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MFG - Das Magazin / Ausgabe 97

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Der Audi Q3 intense Technik trifft Alltagstauglichkeit

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Kraftstoffverbrauch kombiniert: 1,7-9,2 l/100 km. CO₂-Emissionen kombiniert: 39-209 g/km. Angaben zu Kraftstoffverbrauch und CO₂-Emissionen bei Spannbreiten in Abhängigkeit von der gewählten Ausstattung des Fahrzeugs. Symbolfoto. Stand 03/2026.

DAS ENDE DER GESCHICHTE?

Es gibt diese einschneidenden (Welt)Ereignisse, die sich so tief ins Gedächtnis eingebrannt haben, dass man noch genau weiß, wo man am jeweiligen Tag gerade gewesen ist. In meinem Fall war das etwa der Anschlag auf das World Trade Center 2001 oder die Tsunamikatastrophe 2004. Die Erhebung St. Pöltens zur Landeshauptstadt am 10. Juli 1986, ich gestehe, gehört nicht dazu. Zu meiner Verteidigung: Ich war damals gerade mal 12 Jahre alt. Wenn, dann ist bei mir das Jahr 1986 wie überhaupt die 80er Jahre – weniger intellektuell, denn mehr vom Gefühl eines Kindes her – eher als bedrohlich und feindselig hängengeblieben. Ich erinnere mich etwa an Fernsehbilder von grauen Arbeitervororten in England, wo streikende Arbeiter von Polizisten auf Pferden niedergeknüppelt wurden, oder dass in den Nachrichten vom Falkland-Krieg die Rede war, wobei ich nicht den blassesten Schimmer hatte, wo die genau liegen, geschweige denn, warum man darum Krieg führt. Überhaupt schien auf der ganzen Welt Krieg zu herrschen - Iran, Irak, Afghanistan - und über allem schwebte bleiern der Kalte Krieg und die Angst vor DER Bombe. In Mittelamerika kämpften Guerillas gegen Militärdiktatoren, in Europa verübten Terrororganisationen mit komischen Kürzeln wie RAF, IRA, ETA Bombenanschläge, und gefühlt wurde ununterbrochen irgendwo ein Flugzeug von Terroristen vom Himmel geholt, während in Äthiopien Men-

schen verhungerten. Auch Umweltverschmutzung (das Wort Klimakatastrophe existierte noch nicht) war bereits allgegenwärtig. Ich erinnere mich etwa an Pickerl, auf denen in großen Lettern senkrecht untereinander das Wort „WALD“ prangte - dazu waagrecht die Worte „Wir Alle Leben Davon“. Eine Initiative gegen den „Sauren Regen“, der das „Waldsterben“ auslöste und mich mulmig in den Himmel blicken ließ. Dort versuchte ich auch das Ozonloch zu entdecken, von dem es hieß, wir würden alle Hautkrebs bekommen. Schließlich der „Supergau“, die Atomreaktor-Katastrophe in Tschernobyl, als wir plötzlich nicht mehr das Gemüse aus Omas Garten essen durften. Die Landeshauptstadterhebung ging für mich in all dem unter, bestenfalls nahm ich 1986 noch peripher die aufgeheizte Stimmung rund um die Waldheim-Affäre wahr. Wenn die Leute heute also lamentieren, wir lebten in der schlimmsten aller Zeiten, muss ich erwidern: Freunde, die 80er-Jahre waren auch nicht ohne, vom Feeling her aber ganz ähnlich. Auch damals machte sich so etwas wie Endzeitstimmung breit, Zukunftsangst, dass alles den Bach runtergeht, der Turbokapitalismus alles auffrisst und Friede für alle Zeiten eine Utopie bleiben wird. ABER, und daran sollten wir uns ein Vorbild nehmen: Die 80er waren auch eine Zeit des Handelns. FCKWs wurden im Eiltempo verboten, das Ozonloch schloss sich wieder. Die Wälder erholten sich dank Maßnahmen gegen Luftverschmutzung und der Einführung des Autokatalysators, wie sich Umweltschutz überhaupt den Weg in Volksvertretungen bahnte – 1986 zogen die Grünen erstmals in den Nationalrat ein. Waldheim wurde zwar aus einer „Jetzt erst recht“-Attitüde gewählt, die ehrliche Aufarbeitung der österreichischen Geschichte während des Nazi-Regimes war aber nicht mehr aufzuhalten. Und – am Ende dieses teils düsteren Jahrzehnts – passierte das Unvorstellbare: Der Kommunismus brach in sich zusammen, der Eiserne Vorhang fiel, und ich – da schon als fast 16-Jähriger elektrisiert und verstehend – sah, wie sich Menschen lachend und weinend zugleich in den Armen lagen und ihre neu gewonnene Freiheit kaum fassen konnten. Francis Fukuyama rief damals das Ende der Geschichte aus, weil er die Demokratie als endgültige Siegerin im Kampf der Systeme wähnte. Heute wissen wir, dass er vielleicht zu voreilig war. Aber wir wissen auch, dass man Dinge verändern kann. Mit Mut. Mit Optimismus. Mit Zuversicht. Indem man das Heft des Handelns in die Hand nimmt – wie die Niederösterreicher, die sich 1986 eine eigene Landeshauptstadt gaben. Das war kein Ende der Geschichte. Das war ein fulminanter Anfang – Happy Birthday St. Pölten!

IMPRESSUM Offenlegung nach §25 Medien-Gesetz: Medieninhaber (Verleger): NXP Veranstaltungsbetriebs GmbH, MFG - Das Magazin, Kelsengasse 9, 3100 St. Pölten. Unternehmensgegenstand: Freizeitwirtschaft, Tourismus und Veranstaltungen. Herausgeber/GF: Bernard und René Voak, in Kooperation mit dem Kulturverein MFG. Grundlegende Blattlinie: Das fast unabhängige Magazin zur Förderung der Urbankultur in Niederösterreich. Redaktionsanschrift: MFG – Das Magazin, Kelsengasse 9, 3100 St. Pölten; Telefon: 02742/71400-330; Internet: www.dasmfg.at, Email: office@dasmfg.at Chefredakteur: Johannes Reichl Chefredakteur-Stv.: Michael Müllner Chefin vom Dienst: Anne-Sophie Müllner Redaktionsteam: Thomas Fröhlich, Astrid Homma, Sascha Harold, Johannes Mayerhofer, Althea Müller, Michael Müllner, Andreas Reichebner, Thomas Schöpf, Beate Steiner, Thomas Winkelmüller, Fiona Zelenka Kolumnisten: Thomas Fröhlich, Michael Müllner, Tina Reichl, Roul Starka, Beate Steiner, Thomas Winkelmüller Kritiker: Helmuth Fahrngruber, Thomas Fröhlich, David Meixner, Michael Müllner, Clemens Schumacher, Manuel Pernsteiner, Maximilian Reichl, Christoph Schipp, Robert Stefan, Thomas Winkelmüller Karikatur: Andreas Reichebner Bildredaktion: Anja Benedetter, Matthias Köstler Cover: KI generated Art Director & Layout: a.Kito Korrektur: Anne-Sophie Müllner Hersteller: Walstead NP Druck GmbH Herstellungs- und Verlagsort: St. Pölten Verlagspostamt: 3100 St. Pölten, P.b.b. Alle Rechte, auch die Übernahme von Beiträgen nach § 44 Abs. 1 und 2. Urheberrechtsgesetz, sind vorbehalten. Alle Angaben ohne Gewähr. Für den Inhalt bezahlter Beiträge ist der Medieninhaber nicht verantwortlich.

Johannes Reichl

3 Editorial

5 In was für einer Stadt leben wir

URBAN

7 Shortcut Urban

8 Walter Heimerl-Lesnik

14 Höchstgericht kippt PV-Verbot

16 City of ruins?

18 Der LUP wird elektrifiziert

20 Krankenhaus-Psychiatrie

25 Kraftplatz Schule

KULTUR

32 Shortcut Kultur

34 Abschied eines Überzeugungstäters

40 Sommerfestivalguide

46 Der Türöffner

49 Vom Zauber des Originals

SZENE

54 Shortcut Szene

56 „This is the end?“

60 Zuviel Hitze – Hasis 86er-Rückschau

SPORT

64 „Von A nach B triathlonen, das funktioniert“

66 Kritiken

67 Veranstaltungen

68 Außensicht

70 Karikatur

ABSCHIED VON PAUL GESSL – Seite 34
KRAFTPLATZ SCHULE – Seite 25
VON A NACH B TRIATHLONEN – Seite 64
THIS IS THE END? – Seite 56
75 JAHRE ERNEST A. KIENZL – Seite 46

IN WAS FÜR EINER STADT LEBEN WIR EIGENTLICH ...

... in der die heimische Brauerei Egger bei der „Falstaff Bier Trophy“ in der Königsdisziplin Märzenbier den ersten Platz abstaubte. „Für unser Brauteam ist das eine schöne Bestätigung unseres täglichen Handwerks“, freut sich Braumeister Johannes Meister. Zugleich ist es Beleg eines gelungenen Imagewandels. Vorbei die Zeiten, als man Egger-Bier aufgrund des benachbarten Holzverarbeitungsbetriebes als „Spannplattenbräu“ verunglimpfte – heute gibt man sich mit Testimonial Marko Arnautovic, dessen Konterfei aktuell die Egger-Bierdosen ziert, glamouröser. Zugleich bleibt man bodenständig. „Wir brauen Bier, das ins echte Leben passt. Egger steht für alle, die richtig anpacken, zusammenkommen und sich nach getaner Arbeit ein gutes Bier verdient haben“, so CCO Ralph Hofmann. Na dann, Prost! Und Marko – während der WM nur Egger Zisch, das Märzen gibt’s erst zum Begießen des WM-Titels!

… in der eine weitere „Präzisierung“ des Terminus „Gehunfähigkeit“ in Sachen Transportkosten-Übernahme durch die ÖGK für Irritation bis Verzweiflung bei Patienten und blanke Nerven bei Ärzten sorgt. Laut ÖGK ist eine Kosten-Übernahme nämlich „nur noch dann gerechtfertigt, wenn sich eine Person aufgrund ihres Gesundheitszustands außerhalb der Wohnung nicht selbst fortbewegen kann – auch nicht mit Gehhilfe oder Begleitperson.“ Rollstuhl, Krücken, Blindheit, Demenz etc. sind per se noch kein Grund – der Arzt muss jeweils individuell entscheiden, und da wird’s tricky, weil die ÖGK soziokulturelle Gründe (fehlende Öffis, fehlende Begleitperson, Logistik etc.) explizit ausschließt. Die Ärzte bekommen bei Verweigerung aktuell gehörig ihr Fett ab und verweisen auf die ÖGK. Ruft man dort an, wird man an die Ärzte zurückverwiesen. Willkommen beim Patienten-PingPong. Der Gesetzgeber ist gefordert.

… in der 26 alte Lindenbäume einer Straßenmodernisierung zum Opfer fallen sollen. Typisch St. Pölten? Mag sein. Für die nunmehr mitregierenden Grünen eine neue Erfahrung. Denn die fraktionsfreie Gemeinderätin Susanne Binder-Novak sammelte besorgte BürgerInnen um sich, holte ein Privatgutachten ein, brachte eine Aufsichtsbeschwerde ein und machte medial ordentlich Wirbel. Sie sieht den Amtsbericht des Gemeinderatsbeschlusses kritisch. Bei einer Anpassung des Sanierungskonzepts könne man die Ziele auch erreichen ohne die Bäume zu fällen. Werden die Linden also zur Gretchenfrage: Sag, wie hältst du’s mit dem Regieren? Zieht das rot-grüne Rathaus den Beschluss durch? Tauscht man sich mit Kritikern über Fakten auf Augenhöhe aus? Die Grünen wollten jedenfalls die „neuen Erkenntnisse genau prüfen.“ Ist das der Beginn seriöser Politik oder schon der Anfang vom unprofessionellen Chaos?

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Mit dem Rechnungsabschluss 2025 zeigt man sich im St. Pöltner Rathaus zufrieden. Bekanntlich steht es schlecht um die Stadtfinanzen, aber damit ist man in guter Gesellschaft. Rund die Hälfte der Gemeinden kann nicht ausgeglichen bilanzieren, vom Bund und den Ländern erwartet das sowieso niemand mehr. Der Rechnungsabschluss weist Erträge von 270 und Aufwendungen von 261 Millionen aus – und somit einen positiven Abschluss, „den man trotz steigender Landesumlagen aus eigener Kraft geschafft habe“, wie Bürgermeister Matthias Stadler glücklich festhält. Der 2024 gestartete Konsolidierungsprozess brachte über 280 verwaltungsinterne Sparmaßnahmen, jährlich wurden elf Millionen eingespart, vorrangig bei Personalkosten und Sachaufwand. „Von den Ertragsanteilen blieben nach Abzug der Umlagen weniger als 40 Prozent zur Finanzierung der kommunalen Aufgaben übrig“, weist Finanzchef Thomas Wolfsberger auf ein Grundproblem hin. Die Sparanstrengungen will die Stadt fortsetzen, zugleich aber nachhaltig in Infrastruktur investieren. Der Schuldenstand stieg zwar auf 176 Millionen, jedoch reduziert sich dieser 2027 nach Rückzahlung eines endfälligen Kredits schlagartig um 52 Millionen. Das städtische Vermögen beträgt rund 600 Millionen Euro.

ST. PÖLTENS VERGESSENE KINDER

Vor 40 Jahren wurde St. Pölten Hauptstadt Niederösterreichs. In Folge übersiedelte nicht nur die Landesverwaltung an die Traisen, sondern sukzessive auch zahlreiche niederösterreichische Interessensvertretungen und Kammern. Aber nicht alle. Bei der NÖ Apothekerkammer etwa verweist man auf nur drei Mitarbeitende für die Landes-Geschäftsstelle, weshalb man aus Kostengründen ins Apothekerhaus der Österreichischen Apothekerkammer in Wien eingebettet bleibe, um Synergieeffekte zu nutzen. Die Ärztekammer NÖ wiederum will einfach nicht weg aus Wien. Schon vor Jahren habe man die Mitglieder hinsichtlich eines etwaigen Umzugs nach St. Pölten befragt. „Nachdem es dafür bei Weitem keine Mehrheit gab, ist nicht geplant, das Büro zu verlegen!“, so Pressesprecherin Birgit Jung.

Michael Müllner WAR DA WAS?

Erinnern Sie sich an den 25. Jänner 2026? Genau, da war doch was: Gemeinderatswahl. Seither regiert die SPÖ von Bürgermeister Matthias Stadler nicht mehr allein, sondern mit den Grünen. Wenn es stimmt, dass allem Anfang ein Zauber innewohnt, dann ist dieser gut versteckt. Angeblich muss man einer neuen Regierung hundert Tage Zeit geben, damit alle in ihre Rolle finden und man erste Umsetzungen sieht. Ich spüre aber keine hunderttägige Schonfrist, mir scheint es eher als wäre im Rathaus ein hundertjähriger Schönheitsschlaf ausgebrochen. Ja, ich hatte mir ein Tralala an Ankündigungen von innovativen, mutigen Projekten erwartet – na klar wurde ich enttäuscht. Oder haben uns die Grünen erklärt, wie sie mit der SPÖ den Domplatz begrünen? Hat uns der Bürgermeister erklärt, wieso der Aufreger REWE-Lager in Wahrheit für die Stadt ein Gewinn ist? Kann mir jemand mit einem Satz verständlich machen, ob die Stadt jetzt will, dass die S 34 gebaut wird?

Genau, das habe ich jetzt von meinen überzogenen Erwartungen. Die Sitzungen des Gemeinderats werden weiterhin nicht übertragen. Dafür genehmigen sich die Fraktionen wie im Vorjahr unverändert 150.000 Euro Parteienförderung als sogenannte „Förderung der Bildungsarbeit der Kommunalpolitiker“ (nur die NEOS stimmen da regelmäßig dagegen). Ich sehe es eh ein. Gut Ding braucht Weile. Erst recht, wenn man plötzlich wen zweiten am Tisch sitzen hat, mit dem man die Überschriften aus dem Regierungsprogramm umsetzen soll. Frag ich halt im Herbst nochmal nach.

„JETZT HABEN WIR DIE PROBLEME, DIE WIR IMMER WOLLTEN“

Jahrelang vertiefte sich Walter Heimerl-Lesnik als Oppositionspolitiker in Themengebiete und kritisierte die absolut regierende SPÖ von Bürgermeister Matthias Stadler. Heute ist er nicht nur

Chef der St. Pöltner Grünen, sondern auch Stadlers Juniorpartner und hochdotierter Stellvertreter. Hundert Tage nach der konstituierenden Sitzung des neugewählten St. Pöltner Gemeinderates setzen wir uns – nach einem Lokalaugenschein in seinem neuen Büro in der Heßstraße – im Cinema Paradiso zusammen.

Vor einem Jahr waren die Grünen eine kontrollierende Kraft im Gemeinderat. Hätten Sie sich damals vorstellen können, dass wir Sie heute als Juniorpartner von Matthias Stadler interviewen? Im letzten Jahr gab es viele Überraschungen. Einerseits war es überraschend, dass Christina Engel-Unterberger nicht mehr an vorderster Stelle antritt und ich zum Spitzenkandidaten aufrücke. Andererseits war es überraschend, dass die SPÖ fast ein Viertel ihrer Wähler verliert und die absolute Mehrheit einbüßt. Ich

dachte zwar schon, dass Matthias Stadler verlieren wird, aber dass es sich für die SPÖ knapp ausgeht, dass sie alleine weiterregieren kann.

Woher kam diese Gewissheit, dass die SPÖ verlieren wird? Wir hängen es vielleicht nicht so an die große Glocke wie die FPÖ, aber wir haben unser Ohr schon bei den Bürgerinnen und Bürgern und reden viel darüber, wo der Schuh drückt. Da hat man quer durch die Bank gehört, dass die Menschen mit den einsamen Entschei-

dungen des Bürgermeisters unzufrieden sind. Bei Themen wie der S 34 hatten wir sehr stark die Rückmeldung, dass die Menschen das nicht mehr zeitgemäß finden.

Sind Sie persönlich in der Rolle des ständigen Vertreters des Bürgermeisters schon angekommen?

Teils, teils. Wir sind alle in einer großen Lernphase, ich und wir Grünen, aber auch die SPÖ und der Magistrat selbst. Es geht ja nicht nur um zwei Parteien, sondern auch um die Zusammenarbeit mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in der Verwaltung. Dort verändert sich nun natürlich auch einiges, da wir einen ganz anderen Zugang haben als bisher. Wir sehen das Positive, es ist ein guter Anfang gemacht und insbesondere dort, wo man die Leute persönlich kennt, geht auch schon einiges weiter.

Wie funktioniert eigentlich der Workflow dieser Koalition?

Die grundsätzlichen Spielregeln gibt sowieso das Stadtrechtsorganisationsgesetz vor. Neu ist jedenfalls, dass jeder Stadtrat und jede Stadträtin ein eigenes Fachgebiet haben um das man sich kümmert. Das Fachgebiet entspricht dem jeweiligen Gemeinderatsausschuss, in dem man den Vorsitz führt. In meinem Fall

Es ist nicht alles eitel Wonne, aber auch nicht alles Wahnsinn.
WALTER HEIMERL-LESNIK

ist das beispielsweise der Ausschuss für Umwelt, Klimaschutz, Nachhaltigkeit und Energie. Operativ wichtig ist zudem der neue Koalitionsausschuss, dort stimmen wir uns inhaltlich mit der SPÖ ab und bereiten neue Projekte gemeinsam vor – da kommen jetzt dann laufend Dinge zur Umsetzung. Für die Grünen sind neben mir auch Jakob Redl und Christina Engel-Unterberger in diesem Ausschuss, für die SPÖ sind es Matthias Stadler, Michael Kögl und Ewald Buschenreiter. Bei umfangreicheren Sonderthemen wie der Budgeterstellung oder der Prüfung von Alternativen zur S 34 gibt es auch eigene Gesprächsformate.

Der Magistrat war es seit Jahrzehnten gewohnt, dass der Bürgermeister und seine Partei de facto alleine entscheiden. Nun reden plötzlich die Grünen mit –sorgt das für Irritationen?

Das Alltagsgeschäft in einer Behörde – und das sind die allermeisten Entscheidungen – läuft ja ohne Einfluss der Politik ab. Die Politik hat die Aufgabe, die großen Linien vorzugeben und das tun wir auch. Wir stimmen uns hier eng mit dem Koalitionspartner ab. Dass das am Anfang einer Zusammenarbeit als Störfaktor wahrgenommen wird, ist schon verständlich. Es ist nicht alles eitel Wonne, aber ich würde sagen: Das sind normale Anpassungsprozesse, zumal nun auch manche Abteilungsleitungen direkt aus einem politischen Ausschuss heraus Aufträge erhalten, welche früher vielleicht eher nur aus dem Büro des Bürgermeisters gekommen sind.

Der Rollenwechsel vom kritischen Oppositionellen zum Juniorpartner bringt mit sich, dass man selbst zur Projektionsfläche von Kritik wird. Für Sie wurde die Funktion des ständigen Vertreters des Bürgermeisters wieder ausgegraben – zusätzlich zum Stadtsenats-Bezug bekommen Sie dafür monatlich 4.100 Euro. Mittels Sondervertrag wurde eine Büroleiterin angestellt. Diese Mehrkosten belasten das Stadt-

budget bis zur nächsten Wahl laut ÖVP mit knapp 800.000

Euro. Stimmen diese Zahlen? Was würde der Walter Heimerl-Lesnik des Vorjahres dazu sagen? Hätten Sie in Opposition diese Lösung mitgetragen?

Das ist eine gute Frage. Natürlich hätten wir das kritisch hinterfragt und vielleicht auch innerhalb der Grünen länger diskutiert. Persönlich hätte ich mich aus realpolitischer Sicht wohl überzeugen lassen. Fest steht, dass die Menschen an mich und uns schon den Maßstab anlegen dürfen, dass sie genau schauen, was sie von uns dafür bekommen, dass wir nun diese Ressourcen haben. Bei insgesamt 1.100 Beschäftigten reden wir ja auch nur von einer befristeten Stelle für eine Büroleiterin. Wir haben ja immerhin auch viel vor, dafür brauchen wir diese Ressourcen: Domplatzbegrünung, Baumschutzverordnung und viele andere Projekte. Zu den kolportierten Zahlen, die werden schon hinkommen. Aber man kann es auch so sehen: In St. Pölten haben wir seit Jahrzehnten einen Vizebürgermeister-Posten der ÖVP mit einer ihm zugeordneten Mitarbeiterin –das kostet auch viel Geld, aber was hat das der Stadt gebracht?

Aber womit begründen Sie denn, dass man diese Rolle für Sie extra geschaffen hat? Es geht schon auch um die Frage, wie man von der Öffentlichkeit wahrgenommen wird: Bist du der „Ständige Stellvertreter des Bürgermeisters“ oder bloß einer von elf Stadträten. Ich sehe meine Verantwortung schon deutlich größer, als bei einem einfachen Stadtrat. Das ist ein Rund-um-die-Uhr-Job. Und da die SPÖ darauf bestand, dass ihr Mandatar Michael Kögl wieder „Erster Vizebürgermeister“ wird und gesetzlich geregelt ist, dass die ÖVP als zweitstärkste Fraktion den „Zweiten Vizebürgermeister“ bekommen muss, gab es praktisch nur

diese Lösung. Und die ist ja auch genau für solche Fälle im Gesetz vorgesehen –und sie wäre mit jeder Partei nötig gewesen, mit der die SPÖ koaliert hätte, nicht nur mit uns.

Man hätte auch einfach sagen können: „Sorry, SPÖ, aber den Ersten Vizebürgermeister-Posten müsst ihr euch abschminken, den bekommen jetzt wir!“ Wurden Sie von der SPÖ über den Tisch gezogen?

In einer Verhandlung versuchen beide Seiten das aus ihrer Sicht Beste zu erreichen. Es gab in der SPÖ massive Widerständige gegen diese Koalition, wahrscheinlich auch gegen andere Varianten, jedenfalls war es nicht fix, dass wir uns einigen. Wir sind darum in den Verhandlungen auch nicht wie andere völlig Empathie-befreit aufgetreten, sondern haben versucht in sehr konstruktiven Gesprächen unsere Ziele und Inhalte umzusetzen. Uns ging es um die Inhalte, nicht um Posten.

Die Grünen haben im Wahlkampf die Standortentscheidung für das geplante REWE-Zentrallager kritisiert und die Bürger-Initiative dagegen massiv unterstützt. Heute wollen Sie etwaige weitere Entscheidungen laut Koalitionsabkommen mittragen und die Füße beim Thema stillhalten. Verstehen Sie, dass das von manchen Ihrer Wähler als eine Art Kindesweglegung wahrgenommen wird? Natürlich zeigt man im Wahlkampf, wofür man sich einsetzt. Tatsache ist aber, dass rechtlich alles entschieden ist, es gibt politisch keinen Spielraum mehr. In den Koalitionsverhandlungen haben wir das REWE-Lager natürlich thematisiert. Es würde die Stadt sechs Millionen Euro kosten, wenn REWE vom Vertrag zurücktritt. Die für diesen Fall geschaffene Rückstellung wurde von

Eine Drehung der SPÖ um 180 Grad ist uns nicht gelungen.
WALTER HEIMERL-LESNIK

der SPÖ-Alleinregierung aufgelöst. Wir hätten trotzdem mit REWE-Gespräche über eine Rückabwicklung des Vertrags geführt, doch war es uns nicht möglich, dass wir die SPÖ dazu bringen sich um 180 Grad zu drehen.

Aber haben sich umgekehrt nicht die Grünen um 180 Grad gedreht – zusätzlich wurde, so der Eindruck, auch der Widerstand gegen den Bau der S 34 heruntergefahren – obwohl das wohl das stärkste Wahlmotiv für eine Stimme der Grünen war?

Nein, haben wir nicht! Wir anerkennen aber, dass die Stadt als solche nicht das Ende der S 34 beschließen kann, weil es nicht in ihrer Entscheidungsgewalt liegt – dennoch sehen wir aber Chancen. Denn während wir etwa beim REWEDeal einen privaten Partner haben, der auf seinen Verträgen besteht, ist der Gegenspieler bei der S 34 die staatliche ASFINAG – da spielen also natürlich politische Entscheidungen eine Rolle. Der Nationalrat könnte also etwa das Bundesstraßengesetz ändern und die S 34 aus dem Bauplan nehmen. Und wir haben im Koalitionsabkommen erreicht, dass die Stadt zum ersten Mal Alternativlösungen auslotet. Wir möchten, dass endlich alle Fakten auf den Tisch kommen. Der Punkt ist ja, dass es heute auf der B 20 im betreffenden Abschnitt weniger Verkehrskaufkommen gibt als früher in der Planungsphase angenommen wurde – man hantiert also mit alten Zahlen. Mit den heutigen Daten aus Bevölkerungs- und Verkehrsentwicklung könnte man hingegen eine verlässliche Studie erstellen, die auch gleich alternative Lösungen mit prüft. Eine solche Studie sollte von Expertinnen und Experten mit internationaler Erfahrung erarbeitet werden, um jedwede Abhängigkeit oder politische Beeinflussungsmöglichkeit hintanzustellen. Dann hätten wir endlich eine seriöse Grundlage für eine zeitgemäße Entscheidung, und ich bin überzeugt, sie wird sinnvolle Alternativen aufzeigen, die die Umwelt weniger schädigen und die weniger kosten – womit wir ja auch im Sinne des Bundesbudgets ein wichtiges Argument haben.

Von der Oppositions- auf die Regierungsbank: Der neue „Ständige Vertreter des Bürgermeisters“ Walter Heimerl-Lesnik in seinem neuen Büro in der Heßstraße.

St. Pölten nach der Wahl –

Die Ausgangslage im Gemeinderat

Am 25. Jänner 2026 wählte St. Pölten einen neuen Gemeinderat.

Die SPÖ verlor dabei ihre absolute Stimmenmehrheit und kam auf 42,5 Prozent (56 Prozent waren es noch bei der Wahl 2021), das entspricht 19 von 42 Sitzen im Stadtparlament. Die ÖVP kam auf 21,4 Prozent (zuletzt 22,7) und somit 9 Sitze (zuvor 10). Die FPÖ legte auf 19,8 Prozent (zuletzt 8,9) und somit 8 Sitze zu (zuletzt 3). Die Grünen stiegen auf 9,7 Prozent (zuletzt 8) und stellen damit 4 Sitze (zuletzt 3). Mit jeweils einem Mandat sind auch die KPÖ und Neos im Gemeinderat vertreten.

In seiner konstituierenden Sitzung wählten die Gemeinderäte Matthias Stadler zum Bürgermeister sowie Michael Kögl zum Ersten Vizebürgermeister (beide SPÖ). Laut Gesetz geht der Posten des Zweiten Vizebürgermeisters an die zweitstärkste Fraktion und somit die ÖVP, welche Florian Krumböck nominierte. Walter Heimerl­Lesnik von den Grünen wurde mit der Funktion eines „Ständigen Vertreters des Bürgermeisters“ ausgestattet und somit finanziell mit den Vizebürgermeistern gleichgestellt.

Ein großes Thema ist auch die Konsolidierung des Stadtbudgets. Im Vorjahr haben die Oppositionsparteien unter Protest nicht an der Budgetkürzung mitgewirkt, sondern alles die SPÖ alleine beschließen lassen. Gibt es konkrete Streichungen, die Sie nun in der Regierung revidieren konnten?

Allgemein muss man schon anerkennen, dass die Stadt rechtzeitig Schritte gesetzt hat und dass diese nun auch schon greifen. Es gibt Projekte, die wir geschoben haben, Stichwort: Überdachung Karmeliterhof. Die wurde in der Koalition zwar vereinbart, aber nicht terminisiert. Grundsätzlich wollen wir möglichst langfristig denken, das heißt nachhaltiger planen und umsetzen. Wir werden also den Rechnungsabschluss 2025 gemeinsam analysieren und dann im Juni in einer Koalitionsklausur konkrete Punkte besprechen. In das Budget 2027 werden viele Maßnahmen aus unserem Koalitionsabkommen einfließen, gerade im Umweltbereich kostet vieles gar kein Extrageld, es braucht einfach nur die nötige Einstellung. Und als konkreter Punkt fällt mir spontan ein, dass wir die Übertragungen der Gemeinderatssitzungen wieder möglich machen.

Was hindert Sie eigentlich daran, diese heftig kritisierte Abschaffung sofort rückgängig zu machen?

Spätestens im September soll der Stream wieder laufen. Der Magistratsdirektor ist damit beauftragt, dafür eine gute Lösung zu finden. Der Punkt dabei ist aber, dass wir eben nicht nur den früheren Zustand wieder wollen, sondern dass es auch weitere Angebote geben soll, die technisch verknüpft sind. Ich denke da etwa daran, dass man mit Unterstützung von künstlicher Intelligenz automatisierte Wortprotokolle der Gemeinderatssitzungen erstellen kann. Es ist schon okay, wenn man sich da ein bisschen Zeit nimmt, um das gut zu machen.

St. Pölten befindet sich in der Phase „Nach der Tangente“ und über Kulturbudgets wird angesichts allgemeinen Sparzwangs

Beate Steiner

ES WAR EINMAL

Ich war dabei, live, vor 40 Jahren, als gelb-rot kostümierte Narren LaHauPö-rufend durch die Innenstadt zogen. Über einen tristen, grauen, sonst menschenleeren Herrenplatz, vorbei an der wenig belebten „Passage“. Riemerplatz, Rathausgasse und Rathausplatz wurden von in Autos sitzenden Leuten „belebt“, sie parkten rund um die Dreifaltigkeitssäule. Für Tiefgaragen war die Zeit in St. Pölten noch nicht reif, für praktische Öffis auch nicht, und radln war nicht angesagt. Auf dem Rathausplatz besuchte man den Leiner, manchmal auch eine Operette im Stadttheater. Das wars – KEIN Kino, KEINE Nobelboutique, KEINE Speiselokale, KEIN Kaffeehaus lockten auf den „Hauptplatz“ der Stadt. Immerhin, die Kremser Gasse zeigte bereits seit den 1960ern als zweitälteste Fußgängerzone auf. Richtig berühmt war St. Pölten aber wegen seines olfaktorischen Stigmas. Wer erinnert sich nicht an Sager wie „St. Pölten erkennt man beim Vorbeifahren - am Geruch.“ Oder: „Dem Mutigen bangt selten, warum graut dir vor St. Pölten?“ Der Schwefelgeruch ist glücklicherweise schon vor langer Zeit verduftet, aus der grauen Ortschaft hat sich eine bunte Stadt entwickelt – mit geschäftiger Fußgängerzone, mit quirligen Schanigärten bei gefragten Restaurants und beliebten Kaffeehäusern. Und mit einem großartigen Kulturangebot, das Gäste aus nah und fern anzieht. Nur manchmal noch blitzt das dörflich-biedere Gemüt des alten St. Pölten hervor. Etwa, wenn das Volksfest, das das Mausern der Stadt überdauert hat, als „kunstsinnige“ Veranstaltung angekündigt wird.

Es gab massive Widerstände in der SPÖ gegen diese Koalition.
WALTER HEIMERL-LESNIK

teilweise sehr konträr diskutiert. Die Opposition etwa stieß sich unter anderem an der erhöhten Mietsubvention für den Löwinnenhof.

Der Löwinnenhof, oder etwa auch Solektiv, sind Basiskultur-Projekte, dort bringt sich also die Bevölkerung sehr stark ein und das gehört meiner Meinung nach auch unterstützt. Sie haben ja auch einen hohen Output. Das sehe ich ein bisschen anders als bei der klassischen Hochkultur, wo man ja eher in der Rolle des Konsumenten verharrt. Grundsätzlich sind Beschlüsse im Rahmen der Kulturstrategie auch mit einer langfristigen Perspektive zu sehen. Beim Löwinnenhof etwa spielen auch soziokulturelle Aspekte oder die Belebung der Linzerstraße eine Rolle. St. Pölten hat in der Wahrnehmung als Kulturstadt stark an Reputation gewonnen und wird auch über die Stadtgrenzen hinaus wahrgenommen.

St. Pölten feiert heuer „40 Jahre Landeshauptstadt“. Was ist Ihre persönliche Wahrnehmung zur Entwicklung der Stadt und Ihre Erinnerung an 1986? Mir fehlt offen gesagt der Vergleich zum St. Pölten des Jahres 1986. In meinen ersten dreißig Lebensjahren war ich in Wien verankert, St. Pölten nahm ich damals nur wahr, wenn ich hier am Weg in die Berge am Bahnhof umgestiegen bin. Aber über die letzten 25 Jahre, in denen ich in St. Pölten lebe, kann ich mehr sagen. Ich denke, dass sich ziemlich viel getan hat. Manche Dinge gefallen mir persönlich nicht so, ich denke etwa, dass es im urbanen Bereich früher mehr Bäume gab. Anderes gefällt mir heute dafür deutlich besser, wenn ich etwa an das gastronomische und kulturelle Angebot denke oder auch an den sehr wichtig gewordenen öffentlichen Verkehr – wenngleich ich da auch noch Verbesserungswünsche hätte.

Für die Grünen war das Jahr 1986 ein Meilenstein, erstmals zogen sie in den Nationalrat ein. Wie reflektieren Sie das?

Mit dieser frühen Parteigeschichte habe ich weniger am Hut. In jungen Jahren war ich in Wien Obmann und Umweltschutzreferent der Naturfreunde-Jugend, die hatte eine gewisse Nähe zur SPÖ, auch wenn ich kein Parteimitglied war. Man kann sagen, ich komme aus der öko-bewegten, linken Szene – und bin es gewöhnt, mit der SPÖ zu hackeln.

Es gab ja auch Zeiten, da hatten Sie sich mit den Grünen zerstritten. 2016 traten Sie mit einer eigenen Liste „Die Kühnen“ an. Mir war immer soziale und ökologische Politik wichtig. Über den politischen Weg gab es damals heftige Diskussionen. Heute ist es eine Stärke der Grünen, dass wir innerhalb der Partei einen breiten Konsens haben. Meine Vorgängerin als Spitzenkandidatin, Christina Engel-Unterberger, ist eine integrative Kraft, als Parteiobfrau der Grünen ist sie ja auch weiterhin mit an Bord, und es ist auch ihr Verdienst, dass wir jetzt die Probleme haben, die wir immer haben wollten –nämlich in Regierungsverantwortung.

HÖCHSTGERICHT KIPPT

SOLARENERGIE-VERBOT

In St. Pöltens Schutzzonen waren sichtbare PV-Anlagen bis jetzt nicht erlaubt. Der Verfassungsgerichtshof hat das Verbot aufgehoben – mit Signalwirkung.

Salzburg tut es, und auch Wien hat’s schon getan: Auf das Rathaus in der Bundeshauptstadt wurde bereits vor zweieinhalb Jahren ein Photovoltaikdach montiert – obwohl das Gebäude denkmalgeschützt ist. Und in der Salzburger Altstadt entsteht gerade die erste PV-Anlage auf einem Hausdach in der Weltkulturerbe-Kernzone.

St. Pölten ist da noch ein bisschen hintennach, hat bisher sichtbare Sonnenenergie-Paneele in Schutzzonen verboten. Aber die Behörden-Blockade beginnt zu bröseln. Anlass dafür ist ein richtungsweisendes Urteil des Verfas-

CLAW

CLAW ist eine gemeinnützige Organisation, die Recht als Werkzeug für wirkungsvollen Klimaschutz einsetzt – national und international. Die Devise: „Klagen statt verzagen. Der Staat hat Pflichten — wir haben Rechte. Wenn diese verletzt werden, gehen wir vor Gericht. Denn Rechte sind mehr als leere Worte – sie schaffen Realität. Wir fordern sie ein und verschieben die Grenzen des Möglichen.“ Die St. Pöltner Rechtsanwältin Michaela Krömer hat die Umweltorganisation gegründet. CLAW besitzt den Aarhus-Status und erhält formelle Beteiligungsrechte in umweltrelevanten Genehmigungsverfahren.

www.climatelaw.at

sungsgerichtshofs, der dieses Verbot aufgehoben hat, weil dafür die gesetzliche Grundlage fehlt. „Mit der Aufhebung des Totalverbotes stellt der VfGH implizit klar, dass Solarenergie nicht undifferenziert untersagt werden darf. Auch nicht in Schutzzonen“, erklärt Rechtsanwältin Michaela Krömer, die für ihre Klientin Sigrid Schmidl-Amann die Klage eingebracht hat.

Ein Blick zurück: Sigrid SchmidlAmann und ihr Mann Markus Amann haben in den vergangenen Jahren ihr Haus in der St. Pöltner Innenstadt klimafit gemacht, wollten den Energiebedarf durch Sonnenenergie decken. Die geplante Photovoltaik-Anlage wurde von der Baubehörde abgelehnt. Begründung: Das Haus stehe in der Schutzzone, in der nur nicht sichtbare PV-Anlagen genehmigt werden. „Der negative Bescheid hat für das gesamte Dach gegolten –nicht nur für den von der Baubehörde

Sigrid Schmidl-Amann freut sich über das Erkenntnis des VfGH.

erspähten einsehbaren Teil“, ärgerte sich die Ärztin und wandte sich an UmweltAnwältin Michaela Krömer und den Verein CLAW – Initiative für Klimarecht, dessen Obfrau Krömer ist.

RICHTUNGWEISENDER EINZELFALL

Nach dem Urteil des VfGH ist die Angelegenheit zurückgegangen an das Landesverwaltungsgericht Niederösterreich. „Das wird den Fall positiv beenden können und ziemlich sicher auch tun“, ist

Das Haus des Anstoßes: Sigrid Schmidl-Amann klagte gegen das Verbot einer Solaranlage auf ihrem Wohnhaus.

Politische Positionen

SPÖ, Vizebürgermeister Michael Kögl

Der VfGH hat eine Entscheidung getroffen. Jetzt besteht Rechtssicherheit – das begrüßen wir. Die PV-Anlagen sind nicht losgelöst von der gesamthaften Betrachtung einer Schutzzone zu sehen, jedoch bringen neue Technologien sowie neue Montage- und Einbaumöglichkeiten auch neue Fragen auf, die individuelle Entscheidungen brauchen. Diese werden im Referat für den Schutz des baukulturellen Erbes bewertet und entschieden. Wir wollen das, was St. Pölten ausmacht, schützen. Klar ist: Dafür braucht es auch eine Schutzzonenverordnung.

ÖVP, Stadtrat Mario Burger

Wir haben als Volkspartei viele Jahre gegen das PV-Verbot und die überbordenden Regeln in den St. Pöltner Schutzzonen gekämpft. Das Erkenntnis des VfGH zeigt, dass das richtig und wichtig war. Jetzt ist es an der Zeit, die Regelungen grundlegend zu ändern, indem man den Erhalt der Baukultur sicherstellt, aber zukunftsweisende Entwicklungen nicht behindert. Dazu gehört auch die Diskussion, ob der nur leicht abgeänderte Gestaltungsbeirat nicht vollkommen aufgelöst werden sollte, denn in der derzeitigen Form behindert er Bauherrn und blockiert Investitionen.

FPÖ, Stadtrat Klaus Otzelberger

Die Entscheidung des Verfassungsgerichtshofes ist aus meiner Sicht richtig. Energieunabhängigkeit und Versorgungssicherheit sind öffentliche Interessen, die auch in Schutzzonen entsprechendes Gewicht haben müssen. Natürlich müssen Entscheidungen mit Augenmaß getroffen werden und regionale Besonderheiten sollen berücksichtigt werden. Es geht daher nicht um ein „Alles erlauben“, sondern um vernünftige, nachvollziehbare und rechtssichere Regeln. Moderne PV-Anlagen lassen sich heute vielfach gut in Dachlandschaften integrieren. Deshalb sollte man stärker zwischen besonders sensiblen Bereichen und weniger kritischen Standorten unterscheiden, anstatt sichtbare Anlagen grundsätzlich abzulehnen. Ziel muss es sein, Energieunabhängigkeit und Ortsbildschutz gemeinsam zu denken, statt sie gegeneinander auszuspielen.

Grüne, Bürgermeister-Stv. Walter Heimerl-Lesnik

Für mich war diese Entscheidung zu erwarten. Wir müssen eine neue verfassungskonforme und den Anforderungen der Zeit gerecht werdende Regelung finden. Diese muss eine nachvollziehbare Abwägung zwischen den berechtigten Forderungen des Ortsbildschutzes und der nachhaltigen Energiegewinnung bringen. Dafür müssen objektive Kriterien entwickelt werden. Wie diese konkret aussehen werden, ist im Moment nicht absehbar und werden das Ergebnis politischer Verhandlungen sein.

NEOS, Gemeinderat Bernd Pinzer

Photovoltaik ist heute technisch wie optisch längst nicht mehr mit den „Sonnenkollektoren“ früherer Jahrzehnte vergleichbar. Moderne Anlagen lassen sich deutlich besser in bestehende Ortsbilder integrieren, ohne deren Charakter grundsätzlich zu beeinträchtigen. Aus unserer Sicht braucht es daher eine moderne und praktikable Verordnung, die Schutzinteressen ernst nimmt, gleichzeitig aber auch Raum für Innovation schafft. Gerade bei technisch-optischen Umsetzungen sollte die Stadt Eigentümerinnen und Eigentümern nicht nur Vorgaben machen, sondern sie mit klaren Rahmenbedingungen und kompetenten Ansprechpersonen aktiv unterstützen. Kurz gesagt: Schutzzonen ja – aber mit Augenmaß und nicht mit Regelungen aus dem vergangenen Jahrhundert für die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts.

Umwelt-Anwältin

Michaela

unterstützte Hauseigentümerin SchmidlAmann bei ihrer Klage.

Michaela Krömer überzeugt. Denn in seinem Urteil hat der VfGH das Wort PV-Anlagen gestrichen, „daher liegt derzeit keine Beschränkung für PV-Anlagen in Schutzzonen vor“, erklärt Krömer. Das heißt: Die Stadtgemeinde hat derzeit keinen rechtlichen Grund für einen negativen Bescheid für eine PV-Anlage.

„Ich bin sehr froh, dass es so gelaufen ist und warte jetzt auf den Bescheid vom Landesverwaltungsgericht“, sagt Sigrid Schmidl. Und: „Jeder, der eine Klimaklage hat, sollte sich an CLAW wenden – die brauchen Leute, die sich trauen.“

Im Magistrat St. Pölten ist man sich der „möglicherweise weitreichenden Wirkung“ des VfGH-Urteils bewusst. Behördenleiter Martin Gutkas: „Nun gibt uns der Verfassungsgerichtshof die Möglichkeit, neue Entwicklungen aufzunehmen und im Einzelfall zu prüfen, ob eine PV-Anlage möglich ist.“

Die „Klimapionierstadt“ St. Pölten muss sich also neue Regeln geben –ohne Totalverbot für PV-Anlagen und ohne Mitsprache eines Gestaltungsbeirats. Dieses Gremium wurde inzwischen durch eine „Sachverständigenkommission für baukulturelles Erbe“ ersetzt.

Krömer und Schmidl-Amann sind jedenfalls überzeugt, dass das Urteil des VfGH über den Einzelfall hinaus Bedeutung hat: „Während steigende Energiepreise und politische Programme den Ausbau erneuerbarer Energie vorantreiben, bremsen lokale und regionale Vorschriften oft genau diesen Ausbau. Mit der Entscheidung des VfGH beginnt dieses System nun zu kippen.“

Krömer

CITY OF RUINS?

Baustellen und leerstehende Flächen an prominenter Stelle gibt es in der Landeshauptstadt derzeit mehr als genug.

Rossmarkthöfe, Domgarage oder Steingötterhof. Das sind Schauplätze einer Geschichte, die man so zusammenfassen könnte: Viel angekündigt, bislang wenig passiert. Das Insolvenzverfahren rund um das ehemalige Leiner-Areal am Rathausplatz, wo das Bauprojekt „Rossmarkthöfe“ entstehen sollte, läuft weiterhin. Vonseiten der Stadt heißt es, dass es in den letzten Wochen immer wieder „intensive Gespräche mit Interessenten“ gegeben habe und man Ende Juni möglicherweise mehr wisse.

Beim kika-Gebäude im Eigentum der Supernova Gruppe gibt es dagegen Neues. Das ehemalige Möbelhaus soll laut Unternehmen in ein Fachmarktzentrum umgebaut und vermietet werden, der Genehmigungsprozess bei der Stadt laufe aktuell – Zeitplan offen. Etwas kurios ist, dass die Stadt hier offenbar nicht auf demselben Stand ist: „Aktuell stehen die zuständigen Abteilungen der Stadt mit den Verantwortlichen der Supernova Invest GmbH in enger Abstimmung, um mögliche Varianten für die künftige Entwicklung der Liegenschaft zu besprechen“, heißt es von Pressesprecher Thomas Kainz. Dass das Gebäude in ein Fachmarktzentrum umgebaut werden soll, könne die Stadt nicht bestätigen.

Schon länger bekannt ist, dass das ehemalige Leiner-Zentrallager an eine private Investorengruppe verkauft wurde, die die Flächen vermieten will. Ein entsprechendes Inserat findet sich auf der Website der eurea Real Estates Gruppe. Informationen, wie viele der Flächen aktuell vermietet sind und wie die geplanten Modernisierungen aussehen sollen, gab es trotz mehrfacher Nachfrage nicht.

Ein weiterer Evergreen der St. Pöltner Bauvorhaben ist die Domgarage.

Die ehemalige kika-Leiner-Zentrale samt kika-Möbelhaus harrt nach wie vor einer Verwertung. Die Eigentümerin Supernova Group möchte das Areal in ein Fachmarktzentrum umbauen und vermieten.

Anfang des Jahres wurde bekannt, dass eine Tochtergesellschaft der am Projekt beteiligten Da Vinci Gruppe insolvent ist. Befürchtungen, dass das Projekt ein „Rossmarkthöfe-Schicksal“ ereilen könnte, wiegelte das Unternehmen ab. Es sei nur eine von 16 Gesellschaften der Gruppe betroffen, der Bau der Domgarage solle noch im ersten Halbjahr starten. Von einem Baubeginn ist bisher allerdings keine Spur. Schriftliche Anfragen ließ die Da Vinci Gruppe unbeantwortet, telefonisch lässt man ausrichten, sich bei Neuigkeiten zu melden.

Auch beim Wohnprojekt Steingötterhof gibt es wenig Neues. Seit Ende 2025 ist dort Christoph Schäffer im Rahmen der Sanierungstreuhandschaft zum Geschäftsführer bestellt, bis alle fertigen Wohnungen und die beiden unbebauten Flächen verkauft sind. „Der Verkauf der

Wohnungen in Bauteil 1 schreitet zügig voran“, lässt Schäffer wissen. Zu den beiden noch freien Baugründen gibt es dagegen keine Neuigkeiten.

Szenenwechsel in den Süden der Stadt: Dort will REWE ein Logistiklager errichten, das unter anderem nach der Hochwasserkatastrophe 2024 viel Kritik auf sich gezogen hat. Eine Bürgerinitiative übergab im Jänner 2025 eine mit 10.000 Unterschriften unterfertigte Petition, die sich gegen eine Errichtung des Lagers richtete. Seither ist es still geworden um das Projekt. Rathaussprecher Kainz hält lediglich fest: „Mittlerweile läuft das Genehmigungsverfahren für die Hochwasserschutzmaßnahmen südlich des geplanten Logistik-Standortes. Wenn dieses genehmigt ist, kann mit den erforderlichen Maßnahmen für das Projekt begonnen werden.“

GLAUB AN DICH

Während die Politik noch streitet, schafft Dr. Richard Fakten und rüstet seine Flotte auf E-Busse um.

„WOLLEN NICHT NUR GESETZLICHE MINDESTSTANDARDS ERFÜLLEN“

Herr Richard, was waren Ihre Hauptgründe, sich für E-Busse zu entscheiden – für Niederflurbusse gäbe es laut EU-Verordnung ja weiter die Dieseloption?

Bei der Dr. Richard Gruppe haben wir es uns zum Ziel gemacht, das Angebot an emissionsfreier Mobilität umfassend auszubauen – der Umwelt und den Menschen zuliebe.

Als modernes Familienunternehmen denken wir in Generationen, und das verpflichtet uns, nicht nur den Mindeststandard zu erfüllen, sondern aktiv voranzugehen. Das bedeutet für uns, die Umstellung unserer LUP-Flotte in St. Pölten konsequent und nachhaltig zu verfolgen, auch wenn gesetzliche

Dr. Richard-Geschäftsführer Ludwig Richard erklärt im MFG-Interview, wieso sein Konzern den LUP-Bus voll elektrifiziert, welche Busmodelle künftig durch St. Pölten fahren und wieso „Dr. Richard“ jetzt Projektpartner des Infrastrukturministeriums ist.

Ausnahmen theoretisch weiterhin Dieselbusse erlaubt hätten. Mit einem Investment von mehr als 11 Millionen Euro läuten wir nun im St. Pöltner Stadtverkehr die Ära der E-Mobilität ein und das ist ein wichtiger Meilenstein für eine spürbare Reduktion von CO2- und

Lärmemissionen im urbanen Raum. Dass wir zeitgleich auch im Bereich EReisebus als klimaaktiv-Projektpartner des Bundesministeriums für Innovation, Mobilität und Infrastruktur (BMIMI) ausgezeichnet wurden, bestätigt uns: Wir sind auf dem richtigen Weg, denn

Nachhaltigkeit ist keine Frage des Trends, sondern der Haltung.

Die Wahl fiel auf zwei Modelle von Daimler. Was macht diese Fahrzeuge für den LUP-Einsatz besonders geeignet, und worauf müssen sich die Fahrgäste einstellen?

Nach mehrtägigen Testfahrten und einer gemeinsamen Studie mit dem Hersteller haben wir uns für den eCitaro und den eCitaro K entschieden. Diese europäischen Fabrikate bieten höchste Zuverlässigkeit im städtischen Linienbetrieb, modernste Batterietechnologie und ein optimales Energiemanagement für den anspruchsvollen Taktverkehr. Hinzu kommt, dass die Service- und Wartungsinfrastruktur perfekt auf unsere Werkstätten abgestimmt ist. St. Pöltner Fahrgäste dürfen sich somit auf ein völlig neues, noch komfortableres Fahrgefühl freuen. Die neuen E-Busse beschleunigen vollkommen stufenlos und gleiten nahezu lautlos durch die Stadt. Im Innenraum fällt der gewohnte Vibrationsund Geräuschpegel des Dieselmotors komplett weg. Gleichzeitig bleibt der gewohnte Komfort beim barrierefreien Einstieg und der Fahrgastrauminformation auf höchstem Niveau bestehen.

Die Batterien sollen rund 400 Kilometer Reichweite schaffen. Welche Distanzen legt ein LUP-

Bus aktuell zurück, und wie schlagen sich die Batterien bei voller Last oder Sommerhitze?

Durch den intensiven Taktverkehr erreichen unsere LUP-Busse an Schultagen Spitzenleistungen von bis zu 400 Kilometern pro Umlauf und genau das haben wir als Planungsreferenz herangezogen. Moderne Thermomanagementsysteme sorgen dafür, dass die Batterien sowohl bei winterlicher Kälte als auch bei extremer Sommerhitze und voller Fahrgastbelegung ihre volle Leistungsfähigkeit

Nachhaltigkeit ist keine Frage des Trends, sondern der Haltung!

behalten. Wir sind überzeugt, dass unsere E-Busse im Spätherbst genau diesen Anforderungen mehr als gerecht werden.

Rund um Ihren Betriebsstandort in der Goldeggerstraße 37 gab es 2018 Anrainerbeschwerden wegen Lärm und Emissionen. Wie hat sich die Situation entwickelt? Wir haben bewusst den direkten Weg gewählt und frühzeitig eine Informationsveranstaltung für alle Anrainer:innen gemeinsam mit allen beteiligten Unternehmen und der Stadt St. Pölten or-

ganisiert. Vor Ort gab es nur positive Rückmeldungen und das zu Recht, denn für die Nachbarschaft ändert sich die Situation nur zum Besseren – kein Motorlärm, keine störenden Tankstellengeräusche in der Nacht. Wir wollten genau die Situation von 2018 nicht wiederholen und haben daher alle schon im Vorfeld umfassend über die Pläne und die technischen Maßnahmen informiert.

Ihr Unternehmen hat Fakten geschaffen – politisch ist die Neuaufstellung des LUP ab 2027 aber noch offen. Wie sehen Sie den anhaltenden Stillstand zwischen Stadt und Land NÖ?

Als privates Verkehrsunternehmen und langjähriger Partner der NÖVOG, der Stadt St. Pölten und des Landes Niederösterreich konzentrieren wir uns auf das, was wir können und was wir steuern können: einen modernen, pünktlichen und umweltfreundlichen Nahverkehr für die Menschen in St. Pölten. Unser Fokus liegt darauf, im Rahmen der laufenden Ausschreibungsperiode alle Voraussetzungen zu schaffen, um die Dekarbonisierung unserer LUP-Flotte technisch und organisatorisch perfekt umzusetzen. St. Pölten wird mit diesem Schritt zu einer der ersten Landeshauptstädte Österreichs, in der ein privater Busbetreiber seine gesamte Stadtflotte aus eigener Initiative elektrifiziert, darauf können wir alle stolz sein.

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Ein Jahr ist vergangen seit im Universitätsklinikum

St. Pölten eine psychiatrische Abteilung eröffnete. Mittlerweile ist die Zahl der stationären Betten auf 30 gestiegen. Das ist wichtig, denn im niedergelassenen Praxisbereich sieht es wenig rosig aus.

Gernot Fugger sieht in seinem Arbeitsalltag das gesamte Altersspektrum der Bevölkerung. „Wir sehen viele junge Patientinnen und Patienten mit Angst, Depressionen und häufig auch mit Suchterkrankungen, für die es eine Herausforderung ist, im Leben Fuß zu fassen“, erklärt der ärztliche Leiter der psychiatrischen Abteilung des Uni-Klinikums St. Pölten gegenüber mfg. „Durch die alternde Bevölkerung nehmen andererseits auch Demenzerkrankungen drastisch zu. Häufig leiden Betroffene zusätzlich an multiplen körperlichen Erkrankungen.“ Schon seit 2023 existiert in der Ernst Höger-Straße eine psychiatrische Tagesklinik.

Die Psychiatrie-Abteilung des UniKlinikums, welche aus zwei stationären Einheiten besteht, nahm ihren Betrieb im Juli 2025 auf. Seitdem hat sich nicht nur die Zahl der verfügbaren Behandlungsplätze ausgeweitet, sondern auch der Zuständigkeitsbereich. Startete die stationäre Psychiatrie mit zehn von insgesamt 40 Betten für Personen aus der Stadt, sind es Stand Juni 2026 schon 30 Betten. „Mittlerweile sind wir für die Bezirke St. Pölten Stadt und Lilienfeld sowie für den Bezirk St. Pölten Land mit Ausnahmen von einigen Gemeinden zuständig“, bestätigt Fugger. Ein weiterer Ausbau von Betten ist geplant.

EINE VON DREI

PSY-KASSENSTELLEN AKTUELL UNBESETZT

Die Notwendigkeit einer neuen psychiatrischen Abteilung wurde bereits vor Jahren erkannt. Mit der Erweiterung des Universitätsklinikums um das Haus D im Mai 2024 wurde die entsprechende Infrastruktur geschaffen. Diese sei laut Fugger vor allem dann notwendig, „wenn die Behandlung im niedergelassenen Bereich bei Fachärztinnen und

CHIATRIE FEDERT EN AB

Fachärzten für Psychiatrie und Psychotherapeutische Medizin an ihre Grenzen stößt.“ Sieht die psychiatrische und psychotherapeutische Versorgungssituation in Niederösterreich tatsächlich angespannt aus?

Laut aktuellen Zahlen der ÖGK sind für Niederösterreich 23,5 Kassenstellen für Psychiater-Praxen vorgesehen, davon drei für St. Pölten. Mit Stand Mai 2026 ist nur eine einzige Kassenstelle unbesetzt und wird ausgeschrieben. Sie befindet sich in St. Pölten. Darüber hinaus gibt es in Niederösterreich 13 Kassenplanstellen für Praxen der Kinder- und Jugendpsychiatrie. Hier ist die Lücke zwischen Ist- und Sollzustand deutlich größer. Laut einer Liste unbesetzter, beziehungsweise ausgeschriebener Kassenstellen der Ärztekammer NÖ fehlen in diesem Bereich drei Praxen, davon zwei in Korneuburg und eine in Purkersdorf. Das entspricht einem „Leerstand“ von 23 Prozent. ÖGK-Angaben zu Wartezeiten bei kassenfinanzierten Psychiaterterminen in NÖ gab es nicht. Laut einer Studie der Informationsplattform krankenversichern.at 2025 betragen diese jedoch im Mittelwert 60 Tage.

MEIST NUR KURZE

AUFENTHALTSDAUER

Eine Aufnahme in Fuggers Psychiatrie ist nur mit fachärztlich-psychiatrischer Zuweisung und nach telefonischer Kontaktaufnahme möglich. „Wir betreuen das gesamte Krankheitsspektrum“, so Fugger. Um die stark unterschiedlichen Bedürfnisse der betreuten Personen abdecken zu können, sei ein multiprofessionelles Team notwendig. „Dieses umfasst neben Ärztinnen und Ärzten, Pflegepersonen, Therapeutinnen und Therapeuten mit verschiedenen Spezialisierungen, auch Sozialarbeiterinnen und

Gernot Fugger, Leiter der psychiatrischen Abteilung im UniKlinikum. St. Pölten, setzt auf Therapie nach modernen Wissenschaftsstandards.

Sozialarbeiter, um diesem Anspruch gerecht zu werden.“ Im Fokus der Arbeit steht die akute Stabilisierung und Krisenintervention. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer beträgt hier weniger als zehn Tage. In der erwähnten Tagesklinik wird ambulant über 12 Wochen behandelt. Weiters geht es dort schwerpunktmäßig auch um die Behandlung unipolarer Depressionen, wobei moderne Psychopharmaka und Elektrokonvulsionstherapie zur Anwendung kommen. Bei Letzterer werden meist schwer depressive oder psychotische Patienten unter Narkose mittels Elektroimpulsen in einen kontrollierten Krampfzustand versetzt, was positiv auf Nervenzellen und Neurotransmitter wirkt.

IM ZEICHEN DES WISSEN-

SCHAFTLICHEN FORTSCHRITTS Ebenso vielfältig wie die Formen psychischer Erkrankungen sind auch die

Ursachen. „Es gibt angeborene und genetische Faktoren, aber auch Umwelteinflüsse“, erklärt Fugger. Ein bekanntes Beispiel ist der Neurotransmitter Serotonin. „Auf Basis unserer genetischen Verfasstheit, zum Beispiel der Funktion unserer Serotonintransporter im Gehirn, sind wir unterschiedlich gut in der Lage mit Belastungen oder Krisen in unserem Leben, wie etwa die COVID-19-Pandemie, umzugehen.“ Psychotherapeuten und Psychiater sprechen hier von psychischer „Resilienz“, also der psychischen Widerstandsfähigkeit gegenüber psychischen Krisen, schwierigen Lebenssituationen und problematischen äußeren Umständen. Fuggers Fachdisziplin befindet sich nicht im Stillstand, sondern passt sich regelmäßig an den Wissenschaftsfortschritt an. „Das betrifft etwa das Thema der wechselseitigen Beeinflussung körperlicher und seelischer Krankheiten, die lange unterschätzt

Es ist Sonntag. Mein Lieblingstag der Woche. Kein sozialer Druck, keine Partyeinladung. Einfach nur sein. Chillen. Nicht auf die Uhr schauen. Blöd nur, wenn drei Menschen in einem Haus unter dem perfekten Sonntag etwas anderes verstehen.

DER EINE möchte Tennis spielen, einen Berg besteigen oder Freunde treffen.

DER ANDERE möchte ausschlafen, möglichst wenig reden und irgendwann ins Gym trainieren gehen. Und DIE EINE? Die möchte in ihrem Lieblingsbuch versinken und die innere To-do-Liste einfach in den Wind schießen.

Drei Seelen. Drei Konzepte vom Glück. Drei Herzen, die manchmal im Gleichklang schlagen, meist aber ihren eigenen Rhythmus haben. Unter der Woche lebt jeder sein Leben. Schule, Arbeit, Termine, Verpflichtungen. Aber der Sonntag, der ist heilig. Ausschlaftag. Keine Anrufe. Keine Verpflichtungen. Man darf nicht einmal Rasen mähen. So ein Pech aber auch. Die Geschäfte sind geschlossen. Keine Termine. Niente. So weit, so gut. Nur die Kolumne muss ich noch schnell schreiben. Die Männer haben Tennis-Meisterschaft. Ich blicke zu meinem Sohn, der verschlafen aus seiner Tasse trinkt. Darauf steht: „Ich muss erstmal gar nichts.“

Ich lächle. Für einen kurzen Moment sitzen wir einfach da. Müde, zerzaust und zufrieden. Drei Herzen am Frühstückstisch im gleichen Takt. Es ist still. Verdächtig still. Dann klingelt das Handy. Santa Domenica hin oder her. Irgendwer da draußen hat offenbar Montag. Wir lassen es klingeln!

wurde, oder auch die Entwicklung experimenteller Medikation und Therapie im Bereich Depression.“ Psychische Erkrankungen würden mittlerweile als Erkrankungen des Gehirns mit Effekten auf den gesamten Organismus verstanden was auch die Zusammenarbeit mit anderen medizinischen Fächern so essenziell mache. Auch der Bereich der Telemedizin, also der medizinischen Beratung und Betreuung via Handy oder digital, entwickle sich dynamisch.

„BIO-PSYCHO-SOZIALER“ THERAPIEANSATZ BETRACHTET PATIENTEN GESAMTHEITLICH

Fugger betont man verfolge in St. Pölten einen bio-psycho-sozialen Therapieansatz. „Betroffene werden ganzheitlich und in allen Facetten möglicher krank-

heitsauslösender Faktoren betrachtet. Einfach ausgedrückt beeinflussen Körperfunktionen, Gedanken und Gefühle aber auch das soziale Umfeld gemeinsam Gesundheit und Krankheit.“ Biologische Therapiemaßnahmen wie Medikamente werden mit sozial- und psychotherapeutischen Maßnahmen verknüpft.

Einer weiteren Ausweitung der psychiatrischen Bettenanzahl am Standort St. Pölten blickt Fugger positiv entgegen. Eine volle Belastung der 30 Betten sei zwar nicht gegeben, auch wolle er keine konkrete Zahl sagen. Die Auslastung seiner Station beschreibt er allerdings als „definitiv hoch“. Daran wird sich wohl auch in Zukunft durch steigendes Wissen und Bewusstsein bezüglich psychiatrisch relevanter Erkrankungen nichts ändern.

Zahl polizeilich untergebrachter Personen seit 2021 stark gestiegen

Der Umgang mit psychisch Erkrankten und Personen in psychischen Ausnahmesituationen ist auch fixer Bestandteil des polizeilichen Arbeitsalltags.

„Jede Polizistin und jeder Polizist verfügt über grundlegende Fähigkeiten im Umgang mit Personen, die akut in einer psychischen Ausnahmesituation befindlich sind“, so Polizeipressesprecherin Manuela Weinkirn. Dies sei sowohl in der generellen Grundausbildung als auch im Grundausbildungslehrgang für dienstführende Beamten in mehreren Modulen und Themenfeldern verankert. „Taktische Deeskalation, klare Kommunikation und die fundierte Einschätzung von psychischen Ausnahmesituationen“ betont Weinkirn als zentrale Punkte, denn in manchen Fällen gehe es um erhebliches Potential für Selbst- und/oder Fremdgefährdung. Der Polizei ist es auch überlassen, psychisch kranke oder gefährdete Personen in Psychiatrien unterzubringen. Die diesbezüglichen Zahlen entwickelten sich über die letzten fünf Jahre in St. Pölten dynamisch. Waren es 2021 noch 149 Fälle, wuchs diese Zahl im Jahr 2023 auf 238 und war 2025 mit 232 Fällen vergleichbar hoch. Die Zahl der Suizide bewegte sich zwischen acht (2021) und vier (2025). Die Fallzahlen „abgängiger“ Minderjähriger schwankte stark. Musste das Stadtpolizeikommando 2021 nur elf Mal diesbezüglich aktiv werden, waren es im Jahr darauf 69 Fälle. Die Statistik erklärt Weinkirn so: „Das sind nicht 69 verschiedene Minderjährige, sondern 69 Fälle. Manche sind mehrmals hintereinander abgängig.“ Im besagten „Spitzenjahr“ 2022 wurde eine Person ganze 18 Mal abgängig gemeldet. Die meisten Kinder und Jugendlichen sind dabei aus betreuten Wohnheimen abgängig, nur wenige von zu Hause. „Überwiegend halten sie sich nicht an die vereinbarten Ausgehzeiten in den Betreuungseinrichtungen“, erläutert Weinkirn. Beide Geschlechter halten sich dabei ungefähr die Waage, die meisten Fälle betreffen Jugendliche zwischen 14 und 17 Jahren.

Tina Reichl BUONA DOMENICA

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Der nostalgische Wein- und Genusszug

Entdecken Sie mit diesem nostalgischen Zug auf den idyllischen 40 Kilometern zwischen Retz und Drosendorf zahlreiche touristische Geheimtipps.

Klassische Waggons mit offenen Plattformen bieten ein besonderes Flair. Im mitgeführten Fahrradwaggon werden Ihre Räder kostenlos transportiert. Eine Kombination aus Zugfahrt und einer sportlichen Tour am Reblausexpress Radweg ist besonders reizvoll.

Ein weiteres Highlight ist der Heurigenwaggon. Dort werden Ihnen von heimischen Winzerbetrieben regionale Köstlichkeiten, erfrischende Getränke und hervorragende Weine angeboten.

Eine Entdeckungsreise für die ganze Familie

Genießen Sie einen Ausflug mit der traditionsreichen Schmalspurbahn zwischen Gmünd und Groß Gerungs sowie Gmünd und Litschau

Mit einem Genusstempo von 30 – 40 km/h sind die nostalgischen Züge unterwegs. Gemächlich schlängelt sich die Waldviertelbahn über Brücken und Viadukte, durch Tunnel, vorbei an Teichen, Dörfern und dichten Wäldern. Diverse touristische Geheimtipps und Erlebnishalte liegen an der über 120 Jahre alten Bahnstrecke. Zahlreiche kulinarische Themen- und Veranstaltungszüge bieten für Groß und Klein ein vielfältiges und abwechslungsreiches Programm.

Tipp: Mit der Waldviertelbahn-Rätselrallye und den Entdeckerschautafeln sind die jüngsten Fahrgäste bestens unterhalten. www.waldviertelbahn.at

Tipp: Der Reblaus Express feiert seinen 25. Geburtstag. Im Rahmen der Feierlichkeiten finden während der gesamten Saison mehrere Jubiläumsveranstaltungen mit speziellen Programmen statt. www.reblausexpress.at

Fotos: NÖVOG/knipserl.at, Weinfranz, Wegerbauer, Schwarz-König, Buchegger

Action, Fun und Bergpanorama

Erleben Sie die Faszination der Bergwelt auf der Gemeindealpe Mitterbach – ein sportliches Familienparadies mit einem spektakulären 360°–Panorama.

Eingebettet im größten Naturpark Niederösterreichs bietet die Gemeindealpe zahlreiche Freizeitmöglichkeiten für Jung und Alt. Der Crawler Parcours und die Mountaincarts versprechen jede Menge Fun, Action und Nervenkitzel –bequem erreichbar mit dem Sessellift.

Im modernen Bergrestaurant Terzerhaus können Sie sich nach einem aufregenden Abenteuer bei kulinarischen Köstlichkeiten und erfrischenden Getränken stärken.

Eine Panoramafahrt durchs Weltkulturerbe

Erleben Sie den Zauber der Wachau mit der Wachaubahn und genießen Sie atemberaubende Ausblicke auf die Donau, sanfte Weinberge und malerische Dörfer.

Auf 34 Kilometern von Krems nach Emmersdorf gegenüber von Melk entdecken Sie 13 der schönsten Orte des UNESCO-Weltkulturerbes. Spektakuläre Panoramen, malerische Winzerorte und geschichtsträchtige Burgen machen jede Fahrt zu einem Erlebnis.

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Tipp: Neu ab der Sommersaison 2026 ist der Escape Trail „Katta und der Räuberwald“ für Kinder ab 8 Jahren. Ein abenteuerliches Erlebnis gemeinsam mit Familie oder Freunden ist hier garantiert. www.gemeindealpe.at

KRAFTPLATZ SCHULE

Während ich das schreibe, neigt sich das letzte Volksschuljahr meiner Tochter dem Ende zu. Hinter uns liegen vier Jahre an –für meine Generation neu gedachtem – Schulalltag, vor mir steht ein selbstbewusster junger Mensch. Und da es bei uns daheim keine blöden Fragen gibt, frage ich mich somit: Wo setzt in dieser Entwicklung denn eigentlich das System Schule aktuell an?

Klassen-Briefkasten, bei herausfordernden Vorkommnissen einberufene Sesselkreise mit ihren Lehrerinnen und allen Kindern –oder gemeinschaftliche Projekte und geteilte Aufgaben: Für meine Zehnjährige ist das normaler Alltag in ihrer Volksschule. In den meisten Fällen will sie gerade bei Streit und sonstigen Krisensituationen mit anderen Kindern schon länger keine oder kaum noch Hilfe von mir. Standard-Aussage: „Danke, aber das schaffe ich schon.“ Ganz ehrlich, oft kommen mir sie und ihre jungen Freund:innen eloquenter im Miteinander – und bei Schwierigkeiten besser reflektierend – als der Großteil meiner Erwachsenen-Bubble (Schreibende, äh, eingeschlossen) vor.

Ein Blick aufs Positive rechnet sich daher. Von der Volksschule bis zur Matura: Wo und wie spielen Schulen heute zeitgemäße Rollen, um unsere Kinder zu stärken – als Individuum und heranwachsende Persönlichkeit genauso wie als Klasse, als Team auf Zeit also?

„An Niederösterreichs Schulen orientiert sich die pädagogische Arbeit an den individuellen Stärken, Bedürfnissen und Potenzialen der Schülerinnen und Schüler“, setzt sich NÖ Bildungsdirektor Karl Fritthum mit dieser Frage auseinander. „Durch differenzierte Unterrichtsformen, kompetenzorientiertes Lernen

und die pädagogischen Konzepte der Schulen wird verstärkt auf unterschiedliche Lernvoraussetzungen eingegangen. Ziel ist es, jedes Kind dort abzuholen, wo es steht, zur Wegbereitung der bestmöglichen Entwicklung.“

Gleichzeitig bleibt die Schulgemeinschaft ein wesentlicher Erfolgsfaktor für Bildung: „Schulen in Niederösterreich verstehen sich nicht nur als Lernorte, sondern auch als Lebensräume, in denen soziale Kompetenzen, gegenseitiger Respekt und Verantwortung für die Gemeinschaft entwickelt werden“, streicht er heraus.

NÖ Bildungsdirektor Karl Fritthum weiß, dass der Trend an Schulen zu gestärkter Individualität und erlebbarer Gemeinschaft geht.

DA SEIN, ZUHÖREN, GRENZEN SETZEN

„Wenn Neunjährige plötzlich mit Kraftausdrücken aufeinander losgehen oder einander sogar schlagen, sind wir natürlich gefordert“, weiß dazu eine St. Pöltner Volksschul-Lehrerin aus dem SchulAlltag zu berichten. „Das Optimum ist, dass es gar nicht erst so weit kommt –darum gehören gemeinschaftliche Aktionen, Spiele und Rituale für uns dazu.“ Als Beispiele nennt sie eine Box, in der die Kinder untereinander Dankesbotschaften, aber auch Kritik übermitteln können, begleitet vom Lehrer-Team. „Dazu werden jedes Monat KlassenAufgaben wie Blumengießen verlost. Jede Aufgabe wird dann jeweils von zwei bis drei Kindern gemeinsam erfüllt. Sie sollen sich dafür miteinander selbständig organisieren, wir begleiten sie dabei lediglich und achten drauf, dass es fair abgeht. So lernen sie, altersgerecht Verantwortung zu übernehmen und gleichzeitig im Team zu arbeiten.“ Und wenn es doch mal kracht? „An erster Stelle stehen immer Schutz und Sicherheit der Kinder“, verrät die Lehrerin, „danach geht es um Aufarbeitung und die Learnings – warum ist eine Situation so eskaliert?“ Je nach Schwere werden auch Eltern, Schulleitung und weitere Fachkräfte hinzugezogen. Grundsätzlich, so ist die Lehrerin über-

Gemeinsame Projekte, kooperative Lernformen, Klassenaktivitäten sowie schulübergreifende Initiativen stärken den Zusammenhalt und fördern das Miteinander.
KARL FRITTHUM, NÖ BILDUNGSDIREKTOR

zeugt, hilft es in jeder schwierigen Situation vor allem, ganz da zu sein, wirklich zuzuhören und gemeinsam Lösungen zu suchen. Von Strafe hält sie nichts, „Wir setzen auf altersgerechte, klare Gespräche und logische Konsequenzen, die von den Kindern verstanden werden und tatsächlich Veränderungen des Verhaltens und des Umgangs untereinander bringen können.“ Einem Schimpfwort als Klasse auf den Grund zu gehen –quasi wie einen interessanten Fund unterm Mikroskop anzuschauen – und in seine Ursprünge zu zerlegen sowie zusammen herauszufiltern, warum es so verletzend wirkt und was das mit einem Menschen macht – also, das kann echte Wunder wirken. Nachhaltig.

KOMMUNIKATION IST ALLES

Für Thomas Huber, Schulleiter der BHAK und BHAS St. Pölten, wurzelt ein gutes Miteinander an einer Schule dort, wo es auch in jeder anderen Organisation und Firma den Ursprung hat: in der Kommunikation. Und die ist idealerweise wertschätzend. Sowohl Kolleg:innen als auch Schüler:innen dürfen jederzeit das Gefühl haben, Probleme ansprechen zu können – und auch gehört zu werden. Wichtig für die Jugendlichen in diesem Kontext: ein demokratisches Schul-System und die Möglichkeit, Projekte autonom umzusetzen. „Ein Schulsprecher hat z.B. einen Vortrag von einem Unternehmer organisiert, den er selbst akquiriert

hat“, erzählt er. „Wir begegnen unseren Schüler:innen wirklich auf Augenhöhe – das ist ein wesentlicher Faktor für eine gelingende Schule.“

Herausforderungen liegen darin, dass schwere psychische Erkrankungen steigen – teilweise als Resultat der überbordenden Mediennutzung, wie Direktor Huber abwägt. Hier beschreiten er und das Lehrer-Team, das er seit seinem Antritt vor sechs Jahren um rund 65 Köpfe aufgestockt hat, nicht den Weg des Verbotes, wie etwa, jemandem das Handy zu verbieten: „In der Oberstufe wäre das lächerlich“, sagt der Vater von drei Kindern, „und ich sehe es nicht als unsere Aufgabe, 14-Jährigen aufwärts zu sagen, du darfst jetzt dein Handy nicht haben.“ Stattdessen werden gemeinsame Strukturen für die Nutzung von Geräten und auch Social Media geschaffen. Cybermobbing ist gerade in dieser Altersgruppe ein Thema. Ein Weg ist, Jugendliche in solchen Situationen klar zu instruieren, welche rechtlichen Konsequenzen etwas haben kann oder hat. Zusätzlich werden Workshops oder Aktionstage angeboten. Schulärztliche, -psychologische und -sozialarbeiterische Kooperationen greifen an der Schule laufend. Ein Mental Health Day etwa bietet eine freie Auswahl an Vorträgen von Stress bis Depression. „Es ist ja auch wichtig für die jungen Menschen, Zusammenhänge zu verstehen“, erklärt er.

ELEMENTARES ELEMENT: WERTSCHÄTZUNG

Bildungsdirektor Fritthum ist sich sicher: „Eine gelebte Schulkultur, die auf Wertschätzung, Partizipation und gegenseitigem Respekt basiert, trägt wesentlich zu einem positiven Lernumfeld und zum Erfolg der gesamten Schulgemeinschaft bei. Darüber hinaus kommt der Förderung von Medienkompetenz und einem verantwortungsvollen Umgang mit sozialen Medien eine immer größere Bedeutung zu, um Kinder und Jugendliche auf die Anforderungen einer digitalen Gesellschaft vorzubereiten. Der Trend geht somit klar in Richtung einer Schule, die Individualität stärkt und gleichzeitig Gemeinschaft erlebbar macht.“

Offene Kommunikation auf Augenhöhe: für BHAK/BHAS St. Pölten-Direktor

Thomas Huber der Schlüssel zu gelingender Schule.

Die Freiheit, die Meinung zu sagen und nach Hilfe fragen zu können sowie die Möglichkeit der Mitgestaltung und ein sicherer Rahmen für selbständiges Handeln – das logge ich gerne als große schulische Aspekte im Puzzle der Stärkung junger Menschen ein. Zusätzlich aus Fachleuten, die im Sinne der Youngsters zusammenarbeiten.

Davon ist auch Gregor Unfried überzeugt. Seit kurzem St. Pöltens Bildungsgemeinderat, hatte er davor sieben Jahre lang die Position des Jugendgemeinderats inne. „Mit 35 und als zweifacher Vater unterscheidet sich meine Lebensrealität mittlerweile sehr von der von Jugendlichen“, erzählt er zum Einstieg über den Wechsel. „Ich bin froh, dass mit Christoph-Lukas Hagenauer und Lisa-Maria Koban Menschen als meine Nachfolger:innen gewählt wurden, die mit vollem Einsatz und Leidenschaft für die Jugendlichen in unserer Stadt da sind.“ In seiner neuen Rolle liegt ihm in einem ersten Schritt der Austausch mit den Bildungsinstitutionen besonders am

Herzen – „um ihre Arbeit, aber natürlich auch die Herausforderungen kennenzulernen“, führt er aus. „Bildung ist ja ein weitgefächertes Feld. Es gibt die formale Bildung, wie in den Schulen, die nonformale, wie in der Musikschule – und die informelle Bildung, wie z. B. in der Arbeit, im Sport oder durch Hobbys.“

Dass Schule heute weit mehr als Wissensvermittlung ist, liegt für ihn auf der

Hand: „Kinder und Jugendliche verbringen einen großen Teil ihres Lebens in der Schule. Dort lernen sie nicht nur für Prüfungen, sondern auch fürs Leben.“

Inwieweit kann das Konstrukt Schule somit positiv ansetzen? „Das Vermitteln von Kompetenzen ist Kernauftrag von Schulen“, zeigt Gregor auf, „das Erlernen der deutschen Sprache der zentrale Schlüssel für Bildung, gesellschaftliche Teilhabe und Chancengleichheit – weil Sprache nicht nur Kommunikation ermöglicht, sondern auch Verständnis, Zugehörigkeit und gemeinsame Zukunftsperspektiven schafft.“ Gleichzeitig weiß er aber auch, dass Schule nicht alle gesellschaftlichen Herausforderungen alleine lösen kann: „Pädagog:innen übernehmen heute unglaublich viele Aufgaben – weit über den klassischen Unterricht hinaus. Dafür gebührt ihnen und allen, die in diesem Bereich arbeiten, höchste Anerkennung und ein riesiges Danke. Schule kann unterstützen, begleiten und Chancen eröffnen. Aber sie kann nicht alles auffangen, was gesellschaftlich oder familiär schiefläuft.“ Was es dafür braucht? „Ein starkes Zusammenspiel zwischen Bildungseinrichtungen, Familien, Vereinen, Sozialarbeit, Politik und der Gesellschaft“, streicht somit auch er den wichtigen Faktor von gutem Teamplay heraus. „Unser Ziel sollte sein, Kindern und Jugendlichen nicht nur Wissen zu vermitteln“, fasst er zusammen, „sondern ihnen das Gefühl zu geben: Du wirst gebraucht, du kannst etwas, du bist Teil einer Gemeinschaft. Denn genau daraus entstehen starke Persönlichkeiten – und ein starkes gesellschaftliches Miteinander.“

Netzwerk und Teamwork: Die Liste an schulischen Aspekten für eine gesunde Persönlichkeitsentwicklung und ein gelungenes Miteinander ist wieder gewachsen.

Das Lernen fürs Leben beginnt bei sozialer Kompetenz und gegenseitigem Respekt, geht über Demokratiebildung und Medienkompetenz bis hin zur Frage, wie wir Kindern Selbstvertrauen, Perspektiven und Zugehörigkeit vermitteln können.

GREGOR UNFRIED, ST. PÖLTNER BILDUNGSGEMEINDERAT

FOTOS Althea Karoline Müller, Konstantin Taufner-Mikulitsch, Thomas Küttner
Gewalt ist ein No-Go, Wut hingegen darf und soll sogar sein, weil uns unsere Gefühle und Emotionen etwas Wichtiges mitteilen wollen.

GEWALTFREIES MITEINANDER –FREIE EMOTIONEN

Kinder zu stärken – dieser Aufgabe widmet sich auch die St. Pöltner Freizeitpädagogin Eva-Maria Kappelmüller. Die Sozialkompetenz der einzelnen Kinder zu fördern, aber auch die Gruppe als Gesamtheit in ihren Bedürfnissen zu sehen, damit letztlich jedes Kind mit all seinen Stärken und Schwächen gesehen, gehört und angenommen wird, sieht sie dabei als eine ihrer Hauptaufgaben. „Das klingt schon in der Theorie etwas herausfordernd und ist im schulischen Alltag oft auch unterschiedlich gut umsetzbar“, erzählt sie. „Ich bin meist ab 10 Uhr in der Klasse mit dabei und sehe bereits am Vormittag, wo es am Nachmittag haken könnte, weil die Konflikte während des Unterrichts natürlich nicht ausgetragen werden können.“

Nimmt Eva-Maria vormittags viel Unruhe und „Zickenkrieg“ wahr, bietet sie den Kindern nachmittags vermehrt Gemeinschaftsprojekte an: „So wähle ich für den Turnsaal Spiele ohne Sieger:innen aus, oder welche, wo sie zusammenarbeiten müssen. Oder ich stelle ihnen eine Aufgabe, die sie nur gemeinsam lösen können.“

Besonders wichtig im Lebensraum Schule ist es ihr, den Kindern den Unterschied zwischen Gewalt und Aggression, Wut und einem Konflikt klarzumachen. „Gewalt ist für mich ein absolutes NoGo, und das erkläre ich den Kindern im Bedarfsfall auch immer sehr strikt und klar. Wut hingegen darf und soll sogar sein, weil alle Gefühle und Emotionen ihre Berechtigung haben und uns etwas Wichtiges mitteilen wollen“, vermittelt sie mir ihren Ansatz. „Wenn wir wütend werden, geht es meistens um ein Bedürfnis, das nicht erfüllt wurde. Das ist im Grunde gut so, denn dann kann ich mir anschauen, was ich brauche. Wichtig dabei ist, den Kindern zu vermitteln: Es

ist in Ordnung, wenn du wütend bist. Es ist aber nicht in Ordnung, wenn du dann jemanden verletzt. Ausgrenzung und Mobbing zählen für mich zu Gewalt, weshalb diese in meiner Gruppe absolut keinen Platz finden dürfen.“

AUS KONFLIKTEN LERNEN WIR

Konflikte wiederum sind in einer Gruppe der Normalfall, so die Freizeitpädagogin, weil es fast immer zwei oder mehr Parteien gibt, die unterschiedliche Bedürfnisse haben und deshalb eine Konfliktsituation erleben. „Wichtig finde ich hier, den Kindern zu helfen, solche Konflikte wahrzunehmen, auszuhalten und zu tolerieren – oder im Idealfall zu lösen“, sagt sie. „Je nach Alter der Kinder kann man hier sehr gut Themen wie Toleranz und Respekt für andere Sichtweisen einbringen, weil es bei Konflikten ja meist kein ‚richtig‘ und ‚falsch‘ gibt, sondern oft nur verschiedene Bedürfnisse und Sichtweisen.“

Auch die mir von der Schule meiner Tochter bekannten Aktivitäten wie gemeinsame Garten-Arbeit oder der Kreis fürs Miteinander sind Eva-Maria gut bekannt: wie zusammen das Hochbeet im Schulgarten zu betreuen, ein Buch zu lesen oder ein Theaterstück einzustudieren. „Rituale und gemeinsame Aktivitäten wie Meditieren oder Singen im Sitzkreis finde ich wichtig“, nickt sie. „Das muss gar nicht lange dauern, aber hilft dem sozialen Miteinander sehr. Jeden Freitag machen wir einen positiven Wochenabschluss: Gibt es etwas, wofür du dankbar bist? Möchtest du jemanden loben? Die Kinder genießen diesen Abschlusskreis sehr. Daraus entstehen oft berührende und schöne Momente.“ Und wieder habe ich neue Punkte gefunden, wie Schule unsere Kids stärken kann: Klare Grenzen, das Annehmen von Gefühlen, kooperative Spiele und Aufgaben – und gemeinsame Rituale.

Mit Empathie, Klarheit, Kooperationsspielen und Gemeinschaftsprojekten unterstützt und stärkt Freizeitpädagogin Eva-Maria Kappelmüller „ihre“ Kinder.

EXTRA-CHANCEN FÜR

EXTRA-CHALLENGES

Apropos Stärkung: Mit dem „Chancenbonus“ hat die Bundesregierung für 2026 einen neuen Bildungsschwerpunkt aktiviert. Mit dem Ziel, landesweit ausgewählte Schulen mit besonders herausfordernden Rahmenbedingungen zu unterstützen, erhalten diese zusätzliches Personal – von Lehrkräften bis hin zu Schulsozialarbeiter:innen oder für Legasthenie/Dyskalkulie und Psychotherapie.

In Niederösterreich wurden für die neue Maßnahme 27 Schulen ausgewählt, ein Drittel davon mit Standort in St. Pölten, wo der Chancenbonus 2026 an die Volksschulen VS I Kerensstraße, VS II Daniel-Gran-Straße, VS Grillparzerstraße, VS Unterwagramer Straße und Otto Göckel-Volksschule sowie an die Mittelschulen MS Dr. Theodor Körner I, Musik-MS II Johann Gasser Straße, MS Austinstraße und MS Kudlichstraße geht.

Monika Rosenthaler, ihres Zeichens Schulleiterin der Niederösterreichischen Mittelschule Wagram in der Kudlichstraße, empfindet die zusätzlichen personellen Ressourcen als positiv. „Wie sich diese neue Initiative des Bildungsministeriums bei unserem Standort auswirkt, wird die Zukunft zeigen“, ergänzt sie.

KRITIK AN DER VERTEILUNG

„Die Bestrebung, mehr Ressourcen in die Schulen zu bringen, ist grundsätzlich begrüßenswert“, äußert sich dazu auch Niederösterreichs Bildungslandesrätin Christiane Teschl-Hofmeister und ergänzt: „Schließlich haben sich unsere Pädagog:innen mehr Unterstützung verdient und sollen sich auf das Wesent-

Unausgewogen: Bildungslandesrätin Christiane Teschl-Hofmeister sieht die aktuelle Vergabe des neuen bundesweiten Chancenbonus kritisch.

liche konzentrieren können: auf unsere Kinder und das Unterrichten. Bildungspolitik ist Zukunftspolitik und braucht Reformen mit Hausverstand, Maß und einer echten Partnerschaft zwischen Bund und Ländern. Gerade beim Chancenbonus entsteht jedoch der Eindruck einer unausgewogenen Verteilung, wenn mehr als die Hälfte der Mittel nach Wien fließt“, gibt sie zu bedenken und erklärt weiter: „Besonders bei bundesweiten Bildungsmaßnahmen braucht es Transparenz, Fairness und nachvollziehbare Kriterien, damit sich alle Regionen gleichermaßen berücksichtigt fühlen. Entscheidend ist, dass Reformen im Bildungsbereich ganz Österreich im Blick haben – und nicht einzelne Standorte bevorzugen.“ Um es in Zahlen auszudrücken: In Wien werden 227 Schulen mit Ressourcen ausgestattet (46,14 % aller Schulen in Wien), während es etwa in Niederösterreich nur 27 sind (2,61 % aller niederösterreichischen Schulen).

„Der Chancenbonus als Programm, das Schulen mit besonderen Herausforderungen durch zusätzliches Personal unterstützen soll, ist grundsätzlich positiv zu bewerten“, äußert sich Bildungsdirektor Fritthum ähnlich, „Zusätzliche Personalressourcen sind natürlich hilfreich – gerade in Schulen, die eine schwierigere Ausganssituation haben. Daher würde ich mir wünschen, dass künftig auch eine größere Anzahl von Schulen in NÖ die Möglichkeit haben, zusätzliche Ressourcen zu nutzen und unterstützendes Personal zu lukrieren.“

„Begrüßenswert“ findet den Chancenbonus auch der St. Pöltner Bildungsgemeinderat. Um den Herausforderungen in den Schulen gerecht zu werden, wären aber laut Gregor Unfried mittelfristig weitere und höhere Investitionen entlang der neuen Maßnahme nötig, um die Grundkompetenzen abzusichern. „Wichtig ist es in Zukunft, dass die Stadt als Schul-Erhalter von Anfang an miteingebunden wird – und dass auch die Polytechnischen Schulen bedacht werden“, unterstreicht er. Meine Recherche schließe ich mit den finalen Aspekten Chancen und Fairness ab. Das sind in Summe wirklich viele Punkte auf der To-Do-Liste der Institution Schule – eines gesellschaftlichen und dabei denkbar lebendigen Konstrukts, das maßgeblich dazu beitragen kann, wie sich unsere Kinder zu starken und sozialen Erwachsenen entwickeln. Zum Glück ist das österreichische Bildungssystem so lernfähig.

PS: Mehr Original-Aussagen von Lehrer:innen – also den (neben unseren Kindern) ausdrücklichen Held:innen und „Basis-Arbeiter:innen“ in dem Ganzen –zu erhalten, war übrigens nicht möglich, da mediale Outputs über die Bildungsdirektion gespielt werden müssen.

FOTOS Eva-Maria Kappelmüller, Land NÖ

SOMMER

im Museum Niederösterreich

Juli und August 2026

Tierischer Dienstag

Jeden Di, 11:30 Uhr und 14:00 Uhr Führung mit tierischen Erlebnissen

Sommerferien-Special

Jeden Di, 13:00 bis 17:00 Uhr Basteln und Entdecken

Sonntag im Museum So, 5.7. und So. 2.8., ab 13:00 Uhr Tolles Familienprogramm

Sommerpost von Poldi Paket für den Urlaub mit Lesespannung und Bastelspaß, 5 – 10 Jahre

Fledermausnächte Di, 18.8. und Di, 25.8.

Schmetterlingsleuchten Do, 20.8. und Do, 27.8.

Nähere Infos unter museumnoe.at/ferien

UMARMUNGEN

Von der „Umarmung der Welt“ ist beim aktuellen Barock Festival St. Pölten die Rede, ein Festival, das in diesem Jahr sein 20-Jahre-Jubiläum feiert. Der Zuspruch war von Anfang an groß; zudem handelt es sich hierbei um eine genuin St. Pöltner Einrichtung, die nicht zuletzt dem Barockcharakter so mancher Straßenzüge Rechnung trägt. Überhaupt jubiliert’s derzeit an allen Ecken und Enden. Dass die Stadt selbst seit 40 Jahren den Titel Landeshauptstadt trägt, hat sich wahrscheinlich schon flächendeckend herumgesprochen. Das Stadtmuseum feiert sein 50-jähriges Bestehen mit hervorragenden Ausstellungen – und der Künstlerbund ist gerade 80 geworden. Einer seiner Wegbegleiter und langjähriger Obmann, Ernest A. Kienzl, beging dieser Tage seinen 75. Geburtstag und präsentierte im NÖDOK, welches sich im Stadtmuseum befindet, eine riesige Solo-Ausstellung über sein bisheriges Lebenswerk. Dass Letzterer auch noch vor einigen Wochen seine Goldene Hochzeit mit seiner Gattin Renate feiern durfte, freut den Schreiber dieser Zeilen ganz besonders: Herzliche Gratulation!

Auch das BarRock gibt’s übrigens seit 2006: Vom Stadtmuseum aus etwa ist es nicht weit, dieses fußläufig zu erreichen – schließlich lebt der Mensch nicht nur vom Kunstgenuss allein: Ein sommerliches Abendbier ist im wunderschönen Gastgarten (wahrscheinlich einer der schönsten von ganz STP) eine durchaus wiederholbare Option! Und man muss ja dort nicht gleich die ganze Welt umarmen – Freundin oder Freund tun’s auch …

DIE 80ER

Auch wenn wir ihn schon an anderer Stelle in diesem Heft zitiert haben (siehe Hasis ganz persönliches „1986“ auf S. 60ff), hier zum Geleit nochmals Falcos legendärer Ausspruch „Wer sich an die 80er erinnern kann, war nicht dabei!“ Zum Glück gibt’s die Schallaburg, die mit ihrer Ausstellung „80er – Grenzen waren gestern“ all jenen, die dabei waren, aber sich nicht mehr erinnern können, ebenso auf die Sprünge hilft, wie jenen, die als Nachgeborene dieses Jahrzehnt versäumt haben. Versäumt im wahrsten Sinne des Wortes, denn die 80er waren Kult! In 17 Räumen und anhand über 500 Objekten kann man auf Zeitreise gehen und wird vor allem als Kind der 80er manch sentimentalen Flashback erleben: Walkman, Commodore Computer, 1,2 oder 3 T­Shirt, Monchichi, Setzkasten, Madonnas Glitzer­BH, Falcos Bühnenjacke und und und. Muss man gesehen haben!

SZENENWECHSEL

I m Mai ist die Staffelübergabe im Landestheater Niederösterreich über die Bühne gegangen. Während Marie Rötzer mit der Gala „Times Are Changing“, im Zuge dessen sie mit Weggefährten noch einmal ihre St. Pöltner Jahre Revue passieren ließ, Abschied nahm, um fortan dem Theater in der Josefstadt ihren künstlerischen Stempel aufzudrücken, kam Nachfolgerin Patricia Nickel­Dönicke sozusagen endgültig an und nahm erstmals auf der Bühne ihrer neuen Wirkungsstätte Platz, um ihr erstes Programm zu präsentieren. Wer im Vorfeld über den künftigen „Kurs“ des Landestheaters gemutmaßt hatte – so viel steht fest: das Haus bleibt politisch, diskursiv und partizipativ. Theater nicht als kontemplatives L’art pour L’art, sondern die Besucher dürfen und sollen durchaus – so legen Stückauswahl, Vermittlungsprogramme und Partizipationsmöglichkeiten nahe – ihre grauen Zellen anstrengen, ihren moralischen Kompass immer wieder aufs Neue eichen und selbst aktiv werden. Los geht’s im September mit Brechts „Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui“, an dem gleich 12 (!) RegisseurInnen der kommenden Spielzeiten Hand anlegen!

MOBILITÄT ERLEBEN & SPASS GENIESSEN BEI PORSCHE ST. PÖLTEN

Am Samstag, 27. Juni, lädt Porsche Inter Auto (PIA) St. Pölten von 9 bis 17 Uhr zum großen Tag der offenen Tür in die Breiteneckergasse 2 ein. Unter dem Motto „PIA St. Pölten LIVE erleben!“ erwartet die Besucher ein abwechslungsreiches Event für die ganze Familie.

Im Mittelpunkt stehen dabei zunächst natürlich die neuesten Modelle von Volkswagen, Audi, VW Nutzfahrzeuge, SEAT und CUPRA. Außerdem präsentiert Weltauto eine attraktive Auswahl an geprüften Gebrauchtwagen mit umfassenden Garantieleistungen. „Unsere Experten beraten die Besucher gleich vor Ort zu unseren Fahrzeugen, Angeboten und individuellen Mobilitätslösungen“, so Geschäftsführer Florian Deopito, „und auch

die eine oder andere Probefahrt kann gleich an diesem Tag absolviert werden!“ Dazu kann man sich vorab gleich hier anmelden:

Buntes Rahmenprogramm

Dem nicht genug, ist auch für beste Unterhaltung und Kulinarik gesorgt. Kostenlose Speisen und Getränke laden zum Verweilen ein, im BaristaBus bekommt man frisch zubereitete Kaffeespezialitäten aus hochwertigen Schärf-Röstungen serviert, und die kleinsten Gäste dürfen sich etwa bei der beliebten VW-BeetleHüpfburg austoben.

Messebonus!

Apropos beliebt: Weil ein Tag sozusagen nicht genug ist, profitieren Kundinnnen und Kunden im Rahmen des „Messebonus“ gleich von 20. Juni bis 4. Juli von besonderen Vorteilen und speziellen Aktionsangeboten. Also nix wie hin zum Tag der offenen Tür von Porsche Inter Auto St. Pölten!

ABSCH

IED

eines Überzeugungstäters

Energischen Schrittes kommt mir Paul Gessl im Foyer des Festspielhauses entgegen und ruft mir schon von weitem ein schallendes „Servus!“ zu.

Der Style wie immer à la bonne heure: Das grau-melierte Haar im Wet-Look, Soul-Patch-Bart, das schwarze Hemd weit aufgeknöpft, dunkle Hose, dazu schwarze Sneakers (die Gessl schon trug, als die Manager hierzulande noch in Designeranzug und genagelten Schuhen durch die Gegend stolzierten).

Dazwischen blitzen – Gessls Markenzeichen – die berühmten roten Socken hervor. Eigentlich unvorstellbar, dass dieser Mann in knapp drei Monaten in den Ruhestand tritt.

Umso mehr, da Gessl auch nach über 25 Jahren noch immer vor allem eines ist: on fire. „Heute habe ich die letzte Aufsichtsratssitzung, dann geht’s nach Grafenegg, wo wir den Rudolf Buchbinder Saal eröffnen.“

Dazwischen darf ich ihn ein bisschen ausquetschen, vorher hat gerade Maria Happel angerufen, die er im Anschluss trifft. Während andere mit Blick auf den Ruhestand einen Gang zurückschalten und schön langsam ausfaden, bleibt Gessls Gaspedal bis zum letzten Arbeitstag am 31. August durchgedrückt. „Da steht noch einiges an, fünf Jahre Festspiele Reichenau Neu, 20 Jahre Grafenegg, Eröffnung Landesausstellung 2026, 40 Jahre Landeshauptstadt St. Pölten.“

Dazwischen nimmt er in der ehemaligen Glanzstoff-Fabrik Abschied von seinen beruflichen Weggefährten. Passendes Motto des Abends: „Kunst trifft Wirtschaft“, also praktisch Gessls berufliches Leitmotiv, seitdem er 2000 in St. Pölten aufschlug und die Geschäftsführung der damals neugegründeten Niederösterreichischen Kulturwirtschaft, kurz NÖKU, übernahm.

DAS ENDE DER INTENDANTEN

Die Holding war dabei Ausfluss des Landeshauptstadtprojektes, hatte man St. Pölten doch neben dem Regierungsviertel auch gleich noch einen Kulturbezirk verpasst, dessen Gesellschaften nunmehr in der NÖKU unter ein gemeinsames Dach gestellt wurden. „Den Nukleus bildeten anfangs das Festspielhaus, die Bühne im Hof, Klangturm St. Pölten sowie die Kunstmeile Krems“, erinnert sich Gessl. Dass daraus dereinst ein Imperium aus aktuell 16 Gesellschaften mit 40 Einzelbetrieben, einem Betriebsbudget von knapp 140 Millionen Euro sowie 1.300 Mitarbeitern erwachsen sollte „war nicht vorauszusehen“, räumt Gessl fast ein wenig ungläubig ein. „Über die Jahre hinweg erfolgten zahlreiche Eingliederungen – nicht nur von Lan-

deseinrichtungen, sondern ebenso von Vereinen, kommunalen Betrieben bis hin zu kompletten Neugründungen. Alles bunt gemischt.“ In der Regel spielte dabei immer der wirtschaftliche Aspekt eine wesentliche Rolle „weil die Politik erkannt hatte – was ihr bis heute hoch anzurechnen ist – dass Kultur eben wirtschaftliche und kaufmännische Strukturen braucht.“ Wohl ein Lerneffekt aus manch aus dem Ruder gelaufener Betriebsführung anno dazumal, wenn die öffentliche Hand wieder einmal millionenschwere Budgetlöcher stopfen musste, die allzu selbstherrliche Intendanten gerissen hatten. In der NÖKU schob man dem einen Regel vor, indem man fortan eine künstlerische und eine kaufmännische Leitung installierte, die nach dem Vier-Augen-Prinzip zusam-

Die Politik hatte erkannt – was ihr bis heute hoch anzurechnen ist – dass Kultur auch wirtschaftliche und kaufmännische Strukturen braucht.

menarbeiten mussten. Die Allmacht der Intendanten war damit gebrochen, in einem Aufwischen auch gleich manch damit einhergehende Eskapade, weshalb Gessl nicht ohne Stolz darauf verweist, „dass uns dank klarer Compliance Regeln und eines stringenten Code of Ethic, wo alle Verantwortlichen ihre Entscheidungen argumentieren und rechtfertigen müssen, Skandale wie über die Jahre im MAK, Burgtheater, Salzburger Festspiele erspart geblieben sind.“

BAD BOY

Wer nun denkt, dass diese Strukturreform auf ungeteilte Begeisterung stieß, täuscht sich freilich gewaltig. Vielmehr ging in der Kulturszene das Gespenst vom Ende der Freiheit der Kunst um, vielen schmeckte der „Kulturbruch“ gar nicht, was nicht zuletzt auch auf manch Standesdünkel zu fußen schien. So rümpften nicht wenige honorige St. Pöltner Bildungsbürger die Nase, dass da jetzt in Person von Paul Gessl ein schnöder Industriemanager, noch dazu aus einer so uninspirierten Branche wie Petrochemie und Metall, die hohe Kunst mitbestimmen sollte und gar den armen, schöngeistigen Intendanten mit allzu engen Budgetvorgaben Fesseln für ihre künstlerische Entfaltung anlegte.

Endgültig – fürs erste zumindest –zum Bad Boy der St. Pöltner Kulturszene avancierte Gessl aber, als das Land Niederösterreich, wie manch Bürger wähnte, St. Pölten das Stadttheater „wegnahm“ –„abnahm“ traf es besser. Die Stadt stand Anfang der 2000er-Jahre aufgrund des Krankenhausbetriebes vorm finanziellen Kollaps, weshalb sie in Verhandlungen 2004 nicht nur das Klinikum ans Land übergab, sondern obendrein – komplett überraschend, weil nie öffentlich kommuniziert, geschweige denn diskutiert – auch gleich den Betrieb des Stadttheaters on top „mitentsorgte“. „Das war für viele natürlich ein absoluter Schock,

ein No-Go!“, erinnert sich Gessl. Vor allem seine Pläne zur Neuausrichtung des Hauses brachten die St. Pöltner Theaterseele zum Kochen. So dampfte Gessl das traditionsreiche Drei-Sparten-Haus, wo man bislang u.a. auch der Operette gefrönt hatte, zum reinen Sprechtheater ein. „Wir mussten damals drei Ensembles entlassen – das Orchester, den Chor und das Ballett. Das war hart. Aber in St. Pölten in einem Haus mit nur 370 Plätzen Musiktheater auf höchstem Niveau umsetzen zu wollen, mit den großen Häusern in Wien vor der Nase, war wirtschaftlich schlicht nicht abbildbar.“ Gessl brachte stattdessen ein Prinzip zum Tragen, das zur Blaupause für zahlreiche weitere NÖKU-Übernahmen werden sollte: „‘Profilieren – differenzieren – positionieren!‘ Es geht darum, ganz klare, unterscheidbare Profile für die einzelnen Marken zu entwickeln, und zwar im niederösterreichischen Gesamtkontext ebenso wie im Wettbewerb zu anderen Kultureinrichtungen in Österreich. Dadurch können wir Überschneidungen innerhalb unserer Betriebe verhindern, nutzen durch den gemeinsamen Überbau Synergien und gewährleisten ein sinnvolles Miteinander bis hin zu Kooperationen.“ In Sachen Landestheater – was Gessl in diesem Leben trotzdem nicht nicht mehr zum best buddy der Operettenfreunde macht –ist seine Rechnung aufgegangen. Heute genießt das Haus einen hervorragenden Ruf im gesamten deutschsprachigen Raum, 2019 wurde es gar von der New York Times unter die besten Theater Europas gekürt.

Zugleich, auch dies ein Faktum, reißen aber die Vorbehalte gegen NÖKUUmstrukturierungen im jeweils indigenen Kulturbiotop nicht ab, wenn man an die jüngsten Proteste gegen die Auflösung des Orchesters der Bühne Baden denkt. Ab der Spielzeit 2027/2028 übernehmen dort die Tonkünstler als Resi-

Für viele ist Offenheit gegenüber Veränderung ein Fremdwort – das ist eine meiner traurigen Erkenntnisse im Laufe der Jahre.
PAUL GESSL

denzorchester die Bespielung, zusätzlich wird – wohl eine Art Zugeständnis –auch ein musicalaffines „Spezialensemble“ etabliert. Gessl kann die Proteste damals wie heute nur bedingt nachvollziehen, weil er am Ende des Tages von einer Qualitätssteigerung bei gleichzeitiger verbesserter Wirtschaftlichkeit überzeugt ist. „Ich verstehe ja, dass Veränderungen für manche ein Problem darstellen und mit Protesten einhergehen. Das war die Erfahrung 2003, das ist die Erfahrung 2026. Was mich aber damals wie heute irritiert, ist diese mangelnde Offenheit für Neues, denn wo sollte man diese finden, wenn nicht im Kunst- und Kulturbereich, der sich ja ureigenst aus Wandel speist? Für viele ist Offenheit aber ein Fremdwort – das ist eine meiner traurigen Erkenntnisse im Laufe der Jahre.“

DAS KREUZ GEBROCHEN

Eine Erkenntnis, die ihm durchaus –auch wenn von Gessl gern das Bild des knallharten Managers gezeichnet wird – mitunter emotional schwer zugesetzt hat. „Die ersten NÖKU-Jahre waren definitiv eine Grenzerfahrung, auch eine der persönlichen Überforderung. Ich bin vielfach auf Unverständnis und Widerstand gestoßen, zugleich bin ich aber jemand, der dem nicht aus dem Weg geht. 2004 bin ich dann plötzlich wochenlang mit einem Bandscheibenvorfall ausgefallen. All der Stress, die psychische Belastung, die Anfeindungen haben mir quasi ‚das Kreuz gebrochen‘. Also ja, das ist mir alles schon sehr nahe gegangen“, lässt er tief blicken. Ich selbst kann mich noch gut erinnern, als damals in Gessls Büro plötzlich ein Stehpult stand, um das Kreuz zu entlasten „wobei das war ja nur das Offensichtlichste. Zugleich habe ich begonnen, mehr Sport zu treiben und versucht, mehr zu delegieren, nicht alles persönlich zu nehmen und nicht alles so an mich heranzulassen!“

Was nur bedingt gelingt. Denn nachdem er in St. Pölten gerade gemeinsam mit Mimi Wunderer – Gessl ist damals auch operativer Geschäftsführer von Festspielhaus und Bühne im Hof – das Festspielhaus nach einem, formulieren wir es nett, holprigen (Fehl)Start unter Dieter Rexroth in ruhigere Gewässer ge-

führt und seiner Markenkern-Maxime entsprechend als Tanztheater positioniert hat, entbrennt just darum – über die Bande Grafenegg – der nächste Konflikt. „Es herrschte Panik, dass Grafenegg dem Festspielhaus St. Pölten etwas wegnehmen könnte, was aber gar kein

Thema war“, schüttelt er noch heute den Kopf. Auch in diesem Fall muss man dem Kulturmanager zugestehen, dass er recht behalten sollte. Sowohl Festspielhaus als auch Grafenegg erfreuen sich heute bester Auslastung, und viele St. Pöltner Kulturfreunde, die ehemals

All der Stress, die psychische Belastung, die Anfeindungen haben mir quasi „das Kreuz gebrochen“. Also ja, das ist mir alles schon sehr nahe gegangen!
PAUL GESSL

gegen das Grafenegg-Projekt Sturm liefen, pilgern heute brav Sommer für Sommer ins nahgelegene Kultureldorado über der Donau. „Im Falle Grafeneggs spielten ja ganz andere Überlegungen eine Rolle: Was passiert etwa mit dem hochsubventionierten TonkünstlerOrchester während der Sommermonate? Die Wiener Philharmoniker spielten schon in Salzburg, die Symphoniker in Bregenz – die Tonkünstler sollten daher in Grafenegg eine Sommerresidenz, und damit Auslastung finden. Zugleich war klar, dass dort nicht der 2500. austauschbare Konzertsaal entstehen darf, sondern es etwas Einzigartiges sein muss, das die Besucher, wenn die Häuser in Wien und St. Pölten geschlossen haben, anlockt und sich im Profil ganz klar von den Salzburger und Bregenzer Festspielen unterscheidet. Unser Zugang war Niederschwelligkeit – Grafenegg sollte kein elitärer Ort sein, wo sich nur die Reichen und Schönen in höfischem Gehabe ein Stell-Dich-Ein-Geben, sondern einer, wo man barrierefrei Kunst und Kultur genießen kann – bis hin zu leistbaren Rasenplätzen! Ebenso war uns wichtig, bei selbem internationalen Standard, trotzdem regional verankert zu bleiben. Ich denke, das ist uns ganz gut gelungen!“, resümiert Gessl und fügt schwärmend hinzu. „Letztlich ist Grafenegg ein Gesamtkunstwerk! Wir haben hier das Glück des Naturraumes, das Glück der beeindruckenden Architektur und das Glück, mit Rudi Buchbinder einen genialen, leidenschaftlichen künstlerischen Leiter gefunden zu haben.“

Nicht zuletzt auch das Glück öffentlicher Fördergeber, die selbst in Zeiten allgemeinen Sparzwangs – was teils für Kritik sorgte – den Geldhahn weit offen halten. So wurde dieser Tage der „Rudolf Buchbinder Saal“ in Grafenegg eröffnet, Kostenpunkt 16 Millionen Euro. „Das ist aber kein Neubau, sondern die Sanierung des letzten großen Gebäudeteils der Alten Reitschule“, hält Gessl fest und betont, „dass sich daran neben dem Land auch der Bund beteiligt hat und wir selbst als Grafenegg Betriebs Gmbh über Fundraising, Sponsorengelder etc. Eigenmittel in Höhe von rund fünf Millionen Euro eingebracht haben! Für

den Standort Grafenegg macht der Saal absolut Sinn, weil wir dort u. a. auch Gastspiele für auswärtige Anbieter ermöglichen können, was unseren Deckungsbeitrag erhöhen wird!“

DIE SACHE MIT DEM „KUNSTRAUB“

Flaute die Aufregung rund um Grafenegg alsbald wieder ab, so sah man sich in St. Pölten 2014 dann mit einem echten Verlust konfrontiert, der Paul Gessl als NÖKU-Boss einmal mehr in Clinch mit der Hauptstadtkulturszene brachte. Klammheimlich hatte man ausgemauschelt, dass die Kunstsparte aus dem damals gerade einmal zwölf Jahre geöffneten Landesmuseum in eine neu zu errichtende Landesgalerie nach Krems (Kostenpunkt 35 Millionen Euro) übersiedeln soll. In der Hauptstadt wiederum würde um drei Millionen Euro ein neues „Haus der Geschichte“ etabliert. Nach kurzer Schockstarre gingen die Wogen hoch, schnell machte das Wort vom „Kunstraub“ die Runde, Unterschriften für den Verbleib wurden gesammelt und der damalige Landeshauptmann Erwin Pröll goss zusätzlich Öl ins Feuer, indem er den widerspenstigen Aktivisten „kleinkarierten Provinzialismus“ vorwarf. Am Ende des Tages wurden die Projekte durchgezogen, „auch weil im Landesmuseum die Architektur Hans Holleins, immerhin sein einziger Museumsbau in Österreich, leider nicht so eingeschlagen war, wie erwartet“, räumt Gessl ein. „Wir wussten, dass wir uns im Kunstbereich überregional gegenüber den Häusern in Wien aber nur dann positionieren können, wenn wir Alleinstellungsmerkmale schaffen.“ Also eine reine Landesgalerie, eingebettet in die Kunstmeile Krems, und die Donaustadt – wie ehemals im Zuge der Regionalisierung vorgesehen – als Zentrum für Bildende Kunst, während St. Pölten als jenes für Darstellende Kunst und Baden als jenes für Musiktheater etabliert wird. „In der NÖKU, das ist eine unserer großen Stärken, können wir so lenken, dass die Städte und Landeseinrichtungen nicht untereinander in Konkurrenz treten und sich gegenseitig kannibalisieren, was die Kosten für alle sinnlos in die Höhe

treibt – ohne jeglichen Mehrwert“, umreißt Gessl die Philosophie. Die Gegner hingegen sahen gerade umgekehrt in der Absiedlung der Kunstsparte den bislang größten Kannibalisierungsakt auf Kosten der Landeshauptstadt, wo sich die Landesgalerie nicht minder gut gemacht hätte. Und auch wenn der Verlust bis heute schmerzt, unbestritten ist, dass das „Haus der Geschichte“ neben dem

Grafenegg ist ein Gesamtkunstwerk!
PAUL GESSL

„Haus für Natur“ aufgrund seiner Programmierung – insbesondere auch in seiner Wirkung innerhalb der Stadt –ein absoluter Gewinn für St. Pölten ist.

LANDESKULTURHAUPTSTADT

Ein solcher war (und ist) für Gessl auch eindeutig die Bewerbung St. Pöltens zur Europäischen Kulturhauptstadt bzw. das daraus resultierende Kulturjahr 2024

samt Nachfolgeerscheinungen. „Im Vergleich zu anderen derartigen Projekten können wir guten Gewissens sagen, dass unseres in der Umsetzung und Nachwirkung sicher eines der erfolgreichsten war. Wir haben den Budgetrahmen eingehalten, wir haben den Zeitrahmen eingehalten und wir haben vor allem Nachhaltiges für die Stadt geschaffen, wenn wir etwa an die ehemalige Synagoge, das KinderKunstLabor, die künstlerischen Schwerpunkte am Domplatz, die verbesserte Zusammenarbeit zwischen Institutionen und freier Szene oder die Fortführung von Formaten wie etwa Stadt.Land.Fluss denken!“

Umstrittener wurde dahingegen in der hiesigen Kulturszene das ebenfalls 2024 durchgeführte, 17 Millionen Euro schwere Festival „Tangente“ wahrgenommen. In den Augen vieler konnte es die (wohl zu) hohen Erwartungen, sowohl im Hinblick auf die Programmierung, als auch im Hinblick auf seine Effekte auf Tourismus und Wirtschaft, nicht erfüllen. Gessl räumt zwar ein, dass „ein internationales Festival für Gegenwartskultur immer ein Spagat zwi-

schen hochintellektuellem Anspruch, gesamtgesellschaftlicher Relevanz und regionaler Akzeptanz ist – da haben wir sicher Teile der hiesigen Bevölkerung überfordert und nicht erreicht“, zugleich ist er aber davon überzeugt „dass man ein solches Festival in seiner Stringenz nur mit einer gewissen künstlerischen Kompromisslosigkeit durchziehen kann, wenn du ein unverwechselbares Profil entwickeln möchtest. Und das ist uns sehr gut gelungen, mit großer überregionaler Wahrnehmung und Resonanz. Wir haben damit das Image der Hauptstadt weiter aufpoliert, dass sie als mutig, weltoffen, einzigartig, spannend wahrgenommen wird.“ Nachdenklicher Nachsatz: „Das war mir immer ein Herzensanliegen, dafür habe ich immer gekämpft – von allem Anfang an!“

VERBINDER

Tatsächlich hat sich für Gessl mit dem Kulturjahr 2024 in Sachen Hauptstadt eine Art Kreis geschlossen, den er in seiner – nach außen hin oft gar nicht so sichtbaren – Rolle als Verbinder über die Jahre unermüdlich vorangetrieben hat.

Wenn ich zehn Jahre jünger wäre, würde ich mir heute eine Zweitwohnung in St. Pölten nehmen. Die Stadt hat sich einfach großartig entwickelt.
PAUL GESSL

Als er 2004 im St. Pöltner Kulturbezirk landete, stand es um die Beziehungen zwischen schwarzem Land und roter Hauptstadt nämlich, nett formuliert, nicht unbedingt zum Besten – zahlreiche parteipolitische Irrationalitäten sorgten für gegenseitige Irritationen, auch auf Verwaltungsebene fremdelte man noch miteinander. „Es herrschte mehr ein Nebeneinander, denn ein Miteinander“, erinnert sich Gessl. Einen Umstand, den er schleunigst ändern wollte, allen voran über das Vehikel des Fördervereins Kulturbezirk (heute Freunde der Kultur St. Pölten). „Dessen Hauptstoßrichtung war ja nicht, wie die meisten glauben, einfach irgendwelche Veranstaltungen im Kulturbezirk zu pushen, sondern es ging vielmehr darum, eine emotionale Bindung zwischen der St. Pöltner Bevölkerung und ihrem neuen Viertel aufzubauen. Die Rolle des Fördervereins kann daher für die Vertiefung der Beziehung zwischen Stadt und Land, damit aber für die gesamte Hauptstadtentwicklung gar nicht hoch genug eingeschätzt werden – wofür ich den Gründungsobmännern Herbert Binder und Franz Rupp noch heute dankbar bin!“ Für Gessl wurde damals etwas angestoßen, das mit dem gemeinsamen Kulturjahr 2024 so etwas wie seine Erfüllung fand. „Es hat sich endgültig das Bewusstsein durchgesetzt, dass die bestmögliche Entwicklung der Landeshauptstadt und damit des Landes nur in einem Miteinander erreicht werden kann!“ Einem Miteinander, das sich seit dem Vorjahr in Sachen Kultur auch in einer noch stärkeren Verschmelzung in gemeinsamen Gesellschaften manifestiert. „Die Stadt ist mittlerweile mit 26 % am Festspielhaus und der Bühne im Hof, mit 49% am Landestheater Niederösterreich und mit 50% am Kinderkunstlabor beteiligt. Ebenso setzen wir gemeinsam die Nachfolgeprojekte des Kulturjahres um. Dass uns das ge-

meinsam gelungen ist, macht uns schon auch stolz“, zieht Gessl positive Bilanz.

ABSCHIED AUS DER

KULTUR-BUBBLE

Auch wenn es zwischen der hiesigen Community und ihm über die Jahre hinweg immer wieder mal fremdelte oder ordentlich krachte, so hat der gebürtige Hollabrunner die Landeshauptstadt längst in sein Herz geschlossen. „Ganz ehrlich, wenn ich zehn Jahre jünger wäre, würde ich mir heute eine Zweitwohnung in St. Pölten nehmen. Die Stadt hat sich einfach großartig entwickelt.“ Was nicht zuletzt – dies sei im Jubiläumsjahr an dieser Stelle einmal explizit festgehalten – auch sein MitVerdienst ist. „In Sachen Hauptstadt war ich immer ein Überzeugungstäter“, bekennt er und schließt die rhetorische Frage an. „Warum mache ich mein Abschiedsfest wohl hier in St. Pölten und nicht in Grafenegg, in Baden oder sonst wo? Ich denke, das sagt schon einiges über meine Beziehung zur Stadt aus.“ Einer Stadt, der er nun mit Ende August – zumindest arbeitstechnisch – fürs erste Adieu sagt. Wie es danach weitergeht – einen Gessl im wortwörtlichen Ruhestand kann man sich ja beim besten Willen nicht vorstellen? „Ganz ehrlich – ich weiß es noch nicht“, kommt die überraschende Antwort. „Fix ist, dass ich jetzt einmal aus wirklich allen Funktionen – egal ob Geschäftsführungen, Beratungsgremien, Aufsichtsräten etc. – ausscheide und in nächster Zeit auch sicher keine neuen Angebote annehme. Nach so langer Zeit in der Kulturbubble tut es einfach gut, einmal aus dem Hamsterrad herauszutreten und die neue Freiheit und zurückgewonnene Selbstbestimmung zu genießen! Ich lass jetzt alles mal auf mich zukommen und bin schon selbst gespannt, was sich ergibt.“ Wir auch, man on fire!

DIESER SOMMER WIRD EIN HIT

Auch diesen Sommer dürfen wir uns wieder auf zahlreiche hochkarätige Sommerfestivals freuen, die das kunstsinnige Herz mit Theater, Oper, Operette, Kino, Lesungen und vielem mehr verwöhnen. Die Besucherinnen und Besucher haben also wieder die – absolut schöne – Qual der Wahl. mfg präsentiert eine kleine Auswahl an Highlights und wünscht schon jetzt allen herrliche Sommerabende bei wolkenlosem Himmel sowie spannende und vergnügliche Stunden.

29. JULI – 8. AUGUST ROSSINI HAUTNAH!

In LA CAMBIALE DI MATRIMONIO (Der Heiratswechsel) wird Liebe zur Handelsware. Kaufmann Tobias Mill will seine Tochter Fanny aus geschäftlichen Gründen mit Slook verheiraten. Doch Fanny liebt Edoardo. Als Slook das erkennt, ermöglicht er den Liebenden ein Happy End.

www.schloss-kirchstetten.at

13. & 15. AUGUST GROSSE OUVERTÜREN & FILMMUSIK

4. JULI – 1. AUGUST

Am 13.8. erklingen bei „KLASSIK UNTER STERNEN“ große Ouvertüren aus weltbekannten Opern. Am 15.8. folgen berühmte FILMMUSIKEN. Von epischen Klängen aus Star Trek über gefühlvolle Melodien aus Forrest Gump bis zu den mächtigen Klängen von Jurassic Park.

www.schloss-kirchstetten.at

ROSENBURG

Marylin Monroe hätte heuer ihren 100. Geburtstag gefeiert – unvergessen ihre Rolle als Sugar in Billy Wilders „Manche mögens heiß“. Diese actiongeladene und romantische Komödie voll irrwitziger Wendungen bringt die Sommernachtskomödie Rosenburg auf die Bühne.

www.sommernachtskomoedie.at

OPERKLOSTERNEUBURG

Mit Camille Saint-Saëns‘ großer Oper „Samson und Dalila“ kommt erstmals ein Meisterwerk des französischen Repertoires in den Kaiserhof des Augustiner Chorherrenstiftes. Camille Saint-Saëns verbindet in seiner Musik ergreifende Innigkeit mit überwältigender Klangpracht.

www.operklosterneuburg.at

Hesz, Mark Glassner, Philipp
Preiss,
Stock,
Alexander
Ch. Wulz
25. JUNI – 9. AUGUST SOMMERNACHTSKOMÖDIE

10. JULI – 26. JULI

SOMMERTHEATERPARK

Open-Air-Kulturgenuss beim Kulturhaus Wagram mit dem „BEATLES – Ballett“ von Peter Breuer (10., 11., 17., 18., 23., 24. & 25. Juli, 20 Uhr), dem Internationalen Ballettmeeting „Rainer & Friends“ (12. Juli), dem GRATSCHI Wunschkonzert „Dein ist mein ganzes Herz“ (19. Juli) sowie der Sommernachtsgala „Italienische Liebe und Leidenschaft“ mit Operndiva Natalia Ushakova (26. Juli, 19 Uhr). Wir freuen uns auf Euch!

www.sommertheaterpark.at

15.

JULI

– 22. AUGUST OPER IM STEINBRUCH: TOSCA

Einmal mehr wird der Steinbruch St. Margarethen zur Bühne für ein Opernerlebnis der Extraklasse: Mit Giacomo Puccinis „Tosca“ kehrt ein Meisterwerk des Verismo in einer spektakulären Neuinszenierung zurück. Das erfolgreiche Kreativteam Thaddeus Strassberger (Regie & Bühne) und Giuseppe Palella (Kostüme) entführt das Publikum in das Rom um 1800 – eine Zeit zwischen religiöser Macht, politischer Repression und revolutionärem Aufbruch.

www.operimsteinbruch.at

12. JUNI – 12. SEPTEMBER

ARENA DI VERONA – OPERA FESTIVAL

Auf der Bühne der berühmten Arena di Verona wechseln heuer sechs Opernproduktionen: Eine neue Traviata, zwei verschiedene Inszenierungen von Aida, die neuesten Produktionen von Nabucco und La Bohème sowie Turandot 100 Jahre nach der Premiere. Als besonderes Event wartet „Campioni del Mondo. Italy loves Unesco“ mit großen Operntiteln sowie dem Start der Kandidatur der klassischen neapolitanischen Liedtradition für die UNESCO-Liste auf.

www.arena.it

11. JULI – 1. AUGUST

OPER BURG GARS: MADAMA BUTTERFLY

Das beliebte Opernfestival präsentiert heuer mit einer der bewegendsten Opern der Musikgeschichte auf: Madama Butterfly! Zudem locken im reichhaltigen Rahmenprogramm „Kultur BURG“ Publikumslieblinge wie Erwin Steinhauer, Lidia Baich und Andreas Schager, Daniela Fally und Peter Edelmann nach Gars. Beim sommerlichen Open-Air-Highlight „Stars in Gars“ begeistern Mariam Battistelli, Annely Peebo, Chris Steger, Clemens Unterreiner uvm.

www.operburggars.at

80S FEELING BEI DEN SOMMERSPIELEN MELK

Die Sommerspiele Melk laden in ihrer 66. Saison von 17. Juni bis 15. August 2026 zu einer Reise in die Welt der 1980er-Jahre ein. Mit zwei Eigenproduktionen und einem hochkarätigen Rahmenprogramm verwandelt sich die Wachauarena Melk in eine Bühne voller Nostalgie, Musik und spannender Geschichten.

Den Auftakt macht ab 17. Juni das Schauspiel „Das Ministerium der Wahrheit“. Inspiriert von George Orwells Klassiker „1984“ erzählt das Stück von einer Gesellschaft, die sich in einer scheinbar perfekten Scheinwelt eingerichtet hat. Themen wie Überwachung, Manipulation und Widerstand werden dabei in die Ästhetik der 1980er Jahre verpackt. Mit Isabella

Knöll und Aaron Karl stehen bekannte Namen auf der Bühne.

Ab 9. Juli sorgt die Musikrevue „Beat it – Da Da Da“ für beste Unterhaltung. Die Handlung folgt einer Geheimagentin in den letzten Tagen des Kalten Krieges, die ein gefährliches Mixtape sichern muss. Begleitet wird die turbulente Geschichte von mehr als 40 Hits der 1980er-Jahre – von Pop-Klassikern bis zu Kultsongs der Epoche.

Auch das Rahmenprogramm bietet zahlreiche Höhepunkte. Mit dabei sind unter anderem Julian le Play auf seiner UnpluggedTour, Birgit Minichmayr mit einem Brecht/Weill-Abend, Katharina Straßer mit ihrer Austropop-Revue, die Junge Bläserphilharmonie Niederösterreich sowie Kabarettist

Die SABABU music days bringen Top-Acts aus Afrika und Österreich nach Traisen, mit Crossover-Projekten wie der Werkskapelle Traisen im Crossover mit Percussion Mania, oder dem Fußballmatch „Traisen“ vs „Afrika“. Dazu werden Speisen aus Westafrika serviert.

www.musicbridge.at

Omar Sarsam. Ein SommerkinoAbend mit dem Michael-JacksonBiopic „Michael“ rundet das Festivalprogramm ab.

Informationen und Karten sommerspielemelk.at Tel.: 02752/54060 office@wachaukulturmelk.at

14. AUGUST – 6. SEPTEMBER GRAFENEGG FESTIVAL

Zum 20. Mal feiert heuer Grafenegg im unvergleichlichen Ambiente die Musik, das Leben, die Natur und wie das alles zusammenspielt mit einem besonders üppigen Jubiläumsprogramm. Erleben Sie die größten Orchester und Künstler unserer Zeit, und freuen Sie sich neben den Konzerten im Wolkenturm auf eine neue, „intimere“ Konzertreihe im neuen Rudolf Buchbindersaal in der sanierten Reitschule – ein bleibendes Vermächtnis für den Widmungsträger.

www.grafenegg.at

15. AUGUST UNCHAIN MY WINE

Unchain my Wine geht am 15. August im Sonnenpark St. Pölten in die dritte Runde. Das Festival präsentiert innovative Winzer:innen, spannende Weinstile, regionale Kulinarik und entspannte Atmosphäre. Mit LiveKonzert von Felix Kramer und Party bis in die Nacht.

www.unchainmywine.at

25. JUNI – 27. JUNI SABABU MUSIC DAYS
FOTOS Daniela Matejschek, Lisa Edi, zvg
Das Ministerium der Wahrheit

SUMMER BLUES 2026

FESTIVAL AM SEE

Samstag, 25. Juli

Ratzersdorfer See

Einlass: 17:00 Uhr

Beginn: 18:00 Uhr

HANS THEESSINK & ALEX GANTZ

DER BLUES-MEISTER

HANNES KASEHS BLUES QUARTETT

LET´S JAM

B.B. & THE BLUES SHACKS

LADIES & GANGSTERS: IT´S BLUES TIME

MOJO BLUES BAND

FEAT. LUDWIG SEUSS (SPIDER MURPHY GANG) FROM CHICAGO TO NEW ORLEANS

Tickets erhältlich unter: www.oeticket.com

Sparkasse NÖ, Domgasse 5 Tourismusinfo St. Pölten

VVK: €26,- AK: €29,-

AK Niederösterreich-Mitglieder sowie ÖGB-Mitglieder erhalten gegen Vorlage ihrer AK Service-Karte bzw. der ÖGB Mitgliedskarte 5 Euro Ermäßigung auf eine Eintrittskarte.

Sparkassen NÖ Mitte West AG Kunden erhalten gegen Vorlage ihrer Sparkassenkarte 5 Euro Ermäßigung auf eine Vorverkaufskarte.

FESTIVALSOMMER IM HERZEN DER STADT

Die Quecksilbersäule steigt und steigt und mit ihr auch die Vorfreude auf die Konzerte von Pop über Blues und Jazz bis zu Klassik. Diverse Festivals verwandeln den Sommer in eine einzige Party – denn es gibt auch einen besonderen Anlass zu feiern: Vor 40 Jahren wurde St. Pölten zur Landeshauptstadt erhoben.

FERIENANGEBOTE FÜR KIDS UND TEENIES

Die Kultur- und Bildungseinrichtungen der Stadt sorgen wieder für Kurzweil. Die Sommer-HTL bietet Technik-Workshops zu Augmented Reality, Robotik sowie der Entwicklung von Games und Apps. Bei der Sommerjugenduni der USTP stehen Computerspiele, TV- und Podcast-Produktion sowie Fitness im Fokus. AK NÖ und KinderKunstLabor laden zum Buchgestaltungs-Workshop, auch Stadtmuseum, Landesmuseum und Landestheater stellen kreative Angebote. Zudem gibts English Camps vom !Biku oder Ferien4Kids-Aktionen im Traisenpark.

40 JAHRE LANDESHAUPTSTADT

St. Pölten feiert am 10. Juli sein 40-Jahr-Jubiläum als Landeshauptstadt und alle feiern mit! Am 10. und 11. Juli verwandelt Bravissimo die Stadt mit rund 80 Shows in eine Kunstmeile. 29 Künstler:innen aus 12 Nationen versprechen ein Line-Up der Superlative, von Comedy über Artistik und Feuershows bis zu Musik uvm. Zudem gibt es am 10. Juli ab 11 Uhr einen Festakt mit ORF-Live-Übertragung aus der USTP, am Abend stehen die 80-er Legenden Christian Deix, Chico, Paul Coxx und Reini Dorsch als All-Star-Band im Cinema Paradiso auf der Bühne.

10. JULI

Urlaubsflair pur beim FeSTPval und Summer Blues Festival am Ratzersdorfer See. Der Freitag gehört wieder den local heroes: heuer mit Bakery, Fabian Kunstmann & Band, Topsy Turvy, Johnny Cola und Die große Liebe, Florian Hartl, Satan‘s Bananas, Rusty Railgun, dem Young & Lost DJ-Set. Am Samstag regiert der Blues die Bühne. Hans Theessink und Alex Gantz, Hannes Kasehs Blues Quartett, B.B. & the Blues Shacks sowie die Mojo Blues Band mit Ludwig Seuss von der Spider Murphy Gang zeigen die volle Bandbreite des Genres.

JAZZ

Der Hof des Stadtmuseums ist jährlicher Treffpunkt für experimentierfreudigen Jazz. Die künstlerische Leiterin Viola Falb präsentiert heuer ein enorm vielseitiges Line-up, bei dem komplexe Eleganz auf kreative Eigenwilligkeit trifft. An drei Spieltagen sorgen die sechs Acts Victoria Kirilova Quartet, Karin Bachner & The Pocket Big Band, Melissa Aldana, Elina Duni & Rob Luft feat. Matthieu Michel, Die Strottern & JazzWerkstatt Wien für vielseitige Klänge, die Improvisation und Offenheit statt Routine in den Mittelpunkt stellen.

FESTIVAL MUSICA SACRA

Mit einem Hauch skandinavischer Frische und der Magie des Spätsommers nimmt das Tonkünstler-Orchester NÖ unter der Leitung des finnisch-britischen Dirigenten Ross Jamie Collins am Donnerstag Musikfans mit auf eine klangvolle Reise in den hohen Norden. Zu Gast sind an diesem Abend auch Rebekka Bakken, Eivør, Sväng und Violinistin Ragnhild Hemsing. Am Samstag treffen bei LEA, BIBIZA und Lukascher in einem musikalischen Rausch Pop auf Wiener Schärfe, Mundart auf Reggae und große Gefühle auf urbane Vibes.

Erstmals findet das Festival neben St. Pölten, Herzogenburg und Lilienfeld auch im Stift Göttweig statt. Eröffnet wird mit Hector Berlioz’ „Trilogie sacrée“, interpretiert von der Philharmonie Brünn, der Domkantorei und Solist:innen unter Valentin Kunert. Weitere Highlights: Das Konzert des Ensemble Tiburtina mit Musik von Hildegard von Bingen, das Konzert der Militärmusik NÖ, Monteverdis Marienvesper mit der Cappella Nova Graz unter Otto Kargl sowie das Geschichtenkonzert rund um die neugierige Katze Carmen für Kinder ab 5 Jahren.

VERANSTALTUNGSTIPPS

19. - 21. Juni

Jazz im Park

20. – 22. August

Frequency Festival

8. Juli - 29. August

Open Air Kino

Rathausplatz

Landestheater

19. September

Premiere –Der aufhaltsame

Aufstieg des Arturo Ui

26. September

Premiere – Die Sache mit dem Gruselwusel

17. Oktober

Premiere – Faust

Gretchen Margarete

Stadtbibliohek

18. Juli

Krimitag am Domplatz

jeden Mittwoch Ferienbücherei im Hammerpark

Weitere Veranstaltungen finden Sie unter events.st-poelten.at

SommerTheaterPark

Ab 10. Juli

Beatles

19. Juli Wunschkonzert

26. Juli

Sommernachtsgala

DER TÜRÖFFNER

Zu seinem 75. Geburtstag gestaltete der St. Pöltner Künstler Ernest A. Kienzl die Solo-Ausstellung „Zyklen“ im Stadtmuseum gleichsam als Zeitreise. Thomas Fröhlich durfte ihn noch vor der Vernissage bei selbiger begleiten.

Eine Rückschau, eine Standortbestimmung, ein Ausblick, vielleicht auch eine Spiegelung. Und ein vielschichtiges Gesamtwerk.

„Wer selbst nicht brennt, kann andere nicht entflammen.“
PERRY RHODAN

Das Zurückschauen wird zum Werkzeug, das den Blick nach vorn schärft, wie ein stilles Gespräch zwischen Vergangenheit und Zukunft.“ Dieser Satz fällt irgendwann zwischen der Betrachtung von Ernest A. Kienzls erstem Ölbild und seinem letzten Werk und ist auch in ähnlicher Form im prächtig von ihm selbst gestalteten Ausstellungskatalog nachzulesen, der über eine übliche Kataloganmutung weit hinausreicht und mehr ein bisheriges Lebenswerk in Buchform darstellt. Der 1951 geborene Künstler, der Anfang Mai Goldene Hochzeit mit seiner Gattin Renate feierte, stammt aus einer Kaufmannsfamilie und studierte sogar Volkswirtschaft; allerdings war ihm bezüglich Letzterem schon bald klar: „Das ist es nicht! In der Endphase meines Wirtschaftsstudiums, das ich allerdings abschloss, habe ich parallel dazu an der Angewandten begonnen.“ Künstlerisch war er schon seit seiner Schulzeit im Gymnasium Josefstraße tätig: „Frau Professor Sturm hat mich sehr gefördert. Sie hat uns aktuelle Kunst gezeigt und auch Kunstgeschichte vermittelt. Mein erstes Ölbild – für das sie mir die Ölfarben besorgte – war ihr zwar zu bunt, aber sie lobte Inhalt und Gestaltung.“ Kienzl lacht. Das tut er übrigens sehr oft – es ist ein eher verhaltenes Lächeln, das aber ausgesprochen ansteckend ist.

Zum Kunstverständnis gehörte in den späten 1960ern und frühen 70ern nicht zuletzt das Spielen in einer Band. Mit der Formation EXP brachte man Rock und „ziemlich avantgardistische, freie Improvisationen“ zu Gehör. Zudem organisierte er auch in den Jahren 1976 bis 1978 die „St. Pöltner Restwochen“: mit Jazz, elektronischer Musik, Lesungen, Film und Theater abseits des Mainstreams und der etablierten Locations. Was damals eine echte Pioniertat war.

„Auf der Angewandten habe ich unter anderem bei Bazon Brock studiert.

Freude an der Entstehung eines Werkes und Freude am Ergebnis. Und Freude beim Betrachten durch das Publikum.

Und der hat mich stark beeinflusst, auch, weil er das Didaktische immer sehr hervorgehoben hat.“ Nicht zuletzt daraus resultierte Ernest Kienzls Lehrerberuf, den er bis zu seiner Pensionierung unter anderem bei den Englischen Fräulein in St. Pölten ausübte. „Für mich hat das eine, das Lehren, das andere, die Kunst, immer inspiriert, befruchtet. Und umgekehrt. Es ist faszinierend, mit jungen Leuten zu tun zu haben, ihnen etwas zu vermitteln. Und im Gegenzug habe ich sehr viel von ihnen gelernt.“ Er ergänzt: „Eine ganze Reihe von Schülern ist auch einen künstlerischen Weg gegangen.“ Da darf man auch ein wenig stolz sein. Kunstwerke entstünden zudem ja auch erst in der Rezeption durch die Betrachter.

Und so reist man mit ihm gleichsam durch die Zeiten: von den Anfängen in den späten 1960er-Jahren, die ein wenig vom Surrealismus und Phantastischen Realismus geprägt sind, über sehr gegenständlich gehaltene Zeichnungen, die seine Beschäftigung mit der Beeinflussung der Wahrnehmung durch die Fotografie dokumentieren, und eine Hinwendung zu geometrischen Figuren bis hin zu den unglaublich farbintensiven, auch emotional packenden Gemälden

dieser Tage, über die eine Besucherin während der Vernissage dann erklärte:

„Das haut einem das Aug‘ ein!“ Und sie strahlte dabei übers ganze Gesicht. „Ich habe die Ausstellung ‚Zyklen‘ genannt, weil sich im Rückblick immer wieder Gruppen von Arbeiten zeigen, die Ähnlichkeiten zueinander haben, die man dann verknüpfen kann.“ So Kienzl. Fast 19 Jahre lang, bis 2024, war der bekennende, gleichwohl kritische Katholik Obmann des Künstlerbundes, ebenfalls eine Tätigkeit, die mit Didaktik und Vermittlung zu tun hat. Tatsache ist, dass unter Kienzls Ägide der Künstlerbund ein ausgesprochen hohes Niveau erreichte. Auch die Eröffnung des KUNST:WERKs als eigener Ausstellungsraum für den Künstlerbund

sowie Gäste fand während seiner Obmannschaft statt, unter der tätigen Unterstützung durch den damaligen Kulturamtsleiter Thomas Karl. Zudem war er Kurator unzähliger Ausstellungen, vor allem im NÖ Dokumentationszentrum für moderne Kunst wie auch im KUNST:WERK. Und auch zahlreiche Preise wurden an ihn verliehen, unter anderem 2019 der Prandtauerpreis der Landeshauptstadt St. Pölten für Kunst und Wissenschaft oder 2022 das Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um das Bundesland Niederösterreich.

Nun also ist zunächst einmal Erholung angesagt: „Das Buch, die Ausstellung – die letzte Zeit war etwas herausfordernd. Andererseits bin ich durch das große Interesse an meinen Arbeiten voll motiviert und offen für Neues, das ich im Hinterkopf bereits plane.“ Nicht zu vergessen: „Nachholbedarf habe ich beim Lesen von Perry Rhodan, was ich seit über 60 Jahren mit Begeisterung tue.“

Ernest A. Kienzl hat jedenfalls eins geschafft: Für viele, die seine Kunstwerke betrachten, die ihn als Lehrer erleben durften oder die er als Obmann des Künstlerbundes unter seine Fittiche nahm, war er ein Türöffner – für Künstler, denen er gleichsam ein Publikum verschaffte, sowie für jene, denen er die Welt der Kunst nahebrachte und -bringt, ob seine eigene oder die von Anderen.

Und wenn’s „einem dabei das Aug‘ einhaut“, darf man gern applaudieren.

VOM ZAUBER DES ORIGINALS

Das Stadtmuseum St. Pölten feiert sein 50-Jahr-Jubiläum im Karmeliterinnenhof!

Im Stadtmuseum ist der Spirit der Stadt mit ihrer sehr, sehr langen Geschichte spürbar“, so der Leiter, Thomas Pulle. Am 2. Mai 1976 wurde das Stadtmuseum im damals revitalisierten Karmeliterhof eröffnet. Zusätzlich zu den neuen Dauerausstellungen „Stadtgeschichte St. Pölten“ und „Blick in den Schatten kompakt. St. Pölten und der Nationalsozialismus“ präsentiert heuer eine Jubiläums-Ausstellung mit dem Titel „Ein Haus stellt sich aus“ die wechselvolle Geschichte des Areals und blickt auf die Veränderungen des Museums seit 1976. Ernest A. Kienzls „Geburtstagsausstellung“ zum 75er, „Zyklen“ im NÖDOK-Zentrum im ersten Stock, ist leider zur Drucklegung dieser mfg-Ausgabe selbst schon Geschichte. Neben der Jahresausstellung „Stadt + Land = 40“ und der gleichsam „immerwährenden“

Jugendstil-Präsentation (mit großartigen Exponaten etwa des St. Pöltner Künstlers Ernst Stöhr) steht naturgemäß auch die Archäologie im Mittelpunkt: „Und dank der archäologischen Grabungen erlangen wir täglich neue Erkennt-

„Das Original wird befragt und aus der Zeit heraus verstanden.“

nisse“, weiß Pulle. Geschichte ändere sich gleichsam – „also nichts Festgeschriebenes: die Dinge sind im Fluss.“ Was ein stationäres Museum in Zeiten von Online-Overkill bewirken könne? „Ein Reiz liegt in der Arbeit mit dem

Bilder (nicht) einer Ausstellung. Stadtmuseums-Leiter Thomas Pulle beim Fest anlässlich des 50ers im Karmeliterinnenhof vor Plakaten vergangener Ausstellungen.

Original“, meint Pulle, der seit 2005 die Geschicke des Stadtmuseums leitet: „Das Original zu befragen und aus der Zeit heraus zu verstehen ist unsere Herangehensweise.“ Und er ergänzt: „Mit Personen in Kontakt zu kommen und den Zauber des Originals in den Mittelpunkt zu stellen“ – dadurch erhalte das Museum auch gleichzeitig eine soziale Funktion. Denn nach jeder Veranstaltung oder auch an gewöhnlichen Tagen „stehen die Leute dann zusammen und reden.“ Es sei also ein Kommunikationszentrum mitten in der Stadt, eine Drehscheibe mit Vermittlerfunktion. Gestemmt wird all dies mit einem kleinen, aber sehr engagierten Team, das mit Herzblut bei der Sache ist. In den Jahren 2006 und 2007 wurde das Museum ja unter Pulles Ägide neugestaltet und erhielt eine wesentlich verbesserte Infrastruktur. Mittlerweile ist das Stadtmuseum St. Pölten eine weit über die Grenzen hinaus bekannte Institution. „Das war nicht immer so“, erinnert sich Pulle und erzählt eine Anekdote: „Vor vielen, vielen Jahren erhielten wir den Anruf eines Herrn Objekte betreffend, die eine Schenkung der Harlander Fabrik darstellten. Zum ausgemachten Termin kam aber niemand. Stattdessen rief uns das Historische Museum der Stadt Wien an, dass dort jemand wäre, der darauf bestand, einen Termin zugesagt bekommen zu haben. Der Mann war also nach Wien gefahren, da ihm das Historische Museum der Stadt St. Pölten als Ort offenbar nichts sagte.“ Pulle grinst: „So etwas passiert heute garantiert nicht mehr. Wir haben dann aber dennoch den Namen in ‚Stadtmuseum St. Pölten‘ geändert. Sicher ist sicher.“

Und sicher bleibt auch der Spirit des Originals.

In seinem 50. Bestandsjahr setzt das NÖ Kulturforum als Kulturvermittler gezielt besondere Schwerpunkte. Besondere künstlerische oder kulturelle Initiativen sollen exemplarisch für das Programm des NÖ Kulturforums präsentiert werden. In dieser Ausgabe von mfg möchte ich als Obmann zwei nennenswerte Projekte vorstellen. Eine CD-Produktion, die nahezu verschollen geglaubte Musik einer Übergangsepoche von der Renaissance zum Barock wieder aushebt und für die Gegenwart dokumentiert. Zum Zweiten ein kleines, aber umso interessanteres Buch (in einer Neuauflage) über die nahezu vergessene Volksgruppe der Jenischen, die auch hier in NÖ, in unserer Region, beheimatet war (und ist). Ich sehe in diesen beiden Publikationen einen sicher nicht alltäglichen, aber umso wertvolleren Beitrag, den wir vom NÖ Kulturforum in unserer niederösterreichischen Kulturlandschaft leisten können.

NÖ

KULTURFORUM

SETZT BESONDERE KULTURELLE INITIATIVEN IN DEN REGIONEN

KULTURFORUM PRÄSENTIERT

CD „PRUNKSTÜCKE“ MIT MUSIK

DES 16. UND 17. JAHRHUNDERTS

Erinnern sich St. Pöltens Theaterbesucher noch des ehemaligen Musikdirektors des Stadttheaters, Prof. Josef Stolz? Bis zur Verwandlung zum Landestheater NÖ war er für die musikalische Komponente verantwortlich. Er ist ein Meister des seltenen Instrumentes Claviorganum, ein kaum mehr bekanntes Tasteninstrument, das Cembalo und Pfeifenorgel zugleich ist. Es ist das Begleitinstrument des Vokalensembles Capella Splendor Solis, welches sich schwerpunktmäßig auf die Musik des 16. und 17. Jahrhunderts konzentriert, einer musikalischen Übergangsepoche von der Renaissance zum Barock, die als Manierismus bezeichnet wird.

Von etwa 1550 bis 1650 entstand offensichtlich eine avantgardistische Phase bunter und experimentierfreu-

Seit 2014 eine Erfolgsstory: Das von

Ensemble Capella

Prof. Josef Stolz (m) gegründete
Splendor Solis mit Sopranistin Kanako Hayashi, dem Countertenor Stefan Piewald (l) und dem Bassbariton Florian Michael Wolf (r).
Prof. Ewald Sacher, Obmann des NÖ Kulturforums

Prof. Josef Stolz wirkte von 2002 bis 2005 als musikalischer Leiter des damaligen Stadttheaters St. Pölten. Er gilt als als Virtuose am seltenen Claviorganum.

diger Musik, die durch den übermäßigen Erfolg barocker Musiker dann fast verloren ging und mitunter bis heute in den Archiven italienischer Klöster und anderer Zeitkapseln schlummert. Josef Stolz und Capella Splendor Solis haben es sich zur Aufgabe gemacht, diese musikalischen Schätze auszuheben und für die Gegenwart aufzubereiten.

2014 gründete Josef Stolz das Ensemble. Dieses Gesangstrio, das von ihm vom Claviorganum aus geleitet und begleitet wird, setzt sich aus der Sopranistin Kanako Hayashi, dem Countertenor Stefan Piewald und dem Bassbariton Florian Michael Wolf zusammen. Aufgenommen wurde die CD vom Tonstudio Madl aus Aspang in der Kirche von Wartmannstetten. Im Veranstaltungslokal MÄX in Wr. Neustadt entwickelte sich der Abend zu einem Musikgenuss ersten Ranges. Splendor Solis bedeutet Sonnenglanz – diesen vermeinte das zahlreiche Publikum gerade erst recht im abgedunkelten Saal zu verspüren. Wer die Augen schließt, findet sich beim Hören dieser Musik in einem italienischen Palazzo wieder, die Musik tut dann ihr Übriges und weckt bei den Zuhörerinnen und Zuhörern eine ganz eigenartige Sehn-Sucht. Die

Capella musiziert in einer der historischen Aufführungspraxis entsprechenden mitteltönigen Stimmung. Die mysteriösen Texte lassen sich auf ein alchemistisches Manuskript aus dem 15. Jahrhundert zurückführen. Das zentrale Thema dieses mysteriösen Textes ist die Herstellung sowie die Wirkungsweise des Steins der Weisen, also eine Substanz, welche unedle in edle Metalle verwandeln kann. Der griechische Alchemist Zosimos aus Panapolis beschreibt es in etwa so: „Dieser Stein, der kein Stein ist, dieses kostbare Ding, das ohne Wert ist, dieses mehrgestaltige Ding, das keine Form besitzt, dieses unbekannte Ding, das jeder kennt.“

Wir vom NÖ Kulturforum wol-

len nicht behaupten, den Stein der Weisen gefunden zu haben, aber wir konnten dazu beitragen, ein musikalisches Juwel fein zuzuschleifen.

Die CD „Prunkstücke“ ist unter kulturforum@aon.at gegen einen Versandkostenbeitrag erhältlich.

DIE JENISCHEN – WER SIND

Über die Volksgruppe der Jenischen herrscht in unserer Gesellschaft weitgehend Unwissenheit. Auch in unserer Region, nahe Loosdorf, existierte eine jenische Dorfgemeinschaft.

Horst Schreiber, Universitätsdozent in Innsbruck: „Die Geschichte der Jenischen ist eine Geschichte von Verfolgung und Armut, Ergebnis von kontinuierlicher Diskriminierungen und Ausschlussprozessen. Der Natio-

nalsozialismus setzte alles daran, die Identitäten der Jenischen als eigene Volksgruppe zu zerstören. Das Ziel, sie kulturell auszulöschen, hat die Diktatur nicht zur Gänze, aber in hohem Maße erreicht. Bis vor nicht allzu langer Zeit hatten die Jenischen keine öffentlich vermittelte Geschichte, war die Zugehörigkeit zur (noch immer nicht anerkannten) Volksgruppe verbunden mit der Erfahrung von Abwertung. Viele

verheimlichten deshalb, jenisch zu sein, um aus dem Teufelskreis der Diskriminierung auszubrechen.“

In den 48 Seiten seiner „Jenischen Fragmente“ erinnert der Autor Harald Swoboda an seine Kindheit. Er reduziert die Geschichte der Jenischen nicht auf ihre Verfolgung und Ächtung. Er wirft ein Blitzlicht auf ihren Alltag, ihre Traditionen, ihre Kultur. Er romantisiert nicht, er dokumentiert

eine Lebensweise, die weitgehend verschwunden ist. Er beschreibt Stolz und Würde jenischer Werte, die handwerklichen Fähigkeiten des Großvaters, seinen widerständigen Eigensinn, die ganz eigene Ausprägung von Gerechtigkeitsgefühl und Solidarität, Freigiebigkeit und Hilfsbereitschaft, und: trotz vielfach widriger Umstände große Lebensfreude und Humor. Einige Auszüge aus diesem lesenswerten, kleinen, aber packenden Büchlein von Harald Swoboda:

Maungern (jenisch für betteln) Zu betteln war Sache der Frauen und Kinder. Für die Nicht-Jenischen galt und gilt das Betteln um Almosen heute noch immer als Schande. Doch für die Jenischen lag die Sache anders: Für sie war das Betteln eine Arbeit, die etwas einbrachte, je mehr Mitleid man erregte. Dafür wurde man als Kind schon herangezogen. Man setzte bewusst leidende Mienen auf, deutete mit Gebärden Hunger an. Wobei es nicht immer der Schauspielkunst bedurfte, um hungrig zu wirken. Schmalhans war oft Küchenmeister.

Drahschinäu (jenisch für Schleif-Arbeit)

Mein Großvater übte das Handwerk des Schleifens aus. Er schärfte vorwiegend Scheren und Messer. Dazu benutzte er seine Schleifmaschine. Zwei kreisrunde Schleifsteine waren versenkt auf einem klobigen Tisch aus Holz montiert und wurden mit einem Pedal angetrieben, sodass sie rotierten. Er hatte ein Rad, zwei Stützen und auch zwei Griffe, wie eine Scheibtruhe eben. Diesen Schleifbock führte er wie eine Scheibtruhe vor sich her. Ihn fortzubewegen war Schwerarbeit.

Schundboin (jenisch für Erdapfel)

Der Großvater stellte sein Schleifgerät vermutlich auf dem Dorfplatz auf, arbeitete also im Freien. Dort wartete er auf Kundschaft. In der Rocktasche trug er vielleicht einen Erdapfel mit sich, denn der brachte Glück. Auch mir wurde beigebracht, ich solle einen Erdapfel einstecken, wenn ich einmal

die Gunst des Schicksals benötigte, etwa bei Prüfungen in der Schule.

Noppi baaln (jenisch für „nicht sprechen“)

Verschwiegenheit nach außen hin, den Gadschi (Nicht-Jenischen) gegenüber, gehörte zur jenischen Kultur. Auch mir hat mein Opa Dinge anvertraut und eingebläut, davon solle ich nichts weitererzählen. „Alles brauchen die Gadschi nicht wissen“, sagte er. Noch heute gibt es jenische Erzählungen, die ich für mich behalte. Die werde ich ins Grab mitnehmen.

Raumpfm (jenisch für raufen)

Mein Großvater muss gerne gerauft haben. So sagte er einmal zu mir: „Zu einem Kirtag gehört eine KirtagsRauferei dazu!“ und lachte dabei hellauf vor Freude. Kann sein, dass seine Nase gebrochen war. … Zu Schlägereien konnte es u. a. mit den Gadschi kommen. Zum Beispiel, wenn die Jenischen mal in ein Gasthaus gingen, weil sie gerade Lowe (Geld) hatten. Da konnte es durchaus vorkommen, dass man ihnen nichts zu trinken servieren wollte. … Da flogen dann die Fäuste. Die Jenischen ließen sich dabei nicht lumpen. Sie waren harte Kämpfer, die man nicht leicht unterkriegen konnte.

Freier Geist

Der Geist der Jenischen war freier, als der der Gadschi zu jener Zeit, und es ist vielleicht auch heute noch so. … So erlaubte man mir als kleinem Buben, des Nachts im Wald herumzustreifen, weil ich nach Rehen Ausschau halten wollte. Es gibt einen schönen, veralteten Ausdruck: „Ein freies Wesen haben“. Dieses hatten sie, sie lebten in ihrem Dorf in einer gewissen Freiheit. Als Junge habe ich das genossen. Ich konnte dort viel mehr sein, wie ich wollte, was ich war. Man „erzog“ mich nicht in einem fort.

Kultur des Teilens

So wurde ich auch in die Kultur des Teilens eingeführt. Meine GadschiVerwandten versuchten mir einzutrichtern: „Spare in der Zeit, dann

hast du in der Not“. Das sollte mich dahingehend prägen, nur ja nichts herzugeben. Oder möglichst wenig. Bei meiner jenischen Familie hingegen wurde ich gelobt, je mehr ich gab.

Unter Gadschi

Ich erlebte meinen Opa in dem kleinen Dorf, also unter Jenischen, als einen selbstbewussten, schlagfertigen Menschen. Musste er jedoch in den benachbarten Hauptort zum Einkaufen, so ging er mit eingezogenem Kopf und fühlte sich unwohl. Er fürchtete, des Geschäfts verwiesen zu werden. Er fürchtete, der Absicht des Diebstahls bezichtigt zu werden. Unter Gadschi war er wie ausgewechselt. Auch als er längst ein bürgerliches, sesshaftes Leben führte. Zurück im kleinen Dorf der Jenischen war er wieder der mutige, lebensfrohe Opa, den ich kannte.

Einige jenische Wörter:

Bisiglett (Fahrrad) - Gani (Huhn)Korlass (Wein) - Pflaum (Bier) - schollan (singen) - tschurrn (stehlen) - verposchen (verkaufen)

Das Buch „Jenische Fragmente“ von Harald Swoboda ist unter kulturforum@aon.at gegen einen Versandkostenbeitrag erhältlich (leider nur in geringer Anzahl, solange der Vorrat reicht).

40 Jahre STP Highlights

BIG Inflatable Giants | Ratzersd. See Bravissimo - 40 Jahre Edition: inkl. ORF-Filmvorführung „40 Jahre“ & Live Musik | Cinema Paradiso

Bravissimo | Innenstadt

Music.STP | Ratzersdorfer See

Bluesfestival | Ratzersdorfer See

Frequency Festival | VAZ St. Pölten

Jazz im Hof | Stadtmuseum

Domplatz Open-Air - Tonkünstler

Pop am Dom | Domplatz

Musica Sacra | Dom

Höfefest | Innenstadt

Kinderspielstadt | Innenstadt

Oktoberfest | VAZ St. Pölten

Christkindlmarkt | Rathausplatz

IN DEN HÄFEN

Diesen Monat, genauer am 10. Juni, jährte sich einer der schlimmsten Tage, den Österreich je erleben musste. Sie erinnern sich, ein ehemaliger Schüler des BORG-Dreierschützengasse erschoss letztes Jahr neun Jugendliche und eine Lehrerin an seiner früheren Schule in Graz. Ich habe eine spezielle Beziehung zu diesem Ereignis, weil ich sofort an ein Verbrechen denke, das auf das erste folgte.

Nur einen Tag nach dem Amoklauf stellte eine Frau namens Sanela G. einen Spendenaufruf online. Sie gab sich als Hinterbliebene eines verstorbenen Kindes aus und sammelte Geld, das an alle weiteren Angehörigen verteilt werden sollte. Nach drei Monaten waren 37.262 Euro eingelangt. Allerdings kam kaum Geld bei denjenigen an, die tatsächlich Kinder verloren hatten. Das gesammelte Geld behielt G. großteils für sich. Vergangenen Herbst deckte ich all das gemeinsam mit einer Kollegin vom profil auf. Letzten Monat musste sich G. nun vor Gericht verantworten. Das Urteil: 21 Monate Haft, davon sechs Monate unbedingt – die G. zu diesem Zeitpunkt bereits in Untersuchungshaft verbüßt hatte. Sie konnte das Gericht wieder verlassen.

Trotzdem, die sechs Monate U-Haft verbrachte sie im Gefängnis. Und als derjenige, der sie dorthin gebracht hat, muss ich sagen: Ein Teil von mir ist darauf stolz. Obwohl ich das eigentlich gar nicht sein möchte. Ich bin nicht der größte Fan des Konzepts Gefängnis. Vor Gericht meinte G., die Haft habe ihr gutgetan. Sie wolle sich bessern. Hoffentlich war das nicht wieder eine Lüge.

PACMAN IN DER MAUSEFALLE

Die „Mausefalle“ im Megaplex Kino, dereinst Discotempel mit veritabler Schlagerschlagseite, soll ab Juli nach Jahren des Leerstandes wieder zuschnappen. Freilich nicht mehr als Disco, sondern als Entertainment-Keller. So erweitern Roman Koller und Klara Geritzer, die im 2. Stock des Kinos unter dem Brand „Time2Game“ bereits drei Escpape-Rooms betreiben, ihr Unterhaltungsangebot um Indoor-Minigolf und Steel-Dart. „Insgesamt wird es 12 Minigolf-Bahnen mit jeweils einem speziellen Thema, zum Beispiel Casino, Rennstrecke, Kino, Pacman etc., geben. Dank UV-Licht können wir an ausgewählten Tagen auch ein Blacklight-Erlebnis ermöglichen“, umreißen die beiden das Projekt. „Steeldarts wiederum beginnen wir vorerst mit zwei Bahnen“, auch diese selbstredend am neuesten Stand der Technik, also „interaktiv und mit automatischer Treffererkennung durch Kameras“. So ganz nebenbei ist aktuell auch ein vierter Escape-Room im Entstehen – noch „größer, aufwendiger und spektakulärer“, wie Roman und Klara versprechen. Na dann, Time2Game!

DIE

ZEIT VON MORGEN!

Die Tourismusbranche wird aktuell – im positiven Sinne – von einem neuen Trend überschwemmt: Escape Trails! Während die meisten von uns den Thrill klassischer Escape Rooms kennen, im Zuge dessen man sich, eingebettet in eine spannende Story, aus kniffligen Situationen befreien muss, geht es bei den Escpape Trails auch raus in die Natur ... oder im Falle St. Pöltens mitten in die City, und zwar „sowohl analog als auch digital“, wie Tourismusdirektor Stefan Bauer verrät. Über den Inhalt von „Die Zeit von morgen“ gibt er sich noch zugeknöpft, meint nur kryptisch: „Es gilt ein Geheimnis zu lüften! Rätselhafte Gestalten tauchen auf. Fiktion und Realität, Vergangenheit und Zukunft verschwimmen!“ Ausgestattet mit einem Toolkit, das man im Tourismusbüro am Rathausplatz abholt, geht’s für 2-8 Spieler auf den rund 2,5 km langen Escape Trail durch die Stadt! Cooler kann man STP nicht kennenlernen!

Foto: Mario Wallner

„THIS IS THE END?”

„This is the end, my only friend, the end“, sangen schon „The Doors” 1967. Doch das Ende wovon eigentlich? Anstatt blinkender Lichter, wummernder Musik, Gelächter und guter Stimmung herrscht sowohl im Warehouse als auch im La Boom Stille, Leere und Dunkelheit. Die Jahre 2025 und 2026 haben St. Pölten vor allem eines gekostet – ihre Clubs.

Ungefähr ein Jahr, nachdem das Warehouse seinen Ganzjahresbetrieb eingestellt hat, verschwindet nun also auch das La Boom von der Bildfläche. Doch was bedeutet das eigentlich für die Jugend St. Pöltens? Macht es ihnen überhaupt noch Spaß auf stickigen Tanzflächen zu dröhnenden Beats abzugehen? Oder ist Fortgehen möglicherweise einfach nicht mehr so „in“ wie früher? Die Jungredakteurinnen von mfg-Das Magazin hörten sich in der Jugendszene um.

THE TIMES THEY ARE A-CHANGIN‘

Das Nachtleben verändert sich zunehmend. Früher waren junge Leute auf das Fortgehen angewiesen. Wenn man nur daheim saß, konnte man niemanden kennenlernen oder neue Kontakte knüpfen. Diskos wie beispielsweise das La Boom oder das Warehouse waren beliebt, es gab Musik, Getränke, Platz zum Tanzen und viele Gleichaltrige, mit denen man sich bekannt machen konnte. Doch heute brauchen junge Leute diesen Austausch nicht mehr unbedingt. Über soziale Medien wie Instagram oder Snapchat

Das Bedürfnis nach guter Musik und Festen wird unter den Jugendlichen wieder größer!

LEONIE

sowie über Dating-Apps wie Tinder lernt man heute andere Leute auch so kennen, für viele haben zudem private Feiern und kleinere Veranstaltungen an Bedeutung gewonnen. Vor allem während und kurz nach der Corona-Pandemie haben sich Treffen in kleineren Gruppen etabliert. Man gewöhnte sich an weniger Leute und verlor deshalb vielleicht auch ein bisschen die Lust in heißen, engen Räumen neben vielen verschwitzten Menschen zu dröhnenden Beats zu tanzen. „Homepartys und kleinere Feste wirken für viele auch deshalb mitunter attraktiver, weil man mit einer ausgewählten Schar Freunde hingehen und so richtig ‚die Sau rauslassen‘ kann“, erklärt Studentin Elena das Phänomen.

Haben Social Media und Corona also die Lust aufs Fortgehen gekillt, wie

Erwachsene gerne über die Jungen dozieren? Die Antwort lautet eher nein, denn auch wenn die Frequenz der sozialen Kontakte durch Kommunikation im digitalen Raum verbessert wird und Social Media helfen kann, sich mit Gleichaltrigen zu verknüpfen, spielt sich ein großer Teil des Freizeitlebens vieler Jugendlicher nach wie vor abseits ihrer Telefone ab. Das Fortgehverhalten der aktuellen Generation der 15-19-jährigen ist zudem nur mehr bedingt von Corona beeinflusst. „Ausdrücke wie ‚Keep your distance‘ oder der ‚Babyelefant‘ gehören längst der Vergangenheit an! Das Bedürfnis nach guter Musik und Festen wird unter den Jugendlichen wieder größer“,

Mit dem La Boom hat die letzte Disco in St. Pölten nach 24 Jahren ihre Pforten geschlossen.

ist Studentin Leonie überzeugt. Jugendliche haben also nach wie vor das Verlangen, ihr Leben zu leben, Freundschaften zu schließen, Kontakte zu knüpfen und einen Ausgleich zum oft stressigen Schuloder Arbeitsalltag zu suchen.

NO TIME LEFT TO PARTY?

Aber die Jugendlichen haben viel um die Ohren: Schularbeiten, Tests, Prüfungen und Seminararbeiten gehören zum Alltag von SchülerInnen und StudentInnen. Daneben arbeitet man vielleicht auch noch, treibt Leistungssport oder spielt ein Musikinstrument. Außerdem will man Freunde und Verwandte treffen, Computerspiele spielen, lesen oder sich einfach mal ausruhen. Andere wiederum stehen überhaupt schon voll im Arbeitsleben und spulen täglich acht Stunden im Job.

Bleibt fürs Fortgehen also schlicht keine Zeit mehr über? „Ich glaube nicht, dass man weniger fortgeht, nur weil man nebenbei viel zu tun hat. Meine ganzen Freunde und ich haben Schule oder machen eine Lehre und gehen trotzdem fort“, erzählt Viktoria, eine Schülerin der HLW St. Pölten. Schließlich wollen junge Leute ja trotzdem Spaß haben und mit ihren Freunden feiern, auch wenn der Alltag mal stressig ist.

Das Argument, dass Jugendliche das Feiern sozusagen verlernt haben, wie viele Club- und Diskothekenbetreiber mitunter ihre schwindenden Besucherzahlen erklären, zieht also nicht ganz. Woran liegt es aber dann, dass Clubs aus wirtschaftlichen Gründen schließen müssen? „Eher an der Fortgehweise der Jugendlichen, die sich im Gegensatz zu früheren Zeiten einfach verändert hat“, glaubt Viktoria. „Der Fokus liegt heute nicht mehr so sehr auf exzessivem Trinken, als vielmehr auf Entertainment und gemeinsamen Erlebnissen.“

WHERE HAVE ALL THE GOOD TIMES GONE?

Das heißt, dass die Angebote als solche heute vielleicht angepasst werden müssten, denn alle Befragten sind sich einig: „Der Wunsch nach guten Events ist nach wie vor groß – ob Hausparties, Club-Events, Festivals oder auch Land-

jugendfestln. Den meisten ist alles lieber als nichts.“ Die Möglichkeiten im Raum St. Pölten werden aber von vielen als sehr beschränkt wahrgenommen – der Wegfall der letzten Clubs wird dabei durchaus als schmerzhaft empfunden. „Gute Fortgehmöglichkeiten in St. Pölten gibt es so gut wie gar nicht!“, beklagt etwa Studentin Ilvy. Zwar gäbe es

Der Fokus liegt heute nicht mehr so sehr auf exzessivem Trinken, als vielmehr auf Entertainment und gemeinsamen Erlebnissen.
VIKTORIA

kleinere Bars und Lokale wie etwa das Narrnkastl, die Chameleon Bar, das Yesterday & Co, doch das „reicht für mich persönlich als Ersatz nicht aus, weil Lokale wie etwa das Barrock eher für ein älteres Klientel sind, das gemütlich zusammensitzen und ein gutes Getränk genießen will. Es fehlen in St. Pölten aber Angebote für die Jugend! Ob das

jetzt ein Club oder eine hippe Bar ist –wenn es sowas gäbe, würde ich es auch nutzen“, ist Tobias, ein Student der FH St. Pölten überzeugt.

DORFFEST STATT DANCEFLOOR

Sehr wohl ein Fortgeh-Anziehungspunkt im Frühling und Sommer sind die diversen Landjugend- und Feuerwehrfeste, die den Clubs als Konkurrenz das Wasser abgraben. Dort zahlt man meistens keinen Eintritt, die Getränke sind billiger, es gibt auch keine wirkliche Altersbeschränkung, wodurch mehr Leute angesprochen werden und auch 14-, 15-Jährige erste Fortgehluft schnuppern können. „Natürlich geht es auch ums Budget“, stellt Studentin Elena klar. „Meiner Ansicht nach ist Fortgehen schon sehr teuer geworden, vor allem in Clubs zahlt man oft Eintritt und die Getränke sind auch nicht billig – da verstehe ich, wenn die Jugend eher auf Feste oder Homepartys geht. Viele bekommen ja auch gar nicht so viel Taschengeld.“ Bleiben für die klassischen Clubs und Bars eher nur die Älteren als Kundschaft über, „die sich das leisten können. Die fahren dann aber oft gleich nach Wien weiter, wo das Angebot größer ist.“

Noch einen Aspekt erwähnen die Befragten, der das Fortgehvergnügen in St. Pölten bisweilen trübt: die Erreich-

Einst fixer „Place To Be“ am Wochenende in St. Pölten, seit dem Vorjahr nur mehr im Herbst und Winter bei bestimmten Events geöffnet.

barkeit mit Öffis. Tatsächlich scheint es – v. a. für die auswärtigen Besucher – bisweilen leichter, aufs nächste Dorffest zu gelangen, als fürs Fortgehen extra nach St. Pölten zu pendeln „denn Züge und Busse fahren in der Nacht nicht, die Taxis sind teuer, und die Eltern können einen ja auch nicht immer abholen.“

VIENNA AND KREMS CALLING

Setzt man sich doch einmal ins Auto bzw. nimmt eine längere Anfahrt auf sich, führt der Weg aktuell häufig nicht in die St. Pöltner Innenstadt, sondern –angesichts mangelnder Alternativen in der Landeshauptstadt – zum Beispiel in die Eventstage nach Krems. „Die punkten mit gehypten Events wie Black Circus oder Ami vs. Deutsch-Rap, mit beliebter Musik sowie mit Club-Shows von großen Namen wie beispielsweise Jazeek oder Capital Bra“, schwärmt Studentin Leonie. Viele der 18- bis 25-Jährigen wiederum zieht es in die Bundeshauptstadt. „Wenn wir fortgehen, dann gleich lieber in Wien. Da kann man vorher gut essen gehen und dann wirklich einen ganzen Abend verbringen. Da sind die cooleren und spannenderen Clubs, da kann man viel mehr machen”, sind sich Studenten Ilvy und Tobias einig, wobei man auch hier mit bereits

erwähnten Öffi-Problemen zu kämpfen hat, „weil nach Mitternacht kaum mehr Züge fahren und das Heimkommen nach St. Pölten daher schwierig ist. Da bleibt nur die Möglichkeit, entweder die Nacht durchzumachen oder verfrüht heimzufahren – was beides nicht immer so spaßig ist!“

DON’T STOP THE MUSIC

Spaß ist den Jungen aber wichtig wie eh und je! Die jungen Erwachsenen haben das Fortgehen sicher nicht verlernt, sondern eher anders gelernt. Die Schließung von Warehouse und La Boom hat zwar das St. Pöltner Nachtleben verändert, nicht aber den Wunsch der Jugendlichen nach unvergesslichen Abenden mit Mu-

Meiner Ansicht nach ist Fortgehen schon sehr teuer geworden, vor allem in Clubs zahlt man oft Eintritt und die Getränke sind auch nicht billig.
ELENA

sik, Spaß und Freunden. Für viele steht dabei weniger der Alkoholkonsum, als der gemeinsame Spaß im Vordergrund. Sie wünschen sich aber sehr wohl nach wie vor „richtige Events mit KünstlerInnen und Liedern, die uns gefallen.“ Sie wünschen sich weiterhin coole Locations und Clubs, wo man sie aber wohl mit neuen Konzepten, die sich am veränderten Fortgehverhalten und ihrer Lebenswelt orientieren, abholen müsste. „Es wäre cool, wenn es eine Einrichtung für junge Leute gibt, ähnlich wie das La Boom, aber auch schon für 14- und 15-jährige Leute, mit verschiedenen Floors und unterschiedlicher Musik“, meint etwa Schülerin Viktoria. Ein Ort ähnlich der Eventstage in Krems oder dem VAZ St. Pölten, wo abwechslungsreiche Musik gespielt wird, verschiedene MusikerInnen eingeladen werden und der Eintritt nicht zu teuer ist. Dann kann man nämlich auch hingehen und „abdancen“, wenn man keinen Alkohol trinken, sondern einfach nur eine gute Zeit haben will. Auch eine bessere ÖffiAnbindung, besonders in der Nacht mit Shuttlebussen oder dergleichen wäre wichtig. Damit könnte man auch Jugendliche aus den umliegenden Dörfern wieder nach St. Pölten locken und das Nachtleben reaktivieren.

Aktuell beliebter Hotspot der Jugendlichen – die Eventstage in Krems.

ZUVIEL

HITZE

Falco prägte das geflügelte Wort „Wer sich an die 80er Jahre erinnert, war nicht dabei!“ Wir wollten trotzdem wissen, wie das eigentlich so war damals in der St. Pöltner Szene, im ominösen Hauptstadt-Geburtsjahr 1986, und fanden einen, der sich noch ganz gut daran erinnert, gerade WEIL er mittendrin, statt nur dabei war: Dietmar „Hasi“ Haslinger. Für mfg hielt er ganz persönliche Rückschau, frei nach dem Motto „Zu heiß für mich in dieser Stadt”!

2. MÄRZ 1986

Bei der Volksbefragung zur Landeshauptstadt stimme ich heute für Krems.

22. MÄRZ 1986

Drei Tage nach meinem 21. Geburtstag haben Leo Zant und ich im Bierbrunnen der FABRIK alle Getränkeladen gefüllt und vor allem genug Erdbeerwein für unsere feschen Barbesucherinnen auf Vorrat, dazu vier Fässer angeschlossen

und warten auf den Schlachtruf des Gastroleiters Herbert Weichart, der im dunklen Anzug mit einer Marlboro in der Hand von unserem Bereich im ersten Stock in die Arena runter läuft und jeder Barmannschaft einzeln zuruft „wir sperren auf!“

Österreichs Kult-Disco, die 1983 von Harald Schmidberger, dem Sohn eines Großbauern aus Wölbling, und den Geldgebern Haböck & Weinzierl, inspiriert vom Londoner „Hippodrome“, eröffnet wurde, schwimmt ganz oben am Zenit des Erfolgs. Noch immer transportieren die ausgebuchten Ö3 Disco-Busse aus Linz und Wien junge Stammgäste nach Unterradlberg und die Wochenend-Umsätze sind sagenhaft. Porsche 911 und Jaguar XJS rollen zu reservierten Parkplätzen, aber auch dutzende Vespas sind eingeparkt. Vor dem Eingangsportal hat sich eine lange Schlange an bunt gemischten Gästen gebildet, die von Karl, Harry Gstettner und Schöpfi an der Türe nach Musterung als „gut“ befunden, oder auch abgewiesen werden. VIP-Kartenbesitzer finden schnelleren Einlass, um ihre reservierten Tische in der Pizzeria zu bele-

gen, die von Brigitte Schinnerl, Gerhard und Tschiwa geschupft wird und durchs schalldichte Glas den Blick hinunter in die Disco frei gibt. Um 22 Uhr ist das Haus mit 1.500 Gästen bummvoll und es gibt keinen Einlass mehr, außer für Gäste, die später in den VIP-Club kommen. Während ich „Night Nurse“ von Gregory Isaacs und danach „Mas, Que Nada!“ von Jorge Ben auflege, für Tina, Ira und Eva Sekt einschenke und für vier andere Mädels Erdbeerwein, serviert Leo mit Grinser und gleichzeitigem Schnurrbartzwirbler ein perfekt gezapftes Seidel Bier mit den Worten „28 ohne, 30 mit, die Meisten geben mehr!“ und bekommt von Stammgast Michael 35 Schilling über die Bar geschoben. Reini Dorsch grillt nebenan am Würstelstand seine gefragten Bratwürstel, der Holzofen in der Pizzeria wird ununterbrochen befüllt und in der arenaförmigen Disco spielt DJ Mike die Signation „Are Friends Electric“ zur Laser-Show von „Redy“, während Jung und Älter auf der knüppelvollen Tanzfläche darauf warten, welche neueste, selbst importierte MaxiSingle heute zuerst aufgelegt wird. Aus den überdimensionalen weißen Boxen

WOLF „labinsac” Mayer vor einem von nur noch 2 Original-FABRIK-Plakaten.

wummern jetzt die Bässe, die Tanzfläche wird per Hub hydraulisch ausgefahren, und das „Saturday Night Fever“ startet von neuem, während Dagmar Dinstl und Gaby in der 2-er Bar die Drinks mixen, Walter an der 1-er Bar Cocktails schüttelt und Richie, Ernstl und Charly dutzende Flaschen Bacardi und Schlumberger an die nur gegen Reservierung beziehbaren Sitzlogen servieren. Im schalldichten VIP-Club stimmt sich Charly am weißen Flügel ein, es geht vorerst noch beschaulich zu, aber das ändert sich je kürzer die Nacht wird und mit Reinhard Fendrich als Privat-Gast heute sowieso.

Nach der Sperrstunde um 04:00 wird in den Bars „Stand´“ gemacht, dann abgerechnet, und um 05:00 setzt sich eine Kolonne aus gut und gerne 20 Autos aller Mitarbeiter in Bewegung. Wir fahren wie so oft in Leos Reich an den Schießstattring zum legendären Personal-Frühstück, kochen riesige Pfannen Eierspeis, öffnen Fernet-Flaschen, drehen ein paar Öfen und tauschen den neuesten Klatsch und Tratsch der ausgeschütteten Herzen der St. Pöltner untereinander aus, ohne ihn am nächsten Tag weiter zu

erzählen, es gilt der Siegel der Verschwiegenheit.

St. Pölten ist der Nabel der österreichischen Disco-Welt, auch in der Innenstadt herrscht viel Bewegung. Die Protagonisten der heimischen Musikszene sind im Olymp der österreichischen Hitparade angekommen. ESPRESSO liegen mit der Single „Say“ ganz vorne, PAUL COXX ist mit „Voices In The Dark“ sowohl in Österreich, als auch in der Schweiz und Deutschland in den Charts und PETER PAN liegen mit „Love Is On Your Side“ auf Platz 9! Daneben gibt es noch weitere sehr gute Bands in der Stadt, wie Chicos legendäre Reggae-Combo FAR AUT mit Otto Lechner/Keyboard, Reini Kieninger/ Bass, Schuki/Drums und Schurl Graf/ Sax, sie sind erst vor wenigen Tagen im ausverkauften Pottenbrunner „Club Maquie“ aufgetreten! Der Herzschlag dieser erfolgreichen Szene ist das Summerton Studio von Martin Unterweger, der für alles eine Lösung weiß, jedem helfend zur Seite steht und mit Dieter Libuda als Mastermind und selbst Spitzengitarrist quasi Geburtenhilfe und Ammendienst zugleich ermöglicht.

In den kommenden Wochen sitzt jetzt jeden Samstag in der Fabrik ein nicht unsympathischer Typ mit Schnurrbart und gewellten Wuschelhaaren bei mir an der Bar, bestellt ein Seidl nach dem anderen, raucht dazu unzählige Tschik und beobachtet mich schweigend. Ich spreche ihn an: „Bist Du eigentlich schwul und stehst auf mich, oder warum kommst du sonst seit vier Wochen und starrst mich an?“ Lachend antwortet er: „Nein, ich bin verheiratet. Ich bin der Draxler Helmut und werde in der Linzerstraße in wenigen Wochen ein Bierlokal aufsperren. Es wäre super, wenn du bei mir einsteigst und genauso arbeitest wie hier!” Meine Antwort kommt wie aus der Pistole geschossen: „Ich bin dabei!“

Die spektakuläre Zeit in der FABRIK neigt sich also dem Ende zu, meine Freundin Johanna, die die Boutique Celentano in der Marktgasse leitet, ist froh

darüber und zwei Tage später treffe ich Helmut bei der Baustelle, um mir den Fortschritt des Umbaus anzusehen. Der ehemalige Schauraum eines Autohauses verfügt über eine sehr breite falt- und schiebbare Glastüre, deswegen wird das Lokal CABRIO heißen. Die Gäste werden bei weit geöffneter Türe auf vielen Tischen das Gefühl haben in einem Cabrio zu sitzen, während vor der Nase der Verkehr durch die Bestlage Linzerstraße langsam zum Rathausplatz fährt um vielleicht doch einen freien Parkplatz zu ergattern! Während Arbeiter Stromanschlüsse verlegen, stemmen und bohren, zeigt mir Helmut meinen zukünftigen Arbeitsplatz, eine große L-förmige Bar, hinter der die Küche liegt. Danach fachsimpeln wir gegenüber in der Bäckerei Eder weiter. Egger Märzen und Pils vom Fass wird unser Hausbier, Ayinger aus Bayern ebenfalls frisch gezapft, viele andere Marken wird es in Flaschen geben, der Wein kommt aus dem Doppler, Hausmannskost als Mittagsmenü und auch abends wird der Chef selbst kochen. Wir mögen uns auf Anhieb und ich freue mich auf die baldige Eröffnung und ein neues Kapitel mit neuen Gästen in meinem Leben.

Heli Draxler eröffnete 1986 das legendäre CABRIO und schweißte dafür Hasi von der FABRIK los.

Am Weg nach Hause besuche ich noch Pauli Erd in seinem benachbarten Motorradgeschäft, um ihm die freudige Nachricht mitzuteilen und wenige Tage später weiß die ganze Stadt, dass ich bald „das Cabrio chauffieren“ werde. Außerdem kaufe ich beim Majewski in der Linzerstraße 1 noch das neue Album der Rolling Stones „Dirty Work“, obwohl sonst eigentlich der „Stierli“ beim Hartlauer der Händler meines Vertrauens ist. Der Majewski Roman zeigt übrigens seit Jahren die Schirennen in der Auslage für alle, die keinen Fernseher haben. Beim Kromp in der Wienerstraße lasse ich ein halbes Kilo Rindfleisch für die abendlichen Spaghetti Bolognese faschieren und besuche noch schnell meine Mama in der gegenüberliegenden Stadtbücherei im Palais Wellenstein, um ihr meinen jetzt ab 1. Mai beginnenden neuen Job zu verkünden. Eine Stunde später sitzen wir gemeinsam mit Johanna in der Kremsergasse beim Wolf an den runden Tischen im Erdgeschoss und prosten uns bei Lachsbrötchen mit Sekt Orange zu!

ANFANG MAI dann die große CabrioEröffnung. Hunderte Gäste drängen sich im und vor dem Lokal, die Polizei leitet den Verkehr am Linzertor in die Promenaden um. Es wird sofort zum beliebten Tages- und Abendlokal der Szene, LiveKonzerte der österreichischen Szene

sorgen für großen Andrang, und einen freien Tisch zu finden wird zum Geduldsspiel. Ö3-Held Gotthard Rieger, Alexander Bisenz, Manfred Deix, aber auch Stürmer Gustl Lebschy, Leopold Rotter oder der tschechische Spielmacher und Ex-Rapidler Antonin Panenka vom VSE St. Pölten, gehören genauso wie die hiesige Geschäftswelt und viele Ärztinnen und Anwälte zu den regelmäßigen Gästen. Vor allem ist das Cabrio auch Heimstatt für „den Mann von der Straße“ und die St. Pöltner Alt-Hippies und Jung-Popper. Ein wilder Mix, der eine große, loyale Familie ergibt.

Das Volksfest – der „Rummler“ – an der ehemaligen Trabrennbahn, ist, gesäumt von uralten Kastanien, für zehn Tage Szene-Treff, und bei Chicos „Griechenstandl“ und beim Hacker-Pschorr Heurigen schwer ein Platz zu bekommen. Auch der „blade Koal“ taucht aus dem Nichts auf, errichtet St. Pöltens erste Schneekanone und wird kurz danach Opfer eines mysteriösen Verkehrsunfalls. Am stets vollgeparkten Rathausplatz feiert „Hasi“, die ehemalige Bar-Chefin des Löwenclubs und des Clubs in der FABRIK mit ihrem stilvollen Lokal „Kaktus” große Erfolge, dazwischen liegt die Kult-Disco Löwenkeller, in dem dank Peter Pan-Mastermind Peter Pansky regelmäßige Jam Sessions mit Reini Dorsch, Christian Deix, Bernd Gaugutz und anderen Szene-Größen zum guten Ton gehören. Das Piazza Duomo in der Wienerstraße kocht auf hohem italienischen Niveau, Franz Ortner und der Morawetz beste Hausmannskost. Im Scherbenviertel ist das „Kuckucksnest“ in Hochblüte, Kellner Ahmet hat das immer volle Lokal unter Kontrolle. Auch im „Nest“ gibt es Live-Konzerte, „Espresso“ haben hier bei ihrem Bühnen-Debut zu Jahresbeginn unfassbare 320 Eintrittskarten verkauft und spielen im Juli in der Wiener Arena vor Level 42. Aus diesem Anlass organisieren wir mit Pfleger Reisen einen FanBus vom Cabrio nach Wien.

Doch zuvor steht am 11. JULI das erste Hauptstadtfest am Programm, bei dem unser Cabrio vor der Hauptbühne am Rathausplatz mit einer großen Bar präsent ist. Espresso geben bei einbrechender Dunkelheit auf dem mit 20.000 Menschen heillos überfüllten Platz enorm Gas, sorgen mit ihrem funkigen Konzert für Begeisterungsstürme, und Paul Coxx sowie Alexander Göbel haben es nach der aktuell besten österreichischen Band immens schwer die Stimmung halten zu können.

Session im Löwenkeller 1986: Paul Coxx, Dieter Libuda, Peter Pansky, Reini Dorsch, Bernd Gaugutz.
Gustl Lebschy 1986 beim 6:0 des VSE St. Pölten über den FAC.

SAMSTAG 30. AUGUST 1986

Die große Clique rund um Peter Simon, Hautzi und Dagmar Dinstl fährt mit vielen Autos zum Kremser Volksfest, bei der Rückfahrt teilt man sich – einige nehmen die neue S33, andere die alte Landesstraße.

Mitten in der Nacht kommt es zur Tragödie, als mein guter Freund Hannes auf der L100 in einer langgezogenen Rechtskurve zwischen Statzendorf und Meidling mit seinem Alfa Spider viel zu schnell unterwegs ist. Im an einem Baum zerschellenden und explodierenden Cabrio sitzen auch Christian und Dagmar. Hannes verstirbt am Weg ins Krankenhaus, „Spoony“ verliert einen Unterschenkel und Dagmar überlebt ebenfalls schwerst verletzt.

Für einen kurzen Moment hält die St. Pöltner Szene inne, aber für die meisten ist die Zeit einfach zu bunt und am nächsten Wochenende wird bereits wieder gefeiert und Gas gegeben bis in den kommenden Winter hinein.

Die legendäre St. Pöltner Band Espresso schaffte es 1986 mit „Say“ bis in die Ö3Charts. Im Bild Frontman Christian Deix beim Hauptstadtfest.

„VON A NACH B TRIATHLONEN, DAS FUNKTIONIERT“

Bei der „Challenge St. Pölten“ traten 2.500 Sporter:innen aus allen fünf

Kontinenten an! Der St. Pöltner Valentin Neuhauser kam direkt aus Rom. Er triathlonte in zwölf Etappen zum Triathlon.

Eigentlich ist Valentin Neuhauser (29) Erfinder. Als Energieberater gründete er unter anderem „Robin Powerhood“, eine österreichweite Plattform, der man überschüssigen Strom spenden kann, den einkommensschwache Haushalte nutzen dürfen. In seiner Freizeit hat der 29-jährige St. Pöltner das „Triathlonen“ erfunden. Selbst Google kennt es (noch) nicht: Neuhauser macht im Wonnemonat Mai gern einen Triathlon nach dem anderen, immer über 1,9km Schwimmen, 90km Radfahren und 21,1km Laufen und nicht immer in dieser Reihenfolge.

2025 waren es 31 Triathlons in St. Pölten, heuer „nur“ zwölf, dafür von Rom nach St. Pölten unter dem Motto „Rome 2 Home“. „Wenn ich gestern Alkohol getrunken habe, bin ich heute kaputt. Wenn ich gestern einen Triathlon gemacht habe, kann ich heute gleich wieder einen machen“, weiß Neuhauser. Inspiriert wurde er vom deutschen Extremsportler Jonas Deichmann, der 2024 sogar 120 Triathlon-Langdistanzen in 120 Tagen absolvierte. „Da bin ich mitgeradelt und mitgelaufen und habe gesehen, dass der eigentlich ganz gesund wirkt, scharfsinnig ist und zielorientiert.

Das hat meinen Maßstab verschoben. Aber der Schnellste, Höchste und Beste zu sein ist nicht mein Maßstab“, sagt Neuhauser und erklärt: „Letztes Jahr habe ich mit 31 Triathlons einfach mal einen Pflock eingeschlagen, und heuer wollte ich ein Abenteuer erleben.“

2025 triathlonte er quasi unter der Aufsicht von Dr. Rafael Pichler vom PVZ St. Pölten, jeden zweiten Tag wurde ihm Blut abgezapft. Und siehe da: Nach wenigen Tagen Anpassungszeit hatte er die Werte eines 18-Jährigen! „Meine Versicherung hat ein Bonussystem“, lacht Neuhauser, „als ich da meine Blut-

werte eingegeben habe, habe ich gleich bessere Konditionen bekommen.“

EIN GESCHENK MIT FOLGEN

Von „Rome 2 Home“ völlig alleine war freilich kein Zuckerschlecken. Auf der ersten Etappe nach Amelia hatte Neuhauser sogar Todesangst. Er geriet mit dem Rad in ein Weidegebiet, das selbst von Einheimischen gemieden wird, weil dort Hundegruppen große Schafsherden bewachen und fremde Menschen gar nicht mögen. Als ihn mehrere Köter verfolgten, stürzte er auf unwegsamem Gelände auch noch in eine Schlammlacke, entkam der keifenden Meute letztlich aber gerade noch. „Mit zwei Pizzen im Bett, meditieren und telefonieren mit Familie und Freunden habe ich mich dann wieder erholt.“ Die Großfamilie Neuhauser trägt auch die Hauptschuld, dass Valentin triathlont. Zum 18. Geburtstag wünschte er sich seinerzeit nichts sehnlicher als einen 3D-Drucker und bekam völlig unverhofft ein Rennrad. „Ich war furchtbar enttäuscht, habe aber Freude vorgespielt. Dann habe ich mich doch immer wieder draufgesetzt und auf einmal gab’s den Triathlon in St. Pölten und ich habe mir gedacht: ‚Gelaufen bin ich auch schon immer gern, da fehlt ja gar nicht mehr viel‘.“

In der Zeit absolvierte Neuhauser nach einer Elektriker-Lehre bei der EVN die Abendschule in St. Pölten, die er sich zunächst gar nicht zugetraut hatte. „Und da bin ich mehr und mehr draufgekommen, dass die Herausforderungen im Leben für mich besser zu meistern sind, wenn ich viel Sport mache, weil mein Gehirn viel dynamischer arbeitet und ich fokussierter bin. Sport und eine gute Entwicklung gehen für mich einher.“

Der Genuss kommt aber auch nicht zu kurz. Bei „Rome 2 Home“ schwamm Neuhauser im Meer, schönen Seen und sogar in aller Früh in Bädern, deren Öffnungszeiten im Internet gar nicht zu recherchieren waren. Dafür brauchte er etwas Unterstützung von „einer Übersetzerin aus der Heimat, weil mein Englisch und die Projekterklärung mit Händen und Füßen nicht geholfen haben“, lacht Neuhauser. Dann aber haben die Bademeister sogar sein teures Fahrrad im Auge behalten, während er seine Längen zog. „Das Schönste aber war, ab halb sieben in der Früh, da war‘s noch kühl, in italienischen Kleinstädten zu laufen, wenn die gerade langsam aufwachen und die Leute ihren Alltag starten“, strahlt der Extremsportler. Die „größten Glücksgefühle“ hatte er dann freilich in der Heimat am Erlaufsee: „Als die Sonne wunderschön reflektierte und ich mir schon sicher war, es geht sich alles aus. Von A nach B triathlonen, das funktioniert.“ Da schaltete er bewusst einen Gang zurück, um sich noch ein wenig für die Challenge zu erholen. Beim berühmt-berüchtigten Gansbach-Anstieg wollte er es nämlich schon noch einmal wissen. „Ganz in der Nähe in Hofstetten ist mein Elternhaus. Auch wenn das Ergebnis wurscht ist, aber da bin ich dann schon mit durchgehend 270 Watt raufgeradelt“, lacht Neuhauser spitzbübisch. Wo er nächstes Jahr triathlonen wird, verrät er noch nicht. Am meisten entspannt habe er sich rückblickend aber beim Laufen. Mal schauen. Der nächste Wonnemonat kommt bestimmt.

Roul

DER SOMMER

Es wird weiter woke verboten. Die ersten Freibäder haben Rauchverbot. Kein Problem, es traut sich eh niemand mehr in ein Freibad. Die männlichen Männer meinen, sie könnten alles anpöbeln, stoßen und hingreifen, so auf „ist halt so in einer anderen Kultur“. Wir aber haben zwischen Ostern und Weihnachten gelernt, sich zu benehmen. Ich will mich sicher fühlen in einem Freibad. Ich will, dass Frauen, meine Stiefund meine Schwiegertochter und meine Enkeltochter, dort jederzeit alleine hingehen können. Dem ist nicht mehr. Und an alle, die gleich „-phob!“ schreien: Ja, ich bin Verletzungs- und Todes-„phob“, habe Angst davor. Ich soll also nirgends mehr rauchen, keine Bratwürstel essen und was meinen dürfen, mich aber tolerant blutig schlagen lassen. Das ist von mir keine religionrassistische Sprache, das ist Überlebensdrang. Machen wir so weiter, werden solche Kolumnen bald nicht mehr möglich sein. Zensuriert und zu Tode gefoltert kann ich dann im Himmel weinen, komplett ohne 72 Jungfrauen. Das ist kein in einer sozialmedialen Blase Sich-Wohlfühlen, das ist erlebte Realität! Zu meiner Frau haben drei Jugendliche um die 15 in der Linzerstraße/Fußgängerzone drohend gesagt: „Was willst du, du Hure!“ Wir gingen aus Angst vor „kommt Bruder mit Messer“ weiter, nicht aus ethischer Überlegung. Wo gehst du hin, Europa, mit St. Pölten im unfreiwilligen Gepäck. Kein „ja, aber…“ lass ich mehr gelten. Wenn nicht jetzt die Handbremse gezogen wird, kommt aus dem Volk die grausigste Gegenbewegung unserer Geschichte.

Bild 1: Nicht alle Wege führen nach Rom. Neuhausers Trip begann ebendort.
Bild 2: Hydration Break zwischendurch.
Bild 3: Ankunft nach 12 Tagen in St. Pölten.
Starka

KRITIKEN mfg

ZUM HÖREN

REALITY AWAITS THE STROKES

ASSIKEL TAMIKREST

links nach rechts)

IN THE STARS THE ROLLING STONES

Die Könige des New Yorker Indie-Revivals sind mit neuem Album zurück. Frontmann J. Casablancas liefert einige seiner bisher verletzlichsten und rätselhaftesten Gesangsleistungen ab, wobei er sich zwischen distanzierten Beobachtungen und intensiver emotionaler Präsenz bewegt. Die Band klingt 2026 weder nostalgisch noch wie eine Neuerfindung, sondern schlicht wie The Strokes.

LOOK FOR YOUR MIND! THE LEMON TWIGS

Wenn man mit The Lemon Twigs nicht vertraut ist, könnte man beim ersten Hören glauben, man hätte eine staubige Plattenkiste durchwühlt und darin das bestgehütete Geheimnis der 60er gefunden. Beatles, Byrds, Beach Boys – alles schimmert auf ihrem neuen Album durch. Aber die Brüder D’Addario machen daraus keinen bloßen Abklatsch, sondern neue Ohrwürmer.

ZUM SCHAUEN

Manshee, Clemens Schumacher

VERFLUCHT NORMAL

KIRK JONES

In den 80ern wächst John als normales Kind auf, bis unkontrollierbare Ticks seinen Alltag bestimmen. Was als Tourette-Syndrom bekannt ist, stößt damals auf Unverständnis. In der Schule verspottet und zu Hause überfordert, lernt er früh wie es ist anders zu sein. Doch Jahre später trifft er auf Menschen, die ihn so akzeptieren, wie er ist.

SUPERGIRL

CRAIG GILLESPIE

Milly Alcock spielt Supergirl Kara Zor-El nicht als strahlende Heldin, sondern als wütende, orientierungslose Antiheldin mit Trauma und Attitüde. Zwischen SpaceWestern, Rachetrip und Coming-of-Age erzählt der Regisseur eine überraschend düstere, zugleich emotionale Comic-Odyssee. Weniger Hochglanz-Superheldenkino, mehr kosmischer Punkrock.

Mit jüngeren Geschwistern ist es oft so – neben Konkurrenz sorgen Vorbilder meist für eine raschere Entwicklung von Fähigkeiten. Tinariwen, legendäre Botschafter der TuaregMusik waren eben dieser Ansporn für Tamikrest. Auf derem zehnten, live eingespielten Album zeigen die Musiker, wie lebendig und spielfreudig Sahara-Blues schweren Zeiten entgegenhalten kann. Nicht nur in Mali.

Da schlägt das 90er-Jahre Raver-Herz höher: Das ikonische Original von Felix „Don’t You Want Me“ wurde von Rollo Armstrong koproduziert, welcher später Teil der Gruppe Faithless (Insomnia) wurde. Irgendwie hört man diese Connection auch. Es ist nicht leicht, einen derartigen Klassiker zu remixen und in ein anderes Genre zu transponieren. Well done, Delta Heavy. 10/10.

ZUM SPIELEN

Christoph Schipp

FORZA HORIZON 6

PLAYGROUND GAMES

Das Game setzt erneut Maßstäbe im OpenWorld-Racing. Atemberaubende Grafik, riesige Spielwelt und abwechslungsreiche Events sorgen für langanhaltenden Spielspaß. Das Fahrgefühl ist gewohnt erstklassig und bietet sowohl Einsteigern als auch erfahrenen Fahrern viel Freude. Eine klare Empfehlung für Racing-Fans.

007 FIRST LIGHT

IO INTERACTIVE

Mit packender Action, starken Schauplätzen und einer gelungenen Mischung aus Stealth und Agentenarbeit fängt das Spiel den Geist der Reihe gut ein. „007 First Light“ liefert eine spannende Story des jungen James Bond. Einige Missionen wirken zwar vorhersehbar, insgesamt ist es aber ein unterhaltsames Abenteuer für Bond-Fans.

„Some things are gettin better with age. Like old whisky … or me.“ Weise Worte von Keith Richards. Mit dieser Single-Auskoppelung, die Appetit aufs kommende Album macht, beweisen die rollenden Steine, dass sie immer noch mehr Biss haben als viele jüngere Zeitgenossen. Ein krachiges Statement, dem auch der präsidiale Orangenkopf aus den USA – außer blöd Reden – nix anhaben kann.

BULLY KANYE WEST

Kanyes neues Album liefert wieder reichlich Gesprächsstoff. Rohe Beats treffen auf die ehrlichsten aller Songtexte. Er verzichtet diesmal komplett auf KI-Experimente und setzt auf seine eigene Intelligenz obwohl manche Songs etwas „unfinished“ wirken. Insgesamt überzeugt das neue Album jedoch durch seine wilde Energie und Tiefe. 4/5 Sterne, ein gutes Album.

ZUM LESEN

Helmuth Fahrngruber, Anne Müllner

FAHRENHEIT 451

RAY BRADBURY

451 Grad Fahrenheit – Papier entzündet sich von selbst. Dumpf taumeln die Untertanen in diesem dystopischen Klassiker durch den Alltag eines Staates, in dem es keine Bücher geben soll. Kerosingestank hat sich in Ray Montag festgesetzt, der routinemäßig Bücherverbrennungen durchführt. Er flüchtet zu Fuß aus einer tristen hirngewaschenen Welt.

FABULA RASA

VEA KAISER

Ende der 1980er in Wien arbeitet die im Gemeindebau aufgewachsene Angelika Moser als Buchhalterin im Grand Hotel. Um Hotel und Familie zu sichern, manipuliert sie jahrelang Rechnungen. Als die Wahrheit ans Licht kommt, gerät ihr Leben aus den Fugen. Ein spannender Roman über Ehrgeiz, Verantwortung und die Folgen von Entscheidungen.

DON‘T YOU WANT ME (DELTA HEAVY REMIX) FELIX

VERANSTALTUNGEN

HIGHLIGHT VAZ St. Pölten

CONNI – DAS MUSICAL

5. SEPTEMBER Conni hat Geburtstag, und da hat sie so einiges vor: Spielen, toben, tanzen, singen, mit ihren Freunden die weltbeste Schokotorte backen, und mit ihrem Teddy und ihrem lieben Kater Mau kuscheln … Für Conni, ihre Familie, ihre Freunde und all ihre kleinen und großen Zuschauer wird es in diesem Musical-Geburtstags-Abenteuer nie langweilig. Frei nach dem Motto „Was Conni kann – das könnt ihr auch!“ werden die Musicalbesucher zum Teil der Inszenierung und können Conni und ihren Freunden helfen, Connis Musical-Geburtstag zu einem vollen Erfolg werden zu lassen. Empfohlen ab b 3 Jahren.

STADT + LAND = 40

BIS 1.11. An zehn zentralen Plätzen der Stadt zeigt eine Outdoor-Ausstellung, wie sich Stadt und Land in den vergangenen vier Jahrzehnten entwickelt haben. Jede Station stellt einen wichtigen Bereich des Lebens in der Region in den Mittelpunkt. Historische Bilder veranschaulichen die Entwicklung. Start- und Endpunkt der Ausstellung sind das Museum Niederösterreich sowie das Stadtmuseum.

DIV. STATIONEN AUSSTELLUNG

OLDTIMER- & TEILEMARKT

1. AUGUST Der Oldtimer- und Teilemarkt bietet für Suchende wieder die Chance, das heiß begehrte Stück zu ergattern. Alljährlich pilgern tausende Menschen nach St. Pölten, um das Angebot von hunderten Anbietern zu durchstöbern. Im Angebot: Autos, Motorräder, Nutzfahrzeuge, Fahrräder, Teile, Zubehör, Automobilia, Literatur, Bekleidung, etc. aus allen Epochen. Eintritt frei!

VAZ ST. PÖLTEN MARKT

LEA/BIBIZA/LUKASCHER

12. SEPTEMBER Wenn Pop auf Wiener Schärfe, Mundart auf Reggae und große Gefühle auf urbane Vibes treffen, heißt es: Willkommen zum Domplatz Open-Air 2026! Freuen Sie sich auf die deutsche Singer-Songwriterin LEA mit ihrem fein gezeichneten Pop zwischen Nähe und Größe, BIBIZA mit Schmäh und unverwechselbarem Sound, dazu Lukascher mit Reggae made in St. Pölten und Mundart.

DOMPLATZ OPEN-AIR KONZERT

BUTTERFLY DANCE

10. JULI Der Sommer ruft und das Butterfly Dance! Festival antwortet mit einer magischen Atmosphäre und einem Line-Up, das Herzen höher schlagen lässt. Mit Eletronic-Pionier MOBY, Italopopper JOVANOTTI, Disco Pop Queen SOPHIE ELLISBEXTOR, Soulmusiker CURTIS HARDING, dem österreichischen Soul-Trio SLADEK und dem elektronischen Powertrio KRAAK & SMAAK Soundsystem.

SCHLOSSPARK ESTERHÁZY FESTIVAL

SAŠO AVSENIK

11. SEPTEMBER Freuen Sie sich auf eine Reise vom aktuellen Hit „Hallo kleine Maus“ bis hin zu den unvergleichlichen, zeitlosen Evergreens wie „Das Trompetenecho“, „Hinterm Hühnerstall“, „Auf der Autobahn“ und „Tante Mizzi“ und viele mehr! Packende Polkas wechseln sich ab mit gefühlvollen, melancholischen Walzerklängen – ein Muss für alle Oberkrainer-Fans und jene, die es noch werden wollen.

GRAFENEGG KONZERT

AUFSTIEG DES ARTURO UI

19. SEPTEMBER Zum Beginn der künstlerischen Leitung von Patricia Nickel-Dönicke werden zwölf Regisseur:innen zusammen mit dem gesamten Ensemble sowie dem neugegründeten Stadtensemble „Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui“ von Bertolt Brecht auf die Bühne bringen. Ein Theaterabend über autoritäre Verführbarkeit, demokratische Fragilität und gesellschaftliche Verantwortung.

LANDESTHEATER THEATER

ERWIN & EDWIN

16. JULI Österreichs LieblingsGlitzersakkoträger zeigen mit ihrer Tour „Elektrogstanzldisko“, wie eine Konzertparty geht. Wummernde Bässe, leiwande Mundarttexte und elektronischen Tschin Bumm verbinden die fünf Burschen von Erwin & Edwin zu einer ekstatischen Balkan-Brass-Polka, die keine Sprachbarriere kennt und selbst die internationalsten Haxen in Tanzekstase versetzt!

RATHAUSPLATZ OPEN AIR KONZERT

MUSIK.STP FESTPVAL

24. JULI Beim diesjährigen „musik.stp Festpval“ stehen wieder Bands und Solokünstler:innen aus St. Pölten und Umgebung auf der Seebühne am Ratzersdorfer See. Mit dabei: HeadlinerHip-Hop-Act „Bakery“, Fabian Kunstmann & Band, Topsy Turvy, Johnny Cola & Die große Liebe, Hartl, Satan‘s Bananas sowie Rusty Railgun. Zum Abschluss bringen Young & Lost mit ihrem DJ-Set den See zum Beben.

RATZERSDORFER SEE FESTIVAL

AUSSENSICHT

STÖREN PV-ANLAGEN IN DER

INNENSTADT DAS ORTSBILD?

Georg Renner Der Wilhelmsburger ist freier Journalist und betreibt den Podcast „Ist das wichtig?“.

Ortsbildschönheit ist immer ein Kompromiss zwischen Ästhetik und Nützlichkeit.

Für die „haha, St. Pölten, igitt“-Fraktion fernab der Landeshauptstadt (ja, es gibt sie noch immer; nein, sie ist noch immer nicht lustig) mag es ein Treppenwitz gewesen sein, als der Verfassungsgerichtshof unlängst erkannt hat, dass die Schönheit der Innenstadt hier nicht ausreicht, um Solarpaneele pauschal zu verbieten. So weit würde ich nie gehen: Ich finde die Innenstadt wunderbar – aber trotzdem finde ich es großartig, dass schon bald auch hier (hoffentlich) zahlreiche PV-Anlagen sprießen werden.

Das liegt nicht nur daran, dass ich ästhetisch kein Problem mit den Dingern habe; genau wie ihre großen Cousinen, die Windräder draußen vor der Stadt, sind PV-Module für mich ein Ausdruck moderner Technologie, Innovationskraft, von Weltmärkten und günstiger, sauberer Energie. Kurz gesagt: Einfach schön!

Aber das ist gar nicht so sehr der Grund, warum ich finde, dass PV-Module überall dorthin gehören, wo Menschen sind – der liegt in einfacher Pragmatik.

Erstens: Essenziell für die Energiewende sind möglichst kurze Distanzen zwischen Produzenten und Verbrauchern. Die Krux der Umstellung auf Erneuerbare sind bekanntlich Netze und Speicher – und beides braucht es dann viel weniger, wenn gleich dort verbraucht wird, wo der Strom erzeugt wird. In der City werden immer Verbraucher da sein.

Zweitens, wenn man PV-Module wirklich hässlich fände: Wie kommen dann die Leute anderswo dazu, diesen Anblick zu ertragen, während er den Stadtmenschen erspart bleiben sollte? Schon allein aus rechtlichen Gründen – die elende Konsensfindung in Mehrparteienhäusern – wird es in der Stadt eh immer weniger Module geben als draußen. Aber jeder sollte seinen Beitrag leisten können.

Drittens: Ortsbildschönheit ist immer ein Kompromiss zwischen Ästhetik und Nützlichkeit. Genauso, wie wir uns als Gesellschaft entschieden haben, Autos viel und mäßig schönen (hust, Europaplatz, hust) Raum zu geben, werden wir das auch für unsere Energieinfrastruktur tun können.

Auch und gerade im schönen St. Pölten.

Jakob Winter Aufgewachsen in St. Pölten, emigriert nach Wien, Digitalchef beim „profil“.

Kennen Sie NIMBYs? Das ist eine Abkürzung für Menschen, die zwar grundsätzlich für etwas sind, solange es nicht vor ihrer eigenen Haustür passiert. „Not in my backyard“ lautet deren Devise. Sie haben nichts gegen Windräder und Solaranlagen. Aber sie sollen halt bitte woanders errichtet werden. Von diesen NIMBYs gibt es in Österreich eine ganze Menge. Das ist ärgerlich, denn sie torpedieren ein ums andere Projekt. Noch problematischer wird es aber, wenn die Verhinderer nicht am Stammtisch sitzen, sondern in Behörden und Regierungsbüros.

Die Stadt St. Pölten hatte einer Bürgerin die Errichtung einer PV-Anlage in der Innenstadt mit Verweis auf den Denkmalschutz verweigert. Bisher durften diese nicht errichtet werden, wenn sie von öffentlichem Grund aus sichtbar gewesen wären. Der Verfassungsgerichtshof stellte nun klar, dass dieses Totalverbot so nicht haltbar ist. St. Pölten lockerte seine Regeln, andere Gemeinden könnten folgen. Gut so. Denn aktuell werden erneuerbare Energien in Österreich eher als Störfaktor gesehen. Windräder würden die Landschaft „verschandeln“. Solarpaneele historische Gebäude „verunstalten“.

Mit diesen Ängsten wird auch Politik gemacht: In Oberösterreich hat die schwarz-blaue Landesregierung große Teile des Bundeslands faktisch zur Windkraft-Verbotszone erklärt. In Kärnten verfolgt SPÖ-Landeshauptmann Daniel Fellner einen ähnlichen Kurs. Ergebnis: Der Ausbau stockt.

Dabei wäre eine andere Perspektive viel naheliegender: jede Umdrehung eines Windrads und jeder Sonnenstrahl auf eine PV-Anlage sorgen dafür, dass Österreich unabhängiger wird von Scheichs und Diktatoren – und widerstandsfähiger gegenüber Energiepreissprüngen in der Zukunft.

Doch wie so oft schreien die Gegner neuer Technologien lauter als die Befürworter. Das lässt sich ändern, wie der Fall einer mutigen St. Pöltnerin zeigt. Vielleicht wird es ja doch noch was mit der Energiewende. Wenn PIMBYs wie sie gegen veraltete Denkmuster aufbegehren und sagen: Please, in my backyard!

PIMBYS an die Macht!

PANOPTIKUM reich(l)ebners

FLAUTE. Vor 100 Tagen ist die MS Rot-Grün in See gestochen, doch allzu viele Meter hat sie bislang nicht gemacht. Wie es scheint, rudern noch nicht alle in dieselbe Richtung, so sie überhaupt schon rudern.

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