Hamburger Abendblatt 03.08.2015

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Tennis am Rothenbaum Spanier Rafael Nadal gewinnt mit Michael Stichs Hilfe 67. Titel Seite 19 MONTAG, 3. AUGUST 2015 / NR. 178 / 32. WOCHE / 67. JAHRGANG / 1,50 EURO

UNABHÄNGIG, ÜBERPARTEILICH

BUNDESKANZLERIN

Merkel plant für 2017

:: Kanzlerin Angela Merkel (CDU), 61, soll sich für eine vierte Amtszeit ab 2017 entschieden haben. Dies werde aber erst Anfang 2016 bekannt gegeben, berichtet der „Spiegel“. Laut Umfrage käme die Union jetzt auf 43 Prozent, so viel wie alle anderen Bundestagsparteien zusammen. BERLIN

>> >> Seite 3 Bericht FACEBOOK­GRÜNDER

Zuckerbergs Fehlgeburten

Weltrekord

:: Facebook-Gründer Mark Zuckerberg fordert die Nutzer seines Netzwerks seit langem dazu auf, offen über ihr Leben zu sprechen. Jetzt gibt er selbst preis, dass er und seine Frau Priscilla (F.) ein Baby erwarten, nachdem sie es lange versucht und drei Fehlgeburten erlebt hatten.

Das aktuell größte Containerschiff wurde am Sonntag von den Hamburgern bestaunt und im Hafen getauft – von einer Vierjährigen. Seite 11

dpa

SACRAMENTO

>> >> Seite 2 Leitartikel Seite 28 Bericht dpa BELIEBTES RESTAURANT

Familienvater tot aus der Elbe geborgen – Suche nach Mutter und Tochter :: Im Fall der vermissten Familie aus Drage setzt die Polizei nach der Bergung des ertrunkenen Vaters aus der Elbe die Suche nach Mutter und Tochter fort. Die Leiche war mit Beton beschwert. „Fremdeinwirkung kann ausgeschlossen werden“, hieß es. DR AG E

>> >> Seite 12 Bericht

Hamburger Zeltlager stoppt Aufnahme von Flüchtlingen :: Erstmals ist in Hamburg wegen einer ansteckenden Krankheit die Aufnahme von Flüchtlingen in einer Unterkunft gestoppt worden. Im Zeltlager Jenfelder Moorpark sei bei mehreren Dutzend Bewohnern die Krankheit Scabies (Krätze) festgestellt worden, teilte das städtische Unternehmen „Fördern & Wohnen“ am Wochenende mit. Bis auf Weiteres würden in Jenfeld keine weiteren Flüchtlinge aufgenommen oder von dort verlegt werden. Die rund 800 Bewohner des Zeltlagers würden eingehend untersucht. Die oppositionelle CDU und Sozialarbeiter aus den Unterkünften beklagten Mängel bei der medizinischen

HAE. Noy

JENFELD

Wettkönigin ::

Jacqueline Heemann, Moderatorin bei NDR 90,3, weiß vieles. Sagt es aber nicht. Denn momentan ist die 48-Jährige zum Schweigen verpflichtet. Der Grund: Die Hörfunk-Journalistin ist verantwortlich für die Stadtteilwetten der Hamburger NDR-Sommertour. Sie denkt sich die Wetten Monate vorher aus und hütet sie bis zuletzt wie ein Geheimnis – so wollen es die Regeln. Bei der Sommertour in Barmbek am Sonnabend mussten mindestens 300 Menschen Fußball-Trikots mit Rückennummern tragen und dazu etwas singen. Und in der Fischbeker Heide im vergangenen Jahr war die Farbe Lila gefragt. „Manchmal“, sagt die Mutter von pubertierenden Zwillingen, „habe ich schlaflose Nächte.“ Das liegt allerdings nicht an den Kindern, sondern am schwierigen Aushecken der Wette. „Sie muss einen ganzen Stadtteil mobilisieren können, darf nicht gefährlich sein und keinen Müll hinterlassen“, sagt Heemann. Sie liebt an dieser Aufgabe den engen Kontakt zu den Menschen und freut sich jedes Mal, wenn Tausende auf den Beinen sind – und machen, was sie sich vorher ausgedacht hat. Wenn die Sommertour vorbei ist, wird die Eppendorferin wieder regelmäßig bei 90,3 moderieren. Vorher aber lockt der Urlaub. „Ich fahre mit einem Bulli nach Frankreich.“ >> >> Seite 10 Barmbek, meine Perle

DÄNEMARK 16,00DKR / C3390A

:: Am Sonntag war das Tarantella, Promi-Restaurant am Stephansplatz, ausnahmsweise geschlossen. Vor vier Tagen ist Wirt Frederic Janhsen, 45, überraschend gestorben. Sein Geschäftspartner Carsten von der Heide führt das Lokal allein weiter. HAMBUR G

>> >> Seite 7 Bericht BUNTE CSD­PARADE

115.000 in Hamburgs City

Ansteckende Krankheit in der Unterkunft. Es fehlen Isolierräume. Sozialarbeiter kritisieren medizinische Versorgung OLIVER SCHIRG C H R I S T O P H H EI N E M A N N

MENSCHLICH GESEHEN

So geht’s im Tarantella weiter

Versorgung von Flüchtlingen. Die Verfügbarkeit von Ärzten sei zuletzt „nicht zufriedenstellend“ gewesen, räumte auch „Fördern & Wohnen“ ein und kündigte eine Personalaufstockung an. Zudem fehlten Isolierräume, hieß es von Mitarbeitern der Unterkünfte. Unterdessen verlangen Hamburger Politiker mehr finanzielle Hilfe der Bundesregierung. Der Bund habe zugesagt, beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge zusätzlich bis zu 2000 Mitarbeiter einzustellen, damit über die Asylanträge zügig entschieden werden könne, sagte Bürgermeister Olaf Scholz und fügte hinzu: „Das muss jetzt ganz schnell vollzogen werden.“ FDP-Fraktionschefin Katja Suding forderte die komplette Übernahme der Kosten für die Flüchtlingsunterbrin-

Katja Suding: „Asylbewerber sollten sofort arbeiten dürfen“

gung durch Berlin. „Wenn der Bund für beides zuständig wäre, dann würden die Verfahren schneller laufen“, sagte sie dem Abendblatt. Ähnlich argumentierte Scholz. Der Bund sollte nach einem Jahr Aufenthalt die Lebenshaltungs- und Unterbringungskosten der Antragsteller tragen. „Das würde eine jährliche finanzielle Entlastung zwischen ein und zwei Milliarden Euro bedeuten, die bei wachsenden Flüchtlingszahlen automatisch mitwachsen würde.“ Zudem entwickelte der Bund so ein eigenes Interesse, die Asylanträge schnell zu bearbeiten. „Länder und Kommunen brauchen jetzt schnelle Hilfen“, sagte die LinkeFraktionschefin, Cansu Özdemir. „Vor allem für die menschenwürdige Unterbringung der Schutzsuchenden muss

dringend eine Lösung gefunden werden.“ Der Haushaltsexperte der Grünen, Farid Müller, forderte einen „substanziellen Beitrag“ des Bundes. „Hamburg kann das nicht wuppen.“ Der Vorsitzende der CDU-Fraktion, Andre Trepoll, verwies auf die Zusagen des Bundes und kritisierte den rot-grünen Senat. „Es kann nicht sein, dass die Behörden immer noch nicht wissen, wie viel Geld Hamburg letztes Jahr für Flüchtlinge ausgegeben hat.“ Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius forderte derweil ein Moratorium für alle Gesetze, die die Beschaffung von Unterkünften für Flüchtlinge erschweren. Dazu zählten das Vergaberecht und das Baurecht. >> >> Seite 7, 8 Interview mit Katja Suding, Berichte

Hamburger Händler verkauft Inseln über Tchibo

:: 15.000 Teilnehmer und 100.000 Zuschauer zogen am Sonnabend beim Christopher Street Day (CSD) durch Hamburgs City – eine bunte Parade für gleichgeschlechtliche Liebe. Motto: „Akzeptanz ist schulreif“. HAMBUR G

>> >> Seite 9 Bericht dpa HAMBURGER SV

Fans feiern wieder

:: Gelungener Auftakt: Der HSV hat das Testspiel gegen den italienischen Erstligisten Hellas Verona mit 2:1 (0:1) im Volksparkstadion gewonnen. 22.709 Zuschauer verfolgten das Spiel mit Toren von Ivica Olic (64. Minute) und Lewis Holtby (88.). HAMBUR G

>> >> Seite 2 Kommentar Seite 20 Bericht FC ST. PAULI GEGEN KARLSRUHE

:: Zu kleine Unterkünfte, steigende Asylbewerberzahlen und zu wenig Geld vom Bund: Nach Ansicht von FDP-Fraktionschefin Katja Suding ist die schwierige Situation in Hamburg zum großen Teil hausgemacht und geht auf Versäumnisse des rot-grünen Senats zurück. Die Behörden hätten viel früher nach geeigneten Unterkünften HAMBURG

suchen müssen. Es gehe auch nicht, dass Sozial- und Innenbehörde nicht auf Angebote von Initiativen eingingen. Der Bund sollte die Kosten für die Flüchtlingsunterbringung komplett übernehmen, und Asylbewerber sollten vom ersten Tag an arbeiten dürfen. >> >> Seite 7 Interview

:: Eine eigene Insel gibt es schon für 60.000 Euro: Goose Island in der Nähe von Halifax (Kanada). Der Hamburger Inselverkäufer Farhad Vladi hat gerade einen Abnehmer für sie gefunden. So viele Anfragen habe er noch nie bekommen, sagt er. Seit Kurzem bietet der „Weltrekordhalter im Verkauf von Privatinseln“ seine ObjekHAMBUR G

te gemeinsam mit Tchibo an, „in der Preisklasse eines Autos“. Dort werden die günstigeren Modelle feilgeboten, das scheint derzeit die gefragteste Preisklasse zu sein. Das teuerste Objekt, das Vladi je verkauft hat, kostete 35 Millionen Dollar – auf den Bahamas.

Sieg in der Hitze

:: Erstes Auswärtsspiel, erster Sieg und das bei 31 Grad: Der FC St. Pauli hat am zweiten Spieltag der neuen Saison in der 2. Liga den Karlsruher SC mit 2:1 geschlagen. KARLSRUHE

>> >> Seite 21 Bericht >> >> Seite 26 Inseln für die armen Reichen WETTER

Sommer­Sonnen­Wonne

Letzte Grüße aus dem Siebenmühlental

:: Endlich: Viel Sonne bei 31 Grad, nachts klar und trocken bei 18 Grad. Am Dienstag Wärmegewitter möglich.

Die gute alte Ansichtskarte verschwindet. Zwei von drei Urlaubern melden sich nur noch auf elektronischem Wege E D G A R S. H A S S E

:: Könnte nicht einmal etwas so bleiben, wie es ist! Kaum hat man sich an Andy Borg („Adios Amor“) als Stimmungskanone des ARD-Musikantenstadls gewöhnt, ist der Mann weg vom Fenster. Die Medienwelt ist eben ein unsicheres Pflaster. Es kann aber nicht nur Menschen treffen, die plötzlich von der Bildfläche verschwinden, sondern manchmal auch das Medium selbst. Erst erobert der Phonoschrank mit inkludiertem Schallplattenspieler die deutschen Wohnzimmer und verdrängt das gute, alte Grammophon samt Zarah Leander. Wenig später

Kundenservice 040­55 44 71700 Anzeigen 040­35 10 11 Redaktion 040­55 44 71031

muss das Drahtwort dran glauben: Stopp. Das Telegramm ist tot. Stopp. Oder haben Sie unlängst ein Telegramm verschickt? Selbst die Urlaubskarte, einst Statussymbol im Wirtschaftswunderland, hat offenbar bald ausgedient. Kauften die Deutschen frü-

Das Medium ist die Message. Marshall Mc Luhan, kanadi­ scher Medienwissenschaftler (1911­1980)

her Ansichtskarten mit der Aufschrift „Lippe Detmold, eine wunderschöne Stadt“ oder „Viele Grüße aus dem Siebenmühlental“, so reicht heute vielen Touristen der Kurznachrichtendienst SMS. Eine Umfrage des HightechBranchenverbandes Bitkom hat ergeben, dass heute zwei von drei Urlaubern ihre Feriengrüße nur noch elektronisch verschicken. Wer in dieser narzisstischen Gesellschaft ganz weit vorn sein will, verbreitet an den intimsten Freundeskreis per Smartphone ein Selfie, manchmal in nackter Pose vor einem Monument. Was vor dem Weltkulturerbe Angkor Wat (Kambodscha) neuerdings unter-

sagt ist. Nur in der Antarktis ist die Postkartenwelt noch in Ordnung. In Port Lockroy (nördliche Antarktis) stampfen die Kreuzfahrttouristen durch das verharschte Eis an Pinguinen vorbei und schreiben im südlichsten Postamt der Welt Urlaubsgrüße an die Lieben zu Hause. Oder an sich selbst. So bringt die Post Monate später eine schöne Erinnerung ins Haus. Im Rest der Welt ist das Verschicken von Ansichtskarten allerdings bald Old School. Denn dieses Medium hat für Selfie-Enthusiasten offenbar einen Nachteil: Nackt sind auf den bereits gedruckten Karten nur die BeachGirls, aber nicht die Absender.

Das ausführliche Wetter auf >> >> Seite 27 Meinung, Karikatur, Leserbriefe Politik Thema Hamburg Der Norden Kultur Live, Kinoprogramm Medien, Theaterplan Wissen TV­Programm, Radio­Tipps Sport Wirtschaft Wetter, Rätsel Horoskop, Impressum Aus aller Welt

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