SPIELZEIT 2026_27
V O L K S M U N D · D A S V O L K S T H E AT E R M A G A Z I N
VOLKS VOLKSMUND MUND VOLKSMUND
NO.21
KENNEN SIE DIESEN MANN? 1
Theater der Stadt München Münchner Volkstheater GmbH Zenettistr. 21 80337 München Telefon 089.52 355-0 Fax 089.52355-39 www.muenchner-volkstheater.de Kartentelefon 089.523 46 55 Kartenfax 089.523 55 56 INTENDANZ UND GESCHÄFTSFÜHRUNG Christian Stückl, Intendant und Geschäftsführer Frederik Mayet, Künstlerischer Direktor Beate Schlegelmilch, Verwaltungsdirektorin DRAMATURGIE Leon Frisch, Anouk Kesou, Nicholas Zöckler KÜNSTLERISCHES BETRIEBSBÜRO Utto Kammerl, künstlerischer Betriebsleiter Katharina Osterhammer, Disponentin Emma Greve TECHNISCHE LEITUNG Carsten Lück, Technischer Leiter Markus Graw, stellv. Technischer Leiter Moritz Köster, Werkstättenleitung Franziska Schweiger, Produktionsleitung Markus Carobbio, Assistenz technische Leitung PRESSE UND KOMMUNIKATION Frederik Mayet, Pressesprecher Weronika Nina Demuschewski, Pressereferentin und Bookerin Corinna Schneider, CRM und Digitales Marketing Elisabeth Maslik, Online Kommunikation und Social Media ENSEMBLE Ruth Bohsung, Silas Breiding, Lena Brückner, Luise Deborah Daberkow, Lola Dockhorn, Pascal Fligg, Carolin Hartmann, Maximiliane Haß, Lorenz Hochhuth, Nils Karsten, Alexandros Koutsoulis, Marlene Markt, Jonathan Müller, Henriette Nagel, Anton Nürnberg, Max Poerting, Jawad Rajpoot, Baran Sönmez, Lasse Stadelmann, Liv Stapelfeldt, Ninsch Noé Stehlin, Cedric Stern, Genet Zegay GÄSTE SCHAUSPIEL Jonathan Joèl Albrecht, Paulina Alpen, Salif Dekamo Botz, Markus Brandl, Chris-Pascal Englund Braun, Maximilian Brückner, Susanne Brückner, Ursula Maria Burkhart, Lukas Darnstädt, Tobias van Dieken, Alexander Duda, Nicola Fritzen, Pauline Fusban, Julian Gutmann, Käthe Haddad, Dagobert Jäger, Jan Meeno Jürgens, Alma Lätzer, Steffen Link, Peter Mitterrutzner, Justin Mühlenhardt, Stefan Murr, Enes Şahin, Vincent Sauer, Hubert Schmid, Hans Schuler, Nora C. Schulte, Kathrin von Steinburg, Nina Steils, Anne Stein, Noah Tinwa, Hans Dieter Trayer, Gio Yoo TANZ Mike Ezeala, Konstantin Hofmann, Marcell Johnson, Gustaf Mac Kobus, Julian Lüle, Caio „Coffeeherb“ Matheus Moreira, Brooklyn Frances „6rooklyn“ Odunsi Ifeacho, Jawad Rajpoot, Leon „Carlinho“ Rauh, Anne Schwarzelt, Nikola „Nidjo“ Žica REGIE Philipp Arnold, Lucia Bihler, Romeo Castellucci, Sophie Haydee Colindres Zühlke, Marco Damghani, Adrian Figueroa, Jan Friedrich, Sophie Glaser, Katharina Grosch, Sapir Heller, Bastian Kraft, Asena Yeşim Lappas, Max Lindemann, Tristan Linder, Anna Marboe, Lorenz Nolting, Bonn Park, Serhat „Saïd“ Perhat, Julia Prechsl, Heiki Riipinen, Mathias Spaan, Christian Stückl, Christine Umpfenbach, Koen Verheijden, Merle Zurawski
CO-AUTORIN/RECHERCHE Sofie Boiten, Tunay Önder BÜHNEN- UND KOSTÜMBILD Lili Anschütz, Anna Armann, Evi Bauer, Maja Beyer, Janina Brinkmann, Felix Loeffelholz von Colberg, Julia Dietrich, Leonie Falke, Stefan Hageneier, Paula de la Haye, Ingrid Jäger, Lea Jansen, Laura Kirst, Sarah Kratzl, Pascale Martin, Malena Modéer, Liam Monzer Alzafari, Jelena Nagorni, Brooklyn Odunsi Ifeacho, Helene Payrhuber, Sophia Profanter, Jessica Rockstroh, Hanna Rode, Anna Satu Kaunisto, Irina Schicketanz, Nadin Schumacher, Anne Schwarzelt, Max Schwidlinski, Anna van Leen, Alu Walter, Luisa Wandschneider, Anna Wörl, Daniela Zorrozoua VIDEO Max Bloching, Anton Kaun, Benjamin Krieg, Nico Parisius, Elena Tilli MUSIK UND KOMPOSITION Junge Riederinger Musikanten, Cico Beck, Ketan Bhatti, Friedrich Byusa Blam, Max Bloching, Arthur Fussy, Bendrik Grossterlinden, Joel Jaffe, Fabian Kalker, Anton Kaun, Thalia Killer, Münchner Kneipenchor, Ben Roessler, Matthias Schubert, Alexander Schweiß, Gustavo Strauss, Niko Ursin, Fiete Wachholtz, Bas Wiegers mit dem Münchner Kammerorchester, Tom Zimmer, Alexander Zwick REGIEASSISTENZ Yuan Yi Danneil, Rebecca Maria Fischer, Josephine Hacke, Severin Heine, Dominik Artur Poczta, Noah Solleder AUSSTATTUNGSASSISTENZ Julie Fritsch, Jessica Puentes, Felix Lindner INSPIZIENZ Eva Breitweg, Christian Gnasmüller, Laura Meinert SOUFFLAGE Christina Geiersberg, Maren Pertiet CHOREOGRAFIE Chris-Pascal Englund Braun, Felicia Nilsson, Mats Süthoff LICHTDESIGN Anton Burgstaller, David Jäkel, Balthasar Lukas Pank, Anja Sekulic BELEUCHTUNG Balthasar Lukas Pank (Leitung) Beleuchtungsmeister: Patrick Eckerl, Rainer Heuser, David Jäkel (stellvertretende Leitung), Gerhard Sehl Stellwerker*innen: Anton Burgstaller, Kay Burster, Emanuel Remus, Fiona Schneck, Mark Zopf Beleuchter: Christian Böhlen, Axel Hack, Daniel Martina, Milan Other, Raphael Reuter, Alexander Röll, Christopher Weck, Uwe Zwicknagel TON- UND VIDEOTECHNIK Danny Raeder (Leitung), Leo Algrang, Roland Auerhammer, Jens van Blericq, Finn Desler, Erdem Engin, Julian Klein (stellvertretende Leitung), Daniel Schott, Stefan Pfeffer, Kevin Pregler, Johannes Wucherer KOSTÜMABTEILUNG Margit Faigle (Leitung) Kirsten Budde genannt Dohmann, Sonja Diener, Silvia Gutser, Sesili Haye, Melanie Hilme, Magdalena Hosp, Abdulrahman Khalil, Laura Meinert, Henny Meyer, Aline Mühlbauer, Barbara Mühldorfer, Sara Morea (Assistentin der Kostümleitung), Petra Münch, Andrea Schnarre, Josephine Schönacher, Annette Schöwel (stellvertretende Leitung) Auszubildende Schneiderei: Joanna Lin Seiben
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MASKE Lisa Müller-Gahr (Leitung), Nadesha Agriients, Marieke Berries (in Elternzeit), Tiziana Darr, Karoline Franz (stellvertretende Leitung), Deborah Klein, Emilia Kolev, Julia Lange, Elvira Liesenfeld, Ines Pirnay (in Elternzeit), Maria Seitle, Susanne Taborsky, Ulrike Tischler, Philipp Turinske Aushilfen: Henny Durand, Astrid Raffauf, Eva Richter, Pia Leinberger, Cosima Leipnitz, Susanna Neumann, Laura Weber, Marie Ziemes Auszubildende Maske: Ida Hümmer TECHNIK Markus Graw (Bühneninspektor), Bühnenmeister: Philipp von Bergmann-Korn, Oliver Cersowsky-Gross, Hermann Hübner, Thomas Pilz, Timo Schmid Maschinist*innen: Phil Baltes, Kirsty Campbell, Benedikt Hasiner, Korbinian Müllerlei Bühnentechniker*innen: Simon von Barloewen, Ali Reza Ekhlasi, Christian Alcaraz Fernandez, Gabriel Gamper-Johnson, Jussi Gerard, Matthias Gotovac, Ralph Grundke, Ivan Gulija, Ruth Hanke, Rosalie Heller, Simon Henrichs, Josephine Jaufer, Felicia Kindermann, Christopher Krois, Marie zur Linden, Clara Michel, Daniel Mitterer, Paul Mooney, Robin Ramos Perez, Thomas Sgodda, Philip Zimmermann Auszubildende Veranstaltungstechnik: Philena Cebrian, Lukas Galuschky, Elias Giggenbach, Marius Grohs, Celia Meissner, Joel Strickmann, Jakob Wunsch BÜHNENMALEREI Paul Mooney, Bernd Rodenhausen WERKSTÄTTEN Valentin Rott (Konstrukteur) Schreinerei: Benedikt Wieland (Leitung), Peter Gerhard, Nikolai Hartmann, Jakob Stenzel, Oskar von Bremen Auszubildende Schreinerei: Camilla Boss, Theodor Thorday Schlosserei: Faruk Perhat, Michael Vaheri Haustechnik: Behnur Alishev, Andreas Thieme, Murad Timucin, Michael Weiß REQUISITE Franz Bayer (Leitung) Doris Dreyer, Susi Gilke, Hilde Heigl, Lilli Maier, Marion Mayer, Martin Mühlbauer, Bernd Rodenhausen, Tim Schnabbe (stellvertretende Leitung), Flo Schmidt, Jana Schützendübel, Astrid Weinert VERWALTUNG Nicole Arifaj, Gabriele Hack, Oliver Heininger, German Huber, Gabriele Kistler, Anna Münzer, Andrea Karina Pahl, Karelis Ungar, Padmi Weiß SYSTEMVERWALTUNG Klaus Deischl, Jens Vilmar KASSE Raouf Habibi (Leitung) Julia Egle, Sabine Graf-Sonderwald (stellvertretende Leitung), Ahmad Hayati, Isabelle Kerssenbrock, Marianne Kirmaier, Natascha Simons (in Elternzeit) IMPRESSUM VOLKSMUND Herausgeber: Münchner Volkstheater GmbH, Christian Stückl (V.i.S.d.P.) Redaktion: Weronika Nina Demuschewski, Otto Dzemla, Moritz Hürtgen, Frederik Mayet, Gabriela Neeb, Tobias Obermeier, Julia Rothhaas Layout: Otto Dzemla Schlussredaktion: Christiane Wechselberger Anzeigen: Weronika Nina Demuschewski Druckerei: Kriechbaumer, München
VORWORT
INHALT
Liebe Freund*innen und Zuschauer*innen des Münchner Volkstheaters, jedes Jahr aufs Neue bin ich aufgerufen, das Vorwort für unseren „Volksmund“ zu verfassen. Ich könnte nun darüber schreiben, wie sehr ich mich auf die neue Saison freue – auf meine Schauspieler*innen, auf das gesamte Team und natürlich auf Sie. Ich könnte auch über die klammen Kassen der Stadt klagen. Darüber, dass soziale und kulturelle Errungenschaften einer Stadt immer als Erste den Rotstift – kurzgesagt Kürzungen ertragen müssen. Aber all das scheint mir in diesem Jahr nicht angebracht. Ich möchte gar nicht über das Theater reden, nicht darüber was es verändern kann oder sollte, angesichts des gesellschaftlichen Wandels der sich gerade in unserem Land vollzieht. Schritt für Schritt verändert sich unser Land und wandert nach rechts. Eine eigenartige Sehnsucht nach Ordnung und Homogenität macht sich breit. Und plötzlich ist alles wieder da, was wir längst als verbannt geglaubt – Rassismus, Homophobie und Antisemitismus. Deshalb rufe ich heute in die Runde, ich verabscheue diesen Wandel und werde alles Erdenkliche tun, dass dies in meinem Hause nicht vorkommt. Ganz egal wer in unserm Theater arbeitet, ganz egal wer im Publikum sitzt – lasst uns zusammenhalten und grenzt niemanden aus. Und! – ich freu mich auf die neue Spielzeit….. Christian Stückl Seite 4: WER WAR MÄRCHENKÖNIG LUDWIG II. WIRKLICH? Schriftstellerin Dana von Suffrin und Intendant Christian Stückl im Gespräch über einen Mann, der bis heute weltweit fasziniert
Seite 28: THEATER & FAMILIE Eltern im Austausch: Regisseurin Sapir Heller und Schauspieler Jonathan Müller über lange Proben und Abendvorstellungen
Seite 10: GÄNSEHAUT BEI DONUT NR. 3 Erhalt und Reparation der deutsch-amerikanischen Freundschaft beim 1. Großen Donut-Wettessen des Münchner Volkstheaters
Seite 32: „FÜR DIE ALLERREICHSTEN GELTEN ANDERE REGELN“ Kevin Kühnert war Generalsekretär der SPD, jetzt arbeitet er als Aktivist gegen die Finanzlobby. Ein Gespräch über Steuerprivilegien und Reichtum als Machtinstrument
Seite 14: 7 DINGE, DIE VERSCHWINDEN UND 7 DINGE DIE BLEIBEN SOLLEN Die Regisseure Lorenz Nolting und Max Lindemann über Zoom-Konferenzen und Cola Zero Seite 16: MEINE 7 SACHEN Der Regisseur Tristan Linder über die Gegenstände, die er unbedingt für seine Arbeit braucht Seite 19: WIE MÜNCHNERISCH BIN ICH? Von Biergarten bis Kaltmiete: Wie gut passen Sie in das Millionendorf? Der Test Seite 20: „REIBUNGEN UND KONFLIKTE SIND WICHTIG“ Die Tänzer*innen und Choreograf*innen Sophie Haydee Colindres Zühlke und Serhat „Saïd“ Perhat über gutes Teamwork
Seite 40: WIE IST DENN DAS GEMEINT? Fünf Regisseur*innen bewerten die selbst verfassten Biografien zum künstlerischen Ansatz ihrer Mitstreiter*innen Seite 46: WIR WOLLEN NUR SPIELEN! Das Ensemble des Münchner Volkstheaters war in der Maske und zeigt, was jeden Abend dabei herauskommt Seite 64: IHR GRÖSSTER FEHLER? Wir haben 14 berühmte Marcel-Proust-Fragen an fünf Ensemblemitglieder gestellt Seite 66: DIE SPIELZEIT 2026/2027 Premieren, Repertoire und Informationen
Seite 22: WAS UNS BEWEGT Die Performer der gefeierten Tanzstücke „Grey“ und „Tide“ zeigen, was ihnen beim Tanzen so durch den Kopf geht
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„JEDE ZEIT BEKOMMT DEN KÖNIG LUDWIG II., DEN SIE GERADE BRAUCHT“ DANA VON SUFFRIN
„AM ENDE WISSEN WIR EINFACH NICHT, WIE KOMISCH ER WAR ODER WARUM ER SO GEWORDEN IST“ CHRISTIAN STÜCKL
Wer war Bayerns Märchenkönig Ludwig II. wirklich? Mehr als 140 Jahre nach seinem Tod versucht die Schriftstellerin Dana von Suffrin für das Münchner Volkstheater eine Antwort darauf zu finden. Ein Gespräch mit Intendant Christian Stückl über einen Mann, der bis heute Menschen weltweit fasziniert.
INTERVIEW: JULIA ROTHHAAS / FOTOS: GABRIELA NEEB
Dana, du wurdest als Schriftstellerin vom Münchner Volkstheater damit beauftragt, ein Stück über Ludwig II. zu schreiben. Mehr als 140 Jahre nach seinem Tod lässt das Interesse an diesem bayerischen König einfach nicht nach. Was fasziniert uns bis heute noch so an dieser Figur? DA NA VON S U F F R I N: Jeder projiziert irgendetwas auf diesen König, er wird von allen geliebt: von den Konservativen bis zu den Queers. Das ist toll, weil wir eigentlich gar nicht so viel über ihn wissen. Ich habe inzwischen schon einiges gelesen und viel recherchiert, aber es bleibt eine große Distanz zu dieser Figur mit ihren oft eigenartigen Verhaltensweisen. Ludwig II. soll gesagt haben: „Ein ewig Rätsel will ich bleiben, mir und anderen“. Das ist ihm also gelungen, oder? DA NA VON S U F F R I N: Dieser Satz wird ihm fälschlicherweise zugeschrieben. Tatsächlich stammt er aus dem Stück „Die Braut von Messina“ von Friedrich
Schiller. Ludwig hatte ihn bloß in einem seiner Briefe wiedergegeben. Er hat viel in Zitaten geschrieben, diese aber oft nicht kenntlich gemacht. Deswegen kommt uns seine Sprache auch manchmal so hochgestochen vor. Ob er am Ende wirklich ein Rätsel war, weiß ich nicht. Vielmehr frage ich mich: Warum war einer der privilegiertesten Menschen seiner Zeit so unglücklich? C H R I S T I A N S T ÜC K L: Ich glaube, dass dieser Satz bis heute vor allem der Familie Wittelsbach sehr gut ins Konzept passt. So ein Rätsel war er nämlich gar nicht. Man könnte viel mehr über ihn herausfinden, als man heute weiß. Stattdessen will man ihn mit aller Gewalt für immer als Märchenkönig festnageln. DA NA VON SU F F R I N : Interessant ist auch, dass jede Zeit den König Ludwig II. bekommt, den sie gerade braucht. Das wird in den unterschiedlichen Verfilmungen über sein Leben deutlich. In einem Film aus dem Jahr 1955 mit O. W. Fischer ist der König ein dominanter,
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fast schon herrischer Typ. Und in 2012 wurde er von Sabin Tambrea als absolute Heulsuse dargestellt. Somit stellt sich noch eine weitere Frage, die mich beschäftigt: Was sagt das, was wir uns über Ludwig II. zusammenfantasieren, eigentlich über uns aus? Christian, du lebst in Oberammergau, unweit von Schloss Linderhof. Ab Mitte der 1870er-Jahre wurde der französisch geprägte Bau zu Ludwigs Hauptwohnsitz; München vermied er, so gut es ging. In der Gegend verbrachte der König zahlreiche Winter und ließ sich mit einem üppigen Schlitten überwiegend nachts herumfahren. Welche Geschichten erzählt man sich bei euch noch heute über ihn? C H R I S T I A N S T ÜC K L: Da gibt es jede Menge. Zum Beispiel, wie er im Jahr 1871 zum Passionsspiel nach Oberammergau kam und 700 Leute eine Sondervorstellung für ihn gespielt haben. Er war der einzige Zuschauer. Und eine alte Dame hat mir
König Ludwig II. auf der Spur: Christian Stückl und Dana von Suffrin vor Schloss Linderhof.
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Plaudern über den Märchenkönig: die Schriftstellerin Dana von Suffrin und Intendant Christian Stückl im Schlosspark von Linderhof.
„ICH FINDE DEN BEGRIFF MÄRCHENKÖNIG RICHTIG BLÖD. WAS SOLL DAS FÜR EIN MÄRCHEN SEIN?“ DANA VON SUFFRIN
mal von ihrem Onkel erzählt, der im Pferdestall gearbeitet hat und der Liebhaber vom König gewesen sein soll. Je mehr ich mich mit seinem Leben beschäftige, umso mehr reimt sich für mich zusammen. Und das geht weit über den Mythos hinaus, der an ihm klebt. Wie das, wenn doch so wenig über ihn bekannt ist? C H R I S T I A N S T ÜC K L : Ich habe vor vielen Jahren ein Schriftstück von einem Oberammergauer bekommen, der als junger Mann der letzte Leibdiener von Ludwig II. war. Anfang des 20. Jahr hunderts hatte er seine Erinnerungen aufgeschrieben, da war er schon recht alt. Darin beschreibt er zum Beispiel, wie er dem König jeden Morgen die Füße frottieren musste. DA NA VON S U F F R I N: Christian hat mir dieses Buch auch gegeben. Besonders gut gefallen hat mir darin, wie der Frisör von Ludwig II. darunter litt, dass er beim
täglichen Ondulieren der Haare des Königs zu schweigen hatte. Und wenn Ludwig ins Bett ging, musste man ihm einen Zettel mit der Uhrzeit, zu der er eingeschlafen war, neben das Kissen legen, weil er am nächsten Morgen genau wissen wollte, wie lange er geschlafen hatte. Sein Schlafziel pro Nacht: neun Stunden 40 Minuten. Ergab der Blick auf den Zettel nach dem Aufwachen am nächsten Morgen ein anderes Ergebnis, wurde er ziemlich böse. C H R I S T I A N S T ÜC K L: Das meiste, was darin steht, ist harmlos. In dem Bericht des Leibdieners steht aber auch: „Der König war nicht verrückt, der wurde nur verrückt gemacht. Er war anders.“ Das hat mich als Leser aufhorchen lassen. Was könnte damit gemeint sein? C H R I S T I A N S T ÜC K L: Als Ludwig 17 Jahre alt war, hatte er einen Adjutanten, Paul von Thurn und Taxis, und mit dem hatte er eine Beziehung. Als dieser noch in der
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Türkenstraße in München wohnte, sah man den jungen Kronprinzen dort ständig ein- und ausgehen. Aber sich outen als schwuler König? Das ging zu dieser Zeit nicht, schließlich waren die Erwartungen an ihn groß. Sein Volk wartete auf eine königliche Hochzeit und einen Nachfolger. Ludwig war dann kurze Zeit mit Sophie Charlotte von Bayern verlobt, einer der Schwestern von Kaiserin Elisabeth von Österreich, dazu hat er sich zwingen lassen. Es gibt sogar ein Verlobungsfoto des Paars. Aber in seinen Briefen aus dieser Zeit schreibt er ganz deutlich: „Ich will sie nicht heiraten, ich kann sie nicht heiraten.“ Er verschob den Hochzeitstermin mehrfach und löste die Verlobung schließlich auf. Ich glaube, dass der gesamte Hof gegen seine Homosexualität gearbeitet hat. Daran ist dieser Mensch systematisch zerbrochen. Auch der katholische Glaube spielte in seinem Leben eine große Rolle. Ludwig II. war davon überzeugt, König
von Gottes Gnaden zu sein. Welchen Einfluss dürfte das auf seine Sexualität gehabt haben? C H R I S T I A N S T ÜC K L : Vor 150 Jahren wurde Homosexualität ja viel versteckter ausgelebt. Ich bin mir daher sicher, dass um ihn herum so etwas wie religiöse Panik herrschte, dass man ihn ständig daran erinnerte: Pass auf, du tust Sünde! Vielleicht dachte Ludwig, als König kann ich das durchziehen, wie ich es möchte. Die Gesellschaft wird es schon akzeptieren. Aber dem war halt nicht so. DA NA VON S U F F R I N: Als Freudianerin bin ich davon überzeugt, dass sich aus einer zumindest zeitweise unterdrückten Sexualität große Schuldgefühle ergeben. Sigmund Freud war der Meinung, dass man anfängt, das zu internalisieren, was einem die Umwelt die ganze Zeit suggeriert. Das ist reine Spekulation, aber die Ministerialbeamten um ihn herum werden Ludwig II. gewiss ständig deutlich gesagt haben, was er machen darf und was er nicht machen darf. Er wird geglaubt haben, weder seinem Königtum noch seinen religiösen Ansprüchen gerecht zu werden. Weil ich wissen wollte, wie die Wittelsbacher dazu stehen, war ich für meine Recherchen vor Kurzem im Geheimen Archiv des Hauses Bayern und habe beim Chefarchivar nachgefragt. Auch, weil ich nicht verstehe, warum manche Akten der Öffentlichkeit bis heute nicht zur Verfügung gestellt werden. Was ist das für ein Archiv? DA NA VON S U F F R I N: Dort befinden sich die persönlichen Nachlässe des Königshauses. Interessant war, dass es dort zum Beispiel heißt: „Wir wissen nicht, ob Ludwig II. seine homoerotischen Vorlieben jemals ausagiert hat.“ Das Haus Wittelsbach scheint seine Hand nach wie vor sehr genau auf manche Dinge zu legen, die Ludwig II. betreffen, um ein gewisses Bild nach außen aufrechtzuerhalten. C H R I S T I A N S T ÜC K L : Es geistern viele Narrative herum, die zeigen sollen, was für ein schlechter König er doch war. Dabei war er gerade zu Beginn seiner Regentschaft sehr beliebt. Prinzregent Luitpold von Bayern, der auf Ludwig folgte, wird hingegen immer als netter Alm-Öhi präsentiert. Dabei muss er ein ziemlich heftiger Machtpolitiker gewesen sein. Als Ludwigs Vater starb und er auf den Thron aufrückte, beides geschah am gleichen Tag, war er gerade mal 18 Jahre alt. Schwer vorstellbar, wie es sein muss, wenn man von vornherein dazu geboren wird, mal König zu sein. Aber wer weiß:
Vielleicht ist es gar nicht so anders, wenn man als Sohn eines Wirts geboren wird und später mal das Gasthaus des Vaters übernehmen soll. Ein Wirtssohn kann aber Nein sagen. Ein König kann das nicht. Aber als König hatte er doch auch andere Freiheiten als ein Wirtssohn, oder? C H R I S T I A N S T ÜC K L : Ich glaube, dass er an der Seite von Paul von Thurn und Taxis wirklich dachte: Diesen ganzen Druck, den dieses Amt mit sich bringt, das schaffe ich schon, solange ich mit meinem Freund zusammen sein kann. Aber nach der Trennung wollte er irgendwann nicht mehr am Hof sein, ihm war diese Welt völlig fremd, er hat sie regelrecht gehasst. Das kann ich verstehen, gerade wenn ich höre, dass sich seine Familie anscheinend weiterhin damit schwertut, das Wort „homosexuell“ überhaupt in den Mund zu nehmen. DA NA VON S U F F R I N: Es ist ziemlich irre, dass es bis heute offiziell heißt, Ludwig II. hätte zwar durchaus Interesse an Männern gezeigt, aber es sei nicht eindeutig, ob es jemals zum „Vollzug“ gekommen ist. Allerdings weiß ich nicht, ob diese ganzen Spekulationen über seine Homosexualität und seinen Tod vielleicht auch ganz praktisch für die Wittelsbacher sind, weil man dann nie über ihre Politik diskutieren muss. Was meinst du damit? DA NA VON S U F F R I N: Wenn vom verrückten Märchenkönig die Rede ist, der tolle Schlösser baute, muss man sich nicht mit ernsthafteren Dingen auseinandersetzen. Ludwigs Verständnis von Regentschaft war absolutistisch und sein Verhalten vor allem während seiner letzten Jahre ziemlich erratisch. Er hat zum Beispiel das chinesische Hofzeremoniell eingeführt. Die Bediensteten mussten sich dem König kriechend nähern und durften die ihm servierten Speisen nicht ansehen. In einem Nebensatz über seine Zeit als König habe ich gelesen, er sei so gewissenhaft gewesen, dass er Todesurteile vor ihrer Vollstreckung immer noch einmal ganz genau durchgelesen habe. Aber dass Ludwig II. Menschen zum Tode verurteilt hat, dazu habe ich zuvor wirklich noch nie etwas gehört! Unter diesem Gesichtspunkt ist es natürlich leichter, nur über die schönen Schlösser zu reden. Ich will keine Verschwörungstheorie begründen, aber ich denke, dieses Narrativ kommt allen sehr gelegen. C H R I S T I A N S T ÜC K L : Ich bin ja der festen Überzeugung, dass Ludwig II. umgebracht worden ist.
DA NA VON S U F F R I N: Da bist du nicht der Einzige, auch wenn es im Geheimen Archiv dazu sehr deutlich heißt: Es war Suizid. Seinen Tod kann man in dem Stück natürlich nicht auslassen, schon allein, weil der so wichtig ist für den Mythos, der sich um Ludwig spannt.
Kalkuliert ihr zur Uraufführung auch ein bisschen Ärger mit dem Hause Wittelsbach ein? C H R I S T I A N S T ÜC K L: Herzog Franz von Bayern, also das heutige Oberhaupt der Wittelsbacher, laden wir auf jeden Fall zur Premiere ein. Das wird ja vielleicht ganz lustig. Hat sich Ludwig mit seinen ganzen Schlössern samt Schwanenboot, Venusgrotte, künstlichen Seen eine Fantasiewelt erschaffen, in die er sich ungestört flüchten konnte? Also eine Form dessen, was man heute Eskapismus nennt? DA NA VON S U F F R I N: Ich glaube schon. An diese Ästhetik ist er bereits als Kind in Schloss Hohenschwangau mit seinen ganzen romantischen Fantasy-Elementen herangeführt worden. Von Märchen konnte er damals nicht genug bekommen, in manche Erzählungen war er stundenlang versunken Viele Menschen sehnen sich auch im Erwachsenenalter nach solchen Fantasiewelten, in die sie abtauchen können. Doch die meisten haben nicht die finanziellen Mittel, um sie tatsächlich auch umzusetzen. Was in diesem Fall natürlich geholfen hat: Ludwig war vollkommen architekturbegeistert. Er hat viele Skizzen selbst angefertigt und seine Ideen mit System geplant. C H R I S T I A N S T ÜC K L: Der König war in Sachen Technologie seiner Zeit weit voraus. Seinen Schlitten ließ er mit den ersten Glühbirnen, die es überhaupt gab, aufrüsten, und die Venusgrotte im Schlosspark von Linderhof erstrahlte in blauem Licht. Im Grunde war das die erste Form der modernen Theaterbeleuchtung, die wir so noch heute kennen. DA NA VON S U F F R I N: Er hat sogar extra noch einen Abgesandten nach Capri geschickt, um das Blau der echten Blauen Grotte möglichst naturnah nachahmen zu können. Seine bayerische Kopie war ihm anfangs nämlich nicht blau genug. C H R I S T I A N S T ÜC K L: Außerdem war er offen für andere Religionen, man denke an den Maurischen Kiosk. Nachdem er ihn auf der Weltausstellung in Paris gesehen hatte, war er davon so begeistert, dass er diesen Pavillon mit seinen Minaretttürmen nach Linderhof bringen und dort aufbauen ließ. Und obwohl er der größte Förderer
Für das perfekte Blau in seiner bayerischen Venusgrotte schickte König Ludwig II. einen Abgesandten auf die Insel Capri zur Blauen Grotte.
„DER KÖNIG WAR IN SACHEN TECHNOLOGIE SEINER ZEIT WEIT VORAUS“ CHRISTIAN STÜCKL
von Richard Wagner war, distanzierte er sich von dessen Antisemitismus. Umso bedauerlicher also, dass man ihn immer nur als Märchenkönig abtut. DA NA VON S U F F R I N: Ich finde den Begriff auch richtig blöd. Was soll das überhaupt für ein Märchen sein? In der Regel gehen die doch gut aus! Für mich war das viel eher ein Sozialexperiment. Ludwig hatte schreckliche Eltern, vor allem unter dem Vater sollen er und sein Bruder Otto unglaublich gelitten haben. Um die Söhne zu disziplinieren, bekamen sie zum Beispiel nicht genug zu essen. Weil Ludwig aber gleichzeitig in dem Bewusstsein aufwuchs, mal der nächste König von Bayern zu werden, ließ er sich schon als Kind von niemandem widersprechen. Er war überzeugt davon, dass er machen kann, was er will, also auch: unendlich viele Schlösser bauen. Natürlich kann so jemand kein normales Verhältnis zu seiner Umgebung entwickeln. Der Absolutismus blieb stets sein Verständnis von Königtum, auch wenn er am Ende an dieser Idee zerbrochen ist, weil man ihn ja entmündigt hatte. Wird sein Bruder Otto auch eine Rolle in dem Stück spielen?
DA NA VON SU F F R I N: Das sollte er
unbedingt. Otto galt in seiner Kindheit als der schönere Prinz, auch soll er sehr frohgemut gewesen sein, alle fanden den toll. Doch dann hatte er immer mehr Aussetzer, zu denen es ganz unterschiedliche Theorien gibt, zum Beispiel: Er habe sich eine Syphilis eingefangen. Bei seiner Obduktion ergaben sich allerdings keinerlei Hinweise auf diese Krankheit. Vermutlich litt er an Schizophrenie. Fest steht: Ab einem Alter von 24 Jahren galt er als geisteskrank. Bald darauf wurde er das erste Mal eingesperrt. Ab 1883 durfte er das Schloss Fürstenried bei München nicht mehr verlassen, da war er 35 Jahre alt. Heute müsste er jeden Abend einfach eine Tablette nehmen und könnte ein ganz normales Leben führen. Doch Otto wurde einen Großteil seines Lebens einfach weggesperrt. Mich interessiert, wie man damals solche Menschen behandelt hat, was das für Diagnosen waren oder vielmehr politische Werkzeuge. Für seine Zeit wurde Otto relativ alt, er starb mit 68 Jahren. Wenn Otto heute vermutlich ein anderes Leben hätte führen können: Wäre Ludwig ebenfalls besser klargekommen?
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DA NA VON SU F F R I N: Vielleicht wäre
er als normaler Bürger in der Moderne glücklicher geworden. Wenn man frühe Schriften über ihn liest, hat man das Gefühl, dass man es mit einem lebensfrohen jungen Menschen zu tun hatte, der seinem Volk große Hoffnungen gemacht hat. Aber wirklich beantworten kann ich das nicht, denn das Problem ist, dass wir so wenige Tagebücher von ihm haben. Der Großteil soll während des Kriegs verbrannt sein. Und das, was es gibt, wurde editiert, und zwar von jemandem, der dem König nicht sehr gut gesinnt war, nämlich vom Stiefsohn des Ministerialbeamten Lutz, der ihn damals für verrückt erklären ließ. Dessen Familie hatte großes Interesse daran, den König möglichst crazy erscheinen zu lassen, um Lutz, der sehr umstritten war, posthum besser darstellen zu können. C H R I S T I A N S T ÜC K L: Am Ende wissen wir einfach nicht, wie komisch er wirklich war oder warum er so geworden ist. Wir bewerten nur das Ergebnis. Seit Jahren begegnen mir die ganzen Mythen, Gerüchte, Geschichten rund um Ludwig II., aber vieles davon bleibt unangetastet. Und genau deswegen
finde ich es spannend, Dana dieses Stück schreiben zu lassen. Dana, was reizt dich als Schriftstellerin an diesem Auftrag? DA NA VON S U F F R I N: Mich interessiert der Ludwig hinter dem Klischee. Ich bin davon überzeugt, dass uns diese Figur ganz nah sein kann, weil viele seiner Konflikte ins Heute übertragbar sind. Sie betreffen Menschen ungeachtet der Zeit, in der sie leben. Was nicht bedeutet, dass man alles immer unbedingt ins Jetzt ziehen muss. Du bist promovierte Historikerin. Wie gehst du vor beim Schreiben? DA NA VON S U F F R I N: Mein Schwerpunkt liegt auf dem Palästina der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, mit dem Bayern des 19. Jahrhunderts kenne ich mich also gar nicht gut aus. Deswegen lese ich wahnsinnig viel. Was mir dank meines Studiums hilft, ist, sämtlichen Quellen immer mit dem nötigen Misstrauen zu begegnen. Alles widerspricht sich, damit muss man leben, aber hier ist es ja auch ganz gut, dass ich keine wissenschaftliche Arbeit schreiben muss. Ich kann mir immer die Fakten heraussuchen, die mich interessieren, auch wenn man aufpassen muss, dass man die historische Realität nicht total verzerrt. Hast du ein Beispiel?
DA NA VON S U F F R I N: Natürlich will ich erzählen, wie der König seine Homosexualität ausgelebt haben könnte. Aber ich würde ihn jetzt nicht in irgendwelche Darkrooms schicken, um der Geschichte willen. Ich möchte ihm nicht
irgendetwas unterstellen, das würde der Figur auch nicht gerecht. C H R I S T I A N S T ÜC K L : Das sehe ich genauso, gleichzeitig glaube ich, dass man in diesem Fall schon mutig hingucken darf. Schwierig bleibt die Frage, aus welcher Perspektive man Dinge bewertet. Aus heutiger Sicht? Oft geht das gar nicht. Ich habe zwei Jahre lang ein Buch über Oberammergau geschrieben, und was mir dabei besonders schwer fiel: dass man dafür Dinge bewerten muss.
Die gut hinzubekommen gilt als Königsdisziplin. DA NA VON S U F F R I N: Das empfinde ich gar nicht so. Um gute Dialoge zu schreiben, muss man einfach nur gut zuhören können. Wenn Menschen miteinander reden, geht es selten darum, Informationen auszutauschen. Vielmehr will jeder einfach nur etwas sagen, in der Erwartung, dass der andere schon zuhört. Dabei bleibt es meist beim Aneinandervorbei-Reden. Und das ist herrlich.
Christian, in den vergangenen Jahren ist aufgefallen, dass du viele Romane für die Bühne adaptiert hast, etwa „Lichtspiel“ nach Daniel Kehlmann und „Die Brüder Karamasow“ von Fjodor Dostojewski. Nun hast du Dana mit dem Stück über Ludwig II. beauftragt. Bist du des bestehenden Theaterrepertoires überdrüssig? C H R I S T I A N S T ÜC K L : Ich bin ständig auf der Suche nach neuen Stücken und nun lasse ich mir eins schreiben. Ich bin sehr gespannt, was Dana aus und mit Ludwig II. machen wird. DA NA VON S U F F R I N: Für mich ist es wirklich toll, als jüdische Münchnerin über den großen Mythos Ludwig II. schreiben zu können. Der enge Austausch mit dem Theater gefällt mir sehr, normalerweise bleibe ich ja mit meinen Texten jahrelang alleine. Auch empfinde ich diese andere Art des Schreibens als befreiend: Ich muss keinen einzigen Raum in dieser Erzählung beschreiben und kann mir die ganzen Naturbeschreibungen sparen. Stattdessen liegt der Fokus auf den Dialogen.
Wir haben über unterdrückte Gefühle, den Tod und psychische Krankheiten gesprochen. Was dich als Autorin allerdings auch auszeichnet, ist dein Humor. Wie lustig darf ein Stück über Ludwig II. werden? DA NA VON S U F F R I N: Trotz seiner tragischen Geschichte hätte ich wirklich nichts dagegen, wenn während der Aufführung ab und zu richtig laut gelacht wird.
CHRISTIAN STÜCKL, geboren 1961 in Oberammergau, ist ein deutscher Regisseur und seit 2002 Intendant des Münchner Volkstheaters sowie seit 1987 Spielleiter der Passionsspiele in Oberammergau.
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DANA VON SUFFRIN, geboren 1985 in München, ist eine deutsche Schriftstellerin. Nach ihrem Studium der Politikwissenschaften, Jüdischen Geschichte und Kultur sowie Literaturwissenschaft veröffentlichte sie 2019 ihren Debütroman „Otto“ und wurde dafür gleich mehrfach ausgezeichnet. 2024 erschien „Nochmal von vorne“, 2026 ihr Roman „Toxibaby“ (alle Bücher bei Kiepenheuer & Witsch).
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GÄNSEHAUT BEI DONUT NR. 3 Erhalt und Reparatur der deutsch-amerikanischen Freundschaft – nicht weniger ist das Ziel beim 1. Großen Donut-Wettessen des Münchner Volkstheaters. Mit Marlene Markt, Max Poerting und Cedric Stern gehen drei Freiwillige aus dem Ensemble ins Rennen um den süßen Schmalzgebäckkringel. Ein Protokoll des Wettkampfrichters. TEXT: M OR ITZ H Ü RTGEN / FOTOS: GABR IEL A N EEB
AUSGANGSSITUATION: Das deutsch-amerikanische Verhältnis steht unter Druck. Allen Beteuerungen unseres Bundeskanzlers zum Trotz, dass er mit President Trump „schon zurecht“käme. Zölle, Militärbudgets, Plattformregulierung – viele Zankäpfel schwimmen im großen Teich. Immer mehr scheint Europäer und Amerikaner zu trennen. Höchste Zeit, sich auf das zu besinnen, was uns eint: Esskultur, die Liebe zum sportlichen Wettkampf und die große Bühne. Die Idee des 1. Großen Donut-Wettessens: Mit jedem verzehrten Lochkrapfen reicht die ausgestreckte Hand ein Stück weiter über den Atlantik. MODUS: Wer verzehrt in zehn Minuten am meisten Donuts? Einziges Hilfsmittel ist stilles Wasser. WETTKAMPFSTÄTTE: Der Gymnastiksaal des MTV München ist ähnlich kühl wie eine klimatisierte US-Mall und bietet eine dem Spektakel angemessene Bühne. Wo Glaube Berge verputzt: das Donut-Wettessen in vollem Gange.
SPIELGERÄT: 66 Donuts von „Donuts and Candies“ in der Georgenstraße. Durchmesser 10 cm. Gewicht knapp über 100 Gramm, je nach Glasur und Topping und Füllung. TEILNEHMER: Marlene Markt nimmt den Mund schon vor dem Startschuss voll und gibt an, 25 Donuts in 10 Minuten essen zu wollen. Das wäre fast die Hälfte des aktuellen Weltrekordes, den mit 59 Stück aktuell der Australier James Webb hält. Markt ist optimistisch und sagt: „Schnelles Essen macht Spaß.“ Cedric Stern hingegen hat zwölf Donuts als frommen Wunsch und ist zu Fuß zur Sportstätte gekommen, um seinen Appetit anzuregen. Um nicht unter Dopingverdacht zu geraten, macht er vor Beginn die Einnahme von Tabletten gegen Laktoseintoleranz transparent, damit ihn „die Glasur nicht killt“. Max Poerting schließlich schätzt seine Aufnahmefähigkeit vorsichtig auf maximal neun Donuts, freut sich „auf einen richtig ätzenden Wettkampf“ und mutmaßt, dass die ausreichende Produktion von Speichel der Schlüssel zum Sieg sei.
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Unnachahmlich vernascht er Donuts und Gegner: Gewinnertyp Cedric Stern.
2. MINUTE: Markt hat sich entschlossen, den Kampf mit den Smarties fortzusetzen – das ist Sportsgeist! Stern und Poerting kauen Kopf an Kopf am zweiten Kringel. Als Stern zum dritten greift, verdächtigt Poerting ihn, den zweiten noch nicht vollständig runtergeschluckt zu haben. Die Nerven liegen blank! 3. MINUTE: Es wird still am Wettkampftisch, alle drei Teilnehmer verwenden ihre Energie auf fokussiertes Mampfen. Zur Sicherheit fragt der Wettkampfrichter, ob jemand schon ein Zuckerhigh spüre. Stern: „Vom dritten Donut bekomme ich Gänsehaut!“ Markt: „Zuckerhigh? Mir ist übel!“ Poerting: „Ich hab Herzkammerflimmern!“ Weiter geht’s, ein Sanitäter ist eh nicht anwesend. 4. MINUTE: Markt nimmt jetzt ihren zweiten Donut in Angriff, hätte aber „lieber ein Croissant“. Auch Stern hat Extrawünsche und fordert „eine schöne Cola“ statt stillem Wasser. Poerting isst derweil im Fresstunnel und stammelt: „Bei mir verschwimmt schon alles.“
Vorher: Ein professionelles Warm-up für den gesamten Verdauungstrakt. Nachher: Max Poerting im Kringelkoma.
5. MINUTE: Endspurt vor der Halbzeit! Poerting und Stern schieben sich im Fotofinish unwürdig ihren vierten Lochkrapfen rein, Markt hingegen wahrt die Tischmanieren und geht mit zwei vornehm verspeisten Exemplaren in die Pause.
Marlene Markt an der Grenze zwischen Genuss und Qual.
1. MINUTE: Cedric Stern braucht nur zehn Sekunden für seinen ersten Donut mit bunten Streuseln, was Max Poerting ein anerkennendes „Wie zum Fick machst du das?“ entlockt. Poerting selbst darf seinen Donutzähler nach 30 Sekunden von 0 auf 1 stellen, während Marlene Markt damit hadert, zum Auftakt einen Donut mit Smarties gewählt zu haben: „Die sind sauschwer zu kauen!“
HALBZEIT: Wie bei der Fußball-WM 2026 in Nordamerika steht nun eine sog. Hydration Break an, gierig saugen die drei Sportler ihr Wasser auf. Zwischenstand: Poerting und Stern jeweils 4, Markt 2. Einigkeit besteht darüber, dass man nach fünf Minuten schon deutlich mehr gegessen hätte, wenn es bei dem Wettkampf um Geld ginge. Die sonstigen Halbzeitstatements im Überblick: „Wettessen ist kein Sprint, sondern ein Marathon“ (Poerting). „Man muss so schnell sein, dass der Körper nicht merkt, wie satt er ist“ (Markt). „Ich freue mich auf den nächsten Donut“ (Stern). Weiter geht’s! 6. MINUTE: Die zweite Halbzeit beginnt schleppend. Poerting und Stern rechnen nach, ob sie schon über ihrem Tagesbedarf an Kalorien liegen. Markt ist so angeschlagen, dass sie statt von Donuts wiederholt von „Dönern“ spricht. 7. MINUTE: Unglaubliche Entwicklung! Während Poerting von der Zwetschgenfüllung seines fünften Donuts überrascht wird und arg zu kämpfen hat, stapelt Teufelskerl Stern zwei Schokokringel übereinander und presst sie so zusammen, dass er sie auf einmal essen kann.
WARM-UP: Markt, Poerting und Stern begutachten die Donuts und stellen sich auf ihren Speiseplatten eine Favoritenauswahl zusammen. Danach haben sie aus versicherungstechnischen Gründen eine vom Wettkampfrichter angeleitete Stretching-Routine zu absolvieren. Nach neuesten sportmedizinischen Erkenntnissen helfen Verrenkungen von Rumpf und Rücken dabei, den Magen wiederholt zu falten und wieder zu öffnen, um ihn elastisch zu machen. Kurz vor Anpfiff stimmt Poerting vom US-Geist beseelt spontan die amerikanische Nationalhymne „The Star-Spangled Banner“ an. Nun ist alles bereit! Ready, set, go!
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8. MINUTE: Marlene Markt knabbert eisern am dritten Donut und beschwert sich zwischen zwei Bissen, dass man den Wettkampf nicht mit Landjäger-Würsten durchführe: „Da hätte ich die Nase vorn!“
Die Erfolgsformel beim Wettessen: Augen > Appetit > Magen.
9. MINUTE: Erneut wird es still, die drei Kombattanten bewegen sich nur noch in Zeitlupe. Zähe Schmatzgeräusche entweichen ihren mahlenden Kiefern. Noch ist nicht abzusehen, wer am Ende das Rennen machen wird.
10. MINUTE: Entscheidung in den letzten sechzig Sekunden. Nachdem Markt ihren dritten Kringel vollendet hat, lehnt sie sich zurück und beobachtet den Schlusssprint ihrer Leidensgenossen. Poerting bezwingt mit Müh und Not seinen Endgegner mit Zwetschgenfüllung, während Stern Sensationelles vollbringt: Im letzten Moment würgt er den Rest seines Doppeldonuts herunter und kürt sich damit zum Sieger. ENDSTAND: Mit souveränen drei Donuts holt sich Marlene Markt Bronze. Max Poerting schafft fünf Stück und darf sich die Silbermedaille umhängen. Über allem aber strahlt Goldjunge Cedric Stern, dessen waghalsige Doppeldonutstrategie aufgeht und ihn mit sechs Donuts zum alleinigen Sieger macht. Herzlichen Glückwunsch! NACHSPIEL: Poerting spricht ermattet von einer Reise, die er während des Wettkampfs durchgemacht habe: „Von Unglauben über Euphorie zu ,Erschießt mich bitte‘!“ Markt pflegt den Teamgedanken und rechnet aus, dass man heute gemeinsam respektable 14 Donuts verspeist habe. Und Gewinner Stern? Wie um seine Gegner zu verspotten, isst er nach Ablauf der Zeit „zum Genuss“ noch seinen siebten Donut. Was für eine Geste der Dominanz, was für ein erfolgreicher und im besten Sinne amerikanischer Abschluss des 1. Großen Donut-Wettessens!
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7 DINGE, DIE VERSCHWINDEN SOLLEN von Lorenz Nolting FACEBOOK Schaltet es endlich ab, was soll das? Selbst die Fraktion, die über Facebook endlich wieder Kontakt zu ihrem Abiturjahrgang (1979, Städtisches Gymnasium Schwedt-Ost) aufgenommen hat, ist mittlerweile völlig desillusioniert oder durch „AI-Slop“ schon so weit in Richtung Lobotomie fortgeschritten, dass sie keine Einwände mehr haben würde. Das Gleiche gilt für Instagram: Nieder mit Instagram, das aus unbescholtenen Menschen verzweifelte Werbeplattformen gemacht hat! Und der Reels-Algorithmus ist auch scheiße. ETF-RENTE Wenn ich die Nachrichten schaue und mich freuen muss, weil durch die neue Palantir-gestützte Totalüberwachung mein ETF-Altersvorsorgefonds an Wert gewinnt, während irgendwelche Menschen präventiv aus ihren Wohnungen geholt werden, oder es gute Nachrichten sind, dass deutsche Firmen jetzt auch Abschiebezentren außerhalb der EU bauen dürfen, weil dadurch ihr Wert steigt, oder meine 600-EuroRente mit 75 an den Erfolg irgendwelcher menschenverachtender Ekelmilliardäre geknüpft ist – dann gehe ich lieber in eine Selbstversorgerkommune und züchte im Garten Zucchini und Radieschen. ZOOM-KONFERENZEN Der Moment, wenn ein Meeting abbricht und man ein neues erstellen muss, obwohl man eigentlich gar nichts mehr zu sagen hat, die Verbindung eh schlecht ist und man sich beim Sprechen die ganze Zeit selbst mustert und sich fragt, ob man schon immer so aussah oder erst seit heute – das ist das Schlimmste, was es gibt. NICHT ABGESCHICKTE LIEBESBRIEFE Liebesbriefe muss man immer abschicken. Gefühle dürfen nur wachsen und sich verändern, wenn man ihnen Raum gibt. Es gibt niemanden, der irgendetwas erfolgreich verdrängt hat. Monster entstehen in ihrer eigenen Verneinung. Ein Hoch auf die Liebe, ein Hoch auf große Gefühle, ein Hoch auch auf die unglückliche Liebe – denn sie hält ewig. Schreibt mehr Liebesbriefe (sage ich in Richtung aller Menschen, die wie ich schon mal unglücklich verliebt waren). SELBSTZERFLEISCHENDE GRÜBELGEDANKEN, DIE EINEN DES NACHTS HEIMSUCHEN VOLLER ZWEIFEL UND ZAGHAFTIGKEIT Langsam reicht es damit. Es gibt zu wenig Therapieplätze, Diagnosen sind kaum mehr als nützliche Momentaufnahmen, und Meditation im Park hilft nur, wenn man danach nichts mehr vorhat im Leben. Was zählt, ist auf dem Platz. Wir alle sind nicht nur genug, sondern übersprudelnde Geysire voller Wahnsinn, Zärtlichkeit, Weltwitz und Erfindungsgeist. Ich liebe euch! DAS THEATER Wenn jemand dem widersprechen will, call me: 0173 7423689 KREUZERLASS IN BEHÖRDEN Jesus war ein linksradikaler Terrorist aus Galiläa (und kein weißer Farmerboy aus Idaho mit Dove-gepflegten Haaren), der gemeinsam mit einer Gruppe zärtlicher Boys aus dem Untergrund heraus das unterdrückerische Kolonialregime der Römer bekämpft hat und es heute keine zwei Meter nach Europa schaffen würde, ohne von Frontex-Hunden angefallen zu werden. Und all das tat er mit einem simplen Slogan, der heute genauso unmöglich erscheint wie damals: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst. Nicht deinen Staat, nicht deinen Ministerpräsidenten und vor allem nicht deine Gesetze, denn sie sind da, um verändert zu werden.
LORENZ NOLTING
inszeniert „Die Räuber“.
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7 DINGE, DIE BLEIBEN SOLLEN von Max Lindemann THIRD PLACES Vor einigen Jahren war ich in einer Leonard-Cohen-Retrospektive in Kopenhagen. Dort gab es einen Raum mit Teppichboden, Sofas und Sesseln. Den ganzen Tag liefen Leonard-Cohen-Songs, und ich saß dort stundenlang mit völlig fremden Menschen und hörte Musik. Niemand hat gesprochen, und trotzdem hatte man das Gefühl, etwas miteinander zu teilen. Außerdem arbeite ich gerne in der Bibliothek. PATHOS In der Antike war Pathos ein Mittel, um das Publikum emotional zu berühren. Heute ist das Wort, gerade in der Kunst, eher negativ konnotiert. Ehrlich gesagt habe ich nie ganz verstanden, warum. Ich lebe für große Gesten und dramatische Schlussbilder. COLA ZERO Die Werbeindustrie der 1990er- und 2000er-Jahre hat es geschafft, mich so zu programmieren, dass es für mich kaum ein größeres Glücksgefühl gibt als kalte Cola mit Eiswürfeln und Zitrone. ERINNERUNGEN Kollektive Erinnerungen an Tagen wie dem 27. Januar, dem Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus. Erinnerungen an die eigene Kindheit. Erinnerungen an gemeinsam Erlebtes. Ich wünsche mir, dass viele dieser Erinnerungen nicht verschwinden. „WASTED DAYS“ Lesen, herumliegen, essen, wieder umdrehen und schlafen! KULTURSUBVENTIONIERUNG Aus den offensichtlichen Gründen! STREIT Streit ist wichtig. Und es ist überhaupt nicht schlimm, sich ab und zu bewusst auf die Füße zu treten. Mich nervt eher, wie schnell wir uns beleidigt oder persönlich angegriffen fühlen. Ich mag, was die Schauspielerin Robby Hoffman dazu gesagt hat: „I don’t think being offended is the worst thing. I think being poor is. Offended? Some people expect to go through a life of not being offended, I guess. Not me. I was born offended. My whole circumstance was fucking offensive.“
MAX LINDEMANN
inszeniert „Arbeit und Struktur“.
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TRISTA N L I N D E R
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MEINE 7 SACHEN
Regiearbeit ist vielschichtig. Aber was benötigen eigentlich die Regisseur*innen, um ein Stück auf die Bühne zu bringen? Wir haben bei Tristan Linder nachgefragt, welche sieben Gegenstände für ihn unerlässlich sind.
FINGERNÄGEL Zum Knabbern für schwierige Proben. Leider eine noch nicht abgelegte Angewohnheit.
KOPFHÖRER Keine Konzeption ohne Produktionsplaylist, kein Probenstart ohne den Song „Places“ von The Blaze auf den Ohren auf dem Weg zum Theater.
NOTIZBÜCHER Mein liebster Schatz während der Proben. Das schönste Gefühl am Regieberuf ist, ein neues, frisches Notizbuch anzubrechen.
ZAHNSEIDE Routinen helfen dabei, selbst in chaotischen Phasen des Lebens, wie während der Proben, das Gefühl zu bekommen, zumindest teilweise das Leben im Griff zu haben. Und wenn man es tatsächlich schafft, regelmäßig Zahnseide zu benutzen, dann kann man wirklich alles schaffen.
LIEBLINGS-T-SHIRT Wichtiges Accessoire, um gleich bei der ersten Probe zu etablieren, dass der Regisseur nur Quatsch im Kopf hat (zum Glück!).
PARALLEL-LEKTÜRE Meistens ohnehin viel zu viel eingepackt und dann über die Probenzeit unnötigerweise angereichert durch Antiquariate, Buchhandlungen und Zu verschenken-Kisten.
RUCKSACK Damit die anderen sechs Gegenstände immer dabei sind.
TRISTAN LINDER inszeniert „Der Zauberer von Oz“. (Arbeitstitel)
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DANN KOMMEN SIE ZU UNS, WIR HELFEN IHNEN „DIE BRETTER, DIE DIE WELT BEDEUTEN“ ZU ENTDECKEN! WIR SIND: DIE FREUNDE DES MÜNCHNER VOLKSTHEATERS E.V. Was wir tun: Als Förderverein des Münchner Volkstheaters unterstützen wir das Volkstheater in ideeller und finanzieller Form. Was wir Ihnen bieten: · Exklusive Einblicke hinter die Kulissen des Volkstheaters · Einladungen zu Proben und Teilnahmen an Gesprächen mit Künstlern und Künstlerinnen · Einladungen zu exklusiven Events und spannenden Stammtischen, die wir für die Freunde des Freundeskreises veranstalten Unsere Mail-Adresse lautet: freunde@muenchner-volkstheater.de
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Benutzen Sie die Münchner S-Bahn? O Ja (-10 Punkte) O Nein (25 Punkte) Kreuzen Sie alle Münchner Stadtteile an, die es wirklich gibt: O Queens (0 Punkte) O Kreuzberg (0 Punkte) O Hammersmith (0 Punkte) O Grünwald (-25 Punkte) O Eimsbüttel (0 Punkte)
Kreuzen Sie alle Münchner Institutionen an, die Sie schon besucht haben: O Viktualienmarkt (5 Punkte) O Die „Nordsee“-Filiale am Viktualienmarkt (10 Punkte) O KaDeWe (-20 Punkte) O Die FC-Bayern-Erlebniswelt (-5 Punkte) O Das MVG-Museum (10 Punkte) O Das Wirtshaus „Donisl“ (-10 Punkte) O Apple Store Rosenstraße (20 Punkte) Was essen Sie im Biergarten? O Ich bringe 25 randvolle Tupperdosen mit (50 Punkte) O Ich lasse mir eine Pizza liefern (20 Punkte) O Ich kaufe mir vor Ort etwas (0 Punkte) Wo haben Sie Ihren letzten Urlaub verbracht? O Zu Hause in Stuttgart (0 Punkte) O Zu Hause in München (5 Punkte) O Gardasee (20 Punkte) O Dubai (50 Punkte) Wie viele Songs von den Sportfreunden Stiller kennen Sie auswendig? O 54 (5 Punkte) O 74 (10 Punkte) O 90 (15 Punkte) O 2006 (20 Punkte) O Ja, so stimmen wir alle ein (25 Punkte)
In einem Lokal hören Sie, wie jemand ein „kleines alkoholfreies Pils“ bestellt – wie reagieren Sie? O Gar nicht (0 Punkte) O Ich setze mich ein paar Plätze weiter weg (5 Punkte) O Ich mische mich ein und kläre darüber auf, dass man „hier immer noch eine Halbe trinkt“ (10 Punkte) O Ich fordere Unterstützung im Münchner Polizeipräsidium an (20 Punkte) Welcher Sache aus der Münchner Vergangenheit trauern Sie nach? O Kultfabrik (0 Punkte) O Atomic Café (5 Punkte) O TSV 1860 München (10 Punkte) O SPD-Oberbürgermeister (15 Punkte) O Sendlinger Loch (25 Punkte) Was ist das „Münchner Kindl“? O Ein Hobbit (0 Punkte) O Ein Mönch (5 Punkte) O Eine Konkurrenz auf Kitaplätze, die es auszustechen gilt (10 Punkte)
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BIS 50 PUNKTE Glückwunsch, Sie sind nicht besonders münchnerisch, sondern ein eigenständiger Charakter mit vielen wertvollen Eigenschaften. Eine Bereicherung für diese manchmal etwas provinzielle Stadt! Bitte hauen Sie nicht wieder ab! 51 bis 150 Punkte Glückwunsch, Sie können Giesing und Schwabing auseinanderhalten und glänzen hin und wieder mit münchnerischen Eigenarten. Einer Reisegruppe aus Berlin könnten Sie ohne Weiteres einen authentischen Stadtführer vorspielen.
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„REIBUNGEN UND KONFLIKTE SIND WICHTIG, UM DIE GRENZEN DES ANDEREN KENNENZULERNEN“ Sophie Haydee Colindres Zühlke und Serhat „Saïd“ Perhat verbinden in ihrer Arbeit Breaking und zeitgenössischen Tanz. Ihre beiden Tanzprojekte „Grey“ und „Tide“ wurden von Publikum und Kritik gefeiert. Dem Münchner Volkstheater verraten sie, was gutes Teamwork ausmacht.
PR OTOKOL L : TOBIAS OBER M EIER FOTO: GABR IEL A N EEB
„Eine ehrliche und offene Kommunikation ist das Wichtigste für gutes Teamwork. Als wir mit unserem Tanzstück ‚Grey‘ 2025 das erste Mal für das Münchner Volkstheater zusammengearbeitet haben, trafen wir uns vor den Proben immer eine Stunde lang, um über den vorherigen Tag zu reden und uns darüber auszutauschen, was uns heute erwartet. Diese Art von Tagesplanung hat sehr gut funktioniert. Die Produktion war aber auch ein perfekter Grundstein für unsere Zusammenarbeit, denn wir waren überglücklich, das erste Mal für so ein großes Haus arbeiten zu können. Diese Euphorie hat uns sehr viel Energie gegeben und die gemeinsame Arbeit erleichtert. Wir kannten uns ja noch gar nicht so gut. Mittlerweile gestalten wir den Austausch untereinander etwas spontaner. Wenn der Bedarf besteht, über gewisse Sachen zu sprechen, nehmen wir uns die Zeit. Geht es um etwas Grundsätzlicheres, treffen wir uns irgendwo in der Natur. Dort können wir runterkommen und auch über zwischenmenschliche Sachen reden, wie unsere eigenen Schwächen oder Fehler. Vor Ort im Theater ist oft nicht der Platz dafür. Teamwork sollte nicht zu sehr romantisiert werden. Es läuft nicht immer alles reibungs-
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los. Aber Konflikte sind wichtig, um die Grenzen des anderen kennenzulernen und eine gemeinsame Mitte zu finden. Gleichzeitig fördern sie das Selbstbewusstsein und das Vertrauen in die eigene Vision. Denn wenn man allein arbeitet, ist niemand da, der einen hinterfragt. Wir sehen uns als gleichberechtigte Partner*innen in einem Team und wollen uns gegenseitig herausfordern. Erst durch den Blickwinkel des anderen entwickelt man sich weiter. Man geht sozusagen immer wieder durch eine Prüfung. Hinzu kommt, dass wir als Tänzer*innen auch noch in anderen Projekten involviert sind und über die Zeit Erfahrungen ansammeln. Das heißt, wir lernen uns auf der kreativen Ebene in gewisser Weise auch immer wieder neu kennen. Zu gutem Teamwork und guter Kommunikation gehört auch, offen darüber zu sprechen, wie es einem geht und wie viel man gerade stemmen kann. Gerade wenn bei einem die Ressourcen ausgeschöpft sind, zum Beispiel aus privaten Gründen, ist es wichtig, Verantwortung auch mal abgeben zu können. In der Zusammenarbeit mit unseren Tänzer*innen ist es entscheidend zu wissen, was sie brauchen und was wir brauchen. Wenn das nicht gegeben ist, herrscht Unsicherheit im Raum und die Tänzer*innen können sich nicht entfalten. Wir wollen zwar
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einen Rahmen schaffen und Offenheit zulassen, müssen aber auch in manchen Momenten klare Anweisungen geben. Diese Frage der Hierarchie ist ein sehr komplexes Thema im Team. Wir sind alle befreundet und unternehmen privat viel gemeinsam. Sobald wir in den Theaterraum kommen, verändern sich aber die Verhältnisse. Dann sind wir nicht mehr einfach Freund*innen, sondern Choreograf*innen und Tänzer*innen. Diese Unterscheidung ist für uns immer ein schmaler Grat und ein stetiger Lernprozess.“ SOPHIE HAYDEE COLINDRES ZÜHLKE wurde 1999 in München geboren und ist eine deutsch-honduranische Choreografin und Tänzerin. Sie studierte in München, New York City und London. In ihrer Arbeit setzt sie sich für Mehrkulturalität ein und fördert ein Zusammenkommen von Tänzer*innen ohne Bühnenerfahrung mit Profitänzer*innen. SERHAT PERHAT, bekannt als „Saïd“, wurde 1997 in München geboren und ist uigurischer Abstammung. Er tritt an der Bayerischen Staatsoper auf sowie bei zeitgenössischen Theaterproduktionen oder bei internationalen Breakdance-Battles in Kanada, Japan oder den USA. 2021 wurde er Mitglied des ersten deutschen Olympiakaders „Breaking“. Nach „Grey“ und „Tide“ kehren beide in der Spielzeit 2026/2027 mit einem weiteren Tanztheaterstück an das Münchner Volkstheater zurück.
WAS UNS BEWEGT Die Performer*innen der gefeierten Tanzstücke „Grey“ und „Tide“ zeigen hier, welche Musik ihnen gerade durch den Kopf geht. FO TO S : G A B R I E L A N E E B
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ICH MÖCHTE AM MONTAG MAL SONNTAG HABEN
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BOB MARLEY SONG
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„WIR SOLLTEN DEN MUT HABEN, DAS THEATERSYSTEM NEU ZU DENKEN“
Lange Probenphasen, abends Vorstellungen und das Engagement an unterschiedlichen Häusern: Der Theaterbetrieb ist nicht gerade familienfreundlich. Im Interview sprechen Regisseurin Sapir Heller und Schauspieler Jonathan Müller darüber, wie sich Theater und Familie vereinbaren lassen und was sich ändern muss. INTERVIEW: TOBIAS OBERMEIER FOTO: GABRIELA NEEB
Was haltet ihr von dem Ausspruch „Kunst oder Kind“? JONAT H A N: Das ist kompletter Schwachsinn. Was wollen wir denn in der Kunst erzählen, wenn wir uns gegen das Leben, also gegen Kinder, entscheiden? SA PI R : Ich finde es sehr traurig, dass es Leute gibt, die glauben, diese Entweder-oder-Entscheidung treffen zu müssen. Sie denken, sie müssen diese Entscheidung treffen. Unser Beruf ist auf jeden Fall schwierig mit Kindern. Aber wenn man möchte, bekommt man das hin. Vor allem aber muss die Theaterwelt familienfreundlicher werden. Kinder sind die Zukunft unserer Gesellschaft und auch des Theaters. Was müsste sich ändern, damit die Arbeit am Theater familienfreundlicher wird? JONAT H A N: : Es müsste sich vor allem etwas in der Kinderbetreuung ändern. Generell haben Menschen, die abends arbeiten, für ihre Kinder keine Betreuung. Zumindest eine finanzielle Unterstützung wäre hier wünschenswert. SA PI R : Mehr Flexibilität von den Theatern wäre angebracht. Unsere Partner*innen müssen sehr viel übernehmen. Das sind Sachen, die die Theaterhäuser nicht
mitdenken. In Gagenverhandlungen werden zum Beispiel die Kosten für Kinderbetreuung nicht berücksichtigt. Hinzu kommt, dass ich als freie Regisseurin auch in anderen Städten arbeite. Viele Theater bieten mittlerweile familienfreundliche Wohnungen an. Aber die lösen nicht das Problem, sobald ein Kind in die Schule kommt. Dann heißt es, dass ich für zwei Monate meine Kinder nur am Wochenende sehe. So etwas kann ich vielleicht einmal, höchstens zweimal im Jahr machen. Das stelle ich mir nicht einfach vor. SA PI R : Mein Beruf geht schon auf Kosten der Familie. Aber ich bin sehr dankbar, dass ich meine Familie habe. Sie gibt mir auch einen Ausgleich zur Arbeit. Es gibt Menschen, die kommen hier einfach nicht raus. Die machen Theater über Theater für Menschen aus dem Theater. Das Allerschönste ist, die Welt durch die Augen von einem Kind zu sehen. Gleichzeitig lernen sie sehr viel vom Theater. Meine Kinder kennen jedes meiner Stücke und sagen mir auch ihre Meinung, wenn etwas langweilig ist oder in ihren Augen keinen Sinn ergibt. Kinder sind die besten Dramaturg*innen.
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Jonathan, du bist am Münchner Volkstheater fest angestellt. Das heißt, du hast zwar geregelte Arbeitszeiten, aber die machen dir das Leben als Vater auch nicht gerade leicht, oder? JONAT H A N: Es hängt schon sehr viel an meiner Partnerin – die allerdings in dem gleichen Beruf arbeitet. Das heißt, wir müssen Babysitter oft auf eigene Kosten buchen. Zum Glück ist meine Tochter bereits etwas älter. Dann schläft sie öfter mal bei Freunden. Einmal musste ich sie mit ins Theater nehmen. Ich hatte niemanden, der auf sie aufpassen konnte. Dann habe ich sie in die erste Reihe gesetzt und die Vorstellung gespielt. Wir hatten viel Blickkontakt, und ich wusste, es ist alles in Ordnung. Am nächsten Tag war sie in der Schule müde. Aber es gab eben keine andere Lösung. Bei den Aufführungen müssen die Schauspieler*innen natürlich abends arbeiten. Aber sind Abendproben zwingend notwendig? SA PI R: Üblich ist eine Vormittagsprobe von 10 bis 14 Uhr und dann noch mal eine Abendprobe ab 18 Uhr. Man könnte es auch anders angehen und eine lange Probe bis 17 Uhr machen. Aber die
Für den Spagat zwischen Familie und Theater braucht man starke Nerven, finden Sapir Heller und Jonathan Müller.
„ES GIBT PHASEN, IN DENEN ICH ALLES ODER GAR NICHTS MACHE“ JONATHAN MÜLLER
Schauspieler*innen haben nach dem Normalvertrag Bühne für künstlerisch Beschäftigte das Recht auf die vier Stunden Ruhezeit dazwischen. Das ist für mich wirklich schwierig. In diesen vier Stunden lohnt es sich nicht, nach Hause zu fahren. Dann bin ich von 9 bis 23 Uhr im Theater und sehe meine Kinder gar nicht. Das Ensemble am Münchner Volkstheater ist im Vergleich zu anderen Häusern relativ jung. Wie viele Schauspieler*innen mit Kindern gibt es unter euch? JONAT H A N: Wir sind fünf mit Kindern und 18 ohne Kinder. Da gilt es, einen Kompromiss zu finden, bei dem man als Elternteil oft den Kürzeren zieht. Du probst mit Kolleg*innen, die gerne feiern gehen und manchmal erst um 11 Uhr anfangen wollen. Um die Zeit habe ich schon einen halben Tag hinter mir. Sprecht ihr über das Thema Kinder? JONAT H A N: Für meine männlichen Kollegen unter 27 oder 28 Jahren ist das bisher kein Thema. SA PI R : Es ist auch ein sehr junges Ensemble, muss man sagen. Wir, Jonathan und ich, fühlen uns immer wie Opa und Oma. Ich habe mal mit jemandem aus dem Ensemble über die Angst vorm Elternsein gesprochen. Wie bekommt man das hin? Nicht nur in Bezug auf Theater, sondern allgemein gesprochen: Werde ich eine gute Mutter sein? Passt das zu meinem Leben? Hattet ihr je Zweifel an eurem Beruf, weil ihr eine Familie gründen wolltet? JONAT H A N: Ich hätte gerne noch viel mehr Kinder. Das ist vielleicht der einzige Abstrich, den ich mache. Aber ganz auf meinen Kinderwunsch zu verzichten, kam mir nie in den Sinn. SA PI R : Viele Menschen haben Angst, dass sie keine Jobs mehr bekommen, wenn sie ein Kind haben. Wir Theaterleute sollten uns trauen, für eine ganze Familie zu verhandeln, wenn es um die Gage oder die Arbeitszeiten geht. Wir sollten direkt Alternativvorschläge anbieten. Wir denken zu sehr darüber nach, wie wir Familie und Beruf im vorhandenen Theatersystem vereinbaren können. Stattdessen sollten wir
den Mut haben, das System neu zu denken. Jonathan, wie sieht der gemeinsame Alltag mit deiner Tochter aus? JONAT H A N: Wir haben die Nachmittage und die Morgen zusammen. Wir frühstücken und haben fast den gleichen Weg zur Arbeit und Schule. Und dann sehe ich sie nachmittags wieder. Gleich wenn ich aus der Probe komme, treffen wir uns bis abends, und dann bin ich wieder im Theater. Hast du das Gefühl, dass du sie genug siehst? JONAT H A N: Ja, doch. Da meine Partnerin öfters beruflich weg ist, verbringen wir schon sehr viel Zeit miteinander. Wie erging es euch in der ersten Zeit, als ihr Eltern wurdet? JONAT H A N: Ich war nicht in Elternzeit. Im Ensemble ist man Teil eines laufenden Spielbetriebs. Ich hätte aus allen Stücken herausgenommen werden müssen. Das wollte ich nicht. SA PI R : Mein Mann und ich haben uns die Elternzeit aufgeteilt. Das ging ganz gut. Als ich wieder angefangen habe zu arbeiten, hatte ich die Kinder manchmal in der Trage dabei oder mein Mann brachte sie mir zum Stillen ins Theater. Gesellschaftlich kam das nicht immer gut an. Es gab negative Kommentare von Freund*innen oder frisch gewordenen Eltern, aber auch von Menschen, die am Theater arbeiten, weil ich nach fünf Monaten schon wieder zu arbeiten angefangen habe. Als mein Mann hingegen in Elternzeit war, bekam er dafür Komplimente. Wow, ein Vater verbringt Zeit mit seinem Kind! Wer von euch übernimmt mehr Care-Arbeit? JONAT H A N: Über das Jahr verteilt ist es schon 50:50. Aber dann gibt es eben Phasen, in denen ich alles oder gar nichts mache. Die Care-Arbeit verändert sich auch sehr stark, je älter das Kind wird. Meine Tochter ist mittlerweile ziemlich selbstständig. Bei ihr geht gerade eher die Pubertät los. SA PI R : Bei uns ist es ähnlich. Es macht einen Unterschied, ob ich gerade ein Theaterstück umsetze oder nicht. JONAT H A N: Sapir hat als Regisseurin viel mehr Verantwortung als ich. In den Endproben gibt es nach dem Durchlauf am Abend um halb zehn noch mal Feedback. Das heißt, dass sie anschließend die Fassung überarbeiten muss. Dann ist sie bis ein oder zwei Uhr morgens im Theater und steht wenige Stunden später auf, um die Kinder fertig zu
machen und wieder zur Arbeit zu gehen. Das ist schon sehr bemerkenswert. SA PI R : Darauf achtet aber keiner. Für das Ensemble gibt es Ruhezeiten, die sehr streng geregelt sind. Theater passen auf ihre Angestellten auf, aber auf die Freien eben nicht. Ich hatte kürzlich eine Produktion, bei der ich ungelogen von 8 Uhr bis 24 Uhr ohne Pause disponiert habe. Es ist schon ein krasser Job. Den muss man mögen. Was ließe sich denn sofort umsetzen, um die Vereinbarkeit von Arbeit und Familie zu erleichtern? SA PI R : Man könnte die Proben anders aufteilen. Gerade bei Theaterproduktionen werden immer pauschal sieben, acht Wochen veranschlagt. Warum muss das so sein? Vielleicht gibt es Theaterstücke, für die es besser wäre, 20 Wochen zu proben, oder nur drei Wochen. Aber das ist für die Häuser nicht optimal. Die wollen ihre Ordnung und Struktur. JONAT H A N: Als positives Beispiel fällt mir die Produktion „Der blinde Passagier“ von Adrian Figueroa ein. Alle im Team waren ausgesprochen gut eingespielt und strukturiert und bereits im Vorfeld viel vorbereitet. Die haben mit uns nur von Dienstag bis Freitag und immer von 10 bis 16 Uhr geprobt. Danach hatten wir frei. Die haben dem Münchner Volkstheater auch gesagt, sie kommen nur, wenn sie das so machen dürfen. Und siehe da: Es ging. SA PI R : Das freut mich zu hören. Ich glaube, viele Häuser würden sich auf solche Vorschläge einlassen. Nur trauen sich die Leute gar nicht, neue Ideen vorzuschlagen. Aber das muss man machen, damit sich etwas ändert. SAPIR HELLER, geboren 1989 in Israel, ist eine in München lebende Theaterregisseurin. Sie studierte Schauspiel- und Musiktheaterregie an der Hochschule August Everding und war Stipendiatin der Heinrich-Böll-Stiftung. Zu ihren Arbeiten zählen „Stadt der Frauen“ an der Bayerischen Staatsoper, Lisa Danulats „Ralf“ am Staatsschauspiel Dresden oder „Amsterdam“ von Maya Arad Yasur am Münchner Volkstheater. In der Spielzeit 2026/2027 inszeniert sie „Der Volksfeind“ nach Henrik Ibsen am Münchner Volkstheater. JONATHAN MÜLLER, geboren 1984 in Kronach, ist ein deutscher Schauspieler. Von 2006 bis 2010 studierte er Schauspiel an der Hochschule für Musik, Theater und Medien in Hannover. Es folgten Engagements am Schauspielhaus Hannover, am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg und am Stadttheater Osnabrück. Seit 2015 ist er Ensemblemitglied am Münchner Volkstheater.
„WER EINE GUTE ERZÄHLUNG HAT, KOMMT MIT VIELEN SCHWEINEREIEN EINFACH DURCH“ Kevin Kühnert saß im Deutschen Bundestag, war Chef der Jusos und schließlich Generalsekretär der SPD, bis er sich im Herbst 2024 überraschend aus der Politik zurückzog. Nun arbeitet der 37-Jährige als Aktivist bei dem Verein Bürgerbewegung Finanzwende gegen die Finanzlobby. Ein Gespräch über die Extrawurst für Superreiche, was er gegen „Familienunternehmen“ hat und welchen Preis er für eine Theaterkarte ansetzen würde.
INTERVIEW: MORITZ HÜRTGEN UND JULIA ROTHHAAS
Herr Kühnert, Rente, Bildung, Infrastruktur, Kultur: Überall in Deutschland mangelt es an Geld. Gleichzeitig fehlen uns jährlich mehr als 80 Milliarden Euro allein durch die zehn größten Steuerprivilegien für Superreiche. Können Sie uns erklären, wie das eigentlich sein kann? K E V I N K Ü H N E RT: Wir leben in einem Zeitalter der Narrative. Wer eine gute Erzählung hat, kommt mit vielen Schweinereien einfach durch. Beispiel Erbschaftsteuer. Hier gibt es Ausnahmeregelungen, die wohl die meisten Menschen auch richtig finden werden. Wenn etwa ein Teil eines produktiven Unternehmens vererbt wird mit der Zusicherung, viele Jahre lang Standort wie Anzahl der Beschäftigten in
Deutschland zu halten. Und was würden die meisten nicht richtig finden? Mithilfe einer mächtigen Finanzlobby hat vor einigen Jahren die sogenannte Verschonungsbedarfsprüfung ins Gesetz gefunden, eine Regelung, die vereinfacht besagt: Wenn ich mehr als 26 Millionen Euro erbe und am Tag des Steuerbescheids nicht liquide genug bin, um die Erbschaftsteuer zu bezahlen, dann muss ich es auch nicht. Man bekommt einen Zahlungsaufschub? Die Steuerschuld verschiebt sich nicht, sie entfällt ersatzlos. Weil davon ausgegangen wird, dass ich das Geld nicht habe. Liegt ja alles im Betrieb. Ich komme einfach steuerfrei durch Erbschaft oder Schenkung hindurch.
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Wie bitte? Die normalen Bürger*innen können dem Fiskus ja auch nicht einfach sagen: Sorry, ich kann meine Steuern gerade nicht zahlen, ich bin pleite. Ist die Erbschaftsteuer so etwas wie ein Freibrief für Superreiche? Ja, weil die Bedarfsprüfung vielfach missbräuchlich verwendet wird von findigen Steuerberater*innen, die zum Stichtag alles dafür tun, dass jeder Euro in vermeintlichem Betriebsvermögen gebunden ist. Zum Beispiel in Immobilien. Besitze ich mehr als 300 Wohnungen, werden diese als Betriebsvermögen betrachtet – selbst wenn in diesem „Betrieb“ nichts hergestellt wird. Es ist ja kein produktives Unternehmen, sondern wirft in der Regel einfach nur einen Mietzins ab. Erbe ich hingegen eine Wohnung von der Oma, ist es ein Vermögenswert, der versteuert
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„MAN KÖNNTE FAST VON EINER ART STOCKHOLMSYNDROM SPRECHEN“ werden muss. Ich finde, noch mehr als das bloße Geld schmerzt hier die Ungerechtigkeit, denn eine vergleichbare Regelung gibt es im Leben eines Normalverdienenden nicht. Für die Allerreichsten aber gelten in Deutschland andere Regeln. Das reichste Prozent der deutschen Bevölkerung verfügt über 35 Prozent des Gesamtvermögens. Warum gehen wir da nicht alle längst auf die Barrikaden? Man könnte fast von einer Art Stockholm-Syndrom sprechen. Was mir in dem Zusammenhang aber wichtig ist: Selbstverständlich gibt es viele tolle Unternehmer*innen in Deutschland, und ich respektiere das Risiko, das sie oftmals eingehen. Das ist nicht ohne; viele andere würden das gar nicht machen. Aber daraus leitet sich kein Freibrief ab, und der Respekt vor unternehmerischer Tätigkeit ist nicht automatisch vererbbar an nächste Generationen. Ich sehe nicht ein, wa rum jemand steuerlich verschont werden muss, der im Alter von 20 Jahren einen Unternehmensanteil von seiner Familie überschrieben bekommt. Diese Person hat qua ihres Alters noch gar nichts zum Wert dieses Unternehmens beitragen können. Vielmehr ist es ein Erwerb, der leistungslos erfolgt, ein Geschenk dank des Genpools. Betrachtet werden sollte es als das, was es ist: leistungsloses Einkommen. Viele Menschen blenden das Thema Geld aus, andere begnügen sich damit, mal eine Petition im Internet zu unter-
schreiben. Machen wir es uns zu einfach? Eine Petition zu unterschreiben ist doch schon mal besser, als gar nichts gemacht zu haben. Man darf nicht unterschätzen, dass so etwas dabei hilft, Kräfteverhältnisse in der Wahrnehmung durch die Politik zu verändern. Gerade dem Bereich Wirtschaft und Finanzen steht kaum eine Gegenlobby gegenüber. Beim Umweltschutz gibt es einige stark etablierte, zivilgesellschaftliche Akteur*innen, die aus der Bevölkerung viel Unterstützung bekommen. Die Finanzlobby hingegen bekam sehr lange gar keinen Gegenwind. Dabei wäre das dringend nötig. Wenn es um faire Besteuerung geht, heißt es oft: Greifen wir zu hart durch, hauen die Unternehmen in andere Länder ab. Teilen Sie diese Sorge? Nein, weil der Gesetzgeber vor vielen Jahrzehnten ein Prophylaxe-Instrument, die sogenannte Wegzugsteuer, geschaffen hat. Vereinfacht gesagt, wird der Umzug eines Unternehmens ins Ausland wie ein Erbfall behandelt. Man kann sich der Erbschaftoder Schenkungsbesteuerung dadurch nicht entziehen, sondern man löst sie durch den Umzug geradezu aus. Also kann man auch gleich hierbleiben, weil es steuerlich schlicht und ergreifend keinen Unterschied macht. Aber ich finde, man darf die Unternehmer*innen und ihre Verbände hier auch ein bisschen bei der Ehre packen. Wie meinen Sie das? Ständig ist die Rede vom Standort
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Deutschland und dass man dazu beitragen möchte, dass unser Land vorankommt und wächst. Aber was taugt dieses Bekenntnis, wenn es an zwei Prozentpunkten mehr oder weniger Steuerbelastung hängt? Das sollte man aushalten, wenn man unternehmerisch in einer Demokratie tätig ist. Selbst wenn Entscheidungen getroffen werden, die gegen die eigene Überzeugung gehen, dann ist es ja auch eine Entscheidung für eine Werteordnung, die uns positiv unterscheidet von manch anderem politischen System. Das ist also eine Art Drohgebärde: „Wenn ihr nicht macht, was ich will, dann gehe ich“? Wenn ein Unternehmen in der Öffentlichkeit für den Eindruck sorgt, dass sich die Politik für etwas Wachstum an die Substanz ihres Betriebs heranmacht, entsteht eine Art Druckgemeinschaft. Dann ruft die Bevölkerung: „Hey Politik, es gibt kein Wachstum in Deutschland, und jetzt wollt ihr ausgerechnet denjenigen aufs Dach steigen, von denen wir uns genau dieses Wachstum erhoffen.“ Was uns allen aber bewusst sein sollte: Am Ende sind das mehr Kosten für alle, weil das Geld für die Modernisierung des Landes dann irgendwo anders eingeholt werden muss. Zum Beispiel? Dann wird der Supermarkteinkauf teurer, weil sich eine Mehrwertsteuer erhöht, und irgendwelche Konsumsteuern ploppen auf. Man schneidet sich also letztlich ins eigene
Fleisch, wenn man pauschal nachplappert, dass alle Unternehmen in Deutschland überlastet seien. Das ist einfach nicht der Fall. Das kann man zum Beispiel daran sehen, dass seit Anfang der 1990er-Jahre die Körperschaftsteuer, also die maßgebliche Steuer für die meisten größeren Unternehmen, immer weiter gesenkt wurde und beginnend 2028 noch einmal gesenkt wird. Aktuell beschäftigt sich das Bundesverfassungsgericht mit der Frage, ob die Bevorzugung von Betriebsvermögen gegenüber Privatvermögen gegen den Gleichheitsgrundsatz verstößt. Ein Urteil wird im Laufe des Jahres erwartet. Gibt es Hoffnung? Die Politik hofft, dass das, was man selbst nicht entscheiden will, höchstgerichtlich für einen entschieden wird. Nach diesem Muster liegt die Erbschaftsteuer seit den 1990er-Jahren immer wieder in Karlsruhe. Zu erwarten ist aber tatsächlich, dass es bei der Verschonungsbedarfsprüfung und den 26 Millionen Euro nicht bleiben wird. Ärgerlich ist aber: Wir alle sind jetzt zum Warten verdammt. Dabei müsste die Politik überhaupt nicht auf einen Richterspruch warten. Der Deutsche Bundestag ist der Gesetzgeber in Deutschland und darf jederzeit initiativ so etwas wie das Erbschaftsteuerrecht ändern. Er muss dazu von niemandem aufgefordert werden. Stattdessen spielt man auf Zeit. Wie sieht es im Ausland aus? Gibt es Länder, die es besser machen als wir? Die Schweiz ist ein gutes Beispiel. Sie haben es ihren Kantonen freigestellt, wie sie das mit der Erbschaftsteuer machen.
Diese Steuer ist im Durchschnitt sehr niedrig, was aber auch mit dem sonstigen Steuermix im Land zu tun hat. Der größte Unterschied: Weil sie die gesamten Steuern fortwährend erheben, gibt es eine gute Berechnungsgrundlage. So ein kontinuierlicher Datenbestand ist enorm wichtig, weil man in dieser Debatte, egal ob Vermögensoder Erbschaftsteuer, früher oder später immer an den Punkt kommt: Wer stellt eigentlich den Wert fest? Irgendwie muss eine Steuer ja bemessen werden. Da haben wir Mitte der 1990er-Jahre in Deutschland einen großen Rückschlag erlitten, als die Vermögensteuer durch das Verfassungsgericht ausgesetzt und von der Politik bis heute nicht repariert wurde. Damit haben wir eine wichtige Informationsquelle über die Vermögen und Werte im Land verloren. Stattdessen haben wir uns für ein Staatswesen entschieden, das überproportional durch Einkommen und unterproportional durch Vermögen gestemmt wird. Und das unterscheidet uns von den meisten anderen westlichen Wohlstandsnationen.
Steuervorschläge der AfD zusammenrechnet, würde das den Staatshaushalt um ein Drittel reduzieren, ohne dass mir irgendein Vorschlag bekannt wäre, was dafür dann alles gestrichen werden müsste.
Welcher deutschen Partei trauen Sie es aktuell am ehesten zu, dieses Dilemma zu beseitigen? Schwer zu sagen, weil man hier doppelt unterscheiden muss. Zum einen: Wer tritt dem Parteiprogramm nach grundsätzlich dafür ein? Da gibt es momentan eine sehr klassische Mitte-links- und Mitte-rechtsSpaltung. Die Unionsparteien wollen keine Reform der Erbschaftsteuer, sondern sie abbauen oder ganz auflösen. Die Mittelinks-Parteien wollen mehr Gerechtigkeit, Lücken schließen und gegebenenfalls Steuersätze erhöhen. Und wenn man die
Sie haben sich im Oktober 2024 aus der Politik verabschiedet und engagieren sich nun bei Bürgerbewegung Finanzwende. Dort leiten Sie den Bereich „Steuern, Verteilung, Lobbyismus“. Warum haben Sie sich gerade diese Mammut-Themen herausgesucht? Weil ich immer schon der Überzeugung bin, dass sie der Dreh- und Angelpunkt in einer Gesellschaft sind. Kaum ein politisches Thema ist verhandelbar, ohne sich anzugucken, wie Wohlstand erwirtschaftet und verteilt wird. Denn diese Verteilung findet jeden Tag statt, etwa bei der Frage,
Freunde des
Kultur ist schöner zusammen. Für ein München, in dem alle teilhaben können. KulturRaum München ermöglicht Kulturerlebnisse für Menschen mit geringem Einkommen. www.kulturraum-muenchen.de/unterstuetzen-sie-uns
ie Werden S d e Mitgli reunden d i be en F rRaum des Kultu ! München
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Und wie lautet die zweite Unterscheidung? Wer setzt eine Reform machtpolitisch durch? Wir werden in absehbarer Zeit keine Mitte-links-Koalition in Deutschland haben, bei der sich alle Partner grundsätzlich einig sind, dass die Erbschaftsteuer gerechter gemacht werden muss. Wir werden also darauf angewiesen sein, dass einzelne Koalitionspartner*innen das zu ihrer Bedingung machen. Das ist bislang noch nicht passiert. Es fordert sich halt auch recht leicht, wenn man noch nie in der Regierung war und diese Forderung nur aufstellen muss. Sind Sie eigentlich noch Mitglied in der SPD? Ja.
STEUEROASEN RUND UM MÜNCHEN
Briefkastenfirmen und niedrige Gewerbesteuersätze kosten Kommunen Millionen. München will nun das Ausmaß der Verluste untersuchen. Der Verein Bürgerbewegung Finanzwende führt zehn große Steuerprivilegien auf, die jährlich einen Einnahmeverlust von 80 Milliarden Euro in Deutschland verursachen. Dazu zählen Ausnahmen in der Erbschaftsteuer, die Aussetzung der Vermögenssteuer oder betrügerische Cum-Ex-Geschäfte. Auch Unternehmensgewinne in sogenannten Steueroasen außerhalb Deutschlands verursachen einen immensen Steuerverlust. Laut Finanzwende liegt der dadurch entstandene Schaden je nach Rechenmethodik zwischen sechs und 29 Milliarden Euro. Doch auch innerhalb Deutschlands gibt es zahlreiche Steuerparadiese, genauer gesagt Gewerbesteuerparadiese, die sich viele Unternehmen mithilfe von sogenannten Briefkastenfirmen zunutze machen. Dadurch entstehen erhebliche Einnahmeverluste bei jenen Kommunen, in denen die Firmen ihren eigentlichen Sitz haben. Über die Höhe des Schadens, den die Stadt München etwa durch derlei Praktiken erleidet, kann die Stadtkämmerei aktuell keine Angaben machen, da es keine Erhebungen gibt. Jedoch wurde im Juni 2026 ein Antrag des Stadtrats an Oberbürgermeister Dominik Krause gestellt, in dem die Stadtkämmerei darum gebeten wird, Auskunft über die Auswirkungen von Steueroasen im Umland von München zu geben. Bis wann eine Antwort erwartet wird, ist dem Antrag nicht zu entnehmen
Vorausgegangen war ein Artikel in der Süddeutschen Zeitung, in dem ein Fall in der Stadt Essen geschildert wurde, die mithilfe von staatsanwaltlichen Ermittlungen von der Gemeinde Grünwald mutmaßlich unrechtmäßig erhobene Gewerbesteuern von mehreren Millionen Euro einfordert. So soll eine Firma aus Nordrhein-Westfalen Millionengewinne an das Tochterunternehmen in Grünwald transferiert haben, um so von den niedrigen Gewerbesteuersätzen der Gemeinde zu profitieren. Ein ebenso skurriler Fall wurde vor wenigen Jahren im Ebersberger Forst aufgedeckt. Dort waren in einer Scheune mit dem illustren Namen Seegrasstadl mehrere Unternehmen der Hypovereinsbank gemeldet – ohne Telefon, Internet und Toilette. Für internationale Investmentgeschäfte wurden niedrigste Gewerbesteuern an den Landkreis Ebersberg gezahlt. 2020 musste dieser 23,5 Millionen Euro an die Stadt München überweisen, wo die betreffenden Firmen eigentlich ansässig gewesen sein sollen. 2024 entschied der Bundesfinanzhof jedoch, dass das Geld dem Landkreis gehört. Aufgrund offener Gerichtsverfahren ist bis heute nicht geklärt, welcher Kommune die Millionenbeträge letztlich zustehen. Das Netzwerk Steuergerechtigkeit, ein Zusammenschluss von Nichtregierungsorganisationen, schätzt den Schaden, den die zehn
größten Gewerbesteueroasen in Deutschland verursachen, auf fast 700 Millionen Euro. An zweiter Stelle die Gemeinde Grünwald, die anderen Kommunen im Jahr 102 Millionen Euro entzieht, gefolgt von Gräfelfing mit 97 Millionen Euro. Auch andere umliegende Gemeinden wie Unterföhring, Straßlach-Dingharting oder Pullach locken mit günstigen Gewerbesteuersätzen. Angesichts der bestehenden Haushaltskrise in München ist es ein Gebot der Stunde, diese Praktiken der Steuerhinterziehung zu unterbinden und für mehr Steuergerechtigkeit zu sorgen. Auch die Bundesregierung hat das Problem endlich erkannt. Im Koalitionsvertrag von CDU/CSU und SPD heißt es, dass „alle zur Verfügung stehenden administrativen Maßnahmen“ ergriffen werden sollen, „um derartigen Scheinsitzverlegungen in Gewerbesteueroasen wirksam zu begegnen“. Der Deutsche Bundestag hat mittlerweile beschlossen, den gesetzlichen Mindesthebesatz bei der Gewerbesteuer, also jener Wert, der für die Berechnung der jeweiligen Gewerbesteuer verwendet wird, ab Januar 2027 von 200 auf 280 Prozent anzuheben. Ob diese Erhöhung im Falle Münchens einen spürbaren Effekt erzielt, darf bezweifelt werden. Zum Vergleich: Grünwald hat einen Hebesatz von 250 Prozent, München von 490 Prozent.
Zehn große Gewerbesteueroasen verursachen einen rechnerischen Verlust von fast 700 Millionen Euro GEMEINDE Bevölkerung GewSt-Satz (in %) Einnahmen (in Mio. €) Monheim am Rhein 40.072 8,75 270 Grünwald 11.382 8,4 150 Gräfelfing 13.761 8,75 159 Walldorf, Stadt 15.783 9,275 166 Schönefeld 19.147 8,4 93 Ingelheim am Rhein 36.002 10,85 170 Eschborn, Stadt 23.058 11,55 203 Biberach an der Riß, Stadt 34.971 10,85 115 Zossen 22.140 9,45 43 Unterföhring 11.706 11,55 90 Gesamt
228.022
Ø 9,78
1.459
Steuerverlust im Vergleich zu Durchschnittssteuersatz (in Mio. €)* 166 102 97 87 63 51 45 35 21 20 687
Quelle: Berechnung basierend auf Daten aus den Kommunalhaushalten * Anmerkung: Basierend auf einem Durchschnittssteuersatz von 14,12 %
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„ICH FINDE, NOCH MEHR ALS DAS BLOSSE GELD SCHMERZT HIER DIE UNGERECHTIGKEIT“ wie Löhne und Steuersysteme gestaltet sind, oder wenn Behörden zu schwach sind, um Betrug auf die Schliche zu kommen. Und das geht am besten als Teil einer Bürgerbewegung? Als Kampagnenorganisation prüfen wir, was als Thema gut darstellbar ist und die Aussicht hat, in einem überschaubaren Zeitraum große Unterstützung von der Bevölkerung zu finden, um dann auch von der Politik aufgegriffen zu werden. Wir picken uns Kernungerechtigkeiten heraus wie die Verschonungsbedarfsprüfung und machen daran exemplarisch sichtbar, wo die großen Probleme liegen. Wir wollen den Menschen zeigen, dass man nicht alles bis ins kleinste Detail verstehen muss, um sich ein Urteil bilden zu können. Wir versuchen, ein ehrlicher Sachwalter für diese Interessen zu sein, und wollen ermutigen: Raus aus der Ohnmacht, weg von der Vor-
stellung, dass alles so groß, so kompliziert und nicht zu überblicken ist. Wäre es aus der Politik heraus nicht einfacher gewesen, Missstände zu korrigieren? Für mich nicht. Ich bin einfach besser darin, Druck auf den politischen Apparat zu organisieren, um ihn zu Entscheidungen zu bringen, als diesen Druck aus dem Apparat heraus zu erzeugen. Ich weiß inzwischen, wo ich mit meiner Energie am besten hinmuss, und habe mich bewusst für eine Organisation entschieden, die für sich in Anspruch nimmt, überparteilich und spektrenübergreifend zu arbeiten. Weil ich große Sorge habe, dass wir wie viele andere Gesellschaften in eine unversöhnliche Blockkonfrontation geraten, wo jede politische Frage nur noch eine Bist-dulinks-der-Mitte-oder-bist-du-rechts-derMitte-Antwort kennt.
Einen ersten großen öffentlichen Auftritt hatten Sie mit Finanzwende im Juni 2026, als Sie vor dem Berliner Luxushotel Adlon gegen die Stiftung Familienunternehmen protestiert haben. Warum dort? Wir wollten damit auf die Jahrestagung dieser Lobbyorganisation aufmerksam machen, die Deutschlands umsatzstärkste Unternehmen versammelt. Wir sprechen hier von Konzernen, die von Gesellschafterkreisen gehalten werden mit teils mehreren hundert Menschen. Viele, die Anteile halten, sind überhaupt nicht operativ in den Betrieben tätig, sondern profitieren lediglich von den jährlichen Ausschüttungen. Das große Thema dieser Stiftung ist die möglichst steuerfreie Übertragung von Betriebsvermögen an kommende Generationen. Und dass es dafür weiterhin einen Rechtsrahmen gibt, in dem das funktioniert.
München ist Kultur. München ist sozial. Zukunft ist Zusammenhalt. #MiK ist ein interdisziplinäres Bündnis von Münchner Künstler*innen und Kulturinstitutionen. Das Ziel ist die Schaffung von stabilisierenden Strukturen für die Kunst- und Kulturszene. Dabei sind wir Partner*innen von Menschen, die sich im sozialen Bereich engagieren – denn unsere Gesellschaft braucht beides. Eva Löbau, Schauspielerin, und Coach Latif Walu, Boxtrainer, sind sich im Ring vom Boxwerk München begegnet.
www.muenchenistkultur.de www.boxwerk.de Instagram: @muenchenistkultur @boxwerk
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„‚FAMILIENUNTERNEHMEN‘ KLINGT MEHR NACH HANDWERKSBETRIEB ALS NACH KONZERN“
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Wenn Sie Deutschland ein Zeugnis für finanzielle Gerechtigkeit ausstellen müssten: Welche Note vergeben Sie, Herr Kühnert? Als ich noch in der Politik tätig war, habe ich diese Frage in Interviews immer zurückgewiesen. Schließlich bin ich Juso-sozialisiert, ich bin per se gegen Noten. Aber wer keine Noten vergibt, muss sein Urteil in kurzen Texten beschreiben. Und da würde ich wohl schreiben: In Sachen finanzieller Gerechtigkeit besteht in Deutschland noch ein besonderer Förderbedarf. KEVIN KÜHNERT, 1989 in Berlin geboren, arbeitete neben und nach seinem abgebrochenen Studium in einem Callcenter und war von 2017 bis 2021 Vorsitzender der Jusos. Anschließend führte er bis Oktober 2024 als Generalsekretär der SPD die Geschäfte, dann zog er sich überraschend aus der Politik zurück. Seit Dezember 2025 ist er als Lobbyist für den Verein Bürgerbewegung Finanzwende tätig. Kühnert lebt in Berlin BÜRGERBEWEGUNG FINANZWENDE Der Verein wurde im September 2018 von dem ehemaligen Grünen-Politiker Gerhard Schick gegründet und versteht sich als unabhängiges und überparteiliches Gegengewicht zur Finanzlobby in Deutschland. Der Verein finanziert sich zu knapp 90 Prozent (2025) aus Mitgliedsbeiträgen und Spenden. www.finanzwende.de
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GASTRONOMIE
Kulturelle Einrichtungen wie die Theater versuchen den Kulturkämpfer*innen von rechts etwas entgegenzusetzen, dafür stehen sie ganz oben auf ihrer Streichliste. Umso wichtiger ist die Frage: Welchen Stellenwert sollte Kultur selbst in finanziellen Krisenzeiten haben? Ich kaufe den meisten Politiker*innen ab, dass ihnen Kultur wichtig ist. Das habe ich immer wieder genau so erlebt, und zwar parteiübergreifend. Aber was haushaltspolitisch wichtig ist, unterliegt anderen Regeln. Kultur gehört genau wie Sport oder Jugendarbeit zu den sogenannten freiwilligen Selbstverwaltungsaufgaben der Kommunen. Was nichts anderes heißt als: Darum kümmern wir uns, wenn alle Pflichtaufgaben abgearbeitet wurden.
Anders gefragt: Was halten Sie für einen guten Preis für eine Theaterkarte? Normalpreis ohne Ermäßigung. Hm, da muss ich kurz mal überlegen, was ich zuletzt für Theaterkarten bezahlt habe. Ich würde sagen: 50 Euro?
Das Stadtmagazin STADTLEBEN
Wie genau muss man sich das vorstellen? Demokratische Abläufe und Verfahrensweisen erachtet man als hinderlich für das unternehmerische Tun, als wettbewerbsschädlich im internationalen Vergleich. Vielmehr berauscht man sich an Beispielen aus dem Ausland, die vermeintlich zeigen, wie es anders geht. Dann kommt beispielsweise der Satz: „Schweden hat die Erbschaftsteuer ganz abgeschafft.“ Das stimmt, aber was nicht so gern dazugesagt wird: dass man dort als Höchstverdiener bis zu 57 Prozent Einkommensteuer bezahlt. Gezeigt werden soll damit aber: Wir kommen hier nicht voran. Die Akteure wissen genau, dass ihr eigentliches Interesse der Rückbau von staatlichen Strukturen und des Sozialstaats ist, um Steuern zu senken. Weil sie in freien Wahlen dafür niemals eine Mehrheitszustimmung bekämen – das geht selbst Konservativen zu weit –, verschanzt man sich hinter dem Begriff des Kulturkampfs, der alle völlig kirre macht und weit in die politische Debatte getragen wird, um Staat und demokratischen Institutionen die Berechtigung abzusprechen.
Nun sieht es in den meisten deutschen Kommunen schon seit langer Zeit sehr düster aus, es bleibt kaum mehr Geld übrig. Auch weil sie in den vergangenen Jahren mehr Aufgaben übertragen bekommen haben, als mit der finanziellen Unterstützung von Bund und Ländern zu bewerkstelligen ist.
KULTUR
Im Dezember 2025 haben Sie in einem Interview gesagt: „Reichtum wird weltweit immer offener als Machtinstrument missbraucht.“ Unsere Demokratie steht derzeit auf mehreren Ebenen unter Druck, vor allem von rechts. Welche Rolle spielt Geld dabei? Mir ist es wichtig, hier nicht zu pauschalisieren, denn auch unter Vermögenden gibt es genug korrekte Menschen, die das Demokratieprinzip achten. Und es gibt grundsätzlich nichts dagegen einzuwenden, sich vor allem den eigenen wirtschaftlichen Interessen zu widmen. Wenn diese Interessen dann von der Politik umgesetzt werden, ist vor allem die Politik zu kritisieren – und weniger derjenige, der sich einen Extrarabatt ausgehandelt hat. Aber wir beob-
achten, dass in Teilen der vermögenden Oberklasse das Prinzip der Demokratie zunehmend abgelehnt wird.
VERANSTALTUNGEN
Von was für einer Unternehmenskategorie reden wir? Wer dort aufgenommen wird, bleibt geheim. Doch Greenpeace hat sich vor einigen Jahren die Fleißarbeit gemacht und Förderer dieser Stiftung recherchiert. Herausgekommen ist ein Who’s who der deutschen Großunternehmen, global agierend und fast ausschließlich milliardenschwer, also BMW, Lidl, Kaufland, Würth, Merck, Braun, Dr. Oetker, Deichmann. Dabei klingt „Familienunternehmen“ mehr nach Handwerksbetrieb als nach Konzern. Würden sie sich „Interessenvertretung der Allervermögendsten im Land“ nennen, bekämen sie gewiss keine gesellschaftliche Zustimmung. Deshalb nennen sie sich strategisch klug „Familienunternehmen“. Auf der Flauschigkeitsskala kommt das direkt nach Katzenbabys. Doch das entspricht nicht der Wahrheit. Das Problem ist vielmehr: Auf ihrer Jahrestagung gab es an zwei Tagen vier Auftritte von Mitgliedern der Bundesregierung. Ich glaube, nicht mal beim Deutschen Fußballbund oder ADAC schauen so viele Regierungsvertreter vorbei – und dort sind jeweils zig Millionen Menschen organisiert. Das sagt schon etwas über die politische Schwungmasse eines Verbandes aus, wenn die Bundesregierung da in Mannschaftsstärke aufläuft.
www.in-muenchen.de
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InMuenchen
WIE IST DENN DAS GEMEINT?
Marco Damghani, Julia Prechsl, Heiki Riipinen, Koen Verheijden und Merle Zurawski inszenieren in der kommenden Spielzeit am Münchner Volkstheater. Wir haben die Websites der fünf Regisseur*innen besucht und aus ihren selbst verfassten Biografien die Absätze zum künstlerischen Ansatz herauskopiert, anonymisiert und den jeweils vier anderen vorgelegt – mit der Bitte um die Beantwortung dieser zwei Fragen: a) Wie stellst du dir diesen künstlerischen Ansatz auf der Bühne vor? b) Welches Stück passt dazu und warum?
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X Arbeiten suchen nach der Intensität zwischenmenschlicher Beziehungen, unserem Ringen um Gemeinschaft in einer Welt der Vereinzelung und deren Übersetzung in sinnlich-abstrakte Bilder. X widmet sich Klassikern ebenso wie neuer Literatur und adaptierte mehrfach Werke des Kanons aus dezidiert feministischer Perspektive. Sie ist überzeugt, dass die Komplexität des Lebens in der Kunst durch die Gleichzeitigkeit sich widersprechender Wahrheiten entsteht, die so nur im Theater erfahrbar werden kann. JULIA PRECHSL eröffnet mit „DIE GEIERWALLY“ die Spielzeit 26/27
HEIKI RIIPINEN a) Vor meinem inneren Auge erscheint eine bunte Farbpalette. Federn und Fell – natürlich alles aus Kunstmaterial und ökologischem Anbau. Vielleicht auch ein paar Beats. b) Ich könnte mir vorstellen, dass sich diese Regisseurin mit Romanen von Autor*innen wie Ursula K. Le Guin befassen würde.
MARCO DAMGHANI a) Menschen, die sehr nah beieinander sind und sich trotzdem dauernd verpassen. Eher keine naturalistische Wohnküche, sondern Räume, die innere Zustände sichtbar machen – in a good way. b) Tschechows „Drei Schwestern“, weil darin alle gleichzeitig lieben, leiden, hoffen, scheitern und immer recht haben.
MERLE ZURAWSKI a) Digitale Bühnen treffen auf den Theaterraum, im Strom der postkapitalistischen Krisengesellschaft kämpft sich ein Theaterensemble durch ein Netz aus Lüge und Wahrheit – und muss am Ende feststellen, dass sie kollektiv gescheitert sind. Weil sie sich überhaupt nichts mehr zu sagen haben. Alles, was einmal hätte gesagt werden können, passiert nun im Chat mit der KI. Und die Lücke, die dies in unsere Gesellschaft reißt, haben wir längst verlernt, in der zwischenmenschlichen Begegnung zu füllen. b) Eine Romanadaption von „Qualityland“ von Marc Uwe Kling in einer queerfeministischen Überschreibung, die Hauptrolle spielt ein digitaler Delfin-Dildo.
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KOEN VERHEIJDEN a) Ich stelle mir ein literarisches Werk vor, in dem weibliche Figuren eine zentrale und bedeutende Rolle spielen. Außerdem kann ich mir vorstellen, dass mit einer futuristischen Ästhetik gearbeitet wird. b) Das ist zwar kein Theaterstück, aber ich könnte mir das „SCUM Manifesto“ von Valerie Solanas sehr gut vorstellen: ein radikaler feministischer Text über den Sturz der Regierung, die Abschaffung des Geldsystems, vollständige Automatisierung und die Eliminierung des Mannes.
X Arbeit als Regisseur*in und Autor*in beschäftigt X sich kontinuierlich mit Fragen des Politischen, den expliziten Themen (post)migrantischer Gesellschaft sowie der Verbindung von Persönlichem und Systemischem. MARCO DAMGHANI inszeniert „Jungs kurz vorm Heulen“
HEIKI RIIPINEN a) Ich stelle mir eine Performance in einem leer wirkenden Raum vor, in dem sich jedoch durch bestimmte Elemente immer wieder neue Räume öffnen und schließen. Einfache Objekte offenbaren Landschaften, in denen sich Geschichten aus dem echten Leben abspielen. b) Das antike Drama „Die Bittstellerinnen“ von Aischylos scheint zu diesem Ansatz zu passen, doch eigentlich erwarte ich neue Texte, die auf Interviews basieren.
MERLE ZURAWSKI a) Auf der Bühne sehe ich ein Schauspielensemble, das nicht nur aus den Figuren heraus spricht, sondern autofiktional Stoffe mit eigenen Zugängen und Geschichten verwebt. Ich stelle mir vielleicht auch Expert*innen des Alltags vor, wenn ja, sind diese sehr charismatisch. Auf jeden Fall wird zu irgendeinem Zeitpunkt gesungen, optional im Chor. b) „Unser Deutschlandmärchen“ von Dinçer Güçyeter – ist ja klar.
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KOEN VERHEIJDEN a) Ich kann mir vorstellen, dass wir in dieser Inszenierung die persönliche Geschichte eines Menschen erleben, der in einem System feststeckt. Durch die individuelle Biografie wird das größere gesellschaftliche System sichtbar. b) Ich muss sofort an „Verbrennungen“ von Wajdi Mouawad denken. Darin treten die genannten Themen deutlich hervor, und man spürt das System durch die Suche eines Bruders und einer Schwester nach der Geschichte ihrer Mutter.
JULIA PRECHSL a) Ernsthaftigkeit im Inhalt, bewusste Silliness in der Ausführung / jemand sitzt betont entspannt auf einem Stuhl auf der Bühne und stellt kritische Nachfragen an die grade sprechende Person / Licht von der Fußrampe / ein einzelner Luftballon / abstrakte Architektur im Bühnenbild. b) Moderne Überschreibung von „Die Bakchen“ (406 v. Chr.) von Euripides / kompiliert mit Gegenwartstexten / politisches System vs. private Sehnsucht.
X forscht in deren Arbeiten an der Schnittstelle zwischen Schauspiel, Performance, Film und Tanz, Popkultur und politischem Aktivismus. An diesem Knotenpunkt kämpft X aus einer queerfeministischen und kapitalismuskritischen Perspektive immer wieder um utopische Potenziale. Bezugnahmen auf kulturelle Drehbücher, Institutionen und die Welt, in der wir uns bewegen, sowie eine enge diskursorientierte Zusammenarbeit mit dem Ensemble und dem Regieteam, prägen X Arbeiten. X inszeniert Fremdtexte und eigene Texte, schreibt und performt während und zusätzlich zum Regieführen, spricht im Rahmen von theaterpolitischem Engagement bei unterschiedlichen Diskursformaten. MERLE ZURAWSKI inszeniert „Gym“
HEIKI RIIPINEN a) Ich stelle mir vor, wie Rihanna zusammen mit Performer*innen in Kätzchenkostümen tanzt, während sie Texte von Sarah Ahmed vorträgt. Ich stelle mir eine Inszenierung vor, die sich wie eine Party anfühlt, mit liebevollen Präsenzen und komödiantischem Timing. b) Vielleicht sind die Themen für diese*n Regisseur*in wichtiger als die Stücke selbst? Vielleicht eine aktualisierte Version von Donna Haraways „Manifest für Cyborgs“?
MARCO DAMGHANI a) Mehr Happening als Stück: Pop, Theorie, Witz, Video, zwischendurch hält eine Schauspielerin einen sehr klugen Monolog in einem schlechten Kostüm, raucht dabei, wischt sich den Schweiß aus dem Gesicht und versaut damit zwei Stunden Maskenarbeit. b) „Die heilige Johanna“ der Schlachthöfe, aber textlich dekonstruiert – darf man doch jetzt, oder?
KOEN VERHEIJDEN a) Ich stelle mir eine zeitgenössische Inszenierung vor, die ein junges Publikum anspricht. Eine Aufführung mit Club atmosphäre, einem Berliner Touch und einer spürbaren Dringlichkeit in Bezug auf ein aktuelles gesellschaftliches Thema. b) Ich muss an „Penthesilea“ von Kleist denken. Das Stück ist zwar nicht zeitgenössisch, aber ich fände es sehr cool, diese Geschichte in einer Club atmosphäre zu erleben.
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JULIA PRECHSL a) Drei Menschen stehen an der Rampe und deklamieren einen Text nicht chorisch, aber so thight überlappend, dass sie ein Körper werden / Ritt durch die Film- und Literaturgeschichte / eine große Bühnenfahrt begleitet von Musik und einem Text, der von einer Person übers Mikro gesprochen wird und unsere gesellschaftlichen Zukunftspotenziale empowert / jemand trägt einen lustigen Hut. b) „Liberation“ (2025) von Bess Wohl / starker FLINTA*-Chor / surft durch die Zeiten / aufgebrochene Form.
X arbeitet als Autor*in und Regisseur*in, die/der sich vor allem mit den Themen Kolonialisierung und Queer-Geschichte beschäftigt. Obwohl seine/ihre Vorschläge von historischen Ereignissen ausgehen, vermischen sich in ihrem/seinem Werk Gegenwart und Vergangenheit. Anhand der Geschichte versucht X, sich zur Gegenwart und zu aktuellen gesellschaftlichen Problemen zu verhalten. X Werk hat eine starke gesellschaftliche Ausrichtung und zeichnet sich dadurch aus, dass es Pro- und Kontra-Stimmen ohne Vorurteile nebeneinander bestehen lässt. X Stil ist an einer fragmentarischen und poetischen Ausdrucksweise zu erkennen. KOEN VERHEIJDEN inszeniert „Im Wasser sind wir schwerelos“
HEIKI RIIPINEN a) Ich habe das Gefühl, dass natürliche Materialien wie Holz und Erde gegenübergestellt mit industriellen Materialien wie Stahl und Glas gut zur Arbeitsweise diese*r Regisseur*in passen würden. Reflexionen brechen das Licht, das anschließend von der Dunkelheit verschluckt wird. Die Schauspieler*innen tragen „neutrale“ Kostüme, und diese „Neutralität“ wird infrage gestellt, sobald sie diese ablegen. b) Der Vampirroman „Carmilla“ von Sheridan Le Fanu verdient eine kritische Auseinandersetzung durch diese*n Regisseur*in.
MARCO DAMGHANI a) Ein Abend, der nicht sagt: „So war es“, sondern fragt: „Was davon ist eigentlich noch immer da?“ Die Zeiten springen ineinander, stoßen sich dabei gegenseitig den Kopf und geraten in eine ächzend-stöhnende Prügelei, die nach Alkohol und Schweiß riecht. b) „Penthesilea“ – Begehren, Gewalt, Körperpolitik und queere Umdeutungsmöglichkeiten.
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MERLE ZURAWSKI a) schauspiel meets zeitgenössisches musiktheater: in einem recherchebasierten prozess setzt sich das künstlerische team mit den stonewall riots in new york auseinander und befragt diese auf die strahlkraft in die gegenwart. auf der bühne sitzt neben einem schauspiel ensemble ein streicherquartett gepaart mit einem klangkünstler, stil: elektro. trotz allem bleibt der abend zart und suchend, öffnet vielmehr denk räume, als dass er lösungen generiert. b) ein recherchebasierter prozess ausgehend von den stonewall riots. mit in den schreibprozess eingeflossen sind gedichte und tagebucheinträge wichtiger akteur*innen der zeit. wenn man das textbuch aufschlägt, springen einem textflächen ins auge, alles ohne grossbuchstaben.
X arbeitet mit dem Medium Theater als eine erweiterte Praxis, wobei er zwischen den Rollen als Regisseur, Performer, Kostümbildner, Dozent und Dragqueen wechselt. X nutzt das Theater als einen Ort der Begegnung, in dem die Herausforderungen der Koexistenz das zentrale Drama sind und die Vorstellung des Beisammenseins die ästhetische Erfahrung darstellt. HEIKI RIIPINEN inszeniert „Philophobia“
JULIA PRECHSL a) Text als Herz der Produktion / kluge Gedanken in sinnlichen Worten / Stille aushalten / abstrakte Welt-Bühne / filmischer Soundtrack / lange Gewänder / viel Seitenlicht. b) Eigene Romanadaption von „Nightwood“ (1936) von Djuna Barnes / baut auf rätselhafte Düsternis / bringt gegenwärtige, queere Themen nach vorne.
JULIA PRECHSL a) Laut / physisch / flirty / fashion / jemand kommt mit Mikro in den Zuschauerraum und hält es jemandem vor die Nase / Farben / die Gruppe erzählt aus sich heraus / keine Angst vor Streit / gute (Pop-) Musik. b) „Peer Gynt“ (1867) nach Henrik Ibsen / vielleicht als wilder Soloritt / vielleicht als ein großer Versuch, als Individuum Platz in der Gesellschaft zu finden / auf jeden Fall mit ordentlich Tempo.
MARCO DAMGHANI a) Ich stelle mir einen Abend vor, bei dem man nicht ganz sicher ist, ob man gerade in einem Stück, einer Party, einer Therapiesitzung oder einer sehr guten Dragshow sitzt. Im Mittelpunkt die Frage: Wie halten wir es eigentlich miteinander aus, wenn wir uns selbst kaum ertragen? b) „Der Sturm“ von Shakespeare, als postkoloniale Versuchsanordnung darüber, wie verschiedene Körper, Machtverhältnisse und Sehnsüchte auf einer Insel miteinander koexistieren.
MERLE ZURAWSKI a) Popkultur meets Kanon, Lachen, das in Hälsen stecken bleibt, am Ende verlässt das Publikum in einer Mischung aus peinlicher Berührung und Zu-Tränen-gerührt-wordenSein den Saal. b) „Die Räuber“ von Schiller, die Räuberbande ist ein Zusammenschluss von Dragqueens, alle tragen schillernde Kostüme.
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KOEN VERHEIJDEN a) Ich stelle mir eine performative Soloarbeit vor, in der X selbst auf der Bühne steht. Ich denke an kräftige Farben, theatralische Kostüme und vielleicht auch an Livemusik. b) Ich muss an „Angels in America“ denken – was ein wenig im Kontrast zu meiner Antwort a) steht. Es ist mein Lieblingsstück, und darin sieht man viele unterschiedliche Menschen, die versuchen, unter den Bedingungen einer Krise in New York miteinander zu leben.
WIR WOLLEN NUR SPIELEN!
JAWAD RAJPOOT
Dafür geht das Ensemble erst mal in die Maske. Wir zeigen, was dabei jeden Abend herauskommt.
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GENET ZEGAY
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LOLA DOCKHORN
PASCAL FLIGG
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NINSCH NOÉ STEHLIN
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LUISE DEBORAH DABERKOW
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ANTON NÜRNBERG BARAN SÖNMEZ
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RUTH BOHSUNG
Swifties aus aller Welt strömen
ins Volkstheater: Maximiliane Haß shaked it off
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HENRIETTE NAGEL
MAXIMILIANE HASS
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ALEXANDROS KOUTSOULIS
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LIV STAPELFELDT
SILAS BREIDING
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MARCEL PROUST FRAGEN
LORENZ HOCHHUTH Wo möchten Sie leben?
an
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Auenland, aber mit Meerblick.
Was ist für Sie das vollkommene irdische Glück?
ENSEMBLEMITGLIEDER
Nudeln mit Pesto und Büffelmozzarella.
LASSE STADELMANN CAROLIN HARTMANN
Wo möchten Sie leben?
Das weiß ich noch nicht, mal schauen was kommt.
Wo möchten Sie leben?
Am liebsten in einem Haus, das ich selbst ausgebaut habe, mit einem verwilderten Garten, aber mitten in der Großstadt.
Was ist für Sie das vollkommene irdische Glück?
Gute Musik, Sonne, irgendeine Form von Wasser und Menschen, die ich liebe.
Welche Fehler entschuldigen Sie am ehesten?
Jamie Cullums Cover von Rihannas „Don’t Stop the Music“. Ihre Lieblingsblume?
Pfingstrosen (wenn sie denn mal aufgehen).
NILS KARSTEN Wo möchten Sie leben?
Im Chaos.
Was ist für Sie das vollkommene irdische Glück?
Das Chaos.
Welche Fehler entschuldigen Sie am ehesten?
Chaotische Fehler.
Was ist für Sie das vollkommene irdische Glück?
Ihr Lieblingsvogel?
Ihre Lieblingstugend?
Welche Fehler entschuldigen Sie am ehesten?
Ihre Lieblingsblume?
Ihre Lieblingstugend?
Ehrlichkeit.
Ehrliche Fehler. Ich war noch nie ein nachtragender Mensch. Fehler gehören zum Leben, und meistens wachsen wir an ihnen.
Ihre Lieblings beschäftigung?
Ihre Lieblingsblume?
Ihre Lieblingstugend?
Wer oder was hätten Sie gern sein mögen?
Gesundheit. Zufriedenheit. Und dieses warme Gefühl im Bauch, wenn für einen Moment alles genau richtig ist.
Welche Fehler entschuldigen Sie am ehesten?
Zuspätkommen.
Wildblumen.
Höflichkeit. Sie kostet nichts und wird trotzdem immer seltener.
Ihr Lieblingsvogel?
Eine Taube.
Ihre Lieblingsblume?
Pfingstrosen. Dramatisch, aber auf die sympathische Art.
Ihre Lieblingsbeschäftigung?
Ihr Lieblingsvogel?
Die Amsel.
Für andere kochen.
Wer oder was hätten Sie gern sein mögen?
Ihre Lieblingsbeschäftigung?
Kreativ sein. Ideen Wirklichkeit werden lassen.
Bin eigentlich ganz zufrieden, wie’s grade ist.
Wer oder was hätten Sie gern sein mögen?
Stand-up-Comedian. Menschen zum Lachen zu bringen, erscheint mir bis heute wie eine der schönsten Superkräfte.
Ihr Hauptcharakterzug?
Empathie.
Ungeduld.
Was verabscheuen Sie am meisten?
Jegliche Form von Ungerechtigkeit.
Welche natürliche Gabe möchten Sie besitzen?
Schnell.
Ich würde gern Menschen dabei helfen können, ihre innere Stärke zu entdecken. Ihr eigenes Leuchten sichtbar zu machen.
Ihre gegenwärtige Geistesverfassung?
Ganz gut.
Wie möchten Sie gern sterben?
Glücklich und unerwartet.
Ihre gegenwärtige Geistesverfassung?
Wie mein Browser: viele Tabs offen, aber die wichtigen laufen noch.
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Offenheit.
So was gibt’s nicht. Blaue Hortensien.
Ihr Lieblingsvogel?
Ein Eichelhäher (hannesfidel. com). Ihre Lieblingsbeschäftigung?
Schmusen und Spazieren.
Wo möchten Sie leben?
Da, wo Tomaten wachsen. Was ist für Sie das vollkommene irdische Glück?
Frische Bettwäsche.
Welche Fehler entschuldigen Sie am ehesten?
Fehler aus Übermut.
Ihre Lieblingstugend?
Chaostoleranz.
Ihre Lieblingsblume?
Löwenzahn.
Ihr Lieblingsvogel?
Die Amsel, die regelmäßig vorbeikommt, um ihr Geschäft vor meinem Fenster zu erledigen. Manchmal singt sie auch. Ihre Lieblingsbeschäftigung?
Der Amsel zuzuhören.
Wer oder was hätten Sie gern sein mögen?
Ich will Wasser sein.
Eine Person, die anderen auch mal sagt, dass sie die Klappe halten sollen. Ich arbeite noch dran.
Was verabscheuen Sie am meisten?
Ihr Hauptcharakterzug?
Ihr Hauptcharakterzug?
Welche natürliche Gabe möchten Sie besitzen?
Ultraschwul aufs Gymnasium Rodenkirchen.
Ihr größter Fehler?
Offenheit. Geiz.
Ihr größter Fehler?
Ungerechtigkeit. Rassismus. Misogynie. Homophobie. Machtmissbrauch.
Wie möchten Sie gern sterben?
Ihr Hauptcharakterzug?
Plötzlich (bevor es eklig wird).
Was verabscheuen Sie am meisten?
Boah, gute Frage das.
Autor.
Richtig gut kochen können.
Dass ich früher nicht immer den Mund aufgemacht habe, wenn ich das Gefühl hatte, dass etwas ungerecht ist. Heute gelingt mir das deutlich besser.
Welche natürliche Gabe möchten Sie besitzen?
Tanzen (immer ganz vorne rechts).
Ihr Hauptcharakterzug?
Ich liebe meine Arbeit. Und ich kann schlecht Nein sagen. Eine Kombination, die nicht immer für einen leeren Kalender sorgt.
Ihr größter Fehler?
Phönix.
LENA BRÜCKNER
Wie möchten Sie gern sterben? Ihre gegenwärtige Geistesverfassung?
Suchend.
Wer oder was hätten Sie gern sein mögen?
Ultraschwul.
Ihr größter Fehler?
Was verabscheuen Sie am meisten?
Das Chaos.
Warum Siezen Sie mich eigentlich und wer sind Sie? (Ich weiß, Sie sind Marcel Proust. Tut mir leid, ich habe noch keins Ihrer Werke gelesen, es ist mir ein bisschen peinlich. Ich hole das gerne nach, womit fange ich am besten an?)
Welche natürliche Gabe möchten Sie besitzen?
Ihr größter Fehler?
Wie möchten Sie gern sterben?
Was verabscheuen Sie am meisten?
Nett und leise.
Lange verknotete Haare im Abfluss (zum Beispiel meine eigenen).
Ihre gegenwärtige Geistesverfassung?
Welche natürliche Gabe möchten Sie besitzen?
Ruhe bewahren.
Geil bleiben.
Dass ich noch nie was von Marcel Proust gelesen habe.
Fliegen.
Wie möchten Sie gern sterben?
Puhhh. Denken Sie, das wird berücksichtigt, wenn man sich da was Bestimmtes wünscht? Vielleicht beschäftigen wir uns lieber mit der Frage, wie wir leben wollen. Ihre gegenwärtige Geistesverfassung?
Stabil?
DIE PREMIEREN 2026/2027 DIE GEIERWALLY nach dem Roman von Wilhelmine von Hillern für die Bühne bearbeitet von Julia Prechsl Regie: Julia Prechsl Premiere am 24. September 2026 PHILOPHOBIA Intergalaktisches Cruisen im dunklen Wald von Heiki Riipinen und Ensemble Regie: Heiki Riipinen Urraufführung am 25. September 2026 EIN VOLKSFEIND von Henrik Ibsen Regie: Sapir Heller Premiere am 30. Oktober 2026 EINE NEUE INSZENIERUNG Regie: Christian Stückl Premiere: 26. November 2026
DIE RÄUBER von Sofie Boiten und Lorenz Nolting frei nach Friedrich Schiller Regie: Lorenz Nolting Uraufführung am 16. Dezember 2026 DER ZAUBERER VON OZ (Arbeitstitel) frei nach dem Roman von Lyman Frank Baum Regie: Tristan Linder Premiere am 28. Januar 2027 IM WASSER SIND WIR SCHWERELOS nach Tomasz Jedrowski Deutschsprachige Erstaufführung Regie: Koen Verheijden Premiere am 25. Februar 2027 LUDWIG II. (Arbeitstitel) von Dana von Suffrin Regie: Christian Stückl Uraufführug am 11. März 2027 GYM nach dem Roman Verena Keßler Regie: Merle Zurawski Premiere am 8. April 2027
PREISE / ABOS / INFORMATIONEN BÜHNE 1 43,- € 37,- € 30,- € 23,- € 15,- € 0,- €
Kategorie I Kategorie II Kategorie III Kategorie IV Kategorie V Rollstuhl BÜHNE 2
31,- € / 25,- € / 15,- €
BÜHNE 3
21,- €
KARTEN www.muenchner-volkstheater.de Tel. 089.52346-55 THEATERKASSE IM VOLKSTHEATER Tumblingerstraße 29 Öffnungszeiten Montag bis Freitag 11–18 Uhr Samstag 11–14 Uhr Die Abendkasse öffnet eine Stunde vor Vorstellungsbeginn Karten erhalten Sie auch an allen München-Ticket-Vorverkaufsstellen.
ERMÄSSIGUNGEN Schüler*innen, Student*innen, Arbeitslose, Auszubildende, München-Pass-Inhaber*innen: – Vorverkauf 8,50 € / Abendkasse 6 € – Schulklassen ab 15 Personen 6 € – Gruppen ab 15 Personen 20% Erm. – Menschen mit Beeinträchtigung 50–99 GdB 50% Ermäßigung; 100 GdB freier Eintritt (Begleitperson 50% Ermäßigung) Das Volkstheater ist barrierefrei Die Bühnen sind barrierefrei erreichbar. Es gibt 5 Behindertenparkplätze in der Tiefgarage an der Tumblingerstraße. SEPPIONE Unsere Theatergastronomie freut sich auf Sie. Informationen unter www.seppione.de MVG – Öffentliche Verkehrsmittel Sie erreichen uns: – U3/U6 bis Goetheplatz (9 Gehminuten zum Theater) oder bis Poccistraße (6 Gehminuten). – Buslinien 58/68 vom Hauptbahnhof oder Ostbahnhof bis zur Haltestelle Kapuzinerplatz (5 Gehminuten) – Buslinie 62 vom Ostbahnhof bis zur Tumblingerstraße (3 Gehminuten)
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DAS REPERTOIRE 2026/2027
KOMA Komponist Georg Friedrich Haas Text von Händl Klaus Eine Koproduktion der Bayerischen Staatsoper mit dem Münchner Volkstheater Regie: Romeo Castellucci Premiere am 5. Mai 2027
APPROPRIATE (WAS SICH GEHÖRT) von Branden Jacobs-Jenkins Regie: Christian Stückl
ARBEIT UND STRUKTUR von Wolfgang Herrndorf Regie: Max Lindemann Premiere am 3. Juni 2027
DER BESUCH DER ALTEN DAME – AUFTRITT DER ENKELIN Eine tragische Komödie von Friedrich Dürrenmatt Regie und Konzept: Sapir Heller
DER AUFHALTSAME AUFSTIEG DES ARTURO UI von Bertolt Brecht Regie: Christian Stückl
JUNGS KURZ VORM HEULEN von Sam Grabiner Deutschsprachige Erstaufführung Regie: Marco Damghani Premiere am 17. Juni 2027
DER BLINDE PASSAGIER von Maria Lazar Regie: Adrian Figueroa
EIN NEUES TANZTHEATERSTÜCK von Sophie Haydee Colindres Zühlke und Serhat „Saïd“ Perhat
Jede nicht ermäßigte Eintrittskarte (auch der Theaterscheck) gilt am Tag der Vorstellung ab 15 Uhr als Fahrschein zur Hin- und Rückfahrt mit allen MVG-Verkehrsmitteln. THEATERSCHECK Sie kaufen bei uns 10 Theatergutscheine und sparen bis zu 40%. Die Gutscheine gelten für alle Vorstellungen (mit Ausnahme von Konzerten und Lesungen), sind auf andere Personen übertragbar und drei Jahre gültig. Sie können dann Ihre Theaterkarten telefonisch oder per E-Mail reservieren und holen Ihre Karten – gegen Vorlage Ihres Gutscheins – an der Abendkasse ab. 10 SCHECKS Kategorie I: Kategorie II: Kategorie III: 6 SCHECKS Kategorie I: Kategorie II:
290,- € 250,- € 190,- € 189,- € 162,- €
JUNG GANZ VORN Mit unserem Abo JUNG GANZ VORN bezahlen Schüler*innen, Student*innen und Auszubildende bis 30 Jahren für 3 Vorstellungen nur 15 € und bekommen dafür die besten verfügbaren Plätze.
DER BRANDNER KASPAR UND DAS EWIG’ LEBEN von Franz von Kobell / Kurt Wilhelm Regie: Christian Stückl DIE NASHÖRNER von Eugène Ionesco Regie: Anna Marboe DON KARLOS von Friedrich Schiller Regie: Christian Stückl ECHTZEITALTER nach dem Roman von Tonio Schachinger Regie: Jan Friedrich
ELEKTRA – 750 PS VERGANGENHEITSÜBERWÄLTIGUNG von Sofie Boiten und Lorenz Nolting, frei nach Sophokles Regie: Lorenz Nolting
LICHTSPIEL nach dem Roman von Daniel Kehlmann Regie: Christian Stückl
FELIX KRULL nach Thomas Mann Regie: Bastian Kraft
OFFENE WUNDE Ein dokumentarisches Theaterstück über das Attentat am OEZ von Tunay Önder und Christine Umpfenbach Regie: Christine Umpfenbach
FISCHER FRITZ von Raphaela Bardutzky Regie: Asena Yeşim Lappas
PERSONA von Ingmar Bergman Regie: Sophie Glaser
FRANKENSTEIN ODER: SCHMUTZIGE SCHÖPFUNG nach Mary Shelley und Thomas Melle in einer Fassung von Philipp Arnold Regie: Philipp Arnold
PIONIERE IN INGOLSTADT von Marieluise Fleißer Regie: Lucia Bihler
GLAUBE LIEBE ROBOTER von Bonn Park frei nach Ödön von Horváth und Lukas Kristl mit Liedern von Dagobert Regie: Bonn Park GREY Ein Tanztheaterstück Regie und Choreografie: Sophie Haydee Colindres Zühlke und Serhat „Saïd“ Perhat I WANNA CONTACT THE LIVING – DAS GESPENSTISCHE VON CANTERVILLE von Katharina Grosch, frei nach Oscar Wilde Regie: Katharina Grosch
THE LOBSTER nach dem Film von Yorgos Lanthimos und Efthimis Filippou Deutsche Übersetzung von Linda Kokkores Regie: Lucia Bihler TIDE Ein Tanztheaterstück Regie und Choreografie: Sophie Haydee Colindres Zühlke und Serhat „Saïd“ Perhat TRAUER IST DAS DING MIT FEDERN nach dem Roman von Max Porter Regie: Mathias Spaan WAS IHR WOLLT von William Shakespeare Regie: Christian Stückl
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