware (High-Oleic), die für Frittier- und Bratöle benötigt wird, knapp sein wird. Hier sind in den nächsten Monaten Preissteigerungen möglich. Standard-Ware (Linoleic) ist derzeit dagegen ausreichend verfügbar. Im Bereich Schälsonnenblumen wollen wir den Vertragsanbau zu stabilen Preisen deutlich ausweiten. Hier werden wir zeitnah auf uns bekannte Sonnenblumenanbauer zukommen.

RAPS & HANF

Die Rapsernte verlief dieses Jahr reibungslos und erbrachte im Durchschnitt zufriedenstellende Erträge. Die Auszahlungspreise lagen bei rund 900 Euro/t und sind damit leicht gestiegen. Besonders stark ist die Nachfrage nach Rapskuchen als Eiweißfuttermittel, während die Ölnachfrage aufgrund fehlender Produkte im Lebensmitteleinzelhandel zögerlich ist. Perspektivisch brauchen wir wieder mehr Landwirte, die in den Rapsanbau einsteigen, da die Nachfrage am Markt stabil bleibt.

Nils Ahlstrand

Mail: info@saseq.se

Phone: +46 70 638 31 33

www.saseq.se

Besuche uns in Halle 11 D 32

AUTORIN

Liane Regner

Marktgesellschaft der Naturland Bauern sonderkulturen@ naturland-markt.de

Hanf ist ebenfalls wieder im Aufwind und bietet attraktive Perspektiven, insbesondere in Nord- und Ostdeutschland. Schon jetzt können wir mit klaren Bedingungen feste Vorverträge zu interessanten Konditionen abschließen.

SPEZIALGETREIDE

Spezialgetreide entwickelt sich sehr positiv. Vor allem Emmer, Goldhirse, Nackthafer und Buchweizen stoßen auf steigende Nachfrage. Für diese Kulturen werden bereits feste Vorverträge angeboten, um Anbau und Vermarktung zu stabilisieren.

GEMÜSE & KARTOFFEL

Im Gemüsesegment sind Möhren und Rote Bete die Hauptkulturen mit stabiler Nachfrage. Rote Bete profitiert von wachsender Beliebtheit als „Superfood“. Die Vermarktung der Industrieware erfolgt überwiegend über Kontrakte. Bei Kartoffeln herrscht dagegen Überversorgung, was Druck auf die Lagerungskapazitäten und Preise ausübt. Auch der Markt für Frischmarktware (z.B. Zwiebeln) zeigt sich stabil. Insgesamt bleibt die Nachfrage nach Bio-Gemüse solide, Neueinsteiger brauchen aber vorab Kontrakte.

Cameleon
Kvickfinn
Combcut
Crimper Roller

BIO-DRUSCHFRÜCHTE

Zur Ernte 2025 zeigen sich die Märkte für BioDruschfrüchte sehr unterschiedlich: Während Weizen und Dinkel überwiegend stabile Entwicklungen verzeichnen, geraten Hafer und Roggen unter Druck. Braugerste bleibt ein Sorgenkind.

HAFER

Hafer war in den vergangenen Jahren eine gefragte Kultur mit hohen Preisen, doch 2025 hat sich die Lage gedreht: Erträge und Hektolitergewichte sind außergewöhnlich gut, in der Folge ist der Markt überversorgt. Die Mühlen sind eingedeckt, und die Preise sinken deutlich. Landwirte müssen sich nun auf ein Niveau von 320–350 Euro/t einstellen, deutlich unter den Spitzenwerten der Vorjahre. Wer frühzeitig über Pool- oder Vorverträge verkauft hat, gehört zu den Gewinnern.

WEIZEN

Die Weizenernte zeigt ein gemischtes Bild: Insgesamt wurden die Kontrakte gut erfüllt, doch die Qualität variiert stark. Besonders in Bayern führten Regenperioden zu Fallzahl- und Kleberproblemen. Umgekehrt kommen aus Regionen ohne Ernteregen auch viele starke Backweizenpartien auf den Markt. Diese Überhänge könnten den Preis für hochwertige Ware mittelfristig belasten. Landwirte erzielen aktuell je nach Qualität zwischen 300 und 450 Euro/t.

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CRITERIO (E)

AUTOR

Stefan Schmidt

Marktgesellschaft der Naturland Bauern pflanze@naturland-markt.de

FUTTERGETREIDE

Futterweizen startete mit hohen Preisen in die Saison, fiel aber nach den Witterungsproblemen und durch den verstärkten Zulauf schwächerer Qualitäten unter die Marke von 300 Euro/t. Viele Marktbeteiligte gehen jedoch davon aus, dass dies nur ein Zwischentief ist und sich die Preise zum Winter hin wieder stabilisieren könnten. Insgesamt bleibt der Markt tendenziell knapp, da weniger Futtergetreide angebaut wurde.

DINKEL

Dinkel ist erneut eine bedeutende Kultur, Mengen sind ausreichend vorhanden. Leider hat der Regen zur Ernte auch bei Dinkel zu Qualitätsproblemen geführt. Rund 10 % der Partien leiden unter niedrigen Fallzahlen. Futterdinkel ist kaum absetzbar. Gute Qualitäten erzielen jedoch noch LandwirtePreise von 400 bis 450 Euro/t. Insgesamt bleibt der Markt stabil.

ROGGEN

Roggen leidet neben der geringen Anbaufläche auch unter verschärften Qualitätsanforderungen: Der zulässige Mutterkornanteil wurde von 0,05 % auf 0,02 % gesenkt. Rund 10 % der Partien überschreiten diesen Wert – vor allem aufgrund der neuen Vorgabe. Preislich liegt Roggen mit 320–340 Euro/t knapp über dem Futtergetreide-Niveau.

BRAUGERSTE

Die Lage bei Braugerste bleibt kritisch. Der Anbau wurde weiter reduziert, die Nachfrage der Brauereien ist schwach, und die Verbandsnachfrage nimmt ab. Die Branche rechnet mit weiter sinkenden Anbauflächen, da die Erlöse für Landwirte kaum attraktiv sind.

TIPP

Im Naturland Podcast WIR BIO-BAUERN spricht Stefan Schmidt über die Marktlage. Über den QR-Code geht‘s direkt zur Folge.

Kurs

DEN BEWUSST SETZEN

Wer bewusst züchtet, stärkt Leistungsfähigkeit und Robustheit der Herde. Ob Milchleistung, Grundfuttertauglichkeit oder Fitness – die Ziele sind vielfältig, die Verantwortung liegt beim Betrieb. Unsere sechs Fragen und Antworten zeigen, warum es sich lohnt, sich intensiver mit der Öko-Zucht zu beschäftigen

Warum ist es wichtig, Zuchtentscheidungen bewusst zu treffen?

Die züchterische Entwicklung der eigenen Herde ist einer der Grundsteine für eine erfolgreiche betriebliche Entwicklung. Sie ist daher mit ausschlaggebend für die wirtschaftliche und persönliche Zufriedenheit der Betriebsleiter. Betrieblicher Erfolg kann dabei sehr individuell definiert sein. Spielt vielleicht für den Einen die Steigerung der Milchleistung die maßgebliche Rolle, kann für den Anderen eine stark grundfutterbasierte Fütterung mit bestmöglich weidetauglichen Kühen im Vordergrund stehen. Einige Ziele wie Langlebigkeit und unkomplizierte, gesunde Kühe werden sich wohl auf den meisten Betrieben decken. Ist die Entscheidung getroffen, wohin sich die Herde in erster Linie entwickeln soll, ist eine bewusst an den Eigenschaften der Kuh angepasste Anpaarung durchzuführen, um dieses Ziel bestmöglich erreichen zu können.

Beschäftigen sich Betriebe ausreichend mit dem Thema Züchtung?

Eine Entscheidung darüber zu treffen, welcher Bulle zu einer bestimmten Kuh passt, ist komplex und nennenswerte Erfolge sind erst nach längeren Zeiträumen zu erwarten. Nun liegt es in der Natur des Menschen, dass die Begeisterung für ein Thema nachlässt, je weiter mögliche Ergebnisse in der Zukunft liegen und umso schwerer sie greifbar sind. Doch genau das ist hier besonders wichtig. Zucht heißt: Denken in Generationen. Ein Beispiel, das diesen Zusammenhang verdeutlicht: Uns allen ist bewusst, dass wir etwas gegen den Klimawandel tun müssen. Das persönliche Handeln zu ändern, fällt aber manchmal schwer, weil kein direkter Effekt erkennbar scheint. Umge-

„ Zucht heißt: Denken in Generationen.“

AUTOR

Sebastian Wagner

Beratung für Naturland s.wagner@naturlandberatung.de

kehrt handeln wir sofort, wenn dieser Effekt unmittelbar spürbar ist. Sinken zum Beispiel die Inhaltsstoffe der Milch, spürt man das im Geldbeutel. Eine Überprüfung der Futterration erfolgt schnell und das Ergebnis ist direkt erkennbar. In der Zucht geht das leider nicht so schnell. Das führt in der Praxis immer wieder dazu, dass die Verantwortung gerne an den Besamer übertragen wird.

Der Besamer ist Profi, warum soll nicht er die Anpaarung entscheiden können?

Es muss keineswegs schlecht sein, dem Fachpersonal die Entscheidung zu überlassen. Damit dieses zielgerichtet handeln kann, müssen vorher die Zuchtziele für jede Kuh klar besprochen werden. Hier liegt die Verantwortung wieder bei der Betriebsleiterin oder dem Betriebsleiter. Man kommt also nicht umhin, sich mit den Zuchtvoraussetzungen der einzelnen Kuh zu beschäftigen, um den passenden Bullen auszuwählen. Wird das nicht gemacht, bleibt dem Besamer auf die Schnelle nicht viel mehr, als eine „Bauchentscheidung“ zu treffen. Ob diese dann wirklich am Einzeltier orientiert ist, bleibt offen.

1.
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Für Braun- und Fleckvieh gibt der Ökologische Zuchtwert (ÖZW) einen schnellen Überblick. (oben).

Für Schwarzbunte oder Rotbunte Kühe wurde der RZÖko entwickelt. Ähnlich wie beim ÖZW wird auch hier die Milchleistung gegenüber der Bewertung im klassischen Gesamtzuchtwert etwas herabgestuft. (unten)

Wie gewinne ich bei der Vielzahl an Zuchtbullen einen Überblick?

Der Ökologische Zuchtwert (ÖZW) kann einen schnellen Überblick geben. Er fußt auf Basis konventioneller Zuchtwerte, weil ein eigenes Zuchtprogramm nur mit Bio-Bullen derzeit noch nicht möglich ist. Die Einzelzuchtwerte werden in der Gesamtbewertung der Bullen aber deutlich anders gewichtet. Im ÖZW werden folgende Merkmale in den Fokus gerückt:

• Nutzungsdauer

• Milchleistung, die überwiegend über Grundfutter erzeugt werden kann

• verhaltene Erstlingsleistung mit Leistungssteigerung in späteren Laktationen

• möglichst hohe Persistenz (flache Laktationskurve)

Die Gewichtung der Zuchtwerte für die Merkmalskomplexe Milch, Fleisch und Fitness unterscheidet sich deutlich von der konventionellen. Liegen sie dort bei Milch bei 38 %, bei Fleisch bei 18 % und bei Fitness bei 44 %, werden sie für den ÖZW bei 20 %, 15 % und 65 % gesetzt, Fitness steht also klar im Mittelpunkt. Etwas plakativ zusammengefasst: Die Ziele der konventionellen Zucht liegen stärker bei einer deutlichen Verbesserung der Milchleistung, ohne dass die Fitnesseigenschaften darunter leiden. Beim ÖZW liegt die Zielsetzung in einer deutlichen Verbesserung der Fitness, während sich die Milchleistung leicht verbessert und sich die Fleischleistung hält.

Wo finde ich den ÖZW?

Mehrmals jährlich erscheinen auf der Website der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft, Institut Tierzucht (www.lfl.bayern.de) aktuelle Infos zum ÖZW, z.B. eine Listung der ÖZW empfohlenen Bullen für Braunvieh und Fleckvieh sowie eine nähere Beschreibung der Abstammung. In Österreich bietet die HBLF Raumberg-Gumpenstein (www.raumberg-gumpenstein.at) entsprechende Informationen. Eine einfache und gezielte Suchfunktion kann über das BaZI Rind auch für den ÖZW vorgenommen werden. Zudem bildet der ÖZW die Grundlage für das Anpaarungsprogramm OptiBull-Öko, das von Milchviehhaltern mit LKV-Mitgliedschaft in Bayern genutzt werden kann. Bullen, die mit dem Logo des ÖZW in Zuchtkatalogen gekennzeichnet werden, erfüllen die Mindestanforderungen der Öko-Rinderzucht und sind somit auf die Eignung als Bio-Zuchtbulle geprüft. Falls Sperma des ausgewählten Bullen von der eigenen Besamungsstation nicht bevorratet wird, kann es bei Zuchtstationen bestellt werden.

Merkmale im Zuchtwert

Nutzungsdauer (RZN)

Gesundheit (RZGesund)

RZÖko

Gibt es auch ein Angebot für Züchter von Schwarz- oder Rotbunten Kühen?

Für diese Rassen wurde der RZÖko entwickelt (Relativzuchtwert Öko). Ähnlich wie beim ÖZW wird auch hier die Milchleistung gegenüber der Bewertung im klassischen Gesamtzuchtwert etwas herabgestuft. Im RZÖko hat die Nutzungsdauer mit Abstand das höchste Gewicht (RZN 38 %) und kommt zusammen mit den direkten Gesundheitsmerkmalen (RZGesund 21 %) auf fast 60 %. Für die Milchleistungsmerkmale geht nicht der RZMilch ein, sondern Einzelmerkmale für Eiweiß-, Fettmenge (zusammen 27 %) und Milchmenge. Dadurch kann die (fett- und eiweißfreie) Milchmenge negativ gewichtet werden (ZW-Milch-kg -6 %). Der RZÖko soll sich an der Wirtschaftlich-

Wir sind auch Öko!

Zertifziert: DE-037-ÖkoKontrollstelle

» Wir vermarkten Ihr Öko-Speise- und Futtergetreide

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Kontaktiren sie uns gerne, Ihr Öko- Team St. Wolfgang

Raiffeisen-Waren GmbH Erdinger Land

Betrieb St. Wolfgang Raiffeisenstraße 3, 84427 St. Wolfgang st.wolfgang@rwg-erdinger-land.de · Tel. 0 80 85 - 15 32 www.rwg-erdinger-land.de · www.bio-kleegras.de

Milchinhaltsstoffe (18 % Eiweiß-kg, 9 % Fett-kg) 27%

Milchmenge (Milch-kg) negativ gewichtet 6%

Kalbeverlauf (RZKm) 3%

Körperkondition (BCS) 5%

© www.richtigzüchten.de

keit der Milchproduktion unter ökologischen Bedingungen orientieren. Daher sind die Exterieurmerkmale nicht im RZÖko enthalten, denn sie beeinflussen die Wirtschaftlichkeit nicht direkt.

Der BCS (Body Condition Score) ist mit 5 % berücksichtigt. Ziel ist es, die allgemeine Robustheit der Milchkühe zu verbessern. Für Robustheit gibt es aktuell noch keinen Zuchtwert – aber es gibt gute Gründe anzunehmen, dass die genetische Veranlagung für eine bessere Körperkondition in positivem Zusammenhang mit der Fähigkeit der Milchkuh steht, mit Störungen besser zurechtzukommen. Listungen der RZÖko Bullen sind im Internet leicht zu finden. Zum Beispiel auf der Seite der Ökologischen Tierzucht GmbH (www.oekotierzucht.de).

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Stephan Sinn

Bio-Jungpflanzen

Auf der Büsche 3 67363 Lustadt

Tel: +49 6347 9720 16 Fax: +49 6347 9720 20

E-Mail: info@sinn-lustadt de DE-ÖKO-006

AUTOR

Beratung für Naturland s.lemmerer@ naturland-beratung.at

WACHSTUM DURCH

Kooperation

Milchviehbetriebe sind selten geworden im oberösterreichischen Zentralraum zwischen Linz, Steyr und Wels. Dort haben Anna und Johann Musil über die Jahre ein spezielles Betriebskonzept aufgebaut: Sie füttern ihre Milchkühe im Wesentlichen mit Feldfutter aus Kooperationen.

Anna und Johann Musil haben 1994 den Betrieb mit 14 ha Eigengrund übernommen und auf biologische Wirtschaftsweise umgestellt. Da Grünland in der Ackerbauregion einfach und günstig zu pachten war, wurde der Beschluss gefasst, die Milchproduktion nicht aufzugeben, sondern auszuweiten. Zur gleichen Zeit stellte in unmittelbarer Nachbarschaft ein viehloser Landwirtschaftsbetrieb ebenfalls auf Bio-Landbau um. Durch Anpassung der Fruchtfolge wurden nach dem Umstieg auf ökologische Wirtschaftsweise jedes Jahr 20 ha Kleegras angebaut, für die es am viehlosen Ackerbaubetrieb keine Verwertung gab. So entstand die Idee einer Kooperation, wobei der Ackerbaubetrieb in erster Linie an Dünger im Gegenzug für das Feldfutter interessiert war. In den folgenden drei Jahrzehnten stellten immer mehr Betriebe in der Region auf Bio-Landbau um und zeigten Interesse an einer ähnlichen Kooperation. Mittlerweile ist der Betrieb von Familie Musil auf einen Tierbestand von 70 Milchkühen plus Nachzucht (insgesamt 130 Stück Vieh) angewach-

sen, wobei die Fütterung im Wesentlichen mit Feldfutter aus Kooperationen mit zwölf Bio-Landwirten auf über 55 ha erfolgt.

Tauschgeschäft

Die Idee ist einfach: die Futterlieferanten sollen die Nährstoffe, die sie abgeben, auch wieder retour bekommen. Da der Betrieb Musil jährlich auch 600 t Stroh und Spelzen als Einstreu zukauft und die eigenen Flächen extensiv bewirtschaftet werden, bekommen die Kooperationspartner sogar mehr organische Masse, als sie abgeben, erklärt Johann Musil: „Unser Betrieb hat das so gelöst, dass das Verhältnis sogar 1:1,5 ist, damit auch der damit verbundene Aufwand für die Partner gedeckt ist.“

1 Johann Musil füttert seine Milchkühe im Wesentlichen mit Feldfutter aus Kooperationen. Heu von den eigenen Grünlandflächen wird dazu gemischt.

2 8.000 Liter Stalldurchschnitt bei nur 400 kg Kraftfuttereinsatz pro Kuh und Jahr sind das Ergebnis optimaler Feldfutterqualität.

3 Aktuell bezieht der Betrieb Musil das Feldfutter aus Futter-Mist-Kooperationen mit zwölf Bio-Landwirten.

Im Herbst und Winter erfolgt die Planung für das kommende Jahr. Die Betriebe geben die verfügbaren Kleegrasflächen bekannt und es wird fixiert, wie viel Gülle zurückgetauscht werden kann. Die Grundannahme sind ca. 30 Ballen Kleegras pro ha, für die der Ackerbauer dann 60 m³ Gülle retour bekommt. Die Kleegrasernte führt Musil dann komplett selbst auf eigene Rechnung durch. Die Ackerbauern holen die Gülle dafür auf eigene Kosten ab.

Grundfutterleistung gegen Bodenfruchtbarkeit

Für Anna und Johann Musil liegt der große Vorteil dieses Betriebskonzeptes darin, dass sie Zugang zu hochwertigen Grundfutterflächen haben, ohne

„Der Hauptanteil des Futters ist Kleegras von unseren Partnerbetrieben.“ Johann Musil

teuer Ackerflächen pachten zu müssen. „Wir ernten das Kleegras zu besten Zeitpunkten, wir haben zum Teil Nährstoffgehalte, die besser sind als bei Gerste“, erläutert der Betriebsleiter. Beweis dafür sind gut 8.000 Liter Stalldurchschnitt bei nur 400 kg Kraftfuttereinsatz pro Kuh und Jahr. Die Grünlandflächen am Betrieb sind Dauerweiden und extensive Wiesen, die in der Regel zwei Mal geheut und kaum gedüngt werden. Johann Musil: „Das sind unsere Kräuterwiesen, wo wir glauben, dass das Heu zum dazu Mischen super ist, aber die Milch muss aus dem Kleegras kommen.“

Die Ackerbaubetriebe profitieren ebenfalls von der Kooperation: zwischen Aussaat des Feldfutters und Umbruch fällt für die Betriebe kein Aufwand an, teures Mulchen entfällt. Der Abtransport des Aufwuchses erhöht darüber hinaus die Stickstofffixierleistung und die Betriebe bekommen im Äquivalent flexibel Nährstoffe retour, die gezielt da eingesetzt werden können, wo sie gebraucht werden. „Kuhmist ist der Germ für den Boden“ schwärmt Johann Musil. „Bevor der Kunstdünger erfunden worden ist, war die Kuh die Grundlage, dass Weizen, Gemüse oder Kartoffeln gewachsen sind, es war ein Muss. Betriebe, die kein Vieh hatten, hatten keine Ernte. Der Bio-Landbau zwingt uns wieder dazu, weil wir unseren Dünger wieder selbst produzieren müssen.“

Erfolgsfaktor Puffer

Die Kooperationen stellen den Betrieb Musil vor zwei Herausforderungen: Die eine Herausforderung ist, dass jedes Jahr etwas unterschiedliche Kleegrasmengen verfügbar sind, daher wird am Betrieb immer ein Futtervorrat von fünf bis sechs Monaten vorgehalten. Mittlerweile sind die potenziellen Futterflächen aber viel mehr als der Futterbedarf und es gibt auch immer wieder Anfragen von neuen interessierten Betrieben. „Aber wir wollen unseren Viehbestand momentan nicht mehr vergrößern“, winkt Johann ab.

Eine weitere Herausforderung war am Anfang die Lagerkapazität für Gülle. Dieses Problem hat sich entschärft, seit ein ehemaliger Schweinemastbetrieb mit 800 m³ Lagerkapazität Partnerbetrieb wurde. Der holt sich die Gülle bereits im Winter, ansonsten ist es ganz individuell, wann die Betriebe die Gülle abrufen. „Das ist auch jedes Jahr unterschiedlich, wie und wo sie den Dünger halt brauchen. Im Frühjahr ist die Gülle immer zu wenig, da will jeder fahren“, erzählt Johann Musil: „Da wird aufgeteilt, was da ist.“

Knackpunkt Distanz

„Ein Problem ist, wenn die räumliche Entfernung zu groß wird“, gibt Johann Musil zu bedenken. „Optimal ist ein Umkreis von fünf Kilometer. Ab zwanzig Kilometer wird’s einfach uninteressant. Das geht beim Futter vielleicht mit Ach und Krach, aber Gülle zwanzig Kilometer zu fahren, macht keinen Sinn.“ Weiter entfernte Betriebe bringen daher in der Regel nur so viel Kleegras in die Kooperation ein, wie sie für die „bedürftigsten“ Kulturen an Gülle brauchen.

Geheimnis der Kooperation

Das Geheimnis einer gelingenden Kooperation ist für Johann Musil einfach: „Entscheidend ist, dass beide Kooperationspartner die Vorteile sehen“, ermutigt der Milchviehbetrieb. „Ich bin überzeugt,

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Maren Maitra, Tel. 0172 446 0465 maitra@bio-futter.sh für Schleswig-Holstein Thies Thamling, Tel. 0162 765 4297 thies.thamling@bio-futter.sh

Mit 2 Werken: Bassum und Süderbrarup

TIPP

Ein Video über das Betriebskonzept und die FutterMist-Kooperationen am Betrieb Musil finden Sie im YouTube-Kanal von Naturland. Der QR-Code führt direkt zur Playlist.

dass das eine der besten Möglichkeiten ist, die wir haben“. Der jahrzehntelange Erfolg dieses Betriebskonzeptes untermauert diese Aussage ebenso wie der Umstand, dass die Partner kaum wechseln. „Mit den Betrieben, mit denen wir zusammenarbeiten, haben wir in der Regel ein sehr gutes, freundschaftliches Verhältnis. Wir ernten nicht nur, wir trinken auch öfters ein Bier miteinander!“

Telefon 04321 990-102 getreide@gut-rosenkrantz.de

Telefon 04321 990-105 saaten@gut-rosenkrantz.de

PODCAST WIR BIO-BAUERN

MELKROBOTER IM BIO-BETRIEB

Automatisches Melken verspricht

mehr Flexibilität im Alltag. Doch funktioniert das im Zusammenspiel mit Weidehaltung überhaupt?

Darüber haben wir im Naturland

Podcast WIR BIO-BAUERN mit Bio-Bäuerin Andrea Schreiber und Naturland Berater Konrad Maier gesprochen.

Die Erfahrungen aus Beratung und Praxis zeigen: Ja, es geht. Aber nur, wenn Rahmenbedingungen und Management konsequent angepasst werden. Das bestätigt Bio-Milchbäuerin Andrea Schreiber im Podcast WIR BIO-BAUERN. Auf dem Schreiberhof in Südostbayern melken zwei Roboter rund 110 Kühe. „Die erste Woche mit den Robotern war eine Herausforderung“, erinnert sich Andrea Schreiber zurück. „Kühe und Menschen mussten sich an das neue System erst gewöhnen.“ Besonders wichtig sei in dieser Zeit die fachliche Begleitung vom Hersteller (Anm.Red: in diesem Fall Lely) gewesen, erzählt die Milchbäuerin.

Das bestätigt auch Konrad Maier von der Beratung für Naturland: „Gerade die Kombination aus Weidegang und Roboter kann zu Beginn etwas herausfordernd sein. Hier braucht es Zeit, Geduld und ein gutes Management.“ Die Vorteile des Melkroboters

möchte Andrea Schreiber jedoch nicht mehr missen:

• Flexiblere Arbeitszeiten: Statt fester Melkzeiten stehen Beobachtung und Kontrolle der Tiere mehr im Mittelpunkt.

• Mehr Tierdaten: Ein AMS liefert Informationen, die frühzeitig auf Krankheiten, Klauenprobleme etc. schließen lassen.

• Höherer Kuhkomfort: Wenn die Weidevoraussetzungen passen, lassen sich Melkroboter und Weidehaltung gut kombinieren.

Worauf es ankommt

Konrad Maier betont im Podcast, dass es wichtig sei, nicht allein auf die Technik zu schauen, sondern darauf, wie das Management drumherum gestaltet ist: „Tränken, Triebwege und die Klauengesundheit sind entscheidend. Das sind oft die Stellschrauben, die über Erfolg oder Stress entscheiden.“ Tatsächlich ist entscheidend, dass Kühe freiwillig und regelmäßig zum Melken gehen.

Erfolgsbeispiel Schreiberhof

Am Schreiberhof hat der Umstieg und die Kombination von Weide und Melkroboter gut geklappt, Andrea Schreiber berichtet im Podcast von stabilen Milchleistungen, einem besseren Überblick über die Herde und deutlich mehr Flexibilität im Arbeitsalltag. Besonders geschätzt wird die Datenflut des Roboters: Veränderungen bei Wiederkau- oder Fresszeiten geben früh Hinweise auf Gesundheitsprobleme – ein echter Gewinn für Tierwohl und Management.

WIR BIO-BAUERN

Weitere Einblicke und Tipps von Andrea Schreiber und Konrad Maier erfährst Du im Naturland Podcast WIR BIO-BAUERN online unter www.naturland-beratung. de/podcast oder überall, wo es Podcasts gibt. Der QR-Code führt direkt zur Folge mit Andrea Schreiber und Konrad Maier.

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 Hemmung der Milchproduktion

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 Förderung der Geweberückbildung

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BERATERTIPP

Martina Kozel Beratung für Naturland m.kozel@ naturland-bertung.de

Foto: Agrarfoto

WAS TUN BEI KOKZIDIOSE?

Kokzidiose beim Schwein wird in der Praxis häufig unterschätzt. Aufgrund ihrer Persistenz und Reinfektionsgefahr stellt sie jedoch ein relevantes gesundheitliches und wirtschaftliches Problem dar.

Kokzidiose tritt vor allem bei Saugferkeln in den ersten zwei Lebenswochen auf. Verursacht wird sie durch einzellige Parasiten im Dünndarm. Die Infektion erfolgt durch die orale Aufnahme von infektiösen Oozyten aus der kontaminierten Umgebung (z.B. Abferkelbucht, Gesäuge). Erregerreservoir sind ältere Schweine.

Typisches Symptom für Kokzidiose ist wässriger bis pastöser, oft gelblich-weißer und übelriechender

Durchfall. Die betroffenen Ferkel kümmern, in schweren Fällen

führt Kokzidiose zu Austrocknung und Tod. Zudem sind erkrankte Ferkel empfänglich für bakterielle Sekundärinfektionen. Auch subklinische Infektionen – also ohne sichtbare Symptome – verursachen wirtschaftliche Verluste.

Behandlung

• Toltrazuril - bekannt unter Handelsnamen wie Baycox® oder Toltranil ® - ist ein häufig eingesetztes Medikament zur Behandlung (dies kann auch in einem Kombinationspräparat mit Eisen gegeben werden) vom dritten bis fünften Lebenstag.

• Unterstützend: Flüssigkeitsund Elektrolytausgleich, Wärmezufuhr, falls nötig Therapie von bakteriellen

Sekundärinfektionen mittels Antibiotika.

• Frühzeitige Behandlung ist entscheidend, um Schäden an der Darmschleimhaut zu minimieren.

Vorbeugende Maßnahmen

• Gründliche Reinigung

• Trockene Umgebung und saubere Liegeflächen

• Sauen waschen vor Einstallung

Da die Bekämpfung von Kokzidiose eine Parasitenbehandlung ist, zählt diese nicht zu den antibiotischen Behandlungen bei Ferkeln und ist somit nicht limitierend hinsichtlich der zugelassenen antibiotischen Behandlungen.

SORTIERSCHLEUSEN IN DER BIO-SCHWEINEMAST

Auch in der Bio-Schweinemast werden in manchen Regionen Großgruppen von 200 oder mehr Tieren gehalten.

In vielen dieser Ställe kommen Sortierschleusen zum Einsatz. Sie ermöglichen eine präzise Gewichtserfassung, gezielte Fütterung und erleichtern das Aussortieren. Zudem können Arbeitsschritte durch die Schleusen automatisiert werden, und ihre Integration in bestehende Gebäude ist oft gut möglich.

Aufbau und Funktionsweise

Der Fressbereich ist dann nur über die Sortierschleuse zugänglich und kann in mehrere Abschnitte unterteilt werden – ein direkter Zugang zur Verladerampe ist sinnvoll. Über Rücklauftüren gelangen die Tiere zurück in Ruhe- und Aktivitätsbereiche. Die Sortierschleuse selbst lässt jeweils nur ein Schwein durch eine pneumatische Einlasstür hinein. Das Gewicht wird über eine Waage oder per Kamera erfasst, bevor die Auslasstüren das Tier in den jeweiligen Fressbereich leiten. Von dort gelangen die Tiere durch Rücklauftüren, die nur in eine Richtung durchgängig sind, in den Ruhe- und Aktivitätsbereich zurück.

Zum Anlernen bleiben die Türen 8 bis 14 Tage geöffnet, damit die Tiere die Laufwege kennenlernen. Ab etwa 50 bis 60 kg Lebendgewicht wird die Sortierfunktion aktiviert und die Fütterung kann nach Gewichtsgruppen gesteuert werden. Zur Selektion

vor dem Verkauf wird ein Fressbereich zur Vermarktungsbucht umfunktioniert, die Buchtgröße wird über Trenngitter angepasst.

Wirtschaftlichkeit und Arbeitsaufwand

Eine Sortierschleuse kostet inklusive Rücklauftüren rund 12.000 Euro. Sie ermöglicht eine bessere Raumausnutzung und optimiert das Vermarkten von Schlachttieren. Zudem können gegenüber Kleingruppen Buchtenwände eingespart werden. Auch das Umgruppieren übrig gebliebener Schweine in eine kleinere Nachmast-Bucht ist leichter möglich, weil – im Gegensatz zum Umgruppieren mehrerer Kleingruppen – keine Rangkämpfe entstehen. Dadurch können die Umtriebe gesteigert werden.

Arbeitswirtschaftlich erleichtert die Schleuse das Wiegen, Selektieren und Reinigen. Gleichzeitig entstehen zusätzliche Arbeiten durch Bedienung, Steuerung, Wartung und Tierkontrolle. Ein enormer Vorteil besteht darin, dass alle Abläufe von einer Person durchgeführt werden können.

AUTORIN Gretha Schnieders

Beratung für Naturland g.schnieders@ naturland-beratung.de

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EINSTIEG IN DIE HALTUNG VON

Bio-Masthähnchen

Bio-Masthähnchenfleisch ist am Markt gefragt. Für Betriebe, die ein neues Standbein suchen, könnte die ökologische Hähnchenhaltung interessant sein. Ist jetzt der richtige Zeitpunkt, um einzusteigen?

Den Masthähnchenmarkt kann man in den letzten Jahren als durchaus turbulent bezeichnen. Zur Zeit der Pandemie kam man gar nicht nach mit den vielen Nachfragen, weil großer Wert auf biologische und regionale Produktion gelegt wurde. Danach kam das böse Erwachen – Teuerung und Sparmaßnahmen haben das Kaufverhalten der Konsumenten beeinflusst und dazu geführt, dass Masthähnchenbauern längere Leerstehzeiten hatten. Mittlerweile hat sich das Blatt gewendet.

Trotz anhaltender Teuerung ist die Nachfrage im Jahr 2025 so hoch wie nie. Ein großer Faktor sind hier die Handelsketten, da diese Bio für die breite Masse zugänglich machen möchten. Das Angebot reicht mittlerweile vom Bio-Feinkostladen bis hin zum Discounter. Der Trend geht zu Bio und erhöhtem Tierwohl, das haben besonders in Österreich viele Bio-Landwirte erkannt: Der Anteil der biologischen Masthähnchen an der gesamten Masthähnchenhaltung liegt in Österreich bei satten 22 %, während er in Deutschland gerade einmal 2 % beträgt.

4800 Masthähnchen pro Einheit

Laut EU-Bio-Verordnung dürfen maximal 4.800 Masthähnchen pro Einheit gehalten werden, bis zu drei Einheiten pro Betrieb sind möglich. Eine typische Größe sind 9.600 Masthähnchen mit Vormast. Vormast bedeutet, dass die Küken in einem kleineren Stall 21 bis 28 Tage lang aufgezogen und dann

AUTOR

Hans-Peter Jud

Beratung für Naturland hp.jud@ naturland-beratung.at

in den Maststall überstellt werden. Bei Betrieben mit Vormast rechnet man mit acht bis zehn Umtrieben, ohne Vormast mit fünf Umtrieben pro Jahr. Der Vorteil der höheren Umtriebsrate bei Vormast steht dem Nachteil gegenüber, dass man immer zwei Altersgruppen am Betrieb und dadurch höheren Keimdruck hat. Bei nicht konsequentem Hygienemanagement kann es dadurch über die Jahre zu schlechteren Zunahmen kommen.

Die Größe muss zum Betrieb passen. 4.800 Tiere können für einen kleinen Betrieb interessant sein, um vom Nebenerwerb wieder in den Haupterwerb zu gelangen. Große Betriebe können bis zu drei Einheiten (max. 1.600 m² Stallfläche) realisieren. In der Übersicht auf Seite 60 finden Sie eine Beispielberechnung für die nötige Stallgröße eines Bestands von 9.600 Hähnchen.

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Bio Kükenstube GmbH
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STALL FÜR 9.600 HÄHNCHEN MIT VORMAST

Stallgrößen

Es dürfen max. 21 kg Lebendgewicht pro m² gehalten werden, somit sollte der Maststall je nach angestrebtem Endgewicht 800 bis 900 m² aufweisen, ein Drittel dieser Fläche kommt als Wintergarten hinzu. Wenn das Gewicht im Stallinnenraum die 21 kg/m² erreicht hat, darf der Wintergarten als Stallfläche angerechnet werden, sofern er 24 Stunden pro Tag begehbar ist. Für die Vormast sollten für die 9.600 Tiere mind. 400 m² zur Verfügung stehen, um das optimale Mastergebnis zu erzielen. Wichtig: im Stall müssen Abtrennungen angebracht sein, sodass max. 4.800 Hähnchen pro Abteil untergebracht sind.

Auslauf

Pro Tier sind 4 m² Auslauf zur Verfügung zu stellen, der spätestens ab dem 29. Lebenstag begehbar sein muss, wann immer es die Witterung zulässt. Generell gilt: Das Tier muss immer Zugang zum Auslauf haben, wenn der physiologische Zustand es zulässt, aber zumindest ein Drittel der Lebenszeit.

Der Auslauf muss spätestens ab dem 29. Lebenstag begehbar sein, wann immer es die Witterung zulässt (oben).

Die Amortisationszeit des Stalls wird auf 15 bis 20 Jahre gerechnet. (unten).

Was ist zu erwarten?

Heizung, Lüftung, Fütterung laufen automatisch. Die Raumtemperatur beträgt anfangs 34 °C, die Bodentemperatur 30 °C. Mithilfe einer Fußbodenheizung kann dieser Wert eher erzielt werden, allerdings kann dann die Einstreu so trocken werden, dass die Kokzidienimpfung, die über die Einstreu wirken soll, nicht mehr zum Erfolg führt. Die Raumtemperatur wird bis zum Ende der Mast auf 18 Grad gesenkt. Stallmanagement, Hygiene und Beobachtung der Tiere sind besonders wichtig in der Masthähnchenhaltung. Zwei Mal täglich muss ein Kontrolldurchgang durchgeführt werden. Beachtet man diese Punkte, wird man einen guten Masterfolg sehen und geringe Ausfälle zu verzeichnen haben. Gefüttert wird meist mit Fertigfutter, um das ideale Mastergebnis zu erzielen. Das Schlachtalter beträgt im Durchschnitt 56 Tage und das Endgewicht liegt je nach Ausstallungszeitpunkt bei 2,3 bis 2,6kg. Die Futterverwertung liegt bei 1:2,1 bis 1:2,4.

Die Einstallungs- und Austallungsplanung wird vom Schlachthof übernommen. Zwischen den Durchgängen steht der Stall sieben bis 14 Tage leer, zu dieser Zeit wird der Stall entmistet, gewaschen und desinfiziert.

Im Durchschnitt sind für eine Bestandsgröße von 9.600 Tieren drei Arbeitsstunden pro Tag notwendig, hinzu kommen die Arbeitsspitzen beim Waschen.

Erlös je Tier

Der Rohdeckungsbeitrag pro Tier liegt bei ca. 2,50 Euro. Darunter versteht man den Erlös je Schlacht-

tier abzüglich der Kosten für Futter und Küken. Zusätzlich müssen noch die Kosten für Heizung, Strom, Einstreu, Gesundheit, Desinfektion, Versicherung und Arbeit abgezogen werden. Diese Kosten sind je nach Region individuell und liegen bei etwa einem Euro je Tier. Es gibt verschiedene Systeme, wie der Landwirt entlohnt werden kann. Einerseits bieten einige Schlachthöfe ein Lohnmastsystem an, in dem die Kosten für Futter und Küken direkt vom Schlachthof übernommen werden, man bekommt sozusagen einen fixen Lohn. Beim anderen System übernimmt der Landwirt die Kosten.

Im Regelfall steigt der Fleischpreis analog zu den Küken- und Futterpreisen, umgekehrt sinkt der Fleischpreis, wenn der Futterpreis sinkt. Für Neueinsteiger ist die erste Variante sicherer, aber sie macht auch abhängiger und ist nicht das Ziel eines bäuerlich geführten Verbandes.

Der Deckungsbeitrag pro Jahr liegt in der hier besprochenen Bestandsgröße unter Berücksichtigung der ausgefallenen Tiere (Verluste liegen meist unter 2 %) bei 114.000 Euro.

Investitionskosten

Dem Deckungsbeitrag stehen die dafür nötigen Investitionen gegenüber und diese Kosten sind in den letzten Jahren stark gestiegen. Sie liegen pro Mastplatz aktuell bei 100 bis 150 Euro netto. Für den Stall mit 9.600 Masthähnchen mit Vormast ergibt das eine durchschnittliche Nettoinvestitionssumme von circa 1,25 Millionen Euro. Stall, Zufahrt, Heizhaus für die Hackschnitzelheizung und behördliche Wege sind hier bereits berücksichtigt.

Förderungen verringern diese Gesamtsumme entsprechend und helfen nicht unerheblich, den Schritt zu gehen; zudem wird derzeit von Schlachthöfen mit Investitionszuschüssen geworben, um den Stallbau eher realisieren zu können. Die Amortisationszeit des Stalls wird auf 15 bis 20 Jahre gerechnet.

PODCADST-TIPP

Um den Betrieb zukunftsfit zu machen, kann die Masthähnchenhaltung ein passender Weg und die richtige Entscheidung sein. Die Investition ist hoch, das Risiko aber kalkulierbar.

Weitere Infos zum Einstieg in die Bio-Hähnchenmast finden Sie ab 23. Oktober im Podcast WIR BIO-BAUERN online unter www.naturland-beratung.de/podcast

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PFLÜGEN

9 Tipps zur

Pflugeinstellung

Gerade im Öko-Landbau ist die optimale Pflugeinstellung besonders wichtig, denn Fehler können sich schnell auf das Bodengefüge, das Bodenleben und die Ertragsfähigkeit des Bodens auswirken. Deshalb kann man gar nicht oft genug all die verschiedenen Stellschrauben in Erinnerung rufen, die dabei zu beachten sind. Wichtig ist, dass Traktor und Pflug aufeinander abgestimmt sind, damit der Pflug leichtzügig ist, ein ebenes Pflugbild entsteht und somit die Weichen für die nachfolgende Saatbettbereitung und Aussaat gestellt sind. Folgende Tipps sollten dabei helfen.

AUTOR

Beratung für Naturland s.veeh@ naturland-beratung.de

VORBEREITUNG

Optimales Pflügen beginnt mit der Vorbereitung des Traktors. Das ist hinlänglich bekannt, kommt aber in der Praxis angesichts der fehlenden Zeit oft zu kurz. Als erstes sind die Unterlenker auf die gleiche Höhe einzustellen. Dazu müssen die Hubspindeln an beiden Seiten die gleiche Länge aufweisen. Außerdem sind die Seitenstabilisatoren der Unterlenker so einzustellen, dass der Pflug sich im abgesenkten Zustand frei bewegen kann. Im ausgehobenen Zustand sollte der Pflug dann aber zum sicheren Straßentransport fixiert sein. Zur Sicherheit sollte auch der Luftdruck in den beiden Hinterrädern überprüft und auf den gleichen Wert eingestellt werden. In den meisten Fällen ist ein Frontgewicht für die nötige Zugkraft und Sicherheit im Straßenverkehr nötig. Tipp: Stellen Sie den Traktor

mit der Vorderachse auf die Waage und heben Sie den Pflug an. Das verbleibende Gewicht sollte zumindest ein Viertel des Leergewichts des Schleppers betragen.

2.

OBERLENKER

Der Oberlenker soll im Einsatz leicht zum Schlepper abfallen, sodass die Zugkraft perfekt übertragen wird und der Pflug schön in den Boden einzieht. In den meisten Fällen wird der Oberlenker am Pflug im Rundloch befestigt, dies ist insbesondere dann notwendig, wenn mit der Heckhydraulik in Zugregelung gearbeitet werden soll und die Ansteuerung der Zugregelung über den Oberlenker erfolgt. Bei manchen längeren Pflügen (ab fünf Schare) übernimmt das hinten platzierte Stützrad neben den

„Der Oberlenker muss so eingestellt sein, dass der Pflugrahmen parallel zur Bodenoberfläche läuft.“
1.

Unterlenkern auch die Tiefenführung. In diesen Fällen wird der Oberlenker im Langloch geführt, um eine entsprechende Tiefenführung über die genannten zwei Auflagepunkte zu ermöglichen. Die Länge des Oberlenkers muss so eingestellt werden, dass der Pflugrahmen parallel zur Bodenoberfläche läuft, um eine gleichmäßige Arbeitstiefe über alle Schare sicherzustellen.

stand zwischen den Rädern und nicht die Außenbreite des Schleppers entscheidend. Eine Abweichung von max. 10 cm ist dabei noch zu tolerieren. Nun wird der Pflug an die Spurbreite des Schleppers angepasst. Vor allem bei großen Spurbreiten in Verbindung mit älteren Pflügen kann dabei ein Problem sein, dass der Schlitten nicht weit genug von der Mittelachse nach außen geschoben werden kann.

SPURBREITE

Als nächstes wird die Vorderfurchenbreite eingestellt. Diese bestimmt, wie viel Boden vom ersten Pflugkörper neben dem Traktorrad aufgenommen wird. Dabei wird das vordere Schar – zum Beispiel mittels eines Schlittens – so angepasst, dass die Schnittbreite des ersten Körpers der eingestellten Schnittbreite des Pfluges entspricht und der Anschluss zur nächsten Bahn passt. Wichtig ist, dass die Spurbreiten von Vorder- und Hinterachse des Schleppers im Idealfall gleich sind, hier ist der Ab-

ZUGPUNKT

Nach der Vorderfurchenbreite wird am Acker der Zugpunkt eingestellt. Dieser bestimmt die Leichtzügigkeit des Pflugs und ändert sich durch die Position der Pflugkörper in Fahrtrichtung. Klassisch über eine Spindel und in neueren Modellen über Hydraulikzylinder wird die Stellung der Pflugkörper leicht verändert. Ziel ist, dass der Pflug von sich aus mittig hinter dem Traktor läuft und sich dieser ohne Korrekturlenkung in der Pflugfurche hält.

STURZ

Mit dem Sturz ist die Neigung des Pflugs gemeint. Diese kann ab der zweiten Furche kontrolliert werden. Dabei sollen die Pflugkörper senkrecht zur Bodenoberfläche und der Pflugrahmen parallel zum Boden ausgerichtet werden. Bei Seitenhängen kann der Sturz auf beiden Seiten nachjustiert werden, damit die Furche auch in Hanglagen gut wendet. Dabei kann es auch sein, dass je nach Einsatzsituation der Sturz je Pflugseite individuell eingestellt werden muss.

verstellt werden, müssen auch Vorderfurchenbreite und Zugpunkt kontrolliert und gegebenenfalls neu eingestellt werden. In der Regel werden Schnittbreiten aber nur kurzfristig verändert.

7.

ARBEITSTIEFE

SCHNITTBREITE

Bei sogenannten Vario-Pflügen kann die Schnittbreite der Pflugkörper stufenlos verstellt werden. Andere Pflüge erlauben eine stufenweise Verstellung und wieder andere haben fixe Schnittbreiten. Im Idealfall entspricht die Vorderfurchenbreite der Schnittbreite aller Schare. Sollte also die Schnittbreite dauerhaft

Die Arbeitstiefe wird über die Regelhydraulik eingestellt, also die Position der Unterlenker. Das Tastrad kann die Tiefenführung optimieren. Es empfiehlt sich, das Tastrad nach oben zu stellen und erst nach erfolgter Pflugeinstellung so weit runterzudrehen, bis es Bodenkontakt hat. Bei manchen längeren Fabrikaten übernimmt das Tastrad die Funktion eines Stützrads zur Tiefenführung (siehe Punkt Oberlenker). In diesen Fällen ist das Stützrad weiter hinten am Pflugende platziert. In der Regel wird bei der Pflugarbeit die Heckhydraulik in der Zugregelung gefahren. Je nach Arbeitssituation und persönlicher Vorliebe kann aber genauso in Lageregelung oder Mischregelung gefahren werden.

a.) Sie Seitenstabilisatoren der Unterlenker sind so einzustellen, dass der Pflug sich im abgesenkten Zustand frei bewegen kann.

b.) Die Hubspindeln müssen an beiden Seiten die gleiche Länge aufweisen.

c.) Mit dem Schlitten wird die Position des ersten Pflugkörpers so angepasst, dass der Anschluss zur nächsten Bahn passt.

d.) Die Schnittbreite des ersten Körpers muss der eingestellten Schnittbreite des Pfluges entsprechen.

e.) Der Zugpunkt wird klassisch über eine Drehspindel eingestellt … f.) … und in neueren Modellen über Hydraulikzylinder verändert. Der Oberlenker soll im Einsatz leicht zum Schlepper abfallen.

g.) Der Sturz soll so eingestellt sein, dass die Pflugkörper senkrecht zur Bodenoberfläche ausgerichtet sind.

6.

Das Scheibensech sollte ca. 2–3 cm neben der Pflugschar und in einer Tiefe von 5 bis 7 cm laufen. (oben).

Neuere Pflugmodelle sind oft bereits ISOBUS-tauglich. (unten).

PRAXISVIDEO

Im YouTube-Kanal von Naturland zeigt Ackerbau-Berater Stefan Veeh Schritt für Schritt, wie der Pflug perfekt eingestellt wird, sodass er leichtzügig ist und das Bodengefüge nicht stört. Ziel ist eine offenporige Pflugfurche, die keine Barriere für Bodenleben und Wurzeln darstellt. Über den QR-Code geht’s zum Video.

8.

VORSCHÄLER UND SCHEIBENSECH

Der Vorschäler hat die Aufgabe, organisches Material in die Furche zu legen, bevor der Hauptkörper die Erde wendet. Damit das sauber klappt, braucht es die richtige Arbeitstiefe. Der Vorschäler sollte etwa 3 bis 5 cm tief arbeiten. Außerdem sollten die Vorschäler im Idealfall 1 bis 2 cm weiter innen laufen als das Pflugschar.

Das Scheibensech sorgt dafür, dass die Furche seitlich sauber abgeschnitten wird. Dazu sollte es ca. 2–3 cm neben der Pflugschar und in einer Tiefe von 5 bis 7 cm laufen. Wird mit sehr breiten Reifen gepflügt, kann das Scheibensech auch tiefer laufen, um eine Räumung der Pflugfurche zu erleichtern.

9.

MODERNE PFLÜGE

Neuere Pflugmodelle sind oft bereits ISOBUS-tauglich, sodass Arbeitstiefe und Schnittbreite am Display eingetragen werden und sich das System daraus den Sturz sowie die Vorderfurchenbreite (anhand des Hinterradabstands) errechnet. Auch ohne ISOBUS haben neuere Pflüge viele hydraulische Einstellmöglichkeiten, die sich stufenlos regulieren lassen und damit die Einstellung auch erleichtern.

TIPP

Unabhängig, ob Sie einen neuen oder einen alten Pflug verwenden. Nehmen Sie sich Zeit für die optimale Einstellung, denn pflügen ist Einstellungssache. Wir wünschen Ihnen gutes Gelingen.

FELDRANDHYGIENE UND BIODIVERSITÄT

Die Feldrandhygiene ist ein wichtiges Thema und in vielen Fällen führt eine Vernachlässigung zur Einwanderung von unerwünschten

Pflanzen oder Krankheiten.

Viele Problemunkräuter und -gräser können sich vom Feldweg oder vom Grünstreifen in die Ackerfläche ausbreiten, die Trespe ist hierfür ein gutes Beispiel. Aber auch Mutterkorn kann zuerst (Wild-)Gräser befallen und sich von Gräsern zum Beispiel auf Roggen verbreiten. Deswegen ist für viele klar: Hier muss gemulcht werden! Natürlich hat dies auch aufgrund der oben beschriebenen Beispiele seine Berechtigung.

Aber: Den einen oder anderen befällt doch beim Mulchen der

BERATERTIPP

Stefan Veeh

Beratung für Naturland s.veeh@naturland-beratung.de

Gedanke, welchen (negativen) Einfluss man mit einer zu peniblen Feldrandpflege auf die Biodiversität hat. Denn gerade in ausgeräumten Kulturlandschaften nehmen die wenigen Grünwege, Feldränder, Saumstreifen eine wichtige Rolle für Wildtiere ein, vernetzen Biotope und leisten einen wertvollen Beitrag zur Biodiversität in der Feldflur.

Gibt es eine Schnittmenge?

Natürlich lässt sich diese Frage nicht pauschal beantworten, hier muss jeder für sich den passenden Kompromiss finden. Ein paar Anregungen für die kommende Saison, um vielleicht die Feldrandhygiene etwas biodiversitätsfördernder zu gestalten:

1. Erst mal schauen: was wächst denn da? Und sind damit tatsächlich mögliche Risiken verbunden, die es zu beseitigen gilt?

2. Mähen statt Mulchen schont Insekten und kleine Tiere

3. Hoch Mähen, vielleicht sogar nur die Samenstände der Gräser

4. Nur den direkten Feldrand, nicht den ganzen Weg kurzhalten

5. Saumbereiche und Rückzugsorte an „ungefährlichen“ Stellen in der Flur belassen

6. Strukturen vernetzen, um Biotope, wie z.B. Hecken einzubinden.

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AUTOR

Stefan Lemmerer

Beratung für Naturland s.lemmerer@ naturland-beratung.at

In der Schweiz läuft seit über 45 Jahren der sogenannte DOK-Versuch, der verschiedene landwirtschaftliche Anbausysteme vergleicht. Hinsichtlich Bodenfruchtbarkeit und Humusaufbau zeigt sich, dass viehloser Ackerbau vor Herausforderungen steht.

Der DOK-Versuch wurde 1978 auf Bestreben von Bio-Landwirten von FiBL und Agroscope angelegt und ist der weltweit am längsten laufende Versuch, der bio und konventionell vergleicht. Er vergleicht landwirtschaftliche Anbausysteme (Bio-dynamisch: D, biologisch-organisch: O, konventionell: K) und hat mittlerweile viele spannende Erkenntnisse gebracht, u.a. auch zu den Vorzügen der biologischen Wirtschaftsweise (siehe Faktenbox, S. 71). Im Folgenden wollen wir uns aber vorrangig mit den Auswirkungen der verschiedenen Varianten auf die Bodenqualität und damit die Bodenfruchtbarkeit beschäftigen.

Düngungs- und Pflanzenschutzmaßnahmen der einzelnen Varianten

Anbausystem

Hofdünger

Düngung

Pflanzenschutz

Mineraldünger

Unkrautkontrolle

Pflanzenkrankheiten

Schädlinge

Besonderheiten

Die untersuchten Varianten

Für Verständnis und Interpretation der Ergebnisse ist es erforderlich, sich zuerst mit den genauen Unterschieden der einzelnen Varianten zu beschäftigen. Untersucht wurden vier verschiedene Anbauvarianten:

1. Biodynamisch: Düngung mit Mistkompost, Einsatz von Präparaten, 2. biologisch-organisch: Düngung mit Rottemist, 3. konventionell mit Tierhaltung: Düngung mit Stapelmist und Mineraldünger, 4. konventionell mit rein mineralischer Düngung.

Außerdem wurden bei den Varianten mit tierischem Dünger zwei Düngungsintensitäten untersucht (1,4 DGVE/ha und 0,7 DGVE/ha). Zusätzlich gab es eine komplett ungedüngte Kontrollvariante. Bei allen Varianten wurde die gleiche siebenjährige Fruchtfolge durchgeführt – was für konventionelle Bewirtschaftung inzwischen eher außergewöhnlich ist. Die Fruchtfolge wurde im Laufe der Zeit geringfügig geändert, zuletzt bestand sie

Biologischdynamisch

Mistkompost und Gülle

Gesteinsmehl

Biologisch-organisch

Rottemist und Gülle

Gesteinsmehl, Kalimagnesia

Mechanisch durch Striegel und Hacken Besonderheiten Biodynamische Präparate –Wachstumsregulatoren

Indirekte Maßnahmen

Konventionell, mit Tierhaltung

Konventionell, mineralisch

Stapelmist und Gülle -

Harnstoff, Ammonium-Nitrat, Calcium-AmmoniumNitrat, Triple-Superphosphat, Kaliumchlorid

Mechanisch und Herbizide

Indirekte Maßnahmen, Kupferpräparate zu Kartoffel Fungizide

Biocontrol (Bacillus thuringiensis), Pflanzenextrakte

Insektizide, Biocontrol, Schneckenkörner und vor beugende Massnahmen

Biodynamische Präparate - Wachstumsregulatoren

aus zweijährigem Kleegras, Getreide, Mais, Kartoffeln und Soja (siehe Info-Box unten). Die konkreten Düngungs- und Pflanzenschutzmaßnahmen der einzelnen Varianten sind der Tabelle zu entnehmen.

Fruchtfolge:

1) Kleegras

2) Kleegras

3) Silomais/ZF

4) Soja

5) Winterweizen/ZF

6) Kartoffel

7) Winterweizen

Bio-Varianten hielten pH-Wert stabil

In den mineralisch gedüngten Varianten musste nach 25 Jahren eine Kalkung durchgeführt werden, weil der pH-Wert unter 6 abgefallen war. In den Bio-Varianten blieb eine wesentliche Versauerung aus, der pH-Wert blieb stabil bei 6,3 bis 6,6. Außerdem zeigten die Bio-Verfahren eine höhere Aggregatstabilität und neigten deutlich weniger zum Verschlämmen als die konventionellen Methoden.

Sehr deutliche Unterschiede zeigten sich im Anteil des organischen Bodenkohlenstoffs bzw. des Humusgehalts über die ersten sechs Fruchtfolgen. Der Humusgehalt gilt allgemein als einer der zentralen Indikatoren für die Qualität eines Bodens für die Bewirtschaftung und auch als Schlüsselfaktor für die Klimawandelanpassung. Interessant ist hier, dass sich nicht nur Unterschiede zwischen biologischer und konventioneller Bewirtschaftung zeigen, sondern auch innerhalb der Bio-Varianten in Abhängigkeit der Düngungsintensität.

Die biodynamische Variante mit kompostiertem Mist bei einer Düngungsintensität von 1,4 DGVE pro Hektar war im Versuch die einzige Variante, in der der Humusgehalt statistisch abgesichert zugenommen hat. In den beiden anderen Varianten mit 1,4 DGVE tierischem Dünger (biologisch mit Rottemist und konventionell mit Stapelmist) blieb der Humusgehalt über all die Jahre konstant. Alle anderen Varianten, sowohl die Varianten mit nur 0,7 DGVE Mist (egal ob bio oder konventionell) als auch die rein

Humusabbau ohne Mist

Bio und konventionell im Vergleich

Ergebnisse des DOK-Versuchs

• Bio-Erträge sind langfristig stabil

• Bio-Landwirtschaft ist effizienter: Produziert 85% der Erträge mit 50% der Nährstoffe und Energie und 92% weniger Pflanzenschutzmitteln

• Bio ist besser für die Biodiversität: bei vielen untersuch ten Parametern wie Begleitflora, Regenwürmern, Lauf käfern und Mykorrhizapilzen schneiden die Bio-Systeme deutlich besser ab als die konventionellen Varianten

• Bio-Anbau ist gut für das Klima (55% weniger THG-Emissionen)

mineralische Variante verzeichneten einen Humusabbau. Am stärksten war der Rückgang des Humusgehalts in der komplett ungedüngten Kontrollvariante, gefolgt von der rein mineralisch gedüngten Variante ohne jeglichen Wirtschaftsdünger. Das ist auch deshalb bemerkenswert, weil in allen Varianten mehrjähriges Kleegras und Zwischenfrüchte fixer Teil der Fruchtfolge sind.

Höhere mikrobielle Biomasse in Bio-Systemen

Unter mikrobieller Biomasse versteht man Kleinstlebewesen im Boden wie Bakterien, Mikroalgen, Archaeen und manche Pilze. Sie stellen den lebenden Anteil der organischen Masse im Boden dar und sind für die Umwandlungs- und Nährstoffprozesse im Boden von entscheidender Bedeutung. Je höher der Anteil der mikrobiellen Biomasse am gesamten Bodenkohlenstoff ist, umso besser sind die Lebensbedingungen für die Bodenlebewesen. Auch hier zeigt sich das gleiche Bild: sowohl die Gesamtmenge als auch der Anteil der Kleinstlebewesen am Humus ist in den biologischen Systemen höher als in den konventionellen und umso höher, je mehr organischer Dünger verwendet wird.

Bodenenzyme

Bodenenzyme sind Stoffe, die von Bodenlebewesen abgege ben werden, um Umwandlungsund Abbauprozesse im Boden zu beschleunigen. Beispielsweise dienen sogenannte Phosphata sen im Boden dazu, den relativ stark gebundenen und schlecht pflanzenverfügbaren Phosphor aufzuschließen und nutzbar zu machen. Gerade im Bio-Landbau ist daher die PhosphataseAktivität für die Bodenfruchtbarkeit wichtig. Auch hier zeigte sich, dass die Enzymaktivität umso höher ist, je mehr Wirtschaftsdünger auf die Flächen zurückgeführt wurde, wobei die Kompostvariante deutlich am besten abschnitt.

Mist kompostieren?

Interessant ist, dass auf dem Versuchsstandort das biodynamische Verfahren mit Mistkompost bei allen wichtigen Indikatoren für die Bodenfruchtbarkeit signifikant besser abgeschnitten hat als die biologische Variante mit Rottemist. Bemerkenswert ist auch, dass nur die KompostVariante langfristig den Humusgehalt erhöht hat, was in den Varianten mit Rotte- und Stapelmist trotz gleicher Düngeintensi-

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Mehrjähriger Anbau von Futterleguminosen ist das Rückgrat einer langfristig erfolgreichen und nachhaltigen Fruchtfolge. Der Einsatz von organischem Dünger bringt zusätzliche Vorteile.

tät nicht gelang. Dies dürfte sich durch die bei der Kompostierung entstehenden, relativ stabilen organischen Verbindungen erklären, die nicht so schnell wieder umgesetzt werden. Der sehr hohe Anteil an Mikrolebewesen am gesamten Bodenkohlenstoff auch in der biodynamischen Variante mit reduziertem Komposteinsatz dürfte ein Hinweis darauf sein, dass die Kompostierung des Mistes auf dem tiefgründigen Löss für die Bodenorganismen besonders förderlich ist. Wer also auf vergleichbarem Standort gezielt Humus aufbauen möchte, sollte über Kompostierung nachdenken.

Viehloser Ackerbau = Humusabbau?

Im Versuch haben alle Varianten mit reduziertem Wirtschaftsdüngereinsatz und besonders die Varianten ohne organischen

Dünger Humus abgebaut. Heißt das nun, dass viehloser oder -armer Ackerbau zu Humusabbau führt? Nicht zwangsläufig! Berücksichtigt werden muss, dass im Versuch in allen Varianten Getreidestroh und Silomais abgefahren wurde, was eine hohe Kohlenstoffabfuhr darstellt. Wird dieser Kohlenstoff nicht über adäquate Mengen an Mist wieder zurückgeführt, können mehrjähriges Kleegras und Zwischenfrüchte allein den Humusgehalt nicht stabil halten. Je weniger Wirtschaftsdünger verfügbar ist, umso wichtiger ist es, die Humusbilanz der Fruchtfolge im Blick zu haben, um nicht langfristig die Bodenfruchtbarkeit in Mitleidenschaft zu ziehen.

Humusaufbau und -abbau geht langsam

Trotzdem gilt ungebrochen, dass mehrjähriger Anbau von Futter-

Kurz & knapp

Nach über 40 Jahren Vergleich von biologischen und konventionellen Anbauvarianten zeigt sich deutlich, dass die ökologische Bewirtschaftung in punkto Bodenfruchtbarkeit und Biodiversität die eindeutig vorteilhaftere Form der Landwirtschaft darstellt und effizient konstante Erträge erbringen kann. Auch im Hinblick auf die notwendigen Klimawandelanpassungen ist die Bio-Landwirtschaft der herkömmlichen Bewirtschaftung voraus. Aber es kristallisiert sich auch heraus, dass gerade im Öko-Landbau Nährstoff- und Wirtschaftsdüngermanagement sowie eine ausgewogene Fruchtfolge entscheidend für den langfristigen Erhalt der Bodenfruchtbarkeit sind.

leguminosen das Rückgrat einer langfristig erfolgreichen und nachhaltigen Fruchtfolge darstellt. Wer selber keine Verwertungsmöglichkeiten dafür hat, sollte über Kooperationen mit anderen Betrieben nachdenken. Was sich im Versuch auch gezeigt hat, ist, dass die Unterschiede im Humusgehalt in den einzelnen Varianten erst nach 20 Jahren deutlich sichtbar wurden. Veränderungen des Humusgehalts im Boden passieren sehr langsam. Das heißt auch, dass Humusabbau ein schleichender Prozess ist, der über Jahre gut gehen und unbemerkt bleiben kann. Umso wichtiger ist es, die eigene Bewirtschaftung immer wieder ehrlich und kritisch zu hinterfragen.

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Ackerbohne Synergie ca. 8 t; Jüngling; 61130 Nidderau; Tel.: 0176 60012148

Kleegrassilage Rundballen ca. 100St., gute Qualität; Wolfgang Schudt; 63825 Schöllkrippen; Tel.: 06024 9233

Gutes Heu aus dem Hochschwarzwald; Wolfgang Winterhalder; 79822 BadenWürttemberg - Titisee-Neustadt; Tel.: 0160 5072 494

Hafer bis 3 to; Jakob Rothmeier; 82065 Baierbrunn; Tel.: 08979 31530

Erbsen bis 2 to; Jakob Rothmeier; 82065 Baierbrunn; Tel.: 08979 31530

Hafer mit Erbsen bis 4 to; Jakob Rothmeier; 82065 Baierbrunn; Tel.: 08979 31530

Hafer - Butterhafer ca. 9 to; Jakob Rothmeier; 82065 Baierbrunn; Tel.: 08979 31530

Weizen ca. 3,5 to; Jakob Rothmeier; 82065 Baierbrunn; Tel.: 08979 31530

Silage lose und in Rundballen; Martin Hagn; 82547 Eurasburg; Tel.: 0151 70097992

Heu-Quaderballen (1. Schnitt 2024, heißluftgetrocknet); Georg Sollinger; 83052 Bruckmühl; Tel.: 0151 54600856

Heu Quaderballen; Gerhard Schroll; 83132 Pittenhart; Tel.: 08624 829336

Heu 1. Schnitt 2024; Peter Zwingler; 83530 Schnaitsee; Tel.: 08628/279

Kleegras ab Feld; Peter Schmidt; 83567 Unterreit; Tel.: 0160 8048550

Sehr schönes unveregnetes Grummet (2. Schnitt) in Rundballen; Josef Stumböck; 83627 Warngau-Wall; Tel.: 08021 901614

Heu, Altheu, artenreich, 1.Schnitt 2024, 62St. Quaderballen; Maier; 84169 Altfraunhofen; Tel.: 08705 939373

Hafer aus 2025; Rupert Mangstl; 84416 Taufkirchen; Tel.: 0160 97593509

Wiesenheu; Josef Reif; 85402 Kranzberg; Tel.: 0172 5984821

Heu 2024; Klaus Gerst; 85435 Erding; Tel.: 0179 7042455

Heu 1 Schnitt 2025; Stangl Josef; 85459 Berglern; Tel.: 0151 61623157

Heu 1. Schnitt; Bernadette Lex; 85461 Bockhorn; Tel.: 08122 4477

Heu, 1. Schnitt; Brandmair; 85737 Ismaning; Tel.: 0178 1562 404

Mais, Körnermais E 2025 trocken; Johann Tremmel; 86453 Dasing-Rieden; Tel.: 08205 266

Heu; Robert Wüst; 86753 Möttingen; Tel.: 0177 4740 093

Grassilage - gehäckselt; Angerhof; 88167 Grünenbach; Tel.: 0171 7061465

Futtergetreide, Sommergerste-Erbsen Gemenge; Andreas Waibel; 88484 Gutenzell-Hürbel; Tel.: 0152 02886995

Heu/Grummet 1./2. Schnitt 2025 - top Qualität; Christoph Haug; 89349 Burtenbach, OT Oberwaldbach; Tel.: 0173 3159331 Erbsen; Winfried Ackermann; 91352 Hallerndorf; Tel.: 0177 8670087

INFO

Weitere Anzeigen finden Sie im Internet unter www.biowarenboerse.de. Dort können Sie auch Ihre Anzeige schalten oder telefonisch bei Regina Springer unter Tel: +49 (0)8137 6372-912.

8-10 to Körnermais Ernte 2024; Dietmar Kahn; 91798 Fiegenstall; Tel.: 0175-6534516

Luzerne Cobs; Marcus Färber; 92266 Ensdorf; Tel.: 0151 15582181

Luzerneheu oder Cobs heißluftgetrocknet

1.Schnitt 2025; Burger; 92358 Seubersdorf; Tel.: 0160 92058074

Sojaöl zu verkaufen; Andreas Giedl; 92548 Schwarzach; Tel.: 0176 24409950

Stroh abzugeben; Reisinger; 93093 Donaustauf; Tel.: 0160/97222818

Kleegras U-Ware; Reisinger; 93093 Donaustauf; Tel.: 0160/97222818

U-Weizen E25; Reisinger; 93093 Donaustauf; Tel.: 0160/97222818

Sommerhaferstroh mit Erbsenstrohanteil (Mischanbau); Markus Kopold; 99518 Schmiedehausen; Tel.: 036421/23708

Verkaufe Zucht- oder Nutzvieh Bulle; Matthias Grimm; 07973 Greiz; Tel.: 0151 65873916

Angus Deckbullen; Inge Behrendt; 21710 Engelschoff; Tel.: 04144 8859

Schwarzköpfiges Fleischschaf (SKF): Deck-Böcke; Beate Künneke; 33165 Lichtenau; Tel.: 05295 8015

6 Absetzer weiblich; Jochen Metz; 35260 Schweinsberg; Tel.: 0175 777 6429

Legereife Bio-Junghennen (Naturland) verschiedener Genetiken aus eigener Aufzucht Januar/Februar 2026; Fabian Häde; 36211 Alheim-Heinebach; Tel.: 05664-930930

Lämmer (weibl. / männl.) und Altschafe von meiner Bio-Kreuzungsschafherde abzugeben; Torsten Mäntz; 37574 EinbeckOpperhausen; Tel.: 0171 2032702

Limousin Rind, Limousin; Demmer; 51545 Waldbröl; Tel.: 0171 9361839

Gelbvieh Bulle; Burkhard Reutzel; 63688 Gedern; Tel.: 0175-8840156

20 Jungziegen aus Ziegenmilchbetrieb, 6-9Monate alt; Wolfgang Schudt; 63825 Schöllkrippen; Tel.: 06024 9233

Jungziegen-Böcke BDE und WDE aus Herdbuchzucht; Wolfgang Schudt; 63825 Schöllkrippen; Tel.: 06024 9233

Ziegenlämmer Bunte und Weiße deutsche Edelziege ml. u. wbl.; Wolfgang Schudt; 63825 Schöllkrippen; Tel.: 06024 9233

Naturland & Bioland Junghennen aus eigener Aufzucht; Julian Bücheler; 72514 Engelswies; Tel.: 0172 7098864

Murnau Werdenfelser Kalbin; Florian Mayer; 82399 Raisting; Tel.: 0173 3503817

Murnau-Werdenfelser Mutterkuh; Florian Mayer; 82399 Raisting; Tel.: 0173 3503817

Weibliche Lämmer abzugeben; Wolfgang Frey; 84166 Adlkofen; Tel.: 08707/931077

tragende Kalbinen; Josef Reif; 85402 Kranzberg; Tel.: 0172 5984821

Männliche Fresser; Anna-Maria Bissinger; 86690 Mertingen; Tel.: 090783 21

Weideochse; Martin Schmölz; 87477 Sulzberg; Tel.: 08379-326

Angus Jungbullen zur Zucht rot und schwarz; Lothar Kempfle; 89312 Günzburg; Tel.: 0170/6341650

Angus Färsen deckfähig oder tragend; Lothar Kempfle; 89312 Günzburg; Tel.: 0170/6341650

Ferkel Sh x Pi; Gerhard Paul; 91720 Absberg; Tel.: 0177 8670086

Kalbinnenaufzucht Jungviehaufzucht; Klaus Schiegl; 93179 Brennberg; Tel.: 09484 90231

Zuchtgruppe Gänse; Familie Hümpfer; 97708 Großenbrach; Tel.: 09708/704440

Biete Sonstiges

Leindotter; Kerstin Böhme; 01744 Dippoldiswalde; Tel.: 0172 7052589

Roggen; Rittergut Berninger; 34326 Morschen; Tel.: 0157 52136086

Süßkartoffeln Ernte 2024; Heinrich Ramme; 38539 Ettenbüttel; Tel.: 053753 48

10-15 t Brotweizen; Kathleen Weber; 39638 Gardelegen; Tel.: 03907-8072522

Mobilstall für Masthähnchen; Resthauser Bio GbR; 49696 Molbergen; Tel.: 0172-2717507

Kartoffeln; Niels Wieland; 52388 Nörvenich; Tel.: 01578-6078552

Speisekartoffeln - verschiedene Sortentop Qualität; Christoph Jost; 61130 Nidderau; Tel.: 0171 9066909

Getreidereinigung Marke „ Eigenbau“; Jüngling; 61130 Nidderau; Tel.: 0176 60012148

Salbei aus Hessen; Dirk Krämer; 65618 Selters; Tel.: 0171 2204784

Kiwibeerensaft; Ingo Ehrenfeld; 74239 Kochersteinsfeld; Tel.: 0176 23603296

CAS Etikettenwaage CL5200 JR; Gerhard Schroll; 83132 Pittenhart; Tel.: 08624 829336

Speisekartoffeln abgepackt und Lieferung; Johannes Brem; 86368 Gersthofen; Tel.: 0160 3514211

Kartoffelkisten 1 to; Johannes Brem; 86368 Gersthofen; Tel.: 0160 3514211

Turiel-Dammkulturgerät mit Sämaschine; Holland; 88416 Ochsenhausen; Tel.: 0177 3376132

Einböck Fronttank Jumbo Seed; Klaus Bucher; 89269 Vöhringen; Tel.: 0173 8688 793

Gelbsenf Martingena; Peter Zetzl; 92715 Püchersreuth; Tel.: 0170 8211650

Hackgerät Pöttinger Flexcare V 6200; Werner Hierstetter; 93437 Furth im Wald; Tel.: 09973 2 715

Honigräume; Christian Peter; 97274 Leinach; Tel.: 09364-9453

Suche pflanzliche Produkte/ Futtermittel

Stroh Quaderballen; Andreas Hutter; 85111 Adelschlag; Tel.: 0175 3524655

Körnermais 25 to; Thomas Wagner; 97491 Aidhausen; Tel.: 0151 12251101

Futtergetreide Gerste Weizen Triticale Roggen; Thomas Weinig; 97531 Buch; Tel.: 0160 7824 561

Suche Zucht- oder Nutzvieh männliche Absetzer; Silke und Rainer Vogel; 61130 Nidderau; Tel.: 0160 4676796

Galloway Absetzer, Fresser; Andreas Waibel; 88484 Gutenzell-Hürbel; Tel.: 0152 02886995

abgekalbte Jungkühe; Wittmann; 96337 Ludwigsstadt; Tel.: 0159 06781673

FV Färsen und Kalbinnen gesucht; Wittmann; 96337 Ludwigsstadt; Tel.: 0159 06781673

Suche Sonstiges

500 kg Khorasan Weizen; Udal Wiederhold; 27386 Brockel; Tel.: 04266 505

Weizen >350 Fallzahl 11-13 % Kleber; Udal Wiederhold; 27386 Brockel; Tel.: 04266 505

Emmer, Nackthafer, Goldhirse E25/E26; Marktgesellschaft der Naturland Bauern AG; 85411 Hohenkammer; Tel.: 08137 93182 510

Raps- oder Sonnenblumensaat E25; Marktgesellschaft der Naturland Bauern AG; 85411 Hohenkammer; Tel.: 08137 93182 510

Futter- und Speisegetreide, Verbandsware; Marktgesellschaft der Naturland Bauern AG; 85411 Hohenkammer; Tel.: 08137 931820

Stellenmarkt

Mitarbeiter*In auf Stundenbasis gesucht; Jakob Buse; 23617 Arfrade; Tel.: 0176 2295 4261

Betriebsleitung (m/w/d) für den Birkenhof in Goslar; Schweighöfer; 38644 Goslar; Tel.: 0178 9058316

Handhackkräfte für Zuckerrüben; Silke und Rainer Vogel; 61130 Nidderau; Tel.: 0160 4676796

Leitende Position in der Öko-Tierhaltung gesucht m/w/d; Pascal Küthe; 63546 Hammersbach; Tel.: 0171/9367423

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