mfg Ausgabe 09/26
www.dasmfg.at
DAS MAGAZIN
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Aus Grau wird
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mfg EDITORIAL
Johannes Reichl
DAS 6. WELTWUNDER
A
FOTO MATTHIAS KÖSTLER
lso wenn DAS kein Weltwunder ist?! Der Klangturm St. Pölten wurde im Zuge einer online-Befragung des Magazins „Falstaff TRAVEL“ für die 10 neuen Weltwunder nominiert! Seither treibt viele die Frage um: Wie konnte das passieren? Und, noch drängender: Wer steckt dahinter? Handelte es sich um eine False flag-Operation von „St. Pölten konkret“? Wurden von der städtischen „Abteilung für Digitalisierung und Informationstechnologie“ KI-generierte Klangturm-Bots in die Befragung eingeschleust? Oder lief es eher ganz auf old school ab, und Magistrats- sowie Landesbedienstete wurden in einer hermetisch abgeschirmten Etage der Landhausgarage zum Klangturm-Voting zwangsvergattert? Stecken gar die Russen dahinter, die unsere Weltwundergemeinschaft spalten möchten? Oder doch die üblichen Verdächtigen der CIA? Und warum zum Teufel führt eine ganz heiße Spur zum Verein „Selbsthilfe-Niere“, auf dessen Homepage ein Foto des Klangturms zu finden ist! Nur Zufall??? Ich habe recherchiert und tatsächlich ein paar Ungereimtheiten entdeckt, über die sich die Welt wundert. Zunächst – weil wir hier bitteschön auch einen Bildungsauftrag zu erfüllen haben – ist der Klangturm samt Antenne 76,67 m hoch. „Hä,76,67 m?!“, werden sie einwerfen. Crazy Zahl, oder?! Aber nicht etwa, weil der Architekt ein Faible für Zahlenpalindrome oder Numerologie hatte, sondern weil sich das der Legende nach die Katholische Kirche, damals noch mächtig und von streitbaren Schwergewichten wie Bischof Kurt Krenn vertre-
ten, ausbedungen hatte. Der Domturm ist nämlich offiziell 77 Meter hoch und überragt damit seinen weltlichen Bruder im Regierungsviertel um 33 cm. Gott ist so betrachtet der Politik in St. Pölten immer um eine Nasenlänge voraus. Wenn es denn so ist, denn manche munkeln, in Wahrheit sei der Klangturm eh schon immer höher gewesen. Auch im Netz wird er überall auf 77 m taxiert, was im Kampf um „Wer hat den längeren“, äh, den höheren Turm zum Kuriosum führte, dass wir heute eigentlich nicht wissen, welches Gebäude das höchste der Stadt ist. Da darf man sich schon ein bisserl wundern. Auch darüber, dass der Klangturm – nicht klingt! Der Versuch, das mit Lautsprechersystemen und stylischen Klangkugeln ausgestattete Wahrzeichen als Zentrum der Audio-Art zu etablieren, wurde 2014 „aus bautechnischen Gründen“ endgültig zu Grabe getragen. Der Klangturm mutierte zum Stillturm. Wobei seine Weltwunder-Qualitäten ohnedies aus einer ganz anderen Ecke kommen, wie ich als Auserwählter am eigenen Leib erfahren durfte! Als ich nämlich – ich plaudere jetzt ein bisschen aus dem Krankheitsnähkästchen – vor einem Jahr einen Nierenstein hatte, empfahl der Arzt, diesem durch Stiegensteigen beim Abgang zu helfen. Als bekennender Schulmedizinhöriger, der den Göttern in Weiß blind vertraut (wobei mein Gott eigentlich in Grün war, Spital Erstversorgung!), fand ich mich tags darauf im Regierungsviertel ein, fuhr mit dem Lift bis zur Aussichtsplattform auf 47 m Höhe und ging den Klangturm über seine 280 Stufen wieder hinunter. Manchmal nahm ich gleich mehrere Stufen auf einmal – hüpfend – weil, merke: „Erschütterung ist des Steines Tod“, wie das Handbuch für angehende Medizinmänner lehrt. Das praktizierte ich den ganzen Vormittag hindurch, stundenlang, immer und immer wieder. Abgesehen davon, dass mich die Klangturm-Besucher spätestens beim dritten „Grüß Gott“ im Foyer beim Besteigen des Liftes für einen (zumindest) Zwangsneurotiker hielten und, verstohlen herüberblickend, einen gewissen Sicherheitsabstand wahrten, der weit über den üblichen Baby-Elefanten hinaus ging, passierte tags darauf das Unvorstellbare! Der Stein ging ab! Seitdem weiß ich um die Wunderwirkung des Klangturms, der ihn freilich eher in eine Reihe mit Orten wie Maria Lourdes rückt. Im Magistrat macht man sich über derlei Hintergründe aber ohnedies keinen Kopf, sondern bastelt bereits an den nächsten „Operationen“: Weltkulturerbe-Region „St. Pöltner Seenerlebnis“ und „St. Pöltner Sud“ als unser Beitrag zum immateriellen Weltkulturerbe! Auch ein neuer Slogan ist bereits gefunden: „St. Pölten – hier werden Sie Ihr Wunder erleben“
IMPRESSUM Offenlegung nach §25 Medien-Gesetz: Medieninhaber (Verleger): NXP Veranstaltungsbetriebs GmbH, MFG - Das Magazin, Kelsengasse 9, 3100 St. Pölten. Unternehmensgegenstand: Freizeitwirtschaft, Tourismus und Veranstaltungen. Herausgeber/GF: Bernard und René Voak, in Kooperation mit dem Kulturverein MFG. Grundlegende Blattlinie: Das fast unabhängige Magazin zur Förderung der Urbankultur in Niederösterreich. Redaktionsanschrift: MFG – Das Magazin, Kelsengasse 9, 3100 St. Pölten; Telefon: 02742/71400-330; Internet: www.dasmfg.at, Email: office@dasmfg.at Chefredakteur: Johannes Reichl Chefredakteur-Stv.: Michael Müllner Chefin vom Dienst: Anne-Sophie Müllner Redaktionsteam: Thomas Fröhlich, Sascha Harold, Johannes Mayerhofer, Althea Müller, Michael Müllner, Andreas Reichebner, Thomas Schöpf, Beate Steiner, Thomas Winkelmüller, Fiona Zelenka Kolumnisten: Thomas Fröhlich, Michael Müllner, Tina Reichl, Roul Starka, Beate Steiner, Thomas Winkelmüller Kritiker: Helmuth Fahrngruber, Thomas Fröhlich, David Meixner, Michael Müllner, Clemens Schumacher, Manuel Pernsteiner, Maximilian Reichl, Christoph Schipp, Robert Stefan, Thomas Winkelmüller Karikatur: Andreas Reichebner Bildredaktion: Anja Benedetter, Matthias Köstler Cover: Vorlaufer/KI generated Art Director & Layout: a.Kito Korrektur: Anne-Sophie Müllner Hersteller: Walstead NP Druck GmbH Herstellungs- und Verlagsort: St. Pölten Verlagspostamt: 3100 St. Pölten, P.b.b. Alle Rechte, auch die Übernahme von Beiträgen nach § 44 Abs. 1 und 2. Urheberrechtsgesetz, sind vorbehalten. Alle Angaben ohne Gewähr. Für den Inhalt bezahlter Beiträge ist der Medieninhaber nicht verantwortlich.
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INHALT
STRAFE GENUG – Seite 8
ZWEITE SPARKASSE – Seite 30
HEALTHFLUENZA – Seite 36
80 JAHRE KÜNSTLERBUND – Seite 42
SATAN‘S BANANAS – Seite 56
PRÄSIDENTIN SKN FRAUEN – Seite 64
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36 Sophie Imhofs Wunderwerk Leben
SPORT
Editorial In was für einer Stadt leben wir
URBAN
7 Shortcut Urban 8 Strafe genug 18 Was wird aus dem Domplatz? 22 Aus-gegraben? 24 Let it roll 28 Baum fällt 30 Zweite Sparkasse 34 Wandel bei den Wirten MFG GRATIS PER POST
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KULTUR
40 Shortcut Kultur 42 80 Jahre und kein bisschen leise 46 Das Ensemble zum Star machen 50 Zwei St. Pöltner erzählen Mozart
SZENE
64 Wieser kämpft für mehr Wertschätzung der Top-Athletinnen 66 Kritiken 67 Veranstaltungen 68 Außensicht 70 Karikatur
54 Shortcut Szene 56 Pirates of the year 58 Im Anfang war der Regen JOIN US ON FACEBOOK WWW.FACEBOOK.COM/DASMFG
NÄCHSTES MFG 27. NOVEMBER 2026
Spielzeit
2026 I 2027
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… in der das lange Warten rund um die „Sedisvakanz“ des ehemaligen Leiner-Areals am Rathausplatz endlich ein Ende hat – und man ist zuversichtlich geneigt zu sagen: ein gutes! Denn nach der Misere von Signa und Süba, die in Sachen Verwertung des Immobilien-Filetstücks in der City das Blaue vom Himmel versprachen und rasch mit schicken Renderings zur Stelle waren, davon aber nichts realisierten und stattdessen „zwangsverkauften“ oder überhaupt in Insolvenz schlitterten, hat mit der heimischen Alpenland Genossenschaft nunmehr ein Unternehmen das Areal erworben, das für Solidität und Seriosität steht. Auf den ersten Blick hin ist dabei der Verwertungsansatz für das 9.082m² große Areal, für das man eine Mindest-Bruttogeschoßfläche von rund 22.500m² anstrebt, gar nicht so verschieden zu jenem der Vorgänger. „Unser Ziel ist ein Quartier, das Wohnen, Arbeiten, Gewerbe und weitere Nutzungen miteinander verbindet und neue Wege durch das Areal schafft“, skizziert AlpenlandObfrau Isabella Stickler den Plan. Auch die Idee eines City-Hotels ist nach wie vor am Radar, grundlegend anders zu Signa und Süba ist freilich Sticklers klares Bekenntnis zu „leistbarem Wohnraum!“ Das stand nun so gar nicht auf der Agenda der Vorbesitzer, deren Mantra eher Gewinnmaximierung und Spekulationsgewinne waren. Dass die Alpenland das Areal erworben hat – etwas Besseres hätte der Landeshauptstadt nicht passieren können! 6
… in der viele über die Hitze klagten – und der Sommer pfefferte uns ja heuer wahrlich eine Reihe so richtiger „Hundstage“ vor den Latz, die nicht bei allen für ungetrübte Freude sorgten. Allerdings – die damit einhergehenden sogenannten „Tropennächte“, so man sie draußen genießen durfte, waren vielfach genial und verwandelten die St. Pöltner City zu einer pulsierenden „città italiana“, in der ein Hauch von Dolce Vita, was heißt, gleich eine geballte Ladung davon durch die Gassen und über die Plätze der Innenstadt waberte. Galt dies schon an „normalen“ lauen Sommerabenden, wenn man etwa am Rathausplatz, eingehüllt in ein murmelndes Grundrauschen, ein Kracherl genoss, so potenzierte sich das italienische Lebensgefühl made in STP im Zuge der Veranstaltungen rund um die Marie, sprich am Herrenplatz, zu absoluten SommerHighlights. Was dort etwa im Zuge von „Herrenplatz in Weiß“ oder der „Notte Italiana“ durch die Zusammenarbeit von Gastronomie, gleichnamigem Verein und Stadtmarketing auf die Beine gestellt wurde, war aller Ehren wert und zauberte den Besuchern nicht nur ein Lächeln auf die Lippen, sondern eine gehörige Portion Sonne ins Herz. Weit und breit sah man in die fröhlichen Gesichter von shiny happy people, und man gedachte des Herren Goethe zugeschriebenen geflügelten Wortes „Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah!“ Manchmal ist das Dolce Vita halt am schönsten daheim. Dafür ein mille grazie!
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… in der wir auf einen Sommer voller Komplimente zurückblicken. Beginnen wir mit dem Bahntest des VCÖ, der St. Pöltens Bahnhof als den „Besten“ in der Kategorie der „großen Bahnhöfe“ reihte. Moment. Besser als Wiener West- und Hauptbahnhof? Besser als Graz, Linz und Salzburg? Na wui, wie schlimm muss es dort erst zugehen? Schauen wir uns das seriös an. Wir verdanken den ersten Platz tatsächlich einer österreichweiten Befragung vom Mai und Juni 2026 mit über 11.000 Teilnehmenden. Wer den St. Pöltner Hauptbahnhof benutzt, beantwortete unter anderem fünfzehn Detailfragen zur Zufriedenheit mit dem Bahnhof. Bei Erreichbarkeit schnitten wir sehr gut ab, etwas schlechter waren die Themenbereiche Sicherheit, Anzahl Park & Ride Plätze und Ladestationen für E-PKWs. Jetzt wird es bizarr: Der St. Pöltner Klangturm landete bei einem Voting über neue „Weltwunder“ vor dem Pariser Eiffelturm! Was nach Clickbait-Bullshit klingt, verdient eine Erklärung. Der „World Travel & Tourism Council“ sammelt derzeit weltweit Vorschläge für sieben zeitgenössische Bauwerke, die besonders großen Einfluss auf Tourismus und Gesellschaftsentwicklung haben. Das gefiel dem Falstaff TRAVEL Magazin und sie baten ihre LeserInnen um Vorschläge. Dabei schlug ein kreativer Kopf den Klangturm vor. Beim anschließenden Voting stimmten von den rund 3.300 Teilnehmenden rund 230 Spaßvögel tatsächlich für den Klangturm – aber nur 132 für den Eiffelturm. Quel malheur!
FOTOS GÜNTER LEDL, GERALD WEIXELBRAUN, ÖBB/MICHAEL FRITSCHER
IN WAS FÜR EINER STADT LEBEN WIR EIGENTLICH ...
shortcut URBAN
Michael Müllner
NED WUNDERN
NEUE BETTEN BRAUCHT DAS LAND
S
t. Pöltens Tourismus wächst – vor allem im Hinblick auf das Angebot. Schraubte die Eröffnung des B&B Hotels Ende 2024 mit 105 neuen Zimmern die Bettenkapazität in die Höhe, so kommen heuer sowie 2027 weitere dazu: Das Hotel MUSE hat in einem Zubau 47 neue Zimmer realisiert, das Hotel Graf schafft aktuell ebenso 14 neue Einheiten mit Hotelzimmern sowie Serviced Appartements in einem Zubau, und in der ehemaligen Volksbank-Filiale in der Brunngasse entstehen 30 digital betriebene Design-Apartments der Limehome-Gruppe, die 2027 eröffnet werden sollen. Die Tourismuszahlen in St. Pölten sind stabil. Im ersten Halbjahr verzeichnete man mit 58.666 Ankünften ein Plus von 4,3 % gegenüber dem Vorjahr. Die Übernachtungen blieben mit 115.398 (+0,2 %) praktisch gleich. Tourismusdirektor Stefan Bauer erklärt dies so: „Gäste kommen, aber bleiben kürzer. Wir stellen auch einen gewissen Sparzwang – gerade im Geschäftstourismus – fest. Die Unternehmen sind bei den Ausgaben viel sensibler als früher.“
DER GÄRTNER AUF VIER RÄDERN
FOTOS HOTEL GASTHOF GRAF, INNOK ROBOTICS, KI GENERIERT
D
er St. Pöltner Hauptfriedhof hat einen neuen Star, eine Hilfskraft der Friedhofsgärtnerei Bonigl. Doch es handelt sich weder um eine freundliche Verkäuferin noch um eine fleißige Gärtnerin, ja es ist nicht mal ein Mensch! Zumindest aber auch kein Untoter. Tatsächlich dreht an drei Nächten pro Woche ein autonomer Gießroboter seine Runden und bewässert rund 200 Gräber nach einem digitalen Plan. Angelernt wird er dabei von Menschen, die je nach Grabbepflanzung für jede Grabstelle individuell die nötige Wassermenge und den Druck festlegen. Die nächtliche Ausfahrt verhindert, dass ihm jemand in die Quere kommt. Auch der Wasserverbrauch sinkt, weil in der Nacht weniger Wasser beim Gießen verdunstet. In Zeiten von Arbeitskräftemangel eine willkommene Unterstützung, denn tagsüber können so die menschlichen MitarbeiterInnen der Gärtnerei in Ruhe die anspruchsvollere Arbeit erledigen – und gießen dort, wo der Roboter nicht hinkommt. Noch nicht.
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Der Hitzesommer geht zu Ende, meine Urlaubserinnerungen bleiben. Ich war in Hamburg. Die Elbphilharmonie war ein Highlight, das ich auch empfehle, wenn man mit Konzertsälen nichts am Hut hat. Danach war ich in Paris. Trotz verrückter Touristenmassen schaffte ich es binnen 30 Minuten auf die Spitze des Eiffelturms und genoss den Blick über eine Stadt, die Jahrtausende an europäischer Kultur vereint. Derart mit der Welt im Reinen wechselte ich am St. Pöltner Hauptbahnhof in den Daheim-Modus – und schaute schön deppert. Verreist war alles friedlich und entspannt, vorm Bahnhof aber laufen sich die heimischen Assis nach und watschen sich ab. Seitdem kann ich sie nicht mehr übersehen, die am Eingang zur Fußgängerzone wegelagernden, daueralkoholisierten Einheimischen. Keine Ahnung, warum sich alle über „die Ausländer“ beim Bahnhof aufregen, wenn doch „wir Autochthonen“ das wirkliche Ärgernis sind? Hat man sie erst mal entdeckt, verfolgen sie einen. Im Bus, wenn sie ohne Kopfhörer am Handy ihren Trash schauen. Im Citysplash, wenn sie rauchend, saufend und fluchend ihren Kindern ein schlechtes Vorbild sind. Kein Wunder, dass die Welt so ist, wie sie ist, denke ich mir und tröste mich damit, dass bei der Suche nach zeitgenössischen Weltwundern, der Pariser Eiffelturm nur auf Platz 9 landete, während St. Pöltens Klangturm den beachtlichen Platz 6 erklomm. Zugegeben, die Elbphilharmonie landete auf Platz 3, aber immerhin wird die ja auch kostenintensiv bespielt, während wir unser Weltwunder einfach stolz verkommen lassen.
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STRAFE TEXT MICHAEL MÜLLNER
Während Österreich übervolle Gefängnisse, überforderte Justizwache und bessere Kriminalpolitik diskutiert, sind in der Justizanstalt St. Pölten rund 250 Personen eingesperrt. Wie geht es den Menschen hinter Gittern?
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KEINE LUXUSZELLEN
Wo viele Menschen zusammenleben, braucht es klare Spielregeln. Der Alltag ist bis ins kleinste Detail geplant, für Spontaneität bleibt hier ebenso wenig Platz wie für Privatsphäre. Dennoch scheint es hier geordnet und respektvoll zuzugehen, soweit man dies als Kurzzeitgast beurteilen kann. Sicher bin ich mir hingegen bei einer anderen Einschätzung: Wer in Österreichs Gefängnissen Luxuszellen vermutet und bei Strafhaft an Urlaub denkt, der hat keine Ahnung von der Realität. Die Hafträume sind voll belegt, man teilt sich mit fünf, sechs Männern wenige Quadratmeter. Tag für Tag, oft 23 Stunden am Tag. Es gibt einen Fernseher, aber welcher Kanal läuft, muss man sich mit den Kollegen ausmachen. Sozialarbeiterin Michaela Dorn nennt dieses ständige Bemühen um einen gemeinsamen Nenner, einen fairen Kompromiss, schon mal eine Strafe an
sich. Das Leben ist vorbestimmt durch andere. Wann man aufsteht, ob man duschen kann, ob man Arbeiten darf. Besuch von den Liebsten in einem Raum mit drei Fremden, dafür mit einer Glaswand zwischen Häftling und Gast, verbunden nur durch ein Telefon. Wer Glück hat und einen sogenannten Kontaktbesuch bekommt, der darf alleine in einem Raum sitzen und bis zu drei Gäste empfangen, vielleicht die Frau und die Kinder? Die aufmerksamen Augen der Justizwache schauen zu, wenn sich nach Monaten die Hände wieder berühren, die Tischplatte aus Plexiglas verhindert, dass heimlich etwas zugesteckt wird. EIN BISSCHEN GLÜCK
Wer die Zelle verlassen darf, ist glücklich. Eine Stunde pro Tag Hofspaziergang. Gelegentlich Volleyball am Sportplatz. Aber kein Fußball, Kontaktsportarten sind nicht vorgesehen. Bloß kein Stress.
Die Justizanstalt St. Pölten zum Stichtag 25.08.2026 • • • • • • • •
190: Anzahl der Strafhäftlinge 54: Anzahl der Untersuchungshäftlinge 11: Anzahl der sonstigen Häftlinge (etwa Auslieferungshaft) 89: Anzahl der Exekutivbediensteten (Justizwache) 15: Anzahl der Zivilbediensteten (der Verwaltung/Fachdienste) 38: Anzahl der unterschiedlichen Nationalitäten der Häftlinge 91: Anzahl der betreuten Untergebrachten im Klinikum Mauer 29: Anzahl der aktuell betreuten Strafhäftlinge im elektronisch überwachten Hausarrest („Fußfessel“)
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FOTO MICHAEL MÜLLNER
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wanzig Jahre sind vergangen, seit ich im Jahr 2006 das erste Mal als Journalist vor dem massiven Tor in der Andreas-Hofer-Straße stand. Damals wie heute fühlen sich die ersten Schritte im Eingangsbereich der St. Pöltner Justizanstalt sehr speziell an. Was hier Torwache heißt, ist die ortgewordene Grenze zwischen selbstbestimmter Freiheit und einem Leben in totaler Abhängigkeit. Willkommen im Gefängnis. Mein erster Weg führt in den ersten Stock des Verwaltungsgebäudes, ich lerne Maria Lalics kennen, sie leitet die Justizanstalt St. Pölten mit über hundert Beschäftigten und rund 250 Häftlingen. Zusätzlich zu meinen zwanzig Jahre alten Erinnerungen habe ich auch aktuelle Fragen mitgebracht. Es ging ja jüngst durch die Medien: Strafrechtsexperten schlagen Alarm, übervolle Gefängnisse und Personalmangel verhindern einen menschenwürdigen Strafvollzug. Wie sehen das die Verantwortlichen vor Ort? Ich erfahre viele Fakten und Hintergründe, lerne die Einstellung der Leiterin kennen und spreche mit der Verantwortlichen für den Sozialen Dienst. Anschließend breche ich auf und werde durchs Haus geführt. Es ist nach 15:00 Uhr, alle Häftlinge sind längst wieder in ihren Hafträumen untergebracht, die Gänge und Werkstätten leer. Da ich mein Smartphone abgeben muss, macht ein Justizwachebeamter für mich Fotos, ich wähle Motive und Bildausschnitt, er knipst und erläutert dabei dank seiner langjährigen Erfahrung alles Wissenswerte zum Haus.
GENUG mfg URBAN
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dacht fällt auf Freigänger, doch die werden ja beim Einrücken kontrolliert? Ich erfahre, dass es Mobiltelefone gibt, die sind extrem klein und passen perfekt in Körperöffnungen. Im Internet kann man Penisattrappen bestellen, die befüllt man mit „sauberem“ Fremdurin und schnallt sie um. So täuscht man beim Urintest vor, dass man clean ist. Mittlerweile sind diese Attrappen sogar beheizt, der fremde Urin ist bei der Kontrolle also körperwarm. Mit einer Spiegelwand am Ordinations-WC fliegen Täuschungsmanöver auf, auch wenn die Intimsphäre leidet. Mit anderen Worten: Beide Seiten spielen kreativ Katz und Maus. Zudem steht das Gefängnis mitten in der Stadt. Die lange, hohe Mauer sollte Insassen drinnen und Sachen draußen halten.
FOTOS JUSTIZANSTALT ST. PÖLTEN
Ein Gesprächstermin mit Psychologen, Sozialarbeitern, Pädagogen wird zum abwechslungsreichen Highlight und gibt eine Perspektive für das Leben danach. Man hat Zeit zum Reflektieren. Glücklich ist, wer arbeiten darf. Nach dem Abzug des Vollzugskostenanteils und einem Beitrag zur Arbeitslosenversicherung bleiben „netto“ zwischen 2 und 3 Euro pro Stunde. Davon wird eine Hälfte als Rücklage bis zur Entlassung angespart, mit der anderen Hälfte darf man zwei Mal in der Woche im Gefängnis-Shop einkaufen. Echtes Shoppen ist das freilich nicht, denn die Ware ist hinter einer Glasscheibe versteckt, das Sortiment kann man auf Papierlisten durchsehen und leistet man sich eine Getränkekiste, wird diese durch eine riesige Katzenklappe zum Käufer geschoben. Dennoch schafft man so etwas Alltag und wahrt Menschenwürde. Und wer telefonieren darf, der steht tatsächlich wie in den Fernsehserien am Gang und tippt auf Tasten die Nummer seiner Wahl. Aber wenn niemand abhebt? Dann hat man Pech gehabt, einen Rückruf gibt’s nicht. KATZ UND MAUS
Wie kann das sein, dass in so einem hermetisch abgeriegelten Rahmen dennoch immer wieder verbotene Sachen gefunden werden. Handys? Drogen? Ein Ver10
Dennoch soll es schon vorkommen, dass „Geschenke“ über die Mauer fliegen. Apropos Mauer: 2023 fuhren Komplizen mit einem am Auto befestigten Seil vor, warfen dieses über die Mauer und hofften so einen Insassen ins Freie zu befördern. Das Seil riss, der Mann blieb schwerverletzt am Gefängnisboden liegen. Keine Spur gibt es jedoch von zwei Osteuropäern, die 2006 geflohen sind. Dank Geheimdienst-Background entfernten sie geschickt Ziegelsteine eines zugemauerten Lüftungsschachts und flohen filmreif mit Leintüchern. Doch solche Vorfälle sind extrem selten, die Sicherheitsvorkehrungen massiv. Nicht nur die Bediensteten möchten sicher nach Hause kommen, auch für die Insassen möchte man größtmöglichen Schutz bieten, wenngleich auch in Justizanstalten Gewaltdelikte passieren. Die Kunst ist, Konflikte gar nicht erst entstehen zu lassen, indem man überlegt, wer sich einen Haftraum teilt. Vom Alter über die Sprache bis hin zur kriminellen Vorgeschichte gibt es zahlreiche Variablen, die in einer sich ständig ändernden Gleichung austariert werden. Gerade bei psychischen Problemen kommt es immer wieder auch zur Eigen- und Fremdgefährdung, dann werden Personen in besonders gesicherte Einzelzelle abgesondert: Kunststoffmatratze statt Metallbett, zudem videoüberwacht, während es in normalen Hafträumen keine Videoüberwachung gibt. Das Justizwache-Team wirkt jung, freundlich, korrekt, ähnlich wie bei der Polizei draußen vergisst man fast, welch schwere Verantwortung sie tragen. Immerhin leisten sie Tag für Tag ihren Beitrag dazu, dass wir uns hier draußen sicher fühlen.
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Interview Anstaltsleiterin Maria Lalics Ihre Justizkarriere begann Maria Lalics als Staatsanwältin in St. Pölten, später wechselte sie in verschiedene Positionen im Justizministerium und zur Oberstaatsanwaltschaft Wien. Im September 2025 übernahm sie die Leitung der Justizanstalt St. Pölten mit rund 250 Insassen und 100 Beschäftigten. Eigentlich dachte ich bei einer Anstaltsleitung immer nur an eine Person aus der Justizwache ... Viele Kolleginnen und Kollegen kommen seit jeher aus dem Exekutivdienst, das stimmt. Aber es ist ein Ziel der Bundesverwaltung, die Anstaltsleitungen auch mit Juristinnen und Juristen zu besetzen. Im Haus arbeiten ja verschiedene Kräfte zusammen, die Abteilungsbeamten der Justizwache und die zivile Verwaltung sowie die Betreuungsdienste. Bei den Ausschreibungen für Leitungspositionen achtet man auch auf Führungserfahrung und umfassende Kenntnis der Strafjustiz.
Als Kind träumt man ja eher nicht davon, einmal Gefängnisdirektorin zu werden. Wie kamen Sie zu dieser Aufgabe? Ich habe mich schon immer sehr für Menschenrechte interessiert. Schon als Staatsanwältin hat mich beschäftigt, was nach einer Verurteilung mit den Menschen passiert, die wir wegsperren. Im Strafvollzug vollziehen wir natürlich Entscheidungen der Gerichte, zugleich bringt die Leitung einer Justizanstalt aber sehr viele Gestaltungsmöglichkeiten mit sich. Das macht diese Aufgabe sehr spannend.
Die St. Pöltner Justizanstalt ist für 229 Personen ausgelegt. Heute haben Sie 253 Personen gezählt. Die Stockbetten in den Hafträumen sind voller als vorgesehen. Wie schlimm ist die Lage? Desto enger es im Haftraum wird, desto mehr Konflikte entstehen und somit sind alle noch mehr gefordert – die Insassen, aber auch das Personal. Aber der Überbelag alleine macht mir keine schlafenlosen Nächte. Wir wissen, dass es sich um eine Wellenbewegung handelt, tägliche Zu- und Abgänge sind normal. Aber ja, die Höchststände bei den Belegungen sind österreichweit ein schwieriges Thema, der Trend zeigt steigende Haftzahlen und einzelne Justizanstalten sind noch deutlich stärker belastet als wir in St. Pölten. Das Ministerium reagiert auch auf diese Problematik, auch mit baulichen Maßnahmen, aber diese brauchen ihre Zeit und somit hinkt man mit den Maßnahmen immer den leider steigenden Haftzahlen nach. Derzeit werden beispielsweise Kapazitäten aus dem regulären Strafvollzug umgeschichtet, damit man die dringend nötigen Kapazitäten in den forensisch-therapeutischen Zentren aufstocken kann, wo psychisch kranke Straftäter untergebracht sind. St. Pölten ist ein reines Männergefängnis. Neben Untersuchungshäftlingen werden Strafgefangene mit bis zu 18 Monaten Freiheitsstrafe angehalten. Machen kurze Freiheitsstrafen Sinn oder kommen die Leute krimineller raus, als sie reingekommen sind? In der Regel sind die Strafgefangenen eher kurz hier. Ausnahmen gibt es aber, wenn im Sinne der Resozialisierung eine Strafhaft in St. Pölten besser geeignet erscheint, etwa weil Familienbesuche hier eher mög-
Wir ächten die Tat, aber nicht den Täter. M ARIA LALICS, ANSTALTSL EITER IN
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Aufgabe ist es, alle Insassen zu versorgen – mit Essen, aber auch medizinisch oder mit Betreuungsdiensten. Wir haben tageweise praktische Ärzte und Zahnärzte, wir haben Psychologen und wenn nötig Psychiater und natürlich auch Sozialarbeiter und Sozialpädagogen, insbesondere für die jüngeren Häftlinge. Es gibt einen Deutschlehrer, der mehrmals die Woche kommt, bei Jugendlichen gibt es ja auch Schulpflicht in der Justizanstalt. Mit unseren Betrieben versuchen wir auch möglichst viele in Beschäftigung zu bringen, damit sie eine Aufgabe haben, aus dem Haftraum rauskommen und etwas Geld verdienen.
Wie entscheiden Sie, wer eine Fußfessel bekommt? Wenn Sie die Aufforderung zum Haftantritt bekommen, können Sie einen Antrag stellen und wir prüfen, ob die gesetzmäßigen Voraussetzungen erfüllt sind. Sie brauchen insbesondere eine geeignete Wohnmöglichkeit, eine Beschäftigung und eine positive Risikoprognose. Dafür sichten wir Ihren Akt und beauftragen Erhebungen, etwa ob absehbar ist, dass Sie diese Vollzugsform missbrauchen könnten. Die Fußfessel ist bestimmt kein Geschenk, man ist im Alltag massiv eingeschränkt. Aber man kann seinem Job weiter nachgehen, was wichtig ist. Natürlich hilft diese Vollzugsform auch in Zeiten eines starken Überbelags in Hafträumen. Viele Menschen stellen aber gar keinen Antrag. Entweder weil sie die Voraussetzungen nicht erfüllen oder weil sie die Strafhaft bevorzugen. Zudem können Gerichte die Fußfessel für den ersten Teil der Strafhaft ausschließen.
Unternehmen können sich melden und den Häftlingen Arbeiten übertragen?
Was erwartet die Menschen beim Haftantritt? Ich vergleiche uns gerne mit einem kleinen Dorf. Unsere
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lich sind oder weil jemand durch eine längere Untersuchungshaft schon gut mit dem Anstaltsalltag vertraut ist. Die Sinnhaftigkeit von Strafen ist eine kriminalpolitische Frage, dabei geht es weniger um die Frage, ob wir überbelegt sind, sondern wie eine Sanktion wirkt. Experten diskutieren aktuell verstärkt gemeinnützige Leistungen als Alternative zu Freiheitsstrafen. Unsere Aufgabe ist es aber, Urteile zu vollziehen, die auf Basis von Gesetzen von unabhängigen Gerichten ausgesprochen wurden. Natürlich ist Resozialisierung auch bei kurzen Haftstrafen möglich, dafür setzen wir uns täglich ein. Mit dem elektronisch überwachten Hausarrest sieht das Gesetz zudem eine sehr streng geregelte Alternative zur Unterbringung in einer Haftanstalt vor, auch diese Anträge werden bei uns im Haus geprüft.
Welche Tätigkeiten gibt es denn im Haus? Einerseits kann man für einen Gang mit mehreren Hafträumen verantwortlich sein, für Sauberkeit und Ordnung sorgen und das Essen ausgeben. Andererseits versuchen wir möglichst alle Arbeiten selber im Haus zu erledigen. Sehr wichtig ist dafür der große Garten, dort bauen wir Gemüse an, das spart Kosten, schafft aber auch für viele eine sinnvolle Beschäftigung. Gerade bei mentalen Problemen sehen wir oft, dass Häftlinge etwa beim Betreuen der Hühner im Stall richtig aufblühen. Wir versuchen, möglichst vielen einen Platz und eine Aufgabe zu geben. In der Wäscherei waschen die Häftlinge die Kleidung für sich und für die Justizwache. Einfache Reparaturarbeiten machen wir selber, in einer unserer Werkstätten. Am beliebtesten ist das Arbeiten in der Küche, denn gekocht wird natürlich täglich und somit kann man dort am meisten Geld verdienen. Wir haben auch einen guten Ruf, was das Essen betrifft und versorgen nicht nur die Häftlinge, sondern auch die Bediensteten im Haus sowie im Landesgericht und kochen für das polizeiliche Anhaltezentrum. Tatsächlich ist anständiges Essen nicht nur eine Grundlage für einen menschenwürdigen Strafvollzug, sondern auch ein wichtiger Beitrag für ein gutes Klima im Haus. Ein Herzensanliegen sind uns auch die Unternehmensbetriebe in der Anstalt, bei denen Häftlinge unter Anleitung und Aufsicht der Justizwachebeamten verschiedene Hilfstätigkeiten ausüben. Das geht von einfachen Sortierarbeiten bis zu Arbeiten auf Facharbeiterniveau, je nachdem, wer gerade bei uns untergebracht ist.
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Besuchstermine bucht man über unsere Website. Leider haben wir viele Häftlinge, die tatsächlich so gut wie nie besucht werden. Um 15:15 Uhr endet der Tagdienst und ab dann sind alle wieder in den Hafträumen eingeschlossen, bis der nächste Tag beginnt. Für die Insassen im gelockerten Vollzug, die sich bereits bewährt haben, sind die Hafträume länger offen.
Wir sind ein Spiegel der Gesellschaft. MA R I A LALIC S , AN STALTS LEITERIN
Kann man sich aussuchen, wann man duschen geht? Nein, es gibt für jeden Haftraum ein vorgegebenes Zeitfenster. Beschäftigte duschen täglich, Unbeschäftigte mindestens zwei Mal pro Woche. Dabei treten alle Häftlinge dieses Raumes in den Duschraum und duschen gleichzeitig. Es gibt nur Trennwände zwischen den Brausen. Anders wäre es praktisch nicht möglich.
Das würde uns freuen. Wir führen einfache Arbeiten preiswert aus, die Unternehmen sind etwas entlastet und zugleich bieten wir den Menschen hier eine Pers pektive. Da wir aber nie planen können, welche Personen in Zukunft verfügbar sein werden, können wir dringende Aufträge nicht so gut annehmen, da brauchen wir etwas Flexibilität auf Seiten der Auftraggeber. Wie sieht ein Tag für einen Häftling aus? Man hört Schauergeschichten von 23 Stunden im Haftraum. Wenn jemand keiner Arbeit nachgeht und keine sons tigen Termine hat, dann stimmt das auch. Gesetzlich vorgesehen ist pro Tag ein einstündiger Spaziergang im Hof. Darum sind wir auch so bestrebt, möglichst vielen Personen eine Beschäftigung zu geben, damit sie eben nicht fast den ganzen Tag nur im Haftraum verbringen. Der Tag beginnt um 7:15 Uhr mit dem Frühstück, die Medikamentenausgabe erfolgt davor. Dann werden die Leute aus den Hafträumen in die Betriebe gebracht, wo sie ihrer Arbeit nachgehen, die Unbeschäftigten haben am Vormittag ihren Aufenthalt im Freien. Das Mittagessen erfolgt wieder in den Hafträumen. Unterbrochen wird dieser Alltag nur von Terminen. Das kann ein Deutschkurs sein oder eine Therapiesitzung im Gruppenraum. Vielleicht bekommt man Besuch von einer Sozialarbeiterin, geht zur Ärztin, hat einen Spaziergang im Hof, darf am Gang ein Telefonat führen und erhält Besuch von seinem Rechtsanwalt, wenn eine Verhandlung ansteht. Das Highlight ist natürlich, wenn jemand Besuch von Familienmitgliedern bekommt,
Wie steht es um die Gesundheit der Häftlinge? Wir haben fixes Pflegepersonal im Haus und Ärztinnen, die uns regelmäßig besuchen. Sehr viele Häftlinge brauchen Medikamente, oft auch Drogenersatzmedikamente. Diese werden vom Pflegepersonal ausgegeben, was an sich schon ein gewaltiger Aufwand ist. Natürlich werden alle medizinisch versorgt, dafür haben wir in der Arztordination die Möglichkeit mittels Videodolmetsch spontan unterschiedliche Sprachen anzufordern, damit wir uns mit den Häftlingen verständigen können. Auch eine Zahnärztin ist im Haus tätig und natürlich auch Psychologinnen und eine Psychiaterin, je nach Notwendigkeit. Mentale Probleme und Suchtproblematiken bestimmen leider oft den Alltag der Häftlinge. Wie sieht die Resozialisierungsarbeit aus? Mein Motto für einen humanen Strafvollzug ist, dass wir zwar die Tat ächten, aber nicht den Täter. Wir wollen uns anschauen, was zur Straftat geführt hat. Da spielen viele Ursachen mit. Unsere Psychologinnen bieten etwa Gruppenangebote, bei denen man sich mit Drogensucht oder Aggressionsproblemen beschäftigen kann. Wie verhindert man einen Rückfall in ein Suchtverhalten? Was sind Alternativen zu Gewalt? Wie verhindert man eine Radikalisierung des Gedankenguts? All diese Angebote setzen aber voraus, dass der Häftling bereit ist mitzuarbeiten. Sehr viel Sinn machen auch bedingte Haftentlassungen, also wenn jemand unter Setzung von Auflagen früher aus der Haft entlassen wird, weil wir dabei noch eine Zeit lang die Entlassenen begleiten und kontrollieren, ob sie wirklich Verantwortung übernehmen und bereit sind, ihr Verhalten nachhaltig zu ändern. Man darf nicht unterschätzen, wie viel Stärke, aber auch Zeit es braucht, eigenes Fehlverhalten zu reflektieren. Sie kennen alle Häftlinge persönlich? Spielt es dabei mitunter eine Rolle, dass Sie eine Frau sind? Es gibt wöchentlich einen Rapport, da stelle ich mich allen Neuzugängen persönlich vor und erklären ihnen die Spielregeln im Haus. Ich hatte nie den Eindruck, dass es dabei eine Rolle spielt, dass ich eine Frau bin.
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uns dann bald verstärken werden. Auch Quereinsteiger sind sehr willkommen, ich denke etwa an Handwerker, die zu uns wechseln und als Justizwachebeamte dann weiterhin in unseren Betrieben ihr Fachwissen mit den Häftlingen teilen können. Es ist natürlich eine sehr komplexe Arbeit, eine Arbeit mit Menschen, oft auch mit Menschen, die nicht immer einfach sind. Wer bei uns arbeitet, leistet einen aktiven Beitrag für Menschen am Rande der Gesellschaft – und damit auch einen wichtigen Beitrag für unsere Gesellschaft insgesamt. Sind alle Stellen derzeit besetzt? Im Exekutivdienst sind rund 95 Prozent der Stellen besetzt, bei den nicht exekutiven Diensten sind wir fast voll. Aber natürlich ist die Arbeitsbelastung schon hoch, insbesondere in der Urlaubssaison oder wenn wir aufgrund von Krankenständen Engpässe haben.
MA R I A LALIC S , AN STALTS LEITERIN
Der Umgang ist immer sehr respektvoll. An sich ist die exekutive Justizwache noch männlich dominiert, bei uns sind nur ein Fünftel Kolleginnen. In den zivilen Fachdiensten und in der Verwaltung arbeiten hingegen fast nur Frauen. In der Justizwache hat sich in den letzten Jahren auch sehr viel getan, wir sind auf einem sehr guten Weg, ich würde gerne auch einen Aufruf machen, dass sich Menschen mit diesem spannenden Berufsbild auseinandersetzen. Was spricht denn für einen Job bei der Justizwache? Welche Ausbildung braucht man dafür? Nun, wir haben ein hervorragendes Klima des Zusammenhalts im Haus. Und wir bieten einen wirklich sinnstiftenden Beruf. Man kann sich über die Website der Justiz einfach informieren, sehr empfehlen kann ich auch den Online-Recruiting-Day. Die Berufsfelder sind abwechslungsreich und man kann sich laufend weiterentwickeln. Aktuell haben wir sechs zukünftige Kollegen, die ihre einjährige Ausbildung machen und
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Trotz aller Einschränkungen unterscheidet sich die Welt hinter Gittern nicht so sehr von der in Freiheit? Letztlich ist der Strafvollzug einfach ein Spiegelbild unserer Gesellschaft. Bei uns geraten aber manche Probleme in den Fokus. Ich bringe ein Beispiel: Wenn jemand drogenabhängig und/oder psychisch krank ist und im Gesundheitssystem „draußen“ nicht ausreichend behandelt werden kann, dann ist das oft eine Vorgeschichte zu einer späteren Straffälligkeit. Landen diese Leute dann im Strafvollzug, sind ihre Grundprobleme die gleichen, wie zuvor in Freiheit.
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FOTOS JUSTIZANSTALT ST. PÖLTEN
Ich vergleiche uns gerne mit einem kleinen Dorf.
Wenn man Ihnen zuhört, klingt die Realität in dieser Justizanstalt nicht so dramatisch, wie es medial oft vermittelt wird: menschenunwürdige Bedingungen, Personalengpässe, bis hin zu Todesfällen. Ich kenne die angesprochenen Fälle nicht im Detail und kann darum inhaltlich nichts dazu sagen. Man muss vorsichtig sein, wenn man Fälle nur aus den Medien kennt, da in diese Berichterstattung meist nicht alle Fakten einfließen können und man somit nur eine Perspektive transportiert bekommt. Tatsache ist aber, dass uns Überbelag und Personalmangel beschäftigen. Es stimmt auch, dass die Kolleginnen und Kollegen teilweise wirklich sehr viel arbeiten müssen. Es ist das gute Recht der Personalvertretung, dass sie Dinge sehr laut auf den Punkt bringen, um ihren Anliegen Gehör zu verschaffen. Dennoch möchte ich betonen, dass wir in St. Pölten unser Bestes geben – generell im Strafvollzug in Österreich. Wir sind ja nicht nur für die Insassen verantwortlich, sondern auch für alle Bediensteten. Wenn ich da etwa an das Angebot von Supervision denke, an den Stellenwert von Psychohygiene – da hat sich in den letzten Jahren in der Justiz sehr viel zum Positiven verändert, man geht auch mit den Schwierigkeiten des Jobs viel offener und professioneller um. Und aktuell kommen junge Auszubildende nach, um die erhöhten pensionsbedingten Abgänge zu kompensieren.
mfg URBAN mit einem akuten Problem kommt, dann haben wir meistens die Möglichkeit auch kurzfristig über Video jemand als Dolmetsch zuzuschalten. Im schlimmsten Fall ist die Sprache gerade nicht verfügbar, dann muss man einen Termin ausmachen und sich etwas gedulden. Aber so können wir auch komplizierte Anliegen dank Dolmetscher nachvollziehen und helfen. Teilweise übersetzen sich die Insassen gegenseitig und holen sozusagen als Vertrauensperson Zellenkollegen dazu, aber gerade bei heiklen Anamnesegesprächen ist es natürlich wichtig, dass man diskret und vertrauensvoll miteinander reden kann. Auch die Deutschkurse in der Anstalt zeigen bei vielen schon nach wenigen Wochen Erfolg und sie können einfache Gespräche führen und sich besser im Alltag einbringen.
INTERVIEW MICHAELA DORN
Abgesehen von der Justizwache und der Verwaltung sind auch drei „Betreuungsdienste“ in der Justizanstalt St. Pölten tätig. Neben Sozialpädagogen und Psychologen kümmern sich auch Sozialarbeiter um die Inhaftierten. Michaela Dorn leitet das fünfköpfige Team des „Sozialen Dienstes“. Was ist die Aufgabe des Sozialen Dienstes in der Justizanstalt? Gleich nach den Beamtinnen und Beamten der Justizwache sind wir die nächsten, die mit den Klienten in Kontakt kommen, sobald sie hier im Haus ankommen. Wir begleiten sie auf ihrem Weg im Haus. Das ist ein sehr vielseitiger, schöner Aufgabenbereich. Jeder Mensch hat ganz individuelle Anliegen und Themen, bei denen wir versuchen zu helfen. Verglichen mit der Justizwache haben wir natürlich unterschiedliche
Aufträge, aber das gemeinsame Ziel ist es diese Menschen gut zu begleiten. Sie arbeiten seit sechzehn Jahren in diesem Haus. Was sind die größten Schwierigkeiten? Die Sprachbarriere ist ein Riesenthema. Zwar sprechen wir im Team auch mehrere Sprachen, aber natürlich gibt es Leute, mit denen wir uns nicht verständigen können. Dafür gibt es mittlerweile ein Videodolmetsch-Angebot, das wirklich sehr gut funktioniert. Wenn jemand
Wie steht es um die mentale Verfassung der Klienten? Psychische Auffälligkeiten nehmen zu und als Sozialarbeiter stoßen wir da an unsere Grenzen, weil diese Problematiken schlicht über unsere eigenen Kenntnisse hinausgehen. Glücklicherweise funktioniert im Haus die sehr enge Abstimmung mit der Justizwache auf den Abteilungen und dem psychologischen Dienst. Manche Klienten werden auch einem Psychiater vorgestellt und beginnen eine Behandlung. Wobei wir leider die Erwartungshaltung der Gesellschaft nicht erfüllen können: Wir können weder alle heilen noch können wir Menschen ewig präventiv wegsperren. Gerade wenn jemand psychisch krank ist, braucht diese Person Einsicht in ihre Erkrankung. Dann kann eine Therapie begonnen und bestenfalls erfolgreich abgeschlossen werden. Unser Ziel ist es passende Angebote zu finden, Plätze zu vermitteln. Aber natürlich ist es fraglich, ob die Klienten diesen Weg dann auch wirklich gehen wollen. Gerade bei bedingten Entlassungen haben wir gute Möglichkeiten, die ersten Schritte in der wiedergewonnenen Freiheit zu begleiten und etwas zu lenken.
Ständig einen gemeinsamen Nenner finden – für mich, Strafe genug. M IC H AELA DORN, L EITER IN SOZ IAL ER D IENST
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Das klingt nach einem Job mit Frustpotential, wenn bei Manchen das Bemühen nichts bringt? Arbeit mit Menschen ist immer spannend, aber nie vorhersehbar. Man muss beharrlich sein. Unser Ziel ist es möglichst viele Defizite abzubauen und eine Perspektive für die Zeit nach der Haft zu bieten: Eine Wohnung, ein Job, ein
Platz in einer Suchtberatung. Gerade für junge Menschen ist eine Haft tatsächlich oft auch eine Chance wieder Struktur in ihr Leben zu bekommen. Zu einer festen Zeit aufstehen, einen vereinbarten Termin bei einem Betreuungsangebot einhalten, zur Arbeit erscheinen – für viele ist das oft wirklich schwierig und wenn es ihnen gelingt, dann ist das ein erster, großer Erfolg, bei dem wir sie unterstützen können. In der Bevölkerung herrscht für diese Schwierigkeiten wenig Verständnis. Manche kritisieren Kuscheljustiz und Luxuszellen. Es wäre schön, wenn die Öffentlichkeit den Wunsch hätte, diese Menschen zu unterstützen und sie zu integrieren, anstatt sie nur zu bestrafen. Wissenschaftlich ist ja klar erwiesen, dass hohe Strafen Kriminalität nicht reduzieren. Zudem erschwert das Stigma des Straftäters das Durchstarten nach der Haft deutlich.
Diese Kritiker sollten sich bewusst machen, was Strafhaft bedeutet. Man teilt sich den Haftraum mit mehreren Mithäftlingen. Man muss Tag für Tag ständig den kleinsten, gemeinsamen Nenner finden – für mich ist das schon Strafe genug. Man darf mitunter nur zwei Mal in der Woche duschen – aber nicht allein, sondern gleichzeitig mit den Zellenkollegen. Ich merke nichts von Luxuszellen. Was sind die schönen Aspekte an Ihrer Arbeit? Es gibt immer wieder Erfolge. Die Grundlage dafür ist der vorbildliche Zusammenhalt, den wir in diesem Haus quer durch alle Abteilungen und Bereiche leben. Besonders schön war unsere Teilnahme an der heurigen Stadtreinigungsaktion, acht Häftlinge haben mit vollem Einsatz das Stadtgebiet gesäubert. Sie hatten wirklich Freude, dass sie auf diesem Weg der Gesellschaft etwas zurückgeben können.
WOVOR EXPERTEN WARNEN UND WO DIE POLITIK KURZGEDACHT KÜRZT Experteninnen und Experten für Kriminalitätspolitik warnen zunehmend vor den dramatisch schlechten Zuständen in Österreichs Gefängnissen. Im Netzwerk Kriminalpolitik vereinen sich Universitäten mit den Vertretungen der Richter, Rechtsanwälte und Strafverteidiger sowie mit den Vereinen Neustart und Weißer Ring.
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m Juli schlug das Netzwerk konkrete gesetzliche Maßnahmen vor, um die Situation in den Haftanstalten zu verbessern und damit auch Österreich sicherer zu machen. Ein zentraler Punkt dabei: gemeinnützige Arbeit statt kurzer Freiheitsstrafen. Die Ausgestaltung des Strafvollzugs entscheidet, ob dieser positive Konsequenzen zeigt oder ob er sogar 16
kriminalitätsfördernd wirkt. Verglichen mit dem deutschsprachigen Ausland liegt in Österreich die Gefangenenrate mit 105 von 100.000 Personen sehr hoch. In der Schweiz sind es nur 78 Personen, in Deutschland 69 Personen. Bei durchschnittlichen Haftkosten von 182 Euro pro Tag ist der Strafvollzug auch ein massiver Kostenfaktor.
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FOTOS VEREIN NEUSTART, ADOBE STOCK
Sehr viele Straftäter haben auch ein Suchtproblem? Ja, darum ist Suchtberatung ein wichtiger Aspekt unserer Arbeit. Es gibt neben den Einzelgesprächen auch Gruppenangebote, die gerne angenommen werden. In der Haftanstalt hat man mit Drogenersatzmedikamenten das Problem meistens gut im Griff, doch die große Überwindung ist dann der Schritt zur Therapie nach der Haft. Denn sobald man durch die Türe nach Draußen geht, warten dort wieder die gewohnten Muster und die alten Freunde.
mfg URBAN
Was muss passieren, damit es möglichst kein nächstes Opfer gibt? A LEX AN DER GROH S , VEREIN N EU START
Zum Stichtag 1. Juni 2026 waren österreichweit 9.124 Personen in Justizanstalten bzw. forensisch-therapeutischen Zentren untergebracht. Bei einer Kapazität von lediglich 8.422 Plätzen zeigt dies einen Überbelag von mehr als acht Prozent. Der damit verbundene Personalmangel führt laut Experten zu einer „nicht akzeptablen Unterversorgung“ und einem erheblichen Sicherheitsrisiko. Hinzu kommt, dass die Bundespolitik im Zuge der aktuellen Budgetsanierung auch beim Bewährungshilfeverein Neustart den Sparstift ansetzt und die Mittel kürzt. Neustart betreute im Jahr 2025 in Niederösterreich rund 10.000 Personen, allein im Raum St. Pölten waren es 960 Personen. Für das Gesamtjahr 2026 rechnet Neustart mit knapp 1.200 Klientinnen und Klienten, die alleine im Raum St. Pölten betreut werden. Ein Schwerpunkt des Vereines ist Bewährungshilfe, von den 960 Personen im Vorjahr erhielten rund 500 Bewährungshilfe. Andere Aufgaben des Vereins sind etwa Gewaltpräventionsberatungen, die durch die Polizei nach einem Betretungsund Annäherungsverbot ausgesprochen werden oder Tatausgleich, wo mit Opfern und Beschuldigten gearbeitet wird. Alexander Grohs leitet Neustart in Niederösterreich, er erklärt: „Wir arbeiten mit unseren Klientinnen und Klienten daran, nicht mehr straffällig zu werden um dadurch neue Opfer zu verhindern. Einerseits durch Kontrolle. Andererseits durch Unterstützung bei der Organisation ihres Lebens außerhalb der Straffälligkeit. Wichtig ist dabei, dass sie sich mit der eigenen Straftat, den Auswirkungen auf das Opfer, aber auch mit den dahinterliegenden Risikofaktoren auseinandersetzen. Die zentrale Frage ist: Was muss passieren, damit es möglichst kein nächstes Opfer gibt?“ Wie werden sich die Budgetkürzungen auf diese Arbeit auswirken? Grohs: „Man kann Resozialisierung nicht beliebig ‚effizienter‘ machen, indem man
weniger Ressourcen zur Verfügung stellt. Was unsere Kolleginnen und Kollegen bei ihrer Arbeit brauchen, ist Zeit – haben wir weniger Ressourcen, haben wir weniger Zeit pro Klienten. Aber wenn wir wollen, dass sich oft jahrzehntelang entwickelte, kriminogene Verhaltensmuster ändern, dann braucht es dafür eben auch ausreichend Zeit. Unsere Tätigkeit erfolgt auf einer gerichtlichen Anordnung, wir können also keine Klienten ablehnen oder sie nach unserem Belieben auf Wartelisten setzen. Egal wo und wie wir als Konsequenz diese Zeit einsparen, es hat kriminalpolitische Konsequenzen. Man spart möglicherweise kurzfristig im Bereich der Resozialisierung, aber nimmt damit spätere Folgekosten und eine schlechtere Sicherheitslage in Kauf.“ Wie sieht der Experte generell die Frage, ob in Österreich zu viel Strafhaft sanktioniert wird? „Strafhaft ist indiziert, wenn sie zum Schutz der Gesellschaft erforderlich ist. Aber Haft alleine löst die Ursache von Straffälligkeit nicht automatisch. Und Studien zeigen, dass sie ohne unterstützende Maßnahmen das Rückfallrisiko verstärkt. Man kann festhalten, kriminelles Verhalten endet nicht an der Gefängnistür, die Frage ist eher, was davor und danach passiert. Wir sollten uns also die Frage stellen, setzen wir unsere Ressourcen dort ein, wo Rückfall- und Gewaltrisiken tatsächlich bearbeitet werden können – oder investieren wir überwiegend dann, wenn bereits ein erheblicher Schaden für andere entstanden ist? Die aktuellen politischen Überlegungen zur Verankerung von gemeinnützigen Leistungen als eigenständige Primärsanktion berücksichtigen diesen Aspekt. Wenn wir über die Kosten von Kriminalität sprechen, dann dürfen wir nicht nur fragen, was ein Präventionsangebot oder Bewährungshilfe kosten, sondern was eine weitere Straftat kostet? Was kostet es dem Opfer? Und natürlich was kostet uns die Strafverfolgung und eine weitere Haft?“
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Beate Steiner
IRRLÄUFER Auf nix kann man sich heutzutage verlassen. Täglich passiert Überraschendes, ist zu hören und zu lesen, was ich noch vor Kurzem als Fake abgetan hätte. Nein, nicht nur überm großen Teich, im Wilden Westen, auch hier bei uns, im kleinen Österreich, im beschaulichen St. Pölten. Die städtischen Kommunisten, zum Beispiel, haben bei der letzten Wahl Stimmen gewonnen mit einem besonderen Angebot, mit dem Mieternotruf. Der steht Mietern gegen Vermieter mit Rat und Tat zur Seite. Blöd, dass die Kommunistische Partei als Hauseigentümer ihren Mieter nicht weiter unterstützen konnte und der ob einer saftigen Abgabenerhöhung sein Lokal zugesperrt hat. Merke: Die KPÖ, die „soziale Opposition im Gemeinderat“, hat gelernt, dass ein Haus nicht ohne Kapital erhalten werden kann. Auch die liberalen NEOS kritisieren die KPÖ-Entscheidung, obwohl diese eigentlich in ihr Programm passen sollte. Sie stehen ja dafür, dass der Staat sich weniger in die Wirtschaft und das Privatleben einmischt und Steuerzahler und Unternehmen entlastet werden sollen. Nicht so bei uns: Die St. Pöltner NEOS sehen die Stadt „in der Verantwortung“, bei der Entwicklung des von der Wohnungsgenossenschaft „Alpenland“ gekauften Leiner-Areals „ins Handeln zu kommen“. Die NEOS fordern also, dass die Gemeinde privaten Eigentümern anschafft, was sie machen sollen und dass öffentliche Aufwendungen in Privat-Projekte fließen. Verdrehte kleine Welt. In der gibt’s noch einige ideologische Irrläufer zum StimmenKeilen. Also: Fortsetzung folgt.
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TEXT BEATE STEINER
FOTOS ANJA BENEDETTER
WAS WIRD AUS DEM DOMPLATZ? Vor mehr als 15 Jahren wurde die Umgestaltung des großen Kirchenplatzes beschlossen. Abgeschlossen ist sie noch nicht.
SAG MIR, WO DIE AUTOS SIND
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rei Jahre lang haben die St. Pöltner jetzt schon ihren neuen Domplatz – gepflastert mit Granit aus dem Waldviertel und mit der in Beton sichtbaren mittelalterlichen Kirche, beleuchtet mit LED-Lampen von den angrenzenden Häusern, rundum gekühlt mit Sprühnebeldüsen. Seit zwei Jahren möblieren noch eine Terrasse beim Gastronomie-Lokal „Das Römer“ und sechs mobile Pflanzgefäße aus Cortenstahl die 5.800 Quadratmeter große Fläche. Sie sind teilweise mit Sitzbänken ausstaffiert und mit SiebenSöhne-des-Himmels-Sträuchern bewachsen. Himmlischen Frieden haben
Eine zusätzliche Innenstadtgarage als Ersatz für wegfallende Parkplätze war immer Teil des Plans für die Umgestaltung des Domplatzes, also seit 2010. Neun Jahre später verkündeten Bischof Alois Schwarz und Bürgermeister Matthias Stadler die Errichtung einer Tiefgarage unter dem östlichen Teil des Bischofsgartens. Matthias Stadler im Jahr 2019: „Die Stadt wird sich in enger Abstimmung mit der Diözese um die Umsetzung kümmern.“ 2024 wurde mit der Benda Immobiliengruppe ein Projektentwickler gefunden. Die Tiefgarage entsteht auf dem Grundstück der Diözese St. Pölten unter dem Bischofsgarten. Auf zwei Ebenen werden dabei rund 280 Parkplätze entstehen. Die Zufahrt soll über die Klostergasse erfolgen. Verbinden wollen die Immobilienentwickler die Garagen-
Anlage mit einem Neubau in der Grenzgasse 6-8, der auch als Ein- und Ausgang für die Domgarage dienen soll. 2026 waren die Archäologen schon am Werk, Aussagen über einen konkreten Garagen-Fahrplan sind aber schwer zu bekommen. Bischof Alois Schwarz erklärt, dass die Diözese nur die Fläche zur Verfügung stelle: „Diese Frage müssen Sie an die Stadt St. Pölten beziehungsweise den Projektentwickler richten. Mit der konkreten Planung und Umsetzung des Projekts ist die Diözese jedoch nicht befasst.“ Bürgermeister Matthias Stadler ist der Ansicht, dass das Projekt ein Geschäft zwischen Diözese und Garagenbetreiber ist. Letzterer klärt auf: „Es ist alles auf Schiene. Bis Ende 2026 sind die archäologischen Arbeiten abgeschlossen, dann geht’s los“, sagt Projektentwickler Walter Benda. Verzögerungen habe es wegen der Umwidmung für das Haus in der Grenzgasse gegeben, das ist jetzt erledigt. So gesehen dürften in zwei Jahren die ersten Autos unterm Bischofsgarten parken können. Apropos parken: „Für uns als Kirche ist das ein wichtiges Thema“, betont der Bischof, der immer wieder Meldungen bekommt, dass Personen, die nicht so gut zu Fuß sind, die Situation als schwierig empfinden. „Wenn Menschen sagen, dass sie sich aufgrund der Parkplatzsituation schwertun, einen Gottesdienst
Wir sind mit der Weiterentwicklung des Domplatzes als Veranstaltungsort unserer Open-Air-Konzerte sehr zufrieden. TH OM AS GLU DOVATZ, GESCHÄF TSFÜHR ER FESTSPIEL HAUS
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FOTO JOSEF BOLLWEIN
die schnell wachsenden Ziergehölze bis jetzt nicht gebracht. Denn die Diskussion um eine weitere Umgestaltung des innerstädtischen Langzeitprojekts geht lebhaft weiter: Die einen wollen ihre Parkplätze zurück, die anderen eine Parkähnliche Anlage, die dritten sudern, weil der Platz vor der Domkirche nicht an jedem Tag der Woche belebt ist, und auch, weil Erwartungen geweckt wurden, die bis jetzt nicht erfüllt sind.
mfg URBAN
Die Gastronomie am Domplatz 2023 beauftragte der Gemeinderat die Marketing St. Pölten GmbH, das Lokal am Domplatz anzumieten. Die Kosten, die von der Stadt als Hauptmieter gezahlt werden, werden 1:1 an den Betreiber des Römer weiterverrechnet. Die Terrasse ist Teil des Domplatzkonzeptes und wurde, wie alles andere auch am Domplatz, von der Stadt finanziert. Der Betreiber des Lokals zahlt für die Benützung der Terrasse eine Gebrauchsabgabe. „Das Römer“ hat vor ungefähr zwei Jahren eröffnet. Besonders gut angenommen wird die Vielfalt im Tapas-Lokal – vom schnellen Mittag essen bis zum entspannten Abend mit mehreren kleinen Gerichten. Die stärkste Frequenz spürt Gastronom Phillip Neuhauser zu Mittag unter der Woche sowie abends Richtung Wochenende. Stellt euch die Lage am Domplatz vor besondere Herausforderungen? Merkt ihr, wenn grad nichts los ist auf dem Platz? Der Domplatz ist ein besonderer Standort – mit viel Potenzial. Natürlich merkt man, dass der Platz derzeit keine Hochphase hat und allgemein wenig Frequenz ist. Das wussten wir auch von Anfang an, darum waren angekündigte Verbesserungen rund um den Domplatz, allen voran die neue Parkgarage, Hauptgründe für unsere Investition. Leider blieben die meisten dieser Abmachungen bis dato nur leere Worte. Gleichzeitig sehen wir genau in dieser Situation auch die Chance, selbst aktiv zur Belebung beizutragen. Es ist uns wichtig, dass unsere Gäste sich bei uns wohlfühlen – unabhängig davon, wie viel rundherum passiert. Gleichzeitig würde dem Platz insgesamt mehr Aufenthaltsqualität sicher guttun, so wie es an Samstagen vormittags seit vielen Jahren funktioniert. Schon einfache Dinge wie zusätzliche Sitzmöglichkeiten oder kleine, wechselnde Angebote für Familien könnten hier viel bewirken. Wir erleben jeden Tag, was am Domplatz möglich ist – und genau deshalb sind wir überzeugt, dass da noch mehr drinsteckt. Mit ein bisschen mehr Leben im Alltag wird er sich ganz natürlich zu einem echten Treffpunkt für die Menschen in St. Pölten entwickeln.
Das Domplatz Open-Air erfreut die Besucher seit der Neueröffnung des Platzes. Die Konzerte sind bereits fixer Bestandteil im Kulturkalender der Stadt.
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„Römer“-Gastronom Phillip Neuhauser ist mit der Entwicklung am Domplatz zufrieden.
oder eine Veranstaltung im Dom zu besuchen, müssen wir das ernst nehmen. Aus diesem Grund haben wir auch den Brunnenhof der Diözese an Sonntagen für Messbesucher zum Parken geöffnet.“ WAS SPIELT SICH AB AM PLATZ VOR DEM DOM?
„Der Domplatz wird als multifunktionaler Platz für den Wochenmarkt, für liturgische Zwecke und Open-AirFestivals genutzt. Die Gestaltungsmaßnahmen definieren einen großzügigen städtischen Raum, der diese variablen Nutzungen aufnimmt und die notwendige Infrastruktur anbietet.“ Das planten die Domplatz-Architekten Jabornegg & Palffy bereits 2010. 2026 herrscht an den Markttagen reges Treiben auf dem Domplatz, auch rundherum in der Innenstadt, desgleichen bei Veranstaltungen. Sonst queren wenige Menschen die freie Fläche, auf ihrem Weg zur Kirche, zum Museum am Dom, zur Stadtbibliothek, zum Lokal „Das Römer“. Für Events funktioniert der Platz offensichtlich hervorragend, wie auch Festspielhaus-Geschäftsführer Thomas Gludovatz bestätigt. „Wir sind mit der Weiterentwicklung des Domplatzes als Veranstaltungsort unserer Open-AirKonzerte sehr zufrieden: Die Infrastruk19
Jeden Donnerstag und jeden Samstag herrscht reges Treiben am Wochenmarkt am Domplatz.
tur funktioniert logistisch hervorragend, und das Ambiente wird sowohl vom Publikum als auch von den Künstlern und Künstlerinnen geschätzt. Für das Festspielhaus St. Pölten und das Tonkünstler-Orchester Niederösterreich bietet der Domplatz die wunderbare Möglichkeit bis ins Herz der Stadt in den öffentlichen Raum hineinzuwirken.“ 22.000 Gäste waren bisher von den bestens besuchten Konzerten begeistert. Diese sollen künftig so weitergeführt werden. Thomas Gludovatz: „Aus unserer Sicht soll durch die DomplatzKonzerte vor allem die äußerst positive Imageentwicklung der Stadt St. Pölten weiter vorangetrieben werden. Uns war und ist wichtig, jeweils Programme mit Alleinstellungsmerkmalen anzubieten. Mit „Tonkünstler & Friends“ wird ein einzigartiges Crossover-Erlebnis mit unserem Residenzorchester und renommierten Stimmen aus Jazz und World geboten, während sich „Pop am Dom“ einem jüngeren und urbanerem Publi-
DomplatzHistorie • von 2010 bis 2020 Grabungen • 2010 Wettbewerb und Errichtungsauftrag an Jabornegg & Palffy • März 2022 beschloss der Gemeinderat 3,7 Millionen Euro für die Gestaltung • seit Juli 2022 autofrei
kum zuwendet. Ziel ist es jedenfalls, einen möglichst breiten Mehrwert für die Stadt St. Pölten zu schaffen.“ Der kostet jährlich 950.000 Euro, die sich Stadt und Land teilen, die Kartenerlöse betrugen heuer etwa 150.000 Euro. In vielen Medien ist die Resonanz auf St. Pöltens Kulturveranstaltungen quasi hymnisch und reicht von ‚Yes, St. Pölten!‘ als Titel der Musikkritik im Falter über „Sensationell“ in der Presse und „St. Pölten zeigt, wie selbstverständlich
Kultur, Stadtleben und Genuss ineinandergreifen“ (Der Standard) bis zur Liebeserklärung des oeticket-Magazins an die Stadt: ‚Fünf Gründe, warum St. Pölten besser als sein Ruf ist‘. Pop am Dom ist eines der Hauptargumente dafür, warum die Landeshauptstadt heute ein moderner, pulsierender Anziehungspunkt ist. „Genau diesen nachhaltigen Mehrwert für das Image und die Identität St. Pöltens wollen wir mit unseren Open-Airs weiter stärken“, so der Festspielhaus-Geschäftsführer. Warum gibt’s dann nicht mehr davon? „Ein Handicap ist – das muss man so sagen – das NÖ Veranstaltungsgesetz. Hier gibt es eine Beschränkung für bestimmte Tage und Örtlichkeiten, wobei der Herrenplatz und der Domplatz etwa gemeinsam betrachtet werden müssen“, so Bürgermeister Matthias Stadler, der zwar nicht genau benennt, an wie vielen Tagen der Platz bespielt wird, aber auf das Bravissimo, die Tankbier-Tage, die Pride und den Eislaufplatz im Winter hinweist. WAS BRINGT DIE ZUKUNFT?
Im Koalitionspakt der rot-grünen Stadtregierung ist eine Umgestaltung des Platzes festgeschrieben. „Wir bekennen uns dazu, eine weitere Aufwertung des Domplatzes voranzutreiben, und werden die Ergebnisse präsentieren, sobald sie auf dem Tisch liegen“, so Bürgermeis ter Stadler. Der Denkmalschutz muss beachtet werden und empfiehlt: Damit die archäologischen Funde nicht zerstört werden, sollten keine tiefwurzelnden Gewächse gepflanzt werden. Stadlers grüner Stellvertreter Walter Heimerl-Lesnik bringt’s so auf den Punkt: „Da eine gute Lösung wichtiger als eine schnelle Lösung ist, steht ein genauer Zeithorizont noch nicht fest. Es wird jedoch mit Druck daran gearbeitet. Mein Motto für den Domplatz lautet: ‚Grün wo geht und möglichst viel Schatten!“
Wir erleben jeden Tag, was am Domplatz möglich ist – und genau deshalb sind wir überzeugt, dass da noch mehr drinsteckt. PH ILLIP N EUHAUSER , GASTR ONOM
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TEXT ANDREAS REICHEBNER
AUS-GEGRABEN? N
immt man den aktuellen Stand, eine Vollzeitstelle und eine Halbtagskraft her, deutet einiges darauf hin. Schließlich war man 2025 noch ein Team mit sieben Vollzeitbeschäftigten, sorgte bei den Ausgrabungen am Domplatz mit sensationellen Gräberfunden für internationale Reputation. Denn die Auswertungen der außergewöhnlichen Skelettfunde der großen mittelalterlichen Friedhöfe mit mehr als 15.000 Leichen am Domplatz führte zu einer wissenschaftlichen Sensation. So analysierte ein Team unter der Leitung von Prof. Fabian Kanz die osteologischen Überreste an der Medizinischen Universität Wien. „Ich habe Fabian Kainz auf einem Kongress getroffen und zuerst 50 Proben an die Uni geschickt“, erinnert sich Stadtarchäologe Ronald Risy, „inzwischen wurden schon mehr als 500 Proben daraus.“ Anfangs war es ein Rätsel, woran die mehr als 500 Menschen in den drei Massengräbern starben.
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DER SCHWARZE TOD
Eine Pilotstudie am Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie enthüllte dann endgültig die Todesursache: den berüchtigten Schwarzen Tod, der um 1350 Europa verwüstete. Die Forscher konnten Dutzende der Genome von Yersinia pestis rekonstruieren, die exakt mit dem Schwarzen Tod-Stamm übereinstimmten. Es konnte sogar ein Gen identifiziert werden, das vor Pestinfektionen schützt. Maßgeblich daran beteiligt war auch Prof. Johannes Krause, einer der führenden Forscher im Bereich der Archäogenetik. In seinen Vorträgen, auch schon in St. Pölten, gibt er Einblick in aktuelle Forschungen zur Geschichte der Pest, die durch moderne DNA-Analysen möglich werden. Dieser Erfolg war vor allem auf die Ausgrabungsarbeiten des St. Pöltner Teams rund um Ronald Risy, der nun eine massive Abwertung seines Teams sieht, geschuldet. Da die Grabungen am Domplatz im
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gesamten Budget der Domplatzgestaltungen aufgingen, konnte das Kulturamt St. Pölten für die Jahre 2020-2023 jeweils 300.000, und 2024 und 2025 jeweils 330.000 Euro beziffern. Auf die Frage, warum die Stadtarchäologie derart reduziert wurde, heißt es: „Aufgrund der Konsolidierungsmaßnahmen mussten in vielen Abteilungen leider Einsparungsmaßnahmen vorgenommen werden, auch in der Kulturabteilung. Da in der nächsten Zukunft nur mehr kleinere Projekte anstehen und die größeren Projekte umgesetzt wurden, werden die Anforderungen gut bewältigbar sein.” Aber das soll nicht so bleiben. „Eine zeitnahe Aufstockung des Personals für den zukünftigen Stadtarchäologen ist bereits in Planung und soll ab 2027 umgesetzt werden, sodass ein solides, kompetentes Team die umfangreichen Aufgabengebiete der Stadtarchäologie, wie etwa die Fortführung der Datenbank und die wissenschaftliche Betreuung des Depots, wahrnehmen kann”, so Kulturamtsleiter Alfred Kellner. Das fixe Kernteam soll ab 2027 aus vier Personen bestehen. Angestellt wurde als zukünftiger Archäologe Stefan Fuchs-Sommer, der bisherige Stellvertreter des Stadtarchäologen Ronald Risy, der nächstes Jahr in Pension gehen wird. Dadurch soll die Betreuung von zukünftigen Ausgrabungen, im Sinne von Projektleitungen, gewährleistet werden. „Das Angebot der XR-Brille wird im Herbst erweitert. Zukünftig können auch der römische Stadthalterpalast und das römische Badehaus in realer Größe in der XR-Welt direkt am Domplatz besucht werden“, merkt Kellner noch an. Man darf gespannt sein.
FOTO JOSEF VORLAUFER
Sie gruben, führten durch die Ausgrabungsstätten sowie die daraus entwickelten Ausstellungen und sind für die wissenschaftliche Auswertung der Fundstücke zuständig. Das Team der Stadtarchäologie St. Pölten unter Ronald Risy war in den letzten Jahren ein Erfolgsmodell, das weit über die nationalen Grenzen hinweg Strahlkraft zeigte. Im Jahre 2026 kam es allerdings zu einer erheblichen Personalstandreduktion. Wird die Stadtarchäologie zum Auslaufmodell?
EScaPE tRaIl
mfg URBAN
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Menschen sind nicht nur wertvolle Arbeitskräfte, sie leisten auch viel ehrenamtliche Arbeit im Wert von rund 10 Milliarden Euro jährlich. Deshalb tun wir alles, damit auch in Zukunft Menschen und ihre Arbeit wertgeschätzt werden.
MENSCHEN SIND WERTVOLL
23
TEXT JOHANNES MAYERHOFER
WIE ES MIT DEN ST. PÖLTNER VERKEHRSPROJEKTEN WEITERGEHT
Oberwagram Krems
ST. PÖLTEN
Gerersdorf
Anschlussstelle St. Pölten Ost
B1
B1 Anschlussstelle B1 L5158
Nadelbach
S 34
Stattersdorf
L5160
L5106
S 34
Anschlussstelle Völtendorf
Völtendorf
B 20 Spange Wörth (Land NÖ) L5181
Halbanschlussstelle Hart
Wolfenberg Alt-
Wetzersdorf
Reitzing
L5105
L5108
Getzersdorf L5109 Schnabling
L5107
S 34 Traisental Schnellstraße
-Hart
St. Pölten / Hafing (B 1) – Knoten St. Pölten / West (A 1) – Wilhelmsburg Nord (B 20)
St. Georgen am Steinfelde
Gasten
Gesamtlänge:
Kreisberg
L5183
Steinfeld L5188
S 34 Handelberg L5188
L5102 L5116
Eggendorf Ganzendorf
ca. 9,0 km
Legende: Trasse in Planung Anschlussstelle Netzergänzung Landesstraßennetz
Anschlussstelle Wilhelmsburg Nord (B 20) Wegbach L5185
Pömmern
WILHELMSBURG
N
L5103
Brunn
Harland
L5102
L5183
L5185
L5101
Anbindung Betriebsgebiet
S 34
Badendorf
A1
L5102
Neu-
Gröben
Neustift
Wien
Knoten St. Pölten
Spratzern
B 39
Kotting
L5102
Schwadorf
Gattmannsdorf
Abschnitt 2
Anschlussstelle St. Pölten Süd
Wilhelmsburg
B 20 0
500 m
1 km
Lilienfeld ASFINAG 04 - 2016
ASFINAG 03 - 2017
S34-Befürworter bejubeln gerichtliche Bestätigung der „Spange Wörth“, Gegner erheben Einspruch. Das Verkehrsministerium erteilt Tempo 100 auf der A1 eine Absage, der LUP fällt an die NÖVOG und Bahnprojekte werden finalisiert. Das mfg liefert den Überblick. 24
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FOTOS ASFINAG, ANDREAS HOFER, ANDY WENZEL, MATHHIAS KÖSTLER
Linz
Knoten A 1 / S 34
Harlander Bach
A1
S 33
L5101
L5151
Pummersdorf
B 39
HART (L5185) - WILHELMSBURG NORD B20)
B 1a
Traisen
L5151
Hafing
Traise n
Abschnitt 1
ST. PÖLTEN/HAFING - HART (L5181)
Eggsdorf
mfg URBAN
F
angen wir mit dem kontroversesten Verkehrsprojekt der letzten Jahrzehnte an: der S34. Selbst der Europäische Gerichtshof beschäftigte sich mit einem Teilaspekt des ASFINAG-Projekts, der sogenannten „Spange Wörth“. Diese vierspurige Straße im Südwesten St. Pöltens soll die B20 mit der künftigen S34 verbinden. Nachdem drei Umweltorganisationen, eine Bürgerinitiative und mehrere Privatpersonen beim Bundesverwaltungsgericht (BVwG) Beschwerde gegen die „Spange“ einlegten, wandte sich dieses an den EuGH. Verstößt das Projekt gegen die EU-Vogelschutzverordnung? Im Februar 2026 kam die Entscheidung: „Nein!“ Nicht jede Beeinträchtigung einzelner Vogelarten bedeute automatisch einen Verstoß gegen EU-Recht. Jedoch verlangte der EuGH stärkere Auflagen zum Natur- und Artenschutz. Auf Basis dieser Auslegung gab schließlich im Juli das Bundesverwaltungsgericht „Grünes Licht“ für die Spange Wörth. S34-BEFÜRWORTER IN DER POLITIK FÜHLEN SICH BESTÄTIGT
Einer der klarsten Befürworter der S34 ist Verkehrslandesrat Udo Landbauer (FPÖ). Während die S34 an sich Bundesangelegenheit ist, fällt die „Spange Wörth“ in den Bereich des Landes NÖ. „Der EuGH hat unsere rechtliche Position gestärkt und schaffte eine klare Grundlage für die Entscheidung in Österreich“, erklärt Landbauer. Entschei-
dend bei der EU-Vogelschutzverordnung sei, ob sich ein Vorhaben erheblich auf den Erhaltungszustand beziehungsweise die gesamte Population der betroffenen Art auswirke. „Erfreulicherweise ist der EuGH der Argumentation des Landes in den vorgelegten Fragen gefolgt und hat damit die Rechtsauffassung der Projektwerber bestätigt. Die weitergehenden Forderungen der Umweltorganisationen wurden hingegen nicht bestätigt!“, so der Landesrat. VERKEHRSMINISTER ZURÜCKHALTEND
Im Verkehrsministerium unter Minister Peter Hanke (SPÖ) zeigt man sich zurückhaltend und betont die Vogelperspektive der Bundespolitik. „Kein Projekt kann singulär gedacht werden, sondern muss Teil einer ganzheitlichen Lösung sein. Straße und Schiene, Individualverkehr und öffentlichen Verkehr gilt es gemeinsam zu denken“, sagt Hanke, dem vonseiten der FPÖ immer wieder zu wenig Ehrgeiz beim Vorantreiben zahlreicher Straßenprojekte wie S34, A3, S37 oder S8 vorgeworfen wird. Bei S34 und Spange Wörth verweist der Minister auf den rechtlichen Status Quo: „Aus der Sicht meines Bundesministeriums gilt es für weitere Entscheidungen betreffend S34 dieses Änderungsverfahren und etwaige weitere Verfahren beim Bundesverwaltungsgericht, beziehungsweise den Höchstgerichten abzuwarten.“ Seitens der Stadt St. Pölten werden aktuell – wie im Koalitionspakt zwischen SPÖ und Grünen vereinbart – Alternativen zur S34 evaluiert. Ergebnisse liegen noch nicht vor. Der prinzipielle Fokus der Verkehrsplanung liegt, wie im Generalverkehrskonzept dokumentiert, neben der Umleitung des Autoverkehrs auf das höherrangige Straßennetz auch auf der Schaffung von UmweltverbundVerkehrsachsen (Ausbau von Öffis, Fußund Radwegen) sowie der innerstädtischen Verkehrsberuhigung. UMWELTORGANISATIONEN UND ANRAINER GEBEN NICHT AUF
Verkehrslandesrat Landbauer (FPÖ) sieht LUP ausfinanziert.
Die S34-Gegner haben bereits, unterstützt durch Rechtsanwalt Wolfram Schachinger, einen Revisionsantrag
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Minister Hanke (SPÖ) will S34Gerichtsentscheide abwarten.
gegen die „Spange“ beim Bundesverwaltungsgericht eingebracht. Romana Drexler etwa, Sprecherin der Initiative „Stopp S34“, sieht mehrere rechtliche Argumente: „Der EuGH verlangte, dass die Wirksamkeit der vorgeschriebenen Schutzmaßnahmen auf Basis der zuverlässigsten wissenschaftlichen Daten und Forschung beurteilt werden müssen. Diese Vorgabe wurde aus unserer Sicht nicht ausreichend umgesetzt.“ Wolfgang Rem von der Umweltorganisation VIRUS ergänzt: „Wenn Verbotstatbestände da sind und eine Ausnahmebewilligung eines Projekts nicht möglich ist, gibt es die Möglichkeit Vermeidungsmaßnahmen zu setzen, damit diese Verbots tatbestände gar nicht erst eintreten.“ Solche Maßnahmen lagen aber im Fall der Spange Wörth nicht vor. Laut Rem gäbe es die Möglichkeit der Anrechnung künftiger Maßnahmen aber nur, wenn für diese ein Gutachten von höchster wissenschaftlicher Güte vorläge. Auch dies sei aus seiner Sicht nicht der Fall. „Das BVwG hat diese Frage nicht geklärt sondern in ein nachfolgendes UVP-Änderungsverfahren ausgelagert und eine (bedingte) Genehmigung erteilt. Und diese Auslagerung ist rechtlich unzulässig.“ Eine weitere Beschwerde vor dem Verfassungsgerichtshof richtet sich gegen die getrennte behördliche Behandlung von S34 und Spange Wörth. „Die beiden Projekte stehen in unmittelbarem verkehrlichem und räumlichem Zusammenhang“, so die Kritiker. 25
auch der Bund nicht daran halten muss, „dann würden die vom Bund für Niederösterreich vorgesehenen Gelder wohl in ein anderes Bundesland fließen.“ KEIN „TEMPO 100“ AUF DER A1, ABER TEILS LÄRMSCHUTZ
15 Millionen Euro kostet der LUP-Betrieb ab 2027. Das Land bezuschusst aktuell nur ca. 1,6 Millionen Euro, für den Erhalt des künftigen LUP-Angebots auf Sicht wohl zu wenig.
ST. PÖLTEN WARNT VOR EINEM ABBAU DES LUP-ANGEBOTES
Im Juli beschloss der Gemeinderat, den LUP-Betrieb an die NÖVOG (Niederösterreichische Verkehrsorganisationsgesellschaft) zu übertragen. Bürgermeister Matthias Stadler betont, dass damit die „Verantwortung für das gesamte Stadtbussystem“ gemeint sei, insbesondere für die Planung und den Betrieb. „Die Stadt St. Pölten kann ihre Wünsche und Anliegen an die NÖVOG richten. Je besser diese mit Argumenten unterlegt und im finanziellen Rahmen sind, desto größer wird die Wahrscheinlichkeit sein, dass die NÖVOG diese Wünsche umsetzt“, so Stadler. Er vertraue auf die „bewährte Zusammenarbeit“. Weiter in Händen der Stadt bleibt allerdings die Finanzierung. In Richtung der CoFinanziers Land NÖ und Bund sagt der Bürgermeister: „Sollte das Land nicht zahlen, kann sich auch die Bundesförderung reduzieren, was Auswirkungen auf mögliche Leistungen hätte.“ Welche er meint (z.B. weniger Buslinien, längere Taktung), blieb unbeantwortet. St. Pölten bemängelte zuletzt jedenfalls, dass jährlichen LUP-Kosten von 15 Millionen Euro ab 2027 lediglich aktuell 1,6 Millionen Euro vom Land NÖ (2026) gegenüberstehen. Der Bund zieht üblicherweise in selber Höhe mit. Verkehrslandesrat Landbauer räumt ein: „Zusätz26
lich kann St. Pölten Mittel aus dem NÖ Nahverkehrsfinanzierungsprogramm in Anspruch nehmen!“ Dieses enthält mit fünf Millionen Euro genau jene Summe, die der Stadt im Hinblick auf die erwähnten 15 Millionen Euro Gesamtkos ten als jeweiligem LUP-Drittelbeitrag von Stadt, Land und Bund vorschwebt. Jedoch: Das Programm finanziert den Verkehr im gesamten Bundesland. „St. Pölten profitiert dabei von einer 15 Prozent höheren Landesförderung als bisher“, so der FPÖ-Politiker. Die Stadt wiederum argumentiert zusätzlich, dass, wenn das Land bei der Finanzierung nicht mitmacht, sich
BGM Stadler (SPÖ) lässt in Koalition S34-Alternativen prüfen.
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Kein ganz so „heißes“, aber ebenso „evergreen-verdächtiges“ Thema ist die Forderung nach Tempo 100 auf der A1 im Süden der Stadt. Die Befürworter argumentieren mit Verkehrssicherheit, CO2- und Lärmminderung. „Maximalrechnungen zufolge beträgt der Zeitverlust auf dieser fünf Kilometer langen Strecke gerade mal 42 Sekunden“, bekräftigt Stadtchef Matthias Stadler den geringen „Preis“ einer Temporeduktion. Doch nicht einmal unter der „Tempo 100“-Befürworterin Leonore Gewessler (Grüne) als Verkehrsministerin wurde die Maßnahme in St. Pölten Süd umgesetzt. Im jetzt rot geführten Verkehrsministerium sieht man den Lärmschutz bereits gut ausgebaut: „Nördlich der A1 West Autobahn hat die ÖBB im Zuge der Güterzugumfahrung St. Pölten umfangreiche Lärmschutzmaßnahmen gesetzt, welche auch den Verkehrslärm von der A1 zusätzlich abschirmen.“ Im Bereich Stattersdorf käme es noch zu vereinzelten Grenzwertüberschreitungen, laut ASFINAG sei für ergänzende Lärmschutzwände keine Wirtschaftlichkeit gegeben. „Der Abschnitt Harland wurde bereits mit dem Ausbau des Knotens St. Pölten bis zur Traisenbrücke lärmtechnisch saniert, indem die Lärmschutzwände erweitert wurden. Im Abschnitt Spratzern Nord gibt es praktisch keine Wohnbebauung“, heißt es weiter. Anders sehe es in Spratzern Süd aus. Hier kündigt das Verkehrsministerium eine Erhöhung der Lärmschutzwände an. „Die zukünftige Gesamthöhe der Lärmschutzwände soll bis zu 7,5 m betragen, wobei der Bereich mit Höhen über 5,5 m (Sonderkonstruktion) unter 1.000 m liegt.“ Für eine Temporeduktion sei der Abschnitt daher zu kurz. Umgesetzt wird der verbesserte Lärmschutz laut ASFINAG im Jahr 2030. Eine Unfallhäufung in diesem Straßenabschnitt hat das Verkehrsministerium bislang immer verneint.
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Die Bauarbeiten an der Traisentalstrecke gehen ins Finale, Streckenausbau St. Pölten – Krems wird vorbereitet.
TRAISENTALBAHN UND KREMS – ST. PÖLTEN AUF SCHIENE
Während um manche Verkehrsprojekte, vor allem im Straßenbau, noch in der Vorbereitungsphase politisch und zivilgesellschaftlich erbittert gestritten wird, gehen andere bereits in ihre Schluss phase. So etwa gerade beim Ausbau der Traisentalbahnstrecke, welcher neben Elektrifizierung auch neue P+R- sowie
B+R-Anlagen, modernere, sicherere Bahnhöfe sowie bessere Taktungen bringen soll. „Im Bauabschnitt TraisenHainfeld wurden Oberleitungen, Eisenbahnbrücken, Technikgebäude und ein neuer Kreuzungsbahnhof in Bernreit errichtet. Die zweite Projektphase beinhaltete den Bauabschnitt Traisen-Freiland mit Elektrifizierung, Modernisierung der Verkehrsstationen und Sicherung der Eisenbahnkreuzungen“, resümiert Verkehrslandesrat Landbauer über die beiden bereits abgeschlossenen Bauabschnitte. Die dritte Phase umfasst aktuell den Bauabschnitt Traisen-St. Pölten. Es werden barrierefreie Randbahnsteige, Oberleitungen und Technikgebäude errichtet. Der Bahnhof Spratzern wird neuer Kreuzungsbahnhof. Auch hier werden Bahnhöfe modernisiert. Exklusive der P+R-Kosten hat das Land NÖ 18,38 Millionen Euro investiert. Ende 2027 wird das Projekt fertiggestellt. In weiterer Folge wird auch der Regionalbusverkehr an das neue Bahnangebot angepasst.
In trockenen Tüchern scheint auch der Ausbau der Zugverbindung St. Pölten-Krems. Die Strecke zwischen St. Pölten und Herzogenburg soll zweigleisig ausgebaut und elektrifiziert werden. Unterradlberg bekommt einen barrierefreien Inselbahnsteig und einen barrierefreien Bahnsteigzugang mit Personentunnel sowie eine Bike&Ride-Anlage. Ähnliches ist für Viehofen und Traisenpark geplant. In Oberradlberg wird eine Fuß- und Radwegunterführung errichtet. „Zunächst erfolgen ab voraussichtlich 2028 die Maßnahmen zur Auflassung der Eisenbahnkreuzungen und die Errichtung der Unterführungen sowie der Bau des Hochwasserschutzes, welcher einen Mehrwert für die gesamte Region darstellt“, beschreibt man im Verkehrsministerium den Zeitplan. Die Bahnunterführungen sollen bis Mitte 2029 fertiggestellt sein, der zweigleisige Ausbau erfolgt ab 2031 und dauert bis 2036. Die Elektrifizierung der Teilstrecke St. Pölten – Herzogenburg erfolgt 2040.
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TEXT SASCHA HAROLD
BAUM FÄLLT Die geplante Fällung von 26 Linden in der Heidenheimer Straße im Zuge einer Sanierung lässt nach wie vor die Wogen hochgehen. Wie kam es dazu?
S
eit 90 Jahren befindet sich in der Heidenheimer Straße zwischen Mariazeller und Viktor Adler Straße eine Lindenallee. In einem Gemeinderatsbeschluss vom 11. Mai wurde entschieden, den Straßenabschnitt zu sanieren. Gründe sind einerseits die Erneuerung des in die Jahre gekommenen Straßenbelags, andererseits der Tausch der Wasserleitungen und die Verlegung von Leitungen für Fernwärme, die mehrere Wohnbauten betrifft. Für Aufregung sorgte das deshalb, weil im 28
Zuge der Straßensanierung auch die alten Linden gefällt werden sollen. Aus dem Rathaus heißt es, dass die Sanierung gerade wegen des Baumbestandes mehrfach aufgeschoben wurde, die Versorgungssicherheit in Zusammenhang mit dem Zustand der Leitungen aber keinen weiteren Aufschub zulasse. Der Zustand der Bäume war im Baumkataster der Stadt großteils als „schwer beeinträchtigt“ angegeben, die verbleibende Lebenserwartung nur auf rund zehn Jahre geschätzt – so die Lage im Mai.
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Die parteilose Gemeinderätin Susanne Binder-Novak (früher ÖVP) sah das anders und forderte zunächst ein unabhängiges Sachverständigengutachten von der Stadtregierung, was SPÖ und Grüne ablehnten. Sie beauftragte daraufhin gemeinsam mit der Bürgerinitiative Pro St. Pölten den Sachverständigen Rainer Prosenz, um den Zustand der Bäume zu eruieren. „Der von uns beauftragte Gutachter kommt zu einem anderen Ergebnis als die Stadt, die Bäume haben nicht einmal die Hälfte ihrer Lebenserwartung erreicht“, so Binder-Novak. Der Gesamtzustand der meisten Bäume müsse als „gut“ bezeichnet werden, heißt es im Gutachten weiter. Woher kommt diese unterschiedliche Auffassung? Bürgermeister-Stv. Walter Heimerl-Lesnik von den Grünen hält mit Blick auf das Gutachten fest: „Wir haben zusammen mit dem Koalitionspartner die Umsetzung des Projekts sofort gestoppt und weitere
FOTOS ANJA BENEDETTER, BINDER-NOVAK/ZVG
Seit 90 Jahren zieren Lindenbäume einen Teil der Heidenheimerstraße.
mfg URBAN Prüfungen veranlasst. Diese sind aktuell noch im Laufen. Das Ergebnis soll in den nächsten Wochen vorliegen.“ Rathaussprecher Thomas Kainz fügt hinzu, dass es einen Unterschied zwischen Straßen- und Parkbäumen gebe und es aus Sicht von Sachverständigen kaum möglich sei, die Bäume im bestehenden Bauumfeld zu erhalten. Welche Sachverständigen das sind, bleibt offen. Fest stehe jedenfalls, heißt es von der Stadt weiter, dass der laut ÖNORM vorgesehene Schutzbereich der Bäume mit dem vorliegenden Bauprojekt nicht umsetzbar sei. Im Gutachten von Prosenz heißt es lediglich allgemein: „Viele Straßensanierungen werden bei Erhalt der Bäume durchgeführt, das ist also grundsätzlich üblich und somit auch möglich.“ Die Details der geplanten Arbeiten wurden im Gutachten allerdings nicht berücksichtigt. Binder-Novak vermutet jedenfalls einen anderen Grund für die Fällung: „Uns wurde in der Gemeinderatssitzung im Mai der Plan für ein Betriebsfeuerwehrgebäude vorgelegt, das auf einem Grundstück direkt an der Heidenheimer Straße entstehen soll. Vermutlich wird dieses Bauvorhaben durch die Bäume gestört.“ BETRIEBSFEUERWEHR FÜR VOITH?
Das Grundstück, um das es geht, ist laut Grundbuch im Eigentum der Voith, die unweit davon einen Standort hat. Aktuell befindet sich dort ein Spielplatz. Das Unternehmen reagierte auf Nachfragen nicht und auch aus dem Rathaus kommen nur allgemeine Informationen: „Die Entwicklung des Areals inklusive der Verlegung Zufahrt zum Voith-Gelände wird im Rahmen der gesamtkonzeptionellen Planungen berücksichtigt.“ Zum geplanten Projekt könne sonst noch nichts Genaues gesagt werden, weil es noch keine Einreichung gebe. Man sei aber zuversichtlich, heißt es vonseiten der Stadt, dass der Spielplatz erhalten bleibe. Zurück zur Sanierung der Heidenheimer Straße: Aktuell abgeschlossen sind bereits die Verlegung der Wasserleitung sowie die Anschlüsse der Häuser an die Fernwärme, offen ist jedoch noch die Sanierung der Straße. Sollte die Fällung
30 bis 60 Jahre für diese Entwicklung.“ Bäume treten erst dann in ihre Alterungsphase ein, die den ökosozialen Wert deutlich steigere. MASSNAHMEN GEGEN DIE HITZE
Die „wilde“ Abgeordnete Susanne Binder-Novak hat die Aufmerksamkeit auf die Lindenallee gelenkt.
der Allee notwendig werden, sind bereits Ersatzmaßnahmen geplant. HeimerlLesnik: „Bei der Sanierung der Heidenheimer Straße werden in jedem Fall eine Reihe positiver Maßnahmen gesetzt. In einer Querstraße der Heidenheimer Straße werden erstmals beidseitig Bäume gesetzt werden. Zusammen sollen die beiden Straßenabschnitte in Zukunft 10 Bäume mehr als bisher aufweisen. Die neuen Bäume bekommen wesentlich größere Pflanzgruben als bisher in St. Pölten üblich.“ Klar ist aber auch, dass solche Ersatzpflanzungen den Wegfall der Allee erst in Jahrzehnten kompensieren können. So hält auch das Gutachten von Prosenz fest: „In der Jungbaum- und Reifephase entwickelt der junge Baum primär seine Baumhöhe. Dabei ist das Kronenvolumen relativ klein, die Borke meist glatt, Spechtlöcher, Totholz und Nisthöhlen noch nicht vorhanden. Daher ist seine ökosoziale Dienstleistung gering. Typische Stadtbäume brauchen
Der vergangene Hitzesommer rückt die wichtige Rolle von Grünflächen und Bäumen – unabhängig von der Lindenallee – noch stärker in den Fokus. Wie plant die Stadt auf die immer heißer werdenden Sommer zu reagieren? Neben Begrünungsmaßnahmen, unter anderem im Regierungsviertel und der Innenstadt sollen auch sogenannte „klimafitte Gärten“ mit Beratung gefördert werden. Auch am politischen Bekenntnis zur Klimaneutralität 2040, an dem unter anderem die Industrie auf Bundesebene zuletzt gerüttelt hat, hält die Stadt weiterhin fest. Heimerl-Lesnik ergänzt: „Für die kommenden Jahre haben wir uns mit dem Koalitionspartner ein ambitioniertes Programm zur Begrünung der Stadt vorgenommen. Dazu gehört auch der Beschluss der ersten Baumschutzverordnung für St. Pölten. Sie wird vor allem wirksame Schutzmaßnahmen zum Erhalt des städtischen Baumbestandes festlegen, aber auch klare Pflichten und Ausgleichsmaßnahmen für die Fälle, in denen ein Schutz nicht möglich ist.“ Ob diese Baumverordnung im aktuellen Fall der Heidenheimer Straße einen Unterschied gemacht hätte, ist unklar. Eine Verordnung würde aber jedenfalls klare Regeln festlegen. Im Rathaus geht man jedenfalls weiter davon aus, dass das Sanierungsprojekt mit Ende des Jahres abgeschlossen sein wird – was aktuell wohl auch das Ende der Lindenallee in ihrer heutigen Form bedeutet.
Stadtgärtnerei Die Stadt betreut rund 488 Hektar öffentliche Grünflächen, das entspricht in etwa der halben Fläche des Flughafens Wien-Schwechat. Dazu gehören 55 Parks, sechs Naherholungsgebiete sowie das gesamte Seengebiet. Die Stadtgärtnerei kümmert sich außerdem um 12.438 Straßenbäume und 28.000 sonstige Bestandsbäume. 2025 wurden an 47 Standorten 188 Bäume neu gepflanzt. Generell wurde der Baumbestand in den letzten Jahren kontinuierlich erhöht, heißt es aus dem Rathaus.
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INTERVIEW JOHANNES REICHL
FOTO MATTHIAS KÖSTLER
ZWEITE SPARKASSE
Vorstandsdirektorin Bettina Sax hat heuer bereits um den Weltfrauentag mit dem Event „Frauen stärken“ für Aufsehen gesorgt. Nun eröffnet man die erste Filiale der Zweite Sparkasse in Niederösterreich.
Ein Leben ohne eigenes Konto? Näher durchgedacht scheint dieser Gedanke fast unvorstellbar. Dennoch ist er für manche brutale Realität, meist gesellschaftliche Ausgrenzung inklusive. Hier setzt die Zweite Sparkasse an und möchte Betroffenen beim finanziellen Comeback helfen. Im Oktober wird in St. Pölten die erste Filiale in Niederösterreich eröffnet – wir sprachen darüber mit Sparkasse Niederösterreich Mitte West Vorstandsdirektorin Bettina Sax. Die Zweite Sparkasse hat, wie es auf der Homepage heißt, „keine Ertragsziele, sie arbeitet nicht gewinnorientiert“. Für Otto Normalverbraucher klingt das eher wie die Antithese zu einem Geldinstitut? Auf den ersten Blick vielleicht. Für mich ist die Zweite Sparkasse aber keine Anti these zu einer Bank, sondern die konse quente Fortsetzung des Sparkassengedan kens. Eine Sparkasse trägt Verantwortung für die Menschen in ihrer Region. Das gilt nicht nur in wirtschaftlich guten Zeiten, sondern besonders dann, wenn das Leben aus der Bahn gerät. Die Zweite Sparkasse misst ihren Er folg deshalb nicht am Gewinn, sondern an ihrer gesellschaftlichen Wirkung. Sie unterstützt Menschen dabei, wieder
Ordnung und Stabilität in ihr finanzi elles Leben zu bringen. Dabei geht es nicht um Almosen, sondern um Hilfe zur Selbsthilfe und um die Chance, wie der eigenständig am wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Leben teilzuneh men. Für mich ist das gelebte finanzielle Inklusion. Die Zweite Sparkasse gibt es bereits in anderen Bundesländern seit einigen Jahren. Was gab den Anstoß, dass sich jetzt auch die Sparkasse Niederösterreich Mitte West engagiert? Als regional verwurzelte Sparkasse sehen wir, was die Menschen in unserer Region beschäftigt. Wir erleben, dass finanzielle Schwierigkeiten längst kein Randthema mehr sind. Ein Jobverlust, eine Tren
Ein Bankkonto ist eine grundlegende Voraussetzung für gesellschaftliche Teilhabe. B ET TIN A S AX
30
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nung, eine Krankheit oder ein anderer Schicksalsschlag können ein zuvor sta biles Leben auch finanziell sehr rasch ins Wanken bringen. Und das zieht sich durch alle Gesellschaftsschichten. Des halb war für uns klar, wir schauen nicht weg, sondern wollen gesellschaftliche Verantwortung übernehmen. Die Sparkasse engagiert sich seit jeher sozial in St. Pölten. In letzter Zeit scheinen die Bemühungen aber noch griffiger zu sein, wenn man etwa auch an den Fokus auf Finanzbildung für Frauen denkt. Es freut mich, dass unser Engagement auch wahrgenommen wird, denn sozi ales Engagement war für uns immer ein wesentlicher Teil unseres Selbstverständ nisses. Heute versuchen wir aber noch stärker dort anzusetzen, wo wir als Bank eine besondere Kompetenz haben und eine nachhaltige Wirkung erzielen kön nen. Finanzielle Gesundheit ist eine wichtige Voraussetzung für ein selbst bestimmtes Leben. Frauen sind bei spielsweise häufiger von Teilzeitarbeit, Betreuungspflichten und daraus resultie renden Pensionslücken betroffen. Des halb beschäftigen wir uns intensiv mit Finanzbildung, Vorsorge und finanzieller Unabhängigkeit. Wenn wir hier frühzei tig Wissen vermitteln und Bewusstsein schaffen, können wir helfen, spätere fi nanzielle Probleme zu vermeiden. Die Zweite Sparkasse ergänzt diesen präventiven Ansatz um konkrete Un terstützung für Menschen, die bereits in Schwierigkeiten geraten sind. Beides ge hört für mich zusammen.
mfg URBAN
Wie kann man sich das eigentlich vorstellen, wenn man kein Bankkonto besitzt? Was heißt das für Betroffene? Ein Bankkonto ist heute weit mehr als ein technisches Produkt. Es ist eine grundlegende Voraussetzung für gesell schaftliche Teilhabe. Ohne Konto wird es schwierig, ein Gehalt oder Sozialleis tungen zu erhalten, Miete und Strom zu bezahlen, einen Mobilfunkvertrag abzu schließen oder am digitalen Zahlungs verkehr teilzunehmen. Das bedeutet für die Betroffenen nicht nur organisatorische Probleme. Es führt häufig auch zu Scham, Unsicher heit und weiterer Ausgrenzung. Finan zielle Schwierigkeiten werden dadurch schnell zu sozialen Schwierigkeiten. Seit der Einführung des Basiskontos hat sich die Arbeit der Zweite Sparkasse weiterentwickelt. Heute geht es daher nicht nur darum, ein Konto bereitzustel
Der größte Erfolg der Zweite Sparkasse besteht daher darin, Kundinnen und Kunden wieder zu verlieren. BET TINA SAX
len. Es geht um persönliche Begleitung, ein betreutes Konto, Finanzbildung und darum, existenzsichernde Zahlungen wie Miete oder Energie zuverlässig zu organisieren. So kann beispielsweise auch einem Wohnungsverlust entgegen gewirkt werden. Wie findet die Zweite Sparkasse ihre Kundschaft, wie entsteht der Erstkontakt? Die Kundinnen und Kunden werden uns von sozialen Partnerorganisationen vermittelt. Dazu zählen die Caritas, die Schuldnerberatung, der Verein Wohnen, Emmaus oder beispielsweise das Frau
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enhaus. Diese Einrichtungen betreuen die Betroffenen bereits, kennen ihre Le benssituation und können einschätzen, ob das Angebot der Zweite Sparkasse die passende Unterstützung darstellt. Die Bestätigung einer Partnerorgani sation ist die formale Eintrittskarte. Das ist wichtig, weil Bank und soziale Ein richtungen unterschiedliche Aufgaben übernehmen. Unsere ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter küm mern sich um Bankthemen und zum Teil auch finanzielle Bildung. Die soziale beziehungsweise psychosoziale Beglei tung bleibt bei der jeweiligen Partneror ganisation. 31
Der Bedarf wächst leider österreichweit. Das ist einerseits ein Auftrag für uns, andererseits gesellschaftlich natürlich kein erfreuliches Signal.
nisation ihrer alltäglichen Finanzen. Bei einem betreuten Konto wird besonderes Augenmerk daraufgelegt, dass existen zielle Zahlungen zuverlässig erfolgen. Überschuldung selbst wird gemeinsam mit der Schuldnerberatung bearbeitet.
Was ist das Meta-Ziel der Zweite Sparkasse? Hilfe im Akutfall oder die Kunden wieder fit für den regulären Finanzmarkt zu machen? Beides! Die Hilfe im Akutfall ist nur der Anfang. Das langfristige Ziel ist die Rückkehr in ein stabiles und selbstbe stimmtes finanzielles Leben. Der größte Erfolg der Zweite Spar kasse besteht darin, Kundinnen und Kunden wieder zu verlieren. Nämlich dann, wenn sie ihre Finanzen selbststän dig bewältigen und wieder zu einer regu lären Bank wechseln können. Das ist ein sehr positives Verständnis von Erfolg. Die bisherigen Erfahrungen zeigen, dass neun von zehn Kundinnen und Kunden, die nach ihrer Stabilisierung in die reguläre Sparkassengruppe wech seln, ihre finanzielle Situation langfris tig halten oder sogar weiter verbessern können. Dahinter steht nicht irgendein Geheimrezept. Entscheidend sind Zeit, verständliche Information, persönliche Begleitung und das Vertrauen, dass ein Mensch seinen Weg wieder selbstständig gehen kann.
Wird es für die Zweite Sparkasse in St. Pölten eine eigene physische Filiale geben oder ist die Beratung in die bestehenden Strukturen integriert? Ja, es wird einen eigenen physischen Standort geben. Die erste Filiale der Zweite Sparkasse in Niederösterreich er öffnet im Oktober 2026 im Forum am Schillerplatz in St. Pölten. Damit schaf fen wir einen klar erkennbaren und zu gleich gut erreichbaren Ort für die per sönliche Beratung. Die Filiale ist Teil des österreichwei ten Netzwerks der Zweite Sparkasse, wird aber von ehrenamtlich tätigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Sparkasse Niederösterreich Mitte West betreut. Die konkreten Beratungster mine werden mit den vermittelnden Partnerorganisationen koordiniert.
Los geht es im Oktober. Wie hoch schätzen Sie den Bedarf ein? Aktuell werden einige hundert Kun dinnen und Kunden aus Niederöster reich am Wiener Standort der Zweite Sparkasse betreut, weil es eben hier noch keinen Standort gab. Im ersten Schwung, werden wir einen Teil dieser Personen übernehmen, ich gehe aktuell von 150 bis 250 aus zum Starten. Das Angebot richtet sich an Men schen aus Niederösterreich, die von einer Partnerorganisation vermittelt werden. Unser Anspruch ist es jedenfalls nicht, möglichst schnell möglichst hohe Zahlen zu erreichen. Gleichzeitig sehen wir schon heute, dass der Bedarf vorhan den ist und österreichweit leider wächst. Das ist einerseits ein Auftrag für uns, an dererseits gesellschaftlich natürlich kein erfreuliches Signal.
Die Filiale der „Zweite Sparkasse“ wird im ehemaligen FORUM in der Dr. Karl Renner Promenade situiert.
Entscheidend ist für uns, den Men schen beim Erstkontakt ohne Vorur teile und auf Augenhöhe zu begegnen. Niemand soll sich für seine Situation rechtfertigen müssen. Wie kann man sich in der Praxis die konkrete finanzielle Betreuung vorstellen? Viele Betroffene werden ja hoch verschuldet sein? Zu Beginn geht es darum, gemeinsam einen realistischen Überblick zu schaf fen. Welche Einnahmen gibt es? Welche Zahlungen sind für die Existenzsiche rung besonders wichtig? Wo entstehen zusätzliche Kosten? Dies auch gemein sam mit der Schuldnerberatung. Nicht jeder Mensch, der zur Zweite Sparkasse kommt, ist völlig mittellos. Aber viele haben den Überblick verloren oder stehen aufgrund ihrer Lebenssitua tion unter enormem Druck. Genau hier hilft eine ruhige, verständliche und wert schätzende Begleitung. Die Kundinnen und Kunden erhal ten je nach Bedarf ein Girokonto, Zu gang zu digitalen Bankdienstleistungen wie George sowie Beratung zur Orga 32
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HAUPTSTADTREGION ST. PÖLTEN
FAMILIENAUSFLUG VOR DER HAUSTÜR
Manchmal liegt der nächste Familienausflug näher, als man denkt. In St. Pölten und rundherum gibt es für junge Besucher:innen viel zu entdecken, oft nur ein paar Minuten von daheim entfernt. Wer in St. Pölten und Umgebung wohnt, hat die Hauptstadtregion praktisch vor der Haustür. Sie reicht von der Landeshauptstadt ins Pielachtal, ins Weinland Traisental und zu weiteren Kulturschauplätzen im Mostviertel. Konzerte und Festivals für junges Publikum, Museen zum Mitmachen sowie Klos ter- und Bahnerlebnisse machen Kultur auch für Kinder spannend. Und weil vieles nah beieinander liegt, wird aus einem freien Nachmittag schnell ein Ausflug. Kultur gleich ums Eck St. Pölten selbst ist dafür ein guter Anfang. Mit der Museumscard St. Pölten lassen sich gleich fünf Museen besuchen, vom KinderKunstLabor bis zum Museum Niederösterreich. Wer dazwischen noch ein bisserl Bewegung braucht, folgt dem BAKABU-Kinder-Erlebnisweg spielerisch durch die Gassen. So schaut selbst ein bekannter Weg durch die Stadt plötzlich ein wenig anders aus. Mit der Mariazellerbahn ins Pielachtal Für den nächsten Ausflug genügt dann der Weg zum Hauptbahnhof. Von dort fährt die Mariazellerbahn direkt ins Pielachtal. In Kirchberg an der Pielach erzählt das Modellbahnmuseum „Bahn im Bahnhof“
Rathausplatz St. Pölten, (c) Mostviertel Tourismus, Rupert Pessl
die Geschichte der Bahn im Klein format. Ende September steht außerdem das Dirndltaler Festwochenende am Programm. Drei Tage lang dreht sich alles um Kultur, Kulinarik und die Dirndlfrucht. Modellbahnmuseum, (c) weinfranz.at
Erlebniszug Ötscherbär, (c) NÖVOG, weinfranz
Unterwegs mit dem Ötscherbär Und manchmal ist schon der Weg das eigentliche Programm. Der Erlebniszug Ötscherbär fährt an Samstagen, Sonn- und Feiertagen auf der Mariazellerbahn-Strecke von St. Pölten nach Mariazell und wieder retour. Ein Aussichtswaggon, Spielewaggon und Buffetwagen sorgen dafür, dass unterwegs erstaunlich wenig Zeit für die Frage bleibt: „Wann sind wir endlich da?“
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TEXT BEATE STEINER
WANDEL BEI DEN WIRTEN
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in Klick auf willhaben.at erstaunte neugierige St. Pöltner: Das Café im Palais Wellenstein wird auf der Plattform zur Übernahme angeboten. Betreiber Tezcan Soylu gibt Entwarnung, er zieht sich nicht zurück. Er möchte nur rechtzeitig damit beginnen, einen Nachfolger zu suchen, der das erfolgreiche Konzept des Lokals weiterführt. „Das kann schon bald oder erst in einigen Jahren sein.“ Ähnlich ist die Antwort von Osteria-Wirt Erich Stierschneider auf das Gerücht, dass er in Pension gehen will: Er habe zwar das gesetzliche Pensionsalter erreicht, aber es werde noch etwas dauern, bis er den Kochlöffel übergibt. „Sollte sich jemand für das Lokal inter essieren, kann es schon sein, dass im nächsten Jahr Veränderungen passieren.“ Bis dahin kocht Stierschneider noch
seine feinen italienischen und lokalen Schmankerl in der Herrengasse. Apropos Gerücht. Eines ist an jedem Wirtshaustisch aufgeploppt: Otto Raimitz – Schau.Spiel und Klang.Spiel in St. Pölten – soll in einen Registrierkassenskandal verwickelt und hoch verschuldet sein. Außerdem soll er sich aus dem Klang.Spiel zurückziehen „Das ist natürlich beides nicht wahr, die Behauptungen kommen von Neidern. Ich
Immer mehr Lokale schließen, wir haben kein einziges richtiges Nachtlokal mehr in der Stadt. TEZCAN SOY LU
habe einen Persilschein vom Finanzamt, sonst könnte ich kein neues Lokal aufmachen.“ Und das tut der MultiGastronom. Er eröffnet demnächst das „Limore Italiano“ in Krems. Und sein Klang.Spiel-Pachtvertrag mit Egger läuft bestätigterweise zumindest bis Juli 2027. AUS FÜR DAS BARROCK
Nicht mehr ausgeschenkt wird allerdings im BarRock: Betreiber Stefan Weiss konnte sich mit dem Hauseigentümer, der KPÖ, nicht auf einen neuen Vertrag einigen und sperrt den beliebten Treffpunkt für Nachtschwärmer und Musikfreunde nach 20 erfolgreichen Jahren zu. Dass ausgerechnet die KPÖ den Mietvertrag so erhöhte, dass BarRock-Wirt Weiss nicht unterschrieb, rief Kritik von den NEOS hervor, was die KPÖ zur Stellungnahme auf ihrer Website veranlasste: „Die KPÖ musste jedes Jahr mehrere Tausend Euro aufwenden, weil das Haus ein Minus gemacht hat. Auf Dauer hätte das bedeutet, ein privatwirtschaftlich betriebenes Lokal aus Parteimitteln zu subventionieren. Diese Situation war für uns nicht länger tragbar und hätte uns früher oder später dazu gezwungen, das Haus zu verkaufen.“ Bei den Gästen sorgt das Aus des beliebten Nachtlokals jedenfalls für Entsetzen, und Wirt Tezcan Soylu beobachtet den Wandel der Branche als Gastronomie-Sterben: „Immer mehr Lokale schließen, wir haben kein einziges richtiges Nachtlokal mehr in der Stadt, und die Wirtshauskultur, die die Szene belebt hat, gibt es auch nicht mehr.“ Früher haben sich die Leute im Lokal getroffen, haben dort Live-Musik oder Lesungen genossen, geplaudert und Spaß gehabt. „Jetzt gehen die jungen Leute weniger fort und kommunizieren nur mehr mit dem Handy. Die schlechte Infrastruktur, also fehlende Parkplätze, trägt auch zu den Problemen in der Gastronomie bei.“ KREATIVE KOCH-KÖPFE
Rafael Pils, Werner Punz und Mike Nährer schwingen als Kollektiv „Traisentaler.Radikale“ die Kochlöffel.
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Diese Probleme sind nicht die von TRARA. TRARA, das sind Mike Nährer
FOTOS PRIVAT, KLAUS ENGELMAYER, ADOBE STOCK
Die einen planen ihren Ruhestand, andere verlieren ihr Lokal, wieder andere gehen mit originellen Kooperationen in die Zukunft. Und dann gibt’s da noch Gerüchte über Gerüchte: In der St. Pöltner Gastro-Branche gärt es.
mfg URBAN
Tina Reichl
DEADLINE
Der romantische BarRock-Garten ist jetzt leer. Stefan Weiss hat die BarRock verlassen, betreut gastronomisch weiterhin den Freiraum und macht Musik mit Tochter Lara.
(Gasthaus Nährer in Rassing), Rafael Pils (Gasthof Pils in Eschenau) und Werner Punz (Vinzenz Pauli in St. Pölten). Die drei ausgezeichneten Gastronomen mischen als Traisentaler.Radikale die heimische Gastro-Szene auf. Die drei waren viel unterwegs, sind Mitglieder bei zahlreichen Gastro-Vereinen. „Da wird überall geredet und geredet und wenig getan. Wir wollten etwas tun, unsere Ideen umsetzen. Und das macht Spaß“, sagt Werner Punz. Gemeinsam ist den drei kreativen Köchen viel Liebe zu den regionalen und saisonalen Produkten, die sie verarbeiten, außerdem „Transparenz und Ehrlichkeit“, so Werner Punz. Und er macht Gusto auf die „radikalen Rezepte“ von TRARA: „Passieren wird auf jeden Fall einiges in
St. Pölten und im Traisental. Zum Beispiel Pop-up-Events wie ein Stadtheuriger im Löwinnenhof beim Linzer-Straßen-Fest. Oder der Abend ‚Drei Köpfe für ein Halleluja‘ beim Genuss-purFestival.“ Denn Gastronomen müssten sich immer neu erfinden, weil sich der Geschmack der Konsumenten ändert. Werner Punz: „Es ist meine Aufgabe, dafür zu sorgen, dass die Leute ins Wirtshaus kommen. Ich kann nicht erwarten, dass andere die Probleme für mich lösen. Kein Verein und auch nicht die Politik sind dafür verantwortlich.“ Die drei gleichgesinnten Gastronomen sind überzeugt, dass St. Pölten viel Potenzial hat, und machen mit ihren Veranstaltungen und Auftritten sympathische Werbung für die Hauptstadtregion und das Traisental. TRARA hatte auch schon Anfragen für zusätzliche Mitglieder und hat abgelehnt. Werner Punz: „Wir unterstützen einander und können gemeinsam mehr stemmen. Aber je mehr Leute mitreden, desto schwieriger wird’s.“
Es ist meine Aufgabe, dafür zu sorgen, dass die Leute ins Wirtshaus kommen. W ERN ER PU N Z
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Nichts motiviert mich so sehr zum Putzen wie ein mfg-Abgabetermin! Bevor ich mit dem Schreiben meiner Kolumne beginne, muss ich mich natürlich ordentlich darauf vorbereiten. Das ist klar. Früher war es das Spitzen sämtlicher Jolly-Farbstifte. Heute muss dafür das Schuhregal herhalten. Das berühmteste Beispiel für erfolgreiche Prokrastination ist die Oper Don Giovanni. Mozart komponierte die Ouvertüre angeblich erst in der Nacht vor der Premiere. So ähnlich hat sich das auch mein Sohn gedacht, als er gestern bis zwölf noch an einer Arbeit schrieb – und ich ihn dabei innerlich verflucht habe. Denn mit dem Aufschieben kommt ja der ganze Stress: Ob der Drucker eh druckt. Ob genug Papier daheim ist. Da schläft man als Mutter auch ganz friedlich, wenn aus dem Wohnzimmer ständig ein Poltern zu hören ist. Und man schreit den Nachwuchs selbstverständlich auch nicht an, weil er für diese Arbeit zwei Monate Zeit hatte. Überhaupt nicht. Aber anscheinend ist dieses Aufschieben vererbbar. Dabei wäre es laut Google eigentlich ganz einfach: Alles, was weniger als zwei Minuten dauert, sofort erledigen. Projekte mit der Salami-Taktik in kleinere Scheiben schneiden. Und natürlich das Handy ausschalten! Alles klar? Das werde ich jetzt gleich meinem Sohn vorschlagen. Und vielleicht entschuldige ich mich auch noch für meinen kleinen Schreianfall. Später dann. Vorher muss ich noch die Kolumne kürzen und endlich abschicken! Aber wird eh erst morgen gedruckt ...
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TEXT FIONA ZELENKA
SOPHIE IMHOFS
WUNDERWERK LEBEN Den ersten Kaffee des Tages trinkt Sophie Imhof noch im Bett. Doch viel Zeit, die Aussicht auf das Empire State Building zu genießen, bleibt der 29-Jährigen St. Pöltnerin nicht: danach steht erstmal Bewegung auf dem Programm.
VOM ZELTFEST INS FORSCHUNGSLABOR
„Ich bin genauso aufgewachsen, wie man sich das Leben am Land wahrscheinlich vorstellt. Wir waren viel draußen unterwegs, ich hatte Freunde mit Bauernhöfen, wir haben dort unsere eigenen Spiele erfunden – fad wurde uns eigentlich nie!“, erzählt Imhof. Hier hat sie auch ihre Liebe zu Zeltfesten entdeckt – für die sie sogar immer noch gerne aus Amerika nach Hause fliegt. „Ich fand’s 36
einfach immer schon cool zusammenzukommen, gut zu essen, Spaß zu haben und sich zu unterhalten. Für manche vielleicht etwas recht ‚Einfaches‘, aber ich find, da steckt viel mehr dahinter: mit Leuten aus der Umgebung Zeit verbringen und einfach den Moment genießen“, bekräftigt Imhof. Dass sie einmal ins Ausland gehen und im Bereich der Neurowissenschaf-
Ich habe eigentlich während meines gesamten Studiums gearbeitet – von Taxifahrerin bis Tankwartin war wirklich alles dabei. SOPHIE IMHOF
ten forschen würde, war jedoch nicht von Anfang an klar. „Ich war tatsächlich richtig schlecht in Biologie und hab dann nach einem schlechten Zeugnis versprochen, für die nächste Prüfung zu lernen. Witzigerweise war das nächste Thema dann Neuro und ich war total überrascht, wie cool und spannend etwas sein kann, das mich davor eigentlich gar nicht interessiert hat“, erklärt Imhof.
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Ab diesem Zeitpunkt war sie EinserSchülerin und die Neurowissenschaften ließen sie nicht mehr los. Nach abgeschlossener Matura an der Mary Ward Privatschule in St. Pölten machte Imhof ihren Bachelor an der IMC University of Applied Sciences in Krems und ging dann ein Jahr für ein Internship nach Schweden. Den Master schloss sie in Amsterdam ab. „Das Schönste daran, viel im Ausland zu sein und herumzukommen ist, dass man unglaublich viele Menschen aus den verschiedensten Ecken kennenlernt. Mittlerweile hab ich FreundInnen und KollegInnen auf der ganzen Welt und mit vielen davon verbinden mich sehr intensive gemeinsame Erfahrungen“, findet Imhof. Ob Nächte im Labor, Kanufahrten durch Nordschweden oder Partys in Amsterdam – gerade durch diese geteilten Erlebnisse seien viele Erinnerungen und Freundschaften entstanden, die aus ihrem Leben kaum noch wegzudenken wären. ZWISCHEN PIZZAÖFEN UND ELITEUNIS
Von Amsterdam führte Imhofs Weg weiter nach Boston ans Harvard Stem Cell Institute. Für den Doktor kehrte sie nach Österreich an die Medizinische Universität in Wien zurück, verbrachte aber auch einige Zeit auf der Stanford University in Kalifornien. Die Ausbildung an diesen
FOTO TESSA VIKTORIA KUTSAM
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b es nur ein kleiner Morgenspaziergang oder ein ordentliches Workout ist – Hauptsache, ihr Körper kommt in Schwung. Anschließend beantwortet sie ihre EMails, nimmt Videos für Social-Media auf und macht sich dann auf den Weg in ihr Büro am Weill Cornell Medicine in New York. Dort forscht Sophie Imhof derzeit zu der Krankheit ALS (Amyotrophe Lateralsklerose) und beschäftigt sich auch mit Alterung und Langlebigkeit. Neben ihrer Arbeit als promovierte Neurowissenschaftlerin ist sie auch in den sozialen Medien sehr aktiv, wo sie mit Faktencheck-Videos über Gesundheitsmythen aufklärt. Ihr Weg, der sie unter anderem an renommierte Universitäten der USA wie Stanford und Harvard geführt hat, begann im kleinen Prinzersdorf bei St. Pölten.
mfg URBAN nig zu schlafen und nebenbei ein ganz normales Leben zu haben, so Imhof. „Ich bin trotzdem sehr froh, dass ich da durchgegangen bin – und würd es wahrscheinlich trotzdem wieder machen.“ FORSCHUNG ZU ALS UND LANGLEBIGKEIT
Prinzersdorf - St. Pölten - New York. Neurowissenschaftlerin Sophie Imhof lebt und forscht heute im Big Apple.
Universitäten zu finanzieren war dabei nicht immer leicht. Stipendien und Arbeit während des Studiums ermöglichten es Imhof, ihre Ausbildung dort fortzusetzen. „Ich hab eigentlich während meines gesamten Studiums gearbeitet – von Taxifahrerin bis Tankwartin war wirklich alles dabei. In Amsterdam hab ich am Campus Pizza gebacken und in einem Lebensmittelgeschäft Böden geputzt.“ Auch von ihrer Familie bekam Imhof immer Rückhalt. „Meine Mama hat immer gescherzt, dass sie froh ist, nur ein Kind bekommen zu haben, weil sie sich ein
zweites nicht leisten hätte können. Ich glaub, meine Familie weiß, wie dankbar ich ihnen dafür bin – denn ohne Unterstützung wärs schlicht nicht möglich gewesen“, bekräftigt Imhof. Doch die Herausforderungen dieser Zeit beschränkten sich nicht nur auf die Finanzierung ihrer Ausbildung. Auch der Leistungsdruck an den Universitäten war enorm. Sie realisiere erst im Nachhinein wie labil sie während dieser ganzen Zeit gewesen sei und was es für ein wahnsinniger, psychischer Druck war in so jungem Alter so viel zu arbeiten, we-
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Seit ihrem Doktoratsabschluss 2024 forscht Imhof nun am Weill Cornell Medicine in New York. Konkret untersucht sie, wie sich eine mitochondriale Dysfunktion auf die Epigenetik bei PatientInnen mit ALS auswirkt und welche neuen therapeutischen Ansätze sich daraus entwickeln lassen. „Oder auf gut Deutsch: Ich schau mir an, was bei ALS falsch rennt, warum es falsch rennt und hoffe dabei, irgendwo die Nadel im Heuhaufen zu finden, an der wir therapeutisch ansetzen können.“ ALS ist eine degenerative Krankheit des Nervensystems. Die Nervenzellen, die für die Muskelbewegungen verantwortlich sind, werden irreversibel geschädigt, was zu Muskelschwäche, Muskelschwund und Lähmungen führt. Einer der bekanntesten Patienten, die unter dieser Krankheit litten, war der 2018 verstorbene Physiker Stephen Hawking. Obwohl derzeit für die Krankheit noch keine Heilung existiert, gab es in den letzten Jahren unglaubliche Meilensteine im Bereich der ALS-Forschung. „Mit Tofersen wurde erstmals eine gezielte Gentherapie für eine bestimmte genetische Form der ALS zugelassen und weitere Ansätze befinden sich in klinischer Entwicklung. Gerade weil ALS zu den am schwierigsten behandelbaren Erkrankungen überhaupt gehört, ist es ein riesiger Fortschritt, überhaupt gezielt an einer Krankheitsursache therapeutisch ansetzen zu können“, so Imhof. Man stehe zwar noch ziemlich am Anfang der Forschung, doch gerade bei den Gentherapien mache man Fortschritte. „Das macht mir große Hoffnung auf alles, was noch kommt – weil kommen wird noch einiges.“ Neben ALS beschäftigt sich die 29-Jährige in ihrer Forschung auch mit Langlebigkeit und Alterung. Auch in diesem Bereich ist einiges los in der Wissenschaft – mittlerweile werden sogar 37
HEALTHFLUENZA Der Live-Podcast mit Dr. Sophie Imhof 18.02.2027 St. Pölten, VAZ St. Pölten 19.02.2027 Salzburg, Mozarteum 22.02.2027 Waidhofen an der Ybbs, Plenkersaal 23.02.2027 Leonding / Linz, Kürnberghalle 25.02.2027 Wels, Stadthalle 26.02.2027 Gmunden, Toscana Congress 27.02.2027 Villach, Congress Center 28.02.2027 Wien, Audimax der Universität Wien 01.03.2027 Klagenfurt, Konzerthaus 02.03.2027 Graz, Stefaniensaal
gespannt sein, was sich in den nächsten Jahren auf diesem Gebiet noch tun wird, denn rein vom biologischen Verständnis habe man bereits enorme Fortschritte gemacht. Prozesse die vor ein paar Jahren noch wie eine komplette Blackbox gewirkt hätten, seien heute bereits gut nachvollziehbar. FAKTENCHECKS UND „WUNDERWERK LEBEN“
Doch Sophie Imhof forscht nicht nur im Labor, auch in den sozialen Medien beispielsweise auf Instagram beschäftigt sie sich mit Gesundheit, genauer gesagt den Gesundheitsmythen, die sogenannte HealthfluencerInnen verbreiten. „Die Gesundheitsmythen reichen dabei von vermeintlichen Wundermitteln und Cremes bis hin zu hoch vermarkteten Vitamin- und Supplementpräparaten. Es gibt einfach eine riesige Diskrepanz zwischen dem, was wissenschaftlich evident ist, und dem, was auf Social Media teilweise behauptet und beworben wird. Da werden die absurdesten Dinge versprochen, die oft biologisch überhaupt keinen Sinn ergeben“, erklärt sie. Imhof macht Reactions zu Videos von HealthfluencerInnen, die eigene Produkte bewerben – und erklärt, warum viele Versprechungen nicht stimmen und was biologisch wirklich dahintersteckt. „Mir geht’s weniger darum, einzelne Menschen oder Aussagen bloßzustellen, sondern darum, dass wir alle anfangen, unseren eigenen Organismus besser zu verstehen. Ich gebe in meinen Videos auch keine Empfehlungen, sondern versuche einfach zu zeigen, was die Wissenschaft ist und die vorhandenen Daten dazu sagen. Und die sprechen halt leider sehr oft gegen genau die Präparate oder Versprechen, die da beworben werden.“ Problematisch seien solche Gesundheitsmythen vor allem für Menschen mit
chronischen Erkrankungen oder langen Leidenswegen, die vielleicht schon vieles probiert hätten und wenig Perspektive sehen würden, so Imhof. „Diesen Menschen dann zu vermitteln, die Lösung wäre eigentlich ganz einfach wenn sie nur Produkt XY nehmen würden, ist etwas, das wir sehr kritisch sehen sollten.“ Viele Menschen auf Social Media schenken HealthfluencerInnen Glauben, weil ihnen eine einfache Lösung für schwierige Probleme vorgegaukelt wird. „Problematisch wird es für mich vor allem dort, wo konkrete Gesundheitspräparate beworben und verkauft werden. Gesundheit ist einfach zu individuell und die Reichweite von Social Media zu groß, als dass wir die Konsequenzen solcher pauschaler Empfehlungen wirklich abschätzen können.“ Zusätzlich gibt Sophie Imhof auch ein eigenes Wissenschaftsmagazin mit dem Namen „Wunderwerk Leben“ heraus. „Ich glaub, was Wunderwerk Leben besonders macht ist, dass wir Wissenschaft nicht nur verständlich machen wollen, sondern so erzählen, dass man sie auch wirklich gerne konsumiert“, sagt Imhof. Es gehe dem Unternehmen nicht darum den nächsten Gesundheitstrend zu finden, sondern den Menschen Werkzeuge zu bieten, um selbst besser zwischen Wissenschaft, Halbwissen und kompletter Falschinformation zu unterscheiden. Daher funktioniere das Magazin auch ohne Werbung, Produktempfehlungen oder persönlichen Meinungen, es sei einfach eine ehrliche Aufbereitung von Wissenschaft für interessierte Leser, erklärt Imhof. IMMER IN BEWEGUNG
Fragt man die gebürtige St. Pöltnerin nach ihren persönlichen Tipps für ein gesundes, glückliches Leben so ist ihre Antwort „Balance“. Ausgewogene Er-
Es gibt einfach eine riesige Diskrepanz zwischen dem, was wissenschaftlich evident ist, und dem, was auf Social Media teilweise behauptet und beworben wird. SOPHIE IMHOF
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FOTO JACKY ZOE
erste Ansätze zur zellulären Verjüngung klinisch untersucht. „Trotzdem muss man auch hier realistisch bleiben: Einen ganzen Menschen einfach ‚zu verjüngen‘ ist nochmal eine ganz andere Hausnummer als einzelne Alterungsprozesse im Labor umzukehren. Ob wir technologisch jemals so weit kommen, weiß ich nicht“, meint Imhof. Trotzdem darf man
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Ich bin überzeugt davon, dass das Leben außerhalb der Komfortzone stattfindet – ich beweg mich in erster Linie, weil es mir guttut und ich merke, wie positiv es mein Leben beeinflusst. SOPHIE IMHOF
Vom Labor auf die Bühne: Sophie Imhof bei einem Vortrag.
nährung, mentale Gesundheit und viel Schlaf seien wichtig, doch die bedeutendste Zutat im großen Langlebigkeitselixier sei Bewegung. Das hat Imhof auch für sich selbst entdeckt – sie lief beispielsweise beim Ultramarathon Arizona Canyon Ultra 55 Kilometer durch die Wüste. „Ich bin überzeugt davon, dass das Leben außerhalb der Komfortzone stattfindet – ich beweg mich in erster Linie, weil es mir guttut und ich merke, wie positiv es mein Leben beeinflusst“, erklärt Imhof. „Linie“ ist dabei ein gutes Stichwort. In Wien lief sie etwa
bereits sämtliche U-Bahn-Linien ab, in St. Pölten wiederum knöpfte sie sich das LUP-Netz vor. Oft verbindet sie dabei ihre sportlichen Projekte mit Spendenaktionen. Beim Arizona Canyon Ultra sammelte sie etwa Spenden zur Erforschung von ALS. Obwohl sich ein Großteil von Sophie Imhofs Leben nun in den USA abspielt, bleibt Österreich doch ein wichtiger Teil von ihr. „Die Heimat vermisst man natürlich immer. Ich vermiss meine Familie und mein Umfeld, die österreichische Lockerheit und Mentalität, das gute Essen und generell diese Liebe zum Genuss“, gibt Imhof zu. „Gleichzeitig macht das Leben im Ausland all diese Dinge noch besonderer, weil ich sie eben nicht immer haben kann. Das Aufstrichbrot beim Heurigen ist für jemanden, der immer da ist, vielleicht einfach nur ein Aufstrichbrot – für mich steckt da mittlerweile ganz viel Heimat drin.“ Aus dem kleinen Prinzersdorf nach Schweden, Amsterdam und die USA,
Sophie Imhofs Weg hat sie weit weg von ihrer Heimat geführt. Trotzdem ist ihre Verbindung zu Österreich nie ganz abgerissen. Nun kommt sie auch wieder zurück nach St. Pölten: So startet Imhof bald mit dem Live-Podcast „Healthfluenza“ auf der Bühne durch, wo die Neurowissenschaftlerin vor Publikum über Social Media, Wissenschaft und ihre persönlichen Erfahrungen sprechen will. „Ich hab tatsächlich null Bühnenerfahrung, aber gleichzeitig irgendwie das Gefühl, dass es richtig gut werden kann. Ich freu mich einfach unglaublich auf die Shows und auf die Tour nächstes Jahr!“ meint Imhof. Genau diese Einstellung scheint gut zu ihr zu passen: Dinge ausprobieren, die außerhalb der Komfortzone liegen, neugierig bleiben und sich immer wieder auf Neues einlassen. Ob im Labor in New York, beim Ultramarathon in der Wüste oder auf Social Media und der Bühne – langweilig wird Sophie Imhof wohl auch in Zukunft nicht werden.
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shortcut KULTUR
Thomas Fröhlich
NO EXPECTATIONS
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BLÄTTERWIRBEL
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m Anfang standen Workshops zum St. Pöltner Kulturentwicklungsplan, den die Stadt im Frühling 2006 auf den Weg brachte. St. Pöltner Kulturschaffende, private wie institutionelle, marterten gemeinsam ihr Hirn ab, um herauszufinden, wohin sich die Stadt kulturell entwickeln soll und was ihr an Angebot fehlt: Eine Idee – ein Literaturfestival! Und auch wenn gemeinhin bekannt ist, dass derlei Workshop-Hirnschmalz häufig eher den Weg in verstaubte Beamten-Schubladen denn die Wirklichkeit findet, ließen dies in dem Fall die Protagonisten der ersten Stunde – Renate Kienzl, Hugo Schöffer, Peter Kaiser, Thomas Fröhlich sowie institutionsseits Stadtmuseums-Leiter Thomas Pulle und Theater-Intendantin Isabella Suppanz – nicht zu und setzten noch im Herbst desselben Jahres den ersten „Blätterwirbel" um. Was soll man sagen: Diesen Oktober feiert das Literaturfestival sein 20-jähriges Jubiläum (u.a. mit einem Portrait von Ferdinand Schmalz, s. Bild) und zählt zu Österreichs renommiertesten Literatur-Veranstaltungen. Gut gemacht!
PUBLIKUMSLIEBLING
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rgestein“ ist ein oft inflationär gebrauchter Ausdruck, das elegantere Doyen für lang- bis längstdienende herausragende Schauspielern vermeintlich Wiener Häusern vorbehalten, im Falle des Schauspielers Helmut Wiesinger, der dieser Tage leider verstorben ist, treffen aber beide Begriffe gleichermaßen zu. 20 lange Jahre – im heutigen Theaterbetrieb fast schon eine Ewigkeit – gehörte er von 1998 bis 2018 fix dem Ensemble des heutigen Landestheaters Niederösterreich an. Seine Karriere begann er freilich noch im „Stadttheater St. Pölten“, dessen Transformation vom Dreisparten- zum reinen Schauspielhaus er unmittelbar erlebte. Und während in diesen 20 Jahren die Intendanz fünfmal wechselte (Peter Wolsdorff, Reinhard Hauser, Isabella Suppanz, Bettina Hering, Marie Rötzer), blieb Wiesinger am Haus, weil alle Intendanten ihm das Vertrauen schenkten. Dieses bezahlte er mit wunderbaren Schauspielleis tungen in über 100 Rollen zurück und avancierte so zum absoluten Publikumsliebling in St. Pölten. Als solcher wird er der Kulturszene unvergessen bleiben.
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FOTOS ADOBE STOCK, APOLLONIA THERESA BITZAN, N. A. PETROVIC
Vielleicht erinnern Sie sich noch an meine Kolumne im Juni: Da schrieb ich über das BarRock, das heuer seinen 20. Geburtstag feiert und über einen der wohl schönsten Gastgärten der Stadt verfügt. Allerdings: So wie es derzeit aussieht, schließt diese Institution Ende September. Als Grund wird eine Nichtübereinkunft bezüglich der Mieterhöhung zwischen Mieter (also BarRock) und Vermieter (KPÖ) angegeben, was mehr als bedauerlich ist und was ich hier gar nicht kommentieren möchte. Tatsache ist: Wieder ein Lokal weniger, in dem sich Nachtschwärmer, Barfliegen und Rockfans wohlfühlen durften und dies auch ausgiebig taten! Nach dem Wegfall des Underground voriges Jahr ist das ein herber Rückschlag für all jene, die fürs KiKuLa zu alt, fürs Kulturzentrum Löwinnenhof* nicht queer genug sind und denen es gewaltig gegen den Strich geht, mancherorts um halb 10 am Abend zur „letzten Runde“ aufgefordert zu werden. Auch übers Narrnkastl zirkulieren Gerüchte, dass ein Ende absehbar scheint. Das mfg titelte im Juni „Disco is dead?“. Mittlerweile kann man es mit Lenny Kravitz halten: „Rock’n’Roll is dead!“ Nahezu sämtliche Lokale, an denen auch Punk, Rock, Metal gleichsam zur auralen Einrichtung zählen, sind futsch. Einzig das McLaren’s Pub (dessen Geschäftsführern man schon seit Jahren einen Schanigarten behördlicherseits verunmöglicht, die aber im Rahmen des Millionengrabs Tangente eine völlig sinnlose unbenutzbare Tischkonstruktion vor ihrer Eingangstür ertragen mussten) hält dann noch die Stellung. No Future …?
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ES WIRD LEGENDÄR ...
festspielhaus.at
26 SEP 2026 BALLET BC … Aller guten Dinge sind drei: Drei Werke von TopChoreograf:innen wie Crystal Pite feiern zur Saisoneröffnung Österreich-Premiere!
07 NOV 2026 ANNE TERESA DE KEERSMAEKER . OPERA BALLET VLAANDEREN … Die flämische Tanz-Legende zeigt drei ihrer ikonischen Frühwerke. Daniela Matejschek
15 OKT 2026 ELIADES OCHOA FROM BUENA VISTA SOCIAL CLUB
20 NOV 2026 OHAD NAHARIN . BATSHEVA DANCE COMPANY
… Latin Flair im Festspielhaus inklusive einer musikalischen Reise nach Havanna!
… „Mr. Gaga“ ist zurück im Festspielhaus und zeigt eine mitreißende Choreografie.
... wenn zwei der wichtigsten Dialektmusiker:innen gemeinsam auf der Bühne zu erleben sind: Mit Begeisterung blicken wir auf die Zusammenarbeit von Ernst Molden und Sigrid Horn, deren gemeinsame Lieder sich auf weichen Sohlen ins Gemüt schleichen und eine einzigartige Stimmung kreieren ... wie die flirrende Luft „Kuaz vuan Weda“ eben (Fr., 25.09.). Manege frei lautet das Motto bei unserem (fast schon) traditionellen Zirkusfest: Staunen, Lachen und leuchtende Augen bei Groß und Klein stehen von Mi., 14. bis So. 18.10. auf dem Programm. Bereits einige Tage vorher sorgen wir mit der 1. St. Pöltner Lachnacht für ein lustiges Betthupferl (Fr., 09.10.)!
Foto: Ballet BC_Triple Bill_SWAY by Medhi Walerski © Millissa Martin
Stefan Gergely
Trommelwirbel für Österreichs erste Late-Night-Show mit female Host! Unsere Hofkünstlerin Antonia Stabinger führt g’scheid goschert durch den Abend (Do., 01.10.) und „talkt“ u. a. mit Marlene Engelhorn. Naturgewalt Ankathie Koi serviert dazu besten Dancepop mit Eighties Referenzen. „Stimmt“! Omar Sarsam ist eine Wucht … und es stimmt auch, dass dieser musikalische Kabarettabend (Sa., 03.10.) als hochwirksames Mittel gegen Verstimmung und schlechte Laune wirkt.
www.buehneimhof.at Infos: www.festspielhaus.at | Tickets: karten@festspielhaus.at
/festspielhaus |
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TEXT THOMAS FRÖHLICH
FOTOS ANJA BENEDETTER
80 JAHRE UND KEIN BISSCHEN LEISE Langweilig war’s ja beim Künstlerbund St. Pölten nie. Doch die Jahre 2024 und 2025 waren dann doch irgendwo zwischen „himmelhochjauchzend“ und „zu Tode betrübt“ angesiedelt. Zum heurigen 80-Jahr-Jubiläum ist offenbar alles anders. Thomas Fröhlich fand hochmotivierte und -qualifizierte Menschen vor, die eine klare Vision des Gegenwärtigen wie des Zukünftigen besitzen. Eine Institution im Umbruch … Zur Geschichte Im Jahr 2026 feiert der Künstlerbund St. Pölten sein 80-jähriges Bestehen. Acht Jahrzehnte Tradition, zeitgenössische Kunst und Engagement für die lokale Kulturszene und darüber hinaus machten den Verein, dem bildende Künstler unterschiedlichster Ausrichtung angehören, zu einer festen Größe in St. Pölten. Der heutige Vereinsname Künstlerbund St. Pölten geht auf den historischen Namen „St. Pöltner Künstlerbund“ zurück und ist seit seiner Gründung Teil seiner Identität. Der Begriff „Künstler“
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wird hier übrigens als generische Bezeichnung verstanden und meint alle Künstlerinnen und Künstler – unabhängig von Geschlecht, Identität oder Ausdrucksform. Gegründet wurde der Künstlerbund am 16. November 1946 im Haus
Wir sind eigentlich jetzt schon unheimlich breit aufgestellt. M AR CUS HUFNAG L
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Domgasse 5; erster Obmann war Adolf Peschek. Bereits 1947 fand die erste Ausstellung statt – ein Zeichen für den Willen der Künstler, trotz schwieriger Nachkriegsbedingungen Kunst zu schaffen und sichtbar zu machen. Früh engagierte Mitglieder wie Maria Sturm, Iris HahnlFaerber oder Ignaz Mühlbacher legten den Grundstein für den Aufbau und die Entwicklung des Vereins. Ab 1973 leitete der mittlerweile verstorbene Friedrich Martin Seitz den Künstlerbund. Er bemühte sich stets um den Ausgleich zwischen den verschiedenen künstlerischen Richtungen (hier die Traditionalisten, dort die moderne Auffassung) und etablierte den Verein als stabile Plattform für Kunstschaffende in der Region. Mit Ernest Kienzl, der dem Künstlerbund von 2006 bis 2023 vorstand, begann eine neue prägende Phase. Seine Obmannschaft umfasste organisatorische Stabilität, professionelle Struktur und künstlerische Weiterentwicklung. Unter seiner Ägide erhielt der Künstlerbund zudem erstmals einen eigenen Ausstellungsraum, der 2008 als KUNST/WERK im historischen Löwinnenhof eröffnet wurde. Seitdem verfügt der Verein über einen festen Standort im Zentrum von St. Pölten, der als lebendiger Treffpunkt und Ausstellungsort für Mitglieder und eingeladene Künstler dient. Von 2024 bis April 2025 leiteten Flora und Martin Szurcsik-Nimmervoll,
mfg KULTUR
Wir wollen unsere Qualität zeigen, die in den letzten Jahren leider unsichtbar geworden ist. E VA BA K A L AR
besser bekannt als Mars & Blum, eine Phase struktureller Weiterentwicklung ein. Manche sahen darin allerdings auch eine mitunter etwas erratische Vorgehensweise, die den Intentionen des Künstlerbundes eher entgegengesetzt zu sein schien, zumal sie Lokales in den Augen vieler komplett ignorierten. Es folgte Mai bis Mitte Oktober donhofer., der zwar Aufbruchsstimmung signalisierte, als Teamspieler aber vielleicht nicht ganz am richtigen Platz war und seinen baldigen Rück- und Austritt als medienwirksame Performance inszenierte. Seit Ende 2025 wurde der Künstlerbund St. Pölten von Brigitte Saugstad und nun von Eva Bakalar unaufgeregt, aber zielstrebig und hocheffizient geführt. Gemeinsam entwickelten sie über den Jahreswechsel das umfangreiche Ausstellungs- und Veranstaltungsprogramm für das 80-Jahr-Jubiläum. Die Jahresausstellungen im Stadtmuseum St. Pölten, die Vergabe der AdolfPeschek-Jury- und Publikumspreise sowie der kontinuierliche Ausstellungsbetrieb im KUNST/WERK zeigen jedenfalls, wie der Künstlerbund St. Pölten Tradition und zeitgenössische Kunst miteinander verbindet. Heute versteht sich der Verein als offene, lebendige Plattform für Künstlerinnen und Künstler und lebt von der Vielfalt seiner Mitglieder, unterschiedlichsten künstlerischen Ausdrucksformen und letztendlich generationsübergreifenden Perspektiven. Am 16. Oktober wird die Jubiläumsausstellung im Stadtmuseum eröffnet – dazu erscheint ein Buch/Katalog mit Glückwünschen von Wegbegleitern und Gäs ten, aktuellen künstlerischen Positionen der Mitglieder sowie persönlichen Beiträgen der Künstlerinnen und Künstler unter dem Titel „Stimmen aus dem Künstlerbund“.
DAS INTERVIEW Während des Aufbaus der aktuellen Ausstellung „Flora bringt Blumen“ wurde vom mfg ein Interview geführt: Anwesend waren Obfrau Eva Bakalar (EB), Obfrau-Stellvertreter Marcus Hufnagl (MH) sowie Vorstandsmitglied und Kassierin Brigitte Saugstad (BS). Zu Vorstandsmitglied und Schriftführerin Beatrix Mapalagama (BM) gab es einen schriftlichen Kontakt. Wo steht der Künstlerbund heute? Und wofür steht er? EB Der Künstlerbund steht heute für Vielfalt, Eigenständigkeit und Offenheit – auch für unterschiedliche künstlerische Positionen. Wir wollen auch mehr Austausch mit der Öffentlichkeit und wieder eine aktivere Rolle im kulturellen Leben von St. Pölten spielen. Und wir wollen unsere Qualität zeigen, die in den letzten Jahren leider unsichtbar geworden ist. MH So sehe ich das nicht. Er war nicht unsichtbar. BS Die Kunstszene hat sich verändert, und damit wird heute auch von einem Verein viel mehr verlangt. Gerade deshalb ist mir die Teamarbeit so wichtig. Einer allein kann das alles gar nicht mehr schaffen – schon gar nicht ehrenamtlich. Eva und ich haben in kürzester Zeit gemeinsam das umfangreiche Programm für unser 80-Jahr-Jubiläum entwickelt.
Wenn’s kracht, ist die Aufmerksamkeit oft größer. B RIGIT TE SAUG STAD
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Das war eine tolle Zusammenarbeit – und das Ergebnis spricht für sich. BM Generell hat uns Mars & Blum nicht ernstgenommen und donhofer. war als Obmann nicht ernst zu nehmen. EB Ich würde diese Zeit nicht ausschließlich negativ bewerten. Sie haben den Künstlerbund wieder stärker ins mediale Interesse gerückt und damit auch eine Diskussion darüber ausgelöst, wofür dieser Verein eigentlich steht. Aber ja, bei Mars & Blum sowie donhofer. hatte ich nicht das Gefühl, dass wirklich ein Inter esse daran bestand, den Künstlerbund kennenzulernen – und damit meine ich vor allem seine Mitglieder und seine gewachsene Struktur. MH Aber es hat eine gewaltige Bewegung hineingebracht. EB Genau, manchmal braucht es eben einen kleinen Anstoß. Ich glaube, der Künstlerbund braucht wieder mehr Bewegung, mehr Offenheit und vor allem mehr „Miteinander“. Er soll wieder ein lebendiger Ort sein, an dem etwas passiert, an dem man miteinander diskutiert, auch „Neues“ wagt und sich manchmal vielleicht auch ein bisschen reibt... Die Geschichte gehört dazu. 43
AUTOR:INN
„Abreißen tut‘s nie: Nach der Ausstellung ist vor der Ausstellung ... seit 80 Jahren.“
BM Der Künstlerbund ist eine Diskurs-
Das Problem ist halt mitunter: Wenn’s nicht kracht, wird man unter Umständen medial gar nicht wahrgenommen. BS (lacht) Stimmt schon – wenn‘s kracht, ist die Aufmerksamkeit oft größer. Das ist ja in der Kunst nicht anders: Mit Provokation oder einem Skandal bekommt man oft besonders viel Aufmerksamkeit. Aber das ist etwas anderes als interne Konflikte in einem Kunstverein. Bei uns gäbe es genug über die Kunst selbst zu erzählen – über unsere Mitglieder, ihre Arbeiten und unsere Ausstellungen.
WERK gezeigt. Für mich ist bei solchen Kooperationen wichtig, dass sie auf Augenhöhe stattfinden. EB Ich bin offen für Kooperationen und gemeinsame Projekte oder Veranstaltungen, wenn sie für beide Seiten sinnvoll sind. Der Künstlerbund ist ein eigenständiger Verein und das soll auch so bleiben. Bei Kooperationen muss man nur darauf achten, dass kein Ungleichgewicht entsteht. Denn es macht natürlich einen Unterschied, ob hinter einem Verein ein Geschäftsführer und ein bezahltes Team stehen oder ob vieles ehrenamtlich geleistet wird. Auch Zeit und Engagement haben einen Wert – und darauf wollen wir bei Kooperationen achten und es nicht aus den Augen verlieren!
Wie sieht‘s mit Kooperationen aus? EB Kooperationen sind gewünscht! Wir knüpfen gerne neue Kontakte – besonders zu jungen Menschen und Bildungseinrichtungen. Erste Gespräche laufen bereits. Und wenn wir zusätzlich wieder den Austausch mit anderen Vereinen suchen, dann kann daraus wirklich etwas Spannendes entstehen. Ich glaube, da ist noch viel Luft nach oben. BS Kontakte zu anderen Vereinen gab‘s immer. Heuer etwa mit Heidenheim, unserer Partnerstadt: Im Mai haben wir gemeinsam die Ausstellung „CALL: Heidenheim ↔ St. Pölten“ im KUNST/
Wie schaut’s mit Mitgliedern aus? Also: Wie werde ich Mitglied beim Künstlerbund? EB Künstlerische Qualität und Eigenständigkeit sind wichtig. Das Geschlecht spielt da überhaupt keine Rolle. BM Wenn der eigene Ausdruck ein wichtiger, sinnstiftender Teil der Identität der Bewerber ist, kann man das spüren. EB Früher galt eine Drei-Jahres-Frist. Heute sprechen wir Künstlerinnen und Künstler auch aktiv an, und bei Bewerbungen gibt es ein persönliches Hearing. Und wer weiß – vielleicht gehören in Zukunft nicht nur bildende Künstler zum Künstlerbund ...
gemeinschaft, eine ständige Herausforderung für das eigene fixierte Denken, eine Gemeinschaftserfahrung.
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Kann Letzteres nicht in Beliebigkeit münden? MH Wir sind eigentlich jetzt schon unheimlich breit aufgestellt: sehr unterschiedliche Sichtweisen und Personen! EB Wir freuen uns natürlich über jedes neue Mitglied, über unterschiedliche Persönlichkeiten, Positionen und Ideen, und sind wie gesagt aktiv auf der Suche. BS Es gibt nun auch mehr kuratierte Ausstellungen – mit Kuratorinnen und Kuratoren aus dem Künstlerbund, aber auch von außen. Je nach Ausstellung laden wir auch Gastkünstlerinnen und Gastkünstler ein. Bei unserer Jubiläumsausstellung „WIR FEIERN UNS!“ im Stadtmuseum sind allerdings ausschließlich Mitglieder des Künstlerbundes vertreten. EB Im Vorstand sind wir derzeit sehr gut aufgestellt. Gleichzeitig gibt es einiges an administrativer Arbeit aufzuarbeiten, die in den vergangenen Jahren liegen geblieben ist. Das ist für einen ehrenamtlich geführten Verein natürlich eine Herausforderung. Deshalb bin ich eine große Freundin davon, Aufgaben nach den jeweiligen Stärken zu verteilen: Jeder sollte das machen, was er am besten kann. Und wenn jemand etwas besser kann als ich, dann lasse ich ihn das auch gerne machen. Deshalb ist zum Beispiel Marcus unser öffentlicher Redner – das kann er einfach besser, da ist er brillant. MH Dafür haben wir jetzt eine Obfrau, die sich stark einbringen kann, die Leute verstärkt anspricht, reist und Menschen vernetzt. Und das alles auch noch ehrenamtlich! EB (lacht) Stimmt. Ehrenamt ist wertvoll, aber nicht selbstverständlich – darüber sollten wir reden!
KÜNSTLERBUND ST. PÖLTEN KUNST/WERK Linzer Straße 16, 3100 St. Pölten office@kuenstlerbundstpoelten.at +43 676 4450629
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DAS MUSEUM NIEDERÖSTERREICH: GESCHICHTE UND NATUR
FOTO KLAUS PICHLER
Das Museum Niederösterreich im Kulturbezirk von St. Pölten vereint auf 6.000 Quadratmetern Ausstellungsfläche zwei Häuser unter einem Dach: Das Haus der Geschichte lädt zu einer faszinierenden Reise durch 10.000 Jahre Menschheitsgeschichte ein. Die Sonderausstellung „Kinder des Krieges – Aufwachsen zwischen 1938 und 1955“ vermittelt die Erfahrungen jener Generation, die den Zweiten Weltkrieg und die Nachkriegszeit als Kinder und Jugendliche erlebte. Die Erzählungen und Erinnerungsgegenstände von Zeitzeug:innen bringen die von Krieg, Verlust, Verfolgung, Besatzung und Aufbruch geprägten Lebenswelten auf nachvollziehbare Weise näher.
Im Haus für Natur bestaunen Besucher:innen bei einem Spaziergang durch die Lebensräume Niederösterreichs über 40 Tierarten von Welsen bis zu Feuersalamandern. Die aktuelle Sonderausstellung „Tiere der Nacht“ lädt dazu ein, die verborgene Welt nach Sonnenuntergang zu entdecken. Mit geschärften Sinnen taucht man in das Leben von Fledermäusen, Eulen, Fröschen, Grillen und Igeln ein – faszinierende Tiere, die die Dunkelheit für sich nutzen. Warum die Nacht so attraktiv ist und wie sich Tiere daran angepasst haben,
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Haus für Natur
wird ebenso anschaulich vermittelt wie konkrete Möglichkeiten zum Schutz dieser Arten. Nähere Informationen zu unseren aktuellen Ausstellungen unter museumnoe.at Museum Niederösterreich Kulturbezirk 5 | 3100 St. Pölten Di – So, Ftg.: 9:00 bis 17:00 Uhr
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INTERVIEW ANDREAS REICHEBNER
LASS UNS DAS ENSEMBLE ZUM STAR MACHEN! Die Potsdamer Theatermacherin Patricia Nickel-Dönicke übernahm die künstlerische Leitung des Landes theaters Niederösterreich von Marie Rötzer, die es an die Josefstadt zog, und will hier mit außergewöhnlichen Formaten das Haus mehr nach außen hin öffnen.
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ei der Eröffnungspremiere „Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui“ von Bertolt Brecht inszenieren gleich alle Regisseurinnen und Regisseure, die hier in St. Pöl ten in der aktuellen Spielsaison Theater auf die Bühne bringen werden, zusammen. Besonders wird auch die Uraufführung von „Der Trinker“ nach dem Roman von Hans Fallada sein, die findet nämlich gleich im Weingut Fink statt. Wir baten die ex perimentierfreudige Theaterleiterin zum Interview. 46
Wie bringt man aber Leute, die man mit solchen Produktionen erreichen will, ins Theater? Wenn gleich das Phänomen der Rechtslastigkeit und die Suche nach einfachen, radikalen Antworten ja auch schon in der Bürgerschicht angekommen ist. Kickl und seine Partei, die es ja schon über 50 Jahre gibt, schafft das. Die hatten mehr Zeit als die AfD. Das sind ähnliche Ty pen wie der Arturo Ui, den Brecht da geschrieben hat. Hier in St. Pölten, wo ich ja jetzt auch wohne, interessiert mich, wie die Vielfalt der Stücke, aber auch die Aufwertung des Kinder-
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FOTOS KATRIN RIBBE, ISABEL MACHADO RIOS
Ihre Vorgängerin wurde mit ihrem ersten Stück „Komödie der Verführung“ von Schnitzler in der Josefstadt gerade nicht mit Lob überhäuft. Welche Reaktionen wünscht sich die neue Intendantin? Ich wurde dieser Tage gefragt, ob ich mich als neue künst lerische Leitung darüber freue, mit Arturo Ui das Stück der Stunde auf den Spielplan gesetzt zu haben, oder mich als Ossie schäme? Ich schäme mich als Ossie, was da gerade pas siert. Interessant ist auch, dass dieses Stück sich nicht nur mit Deutschland, sondern auch mit dem, was damals in der His torie in Österreich vor sich ging, beschäftigt. Als ich mit den Regisseurinnen und Regisseuren über dieses Stück zu sprechen anfing, ging es auch um Österreich, um Italien. Politisches und relevantes Theater zu machen, ist das, was mich interessiert, oder wenn Menschen in Talkshows darüber reden, dass man bestimmte Richtungen von Kunst und Kultur doch einsparen könnte, weil sie nicht mehr nötig sind. Ich hoffe, dass wir es hinbekommen, Theater in St. Pölten zu machen, das die Leute sehen wollen, das sie anregt, zu diskutieren, zu streiten und über Horizonte zu schauen. Und da geht mein Horizont weiter als nach Wien zu meiner Vorgängerin. Ich würde mich freuen, wenn geschrieben wird, was für ein großartiges Ensemble, die Idee ist aufgegangen und das mit so vielen Leuten.
mfg KULTUR und Jugendtheaters oder die Aufarbeitung des Alkoholismus garethe, den Fauststoff für Schulkassen enorm herunterbricht, bei unserem Trinker nach Fallada, das ja ein sehr schwieriges durch Videos den Zugang verschafft. Da ist auch der Versuch, Thema ist, ankommt. Wie interessant ist es für das Publikum, das Bürger*innentheater in ein Stadtensemble umzuformen. wenn solche Stücke nebeneinanderstehen. Der Ui ist aber auch ein Spektakel. Wir versuchen diese Geschichte mit sehr vielen Will man sich stringent vom Bürger*innentheater Ästhetiken, mit verschiedenen Zugängen zu bearbeiten. Es gibt zum Stadtensemble entwickeln, wie haben einzelne dabei eine Puppe, die als Brecht auftaucht. Man muss Brecht Protagonist:innen reagiert? nicht kennen, aber man versteht gleich, dass dies der Typ ist, Wir haben gesagt, wir wollen auf höchstem Niveau gerade der das geschrieben hat. Es ist eine Art Tarantino-Stoff, den mit den Bürgern und Bürgerinnen Theater machen, ge Brecht hier geschrieben hat. Es ist es eine Gangstergeschichte ben ihnen Gelegenheit gemeinsam mit dem Abendspielen aus Chicago, die sich zu einem Politthriller entwickelt. Man semble zu arbeiten. Nach dem Motto, ihr macht zusammen merkt, der Gangsterboss Ui hat durch seine Erfahrung im Un Theater, ihr lernt euch kennen, ihr könnt abgucken, was das tergrund und durch eine Zusammenarbeit mit der Wirtschaft heißt, Schauspieler:in zu sein. Wir brauchen Zuverlässigkeit, viel gelernt. Er merkt, so kann ich etwas werden. Das ist eine in Richtung, ihr seid das ganze Jahr mit dem Theater verbun Frage, die auch Schüler:innen interessie den. Es wird auch eine eigene Inszenie ren könnte und sollte. Da ist Brecht in rung von Leonie Rohlfing, unsere Leite Wir müssen auf uns seiner Komplexität dann auch simpel. rin des JuLa, des jungen Landestheaters, Eine recht einfache Geschichte, die Fi mit dem Stadtensemble, in dem unter aufmerksam machen. guren betreffend. schiedliche Altersgruppen vertreten sind, PATRIC IA NICKEL-D ÖNICKE geben. Die Altersgruppen sollen sich Wie trägt man dabei die Leute durchmischen. Sie entwickeln, wie sie über die Schwelle des Theatereingangs? es gewohnt sind, aber auch eigene Formate, Erzählungen, Ge Du musst natürlich in einer gewissen Weise Stadtgespräch schichten. Für mich ist das ein Teil des Ganzen. werden. Das epische Theater, die Idee der elf Regisseur:innen, die Theatertheorie, die selbst uns Theaterwissenschafter:innen Soll man streiten übers Theater oder diskutieren? manchmal ratlos zurücklässt, was erzählt Brecht jetzt?, hand Wenn man eine Haltung zu einem Thema hat, ist das für mich werklich so herunterbrechen. Jedes Element am Theater ist das Gleiche. Wir haben bei Ui zwei Figuren, der vorherige Ui dabei gleichwertig, das Licht hat seine eigene Geschichte, die und der neue Ui – damit kann man das rechte Denken, die Figuren, die Bühne. Entwicklung des rechten Denkens besser erzählen als mit ei ner durchgängigen Figur. Adolf Hitler war nicht nur der eine, Das heißt, die Arbeiten sind bei den einzelnen sondern bei seinem Aufstieg spielte die Wirtschaft und die Po Regisseur:innen aufgeteilt? litik ebenso eine entscheidende Rolle. Ich finde es großartig, Ja, wir sind dabei, das gerade zusammenzupacken, das Kos wenn die Menschen über Theater nachdenken. Nichts finde tümbild, die Bühne und alles andere auch. Das Video ist von ich schlimmer, als relativ gelangweilt aus dem Theaterabend zu einem Künstler, der zum Beispiel in unserer Produktion Mar gehen. Da habe ich mit Nachgesprächen gute Erfahrung aus
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WITH SPECIAL GUEST: NINA SOFIE
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das Ziel. Wir sind auch eine Kooperation mit dem Mozarteum in Salzburg eingegangen, in vielen Stücken sind dann Eleven in den Produktionen dabei. Wir suchen zukünftige Stücke nach unserem Ensemble aus, wer kann was spielen. Den Trinker von Fallada hat zum Beispiel Philippe Thelen vorgesprochen. So toll, da haben wir uns gleich gedacht, das machen wir. Wir spielen es auf dem Heurigen. Das ist jetzt schon mehr oder weniger voll. Da kann man schön wandern gehen, dann zum Heurigen und dabei auch ins Theater. Vielleicht schaffen wir es auch die Leute, die dort wohnen, zu begeistern. Das funk tioniert nur mit Sonderformaten, wir müssen aufmerksam auf uns machen.
Patricia Nickel-Dönicke startet mit dem „Stück der Stunde“ in ihre erste Saision: „Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui“.
meiner Zeit in Deutschland. Dort machten wir fast nach jeder Vorstellung Nachgespräche und die Leute sind geblieben und haben diskutiert und sind dann wiedergekommen.
Was wollen Sie für das Landestheater Niederösterreich, was heißt es „Landestheater“ zu sein? Das muss man schon ernst nehmen. Da sollte man auch Ge schichten im Land, aus der Stadt beackern, wie die Knochen funde. Wir bauen mit Videos eine fiktive Story. Wir sind aber auch gerne niedrigschwellig. Es wird auch eine Theaterband geben, die eine Musikrevue, „Klub 27“ über Amy Winehouse, Kurt Cobain und so, entstehen lässt.
Gibt’s ein Lieblingsprojekt? Arturo Ui, heuer wurden die Rechte frei, da kann man expe rimentieren. Das muss man jetzt machen. Es ist eines meiner Wird es auch in St. Pölten Nachgespräche geben? Lieblingsstücke, weil sich die ganze Truppe mit einem Schlag Die wird es geben. Bei den Produktionen haben wir mal ein präsentieren darf. Aber auch „Faust. Gretchen. Margarethe“ Nachgespräch angeboten, aber wenn wir merken, das Bedürf wird für Jugendliche toll funktionieren, oder die unendliche nis ist, etwa bei Arturo Ui so groß, dann werden wir mehr ma Geschichte. Auch die Geierwally, weil es so ein österreichischer chen, diesbezüglich auch mit Experten zusammenarbeiten. Stoff ist, wo ein richtig mieser Umgang mit einer Frau themati siert wird, die einfach nur frei sein will, und ihre Liebe zur Na Warum eigentlich St. Pölten? tur fühlt. Und das Schultheater und das JuLa, das Kinder- und Mir wurde es tatsächlich von einer alten Theaterwegbegleiterin Jugendtheaterformat, natürlich. Der Abend mit Sky du Mont, empfohlen. Marie kenne ich aus meiner Mainzer Zeit, sie hat der das Geschenk von Gaea Schoeters lesen wird. Das war na mir dann einmal mit meiner Familie das türlich Kalkül (lacht), einen berühmten Haus gezeigt. Außerdem hatte ich große Künstler, der in St. Pölten wohnt, ein Du musst als Theater Lust, in einem Einspartenhaus zu arbei zuladen. Ich lese kein Buch, sehe keinen ten. Und als Potsdamerin findet man es Film ohne nicht darüber nachzudenken, in einer gewissen angenehm, neben einer großen Stadt zu dass man daraus Theater machen kann Weise Stadtgespräch leben, aber zu wohnen, in der man sich und da ist dann so ein toller Künstler di wohlfühlt. rekt vor Ort. werden. PATRIC IA NICKEL-D ÖNICKE
Haben Sie schon etwas kennengelernt? Mit der freien Szene, so rund um den Löwinnenhof*, ging die Kommunikation sehr schnell, auch mit dem Cinema, dem jü dischen Institut. Schön, mit diesen Kulturinstitutionen Dinge zusammenzudenken. In St. Pölten macht man schneller Be kanntschaft als in Wien. Meine Familie und ich wohnen im Gartenviertel, haben viel Besuch, ich war noch dieser Tage in der Traisen baden.
Was bedeutet für Sie das Ensemble? Lass uns das Ensemble zum Star machen, dass sie im Alltag er kannt werden, das war in meinen bisherigen Stationen immer 48
Gibt es Wünsche? Gewünscht, hoffentlich erfüllt sich das in den nächsten Jahren, habe ich mir, dass man vorne reinkommt ins Theater und vom Foyer durch zur Theaterwerkstatt kommt. Aber eigentlich, was das Haus anbelangt, von den Ressourcen, die wir zur Verfügung haben, sind wir gut aufgestellt. Wo geht man hin am Abend in St. Pölten? Ins Theater, oder ins Cinema oder auch ins jetzt frische Zu hause. Veltliner oder Riesling? Muskateller, Riesling geht eher nicht, oder Marillenschnaps.
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KULTURHERBST FÜR ALLE GENERATIONEN
FOTO LIEBENTRITT
Im Herbst verwöhnt die Tischlerei Melk Kulturwerkstatt ihr Publikum wieder mit einer bunten Mischung aus Kabarett, Musik, Literatur, Theater sowie interaktiven Formaten. Beliebte und bewährte Programmpunkte wie Familienveranstaltungen, eine Kleidertauschparty, die Kooperation mit dem Jazzclub Melk oder das Tischlerei-Quiz werden ergänzt durch Neuheiten wie etwa Krimi & Stricken. Von Chanson bis Rap In Sachen Musik bringen Künstler:innen wie The Schick Sis ters, Yasmo & die Klangkantine gemeinsam mit SchikK oder Nor bert Schneider unterschiedlichste Klangwelten nach Melk. Die Ge sangskapelle Hermann verspricht mit „Pflanzen“ einen Abend, bei dem kein Auge trocken bleibt.
Wolle Kraft voraus Erstmals findet am 16. Oktober das neue Format Krimi & Stricken statt, bei dem sich Handarbeit und Hochspannung zu einem besonderen Erlebnis verbinden. Während Theresa Prammer ausgewählte Texte aus ihren packenden Krimis liest, entstehen im Publikum kleine Kunstwerke. Ebenfalls spannend wird es bei den Liederlichen Ladycops – Julia Cencig, Sylvia Haider und Kris tina Sprenger. Bekannt aus der deutschsprachigen Fernseh-Krimilandschaft, servieren sie einen literarisch-musikalischen Leichenschmaus jenseits von Gesetz und Moral. Literaturfans dürfen außerdem auf die Lesung von Stefanie Sargnagel gespannt sein, die aus ihren Werken „Opernball“ und „Oktoberfest“
Gesangskapelle Hermann
vorträgt, und mit Michael Köhl meier & Hans Theessink steht zudem ein literarisch-musikalisches Highlight auf dem Spielplan, das Erzählkunst und Musik auf besondere Weise verbindet. Infos und Tickets auf www.tischlereimelk.at
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TEXT BEATE STEINER
ZWEI ST. PÖLTNER ERZÄHLEN MOZART Mezzosopranistin Neelam Brader und Schauspieler Simon Christian gründeten im Vorjahr „Queer Voices in Art“. „Hidden Voices“, die erste Produktion der beiden, war in ganz Europa erfolgreich – und brachte eine Einladung zur Salzburger Mozartwoche.
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iese Einladung ist schon etwas Besonderes“, freut sich Neelam Brader über das Angebot von Opernstar Rolando Villazón, bei der Salzburger Mozartwoche ein eigenes Projekt zu konzipieren. Der Intendant war durch die Produktion „Hidden Voices: Queere KünstlerInnen im Dialog“ auf Neelam Brader und Simon Christian aufmerksam geworden, die kurz davor das Kollektiv „Queer Voices in Art – Q.V.I.A.“ gegründet hatten. „Das war der Ausgangspunkt für unsere Zusammenarbeit als künstlerisches Duo“, so Brader. „Hidden Voices“ beschäftigt sich mit queeren KomponistInnen und ihren Geschichten, verbindet klassischen Gesang mit Schauspiel und szenischem Erzählen und war zum Beispiel beim Kultursommer Wien, beim Voila! Theatre Festival in London und im Österreichischen Kulturforum Berlin zu sehen. „Dass daraus jetzt die Möglichkeit entstanden ist, bei einem so renommierten Festival in Salzburg ein eigenes Projekt zu entwickeln, freut mich sehr“, strahlt die Musikerin.
Queer Voices in Art Die von Neelam Brader und Simon Christian 2025 gegründete Initiative möchte queere KünstlerInnen und Geschichten sichtbar machen und nutzt dabei außergewöhnliche Formate. Neelam Brader, Mezzosopran, Jahrgang 1991, St. Pöltnerin mit indischen Wurzeln, maturierte am BORG, studierte am Salzburger Mozarteum und pendelt zwischen ihrem Wohnort Berlin und Bühnen in Österreich und Deutschland. www.neelambrader.com Simon Christian, Schauspieler, geboren 1991 als Simon Christian Wiedlack in St. Pölten, studierte an der Filmakademie Wien und der Guildford School of Acting. Er lebt in London. Das Programm der Mozartwoche: mozarteum.at
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Klar, dass sich die Besucher der Mozartwoche im Jänner 2027 auf einen Abend mit Mozart freuen dürfen. „Für mich ist vor allem spannend, wie wir Mozart erzählen können. Man kennt ihn oft als Genie, als große historische Figur. Wir möchten aber auch den Menschen dahinter zeigen – mit seinem Humor, seinen Eigenheiten und vielleicht auch mit Seiten, die man nicht sofort mit Mozart verbindet“, erläutert Brader. Entstanden ist „Eine (Mo)zarte Versuchung“, ein Musiktheaterstück mit Kammermusik, Gesang und Schauspiel. Beim musikalischen Kriminalfall in der Atmosphäre eines österreichischen Kaffeehauses soll das Publikum Teil der Geschichte werden. Neelam Brader und Simon Christian erarbeiten die Inszenierung und stehen auch gemeinsam mit Bariton Gregor Eisenhut und MusikerInnen des Ensembles Bella Musica Mozarteum auf der Bühne. „Für mich ist das eine sehr schöne Verbindung meiner verschiedenen künstlerischen Seiten. Ich komme ursprünglich aus dem klassischen Gesang und habe in den letzten Jahren immer mehr Schauspiel, Regie und Musiktheater für mich entdeckt. In diesem Projekt kann ich all diese Dinge miteinander verbinden“, erklärt die Künstlerin. Das gemeinsame Entwickeln mit dem Schauspieler Simon Christian findet sie besonders spannend: „Wir kennen einander seit unserer Kindheit in St. Pölten. Wir wissen, wie der andere tickt und können uns dadurch auch gegenseitig herausfordern. Ich glaube, genau diese Mischung aus Freundschaft, Vertrauen und unterschiedlichen künstlerischen Hintergründen macht unsere Zusammenarbeit aus. Ich bin gespannt, wohin uns das noch führt.“
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FOTO ZACHARY JAMES
MUSIKALISCHER KRIMINALFALL
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HERBSTLICHE VIELFALT FÜR ALLE SINNE
Entdecken, zuhören, mitmachen und Neues ausprobieren: Von Literatur- und Musikfestivals über Konzerte für junges Publikum und neuen Kunstfächern an der Musik- und Kunstschule bis hin zu einem neugestalteten VHS-Kursprogramm hat St. Pölten im 40. Jubiläumsjahr als Landeshauptstadt in den kommenden Monaten ein vielfältiges Programm für alle Generationen zu bieten.
NEUES KURSPROGRAMM DER VHS
AB 21. SEPTEMBER
Die Volkshochschule startet mit neuen Kursen in den Herbst. Das vielfältige Programm bietet Werkstätten und Impulse zu Sprachen, Gesundheit, Digitalisierung und persönlichen Themen. Neu sind die Reihe „Wie entsteht eigentlich …?“ und die Werkstatt „70 Jahre. Viele Geschichten.“ Auch KI-Werkstätten, kreative Stadtstreifzüge und ein Saxophon-Orchester laden zum Ausprobieren und Mitmachen ein. Zahlreiche Angebote schaffen zudem Raum für Austausch, Orientierung und neue Perspektiven.
20 JAHRE BLÄTTERWIRBEL
9. OKTOBER BIS 8. NOVEMBER
Der Herbst lässt in St. Pölten traditionell die Blätter wirbeln. Am 9. Oktober startet das beliebte Literaturfestival „Blätterwirbel“ mit einem Porträt über die Dramaturgin Anna Gschnitzer im Landestheater. Danach warten zahlreiche weitere Lesungen, Porträts, Filme, Matineen und Buchpräsentationen sowie die Vorstellung der Anthologie „ungebunden“ an diversen Schauplätzen der Stadt, wie dem Cinema Paradiso, dem Stadtmuseum, dem Museum NÖ, der Stadtbibliothek und vielen weiteren Locations.
FESTIVAL FÜR SAKRALMUSIK
BIS 10. OKTOBER
Das Festival Musica Sacra bietet hochkarätige Konzerte in außergewöhnlichen Räumen. Auf dem Programm stehen Symphonien Anton Bruckners, ein Familien-Theaterkonzert, ein Konzert der Militärmusik NÖ unter dem Motto „Musik und Gebet“ sowie ein außergewöhnlicher Dialog zwischen Marimba und Domorgel mit Adélaïde Ferrière und Kay Johannsen, bevor Monteverdis Marienvesper mit der Cappella Nova Graz unter Dirigent Otto Kargl in Lilienfeld den krönenden Abschluss bildet.
Stadt St. Pölten – Fachbereich für Kultur und Bildung, Karmeliterinnenplatz 1b, 3100 St. Pölten, 02742/333 2601, kultur@st-poelten.gv.at, www.st-poelten.at/kultur
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KLANGABENTEUER FÜR JUNGES PUBLIKUM
AB OKTOBER
Ab Oktober starten Stadt und Jeunesse St. Pölten gemeinsam mit vielen weiteren Partnern in die neue Saison. Dann wartet so viel Musik wie noch nie für junges Publikum in der Landeshauptstadt. Rund 60 Veranstaltungen, mehr Angebote für die Kleinsten, internationale Produktionen und neue mobile Formate für Kindergärten und Schulen stehen bis Mai auf dem Programm der Saison 2026/27. Zudem verwandelt das Big Bang Festival das Festspielhaus im April zum vierten Mal in einen musikalischen Erlebnisraum voller Abenteuer.
NEUE KUNSTFÄCHER DER MUSIK- UND KUNSTSCHULE
AB OKTOBER
An der Musik- und Kunstschule gibt es neben der musikalischen Ausbildung auch vier neue Kunstfächer. Ab Oktober starten Malerei und Zeichnung, Musical sowie Theater und Schauspiel. Die Fotoakademie unter der Leitung von Fotografin Gerda Jaeggi ergänzt das Angebot. Für alle Interessierten gibt es Schnupperstunden für 6- bis 10-Jährige und für Kinder ab 10 Jahren an folgenden Terminen: Malerei am 1.10. im Atelier Solektiv, Musical am 2.10. und Theater am 7.10. im Orchesterraum des Grillparzer Campus. Infos unter www.kunstschule.at
BESONDERES WEIHNACHTSKONZERT
1. DEZEMBER
Die Meisterkonzerte starten ab November mit hochkarätigen Abenden in ihre neue Saison, die einzigartige Musik vor den Vorhang holt. Anfang Dezember wartet in der Pfarrkirche Maria Lourdes eine besondere Einstimmung auf die Weihnachtszeit. Die Schick Sisters treffen auf den italienischen Organisten Luigi Vincenzo und spielen eine festliche Mischung aus Weihnachtssongs, eingängigen Arrangements und einem Hauch von Volksmusik. Alle Infos zum Programm sowie Karten und Abos gibt es ab Ende September.
VERANSTALTUNGSTIPPS 25. und 26. September Beislfest 3. Oktober Lange Nacht der Museen 8. bis 13. November KiJuBu-Festival
Weitere Veranstaltungen finden Sie unter events.st-poelten.at
Freiraum
Festspielhaus
23. September Vepsestikk aus Norwegen
26. September Ballet BC
17. Oktober 25 Jahre R’n’R Highschool
Landestheater ab September Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui
www.facebook.com/stpoelten
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26. September Premiere – Die Sache mit dem Gruselwusel 17. Oktober Premiere – Faust Gretchen Margarete
www.instagram.com/st.poelten
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shortcut SZENE
Thomas Winkelmüller
Während Sie, liebe Leserinnen, sich den Sommer über hoffentlich erholt haben, durfte ich meine Zeit im Vorarlberger Klostertal verbringen. Allerdings nicht um zu urlauben, sondern um zu einer christlich-fundamentalistischen Sekte zu recherchieren. Sie nennt sich „Gemeinde Gottes“ und schottet sich weitgehend von der Gesellschaft ab. Dazu gehört auch der häusliche Unterricht ihrer Kinder (öffentliche Schulen bezeichnete die Gruppe bereits als „Werkstätten des Teufels“). Anders als in Deutschland kann in Österreich die Schulpflicht nämlich durch den Unterricht zu Hause ersetzt werden. Ein historisches Überbleibsel. Als 1774 die Volksschulpflicht eingeführt wurde, wollte man die Kinder des Adels nicht in öffentliche Schulen nötigen. Und auch wenn es heute einige wenige gute Gründe für den häuslichen Unterricht geben mag: Die Möglichkeit wird vor allem von ideologisch – sagen wir einmal – problematischen Eltern genutzt, um ihre Kinder jeder Kontrolle zu entziehen. Schule ist nämlich nicht nur ein Ort, wo Kinder (auf oft schmerzliche Weise) lernen, wie unser soziales Gefüge funktioniert. Sie ist auch die einzige Möglichkeit, für den Staat regelmäßig mitzubekommen, wie es Kindern zu Hause geht. In der „Gemeinde Gottes“ zum Beispiel dürfte es zumindest früher einigen Kindern gar nicht gut ergangen sein. Aussteiger berichten von seelischer und körperlicher Gewalt. Eines von vielen Beispielen, warum der häusliche Unterricht in Österreich massiv eingeschränkt gehört.
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gemEinsam
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as kam überraschend. Lena Weiderbauer zieht sich „nach intensiven Monaten, in denen ich den Löwinnenhof* durch den Prozess der Betriebsstättengenehmigung begleitet und gemeinsam mit euch die erste Saison gestaltet habe“ als Geschäftsführerin zurück, wie sie die Community via Newsletter informierte. Dem Kulturzentrum bleibt sie als Vereinsmitglied aber „natürlich erhalten und verbunden“ und zieht dort aktuell gemeinsam mit Nicole Berndt-Caccivio „gemEinsam - Ein soziokulturelles Festival über Gemeinschaft und Einsamkeit“ hoch, das von 24. Oktober bis 8. November laufen wird. Der Kick-Off des mehrere Kunstsparten (Tanz, Theater, Schreiben) umfassenden Community-Projektes, das am Ende des Tages in einer gemeinsamen Performance münden wird, verlief vielversprechend. „Die Stimmung war sehr warmherzig, fokussiert und achtsam!“, so Weiderbauer. Neben dem Stück erwartet die Besucher auch ein spannendes Rahmenprogramm mit Literatur, Musik und Kulinarik. loewinnenhof.at
KEIN SCHMUSEROCK
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ür alle Freunde der härteren Rockklänge war das Open Air der Hollywood Vampires rund um den Fürsten der Finsternis Alice Cooper, die Guitar-Heroes Joe Perry und Tommy Henriksen sowie „Musik-Zauberlehrling“ Johnny Depp praktisch nur das Warm-up für das eigentlich Rockhighlight des Jahres: Am 25. und 26. September geht wieder das traditionelle „STP Metal Weekend“ im Freiraum über die Bühne. Kommt man Mastermind Christian „Mecki“ Dörr mit der banalsten aller Journalistenfragen „Worauf dürfen sich die Fans freuen?“, schnauft er kurz durch (weil die Antwort ja eigentlich nur lauten kann „auf alles“), antwortet dann aber brav „natürlich allen voran auf die heurigen Headliner Warfield und Sacriversum!“ Zugleich, und das ist Mecki wirklich wichtig „haben wir auch wieder Local Heroes auf der Bühne!“ Heuer neben seiner eigenen Band Epsilon etwa noch Warcult und Bloodrite.
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FOTOS ADOBE STOCK, KULTURZENTRUM LÖWINNENHOF*, METALWEEKEND
ALLES HÄUSLICH?
GLAUB
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TÄGLICH GEÖFFNET AB 14:00 UHR
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Deine Location für Action & Spaß in St. Pölten: Mit Billard & Bowling und köstlichem Essen & Trinken.
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FOTO: MATTHIAS KÖSTLER
Strike up your life.
nxp-bowling.at
PIRATES OF PIRATES OF PIRATES OF PIRATES OF THE YEAR THE YEAR THE YEAR THE YEAR Sie sind Profis, haben in unterschiedlichen Bands gespielt und überraschen nun mit einem großartigen Mix aus Hardrock, Punk und archaischem Rhythm & Blues: Satan’s Bananas! Thomas Fröhlich war nach 3 Takten Fan und führte ein Interview mit seinen neuen Helden. 56
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FOTO ANJA BENEDETTER
TEXT THOMAS FRÖHLICH
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„Simpel, straight, mit viel Energie!“
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Juli 2026. An den Ges taden des Ratzersdorfer Sees findet die sechste Auflage des „musik.stp FeSTPval“ mit Bands aus der Region statt. Es ist Nach mittag, sehr heiß, das Bier verdunstet in den Bechern und die Erwartungen sind hoch – hat sich doch als zweite Band Satan’s Bananas angesagt, deren Mit glieder aus lauter (nicht an Jahren) alten Haudegen besteht, die in früheren For mationen schon mehr als zu überzeugen (etwa mit Jotu Jeu) wussten. Dann er klingen die ersten Akkorde, der Lead sänger setzt ein – und plötzlich hat man das Gefühl, sich in einem rauchigen Rockclub zu befinden, irgendwo an der Gabelung zwischen Sixties, Siebzigern und Vielem, was nachher mit Gitarre, Bass und Schlagzeug möglich und ein fach saugut war. Das Ganze verfügt auch noch über einen Drive, der sich direkt ins Hier und Heute und in sämtliche Gehörgänge der Zuschauer und -hörer fräst. Das ist definitiv keine Nostalgie show, auch wenn in den lyrics durchaus auch verstorbenen Größen wie etwa Ozzy Osbourne gehuldigt wird. Nach einer (viel zu kurzen) Dreiviertelstunde ist das Konzert vorbei. Sofort wird ein Interviewtermin ausgemacht, der dann einige Tage später in der Seedose statt finden wird … Die Hitze ist geblieben, als das Tref fen am Viehofner See stattfindet, die auch schon während des Konzerts ein paar Tage davor spürbar gute Laune der Bandmitglieder Johannes Unterweger (Gitarre & Lead-Stimme), Christian „Orso“ Kaiser (Bass, Stimme) und Klaus Höfinger (Drums, Stimme) ebenfalls. Eine der ersten Fragen lautet dann gleich: „Satan’s Bananas – wie kommt man eigentlich auf einen derartigen Namen?“ Johannes Unterweger lacht: „Wir haben ca. hundert Vorschläge gesammelt. Hat aber überhaupt kei nen Hintergrund, hat uns gleich ange sprochen – und daraus entstand auch gleich das Logo [ein Teufelchen mit
Bananen als Hörner]. Hat was Böses und Albernes zugleich.“ Klaus Höfin ger ergänzt grinsend: „Habe bei einer Jobvorstellung den Bandnamen ge nannt – das gab eine interessante Re aktion.“ Und Orso meint: „Wir sind ja keine ‚böse‘ Band.“ Er und Klaus sind ja im Brotberuf im Sozialbereich tätig, einzig Johannes kann beruflich einen gewissen Rock’n’Roll-Lifestyle als Stage hand vorweisen, der als Selbstständiger unter anderem für Bühnenauf- und -abbauten zuständig ist. Nach einer Phase intensiven Hard- und Punkrock genusses schlägt er nun mit Satan’s Ba nanas durchaus neue Wege ein. Nach dem er im Herbst 2024 eine längere Songwriting-Pause beendet hatte, ent stand neues Material, das eindeutig in die härtere Richtung ging. Er kontak tierte Klaus und Orso – und die waren sofort dabei. Obwohl Klaus sich selbst gar nicht so sehr als „Riesen-Virtuosen“ sieht: „Aber der Punk-Zugang hat mir gefallen: simpel, straight, mit viel En ergie! Der Anfang war holprig, aber ich habe da gut hineingefunden und bin recht zufrieden.“ Orso kommt ja so wieso aus der härteren Ecke, hat mit der Band Calderah vor einigen Jahren den Metalchamp Bandcontest gewonnen. „Seit einem Jahr wird mit vielen Pausen geprobt. Fürs Konzert am Ratzersdorfer See, das ja unser erstes als Satan’s Ba nanas war, haben wir ein paar Wochen lang das Set geprobt.“ Das Ergebnis war ein unglaublich dichtes Brett, hochpro fessionell und zugleich herzerfrischend spontan. „Da ist auch immer Einiges an Improvisation dabei“, so Johannes, der unter anderem die Band Grateful Dead, bekannt für ihre zum Teil ausufernden Jams, zu seinen erklärten Lieblingen und Inspirationsquellen zählt. Einflüsse von Black Sabbath oder Dio sind er kennbar, gekoppelt mit der Energie des Punks und der Freiheit des Jammens, ein frisches und unverbrauchtes Ge bräu. Textlich machen sie sowieso ihr eigenes Ding: „Eigentlich lass‘ ich mich von allem inspirieren“, so Johannes, Songwriter der Band. Von allem? „Ja, damit mir nicht fad ist! Von Liebe, Ge fühle, verstorbene Musikikonen, Non sens.“ Was es mit dem Song „Pirates of
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the Week“ auf sich hat? Klaus erklärt: „‚Pirates of the Week‘ kam nicht als Bandname in Frage, aber als Liedtitel. So wie ‚Mitarbeiter des Monats‘.“ „Outsider“ war ja der erste Song, der geprobt wurde. Dazu Johannes: „Das ist ziemlich uplifting, wie eigentlich vieles, was wir machen. Hier etwa geht’s darum: Es ist okay, anders zu sein.“ Manchmal schreibe er ja bis zu acht Songs in einer Woche, „doch das ist physisch und psychisch schon recht an spruchsvoll. Aber manche Ideen lassen sich einfach nicht aufschieben.“ Und: „Ich schreibe ja in unterschiedlichen Stilen für unterschiedliche Musikstile, manches ist für Satan’s Bananas geeig net, manches nicht.“ Die Band nimmt sich also die Frei heiten, die sie braucht. Ein Album ist schon geplant, aber: „Eigentlich wollen wir ja gar keine Rockstars sein“, sinniert Klaus, was ihm einen erschreckt wir kenden Grinser von Johannes einbringt: „Na, schon irgendwie!!!“ Orso bringt das Ganze auf den Punkt: „Wir wollen bei der Musik Spaß haben und freuen uns, wenn es auch anderen so geht.“ Ja, das kann man bestätigen. Ob es irgendetwas gibt, was sie den mfg-Lesern vielleicht noch mitteilen wollen? Klaus denkt kurz nach und lächelt (ein wenig satanisch): „Der legendäre Wiener Kulturstadtrat der Nachkriegs zeit, Viktor Matejka, meinte einmal zu André Heller: ‚Nicht laschieren! Außer ihr wollt‘s den Untergang! Ich bitt‘ euch höflich, seid‘s keine Trottel!‘ Dem kann ich mich nur anschließen.“ Orso findet: „Man soll sich selbst treu bleiben, dazu stehen, was man in sich trägt.“ Und Johannes finalisiert: „Man kann seine Meinung auch einmal ändern, weil man sich selbst ändert. Man lernt nie aus.“ Satan’s Bananas beweisen auf je den Fall eins: Neil Youngs Aussage „Rock’n’Roll can never die!“ hat auch 2026 nichts an Kraft verloren. Nachzu hören am 28. November in der Seedose.
„Hat was Böses und Albernes zugleich!“ 57
TEXT JOHANNES REICHL
REGEN IM ANFANG WAR DER
W
ir schreiben das Jahr 2005. Das NUKE Festival geht in Hofstetten-Grünau nahe der Landeshauptstadt St. Pölten über die Bühne mit Kapazundern wie Coldplay, Lauryn Hill oder Jamiroquai. Nachdem nach schweren Regenfällen dort aber Hänge zu rutschen beginnen, springt das von NXP betriebene VAZ St. Pölten mit seinen befestigten Parkplätzen ein, von wo aus die Festivalgäste ins Pielachtal geshuttelt werden. Der Rest ist Geschichte … 2006 SCHLÄGT DAS NUKE EIN UND BEGINNEN LOVELY DAYS
… denn das Jahr darauf, wir schreiben 2006, entschließt sich Veranstalter Harry Jenner – dem Vernehmen nach von VAZ-Manager René Voaks Dauerwerbung für sein Haus weichgekocht – das NUKE Festival auf dem befestigten Ge58
lände des VAZ St. Pölten durchzuführen – der Beginn der Großfestival-Ära in St. Pölten sowie einer langen, gedeihlichen Partnerschaft zwischen VAZ St. Pölten und der Stadt St. Pölten als „Herbergsgeber“ mit Musicnet/Barracuda als Veranstalter. Beim NUKE allein sollte es nämlich nicht bleiben! Bereits im selben Jahr wird auch das Lovely Days Festival (im Premierenjahr u. a. mit dem letzten Open-Air Konzert von The Who in Österreich) aus der Taufe gehoben. 2009 übersiedelt schließlich das damals größte Festival Österreichs, das Frequency Fes tival, vom Salzburg-Ring in den St. Pöltner Greenpark in und rund ums VAZ St. Pölten! Seither haben sich – kleines Best Of – die größten Pop- und Rockstars ihrer Zeit in St. Pölten die Klinke in die Hand gegeben wie 30 Seconds To Mars, Bad Religion, Beastie Boys, Bilderbuch, Billie
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Eilish, Billy Idol, Billy Talent, Blink-182, Bloc Party, Cypress Hill, Die Ärzte, Die Toten Hosen, Eddy Grant, Ed Sheeran, Foo Fighters, Fritz Kalkbrenner, Gary Moore, Gorillaz, Grace Jones, Imagine Dragons, Jethro Thull, Jovanotti, Lenny Kravitz, Limp Bizkit, Linkin Park, Macklemore, Mando Diao, Manu Chao, Massive Attack, Mumford & Sons, Muse, Pixies, Placebo, Queens of The Stone Age, Radiohead, Robert Plant, Roxy Music, Seeed, Sido, Snoop Dog, Sportfreunde Stiller, Tenacious D, The Cure, The Chemical Brothers, The Killers, The Prodigy, The Offspring, The Who, Twenty One Pilots, Uriah Heep, Will Smith u.v.m. Im Rahmen des diesjährigen Frequency Festivals bedankte sich VAZHausherr René Voak bei Veranstalter Harry Jenner für die nunmehr bereits zwanzigjährige Zusammenarbeit und überreichte ihm als kleines Dankeschön und Andenken ein Bild, auf dem die Top-Acts der vergangenen 20 Musicnet-Jahre im VAZ St. Pölten angeführt sind. Harry Jenner strich vor allem den positiven Gesamtkosmos von Festivals hervor: „20 Jahre im Leben eines Festivalveranstalters sind verbunden mit un-
FOTOS THOMAS RANNER, ZVG
Dass „schlechtes Wetter“ nicht immer „schlecht“ sein muss, sondern manchmal durchaus positive Effekte und Folgen zeitigen kann, lehrt der Beginn der Großfestival-Ära in St. Pölten vor 20 Jahren.
mfg SZENE endlich vielen aufregenden Momenten, einzigartigen Begegnungen mit tollen Menschen vor wie auch hinter den Kulissen, und ‚unpackbar‘ vielen gutgelaunten Besuchern, die dankbar sind, dass wir so etwas mit einem großartigen Team auf die Beine stellen … auf die nächsten 20 Jahre!“ VON HOLI BIS BEATPATROL
Neben den Festivals von Musicnet fanden zudem in Folge auch immer wieder weitere größere und kleinere Festivals im VAZ St. Pölten statt, vom Mittelalterspektakel mit Acts wie Subway To Sally, Saltatio Mortis oder In Extremo über das Holifestival bis hin zum über die Jahre vom Open-Air Festival zum größten Indoor-Festival Österreichs mutierten Beatpatrol Festival, das in den St. Pöltner Jahren zwischen 2009 und 2019 Jahren noch für PositivSchlagzeilen und Electronic-Music-Superstars am Fließband sorgte. Auch hier lässt man sich das Who is Who, das in St. Pölten auf der Bühne stand, am bes ten auf der Zunge zergehen: Afrojack, Armin van Buuren, Avicii, Deadmau5, Faithless, Justice, Marshmello, Moby, Parov Stelar, Paul van Dyk, Paul Kalkbrenner, Robin Schulz, Scooter, Stereo MCs, Steve Aoki, Tiësto uvm. VAZ- und NXP-Geschäftsführer René Voak, der schon vor dieser Zeit etwa mit Konzerten wie David Bowie am St. Pöltner Domplatz 1996 für Furore gesorgt hatte, kann es selbst kaum
2006 feierten die Lovely Days mit ExLed Zeppelin Robert Plant (3.v.l.) und The Who ihre Premiere in St. Pölten.
Oben: Der Beginn – von 13.-15. Juli 2006 fand erstmals das NUKE im VAZ statt. Rechts: René Voak dankte Veranstalter Harry Jenner für 20 Jahre Großfestivals.
glauben, was im VAZ St. Pölten über die Jahrzehnte entstanden ist. „Es ist schon beeindruckend, welche Acts hier in St. Pölten aufgetreten sind. Die Festivals – dafür ist allen voran Harry Jenner als Veranstalter, ebenso aber auch der Stadt St. Pölten mit ihrem klaren Bekenntnis zu den Großfestivals zu danken – haben sich zu DEM positiven Imagetreiber für die junge Hauptstadt St. Pölten entwickelt und ihren Ruf weit in die Welt hinausgetragen. Die nachhaltigen Effekte auf Image, Tourismus und Wirtschaft suchen ihresgleichen!“ Die Festivals haben auch das VAZ St. Pölten als Veranstaltungslocation von internationalem Format etabliert, denn im Fahrwasser der Festivals folgten auch zahlreiche Einzelkonzerte von Schwergewichten wie Beth Hart, Suzanne Vega, Zucchero, Rea Garvey, Lynyrd Skynyrd, Tom Jones, ZZ Top oder zuletzt The Hollywood Vampires rund um Alice Cooper, Johnny Depp, Joe Perry und Tommy Henriksen. „Irgendwie fügt sich heuer alles zu einem runden Ganzen zusammen“, so Voak. „1996 gastierte David Bowie am Domplatz, 2006 waren The Who der Headliner des ersten Lovely Days Festivals im VAZ St. Pölten und 2026 spielten,
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ebenfalls Open Air im VAZ, The Hollywood Vampires im Zuge ihres einzigen Österreich-Konzerts ‚Baba O’Riley‘ von The Who und ‚Heroes‘ von David Bowie! So, als würde sich ein Kreis schließen – da bekam ich schon Gänsehaut!“, gesteht der nimmermüde Manager, der selbst einer der Heroes ist, die das St. Pöltner Festivalwunder möglich machen – not „just for one day“, wie es in Heroes heißt, sondern seit nunmehr 20 Jahren!
Auf die nächsten 20 Jahre! HAR RY J ENNER , MUSICNET
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Avicii
Gorillaz Grace Jones
Tenacious D
Anne-Marie Ed Sheeran
Deichkind
Blink-182
Chappell Roan
Imagine Dragons
Wiz Khalifa
Billie Eilish
Steve Aoki
Linkin Park
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Muse
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Jüngste Landeshauptstadt wurde zur Festivalhauptstadt
FOTOS FREQUENCY FESTIVAL – BARRACUDA/ZVG, D. BITZAN, M. T. LIENBACHER, DB PHOTOGRAPHY, H. SPINDLER, R. KOHLHUBER, T. RANNER; BEATPATROL: HELGE WÖLL; JOSEF VORLAUFER
Vor 20 Jahren begann mit dem NUKE die Erfolgsgeschichte St. Pöltens als Festivalhauptstadt Österreichs – auch weil damals ein junger Bürgermeister namens Matthias Stadler die damit einhergehenden Chancen für die Hauptstadt erkannte. Was sind Ihre Erinnerungen an die Anfangszeit der Großfestivals? 2006 war für St. Pölten eine spannende Zeit. Ich war noch nicht lange Bürgermeister und wir waren als Stadt gerade dabei, uns in vielerlei Hinsicht neu zu positionieren. St. Pölten hatte lange Zeit den Ruf, dass hier nicht besonders viel los sei. Die Großfestivals haben diesem Bild sehr deutlich widersprochen. Ich erinnere mich vor allem daran, wie schnell sich gezeigt hat, welches Potenzial darin steckt: Tausende junge Menschen kommen nach St. Pölten, die Stadt wird überregional wahrgenommen und plötzlich wird auch außerhalb der Stadt über St. Pölten als Veranstaltungs- und Kulturstadt gesprochen. Die jüngste Landeshauptstadt wurde zur Festivalhauptstadt. Viele mutmaßen, dass unter Ihrem Vorgänger ein derartiges Bekenntnis und eine derartige Unterstützung der Großfestivals nicht möglich gewesen wären – warum waren Sie davon von Anfang an überzeugt? Ich möchte die Arbeit meiner Vorgänger nicht beurteilen – Zeiten ändern sich und mit ihnen auch die Möglichkeiten. Für mich war entscheidend, nach vorne zu schauen und die Chancen zu erkennen, die solche Veranstaltungen für St. Pölten bieten: Umwegrentabilität, Image und natürlich auch ein Angebot vor Ort, das ei-
ner Landeshauptstadt und ihrer Hauptstadtregion würdig ist. Eine Stadt muss sich auch entwickeln und etwas ausprobieren. Ich war überzeugt, dass wir den Mut haben sollten, neue Wege zu gehen und auch jungen Menschen etwas anzubieten. Natürlich bringen Großveranstaltungen Herausforderungen mit sich – etwa bei Verkehr, Sicherheit oder Lärm. Aber wenn man diese professionell organisiert, überwiegen für mich ganz klar die Chancen. Welche Rolle spielen die Festivals heute 20 Jahre später für die Stadt? Sie sind heute ein wichtiger Teil des Stadtbildes und der Positionierung St. Pöltens. Sie bringen Besucherinnen und Besucher in die Stadt, schaffen Wertschöpfung für die regionale Wirtschaft und sorgen für eine überregionale mediale Aufmerksamkeit. Noch wichtiger ist für mich aber die Wirkung nach innen: Eine Stadt braucht Orte und Veranstaltungen, auf die ihre Bewohnerinnen und Bewohner stolz sind. Die Großfestivals haben mitgeholfen, das Selbstverständnis St. Pöltens zu verändern. St. Pölten hat heute den Anspruch, eine Stadt zu sein, in der etwas los ist – und gleichzeitig eine Stadt, in der die Lebensqualität der Menschen vor Ort ernst genommen wird. Beides miteinander zu verbinden, ist die Herausforderung und gleichzeitig unsere große Stärke.
Noch wichtiger ist für mich die Wirkung nach innen: Eine Stadt braucht Orte und Veranstaltungen, auf die ihre Bewohnerinnen und Bewohner stolz sind! B GM MAT THIAS STAD L ER
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STARS STARS STARS STARS STARS … Die Dichte an Superstars, die seit 2006 in St. Pölten gastierten, sucht ihresgleichen und lockte ein Millionenpublikum an.
13.-14. JULI OPEN AIR GELÄNDE VAZ ST. PÖLTEN
BEASTIE BOYS
DIE FANTASTISCHEN VIER
THE PRODIGY
WIR SIND HELDEN H CALEXICO AMY WINEHOUSE H THE ROOTS
SILBERMOND H FREUNDESKREIS H KOSHEEN
LAMBCHOP JOY DENALANE BAUCHKLANG H
H
DONAVON FRANKENREITER ATTWENGER H
SONIC JUNIOR SEÑOR COCONUT & ORCHESTRA feat.ARGENIS BRITO H
14.-16.AUGUST SALZBURGRING
R.E.M. THE KILLERS THE WOMBATS BALKAN BEAT BOX
YEAR LONG DISASTER
LENNY KRAVITZ
THE CHEMICAL BROTHERS S HNE MANNHEIMS
Ö BABYSHAMBLES SLUT KAIZERS ORCHESTRA SCIENTISTS THE ROOTS THE HIVES WE AREALKALINE TRIO FETTES BROT MORCHEEBA GENTLEMAN GET WELL SOON GONZALES TRICKY NNEKA DROPKICK MURPHYS JOSÉBLACKMAIL ORISHAS STEREO MCS CULCHA CANDELA H
ITCHY POOPZKID
THE SUBWAYS
EIGHT LEGS JUBILEE
DANKO JONES TEITUR MADSEN CHIKINKI
THE LEA SHORES HIFI HANDGRENADES
ROOTS & VIBES:
ANTHONY B. H AMADOU & MARIAM
FATAN MOJAH & PERFECT H JUNIOR KELLY H TANYA STEPHENS
TINARIWEN H JAHCOUSTIX H BABYLON CIRCUS H B SEITEN SOUND
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a er b ST h so IC äl f K tl or E ic t T h S !
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LYRICS BORN & SOUND EDDY GRANT NIGHTMARES ON WAX SYSTEM GALACTIC with BOOTS RILEY (of The Coup) H
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DIRTY PRETTY THINGS I AM X CLUESO & BAND WARD21 FEAT. TIFA THE HEAVY MONO & NIKITAMAN THE DRESDEN DOLLS THRICE BLOOD RED SHOES LIGHTSPEED CHAMPION ALBOROSIE & SHANG YENG CLAN H RODNEY HUNTER & LIVE BAND THE CHARLATANS ADAM GREEN LADYTRON TOSH meets MARLEY starring FULLY FULLWOOD, JUNIOR MARVIN & THE FULLY FULLWOOD BAND BLACK KIDS THE TEENAGERS
3 TAGE - 90 ACTS - 5 BÜHNEN
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COLLIE BUDDZ & THE NEW KINGSTON BAND H LES BABACOOLS H XAVIER RUDD
PETE PHILLY & PERQUISITE H THE BEAUTIFUL GIRLS H IRIEPATHIE H POSITIVO MOÇAMBIQUE
& INFOS: 18.-19.JULI 2008 TICKETS WWW.NUKE.AT
TICKETS & INFOS: WWW.NUKE.AT
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ALPHA BLONDY H BEENIE MAN
Tickets sind in allen Raiffeisenbanken W/NÖ/OÖ und auf www.ticketbox.at (Ermäßigung für Raiffeisen Club-Mitglieder), auf www.musicticket.at, im Musicticket Shop (Skodagasse 25, 1080 Wien), bei ÖTicket unter 01 / 96 0 96, bei der WienXtra Jugendinfo erhältlich. Außerdem bei Ticket Online unter www.ticketonline.at oder telefonisch 01 88 0 88.
DIE FANTASTISCHEN VIER
FLOGGING MOLLY MAXIMO PARK TRAVIS LOUIS XIV
PATRICE IRON & WINE JULIA
OPEN AIR GELÄNDE VAZ ST. PÖLTEN
Tickets sind in allen Raiffeisenbanken W/NÖ/OÖ und auf www.ticketbox.at (Ermäßigung für Raiffeisen Club-Mitglieder), auf Tickets gibts auf www.musicticket.at, im Musicticket-Shop (Skodag. 25, 1080 Wien), in jeder Bank Austria (Ermäßigung www.musicticket.at, im Musicticket Shop (Skodagasse 25, 1080 Wien), bei ÖTicket unter 01 / 96 0 96, bei der WienXtra für MegaCard-Members), unter www.megacard.at, unter www.clubticket.at (050505-15) sowie bei Ö-Ticket (01/96096, Jugendinfo erhältlich. Außerdem bei Ticket Online unter www.ticketonline.at , 01 / 88 0 88 sowie bei allen Ticket Online www.oeticket.com) und der WienXtra Jugendinfo (01/1799). Außerdem bei Ticket Online unter www.ticketonline.at oder Vorverkaufsstellen. telefonisch unter 01/88 0 88.
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O O Op p pe e en e n e na d a V de aiiir n r V ä nd G rG l VA e än Ge lä A el AZ Z Z... S Ö Ö S N ST NÖ T T... P N P E N,,, N Ö T L PÖ EN ÖL TE LT Original THE DOORS members celebrating 40 years of THE DOORS
RIDERS ON THE STORM Ray MANZAREK & Robbie KRIEGER Feat.
from THE DOORS
JETHRO TULL
URIAH HEEP
BARCLAY JAMES HARVEST* SUZANNE VEGA
COLOSSEUM
Feat. BARBARA THOMPSON
BLOOD SWEAT & TEARS
THE SWEET ( TEN YEARS AFTER * Feat. LES HOLROYD
* parken gratis * VIP-TiCK ETs *
Tickets gibt es auf www.musicticket.at in allen Filialen der Bank Austria Creditanstalt unter www.clubticket.at (Ermäßigung für alle Mitglieder des BA-CA Ticketing) und unter 050505/15, in allen Raiffeisenbanken Wien und Niederösterreich, bei Ö-Ticket (01 96096), bei der WienXtra Jugendinfo (01/1799) und bei Ticket Online unter www.ticketonline. at oder telefonisch 01/88 0 88.
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Die nachhaltigen Effekte der Festivals auf Image, Tourismus und Wirtschaft suchen ihresgleichen! R ENÉ VOAK
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TEXT THOMAS SCHÖPF
WIESER KÄMPFT FÜR „NOCH VIEL MEHR WERTSCHÄTZUNG UNSERER TOP-ATHLETINNEN“ Seit Juli ist Christina Wieser, Ökonomin bei der Weltbank mit mehrjährigen Einsätzen in Äthiopien und Pakistan, Präsidentin der SKN St. Pölten Frauen. Ihre ambitionierten Ziele: weiterhin Spitzenfußball in der NV Arena, mehr Spielerinnen aus der Region in der Kampfmannschaft und mehr Publikum. Nach dem Aus in der Champions League geht es im Europacup gegen Malmö weiter, das Heimspiel steigt am 23. September in der NV Arena. Was erwarten Sie sich? Wir gehen nach dem starken Auftreten in Turin und dem gelungenen Meisterschaftsstart jedenfalls mit viel Selbstvertrauen in das Duell gegen Malmö. In der Champions League ist das Leistungsgefälle zwischen den Klubs sehr groß. Im Europacup ist das nicht unbedingt der Fall. Da hat ja auch die Austria letztes
Union-Berlin-Leihgabe Alma Aagaard erzielte den Treffer beim 1:1-Unentschieden bei Juventus Turin und zeigte auch in der österreichischen Bundesliga schon auf.
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Jahr mit dem Einzug ins Viertelfinale gezeigt, dass viel möglich ist. Auch wenn Malmö nicht unbedingt das leichteste Los war, wir sind bereit. Das vorrangige Saisonziel ist aber wohl, sich den Meisterteller von der Austria zurück zu holen? Wir wollen in jedem Fall wieder bis zum Schluss ganz vorne mitspielen. Das wird immer schwerer, weil die Konkurrenz größer wird und zumindest im Herbst die Mehrfachbelastung aufgrund der internationalen Spiele bei uns auch ein Thema ist. Ich sehe das aber sehr positiv, dass auch die anderen Klubs immer besser werden. Das hilft uns in der Liga allen sehr viel weiter, auch wenn das für uns natürlich die eine oder andere Niederlage mit sich bringt, wie letzte Saison. In der „Tabelle der anderen Art“, einer von der Vereinigung der Fußballer „VdF“ durchgeführten Umfrage unter Bundesliga-Spielerinnen über die Zufriedenheit mit ihrem Verein, ist der SKN „nur“ Vierter geworden. Ich bin sehr dankbar für diese Umfrage. Gut, dass es sie gibt. Es ist natürlich eine Momentaufnahme, die wir aber sehr ernst nehmen. Wir halten ständig Rücksprache mit unseren Spielerinnen, haben ein regelmäßiges Forum, und versuchen laufend die Strukturen zu verbessern. Ich darf hier auch anmerken, dass unsere
FOTOS SKN/TOM SEISS, PRIVAT, ADOBE STOCK
Wie war Ihre erste Auswärtsreise als Präsidentin der Wölfinnen nach Turin zu Juventus? Sehr aufregend. Vor allem, weil wir uns so gut geschlagen haben. Das hat uns wohl kaum wer zugetraut, dass wir bei Juventus ein Unentschieden holen. Es war toll zu sehen, wie groß der Zusammenhalt der Mannschaft ist und wie professionell alle arbeiten. Letztes Jahr war ich auch schon mit in Rom und bin sehr dankbar dafür, denn so bekomme ich noch bessere Einblicke.
mfg SPORT Neo-Präsidentin Christina Wieser sorgt für frischen Wind in der Führungsetage der SKN-Frauen.
hat, in der Vergangenheit bereits sehr viel leistete. Darauf gilt es aufzubauen.
Geschäftsstelle hervorragende Arbeit leistet. Wir haben uns gemeinsam drei große Ziele gesetzt. Welche denn? Wir wollen eine noch bessere Grundlage für professionellen Frauenfußball in St. Pölten schaffen. Wir sind sehr stolz, dass bereits die Mehrheit unserer Spielerinnen hauptberuflich Fußballerinnen sind. Künftig wollen wir aber auch der Verein der Region werden, zu dem alle Mädchen wollen. Sie sollen die Möglichkeit haben, es von der U14 über die U16 und das Future Team in die Profimannschaft zu schaffen. Diesen Weg gilt es zu ebnen. Außerdem wollen wir mehr Leute ins Stadion bringen, den Hebel vor allem bei den Familien ansetzen. Hier werden wir immer wieder Aktionen starten, damit der Besuch noch interessanter wird und die Kinder bei uns gut untergebracht sind. Ich möchte aber schon noch festhalten, dass der SKN in der Geschichte des österreichischen Frauenfußballs eine Vorreiterrolle
Das heißt, künftig werden weniger Legionärinnen auflaufen. In der Startelf im Rückspiel gegen Juventus standen mit Jennifer Klein und Magdalena Rukavina nur zwei Österreicherinnen. Wir machen überhaupt keinen Unterschied, wo jemand herkommt. Hauptsache der Zusammenhalt stimmt und das ist definitiv der Fall. Wir sind sehr stolz, dass wir die Anlaufstelle für TopSpielerinnen aus Osteuropa sind und viele Legionärinnen auch sehr lange bei uns bleiben. Wie stark unsere jungen Wilden sind, hat man im Cup beim 12:0-Sieg gegen Brunn gesehen, als viele vom Future Team ran durften. Da haben sich mit Alba Szuchy, Julia Tabotta, Isabel Aistleitner, Anika Gusenbauer und Emma Scheuher gleich fünf Österreicherinnen in die Schützinnenliste eingetragen. Gibt es aber überhaupt genug junge Mädchen in der Region, um mittelfristig weiterhin eine Top-Mannschaft in der heimischen Bundesliga zu haben? Ja. Zu meiner Zeit war das noch anders. Ich hatte als Mädchen in Kilb keinen wirklichen Zugang zu einem Team, für mich gab’s damals mehr oder weniger nur Volleyball oder Tennis zur Auswahl und ich habe mich fürs Tennis entschieden. Natürlich gilt es hier genauso weiter die Strukturen zu verbessern. Bei uns im Verein kann ich mich als Ökonomin gut einbringen, und ich werde jede freie Minute dafür nutzen, um für noch viel mehr Wertschätzung unserer Top-Athletinnen zu sorgen. Die haben sie sich redlich verdient.
Ich sehe das sehr positiv, dass auch die anderen Klubs immer besser werden. C H RISTIN A W IES ER
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Roul Starka
SCHADE Schade, dass es nicht viel kälter ist, es wäre so schön zu kalt für diese Zeit. Schade, dass noch keine Zeitumstellung ist, ich könnte mich so schön ärgern darüber. Schade, dass es in der Fußgängerzone keine neuen Baustellen gibt, ich hätte mich so schön aufgeregt. Schade, dass die Jungen sich beim Frequency so brav verhalten haben, nichts blieb zum Schimpfen. Schade, dass meine Frau in letzter Zeit so lieb zu mir ist, mir einfach den von mir hinterlassenen Saustall in der Küche verzeiht. Na ja, wahrscheinlich will sie mich doppelt erniedrigen. Schade, dass ich nicht zugenommen habe, ich hätte so toll Schuldige dafür gefunden. Schade, dass mein Computer gut funktioniert, wie viele Giftspritzen gegen die Technik hätte ich parat. Schade, dass mein Internist zurzeit ganz zufrieden ist mit mir, die Zigarette schmeckt mit schlechtem Gewissen viel besser. Schade, dass ich im Moment keine einzige neue Falte im Gesicht entdecke, wie schön wäre ich verzweifelt gewesen. Schade, dass ich keinen Freund beleidigt habe, so schön hätte ich mich geschämt und dann sein Fehlverhalten vor 30 Jahren wieder erkannt. Schade, dass ich keine Krämpfe mehr in den Waden habe, schade, dass der Kühlschrank zusammengeräumt ist, schade, dass in meinem Zimmer kein Gewand am Boden liegt. Schade, dass mich St. Pöltner in meinem St. Pölten zurzeit nichts aufregt. Was mich allerdings wirklich nervt, sind diese schönen, glänzenden Kastanien, da denke ich unentwegt ergriffen und melancholisch an meine Kindheit. Wenn das Leben einmal nicht weh tut, tut es noch mehr weh.
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KRITIKEN ZUM HÖREN Manshee, mikeSnare, Thomas Fröhlich, Thomas Winkelmüller, Rob.STP, Maximilian Reichl (von links nach rechts) THANK YOU
SOME SMALL FORTUNE
CATHEDRAL
Rund 15 Jahre nach Auflösung der Band hat der ehemalige Beastie Boy Mike D sein erstes facettenreiches Soloalbum herausgebracht, bei dem ihm seine beiden Söhne im Heimstudio halfen. Seine nasale Stimme, sein grooviger Rap und eine Prise Punkrock geben den Beastie-Boys-Flair zurück. Trotz mancher experimenteller Klänge verlieren sich die Songs nie, sie sind erfreulich und knackig.
Aus Glasgows kontemporärer Jazz-Szene sticht sein Name seit einiger Zeit verlässlich heraus: Liam Shortall aka corto.alto. Bewandert im Drücken und Zupfen allerlei Tasten, Knöpfen und Saiten, zeigt der stets dem Rhythmus Verpflichtete, was er so kann. Eine Vielzahl an hochkarätigen Gastsänger*innen und ein Streichorchester bringen Charakter und bewahren Ideen vorm Ausbüxen.
Anstatt Filme zu drehen, hat sich HorrorMaestro John Carpenter mittlerweile aufs Musikmachen verlegt und liefert gleichsam Soundtracks zu imaginären Filmen. Diesmal geht er einen Schritt weiter: Die Musik wurde zu einem von ihm getexteten gleichnamigen (Horror-)Comic geschrieben und mit Band eingespielt. Synthcore trifft Metal: Instrumental-Düsternis vom Feinsten!
WHY SO MUCH HATE
JUNGLE DAZE (BREAK REMIX)
TERRIFIED
Auf ihrem Debut-Album präsentieren sich die beiden New Yorker Brüder Weston locker wie erfrischend. Während der Zeitgeist im Hip-Hop zunehmend in Richtung chaotischer Plug- oder Rage-Beats geht, schaffen vor allem die Instrumentals von IsoKeys eine entspannte Abwechslung. Zusammen mit den rohen Vocals seines Bruders vielleicht bald ein neuer Fixplatz im Genre.
Goldie meldet sich mit „Jungle Daze“ zurück und holt Wegbegleiterin Natalie Williams ans Mic. Ihre souligen Jazz-Vocals treffen im herausragenden Remix von Break auf komplex editierte, time-gestretchte Breakbeats und weitläufige cineastische Soundscapes. Erinnerungen an den glorreichen Jungle-Sound der 90er kommen hoch. Gleichzeitig klingt der Track frisch und eigenständig.
Mit „Terrified“ präsentiert Lo-Fi-Künstler „fakemink“ einen zugleich atmosphärischen wie auch persönlichen Sound. Das Album klingt neben angenehmem und unaufgeregtem Rap genauso, wie man sich einen Traum musikalisch vorstellen würde: starke Synthesizer und einzigartige Beats, als würde man auf Wolken gehen. Vielleicht sind fakeminks Songs deshalb auch auf Social Media so bekannt?
ZUM SCHAUEN
ZUM SPIELEN
ZUM LESEN
THE PIANO TUNER
THE BLOOD OF DAWNWALKER
WIE KONNTE DAS GESCHEHEN?
Manche Menschen hören mehr als andere. Der junge Klavierstimmer Niki verfügt über ein außergewöhnliches Gehör. Gemeinsam mit seinem Mentor Harry bewegt er sich zwischen Flügeln und der New Yorker Gesellschaft. Doch als Niki entdeckt, dass sich seine Fähigkeiten auch zum Knacken von Safes eignen, gerät sein Leben außer Kontrolle.
„The Blood of Dawnwalker“ punktet mit dichter Vampir-Atmosphäre, detailreicher Grafik und einer düsteren Welt. Das Kampfsystem bietet taktische Tiefe, wirkt aber teils noch etwas sperrig. Besonders die spielerische Freiheit, Entscheidungen und unterschiedlichen Lösungswege machen das RPG spannend und eigenständig.
Zwölf Jahre Nazi-Diktatur, von der Machtergreifung Hitlers bis zur totalen Niederlage des Dritten Reichs, als rasender Furor: Unentwegt begleitet erregte fiebrige Propaganda die Polit-Agitation, die schrittweise von der Ausschaltung der Weimarer Republik zur Massenhysterie führt und in der grenzenlosen Katastrophe des Massenmordens mündet.
DIGGER
MORTAL SHELL 2
DAS DREISTE SCHWEIGEN MEINES ...
Tom Cruise einmal ganz anders: Als exzentrischer Öl-Milliardär Digger Rockwell hat er mit seinen skrupellosen Geschäften eine globale Katastrophe ausgelöst – und will nun ausgerechnet als Retter der Menschheit in die Geschichte eingehen. Eine bissige, schwarze Komödie zwischen Größenwahn, Weltuntergang und Selbstüberschätzung.
Das Game liefert wuchtige Kämpfe, eine bedrohliche Atmosphäre und eine starke Optik. Verschiedene Waffen und Kampfstile eröffnen vielfältige Möglichkeiten. Die düstere Spielwelt lädt zum Erkunden ein und hält einige Überraschungen bereit. Schwächen bei Gegner-KI, Orientierung und repetitiven Passagen sorgen jedoch gelegentlich für Frust.
... Kühlschranks. Wem soll Rosa glauben? Ihrer besten Freundin, mit der sie seit Jugendtagen gegen den Rest der Welt ankämpft? Oder doch ihrem Ehemann? Rund um den Vorwurf eines sexuellen Übergriffs entwickeln tiefgründige Charaktere toxische Beziehungen und stellen uns spannende Fragen, die wir letztlich selbst beantworten müssen.
JUDAH WESTON & ISOKEYS
Manshee, Clemens Schumacher
DANIEL ROHER
ALEJANDRO G. IÑÁRRITU
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CORTO.ALTO
GOLDIE FEAT. NATALIE WILLIAMS
Christoph Schipp
REBEL WOLVES
COLD SYMMETRY
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JOHN CARPENTER
FAKEMINK
Helmuth Fahrngruber, Michael Müllner
GÖTZ ALY
CARO REICHL
FOTOS ZVG
MIKE D
mfg
VERANSTALTUNGEN HIGHLIGHT VAZ St. Pölten THE HARLEM GLOBETROTTERS Zuge ihrer 100 Jahre Jubiläumstour nach St. Pölten. „Die Jubiläumssaison bringt eine einmalige, eigens anlässlich des 100-jährigen Geburtstages kreierte Show aus 100 Jahren atemberaubender ‚Gibt’s doch nicht!‘-Momenten, 100 Jahren ‚Wow!‘-Augenblicken und 100 Jahren Basketball-Faszination pur“, versprechen die Globetrotters. Von spektakulären Dunkings über irrwitzige Dribblings bis hin zu trickreichen Spielzügen erleben die Fans hautnah die Geschichte und den Mythos der berühmtesten Basketballmannschaft der Welt.
© The Harlem Globetrotters / Craig Hunter
8. OKTOBER Die weltberühmten Harlem Globetrotters kommen im
DEBUSSY/RAVEL/MAHLER
„FIFI“ PISSECKER
OSKAR HAAG
KERNÖLAMAZONEN
28. SEPTEMBER Märchen, Sagen und musikalische Erzählungen verbinden sich zu einem fein gesponnenen Klangbogen, wenn der Wiener Singverein und Tonkünstler-Chefdirigent Fabien Gabel französischen Impressionismus und Fin-de-Siècle-Stimmung aufeinandertreffen lassen: von Debussys „Pelléas et Mélisande“ über Ravels traumhafte „Shéhérazade“ bis zu Mahlers „Das klagende Lied“.
22. OKTOBER In „Na gra-
tuliere…, von 16 bis 60!“ feiert Wolfgang Fifi Pissecker gleich mehrere Jubiläen: Nämlich die Überschreitung der magischen Grenze des 60ers, welche er sich mit 16 nicht vorstellen konnte, sowie sein 44-jähriges Bühnenjubiläum, mit dem er als 16-Jähriger schon eher gerechnet hatte! Pointenreich reflektiert der Mann alles, was war, was ist, und vielleicht noch sein wird.
22. OKTOBER Mit gerade einmal 20 Jahren zählt Oskar Haag längst zu den spannendsten Stimmen der jungen österreichischen Pop- und Indie-Szene. Als Songwriter, Musiker und Schauspieler hat sich der Wahlwiener in kurzer Zeit einen Namen gemacht. Auf seiner „Lost Cause“Tour hat er neben Songs wie „Stargazing“ oder „Sharpen the Knives“ auch neue Stücke seines zweiten Albums im Gepäck.
23. OKTOBER Liebe & Kernöl
FESTSPIELHAUS
VAZ ST. PÖLTEN
CINEMA PARADISO
BÜHNE IM HOF
KABARETT
SERENADE DES EXILS
KLEINE EHEVERBRECHEN
25. OKTOBER Musik zwischen
AB 6.11. Ein erfolgreicher Kri-
Heimat, Vertreibung und Exil: Die „Serenade des Exils“ vereint Werke von Felix Mendelssohn Bartholdy, Gustav Mahler, Erich Wolfgang Korngold und Ursula Mamlok. Mezzosopranistin Hagar Sharvit und das Trio Delyria widmen sich Komponist:innen und Werken, die in unterschiedlicher Weise mit Exil, Vertreibung und jüdischer Musikgeschichte verbunden sind.
EHEM. SYNAGOGE
KONZERT
miautor verliert sein Gedächtnis und seine Ehefrau seit 15 Jahren will ihn in ihr gemeinsames Leben zurückführen. Aber sagt sie die Wahrheit? Und kann er sich wirklich an nichts mehr erinnern? Das Theater Perpetuum bringt Éric-Emmanuel Schmitts spannendes Ehedrama „Petits crimes conjugaux“ (Kleine Eheverbrechen) auf die Bühne des Forumkinos St. Pölten.
FORUMKINO
THEATER
KONZERT
KABARETT
VAZ ST. PÖLTEN
KONZERTE | EVENTS | MESSEN | KONGRESSE
DO 22.10.26 // 19:30
WOLFGANG „FIFI“ PISSECKER DO 26.11.26 // 19:30
UNENDLICHE GESCHICHTE
ANNETT LOUISAN
7. NOVEMBER Der schüch-
terne Junge Bastian entdeckt ein geheimnisvolles Buch und gerät immer tiefer in die bedrohte Welt Phantásien. Dort wird er selbst Teil der Geschichte und erkennt, dass Mut, Fantasie und seine eigenen Wünsche über ihr Schicksal entscheiden. Michael Endes „Die unendliche Geschichte“ zeigt, dass Geschichten nur dann weiterleben, wenn wir sie weitererzählen.
23. NOVEMBER Annett Louisan ist die Stimme des deutschsprachigen Chansons – sie hat dieses Genre maßgeblich geprägt und ihm eine eigene unverwechselbare Note gegeben. Bis heute hat sie weit mehr als 1,5 Millionen Tonträger verkauft, zahlreiche Musikpreise gewonnen und unzählige Menschen mit ihren Auftritten verzaubert. Im Herbst gastiert sie mit ihrer Tournee „Sehnsucht“ in Linz.
LANDESTHEATER
BRUCKNERHAUS LINZ
THE MUSICAL STORY OF ELVIS FR 27.11.26 // 19:30
MELLOW – MAGIE & ILLUSIONEN SA 05.12.26 // 16:00
PAOLO SCARIANO Tickets im VAZ St. Pölten, ticket@nxp.at, www.vaz.at, 02742/71 400 in allen Raiffeisenbanken, Geschäftsstellen von www.oeticket.com VERANSTALTUNGSBETRIEBS GMBH
THEATER
KONZERT
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Foto: Dominic Pencz
KONZERT
stehen bei den beiden Amazonen eigentlich schon seit 21 Jahren auf dem Programm. Aber was spricht dagegen, den Zwanziger ein bisschen länger zu feiern? Wenn die griechische Halbgöttin Caroline auf die steirische Schilchermischung Gudrun trifft, kann man sich auf eine wunderbare Kombi aus Temperament, Musikalität und Witz gefasst machen.
mfg
AUSSENSICHT
Georg Renner Der Wilhelms-
burger ist freier Journalist und betreibt den Podcast „Ist das wichtig?“.
Jakob Winter Aufgewachsen in St. Pölten, emigriert nach Wien, Digitalchef beim „profil“.
Die „Leider nein“-Niete der Hauptstadtplanung.
Der Domplatz kann zum Museumsquartier werden.
Auch auf die Gefahr hin, hier wie der ärgste früher-war-allesbesser-Boomer rüberzukommen: Auch drei Jahre nach dem Umbau fehlt mir der alte Domplatz noch immer. Himmel, ich halte seine neue Inkarnation für so verunglückt, dass mir sogar der Baustellen-Domplatz, auf dem man wenigstens einen Blick tief hinunter in die Vergangenheit der Stadt werfen hat können, lieber war als die jetzige Steinwüste. Nun kann man sagen, he, eine Stadt braucht eben urbane Freiräume, Plätze ohne Konsumzwang, zum Verweilen, herumlenzen, veranstalten und so weiter. Ja eh. Aber erstens: Wenn es St. Pölten an einem schon bisher nicht gemangelt hat, dann an Freiräumen: Gefühlt gibt es hier das großzügigste Einwohner-zu-Fußgängerzonen-Verhältnis südlich des Polarkreises, und das ist noch ohne die bereits vorhandenen (und weitgehend ungenutzten) Betonwüsten im Regierungsviertel mitzurechnen. Und zweitens: Wenn es einen Raum gibt, der – mit Ausnahme des Marktes und gelegentlicher Events wie Bravissimo meinetwegen – so wirklich überhaupt nicht zum Verweilen einlädt, dann den Domplatz. Im Sommer brennt die Sonne alles nieder, im Winter ist er rutschig und dazwischen ist er schlicht unwirtlich. Selbst, wenn man findet, dass es den Parkplatz dort nicht mehr gebraucht hat – was ich angesichts der völlig überfüllten Rathausgarage ja in Abrede stellen würde, aber bitte – lässt sich rational kaum erklären, warum man nicht eine menschenfreundlichere Variante gewählt hat. Eine mit, sie wissen schon, ein bisschen mehr grün, echten Bäumen oder einem Spielplatz, der den Namen ein bisschen mehr verdient als der lieblose Zug, den man hinten im Eck versteckt hat. Und wenn schon Stein, Stein, Stein, wären zumindest ein paar Sonnensegel eine interessante Variante gewesen, damit sich – Stichwort Klimawandel – wenigstens ab und zu ein paar Leute auf den Platz verirren könnten. So, wie er jetzt ist, ist der Domplatz die „Leider nein“Niete der Stadterneuerung. Schade darum. Vielleicht finden sich in ein paar Jahren Budget und Wille, das noch einmal von vorne anzugehen. 68
Fangen wir mit dem Positiven an: Es war eine mutige Entscheidung, die Autos vom Domplatz zu verbannen. Ein his torischer Platz im Zentrum einer Stadt ist zu kostbar, um ihn als Dauer-Parkplatz zu verwenden. Zumal unter dem Bischofsteich gerade Ersatz gegraben wird. Vielleicht dauert es noch, bis sich alle daran gewöhnt haben. Doch irgendwann wird die Vorstellung von parkenden Autos vor dem Dom ähnlich seltsam wirken wie heute jene von Autos am Rathausplatz. Der ist seit 1988 autofrei. Der schwierigere Teil: Was kann der neue Domplatz eigentlich? Er funktioniert vor allem dann, wenn er bespielt wird. Wochenmarkt, Eiszauber, Konzerte – die Stadt wollte einen multifunktionalen Veranstaltungsplatz, und diesen Zweck erfüllt er. Aber ein guter Stadtplatz sollte auch dann funktionieren, wenn gerade nichts stattfindet. Zwischen den Veranstaltungen wirkt die große freie Fläche schnell leer. Mit dem „Römer“ hat zwar ein attraktives Lokal den Platz besiedelt. Aber eine Bar allein kann einer Fläche dieser Dimension nicht das nötige Flair verleihen. Es braucht gar nicht zwingend mehr Gastronomie. Es braucht mehr Gründe, auf dem Domplatz zu bleiben. Mehr Schatten durch Bäume, Sonnensegel oder andere Lösungen. Der Hitzesommer hat das deutlich gemacht. Mehr Sitzgelegenheiten, die nicht nur funktional, sondern einladend sind. Möglichkeiten für Kinder. Wie so etwas funktionieren kann, zeigt das Wiener Museumsquartier. Auch dort besteht der öffentliche Raum nicht aus einer bunten Blumenwiese. Große Teile sind versiegelt. Trotzdem verbringen dort Menschen Stunden, ohne eine Veranstaltung zu besuchen oder in ein Lokal zu gehen. Die Enzis, Bäume und Wasser machen aus einer Fläche einen Ort. Vielleicht lässt sich dieses Prinzip ja übertragen. Der neue Domplatz war ein Schritt in die richtige Richtung. Jetzt müsste der Platz noch so gestaltet werden, dass Menschen auch dann dortbleiben, wenn gerade nichts auf dem Programm steht, also: ein Platz für jeden Tag.
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FOTOS DANIELA MATEJSCHEK, ALEXANDRA UNGER
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WELTWUNDER. Nachdem der Klangturm St. Pölten in einer Falstaff TRAVEL-Umfrage in die Riege der 10 neuen Weltwunder gewählt wurde, rüstet man sich im Tourismusbüro der Landeshauptstadt bereits für den Besucher-Ansturm und die explodierende Nachfrage nach Merch-Artikeln!
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Samstag, 26. September 2026
Kinderspielstadt
zum Weltkindertag
Ein Spielfest für kleine Menschen und ihre Familien Domgelände und Sparkassenpark von 13.30 bis 17.30 Uhr Bei Schönwetter. Eintritt frei! Anmeldung erforderlich unter: st-poelten.at/kinderspielstadt
40 Jahre STP Highlights 13.09. - 10.10.
Musica Sacra | Dom
19.09.
Höfefest | Innenstadt
25.09.
European Researchers‘ Night
26.09.
Kinderspielstadt | Innenstadt
01.10. - 04.10.
Oktoberfest | VAZ St. Pölten
20.11. - 23.12.
Christkindlmarkt | Rathausplatz
31.12.
Silvester | Innenstadt
ALLE INFOS UNTER: www.st-poelten.at
Stand: Juli 2026 - Änderungen vorbehalten
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