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MFG - Das Magazin / Ausgabe 96

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Während im Gemeinderatssitzungssaal nach der „Maskerade im Rathaus“ vom Vortag noch die letzten „Leichen“ weggeräumt wurden, ließen an diesem denkwürdigen Aschermittwoch 2026 im Bürgermeisterzimmer nebenan SPÖ und Grüne quasi die Hüllen fallen. Nach mehrwöchigen Verhandlungen stieg nämlich, wie es Stadtpressesprecher Thomas Kainz treffend formulierte, „weißer Rauch auf“, die beiden Parteien hatten sich auf eine Koalition geeinigt. Und auch wenn der Vergleich mit der Papstwahl etwas hochgegriffen erscheinen mag, lokalhistorisch bedeutsam ist er allemal: Zum ersten Mal seit 65 Jahren muss die SPÖ nämlich wieder „unabsolut“, sprich mit einem Partner regieren (die letzte gefährliche Liebschaft ging man 1960 mit der FPÖ ein), zum ersten Mal überhaupt ziehen die Grünen in die Stadtregierung ein. Zu einem hohen Preis, wie manche meinen – einige Kratzer am bisherigen „unbeugsam“-Image inklusive. Vor allem die Haltung(sänderung?) im Hinblick auf S34 und REWE, also just jenen zwei Wahlkampfschlagern, die auch viele Nicht-Stammwähler diesmal zu einem Kreuzerl bei der Ökopartei veranlasst hatten, sorgt für Rauschen im Social Media-Wald: Waren die Grünen bislang so etwas wie der unnachgiebige politische Arm der Projektgegner, die – einer Jean d’Arc gleich – an vorderster Front in die Schlacht zogen, so ist plötzlich viel die Rede von „Fakten“, „zwingend rechtlichen

Beschlüssen“ und anderen Entscheidungsträgern, frei nach dem Motto „Die Störung liegt nicht in unserem Bereich“. Zwar hat man in Sachen S34 herausverhandelt, dass man auch künftig bei Beschlüssen nicht mitgeht, Alternativmöglichkeiten seitens der Stadt geprüft werden und die Kommune das Projekt nicht mehr aktiv vorantreibt – nur, das muss sie auch gar nicht, denn die S34 ist de facto durchjudiziert und im Bundestraßengesetz. Der Befund „Damit haben wir alles erreicht, was auf städtischer Ebene möglich ist und sind stolz auf diesen Kulturwandel“ fällt daher in die Kategorie „Argumentationsakrobatik“ und fühlt sich für viele bisherige Mitstreiter eher wie ein demoralisierender Schlag in die Magengrube an. In Sachen REWE wiederum wird man die nächsten Beschlüsse „schweren Herzens“, wie man betont, mittragen – auch dies vor der Wahl noch undenkbar. Und die SPÖ? Die musste sich in beiden Causen praktisch keinen Millimeter bewegen. Erfolgreicher waren die Grünen im Hinblick auf eine vertiefende Ökologisierung der gesamten Stadtpolitik – praktisch jedes Kapitel des Koalitionsabkommens trägt eine blassgrüne Handschrift. Und am allermeisten hat man in Sachen Transparenz und Zusammenarbeit herausgeholt – für die Opposition. Erst beim Lesen der geplanten Verbesserungen wird einem wieder bewusst, wie brutal, teils schikanös die absolut regierende SPÖ bislang mit den anderen Parteien umgegangen war: So bekommen alle Parteien erstmals (!) einen physischen Postkasten im Rathaus! WOW! Gemeinderatsprotokolle sollen online zugänglich werden, Informationen früher fließen, um sich ordentlich vorbereiten zu können und – die Überwindung eines grünen Traumas – in den Ausschüssen dürfen Parteien ohne Sitz fortan auch Fragen stellen und Wortmeldungen abgeben. Damit sollte der Weg für ein weniger frustrierendes Oppositionsdasein geebnet sein, was dem Klima nur guttun kann. Und – Heureka – auch der Livestream aus dem Gemeinderat soll wieder kommen! Vor der Wahl hielt die SPÖ die dafür notwendigen 16.000 Euro im Jahr noch für zu hoch und stampfte ihn aus Spargründen ein. Angesichts der Schaffung eines hochdotierten grünen „Ständigen Vertreters des Bürgermeisters“ (zusätzlich zu den zwei Vizebürgermeistern) wäre diese Argumentation aber wohl schwer durchzuhalten gewesen. Vom Gschmäckle, dass es am Ende des Tages in der Politik dann eben doch auch um schnöde Posten und nicht nur um hehre Inhalte geht, kann man beide Parteien jedenfalls nicht befreien, wenngleich der teure Kunstkniff realpolitisch nachvollziehbar ist. Lektion 1 im Machiavelli für Anfänger: Regierungspolitik ist immer ein Rendezvous mit der Wirklichkeit.

IMPRESSUM Offenlegung nach §25 Medien-Gesetz: Medieninhaber (Verleger): NXP Veranstaltungsbetriebs GmbH, MFG - Das Magazin, Kelsengasse 9, 3100 St. Pölten. Unternehmensgegenstand: Freizeitwirtschaft, Tourismus und Veranstaltungen. Herausgeber/GF: Bernard und René Voak, in Kooperation mit dem Kulturverein MFG. Grundlegende Blattlinie: Das fast unabhängige Magazin zur Förderung der Urbankultur in Niederösterreich. Redaktionsanschrift: MFG – Das Magazin, Kelsengasse 9, 3100 St. Pölten; Telefon: 02742/71400-330; Internet: www.dasmfg. at, Email: office@dasmfg.at Chefredakteur: Johannes Reichl Chefredakteur-Stv.: Michael Müllner Chefin vom Dienst: Anne-Sophie Müllner Redaktionsteam: Thomas Fröhlich, Sascha Harold, Johannes Mayerhofer, Althea Karoline Müller, Michael Müllner, Andreas Reichebner, Thomas Schöpf, Beate Steiner, Thomas Winkelmüller Kolumnisten: Thomas Fröhlich, Michael Müllner, Tina Reichl, Roul Starka, Beate Steiner, Thomas Winkelmüller Kritiker: Helmuth Fahrngruber, Thomas Fröhlich, David Meixner, Michael Müllner, Clemens Schumacher, Manuel Pernsteiner, Maximilian Reichl, Christoph Schipp, Robert Stefan, Thomas Winkelmüller Karikatur: Andreas Reichebner Bildredaktion: Anja Benedetter, Matthias Köstler Cover: KI generated Art Director & Layout: a.Kito Korrektur: Anne-Sophie Müllner Hersteller: Walstead NP Druck GmbH Herstellungs- und Verlagsort: St. Pölten Verlagspostamt: 3100 St. Pölten, P.b.b. Alle Rechte, auch die Übernahme von Beiträgen nach § 44 Abs. 1 und 2. Urheberrechtsgesetz, sind vorbehalten. Alle Angaben ohne Gewähr. Für den Inhalt bezahlter Beiträge ist der Medieninhaber nicht verantwortlich.

Johannes Reichl

3 Editorial

5 In was für einer Stadt leben wir

URBAN

7 Shortcut Urban

8 Der neue Gemeinderat

10 Der Pakt

12 Es brodelt in der Gastro-Branche

18 Die schwere Geburt des Elektro-LUP

20 Der neue Feuerwehr-Kommandant

26 Aktuell keine Wartelisten bei Kinderbetreuung

28 Entweder Oder

34 St. Pöltner Baustellen

36 Hochschule im neuen Gewand

38 Mögen sie in Frieden ruhen!

42 Die Sonne scheint hell

KULTUR

48 Shortcut Kultur

50 Es ist schön, für den lieben Gott zu spielen

54 Der Wandlbare

DER BLINDE PASSAGIER

SZENE

60 Shortcut Szene

61 Wenn Worte fehlen

62 Das Glitch Lab

SPORT

64 „Wir werden jedes Jahr besser“

66 Kritiken

67 Veranstaltungen

68 Außensicht

70 Karikatur

ab Fr 13.03.26

DER PAKT – Seite 10
ENTWEDER ODER – Seite 28
DER NEUE KOMMANDANT – Seite 20
DOPPELTE KÖSTLER-POWER – Seite 64
GLITCH LAB – Seite 62
FÜR DEN LIEBEN GOTT SPIELEN – Seite 50

gemeinsam besser leben

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IN WAS FÜR EINER STADT LEBEN WIR EIGENTLICH

... in der wir es beim mfg neuerdings ein bisschen antizyklisch anlegen. Denn während landauf, landab die klassischen Printmedien immer stärker unter Druck geraten, Auflagen verkleinern, Personal entlassen oder neue Geschäftsmodelle entwickeln, die mit Journalismus in etwa so viel gemein haben wie Eishockey mit Curling, haben wir das Motto „Print ist not dead!“ ausgerufen! Und so dürfen wir, um es in den Worten des ehemaligen Bundespräsidenten Thomas Klestil zu formulieren, „mit großer Freude“ verkünden, dass wir unsere Auflage von 30.000 auf 39.000 Stück erhöht (!) haben. Dem nicht genug gehen wir ab sofort an ALLE Haushalte in St. Pölten, der bisherige Vertrieb bleibt natürlich auch bestehen. Und zum Drüberstreuen, mit über 20 Jahren ist das wieder einmal fällig, haben wir uns ein kleines Facelifting, sprich einen Soft Relaunch gegönnt. Gleich bleibt unser Bekenntnis zum Qualitätsjournalismus!

… in der Bürgermeister Matthias Stadler (SP) künftig nicht nur von zwei Vizebürgermeistern vertreten wird, sondern auch vom „Ständigen Vertreter“. Diese „neue“ Funktion gibt das Stadtrecht zwar her, war in den letzten Jahrzehnten aber offenbar völlig unnötig und darum nicht besetzt. Fix war auch: Der Zweite Vize geht an die zweitstärkste Partei, also an ÖVP-Chef Florian Krumböck. Ohne absolute Mehrheit braucht die SPÖ einen Partner und fand dafür die Grünen. Wäre nun deren Chef Walter Heimerl-Lesnik Erster Vize geworden, wäre der bisherige SPÖVize Michael Kögl leer ausgegangen. Doch wo ein Wille, da ein Weg. Kögl bleibt Vize, Heimerl-Lesnik wird „Ständiger Vertreter“. Freilich nicht als Ehrenamt, sondern wie ein Vize entlohnt. Matthias Stadler beruhigte dazu in einer Pressekonferenz, das werde sich die Stadt auch noch leisten können. „Das“ sind übrigens 132.594 Euro Bruttobezug im Jahr.

… in der auch Wochen nach der Gemeinderatswahl noch immer lange Politikergesichter für Schlagzeilen sorgen. So freute sich ÖVP-Listenzweite Susanne Binder-Novak über ihre 523 Vorzugsstimmen, erfuhr aber danach, dass sie nicht als Stadträtin nominiert wird. Binder-Novak habe immer klargelegt, dass „ich eine Stadtratsfunktion als Wertschätzung meiner Arbeit, natürlich nur unter der Voraussetzung, dass das Vorzugsstimmenergebnis passt, möchte.“ Laut ÖVP-Chef Florian Krumböck habe es dazu aber keine Absprachen im Vorfeld gegeben und in geheimer Wahl habe sich die Partei für Mario Burger entschieden. Binder-Novak gehört im neuen Gemeinderat nun nicht mehr der ÖVP-Fraktion an, sondern ist „wilde“ Gemeinderätin. Man darf davon ausgehen, dass die Rechtsanwältin und studierte Politologin weiter sachlich-kritische Arbeit liefert. Womöglich nun aber auch gegen manche in der ÖVP-Fraktion.

BUNT GEMISCHT

Während die Regierungsbildung nach der letzten Nationalratswahl satte 155 Tage in Anspruch nahm, ging der Prozess im Nachgang der St. Pöltner Gemeinderatswahlen einigermaßen flott von statten. Nach nicht einmal einem Monat hatten sich SPÖ und Grüne auf eine Koalition geeinigt, so dass am 23. Februar die Konstituierende Gemeinderatssitzung durchgeführt werden konnte. Diese wies freilich neben besagter Zusammenarbeit – die SPÖ musste sich erstmals seit 1960 wieder einen Partner suchen (damals die FPÖ) – noch weitere Besonderheiten auf. So wurde zum ersten Mal seit 1982 mit Max Zirngast wieder ein Kommunist angelobt. Mit Susanne Binder-Novak nimmt nach einem Zerwürfnis mit ihrer ÖVP wieder eine „wilde“, sprich fraktionslose Abgeordnete, im Plenum Platz. (Der letzte „Wilde“ war Anfang der 2000er-Jahre Hermann Nonner, der zwischenzeitig seiner Mutterpartei FPÖ abtrünnig geworden war.) Auch lange her ist die Funktion eines „Ständigen Vertreters des Bürgermeisters“, die nunmehr Walter Heimerl-Lesnik bekleidet. Der letzte war – gleich für zwei Bürgermeister – Fritz Schöggl. Und ein komplettes Novum: Erstmals seit 1945 sind sechs Parteien im Gemeinderat vertreten und repräsentieren damit die Vielfalt der Bevölkerung wie nie zuvor.

BLICK NACH OBEN

Auch wenn wir oft daran vorbeilaufen, sie bilden die FeelgoodKulisse der City: die imposanten Palais, die erst durch gelungene Fassadenerneuerungen der letzten Jahre so richtig zur Geltung kommen. Jüngstes Beispiel ist das im Volksmund bekannte „Barhaus“ am Herrenplatz, das dank seiner Vorbesitzer einen Hauch Geschichte atmet. Bauherr Jakob Weinhardt von Thürburg war Unterkommissär für das Viertel ober dem Wienerwald, sein Nachbesitzer Johann Karl Werner der letzte „Stadtrichter“. Und Karl Freiherr von Mack, in dessen Besitz es von 1811-1815 stand, erlangte als jener Kommandant der österreichischen Truppen Bekanntheit, der 1805 in Ulm vor Napoleon kapitulierte. Das Aurora-Relief im Giebelfeld nach einem Entwurf von Georg Raffael Donner ist ein Hingucker – Blick nach oben!

FEHLERSUCHE

Die Wahl ist geschlagen, Matthias Stadler wird mit seiner SPÖ weitere fünf Jahre die Zukunft der Stadt gestalten. Das ist richtig so, denn die Sozialdemokratie ist weiterhin klar die stimmenstärkste Partei der Stadt. Dennoch war das Wahlergebnis eine klare Botschaft an den Langzeitbürgermeister, dass in den letzten Jahren einiges schief gegangen ist. Warum die SPÖ nach Jahrzehnten die Absolute verlor? Die geschockten Roten bemühten den ominösen „Bundestrend“: Andreas Babler und die Bundesregierung seien „keine Hilfe“ gewesen. Zudem habe die böse Opposition die Stadt „schlechtgeredet“. Das mag ebenso beigetragen haben wie die Demographie: Jahr für Jahr stirbt der SPÖ ein Teil ihrer überalterten Wählerschaft weg. Aber: Seit Jahrzehnten macht die Stadler-SPÖ, was sie für richtig hält. Die relevanten Gründe muss sie also vorrangig bei sich selbst suchen. Mit den Grünen hat Stadler sein kleinstes Problem an Bord geholt. Die Öko-Partei scheiterte an zentralen Versprechen (S34, REWE) und wird ihre Rolle als Juniorpartner erst finden müssen. Immerhin hatten sie aus der Oppositionsrolle heraus in der letzten Periode konstruktivkritische Sachpolitik gefordert. Das ist schon mehr, als man von anderen behaupten kann. Regiert die neue Rathausmehrheit transparenter, bindet sie andere Meinungen ein und nimmt die Probleme der Bevölkerung ernst, kann diese Koalition funktionieren. Andernfalls brauchen die rechten Parteien bloß abwarten. Denn schon jetzt ist die Rot-GrüneMehrheit – um es mit dem Bundespräsidenten zu sagen – arschknapp.

FORZA ST. PÖLTEN

Im Wahlkampf wurde gerackert, gegrätscht, manch verstecktes Foul begangen, gejubelt und geweint. Doch das eigentliche Spiel steht erst bevor, der Teamchef hat dafür folgende 42 Personen ausgewählt! Viel Glück Team St. Pölten!

TEAM2026 ST. PÖLTEN

STÄNDIGER

VERTRETER

DER PAKT

Unter den gestrengen Blicken der bisherigen Bürgermeister dieser Stadt, deren Portraits im Bürgermeisterzimmer des Rathauses von den Wänden nicht lachen, sondern eher gestreng auf das Geschehen der Nachgeborenen herabschauen, präsentierten Rot und Grün ihr Koalitionsübereinkommen für die kommende Legislaturperiode.

Dieses steht unter dem Motto „Für St. Pölten: Gemeinsame Arbeit. Gelebte Verantwortung“ und führt neben viel Altbekanntem und bereits Angebahntem (das wir hier daher nicht eigens erwähnen), durchaus manch Neues und Überraschendes an. Ein Auszug.

KAPITEL „ZUSAMMENLEBEN“

Hier findet sich u. a. ein Bekenntnis, die Stadtteile stärker infrastrukturell auszustatten (Kinderbetreuung, Spielplätze, Ärzte, Nahversorgung etc.). Erstmals seit Jahren soll „die Schaffung stadteigenen Wohnbaus geprüft“ werden, vulgo Gemeindebau. Zudem wird die Mietkaution bei Wohnungen der stadteigenen Immobiliengesellschaft „auf den marktüblichen Preis“ gesenkt. Ein PVZ Mitte

wird angetrebt, zudem soll das Büro für Diversität gestärkt und weiterentwickelt werden. Die Schaffung eines InnenstadtSpielplatzes steht ebenso auf der Agenda wie die Begrünung des Domplatzes. Zudem liebäugelt man mit Abendöffnungszeiten bei Märkten. In Sachen Kultur bekennt man sich u. a. zur Überdachung des Karmeliterhofes (bis vor kurzem von den Grünen noch als „Matthias Kathedrale“) bezeichnet

KAPITEL „GESUNDE UMWELT“

Hier hat man sich u. a. auf einen jährlichen Umweltbericht und einen jährlichen unabhängigen Klimaschutzbericht geeinigt, den Aufbau eines Nachhaltigkeitsbüros, die Auslobung eines „green_cool Award“ für Initiativen zur Entsiegelung von Flächen. Weiters

soll eine Baumschutzverordnung kommen, die Traisen soll renaturiert werden, E-Ladestationen sollen auch in den Stadtteilen forciert werden.

KAPITEL „GEMEINSAM MOBIL“

Man hält an einer vollelektrischen LUPFlotte fest, für finanziell benachteiligte Personen soll es Tarifermäßigungen geben, an Adventsamstagen soll die Fahrt gratis sein.

Der Verkehr im Bahnhofsumfeld soll neu organisiert werden, in Sachen Radwegen u. a. eine Verbindung zwischen Radlberg und Viehofen geschaffen werden. In der City möchte man ein Angebot für „Mikromobilität“ stellen, der aktuell auf Standby gestellte Promenadenring „Grüner Loop“ soll weitergebaut werden, die Linzer Straße – wieder

einmal – neu gestaltet. In Sachen S34 hat man sich bei anstehenden Entscheidungen auf einen koalitionsfreien Raum geeinigt (die Grünen werden nicht mitstimmen), die Stadt soll Alternativen prüfen und von sich aus keine aktiven Schritte setzen (Das Projekt ist aber ohnedies bereits fixfertig im Bundesstraßengesetz verankert, Anm.)

KAPITEL „BILDUNG“

Hier möchte man u. a. eine Qualitätsoffensive für die schulische Nachmittagsbetreuung (Lernzeit, kreative Förderung, freies Spiel) starten, auch im Hinblick auf die Weiterentwicklung ganztägiger Schulformen. Die Neigungsgruppen, aktuell sehr sportlastig, sollen um Angebote in Richtung kreative und technische Förderungen ausgeweitet werden. Für 14- bis 21-Jährige wird ein Beteiligungsprozess etabliert, um deren Perspektiven zu berücksichtigen. Mit einer „Sportmillion“ werden zusätzliche Mittel für Vereine und ihre Jugendarbeit bereitgestellt. Eine neue Traglufthalle beim Citysplash soll die alte ersetzen.

KAPITEL „GEMEINSAM DIE

STADT GESTALTEN“

Der Livestream aus dem Gemeinderat inklusive Archiv soll wieder etabliert werden, Online-Gemeinderatsprotokolle sollen maschinenlesbar zur Verfügung gestellt werden, ebenso Budget, Statistik und Rechnungsabschluss. Sämtliche Anfragen von Gemeinderäten und deren Beantwortung durch den Bürgermeister werden in Hinkunft veröffentlicht, das Stadtmagazin soll reformiert werden.

Alle im Gemeinderat vertretenen Parteien sollen frühzeitig Informationen bekommen – etwa Ausschussunterlagen. In den Ausschüssen selbst dürfen fortan auch Parteien ohne Sitz nicht nur teilnehmen, sondern auch Fragen stellen und Wortmeldungen abgeben. Der Stadtrechnungshof erhält stärkere Kontrollrechte, einmal im Jahr kann er auch auf Initiative von Minderheiten (bei Unterstützung durch ein Drittel der Gemeinderäte) zur Prüfung angerufen werden. Alle Parteien erhalten im Rathaus physische Postfächer.

KAPITEL „KONSOLIDIEREN UND INVESTIEREN“

Wirtschaftsparks mit Nachbargemeinden und die Schaffung von Technologieparks sollen ebenso forciert werden wie „Green Industries“. Die Revitalisierung alter Wirtschaftsparks soll gegenüber der Schaffung neuer auf der grünen Wiese gefördert werden. Im Tourismus wird Sport als Pull-Faktor stärker berücksichtigt, letzte Landesinstitutionen und -kammern sollen zu einem Umzug in die Hauptstadt animiert werden. Die Parkgebühren sollen schrittweise erhöht werden, die Gebrauchsabgabe (mit Ausnahme Schanigärten) erhoben. Repräsentationsausgaben sollen auf ihre Wirksamkeit hin überprüft werden. Der EVN-Fernwärmevertrag soll evaluiert und nachverhandelt werden, bei der Budgeterstellung soll u. a. eine Folgekostenabschätzung stärker Berücksichtigung finden.

KAPITEL „GUT VERWALTET“

Hier plant man u. a. eine Neugestaltung der Infostelle im Rathaus, die Einführung von „MeinAmt“ wird geprüft, auch Magistratssprechstunden in den Stadtteilen. Für das Rathaus und städtische Angebote wird ein Barrierefreiheitskonzept erstellt, wo sinnvoll, soll eine zentrale Beschaffung für Abteilungen eingeführt werden. Natur- und Umweltschutz soll eine eigene Abteilung werden.

Insgesamt führt der Koalitionspakt 175 Punkte an, bei manchen ist noch von „soll“ und „prüfen“ die Rede – es handelt sich also um Willensbekundungen ohne Umsetzungsgarantie. Manches liegt auch außerhalb der Entscheidungsgewalt der Stadt, hier möchte man auf übergeordnete Stellen wie Bund und Land einwirken. Auspaktiert hat man zudem, dass an einem roten Vizebürgermeister festgehalten wird und zudem ein grüner ständiger Vertreter des Bürgermeisters installiert wird. Insgesamt hat die rot-grüne Koalition einen Überhang von zwei Mandaten gegenüber der Opposition.

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Beate Steiner WAHL-ZERTIFIKAT

ERROR – das ist für mich die Diskussion um die Reduzierung der Lateinstunden in Gymnasien. Die geplante Lehrplanänderung betrifft eine Minderheit – nur rund 4 Prozent von über einer Million Schüler und Schülerinnen sind davon betroffen, etwa ein Fünftel aller Maturanten und Maturantinnen haben Latein gelernt. Digitale Bildung steht für alle auf dem Lehrplan, von Anfang an. Etwas Grundlegendes aber fehlt, das haben die Online-Reaktionen auf die Gemeinderatswahlen in St. Pölten wieder einmal gezeigt: Die Leute haben keine Ahnung, wie unsere Republik funktioniert. Was sind denn die Regeln in einer Demokratie, wer macht die Gesetze im Land, welche Aufgaben hat die Verwaltung einer Stadt und wofür ist der Bürgermeister verantwortlich? Antworten auf diese Fragen gibt mir nicht der Cicero, es hilft mir nix, dass ich irgendwann gelesen habe, wie die res publica im alten Rom organisiert war. Grundlegende Informationen über unser Staatswesen könnte allerdings der Schulunterricht liefern. Wie wär’s denn mit verpflichtenden Unterrichtsstunden in „StaatsbürgerWissen“ anstelle frei gewordener Lateinstunden? Oder überhaupt ab der Volksschule? Wichtig wäre natürlich eine abschließende Prüfung vor dem ersten Urnengang. Ohne Zertifikat keine Zulassung zur Wahl. Immerhin müssen alle Menschen, die um eine österreichische Staatsbürgerschaft ansuchen, über 20 Fragen zu unserer Demokratie, unseren Werten und unserem Staatswesen richtig beantworten. Und alle österreichischen Nicht-Wisser dürfen bis jetzt ohne Test ihr Kreuzerl machen.

ES BRODELT IN DER BRANCHE

Die Gastronomie ist im Wandel: Gäste bleiben kürzer oder aus, der finanzielle Druck wird größer, Wertschätzung geringer. Mitarbeiter und Gastronomen quittieren ihren Job in den Lokalen. Auch in St. Pölten.

Es war einmal, und es war nicht schön: St. Pölten hatte den Ruf einer kulinarischen Wüste, in der am frühen Abend die Gehsteige hochgeklappt wurden. Also: wenige verlockende Essens-Angebote, wenige offene Bars und Abendlokale. Dieses Bild hat sich in den letzten zwei Jahrzehnten erfreulicherweise stark verändert: alles da in der Stadt, von Kaffeehäusern mit belebten Schanigärten über Haubenlokale bis zu Bars und Erlebnisgastro. „Es geht aber leider wieder bergab“, spürt Tezcan Soylu vom Café im Palais Wellenstein. Das hat auch, aber nicht nur mit St. Pölten zu tun. Grundsätzlich gärt es seit Jahren österreichweit in der Branche. „Es gab sicher mehrere emotional diskutierte Reizthemen, von der Allergenkennzeich-

nung zur Registrierkassa oder zuerst das Rauchverbot“, bestätigt Michael Müllner. Für den Geschäftsführer von NXP Bowling waren das nötige Regelungen, damit alle nach den gleichen Regeln fair spielen können.

Alle, das sind viele unterschiedliche gastliche Stätten mit unterschiedlichen Zielgruppen. Gemeinsam sind ihnen die Herausforderungen durch neue Regeln, neue – teure – Vorgaben und durch zweifelhafte Kritik. Wie den Anwürfen von Vida-Chef Roman Heben-

Genuss gehört gefördert, sonst vereinsamen die Leute.

TEZCAN SOYLU

streit, der österreichischen Gastronomen kriminelle Energie unterstellt und ein Gütesiegel für korrekt wirtschaftende Betriebe fordert. „Es ist extrem schade, dass Gastronomen in der Öffentlichkeit pauschal als kriminell und unseriös dargestellt werden“, ärgert sich Elena Rameder vom 3-Haubenlokal Aelium über den Gewerkschaftsboss, das tue all jenen Unrecht, die fleißig, fair und korrekt ihren Beitrag leisten. Was Michael Müllner unterstreicht: „Roman Hebenstreit stellt alle Betriebe so hin, als würden wir 8,70 für einen Cappuccino verlangen, aber die Mitarbeiter unter der Inflation entlohnen. Er muss wissen, dass das für 99 Prozent der Betriebe einfach falsch ist und dass er damit auch den Arbeitnehmern keinen Gefallen tut. Wenn sich in drei Jahren das Lohnniveau um ein Drittel erhöht, die Fixkosten und die Einkaufspreise auf ähnlichem Niveau steigen und man eben nicht jeden Preis verlangen kann, dann kämpft der Wirt gemeinsam mit seinem Team ums Überleben und dabei sind Anschuldigungen von Multifunktionären wie Herrn Hebenstreit sicher wenig hilfreich.“ Könnten aber politisch motiviert sein: „Der Mann befindet sich gerade in Tarifverhandlungen und glaubt offensichtlich, mit diesen Pöbeleien Druck auf die Arbeitnehmerseite ausüben zu können. Kann man machen, ist aber einfach nur dumm“, meint Michael Glöckel, der in St. Pölten die Kaffeehäuser „Schubert“ und „Emmi“ betreibt. Und dumm wäre auch ein Gütesiegel gegen schwarze Gastro-Schafe, da sind sich alle einig:

„Grundsätzlich bin ich stolz darauf, dass wir uns bemühen, Regelungen korrekt einzuhalten und unseren Beitrag zur Gemeinschaft leisten – auch in Form von korrekten Abgaben, Gebühren und Steuern. Und alle, die das nicht machen, sollten ihre Betriebe tatsächlich besser heute als morgen zusperren. Aber dass es dafür ein Gütesiegel à la Hebenstreit braucht, glaubt wahrscheinlich nicht mal er selbst“, führt Michael Müllner aus und Tezcan Soylu schlägt vor: „Wir könnten den Gewerkschaftsfunktionären ein Gütesiegel geben.“

BESONDERE BRANCHE

IM WANDEL

Die Gastronomie ist also eine spezielle Branche, die Kommentare provoziert. „Jeder Mensch meint, er könne mitreden, weil er als Gast ja auch einen gewissen Einblick hat“, bezweifelt Michael Müllner die Kompetenz der Besserwisser: „Wir müssen einerseits die Gäste bei der Qualität überzeugen, andererseits brauchen wir eine hohe Auslastung, damit wir überhaupt wirtschaftlich arbeiten können. Wenn ein Wirt nicht richtig kalkuliert, hat er zwar das ganze Jahr das Lokal voll und schuftet sich zu Tode, aber am Ende schreibt er einen Verlust. Jeder redet über den Preis für ein Krügerl Bier, aber was das Bierfass kostet, oder die Reinigung der Schankanlage interessiert niemanden. Die Herausforderung liegt also im Ausbalancieren von Kundenorientierung und unternehmerischem Denken.“

Und das dürfte immer schwieriger werden, auch angesichts des veränderten Konsumverhaltens der Gäste, vor allem seit der Pandemie, beobachtet nicht nur Christoph Essl vom Aelium: „Die Stimmung ist verhalten. Die Leute denken mindestens zweimal nach, wofür sie ihr Geld ausgeben.“ Es wird deutlich weniger Alkohol getrunken, die Gäste bleiben kürzer sitzen. „Man trifft sich nicht mehr im Lokal, sondern auf So-

Die Gäste sollen wissen, wofür wir stehen, unsere DNA erkennen.

WERNER PUNZ

cial Media. Du musst nicht mehr fortgehen, dass du jemanden kennenlernst“, beobachtet Tezcan Soylu. „Das Geschäft nach Mitternacht ist weg, das Vorglühen vor Club-Besuchen ist schwächer. Dafür sind wir stärker an Nachmittagen mit Familien und am Abend mit Freunden zum After-Work-Treffen“, bestätigt Michael Müllner, der diese Veränderungen als Chance sieht: „Wir bieten einen Rahmen für echte Unterhaltung, echte Freunde, echtes Leben. Gastfreundschaft, Service am Tisch, frische Zubereitung, modernes Entertainment – das kostet, aber es ist auch etwas wert und macht deutlich mehr Spaß als lauwarmes Essen vom Lieferdienst auf der Couch.“   Gästen ein leistbares Erlebnis zu bieten, wird allerdings immer schwieriger, sind doch die Betriebe stark von steigenden Preisen betroffen. „Es gleicht einem Drahtseilakt, weiterhin wirt-

Die Leute denken mindestens zweimal nach, wofür sie ihr Geld ausgeben.
CHRISTOPH ESSL

schaftlich zu arbeiten und gleichzeitig die Kunden nicht durch starke Teuerungen zu verschrecken“, weiß Elena Rameder, denn „die Leute erwarten sich Topqualität zu niedrigen Preisen“, ergänzt Werner Punz vom Haubenlokal Vinzenz Pauli.

Die größte Herausforderung für die Gastro-Unternehmer sind die gestiegenen Energiepreise, die hohen Lohnnebenkosten sowie die Abgabenquote generell. Michael Glöckel: „Die Personalkosten sind sehr hoch und trotzdem kommt bei den Mitarbeitern zu wenig an. Ich hab‘ das Gefühl, dass wir darüber schon seit Jahrzehnten sprechen, das Problem wird aber von der Politik nicht angegangen.“

GEHEN DER GASTRO

DIE MITARBEITER AUS?

Bei den Mitarbeitern kommt zu wenig an, sagt auch ein ehemaliger Kellner (siehe S. 15). Ist das der Grund, warum viele Lokale Personal suchen? Nein, betonen St. Pöltens Gastro-Betreiber, stellvertretend Michael Müllner: „Erfolgreiche Arbeitgeber wissen, dass sie

INTERVIEW LEO GRAF

Kommerzialrat Leo Graf ist Ausschussmitglied der Wirtschaftskammer NÖ und Obmann-Stellvertreter des St. Pöltner Vereins stp*Gastro.

Vida-Chef Roman Hebenstreit unterstellt Gastronomen pauschal kriminelle Energie — wie fühlt sich das an für einen erfolgreichen Hotelier und Wirt?

Diese Pauschalierung ist eine Frechheit der Sonderklasse. Auch, dass der Gewerkschaftsfunktionär nur die Gastronomen angeschwärzt hat und nicht auch den Programmierer. Dieser gehört angezeigt, er ist ein schwarzes Schaf, wie die Kollegen, die sein Programm benutzt haben.

Sollte es ein Pickerl für „ehrliche“ Wirte geben, wie Hebenstreit vorgeschlagen hat?

Das würde natürlich noch mehr bürokratischen Aufwand bedeuten und kann nur ein Witz sein. Ich frag‘ mich auch, wo der Herr Vida-Vorsitzende einen Kaffee um 7,80 Euro getrunken hat, wie er ziemlich überheblich behauptet hat.

Der Preis für eine Tasse Kaffee ist in unserer Gegend viel niedriger. Grundsätzlich sind die Preise in den vergangenen Jahren aber gestiegen. Und auch die Kosten, die Gastronomen bewältigen müssen.

Die Energiekosten sind enorm in die Höhe gegangen, wie jeder weiß. Außerdem rennen uns die Personalkosten davon. Es ist allerdings noch immer so, dass das

Essen im Lokal fast überall mehr kostet als in unserer Gegend — in Westösterreich, in vielen europäischen Ländern.

Wie hat sich denn das Konsumverhalten der Gäste verändert?

Die Leute schauen zwar auf’s Geld, setzen allerdings immer mehr auf Qualität. Quantität ist nicht mehr so wichtig. Die Gäste gehen weniger oft, aber gerne gut essen. Seit Corona gehen sie auch früher nach Hause, der Speisenschluss ist nach vorne gerückt, das Lokal ist schneller leer.

Die Gastronomie wandelt sich. Wohin geht die Branche?

In Richtung noch besserer Qualität. Themenessen wie Wildessen, Dinner am Valentinstag oder FischWochen spielen eine immer größere Rolle. Wichtig ist die persönliche Betreuung, der persönliche Bezug zum Gast. Gut ist es auch, wenn die Leute wissen, was sie erwartet, wofür das Lokal, das Hotel steht. Wir sind zum Beispiel das erste Hotel in St. Pölten mit dem österreichischen Umweltzeichen.

Vor welchen Herausforderungen stehen die Gastro-Betriebe in Zukunft?

Die Digitalisierung ist gut, allerdings auch eine Herausforderung. Und der Wettbewerb ist stärker geworden, auch mit den online­Bewertungen. Die sind oft ein Problem. Zum Beispiel wollte ein Gast zum Frühstück nicht das vorbereitete, sondern ein frisch gekochtes weiches Ei. Online hat er dann geschrieben, dass er fünf Minuten auf sein Ei warten musste.

Zahlreiche Gastronomen sind auch auf der Suche nach Mitarbeitern. Warum verlassen so viele Arbeitskräfte die Branche?

Da spielen oft private Probleme eine Rolle — die Gastronomie ist ein arbeitsintensives Feld, manchmal nicht familienfreundlich, manchmal mit unüblichen Arbeitszeiten. Der Vorteil: Die Arbeitszeiten in der Gastro sind flexibel, es sind wie überall anders 40 Stunden an fünf Tagen. Es ist wichtig, den Mitarbeitern Aufgaben zu geben und Verantwortung zuzutrauen. Das ist wichtig für die Zusammenarbeit und den gemeinsamen Weg.

Es ist extrem schade, dass Gastronomen in der Öffentlichkeit pauschal als kriminell und unseriös dargestellt werden.
ELENA RAMEDER

die Menschen vor und hinter der Bar glücklich machen müssen: ihre Gäste und ihre Mitarbeiter.“ Dabei gehe es nicht nur um Entlohnung, sondern um die Ausrichtung des Betriebes nach den Interessen des ganzen Teams. Was sollte sich also ändern? Christoph Essl: „Wir wünschen uns, dass sowohl finanziell als auch emotional honoriert wird, dass gut ausgebildete, ambitionierte Menschen dann arbeiten, wenn alle anderen frei haben, und diesen damit genussvolle und entspannte Stunden ermöglichen.“

Nicht alle Kellner und Köche halten den emotionalen und körperlichen Druck und die atypischen Arbeitszeiten im Gastgewerbe aus. In St. Pölten sind einige von der Bildfläche verschwunden – nur einer wollte mit uns reden.

Michael Glöckel nervt das Schlechtreden der Branche gewaltig. „Gute Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen werden gerne in andere Branchen abgeworben, weil deren Fähigkeiten wie Kommunikationstalent, Beschwerdemanagement und Stresstoleranz geschätzt werden.“ Es zahle sich aber eindeutig aus, wenn der Arbeitgeber versucht, den Mitarbeitenden entgegenzukommen und ihre Wünsche möglich macht.

POSITIVER BLICK

IN DIE ZUKUNFT

Wohin wandelt sich die Branche? Michael Glöckel vermutet, dass in Zukunft zwei Sparten stark wachsen werden. „Einerseits die Systemgastronomie und andererseits die Unternehmen, die klar transportieren können, wofür sie stehen und das dann auch konsequent durchziehen.“ Das sieht auch Werner Punz so: „Die Gäste sollen wissen, wofür wir stehen, unsere DNA erkennen.“ Und „die Wirte müssen an ihrem Qualitätsbewusstsein arbeiten“, so der Vinzenz Pauli-Wirt, der der Branche eine positive Zukunft voraussagt. Auch Elena Rameder vom Aelium ist überzeugt: „Die Gastronomie sollte gemeinsam versuchen, das großartige Handwerk in der Küche und am Kunden in den Vordergrund zu stellen, denn hier entsteht der Mehrwert für den Gast.“ Wie bei diesen beiden gehobenen Speiselokalen wird auch bei der Freizeit- und Erlebnisgastronomie gute Qualität eine große Rolle spielen, denkt Michael Müllner: „Die Zukunft liegt in mittelgroßen Locations, die hochwertige Unterhaltung und sportliches Freizeitvergnügen für Freunde und Familie bieten, dazu ein passendes Angebot an Getränken und Speisen.“ Trotz Digitalisierung bleibe der Mensch als Mitarbeiterin und Mitarbeiter ein wichtiger Faktor, damit sich der Gast wohlfühlt. „Das geht zwar nicht billig, aber es geht wertvoll und damit auch erfolgreich, wenn man langfristig denkt“, so Müllner.

Die Herausforderung liegt im Ausbalancieren von Kundenorientierung und unternehmerischem Denken.

Der verlorene Gastro-Mitarbeiter

Alexander Hammerschmid hat die HLW absolviert und ist gelernter Koch/Kellner.

Ich denke, dass sich die Gastronomie nach Covid enorm verändert hat, hauptsächlich in eine für Mitarbeiter aber auch für Kunden unfreundlichere Richtung. Außerdem führt die momentane Wirtschaftssituation sicher nicht dazu, dass mehr konsumiert wird.

In der Gastronomie zu arbeiten, vor allem im Nachtgeschäft, macht unfassbar viel Spaß, bringt leider aber auch viele Nachteile mit sich, vor allem gesundheitlich. Ich musste mich irgendwann entscheiden, ob mir meine Gesundheit oder der Beruf, der mir wirklich Spaß gemacht hat, wichtiger ist. Ich habe wirklich mit Herz und Seele im Nårrnkastl gearbeitet. Der Austausch mit den Kunden und das Bewirten der Gäste hat mich immer erfüllt. Aber wenn weder Wertschätzung, noch guter Gehalt, noch Arbeitsumfeld ansprechend sind und das auch so bleibt, kann ich mir kaum vorstellen, in die Gastronomie zurückzukommen, obwohl ich sie vermisse. Jetzt bin ich in der Unternehmensberatung tätig und genieße normale Arbeitszeiten.

Schon seit meiner Jugend bin ich serienbesessen. Ich schau sie nicht nur, ich morphe mich hinein. Für diese Auszeit vom eigenen Ich tauche ich komplett ab und fahre emotional Achterbahn durch Staffeln und Folgen. Parallel verschlinge ich die Bücher dazu, um die Welt künstlich zu verlängern – und weine, wenn die letzte Seite gelesen ist, weil ich weiß: Diese Tür ist jetzt zu.

Ich flog mit der Enterprise durch die Galaxis, suchte mit den Hobbits den Ring in Mordor, sprang mit Claire durch die Zeit ins schottische Hochmoor und las danach alle neun Outlander­Bände. So weit, so normal. Conventions, Merch, Fanseiten – wir sind viele.

Seit Weihnachten allerdings bin ich in einer für mich neuen Welt unterwegs – in der Welt von „Heated Rivalry“. Eigentlich wollte ich nur ein bisschen Liebe und Drama ­ und jetzt DAS!

Seite 10: Puls 120. Seite 61: Ich markiere Textstellen. Seite 100: Ich denke über ein Tattoo nach.

Das Problem: Ich kann mit niemandem darüber reden. Wer schaut schon freiwillig eine Low­BudgetRomanze aus Kanada über zwei rivalisierende Eishockey-Profis – im englischen Original – und liest dann auch noch die Bücher dazu?

Ich versuch’s trotzdem und locke meine Mädels: „Also diese Spannung in der Umkleidekabine …“ Stille. Eine nippt am Prosecco ... Na, dann nicht!

Wenn ihr mich sucht: Ich lieg am Sofa, Decke bis zur Nase. Draußen schneit’s, drinnen knistert’s. Ich bin in einem kanadischen Holzhaus und flüstere: „I’m coming to the Cottage.“

WAS BRAUCHT DIE ST. PÖLTNER GASTRO-ZUKUNFT?

„Ich sehe in St. Pölten viel Potenzial. Es braucht Dichte und Qualität“, ist Haubenwirt Werner Punz überzeugt. Tezcan Soylu ist, wie gesagt, überzeugt, dass die St. Pöltner Gastronomie schon bessere Tage gesehen hat. Nicht nur der allgemeine „Ich trink zuhause“-Trend sorge dafür, dass sein Café zum Beispiel an Montagen schon belebter war, auch die fehlenden Parkplätze am Domplatz seien dafür ein Grund. „Kunden, die von auswärts kommen, haben damit ein Problem. Der Domplatz war für sie Anlaufstelle, sie haben hier geparkt und dann ihre Sachen erledigt.“ Der Wellenstein-Wirt wünscht sich Ersatz für die autofahrenden Gäste, und er wünscht sich fördernde Unterstützung von der Stadt, auch für die erfolgreiche Initiative der Herrenplatz-Gastronomen:

„Zusätzlich fehlen die kleinen Feste, die Kulturinitiativen in den Lokalen, die von der Stadt organisiert werden sollten. Kommunikation und Kontakt gehören gefördert, Genuss gehört gefördert, sonst vereinsamen die Leute“, appelliert Tezcan Soylu an die Politik und an die Stadtverwaltung.

Von dieser ist auch Herrenplatz-Cafetier Michael Glöckel enttäuscht, weil die Schanigartengebühren von einem Jahr auf das andere verdoppelt wurden. Dadurch seien in den letzten Jahren die Margen auf eine homöopathische Dosis zusammengeschrumpft. „Das bedeutet aber auch, dass kleine Fehler, ein verregneter Sommer oder eine Baustelle vor deiner Haustür ein Unternehmen in ernsthafte Bedrängnis bringen können“, so Glöckel: „Das ist weder hilfreich noch wertschätzend für die Arbeit, die wir für die Belebung der Innenstadt machen.“

Wenn die Arbeit in der Gastronomie wirklich so schlecht wäre, würde es uns wohl nicht gelingen, unsere Mitarbeiter wie Thien (im Bild) im Café Schubert so lange zu halten.
MICHAEL GLÖCKEL

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DIE SCHWERE GEBURT DES ELEKTRO-LUP

Die Lebenszeit des alten LUP-Modells läuft aus. Über ein neues Modell gibt es noch keine politische Einigkeit. Die St. Pöltner Stadtregierung und Verkehrslandesrat Udo Landbauer schoben sich im Wahlkampf und auch danach gegenseitig den schwarzen Peter zu.

Mit zuletzt fünf Millionen jährlichen Fahrgästen ist der LUP-Bus ein Erfolgsmodell. Weit weniger sicher ist jedoch, wie es ab September 2027 weitergeht, wenn das bisherige LUP-Modell ausläuft und ein Nachfolger gefunden werden muss. Das bisherige LUP-Modell wurde unter anderem durch eine Drittelfinanzierung zwischen Bund, Land und Stadt möglich, für das künftige gilt selbiges. Und genau an diesem Punkt hakt es aus Sicht der St. Pöltner Stadtregierung. „Der zu-

ständige Verkehrslandesrat und Landeshauptfrau-Stellvertreter Udo Landbauer hält seit Monaten die Finanzierungszusage für die Neuausschreibung des LUP zurück“, erklärt der für den Verkehr in St. Pölten zuständige Vizebürgermeister Michael Kögl. Ohne Förderzusage vom Land sei eine Ausschreibung „unverantwortlich“. Dabei läge ein fertiges Konzept, welches gemeinsam mit der landeseigenen Niederösterreichischen Verkehrsorganisationsgesellschaft (NÖVOG) erarbeitet wurde, seit März 2024

vor. Vonseiten des Büros Landbauers bestätigt man zumindest soviel: „Bislang liegen mehrere Planungsvarianten vor. Diese haben einerseits den reinen Dieselbusbetrieb und andererseits den vollständigen E-Busbetrieb sowie unterschiedliche Angebotsniveaus zum Inhalt.“ Die Stadt St. Pölten müsse sich für eine der Varianten entscheiden. „Eine Festlegung seitens der Stadt St. Pölten, welche dieser Angebotsvarianten ausgeschrieben werden soll, ist bisher noch nicht gefallen“, heißt es weiter seitens des Verkehrslandesrats. Für die NÖVOG bestätigt Pressesprecher Georg Huemer, dass seine Organisation „viele mögliche Konzepte parat habe“, jedoch noch kein konkretes Konzept vorlegen könne, weil es „von der Stadt St. Pölten noch keinen öffentlichen Auftrag dazu gibt.“ Und vonseiten der Stadt heißt es auf MFG-Bitte um Vorlage des Kon-

zeptes: „Der entsprechende Antrag wird zur Beschlussfassung planmäßig Ende März im Gemeinderat und davor im Ausschuss vorgelegt sowie entsprechend diskutiert und öffentlich beschlossen. Bis dahin veröffentlichen wir keine Planungen und Details zum jetzigen Stand.“ Spannendes Detail diesbezüglich: Laut NÖ Nahverkehrsfinanzierungsprogramm muss ein Förderantrag (ohne welchen es keine Förderzusage geben kann) bereits einen Gemeinderatsbeschluss beinhalten.

LANDBAUER SIEHT MÖGLICHKEIT FÜR WEITEREN

DIESELBUSBETRIEB

Landbauer sagt, dass „die teuerste Variante mit Mehrkosten von 10 Millionen Euro angesichts der angespannten Budgetsituation nicht im gewünschten Umfang gefördert werden kann.“ Gemeint ist der vonseiten der Stadtregierung angestrebte Wechsel auf voll elektrifizierte Busse. Sie beruft sich dabei auf die „clean vehicles directive“ der EU, welche bei Neuanschaffungen ab 2030 90 Prozent und ab 2035 sogar 100 Prozent Elektro-Busse vorsieht. „E-Busse werden laufend günstiger, bei Dieselbussen ist es genau anders herum. Beispiele aus Niederösterreich und Salzburg zeigen, dass E-Busse im Betrieb nicht teurer sind“, kontert man dem Kostenargument Landbauers. Außerdem fördere der

Wer auf E­Busse verzichtet, verzichtet auf Millionen an Fördergeldern.

BÜRGERMEISTER MATTHIAS STADLER

Ohne Förderzusage vom Land ist eine Ausschreibung unverantwortlich.

VBGM. MICHAEL KÖGL (SPÖ)

Ein Stadtbusverkehr kann rechtskonform weiterhin auch als reines Dieselbussystem ausgeschrieben und betrieben werden.

LANDESRAT UDO LANDBAUER (FPÖ)

Bund 80 Prozent der Mehrkosten für E-Busse. „Wer auf E-Busse verzichtet, verzichtet auf Millionen an Fördergeldern“, betont Bürgermeister Matthias Stadler. Dass die EU-Verordnung eine zwingende Vollelektrifizierung des LUP ab 2027 mit sich brächte, sieht man im Büro Landbauers anders: „Es ist richtig, dass es eine EU-Verordnung gibt, welche die schrittweise Umsetzung von sauberen Antrieben vorsieht.“ Würden die Dieselbusse jedoch als Klasse 2-Busse (Niederflurbusse) in die Leistungsbeschreibung aufgenommen werden, wären diese EU-konform, weil Klasse 2-Busse nicht unter die EU-Verordnung fallen, beschreibt Landbauer unter Berufung auf die NÖVOG-Rechtsabteilung.

Wer den LUP-Streit für wahlkampfbedingte Polit-Fetzerei gehalten hat, wurde eines Besseren belehrt. Die Fronten zwischen Land NÖ und St. Pölten sind nach der Wahl verhärtet wie davor. NÖVOG-Sprecher Huemer betont zwar, dass der verbliebene Zeitraum bis August 2027 für die Planung, aber vor allem die rechtskonforme Ausschreibung bereits recht knapp sei, glaubt aber auch, dass es zu einer positiven Lösung kommen werde. Wie eingangs erwähnt, geht es bereits um fünf Millionen (und künftig wohl noch mehr) jährliche Fahrgäste. Ein Scheitern des LUP 2027 wäre für alle Beteiligten wohl ein zu großer politischer Schadensfall.

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DER NEUE KOMMANDANT

Alles begann als 10-Jähriger mit einem Besuch der Stadtfeuerwehr St. Pölten vor gut einem Vierteljahrhundert.

Heute ist Mateusz Fryn ebendort zum neuen Stadtfeuerwehrkommandanten gewählt worden.

Ganz banal gefragt: Wie landet man eigentlich bei der Feuerwehr?

Also für mich hat tatsächlich alles genau hier in der Goldeggerstraße mit 10 Jahren begonnen. Wir haben damals mit der Volksschule die Stadtfeuerwehr besucht, was mir extrem getaugt hat. Als ich nachhause gekommen bin, hab ich zu meiner Mama gesagt: „Ich werde Feuerwehrmann!“ Sie hat nur mild gelächelt und gemeint „jaja“, weil in dem Alter ja alle irgendwann mal Feuerwehrmann werden möchten.

Wie schwer oder leicht ist es eigentlich heute, noch Kids für die Feuerwehr zu begeistern?

Da erleben wir interessanterweise im positiven Sinne gerade ein Paradoxon. Nach Corona haben wir ja befürchtet –worüber fast alle Vereine geklagt haben –dass die Zahlen einbrechen werden. Tatsächlich gingen die Eintritte aber durch die Decke! Das ist, denke ich, auch gesellschaftspolitisch eine gute Nachricht, weil die Kinder bei uns ja ein Handwerk – und das Feuerwehrwesen ist ein solches – erlernen, fernab vom ausschließlichen Digital- und Handykonsum, und

sie hier Kameradschaft erleben und leben. Geholfen hat wohl auch, dass wir vor einigen Jahren eine eigene Kinderfeuerwehr für die acht- und neunjährigen ins Leben gerufen haben, wo man eher noch spielerisch mit den Themen Sicherheit, Feuer, Notruf etc. umgeht, während dann erst bei den Jugendlichen ab 10 das Handwerkliche, die Übungen im Vordergrund stehen.

Gibt’s bei euch auch den klassischen „Pubertätsknick“, wo viele aufhören?

Tatsächlich bleiben eigentlich sehr viele der Feuerwehr verbunden. Natürlich merken auch wir, dass während der Pubertät der Kontakt mitunter geringer wird – aber er reißt meistens nicht komplett ab, und nach der ersten Freundin, dem ersten Freund treten auch viele wieder verstärkt in den aktiven Dienst ein, einfach weil ihnen die Freundschaft und Kameradschaft der Feuerwehr so wichtig ist, sie den Sinn der Aufgabe sehen und das als Bereicherung schätzen.

Kameradschaft ist ja einer DER Kernbegriffe, die man mit der Feuerwehr assoziiert – woher rührt euer Zusammengehörigkeitsgefühl?

Tatsächlich ist die Feuerwehr so etwas wie eine zweite Familie. Man gibt sich gegenseitig Rückhalt, hält zusammen – egal was passiert. Das hat sicher auch mit dem Dienst zu tun, weil man sich ja komplett aufeinander verlassen und einander vertrauen muss. Meine Aufgabe als Kommandant ist es unter anderem, dieses Feuer am Brennen zu erhalten, gemeinsam mit dem Team Ziele zu formulieren und ein insgesamt positives Umfeld zu schaffen, damit sich alle gerne an den Einsätzen beteiligen und sich in der Familie sozusagen wohlfühlen. Dies gilt im Übrigen auch für die Angehörigen unserer Mitglieder.

Das heißt sie sind auch Teil der Feuerwehrfamilie?

Ja, weil ohne das Verständnis der Partnerinnen und Partner wäre unser System schlicht nicht aufrecht zu erhalten. Feuerwehr ist ja kein klassisches Hobby, wo du zu fixen Zeiten ein-, zweimal die Woche trainierst und am Wochenende vielleicht ein Match hast, sondern du kannst jederzeit zum Einsatz gerufen werden, auch nachts, auch am Wochenende. Das verlangt den Partnern viel ab und bedarf großer Toleranz, weshalb die Kameradschaftspflege natürlich auch die Angehörigen umfasst.

Verständnis erwartet die Gesellschaft aber auch von den Arbeitgebern im Hinblick auf die Freistellung der Feuerwehrleute. Wäre da eine gesetzliche Verpflichtung hilfreich?

Das ist natürlich ein schwieriges Thema, weil Firmen – die ja in einem Wettbewerb stehen und aufs Wirtschaftliche schauen müssen – verständlicherweise nicht „Hurra“ schreien, wenn sie die Mitarbeiter für den Dienst freistellen –zumal bei einer so großen Feuerwehr wie der unseren, wo das schon öfter im Jahr vorkommen kann. Wir versuchen deshalb bewusst bei kleineren Einsätzen zuerst die Bediensteten und die Zivildiener einzusetzen, um die Freiwilligen zu entlasten. Von einem gesetzlichen Zwang halte ich aber gar nichts, das wäre eher kontraproduktiv, weil manche Firmen dann vielleicht Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr gar nicht erst anstellen. Ein sinnvoller Hebel könnten eher Anreize für kooperative Unternehmen sein, etwa in Form von Steuererleichterungen.

Das liebe Geld ist natürlich auch im Feuerwehrwesen mit seinem hochwertigen Spezialequipment immer ein Thema – wie sieht es mit der Finanzierung aus?

Die Feuerwehr ist so etwas wie eine zweite Familie. Man gibt sich gegenseitig Rückhalt, hält zusammen – egal was passiert.
MATEUSZ FRYN

Zur Person

Mateusz Fryn wurde 1989 in Polen geboren und kam mit neun Jahren nach Österreich. 2010 trat er in die Feuerwehrjugend in St. Pölten ein.

Nach Volks- und Hauptschule machte er eine Elektriker-Lehre bei Klenk & Meder. 2011 wurde er Magistratsbediensteter bei der Stadtfeuerwehr St. Pölten. 2023 avancierte er zum Abschnittsfeuerwehrkommandanten St. Pölten, 2024 wurde er Leiter der Bereichsalarmzentrale St. Pölten, 2026 folgte er schließlich Didi Fahrafellner als Stadtfeuerwehrkommandant nach und kandidiert als Bezirksfeuerwehrkommandant.

Insgesamt hat Fryn bereits über 3.500 Einsätze in seiner Laufbahn absolviert. Der 36-jährige und seine Partnerin sind Eltern eines dreijährigen Sohnes. Seine rare Freizeit genießt er im Kreis der Familie und beim Fischen „da insbesondere Karpfenfischen, wo ich einfach nur dort sitze, die Natur genieße, für mich allein bin und den Kopf frei bekomme.“

Was viele glaub ich nicht wissen – rund ein Drittel der Kosten, etwa bei Neuanschaffung eines Fahrzeuges, müssen wir selbst stemmen.

MATEUSZ FRYN

Die nächsten Jahre werden im Hinblick auf die allgemeine budgetäre Lage sicher nicht einfacher. Ich bin froh, dass sich die Stadt St. Pölten – trotz eigenen Sparkurses – ganz klar dazu bekannt hat, im Sicherheitsbereich nicht einzusparen. Zugleich wissen wir aber, dass auch Bund und Länder finanziell zu kämpfen haben, man weiß also nicht, was kommt. Fakt ist, dass wir wie alle anderen mit steigenden Kosten, etwa bei Strom, Heizung, Fahrzeugen etc. konfrontiert sind. Wir müssen also noch stärker danach trachten, Gelder zu lukrieren, Spenden einzusammeln, denn – was viele glaub ich oft nicht wissen – rund ein Drittel der Kosten, etwa bei Neuanschaffung eines Fahrzeuges, müssen wir selbst stemmen.

Ärgern Sie sich dann über bisweilen aufkommende Stimmen, die meinen „Warum brauchen wir in jedem Kaff eine eigene Feuerwehr mit eigenem Fuhrpark?“ Natürlich wünschte ich mir diesbezüglich mehr Wertschätzung, aber es hat wohl auch damit zu tun, dass manche unser System, das wirklich seinesgleichen in Europa sucht, nicht kennen.

Zunächst sind wir lauter eigenständige Feuerwehren. Das heißt, dass die Feuerwehrleute direkt aus dem jeweiligen Ort kommen. Dadurch ist nicht nur eine enorme Verbundenheit gegeben, sondern auch eine sehr gute Kenntnis der Gegebenheiten vorort, was im Einsatzfall extrem wertvoll ist. Zum anderen: Wir brauchen dieses dichte Feuerwehrnetz, wenn wir unseren hohen Standard halten möchten – es gibt also bestimmt nicht zu viele Feuerwehren! Denken wir allein an das letzte Hochwasser – jede Feuerwehr in St. Pölten, im gesamten Feuerwehrbezirk, aus Niederösterreich war im Einsatz! Wir mussten sogar Züge aus anderen Bundesländern anfordern, weil wir es allein nicht bewältigt hätten. Wir sprechen da von 2.000 Einsätzen innerhalb von 10 Tagen! Nur deshalb, weil wir eben breit aufgestellt sind, konnten wir noch größeren Schaden verhindern – daher sind derlei Stimmen für mich absolut unverständlich. Allein bei der Stadtfeuerwehr St. Pölten haben wir zu „normalen“ Zeiten drei bis vier Einsätze pro Tag, übers Jahr gesehen 1.200 bis 1.400!

Mit System meinen Sie Freiwillige gegenüber Berufsfeuerwehr?

Genau. In Österreich setzen wir stark auf Freiwillige Feuerwehren. Allein in Niederösterreich engagieren sich 108.000 Personen freiwillig in der Feuerwehr – das ist einzigartig in Europa und auf diese Solidarität und dieses soziale Engagement können wir wirklich stolz sein. Zugleich ist dieses System nicht nur kostengünstiger, sondern auch effizienter gegenüber einem reinen Berufsfeuerwehrwesen – nur dank der vielen Freiwilligen können wir überhaupt ein derart engmaschiges Netz aus Feuerwehren gewährleisten, ein entscheidender, oft lebensrettender Faktor, denn es macht halt einen Unterschied, ob du 50 Kilometer von einem Unfallort entfernt bist

und dorthin eine halbe Stunde brauchst, oder ob die nächstgelegene Orts-Feuerwehr in wenigen Minuten vorort ist und sofort mit ihren Rettungsmaßnahmen beginnt. Keine Frage, man kann sich immer verbessern, aber das „jedes KaffArgument“ ist leicht zu entkräften und wir können ruhigen Gewissens sagen, dass wir unverzichtbar sind – das brauchen wir auch niemandem beweisen, da spricht unsere Arbeit für sich selbst.

Unverzichtbar ist die Feuerwehr aber auch – über ihre reine Rettungsfunktion hinaus – in gesamtgesellschaftlichem Sinne, ja erscheint bisweilen so etwas wie ein sozialer Kitt zwischen den verschiedensten Gruppierungen. Worauf führen Sie das zurück? Weil wir auch viele gesellschaftswirksame und gemeinschaftsfördernde Angebote stellen – denken wir etwa an unsere Feste, an unsere Feuerwehrbälle, an unsere Jugendarbeit. Unser Vorteil, und das erklärt vielleicht die hohe Beliebtheit: Wir sind unparteiisch, haben also nichts mit Parteipolitik am Hut, ebenso wenig spielt Religion eine Rolle. Daher ist die Feuerwehr ein Ort, wo wirklich ALLE – eben egal welcher Partei, welcher Religion, welcher Schicht sie angehören mögen – zusammenkommen, gemeinsam Zeit verbringen und sich austauschen. Das ist schon eine wichtige einigende Funktion. In kleinen Ortschaften kommt diese soziale Funktion oft noch stärker zum Tragen, weil dort die Feuerwehr manchmal der letzte und einzige gemeinsame Treffpunkt im Ort ist. Das ist fürs Miteinander extrem wichtig!

Bezieht dieses Miteinander auch Menschen mit Migrationshintergrund ein? Gibt es erfolgreiche Integrationsgeschichten in der Feuerwehr?

Da bin ich selbst ein gutes Beispiel dafür! Ich bin ja erst mit neuneinhalb Jahren von Polen nach Österreich gekommen, hab dann mit zehn gleich bei der Feuerwehrjugend angefangen und wurde dort gut aufgenommen. Heute ist das meine zweite Familie. Mit Integration haben wir also gute Erfahrungen

Fryn hat Erfahrung aus über 3.500 Einsätzen. Im Bild oben als Einsatzleiter bei einem Kellerbrand 2023.

Der Wirkungsbereich von Kommandant Mateusz Fryn

Freiwillige Feuerwehr

St. Pölten Stadt

Ca. 200 Mitglieder

Zwischen 1.200 –1.400 Einsätze im Jahr. 2024 aufgrund des Hochwassers über 1.700 Einsätze!

Feuerwehrabschnitt

St. Pölten Stadt

23 Feuerwehren, davon

14 Freiwillige

6 Betriebsfeuerwehren

Unterabschnitt 1

FF St. Pölten-Pummersdorf

FF St. Pölten-Stadt

FF St. Pölten-Viehofen

FF St. Pölten-Waitzendorf

Unterabschnitt 2

FF St. Pölten-Oberradlberg

FF St. Pölten-Pottenbrunn

FF St. Pölten-Ragelsdorf

FF St. Pölten-Ratzersdorf

FF St. Pölten-Unterradlberg

Unterabschnitt 3

FF St. Pölten-Ochsenburg

FF St. Pölten-Spratzern

FF St. Pölten-Stattersdorf

FF St. Pölten-St. Georgen

FF St. Pölten-Wagram

Unterabschnitt 4

BTF Egger GmbH & Co. KG

BTF ÖBB Werk St. Pölten

BTF Salzer Papier GmbH

BTF Sunpor St. Pölten

BTF Voith St. Pölten

Unterabschnitt 5

BTF Landesklinikum St. Pölten

BTF NÖ Landhaus

BTF Spar St. Pölten

Ca. 1700 Mitglieder

Rund 5.000 Einsätze pro Jahr

Feuerwehrbezirk St. Pölten

126 Feuerwehren

über 6.700 Mitglieder

über 17.500 Einsätze

Il comandante! Die Stadtfeuerwehr zählt rund 200 Mitglieder, im Abschnitt

St. Pölten Stadt sind es ca. 1.700, im gesamten Bezirk rund 6.700!

gemacht, umgekehrt gibt es aber auch klare Grundanforderungen, die man erfüllen muss – Sprache ist etwa bei uns essenziell wichtig, weil ich es mir im Zuge von Einsätzen nicht leisten kann, unklar zu formulieren oder nicht verstanden zu werden. Ob also jemand für die Feuerwehr geeignet ist, muss man sich von Fall zu Fall anschauen, aber wir haben viele positive „Integrationsgeschichten“.

Definitiv geeignet im vermeintlichen „Männerverein“ Feuerwehr sind Frauen. Mit Nicole Gaschinger, der neuen Leiterin des Verwaltungsdienstes, hat es nun erstmals eine Frau ins Kommando der Stadtfeuerwehr geschafft. Ja, und darauf sind wir stolz! Die Geschlechterfrage spielt bei der Feuerwehr St. Pölten ja schon länger keine Rolle mehr – im Gegensatz zu ganz früher, da hat man sogar noch auf die Manneszucht geschworen (lacht). Heute sind Frauen aber voll integriert und – das sei auch festgehalten – ohne sie könnte man gar nicht das hohe Niveau aufrechterhalten. Das Feuerwehrwesen wird für das weibliche Geschlecht jedenfalls immer attraktiver, das sehen wir allein am Nachwuchs, wo die Mädls mittlerweile knapp über die Hälfte der Mitglieder ausmachen! Und ganz ehrlich: Eine Feuerwehrfrau kann ebenso viel leisten wie ein Feuerwehrmann – das sehen wir in unserer tagtäglichen Arbeit.

Bei tagtäglicher Arbeit denkt Otto Normalverbraucher ja zuallererst an Brände. Das Einsatz­Spektrum ist aber bedeutend umfassender. Im Grunde unterscheiden wir zwischen sogenannten technischen Einsätzen und Bränden. Technische wären etwa Tätigkeiten wie Auspumpen von Kellern und Häusern, die Rettung von Menschen, etwa auch nach Verkehrsunfällen, natürlich jede Art von Katastrophenschutzeinsätzen, aber zum Beispiel auch Tierrettung. Dazu kommt dann als zweite große Gruppe eben jene der Brandeinsätze. Manche Bürger halten uns fälschlicherweise aber leider für so eine Art Hausmeister der Nation, es kommt immer wieder vor, dass wir zu

Ich selbst habe nach meinem ersten Toten die Peergruppe in Anspruch genommen, weil mich das damals – vor allem als junger Mensch – sehr belastet hat.
MATEUSZ FRYN

Notfällen gerufen werden, die sich dann als tropfender Wasserhahn oder piepsender Heimrauchmelder in der eigenen Wohnung entpuppen, wo die Batterie gewechselt gehört. Das sollte man schon selber schaffen.

Spielt beim „Schaffen“ eurer eigenen Aufgaben mittlerweile KI eine Rolle? Könnte sie gar helfen, Personalengpässe zu kompensieren?

KI ist natürlich ein Thema, womit wir uns befassen, wobei ich sie aktuell eher als Hilfstool begreife, das uns etwa im Bereich der Logistik oder bei der Optimierung von Prozessabläufen im Hintergrund unterstützt. Den Feuerwehrmann, die Feuerwehrfrau wird sie so schnell nicht ersetzen, weil das Feuerwehrwesen ein Handwerk ist, und das wird es auch bleiben. Neue Technologien im Allgemeinen machen aber jedenfalls Sinn und werden auch angewandt. SPAR zum Beispiel setzt zur Überwachung seiner E-Motorroller Wärmebildkameras ein, die im Falle einer starken Erwärmung durch einen defekten Akku Alarm auslösen. Oder wir nutzen Drohnen, um etwa bei Waldbränden schneller Glutnester ausfindig zu machen. Wo also sinnvoll, kommen neue Technologien zum Einsatz. Umgekehrt wollen wir unsere Mitglieder aber nicht mit Technik überfordern. Es braucht nicht jeder einen Doktortitel zur Bedienung unseres Equipments – da ist oft weniger mehr!

Von KI zu Social Media­Auswüchsen. Wurdet ihr schon bei Einsätzen von Schaulustigen behindert, die etwa fotografiert haben? Behindert worden sind wir zum Glück noch nie, aber es ist schon eigenartig bis verstörend, wenn du vielleicht gerade jemanden aus einem Auto schneidest, Erste Hilfe leistest – was oft schreckliche Bilder sind – und auf der Nebenfahrbahn fotografiert das jemand beim Vor-

Feuerwehrhandwerk von der Pieke auf: Fryn bei einer Übung der Feuerwehrjugend 2004 (o), Brandeinsatz 2006 (u).

beifahren. Ich denke, aus ethischer wie moralischer Sicht sollte eigentlich jedem klar sein, dass das pietätlos ist.

Wie geht man persönlich mit den schrecklichen Bildern, mit teils traumatisierenden Einsätzen um?

Im Einsatz selbst realisierst du das Tragische meist gar nicht, da funktionierst du einfach – die bedrückenden Bilder kommen dann erst nachher. Da ist es wichtig, das Gespräch mit den Kolleginnen und Kollegen zu suchen, auch mit der Familie, um das Erlebte zu verarbeiten. Zudem haben wir, wenn man es sozusagen nicht so einfach los wird,

sogenannte Peers, das sind ausgebildete Kolleginnen und Kollegen, die einen psychisch begleiten und im Fall der Fälle auch zu weiterführenden Ärzten weiterleiten. Das ist schon enorm wichtig und wertvoll. Ich selbst habe nach meinem ersten Toten die Peergruppe in Anspruch genommen, weil mich das damals – vor allem als junger Mensch – sehr belastet hat. Mit der Erfahrung und dem Alter schleift sich das besser ein, lernt man damit besser umzugehen und zu akzeptieren, dass das einfach zum Feuerwehrwesen, zum Leben dazugehört.

Was war Ihr persönlich schlimmster Einsatz in all den Jahren? Sicher die Gasexplosion in der Munggenaststraße 2010, sowohl im Hinblick auf den Verlauf des Einsatzes, als auch im Hinblick auf die tragischen Folgen. Damals sind fünf Menschen gestorben.

Ist da im Hinterkopf auch der Gedanke, dass einem selbst etwas zustoßen könnte? Feuerwehreinsätze sind ja nicht ungefährlich. Eigentlich nicht. Ich bin jetzt seit 25 Jahre dabei und mir ist bis jetzt nichts passiert. Das liegt auch daran, dass eine klare Prämisse der Feuerwehr lautet, dass der Eigenschutz vorgeht, dass man die Mannschaft nicht gefährden darf. Passieren kann natürlich immer etwas, aber so ist das Leben insgesamt. Ich könnte jetzt rausgehen und am Zebrastreifen überfahren werden. Ein Restrisiko bleibt also, man sollte sich aber von Klischeebildern à la Hollywood-Blockbustern wie „Backdraft“ verabschieden.

Was würden Sie den Bürgern im Hinblick auf Vorsorge raten? Also das Banalste, aber zugleich Wichtigste sind Heimrauchmelder. Ebenso machen Feuerlöscher Sinn. Das sollte sich jeder leisten, weil man damit wirklich Leben retten kann.

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AKTUELL KEINE WARTELISTEN BEI KINDERBETREUUNG

Auch das Thema „Kinderbetreuung“ geriet in den politischen

Wirbelsturm des St. Pöltner Wahlkampfes. Während die

Stadt Fortschritte im Rahmen der Kindergartenoffensive 2024 betont, sehen andere noch Lücken. Vor allem bei

Tagesbetreuungsplätzen für Kinder unter zwei Jahren.

Für die meisten Österreicher sind zwei Arbeitseinkommen nötig, um die eigene Familie finanziell durchzubringen. Deshalb sind viele Eltern bereits gegen Ende der Karenzzeit auf der Suche nach einem Platz in einer Kinderkrippe, wo Kinder im Alter bis zum dritten Geburtstag betreut werden. Im Wahlkampf musste sich die Stadt St. Pölten diesbezüglich einiges an Kritik anhören. „St. Pölten hinkt bei der Betreuung von Unter-Zweijährigen hinterher“, behauptete etwa ÖVP-Oppositionspolitiker Florian Krumböck. „Das belegt die Statistik.“ Zuvor war bekannt geworden, dass die Plätze im Kinderhaus der (SPÖ-nahen) Volkshilfe ab Herbst 2026 Geschichte sein werden.

NEUE TAGESBETREUUNGSGRUPPEN AN SECHS STANDORTEN

Der (wiederum ÖVP-nahe) Familienbund legte daraufhin Pläne vor, mit denen im ehemaligen Kolpinghaus an der Promenade drei Kindergruppen mit insgesamt 45 Plätzen geschaffen werden könnten. Gespräche zwischen Magistrat und Familienbund im Dezember endeten jedoch mit einer städtischen Absage. Herrscht in St. Pölten nicht Mangel an Kinderbetreuungsplätzen? „Nein“, heißt es in einer Beantwortung einer MFG-Anfrage seitens der Stadt. Hier betont man die Fortschritte im Ausbau der Kinderbetreuung im Rahmen der „Kindergartenoffensive 2024“: „In den

Kindergärten Wiesnergasse, Karl PefferGasse, Ludwig-Stöhr-Straße, Mooshöfer-Gasse, Trogergasse und Dr. Rudolf Kirchschläger-Straße wurde jeweils eine Tagesbetreuungsgruppe baulich umgesetzt und von der Stadt vorfinanziert.“ (Projekte der Kinderbetreuung werden vom Land stets nachträglich gefördert.)

Die Gruppe in der Trogergasse wird mit April 2026, jene in der Dr. Rudolf Kirchschläger-Straße mit September 2026 in Betrieb gehen.

Insgesamt gehe es um 25 neue Kindergartengruppen, von denen 12 Kleinkindergruppen für Kinder ab zwei Jahren sind und fünf neue Standorte für Tagesbetreuungeinrichtungen (TBE) von Kindern unter zwei Jahren. „Außerdem wurden mit Jahresbeginn 2026 die drei Tagesbetreuungs-Gruppen im Volkshilfe-Kinderhaus für Kinder ab dem ersten Geburtstag durch die Stadt übernommen“, heißt es weiter. Die Stadt bestätigt, dass die Kindergartenplätze für das Kindergartenjahr (KGJ) 2025/26 „sehr gut ausgelastet“ seien. Dies betreffe sowohl die Gruppen mit Kindern über, wie auch jene mit Kindern unter drei Jahren, und städtische wie auch private Plätze. So erwarte man in dieser Periode 1.994 Anmeldungen. Jene Anmeldungen für Kinder unter drei Jahren seien mit 470 um 77 im Vergleich zum KGJ 2024/25 gesunken. Auch in den TBEs für Kinder unter zwei sei eine „sehr gute Auslastung“ gege-

Gab es im September 2024 noch lange Wartelisten, hatte im Februar 2026 jedes Kind einen Platz.

ben. In St. Pölten gibt es 75 städtische und 120 von Stadt und Land geförderte TBE-Plätze. Hier scheint die Anzahl der Plätze nach Angaben des Stadt fast exakt die Nachfrage zu treffen. „Mit Stand Mitte Februar wurde allen bisher angemeldeten Kindern (Kindergarten und TBE) ein Platz in einer St. Pöltner Bildungseinrichtung zugeteilt“, heißt es auf Nachfrage. Einzelne Eltern hätten diesen aber abgelehnt, weil sie nur eine bestimmte Einrichtung wollen. Nur in diesen Fällen wurden Kinder auf Wunsch der Eltern auf Wartelisten gesetzt.

FAMILIENBUND MIT SKEPSIS

Im eingangs erwähnten Gespräch mit dem Familienbund habe die Stadt dargelegt, dass der Bedarf aufgrund der oben geschilderten Ausbautätigkeiten im Rahmen der Kindergartenoffensive gedeckt sei. „Frau Irene Bamberger (Obfrau des Familienbundes NÖ) bedankte sich für das Gespräch und gab an, dass sie nicht in Kenntnis der aktuellen Betreuungssituation war und deswegen auch die aktuelle Haltung der Stadt bezüglich der finanziellen Aussicht und der budgetären Sicherheit versteht. Es wurde eine Wiederaufnahme des Gespräches vereinbart, sobald sich ein weiterer gesicherter Bedarf und eine gesicherte Finanzierung

ergibt“, lässt die Stadt wissen. Beim Familienbund klingt das auf Anfrage des MFG-Magazins ein bisschen anders. „Dass die Situation bei Tagesbetreuungseinrichtungen in St. Pölten gedeckt sei, stellen wir infrage“, zeigt sich Irene Bamberger skeptisch. Sie verweist darauf, dass der Familienbund in umliegenden Gemeinden immer wieder Anfragen von Eltern aus dem Gebiet St. Pölten Stadt bekommt, welche für ihre unter zweijährigen Kinder keinen Platz bekommen hätten. „In kleineren Gemeinden gibt es 30 TBE-Plätze für Kinder zwischen einem und zwei Jahren auf 5.000 Einwohner. Ein solcher Anteil ist in der Stadt St. Pölten nicht gegeben“, sagt Bamberger weiter. Bei 195 städtischen und geförderten TBE-Plätzen auf circa 60.000 St. Pöltnern, wären das etwa 16 Plätze auf 5.000 Einwohner. „Das ist nur meine persönliche Sichtweise, aber ich glaube außerdem, dass in kleineren Gemeinden die Familienstruktur stärker so aussieht, dass Kinder in dem Alter noch familiär betreut werden, als in städtischem Gebiet, wo eher auf institutionelle Betreuung zurückgegriffen wird.“ Weiter verweist sie darauf, dass die von der Volkshilfe durch die Stadt übernommenen TBE-Gruppen mit September 2026 enden, wie auch

medial berichtet wurde. Das Angebot für 45 Betreuungsplätze für Kleinkinder im Kolpinghaus sei nach wie vor aktuell. Genaue Details zu den räumlichen und organisatorischen Umständen eines solchen Projekts im Kolpinghaus könne Bamberger zwar noch nicht geben. „Die Öffnungszeiten passen sich grundsätzlich den Bedürfnissen der Eltern an, sollen sich aber von Montag bis Donnerstag von 7.00 bis 17.00 Uhr, freitags von 7.00 bis 14.00 Uhr erstrecken“, teilt Bamberger mit. Die Gesamtfläche der zur Verfügung stehenden Räumlichkeiten beträgt 384 m². Die räumliche Lage sei durch die „perfekte öffentliche Anbindung“ für viele Eltern von Vorteil. Durch die Schließung des Kindergartens in der Klostergasse wäre nach Bamberger auch wieder eine zentrale Kinderbetreuung für die Familien gewährleistet.

Die Zahlen zeigen: Die Kindergartenoffensive 2024 hat Fortschritte gebracht. Gab es im September 2024 noch 60 Zweijährige, die auf Wartelisten standen, hätten aktuell alle Kinder einen Platz. Die TBEs seien „sehr gut ausgelastet“, aber auch hier habe jedes Kind einen Platz bekommen. Mangel? Nein. Ob das System knapp an der Kante genäht ist, wie manche Kritiker meinen –das steht auf einem anderen Blatt.

Im Zuge der „Kindergartenoffensive 2024“ wurden 25 Kindergartengruppen, davon 12 Kleinkindergruppen für Kinder ab zwei und fünf Tagesbetreuungseinrichtungen für Kinder ab einem Jahr von der Stadt St. Pölten baulich umgesetzt und vorfinanziert.

ENTWEDER ODER

Es ist wohl eine der schlimmsten Horrorvorstellungen überhaupt: Eingesperrt im eigenen Körper, völlig gelähmt, bei vollem Bewusstsein. Attila Molnár hat diesen Höllenritt durchgemacht – 2020 erkrankte er am GBS Syndrom und brauchte Monate, um sich wieder in die Normalität zurückzukämpfen. Nun hat er ein Buch darüber veröffentlicht –ein Akt der Selbsttherapie, ebenso eine lesenswerte Lektüre für uns alle, die wir uns allzu oft im Banalen verlieren.

GBS hat bei dir klassisch begonnen. Leichtes Kribbeln in den Füßen, ein Gefühl von Schwäche, erste Lähmungserscheinungen, die sich immer weiter im Körper von unten nach oben ausgebreitet haben, bis du ein paar Tage später auf der Intensivstation gelandet bist und ums Überleben gekämpft hast.

Auf der Intensivstation war ich – wie ich später erfahren habe – 10 Tage lang. Mir ist es aber vorgekommen wie eine Ewigkeit. Ich habe völlig das Zeitgefühl verloren, wusste nicht mehr, ob etwas Minuten, Stunden, Tage dauert, ob es Tag ist oder Nacht. Das hatte auch damit zu tun, dass ich mein Sehvermögen eingebüßt habe, nur mehr Schemen wahrnehmen konnte – und das bei offenen Augen, die konnte ich nämlich nicht schließen, was furchtbar gebrannt hat – manchmal gaben mir die Pfleger ein nasses Tuch darauf zur Kühlung und zur Abdunkelung. Probier das einmal aus, leg dich ins Bett und versuche dich nicht zu rühren, die Augen dabei starr offen zu halten – das schaffst du keine drei Minuten.

Wie kann man sich die Schmerzen bei GBS überhaupt vorstellen?

Die Schmerzen sind extrem. Sie waren anders, als alles, was ich bisher gekannt hatte, weil es Nervenschmerzen waren, die den ganzen Körper zugleich betroffen haben. Jede Berührung hat furchtbar weh getan, ich konnte nicht einmal eine Decke aushalten – das kannst du dir vorstellen, wie ganz kleinen Glasbruch, Minisplitter, in die dein Körper fest hineingedrückt wird. Da gab es schon oft Momente, in denen ich dachte – nein, das halte ich nicht mehr aus, ich möchte nicht mehr, ich schaffe das nicht.

Wobei die Schmerzen das eine sind, das andere, dass du vom Kopf weg gelähmt warst bei vollem Bewusstsein. Was war das Schlimmste?

Alles zusammen war schlimm. Abgesehen von den Schmerzen natürlich diese absolute Hilflosigkeit, dieses Ausgeliefertsein, die Angst und Panik – was,

wenn das jetzt so bleibt? Was, wenn es das überhaupt gewesen ist mit mir? Anfangs wusste ich ja noch nicht einmal, was ich habe. Dazu kam – das war komischerweise das Unangenehmste – ein schreckliches Schamgefühl, dass ich den Pflegerinnen und Pflegern zur Last falle, sie störe. Ich hab oft, als ich dann später schon die Glocke drücken konnte, die Sekunden zwischen den Rufen ge-

In einem monatelangen Kampf musste Attila Molnár – „wie ein Baby“ – alles wieder neu lernen.

GBS

zählt, versucht, es hinauszuzögern. Eine Sekunde und noch eine und noch eine … bis es nicht mehr gegangen ist. Ich hab mir gedacht, die müssen mich schon hassen, weil ich ständig etwas brauche.

Wobei du im Buch ja ein Loblied auf deine Pflegerinnen und Pfleger singst, sie als deine „Engel“ bezeichnest.

Das waren Sie auch! Ich hab mir oft gedacht: Schon klar, wir als Kranke leiden, aber was bedeutet das eigentlich für die Pfleger, wenn sie uns tagtäglich so sehen, wenn sie mit uns mitfühlen, erkennen, wenn es uns schlecht geht. Was für eine enorme Belastung! Trotzdem kümmern sie sich um dich, helfen dir, muntern dich auf – manchmal reicht schon eine kurze Ansprache, auch wenn du nicht antworten kannst, oder eine Hand, die sie dir auf die Schulter legen, so dass du weißt, du bist nicht allein.

Du beschreibst in deinem Buch sehr eindringlich, wie sich deine ganze Wahrnehmung der Realität sukzessive verändert, in dir. Ich bin in eine Art Dämmerzustand verfallen, war aber bei vollem Bewusstsein, wobei es sicher Phasen gab, in denen ich halluziniert habe. Eine einzige Achterbahnfahrt. Hoffnung wechselte

Das Guillain-Barré-Syndrom (GBS) ist eine Autoimmunerkrankung, die sich gegen das periphere Nervensystem richtet. Dieses ermöglicht uns zu fühlen und uns zu bewegen.

Bei GBS greifen Abwehrstoffe (Antikörper) irrtümlich die die Nervenfasern umhüllende Myelinschicht an. Dadurch können die Nervenzellen Informationen des Gehirns nicht mehr richtig übertragen.

GBS beginnt in der Regel mit Schwäche und Kribbeln in den Beinen, das sich auf den Oberkörper und die Arme ausbreiten kann und zu Lähmungserscheinungen führt. In schweren Fällen kann es bis hin zur lebensbedrohenden Lähmung der Atemmuskulatur kommen.

Die genauen Ursachen für das GBS sind bis heute nicht vollständig geklärt, häufig wird diese Reaktion durch Infektionen von unterschiedlichen Erregern wie Bakterien und Viren ausgelöst. Das GBS tritt jährlich bei ein bis zwei Personen pro 100.000 auf.

Ohne meine Kindert hätte ich nicht die Kraft gehabt, das durchzustehen.
ATTILA MOLNÁR

mit Phasen tiefster Verzweiflung. Ich machte mir auch große Selbstvorwürfe – jetzt werde ich vielleicht sterben, aber was habe ich zurückgelassen? Was habe ich bisher zusammengebracht im Leben? Das soll alles gewesen sein? Ich habe mit mir Zwiegespräche geführt: Die eine Seite hat geschimpft, Vorwürfe gemacht, die andere kalmiert, sich gerechtfertigt. Manchmal erfasste mich auch ein Gefühl unendlicher Traurigkeit, ganz tief in mir drinnen, so dass mir alles egal wurde, ich alles einfach nur loslassen wollte – doch dann dachte ich wieder an meine Kinder, dass ich sie wieder sehen möchte, wieder in die Arme nehmen möchte – das hat meinen Lebenswillen erhalten. Ohne sie hätte ich nicht die Kraft gehabt, das durchzustehen.

Letztlich – das ist eine Lektion für mein Leben insgesamt – läuft alles auf ein Entweder-Oder raus: Entweder du gibst dich auf, oder du kämpfst dagegen an, damit es so nicht bleibt.

Du hast die Achterbahn der Gefühle angesprochen. Ab wann hast du wieder richtig Hoffnung geschöpft?

Ein unglaublicher Moment war – da war ich nicht mehr auf der Intensivstation, sondern bereits auf der Neurologie – als ich das erste Mal geduscht wurde: Gereinigt im wahrsten Sinne des Wortes, denn genau so hat es sich angefühlt: als würde all das Furchtbare, all die Spannung, all die verfestigte Angst, all der Schmerz von mir abfallen und wegge-

schwemmt werden. Dieses Gefühl war herrlich und hat mir unglaubliche Kraft gegeben. Von da an ging es bergauf.

Wenngleich steil und mühsam, wie du schreibst.

Gut lässt sich das an der Bewegung nachvollziehen, die ganz langsam, Stück für Stück, zurückgekehrt ist: das erste leichte Zucken eines Fingers, dann die ganze Hand, die zweite Hand, Kopf aufrichten, die Augen, die wieder klar geworden sind, wodurch andere Ablenkungen –etwa Fernsehen – wieder möglich wurden, was auch sehr geholfen hat. Irgendwann der Rumpf, die Beine, die Füße bis ich schließlich im Rollstuhl sitzen konnte – ein Riesenschritt, und ich dachte mir, okay, selbst wenn es so bleibt, ist das schon großartig gegenüber vorher, damit könnte ich leben. Aus dem Rollstuhl wurde dann der Rollator, bis ich schließlich ganz ohne Hilfe gehen konnte. Und was für ein Glücksgefühl, als die Nasensonde endlich entfernt wurde – ich habe

einfach nur geweint vor Erleichterung, dass dieser Fremdkörper endlich aus mir raus ist. Auch mein Humor ist zurückgekehrt – auf meinem täglichen „Spaziergang“ durch die Station habe ich etwa immer mit einer Schwester High Five abgeklatscht. Schließlich der erste Spaziergang nach draußen. Jeder Millimeter, den ich mich mehr bewegen konnte, war ein Sieg, löste ein unbändiges Gefühl der Freude aus.

Das hat sich aber über Monate hingezogen, auch mit Rückschlägen. Ja, weil ich einfach alles wieder neu lernen musste – wie ein Baby, nur dass du eine Erinnerung daran hast, wie es sein soll. Aber du kannst nichts mehr, die Nervenbahnen müssen erst wieder aufgebaut werden – essen, trinken, reden, bewegen etc. Das hat schon sehr mein Bewusstsein, ja meine Dankbarkeit dafür geschärft, dass das alles nicht selbstverständlich ist. Heute atme ich jeden Tag in der Früh, wenn ich aufwache, ganz bewusst tief ein – das gibt mir enorme Kraft, weil ich einfach so froh bin, dass das wieder geht.

Für einen Außenstehenden klingt das alles unvorstellbar. Wie bringt man das auf die Reihe, vor allem auch psychisch? War das Buch ein Versuch, das Erlebte zu verarbeiten, und warum erscheint es erst jetzt, sechs Jahre später? Also begonnen habe ich damit schon relativ früh, eigentlich gleich nach meiner Entlassung, als ich die Reha in Allentsteig begonnen habe. Das war keine leichte Zeit damals. Noch dazu war Corona, ich war ziemlich isoliert, da hat das Schreiben geholfen. Und gedauert hat es solange, weil ich das Buch – das war wohl Teil der Selbsttherapie bzw. Beleg ihres Fortschrittes – sicher fünfmal überarbeitet habe. Die ersten Versionen waren noch sehr düster, voll Negativem, Anklagen, Leid – von dem konnte ich mich aber Stück für Stück befreien, so dass zuletzt dieser lebensbejahende Bericht daraus geworden ist. Heute bin ich sozusagen durch mit dem Thema, daher war die Zeit reif für einen Abschluss.

Ich will in Wahrhaftigkeit leben.

Entweder – Oder!

Weil du gesagt hast, am Anfang war es nicht leicht – warst du nicht glücklich, die Krankheit überstanden zu haben?

Natürlich. Aber als ich aus dem Krankenhaus gekommen bin, habe ich zunächst einmal mit Panik reagiert. Drinnen hatte ich eine vorgegebene Routine, war ich in Sicherheit – aber draußen war ich wieder auf mich allein gestellt, musste den Alltag bewältigen – das ging auch mit Existenzängsten einher: Wie soll es jetzt weitergehen mit mir? Was mache ich überhaupt? Das Leben hatte sich geändert. Und ich hatte mich auch geändert bzw. wollte es. Ich hab mir damals eine neue Frisur zugelegt, neue Kleidung, und ich kann mich noch gut erinnern – das war kurz nach der Reha und ich bin in der Küche gesessen – dass ich auf einmal aufgestanden und ins Nebenzimmer zu meiner damaligen Freundin gegangen bin und ihr gesagt habe, dass ich so nicht weitermachen kann. Das war schmerzhaft für uns beide, aber es war das, was ich tun musste. Ich wollte einfach mit offenen Karten spielen, niemanden mehr belügen – weder

jemand anderen, noch mich selbst. Ich will in Wahrhaftigkeit leben. Entweder – Oder!

Das klingt radikal. Blöd gefragt, aber weil du das auch im Buch sehr philosophisch abhandelst: Warst du nach dieser Erfahrung ein „neuer“ Attila, hat die Krankheit sozusagen dein wahres Ich, das immer schon tief in dir geschlummert hatte, erst freigelegt? Nicht neu – diesen Wesenszug hatte ich schon immer, auch schon vor der Krankheit. Ich hatte ja kein leichtes Leben. Daher war da oft der Wunsch, etwas zu verändern. Nur dachte ich immer, ich muss das Umfeld ändern – das hat aber nicht funktioniert. Denn solange du dich nicht selbst änderst, ändert sich gar nichts! Diese Erkenntnis hat sich durch die Krankheit sicher verstärkt. Auch im Hinblick auf das eigene Handeln. Ich hatte immer so viele Pläne, Ideen, Träume – etwa auch in der Kunst – aber ebenso viele Ausreden, warum etwas nicht geht. Heute gehe ich bewusster damit um. Dabei geht es gar nicht da-

Zimmer ohne Ausblick. Völlig gelähmt, aber bei Bewusstsein, konnte Attila Molnár tagelang nur die Decke seines Zimmers beobachten.

rum, um mich nicht falsch zu verstehen, dass die Sachen schnell passieren müssen oder ich sie erzwingen will, das ganz und gar nicht. Die Sachen kommen sowieso von selbst zu dir. Aber du musst ihnen den Raum zur Entfaltung geben – und das beginnt mit der positiven Einstellung dazu, mit einem Gedanken, dem der Gestaltungswille folgen muss: Was du heute im Kopf hast, das hast du morgen in der Hand.

Das sind Grundsätze, die sich auch alle Gesunden ins Stammbuch schreiben können. Mag sein, ich wollte aber bestimmt keinen Ratgeber oder so schreiben. Das ist mein Bericht, wie ich es erlebt habe, das ist meine Form der Verarbeitung. Ohne meine Ehefrau hätte ich ihn auch gar nicht veröffentlicht, sie hat aber gemeint, das ist wichtig, weil es auch andere gibt, denen das widerfahren ist – das könnte ihnen Trost und Zuversicht schenken. Ich wende mich im Buch eigentlich nur ein einziges Mal direkt an die Leser, da aber in Großbuchstaben: LEB! Wobei das für jeden etwas anderes ist.

Wie gelingt dir das selbst, wo manifestiert sich diese Achtsamkeit? Und hältst du sie durch? Man verfällt ja allzu leicht in den Alltagstrott. Ich habe nach der Krankheit neue Routinen entwickelt, die ich bis heute durchziehe: Zum Beispiel, ich komme ja aus Siebenbürgen, habe ich während meines Spitalsaufenthaltes begriffen, wie wichtig es ist, die Sprache zu beherrschen. Es war furchtbar, dass ich viele meiner Wünsche, meiner Schmerzen nicht gleich verständlich machen konnte. Daher habe ich in Folge begonnen jeden Tag zwei Wörter Deutsch zu lernen. Oder ich stehe eben jeden Tag in der Früh auf und begrüße, wie in einem Ritual, ganz bewusst den Tag – atme tief durch, gehe, wenn es das Wetter zulässt, raus und genieße den Sonnenaufgang. Danach lerne ich eine Stunde lang, um mich weiter zu bilden – ganz unterschiedliche Sachen: Psychologie, Fotografie, Musik, wonach mir gerade der Sinn steht.

Aber natürlich erwische ich mich dabei, dass ich bisweilen in alte Muster zurückfalle – nicht mehr dankbar bin, vieles für selbstverständlich erachte, was

Wer bin ich, dass ich bestimmen könnte, was mir im Leben widerfährt – es kommt wie es kommt.
ATTILA MOLNÁR

Sein Buch hat Molnár u. a. „meinen Engeln von der Intensivstation und der Neurologie“ gewidmet.

es aber nicht ist. Das stört mich sehr und ich kämpfe dagegen an, wobei dieser Kampf – nach der Erfahrung – in gewisser Weise noch härter ist als früher. Aber das ist wohl menschlich.

Ebenso wie ein Hadern mit dem Schicksal. Hast du dich eigentlich jemals gefragt „Warum gerade ich?“ – laut Statistik bis du einer von zwei aus 100.000, die an GBS erkranken.

Während der Krankheit natürlich schon. Aber heute kann ich die Frage eigentlich nur mit einer Gegenfrage beantworten: Warum nicht? Wer bin ich, dass ich bestimmen könnte, was mir im Leben widerfährt – es kommt wie es kommt. Was zählt ist – so du die Chance dazu bekommst – wie du damit umgehst! Heute, in der Nachsicht, verstehe ich, dass mir die Krankheit damals zwar so viel weggenommen hat, dass sie mir aber zugleich doppelt so viel zurückgegeben hat – das Leiden hatte einen Sinn, weil ich heute vieles anders sehe und begreife. Vor allem mich selbst.

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Attila Molnár GBS – Der Weg der Möglichkeiten

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Auch an der Landeshauptstadt ist die Krise in der Immobilienbranche nicht spurlos vorbeigegangen. Wie steht es um die teils brach liegenden Bauflächen in der Stadt?

Pleiten, Pech und Pannen prägen die Geschichte des prestigeträchtigen ehemaligen Leiner-Areals am St. Pöltner Rathausplatz. Unter dem klingenden Namen „Rossmarkthöfe“ sollte, damals noch unter Schirmherrschaft der inzwischen insolventen Signa-Gruppe, ein neues Stadtquartier entstehen. 2022 verkaufte Signa das Bauprojekt an die Süba AG – die inzwischen ebenfalls insolvent ist. Gegenüber MFG hieß es im Februar 2025 noch, dass die Insolvenz nur ein Tochterunternehmen betreffe und das Projekt am St. Pöltner Rathausplatz nicht gefährdet sei, einige Monate später war klar: Ist es doch. Seit Oktober steht fest, dass die Sanierung der Süba AG gescheitert ist, die Zukunft des ehemaligen Leiner-Are-

als ist damit offen. Im Wahlkampf thematisierte VP-Spitzenkandidat Florian Krumböck den Leerstand und forderte die Stadt auf, es Wr. Neustadt gleich zu tun und den ehemaligen Leiner Grund selbst zu kaufen. Ob das in Zeiten des Spardrucks finanzierbar ist, ist fraglich, eine dahingehende Rückfrage blieb bis Redaktionsschluss unbeantwortet. Interessiert an zumindest Teilen des Grundstücks dürfte dem Vernehmen nach Alpenland sein. Aus dem Unternehmen heißt es dazu nur unverbindlich, dass das Leiner-Areal eine interessante Liegenschaft mit breitem Nutzungsmix sei. Auch bei der Stadt gibt man sich zugeknöpft, Sprecher Thomas Kainz lässt wissen: „Es gibt aktuell gute, aussichtsreiche Gespräche, die wir zum jetzigen

Von den bereits fertiggestellten Wohnungen in der Steingötterstraße sind aktuell knapp 70 Prozent verkauft. Für die beiden noch freien Bauflächen des Wohnbauprojekts liegt aktuell ein verbindliches Kaufanbot vor.

Zeitpunkt aber nicht konkretisieren können.“ Die Wiederinbetriebnahme der Leiner-Garage sei jedenfalls im vordringlichen Interesse der Stadt, so Kainz weiter.

Ebenfalls von Insolvenz betroffen ist das Wohnprojekt Steingötterhof des Wiener Wohnbauträgers 6B47. Nachdem dort mit Ende Juni 2025 die sogenannte Sanierungstreuhandschaft erfolgreich abgeschlossen wurde, wurde mit Christoph Schäffer ein Geschäftsführer bestellt. „Nach anfänglicher Skepsis durch die mediale Berichterstattung über das Projekt, ist die Nachfrage sowohl von Endverbrauchern wie auch Anlegern mittlerweile sehr groß und es wurden bisher bereits knapp 70 % der Wohnungen verkauft“, lässt der Geschäftsführer wissen, der seine Rolle bis zum kompletten Verkauf von Wohnungen und den beiden noch unbebauten Baufeldern ausfüllt. Bei diesen freien Flächen dürfte es jedenfalls bald Bewegung geben, sie sollen verkauft werden, ein verbindliches Kaufanbot eines Interessenten liege bereits vor, so Schäffer.

Ein weiterer Sanierungsfall ist die Da Vinci Waldgarten GmbH, die ein (bereits fertiggestelltes) Wohnprojekt am Eisberg betreute. Im Sanierungsantrag heißt es, dass der Verkauf der Reihenhäuser nicht planmäßig gelungen sei. Brisant ist der Fall auch, weil die Da Vinci Gruppe, zu der die betroffene Gesellschaft gehört, auch an der Umsetzung Domgarage beteiligt ist. Hier wiegelt das Unternehmen aber ab: „Die betroffene Gesellschaft ist eine von 16 Gesellschaften der Gruppe. Derzeit ist nur die Da Vinci Waldgarten betroffen. Der Baubeginn der Domgarage soll plangemäß im ersten Halbjahr gestartet werden.” Ob dieser Plan wirklich hält, wird man, mit Blick auf die schrittweise Insolvenz der Süba AG, noch sehen.

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HOCHSCHULE IM NEUEN GEWAND

Die ehemalige Fachhochschule St. Pölten heißt seit Herbst Hochschule für Angewandte Wissenschaften St. Pölten, oder kurz: USTP. MFG hat mit den beiden Geschäftsführern Hannes Raffaseder und Johann Haag über die Gründe gesprochen.

Die Fachhochschule St. Pölten tritt seit Herbst offiziell als Hochschule für Angewandte Wissenschaften St. Pölten, USTP, auf. Was war der ausschlaggebende Grund für diesen Markenwechsel und warum gerade jetzt?

Hannes Raffaseder Es gibt zwei wesentliche Faktoren: einen äußeren Rahmen und eine innere Überzeugung. Der äußere Anlass war die gesetzliche Möglichkeit in Österreich, sich nun auch offiziell „Hochschule für angewandte Wissenschaften“ zu nennen. Wir beobachten den Markt sehr genau; in Deutschland ist dieser Begriff bereits seit Jahren Standard, dort gibt es kaum noch Einrichtungen, die bei der alten Bezeichnung „Fachhochschule“ geblieben sind. In Österreich sind wir hier bei den Pionieren. Die inhaltliche Ebene ist jedoch viel entscheidender: Das Kürzel USTP ist für uns ein klares Bekenntnis zur angewandten Forschung und Wissenschaft. Wir gehören mittlerweile zu den forschungsstärksten Hochschulen in Österreich. Diese Forschung ist kein Selbstzweck, sondern sichert die Qualität unserer Lehre. Mit dem neuen Namen machen wir das, was wir seit Jahren leben, nach außen hin sichtbar. Intern merken wir, dass die Umstellung

Johann Haag (li.) und Hannes Raffaseder (re.) sind die Geschäftsführer der Hochschule für Angewandte Wissenschaften (USTP) in St. Pölten.

schneller greift als erwartet. Sogar bei langjährigen Mitarbeitenden, denen ab und zu noch ein „an der FH“ herausrutscht, korrigiert sich das Team mittlerweile selbst.

Wie sah der Prozess hinter den Kulissen aus?

Johann Haag Wir haben uns insgesamt eineinhalb Jahre Zeit genommen. Das war im Grunde ein intensiver Strate-

gieentwicklungsprozess. Wir haben uns gefragt: Was sind unsere echten Stärken? Wir sind bekannt dafür, Trends frühzeitig zu antizipieren – egal ob technischer oder didaktischer Natur. Nehmen Sie das Thema Cyber Security: Heute kennt das jeder, aber wir haben schon vor 20 Jahren Studiengänge dazu angeboten, als viele noch skeptisch waren. Dieser Pioniergeist soll in der Marke USTP stecken.

Sie betonen auch die Internationalisierung. St. Pölten leitet eine sogenannte „European University“. Was verbirgt sich dahinter?

Raffaseder Das ist tatsächlich eines unserer wichtigsten strategischen Standbeine. Die „European University Initiative“ ist eine Flaggschiff-Initiative der EU, die auf eine Grundsatzrede von Emmanuel Macron zurückgeht. Sein Ziel war es, durch europäische Universitäten ein geeintes Europa zu schaffen. Wir leiten die Allianz „E³UDRES²“ und sind damit in einem sehr exklusiven Kreis. In den letzten fünf Jahren haben wir dadurch die Anzahl unserer europäischen Fördergelder und Kooperationen vervielfacht.

Das Besondere an unserem Netzwerk: Wir fokussieren uns auf das „Europa der Regionen“. Unsere Partner sitzen bewusst nicht in den großen Metropolen, sondern in dynamischen Klein- und Mittelstädten.

Wie schlägt sich St. Pölten im internationalen Wettbewerb um die klügsten Köpfe?

Haag Kürzlich haben wir den renommierten „Global Student Satisfaction Award” erhalten. Dass eine vergleichsweise kleine Hochschule wie unsere dort gewinnt, zeigt, dass wir international angekommen sind. Spannend ist die Begründung: Die Studierenden schätzen die „Nahbarkeit“. Trotz 4.000 Studierenden sind wir kein anonymer Apparat. Die Einbettung in die Region und die Lebensqualität in der Stadt – etwa die Tatsache, dass man in fünf Minuten mit dem Rad von der Vorlesung zum See fahren kann – wird international als enorme Lebensqualität wahrgenommen.

Ein Thema, das derzeit vieles verändert, ist Künstliche Intelligenz. Wie integriert die USTP KI in den Studienalltag?

Haag Wir haben eine sehr klare Policy: KI muss von Studierenden transparent eingesetzt werden und die gewonnene Zeit soll in das kritische Hinterfragen der Ergebnisse investiert werden. Kritisches Denken und Problemlösungskompetenz werden durch KI nicht we-

niger wichtig, sondern zum zentralen Skill der Zukunft. Im April eröffnen wir zudem ein eigenes „KI-Real-Labor“ mit einem angeschlossenen Rechenzentrum. Wir wollen KI „angreifbar“ machen –nicht nur für unsere Studierenden in Data Science, sondern für alle Disziplinen.

Stichwort Disziplinen: Wie stellen Sie sicher, dass die Studieninhalte bei dieser rasanten technologischen Entwicklung aktuell bleiben?

Haag Bei uns ist es verpflichtend, dass jedes Curriculum spätestens alle fünf Jahre komplett überarbeitet wird. Dabei holen wir Feedback von Absolventen, Studierenden und vor allem von Experten aus den jeweiligen Berufsfeldern ein. Wir fragen direkt: „Wie ändern sich eure Anforderungen in der Praxis?“ Dieser Innovationsschub ist fest in unseren Prozessen verankert. Das betrifft aber nicht nur die Inhalte, sondern auch die Didaktik. Dazu kommt unser moderner Campus. Der „Lernraum“ ist ja auch als dritter Pädagoge bekannt. In einem modernen, lichtdurchfluteten Gebäude mit flexiblen Möbeln lernt es sich anders als in einem verstaubten Hörsaal. Wir setzen in der Pädagogik auf Interaktion auf Augenhöhe.

Welche neuen Fachrichtungen dürfen wir in den nächsten Jahren in St. Pölten erwarten?

Haag Aktuell haben wir vom Ministerium die Zusage für den Start eines Bachelorstudiums im Bereich Elementarpädagogik im Herbst 2026. Im Medienbereich führen wir den Studiengang „Creative Media Production“ ein. Wir sehen hier einen großen Bedarf: Einerseits haben wir die High-EndMedientechnik, andererseits braucht es Kompetenzen für die immer wichtiger werdenden „Low-Level-Elemente“ der digitalen Produktion. Wir orientieren uns dabei eng an den Strategien des Bundes und den Forderungen der Industriellenvereinigung, um punktgenau dort auszubilden, wo der Arbeitsmarkt der Zukunft die größten Lücken hat.

Zum Abschluss: Die USTP St. Pölten hat inzwischen 4.000 Studierende. Ist damit das Ende der Fahnenstange erreicht? Raffaseder Wirtschaftlich gesehen sind wir mit über 500 hauptberuflichen Mitarbeitenden bereits ein bedeutender Faktor für die Stadt. Aber wir denken über die reinen Zahlen hinaus. Durch unsere europäische Allianz haben wir Zugriff auf ein Netzwerk von über 100.000 Studierenden. Wir wollen eine Hochschule sein, die zwar regional fest verwurzelt ist, aber deren Absolventinnen und Absolventen weltweit gefragt sind. Die Entwicklung der letzten Jahre – mit einem Wachstum von 25 Prozent bei den Studierenden, während der Sektor insgesamt eher stagnierte – zeigt uns, dass wir auf dem richtigen Weg sind.

University of Applied Sciences (USTP)

Mehr als 4.000 Studierende und über 500 hauptberufliche Mitarbeiter beheimatet die USTP aktuell. Rund 30 Studiengänge werden in so unterschiedlichen Bereichen wie Medien, Informatik & KI, Gesundheit oder Bahntechnologie angeboten. Außerdem leitet die USTP die europäische Hochschulallianz E³UDRES² mit Partnerhochschulen in Ungarn, den Niederladen, Belgien, Rumänien und Litauen.

MÖGEN SIE IN FRIEDEN RUHEN!

Im Sommer 1997 schrieb die 77-jährige Roszi Halmos einen Brief. Sie wolle nach St. Pölten reisen, um am Grab ihres Vaters ein Licht zu entzünden. Ob man ihr bei der Suche nach seinem Grab helfen könne?

Sein Name war Armin Wolf, er starb am 1. April 1945 bei einem Luftangriff in Viehofen. Dieser Brief war der Anstoß für intensive Recherchen. Das lange verschwiegene, teils bereits vergessene Zwangsarbeiterlager in der Viehofner-Au kam wieder ans Licht. Über 122 Jüdinnen und Juden mussten dort an der Regulierung des Traisenflusses unter unmenschlichen Bedingungen schuften, darunter Roszi und ihr Vater. Es ist dem Werk von Manfred Wieninger und den Menschen am Institut für jüdische Geschichte Österreichs rund um Martha Keil zu verdanken, dass wir heute wissen, wo er begraben liegt. Es ist ein Massengrab am Städtischen Hauptfriedhof (Gruppe VI). 261 Menschen wurden dort in den Kriegsjahren 1940 bis 1945 begraben. Damals ohne Grabstein, ohne Andenken – weil es vor Ort keinen gab, der sich um ein würdiges Begräbnis hätte kümmern können. Achtzig Jahre nach Kriegsende fand nun im Oktober 2025 end-

lich eine würdige Grabsteinsetzung statt. Man kann die Namen der Menschen nachlesen und sich ihrer Erinnern. Eine Website dokumentiert zudem die Todesumstände jedes Verstorbenen. Ein eindrückliches Zeugnis der Zeit, eine Mahnung für das Hier und Jetzt.

„Hinter jedem Namen und jeder Nennung steht ein Verbrechen“, hielt Martha Keil in ihrer Rede zu Steinsetzung fest. Viele der Begrabenen erlitten als Kriegsgefangene durch Zwangsarbeit einen gewaltvollen Tod. Die Menschen kamen aus Bulgarien, Georgien, Griechenland, Italien, Kroatien, Polen, Russland, Serbien, der Slowakei, Tschechien, der Ukraine und Ungarn. Juden, Muslime, Christen. Auch Kriegsflüchtlinge und in das damalige Deutsche Reiche „Umgesiedelte“ finden sich unter den Menschen sowie St. Pöltner Bombenopfer oder schlicht verarmte Menschen, die im Krankenhaus oder Altersheim verstorben sind. „Nie war St. Pölten eine europäischere Stadt als zur Zeit der Kriegsgefangenen und Zwangsarbeiter“, merkt Keil an.

Möge das Andenken der Begrabenen zur Mahnung sein!

→ www.juden-in-st-poelten.at/de/gedenkaktivitaeten/massengrab-staedt-friedhof

44 Kriegsgefangene, darunter eine

Frau, aus Italien, Kroatien, Polen, Russland, der Ukraine und Ungarn.

Banikov Anatol

Bogdan Dimitri

Bortschow Fedor

Byalyk Wladimir

Corowczak Josef

Franic Marto

Gafilin Peter

Ganiew Berta

Hrichoron Pawel

Igorow Wasili

Jakimenko Wladimir

Jastrobow Ciril

Kobitzky Konrad

Kondratiew Georgi

Mamora Jusuw

Muschichin Ilja

Nalivkin Peter

Nesteron Timosz

Nikipirowitsch Fedor

Nikolai Andrei

Nowetschkow Filip

Olechwir Peter

Osatschuk Nikolai

Osatschuk Sava

Petuchow Iwan

Schaburin Pawel

Semantschenko Iwan

Silkowsky Siegmund

Skripin Peter

Smolon Michail

Snegowoi Iwan

Sobolew Alexei

Soffranow Alexander

Stefanow Gregori

Tarasenko Timofei

Tedesko Guiseppe

Terenty Anton

Tkatsch Jefim

Werbitcky Pavel

Vier unbekannte Soldaten

Ein unbekannter Oberstleutnant

64 Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter sowie elf Kinder aus

Bulgarien, Georgien, Griechenland, Kroatien, Polen, Rumänien, Russland, Serbien und der Ukraine.

Adschi-Osmanowa Fatima

Alexandrovic Constantin

Apanasiv Maxim

Banaschek Sbignef

Brujic Costin

Chetzuriai Lemeki

Demuzkaja Ustina

Dimitrio Georgi

Djadovitsch Wolodimir

Dnjstrenska Katharina

Dudek Josef

Efremidis Aristoteles Dimitriu

Ersoni Vincenzo

Feduniv Michael

Glukowa Ljuba (Kind)

Glukowa Walentina (Kind)

Gudzowata Anastasia

Horkawe Michael

Ilic Nikolai

Ipatow Anatoli (Kind)

Isajew Pawel

Ivanow Wladimir (Kind)

Iwanow Iwan

Iwanusa Irena (Kind)

Jaworskyj Ulas (Kind)

Karatanassis Dimitriu Panajotis

Kortschinelli Wasil

Kudrjawzew Sava

Kuzmin Radlon (Kind)

Leputa Bronislav

Lewczuk Anton

Macroglu Georgius Joanius

Moduk Kyrill

Pakula Mieczyslav

Petruschka Iwan

Petschukewitsch Mjetschislav (Kind)

Plaschenik Iwan

Plewin Dimitriu Ilias

Pludarius Theodorius

Ponomareff Georgi

Popow Nikolaj

Popowsky Anatoli

Portuhaj Agafija

Pruschinska Medja

Radiuk Sergei

Sagorodnij Nikolai

Samaras Georgios

Schkarban Wladimir (Kind)

Scheyko Andrei

Semkow Stefan

Sidorenko Jakob

Simic Dusan

Skorobohatsch Andrei

Solutschina Alexandra

Swinarenko Foma

Szpilka Kasimir

Terejko Anton

Timofejewa Ewgenija

Trojan Olga

Trubikowa Nina

Truglia Elena

Tscheptscheuri Iwan

Tschernesky Peter

Tschernowa Natalia

Uniska Iwan

Vistizenko Konstantin

Walintschenko Valentin

Wasganowa Pazek

Worobjewa Marina

Wowk Katharina

Wozniak Roman (Kind)

Zielonka Andreas

Zigŭa Iwan

Zima Stanislaw

Zulin Tichon (Kind)

15 Jüdinnen und Juden aus Ungarn, die in St. Pölten/Viehofen zur

Zwangsarbeit eingesetzt waren.

Eckstein Rosa

Genad Jakob

Gyárfás Lajos

Herzog Jenö

Körösi Ignaz, Dr. Kohn Laszlo

Lefkowitz Moritz

Lukács Lydia Neumann, geb. Kohn, Frieda Pottasmann Isidor

Rácz Jenö, Dr. Reves Edmund

Vadász Paul, Ing.

Wolf Armin

Unbekannter Jude

47 Flüchtlinge und deutsche „Umsiedler“, darunter 13 Kinder, aus Kroatien, Rumänien, Russland, Südtirol, Tschechien und Ungarn.

Ambrozi Katharina

Amcha Veronica

Avemaria Katharina

Bellan Robert Stephan (Kind)

Böhm Susanne (Kind)

Bohn Anna

Boy Elisabeth

Czech Wilhelm (Kind)

Dobrowolski Tamara (Kind) von Fendrich Maria

Fleck Heinrich (Kind)

Friedelt Johann

Gajer Maria

Gerber Jakob

Gerber Katharina

Griesmaier Elisabeth

Haas Josef (Kind)

Hess Sebastian

Horjung Kaspar

Hummel Nikolaus

Husczil Maria

Jund Theresia

Jung Peter

Knauer Elfriede

Knauer Leopold (Kind)

Kockert Josef

Kowalewsky Tatjana

Lang Gustav (Kind)

Lang Regina

Lazzeri Paul

Lerch Rosina

Lutsch Rosina

Möss Johann

Pauli Eva

Paulini Grete (Kind)

Rephun Daniel (Kind)

Schöttle Elisabeth

Schultheiss Julius

Steininger Nikolaus (Kind)

Stemmer Johann

Tremmel Ludmilla

Volk Hildegard

Wambach Elisabeth

Weinmüller Anna (Kind)

Werner Richard (Kind)

Weiss Andreas

Wurz Anna Maria

24 Menschen aus St. Pölten, die durch Bombenangriffe ums

Leben kamen oder in den letzten

Kriegstagen im Krankenhaus oder Altersheim verstorben sind.

Anger Augustin

Baumann Ignaz

Damböck Leopold

Froh, geb. Kitzler, Theresia

Hendl Rosalia

Hossmann Johann

Huber Gustav

Huber Franz

Koglbauer Franziska

Köstrer Antonie

Kraft Johann

Leimer Leopold

Meissen Johann

Muhr Johann

Nurscher Josef

Peduzzi Eduard

Pomella Josef

Prisching Josef

Riedler Antonia

Riedler Gerhard (Kind)

Sedelmeier Josef

Stangl Rosa

Traxler Pauline

Vater Sophie

39 Menschen unbekannter

Herkunft sowie zehn Männer, vier Frauen, ein Paar und eine Person, deren Namen nicht bekannt sind.

Balisa Isla

Biric Stefan

Brandhofer Michael

Ehrlich Katharina

Engel (Frau)

Filz Karl

Frimmel Marie

Gänger Johann

Gillarduzzi Franziska

Götz Katharina

Hauer Julie

Heiling Hans Hofer (Vorname unbekannt)

Koutek Anastasia

Lindenhofer (Frau) Maczejka Sofia

Mühlbacher Adele

Müller Johann

Pölzl Franz

Pritschenko Sergei

Prokopenko Alexander

Püringer Franz

Ralico Isla

Rottelini Dominikus

Ryba Jan

Schiefer Julianna

Schnabel Johann

Scholz Martha

Sefernigg Leopold

Sieder (Vorname unbekannt)

Stackl Anton

Steineder Karl

Sukurenko Anna

Szombal Rosa

Valtl Eugenia

Wimmer Friedrich

Winkler Amalia

Worolina Marina

Zagler Rudolf

DIE SONNE SCHEINT HELL

Im April 1945 liegt das Nazi-Reich im Sterben, St. Pölten an der Front. Die Rote Armee hat Wien eingenommen und steht bereits vor Pottenbrunn. Da schlägt die Stunde einer Widerstandsgruppe: Sie wollen der Stadtbevölkerung ein Blutvergießen ersparen.

Dreh- und Angelpunkt der Widerstandsbewegung war Otto Kirchl, stellvertretender Polizeidirektor in St. Pölten, zuständig für die Polizeiverwaltung. Die für das Regime wichtigen Polizeiaufgaben waren bei der Gestapo, der Geheimen Staatspolizei, angesiedelt, einer Art Sondertruppe im Polizeiapparat. Diese rekrutierte sich aus besonders loyalen Nationalsozialisten und stand in einem angespannten Verhältnis zu den anderen Polizeiformationen in der Stadt. Innerhalb des Polizeiapparats herrschte großes Misstrauen. Auch Kirchl stand unter Beobachtung und galt als „gering politisch zuverlässig“. Er war kein überzeugter Nazi, galt eher als Monarchist. Seine Ehefrau Hedwig stammte aus einer „altösterreichischen“ Familie, die in Triest beheimatet war. Seine Schwiegereltern besaßen aus der Zeit der Habsburgermonarchie einen Landsitz in Abbazzia, den diese in den ersten Kriegsjahren wei-

terhin bewohnten. Allein dieser familiäre „Auslandskontakt“ machte Otto und Hedwig Kirchl verdächtig.

Die Kriegsjahre 1940 bis 1944 waren von Repressionen durch die Gestapo geprägt. Jahr für Jahr wurden hunderte Menschen in aufsehenerregenden Aktionen festgenommen und verurteilt, sogenannten Volksgerichte sprachen 47 Todesurteile aus. Gesucht wurde dabei in den großen Fabriken von St. Pölten, Wilhelmsburg und im Traisental, in den Werken der Voith, Glanzstoff und bei Eisenbahnern. Nicht nur deklarierte Kommunisten, Sozialisten und Monarchisten wurden bespitzelt, sondern schlicht alle Menschen, die dem NS-Staat nicht völlig loyal gegenüberstanden.

Trotz dieser Repression arbeitete Kirchl an einem hochriskanten Plan. Den Menschen sollte das Leid eines blutigen Häuserkampfes erspart und die Stadt möglichst gewaltfrei und ohne unnötige Zerstörung an die Rote Armee

übergeben werden. Mit gleichgesinnten Polizisten wollte er mit einer überraschenden Blitzaktion relevante GestapoAkteure sowie hohe NS-Vertreter verhaften. Das Ziel war ein rasches Ende der Nazi-Herrschaft, ein Regimewechsel durch mutige St. Pöltnerinnen und St. Pöltner. Im Herbst 1944 wurden Kirchls Pläne konkreter. Einerseits band er Vertrauensleute im Polizeiapparat ein, andererseits ging seine Widerstandsgruppe weit über diesen hinaus. Er koordinierte sehr unterschiedliche und voneinander unabhängig agierende Oppositionsgruppen im ganzen Stadtgebiet.

KARTENSPIELEN UND STRICKEN

Neben dem Ehepaar Kirchl waren Josef und Helene Trauttmansdorff-Weinsberg die Stützen der Bewegung. Der Graf und die Gräfin lebten im Schloss Pottenbrunn, waren Gutsbesitzer und sahen das NS-Regime kritisch. Anfänglich verband die Gräfin mit Hedwig Kirchl die

1 Josef Böhm, Landwirt 2 Josef Heidmeyer, Polizeibeamter 3 Josef Graf Trauttmansdorff-Weinsberg, Gutsbesitzer 4 Helene Gräfin Trauttmansdorff-Weinsberg, Gutsbesitzerin 5 Anton Klarl, Arbeiter 6 Schloss Pottenbrunn
FOTOS STADTARCHIV ST. PÖLTEN, MICHAEL MÜLLNER

Liebe zur gemeinsame Heimat der Vorfahren in Triest, doch bald entwickelte sich eine tiefe Freundschaft zwischen den Familien. Und eine gefährliche Überzeugung, wie die Zukunft des Landes und der eigenen Familien aussehen sollte. Die Damen trafen sich offiziell als Strickgemeinschaft, die Herren zum Kartenspielen.

Eine weitere zentrale Person in den Plänen war Anton Klarl. Er arbeitete in den Glanzstoff-Werken, galt als Kommunist und hatte den Ruf, eine Gruppe Gleichgesinnter um sich zu scharren. So eine Integrationsfigur für die Arbeiterschaft wollte Kirchl in seine Pläne einbinden. Zudem bestand die Hoffnung, dass Klarl einen guten Zugang zur Roten Armee haben würde, sobald die Stadt von dieser besetzt wäre. Doch Klarl war vorsichtig. Seit Jahren setzte die Ge-

stapo immer wieder Spitzel auf ihn an, Lockvögel versuchten ihn in die Falle zu locken. Klarl lehnte diese Angebote laufend ab und so hatte die Gestapo keine Handhabe. Auch die ersten Kontaktversuche durch die Kirchl-Gruppe ignorierte Klarl. Es lag somit an den Frauen, Bewegung in die Sache zu bringen. Gräfin Trauttmansdorff lud seine Gattin, Maria Klarl, ins Schloss. Nach einigen Treffen entwickelte sich eine freundschaftliche Vertrauensbasis, bis Maria schließlich ihren Mann zur Mitwirkung in der Gruppe bewegen konnte.

Mit dem Näherrücken der Front wurden die Widerstandspläne konkreter. Mitglieder wurden in Gruppen zusammengeschlossen, Anlauf- und Sammelstellen festgelegt. Diese Orte sollten Rückzugsräume für ihre Mitglieder sein, sobald die Aktion angelaufen wäre. Ne-

Das Mahnmal von Hans Kupelwieser erinnert an die tragische Geschichte der mutigen Frauen und Männer.

ben dem Schloss Pottenbrunn waren weitere Sammelstellen das bäuerliche Anwesen der Familie Böhm in Zuleiten bei Pyhra, das Bauernhaus der Familie Gerstl in Weinburg sowie ein nicht näher bekannter Landwirt in Weizendorf. Im Wald bei Obergrafendorf wurde im Forsthaus des Baron Janko von Musulin ein Ausweichquartier für den Fall geschaffen, dass ein Stützpunkt frühzeitig enttarnt würde. In Michelbach gab es im Haus des Kindermädchens der Familie Trauttmansdorff eine Zufluchtsstätte für den Fall, dass das Schloss „unbenutzbar“ wäre. Über Gruppenmitglieder gab es keine schriftlichen Aufzeichnungen, als Erkennungszeichen wurden Losungsworte vereinbart. Als Kommandozentrale dienten die Amtsräume von Otto Kirchl im noch heute bestehende Gebäude der Polizeidirektion in der Linzerstraße. Auch kleine Bestände an einfachen Waffen wurden unauffällig beiseite geschafft.

LETZTE PLÄNE

Im März 1945 kam es zum letzten Treffen der Gruppe im Schloss Pottenbrunn, dabei wurden die Hauptziele festgelegt. Die Gestapo-Leute festnehmen und in einem Kellerraum in der Polizeidirektion festhalten, bis sie an die Rote Armee übergeben werden. Weiters die Widerstandskämpfer unter den Polizisten auf ein vereinbartes Signal hin losschlagen lassen und mit Hilfe des Überraschungseffekts die Kontrolle über das Polizeigebäude, die Kreisleitung sowie die NSDAP-Dienststellen übernehmen. Wichtige Gebäude vor der geplanten Zerstörung durch abrückende Wehrmachtssoldaten schützen: die Traisenbrücke, das Elektrizitäts- und Gaswerk, die Stadtverwaltung sowie den Bahnhof. Am Schloss Pottenbrunn sollte eine große rote Fahne gehisst werden, als Zeichen an die heranrückende Sowjetarmee, dass bereits Widerstandsgruppen in der Stadt aktiv wären. Die Frauen hatten sie zuvor im Schloss Pottenbrunn aus einer Hakenkreuzfahne genäht, bei

einer Hausdurchsuchung wurde sie jedoch von der Gestapo entdeckt. Einen fixen Termin zum Losschlagen gab es jedoch nicht. Die Akteure wollten wohl noch die kommenden Ereignisse abwarten. Und es lag ein Vorteil darin, dass die Gestapo bei einer etwaigen Enttarnung nicht wissen würde, wann die Bewegung losschlagen würde.

Sie hatte nämlich mit der Zeit Verdacht geschöpft und ermittelte intensiv, wer zu der vermuteten Widerstandsgruppe gehören würde und was deren Pläne waren. Eine vorzeitige Zerschlagung der Gruppe hätte zwar einen schnellen Erfolg der Gestapo bedeutet, jedoch wollte diese verhindern, nur einen Teil zu entlarven, während un-

ERINNERN

Die letzten Wochen und Monate des Dritten Reichs waren geprägt von sogenannten Endzeitverbrechen. Dank einer zunehmenden Erinnerungskultur bleiben die Opfer unvergessen. Im St. Pöltner Hammerpark erinnert das Mahnmal von Hans Kupelwieser seit 1988 an Ort und Stelle des Verbrechens an die Opfer der Widerstandsgruppe.

Otto Kirchl, stellvertretender Stadtpolizeidirektor

Hedwig Kirchl, dessen Gattin

Josef Trauttmansdorff-Weinsberg, Gutsbesitzer in Pottenbrunn

Helene Trauttmansdorff-Weinsberg, dessen Gattin

Johann Schuster, Polizist

Anton Klarl, Arbeiter Glanzstoff-Fabrik

Maria Klarl, dessen Gattin

Johann Dürauer, Polizist

Josef Heidmeyer, Polizist

Felix Faux, Polizist

Johann Klapper, Polizist

Josef Böhm, Landwirt

Konrad Gerstl, Landwirt

entdeckt gebliebene Zellen ihre Pläne weiterverfolgen könnten. Erschwert wurde die Ermittlungsarbeit der Gestapo, ebenso wie die Planung der Widerstandsgruppe, vom Heranrücken der Front. Das Nazi-Regime befand sich am Rückzug, Partei-Granden und Polizeiapparat hatten Befehl die Übersiedlung nach Linz vorzubereiten, sobald die Stadt aufgegeben werden müsste. Die

handelnden Akteure hatten damals also gleichzeitig mehrere Aufgaben. Offiziell arbeiteten sie einerseits an der Aufrechterhaltung der nationalsozialistischen Kriegsordnung und bereiteten zugleich den Rückzug aus der wohl schon bald gefallenen Stadt vor. Andererseits konspirierten sie entweder am Aufstand gegen die Nazi-Führung – oder versuchten genau dieses Komplott aufzudecken.

Rückblickend zeigte sich, dass die Widerstandsgruppe die Fähigkeit der NS-Behörden zu wirkungsvollen Gegenmaßnahmen unterschätzt hatte. Auch die Mitwirkung der Bevölkerung wurde von der Widerstandsgruppe wohl überschätzt. Entscheidend war der 7. April 1945, als Otto Kirchl den Befehl erhielt, die gesamt St. Pöltner Polizeiverwaltung umgehend nach Linz zu verlegen. Daraufhin nahm er mit den Hauptakteuren seiner Widerstandsgruppe diskret Kontakt auf, erreichte aber nicht mehr alle. Er teilte ihnen mit, dass die geplanten Aktionen nicht ausgeführt werden könnten – zu viele involvierte Polizeibeamte würden mit ihren Angehörigen St. Pölten verlassen müssen und nach Linz abreisen. Er überließ die weitere Vorgehensweise den verbliebenen Gruppenmitgliedern. Bei denen herrschte Überraschung und Ratlosigkeit. Manche verließen fluchtartig die Stadt und versteckten sich im St. Pöltner Umland. Die meisten versuchten ihrem normalen Lebensalltag möglichst unauffällig nachzugehen. Der größte Erfolg der Widerstandsgruppe bestand darin, dass eine Brückensprengung durch die

Wehrmacht verhindert werden konnte – beherzte Widerstandskämpfer schnitten die Zündschnüre vorzeitig durch, für eine wirkungsvolle Zerstörung hatte das Sprengkommando letztlich zu wenig Sprengstoff. Durch die frühzeitige Entdeckung und die damit einhergehende Aufmerksamkeit des NS-Apparats konnte die Widerstandsgruppe aber die zahlreich geplanten Aktionen nicht ausführen, während die Wehrmacht und die NS-Behörden einen relativ geordneten Rückzug nach Westen antraten und westlich von St. Pölten bestehende Verteidigungsstellungen ausbauten, welche im Wesentlichen bis zur Kapitulation des Deutschen Reiches die Frontlinie bildeten.

KAMPF BIS ZUM SCHLUSS

Doch wie kam es nun zur Aufdeckung der Widerstandsgruppe? Johann Reichl stammte aus Spitz an der Donau, er war seit August 1942 Dienststellenleiter der GestapoAußendienststelle in St. Pölten und der Wiener Gestapo-Stelle unterstellt. Er wurde als sehr ehrgeizig, zielstrebig und misstrauisch beschrieben. Die Hauptakteure der Widerstandsgruppe, der vermeintliche Monarchist Kirchl, der bekannte Kommunist Klarl, das adelige Ehepaar Trauttmansdorff –sie alle waren Reichl längst als verdächtig bekannt und es gab Hinweise, dass die Gestapo über Jahre hinweg Spitzel auf diese Personen angesetzt hatte. Ab dem Spätherbst 1944 dürften sich bei der Gestapo die Hinweise auf Treffen im Schloss Pottenbrunn erhärtet haben. Entscheidende Hinweise bekam Reichls Gestapo aber ausgerechnet beim Kantinen-Tratsch in der Polizeidirektion. Dort waren Spekulationen im Umlauf, wonach die Gestapo-Beamten bald beseitigt sein würden und dass Schutzpolizisten daran mitwirken würden. So dürfte sich der Gestapo das Hauptziel der Widerstandsgruppe offenbart haben: Die Festsetzung der Gestapo- und der NS-Oberen. Sogar unter der Bevölkerung sollen

im Jänner und Februar 1945 Gerüchte über eine mögliche „interne Befreiung“ der Stadt kursiert sein. Reichl ordnete unter strengster Geheimhaltung Ermittlungen an, um diese Widerstandsgruppe aufzudecken, nicht nur für den eigenen Ermittlungserfolg und aus ideologischer Überzeugung, sondern auch um die eigene Haut zu retten. Mitte März 1945 dürfte das Ermittlungsbild sehr umfassend gewesen sein, im April lieferten Berichte von Gestapo-Spitzeln letzte Details wie etwa die Losungswörter der Sammelpunkte. Beim Schloss Pottenbrunn war das Losungswort „Frühling“, welches mit „Herbst“ beantwortet wurde. Beim Bauernhaus Böhm waren es „Eis“ und „Schnee“, beim Bauernhaus Gerstl konnte man sich mit dem Spruch: „Die Sonne scheint hell“ als Widerstandskämpfer identifizieren.

Im Totenschein von Otto Kirchl ist ein Kopfschuss als Todesursache vermerkt. „Besondere Anmerkungen: Erschießen durch Gestapo-Standgericht.“

Gestapo-Chef Reichl hatte nun genügend Beweise. Am 9. April stellte er ein geheimes Sonderkommando zusammen, welches die Verhaftungen der Hauptakteure durchführen sollte. Otto Kirchl wurde von Reichl selbst verhaftet, er passte sein Auto auf der Mariazellerstraße ab. Das Schloss Pottenbrunn wurde von zehn Gestapo-Männern mit Maschinenpistolen gestürmt, während die gräfliche Familie im Speisezimmer beim Mittagessen saß. Es folgten Durchsuchungen und Einzelverhöre, am Abend zog die Gestapo ab und nahm Johann Trauttmansdorff wegen „politischer Umtriebe“ in die Polizeidirektion mit. Seine Frau blieb bei der Familie. Es ist nicht bekannt, ob die Gestapo ihr „gnadenhalber“ eine Möglichkeit bieten wollte mit der Familie unterzutauchen oder ob sie noch zu wenig belastendes Material gegen die Gräfin in der Hand hatten. Das hohe Risiko, selbst auch verhaftet zu werden, war Helene Trauttmansdorff jedenfalls bewusst. Dennoch brach die Gräfin am nächsten Morgen mit dem Fahrrad von Pottenbrunn nach St. Pölten auf, um ihren Gatten frische Wäsche zu bringen – sie wurde verhaftet und kam nicht mehr zu ihrer Familie zurück. Auch die Bauern Böhm und Gerstl wurden verhaftet, ebenso Hedwig Kirchl und das Ehepaar Klarl. Alle wurden noch in der Nacht stundenlang verhört, Misshandlungen und Folter dabei dokumentiert. Am nächsten Morgen erfolgten weitere Verhaftungen insbesondere von involvierten Polizeibeamten. Die große Anzahl der zu vernehmenden Personen führte zu einer Personalknappheit. Zudem flog zeitgleich eine andere Widerstandsgruppe in Pyhra auf, diese wurde von der Waffen-SS an die St. Pöltner Gestapo überstellt, welche neben all den Verhören auch den bevorstehenden Abmarsch nach Linz vorbereiten musste.

MORD IM HAMMERPARK

Die Vorgesetzten von Reichl verlangten die Ermittlungen abzu-

Viele Endzeitverbrechen des Nazi-Regimes sind erforscht und dienen heute als Mahnung.

schließen, unter großer Eile wurde ein Abschlussbericht erstellt, als Grundlage für die Verurteilung durch ein Standgericht. Dieses bestand aus den NS-Juristen Johann Stich und Viktor Reindl. Beide brachen am Morgen des 13. April 1945 von der Strafanstalt Krems-Stein auf und eröffneten die Verhandlung im Lehrsaal der St. Pöltner Polizeidirektion um 13:00 Uhr. Während der Verhandlung kam es zu einem Tieffliegerangriff der russischen Luftwaffe, unterbrochen wurde dennoch nicht. Nach vier Stunden kurzem Prozess verurteilte das NaziUnrechtsregime zwölf Personen wegen Hochverrats zum Tode, nur ein angeklagter Polizist wurde – zu seiner eigenen Überraschung – freigesprochen.

Schon am Nachmittag erhielt die Feuerschutzpolizei den Befehl von einer Gruppe ukrainischer Zwangsarbeiter eine Grube von 2,50 x 2,10 x 1,50 Meter hinter dem Gasthaus Sorgmann bei der ehemaligen Schießstätte, dem heutigen Hammerpark, auszuheben zu lassen. Die Leute hätten sich nach Abschluss der Arbeiten in der Nähe bereitzuhalten –für das spätere Zuschaufeln der Grube. Aufgrund des Grundwassers musste die Dimension der Grube vor Ort abgeändert werden. Als die Verurteilten in den Hammerpark gebracht wurden, musste noch kurz gewartet werden, die Grabungsarbeiten waren noch nicht abgeschlossen. Zwischenzeitig hatte Gestapo-Chef Reichl ein Erschießungs-

kommando zusammenstellen lassen. Da sich die Schutzpolizisten weigerten auf ihre Kollegen zu schießen, wurden fünfzehn Soldaten der Waffen-SS als „Freiwillige für ein Sonderkommando“ aufgestellt – auch diese mussten jedoch erst lange überredet und angestachelt werden. Um 19:00 Uhr begannen dann die Exekutionen, unterbrochen wurden sie durch Fliegerangriffe. Nach der Ermordung der Widerstandskämpfer wurden die Leichen von der Gestapo geplündert, Schmuck und Kleidung der Toten gestohlen. Gegen 21:00 Uhr hatte auch das Grabungskommando ihre Arbeit beendet und den Ort verlassen.

Am nächsten Tag, dem 14. April 1945, ordnete der Gestapo-Leiter die Räumung der Dienststelle an, man setzte sich über Gerersdorf nach Wieselburg ab. Um 17:30 Uhr erreichten sowjetische Panzer den Ostrand von St. Pölten. Wo die Nazis noch Macht hatten, suchten sie weiter nach verbliebenen Mitgliedern der Widerstandsgruppe um Otto Kirchl. Nach 70 Millionen Todesopfern endete der Zweite Weltkrieg mit der bedingungslosen Kapitulation des Deutschen Reichs im Mai 1945.

„Er hielt den Finger vor den Mund und sagte leise ‚auf der Schießstätte wurden soeben vier Frauen und acht Männer erschossen‘ und entfernt sich wieder lautlos.“

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Eat like a King.

Wissen Sie, was ein McGuffin ist? Nein? Dann sehen Sie sich am besten die aktuelle Produktion der Theatergruppe PERPETUUM, „Die 39 Stufen“, an. Manche von Ihnen kennen wahrscheinlich auch den gleichnamigen Film von Alfred Hitchcock. Vereinfacht gesagt handelt es sich um einen Begriff für mehr oder weniger beliebige Objekte oder Personen, die dazu dienen, die Handlung auszulösen oder voranzutreiben, ohne während der Handlung selbst von besonderem Nutzen zu sein. Da kann es sich um ein Geheimdokument oder eine Geheimorganisation handeln, um das Spannungslevel hoch zu halten. Auch in der Kulturpolitik begegnen wir diesen McGuffins: Oft handelt es sich dabei allerdings um möglichst nichtssagende Worthülsen, die als Entschuldigungsgründe für ebenso nichtssagende Werke herhalten müssen. Bei angekündigter „Diversität“ etwa ist es blunzenwurscht, ob das damit beworbene Ding selbst der letzte Schmarrn ist – allein durch diesen McGuffin mutiert es zu unsagbarer Wichtigkeit. Und wer „woke" sagt, produziert bedeutende Kunst, auch wenn ein paar böswillige Berufsstänkeranten diese zum Einschlafen finden. Manche erinnern sich auch noch an die „Tangente“: mehr sinnfreie McGuffins sind schwer vorstellbar. Man denke nur an den ach so satirisch gemeinten „Pömpel“ mit Österreichfahne drauf, der zum „demokratischen Mitmachen“ (ein McGuffin pur) aufrufen sollte. McGuffins sollte man also denen überlassen, die's können. Dabei darf man gern auch 39 Stufen benutzen.

KUNSTPREIS

Am 28. März wird dem St. Pöltner Matthias Jakisic eine besondere Ehre zuteil. Er erhält den Kunstpreis der Berliner Akademie der Künste in der Sparte „Darstellendes Spiel“. Älteren Semestern ist „Jig“ noch als Geiger der legendären IrishFolkformation „Ballycotton“ ein Begriff, ebenso durchmaß er – wenn man so will in seinen Wanderjahren – auch jüdische Musik, Avantgarde, Metal oder Pop. Das Label „Teufelsgeiger“ wurde ihm schon damals aufgedrückt, im ORF Interview meinte er heuer dazu: „Ein Teufelsgeiger spielt in hohen Geschwindigkeiten und relativ exaltiert. Es wirkt ein wenig so, als wäre man außer Kontrolle.“ Jakisic wirkte als Studiomusiker an bislang über 100 Produktionen mit, schließlich wandte er sich auch dem Komponieren zu und etablierte sich als gefragter Theaterkomponist und -musiker. Auf der Referenzliste sind renommierte Häuser wie Wiener Burgtheater, Schauspielhaus Bochum, Theater in der Josefstadt, Münchner Kammerspiele, Salzburger Festspiele oder Thalia Theater Hamburg. Mit letzterem gastierte er erst im Vorjahr im Zuge eines Gastspiels im Landestheater in der Heimatstadt. Sein Weg drängt zugleich immer stärker Richtung Film & TV, wo er etwa Musik zu „Der Pass“ (Sky) oder „The Irregulars“ (Netflix) beisteuerte. Wir gratulieren!

UNGEBUNDEN

Wer mitmachen will, muss sich an die Tastatur setzen: Einsendeschluss für die diesjährige Anthologie „ungebunden“ ist der 31. März. Für die vierte Ausgabe des heimischen Literaturwettbewerbs werden Texte gesucht, die sich mit dem 40-Jahr-Jubiläum der Landeshauptstadt beschäftigen. Den Prosa- und Lyrik-Werken sind wenige Grenzen gesetzt, sie können humorvoll, historisch, dystopisch, utopisch oder auch experimentell sein, sie müssen nur einen St. Pölten-Bezug haben, macht Herausgeberin Corinna Bergmann kreativen Köpfen Lust aufs Schreiben. Eine Fachjury wählt die überzeugendsten Texte aus, diese werden in der Anthologie veröffentlicht. Präsentiert wird „ungebunden“ beim Lesefest „Blätterwirbel“ im Herbst. Infos unter st-poelten.bibliotheca-open.de/ungebunden

06/07 MÄRZ 2026

MARCOS MORAU . OPERA

BALLET VLAANDEREN

Romeo + Julia ... bildgewaltig! Die berühmteste aller Liebesgeschichten.

21 MÄRZ 2026

1 TAG ALLE RÄUME

... Ein Festivaltag mit Tanz, Workshops, Party u. v. m.

HIGHLIGHTS IM MÄRZ

10 APRIL 2026

HESSISCHES STAATSBALLETT

Imre & Marne van Opstal . Marco Goecke u. a. ... beeindruckende Tanz-Premiere mit Star-Choreograf:innen.

30 APRIL 2026

VOODOO JÜRGENS

... Voodoo-Magie & Wiener Soul im Mundart-Original

Ein Abend mit starken Stimmen steht am Do., 05. März und somit kurz vor dem Weltfrauentag auf dem Programm: Mit Klavier und Loopstation begeistert die Burgenlandkroatin Mira Perusich ihr Publikum. Hinter dem Kürzel ams verbirgt sich Anna-Maria Schnabl, die mit Dialektsongs berührt. Infotainment vom Besten: Selbstoptimierung mit Humor, Hirn und Haltung gibts am Do., 26. März mit Körpersprache-Experten Stefan Verra.

Kabarettpreisträgerin Toxische Pommes kehrt am Fr., 13. März in die Bühne im Hof zurück und zeigt ihr neues, viel gelobtes Programm „Wunschlos Unglücklich“. Martin Rotheneder hat in seinem neuen Album „Die Lösung liegt nur ein paar Sekunden entfernt“ Geschichten aus und nach der Zeit des 2. Weltkriegs aufgefangen - am Sa., 14. März ist der St. Pöltner Musiker live on stage. Mit Abdelkarim läuft immer alles nach Plan: natürlich auch dann, wenn der deutsche Comedy- & TV-Star am So., 22. März mit seinem neuen Soloprogramm erneut für Lacher sorgt.

Abdelkarim © Moritz ‚Mumpi‘ Künster Monsterpics

ES IST SCHÖN, FÜR DEN LIEBEN GOTT ZU SPIELEN

St. Pölten hatte der gebürtige Osttiroler Bergbauernbub Ludwig Lusser damals vor 20 Jahren nicht am Schirm, aber trotzdem bewarb er sich als Domorganist.

Domorganist Ludwig Lusser fühlt sich in St. Pölten wohl, besonders wenn er an der Orgel spielt.

Das erwies sich rückblickend als Glücksfall – für Lusser, weil er die kleinstädtische Umgebung, abseits des ganz großen Rampenlichts, für seine improvisationsreichen Experimente nützen konnte, und für St. Pölten, weil seitdem in der Stadt eine Reihe von außergewöhnlichen Orgelkonzerten mit internationaler Reputation stattfanden.

Mit 10 Jahren im Internat in Schwaz begann er, nachdem er sich am Klavier

St. Pölten ist für mich ein Versuchslabor, in dem ich experimentieren und improvisieren kann.

LUDWIG LUSSER

probierte, schon an der Orgel zu spielen. „Ich war damals scheinbar als begabter Schüler aufgefallen“, erinnert sich der in Innervillgraten/Osttirol geborene Ludwig Lusser, der heuer 20 Jahre als Domorganist in St. Pölten feiert. „Gleich von Anfang an habe ich an der Kirchenorgel hauptsächlich improvisiert. Das war für mich sehr wohltuend. Seit dieser Zeit spiele ich in der Liturgie. Das ist für mich von besonderer Bedeu-

tung, der Gedanke, für den lieben Gott zu spielen.“ Deswegen hat er sich vor knapp 20 Jahren auch um die Stellung als Domorganist in der Landeshauptstadt beworben. „Ich hatte St. Pölten eigentlich nicht so am Schirm“, erzählt Lusser, der als junger Organist über Innsbruck an die Universität für Musik und darstellende Kunst nach Wien, wie er sagt, „weitergereicht wurde“ und damals auf Geheiß eines Studienfreundes in Lübeck engagiert war. Ganz ernst nahm er seine Bewerbung nicht, obwohl „in der Szene bekannt war, dass hier mit dem Domkapellmeister Otto Kargl auf sehr hohem Niveau gearbeitet wurde.“ Lusser erhielt die Stelle und zog gleich mit seiner Familie in die oft unterschätzte Landeshauptstadt. „Das war paradiesisch, die Gegebenheiten hier kommen meiner Arbeitsweise sehr entgegen. Hier steht man nicht so in der Auslage, hier konnte ich und kann beruhigter experimentieren.“

EIN UNERSCHROCKENER

IMPROVISATEUR

Denn Lusser ist ein Organist, der in vielen Bereichen wie Tanz, Jazz, Oper, Literatur und im 800-jährigen Orgel-Repertoire seine Inspirationen sucht. Wie formuliert es Ziehharmonika-Legende Otto Lechner im Folder zum Jubiläumsjahr mit wunderbarem Musikprogramm so treffend: „es tut gut zu wissen, daß dort in st. pölten einer auf der orgel sitzt, der in der dämmerung des abendlandes – neugierig und unerschrocken – nach poesie, musik und sinn sucht, und auf den man sich verlassen kann.“

Obwohl er frisch darauf losimprovisierte und experimentierte, ist, wie er selbst schmunzelnd erwähnt „nichts schief gegangen.“ Die „Kleinheit“ in St. Pölten ist seinem künstlerischen Naturell, einer abgeschiedenen Langsamkeit, zuträglich. „Zum Üben von komplexen Orgelstücken oder modernen Werken benötigt man einfach Zeit. Otto Kargl und der Klerus haben mir in ihrer Offenheit ideale Bedingungen geschaffen, um experimentieren zu können. Auch die Unterstützung von Stadt und Land ist wunderbar“, schwärmt Lusser von den spezifischen Bedingungen hier in

Das Nischen-Dasein der Orgelmusik ist für mich ein großes Glück. Ich kann experimentieren und ich habe trotzdem genug Resonanzen.
LUDWIG LUSSER

der Nicht-Großstadt, die für ihn eine hohe Lebensqualität besitzt.

Seine normale Tätigkeit, neben dem Erarbeiten von experimentellen Projekten, sind sieben liturgische Messen in der Woche plus die Feiertagsliturgien. Die Dommusik hat auch drei, vier Vokalensemble, mit denen er probt und auch die Aufführungen gestaltet. Das beinhaltet auch solistische Beziehungen. 35-40 größere Werke werden im Laufe des Kirchenjahres für die Messfeier ausgearbeitet, unterschiedliche Bischofsmessen, wie Hochzeiten, Taufen und dergleichen. Verschiedene Bereiche gehören zu seiner alltäglichen Arbeit am Dom. Neben der Domorgel hat er auch die Möglichkeit, am Konservatorium für Kirchenmusik und an der KPH zu üben. Aber wenn er an Tagen, in denen niemand den Dom besucht, an der Orgel spielt, hat es für ihn „einen angenehmen und inspirierenden Charakter.“ Vor allem in den letzten zwei Wochen vor einer Aufführung.

STRADIVARI UNTER DEN ORGELN

Die Domorgel, ein mittelgroßes Instrument, das 1973 von einem Schweizer Orgelbauer, stark auf die Barockzeit zugeschnitten, erbaut wurde, ist für Lusser „die Stradivari unter den Orgeln“. Die Prospektpfeifen stammen noch aus dem Barock. „Es ist ein sehr wertvolles, klangschönes Instrument mit 36 Klangfarben und ein weiterer Glücksfall ist der Kirchenraum mit seiner außergewöhnlichen Akustik.“ Bei komplizierten Stücken benötigt der Domorganist für die vollmechanische Anlage allerdings zwei Assistenten zum Bedienen der Register. Lusser ist durch seine Sozialisierung als Bergbauernkind in Osttirol katholisch geprägt. „Ich bin ein tiefgläubiger Mensch, kein frömmelnder Kampfkatholik“, sagt er von sich. Deshalb ist das Spiel in der Liturgie eine ganz natürliche Tätigkeit. „Es hat für mich einen höheren Wert, als wenn ich ein Konzert spiele. Als Improvisator entwickle ich das ständig weiter. Es ist für mich eine wunderbare Einheit, ein spezielles Setting“, so Lusser, der stark von seinem Lehrer Michael Radulescu beeinflusst wurde. Er hatte ihn zu Beginn seiner Karriere verstärkt zur Kirchenmusik gebracht.

BEI SCHUBERT AUS DEM VOLLEN SCHÖPFEN

Die Krönungsmesse von Mozart oder die sechs großen Messen von Haydn oder die in S-Dur von Franz Schubert sind für Lusser großartige Beispiele von Kirchenmusik. Letztere und die Spuren von Schubert, die er in St. Pölten hier hinterlassen hat, begeistern ihn. Eine der ersten Schubertiaden soll in der Stadt stattgefunden haben. In St. Pölten gibt es dazu zwar ein eigenes Schubertzimmer, aber sonst wurde zu diesem Thema noch wenig unternommen und entwickelt. „Es gibt in der Stadt Leute, die sich nicht in den Vordergrund stellen, aber interessante anregende Künstler sind. Hier könnte man mit den frühen Bühnenwerken des jungen Schuberts aus dem Vollen schöpfen, etwas Neues für St. Pölten entwickeln. Mithelfen, die Schubertwerke aus der Geschichte der Stadt zu erzählen“, ist der Domorganist überzeugt von einem Projekt Musikfest

Ich kann das schreiben, du kannst es lesen. Also müssen wir gerade nicht schauen, dass wir heute noch etwas zu essen bekommen, dass wir nicht erschossen werden, unsere Kinder tot umfallen, weil sie ebenfalls erschossen werden.

Wir könnten ins nächste Kaffeehaus gehen und jammern, wie schlecht es uns doch geht. Wir bestellen Nusskipferl und Zimtschnecke, zwei Melange. Ich sage „die“ Melange, du sagst „der“ Melange. Wir diskutieren, rücken auseinander, sagen dem anderen, dass er sich einfach nicht auskennt. Wir beginnen uns anzurempeln, spotten den anderen aus, lauter, verletzend. Die Umsitzenden werden für einen von uns Partei ergreifen, ohne zu wissen, worum es überhaupt geht. Die ersten Schreie, Schläge, Chaos. Letztendlich bleiben wir alle liegen in unserem Blut. Das Kaffeehaus wird nämlich größer und größer, über Spratzern und Stattersdorf erobert es die Welt. In Büchern werden wir aufschreiben, warum wir Recht haben und der andere ausgerottet werden muss, mit all seinen Anhängern. Oben drüber schreibt jeder: ‚Gott sagt‘. Dann werden wir aufwachen mitten im Kaffeehaus. Wir haben nur geträumt. Wir sind natürlich wieder Freunde. Einer von uns sagt: „Was? Du tust dir Zucker in den Kaffee?“ „Ja, natürlich“, sagt der andere. „Entschuldige, aber man kann doch nicht den guten Kaffeegeschmack mit Zucker verderben!“ Es wird lauter. Doch diesmal träumen wir nicht. Wir schlagen uns wieder die Schädel ein, wie seit 100.000 Jahren. Schade, ich liebe Nusskipferl.

Die St. Pöltner Domorgel ist eine Stradivari unter den Orgeln.
LUDWIG LUSSER

zu Ehren Schuberts, dass sich abseits der großen Kulturtanker aus dem Kleinen heraus erhebt. „Ich brenne jeden Tag, habe noch viele Themen zu bearbeiten, da reichen zehn Leben nicht“, erzählt er schmunzelnd. Lusser blickt auf 20 Jahre in St. Pölten zurück, wo er herausragende Projekte, wie das Nitsch-Projekt 2018 bis 2021, realisierte. Das „enfant terrible“ der Theaterkunst, der früh verstorbene Christoph Schlingensief, hatte ihn während seines Projektes Area 7, wo Lusser an der Orgel mitwirkte, auf die Orgelarbeiten von Hermann Nitsch gebracht. „Ich war beeindruckt von den Begegnungen mit Nitsch und seiner Großzügigkeit, er hat uns sechs Bilder zum Aufhängen zur Verfügung gestellt.

Ludwig Lusser arbeitet gerne mit Künstlern aus verschiedenen Bereichen zusammen. Etwa mit dem Jazzer Wolfgang Puschnig oder Wolfgang Mitterer. Auch mit Starchoreograph Renato Zanella und Minimal Musiker John Zorn –„der würde gerne wiederkommen“ – war er musikalisch gemeinsam unterwegs. Der Domorganist liebt das Experiment und die Improvisation, auch mit so Kulturdenkern wie Andreas Schett von der Musicbanda Franui.

„Das Orgelspiel interessiert eh nicht viele. Aus dem Umkehrschluss heraus kann ich meine Sachen bearbeiten. Das Nischen-Dasein ist für mich ein

großes Glück und ich habe trotzdem genug Resonanzen“, sieht sich Lusser als „kein Sklave der Musikindustrie.“ Dieses selbstbestimmte Dasein macht ihn zu einem Experimentierer, der bis zu seiner Pension in St. Pölten bleiben möchte und mit Künstlern wie dem Komponisten und Trompeter Michael Mantler oder der unterschätzten Komponistin Julia Purgina, die 1998 in St. Pölten maturierte, außergewöhnliche Projekte entwickeln möchte. „St. Pölten hat sich für mich als wunderbares Versuchslabor erwiesen“, so Lusser, der für das Jubiläumsjahr 2026 ein großartiges Musikprogramm erstellt hat. Höhepunkte sind da etwa am 31. Mai 2026 das „Orgel Plus“ Konzert mit Texten von Mann, Beckett und Jandl im Dom. Dazu holt er sich musikalische Mithilfe von Wolfgang Puschnig und Otto Lechner. Beim Konzert am 8. November zum 90. Geburtstag des Komponisten Erich Urbanner verbindet er dessen Musik mit Werken von Bach – mit dabei die bildende Künstlerin Maria Wolf mit ihrem Triptychon zur Apokalypse. Näheres auf orgelplus.at. Man darf sich freuen, Ludwig Lusser bei seiner musikalischen Arbeit an der Kirchenorgel, die von Offenheit, Neugier, improvisatorischer Gnade und genialer Technik geprägt ist, in diesem Jahr zu hören und wahrscheinlich auch darüber hinaus.

„URFRÖHLICH“ DURCH DEN KULTURFRÜHLING

In der aktuellen Frühjahrssaison begeistert die Tischlerei Melk Kulturwerkstatt wieder mit einem abwechslungsreichen Programm.

Kabarett-Schwerpunkt mit NÖ-Premieren

Mehrere Kabarett-Acts sorgen für heitere Stunden. Erstmals mit ihren neuen Programmen in Niederösterreich zu Gast sind Dirk Stermann „20 Spritzer bis Amstetten“ am 10.4. und Reinhard Nowak „Urfröhlich“ am 11.4. Der bekannte Theater- und Filmschauspieler Thomas Mraz bringt am 24.4. sein erstes Solo-Programm „Mraz First“ mit nach Melk.

Musik, Musik, Musik!

Mit „Soiz“ (so der Titel ihres neuen

Albums) im Gepäck beehrt Anna Buchegger am 18.4. die Tischlerei Melk Kulturwerkstatt. Die Starmania-Gewinnerin von 2021, verbindet Dialekt mit elektronischen Beats, feministischem Selbstverständnis und einer klaren künstlerischen Vision.

„Is was gwesn?“ fragen sich Verena Doublier und Sebastian Radon alias Wiener Blond am 25.4. Den roten Faden durch jede musikalische Phase der 2012 gegründeten Band bilden dabei immer die überraschenden Texte, der wienerische Zungenschlag und die wie aus einem Guss geformte Zweistimmigkeit.

Tischlerei Melk zu Gast in der Melker Stiftskirche: Lokalmatador Thomas Gansch und das von

ihm initiierte Bandprojekt „Alpen & Glühen“ versprechen einzigartige Klangwelten. Zu dieser „Supergroup“ herausragender Musiker:innen gesellt sich am 28.5. der Chor Ad Libitum Ein Erlebnis der Extraklasse!

Das gesamte Programm gibt es auf tischlereimelk.at

DER WANDLBARE

Er ist Schauspieler, Impro-Trainer, Talkmaster, Singer/Songwriter und Lehrer. Die St. Pöltner Kulturszene wäre bedeutend ärmer ohne ihn: der 1967 geborene Georg Wandl, die bescheidenste Rampensau, die man sich vorstellen kann.

Im Grunde ist das alles nur ein Hobby.“ Diese Aussage tätigt Georg Wandl beim Vormittags-Interview im Café Schubert, worauf dem Schreiber dieser Zeilen beinahe das verspätete Frühstück aus dem Mund fällt. Wie bitte? Ein Workoholic, dessen Energievorrat unerschöpflich scheint und dessen Schlafenszeiten wohl eher als Powernapping umschrieben werden sollten? Er winkt ab: „Ich gehe um elf Uhr schlafen und stehe um 5.40 Uhr auf, damit ich den 6.30-Uhr-Zug der Mariazellerbahn von meinem Wohnort Obergrafendorf zum Schulzentrum in der Eybnerstraße erreiche. Dort befindet

sich mein Arbeitsplatz als Lehrer.“ Doch darüber hinaus macht er doch auch noch unglaublich viel. Dieser Tage etwa findet die Premiere des neuen Stücks der Theatergruppe Perpetuum, „Die 39 Stufen“ (s. Kasten) statt, dazu gibt‘s Impro-Theater der Jumpers Reloaded und online wie auf Vinyl kann man sich auch seine Songs zu Gemüte führen. Und auch ein Talk im Cinema Paradiso steht wieder einmal ins Haus … „Alles nicht so schlimm! Ich mach‘ ja nur das, was mir selbst Freude macht.“ Was nicht grad wenig ist. Aber der Reihe nach … Das Theater Georg Wandls erste Liebe (neben Daniela – aber dazu kom-

FOTOS PRIVAT, HANS KOGLER, DANIELA WANDL

men wir noch). „Als ich in der ersten Klasse im Gymnasium war, übte das Schultheater grad Herzmanovsky-Orlandos ‚Kaiser Joseph und die Bahnwärterstochter‘. Da brauchte man ‚Figuren zweifelhafter Provenienz: zwei Gnome auf einer Draisine‘. So hieß das. Und wahrscheinlich war ich einfach klein genug und hatte das Glück, dass der Regisseur Bernhard Paumann mein Deutschlehrer war.“ Der Zwerg stellte also so etwas wie den Startschuss zu Wandls Schauspielerkarriere bei der Theatergruppe Perpetuum dar. „Die zweite Perpetuum-Generation hat sich in der Schule kennengelernt …“ Er denkt kurz nach: „… vor 47 Jahren. Unglaublich!“ Zu dieser gehörte auch eine gewisse Daniela, die später den Nachnamen Wandl tragen sollte. 1983 war die Gruppe unter anderem von Fritz Humer und Bernhard Paumann gegründet worden, 1985 stießen Georg, Daniela und Martin Freudenthaler dazu. Für die vierte Perpetuum-Produktion „Die Verfolgung und Ermordung Jean Paul Marats, dargestellt durch die Schauspielgruppe des Hospizes zu Charenton unter Anleitung des Herrn de Sade“ von Peter Weiss –heute meist kurz „Marat/Sade“ genannt – wurden Insassen benötigt. „Und da sind wir reingerutscht.“

Und seitdem spielt Georg Wandl regelmäßig Theater, meistens Hauptrollen und definitiv keine Gnome mehr. Und schafft mit Perpetuum den Spagat zwischen Anspruch und Unterhaltung.

Und dann ist da noch die Musik: „In der dritten Klasse Gym hatten wir eine Schulband, für die wir den Namen Taktlos Exakt erfanden.“ Man spielte – es waren die frühen 1980er – naturgemäß New Wave. Unter den Mitspielern befanden sich unter anderem auch Oliver Jung, der später mit Espresso, und Simone Stelzer sowie Peter Pansky, die mit Peter Pan die Charts stürmen sollten. Danach gab’s die United Workers mit einer Mischung aus Instrumentalrock und Popsongs, „doch das hat sich aufgehört, weil alle berühmt wurden … außer ich.“ Anfang der 1990er gründete Wandl van Dell, „gemeinsam mit meinem Bruder. Ich schrieb die Songs – das war so eine Art Folkpop.“ 1993 wurde eine MiniCD im Lokal Narrenkastl präsentiert, „1995 war’s dann aus. Das Publikum war halt eher begrenzt.“ Und nach beendetem Studium schlug das Leben andere Bahnen ein. Dreißig Jahre schrieb Wandl keine einzige Liedzeile mehr. Doch ein Freund brachte auf Spotify einen alten Song raus. Und da leckte er doch wieder Singer/Songwriter-Blut. „Martin Scheer, ein renommierter Vollprofi, remasterte die alte CD, die damals in den 90ern auf einem Stereo/Video-Recorder

aufgenommen worden war und daher über eine recht beschränkte Tonqualität verfügte, neu. Er kitzelte raus, was ging. Und mit Christoph Richter gemeinsam finalisierte ich dann noch zwei damals halbfertig gebliebene Songs. Seitdem schreibe ich wieder Lieder für van Dell, für deren Aufnahmen ich mir gerne Hilfe von Profi-Musikern aus meinem Bekanntenkreis hole.“ Er gesteht mit einem Grinsen: „Meine musikalischen Fähigkeiten sind begrenzt – aber meine Lieder mag ich wirklich; als Songwriter bin ich mit mir zufrieden.“ Nachzuhören etwa bei dem Lied „Thank you for being alive“, das er für Daniela schrieb und „über einen schönen Beatles-Sound verfügt.“ Und auch ein erstmals in Dialekt gesungenes Lied mit dem Titel „St. Pölten, 1.12.1971“, geschrieben von seinem Großvater, sollte auf einem „Musik STP“-Sampler seinen Platz finden.

In den späten 1990er Jahren entdeckte der Vielseitige dann noch das Impro-Theater, das ja von der direkten Interaktion zwischen Zusehern und Spielern lebt. Das Publikum ist hier gleichsam der Regisseur und gibt die Themen beziehungsweise die Anweisungen vor. „In Graz sah ich eine Impro-

Der billigste Luxus ist Freundlichkeit. Mein Lieblingsschriftsteller John Irving meinte einmal: „Be nice twice!“
1 Schon als Kind zeigte Wandl sein unverwechselbares Lächeln 2 In den 90ern gründetet er die Band Van Dell. Nach 30 Jahren Pause schreibt er wieder Songs. 3 Als Vollblut-Mime eine Institution bei Perpetuum und als „Trainer“ bei seinen Jumpers Reloaded.

Show im Theater im Bahnhof: Ich war überwältigt.“ Er konkretisiert: „Das Geile am Impro-Theater: Es ist wie beim Fußball – du weißt nie, wie’s ausgeht. Das Publikum liebt es, die Schauspieler schwitzen zu sehen.“ Er selbst eignete sich das Know-how bei einem Workshop von Helmut Köpping im Rahmen einer sommerlichen Lehrerfortbildung in Hollabrunn an. „Bin aber lieber Trainer, weniger Schauspieler.“ Mit Internatsschülern, für die er als Erzieher verantwortlich war, gründete er die Spontaneous Jumpers. Daraus wurden dann 2007 die „Jumpers Reloaded“ („das ist leichter zu schreiben als ‚Spontaneous‘ …“!), die jeden ersten Dienstag im Forum-Kino spielen, wo auch die Perpetuum-Stücke regelmäßig aufgeführt werden. „Wir befinden uns gerade in der 19. Saison. Als Musiker haben wir schon seit Längerem Christoph Richter mit an Bord.“ Und er ergänzt: „Man kann Spontanität trainieren. Man muss halt aufpassen und einander zuhören.“ Bislang gab’s etwa 200 Shows, davon eine in der Mariazellerbahn. Und am Faschingsdienstag sowie beim Sommer-Open Air auf dem Rathausplatz findet sich die Truppe im Cinema Paradiso ein.

Und dann ist da noch „Meine Lieblingstalkshow“. „Die Idee kam, als ich im Rahmen einer Impro-Show einen Gast interviewte. Co-Jumper Richard Schmetterer meinte darauf: ‚Es ist so nett, wie du mit den Leuten redest. Hast du schon einmal daran gedacht, eine Talkshow zu machen?‘ Habe mir das fünf Jahre lang überlegt. Und dann war es soweit.“ Was ihm wichtig ist: „Ich interviewe beziehungsweise talke nur mit Menschen, die mir sympathisch sind. Keine Karrieregespräche – wir sprechen eigentlich nur über schöne Sachen, so nach dem Motto: ‚Was macht dich glücklich?‘“ Bislang ließen sich etwa Andi Knoll, Herbert Prohaska oder Omar Sarsam bei Wandl im Cinema Paradiso zum Gespräch nieder. „Die Einnahmen gehen dann samt und sonders an eine wohltätige Organisation, die der jeweilige Interviewpartner aussuchen darf .“

Auch sein „Brotberuf“ Lehrer macht

Eines der jüngsten „Babys“ von Georg Wandl: Im Rahmen von „Meine Lieblingstalkshow“ lädt er Gäste ein „die mir sympathisch sind“, wie etwa Herbert Prohaska.

Die 39 Stufen

Das aktuelle Perpetuum-Stück, das ab dem 20. Februar im ForumKino gegeben wird: „Die 39 Stufen“ von Patrick Barlow, basierend auf dem Roman von John Buchan (1915) und dem Thriller von Alfred Hitchcock (1935).

London in der 1930er-Jahren Richard Hannay möchte sich eigentlich im Theater entspannen, aber da fällt ein Schuss! Richard wird in einen Kriminalfall hineingezogen und befindet sich plötzlich auf einer abenteuerlichen Flucht vor Spionen und Mördern. Auch die Romantik kommt nicht zu kurz.

Tempo, Witz und eine Prise britischer Ironie Ein Thriller-Feuerwerk aus Komik und Spannung. Vier Schauspieler schlüpfen dabei blitzschnell in Dutzende von Rollen, die Bühne wird zum lebendigen Kino. Es spielen: Iris Teufner, Fritz Humer, Hasan Ocak und Georg Wandl. Regie: Richard Schmetterer.

ihm Freude und ist daher mehr als das. In ein paar Jahren dräut die Pension, aber Wandl schätzt jeden Tag des Unterrichtens im Schulzentrum (SZE). „Ich hab‘ auch wirklich viele liebe Schülerinnen und Schüler.“

Seine Gattin Daniela, selbst Perpetuum-Mimin und vielen als ehemalige Höfefest-Organisatorin und Bühne im Hof-Prinzipalin ein Begriff, hatte er schon in der Schule kennengelernt. Es begann mit dem Austausch von Mixtapes, „und sie war mein erster Schwarm, mit elf spielten wir Schultheater.“ Letztes Jahr feierten die beiden Silberne Hochzeit. „Unsere Tochter Emma wird jetzt

19.“ Und sie tritt schon bei Perpetuum in die elterlichen Fußstapfen. Der Lehrer, Impro-Trainer, Talkmaster, Singer/Songwriter und Schauspieler Georg Wandl, dessen deutschsprachiges Vorbild Joachim Meyerhoff und international Andrew Scott ist, hält den Begriff Freude hoch. Und meint abschließend: „Was mir immer bewusster wird: Man soll nie ausschließlich von sich selbst ausgehen. Jeder hat ja seine eigene Realität, Erfahrungen. Der billigste Luxus ist Freundlichkeit. Mein Lieblingsschriftsteller John Irving meinte einmal: ‚Be nice twice!‘ Dem kann ich nur zustimmen.“

HAUS FÜR NATUR: „TIERE DER NACHT“

Die Ausstellung „Tiere der Nacht“ erkundet die Welt nachtaktiver Tiere und Pflanzen.

Kinder ab 7 Jahren erwartet zudem bei „Nachts im Museum Niederösterreich“ ein besonderes Abenteuer.

Mit gespitzten Ohren, tastenden Händen und guten Augen tauchen die Besucher:innen in die faszinierende Welt der Fledermäuse, Eulen, Frösche, Grillen und Igel ein. Denn mehr als die Hälfte aller Tierarten sind dämmerungs- oder nachtaktiv. Warum nutzen Tiere den Schutz der Nacht? Wie haben sich diese Tiere und übrigens auch manche Pflanzen an die Dunkelheit angepasst? Und: Was können Menschen zum Schutz nachtaktiver Tiere beitragen?

Nachts im Museum Niederösterreich

Kinder ab 7 Jahren in Begleitung von Erwachsenen erwartet ein ganz besonderes Abenteuer: Wenn es im Museum Niederösterreich still geworden und alle Besucher:innen nachhause gegangen sind, führen Nachtwächter Wurlitzer und die schlaue MuseumsEule Poldi durch das Haus für Natur und durch die Ausstellung „Tiere der Nacht“. Nach einem gemeinsamen Essen und einer spannenden Lesung sind auf den Spuren von Eule, Fledermaus und Glühwürmchen spannende Aufgaben zu lösen. Alle Infos und Tickets zu den Terminen gibt es unter:

www.museumnoe.at/nachts-im-museum

VON NEW YORK BIS TEL AVIV

Die dritte Ausgabe der Jewish Weekends spannt in der Ehemaligen Synagoge St. Pölten an zwei Wochenenden von 29. bis 31. Mai sowie von 6. bis 7. Juni mit ihrem Programm einen Bogen von New York bis Tel Aviv.

Artist in Residence ist der renommierte Klarinettist und Neuentdecker der Klezmer-Musik David Krakauer aus New York. Er trifft beim Eröffnungskonzert auf Moritz Weiß & Styrian Klezmore Pocket Band. Am Samstag konzertiert Krakauer gemeinsam mit der südafrikanischen Pianistin und Komponistin Kathleen Tagg.

„Die Auftritte von David Krakauer, als einem der weltweit interessantesten und innovativsten Vertreter jüdischer Musik, sind ein Höhepunkt des Festivals“, freut sich Festivalkurator Johann Kneihs. „Außerdem war uns wichtig, dass auch heuer

wieder Musik des sephardischen Judentums zu hören ist, die in Österreich eher selten aufgeführt wird.“

Sephardische Musik ist mit der Österreich-Premiere der israelischen Sängerin Nani Vazana prominent vertreten, wie auch mit dem Trio Sefarad (Aron Saltiel, Dimitri Psonis, Kurt Bauer). Weitere Highlights: Ethel Merhaut lässt mit Belush Korenyi und Aliosha Biz jiddische Chansons der 1920er-Jahre auferstehen. Auch die fulminante Band Baba Yaga aus Österreich lädt mit der Musik Osteuropas zum Feiern ein. www.ehemalige-synagoge.at/jw

Baba Yaga (oben) und Klarinettist David Krakauer (unten) zählen zu Highlights der Jewish Weekends.

EIN FRÜHLING FÜR ALLE SINNE

Vor 40 Jahren wurde St. Pölten zur Landeshauptstadt erhoben. Im Jubiläumsjahr lässt die warme Jahreszeit auch das Kulturangebot erblühen. Festivals, Konzerte und Ausstellungen laden dazu ein, Musik, Geschichte und kreative Begegnungen für Jung und Alt in all ihren Facetten zu erleben.

BIG BANG FESTIVAL FÜR KINDER

Das Big Bang Festival ist zurück und bringt von der Bühne bis ins Foyer jeden Winkel des Festspielhaues zum Klingen. Auf Kinder ab 5 Jahren wartet ein Tag voll Musik, Entdeckungen und Überraschungen mit zauberhaften Klangideen der Zonzo Compagnie aus Belgien und einem Programm, das Neugierige jeden Alters begeistert. In diesem Jahr können die Kinder mit „Solarium“ einen magischen Ort voller musikalischer Pflanzen erkunden oder im Pleyel-Foyer einen ganzen Vogelschwarm zum Singen bringen. Ein großer musikalischer Spielplatz!

MEISTERKONZERTE

Eine musikalische Reise von den Anfängen des Jazz in New Orleans bis zum klassischen Broadway-Jazz wartet beim Konzert von Martin Breinschmid am Freitag, 8. Mai im Stadtsaal. Diesmal bekommen die Radio Kings Unterstützung von den Sängerinnen Carole Alston und Tanja Filipovics sowie von einem Stepptänzer. Am Samstag, 16. Mai gastiert der gemischte Chor „Podjuna“ aus Pliberk/Bleiburg im Rahmen eines Bonus-Konzerts in der Ehemaligen Synagoge. Mit im Gepäck hat der Chor aus der Kärntner Grenzregion slowenische Volkslieder.

Weltbekannte Künstlerinnen und Künstler sind bei den Jewish Weekends in der Ehemaligen Synagoge St. Pölten zu Gast. Die dritte Ausgabe des Festivals spannt mit neun Konzerten einen musikalischen Bogen von New York über Wien bis Tel Aviv. Den Konzertreigen eröffnet Star-Klarinettist David Krakauer. Ethel Merhaut lässt jiddische Chansons der 20er Jahre auferstehen. Die Band Baba Yaga feiert mit jiddischen Liedern und orientalischen Rhythmen, das Trio von Shira Karmon, Antonis und Alexander Vounelakos präsentiert die Vielfalt des jüdischen Lieds.

8. UND 16. MAI

NEUE DAUERAUSSTELLUNG IM STADTMUSEUM

Ab Mai präsentiert das Stadtmuseum eine neue Dauerausstellung. Dazu werden die bisherige archäologische Sonderausstellung und die Zeitgeschichteausstellung weiterentwickelt, damit sie die Geschichte der Stadt von der Urgeschichte bis in die Gegenwart neu erzählen. Zudem gibt es am 10. Mai wieder die Veranstaltung „Archäologie im Hof“ mit Mitmach-Stationen für die ganze Familie und ab dem 19. Mai gemeinsam mit dem Museum NÖ eine Schau zu 40 Jahre Landeshauptstadt im öffentlichen Raum.

FESTIVAL DER MILITÄRMUSIK

Das Barock Festival feiert sein 20. Jubiläum mit einem enorm vielfältigen Programm, das Musik, Kunst, Literatur und Tanz vereint. Den Auftakt gibt ein Kunstabend, bevor der Konzertreigen am 11. Juni von Countertenor und Intendant Alois Mühlbacher und dem Ensemble Pallidor im Dom eröffnet wird. Weitere Highlights sind u. a. ein Bach-Abend des Orchesters Wiener Akademie sowie das Festkonzert zum Jubiläum mit der Cappella Nova Graz und einzigartigen Solist:innen unter der Leitung von Otto Kargl. Alle Programminfos ab 25. März.

Landestheater

7. März

Premiere: der mund wenn er kippt ist ein teich

13. März

Premiere: Der blinde Passagier

30. April

Die Militärmusik Niederösterreich gibt heuer gleich zwei Galakonzerte im Festspielhaus. Zu hören sind Werke großer Meister von der Romantik bis hin zur Moderne. Zum 200. Todestag wird Carl Maria von Webers Freischütz ebenso aufgeführt werden, wie Stücke zeitgenössischer Musikschaffender – von orchestraler Musik bis zu Rock und Pop. Das Spektrum reicht von zarten, meditativen Linien über kammermusikalisch filigrane Strukturen bis hin zu machtvollen Klangflächen von großer emotionaler Wucht.

Premiere: Speed – Auf den letzten Metern

Festspielhaus

6.+7. März

Marcos Morau, Opera Ballet Vlaanderen & Tonkünstler Orchester

21. März

Christos Papadopoulos, Dance On Ensemble

29. März

Osterkonzert –Domkantorei, Valentin Kunert

30. April

Voodoo Jürgens

UND 23. APRIL

Weitere Veranstaltungen finden Sie unter events.st-poelten.at

17. März

St. Patrick’s Day mit den Gallows Fellows

12. Juni

Stadtlandfluss im Regierungsviertel

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Ende des Monats habe ich mich unter recht ungewöhnlichen Gesellen wiedergefunden. Viele von ihnen trugen strenge Seitenscheitel, schwarze Stiefel und BarbourJacken. Andere Anzug und Mantel. An diesem Abend gastiert nämlich ein besonderer Mann in Wien: der Anti-Demokrat und Neo-Monarchist Curtis Yarvin.

Yarvin ist ein US-amerikanischer Blogger, Softwareentwickler und politischer Denker. Er gilt als einer der Hauptvertreter der sogenannten „Dark Enlightenment“ und argumentiert, dass die Demokratie gescheitert sei. Stattdessen sollten Staaten seiner Meinung nach wie ein Unternehmen mit einem allmächtigen Mann an der Spitze geführt werden. An diesem Abend hat die rechtsextreme Studienorganisation „Aktion 451“ ihn eingeladen. Einige prominente Personen aus der rechten Szene sind gekommen: Ideologen der Identitären, eine Wissenschaftlerin und sogar ein rechter Bodybuilder mit 100.00 Instagram-Followern. Yarvin nimmt neben einem lodernden Kamin Platz, dann beginnt er zu erzählen. Und was soll ich sagen? Wer antidemokratische Aufforderungen zur Unterwanderung und Zerstörung der EU, ihrer Mitgliedsstaaten und all dessen, was die Rechten als „liberale Institutionen“ verstehen, erwartet hat, wird nicht enttäuscht. Die Anwesenden belohnen Yarvins Ausführungen mit motiviertem Applaus. Und ich sitze da, der einzige Journalist im Raum, soweit ich weiß, und hoffe, dass gerade mindestens ein Verfassungsschützer mit mir im Raum ist und all das hört.

IT’S ALL

OVER NOW

Nun ist aber endgültig Schluss – unter dieses Motto könnte man das Abschiedskonzert der legendären St. Pöltner Indie-Band Nucleus Mind am 18. April im Freiraum stellen, nachdem es im Vorjahr verschoben werden musste. Noch einmal wird man einen breiten Bogen aus 15 Jahren gemeinsamen Schaffens zu Gehör bringen, und dann, wie man betont „mit der gleichen Harmonie auseinandergehen, welche wir uns immer an die Brust hefteten, was unser Songwriting betraf – also kein Groll und keine Zwistigkeiten!“ Warum endgültig Schluss ist, erklären die Jungs einerseits mit den Niederungen der Logistik – Keyboarder Peter Mühlbauer musste etwa immer von Wien nach St. Pölten pendeln – zum anderen juckt es etwa Sänger Jürgen Schwarz auch nach musikalischer Veränderung. Seit kurzem singt er in der Band „Schall und Zeilen“, wie man dem Namen schon entnehmen kann, auf Deutsch. Fürs letzte Konzert, im Übrigen quasi umklammert von Hagen als Support sowie Young & Lost im Zuge der Aftershowparty, werden die Herren jedenfalls wieder für eingängigen Sound sorgen und Feelgood-Atmosphäre.

BLUMENDISKO

Blumendisko, so der Name des aktuellen Albums, bringt ganz gut zum Ausdruck, wofür Rian steht: Humor, Leichtigkeit und die Gabe, das Leben nicht allzu schwer zu nehmen. Im Ö3-Interview meint er dazu: „Der Humor ist mein Tool, mit Dingen umzugehen, die vielleicht nicht so schön sind – die Welt kann ruhig ein bisschen mehr Leichtigkeit vertragen.“ Dankenswerterweise trägt er selbst mit Hits wie „Schwarzes Schaf“, „Verwandtschaftstreffen“, „Hausparty“ uvm. zu bester Laune bei – so auch am 10. April im VAZ St. Pölten. Es heißt aber schnell sein, wie auch Stefan Baumgartner im Headliner schreibt: „Wer noch gemeinsam mit Rian eskalieren und dermaßen durch die Botanik pflügen will, dass hierauf kein Gänseblümchen mehr in der Blumendisko steht, der sollte sich r(i)anhalten!“

WENN WORTE FEHLEN

Seit 40 Jahren steht Martin Rotheneder auf der Bühne und gerade ist sein neuestes Album erschienen. Waren seine ersten Lieder in englischer Sprache, brachte er vor einigen Jahren den Dialekt ins Spiel. Jetzt lässt er die Musik in ihrer reinen Form auf uns wirken. Also Gründe genug, sein Bühnenjubiläum nebst Albumpräsentation am 14. März in der Bühne im Hof zu feiern.

Martin Rotheneder „Die Lösung liegt nur ein paar Sekunden entfernt“: Konzert am 14. März um 19.30 Uhr in der Bühne im Hof: Martin Rotheneder Gitarre, Stimme, Cornelia Pesendorfer Oboe, Englischhorn, Wolfgang Köck Kontrabass und Gäste – etwa Gerald Huber, Lisa Lurger und Werner Hainitz (sein ehem. Gitarrenlehrer).

wp.martinrotheneder.com

Aus einem Moment heraus und im Bewusstsein, dafür keine Worte zu finden. So beschreibt Martin Rotheneder seine künstlerische Entwicklung, die er im Vorfeld zum neuen Album „Die Lösung ist nur ein paar Sekunden entfernt“ genommen hat. Ausgangspunkt sind Geschichten aus seinem persönlichen, familiären Umfeld. Im Mittelpunkt seine Großtante Gitta, die als Person mit Down-Syndrom ein hartes Los in den Phasen gesellschaftlicher Rohheit und Brutalität erleiden musste und trotzdem auf ihrem besonderen Lebensweg vieles in begleiteter Selbstbestimmung überwunden hat. „Ich habe zu Lebzeiten meiner Großtante noch nicht darüber nachgedacht, aber durch das Gedenkjahr im Vorjahr und durch viele Erzählungen meiner Großeltern, wurden diese Geschichten omnipräsent“, so der umtriebige St. Pöltner Liedermacher. Bei der musikalischen Umsetzung dieser historischen Erlebnisse kam aber er sehr bald zum Schluss, „dass es für mich keine Möglichkeit gab, dies in Worte zu fassen.“

EMOTIONALES UND FREIES SPIEL

Rotheneder lässt den Sound seiner Gitarre und sein emotionales und freies, vielschichtiges Spiel mit dem Instrument sprechen. Dabei darf er sich auf eine starke Basis von der Klassik her, gepaart mit Jazzigem, und seiner Erfahrung bezüglich der Handhabung von Pop- und Rockelementen verlassen. „Es geht mir aber mehr um die klangliche Ästhetik als um Spieltechnik.“ Seit je beeindruckt ihn das musikalische und gedankliche Abtauchen in eine andere Welt. Eine zu Beginn erzeugte musikalische Reibung und die Auflösung dieser im Laufe der Stücke bildet die Basis für eine Kommunikation und Interpretation, die der Hörerin und dem Hörer eine spannende Herausforderung garantieren. Ihnen die Chance gibt, die Botschaften der Erzählungen zu räsonieren. „Ich paraphrasiere die Geschichten, dechiffriere sie mit meiner Akustikgitarre und versuche so, sie für andere erlebbar zu machen“, erzählt Rotheneder, der damit auch Lösungsbotschaften formuliert und transportiert. Ihm geht es vorderhand nicht um das Grauen, das Leid, das hinter diesen, ihm erzählten Geschichten steckt, sondern um dessen Überwindung, der Kraft des persönlichen Widerstandes, der Resilienz. „Es ist eine Art von provokantem Optimismus“, erzählt der Musiker, der auch durch die Ausstellung „Blick in den Schatten. St. Pölten und der Nationalsozialismus“ im St. Pöltner Stadtmuseum, die sich äußerst gelungen mit Gesellschaft und Politik in dieser Zeit auseinandersetzte, in seiner Projektidee gestärkt wurde. „Manche Stücke sind aus dem Moment entstanden, in kürzester Zeit, so wie Gitta, ein Leben.“ Andere mussten erst reifen, „haben Sinn, Umgebung gebraucht.“ Seine neuesten Lieder öffnen eine zu tiefste Privatheit, bleiben am Ende aber doch privat. Mit viel Sinn für starke Emotion gelingt es ihm auf eine beeindruckend musikalisch-improvisatorische Weise, uns am Gefühl der Zuversicht, an den Erzählungen der Menschen, Anteil zu nehmen.

DAS GLITCH LAB

Von einer hinterlistigen Puppe durch einen verlassenen Vergnügungspark gejagt zu werden klingt nach dem Drehbuch eines Horrorfilms –oder nach einem besonders hartnäckigen Albtraum. Im neuen „Glitch Lab“ in Ratzersdorf wird aber genau dieses Szenario auf Knopfdruck zur greifbaren Realität – zumindest fast.

Auf den ersten Blick wirkt der Raum, wo man spielt, unscheinbar – bis auf die Headsets, Controller und Bodenmarkierungen ist er nämlich ziemlich leer. Doch sobald die VR-Brille sitzt, steht man mitten in einer anderen Welt. Die Realität beginnt zu verschwimmen. Was eben noch nach Fiktion klang, wird innerhalb von Sekunden zu einem hautnahen Spielerlebnis.

Doch alles der Reihe nach.

DER WEG ZUR VR-ARENA

Zu viert betreten wir die frisch renovierten Räumlichkeiten und werden sofort herzlich von Anja und Flo emp-

fangen. Die beiden haben die Idee zum „Glitch Lab“ innerhalb weniger Monate in die Realität umgesetzt, seit November letzten Jahres kann man jeweils von Donnerstag bis Sonntag in der VRArena für ein paar Stunden in eine andere Realität einzutauchen.

Ihre Begeisterung für Gaming und private Erfahrungen mit Virtual Reality setzen im Februar 2025 die Überlegungen für das heutige „Glitch Lab“ in die Gänge. „Eine VR-Arena ist genau das, was in St. Pölten noch fehlt, und wir kennen uns mit der Thematik aus – also haben wir das Projekt in Angriff genommen“, erzählen die beiden. Nachdem sie die passende Location in Ratzersdorf gefunden hatten, konnten die beiden mit Hilfe von Familie und Freunden die Renovierungsarbeiten innerhalb von nur zwei Monaten abschließen und waren startklar. „Seit Ende November haben wir jetzt geöffnet, und auch wenn wir anfangs gar nicht so davon in der Dimension ausgegangen sind – aber die ersten Monate wurden richtig gut angenommen. Wir hoffen, dass es so weitergeht.“

Anja und Flo haben in Ratzersdorf mit dem „Glitch Lab“ eine VR-Arena aus der Taufe gehoben, „genau das, was in St. Pölten noch gefehlt hat!“

KLEINER RAUM – GROSSE WELT

Startklar sind jetzt aber auch wir für das Abenteuer. Gästen stehen fünf Spielmöglichkeiten zur Verfügung: Tactics, Party, Battle, Zombie und Escape. Wir entscheiden uns nach einer kurzen Einführung und ein paar Runden von lustigen Partyspielen, bei denen wir das Prinzip der VR-Brillen schnell kennenlernen, für letzteres: Escape Room –Horror!

Schon sind wir mittendrin im Geschehen: Plötzlich stehen wir in einem verlassenen Vergnügungspark. Zwischen rostigen Fahrgeschäften und flackernden Lichtern lösen wir knifflige Rätsel, um der bösartigen Puppe zu entkommen. Die vielfältigen Aufgaben bringen uns ganz schön ins Schwitzen, während des Rätselns und den Diskussionen, wer die richtige Lösung gefunden hat, vergisst man glatt, dass man sich in einem Spiel befindet.

Doch auch die virtuelle Welt hat Grenzen: Im Spiel wirkt die reale Fläche von 220m² viel größer – vor allem weil man sich darauf frei bewegen kann. Wenn es aber doch einmal passiert und man sich zu nah an den Rand der Spiel-

fläche bewegt, schaltet die VR-Brille automatisch in einen Kameramodus – das Anrennen an Wände sollte nämlich eher vermieden werden. Und auch dieser Anblick ist im Übrigen nicht ohne – denn die anderen Spieler mit den Brillen taumelnd, ganz vertieft in das Spiel, zu beobachten, stellt sich als ziemlich amüsant heraus.

Durch gute Teamarbeit und hartnäckiges Überlegen gelingt es uns schließlich den Escape Room erfolgreich zu meistern.

Danach bekommen wir noch eine Bewertung: Fragen wie „Wer hat die meisten Rätsel gelöst?“ und „Wer hat am häufigsten geschrien?“ bringen uns alle zum Lachen.

Vermeintlich allein, aber in der virtuellen Welt ein starkes Team, das gemeinsam die Aufgaben meistern muss (l.). Die Arena auf 220m² wirkt in der virtuellen Welt noch größer (o.).

WAS BLEIBT, WENN

DIE BRILLE FÄLLT

Mehr als eine Stunde haben wir in der virtuellen Welt verbracht – erstaunt nehmen wir die VR-Brillen wieder ab – wir alle hatten gedacht, dass weit weniger Zeit vergangen ist. Die anfängliche Spannung und Skepsis sind verflogen. Die Stimmung in der Gruppe ist locker. „Auch wenn ich die anderen davor nicht gut gekannt habe, ist man sich erstaunlich schnell nähergekommen“, schwärmt einer der Spieler.

Alle sind sich jedenfalls einig: Die Erwartungen wurden klar übertroffen. Niemand hat damit gerechnet, wie real sich eine virtuelle Welt anfühlen kann. www.glitchlab.at

„WIR WERDEN IM JEDES JAHR BESS

Die St. Pöltner Lehrer Georg und Matthias Köstler (GYM Josefstraße bzw. NMS Purkersdorf) rocken mit den USP Panthers die Austrian Volley League. Auf Sand waren sie auch schon sehr erfolgreich, aber da trennen sich ihre Wege – vorerst.

Paul Nusterer ist im Waldviertel, Tobias Reinstadler in Aich/ Dob, Samuel Kremser in Amstetten und Lukas Trauth bei Sokol. Die St. Pöltner Zwillinge Matthias und Georg Köstler (29) sind immer noch da. Einmal Panther, immer Panther! „Der Georg wird halt bald nicht mehr wissen, wo er daheim die ganzen ‚Man of the Match-Trophäen‘ hinstellen soll“,

scherzte Obmann Harald Hofko unlängst. Doch mittlerweile wird der Beste des Spiels nicht mehr von den Fans gewählt, sondern vom gegnerischen Trainer erkoren. Seither holt Matthias auf im Duell Köstler gegen Köstler. Der um sieben Minuten ältere Bruder ist Zuspieler, während Georg als Außenangreifer oft viele Punkte macht, teils auch noch spektakulär. Nach dem Grunddurch-

gang – in dem die USP Panthers knapp am achten Rang vorbei schrammten, und damit den Einzug ins Viertelfinale um die Meisterschaft verpassten – rangiert Georg auf Platz acht bei den „Best Attackers“ der „Austrian Volley League“ und auf Platz 15 bei den „Best Scorern“. „Ich bin halt der ‚Go to Guy‘ und wenn es gerade ein bisschen knapp ist, spielt der Matthias den Ball eher zu mir“, lacht Georg. Außerdem ist er quasi immer verfügbar. In den letzten drei Jahren war er nur zuletzt einmal beim Auswärtsspiel in Graz nicht von Anfang an dabei, weil er wegen eines Schul-Skikurses eine Woche lang nicht mittrainieren hatte können. „Dadurch, dass wir schon so lange miteinander spielen, weiß ich auch ganz genau, wo Georg den Ball haben möchte. Ich weiß es wahrscheinlich sogar besser als er selbst“, sagt Matthias. Georg nickt zustimmend. „Und Georg wächst in Drucksituationen auch noch über sich hinaus, während andere vielleicht nervös werden“, ergänzt Matthias. Die Gegner haben das mittlerweile längst gecheckt, doppeln St. Pöltens Kapitän in aller Regel und dennoch krallen sich meist die Panthers die Beute.

AUF SAND FING’S AN

Begonnen hat alles beim „Beachen“ am Ratzersdorfer See. Dort entdeckten die Köstlers 2015 erst spät mit 18 Jahren ihre große Liebe Volleyball. Zu den Panthers war der Weg folglich nicht weit. Und die bisherigen gemeinsamen Jahre hatten es in sich. Ihre ersten Einsätze hatten sie in der Landesliga, bereits nach einem Jahr waren sie in der 2. Bundesliga. 2024 stiegen sie dann in die Bundesliga auf und zwei Mal erreichten sie auch schon das Viertelfinale im Cup. Letzten Oktober landeten die von Zel-

FOTOS MATTHIAS KÖSTLER, GERT NEPEL

MER NOCH ER HIER“

jko Grbic betreuten legionärsfreien St. Pöltner im Sportzentrum NÖ mit einem 3:1-Heimsieg gegen Vizemeister und Champions-League-Teilnehmer Hartberg ihren bislang größten Coup. Von den 300 begeisterten Zuschauern wurde Außenspieler Marian Klaffinger (19) zum „Man of the Match“ gewählt. „Danach sind wir auf einer Welle der Begeisterung geritten und lange hat quasi alles hingehaut“, erzählt Georg, „nach Weihnachten ist das abgeflacht aufgrund von Verletzungen und Krankheiten. Da leidet dann schnell auch die Trainingsqualität. Ohne Legionäre sind wir halt doch etwas schwächer.“ Matthias ergänzt: „Mit unseren top sechs, top sieben Spielern können wir voll mithalten. Eine Kadertiefe, um Verletzungen auszugleichen, wie manch andere, haben wir aber nicht.“ Dennoch unterstützen beide die Philosophie der Panthers, jungen Talenten die Chance zu geben, sich hier in aller Ruhe zu entwickeln. „Wir gehen gerne auf jedes Training, weil wir die Leute hier so gern haben“, sagt Georg. Matthias nickt: „Das Umfeld ist auch sehr lässig. Wir haben hier eine familiäre Atmosphäre.“ Auch sie hatten schon Angebote anderer Klubs, kamen aber allein schon aus logistischen Gründen nicht ins Grübeln. Tagsüber sind sie in der Schule, abends jeden Tag beim gemeinsamen Training, dazwischen nach Möglichkeit noch zwei Mal in der Woche in der Kraftkammer. „Da freut es dich dann schon, wenn du in fünf Minuten mit dem Radl im Sportzentrum bist und nicht stundenlang im Auto sitzt“, sagt Matthias. „Und wir werden immer noch jedes Jahr besser hier, auch der Verein“, fügt Georg hinzu. Matthias scherzt: „Wir warten eh schon d’rauf, wann es uns einmal derglengt.“

St. Pöltner Turbo-Twins: Georg und Matthias Köstler sorgen sowohl in der Austrian Volley League, als auch beim Beachvolleyball gemeinsam für Furore.

IM SOMMER KRIEGT

MATTHIAS DEN LAUFPASS

Beim Beachvolleyball haben die Köstler-Zwillinge 2025 in Kremsmünster erstmals gemeinsam ein Turnier der höchsten heimischen Kategorie gewonnen. Dennoch wird Georg kommenden Sommer auf Sand zum ersten Mal einlenken: „Wenn du beides Vollgas spielst, Halle und Beachen, hast du keine Verschnaufpause und spürst es dann bald in Schulter, Knie und Hüfte. Auf Urlaub war ich in den letzten zehn Jahren auch nicht mehr.“ Matthias, der indoor positionsbedingt zumindest seine Schulter nicht derart abnützt, wird weiterhin alle „wichtigen nationalen Turniere“ und einige internationale spielen, meist mit Lauris Ochaya (Sokol). „Nachdem ich Matthias den Laufpass gegeben habe (beide lachen, Anm.), haben mich eh gleich ein paar andere Spieler kontak-

tiert“, erzählt Georg, der den Sommer erst einmal auf sich zukommen lässt. „Die Landesmeisterschaften werden wir aber gemeinsam spielen, allein aus sentimentalen Gründen“, wird er aber auch gleich wehmütig. Jetzt steht sowieso einmal das Relegationsturnier in der Bundesliga mit sechs Klubs an. Ziel ist der Klassenerhalt, wofür auch noch Platz zwei reicht. Die Köstlers wollen freilich unbedingt Erster werden. „Wir müssen nur konzentriert bleiben und dürfen nicht überheblich werden gegen die Klubs aus der zweiten Liga“, so das Duo unisono.

Nächste Hallensaison wollen sie mit den Panthers dann auch mal ins LigaViertelfinale rein. „Aber nicht als Achter, sondern aus dem Mittelfeld heraus mit einer besseren Ausgangsposition für die K.-o.-Spiele“, hält Kapitän Georg auch noch fest.

ZUM HÖREN

A HUM OF MAYBE APPARAT

8 HIDDEN ELEMENT

links nach rechts)

WITHOUT IDOLS NAPSORVADÁS

Nichts ist schöner, als aus dem Nichts etwas Neues zu schaffen. Nach einem organisierten Perfektionsdrang konnte APPARAT das neue Album veröffentlichen. Sascha Rings zerbrechliche Stimme schafft es aufgrund der frickeligen Soundwelten, nie in den Kitsch abzurutschen. Experimenteller Pop mit AmbientMomenten und natürlich das Spiel mit Techno-Elementen. Au Revoir Krise.

BOYBAND

BREVIN KIM

Das US-amerikanische Brüderpaar hat sich den Namen ihres neuen Albums zu Herzen genommen und eine poppige, phasenweise aber auch von Phonk oder Folk geprägte Platte geschaffen. Das einzige Manko: Einige der Lieder sind keine zwei Minuten lang und wirken manchmal so, als hätte das Duo ihre Ideen darauf nicht zu Ende gebracht. Schade, aber trotzdem gut.

ZUM SCHAUEN

Manshee, Clemens Schumacher

MARTY SUPREME

JOSH SAFDIE

Der junge Marty will dem tristen Leben als Schuhverkäufer entfliehen. Er will Tischtennis-Weltmeister werden und jedes Mittel ist ihm recht. Der charmante Sportker lässt sich auch nicht davon aufhalten, dass sich im New York der 50er keiner für den Sport interessiert. Doch vielleicht sind die Schuhe doch zu groß, die er sich anziehen will.

DER ASTRONAUT – PROJECT

HAIL MARY

PHIL LORD, CHRISTOPHER MILLER

Project Hail Mary verbindet packende Science-Fiction mit überraschend viel Herz und Humor. Ryan Gosling spielt einen Lehrer, der ohne Erinnerung an seine Mission allein an Bord eines Raumschiffs erwacht. Schnell wird klar: Er ist die letzte Hoffnung der Menschheit, eine kosmische Katastrophe abzuwenden, die das Leben auf der Erde bedroht.

In diesen Zeiten braucht es Musik auch, um inne zu halten. Sich selbst in seiner Umgebung zu aktualisieren und durchzuatmen. Hidden Element alias Igor Kirilenko liefert mit seinem Track „8“ eine Blaupause dafür. Klar, es gab sie vor ihm: Biosphere, Deathprod, Burial et al. Doch Kirilenko lebt und produziert in Kyiv, Ukraine – das verleiht dieser schwebenden Klangkulisse noch zusätzlich Tiefe.

STILL TURNING EP

WAEYS

Ein gutes Jahr für Critical Music: Mit der Still Turning EP meldet sich der niederländische Producer Waeys zurück und zeigt eindrucksvoll, wie rasant sich sein Sound weiterentwickelt hat – stilistisch offen, technisch messerscharf. Von noisigem D&B über grime-inspirierte 140-Vibes bis hin zu bouncendem UK Garage im „2 Step Verification Remix“ deckt die EP ein breites Spektrum ab.

ZUM SPIELEN

Christoph Schipp

CODE VIOLET

TEAMKILL MEDIA

„Code Violet“ liefert ein intensives Sci-FiHorror-Erlebnis mit dichter Atmosphäre, beklemmendem Sounddesign und einer spannenden, mysteriösen Story. Kleine Schwächen bei Steuerung und Tempo trüben das Erlebnis etwas, doch Fans von Spannung und Story kommen klar auf ihre Kosten. Insgesamt ein packendes, stilvolles Abenteuer.

NIOH 3

TEAM NINJA, KOEI TECMO GAMES

„Nioh 3“ perfektioniert sein kompromissloses Kampfsystem und fordert mit präziser Action, cleverem Leveldesign und BuildVielfalt selbst Veteranen heraus. Neue Areale und Gegner sorgen für frischen Wind. Kleinere Balance-Schwächen und technische Unebenheiten kosten Punkte. Insgesamt eine starke Souls-likeErfahrung.

Die ungarische Band oszilliert zwischen Ritual, Industrial und atmosphärisch-ätherischen Klangbögen. Ein Stück etwa nennt sich im Untertitel „A Walk through the Streets of Twin Peaks“ und ist eine wunderschöne Verneigung vor dem leider verstorbenen Regisseur David Lynch. Herausragend auch „Medizin nach Mitternacht“ von Gerhard Hallstatt. Betörend, brachial und sanft zugleich!

AKH & KRACH

NIZI19 & YUYU19

In der 1019-Szene veröffentlichen Nizi19 & Yuyu19 Akh&Krach und fetzten so ihren Ruf als Lieblingsartists vieler Jugendlicher in die Höhe. Die Beats drücken, die Hooks kommen direkt, alles mit roher Energie, die man beim ersten Mal hören direkt merkt. Unter anderem die features von Lucio101 und Karamel19 liefern die „cherry on top“ von talentiertem Berliner Straßenrap. Tut den Ohren gut.

ZUM LESEN

Helmuth Fahrngruber, Michael Müllner

DIE REPUBLIK DER IRREN

DIRK STERMANN

Fiume nach dem 1. Weltkrieg: Freischärler übernehmen die Stadt und gründen eine Republik. Futuristen, Anarchisten und alternative Geister strömen herbei. Frei von Arbeitsmühen gibt es rauschige Feiern, freie Liebe und Zukunftsversprechen des charismatischen Führers d´Annunzio, ehe Italien dem präfaschistischen Taumel ein Ende setzt.

DIE WIDERSTANDSGRUPPE ...

FRANZ WEISZ

... Dr. Kirchl-Trauttmansdorff-Klarl trägt den Beititel „Gegen NS-Diktatur und Gewaltherrschaft“. Historiker Weisz dokumentiert darin das Endzeitverbrechen um die im Hammerpark ermordeten Freiheitskämpfer. Mit erschreckenden Details werden die Geschehnisse greifbar, zugleich wird das Leben und Wirken dieser mutigen Persönlichkeiten gewürdigt.

VERANSTALTUNGEN mfg

HIGHLIGHT VAZ St. Pölten

DIE MÖNCHE DES SHAOLIN KUNG FU

16. APRIL „Shamis Weg nach Shaolin“ erzählt die Geschichte eines Kindes auf seiner Suche nach Meisterschaft. Die Show zeigt die faszinierenden und geheimnisvollen Übungen der Mönche, ihre meisterliche Beherrschung des Hard Qi Gong lässt Stöcke und Eisenstangen auf ihren Körpern zerschmettern und zeigt, dass auch die empfindlichsten Körperstellen den Spitzen der Speere widerstehen. Die Mönche lehren dem Publikum einfache Atemübungen und nehmen es mit auf eine emotionale Reise, die beweist, dass für jeden die Möglichkeit besteht, mit dem Geist den Körper zu beherrschen.

DER BLINDE PASSAGIER

13. MÄRZ Es war eine Sensation, als vor wenigen Jahren das verschollene literarische Werk der Wiener Autorin Maria Lazar über einen jüdischen Arzt, der als blinder Passagier auf einem Schiff entdeckt wurde, in England wiederentdeckt wurde. Die Regisseurin Mira Stadler bringt die packende Parabel über Zivilcourage und Menschlichkeit als österreichische Erstaufführung auf die Bühne.

LANDESTHEATER THEATER

DEKKER

26. MÄRZ Hoffnung, Melancholie, Freude, Schmerz. Der amerikanische Singer-Songwriter Brookln Dekker bringt in seinem berührenden Indie-Folk alles unter einen Hut. Zündfunke des aktuellen Albums „Future Ghosts“ war dabei ein Gespräch mit seiner Tochter über die Frage „Was passiert mit uns, wenn wir sterben?“ Entstanden ist dabei ein intimes Werk über Liebe, Verlust und Hoffnung.

FESTSPIELHAUS KONZERT

RUFUS WAINWRIGHT

5. APRIL Der in New York geborene und in Montreal aufgewachsene Singer-Songwriter Rufus Wainwright macht im April im Burgtheater Station. Von der New York Times für seine „echte Originalität“ gelobt, hat er sich als einer der großen Sänger und Songwriter seiner Generation etabliert. Der vielfach ausgezeichnete Künstler veröffentlichte bereits zehn Studioalben, drei DVDs sowie drei Live-Alben.

BURGTHEATER KONZERT

MARECEK & STEINHAUER

14. MÄRZ Die beiden VollblutKomödianten Heinz Marecek und Erwin Steinhauer bringen aus Anlass des 80. Geburtstags von Heinz Marecek ihr Erfolgsprogramm „Was lachen Sie?“ wieder auf die Bühne zurück. Das Programm bietet nicht nur die klassische Doppelconférence mit Steinhauer als „Gscheitem“ und Marecek als „Blödem“, sondern auch Solostücke der Beiden.

VAZ ST. PÖLTEN KABARETT

METAL AWAKENING

27.-28. MÄRZ Das Metal Awakening Festival feiert Premiere – laut, wild und kompromisslos! Zwei Tage, zehn Bands und ein gemeinsames Ziel: Den Freiraum St. Pölten in Schutt und Asche zu legen. Erlebe die ganze Wucht der Metal-Szene – von gnadenlosem Deathcore und treibendem Metalcore über düsteren Death- und Black Metal bis hin zu epischem Pagan Metal und ekstatischem Party Metal!

FREIRAUM KONZERT

GLEN HANSARD

11. MAI Glen Hansard begann als Straßenmusiker in Dublin und gründete 1990 The Frames, die in Irland große Erfolge feierten. Mit dem Film „Once“ und dem Oscar-Song „Falling Slowly“ wurde er international bekannt. Es folgten erfolgreiche Soloalben, Welttourneen und Auftritte in renommierten Häusern. 2026 veröffentlicht er ein neues Soloalbum und geht auf EuropaTour.

GASOMETER KONZERT

ABDELKARIM

22. MÄRZ Hartnäckigkeit zahlt sich aus – vor allem in Sachen Lebenstraum. Mit seinem neuen Soloprogramm zeigt Abdelkarim, dass das Alphabet nicht ohne Grund ganze 26 Buchstaben hat. Da, wo Plan B kläglich scheitert, läuft sich Plan Z erst langsam warm. Der vielfach ausgezeichnete TV-Star führt durch den oft absurden Alltag mit seinen Baustellen und legt den Finger in jede Wunde.

BÜHNE IM HOF COMEDY

MAURIZIO GERI

25. MÄRZ Swing Manouche all‘Italiana! Mit seinem Maurizio Geri Swingtet huldigt Maurizio Geri dem Stil des elsässischen Grossmeisters Django Reinhardt und kombiniert dessen unverwechselbaren Manouche Sound mit Swing und der Tradition der italienischen Cantautori. Geris musikalischer Zugang ist dabei gleichzeitig leidenschaftlich und frei, streng und doch offen für Neues.

VAZ ST. PÖLTEN

KONZERTE | EVENTS | MESSEN | KONGRESSE

FR 10.04.26 // 20:00 RIAN

SA 11.04.26 // 16:00 KINDERLIEDERMACHER BERNHARD FIBICH

SA 11.04.26 // 19:30 HAWI D‘EHRE

DO 30.04.26 // 19:30 JOSEF HADER

SA 30.05.26 // 14:00 FEUERWEHRMANN SAM

Foto: Mario Wallner

AUSSENSICHT

WAS DER VERLUST DER

SPÖ-ABSOLUTEN BEDEUTET

Georg Renner Der Wilhelmsburger ist freier Journalist und betreibt den Podcast „Ist das wichtig?“.

SPÖ-Alleinregierung mit grünem Beobachterstatus.

Auch, wenn sie bei der Gemeinderatswahl deutlich an Zuspruch verloren haben: Ein bisschen beneiden konnte man Bürgermeister Matthias Stadler und seine SPÖ noch immer. Ja, er hat sich einen Koalitionspartner suchen müssen – aber, ähnlich wie seine Wiener Parteifreunde nach dem Verlust von deren „Absoluter“, hat Stadler sich aussuchen können, mit welcher Partei er den Bund für die nächsten Jahre eingehen würde: Sowohl mit der ÖVP, der FPÖ und auch mit den Grünen hätte es eine Mehrheit im Gemeinderat gegeben.

Angesichts dieser Optionen hat sich die Stadt-SPÖ für den Weg des geringsten Widerstands entschieden: die Grünen, in St. Pölten schon immer eine Kleinpartei und durch personelle Neuaufstellung noch ohne größeres Know-how in der Gemeindepolitik, sind nach menschlichem Ermessen ein weit „billigerer“ Partner als es die landespolitisch durchsetzten Alternativen in schwarz und blau gewesen wären. Sogar eines der zentralen politischen Anliegen der Grünen, nämlich die Stadt auf Anti-S34-Linie zu bringen, hat man wegverhandeln können. Faktisch bekommt Stadler eine SPÖ-Alleinregierung mit grünem Beobachterstatus.

Man kann das aus machtpolitischer und pragmatischer Sicht verstehen: Mit einem Partner, der gerade einmal zehn Prozent der Stimmen bekommen hat, regiert es sich sicher bequemer weiter als mit einer doppelt so großen Kraft, die mehr Ressorts und inhaltliche Zugeständnisse gefordert hätte als die Grünen es können.

Ob dieser einfachere Weg der richtige gewesen ist, wird sich in den kommenden Jahren weisen. Ich habe da meine Zweifel. Selbst besser aufgestellten Kommunen stehen dürre Jahre und große Herausforderungen bevor. Zeiten, bei denen St. Pölten mit einer möglichst breit aufgestellten Koalition und einem guten Draht zum Land wahrscheinlich besser gedient gewesen wäre als mit der bequemeren Option mit dem kleinen Partner. In der Politik ist es oft wie im Leben: Wer den einfacheren Weg geht, wird am Ende draufkommen, dass er so die Chance auf große Fortschritte verpasst hat.

Jakob Winter Aufgewachsen in St. Pölten, emigriert nach Wien, Digitalchef beim „profil“.

Diese Wahl war ein Warnschuss.

Weg ist sie. Nach mehr als sechs Jahrzehnten hat die SPÖ ihre Absolute verloren. Übrig geblieben ist nur noch eine einzige Landeshauptstadt mit Alleinregierung: Eisenstadt. Dabei wirkte die deutliche Absolute in St. Pölten schon länger wie ein politisches Relikt aus einer Zeit, in der Parteienbindungen so verlässlich waren wie volle Sonntagsmetten. Die Stadt ist gewachsen, urbaner, vielschichtiger geworden –und die Zuzügler brachten ihre eigenen Ansichten mit. Man kann an dieser Wahl aber nicht nur einen Strukturwandel des politischen Systems ablesen, sondern sie auch als Warnschuss an die SPÖ interpretieren – noch ein paar Prozentpunkte weniger und aus dem Warnschuss wird eine Bombe. Hochburgen erodieren schleichend.

Vorerst kommt es zu einer sanften Machtteilung mit den Grünen. Politisch bleibt St. Pölten damit im Hauptstadttrend. Während inzwischen vier Bundesländer von ÖVP und FPÖ regiert werden, sind die Landeshauptstädte mehrheitlich mittelinks bis äußerst links unterwegs: mit der SPÖ in Bregenz, Salzburg, Linz, Wien und St. Pölten, mit der KPÖ in Graz. Die ÖVP hält nur noch Eisenstadt. In Klagenfurt regiert ein Ex-Blauer, in Innsbruck ein Ex-Schwarzer. Das passt ins größere Bild: Land und Stadt driften ideologisch auseinander – hier die progressiveren Zentren, dort die konservativere Fläche.

Dass Bürgermeister Matthias Stadler mit den Grünen koaliert, ist für ihn die günstigste Variante. Rot-Grün liegt ihm weltanschaulich deutlich näher, zudem legten die Grünen kein Totalveto gegen die S34 ein. Stadler bleibt beweglich. Man kann die Wahl des Koalitionspartners trotzdem als sanftes Eingeständnis dafür lesen, dass die rege Bautätigkeit der vergangenen Jahre bei Teilen der Bevölkerung nicht gut angekommen ist.

Bei der nächsten Wahl wird Stadler 64 sein. Vielleicht muss der Rekordbürgermeister noch einmal antreten, weil sich – noch – kein klarer Nachfolger aufdrängt. Zu sicher sollte sich die SPÖ nicht fühlen. Wels und Wiener Neustadt zeigen, dass Hochburgen auch fallen können.

PANOPTIKUM reich(l)ebners

DENKWÜRDIG. Während der liebe Gott mit einem einzigen ständigen Vertreter auf Erden auskommt, hat der Bürgermeister von St. Pölten gleich drei.

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