leaderdigital.ch August 6 / 2020 Preis CHF 8.50 19. Jahrgang
Prix SVC Ostschweiz 2020:
Die Evatec AG räumt ab
Mission: Sauber. pronto-ag.ch
Eventbranche:
Mit neuen Ideen gegen die Krise Begrenzungsinitiative:
Was sie für Ostschweizer KMU bedeutet Alpenrheintal:
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Editorial
Blicke in die Kristallkugel Am 27. September stimmen wir über die Begrenzungsinitiative ab. Eine Annahme würde den bilateralen Weg mit der EU beenden, sind die Gegner überzeugt. Diese Kündigung hätte bedeutende Auswirkungen auf den Wohlstand in der Schweiz, speziell in der stark exportorientierten Ostschweiz. Das zeigt eine Studie der IHK St.GallenAppenzell und der IHK Thurgau. In den Kantonen St.Gallen, Thurgau und beiden Appenzell wird in der Studie bis 2040 mit einer Wohlstandseinbusse von 7,4 Prozent des BIP gerechnet (schweizweit: 6,5 Prozent), oder anders ausgedrückt: rund 4500 Schweizer Franken pro Jahr hätten Herr und Frau Ostschweizer weniger im Portemonnaie. In der Ostschweiz arbeitet jeder dritte Beschäftigte in der Industrie – schweizweit ist es nur jeder fünfte. Besonders gefährdet wären in der Ostschweiz also die Maschinen, Elektro- und Metallindustrie sowie der Fahrzeugbau. Letzteres ist auch ein wesentlicher Grund dafür, warum der Rückgang des Bruttoinlandprodukts im Thurgau gemäss Studie am grössten wäre (7,9 Prozent). Die Befürworter der Begrenzungsinitiative sprechen bei der Studie von «Hellseherei» und «Kaffeesatzlesen». Eine Prognose zum Stand der Wirtschaft in 20 Jahren zu machen, grenze an einen Blick in die Kristallkugel. Sie sehen die bilateralen Verträge mit der EU bei einer Annahme nicht in Gefahr; sie sind sogar überzeugt, dass die EU diese aus Eigeninteresse beibehalten wollen würde, weil ihre wirtschaftlichen Interessen an und mit der Schweiz grösser als der Ärger über den Wegfall der Personenfreizügigkeit seien. Für Experimente ist jetzt allerdings ein denkbar schlechter Zeitpunkt: Unsere von der Coronakrise eh schon gebeutelte Wirtschaft kann es sich nicht leisten, zusätzliche Handelshemmnisse zu stemmen. Mehr als die Hälfte des Schweizer Aussenhandels läuft über die EU. Ohne bilaterale Verträge verlieren unsere Unternehmen den privilegierten Zugang zum mit Abstand wichtigsten Absatzmarkt. Es lohnt sich schlicht nicht, das Risiko einzugehen, dass diese vielleicht doch nicht gekündigt würden. Hier sind wir dann tatsächlich bei der Hellseherei.
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Im Fokus
Thomas Koller, Volksertüchtiger 2021 feiert die Thurgauer Kantonalbank ihr 150-Jahre-Jubiläum. Anässlich dieses Geburtstages realisiert die Bank in jedem der fünf Thurgauer Bezirke einen Fitnesspark. Die Outdoor-Parks namens «Fit 21» werden ab kommendem Frühjahr in Arbon, Frauenfeld, Kreuzlingen, Sirnach und Weinfelden der Bevölkerung übergeben. «Damit wollen wir Privaten, Schulen und Vereinen eine attraktive Möglichkeit bieten, fit zu bleiben», sagt Thomas Koller, Vorsitzender der TKB-Geschäftsleitung. Die «Fit 21»-Parks sind so konzipiert, dass ein komplettes Fitness-Programm absolviert werden kann; die Gestaltung erfolgt in Zusammenarbeit mit den fünf Standortge-meinden. Diese stellen das Land zur Verfügung und unterhalten die Anlage. «Uns war es wichtig, dass sich Gemeinden, Schulen und Sportvereine einbringen können, damit die Parks dann auch aktiv und nachhaltig genutzt werden», so Koller. LEADER | August 2020
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Inhalt 10 Spotlight Wichtiges in Kürze 14 Eventbranche Mit neuen Ideen gegen die Krise
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26 Auf dem Weg an die Spitze MS Direct und DialogWorld gehen zusammen 28 Wo das Schweizerkreuz kein Trugbild ist Nikos Höhener übernimmt die Aktienmehrheit der Heimgartner Fahnen 32 150 000 Franken für Start-ups – pro Monat Venturelab hat schon über 100 000 Unternehmen unterstützt 34
Je konkreter die Drohung, desto grösser die Gefahr Wenn KMU von Kunden oder Angestellten bedroht werden
40 Betrugsversuche im Promillebereich Schweizweit wurden nur 21 Corona Betrugsfälle angezeigt 44 Grenzüberschreitendes Know-how Walter Ernst kehrt an seinen ehemaligen Wirkungsort zurück 48 Fokus Alpenrheintal Nährboden für Weltmarktführer mit Luft nach oben 56 Begrenzung oder Abschottung? Was die Begrenzungsinitiative für Ostschweizer Unternehmen bedeutet 62 Eigenverantwortung statt Verbote Warum Ostschweizer Politiker gegen das neue CO2-Gesetz sind 66 Fokus Prix SVC Ostschweiz 2020 Die Evatec AG geht als Sieger hervor 92 Rückblicke KEEST Early Bird, HEV-SG Delegiertenversammlung, GEMAG-Apéro 96 Vorschau Der WTT Young Leader Award am 8. Dezember 2020 98 Schlusspunkt Konsequenzen
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Rubrik People
Digitales Wissen: mangelhaft Wer in den vergangenen Wochen in Online-Kommentarspalten und sozialen Medien unterwegs war, hätte zum Schluss kommen können, dass die Schweiz kurz vor der totalen Machtübernahme durch den Bundesrat stehe. Grund: Die SwissCovidApp, die gemäss vieler ihrer Gegner einzig und alleine zum Ziel hat, den totalen Überwachungsstaat zu installieren. Das ist natürlich absoluter Quatsch. Vermutlich ist die SwissCovid-App aktuell sogar die sicherste App, die Herr und Frau Schweizer (freiwillig!) auf ihrem Handy installieren können. Die App greift bekanntlich weder auf den Standort zu, noch werden sensible Daten an den Bund geschickt. Alle sensitiven Informationen bleiben auf dem eigenen Smartphone und werden nicht auf einem fremden Server zentral gespeichert. Dass die Gegner der SwissCovid-App ihre «Bedenken» oftmals ausgerechnet auf Plattformen äussern, die ihre Server in den USA, China, oder Russland haben und die unter anderem Zugriff auf Kalender, Kontakte, private Nachrichten und Bilder verlangen, entbehrt nicht einer gewissen Ironie. Ich bin sicher, viele dieser AppGegner haben sich auch schon von Google Maps irgendwohin navigieren lassen und somit dem US-Unternehmen bereitwillig ihren Standort mitgeteilt. Abgesehen von den Wutbürgern, die einfach aus Prinzip gegen alles sind, was von «denen da oben» kommt, ist das digitale Grundverständnis in Teilen der Bevölkerung (und bei einem Bundesrat) offenbar doch noch nicht so gross, wie man bislang gedacht hat. Daran sollten wir dringend arbeiten.
Patrick Stämpfli Redaktor east#digital und LEADER LEADER | März 2020
Bundesamt für Unsensibilität Das Bundesamt für Gesundheit sorgt für Schlagzeilen. Nicht nur, weil es die Pandemie bekämpft, sondern auch, weil es dabei diverse Pannen produziert. Das soll jetzt belohnt werden. Ein Berner sei am Coronavirus gestorben, meldete das BAG Mitte August. Ein Junger! Kurz darauf dementierte der Kanton Bern: Der Mann lebe. Dessen «Tod» sei dem BAG nie gemeldet worden. Stimmt, gab das BAG zu, man habe fälschlicherweise ein Todesdatum bei dem Herrn eingetragen. Er sei zwar in Isolation. Aber schwere Covid-19Symptome? Nein, die habe er nicht. Die erste «Verwechslung» war das nicht: Schon im April hatte das BAG gross den Tod eines neunjährigen Mädchens verkündet. Kurz darauf das Dementi: So jung war das Kind dann doch nicht – es handelte sich um eine 109-jährige Frau. Bei der Erfassung des Geburtsdatums hatte man sich im Jahrtausend geirrt. Ende Juli behauptete das BAG, die meisten Corona-Ansteckungen fänden in Bars, Clubs oder Restaurants statt. Zwei Tage später dann das Korrigendum: Nur 3,5 Prozent aller Ansteckungen sollen im Ausgang passieren, die meisten – mehr als ein Viertel – jedoch im familiären Umfeld. Und ganz zu Beginn der Pandemie hatte das BAG vom Tragen von Masken abgeraten – während heute ebendiese am besten überall und jederzeit angezogen werden sollen. Und nun der Hammer: Jetzt will das Amt seinen Mitarbeitern wegen der Corona-Pandemie allen Ernstes höhere Leistungsprämien bezahlen. Kurzarbeit, weniger Einkommen, Jobverlust, Existenzangst: Die Wirtschaft leidet unter der Corona-Krise – und mit ihr zahlreiche Arbeitnehmer. Aber die gut bezahlten Gesundheitsbeamten wollen sich Boni zuschanzen. Das erweckt mehr als nur den Eindruck, dass die Leute aus einer geschützten Werkstatt heraus agieren, in welcher niemand zur Verantwortung gezogen wird. Bekommen sie in ihren «Home» oder was auch immer für «Offices» überhaupt mit, wie diese Aktion beim normalen Bürger ankommt?
Der Rheintaler SVP-Nationalrat Roland Rino Büchel ist Mitglied der Aussenpolitischen Kommission und Mitglied des Europarates.
People Brühwiler leitet Startnetzwerk Thurgau
Janine Brühwiler hat per Anfang August 2020 die Geschäftsführung des Startnetzwerks Thurgau übernommen. Die Frauenfelderin hat angewandte Psychologie studiert und bereits zwei eigene Start-ups gegründet. Sie tritt die Nachfolge von Tiziana Ferigutti an, die seit Anfang Jahr stellvertretende Direktorin der IHK Thurgau ist.
Kall steigt bei Kömedia aus
Martin Kall hat sich aus der Kömedia verabschiedet. Seit dem Einstieg des ehemaligen Tamedia-CEO 2016 wollte es mit der Vermarkterin nicht so richtig vorwärtsgehen. Kall, der als HardcoreManager dem Zürcher Medienkonzern mehrfach Sparprogramme aufgedrückt hatte, habe sich in St.Gallen im Tagesgeschäft etwas schwergetan.
Bänziger in Interreg-Lenkungsausschuss gewählt
Die Partner des Interreg-Programmes «Alpenrhein-Bodensee-Hochrhein» wählten Mitte Juli Markus Bänziger, Direktor der Industrie und Handelskammer St.Gallen-Appenzell, zum stimmberechtigten Mitglied des Lenkungsausschusses.
Hein ergänzt LEADER-Digital-Award-Jury
2019 hat eine prominent besetzte Jury die vorbildlichsten Digitalprojekte der Ostschweiz gesucht. 2021 wird das Team noch prominenter: «Löwin» Bettina Hein wird die Jury des 2. LEADER Digital Awards vom 17. Juni ergänzen.
Schmidheini wird Oertli-VR-Präsident
Andreas Bosshard (rechts), Mitinhaber und ehemaliger Geschäftsführer der Oertli Instrumente AG in Berneck, hat das Verwaltungsrats-Präsidium an Andreas Schmidheini (links) übergeben. Der Verwaltungsrat wurde per 1. Januar neu aufgestellt.
Aktuelle News aus der Ostschweizer Wirtschaft und Politik finden Sie täglich auf www.leaderdigital.ch
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Kopf des Monats Es geschehen noch Zeichen und Wunder: CVP, FDP und SVP kämpfen für einmal Schulter an Schulter. Die bürgerlichen Parteien empfehlen am 27. September Mathias Gabathuler als Stadtpräsident sowie Trudy Cozzio und Karin Winter-Dubs als Stadträtinnen.
Trudy Cozzio
CVP, FDP und SVP strebten seit Monaten hinter den Kulissen eine verstärkte Zusammenarbeit bei den Wahlen für das St.Galler Stadtpräsidium und den Stadtrat an. Dies mit dem Ziel, dass die zukünftige Stadtregierung wieder über alle Parteien hinweg ausgewogen besetzt ist und alle Bürger angemessen vertritt. Die anstehenden Wahlen werden nicht nur aus Sicht der bürgerlichen Parteien als historisch beurteilt: Eine vergleichbare Allianz bei Stadtratswahlen gab es in der Stadt St.Gallen noch nie. Mit Blick auf die Wahlresultate bei den Kantonsratswahlen, haben CVP, FDP und SVP mathematisch gesehen nahezu 50 Prozent Wähleranteil, was rund 2.5 Stadtratsmandate bedeuten würde. Diese Kräfteverhältnisse sollen sich nun auch in der zukünftigen Stadtregierung widerspiegeln. Glücklicherweise kamen die Parteileitungen für einmal zum Schluss, dass eine Zusammenarbeit unter CVP (mit Trudy Cozzio), FDP (mit Mathias Gabathuler) und SVP (mit Karin Winter-Dubs, im Bild) notwendig ist. Damit springen die drei bürgerlichen Parteien über ihren Schatten, weil sie offenbar Lehren aus dem Wahldebakel im April gezogen haben, als ohne Not die Chance vertan wurde, den St.Galler Regierungsrat wieder bürgerlicher zu machen: Damals wollten FDP und SVP partout nicht zusammenspannen – Michael Götte (SVP) wurde nicht gewählt, Laura Bucher (SP) profitierte. Die Chancen stehen nun gut, dass zumindest in der Stadt St.Gallen der urbane Linkstrend etwas korrigiert werden kann.
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Spotlight
Banken trotz Turbulenzen
Die Bilanzsumme liegt erstmals über 15 Milliarden Franken, die Ausleihungen wachsen um 300 Millionen, das Anlagegeschäft floriert und damit kommt die Ertragsdiversifizierung voran: Trotz Coronakrise präsentierten die Thurgauer Raiffeisenbanken an ihrer Halbjahresmedienkonferenz einen um fünf Prozent höheren Bruttogewinn.
Sky-Frame eröffnet Showroom
Sky-Frame, Weltmarktführerin für rahmenlose Schiebefenster aus Frauenfeld, hat ihren britischen Showroom im Londoner Osten eröffnet. Es ist nach Los Angeles, Wien, Antwerpen, Rothrist und Moskau der sechste weltweit.
People’s verdoppelt Wien-Flüge
Die Regionalfluglinie People’s verdoppelt die Flugfrequenz auf der Strecke Altenrhein-Wien. Ab dem 13. September wird wochentags wieder zweimal geflogen.
Regloplas baut neu Model stellt TetrapackRecycling ein
Die Model AG in Weinfelden stoppt ihre Recycling-Anlage für Getränkekartons. Die Anlage, die Kartonfasern zurück zu gewinnen sollte, wurde 2017 in Betrieb genommen. Sie rentiert sich nicht.
Der St.Galler Hersteller von Temperiergeräten für die verarbeitende Industrie hat in den letzten Jahren eine starke Umsatzsteigerung verzeichnet und gibt den vor 50 Jahren bezogenen Produktionsstandort an der Flurhofstrasse zugunsten einer neuen Fabrik an der Martinsbruggstrasse auf. In 18 Monaten sollen dort über 100 Mitarbeiter die ersten Temperiergeräte zusammenbauen.
Müller gewinnt Ausschreibung
Das Familienunternehmen Müller Frauenfeld AG gewinnt als schweizweit tätige Bahntechnik-Spezialistin die internationale öffentliche Ausschreibung zur Pflege von Bahnböschungen der SBB.
Steinach bangt um 259 Jobs
In Steinach droht US-Autozulieferer TE Connectivity mit der Schliessung seines grössten Schweizer Standorts. 259 Arbeitsplätze stehen auf dem Spiel. LEADER | August 2020
Spotlight
Aus Rechenzentrum Ostschweiz wird RZO
Rund zweieinhalb Jahre nach der Inbetriebnahme tritt das Rechenzentrum Ostschweiz neu auf. Das Unternehmen will mit dem neuen Markenlogo RZO klarer wahrgenommen werden.
SGKB legt auch während Corona zu
Die St.Galler Kantonalbank verzeichnet im ersten Halbjahr 2020 ein stabiles Geschäftsergebnis: Der Konzerngewinn steigt um 1.4 % auf CHF 83.6 Mio., das Netto-Neugeschäft um 3.2 % auf CHF 2.3 Mia.
Schnider eröffnet Entsorgungszentrum
Die Schnider AG aus Engelburg hat kürzlich ihr neues Entsorgungszentrum in Sulgen in Betrieb genommen. Hier werden Wertstoffe aus dem Abfall von Industrie, Bau und Privaten gesammelt. Einige Wertstoffe bereitet Schnider selbst auf, die übrigen werden an entsprechende Firmen geliefert.
Regionale Wirtschaft schwenkt auf Erholungskurs ein
Der Konjunkturindex für St.Gallen-Appenzell hat den Tiefstand im April durchschritten. Zwar liegt er auch aktuell noch im Minus, aber die Aussichten in der Industrie haben sich wesentlich verbessert. In der Bauwirtschaft liefen die Geschäfte im letzten Quartal gut, hingegen bleiben die Erwartungen von Vorsicht geprägt. Der Detailhandel profitiert von einer Wiederbelebung des Konsums, rechnet aber für die kommenden Monate nur mit einer marginalen Beschleunigung des Aufschwungs.
Aepli investiert in die Zukunft
Die Aepli Metallbau AG rüstet sich nicht nur mit dem Bau von zwei Fabrikhallen in der Gossauer Sommerau für die Zukunft. Das Familienunternehmen investiert auch viel in die Ausbildung junger Berufsleute und präsentiert an vier Schnuppertagen (26. August, 2., 16. und 23. September) für Oberstufenschüler ihre Lehrberufe.
Publizieren Sie Ihre Veranstaltung gratis auf leaderdigital.ch Sie können Ihre Veranstaltung selbst auf leaderdigital.ch/agenda eintragen. Damit wird die LEADER-Webseite zum One-Stop-Shop für News, Jobs und Events aus der wirtschaftlichen Ostschweiz. Voraussetzungen für einen Eintrag sind: Veranstaltungsort in der Ostschweiz (SG, AR, AI, TG, FL), öffentliche Veranstaltung mit noch freien Plätzen, wirtschaftsnahe Themen. LEADER | August 2020
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Spotlight
Roboter realitätsnah testen
Die Servicerobotik hat in der Betreuung alter Menschen ein grosses Potenzial. In den kommenden Monaten werden von FHS, NTB, HSG und FHGR in Rorschach Betreuungsroboter erstmals intensiv getestet. Dafür wurde eine Industriehalle zu einer realitätsgetreuen Simulationsumgebung in Form eines Wohnheimes umgebaut.
Neue Privatklinik in Zihlschlacht
Mit dem Bau der Privatklinik «Oasis» reagiert die Rehaklinik Zihlschlacht auf den Trend zu mehr Komfort. Mit 33 neuen Betten für Privatpatienten steigert Zihlschlacht ihr Rehaund Pflege-Angebot um 25 Prozent.
Thurgauer Kantonalbank zeigt Stabilität
Die Thurgauer Kantonalbank präsentiert für das 1. Semester 2020 mit 600 Millionen Franken Neugeldzufluss solide Zahlen. Der Halbjahresgewinn liegt trotz Corona mit minus 2,4 % nur leicht unter dem Wert des Vorjahres.
Bis zu 95 Millionen Franken Verlust
Die St.Galler Spitalverbunde legen Zahlen zu den finanziellen Auswirkungen der Pandemie vor. Es sieht düster aus: Ohne Staatshilfe kommt es zu Sanierungsfällen
Regloplas baut Smart-Factory
Der St.Galler Hersteller von Temperiergeräten für die verarbeitende Industrie gibt seinen vor 50 Jahren bezogenen Produktionsstandort zugunsten einer neuen Fabrik im Osten der Stadt auf. Das 30-Millionen-Projekt wird rund 15 000 Quadratmeter hocheffiziente Produktions-, Forschungs- und Nebenflächen aufweisen.
Metzler im FBA-Finale
Der Family Business Award zeichnet jedes Jahr besonders nachhaltige Familienunternehmen aus. Unter den drei Finalisten 2020 ist auch das Balgacher Textilunternehmen Metzler & Co. AG.
St.Galler revolutionieren E-Commerce
Mit dem «Kickbag – for nature» haben Tobias Zingg von stadtlandkind.ch und Mariella Huber von Stoff&so eine umweltfreundliche Alternative zur Einwegverpackung entwickelt: Ein Beutel aus recyceltem PET – der Kickbag – dient als Verpackung und Versandtasche und kann vom Kunden kostenlos zurückgesendet werden. LEADER | August 2020
Digital
GRAF VERKAUFT AUCH SOFTWARE Anja Graf, Vision-Apartments-Chefin und Referentin der 1. east#digital conference vom 27. September, vertreibt neben Wohnungen nun auch Computerprogramme: Grafs «Vision Business Services» wird neben Mietwohnungen und -büros auch ein ursprünglich für Vision Apartments entwickeltes IT-System verkaufen.
ADVERTIMA SAMMELT 15 MILLIONEN EURO Das St.Galler Immobilienunternehmen Fortimo Group leitet ein Investment, das die Entwicklung der Computer-VisionPlattform von Advertima – ebenfalls aus St.Gallen – beschleunigen wird. Die preisgekrönte Lösung ermöglicht es Einzelhändlern, ihre Geschäfte in Smart Spaces zu verwandeln.
LOCALBINI WIRD ZUR AKTIENCOLLECTID KÄMPFT GESELLSCHAFT UM INNOVATIONSDie Städtereisen-Erlebnisplattform PREIS LocalBini investiert seit Beginn 2020 An der ersten Ausgabe des Luxury Innovation Awards hat die Jury acht Finalisten nominiert, die ihre Innovationen am 27. August in Genf vorstellen dürfen. Mit der Goldacher CollectID AG ist auch ein Blockchain-Start-up aus der Ostschweiz unter den Finalisten.
VERNETZTE VERWALTUNG VON MORGEN Der 2. Swiss Smart Government Day, der am 8. September wieder in St.Gallen stattfindet, steht im Zeichen der Umsetzung. Er widmet sich dem Leitthema «Von der Rhetorik zur Realität» und stellt damit die Umsetzung von SmartGovernment-Initiativen in den Fokus.
stark in die Entwicklung von State-ofThe-Art-Technologie im Backend für Tourismus. Um das Vorhaben zu finanzieren, bedient sich LocalBini nun auf dem privaten Kapitalmarkt.
DIGITALES GADGET VERKÜRZT DIE WARTEZEIT Das Institut für Innovation, Design und Engineering der Fachhochschule St.Gallen hat mit dem «Timebow» ein Produkt konzipiert, das den Alltag von Familien erleichtert: Timebow ist ein Kindertimer, der die Zeit des Wartens auf ein langersehntes Ereignis mithilfe von Licht und einem ausgeklügelten Farbkonzept überbrückt.
Alle Digitalnews der Ostschweiz auf eastdigital.ch Der Hub «east#digital» der LEADER-Herausgeberin MetroComm AG begleitet den digitalen Wandel der Ostschweiz – mit einem mehrmals jährlich erscheinenden Magazin, mit eastdigital.ch und der east#digital conference im September 2020. Newsletter: www.eastdigital.ch
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Schwerpunkt
Nichts tun ist keine Option Die Olma Messen leben von Veranstaltungen mit grossen Menschenmassen. Statt die immensen Ausfälle von 80 Prozent des Umsatzes zu beklagen, erfinden die Verantwortlichen Corona-konforme Alternativ-Veranstaltungen und investieren in die Zukunft.
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Schwerpunkt Eventbranche
Am 28. Februar dieses Jahres verkündete der Bundesrat, dass Veranstaltungen mit 1000 und mehr Personen nicht mehr zulässig seien. «Damit war unser Geschäft weg», sagt Christine Bolt, seit Juni die neue Direktorin der Genossenschaft Olma Messen St.Gallen. «Unser Business ist Masse.» Dass kurz darauf sogar Veranstaltungen über 50 Personen den Massnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie zum Opfer fallen sollten, war für das grösste Event-Unternehmen der Ostschweiz nur noch eine Randnotiz.
«Wir rechnen damit, dass wir dieses Jahr etwa 80 Prozent des Umsatzes nicht realisieren können.» Christine Bolt, Direktorin Olma Messen
Rund 800 000 Menschen finden in einem normalen Jahr an Kongressen, Messen, Firmenanlässen oder Kultur-Events den Weg ins Olma-Gelände. Dieses Jahr war nach den beiden Messen Tier & Technik und Grenzenlos Schluss. Keine Refinanzierung Praktisch alle Kosten für die nächsten Highlights wie die Offa und die Immomesse waren dann schon angefallen, «nur der Event selbst fand nicht statt, es gab keine Refinanzierung», sagt Bolt. Von jährlich rund 120 grossen und kleineren Veranstaltungen auf dem Olma-Gelände werden 2020 mindestens 80 ausfallen. Die Corona-Krise trifft das Unternehmen empfindlich, wie Christine Bolt prognostiziert: «Wir rechnen damit, dass wir dieses Jahr etwa 80 Prozent des Umsatzes nicht realisieren können.» Zwar haben die neuen Vorgaben den Olma Messen auch eine Handvoll neue Anlässe beschert, Hochschulprüfungen und Sessionen des St.Galler Kantonsrates etwa, bei denen es vor allem darum ging, korrekte Abstände zwischen den Teilnehmern zu gewährleisten. «Natürlich sind wir froh um diese kleinen Einnahmen, aber diese mögen die Ausfälle im Veranstaltungsgeschäft bei Weitem nicht zu kompensieren.», sagt Christine Bolt. «Es ging uns auch darum, den Leuten etwas zurückzugeben und das stattfinden zu lassen, was überhaupt stattfinden kann, das Gelände zu beleben und Schadensbegrenzung zu betreiben.»
Katrin Meyerhans, Christine Bolt und Ralph Engel jammern nicht über Absagen, sondern organisieren alternative Veranstaltungen im Olma-Areal mit dem übergeordneten Ziel, zukunftsfähig zu bleiben.
Als Chance nutzen Wer Christine Bolt kennt, weiss, dass sie eine ihrer wichtigsten Management-Weisheiten beim St.Galler Musiker Manuel Stahlberger entlehnt hat, und deshalb gilt nun auch in dieser tief greifenden Krise für die Olma: «Jede Scheiss isch e Chance». Wenn die Corona-Beschränkungen aufgehoben werden und sich die Lage wieder normalisiert, will Bolt nicht einfach nur «parat sein». Sie hat konkrete Ziele formuliert: «Die Angestellten sind motiviert, all die guten Mitarbeiter sind noch an Bord, wir haben etwas gelernt, wir haben uns bewegt.» LEADER | August 2020
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Schwerpunkt
Katrin Meyerhans, Christine Bolt und Ralph Engel: Die Olma versucht sich auch als Campingplatz.
Die Olma-Geschäftsleitung hat nicht einfach möglichst viele Mitarbeiter auf Kurzarbeit gesetzt, obwohl das rasch etwas Geld in die Kasse gespült hätte. «Wenn die Leute zu Hause sitzen, können sie nicht akquirieren und planen für die kommenden Jahre», sagt Bolt. «Wir haben uns gesagt, wir riskieren lieber, dass wir Arbeit machen, die wir vielleicht nicht refinanzieren können, als dass wir nichts tun. Alles, was in die Zukunft einzahlt, lassen wir laufen.» Gemeint ist damit die Planung von eigenen Messen mit der Akquisition von Ausstellern wie auch die Organisation von Drittanlässen. Hier hat sich die Genossenschaft Olma Messen mit der Gründung von Volt Events gerade einiges vorgenommen. Diese neue Agentur unter dem Dach von Olma Congress Events soll Business-Kunden bei der Planung und Organisation von Anlässen auch ausserhalb der Olma-Infrastruktur Hilfestellung bieten, wie Ralph Engel, Abteilungsleiter Olma Congress Events erläutert. Grössere Firmen-Events wie Jubiläen haben schnell einmal eine Vorlaufszeit von ein bis zwei Jahren, deshalb läuft Volt Events im Sinne einer Investition in die Zukunft auf Hochbetrieb.
Meyerhans. «Für Messen im nächsten Jahr haben wir nun einen Vorlauf, um Konzepte zu adaptieren, wir können unter klareren Bedingungen mit den Ausstellern reden. Einfach wird es deshalb nicht.» Einfach wird es nicht, aber immerhin werden die Olma Messen Erfahrungen gesammelt haben, wenn im nächsten Jahr die grossen Flaggschiffe Offa und Olma unter allfälligen Auflagen wieder in See stechen dürfen. «Jetzt müssen wir klären: Mit welchen Schutzmassnahmen können wir nächstes Jahr so viele Anlässe wie möglich durchführen?», sagt Ralph Engel. Diese Klärung erfolgt nicht mit theoretischen Erwägungen: Da die Genossenschaft Olma Messen sich nicht Nichtstun verordnen wollte, hat sie kurzerhand alternative Events erfunden.
Konzepte adaptieren Für den Bereich Publikumsmessen bedeuteten die CoronaMassnahmen erst einmal eine Vollbremsung, «ein Totalausfall», wie Abteilungsleiterin Katrin Meyerhans sagt. Daher ist auch der Olma-Betriebsdienst mit den Leuten, die Messen und Veranstaltungen auf- und abbauen, jene Abteilung mit dem grössten Anteil an Kurzarbeit. «Dieses Jahr wurden wir vor vollendete Tatsachen gestellt, wir hatten gar keine Zeit, uns darauf einzustellen», sagt
Katrin Meyerhans, Abteilungsleiterin Publikumsmessen
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«Für Messen im nächsten Jahr haben wir nun einen Vorlauf, um Konzepte zu adaptieren.»
Camper statt Säulirennen Bereits in Betrieb ist das rasch und pragmatisch umgesetzte Olma-Camping, vor der vom Säulirennen her bekannten Arena kann bis zu 14 Wohnmobilen ein Stellplatz angeboten werden. Strom, Wasser und Toiletten sind vorhanden. «Ein
Schwerpunkt Eventbranche
Camper zahlt gut 30 Franken pro Nacht, man kann sich ausrechnen, dass wir damit nicht reich werden», betont Ralph Engel, «es geht darum, die Flächen zu nutzen und den Leuten etwas zurückzugeben.» Auf neues Terrain wollte sich die Olma mit der Jakob Live Session vorwagen: Für vier Wochenenden im August wurde in der Halle 9.1 ein kleines, feines Festival mit Acts wie Marius Bear, Stefanie Heinzmann oder Marc Sway auf die Beine gestellt. Jakob, benannt nach dem Stadtquartier St. Jakob, hätte die Olma gerne mit Partnern aus der Eventbranche organisiert, doch die liessen aufgrund des Risikos lieber die Finger davon. Auch wenn ein umfangreiches Corona-Schutzkonzept geplant war und die registrierten Besucher während der Konzerte wie auch in den Pausen in getrennte Sektoren aufgeteilt worden wären – inzwischen musste das Festival tatsächlich abgesagt werden. Einerseits, weil das Bundesamt für Gesundheit empfiehlt, die Gästezahl in Ausgehlokalen auf maximal 100 Personen zu begrenzen, andererseits, weil eine Zurückhaltung in der Bevölkerung spürbar sei, die sich deutlich in den Ticketverkäufen widerspiegle, wie die Genossenschaft Olma Messen St.Gallen die Absage in einer Medienmitteilung erläutert.
wonach die Umweg-Rentabilität von Messen und Veranstaltungen im Olma-Areal jährlich etwa 150 bis 250 Millionen Franken Wertschöpfung in der Region auslösen. «Wir sind der Motor, und der Motor muss am Laufen bleiben.» Die Bedeutung der Olma Messen für die Region nahmen Stadt und Kanton St.Gallen zum Anlass, ein Rettungspaket zu schnüren, das nun in Beratung ist. Die in den nächsten sechs Jahren fehlende Liquidität von 23,8 Millionen Franken soll mit zwei rückzahlbaren Darlehen von je 8,4 Millionen Franken und einer Aufstockung des Genossenschaftskapitals um fünf Millionen Franken ausgeglichen werden.
Nicht ob, sondern wie «Auch wir haben natürlich eine Risiko-Abwägung gemacht», ergänzt Christine Bolt. «Die sicherste Variante wäre, gar nichts zu machen, bevor wir nicht genau wissen, was möglich ist – und so viele Leute wie möglich in Kurzarbeit schicken. So verliert man kein Geld und spart vermutlich am meisten.» Das war aber nicht im Sinn der Olma: «Wir wollen zukunftsfähig bleiben.» Denn 2021 sollen wenn es irgendwie geht alle Anlässe wieder durchgeführt werden. «Wir wollen dann nicht darüber diskutieren, ob es Olma, Offa oder Tier & Technik gibt, sondern wie wir es machen können.» Die wenigen Anlässe, die jetzt auf dem Gelände stattfinden, sollen dem 85-köpfigen Olma-Team auch Übung im Umsetzen von Schutzkonzepten geben. «Wir sehen, was funktioniert und was nicht, wir kommen vielleicht auf neue Ideen.» Das sei, erklärt Bolt, auch eine Investition in die Aussicht, dass es in den nächsten zwei, drei Jahren weiterhin Schutzmassnahmen geben wird. «Diese Erfahrung wird künftig auch ein Marktvorteil sein», ist Ralph Engel überzeugt, «Schutzkonzepte brauchen alle.» Ein wichtiges Übungsfeld dafür wird «Pätch» sein. Der Name ist von Patchwork abgeleitet, der Anlass wurde als kleine Alternative für die abgesagte Olma entwickelt. An zwei Wochenenden (9. bis 11. und 16. bis 18. Oktober) gibt es gemäss Vorankündigung «Raclette, Rüstmesser, Riesenrad». Zugelassen werden nach dem Schutzkonzept voraussichtlich maximal 5000 Besucher pro Tag, die sich auch registrieren müssen. «Die Erfahrung, eine Messe abzusagen, hatte von uns so noch niemand gemacht, das muss man erst einmal verarbeiten», sagt Katrin Meyerhans. Deshalb habe die Ausschreibung von Pätch auch nach Innen grosse Resonanz gehabt: «Das hat einen Mega-Motivationsschub bei den Leuten, die an diesem Projekt arbeiten, ausgelöst.» Auch die Aussteller sind offensichtlich dankbar um diesen Anlass: Die neue Olma-Direktorin möchte mit Pätch «Lebensfreude zurückgeben», aber auch die Wirtschaft ankurbeln. «Da haben wir auch eine Verantwortung gegenüber dem Standort Ostschweiz», sagt Bolt, und verweist auf Berechnungen,
Neue Halle 1 wird weiter gebaut Es ist ein kühnes Projekt: Mit der Überdeckung der Stadtautobahn wird «Neuland» geschaffen, auf der die Genossenschaft Olma Messen eine neue, wesentlich grössere Halle 1 erstellen kann. Mit der Absage von den lukrativen Grossanlässen Offa und Olma und auch fast aller weiterer Veranstaltungen fehlen den Olma Messen nun 80 Prozent des Jahresumsatzes. Was aber kein Grund für einen Baustopp ist, das Projekt wird wie geplant weitergeführt.
«Die Erfahrung mit Schutzkonzepten wird künftig auch ein Marktvorteil sein.» Ralph Engel, Abteilungsleiter Congress Events
Die alte Halle 1 und der Bürotrakt wurden abgerissen, die jetzigen Bauarbeiten über der Autobahn sind eng mit dem Bundesamt für Strassen (Astra) koordiniert. Ein Baustopp würde über 100 Millionen Franken Kosten verursachen: «Wenn wir jetzt stoppen, gibt uns das keine Liquidität, es verzögert sich aber der Zeitpunkt, an dem wir einen Cashflow aus der Halle generieren können – den wir wiederum benötigen, um das Projekt abzahlen zu können», sagt Christine Bolt. An die Kosten von total rund 164 Millionen Franken steuern die Stadt St.Gallen 18 Millionen und der Kanton St.Gallen 12 Millionen bei, 2 Millionen sind aus dem Agglomerationsprogramm des Bundes und 18 Millionen investiert die Olma aus Eigenmitteln. Ein Bankenkonsortium gewährt einen Kredit von 114 Millionen Franken, der nun wohl verzögert abbezahlt wird. «Ein Baustopp käme einem Scherbenhaufen gleich», sagt Ralph Engel, und Katrin Meyerhans betont: «Wir brauchen diese Infrastruktur für unsere Weiterentwicklung.»
Text: Philipp Landmark Bilder: Marlies Thurnheer
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Künftig wird es hybride Grossanlässe geben In der Ostschweiz finden übers Jahr unzählige grosse Wirtschaftsanlässe statt – die Liste der Absagen oder Verschiebungen ist deshalb lang. Bei Pflichtveranstaltungen wie Generalversammlungen gibt es virtuelle Alternativen – bei Wissensvermittlung, Debatten und Netzwerken aber sind persönliche Kontakte wichtig.
Die verschiedenen Anlässe haben nach wie vor ihren Reiz, die Agenda für 2020 war darum längst klar – dann kam die Pandemie. In den Kalendern der Ostschweizer Wirtschaftsleute klaffen Lücken, es fehlen plötzlich lieb gewonnene Fixpunkte.
«Ich denke, es wird vermehrt Hybrid-Veranstaltungen geben.» Reini Frei, freicom
Auch wenn die Digitalisierung jeden einzelnen Lebensbereich durchdringt, hat sie es nicht geschafft, gewisse analoge Gewohnheiten obsolet zu machen. Vor allem im Frühjahr und im Herbst treffen sich landauf, landab in kleinen Säli und grossen Hallen Dutzende oder Hunderte von Industriellen, Gewerblern, KMU-Besitzern oder Verbandsdelegierte mit Vertretern aus Politik und Gesellschaft (in fast allen Bereichen mit einem wachsenden Anteil an Frauen). Manchmal sind es über 1000 Wirtschaftsköpfe, die sich treffen; nur, um neuen Ideen zu lauschen, müssten sie freilich nicht physisch zusammenkommen. Insbesondere der persönliche, niederschwellige Austausch von Erfahrungen und das Fachsimpeln sind es, die sich nicht so richtig in die digitale Welt konvertieren lassen. LEADER | August 2020
Internationaler Event Das St.Gallen Symposium ist unter all diesen Anlässen aus verschiedenen Gründen eine Besonderheit. Es ist eine langjährige Initiative mit internationaler Ausstrahlung und ebenso internationalem Publikum. Das Gipfeltreffen von Top-Shots aus aller Welt mit der nächsten Generation wird zudem im Wesentlichen von einer Gruppe Studenten der HSG organisiert. 35 junge Leute hatten ihr Studium für ein Jahr unterbrochen, um das St.Gallen Symposium vorzubereiten. Zum 50. St.Gallen Symposium wären 600 Grössen aus Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Gesellschaft erwartet worden sowie 500 Talente aus gegen 100 Nationen. Das Jubiläum sollte würdig begangen werden, und das wird es auch, wie Beat Ulrich, CEO des St.Gallen Symposiums, verspricht. «Das 50. Jubiläumssymposium wurde nicht abgesagt, sondern in Anbetracht der Gesamtsituation um ein Jahr auf Mai 2021 verschoben.» Eine echte Alternative zur Verschiebung und somit zu einem Symposium-losen Jahr 2020 gab es nicht. «Eine grössere rein digitale Alternative wurde besprochen, war jedoch aufgrund der Kurzfristigkeit und unseren eigenen Qualitätsansprüchen keine Option für Anfang Mai 2020», sagt Beat Ulrich. Das Jubiläum wird also 2021 begangen, ein guter Teil des aktuellen studentischen OKs wird auch dann noch an Bord sein. Andere Projekte lanciert Das 1969 gegründete und 1970 erstmals durchführte Symposium ist heute weit mehr als der bekannte Grossanlass im Frühjahr. Die Enttäuschung bei den Studenten, dass der Anlass nicht durchführt werden kann, war sehr gross, berichtet Beat Ulrich, es sei aber auch eindrücklich gewesen, mit welcher Energie sie danach andere Projekte angepackt hätten. «Zusammen mit den Studenten haben wir im Kontext der Verschiebung 15 Projekte gestartet», sagt Ulrich. Diese griffen bestehende Ideen auf und hätten einen langfristigen
Schwerpunkt
Austausch auf dem HSG-Areal: Der Dialog von Top-Shots aus aller Welt mit Talenten der nächsten Generation macht den Reiz des St.Gallen Symposiums aus.
Einfluss auf die Strategie. Dazu gehört das Erarbeiten eines modernen Mobilitätskonzepts, aber auch der Einbezug geeigneter Dialogformate, mit denen das Symposium das ganze Jahr über aktiv sein wird. «Für dieses Projekt wurden neue Partnerschaften aufgebaut, beispielsweise mit der University of Oxford», verrät Beat Ulrich, ohne schon alles zu viel zu sagen: «Darüber kommunizieren wir zu gegebener Zeit mehr.» Der Entscheid, das Symposium zu verschieben, sei bei Partnern wie auch beim Publikum auf grosse Akzeptanz gestossen, hält Beat Ulrich fest, die ideelle und die finanzielle Unterstützung der Initiative hat nicht gelitten: «Auch unsere Partner sehen die Notwendigkeit des Dialoges mit der nächsten Generation als noch grösser an als zuvor. In vielen Dingen braucht es neue Lösungen, die den kommenden Generationen gerecht werden – da werden wir beitragen, diese zu entwickeln.» Neue Formen in Planung Durch die Unterstützung der namhaften Partner konnte ein grosser Teil der Kosten gedeckt werden – Kosten, die nicht nur für den Event im Mai anfielen, sondern auch für Vor-Anlässe in zehn Städten oder für einen globalen Aufsatzwettbewerb und für die Erarbeitung verschiedener Studien. Der verbleibende Verlust kann mit Rückstellungen und aus der Substanz der St.Galler Stiftung für Internationale Studien gedeckt werden. Die lokalen Hotelpartner und die OlmaMessen lobt Ulrich für ihre konstruktive Zusammenarbeit bei der Verschiebung.
Für die kommenden Symposien wären ohnehin verschiedene Weiterentwicklungen geplant gewesen, diese werden nun unter dem Eindruck der Corona-Massnahmen gezielt verfeinert. Unter anderen sollen hybride Konferenzformen mit Referenten und Teilnehmern sowohl vor Ort als auch über Live-Schaltungen zu weltweiten Partner-Standorten wie Singapore umgesetzt werden. Bleiben wird der Anspruch, gemäss dem Leitsatz «lead with the next generation in mind» Führungskräfte aus Wirtschaft und Politik durch die junge Generation inspirieren zu lassen. So sollen Entscheidungen herbeigeführt werden, die den veränderten und langfristigen Anliegen der nächsten Generation gerecht werden. Virtuelle Generalversammlungen Mit dem Unternehmen alea iacta AG ist Geschäftsführer Roger Tinner in der Strategie- und Kommunikationsberatung zu Hause, ein grosses Betätigungsfeld der Firma ist aber auch das Eventmanagement. Zu den Kunden zählen beispielsweise Verbände, die alea iacta mit der Organisation von Generalversammlungen betrauen. Zwei solcher GV hätten nicht den Corona-Spielregeln entsprochen und konnten nicht wie gewohnt abgehalten werden, sie wurden deshalb von der alea iacta AG virtuell durchgeführt. Das wäre für andere Veranstaltung keine befriedigende Alternative gewesen, weshalb grosse, von alea iacta organisierte Events neu angesetzt wurden. Der Prix SVC Ostschweiz, die alle zwei Jahre angesetzte Verleihung des angesehenen Wirtschaftspreises des Swiss Venture Clubs, wurde von März auf Mitte August verschoben. «Wir führen eine LEADER | August 2020
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«Gelassenheit ist eine der wichtigsten Tugenden im Geschäftsleben.» Roger Tinner, alea iacta AG
abgespeckte Variante durch», sagt Roger Tinner. Um den Vorschriften genüge zu leisten, wurde die Zahl der Teilnehmer auf 350 begrenzt. Dafür gibt es ein Live-Streaming des Anlasses. Der bisherige Networking-Apéro, das muntere Gewusel von 1000 Gästen, wird durch ein Dinner mit festen Plätzen ersetzt. Paul kommt wie gewohnt Verschoben von März auf den 25. September wurde auch der Kommunikationstag «Paul kommt auch», dieser Anlass wird vermutlich ausser den inzwischen selbstverständlichen Hygieneregeln keine konzeptionellen Anpassungen erfahren. Das gleiche gilt für den Swiss Fundraising Day, der vom Juni auf den 9. Oktober geschoben wurde. Am regulären Datum, dem 23. Oktober, soll der Schweizer KMU-Tag wie geplant stattfinden können, «wobei die Zahl der Teilnehmer vor Ort von den aktuellen behördlichen Entscheiden abhängt», wie Roger Tinner einschränkt. Bleibt es bei der im Sommer aktuellen Grenze von 1000 Personen, müsste der KMU-Tag etwas schrumpfen. Dazu müssen natürlich räumlich und organisatorisch alle notwendigen Massnahmen getroffen werden, «es macht jedoch wenig Sinn, diese jetzt schon festzulegen, weil sich ja noch einiges ändern kann», sagt Roger Tinner. Die neue Situation eröffnet auch neue Möglichkeiten. Bei einem Verband hat alea iacta nicht nur die GV online durchgeführt, sondern auch neue Online-Gefässe geschaffen, die auf eine gute Nachfrage stiessen. Andere Bereiche lassen sich noch nicht digital kompensieren, wie Tinner sagt: «Bisher kenne ich kein Online-Format, das konsequent auf Richtung Virtual Reality setzt und damit Networking in einem eigentlichen Sinn ermöglichen würde.» Tinners Unternehmen hatte durch die Corona-Wirren wenige zusätzliche externe Kosten, weil etwa Eventlocations Verschiebungen ohne Kostenfolge akzeptierten. Die internen Kosten für zusätzliche Arbeite «gehören zum Risiko des eigenen Unternehmens», sagt Tinner. Sein Learning aus der Krise: «Es hat bestätigt, dass Gelassenheit eine der wichtigsten Tugenden im Geschäftsleben insgesamt, ganz besonders jedoch im Eventbereich ist.» Seine Firma sei glücklicherweise so breit aufgestellt, dass sie durch Verschiebungen und Ausfälle nicht in existenzielle Not gerate.
Firmenanlässe wurden abgesagt Die Kommunikationsagentur freicom hat ein starkes Standbein im Eventmanagement und organisiert sowohl eigene Anlässe als auch Kunden-Events. «Einige Firmen-Events, für die wir als Agentur konzeptionell und organisatorisch zuständig waren, wurden abgesagt», sagt Reinhard Frei, der CEO des Unternehmens. «Hingegen konnten wir zum Glück alle geplanten Eigen-Veranstaltungen in die zweite Jahreshälfte verschieben und mussten nichts absagen.» «Bei einer Verschiebung entstehen nicht unerhebliche Zusatzkosten aufgrund der Koordination mit bisherigen und neuen Referenten, Absprachen mit Infrastruktur-Anbietern, Sponsoren, Dienstleistungspartnern usw.», gibt Reni Frei zu bedenken. Auch bereits angemeldeten Teilnehmer müssten über neue Vorschriften und Massnahmen informiert werden. «Zudem möchten wir neu Live-Streams an Veranstaltungen anbieten, was natürlich auch wieder mit Mehraufwand verbunden ist.» Beim Ostschweizer Personaltag hat freicom sehr früh reagiert und bereits Mitte März, kurz nach dem Lockdown, mit den Olma-Messen ein Verschiebedatum fixiert. Statt im Juni findet der Anlass nun am 24. September statt. «Wir gehen davon aus, dass wir alle Veranstaltungen durchführen können», sagt Reni Frei, «je nach Situation wird die Form aufgrund der Covid-19 Verordnung aber etwas anders sein als in den vergangenen Jahren.» Grossanlässe werden es schwer haben Frei zeigt sich überzeugt, dass sich auch mit den Corona-bedingten Anpassungen erfolgreiche Veranstaltungen durchführen lassen. Nach dem Personaltag organisiert seine Firma planmässig am 5. November das Wirtschaftsforum Thurgau mit etwa 400 Besuchern und am 22. Januar 2021 das Rheintaler Wirtschaftsforum mit etwa 800 Gästen. Auch da wird Reni Frei in Zukunft neue Modelle erwägen. Er glaubt, dass es Grossveranstaltungen mit mehr als 800 oder 1000 Teilnehmern in Zukunft schwer haben werden: «Es wird vermehrt Hybrid-Veranstaltungen geben, mit einigen Zuschauern vor Ort und weiteren, die via Live-Stream teilnehmen.» Text: Philipp Landmark Bilder: Marlies Thurnheer, zVg
«Auch unsere Partner sehen die Notwendigkeit des Dialoges mit der nächsten Generation als noch grösser an als zuvor.» Beat Ulrich, St.Gallen Symposium
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Der Krise mit neuen Ideen trotzen Die Event-Branche leidet unter den Auswirkungen der Corona-Pandemie. Immer noch werden Veranstaltungen abgesagt – und es nimmt kein Ende. Während die einen eher schwarz für die Zukunft sehen, nutzen die anderen die Krise für neue Geschäftsmodelle.
Lisa Roth seufzt. «Wir bekommen heute schon Absagen für Auftritte und Veranstaltungen im Dezember», sagt sie. «Das Weihnachtsgeschäft in diesem Jahr können wir voraussichtlich streichen.» Lisa Roth ist Inhaberin der Agentur Dreh&Angel. in Trogen. Eine Agentur, die sich als «Drehscheibe» inmitten der Veranstaltungsbranche im Bereich Kleinkunst sieht – und diese Branche leidet stark unter den Auswirkungen der Corona-Pandemie. «In den vergangenen vier Monaten hatten wir praktisch keine Aufträge und somit auch keine Einnahmen mehr», sagt die Agentur-Chefin. Alle Veranstaltungen seien abgesagt worden, die Mitarbeiterinnen seither grösstenteils in Kurzarbeit. Die Agentur Dreh&Angel. organisiert hauptsächlich Bühnenauftritte für Künstlerinnen und Künstler wie Renato Kaiser, Lara Stoll oder Bänz Friedli. «Und wenn sie nicht mehr auftreten können, dann haben auch wir nichts mehr zu tun, respektive keine bezahlte Arbeit mehr.» Als Alternative hat Lisa Roth
«Jeder Auftritt eines Künstlers oder einer Künstlerin lebt vom Live-Gefühl.» Lisa Roth, Dreh&Angel
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in dieser Zeit einen Abend bei den Autokonzerten in Dietikon organisiert. Dass dies ein neues Geschäftsmodell für die Zukunft sein könnte, glaubt sie nicht. «Für Ausnahmezeiten wie die jetzige, passt es. Aber der Aufwand ist einfach zu gross. Zudem lebt jeder Auftritt eines Künstlers oder einer Künstlerin vom Live-Gefühl und von der Nähe zum Publikum, und dies ist bei solchen Auto-Events nicht möglich.» Die Unternehmerin ärgert sich, dass die Kulturbranche nicht wie andere Bereiche «schnell und unkompliziert» finanziell unterstützt wird. «Die Kultur wird immer noch als ‹nice to have› gesehen und nicht als wichtiger Bestandteil der Gesellschaft.» Eine Lobby fehle, die Verbände seien überlastet. «Die Reaktionen auf neue Beitragszusprüche oder Absagen sind zu langsam.» Für die nahe Zukunft sieht sie denn auch schwarz. «Ich glaube nicht, dass wir vor Sommer 2021 aufatmen können.» Autokino statt Konzertbeschallung Wann sich die Branche erholen wird, kann Peter Stäheli nicht sagen. «Aber es wird sicherlich noch einige Zeit dauern», sagt der Inhaber der Amriswiler Veranstaltungstechnikfirma 4Art Music. Doch zuvor werde es noch eine Konkurswelle geben, ist er überzeugt, und die dürfte schon nach den Sommerferien beginnen. Corona habe zwar auch ihn und sein Unternehmen stark getroffen, von einem Konkurs seien sie aber – zum Glück – weit entfernt. Peter Stäheli ist seit 20 Jahren in der Branche der Veranstaltungstechnik tätig und noch etwas länger als Musiker in der Kulturszene. «In dieser Zeit haben wir uns eine solide Grundlage mit einer treuen Kundschaft und verlässlichen Partnern aufbauen können. Wir sind gut aufgestellt und hoffen, dass wir nicht in den Konkursstrudel geraten.» Eine solche Situation wie die jetzige hat der 67-Jährige noch nicht erlebt. «Seit Februar gab es praktisch keine Veranstaltungen mehr, also auch keine Arbeit mehr für uns.» Damit gehört die Veranstaltungstechnik zu jenen Branchen, die als erstes betroffen waren, und sie wird wahrscheinlich auch zu jenen gehören, die als letztes wieder «Vollgas» geben kann. «Veranstaltungen mit über 1000 Personen dürften noch eine Weile nicht zugelassen werden», sagt Peter Stäheli, «und Events mit 300 Personen lohnen sich für uns nur bedingt,
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In Lichtensteig wird der Rigolo-Palais aufgebaut, hier sind Vorstellungen unter Einhaltung von Schutzkonzepten möglich.
da würden wir mit den Aufwänden für das Schutzkonzept am Schluss nur drauflegen.» In der Krise sind aber auch neue Geschäftsideen entstanden, wie der technische Support von Live-Streaming oder Video-Installationen. Sohn Micha, der als Projektleiter im Geschäft des Vaters arbeitet, hat zudem zusammen mit einem Freund das Autokino in Amriswil ins Leben gerufen. Fünf von acht Filmabende waren ausverkauft. «Ein schöner Erfolg», sagt Peter Stäheli, der sich gut vorstellen kann, dass es auch in Zukunft weitere solche Veranstaltungen geben wird.
«Die Nachfrage ist so gross, dass wir bereits vier Zusatzvorstellungen eingeplant haben.» Nuria Astorga Eugster, Tanztheater Rigolo
Aus der Not eine Tugend gemacht Auch das Rigolo Tanztheater hat die missliche Lage zu seinen Gunsten genutzt und ein neues Projekt entwickelt. Sospiri – der Seufzer – ist ein Tanz- und Objekttheater, das die Geschichte dreier Frauen auf der Suche nach ihrem Platz in der Welt erzählt. Die beiden Schwestern Marula und Nuria Astorga Eugster haben sich für dieses einzigartige Projekt zusammengetan: Nuria Astorga Eugster hat den Rigolo-Palais aus Weiden, der als Aufführungsort dient, restauriert, Marula Eugster das Tanztheater produziert. Vor Corona haben beide unabhängig voneinander an ihrem Projekt gearbeitet. «15 Jahre lang war der Weiden-Pavillon LEADER | August 2020
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«Ich kann mir vorstellen, dass viele Leute noch eine ganze Weile keine Lust auf grosse Events haben.»
«Bei Events mit 300 Personen würden wir mit den Aufwänden für das Schutzkonzept am Schluss nur drauflegen.»
Manuel Angelini, Agentur für Emotionen
Peter Stäheli, 4Art Music
eingelagert. Ich wollte ihn erneuern und an einem fixen Standort aufstellen», erzählt Nuria Astorga Eugster, die ältere der beiden Schwestern. «Dann kam Corona und ich musste die Suche nach einem Platz auf Eis legen.» Marula Eugster ging es ähnlich. Sie war gerade dabei, die Tour für ihre Tanztheaterproduktion im Herbst aufzugleisen. Doch die Pandemie verunmöglichte ihr eine verlässliche Planung. Und so machten die beiden aus der Not eine Tugend und schlossen sich zusammen: Die eine brachte den Rahmen, die andere den Inhalt. Premiere des Stücks auf der Floozwiese in Lichtensteig ist im September. «Ursprünglich hatten wir acht Vorstellungen vorgesehen», sagt Nuria Astorga Eugster. «Doch die Nachfrage ist so gross, dass wir bereits vier Zusatzvorstellungen eingeplant haben.» Alle selbstverständlich unter Einhaltung der BAG-Vorgaben, ergänzt sie. Das grosse Interesse an der neuen Produktion freut die beiden. «Es ist eine schöne Aufmunterung in dieser schwierigen Zeit.» Und sie hätten wieder Einnahmen. Diese seien in den letzten Monaten komplett ausgeblieben. «Unser Vater und all jene Künstler, denen er die bekannte Sanddorn-Balance beigebracht hat, durften auch nicht mehr auftreten. Das war für ihn und für das ganze Rigolo Tanztheater sehr schwierig.»
Ausgaben habe ich trotzdem.» Einen Teil könne er aber mit den Unterstützungsgeldern des Bundes auffangen. Toll wie schnell und unbürokratisch das geklappt habe, lobt er. Existenzängste hat der Event-Organisator, der zusammen mit seiner Frau die Agentur führt, momentan nicht. «Wir sind seit 20 Jahren in dieser Branche tätig und haben uns in dieser Zeit etwas auf die Seite legen können.» Manuel Angelini ist keiner, der den Kopf in den Sand steckt. Er sieht die Krise als Chance. «In solchen Situationen sind wir mehr gefordert, und es ist eine gute Gelegenheit für neue, kreative Ideen.» Eine solche Idee, die aus der Krise entstanden ist, ist der Verweiler, eine Event-Location für Kleinanlässe. «Wir haben im idyllischen Weiler Raaschberg, zwischen Flawil und Degersheim, eine Remise umgebaut», erzählt er. «Dieses schmucke Häuschen vermieten wir nun an Unternehmen, die für ihre Meetings, Strategietagungen oder Workshops im kleinen Rahmen raus aus der Komfortzone wollen.» Der Event-Organisator glaubt, dass die Corona-Krise die Branche nachhaltig verändern wird. «Zum einen wird auch hier die Digitalisierung noch mehr durchschlagen, vor allem die infolastigen Veranstaltungen werden verstärkt zu digitalen Events.» Zum anderen dürften jene Anlässe, wo man sich trifft, noch einige Zeit im kleinen Rahmen bleiben. «Ich kann mir gut vorstellen, dass viele Leute noch eine ganze Weile keine Lust auf grosse Events haben.»
Lieber klein und fein, als gross und laut «Voll erwischt» hat es auch Manuel Angelini und seine Agentur für Emotionen in Flawil. «Seit März ist eine um die andere Veranstaltung abgesagt oder verschoben worden», sagt er, «und diese Absagen halten weiter an». Manuel Angelini organisiert hauptsächlich Firmen- und Teamevents in der ganzen Schweiz. Gegenüber dem Vorjahr hat er aktuell Umsatzeinbussen von bis zu 80 Prozent. «Rein kommt praktisch nix, fixe
Text: Marion Loher Bilder: zVg
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Auf dem Weg an die Spitze Per Anfang Juli hat sich die MS Direct Group bei der Dialogworld AG eingekauft. Mit dem Schulterschluss wollen die beiden St.Galler Unternehmen die Nummer 1 unter den Callcentern in der Schweiz werden.
Aus der Contact-Center-Sparte der MS Direct AG mit Standorten in St.Gallen, Dübendorf und Muttenz und der St.Galler DialogWorld AG entstand neu die DialogWorld AG – Part of MS Direct Group. Keine neuen Arbeitsbedingungen, keine Entlassungen «Neben dem existierenden Sortiment an Customer-ServiceDienstleistungen wollen wir künftig noch mehr Angebote realisieren, die das Kundenerlebnis verbessern und damit unseren Auftraggebern einen langfristigen Wettbewerbsvorteil ermöglichen», blickt Daniel Mally, Mehrheitsaktionär, Verwaltungsratspräsident und künftiger CEO der DialogWorld AG in die Zukunft. Und Jürg Hüppi, bisheriger CEO der DialogWorld AG, der seine langjährige Erfahrung künftig noch stärker im Bereich Business Development und für die Kundenbindung einsetzen möchte, doppelt nach: «Mit einer auf Innovationen und Zukunftstrends ausgerichteten Wachstumsstrategie ergreifen wir gemeinsam die Chancen der Digitalisierung.»
«Mit Daniel Mally und Jürg Hüppi bleiben der neuen DialogWorld AG zwei ausgewiesene Branchenexperten erhalten.» Die neue DialogWorld AG erbringt kundenzentrierte Dienstleistungen mit 344 Mitarbeitern an drei bestehenden Standorten (St.Gallen, Dübendorf und Muttenz). Pro Jahr wird für über fünf Millionen Kundenanliegen die passende Lösung gefunden. Die beiden St.Galler Büros werden in den bestehenden Räumlichkeiten der MS Direct Group AG an der Fürstenlandstrasse, die im letzten Jahr renoviert wurden, zusammengeführt. Da beide Unternehmen dem GAV angeschlossen sind, ändern sich die Arbeitsbedingungen für die Mitarbeiter nicht. Entlassungen sind keine vorgesehen. Die DialogWorld AG arbeitet auch künftig als eigenständiges Unternehmen, wobei die MS Direct Group als substanzielle Aktionärin vertreten ist. LEADER | August 2020
«Zwei erfolgreiche, innovative Anbieter im Customer Service bündeln ihre Kräfte. Das ist gut für beide Unternehmen, unsere Kunden und unsere Mitarbeiter», begründet Milo Stössel, CEO der MS Direct Group, seinen Einstieg bei der DialogWorld. «Mit vereinten Kräften werden wir unsere ambitionierte Vision vom Customer Experience Center erreichen, in dem ‚Digital Experts’ die Vorteile eines persönlichen Kontakts mit den Möglichkeiten neuer Technologien verknüpfen, um herausragende Kundenerlebnisse zu gestalten.» Und da auch im Callcenter-Business eine gewisse Grösse matchentscheidend ist, konnte man mit dem Schulterschluss direkt zur Nummer 3 auf dem Schweizer Markt aufsteigen. Ausbauen, investieren, nutzen Doch das reicht weder Stössel noch Mally: Ziel sei die Nummer 1. Dafür will man die gemeinsame Marktposition ausbauen, in Technologien investieren und Synergien nutzen, um damit die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens zu steigern. Dazu gehört auch die gemeinsame Nutzung von Geschäftsbereichen wie Finanzen, Marketing, IT und HR in einem Corporate Service Center unter dem Dach der MS Direct Group, die damit einen weiteren Meilenstein in der Umsetzung ihrer Fokussierungsstrategie erreicht. Mit Daniel Mally und Jürg Hüppi bleiben der neuen DialogWorld AG zwei ausgewiesene Branchenexperten erhalten. Daniel Mally (57) war nach seinem Maschinenbauingenieur-Studium an der Fachhochschule Winterthur, an welches er später einen Executive MBA der HSG anschloss, in verschiedenen Management Positionen bei Sulzer, u. a. als Geschäftsführer der Sulzer Chemtech in Holland, tätig. Später leitete er den Verkauf Grosskunden bei der Swisscom, bis er 2006 als Teilhaber und CEO der heutigen Webhelp Schweiz AG in die Contact-Center-Branche einstieg. Im April 2019 übernahm er die Aktienmehrheit der DialogWorld AG von der Trendcommerce-Gruppe. Jürg Hüppi (51) sammelte mehrjährige Erfahrung in Führungspositionen im Marketing und Vertrieb in den Bereichen Investitionsgüter, Dienstleistungen und Retail. Seine technische Grundausbildung rundete er mit dem Abschluss als eidg. dipl. Marketingleiter ab. In den letzten 13 Jahren führte er die DialogWorld AG und baute insbesondere die Services rund um Loyalty und Retention aus.
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Bilder kommen Di Gian
Jürg Hüppi und Daniel Mally :
Pro Jahr für über fünf Millionen Kundenanliegen die passende Lösung finden.
Text: Stephan Ziegler Bild: Gian Kaufmann
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Geschäftsführer Nikos Höhener:
Hiesige Lieferanten bevorzugt.
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Wo das Schweizerkreuz kein Trugbild ist Seit gut zwei Jahren leitet Nikos Höhener die Geschäfte der Heimgartner Fahnen AG in dritter Generation. Nun übernimmt er auch die Aktienmehrheit. Am Hauptsitz Wil, wo rund 97 Prozent der gesamten Wertschöpfungskette realisiert werden, arbeiten 50 Mitarbeiter in den unterschiedlichsten Bereichen. Das Unternehmen ist seit der Gründung 1948 im Familienbesitz. Kann heute mit Fahnen «Made in Switzerland» noch Geld verdient werden?
Nikos Höhener, Sie leiten seit rund zwei Jahren die Heimgartner Fahnen AG in dritter Generation. Anfang Juli haben Sie nun auch die Aktienmehrheit übernommen. Warum gerade jetzt, in Coronazeiten? Dies ist reiner Zufall. Die Planung der Unternehmensnachfolge hat bereits im Herbst letzten Jahres begonnen. Corona kam dann wohl dazwischen, hat aber am Prozess nichts geändert. War es für Sie schon immer klar, einst in den elterlichen Betrieb einzusteigen? Nun, bei einem Familienunternehmen kommt irgendwann der Zeitpunkt, wo sich die Familie Gedanken zur Nachfolge machen muss. Da mir die Arbeit enorm Freude macht, war für mich schon früh klar, dass ich das Unternehmen irgendwann weiterführen will.
«Unsere Fahnen müssen nicht in der ganzen Welt herumtransportiert werden.» Und sowohl die operative als auch die strategische Führung zu übernehmen? Ein grosser Vorteil eines Familienunternehmens sind die kurzen Entscheidungswege. Da auch die Hierarchiestufen relativ flach sind, gehen Strategie und operative Leitung oft ineinander über. Wie sah Ihre berufliche Laufbahn aus, die Sie jetzt mit dem Verwaltungsratspräsidium gekrönt haben? Nach der kaufmännischen Grundausbildung habe ich gleich im Familienunternehmen angefangen zu arbeiten. Abgesehen von der Näherei durfte ich mich in allen Bereichen
ausbilden lassen. Nebenberuflich habe ich an der Akademie St.Gallen noch die dreijährige Ausbildung zum Betriebswirtschafter abgeschlossen. Sie realisieren fast die gesamte Wertschöpfungskette – 97 Prozent – in Wil. Heisst das, Sie stellen alle Fahnen und Flaggen, Masten und Paramente selbst her? Nicht ganz alle. Natürlich sind wir auch auf Partnerschaften im Ausland angewiesen. Leider sind viele Rohstoffe, die wir für unsere Produkte benötigen, wie zum Beispiel gewirkte Stoffe für den Fahnendruck, in der Schweiz nicht mehr verfügbar. Wir beziehen zum Beispiel einige Stoffe (für Fahnen, aber auch für Paramente) von der Niederurner Jenny Fabrics AG, die kürzlich Konkurs anmelden musste. Aber wo immer wir können, berücksichtigen wir auch in der Beschaffung Schweizer Lieferanten. Die Fertigung hingegen – Druck, Zuschnitt, Waschen, Sticken, Nähen und Konfektionieren – geschieht nach wie vor zum grössten Teil in unseren Ateliers in Wil. Werden alle Produkte, auch die aus dem Onlineshop, nach Bestellung gefertigt oder halten Sie gewisse Artikel an Lager? Wir haben sehr viele Artikel ab Lager verfügbar. Seien dies alle Schweizerfahnen, alle Kantonswappen in verschiedenen Grössen, Fahnenmasten, Fahnenstangen oder Zubehör. Und sollte etwas einmal nicht gleich verfügbar sein, können wir dank eigener Produktion innert kürzester Zeit das fehlende Produkt herstellen. Und welches Produkt verkauft sich momentan am besten? Dies sind ganz klar individuelle Firmenfahnen. Auf einen Artikel begrenzt ist dies natürlich die Schweizerfahne. Wie ist das Verhältnis zwischen Massenware wie Schweizer- oder Kantonsfahnen und individuellen Fahnen, etwa für Vereine? LEADER | August 2020
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reise Vorzugsp der für Mitglie Ost FEP, kfmv und ZGP
16. Ostschweizer Personaltag Donnerstag, 24. September 2020 Olma Halle 9.1.2, 13.30 Uhr
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Kolumne Diese zwei Bereiche sind so unterschiedlich, dass sie nicht miteinander verglichen werden können. Vereinsfahnen werden in sorgfältigster Handarbeit hergestellt. Von den ersten Entwürfen bis zur Auslieferung vergehen im Schnitt etwa fünf oder sechs Monate. Wir stellen im Jahr rund 120 neue Vereinsfahnen her. Hinzu kommen Restaurationen und Reparaturen. Bei «Massenwaren» wie Schweizer- und Kantonsfahnen liegen wir bei einigen tausend Stück pro Jahr. Sie setzen jährlich zwölf Prozent Ihres Budgets für Innovationen ein. Wo kann man bei der Fahnen- und Flaggenherstellung heute noch innovativ sein? Da gibt es viele Herausforderung die wir kurz-, mittel- und langfristig angehen und angehen wollen. Wir arbeiten gerade etwa mit unserem Stofflieferanten an einem neuen Fahnenstoff, der eine noch längere Haltbarkeit aufweisen sollte als die bereits hochwertigen Stoffe, die wir verwenden. Und was ist die aktuell grösste Herausforderung? Meiner Tochter beizubringen, dass sie mit zwölf Jahren noch nicht erwachsen ist … Spass beiseite: Corona wird uns sicher noch eine Weile beschäftigen. Wir sind jedoch mit unserem Team, unseren Produkten und vor allem mit unserer treuen Kunden gut aufgestellt. Warum soll man sich für eine «Swiss Made»-Fahne entscheiden? Ein billiges Produkt aus dem Ausland erfüllt doch den gleichen Zweck? Das kommt immer darauf an, welchen Zweck das Produkt erfüllen soll und welche Erwartungen die Kunden an das Produkt haben! Es gibt viele Gründe sich für eine Swiss-MadeFahne zu entscheiden. Seien dies emotionale Gründe – eine Schweizerfahne soll doch bitte auch in der Schweiz hergestellt sein – oder ökologische Aspekte: Unsere Fahnen müssen nicht in der ganzen Welt herumtransportiert werden. Und wie lange werden Sie noch weiter in Wil produzieren (können)? Ich gehe davon aus, dass wir dies auch noch viele weitere Generationen lang tun können. Was sind Ihre wichtigsten Produkte? Das Gesamtsortiment macht es aus. Ein Fahnenmast ohne Fahne gibt ja nicht viel her. Wir verstehen uns als Generalunternehmen für alle Bereiche rund um textile Werbung. Die Kunden haben dadurch den grossen Vorteil, dass sie von der Planung bis zur Auslieferung oder Montage alles von Heimgartner bekommen. Zum Schluss: Bekanntheit erhielten Sie mit der grössten Schweizerfahne der Welt, die jährlich am Säntis ausgerollt wird. War das mehr als ein Werbegag? Die Fahne am Säntis ist ein fixer Bestandteil in unserer Agenda geworden, das geht mittlerweile wohl vielen Ostschweizern so. Wir bekommen jedes Jahr enorm viel positives Feedback. Dies bestärkt uns in der Absicht, diesen Event jedes Jahr durchzuführen – vorausgesetzt, das Wetter spielt mit.
Text: Stephan Ziegler Bild: Marlies Thurnheer
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Auswandern, Textilindustrie oder Hunger Wer heute den Industriellenfamilien des 18. und 19. Jahrhunderts eine Mitschuld an der Sklaverei vorwirft, misst die damalige Situation an den Massstäben von heute. Zeitzeugen und Briefe belegen, dass deren Unternehmertum andere Motive hatte als das reine Gewinnstreben. Die karge voralpine Landwirtschaft genügte damals nicht mehr zur Ernährung einer wachsenden Bevölkerung, und es gab für deren Überleben nur drei Optionen: Auswandern, Nebenverdienst in der Textilindustrie oder Hunger. Dass es auch auf dem Land einflussreiche, international gut vernetzte Familien gab, welche durch ihre Importe, Exporte und Investitionen Nebenverdienste ermöglichten, war in dieser Situation ein Glücksfall und kein Fluch. Die Familie Zellweger etwa aus Trogen und andere Unternehmer der industriellen Frühzeit haben als Fabrikherren und als Bauherren tausenden von Familien ein Leben und Überleben aufgrund eigener Arbeit ermöglicht. Das Leben von Teilzeit-Kleinbauern mit «Webkellern» und Handstickmaschinen war zwar vergleichsweise karg, aber die Alternativen dazu wären nur Verhungern oder Auswandern gewesen. Die sogenannten «Palastbauten» waren auch Arbeitsbeschaffung sowie Anwendung und Verbesserung handwerklichen Könnens. Sie waren somit gemeinnütziger als irgendwelche Zuwendungen an Arme ohne entsprechende Gegenleistung. Umverteilung an Arme ohne Gegenleistung verewigt Armut und macht die Armen von den Reichen definitiv abhängig. Hätten die Unternehmer höhere Löhne bezahlt, wären die Produkte auf dem Markt nicht mehr verkäuflich und die Bauten nicht mehr finanzierbar gewesen. «Sklavenfrei» produzierte Baumwolle mit einem menschenrechtlichen Unbedenklichkeitszeugnis war damals weltweit nicht zu haben. Es zeugt von einem ideologisch verzerrten Geschichtsverständnis, wenn man heute sämtliche Unternehmer und insbesondere die Baumwollhändler und -verarbeiter in der Ostschweiz pauschal als Mitschuldige an der Sklaverei diffamiert.
Robert Nef, Publizist, St.Gallen LEADER | August 2020
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Jeden Monat 150 000 Franken für ein Startup In den letzten 15 Jahren hat Venturelab mehr als 30 000 Gründer bei ihrem globalen Wachstum und über 100 000 Unternehmer im Startup-Ökostystem mit Programmen und Veranstaltungen unterstützt. Das IFJ-Spin-off aus St.Gallen hat es sich zur Mission gemacht, Weltklasse-Start-ups auszubilden und in die Businesswelt zu katapultieren.
2004 setzte Venturelab die Segel als nationale Initiative für unternehmerische Ausbildung, die von der Schweizerischen Innovationsagentur an das IFJ-Institut für junge Unternehmer mit Sitz in St.Gallen vergeben wurde. Seither entwirft und betreibt Venturelab Flaggschiff-Startup-Programme in der Schweiz wie Venture Kick, Venture Leaders, den TOP 100 Swiss Startup Award und Innosuisse Start-up Trainings zur Unterstützung der besten unternehmerischen Talente. Heute ist Venturelab eine unabhängige Ausgründung von IFJ.
«Google wurde auch in einer Krise gegründet.» Spin-offs von Schweizer Unis verdoppeln «Mit unserem Netzwerk und Know-how können wir jungen Unternehmern dabei helfen, schneller in den Markt einzutreten», sagt Venturelab-Co-Management Direktor Stefan Steiner, der jeweils auch die Schweizer Startup-Nationalmannschaft ins Silicon Valley begleitet. Besonders in den Kinderschuhen sei es essenziell, die richtigen Schritte zu gehen. «Viele arbeiten jahrelang an einem Produkt im stillen Kämmerlein und merken dann plötzlich, dass es den Markt oder die Zielgruppe dafür gar nicht gibt. Solche Fehler möchten wir zu vermeiden helfen.» Mit der Förderungsinitiative Venture Kick, die vor zwölf Jahren ins Leben gerufen wurde, soll die Anzahl an Spin-offs von Schweizer Universitäten verdoppelt, die Markteinführung beschleunigt und die Attraktivität solcher jungen Firmen für professionelle Investoren und Industriepartner gesteigert werden. Venture Kick ist ein philanthropisches Drei-Stufen Finanzierungsmodell, das initiiert wurde, um Schweizer Startups mit Finanzierung in der frühen Phase auszustatten und so ihren unternehmerischen Erfolg zu unterstützen. LEADER | August 2020
Von der Forschung auf den Markt «Start-ups aus der ganzen Schweiz können sich qualifizieren, um bis zu 150 000 Franken Startkapital zu erhalten. Eine 150-köpfige Jury aus ausgewählten Mitgliedern entscheidet jeden Monat, welches Startup aus 20 Projekten Kapital erhält», erklärt Steiner. «So können die angehenden Unternehmer das Auftreten vor Investoren üben und werden bei jedem Pitch besser.» In einem neunmonatigen «Kicking-Prozess» werden die Jungunternehmer dann effektiv unterstützt; vielversprechende Geschäftsideen kommen so von der Forschung auf den Markt. Die Ideen sollen vor allem einen einzigartigen Ansatz beinhalten. Beim Kicking Prozess gehe es nicht um die Technik, sondern viel mehr um die Kunden, wie Stefan Steiner sagt. «Das liegt daran, dass die Gründer nicht die Unterstützung im technischen Know-how brauchen, sondern eben viel mehr im Businessdenken. Also etwa: Wie kann man das Produkt oder die Dienstleistung kommerzialisieren? Wie spreche die Kunden richtig an? Beim Geschäftsmodell und dem Markt setzt unsere Arbeit an.»
«Mit unserem Netzwerk und Know-how können wir dabei helfen, schneller in den Markt einzutreten.» Erfolgsgeschichten Durch die Unterstützung von Venturelab konnten bereits unzählige Start-ups durchstarten und wachsen. Das wohl bekannteste Beispiel ist die Buchungsplattform «GetYourGuide», die von einem globalen Team von über 400 Reiseexperten unterstützt wird und Reisenden auf der
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Co-Management-Direktor Stefan Steiner:
Fehler vermeiden.
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24. Wirtschaftsforum Thurgau 5. November 2020, 13.30 Uhr Kongresszentrum Thurgauerhof Weinfelden
Krise, Klima, Köpfe
Daniel Kalt
Gerd Ganteför
Daniel Dettling
Dieter Bachmann
Peter Spuhler
Hans Hess
Mona Vetsch
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Kolumne Wirtschaft 35 35 ganzen Welt dazu dient, Sehenswürdigkeiten zu erkunden, Wandertouren zu planen, mit beeindruckendem Essen und Getränketouren, Koch- und Bastelkursen, Eimer-Listen-Erlebnissen und Nischenangeboten, die man sonst nirgendwo findet. Seit der Gründung 2009 haben Reisende aus mehr als 170 Ländern mit GetYourGuide über 20 Millionen Touren, Aktivitäten und Attraktionstickets gebucht. Das Unternehmen verfügt heute über Niederlassungen in 14 Ländern weltweit. Aber auch das Startup Ava AG sorgte für Schlagzeilen und wurde zum Schweizer TOP-100-Startup im Jahr 2017 und 2018 gekürt. Pascal Koenig, Philipp Tholen, Peter Stein und Lea von Bidder gründeten Ava 2014 und sind spezialisiert auf neue Entwicklungen in der Medizintechnik im Bereich reproduktive Gesundheit. Das Ava-Armband ist das erste Produkt des Unternehmens für den Verbrauchermarkt und verwendet modernste Sensortechnologie sowie klinisch erprobte Methoden, um die fruchtbaren Tage einer Frau in Echtzeit zu bestimmen. Ava erhielt bisher 42,6 Millionen US-Dollar und hat Sitze in Zürich, San Francisco, Hongkong und Makati.
«Viele arbeiten jahrelang an einem Produkt und merken dann plötzlich, dass es keinen Markt dafür gibt.» Corona-Krise: Chance und Risiko für Start-ups Die Corona-Krise hat in allen Wirtschaftsbereichen Umsätze wegbrechen lassen. Besonders hart hat es die Startups getroffen. Denn sie investieren oft ihre gesamten Einnahmen in die Produktentwicklung – und können kaum finanzielle Rücklagen bilden. Auch beim Hilfsprogramm des Bundes schienen diese zunächst leer auszugehen. «Wir haben uns stark dafür eingesetzt, dass auch Start-ups an Nothilfekredite gelangen. Natürlich war es für die gesamte Branche ein Schock und es gestaltete sich schwierig, an Kapital von Investoren zu kommen. Aber eine Krise kann auch eine Chance sein: Google.com wurde auch in einer Krise gegründet. Deshalb versuchen auch wir, das Beste aus der aktuellen Situation zu ziehen», sagt Co-ManagementDirektor Steiner. Stoppen lassen sich die Unternehmer aber sicher nicht: «Wir wollen, dass es noch weitere geniale Start-ups ‚Made in Switzerland gibt‘, und wollen noch grösser, internationaler werden. Die Schweiz soll auch international als HightechStandort wahrgenommen werden», sagt Stefan Steiner.
Mit Venture Kick wurden bereits 678 StartupProjekte unterstützt, 29 250 000 Franken Startkapital investiert, 7 000 Jobs kreiert, 3.5 Milliarden Franken Kapital beschafft Text: Miryam Koc Bild: Marlies Thurnheer
Jetzt geht es ums Ganze! Im September stimmen wir über die Erneuerung der ins Alter gekommenen Luftwaffe ab. Ohne Neubeschaffung ist sie innert Kürze nicht mehr einsatzbereit. Ohne Luftwaffe verliert die Armee ihren Schutzschirm. Die Armee wäre obsolet – die Schweiz schutzlos. Schutz und Sicherheit für die Menschen in unserem neutralen Land sind die Grundpfeiler für Freiheit und Stabilität. Sie sind völkerrechtliche Pflicht. Von Armee-Abschaffern und Gegnern der Beschaffung wird argumentiert, militärische Angriffe gegen unser Land seien heute undenkbar. Bei der Beurteilung der Bedrohungen wird leider immer wieder der Fehler gemacht, diese nach der Wahrscheinlichkeit ihres Eintretens zu beurteilen. Was aber zählt, ist einzig die Gefährlichkeit einer Bedrohung. Militärische Konflikte werden heute gleichzeitig im Cyberspace, in der Luft und am Boden ausgetragen. Wir müssen auf alle Gefahren vorbereitet sein und nicht erst dann an die Bekämpfung von Krisen denken, wenn sie da sind. Wir müssen sowohl in Zeiten erhöhter Spannungen wie auch in normalen in der Lage sein, uns jederzeit wirkungsvoll zu schützen. In der Luft ist das nur mit modernsten Kampfflugzeugen möglich. Wir geben der Polizei auch keine Velos, um Sportwagen zu verfolgen. Die maximal sechs Milliarden, die die Erneuerung der Luftwaffe kostet, werden aus dem ordentlichen Militärbudget bereitgestellt. Mit Phantasiezahlen wird diese Beschaffung auf 24 Milliarden Franken hochgerechnet, weil man die Betriebs- und Unterhaltskosten über die ganze Lebensdauer mit einrechnet. Machen wir eine solche Rechnung beim Autokauf auch? Werden beim Entscheid zum Bau eines Schulhauses die Kosten für den Betrieb und die Lehrergehälter auch mit eingerechnet? Am 27. September geht es um ein Ja zu Schutz und Sicherheit für unser Land und unserer Bevölkerung. Ohne moderne Luftwaffe keine Armee, ohne Armee keine neutrale und unabhängige Schweiz.
Dr. Walter Locher, FDP-Kantonsrat, St.Gallen LEADER | August 2020
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«Je konkreter eine Drohung, desto grösser die Gefahr» Seit 2018 hat die Kantonspolizei St.Gallen als erstes Polizeikorps in der Ostschweiz die im Gewaltschutz proaktive Abteilung «Bedrohungs- und Risikomanagement» aufgebaut. Ihr Ziel: Das Verhindern von schwerer Gewalt. KMU können sich direkt beim Team von Adjutant Manuel Niederhäuser melden, um sich beraten zu lassen, wenn sie von intern oder extern bedroht werden. Etwa durch Kunden, Mitarbeiter oder ehemalige Angestellte.
Manuel Niederhäuser, mit welchen Anliegen treten KMU meist an Sie heran? Eindeutig mit Schilderungen von Drohungen – von Kunden, unter Mitarbeitern oder auch privat. Drohungen verunsichern zutiefst! Unsere Abteilung ist zwar zu 60 Prozent mit Fällen von häuslicher Gewalt und Stalking beschäftigt. Der Rest sind aber Drohungen unter Privatpersonen, auf Ämtern oder in Firmen.
«Bei KMU herrscht oft Angst, die Polizei rücke gleich mit Blaulicht und Sirene aus.» Jetzt befürchte ich, dass ein entlassener Mitarbeiter seinem Teamleiter etwas antun könnte. Was mache ich? Wichtig ist, frühzeitig den Kontakt zu uns oder zur nächsten Polizeistation zu suchen. Eine professionelle Einschätzung ist zentral, um allenfalls weitere Schritte einzuleiten. Der Satz «So lange nichts passiert ist, kann die Polizei nichts machen» ist zwar noch tief in den Köpfen verankert. Hier hat aber schweizweit ein Paradigmenwechsel stattgefunden: Die Gesellschaft verlangt von den Strafverfolgungsbehörden ein frühes Einschreiten, bevor etwas passiert. Und wenn ein frustrierter Kunde Drohungen gegen jemanden aus meinem Betrieb ausgestossen hat? Fühlt sich ein Mitarbeiter in Angst und Schrecken versetzt, ist eine Anzeige unbedingt angebracht. Wenn nicht, rate ich zu einem Ermahnungsschreiben durch die vorgesetzte Stelle, worin klar und deutlich kommuniziert wird, dass man sich keine Drohungen oder Beschimpfungen gefallen lasse und LEADER | August 2020
das nächste Mal eine Anzeige erstattet werde. Diese Normverdeutlichung führt häufig zu einer Entschuldigung seitens des Drohers. Wie merkt man aber, ob es jemand «ernst meint» oder ob er sich nur etwas Luft verschaffen wollte? Je konkreter eine Drohung ausgesprochen wird, desto grösser ist die Gefahr. Bei Unsicherheit gilt es, sich lieber einmal zu viel von uns beraten zu lassen. Bei KMU herrscht oft eine gewisse Angst, die Polizei rücke gleich mit Blaulicht und Sirene aus, und deshalb melden sie sich oftmals nicht. Unsere Erfahrung zeigt aber, dass Drohungen das Sicherheitsgefühl der Betroffenen ins Bodenlose sinken lässt. Das kann zu Krankschreibungen oder sogar Kündigungen führen. Ein professionelles Bedrohungsmanagement kann hier viel auffangen! Der Arbeitgeber ist meines Erachtens in der Pflicht, einzuschreiten und Drohungen gegenüber Angestellten nicht kleinzureden oder nicht ernst zu nehmen. Sie können Menschen aber nicht einsperren, bevor sie etwas getan haben, oder? Es kommt darauf an. Natürlich ist es einfacher, jemanden festzunehmen, wenn er strafrechtlich durch Drohungen oder Hausfriedensbruch in Erscheinung getreten ist. Aber auch ohne Straftatbestand gibt es die Möglichkeit, jemanden wegen «Ausführungsgefahr» festzunehmen. Dies sind aber seltene Fälle, und wir versuchen immer, den Konflikt frühzeitig zu entschärfen. Und was kann ich tun, damit ich weder von extern noch intern Bedrohungslagen ausgesetzt bin? Eine sozialkompetente Mitarbeiterführung hilft schon viel. Aber es kann halt auch unter Mitarbeitern zu Konfliktsituationen kommen – oder ein Partnerschaftsstreit wird in die Firma
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Adjutant Manuel Niederhäuser:
Drohungen gegenĂźber Angestellten nicht kleinreden.
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Manuel Niederhäuser, Leiter Abteilung Bedrohungs- und Risikomanagement, und Sara Bühlmann, Sachbearbeiterin Gewaltprävention: Für Beratungen in Bedrohungslagen jederzeit da.
getragen, beispielsweise weil der Ex-Mann seine Frau stalkt. Aber auch Kontroversen mit unzufriedenen Kunden können sich hochschaukeln. Geht es um viel Geld oder sogar Existenzen, sind Konflikte unausweichlich. Vielleicht hat der Kunde oder Mitarbeiter ja auch noch Eheprobleme? Oder ist psychisch angeschlagen, ein Waffenfreak? Für eine seriöse Einschätzung brauchen wir möglichst viele Informationen.
«Auch ohne Straftatbestand hat die Polizei Möglichkeiten, um einzuschreiten.» Bietet Ihre Abteilung auch Schulungen, Beratungen oder Workshops für KMU an? Schulungen im Bereich von «Umgang mit schwierigen Kunden» oder «Gesprächsführung» bieten diverse Privatfirmen an. Für Beratungen oder Einschätzungen in Bedrohungslagen sind wir jederzeit da. Das ist absolut niederschwellig sowie vertraulich und kann auch ohne Strafanzeige in Anspruch genommen werden: 058 229 42 11, brm@kapo.sg.ch. LEADER | August 2020
Wo konnte Ihre Abteilung KMU schon helfen? Da fällt mir die Firma ein, die sich vor einem Mitarbeiter gefürchtet hat und sich von ihm trennen wollte. Wir haben keine direkte Gefahr für Leib und Leben erkannt und empfohlen, mit dem Mann zu reden. Und zwar auf höchster Stufe. Tatsächlich stellte sich heraus, dass er Ehe- und Finanzprobleme hatte. Er sah sein Fehlverhalten ein, besserte sich und musste nicht entlassen werden. Eine andere Firma entliess einen Mitarbeiter, der danach in den sozialen Medien bedrohliche Einträge postete. Man organisierte einen Sicherheitsdienst, der das Firmenareal bewachte – bis man gemerkt hat, dass dies nicht ewig so weiter gehen konnte. Wir führten beim Entlassenen eine sogenannte Gefährderansprache durch. Die Situation klärte sich damit, und die Firma konnte wieder in den Normalzustand zurückkehren.
Text: Stephan Ziegler Bilder: Marlies Thurnheer
Profil
Sproll & Ramseyer in jungen Händen René Sproll legt sein Mandat im Verwaltungsrat der Immobilienfirma Sproll & Ramseyer AG nieder und zieht sich aus der operativen Verantwortung zurück.
Die Anfänge der Sproll & Ramseyer AG mit Sitz in St.Gallen gehen ins Jahr 2000 zurück. Als bestausgewiesener und persönlicher Immobiliendienstleister hat sich das Unternehmen einen Namen in der Ostschweiz gemacht. Das Angebot deckt sämtliche Segmente in den Bereichen anspruchsvoller Immobilienbewertungen, -vermarktung und Immobilienbewirtschaftung ab. Zu den herausragenden Stärken des Unternehmens gehört zudem die fundierte Beratung komplexer Aufgabenstellungen im Zusammenhang mit grundbuchtechnischen Fragen oder Stockwerkeigentumsbegründungen.
Martin Hofstetter und Florian Meier, erfahrene Immobilienspezialisten mit breitem Fachwissen.
IH RE IMMOBILIEN EXPERTEN MIT DEM RICHTIGEN RIECH ER .
Die Verjüngungskur der St.Galler Immobilienfirma Sproll & Ramseyer AG geht weiter: Bereits im Frühjahr 2018 hat der Firmengründer René Sproll die Firma an Florian Meier übertragen. Nun zieht sich Sproll anlässlich der ordentlichen Generalversammlung 2020 aus dem Verwaltungsrat wie auch aus dem operativen Geschäft zurück.
Das Unternehmen hat sich seit dem Jahr 2000 einen Namen in der Ostschweiz gemacht. Florian Meier erklärt: «René Sproll hat unser Unternehmen zu dem gemacht, was es heute darstellt. Für seinen Einsatz werden wir ihm immer dankbar sein.» Die Geschäftsleitung bleibt wie bisher in den Händen von Florian Meier und Martin Hofstetter, beides langjährig erfahrene Immobilienspezialisten mit breit diversifiziertem Fachwissen in den Bereichen Bewirtschaftung, Bewertung und Verkauf.
Sproll & Ramseyer AG, Poststrasse 23, Postfach 2149, CH-9001 St. Gallen Telefon 071 229 00 29, Fax 071 229 00 39, info@sur.ag, www.sur.ag
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BG OST-SÜD-Geschäftsführer Daniel Schwander:
16,6 statt 40 Milliarden.
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Betrugsversuche im Promillebereich Zur Sicherstellung der Liquidität konnten Unternehmen bis am 31. Juli Überbrückungskredite in Anspruch nehmen. Verbürgt werden die «Coronakredite» durch die vier Schweizer Bürgschaftsorganisationen, die ihrerseits vom Bund rückversichert sind. Die grösste davon, die BG OST-SÜD mit Hauptsitz in St.Gallen, wickelte etwa die Hälfte aller Fälle ab. Geschäftsführer Daniel Schwander kennt die Zahlen und beschreibt die häufigsten Betrugsmaschen.
Die vom Bundesrat verabschiedete Verordnung umfasste ein Programm zur Überbrückung von Liquiditätsengpässen im Umfang von 40 Milliarden Franken, das bis am 31. Juli gelaufen ist. Betroffene Unternehmen konnten bis dahin Überbrückungskredite im Umfang von höchstens zehn Prozent ihres Jahresumsatzes bis maximal 20 Millionen Franken von ihren Banken beantragen.
«Nur bei 21 Fällen erfolgte bis dato eine Anzeige – schweizweit.» Weniger als die Hälfte vergeben War der Ansturm vor allem Ende März/Anfang April gewaltig – alleine in den ersten acht Tagen wurden 70 000 Gesuche gestellt –, hat sich die Kurve gegen Ende des Überbrückungskredits-Zeitfensters stark abgeflacht. «Ende Juli waren es schweizweit total rund 135 000 ‹normale› Kreditvereinbarungen und gut 1 000 Covid-19-Kredit-Plus-Anträge», weiss BG OST-SÜD-Geschäftsführer Daniel Schwander. «Bei ersteren kam eine Summe von 13 800 Millionen, bei letzteren 2 781 Millionen Franken zusammen.» Das heisst, es wurden gesamthaft 135 539 Kreditanträge bewilligt mit einer Gesamtsumme von 16,6 Milliarden Franken.
Das ist weit weniger Geld, als mit 40 Milliarden eigentlich zur Verfügung gestanden hätte. Wie erklärt sich Schwander die tiefere Nachfrage? «Es wurde nicht ein eigentlicher ‹Topf› zur Verfügung gestellt, sondern es handelte sich bei den 40 Milliarden um eine Schätzung, die zu Beginn des Programmes gemacht wurde. Bei den einzelnen Gesuchen ging man initial von höheren Beträgen aus als den jetzt durchschnittlich geliehenen rund 100 000 Franken, was zu einem tieferen Volumen führte.» Zuviel an- und falsch ausgegeben Und wie sieht Daniel Schwander das Betrugsniveau? «Es gab drei verschiedene Arten von versuchten Tricksereien: Einerseits versuchten einige, von verschiedenen Banken gleichzeitig Kredite zu erhalten. Andererseits haben einige zu hohe Umsatzzahlen angegeben, um mehr Geld zu bekommen, als ihnen zugestanden hätte. Weiters wurden auch Verwendungsmissbräuche festgestellt.» Die Kredite durften nur für die Deckung von laufenden Kosten verwendet werden, nicht aber für Dividenden, Darlehen, Investitions- und Refinanzierungen oder Weiterleitungen ins Ausland. Die Abweichungen seien aber meist schnell entdeckt worden. «Nicht jeder Fall war auch ein Betrugsversuch», relativiert Schwander. Manche hätten in der anfänglichen Panik schlicht überreagiert und deshalb mehrere Anträge eingereicht. «Wir haben deshalb bei Verdachtsmomenten den Beteiligten Gelegenheit gegeben, ihre Angaben zu korrigieren und nicht rechtmässig bezogenes Geld zurückzugeben.» LEADER | August 2020
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City-Garage AG Ihr neuer offizieller Hyundai-Partner in St.Gallen.
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Kolumne Wirtschaft 43 43
Die Krise ist noch nicht vorbei Nach der Corona-bedingten Zwangspause im Frühjahr haben viele in den vergangenen Wochen die Sommertage genossen. Eine Ruhe vor dem Sturm? Viele sind den flammenden Worten von Bundesrat Ueli Maurer gefolgt, mit welchen er an die Parlamentarier appelliert hat: «Machen Sie Ferien in der Schweiz». Man solle aus der Krise eine Chance machen, die hiesigen Naturschönheiten besuchen sowie das feine Essen, den Wein und das Bier geniessen.
«Es gab drei verschiedene Arten von versuchten Tricksereien.»
Nun, am Ende des Überbrückungskredits-Zeitfensters, sind noch knapp 800 Fälle in Abklärung, die den Bürgschaftsgenossenschaften suspekt vorkamen – von 135 000 eingereichten. In 109 bereits abgeklärten Fällen hat sich der Missbrauch nicht bestätigt, bei 124 konnte eine Berichtigung oder Wiedergutmachung ohne Anzeige erreicht werden. Nur bei 21 Fällen erfolgte bis dato eine Anzeige durch eine Bürgschaftsorganisation – schweizweit.
Im Kanton St.Gallen laufen aktuell (Anfang August) 14 Strafverfahren wegen Coronabetrugs. In den meisten Fällen handle es sich gemäss Beatrice Giger, Mediensprecherin der St.Galler Staatsanwaltschaft, um Anzeigen wegen falscher Umsatzangaben: Mit erhöhten Umsatzangaben versuchten Firmen, zu mehr Kredit als den zulässigen zehn Prozent eines Jahresumsatzes zu kommen. Solche Unregelmässigkeiten werden von den Banken der Meldestelle für Geldwäscherei MROS gemeldet, diese wiederum macht Anzeige bei der Staatsanwaltschaft. Die Deliktsumme bewegt sich zwischen 13 900 und 164 000 Franken pro Fall.
Text: Stephan Ziegler Bilder: Marlies Thurnheer
Unabhängig davon, wie und wo man die Ferien verbracht hat – der Alltag hat bei den meisten wieder begonnen. Leider läuft unsere Wirtschaft noch längst nicht wieder auf Normalbetrieb: Die Produktion wurde gedrosselt − auch aufgrund der mangelnden Nachfrage aus dem Ausland. Der Konsum kommt nur schleppend in Gang, die Touristen sind vorsichtig. So trifft die Pandemie auch die stark exportorientierte Ostschweizer Wirtschaft hart. Wenige Unternehmen haben sie ohne Probleme überstanden. Viele mussten den Betrieb vorübergehend einstellen oder herunterfahren – einige leider für immer. Wie gross diese Auswirkungen wirklich sind und wie viele ihren Job verlieren, wird sich erst in den nächsten Monaten zeigen. Ich hoffe, dass sich dies die Politiker auf allen Ebenen bewusst sind. In den nächsten Wochen und Monaten stehen viele Entscheidungen an, die unsern Staatsaushalt nebst den Corona-bedingten Ausfällen belasten. So geht es unter anderem im Kanton St.Gallen um eine neue Spitalstrategie. Für eine kostendeckende Umsetzung der heutigen Strategie fehlen jedes Jahr rund 70 Millionen. Dieses Jahr wird wegen Corona das Defizit noch viel grösser ausfallen. Auch das Stimmvolk darf über kostentreibende Fragen abstimmen: So steht im Herbst etwa der Entscheid über den Mutterschaftsurlaub an. In dieser Zeit dürfen wir nicht nur an uns selbst denken. Wir müssen Entscheide fällen, die auch für die nächsten Generationen finanziell tragbar sind.
Michael Götte Fraktionspräsident SVP St.Gallen Gemeindepräsident Tübach LEADER | August 2020
Walter Ernst und Dieter Wildauer:
Fokus auf Unternehmer und Unternehmen.
Wirtschaft
Grenzüberschreitendes Know-how Als Leiter Private Banking und künftiges Mitglied der Geschäftsleitung bei der Schweizer Niederlassung der Hypo Vorarlberg Bank AG kehrt Walter Ernst zurück auf den Bankenplatz St.Gallen. Gemeinsam mit Dieter Wildauer, Niederlassungsleiter und Regionaldirektor Schweiz, wird er die Bank bis Ende 2021 leiten und dann Wildauers Nachfolge antreten. Ernst kommt damit an seine frühere Wirkungsstätte im Klosterviertel zurück, leitete er doch von 2007 bis 2014 die damalige Vadian-Bank der Ortsbürgergemeinde. Walter Ernst, Sie arbeiten nun rund 200 m von Ihrem ursprünglichen Wirkungsort in St.Gallen entfernt. Das Gebäude Bankgasse 1 beherbergte schon die Schweizer Nationalbank und die Sparkasse der Administration Sparad. Bedeutet es etwas für Sie, in einem so geschichtsträchtigen Ort tätig zu sein? Ja, das Gebäude ist dank seiner Geschichte und seiner schönen Lage jedem St.Galler bekannt. Zudem sind wir im Herzen der Gallusstadt tätig, was ein Privileg ist. Nicht minder geschichtsträchtig war Ihr alter Wirkungsort, das «Haus zur Grünen Thür». Was unterscheidet die damalige Vadian-Bank, die Sie geleitet hatten und die Ende 2014 von der SGKB übernommen wurde, von der Hypo Vorarlberg? Die Vadian-Bank hatte aufgrund ihrer Historie und ihrem Eigentümer Ortsbürgergemeinde in St.Gallen einen hohen Bekanntheitsgrad. Es gehörte schon fast zum «guten Ton» dort ein Konto zu haben! Die Hypo ist, obwohl mittlerweile seit 23 Jahren in St.Gallen, vielen noch nicht so geläufig. Hinsichtlich Kreditgeschäft und Auslandsbezug waren wir in der VadianBank aufgrund der Grösse limitiert. Das sind wir in der Hypo dank der Stärke und Eigentümerstruktur des Mutterhauses kaum: In der Hypo sind wir in der Lage, auch grössere Kreditobligos zu sprechen sowie Unternehmer und Privatpersonen rund um den Bodensee in allen vier Ländern in Anlageund Finanzierungsthemen zu unterstützen. Und wo gibt es Parallelen? Es fühlt sich sehr ähnlich an! Wir haben mit rund 25 Mitarbeitern eine sehr familiäre Struktur und dürfen im Zentrum von St.Gallen tätig sein, was zu viel kommunikativem Austausch führt. Auch unser Vorarlberger Mutterhaus hat eine sehr bodenständige und beständige Struktur. Der Mensch steht sowohl nach innen wie nach aussen im Mittelpunkt. So verzichtet die Hypo konsequent auf Bonifikationszahlungen und setzt stattdessen auf Kontinuität bei den Mitarbeitern. Dieter Wildauer, wen spricht die Hypo Vorarlberg vor allem an – klassische Hypothekennehmer, wie der Name impliziert, oder auch Unternehmen und vermögende Private?
Im Fokus unseres Tuns stehen Unternehmer und vermögende Privatpersonen, wobei wir diese bereits ab einem Kapitalvermögen von 100 000 Franken als solche definieren. Wir bieten Lösungen bei der Finanzierung von Immobilien von drei bis 20 Millionen Franken und in Einzelfällen auch darüber hinaus. Das können Renditeliegenschaften für Wohnen, Gewerbe, Handel, Industrie, aber auch gemischte Objekte sein. Bei Private-Banking-Kunden finanzieren wir natürlich auch die private Liegenschaft oder die Ferienimmobilie. Ein weiteres Segment sind die klassischen KMU ab einer Grösse von rund 50 Angestellten. Und last, but not least ist der Unternehmer mit seinen persönlichen Bedürfnissen. Dieses Angebot bieten wir in der gesamten Deutschschweiz an. Unsere Kunden haben einen Ansprechpartner und werden von ihm grenzüberschreitend betreut. Wie sieht das Verhältnis im Kundenportefeuille etwa aus? Das Firmenkundengeschäft auf Basis von Immobilien hält aktuell den grössten Anteil. Aber wir spüren, dass unsere grenzüberschreitenden Lösungen für Unternehmer und KMU rund um den Bodensee immer gefragter sind. Das Anlagegeschäft wächst, ist aber im Verhältnis zum Firmenkundengeschäft und unserer Expertise in diesem Bereich noch unterrepräsentiert. Hier kennt man uns einfach noch zu wenig. Ein grosses Thema zurzeit sind Nachfolgeregelungen. Wie ist die Hypo Vorarlberg in diesem Bereich aufgestellt? Das Nachfolgethema ist ein Pflichtthema bei unseren Unternehmensfinanzierungen. Spannend sind für uns vor allem grenzüberschreitende Nachfolgefragen, d. h. Unternehmen, die in mehr als einem Land präsent sind oder deren Nachfolger im Ausland leben. Hierdurch ergeben sich auch oft Verschiebungen in der Unternehmensstruktur. Und was spricht bei der Nachfolgeplanung eher für eine Bank als für spezialisierte Berater? Im Finanzierungsbereich ist die Nachfolgeplanung eine Pflichtaufgabe unserer Berater. Wir sind in der Rolle des gezielten Fragenstellers. Dadurch lösen wir Denkprozesse beim Unternehmer aus, wenn diese nicht ohnehin schon erfolgt sind. Danach haben wir eine Vermittlungs- und BegleitungsLEADER | August 2020
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Kolumne Wirtschaft 47 47 funktion. Die eigentliche Nachfolgeplanung erfolgt durch Spezialisten aus unserem Netzwerk oder dem des Kunden. Walter Ernst, die Hypo Vorarlberg hat ihren Hauptsitz in Bregenz. Warum soll sich ein Ostschweizer Kunde für eine Vorarlberger Bank entscheiden? Das ist eine verständliche Frage. Jeder Unternehmer und jeder Private, der einen Auslandsbezug hat (sei es in der Familie oder im Unternehmen), ist gut beraten, mit uns zu sprechen, da wir nicht nur grenzüberschreitendes Know-how besitzen, sondern über unser Mutterhaus auch in der EU (Deutschland und Österreich) finanzieren und anlegen können. Daneben sind wir sehr effizient und kostensparend aufgestellt, was sich in den Kundenkonditionen bzw. Kreditsätzen niederschlägt. Im Anlagebereich verzichten wir bewusst auf Beratungspakete und setzen weiterhin auf das traditionelle Modell von Depotgebühren und Courtagen. In der Vermögensverwaltung ist unser Haus mehrfach ausgezeichnet – und wir bieten diese als Standardmandat bereits ab 100 000 Franken bzw. als individuelles Mandat bereits ab einer Million an. Ist der Sitz in der EU ein Vorteil im grenzüberschreitenden Geschäft? Ja. Einerseits über das Know-how in den jeweiligen Ländern, aber auch im Angebot für grenzüberschreitende Unternehmen und Privatpersonen. Darüber hinaus für den Marktzugang als solchen, wobei wir hier eng mit den Kollegen in Österreich, unseren Immobilienleasing-Gesellschaften und unserer Versicherungsmaklerei zusammenarbeiten. Und wie stellt die Hypo Vorarlberg sicher, dass ihre Berater spezifisch auf Ostschweizer KMU eingehen können? Die meisten Ostschweizer KMU sind spätestens seit der Frankenaufwertung 2015 gezwungen, auch grenzüberschreitend tätig zu sein bzw. Teile ihrer Wertschöpfungskette ins Ausland auszulagern. Wir versuchen, das durch ein grenzüberschreitendes Angebot und einen guten Mix aus Beratern aus der Bodenseeregion zu begleiten. Mir geht es betreffend Grenzen so wie den Seglern auf dem Bodensee: Grenzen sollten im übertragenen Sinne verschwimmen – und die Hürden zwischen der EU und der Schweiz möglichst minimiert werden.
Die Hypo Vorarlberg ist seit 1997 auch in der Schweiz tätig. Sie bietet in der gesamten Deutschschweiz Private-Banking-Dienstleistungen, KMU-Kredite und Immobilienfinanzierungen an. In St.Gallen ist ein Team von rund 25 Mitarbeitern tätig, die von Experten aus dem Hypo-Konzern unterstützt werden. Die Bilanzsumme der Schweizer Bank beträgt rund 1 Mrd. Franken, der Jahresgewinn 2019 gut 4 Mio. Franken. Die Hypo Vorarlberg Bank AG mit einer Bilanzsumme von 14 Mrd. Euro und verwalteten Vermögen von 9 Mrd. Euro ist von der Ratingagentur Standard & Poor’s mit einem Rating von A+ für langfristige Verbindlichkeiten bewertet. Ihre Eigentümer sind zu 77 % das Land Vorarlberg sowie die Landesbank Baden-Württemberg (15 %) und die Landeskreditbank Baden-Württemberg (8 %). Text: Stephan Ziegler Bild: Marlies Thurnheer
Kooperation oder Konfrontation? Für viele Unternehmer waren die vergangenen Monate von Sorgen um das Unternehmen geprägt. Auch wenn familiengeführte Unternehmen oft ein ausreichendes Liquiditätspolster bereithalten, ist es mit der Sicherung der Zahlungsbereitschaft nicht getan. Jedem Unternehmer ist klar, dass sich sein Unternehmen an die geänderten Rahmenbedingungen anpassen muss und dass ein generelles «Fit-Trimmen» nötig sein wird, ob sich nun die Konjunktur in einer V- oder U-Form erholen wird. Flexible und schnell agierende Unternehmen sind hier klar im Vorteil. Die operative Anpassungsfähigkeit musste bereits in der «Homeoffice-Phase» unter Beweis gestellt werden. Die strategischen Anpassungen, die auch unpopuläre oder schwer durchsetzbare Massnahmen beinhalten können, stehen vielen noch bevor. Die nun anstehende Phase der langfristigen Veränderungen kann je nach Branche und Geschäftsmodell tiefgreifender oder oberflächlicher ausfallen – ändern wird sich auf jeden Fall etwas. Entscheidend ist, dass es gelingt, die wichtigsten Stakeholder von einer Kooperation zu überzeugen. Eine Konfliktsituation würde nämlich lähmend auf Change-Prozesse wirken, zu Reibungsverlusten führen und eines der wichtigsten Güter stehlen: Zeit. Wir raten: Holen Sie als geschäftsführendes Familienmitglied die Eigentümerschaft und Familienmitglieder frühzeitig ab und positionieren Sie sich so, dass eine kooperative Lösung möglich ist. Dazu braucht es Vorbereitungen: Kenne ich die Standpunkte der anderen? Verstehe ich ihre Beweggründe? Weiss ich, welche Sorgen sie vielleicht plagen? Wie wichtig sind ihnen Dividendenzahlungen? Unternehmerfamilien, die bereits zuvor eine Familien- und Eignerstrategie gepflegt und allenfalls gar eine Familienverfassung erstellt hatten, haben hier einen Vorsprung. Sollten Sie jedoch diese Fragen noch nicht angegangen sein: Nun ist es Zeit.
Dr. Stefan Schneider Senior Manager der Continuum AG, St.Gallen Für weitere starke Worte: www.continuum.ch LEADER | August 2020
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Alpenrheintal
Luft nach oben in der elftgrössten Volkswirtschaft der Welt Das Rheintal ist die zweitstärkste Exportregion der Schweiz und pflegt viele Verbindungen zum grenznahen Vorarlberg und Fürstentum Liechtenstein. Das Rheintal zählt auch zu den wirtschaftsstärksten Regionen Österreichs. Etwa 30 000 Arbeitnehmer pendeln in diesem Grossraum täglich über die Grenze. Wie ist die Zusammenarbeit der Unternehmen über die Grenze, was sind aktuelle Projekte? Der LEADER hat der Industrie- und Handelskammer St.Gallen-Appenzell, der Industriellenvereinigung Vorarlberg und der Liechtensteinischen Industrie- und Handelskammer auf den Zahn gefühlt.
«Das gemeinsame Bekenntnis zum Metropolitanraum Bodensee ist ein wichtiges Signal für die grenzüberschreitende Zusammenarbeit.» Markus Bänziger, Direktor Industrie- und Handelskammer St.Gallen-Appenzell
Das St.Galler Rheintal und die daran angrenzenden Regionen gelten innerhalb der Schweiz als eine der stärksten Industrieregionen. Insgesamt gehört das Rheintal europaweit zu den wichtigsten Hightech-Standorten. Gemäss einer Studie des Forschungsinstituts Contor rangiert es gar in den Top Ten von über 1 200 Regionen. «Gemeinsam ist man stärker», ist Markus Bänziger, Direktor der Industrie- und Handelskammer St.Gallen-Appenzell, überzeugt. Dies sieht auch Mathias Burtscher, Geschäftsführer der IV Vorarlberg so: «2018 hat eine Studie ergeben, dass die Region rund um Vorarlberg – also die westlichen drei Bundesländer in Österreich, das Fürstentum Liechtenstein, die Ostschweiz und die deutschen Bundesländer Bayern und Baden-Württemberg – die elftgrösste Volkswirtschaft weltweit ist.» Der mit Abstand grösste Teil der Grenzgänger pendelt aus Vorarlberg ins Schweizer Rheintal. Fast 2 000 Liechtensteiner arbeiten in der benachbarten Grenzregion. «Umgekehrt arbeiten bei uns rund 22 000 Grenzgänger aus der umliegenden Region, vor allem dem Rheintal und Vorarlberg», erklärt Brigitte Haas, Geschäftsführerin der liechtensteinischen Industrieund Handelskammer. LEADER | August 2020
Alpenrheintal Zusammenarbeit nicht unbeschränkt gut «Verschiedene Unternehmen verfügen über eigene oder sehr eng kooperierende Zulieferbetriebe beidseits der Grenzen», so Markus Bänziger. Dies bestätigt auch Brigitte Haas. «Gleichzeitig stehen natürlich Betriebe der Region, die im gleichen Bereich tätig sind, auch im gegenseitigen gesunden Wettbewerb», so Haas. Einige der grösseren liechtensteinischen Unternehmen hätte ihren Hauptsitz in Liechtenstein und Betriebsstätten oder Tochtergesellschaften in Liechtenstein und in Vorarlberg. «Es sind also in vielen Bereichen enge und gute Verflechtungen da.» Für Mathias Burtscher gibt es in der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit noch sehr viel Luft nach oben. Zwischen Unternehmen funktioniere es noch am besten, weil es teilweise gemeinsame Interessen, Märkte oder Projekte gebe, «aber ich bin auch überzeugt, dass viele Unternehmen jenseits der Grenze nicht wissen, welches Potenzial gemeinsam zu erschliessen wäre», so Burtscher. Die IV-Vorarlberg sehe die Wettbewerbsfähigkeit des gesamten Raumes mit und rund um Vorarlberg als zentral an. Dazu gehöre auch der deutsche Teil. Sichtbare Projekte wichtig Eine aktuelle Initiative, bei der die IV-Vorarlberg dabei ist, ist der «Rheintaler Unternehmertreff» – eine lose, grenzüberschreitende Initiative von Unternehmern, den Arbeitgeberverbänden AGV Rheintal und Sarganserland-Werdenberg sowie der IV-Vorarlberg. So wurden etwa 2019 die wirtschaftlichen Daten der grenzübergreifenden Region aufbereitet und publiziert. «Die Rheintaler Wirtschaft steht für 250 000 Arbeitsplätze und 25 000 Unternehmen, das ist vielen gar nicht bewusst», so Burtscher. Die grenzüberschreitenden Beziehungen müssten deshalb aktiv gefördert werden. Für Markus Bänziger ist das gemeinsame Bekenntnis des Landes Vorarlberg, der Kantone St.Gallen, beider Appenzell sowie des Oberthurgaus zum Metropolitanraum Bodensee mit über 700 000 Einwohnern ein wichtiges Signal in die richtige Richtung. Auch in der Bildung arbeiteten die Länder gut zusammen, so agiere Liechtenstein als Mitträgerin der neuen Fachhochschule Ost, und mit Vorarlberg bestehe eine Zusammenarbeitsvereinbarung. Auch der angedachte HSGCampus an der Fachhochschule Vorarlberg in Dornbirn sei ein Projekt mit Zukunft. Das sieht Mathias Burtscher ähnlich. Für ihn ist das A und O, dass es «sichtbare gemeinsame Projekte gibt». Ein solches wäre der HSG-Campus Vorarlberg. Brigitte Haas hebt zusätzlich das grenzüberschreitende Berufsbildungswesen hervor oder die länderübergreifenden Agglomerationsprogramme, die den öffentlichen und den Langsamverkehr fördern. Als wichtiges langfristiges grenzüberschreitendes Projekt nennt Markus Bänziger «Rhesi», den Hochwasserschutz des Rheintals. Hier empfinden Burtscher wie auch Haas die Zusammenarbeit zwischen den Ländern als gut. Wichtig sind für Burtscher auch gemeinsame Interessen wie beim Flughafen Altenrhein, den die IVVorarlberg als sehr wichtig einschätzt, oder Projekte, um den Forschungsbereich zu stärken. Verkehrswege und Zollinfrastruktur Für die IHK St.Gallen-Appenzell stehen bei der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit im Rheintal insbesondere auch die effiziente und effektive Gestaltung der Verkehrswege sowie eine leistungsfähige Zollinfrastruktur weit oben
«Erreichbarkeit ist zentral für jeden Wirtschaftsstandort – ganz wichtig ist hier der aktuelle grenzüberschreitende Bahnausbau.» Brigitte Haas, Geschäftsführerin Liechtensteinische Industrie– und Handelskammer
auf der Prioritätenliste. «Die Unternehmen in diesem Raum leiden unter wenigen und zu wenig leistungsfähigen Übergängen», sagt Markus Bänziger. Die grenzüberschreitende Bodenseeschnellstrasse S18 oder die Netzwerkstrategie im Raum Diepoldsau, Hohenems, Mäder, Kriessern müssten hier dringend Abhilfe schaffen. Für Mathias Burtscher ist die S18 ebenfalls dringend, aber leider eine «never ending story». «Immerhin hat die Landesregierung klargestellt, dass die Trassenentscheidung trotz unsicheren Zeiten noch 2020 gefällt werden soll.» Weiter fortgeschritten ist das Projekt einer S-Bahn im Dreiländereck Liechtenstein, Österreich und Schweiz. Auch für Brigitte Haas ist Erreichbarkeit absolut zentral für einen Wirtschaftsstandort. «Der Ausbau der Schieneninfrastruktur, der derzeit auf Schweizer und Vorarlberger Seite stattfindet, ist für Liechtenstein von grosser Bedeutung», so Haas. Die LIHK setze sich stark dafür ein, dass Liechtenstein den Bahnlinien-Doppelspurausbau auf einem Teil der liechtensteinischen Strecke möglich mache und der Verpflichtungskredit vom Liechtensteiner Stimmvolk Ende August angenommen werde. Gesamthaftes Denken Für Markus Bänziger ist klar: «Ein Wirtschaftsraum lebt insbesondere von der persönlichen Zusammenarbeit und damit dem gemeinsamen Arbeitsmarkt sowie von Liefer- und Logistikketten. Alle staatlichen Ebenen – Länder, Kantone und Gemeinden – sowie Politik und Verwaltung haben hier ihren jeweilig besten Beitrag zu leisten.» LEADER | August 2020
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Alpenrheintal Kolumne 51 51 Für Mathias Burtscher heisst das: «Wir müssen gesamthafter denken und für die grenzüberschreitende Region mutige Zukunftspläne entwerfen.» Die IV-Vorarlberg habe für Vorarlberg ein grosses Zukunftsbild aus betrieblicher Sicht und Perspektiven der Bevölkerung erarbeitet und der Politik und den Menschen vorgestellt. «Das brauchen wir auch grenzüberschreitend, ein ‹Big Picture›, das die Themen des Lebensraums mit denen eines Wirtschaftsraums für die Zukunft verbindet», so Burtscher. Für die liechtensteinische IHK gehören hier auch nötige Verbesserungen in rechtlichen Bereichen dazu, die zu wenig Rücksicht auf die eng verflochtenen Regionen nehmen. So zum Beispiel der Abbau von Hürden bei den grenzüberschreitenden Dienstleistungen oder die Erhöhung der Wesentlichkeitsregel bei der sozialversicherungsrechtlichen Unterstellung von Grenzgängern. Für Brigitte Haas zeigt gerade auch die aktuelle Coronakrise deutlich, dass «kein Land alleine und isoliert zurechtkommen kann». Eine Annahme der Begrenzungsinitiative wäre aus Sicht der liechtensteinischen IHK schädlich für die grenzüberschreitende Zusammenarbeit. Eine starke Wirtschaftsregion könne bei weitem nicht alleine mit den regionalen Arbeitskräften gedeckt werden. «Die Schweiz würde sich mit einer Annahme der Begrenzungsinitiative selbst sehr stark schaden», ist auch Mathias Burtscher überzeugt. Dieser Rückschritt für die Beziehungen zwischen der EU und der Schweiz wäre sehr bedauerlich, so Burtscher weiter. Er habe aber grosse Hoffnung, dass die Schweizer dies durchschauten. «Gerade zum jetzigen Zeitpunkt braucht die Wirtschaft Perspektiven aus der Coronakrise.»
«Wir brauchen ein Big Picture, das die Themen des Lebensraums mit denen eines Wirtschaftsraums für die Zukunft verbindet.» Mathias Burtscher, Geschäftsführer Industriellenvereinigung Vorarlberg
Text: Tanja Millius Bilder: Marlies Thurnheer
Mut und Verantwortung Ruth Eberhard (*1960) ist Leiterin Personal der Osterwalder St.Gallen AG. Nachdem sie das KV absolviert hatte, baute sie die Säntis Gastronomie AG mit auf und bildete sich als Personalfachfrau HF sowie als Mediatorin CAS weiter. Im Herbst 2020 möchte sie für die FDP in den Gemeinderat ihrer Wohngemeinde Mosnang gewählt werden. Ruth Eberhard, was reizt Sie an Ihrer unternehmerischen Tätigkeit? Mein Aufgabengebiet ist sehr vielfältig; von den klassischen HR-Themen über die spannende CEOAssistenz bis hin zur Verwaltung der firmeneigenen Pensionskasse und Liegenschaften erwarten mich täglich neue, spannende Herausforderungen. Als Generalist bin ich in unserer Firma Ansprechperson für alle möglichen Themen und suche entsprechende Lösungen. Die Osterwalder St.Gallen AG ist in der sechsten Generation familiengeführt. Die Geschäftsleitung legt grossen Wert auf flache Hierarchien und einen sozialen Umgang mit sämtlichen Anspruchsgruppen. Diese optimale Kombination, eine unkomplizierte und freundschaftliche Kommunikation sowie mein beruflich reich gefüllter Rücksack ermöglichen mir, meine Aufgaben bestmöglich zu erfüllen. Auf welchen Meilenstein in Ihrer beruflichen Laufbahn sind Sie besonders stolz? Aufgrund eines tragischen Todesfalls in meiner Verwandtschaft übernahm ich 2005 ohne grosse Branchenkenntnisse die Gesamtverantwortung für einen Garagenbetrieb. Ziel war, diesen zu führen, bis ihn die Kinder des verstorbenen Inhabers selber leiten konnten. Mit viel Mut und der Bereitschaft, Neues zu lernen, Entscheidungen zu treffen und Verantwortung zu übernehmen ist mir das gelungen und ich konnte gleichzeitig meinen betriebswirtschaftlichen Horizont erweitern. Welchen Vorteil bietet für Sie das Netzwerk «Leaderinnen Ostschweiz»? Bei jedem Treffen der Leaderinnen lerne ich neue, sehr interessante Frauen kennen. Schon mehrmals konnte ich diese Kontakte später beruflich nutzen und andererseits ihnen Unterstützung anbieten. Der Austausch mit diesen spannenden Persönlichkeiten ist sehr wertvoll.
www.leaderinnenostschweiz.ch LEADER | August 2020
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Alpenrheintal
Weltmarktführerschaft «Made in Alpenrheintal» Das Alpenrheintal gehört zu exportorientiertesten Regionen in Europa. In den letzten Jahren hat sich die einstige Transitregion zu einem innovativen Hightech-Standort entwickelt und wird deshalb auch gerne Precision Valley genannt. Der LEADER stellt zehn ihrer Leuchttürme vor, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten.
Stadler, St.Margrethen: 35 000 Quadratmeter Produktionsund Lagerflächen.
Jansen, Oberreit: 1 000 Mitarbeiter weltweit.
Neues Zentrum, gleiche Qualität Nach über 20 Jahren in Altenrhein folgte 2020 der Umzug der Stadler Rheintal AG in das neu errichtete Werk in St.Margrethen. Der Standort im Dreiländereck ist das Kompetenzzentrum für Doppelstocktriebzüge innerhalb der Stadler-Gruppe. Hier entwickeln, fertigen und montieren Mitarbeiter auf rund 35 000 Quadratmetern Produktionsund Lagerflächen neben KISS-Zügen auch Strassenbahnen, meterspurige Schienenfahrzeuge und Reisezugwagen für den Schweizer und den internationalen Markt. Die Kastendetailfertigung wird in Altenrhein weitergeführt. Damit bleibt der traditionsreiche Standort am See trotz des Umzugs bestehen.
Tibits erobert die Vegi-Welt Dank eines Businessplanwettbewerbs gründeten Christian, Daniel und Reto Frei gemeinsam mit dem Zürcher «Haus Hiltl» die Tibits AG im Jahr 2000. Mittlerweile hat die VegiKette 14 Standorte, zwei davon in London. Die Rheinecker Brüder wurden für ihren Businessplan «Vegetarische FastFood-Restaurants» zweimal prämiert. In den Restaurants wird frisches, gesundes, vegetarisches und veganes Essen serviert. Vor einem Jahr wagte die Vegi-Kette den Sprung ins grosse Nachbarland Deutschland und ist bei Alnatura in Deutschland untergebracht.
So geht Internationalisierung Haag im Rheintal, Penang in Malaysia, Arad in Rumänien und Xinwu in Taiwan – die VAT hat Produktionszentren auf der ganzen Welt. Die Firma hat sich zu einem weltweit führendem Hersteller und Entwickler von Vakuumventilen, Mehrventilmudulen und Metallbälgen gemausert. Über 1 200 Mitarbeiter zählt das Unternehmen aus Haag. Die Kundenbetreuung ist in vier regionale Organisationen aufgeteilt: Amerika, Europa, Asien sowie «Rest of the World». LEADER | August 2020
Intelligente Kunststoffsysteme 1000 Mitarbeiter beschäftigt das Traditionsunternehmen Jansen mit Sitz in Oberriet. Geführt wird das Unternehmen in der dritten Generation von Priska und Christoph Jansen. Jansen entwickelt, fertigt und vertreibt Präzisionsstahlrohre und Stahlsysteme sowie Kunststoffprodukte für Bau und Industrie. Jansen beliefert seine Kunden weltweit mit technologisch ausgereiften Produkten und Systemlösungen mit echtem Mehrwert. Im Rahmen der Digitalisierungsstrategie sind die Unternehmer gerade dabei, ihre kompletten IT-Systeme zu erneuern.
Alpenrheintal
SFS intec, Altstätten: Über 60 Jahre Erfahrung mit Kunststoffen.
Menzi Muck, Rüthi: Weltweiter Marktführer bei Schreitbaggern.
Innovation in den Genen Die SwissOptic AG aus Heerbrugg steht als Unternehmen der Berliner Glas-Gruppe für weltweit anerkannte Qualität und höchste Präzision im Bereich Optik. Die Firma entwickelt und fertigt eine grosse Bandbreite von beschichteten präzisionsoptischen Komponenten, Baugruppen und Systemen. Der Schlüssel zum nachhaltigen Erfolg? «Stetige Innovation und das bedeutet Weiterentwicklung oder radikale Neuerfindung unserer Produktionstechnologie», sagt Technologieleiter Thomas Ruppel.
Alles, nur nicht typisch 1994 unter dem Namen Technoplast Enineering AG gegründet, versteht sich die Noventa AG aus Diepoldsau heute als Outsourcingdienstleister. Im Auftrag des Kunden entwickelt, gestaltet und fertigt Noventa funktionale Baugruppen und komplette Produktsysteme. «In den vergangenen 27 Jahren haben wir anspruchsvolle Kunststoffteile, technische Komponenten und komplette Produktlösungen für Kunden aus unterschiedlichen Branchen realisiert. Dazu gehören zum Beispiel Handtusch- und Seifenspender für den Waschraumdienstleister CWS, Professionelle Kaffeemaschinen für Nestlé, Reiseadapter und vieles mehr. Das typische Noventa-Produkt gibt es also so nicht», sagt CEO Patrick Besserer.
Kunden als Antrieb zum Erfolg Die HSB Weibel AG wurde 1986 gegründet und hat ihren Hauptsitz in Heerbrugg. Das Unternehmen beschäftigt 20 Mitarbeiter und führt einen zusätzlichen Standort im Vorarlberg. HSB-Weibel sieht sich als optimaler Partner, wenn es darum geht, Teile bis zur Serienreife aus Kunststoff zu fertigen oder ganze Baugruppen zu optimieren, damit Montageschritte vereinfacht oder gar weggelassen werden können. «Der stärkste Antrieb bei unserer Arbeit ist nicht Konkurrenz, sondern es sind die Kunden», sagt CEO Marc Weibel. Der Technologieführer aus Altstätten Mittels Spritzgiesstechnik realisiert SFS intec aus Altstätten seit Jahrzehnten Präzisionsformteile und Baugruppen. Durch die Umsetzung zahlreicher anspruchsvoller Aufgabenstellungen hat sich das Unternehmen als einer der weltweiten Technologieführer etabliert. Das Kunststoffwerk wurde 1957 als Teil der EgoKiefer AG gegründet. 1987 erlangte die damalige Ego Kunststoffwerk AG ihre Selbstständigkeit, ehe sie 1996 in die SFS Group integriert wurde. Harte Arbeit und Liebe zu Holz Die Bauwerk-Boen-Gruppe mit Sitz in St.Margrethen ist die Gewinnerin des seit 25 Jahren verliehenen «Preis der Rheintaler Wirtschaft» 2020. Seit den 1940er-Jahren steht Bauwerk für Präzision, Zuverlässigkeit, Hochwertigkeit und Natürlichkeit. Es ist das Resultat einer langen Geschichte von harter Arbeit, Sorgfalt, Liebe zum Werkstoff Holz und zur Qualität. Die Bauwerk-Boen-Gruppe mit gegen 300 Mio. Franken Umsatz und rund 1‘700 Mitarbeitern ist ein Zusammenschluss der Schweizer Bauwerk Parkett AG und Boen AS aus Norwegen, mit Produktionsstandorten in der Schweiz, in Litauen und Kroatien.
Der kleine Mann, der alles kann Als weltweiter Markt- und Technologieführer entwickelt und produziert die Menzi Muck AG im St.Galler Rheintal seit über 50 Jahren den gleichnamigen Mobil-Schreitbagger. 1966 begann der unaufhaltsame Siegeszug der Menzi Muck. Keine herkömmliche Baumaschine konnte für schwierige Arbeiten am Hang eingesetzt werden. In Anlehnung an die legendäre Märchengestalt (Muck – der kleine Mann, der alles kann) wurde 1966 die erste Maschine ausgeliefert. Mittlerweile gelang es dem Unternehmen, stark auch in internationalen Märkten – Übersee und Asien – Fuss zu fassen. Rund um den Tank – und darüber hinaus Die NeoVac AG wurde 1971 von Rudolf Lanter senior als Unternehmen für die Überwachung von Tankanlagen gegründet. Der damalige Slogan «rund um den Tank» hat an seiner Gültigkeit bis heute nichts eingebüsst – im Gegenteil: NeoVac hat sich in der Schweiz zur Marktführerin für Leistungen im Bereich der sicheren Lagerung wassergefährdender Flüssigkeiten entwickelt. in der Zwischenzeit konnten zusätzliche Geschäftsfelder erschlossen werden: Die heutige NeoVac-Gruppe mit Hauptsitz in Oberriet erstellt beispielsweise jährlich für über 400 000 Wohnungen die verbrauchsabhängigen Energie- und Wasserkostenabrechnungen und bietet ein eigenes Vollsortiment für die Messung, Abrechnung und das Monitoring von Energie und Wasser. Text: Miryam Koc Bilder: zVg
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Politik
Begrenzung oder Abschottung? Die Begrenzungsinitiative der SVP, die am 27. September zur Abstimmung kommt, will, dass die Schweiz die Zuwanderung von Ausländern eigenständig regelt. Ziel ist eine Einwanderungspolitik ohne Personenfreizügigkeit. Alle übrigen Parteien sowie die Wirtschaftsverbände sind gegen die Initiative. Was würde eine Annahme der Initiative für eine Grenzregion wie das St.Galler Rheintal bedeuten? Der LEADER hat bei Parteien, Verbänden und Unternehmen nachgefragt.
«Wir wollen, dass wir bestimmen, wer und wie viele Menschen in unser kleines Land kommen», erklärt Markus Wüst, Präsident der SVP Rheintal. Seit der Einführung der vollen Personenfreizügigkeit 2007 sei dies nicht mehr der Fall. Fast 500 Millionen Europäer könnten ohne Probleme in die Schweiz kommen und hier Arbeit suchen. Dies locke auch viele an, die hier gar nicht arbeiten wollten. «Mit der Initiative stellen wir sicher, dass die Wirtschaft auch in Zukunft die nötigen Arbeitskräfte erhält, die sie in der Schweiz nicht findet», ist Wüst überzeugt. Sollte die Initiative angenommen werden, habe der Bundesrat über ein Jahr Zeit, um mit der EU eine massvolle und selbst gesteuerte Zuwanderung zu verhandeln. «Der Brexit in England hat gezeigt, dass, wenn man Limiten setzt, plötzlich Bewegung in Verhandlungen kommt», sagt Wüst. Ende des bilateralen Weges Für die FDP Rheintal hingegen ist die Initiative «brandgefährlich»: «Da die kritisierte Personenfreizügigkeit mit den Bilateralen I eng verknüpft ist, führt eine Kündigung zum Ende des erfolgreichen bilateralen Wegs», hält Hanspeter Rohner, Präsident der FDP Rheintal, fest. Es würden auch die Abkommen in den Bereichen Öffentliches Beschaffungswesen, Landwirtschaft, Land- und Luftverkehr, Forschung und Handel hinfällig. Für die Unternehmen gerade im Rheintal sieht Rohner grosse Nachteile bei einer Annahme der Initiative: Viele arbeiteten im Hochtechnologiesektor und verkaufen ihre Produkte in der ganzen Welt. Sie seien stark
Michael Allison, CEO VAT Group LEADER | August 2020
«Der Zugang zum europäischen Binnenmarkt, das Innovationspotenzial und die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen würden massiv gefährdet.» Hanspeter Rohner, Präsident FDP Rheintal
mit dem Ausland vernetzt, betreiben gemeinsam mit ausländischen Unternehmen und Universitäten Forschungsund Entwicklungsarbeit und beschäftigen eine Vielzahl von Fachkräften, auch aus dem grenznahen Ausland. «Eine Annahme der Initiative würde nicht nur die Personenfreizügigkeit beenden, sondern auch Forschungs- und Handelsabkommen mit unseren Nachbarländern», hält Rohner fest. «Damit würde der Zugang zum europäischen Binnenmarkt, das Innovationspotenzial und somit auch die Wettbewerbsfähigkeit der Rheintaler Unternehmen massiv gefährdet», so Rohner. Ebenso drohten Fachkräftemangel und Verlust von Know-how. Markus Wüst kontert, dass die Wirtschaft auch nach einer Annahme der Initiative die nötigen Fachkräfte rekrutieren könne, so wie sie dies bis 2007 auch gekonnt habe. So sei z.B
Politik
«Mit einer Steuerung der Zuwanderung wollen wir erreichen, dass nur noch die Leute kommen, die wir wirklich brauchen.»
«Mit einer Annahme der Initiative würde die Schweiz wieder in die handelspolitische Steinzeit zurückversetzt.»
Markus Wüst, Präsident SVP Rheintal
Brigitte Lüchinger, Präsidentin AGV Rheintal
bei Drittstaaten ausserhalb EU/EFTA die Kontingentierung Standard und funktioniere hervorragend. Die Initiative lasse offen, welches System neu angewandt werde. Anstelle eines Kontingentsystems könne er sich zum Beispiel ein Punktesystem mit klaren Vorgaben vorstellen, wie dies England neu mache und es Länder wie Neuseeland und Australien schon lange erfolgreich praktizierten. «Mit einer Steuerung der Zuwanderung wollen wir erreichen, dass nur noch die Leute kommen, die wir wirklich brauchen.» Es könne zum Beispiel nicht sein, dass immer mehr Leute in Berufe in der Gastronomie einwandern, «wir aber in der Gastronomie eine überdurchschnittlich hohe Arbeitslosigkeit – vor allem auch unter Ausländern – haben». Anders als die Gegner der Initiative dies behaupteten, wäre der Zugang zum Binnenmarkt nach wie vor möglich, so Wüst. Dieser sei über das Freihandelsabkommen von 1972 und WTO-Verträge geregelt. Probleme statt Lösungen Für den Arbeitgeberverband Rheintal (AGV) schafft die Begrenzungsinitiative erhebliche Probleme und löst keine. Die Schweiz benötige in vielen Bereichen Fachkräfte aus der EU. «Die Personenfreizügigkeit gewährleistet eine unbürokratische Rekrutierung solcher Fachkräfte und sichert zusammen mit den anderen bilateralen Abkommen mit der EU den Wohlstand in der Schweiz», ist AGV-Präsidentin Brigitte Lüchinger überzeugt. «Gerade in einer Grenzregion mit vielen Grenzgängern würde eine Annahme der Initiative den ohnehin schon bestehenden Fachkräftemangel weiter verschärfen.» Für die Anstellung von Personen aus der EU würden wieder Kontingente und bürokratische Hürden eingeführt. Ein grosser Wettbewerbsnachteil wäre für Lüchinger auch der Wegfall der gegenseitigen Anerkennung von Konformitätsbewertungen, stellen gerade doch viele Rheintaler Unternehmen High-Tech- und Präzisionsprodukte her, die sie in der EU verkaufen. «Mit einer Annahme der Initiative und deren Folgen würde die Schweiz wieder in die ‘handelspolitische Steinzeit’ zurückversetzt, was wir uns schlicht nicht leisten können», so Lüchinger.
Wettbewerbsfähigkeit gefährdet Beim Vakuumventil-Hersteller VAT mit rund 1200 Mitarbeitern in Haag und 2000 weltweit sind rund 30 Prozent Grenzgänger aus dem benachbarten Ausland, darunter viele Fachund Führungskräfte. Das Unternehmen hat zudem eine internationale Lieferkette. «Diese wäre bei einer Annahme der Initiative betroffen», hält VAT-CEO Michael Allison fest. Problematisch wäre auch der Wegfall der bilateralen Verträge bei einer Annahme der Begrenzungsinitiative. «Die Beziehungen im europäischen Binnenmarkt wären nicht mehr so friktionslos», sagt Allison. «Dies kann zu teureren Produkten führen, was letztlich unsere Wettbewerbsfähigkeit schmälert.» Ähnlich sieht dies der Technologiekonzern SFS mit Sitz in Heerbrugg. «Die EU ist der mit Abstand wichtigste Absatzmarkt für die produzierenden Bereiche der SFS Group in der Schweiz», sagt CEO Jens Breu. Auch SFS beschäftige viele Grenzgänger. Da eine Annahme der Initiative die Kündigung der bilateralen Verträge zur Folge hätte, wären die Auswirkungen für SFS massiv – sowohl hinsichtlich des Zugangs zu den europäischen Absatzmärkten als auch der Rekrutierung von Fachkräften im grenznahen Ausland. «Dies würde mittelfristig die Existenz der Schweizer Produktionskapazitäten infrage stellen», hält Breu fest. Text: Tanja Millius Bilder: Marlies Thurnheer, zVg
Jens Breu, CEO SFS Group AG
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Politik
«Wachstumspotenzial langfristig geschwächt» Die Begrenzungsinitiative der SVP stösst auf breiten Widerstand, vor allem in der Wirtschaft. Die IHK St.Gallen-Appenzell wollte es genau wissen und verfasste eine Studie zu den Folgen, die eine Annahme der Initiative für die Ostschweizer Wirtschaft hätte. Im Interview erklärt Chefökonom Alessandro Sgro, was der IHK am meisten Sorgen bereitet und welche Schlüsse sie aus der Studie zieht.
Alessandro Sgro, Chefökonom IHK St.Gallen- Appenzell:
«Es steht vieles auf dem Spiel.»
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Kolumne Politik 59 59
Die Bilateralen sind in Gefahr!
Alessandro Sgro, was sind für Sie die Haupterkenntnisse der Studie? Ein Wegfall der bilateralen Verträge käme die Ostschweiz teuer zu stehen. Es wäre kein einmaliger exogener Schock, sondern bei gleichbleibenden Bedingungen langfristig über alle Branchen hinweg eine Schwächung des Wachstumspotenzials. Das wiederum zeigt sich in einer markant tieferen Wertschöpfung, was Herr und Frau Schweizer letztlich im Portemonnaie spüren werden. Pro Kopf zeigen die Berechnungen eine Einbusse von 4 500 Franken. Und warum hat die IHK eine Studie in Auftrag gegeben? Wir wollten Klarheit, was ein Wegfall der bilateralen Verträge kostet, wie die einzelnen Kantone und vor allem auch wie die jeweiligen Branchen betroffen sind. Gerade die schweizweit vergleichsweise spezielle Branchenstruktur spielt eine zentrale Rolle: Die Ostschweizer Wirtschaft zeichnet sich durch einen ausgeprägten und starken Industriesektor aus. Fast jeder oder jede Dritte ist in diesem Sektor beschäftigt. Wenn man die Frage der Kosten beantworten will, muss man dies fundiert und auf Basis von Fakten durchführen. Mit Studien ist es oft so eine Sache, häufig zeigen sie die vom Auftraggeber «erwünschten» Resultate. Wie stellen Sie sicher, dass das hier nicht der Fall ist? Um unsere Beurteilung auf eine objektive Aussenbeurteilung abstützen zu können, haben wir BAK Economics Basel als eine schweizweit renommierte, unabhängige und nicht in der Ostschweiz ansässige Forschungsinstitution beauftragt. Die Studie verwendet das Modell jener Studie von 2015, mit dem BAK Basel die Auswirkungen eines Wegfalls der Bilateralen I für den Bund geschätzt hatte. Es wäre also nicht so, als hätten wir die Rahmenbedingungen der Studie selbst ausgesucht, um damit die Resultate zu beeinflussen. Die Analyse für den Bund wurde von BAK Basel in unserem Auftrag aktualisiert und auf die Ostschweiz spezifiziert. Was wurde genau untersucht und wie repräsentativ ist die Studie? Mit der Studie wurden zwei Szenarien verglichen. Das Szenario eines Wegfalls der Bilateralen I wurde dem Szenario einer Fortführung dieser bilateralen Verträge gegenübergestellt. Die Ergebnisse stellen keine Prognose dar, sondern eine Projektion dessen, was durch einen Wegfall gefährdet wäre. Das zeigen die Studienresultate klar über alle Regionen und Branchen der Ostschweiz auf. Die Befürworter der Initiative argumentieren, dass sich für die Ostschweizer Unternehmen bei einer Annahme der Initiative keine Wettbewerbsnachteile ergäben
Die erfolgreichen Bilateralen I stehen am 27. September 2020 auf dem Prüfstand. Nachdem das Stimmvolk 1992 den EWR ablehnte, kämpften wir mit aller Kraft für einen «bilateralen Weg». Wir wollten am grossen europäischen Binnenmarkt dennoch teilhaben, ohne EU- oder EWR-Mitglied werden zu müssen. Vertragspaket Bilaterale I Schwierige Verhandlungen zwischen der Schweiz und der EU führten letztlich zum Ergebnis der Bilateralen I. Ein Vertragspaket, das am 21. Juni 1999 unterzeichnet und am 21. Mai 2000 mit 67.2 % Ja-Stimmen vom Schweizer Volk angenommen wurde. Das Stimmvolk wusste, dass eine spätere Kündigung eines Abkommens wegen der «Guillotine-Klausel» alle anderen Abkommen infrage stellen würde. Genau diese Klausel ist der riesige «Pferdefuss» der SVP-Begrenzungsinitiative, die am 27. September zur Abstimmung ansteht: Sie will die Zuwanderung neu regeln und gefährdet so unweigerlich das gesamte Vertragspaket. Arbeitsplätze sichern Die sieben sektoriellen Abkommen zur Personenfreizügigkeit, zu technischen Handelshemmnissen, zum öffentliche Beschaffungswesen, zur Landwirtschaft, zum Landverkehr, zum Luftverkehr und zur Forschung ermöglichten den Schweizer Unternehmen und der Wissenschaft über 18 Jahre hinweg, chancengleich am europäischen Binnenmarkt teilzunehmen. Ein diskriminierungsfreier Zugang zu diesem Markt, von Malta im Süden bis Finnland im Norden, ist für ein kleines, aber wirtschaftlich starkes Land wie die Schweiz von grösster Bedeutung. Die Abkommen sichern Exportmöglichkeiten, Einkommen und Arbeitsplätze. Nein zur Begrenzungsinitiative Nach, oder besser in der Corona-Krise auf den bewährten Marktzugang zu 27 europäischen Volkswirtschaften zu verzichten, wäre mehr als töricht. Ein verantwortungsbewusstes Nein zur Begrenzungsinitiative ist deshalb nicht nur wünschenswert, sondern Pflicht.
Dr. rer. publ. HSG Sven Bradke Wirtschafts- und Kommunikationsberater, Geschäftsführer Mediapolis AG in St.Gallen LEADER | August 2020
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Politik
LISTE
und dass andere Länder mit der Kontingentierung gute Erfahrungen machten. Gibt die Studie dazu Aufschlßsse, kÜnnte die Initiative auch positive Folgen fßr die Wirtschaft haben? Die Studie untersucht insbesondere auch die Auswirkungen eines Wegfalls der anderen sechs Abkommen der Bilateralen I, die durch die Guillotineklausel ebenfalls gekßndigt wßrden. Es geht nicht nur um das Aufkßndigen der Personenfreizßgigkeit. Insbesondere das Forschungsabkommen und das Abkommen ßber die technischen Handelshemmnisse sind fßr die Wettbewerbsfähigkeit der Ostschweizer Wirtschaft zentral. Es ergeben sich entsprechend sogenannte systemische Effekte. Sie beschreiben den zusätzlichen Verlust an Standort- und Investitionsattraktivität durch den Wegfall aller Abkommen. Diese negativen Effekte sind in den Studienresultaten klar ersichtlich. Fßr die Aussagen der Befßrworter der Initiative, dass sich fßr die Schweiz keine Wettbewerbsnachteile ergäben, lässt sich demgegenßber kaum eine faktenbasierte Argumentation finden.
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B O R G N S T E F A RLAMENT
Was fßr Schlßsse zieht die IHK fßr die Ostschweizer Wirtschaft aus der Studie? Es steht vieles auf dem Spiel. Es geht nicht nur um die Personenfreizßgigkeit. Der Wegfall der weiteren Abkommen hätte weitreichende Folgen fßr die gesamte Ostschweizer Wirtschaft. Es gilt, diesen drohenden Substanzverlust zu verhindern. Es geht darum, auf Basis von Fakten der stimmberechtigen BevÜlkerung die mÜglichen Folgen aufzuzeigen.
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Unternehmer. Kreativ.
Was bereitet der IHK aufgrund der Studie am meisten Sorge im Falle einer Annahme der Initiative? Die Ostschweizer Wirtschaft wßrde langfristig deutlich geschwächt. Es wäre nicht ein einmaliger Schock, von dem man sich schnell wieder erholen kÜnnte. Durch den Wegfall der anderen bilateralen Verträge wäre das Wachstumspotenzial – notabene mit unserem wichtigsten Handelspartner, der EU – langfristig geschwächt, mit markanten Auswirkungen in der WertschÜpfung. Dies insbesondere in der Ostschweiz, die wirtschaftlich sehr stark vernetzt ist mit den Nachbarstaaten.
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Die Stimme der Ostschweizer Wirt schaft.
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AFG-Arena in Schieflage HintergrĂźnde zum Debakel ab Seite 6
Frank und Patrik Riklin, KonzeptkĂźnstler:
Peter Spenger:
Vom Piloten zum IHK-Präsidenten
Ein Universum ohne Sterne
SVP-Präsident Toni Brunner:
ÂŤDie Provokation dient als TĂźrĂśffner.Âť
Seite 6
Seite 22
Seite xx
Urs Rellstab:
Hans-Peter Klauser, Tagblatt-CEO:
Der KampagnenMann
CVP-Nationalrätin Brigitte Häberli:
Der grosse Deal vor dem Ruhestand
Seite 22
Hubertus Schmid:
Thomas Bieger:
ÂŤDer Schatten von Blochers AbwahlÂť
ÂŤDer Abbau der Regulation ist KnochenarbeitÂť
Neuer Rektor der Universität St.Gallen
Seite 12
Seite 16
Seite 10
DÜlf Frßh, VR-Präsident der FC St.Gallen AG:
Seite 14
Diana und Roland Gutjahr, Ernst Fischer AG:
Generationenwechsel
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Häberli. Fßr Bang & Olufsen in der Ostschweiz.
Amanda Ammann und Beat Antenen werben im In- und Ausland fĂźr die Wirtschafts- und Tourismusregion Ostschweiz. Seite 14
Wil, St.Gallen, Frauenfeld www.haeberlitv.ch
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Prof. Wolfgang StĂślzle attestiert der Transportbranche eine gute Verfassung. Gefragt sind zunehmend Mehrwertdienstleistungen.
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Adrian KĂźnzi, CEO der Notenstein AG, Ăźber das Starthalbjahr, die weiteren Aussichten und den Stellenwert der Ostschweiz fĂźr die Privatbank.
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➤ Seite 98
freisinnige seit erste Der Thomas Stadtpräsident St.Gallangem: will Scheitlin als Zentrum klar len positionieren.
Lohndiktat vom Staat
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Caroline Forster, CEO der Inter-Spitzen AG:
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Schätze der Vergangenheit neu interpretieren
Unternehmerpreis 2014:
Sechs Firmen sind fĂźr den ÂŤPrix SVCÂť nominiert
Rolf Traxler, Geschäftsleiter der Traxler AG:
Frank Bumann, St.Gallen-Bodensee Tourismus:
Ein Textilunternehmen erobert den Weltmarkt
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Wellness und SchĂśnheit:
Unternehmertum in Zyklen
ab Seite 96
Seite 10
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➤ Seite 58 und 138
Die Baubranche im Fokus
Die Suche nach dem perfekten Nachfolger
Die hiesige Baubranche ist in Bewegung. Ein RĂźckblick auf die grĂśssten Bauprojekte der Vergangenheit sowie eine Vorstellung von aktuellen und kĂźnftigen Objekten mit Ăźberregionaler Ausstrahlung.
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Ruedi Aepli, Aepli Stahlbau AG:
Hat die Kontrolle versagt?
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Wie Wirtschaft Sinn macht Das Wirtschaftsforum Thurgau am 27. September steht unter dem Motto  Spuren statt Staub – Wie Wirtschaft Sinn macht. Ein Anlass, der Impulse aussendet und bei dem Oswald J. Grßbel auf einen Metzgermeister trifft. Eine Vorschau.
Ab Seite 106
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Das Rhema-Debakel:
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Mehr als ein Business rund um Eitelkeiten
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Stefan Domanig, Priora AG:
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Erich Walser, VRP Helvetia-Gruppe:
ÂŤDer Schweizer ist nicht ĂźberversichertÂť
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Die Region Wil im Fokus Beim Export nimmt die Region Wil einen Spitzenplatz ein. Ebenso punkto Standortattraktivität fßr Unternehmen und als Wohnregion. Ein Blick auf die Stärken, Schwächen und zukunftsgerichtete Projekte.
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Die St.Galler Regierung will in einer ersten Phase 932 Millionen Franken in Spitalbauten investieren. Die IHK kontert mit einer eigenen Studie. Eine Auslegeordnung.
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Spitalplanung unter Beschuss
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ab Seite 70
im 2011 Erfolg folgt Bewährungsprobe grossen einen Grßnliberale wirklich 6 ab Seite
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SVC Unternehmerpreis Ostschweiz 2012:
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Häberli. Fßr Bang & Olufsen in der Ostschweiz.
Auf der Suche nach der Ăœbersicht im medialen Dschungel. Experten geben Tipps, wo und wie Unternehmen ihre Botschaften am besten verbreiten. ab Seite 54
Wil, St.Gallen, Frauenfeld www.haeberlitv.ch
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Fokus Kommunikation
Häberli. Fßr Bang & Olufsen in der Ostschweiz.
DAS UNTERNEHMERMAGAZIN
10-Jahre-Jubiläum:
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Zirkus um die Delphin-Haltung
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Rotary-Governor Bruno Glaus ßber ethische Grundsätze, Eigeninteressen und eine Elite, die als Zugpferd dienen soll. Seite 36
Wil, St.Gallen, Frauenfeld www.haeberlitv.ch
www.leaderonline.ch
hintergrund
Ausgabe fĂźr die Ostschweiz und das FĂźrstentum Liechtenstein www.leaderonline.ch Preis Fr. 8.50
DAS UNTERNEHMERMAGAZIN
Mehr Selbstkritik gefordert
Häberli. Fßr Bang & Olufsen in der Ostschweiz.
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Wie wichtig ist es fßr die Ostschweiz, einen eigenen Vertreter in der Landesregierung zu haben? Nationalund Ständeräte beziehen Stellung. ab Seite 9
Wil, St.Gallen, Frauenfeld www.haeberlitv.ch
Max Kriemlers Vision
Der rotfleischige Exporthit aus Buchs. Seite 10
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Seite 40
www.leaderonline.ch
hintergrund
DAS UNTERNEHMERMAGAZIN
Bundesratswahlen 2010
Häberli. Fßr Bang & Olufsen in der Ostschweiz.
www.leaderonline.ch
Seit dem vierten Quartal 2009 haben sich viele Ostschweizer Unternehmen wieder dazu entschieden, zu investieren. Seite 27
Wil, St.Gallen, Frauenfeld www.haeberlitv.ch
März
2011 Nov.–Dez./14
hintergrund
Die Erholung hat begonnen
Häberli. Fßr Bang & Olufsen in der Ostschweiz.
2/2012
Was ist eine faire EntlÜhnung? Wie stärkt man sein Unternehmen von innen heraus? Und wie viel Vorbild braucht ein Leader? Ein Streifzug durch Wissen, Währung und Wertschätzung. ab Seite 39
Wil, St.Gallen, Frauenfeld www.haeberlitv.ch
Ausgabe fĂźr die Ostschweiz und das FĂźrstentum Liechtenstein www.leaderonline.ch Preis Fr. 8.50
DAS UNTERNEHMERMAGAZIN
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Seite 6
Sßsses Geschäft mit harten Bandagen
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Fokus Human Resources
Häberli. Fßr Bang & Olufsen in der Ostschweiz.
Wie stehen die Chancen der Freisinnigen bei den Wahlen 2011? Muss Merz zurĂźcktreten? Und welche Rolle spielt die SVP? Eine Auslegeordnung. Seite 6
Februar 1/2012
Scherbenhaufen bei der FDP?
Der Retter
Maestrani-CEO Markus Vettiger: V
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Die Welt setzt auf Dentaltechnik aus Goldach
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Weshalb die Region auch kĂźnftig das Chancental bleiben wird. ab Seite 38
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Endlich kommt die längst ßberfällige Bewegung in den Kongressstandort St.Gallen. Wohin die Reise gehen wird, ist indes noch unklar. Der Versuch einer Auslegeordnung.
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LEADER | August 2020
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Welches sind die Szenarien, mit denen sich die Ostschweizer Unternehmen bei einer Annahme der Initiative gemäss der Studie auseinandersetzen mßssten? Mit einer Annahme der Initiative sähen sich die Unternehmen auf einen Schlag mit einer erhÜhten Rechtsunsicherheit und hoher Bßrokratie konfrontiert. Der Marktzugang nach Europa wäre deutlich erschwert. Das Abkommen ßber die technischen Handelshemmnisse etwa garantiert Schweizer Unternehmen, dass sie in Bezug auf die notwendige Zulassung ihrer Produkte denselben Markzugang haben wie die Konkurrenten in der EU – es wäre mit der Aufkßndigung der Bilateralen I hinfällig. Das Abseitsstehen beim vernetzten EU-Forschungsrahmenprogramm wßrde sich negativ auf die Innovationskraft des Forschungsstandorts Schweiz auswirken. Und schliesslich wßrde ein Aufkßndigen der Personenfreizßgigkeit natßrlich den Zugang zu Aufträgen und Fachkräften in der EU massiv erschweren, was die Wettbewerbsfähigkeit von Ostschweizer Unternehmen deutlich beeinträchtigen wßrde.
Kolumne Rubrik Politik 61 61
Altersschwacher US-Dollar Es knirscht im Währungsgefüge – der US-Dollar schwächelt. Zwei interessante Thesen deuten auf Altersschwäche der Weltwährung hin und regen zum Nachdenken an.
Eine Kündigung der Bilateralen I hätte auch Implikationen auf andere anstehende Abkommen? Natürlich, die Verhandlungsbasis der Schweiz in weiteren zentralen Verhandlungen wie dem Stromabkommen würde geschwächt. Zudem basiert die Mitgliedschaft der Schweiz bei der EFTA auf der Personenfreizügigkeit und könnte somit in dieser Form nicht weitergeführt werden. Zum Schluss: Vor dem Nein zum EWR-Beitritt 1992 sagten alle Auguren das Ende der Schweiz bei einer Ablehnung voraus, das Gegenteil ist eingetreten. Wie sicher ist die IHK, dass die Studienergebnisse eine realistische Zukunft voraussagen? Es geht gerne vergessen, dass die bilateralen Verträge das Produkt langer, zäher Verhandlungen mit der EU waren: Zehn Jahre vergingen zwischen dem EWR-Nein und der Inkraftsetzung der Bilateralen I 2002. Diese Jahre waren geprägt von einem innenpolitischen Reformstau bei der Wirtschaftspolitik, der mitunter durch die bilateralen Verträge entkräftet wurde. Und seitdem diese Verträge Bestand haben, verzeichnet die Schweiz durchschnittlich höhere hohe Wachstumsraten als in den zehn Jahren zuvor. Sie profitiert, gemessen an der Bevölkerungszahl, so stark wie kein anderes europäisches Land vom EU-Binnenmarkt – und das ohne institutionelle Zugeständnisse. Das zeigt eine aktuelle Studie der Bertelsmann-Stiftung. Eine Aufkündigung der Bilateralen würde diesen Zugang zum Binnenmarkt auf unbestimmte Zeit untergraben, und somit auch die Wirtschaftsleistung drücken. Genau das zeigt die IHK-Studie auf.
Text: Tanja Millius Bilder: Marlies Thurnheer, Thomas Hary, zVg
Ein Währungssystem «lebt» mit +/‒ 80 Jahren ähnlich lange wie ein Mensch. So die These des Investors Ray Dalio. Die Probleme des Nachkriegswährungssystems begannen in den 70ern mit der Aufhebung des Bretton-WoodsSystems und der Golddeckung. Damals wurde die hohe Inflation mit Zinserhöhungen bekämpft, was in einer Rezession endete. Die neue Therapie hiess «Zinssenkung». Dieses Medikament wurde in hoher Dosis bis zur Finanzkrise 2008 verabreicht. Heute ist die Wirkung von tiefen Zinsen verpufft. Jetzt bleiben nur noch ausserordentliche Massnahmen: Mehr Staatsausgaben gegen – von der Zentralbankbilanz gedeckte – Schulden werden gefordert. Das wäre dann die ultimative Vermischung von Geld- und Fiskalpolitik. Das Weltwährungssystem ist zwar alt und deliriös geworden, eine neue Währung ist aber nicht in Sicht. Da klinkt sich der Financier und Unternehmer Charles Gave ein. In seinen Augen weiss die neue Wirtschaftsgrossmacht China, dass man kein Imperium mit einer fremden Währung aufbauen kann. Deswegen strebt China an, den internationalen Handel in der eigenen Währung abzuwickeln. Das Vertrauen in die chinesische Währung steckt aber noch in den Kinderschuhen. Deshalb sollen die erworbenen Renminbis zu einem Marktkurs in vertrauensvolles Gold getauscht werden können. Wie dem auch sei. So schnell wird das nicht gehen und Währungsprognosen sind mit Vorbehalt zu geniessen. Doch die Altersschwäche des US-Dollars als Weltreservewährung wird immer sicht barer. Auch die beiden Präsidentschaftskandidaten Trump und Biden stehen nicht für Aufbruch. Da kommt mir Warren Buffets Bonmot in den Sinn: Man solle in Firmen investieren, die so wundervoll seien, dass sie ein Idiot führen könne, denn eines Tages werde es einer tun. Das gilt wohl auch für Länder. Es gibt viele Länder, deren Währung dann zu meiden wäre. Die USA gehören nicht dazu. In dieser Hinsicht sind sie ein wundervolles Land.
Christof Reichmuth ist unbeschränkt haftender Gesellschafter von Reichmuth & Co Privatbankiers. LEADER | August 2020
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Politik
Eigenverantwortung und Lenkung statt Subventionen und Verbote Nach dem Ständerat hat im Juni auch der Nationalrat einer Totalrevision des CO2-Gesetztes zugestimmt. Neben einer Senkung der Treibhausgasemissionen sind darin auch eine Erhöhung der CO2-Abgaben sowie Massnahmen zur Verteuerung des Benzins vorgesehen – Kosten, die Teile der Wirtschaft aktuell zusätzlich belasteten. Vier Ostschweizer Politiker beschreiben, was uns drohen könnte.
dies, nachdem das Parlament wegen der Corona-Krise 57 Milliarden Franken zur Unterstützung der Wirtschaft gesprochen hatte. Das stösst auch Eggers Parteikollegen, dem St.Galler Kantonsrat Michael Götte, sauer auf. «Die SVP wird ein allfälliges Referendum gegen das neue CO2-Gesetz unterstützen», sagt er gegenüber dem LEADER. «Und zwar, weil wir keinen Zwang und keine neuen Abgaben wollen. Den Effekt der geplanten neuen und verschärften Lenkungsabgaben erachten wir als kritisch, da deren Auswirkungen auf die Wirtschaft derzeit noch nicht absehbar sind», so Götte weiter.
«Die SVP wird ein Referendum gegen das neue CO2-Gesetz unterstützen.» Michael Götte, SVP-Kantonsrat
Noch im Dezember 2018 lehnte der damals noch mehrheitlich bürgerliche Nationalrat das CO2-Gesetz nach langer Diskussion ab. Damals wie heute wehrt sich vor allem die SVP gegen das neue Gesetz. Zum einen, weil sie keine neuen Gesetze will, und zum anderen, weil sie zusätzliche Kosten für die von der Corona-Krise gebeutelten Wirtschaft befürchtet. Die Wirtschaft werde mit den neuen Abgaben mit bis zu 30 Milliarden Franken belastet, sagte der St.Galler SVP-Nationalrat Mike Egger während der diesjährigen Debatte. Und LEADER | August 2020
Was sagen FDP-Vertreter? Die negativen finanziellen Auswirkungen für die Wirtschaft sind auch für den St.Galler FDP-Nationalrat Marcel Dobler mit ein Grund dafür, das CO2-Gesetz zu bekämpfen – insbesondere in der aktuellen Situation, wie er gegenüber dem LEADER erklärt: «Das Parlament hat in der Covid-19-Krise Milliardenbeträge gesprochen, um das Schlimmste zu verhindern. Ich gehe davon aus, dass der Bundesrat vorschlagen wird, für den Abbau der Schulden die Mehrwertsteuer oder die Steuern zu erhöhen. Aufgrund der zurückgehenden Wirtschaftsleistung, was besonders den Export und somit auch den Kanton St.Gallen betrifft, ist mit einer sektoriellen Rezession zu rechnen.» Bei der Erhöhung der Treibstoffpreise sieht Dobler zudem nicht nur Nachteile für die Wirtschaft, sondern auch die Gefahr einer problematischen Umverteilung. «In den nächsten fünf Jahren wird der Treibstoffpreis um 20 Rappen erhöht, 12 Rappen davon aufgrund des CO2-Gesetzes. Ein Teil dieser CO2-Abgaben wird an die Bevölkerung umverteilt. Wer also kein teures Elektroauto kaufen kann, finanziert entweder Personen, die kein Auto haben – oder solche, die sich bereits ein Elektroauto gekauft haben. Das ist eine problematische Umverteilung von Land zu Stadt, die insbesondere auch den Kanton St.Gallen betreffen würde.»
Politik Reduktion führen. Bereits seit Jahren wird zudem auch in der Produktion an der laufenden Reduktion des Stromverbrauches gearbeitet: Unter anderem durch den Einsatz einer modernen Beleuchtung der Betriebshallen, einer neuen Abwasseraufbereitungsanlage mit energiesparendem VakuumVerdampfungsprozess und einer Reduktion der bis anhin erforderlichen Transporte. In den beiden neuen Hallen in St.Gallen, die 2019 und 2020 in Betrieb genommen wurden, wurden zwei PV-Anlagen in Betrieb genommen, ebenso ein Luft-Wärmetauscher zur Vorheizung der Hallenzuluft. Diese und weitere Massnahmen würden bereits heute zu einer massiven Reduktion des Stromverbrauchs beitragen, erklärt Walter Locher. Und weiter: «Der CO2-Fussabdruck und ein laufend angepasster Massnahmenkatalog sind unternehmerische Daueraufgaben.»
«Der CO2-Fussabdruck ist eine unternehmerische Daueraufgabe.» Walter Locher, FDP-Kantonsrat
Was sagen betroffene Unternehmen? Etwas anders sieht es der St.Galler FDP-Kantonsrat Walter Locher. Für ihn führt das CO2-Gesetz nicht zwangsläufig zu einem Standortnachteil: «Die CO2-Massnahmen führen zwar zu einer momentanen Verteuerung und einer Erhöhung der Investitionskosten für die geplanten Anlagen. Werden sie marktwirtschaftlich eingesetzt und mit Zielvereinbarungen kombiniert, muss die erreichte Energieeffizienz nicht automatisch zu einem Standortnachteil führen. Wesentlich ist einfach, dass Offenheit und Vielfalt auch in der Klimadebatte bestehen bleiben. Eine religiöse Überhöhung, nationale Denk- und Technologieverbote sind für die international tätigen Unternehmen von klarem Wettbewerbsnachteil. Dazu gehören auch nationale Verbote und Abgaben, wie etwa die Flugticket-Abgabe.» Die St.Galler DGS Druckguss Systeme AG, bei der Walter Locher VR-Präsident ist, ist eines dieser international tätigen Unternehmen. Als Zulieferer für die Autoindustrie wäre auch die DGS vom CO2-Gesetzt betroffen. Deshalb ist für Locher wichtig, dass im Gesetz, ein möglichst offenes und wettbewerbsfähiges Zielvereinbarungssystem vorhanden ist: «Zielvereinbarungen mit Verminderungsverpflichtungen erzielen die grössten Emissionsreduktionen zu geringsten Wettbewerbsnachteilen für die Unternehmen. Der Anreiz der Rückerstattung motiviert die Unternehmen zusätzlich, mehr zu tun und auch langfristig zur CO2-Reduktion und zur Energieeffizienz beizutragen.» Abzulehnen seien aber Denk- und Technologieverbote, so Walter Locher weiter. Der CO2-Fussabdruck als Daueraufgabe Die DGS Druckguss Systeme AG gehört zu jenen Ostschweizer Unternehmen, die sich nicht erst seit der politischen Diskussion um das CO2-Gesetz mit der Frage der CO2Reduktion und Energieeffizienz beschäftigen. Sie produziert gewichtsparende Strukturgussteile für die Automobilbranche, die bei jedem Fahrzeug zu einer erheblichen CO2-
Sicher ist: Wirtschaft wird grüner Dass ein Referendum mithilfe der SVP zustande kommt, ist anzunehmen. Ob eine anschliessende Abstimmung an der Urne Chancen hat, ist ungewiss. Sicher ist hingegen, dass sich die Wirtschaft nicht erst seit gestern intensiv mit dem Thema Umweltschutz beschäftigt. So setzt sich auch die IHK St.Gallen-Appenzell schon seit längerer Zeit für eine umweltverträgliche Marktwirtschaft ein. Eine Marktwirtschaft allerdings, die auf Eigenverantwortung und Lenkung und nicht auf Subventionen und Verbote setzt.
«In den nächsten fünf Jahren wird der Treibstoffpreis um 20 Rappen erhöht.» Marcel Dobler, FDP-Nationalrat
Text: Patrick Stämpfli Bilder: Marlies Turnherr, Gian Kaufmann
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Profil
«Begeisterung & Einzigartigkeit» In der Online-Galerie next-ART von Myriam Waldvogel finden sich Kunstwerke von etablierten Kunstschaffenden wie Markus Buschor, Jasmin Villiger, Adrian Laich oder Sabeth Holland. Aber auch aufstrebende Künstler wie Dani Färber oder Erika Wachter vertreiben ihre Werke über next-art.com. Zusätzlich bietet Waldvogel auch Beratungen vor Ort an, öffnet Türen zu den Ateliers ihrer Künstler und organisiert dort Kunstevents.
Myriam Waldvogel, Sie haben die Online-Kunstgalerie «next-ART» im Herbst 2019 gegründet. Was gab den Ausschlag? Sabeth Holland! Sabeth fragte mich an, ob ich mit ihr zusammenarbeiten möchte. Ich fühlte mich geehrt! Und mein Lebenspartner Hans Meli von der St.Galler Webagentur Next AG sagte, er mache für mich «die perfekte Online-Kunstgalerie». Da ich viele seiner Projekte kenne, wusste ich: Das wird etwas Einzigartiges! Jetzt gehören zu einer Galerie auch Künstler, die einem ihre Werke anvertrauen. Wie haben Sie sich da Ihr Netzwerk aufgebaut? Ich habe in meinem Arbeitsleben ein grosses Netzwerk aufbauen können und dadurch einen ebensolchen Bekanntenkreis. Es ging sozusagen Schlag auf Schlag. Auch dies mit Unterstützung von Sabeth Holland, denn sie hat mir viele Türen geöffnet. Sind Sie auch offen für neue Künstler? Klar! Wichtig ist aber, dass sich die Künstler nicht konkurrenzieren. Genre-mässig gibt es keine Einschränkungen. Jedoch muss ich hinter der Kunst stehen können. Es geht mir darum, Begeisterung und Einzigartigkeit auf einen Nenner zu bringen. Sie ermöglichen es Ihren Kunden auch, die Künstler persönlich kennenzulernen? Genau. Ein Beispiel: Eine Zürcherin interessierte sich per Mail für ein Bild von Sabeth Holland. Ich verabredete mich mit ihr in Sabeths Atelier. Ein paar Minuten später hatte das Bild eine neue Besitzerin.
Ihre Kontakte zu den Künstlern sind so eng, dass Sie auch Events – privater oder geschäftlicher Natur – in deren Ateliers organisieren können. Da schlummert grosses Zukunftspotenzial! Einen der nächsten Anlässe werde ich bei Markus Buschor machen. Es geht unter die Haut, wenn man in sein Atelier tritt, vor den grossen, alten Baumstämmen steht und dann das wunderbare Endprodukt vor sich sieht. Eine Künstlerin, die von Anfang an bei next-ART dabei war, ist Sabeth Holland aus St.Gallen. Frau Holland, wie wichtig sind Online-Galerien für Künstler? Transparenz und Verfügbarkeit beim Verkaufen von Kunst spielen eine zunehmend wichtigere Rolle. Da hilft ein starker Internetauftritt mit tollen Werkabbildungen, Hintergrundinformationen und Preisorientierung sehr. Spielt es für einen Künstler eine Rolle, ob er sein Kunstwerk mit oder ohne persönlichen Kontakt verkauft? Als selbstständige Künstlerin ist es essenziell, dass sich meine Werke überhaupt verkaufen, denn davon bestreite ich meinen Lebensunterhalt. Darum bin ich jedem meiner Verkäufer und Käufer sehr dankbar und verbunden, online oder offline.
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Prix SVC Ostschweiz
Evatec gewinnt 9. Prix SVC Ostschweiz Bei der Verleihung des Prix SVC Ostschweiz 2020 setzte sich am 19. August die Evatec AG aus Trübbach gegen fünf weitere Finalisten durch. Das global tätige Unternehmen entwickelt und produziert HightechDünnfilm-Beschichtungsanlagen. Die Preisverleihung wurde infolge der Coronapandemie erstmals als Hybrid-Event durchgeführt – vor Ort mit rund 300 geladenen Gästen aus Politik und Wirtschaft und via Livestream.
Die Evatec AG um CEO Andreas Wälti gewinnt den Prix SVC Ostschweiz 2020
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Prix SVC Ostschweiz
Die Gewinnerin des Prix SVC Ostschweiz 2020 heisst Evatec AG aus Trübbach. Die Plätze 2 und 3 belegen die Integra Biosciences AG (Zizers) und die Zünd Systemtechnik AG (Altstätten). Ebenfalls in den Final geschafft hatten es die Davaz Holding AG (Fläsch), die Glatz AG (Frauenfeld) und die Heule Werkzeug AG (Balgach). «Respekt und Anerkennung» «Eine einmalige Erfolgsgeschichte» nannte Jurypräsident Andrea Fanzun, Partner und CEO der Churer Fanzun AG, die Entwicklung der Evatec AG in seiner Laudatio für den Sieger. Die Evatec entstand 2004 als Management-Buy-out der Unaxis, als die Co-Gründer Andreas Wälti (heute CEO) und Marco Padrun (heute CTO) mit fünf Mitarbeitern starteten. Heute beschäftigt das Unternehmen weltweit über 450 Angestellte, davon rund 300 in Trübbach. Der Jurypräsident dazu: «Diese Zahlen verdienen Respekt und Anerkennung.» Verantwortlich dafür seien eine unternehmerisch kompetente Führungscrew, hoch qualifizierte Mitarbeiter und höchste Qualität im Bau von Beschichtungsanlagen für dünne Filme im Halbleiter-, Optik- und Optoelektronik-Markt. Für das Expertengremium zeugen 380 erteilte und 200 angemeldete Patente von der Innovationskraft des Unternehmens, das mit seinen Entwicklungen und Produkten Kunden auf der ganzen Welt überzeuge. Sechs Preisträger geehrt Den zweiten Platz erreichte die Integra Biosciences AG aus Zizers. Das Unternehmen überzeugte die Jury nicht nur durch ihre «herausragende Marktposition», sondern auch durch ihre konsequente Kundenorientierung und ihre ausgeprägte Innovationskultur. So ist das Unternehmen anerkannter Innovationsleader für elektronische Pipetten und entwickelt, fertigt und vertreibt mit heute 280 Angestellten hochqualitative Laborgeräte für das präzise Dosieren von Flüssigkeiten. Den dritten Platz holte sich die Zünd Systemtechnik AG aus Altstätten. Das weltweit tätige Familienunternehmen, das
sich auf die Entwicklung und Herstellung digitaler FlachbettSchneidsysteme spezialisiert hat, beschäftigt weltweit 400 Mitarbeiter, davon 210 am Hauptsitz im Rheintal. Die weiteren Finalisten und Preisträger des Abends sind die Davaz Holding AG (Fläsch), die Glatz AG (Frauenfeld) und die Heule Werkzeug AG (Balgach). In einem mehrstufigen Verfahren hatte die zwölfköpfige Expertenjury im Vorfeld die sechs Finalisten nominiert und während einer Juryreise besucht. Nach klar definierten Kriterien wurde aus allen Nominierten der Sieger erkoren. Zur Auswahl standen erneut Firmen aus den beiden Appenzell, Glarus, Graubünden, St.Gallen und Thurgau. Preisverleihung erstmals als Hybrid-Veranstaltung Der Swiss Venture Club (SVC) zeichnet mit dem Prix SVC Ostschweiz bereits zum neunten Mal erfolgreiche Klein- und Mittelunternehmen (KMU) der Region aus. Der feierliche Anlass, den erneut Marco Fritsche moderierte, fand wegen der Coronapandemie als Galadiner statt – mit rund 300 geladenen Gästen vor Ort aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft und via Livestream. «Hybrid» nennt man diese Form von Veranstaltung. Für Jurypräsident Andrea Fanzun müssen sich KMU wohl auch für die Zukunft genauso «hybrid» aufstellen: «Mit der richtigen Strategie, den richtigen Produkten oder Dienstleistungen und den richtigen Mitarbeitern unterwegs sein, dabei aber immer mit allem rechnen und bereit sein für notwendige Anpassungen.» Die sechs diesjährigen Finalisten des Prix SVC Ostschweiz hätten schon bewiesen, dass sie langfristig und auch über Krisenzeiten hinweg, eben «nachhaltig» erfolgreich sein können.
Text: Tanja Millius Bild: Marlies Thurnheer
Die Jury des Prix SVC Ostschweiz 2020 • Andrea Fanzun, Jurypräsident, Partner und CEO Fanzun AG • Gian Bazzi, Generalagent/Inhaber Die Mobiliar Generalagentur St.Gallen • Christine Bolt, Direktorin Olma Messen St.Gallen • Reto Freitag,Sales Director East Enterprise Sales & Services Swisscom (Schweiz) AG • Prof. Dr. Isabella Hatak, KMU-HSG, Ordentliche Professorin, Lehrstuhlvertrtung für KMU-Management • Ruth Metzler-Arnold, VRP Switzerland Global Enterprise, VR u.a. AXA Winterthur, Bühler AG, Universitätsrätin HSG, Stiftungsrätin Avenir Suisse • Peter Schütz, Inhaber Letrona AG • Christian Sieber, CEO/Mitinhaber Sieber Transport AG • Esther von Ziegler, VR/Mitinhaberin azinova group AG • Christoph Zeller, SVC Regionenleiter Ostschweiz, Leiter Firmenkunden Region Ostschweiz, Credit Suisse (Schweiz) AG • Iwan Zimmermann, Associate Partner, Audit Services, Leiter Region Ostschweiz / Liechtenstein Ernst & Young AG • Reto Zürcher, CEO und Mitinhaber HB-Therm AG
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Prix SVC Ostschweiz
Einmalige Plattform für Unternehmen Mit dem Prix SVC werden erfolgreiche KMU der Region vom Swiss Venture Club ausgezeichnet. Im Gespräch erklärt Christoph Zeller, SVC-Regionenleiter Ostschweiz und Leiter KMU-Region Ostschweiz bei der Credit Suisse, wie nachhaltig der Preis für die ausgezeichneten Unternehmen ist und welchen Stellenwert der Prix SVC im digitalen Zeitalter hat.
Christoph Zeller, der Prix SVC Ostschweiz wurde dieses Jahr bereits zum neunten Mal verliehen, coronabedingt allerdings in kleinerem Rahmen. Wie kam das an? Wir haben ja bereits im März bei der Verschiebung den neuen Termin im August angekündigt. Auch wenn wir nicht im üblichen Rahmen mit über 1'000 Gästen feiern konnten, erlebten die Preisträger und wir alle einen gelungenen Abend. Der Ablauf auf der Bühne war unverändert, das Publikum sass jedoch an Tischen und konnte hier anschliessend ein Galadinner geniessen. Aufgrund der behördlichen Vorgaben haben wir den Anlass bewusst im kleineren Rahmen durchgeführt und gleichzeitig die Möglichkeit geschaffen, dass weitere Gäste beim Livestream virtuell dabei sein konnten. Das Interesse an der Preisverleihung war also auch in dieser aussergewöhnlichen Zeit gross. Worauf führen Sie das zurück? Erfolgreiche Unternehmen und ihre Strategien interessieren auch andere Unternehmerinnen und Unternehmer: «Unternehmerisch» unterwegs zu sein, heisst ja auch, jeden Tag zu lernen – aus eigenen Erfahrungen, aber auch vom Beispiel anderer. Diese einmalige Plattform würdigt zum einen die Leistungen und Verdienste des Ostschweizer Unternehmertums und bietet zum anderen die Möglichkeit, sich persönlich auszutauschen. Schliesslich spielt die Neugier eine Rolle: Alle möchten wissen, welche «Perle» oder «Hidden Champion» diesmal das Rennen macht. Was unterscheidet den Prix SVC Ostschweiz von anderen prestigeträchtigen Preisen? Der Prix SVC Ostschweiz hat sich zu einer eigentlichen Marke für unternehmerische Bestleistungen entwickelt – worauf wir LEADER | August 2020
stolz sind. Zu verdanken ist das wohl vor allem dem aufwändigen Auswahlprozess der 12-köpfigen, hochkarätig besetzten Jury. Anders als bei anderen Preisen werden die Unternehmen bei uns unabhängig ausgewählt. In der Ostschweiz haben wir mit diesem Preis Pionierarbeit geleistet, und alle neun Austragungen und Preisträger haben die Glaubwürdigkeit gestärkt: Alle wissen, dass wir wirklich nur Firmen auszeichnen, die Besonderes leisten.
«Keine Online-Abstimmung und keine Social Media-Kampagne kann das besondere Flair eines Live-Events ersetzen.» Unternehmen können sich also nicht selber bewerben. Wie wird sichergestellt, dass bei der Auswahl der Unternehmen überall die gleichen Massstäbe gesetzt werden? Alle Jurymitglieder halten sich – wie auch in den anderen Regionen, in denen der Prix SVC vergeben wird – an klare und eindeutige Kriterien der Beurteilung. Am Anfang des Prozesses gibt es dazu ein sorgfältiges Briefing der Jury. Das mehrstufige Verfahren beginnt mit über 100 Firmen aus der ganzen Ostschweiz, die von jeweils zwei Jurymitgliedern vorgeschlagen werden. Danach gibt es mehrere Beurteilungsrunden, bis alle sechs Finalisten feststehen. Und schliesslich werden alle nominierten Finalisten werden von der Gesamtjury besucht, bevor der definitive Entscheid über die Rangierung fällt.
Prix SVC Ostschweiz
Christoph Zeller, SVC-Regionenleiter und OK-Präsident Prix SVC Ostschweiz:
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Prix SVC Ostschweiz
Profitieren die früheren Preisträger auch heute noch vom Prix SVC Ostschweiz – und wie zeigt sich das? Wir fragen – spätestens vor der nächsten Verleihung – die früheren Preisträger immer, ob und wie sie vom Gewinn profitieren. Auch wenn die Preisträger ihre Produkte oft exportieren, schätzen sie alle die mediale Aufmerksamkeit und die Steigerung ihrer Bekanntheit zumindest in der Region Ostschweiz. Insbesondere bei der Suche nach Fachkräften und Mitarbeitenden ist ein solcher Preis ein willkommener und nützlicher Imageträger. Fast bei allen steht die Siegerskulptur ganz prominent im Empfangsbereich, als Motivation für die Mitarbeitenden und als Signal an Kunden, Lieferanten und Gäste, dass dies ein im wahrsten Sinn des Worts «ausgezeichnetes» Unternehmen ist. Pflegt der Swiss Venture Club nach der Preisverleihung weiterhin Kontakt zu den Ostschweizer Preisträgern – und was ist das Ziel des Austausches? Das Netzwerk «verschwindet» zwischen den alle zwei Jahre stattfindenden Preisverleihungen nicht. Ganz im Gegenteil: Den Austausch in der KMU-Landschaft zu fördern und zu pflegen, gehört zu den wichtigen Aufgaben des Swiss Venture Club, der ja Ausrichter der Prix SVC ist. Daher tragen wir diesem Netzwerk gezielt und bewusst Sorge, denn auch hier geht es ums Lernen für die Praxis und Erfahrungsaustausch zwischen Unternehmerinnen und Unternehmern. So gibt es in den «Zwischenjahren» jeweils ein Preisträger-Treffen, wo alle bei einem der Sieger zusammenkommen. Zudem gibt es laufend vielfältige Kontakte zwischen Swiss Venture Club, Jurymitgliedern und Finalisten – nicht zuletzt über Anlässe in den Bereichen Politik, Finanzen, Bildung und Sport.
«Kriterien wie Nachhaltigkeit und Innovationsfähigkeit werden in diesen Zeiten des rasanten Umbruchs jedoch wichtiger als früher.» Wie hat sich der Prix SCV in den letzten Jahren verändert – welche Anpassungen gab es und wieso? Am Kern haben wir nichts geändert, er hat sich bewährt. Beim Ablauf der Preisverleihungen haben wir immer wieder Anpassungen vorgenommen – um die Events spannend zu erhalten. Der Swiss Venture Club hat sich vom «Preisverleiher» jedoch in dieser Zeit zu einem breit abgestützten Netzwerk mit einer Vielzahl an Aktivitäten entwickelt. Gemeinsames Ziel aller Bereiche bleibt es jedoch, das Unternehmertum und die KMU-Landschaft Schweiz zu stärken und deren Leistungen sichtbar zu machen. Blicken wir in die Zukunft: Welche Kriterien werden bei der Auswahl der künftigen Finalisten zunehmend wichtig? Auch in Zukunft wird eine Kombination von wesentlichen Faktoren entscheidend für den Erfolg sein. Diese Kombination ist sehr individuell. Kriterien wie Nachhaltigkeit und Innovationsfähigkeit werden in diesen Zeiten des rasanten Umbruchs jedoch wichtiger als früher. Gewinnen wird auch in
Zukunft nur ein Unternehmen, das bei allen Kriterien überdurchschnittlich abschneidet. Die Digitalisierung wird immer wichtiger, Unternehmen stehen heute verschiedenste Kanäle offen, um sich und ihre Firma zu bewerben. Braucht es hier den Prix SVC noch? Keine Online-Abstimmung und keine Social Media-Kampagne kann das besondere Flair eines Live-Events ersetzen. Das hat unsere «unfreiwillig hybride» Form in diesem Jahr deutlich gezeigt. Nach diesem Jahr werden es unsere Gäste wohl besonders schätzen, 2022 wieder persönlich eingeladen zu werden und mit den Protagonisten des wirtschaftlichen Erfolgs in der Ostschweiz ins Gespräch zu kommen. Die digitalen Kanäle helfen uns natürlich, im Vorfeld und nach der Verleihung die Sieger noch breiter bekannt zu machen und unsere Botschaften breit zu streuen. In diesem Sinn ergänzen sie das Erlebnis «Prix SVC Ostschweiz» ideal. Sie sind SVC Regionenleiter und auch OK Präsident des Prix SVC Ostschweiz – was ist Ihre persönliche Motivation für Ihr grosses Engagement? «Herzblut für kleine Unternehmen» verbindet diese beiden Engagements: meine alltägliche Arbeit als Regionenleiter Firmenkunden Ostschweiz bei der Credit Suisse und meine Tätigkeit als OK-Präsident. Ich empfinde es als Privileg, die KMU der Region in ihrer Arbeit zu begleiten und die erfolgreichsten unter ihnen alle zwei Jahre auf der Prix-SVC-Bühne zu präsentieren. Ich lerne selbst ausserordentlich viel von den Unternehmen der Region und bin dankbar, ihnen mit dem Engagement für den Preis und die Verleihung Anerkennung zu zeigen. Ausserdem motiviert mich die Begeisterung der Preisträger und aller Gäste an unserem Event problemlos für jede weitere Durchführung. Da kommt so viel Freude und Dankbarkeit zurück, dass sich jede Minute OK-Engagement mehr als lohnt! Zum Schluss: Wenn Sie die Bedeutung des Prix SVC Ostschweiz für die Ostschweizer KMU in einem Satz zusammenfassen müssten – wie lautet dieser. Unsere Preisverleihung ist einer der bedeutendsten Anlässe für die Ostschweizer Wirtschaft. Sie hat eine breite und positive öffentliche Ausstrahlung und bietet eine einmalige Plattform, die Leistungen und Verdienste der Ostschweizer KMU zu würdigen. Und ganz zum Schluss: Hat ihr persönlicher Favorit den diesjährigen Preis gewonnen? Auch wenn es am Abend immer eine Rangliste gibt, darf ich klar festhalten: Alle sechs Finalisten des «Prix SVC Ostschweiz» sind aus Sicht der ganzen Jury – und damit auch aus meiner Sicht – «Favoriten» der Ostschweizer Wirtschaft, die übrigens auch als Ganzes einen Preis verdient. Ich bin stolz, in dieser wirtschaftlich so lebendigen und innovativen Region zu arbeiten, und ich hoffe sehr, dass sie auch die derzeit so herausfordernde Zeit gut bewältigen wird.
Text: Tanja Millius Bild: Marlies Thurnheer
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Der
Swiss Venture Club gratuliert 1. Rang
2. Rang
3. Rang
Evatec AG Trübbach Marco Padrun, CTO Andreas Wälti, CEO
INTEGRA Biosciences Group Zizers Elmar Morscher, CEO Adrian Oehler, Chairman
Zünd Systemtechnik AG Altstätten Oliver Zünd CEO
Diplomrang
Diplomrang
Diplomrang
Davaz Gruppe Fläsch Andrea Davaz Inhaber & VR Präsident
Glatz AG Frauenfeld Markus Glatz Inhaber & CEO
HEULE Werkzeug AG Balgach Ulf Heule CEO
Goldpartner
Sponsoren und Partner
Kommunikations- und Medienpartner
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Prix SVC Ostschweiz – Sieger
Aus der Forschung auf den Markt Die Gewinnerin des Prix SVC Ostschweiz 2020 heisst Evatec AG. Das Unternehmen hat sich auf Entwicklung, Produktion und Vertrieb von Hightech-DünnfilmBeschichtungsanlagen für den Halbleiter-, Optik- und Optoelektronik-Markt spezialisiert. Über 300 Ingenieure, Wissenschaftler und Supportmitarbeiter arbeiten in Trübbach. Die Geschichte der Evatec ist auch eine Erfolgsgeschichte von CEO Andreas Wälti und CTO Marco Padrun.
Andreas Wälti: CEO Evatec AG: Technologisch immer vorne dabei sein.
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Prix SVC Ostschweiz – Sieger
Andreas Wälti, CEO, und Marco Padrun, CTO Evatec AG.
Andreas Wälti, was war es für ein Gefühl, die Siegertrophäe entgegenzunehmen? Ein sehr schönes! Der Sieg ist für uns eine Bestätigung, dass wir in der Region wahrgenommen werden, obwohl wir extrem exportorientiert sind. Es freut uns sehr, dass wir auch in der eigenen Umgebung so geschätzt werden. Sie haben sich gegen fünf Finalisten durchgesetzt. Was hat Sie an der Laudatio der Jury besonders gefreut? Mich freut ausserordentlich, dass man sieht, dass wir viel in Innovation und Technologie investieren – und dies die Jury überzeugt hat. Es freut uns auch, dass die Jury sieht, dass wir uns zum Werkplatz Schweiz bekennen und die Entwicklung und den grössten Teil der Arbeitsplätze bewusst hier behalten. Das zeigt auch die Tatsache, dass wir in den letzten Jahren ein neues Labor in Trübbach gebaut haben und hier weiter investieren und neue Produkte entwickeln. Was für eine nachhaltige Wirkung versprechen Sie sich vom Sieg des Prix SVC Ostschweiz 2020? Er zeigt vor allem auch unseren Leuten, dass wir auf dem richtigen Weg und als Arbeitgeber ein sicherer Wert sind. Jurypräsident Andrea Fanzun nennt die Evatec AG eine «einmalige Erfolgsgeschichte»: Sie gründeten das Unternehmen 2004 zusammen mit Marco Padrun. Heute ist es ein erfolgreiches, global tätiges Unternehmen. Was ist Ihr Erfolgsrezept? Immer sehr nahe an unseren Kunden zu sein! Unsere Projekte, die in enger Zusammenarbeit mit Kunden und Instituten in der Schweiz und Europa entwickelt werden, sollen auch zukünftig technologisch zuvorderst mitspielen. In den letzten zwei Jahren haben wir etwa ein komplett neues Labor mit Reinräumen gebaut. Sie gründeten das Unternehmen nach Ihrem Studium an der NTB Buchs und arbeiten bis heute eng mit der NTB LEADER | August 2020
zusammen, aber auch mit der Empa und der ETH. Wie profitiert die Evatec von dieser Zusammenarbeit? Einige dieser Kooperationen laufen über Innosuisse, die Schweiz. Agentur für Innovationsförderung. Sie hat strenge Kriterien, damit ein Projekt überhaupt genehmigt wird. Unter anderem wird zum Beispiel der Innovationsgrad eines Projektes bewertet. Dazu müssen der wissenschaftliche und wirtschaftliche Ansatz neuartig sein. Davon profitieren wir als Unternehmen, aber auch das Partnerinstitut, da es industrienah neue Kompetenzen erarbeiten kann. Fast alles, was in Trübbach produziert wird, gelangt an Kunden im Ausland – die starke Auslandabhängigkeit birgt auch Risiken. Wie spüren Sie das? Wir haben in den letzten zwölf Jahren gelernt, mit dem starken Franken so gut wie möglich umzugehen. Da spielen auch die gesetzlichen Rahmenbedingungen eine wichtige Rolle: In der Schweiz müssen wir achtsam sein, um nicht im globalen Wettbewerb unterzugehen. Konkret heisst das, dass wir nicht an Produktivität und Flexibilität verlieren dürfen, gleichzeitig aber darauf achten müssen, technologisch immer vorne mit dabei zu sein. Was sind die Flaggschiffe der Evatec AG, auf die Sie besonders stolz sind? Die Prozessverbesserungen, die wir zusammen mit Kunden und Partnern auf unseren Anlagen entwickeln, um ständig noch bessere Wirkungsgrade aus einem Bauteil zu holen. Ein Beispiel ist ein Ladegerät für ein Mobiltelefon: Vor ein paar Jahren war dieses noch mindestens faustgross, heute ist es nicht grösser als ein normaler 230-V-Netzstecker.
Text: Tanja Millius Bilder: Marlies Thurnheer, zVg
Prix SVC Ostschweiz Prix SVC Ostschweiz – 2. Platz
Adrian Oehler, VR-Präsident Integra Biosciences Group.
Urs Hartmann, CEO Integra Biosciences Group.
Präzision aus einer Hand Die Integra Biosciences AG aus Zizers GR erreichte beim Prix SVC Ostschweiz den zweiten Platz. Das Unternehmen entwickelt, fertigt und vertreibt Laborgeräte für das exakte Dosieren von Flüssigkeiten. Der Marktführer für elektronische Pipetten beschäftigt über 300 Mitarbeiter und hat Niederlassungen in den USA, in Europa, in China und in Japan. Im Gespräch mit CEO Urs Hartmann. Urs Hartmann, in den letzten fünf Jahren lag das durchschnittliche Wachstum der Integra bei über 20 Prozent. Was ist Ihr Erfolgsgeheimnis? Basis unseres Erfolges sind unsere qualifizierten und motivierten Mitarbeiter, die in grosser Eigenverantwortung unsere Produkte immer noch intelligenter und bedienerfreundlicher machen. Wir bieten unseren Kunden in der Life-ScienceForschung einen messbaren Mehrwert, indem wir ihre Analysen präziser, effizienter und produktiver gestalten. Neben unserer Entwicklungs- und Produktionskompetenz sind wir auch stolz auf ein gut funktionierendes Marketing sowie darauf, dass wir eine Unternehmung mit familiärem Charakter sind. Und die Corona-Pandemie hat die Nachfrage nach unseren Produkten weiter in die Höhe schnellen lassen. Innovative Produkte sind das eine, deren Vermarktung das andere – was macht Integra hier besser als ihre Mitbewerber? Unser Direktvertrieb und die unmittelbare Nähe zu unseren Kunden erlauben uns, deren Bedürfnisse schneller und umfassender zu erfassen und daraus einzigartige Lösungen zu entwickeln. Alles aus einer Hand anzubieten, macht uns agil. Zudem treiben wir die Digitalisierung unseres Marketings voran.
Der Hauptsitz in Zizers soll deutlich vergrössert und Platz für 100 zusätzliche Mitarbeiter geschaffen werden. Welche Ziele verfolgen Sie bezüglich der Weiterentwicklung? Wir entwickeln unsere bestehenden Produkte laufend weiter und haben eine vielversprechende Produktpipeline. Wir haben Anfang Jahr auch entschieden, eine zusätzliche Produktionsstätte für Verbrauchsmaterialien wie Pipettenspitzen in Zizers zu errichten. So können wir die erhöhte Nachfrage abdecken und unsere Kundennähe in Europa und Asien stärken, denn unsere Verbrauchsmaterialien werden heute einzig an unserem Standort in den USA hergestellt. In welche Bereiche investieren Sie künftig vor allem? Der langfristige Erfolg soll durch die hohe Qualität unserer innovativen Produkte und die intelligente Datennutzung erreicht werden. Hohe Investitionen fliessen deshalb in die Entwicklung, aber auch in unseren modernen Produktionsstandort Zizers.
Text: Tanja Millius Bilder: Marlies Thurnheer
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Prix SVC Ostschweiz – 3. Platz
Oliver Zünd, CEO Zünd Systemtechnik AG: Massgeschneiderte Produkte.
Flachbettcutter aus dem «Silicon Valley der Feinmechanik» Die Zünd Systemtechnik AG aus Altstätten ist ein weltweit tätiges Familienunternehmen, das digitale Flachbettschneidsysteme entwickelt und herstellt. Ihre Produkte sind international gefragt – das Unternehmen wächst stetig. Die erfolgreiche Arbeit wurde beim Prix SVC 2020 mit dem dritten Platz belohnt. Zünd wird in zweiter Generation von Oliver Zünd geleitet.
Oliver Zünd, Ihr Unternehmen exportiert 97 Prozent ihrer Schneidsysteme. Wo liegen Ihre Hauptmärkte und welche hätten Sie gerne künftig im Portfolio? Unsere Hauptabsatzmärkte sind Europa sowie Nordamerika, wo wir rund 30 Prozent unseres Umsatzes erwirtschaften. In Südamerika und China sehen wir noch ein Marktpotenzial.
Ganz klar. Der Grossteil unserer Zulieferer sind langjährige Partner aus der Region; wir beziehen zwei Drittel aller Komponenten aus einem Radius von 30 km. Das Rheintal wird nicht umsonst als das «Silicon Valley der Feinmechanik» bezeichnet. Und auch unsere Lieferpartner entwickeln sich ständig weiter und optimieren ihre Effizienz.
Ihre Flachbettcutter werden in verschiedenen Branchen eingesetzt, darunter Lederwaren, Werbetechnik, Verpackung, Bekleidung oder technische Textilien, und sind auf der ganzen Welt gefragt. Was machen Sie besser als Ihre Mitbewerber? Als Schweizer Maschinenbauer haben wir uns schweiz-typischen Werten wie Qualität, Präzision und Zuverlässigkeit verschrieben. Diese Swissness wird weltweit nach wie vor sehr geschätzt.
Seit der Gründung 1984 durch Ihren Vater Karl Zünd wächst die Firma stetig. Aktuell wird in Altstätten ein Erweiterungsbau realisiert; geplant ist zudem ein neues Montage- und Logistikgebäude. Was sind die Gründe für die Erweiterungen? Einerseits der Mitarbeiterzuwachs der vergangenen Jahre und andererseits die Tatsache, dass unsere Schneidsysteme in den letzten Jahren grösser wurden und dadurch mehr Fläche beanspruchen. Kommt hinzu, dass wir mittlerweile verschiedenste periphere Anlagen wie Materialtransportsysteme bauen, die ebenfalls mehr Produktionsfläche benötigen.
Wie wichtig ist die Digitalisierung für Ihr Unternehmen? Uns geht es vor allem darum, mittels dem Internet of Things unsere Produkte und Dienstleistungen noch besser auf die Anforderungen unserer Kunden masszuschneidern. Unternehmensintern haben wir schon sehr viele Prozesse digitalisiert und sind entsprechend effizient aufgestellt. Den Hauptteil der Komponenten für Ihre Produkte beziehen Sie aus dem Rheintal und nicht aus dem nahen Ausland – ein Bekenntnis zum Wirtschaftsstandort?
Text: Tanja Millius Bild: Marlies Thurnheer
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Prix SVC Ostschweiz – Finalist
Andrea Davaz, VR-Präsident Davaz-Gruppe: Attraktive neue Weine entwickeln.
Freude am Wein und am Handwerk Die Winzerfamilie Davaz hat sich seit 1972 vom Weingut hin zum Kompetenzzentrum für Weingenuss entwickelt. Andrea Davaz führt heute ein Weingut in Fläsch, drei Weinhandlungen in Chur, Maienfeld und Pontresina und seit 2018 die Rimuss & Strada Wein AG aus Hallau SH.
Andrea Davaz, Ihr Weingut zählt zu den innovativsten der Bündner Herrschaft. Woher kommt Ihre Leidenschaft für Wein? Aufgewachsen bin ich auf einem Bauernhof. Seit 1972 hat sich unsere Arbeit zunehmend von der traditionellen Landwirtschaft hin zum Weinbau und der Weinbereitung entwickelt. Ich durfte schon früh auf dem Weingut mithelfen. Dies motivierte mich für mein Oenologiestudium, das ich 1987 abschloss, um später das familieneigene Weingut in Fläsch zu übernehmen. 1994 gründete ich zusammen mit zwei Freunden die «Weinhandlung von Salis» in Maienfeld und Pontresina und leitete beide Betriebe bis 2018. Seit 2019 bin ich als Geschäftsführer und Verwaltungsratspräsident auch für Rimuss & Strada verantwortlich. 2018 retteten Sie Rimuss, das Kultgetränk aus Schaffhausen – Sie kauften die Firma und bringen sie seither als Rimuss & Strada Wein AG wieder auf Kurs. Wie passt Rimuss in das Davaz-Portfolio? Rimuss haben wir erworben, weil die Marke eine Perle und Rimuss & Strada Wein eine optimale Ergänzung für unsere bestehenden Marktfelder ist. Mit dem Einstieg unserer Kinder ins Familienunternehmen ergaben sich personellen Ressourcen, um einen weiteren Betrieb zu führen und somit weiter zu wachsen. LEADER | August 2020
Sie haben Davaz stetig ausgebaut: Was ist Ihre Strategie? Durch eigenen Anbau und eigene Kelterung können wir die Qualität der Produkte sicherstellen – und durch den eigenen Weinhandel das Verständnis für die Kundenbedürfnisse laufend vertiefen. Dies erlaubt uns wiederum, attraktive neue Weine zu entwickeln oder spannende Kreationen in unser Handelssortiment aufzunehmen. Im Weingut in Fläsch steht mit zwei Ihrer Kinder bereits die nächste Generation am Start. Was ist das Wichtigste, dass Sie ihnen mitgeben? Unsere beiden Söhne sind seit zwei Jahren operativ aktiv. Damit haben wir die Nachfolgeregelung angestossen, wobei wir einerseits von ihrem Elan und Know-how im Bereich der Digitalisierung profitieren, wir sie andererseits auch tatkräftig durch unsere Erfahrung unterstützen. Dass dabei die Freude am Wein und am Handwerk matchentscheidend ist, wurde ihnen wohl in die Wiege gelegt.
Text: Tanja Millius Bild: Marlies Thurnheer
Prix SVC Ostschweiz – Finalist
Vom Hand- zum GrossSonnenschirm Er sorgt in unzähligen Gärten für Schatten: ein Sonnenschirm der Glatz AG. Die Frauenfelder Firma entwickelt, produziert und vertreibt weltweit Sonnenund massgefertigte Grossschirme. Dieses Jahr blickt das Familienunternehmen auf eine 125-jährige Geschichte zurück, an deren Erfolg VR-Präsident Markus Glatz und sein Vater und Vorgänger Dölf Glatz massgeblich beteiligt sind.
MG: Auf die kontinuierliche Weiterentwicklung und Internationalisierung des Unternehmens zu einem der führenden Sonnenschirmersteller weltweit, mit einer Fertigung für massgeschneiderte Garten- und Grossschirme in der Schweiz. Was sind denn die wichtigsten Faktoren, um die Nase in einem umkämpften Markt vorne zu haben? MG: Sicherlich die konsequente Entwicklung und Überarbeitung von Produkten und Sortimenten. Sehr wichtig sind auch internationale Kooperationen sowie ein Führungsteam mit internationaler Erfahrung und Sozialkompetenz.
Markus Glatz, VR-Präsident Glatz AG: Richtige Einstellung als Erfolgsfaktor.
Markus Glatz, Glatz wurde 1895 als Schirmfabrik gegründet. Heute gehört das Unternehmen zu den weltweit führenden Sonnenschirmherstellern. Was ist Ihr Erfolgsgeheimnis? Leute mit der richtigen Einstellung und den unterschiedlichsten Fähigkeiten zu engagieren, sie für die gemeinsamen Ziele zu begeistern und zu Hochleistungsteams zu entwickeln.
Und was waren die grössten Herausforderungen in den letzten Jahren? MG: Der Generationenwechsel von der dritten auf die vierte Familiengeneration, der Markteintritt von Osteuropa nach dem Fall der Mauer sowie von China im Zuge der Globalisierung, die Eurokrise ab 2008 – und aktuell die Coronakrise. Welche Neuerungen lancierten Sie in dieser Saison? DG: Wir präsentieren mit Ambiente Nova einen neuen Freiarmschirm im XL-Format mit integrierter Beleuchtung. Neu ist auch der Fortano®: Er wurde für den Einsatz in der Gastronomie und an windexponierten Standorten entwickelt. Und wir freuen uns auf ein tolles Jubiläumsfest, das wegen Corona auf 2021 verschoben wurde.
Dölf und Markus Glatz.
Dölf Glatz, was sind für Sie die grössten Meilensteine in der Firmengeschichte? Sicherlich der Wandel des Unternehmens von der handwerklichen Fertigung handgetragener Mode- und TrachtenSonnenschirme zu industriell hergestellten Gartenschirmen. Symbolisiert wird dies durch den 1931 eingeführten Alexo®. Dann die Entwicklung des ersten Freiarmschirmes Pendalex® 1959. Und schliesslich die Lancierung des ersten professionellen Grossschirmes 1972. Die Glatz AG setzt immer wieder neue Massstäbe in der Schirmherstellung und überrascht den Markt. Worauf sind Sie besonders stolz?
Text: Tanja Millius Bilder: Marlies Thurnheer. zVg
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KMU und Überraschungen – Knall auf Fall! Schweizer KMU-Tag St. Gallen 23. Oktober 2020 Online-Anmeldung unter kmu-tag.ch Veranstalter
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Prix SVC Ostschweiz Prix SVC Ostschweiz – Finalist
Heule-CEO Ulf Heule: Neue Industrien angehen.
Die Entgratungsprofis aus dem Rheintal Die Heule Werkzeuge AG setzt seit 1961 Massstäbe in der Entwicklung und Fertigung von Werkzeugen für die vor- und rückseitige Bearbeitung von Bohrungen. Das Familienunternehmen aus Balgach beliefere heute alle namhaften Automobil- und Luftfahrthersteller, so CEO Ulf Heule.
Ulf Heule, Ihr Vater Heinrich legte mit einem revolutionären Werkzeug, das auch den Automobilhersteller DaimlerBenz beeindruckt hat, den Grundstein für den Erfolg des Unternehmens. Wo zeigt sich der Pioniergeist bei der Heule Werkzeug AG heute? Der Einstieg bei Daimler-Benz war der Grundstein für unsere Tätigkeit als Entgratungsprofi. In den letzten Jahrzehnten hat sich Heule vom einfachen Lieferanten von Entgratungswerkzeugen zum Problemlöser in der Branche entwickelt. Projekte werden kundenspezifisch abgewickelt und falls notwendig individuelle Werkzeuge für die entsprechende Applikation entwickelt. Mit diesem individualisierten Vorgehen haben wir weltweit eine Pionierstellung auf dem Markt. Was sind die grössten Erfolge der bisherigen Firmengeschichte? Vor knapp 60 Jahren startete mein Vater mit einem Lohnfertigungsbetrieb. Durch den Kontakt mit Daimler-Benz und der anschliessenden Zulassung seiner Spezialwerkzeuge für deren Produktion schrieb er das wohl wichtigste Kapitel der Firmengeschichte. Danach war die Firma vor allem im süddeutschen Raum tätig, heute dürfen wir auf eigene Tochterfirmen in den USA, China, Korea und Deutschland zählen. Heule ist bei der Entgrattechnologie technologischer Marktleader. Was zeichnet Sie aus?
Bei Heule wird nicht nur einfach ein Werkzeug verkauft, sondern ein komplexes Fertigungsproblem des Kunden gelöst. Wir erfahren von Entgratproblemen, analysieren diese und entwickeln dann – falls es kein passendes Standardwerkzeug gibt – eine individuelle Lösung. Seit einigen Jahrzehnten expandiert die Heule Werkzeug AG laufend. Was ist Ihre Wachstumsstrategie? Die Wichtigkeit der Märkte verschiebt sich aktuell klar gegen Osten. Dank unseren Tochterfirmen erhalten wir in auch in diesen Regionen tatkräftige Unterstützung und sind für die Kundschaft vor Ort verfügbar. Wie sieht die Zukunft aus? Die Automobil- und die Flugzeugindustrie sind im Umbruch. Deshalb gehen wir neue Industrien an wie beispielsweise die Medizinaltechnik, die Uhren- oder die Energieindustrie. So nutzen wir etwa unsere Erfahrung im Entgraten von Flugzeugturbinen für Projekte mit Turbinenteilen in der Energieindustrie.
Text: Tanja Millius Bild: Marlies Thurnheer
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Prix SVC Ostschweiz
«Freude pur» Bei der Verleihung des letzten Prix SVC Ostschweiz setzte sich 2018 die Corvaglia Holding AG aus Eschlikon TG durch. Inhaber Romeo Corvaglia weiss, was die Auszeichnung bringt.
Prix-SVC-Ostschweiz-2018-Gewinner Romeo Corvaglia: Viel stärker wahrgenommen.
Romeo Corvaglia, können Sie sich noch an den Moment erinnern, als der Sieger verkündet wurde? Aber sicher! Obschon ich mir fest vorgenommen hatte, die Sache ganz gelassen anzugehen, war ich – je näher das Datum rückte – immer angespannter. Als wir am Schluss nur noch zu zweit im Rennen waren, war ich gelassener und guter Hoffnung, dass wir es eigentlich schaffen sollten. Und dann natürlich: Freude pur! Was gab Ihrer Meinung nach den Ausschlag für den Sieg? Sie haben sich ja gegen fünf starke Finalisten durchgesetzt. Ich habe eine Werkzeugmacherlehre absolviert und mir das Unternehmertum selbst beigebracht. Vielleicht lag es mir auch schon im Blut? Jedenfalls habe ich die Corvaglia Holding AG dann von null aufgebaut, heute sind wir internationaler Marktführer mit mehreren Alleinstellungsmerkmalen im globalen Umfeld. Und das Wachstum ist noch keineswegs abgeschlossen. Haben sich Ihre Erwartungen an die Teilnahme erfüllt? Für alle unsere Mitarbeiter, aber auch für mich persönlich war es eine Anerkennung der ausserordentlichen Leistung, die wir in den bald 30 Jahren erbracht haben. Also ein klares Ja! LEADER | August 2020
Was blieb, rückblickend, vom Sieg «hängen»? Ich war überrascht, wie viele Personen und Unternehmen auf uns zugekommen sind. Das mediale Echo war immens, und es ist uns dadurch auch gelungen, neue Partnerschaften einzugehen. Und wir alle waren stolz, dass wir dadurch so bekannt geworden sind. Konnten Sie ihn auch marketingtechnisch verwerten? Ja. Unsere Kommunikationsabteilung hat das Beste daraus gemacht. Unser Unternehmen und besonders, was wir überhaupt machen, wurde in der Region dadurch viel stärker wahrgenommen. Dies hilft uns bei der Rekrutierung von Mitarbeitern und Lehrlingen, aber auch im Umgang mit allen Stakeholdern. Zum Schluss: Wo steht die Siegertrophäe heute? Gut sichtbar bei uns am Haupteingang in Eschlikon.
Text: Stephan Ziegler Bild: Axel Kirchhoff
Profil
Security-Tipps für IT-Verantwortliche Mit diesen Tipps verbessern Sie nicht nur die Sicherheit der IT-Umgebung im Unternehmen. Sie sorgen auch für einen sicheren Umgang der Benutzer mit der Informatik am Arbeitsplatz.
Ein guter Schutz für die Informatik in Unternehmen ist so wichtig wie schwierig umzusetzen. Die notwendigen Sicherheitsmassnahmen umfassen einerseits technische Vor kehrungen. Andererseits ist es genauso entscheidend, die Mitarbeitenden zu sensibilisieren und zu einem sicheren Umgang anzuleiten. Die ersten fünf Tipps beschäftigen sich mit technischen Massnahmen, die für einen besseren Schutz von Servern und Arbeitsplatzrechnern sorgen. Die Umsetzung können Sie gut zusammen mit Ihrem IT-Partner angehen. 1. Inventar der Hard- und Software erstellen 2. Installation von Software auf dem Arbeitsplatzrechner unterbinden 3. Anschluss fremder und privater Geräte im Netz kontrollieren 4. Server und Arbeitsstationen sicher konfigurieren («härten») 5. Periodisch das Firmennetz auf Schwachstellen prüfen Mit technischen Massnahmen werden Sie zwar viele Cyber angriffe abblocken. Aber Sie werden nicht verhindern, dass ein Phishing-Mail durch die Maschen geht oder ein Mitarbeiter auf ein gefälschtes Mail «vom Chef» mit einer dringenden Zahlung reagiert und eine Überweisung auslöst. Dagegen hilft nur, wenn Sie als IT-Verantwortlicher die Mitarbeitenden schulen und ihnen die Wichtigkeit der Massnahmen erklären können. Die folgenden fünf Tipps unterstützen Sie dabei: 6. Sichere Passwörter verwenden 23.5 Millionen Mal taucht das Passwort «123456» laut «Have I been pwned» in gestohlenen Kontodaten auf. Passwörter sind das Sicherheitsproblem Nummer eins. Aus Bequemlichkeitsgründen arbeiten viele Menschen mit einem leicht merkbaren Standard-Passwort und vereinfachen es so Angreifern den Zugriff auf diverse Konten. Erstellen Sie Regeln für Passwörter: • Benutzerpasswörter sollten mindestens 12 Zeichen lang sein, Administratorenpasswörter für die Systemverwal tung 16 Zeichen. • Passwörter sollten mindestens Gross- und Kleinbuch staben und Zahlen enthalten. • Jedes Konto und jede Anwendung benötigen ein eigenes Passwort. • Allenfalls können Sie Gesichtserkennung und Fingerabdruckscanner einsetzen, damit sich die Mitarbeitenden am Rechner anmelden können.
• Nutzen Sie einen Passwort-Manager im Unternehmen. Dort können die Mitarbeitenden alle Passwörter speichern und sichere, zufällige Passwörter generieren. 7. Sensibilisieren und schulen Sie die Mitarbeitenden in IT-Sicherheit Gerade die Passwortregeln werden scheitern, wenn Sie sie «von oben herab» vorschreiben. Sensibilisieren Sie die Mitarbeitenden darauf, dass diese Massnahme aus Gründen der IT-Sicherheit erforderlich und für die Betriebssicherheit nötig ist. 8. Mitarbeitende für die Gefahren von Phishing-Mails sensibilisieren Phishing-Mails, die Zugangsdaten ergaunern oder Malware installieren wollen, gehören leider zum Alltag. Schulen Sie die Mitarbeitenden darin, Phishing-Mails zu erkennen, indem Sie die typischen Merkmale aufzeigen. 9. Keine lokalen Admin-Rechte für Benutzer In der täglichen Arbeit sollten alle Mitarbeitenden mit einem Standard-Benutzerkonto arbeiten und nicht mit Admini strator-Rechten. Damit sorgen Sie für eine zusätzliche Schutzstufe, falls ein Rechner ein Virus einfängt: Damit sich eine Malware im System einnisten kann, muss sie zuerst Administratoren-Rechte erlangen. 10. Minimale Zugriffsrechte auf Dateiablagen im lokalen Netz und in der Cloud Regeln Sie die Zugriffsrechte auf Dateien in gemeinsamen Ablagen so, dass Mitarbeitende nur auf Daten zugreifen können, die im Arbeitsalltag benötigt werden. Arbeiten Sie mit Gruppen. Beschränken Sie den Zugriff der Gruppen auf die jeweiligen Ordner und legen Sie Backup- und Archivdaten an einem separaten Ort ab. Im Idealfall verhindern Sie damit auch, dass nach einem Cyberangriff Ransomware sämtliche Daten verschlüsseln kann. Text: Andreas Heer
Bereit für eine sichere IT-Umgebung? Mit dem ITPartner, der Ihr KMU entlastet. Finden Sie weitere Tipps und Informationen unter: www.swisscom.ch/bereit-business
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Prix SVC Ostschweiz
Festliche Stimmung trotz Corona Wir gratulieren der Evatec AG zum Gewinn des 9. Prix SVC Ostschweiz 2020, der am 19. August in der Olmhalle 3.1 vor rund 300 Gästen und via Livestream verliehen wurde. Fotografiert fßr den LEADER hat Marlies Thurnheer; alle Bilder des Anlasses finden Sie auf leaderdigital.ch/galerien
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Herzlichen Glückwunsch zum 20. Geburtstag Wenn ein mittelständiges Unternehmen in unserer schnelllebigen Zeit 20 Jahre alt wird so ist das schon ein Grund zu feiern. Insbesondere wenn dieses Unternehmen in der noch schnell lebigeren Callcenter Dienstleistungsbranche unterwegs ist.
Ebenso ist es sicherlich der richtige Zeitpunkt um für einen kurzen Moment innezuhalten und zurück zu blicken auf diese doch zum Teil sehr turbulenten 20 Jahre. Die Wurzeln der icare gehen in Deutschland bis ins Jahr 1992 zurück. 1998 wurde dann der erste Schritt ins Ausland gemacht und der Standort in Götzis / Vorarlberg gegründet. Vor 20 Jahren wurde dann ein weiterer Meilenstein für die Internationalisierung des Unternehmens gesetzt. Die jetzige icare AG wird in St Gallen eröffnet. Mit diesem Schritt wurde auch der Slogan «Eine Stimme für drei Länder» begründet. Denn LEADER | August 2020
nun konnte die icare die Länder Deutschland, Österreich und Schweiz in den jeweiligen Sprachfärbungen in gleich hoher Qualität betreuen. Allerdings hat sich der Gründer Herr Cornelius Barth zu diesem Zeitpunkt sicherlich noch nicht ausgemalt wie sich dieses Unternehmen in den nächsten 20 Jahren entwickeln wird. Zumal ein Deutscher in der Schweiz mit den landestypischen Gegebenheiten und den sprachlichen Besonderheiten schon eigentlich genug zu kämpfen hat. Schnell haben sich aber Unterstützer gefunden die dem Gründer an die Hand ge-
Profil
hen. Zwei St. Galler Persönlichkeiten haben Herrn Barth an die Hand genommen. Die beiden sind der icare schon lange Jahre verbunden und leisten noch heute als Verwaltungsräte dem Unternehmen einen großen Dienst. Schon zwei Jahre nach der Gründung entsteht in Karlsruhe in Deutschland der erste Ableger der Schweizer AG. Das Unternehmen wächst mit den bestehenden Auftraggebern schnell so dass schon 2009 über 250 Mitarbeiter im Sinne der Auftraggeber mit deren Kunden in den Dialog gehen. Damit sind wir auch bei dem Motte des Unternehmens: Dialog bindet. Nichts kann in unserer Zeit mehr binden als ein persönlicher, telefonischer Dialog den beide Gesprächspartner mit einem guten Gefühl beenden. Mittlerweile hat die icare Gruppe über 500 Mitarbeiter und 8 Standorte in 5 Ländern auf drei Kontinenten. Der Gründer Cornelius Barth und der Geschäftsführer Roland Rüger sind sehr stolz auf diese Entwicklung. Was macht den Erfolg eines solchen Unternehmens aus? Roland Rüger meint hierzu, dass es zunächst einmal wichtig ist bodenständig zu bleiben und immer kundenorientiert die beste Dienstleistung zu erbringen. Hierzu sind die Mitarbeiter der wichtigste und entscheidende Erfolgsfaktor und müssen entsprechend behandelt werden. Hierbei orientieren sich alle Mitarbeiter der icare an den Werten des Unternehmens. Respekt, Loyalität und Verantwortlichkeit stehen bei allen Tätigkeiten des Unternehmens auch im Umgang mit Auftraggebern und deren Kunden im Vordergrund.
Desweiteren ist es ebenfalls wichtig sich trotz der Größe schnelle und unkomplizierte Kommunikationswege zu bewahren. Ein weiterer Aspekt ist sicherlich das die beiden Unternehmer nie die Verbindung zur Basis und zum Tagesgeschäft verloren haben und die Technik des Unternehmens mit zahlreichen Eigenentwicklungen den Anforderungen der Zeit immer einen kleinen Tick voraus ist. Cornelius Barth legt zudem äußersten Wert auf einen respektvollen und ehrlichen Umgang mit den Auftraggebern, denn auch hier bindet Dialog. So arbeiten wir schon mit den meisten Auftraggebern vertrauensvoll seit der Gründung des Unternehmens zusammen. Als Inhabergeführtes Unternehmen freuen wir uns sehr auf die Herausforderungen, die uns unser Business in den nächsten Jahren bieten wird. Wenn wir in stetigem, postiven Dialog zu allen Schnittstellen unseres Unternehmens bleiben, dann werden wir auch diese Herausforderungen meistern und weiterhin mit einer Stimme für die Länder Deutschland, Österreich und Schweiz sprechen.
Denn: Dialog bindet. LEADER | August 2020
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Digitale Angriffe aktiv abwehren Friedrich Kisters ist CEO der Kreuzlinger OriginStamp AG, Marktführerin für Blockchain-basierte digitale Zeitstempel. Kisters neuster Clou: die «TrustedBox». Mit ihr lassen sich Daten automatisiert, verschlüsselt und digital gestempelt sichern. Hacker haben so keine Chance mehr, aus gestohlenen Daten Profit zu schlagen. Im Gespräch erklärt Kisters, warum gerade Schweizer KMU attraktiv für digitale Angriffe sind und wie sie diese einfach abwehren können. Friedrich Kisters, was muss ein KMU heute tun, um in Sachen Datensicherheit smart zu sein? Sie sollten in Sachen Datensicherheit ähnlich pragmatisch vorgehen wie beim Autokauf: Ein einfacher Wagen mit cleverem Tuning kann viel Geld sparen. Unsere TrustedBox benutzt als Hardware einen handelsüblichen Network-attached-Storage-Dateiserver (NAS), wie Sie ihn in jedem Interdiscount kaufen und dann als Backup einsetzen können. Im Fall einer Ransomware-Attacke ist Ihre Sicherheit allerdings nahe null. Wir «tunen» diese NAS softwareseitig auf eine sehr hohe Sicherheit. Einmal installiert, erledigt die TrustedBox die Datensicherungen im Hintergrund.
«Die Schweiz als reiches Land ist für solche Attacken besonders beliebt.» Und wie genau machen Sie das? Sie können Daten von allen Ihren Mitarbeitern lokal verschlüsseln und dann direkt auf die TrustedBox vor Ort speichern. So haben Sie immer eine aktuelle Version der Daten, falls einem Mitarbeiter das Notebook abhandenkommt. Von jetzt an läuft alles automatisch im Hintergrund: Die TrustedBox erstellt ein tägliches Backup aller hinzugekommenen Daten und verschlüsselt diese erneut. Dann erstellt sie zu jeder einzelnen Datei einen Blockchain-basierten Zeitstempel, der zweifelsfrei dokumentiert, dass diese Daten in dieser Form zu diesem Zeitpunkt existiert haben. Die Echtheit des Inhaltes jeder Datei ist damit mathematisch nachrechenbar? Ja, und unlöschbar in der Blockchain verankert. Schauen Sie Ihre Daten als Boote an: Jetzt hat jedes Boot einen festen Anker. Dann werden diese doppelt verschlüsselten Daten auf Amazon-Webservices datenschutzkonform gesichert, nochLEADER | August 2020
Profil mals verschlüsselt und eingefroren, solange Sie wollen. Jetzt haben Sie ein dreifach verschlüsseltes tägliches Archiv Ihrer Daten in einer der weltweit sichersten Clouds unveränderbar gesichert – und zu jeder Datei einen Ursprungs- und Echtheitsstempel in der Blockchain. Wie viele Daten kann eine TrustedBox speichern – und was kostet sie? Die kleinste Variante erlaubt bis zu sechs Terabyte Daten, was für viele KMU genügt. Beim ersten Backup sind bis zu sechs Millionen Daten-Zeitstempel kostenlos dabei … Hinzu kommt das Abo für die monatlichen Zeitstempel und das Einfrieren der Daten. Das kleinste Jahrespaket inklusive Hardware und Abos kostet 8700 Franken. In den Folgejahren liegen die Abokosten nur noch bei etwa 300 Franken im Monat. Sie finden keine vergleichbare Lösung unter 10'000 Franken! Und wie schützt die TrustedBox vor einer RansomwareAttacke? Eine Ransomware-Attacke kann daran erkannt werden, dass sich wegen des Verschlüsselns der Daten durch den Angreifer plötzlich viele Daten ändern und somit auch die Anzahl Blockchain-basierter Zeitstempel in die Höhe schiesst. Das löst einen Alarm wie bei einem Tsunami aus, und wir können den Kunden umgehend warnen. Er muss im Idealfall nur die Daten eines Tages löschen und wiederherstellen lassen, um das Problem zu lösen. Alle Daten sind ja unlöschbar vorhanden … … und werden täglich versioniert archiviert, genau! Sie können also jederzeit wiederhergestellt werden. Jede Datei besitzt einen mathematischen Beweis ihres Ursprungszeitpunktes und Inhalts. Es ist kaum mehr möglich, unbemerkt die Metadaten zu ändern. Bei jeder Änderung erstellt die TrustedBox einen neuen Zeitstempel als Beweis. Sollte ein Angreifer Daten gestohlen haben, kann einfach nachgewiesen werden, dass man sie zum Speicherzeitpunkt tatsächlich bereits besessen hat. Jeder, der diese Daten danach ohne Erlaubnis verkauft, kauft oder besitzt, macht sich potenziell strafbar. Die Daten sind also schwerer verkäuflich, da der Zeitstempel jederzeit überprüfbar ist. Gibt es eine eigentliche Strategie hinter der TrustedBox, um KMU zu helfen? Ja – und diese ist dringend notwendig! Wir leben in der Schweiz besser als der Rest der Welt und sind deshalb ein beliebtes Ziel, leider auch für digitale Angriffe. Deshalb hat sich der Verein Smarter Thurgau die Sicherheit als zentrales Thema ausgesucht, um das Vertrauen im Umgang mit Daten zu stärken. Gemeinsam – die OriginStamp AG ist Technologiepartner des VST – wollen wir, dass alle KMU die Möglichkeit bekommen, digital souverän zu werden, um Angriffe von aussen auch digital abwehren zu können. Die TrustedBox ist ein erster wichtiger Schritt zu dieser Grundabsicherung. Und welche weiteren Schritte sind geplant? Wir wollen eine «Lost Data Registry» aufbauen, wo jedes KMU Daten hinschicken kann, von denen es vermutet, dass sie jemand unberechtigt kopiert hat. Wir planen, gemeinsam eine Suchmaschine einzurichten, die das Internet permanent nach solchen Daten durchsucht. Sobald etwas gefunden wird, kann die Löschung verlangt oder rechtlich gegen die Verbreitung vorgegangen werden. Und im geplanten
Digital Campus Thurgau soll ein Kompetenzzentrum zum Thema Sicherheit & Vertrauen entstehen – ein neues Zentrum für digitale Sicherheit. Das könnte die Region auch als digitalen Standort massiv aufwerten. Besonders interessant ist dabei die Verbindung der digitalen mit der realen Welt, also des realen Vertrauens mit der digitalen Sicherheit. Diese fehlt heute völlig. Zurück zur TrustedBox. Gibt es schon Firmen, die sie einsetzen? Natürlich – folgende KMU darf ich namentlich nennen: Die Immokanzlei AG in Kreuzlingen, deren CEO Attila Wohlrab auch Präsident des AGV ist, die BPA Treuhand AG mit CEO Lorenz Zwahlen in Frauenfeld, die Ganten Trustees Ltd. mit CEO Klaus Stark in Liechtenstein und die von Büren + Sommer AG mit CEO Roland von Büren in Berg, ein Thurgauer Handwerksbetrieb, spezialisiert auf Innenausbau aus Holz, Brandschutz und Einbruchschutz.
«Schauen Sie Ihre Daten als Boote an: Jetzt hat jedes Boot einen festen Anker.» Und wieso interessiert sich eine Manufaktur für die TrustedBox? Fast alle Handwerksbetriebe sind heute auch digital unterwegs. Und es ist für den Geschäftsführer mühsam, ständig Magnetbänder mit archivierten Daten aktualisieren zu müssen. Die TrustedBox erledigt das. Eingesparte Zeit und zusätzliche Sicherheit sind schlagende Argumente für Praktiker, die sich nicht gerne mit digitalen Problemen herumschlagen. Sind Ransomware Attacken für Schweizer KMU überhaupt eine Gefahr? Oh ja! Es gibt seit kurzer Zeit Plattformen krimineller Organisationen, die alles zur Verfügung stellen, was es für eine Ransomware-Attacke braucht – «Ransomware as a Service», sozusagen. Investiert dort jemand Geld, wird damit eine Verschlüsselungsattacke ausgeführt. Im Erfolgsfall zahlt das betroffene KMU Lösegeld für die Entschlüsselung seiner Daten – und der «Investor» erhält von der RaaS-Plattform das Vielfache seiner Investition zurück. Die Schweiz als reiches Land ist für solche Attacken besonders beliebt. Wer sich jetzt nicht schützt, handelt schlicht fahrlässig.
Sie finden die TrustedBox unter trustedbox.originstamp.com. Friedrich Kisters erreichen Sie via Mail (trustedbox@originstamp.com) oder Telefon (+41 71 577 02 70). Allen LEADER-Lesern offeriert OriginStamp von August bis Oktober 2020 einen KMU-Rabatt von sieben Prozent auf das Jahrespaket. Es kostet somit nur 8091 Franken. Der Rabattcode lautet: LEADER. LEADER | August 2020
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Vorschau Rückblick
1. KEEST Early Bird Rund hundert Unternehmer haben am 24. Juni am 1. «KEEST Early Bird»-Forum auf dem Lilienberg in Ermatingen teilgenommen. Sie liessen sich aus erster Hand über die Konsequenzen des revidierten Gesetztes über die Energienutzung ins Bild setzen. Fotografiert für den LEADER hat Thomas Hary. Alle Bilder des Events finden Sie unter leaderdigital.ch/galerien
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HEV-SG-Delegiertenversammlung 2020 Über 80 Delegierte und Gäste aus Politik, Wirtschaft und befreundeten Verbänden besuchten die 103. Delegiertenversammlung des HEV Kanton St.Gallen am 22. Juni in der Tonhalle zu Wil. Fotografiert für den LEADER hat Thomas Hary. Alle Bilder des Events finden Sie unter leaderdigital.ch/galerien
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Rückblick Rubrik
GEMAG-Apéro 2020 Das St.Galler Immobilienunternehmen GEMAG Gebrüder Müller AG von Patric und Jérôme Müller lud am 13. August zu seinem 2. Kundenapéro in der Einstein Bar. Fotografiert für den LEADER hat Gian Kaufmann. Alle Bilder des Events finden Sie unter leaderdigital.ch/galerien
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Vorschau
Zeigen, was möglich ist Der WTT Young Leader Award vom 8. Dezember 2020 überrascht mit einem Eventmodell, das die Wissenstransferstelle WTT der neuen OST – Ostschweizer Fachhochschule mit ihren Technikpartnern entwickelte. Davon soll auch die regionale Eventbranche profitieren. Im Interview erklärt WTT-Chef Peter Müller, wie das multimediale Spektakel Offlineund Online-Welten verbindet und eine «geladene Gesellschaft» zur «Closed User Group» avanciert.
Peter Müller, der WTT Young Leader Award will die talentiertesten angehenden Betriebsökonominnen und -ökonomen mit der Wirtschaft, Wissenschaft und Politik vernetzen. In Coronazeiten eine Herausforderung! Diese Vernetzung darf nicht abbrechen – auch wenn uns das Social Distancing herausfordert. Stand heute dürfen im Dezember 300 Leute in die Tonhalle St.Gallen, bisher hatten wir über 650. So mussten wir kreativ werden. Den Studierenden gebührt auch dieses Jahr Anerkennung für ihre Leistungen. Sie setzten ihre Praxisprojekte mitten im Lockdown um. Wie ist das gelungen? Die technische Infrastruktur mit MS Teams war in der Praxisprojektumsetzung bereits vor Corona in Betrieb. Wir haben sie nun breiter und intensiver genutzt und insbesondere
Kunden und Partner integriert. Die konsequente Anwendung eröffnete aber neue Fragen wie: Wie führt man online komplexe Forschungsgespräche, ohne an Qualität einzubüssen? Hier lernen wir noch dazu. Ihr Event wird von 27 sehr engagierten Partnern getragen, die nun alle auch unter wirtschaftlichem Druck stehen. Haben sie noch Ressourcen und Willen, einen solchen Event mitzustemmen? Sie anerkennen, wie wichtig das Lehr- und Lernmodell mit den Praxisprojekten ist. Gerade in Krisen ist die Nähe zu Hochschulen umso wichtiger. Darum unterstützt uns die Wirtschaft weiterhin, wir konnten gar drei neue Sponsoren gewinnen.
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Vorschau feilen. Mit diesem Modell leistet der WTT Young Leader Award einen Beitrag an die Wirtschaft und Gesellschaft für entsprechende Anwendungen. Ist das Eventmodell denn in der Zeit nach Corona noch relevant? Klar! Es geht um die fortlaufende effektive Nutzung der Digitalisierungspotenziale, zum Beispiel durch effiziente Einbettung von Personen, die zeitlich knapp verfügbar oder geografisch weit entfernt sind. So haben wir auch heuer Praxisprojektpartner aus Zürich, Basel, Pittsburgh und Shanghai dabei. Prof. Peter Müller will die emotionale Atmosphäre des WTT Young Leader Award aus der Tonhalle St.Gallen tragen.
Wie erlebten Sie als Eventveranstalter die Notverordnungen der Behörden? Wir verstanden sofort, dass wir den Event nicht wie gewohnt durchführen können. Zudem wirkten sich die Restriktionen aufs Timing aus, weshalb wir nun am 8. Dezember feiern. Viele Events wurden ganz abgesagt. Weshalb führen Sie den WTT Young Leader Award trotz Einschränkungen durch? Die Studierenden setzten ihre Praxisprojekte auch trotz Einschränkungen um, das wollen wir honorieren. Sie spornten uns als Fachhochschule an, voranzugehen und nach Lösungen zu suchen, die Krise als Chance zu nehmen. Dafür sind wir da. Also nutzen wir alle technologischen Möglichkeiten, damit unsere ganze Community am WTT Young Leader Award teilnehmen kann, und entwickelten mit unseren technischen Partnern einen hybriden Event. Er verbindet offline mit online und findet ungeachtet der pandemischen Lage statt. Was konkret ist neu daran? Das Zusammenführen verschiedener Technologien. Wir streamen nicht an passive Online-Zuschauer, sondern ermöglichen Interaktion zwischen Online- und Offline-Gästen. Alle greifen auf ein Webportal zu, wo sie chatten, sich gegenseitig sehen und abstimmen können. Die Offline- und Online-Gäste sind also interaktiv verbunden und das Webportal ist integrierter Teil der Awardverleihung. Wir senden nicht nur aus der Tonhalle, sondern auch von den Online-Gästen in die Tonhalle hinein – bringen sie auf die Leinwand, führen Interviews. Wir streamen zuvor vom roten Teppich und danach vom Networking-Apéro. An diesem nehmen auch OnlineGäste teil, denen wir Wein unseres neuen Sponsors Martel nach Hause senden. Zudem gibt es ein Publikumssiegerteam, das beide Gästegruppen via eVoting wählen. Was bleibt: Es braucht eine Einladung. Wir werden von der «geschlossenen Gesellschaft» zur «Closed User Group». Was sind die Schwierigkeiten bei der Umsetzung – oder anders gefragt: Weshalb machen das nicht alle? Es braucht Investitionen, auch geistige. Man braucht Ideen, an die man glaubt – und den Mut zur Umsetzung mit allen Risiken. Es geht darum, technologische Möglichkeiten und neue Kommunikationsformen zu forcieren: Was geht? Was nicht? Ich hoffe, vieles wird gelingen. Das eine oder andere dürfte nicht wunschgemäss funktionieren oder von den Gästen akzeptiert werden. Künftig gilt es, weiter daran zu
Könnte diese Technologie auch von anderen übernommen und angewendet werden? Uns geht es darum zu zeigen, was möglich ist, Inspiration zu geben. Damit geschieht Wissenstransfer zu und von unseren Partnern sowie unseren Gästen, von dem die Region profitiert. Sie tragen Know-how und Erfahrungen aus dem WTT Young Leader Award weiter. Er ist einer der ersten Events unter dem Dach der neuen OST. Was heisst das für die Gäste? Wir kommen in neuen Farben daher. Wichtiger sind aber die Inhalte und Personen: Mit dem Zusammenschluss war auch ein Führungswechsel verbunden. Mit dem neuen Rektor Daniel Seelhofer und der neuen Leiterin des Departements Wirtschaft und des Standorts St.Gallen, Marion Pester, sowie unserem Bildungsdirektor Stefan Kölliker ist die politische und operative Spitze der OST vertreten. Gleichzeitig können wir mehr Breite aus der Wissenschaft bieten. Neu werden mehr Forscher und Dozierende aus Informatik, Technik, Bau, Gesundheit und Sozialer Arbeit am WTT Young Leader Award teilnehmen – sie sind zusammen mit der Betriebsökonomie alle neu vereint in OST. So wird es nicht nur farblich bunter. www.ost.ch/wttyla
Die Jury des WTT Young Leader Award • Christof Oswald, Head of Human Resources, Bühler • Thomas Harring, CEO, Leica Geosystems • Klaus Brammertz, CEO, Bauwerk Boen Group • Heidi Bösch, Leiterin Direktion Personelles & Klubschule, Genossenschaft Migros Ostschweiz (neu) • Bruno Räss, Partner, PwC • Daniel Wessner, Amtsleiter, Amt für Wirtschaft und Arbeit, Kanton Thurgau (neu) • Prof. Dr. Daniel Seelhofer, Rektor, OST – Ostschweizer Fachhochschule (neu) • Prof. Dr. Marion Pester, Leiterin Departement Wirtschaft, Standortleiterin St.Gallen, OST – Ostschweizer Fachhochschule (neu)
Text: Pascal Tschamper Bild: Roger Oberholzer
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Schlusspunkt
Konsequenzen
Ausschaffungsinitiative: angenommen. Masseneinwanderungsinitiative: angenommen. Umsetzung der beiden? Verwässert bis zur Unkenntlichkeit. Diese Missachtung des Volkswillens rächt sich jetzt mit der Begrenzungsinitiative. Das Verdikt einer Mehrheit der Schweizer Stimmbürger ist klar: Sie will keine unbegrenzte Zuwanderung, kein Bleiberecht für straffällige Ausländer. Das hat sie an der Urne 2010 und 2014 deutlich gemacht. Doch wie so oft, wenn der Volkswille Politik und Verwaltung nicht genehm ist, wird an Entscheiden herumgeschraubt, bis er in ihrem Sinne umgesetzt werden kann – also gar nicht. Aktuelle Zahlen zeigen, dass nur etwas mehr als die Hälfte aller straffälligen Ausländer ausgeschafft werden (58 Prozent) – bei allen anderen wird die «Härtefallklausel» angewendet, die in die Umsetzung der Ausschaffungsinitiative gemogelt wurde, um «aus rechtsstaatlichen Gründen» Ausnahmen zuzulassen. Nun sind diese praktisch zur Regel geworden.
«Das Volk versteht das meiste falsch; aber es fühlt das meiste richtig.» Kurt Tucholsky (1890 bis 1935), deutscher Schriftsteller.
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Magazin LEADER MetroComm AG Bahnhofstrasse 8 Postfach 1235 9001 St.Gallen Telefon 071 272 80 50 Fax 071 272 80 51 leader@metrocomm.ch www.leaderdigital.ch
Verleger:
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Chefredaktor: Stephan Ziegler, Dr. phil. I sziegler@metrocomm.ch Autoren :
Philipp Landmark, Marion Loher, Tanja Millius, Patrick Stämpfli, Miryam Koc, Stephan Ziegler, Robert Nef, Sven Bradke, Walter Locher, Christof Reichmuth, Stefan Schneider, Michael Götte
Fotografie:
Marlies Thurnheer, Thomas Hary, Gian Kaufmann, zVg
Herausgeberin, MetroComm AG Redaktion Bahnhofstrasse 8 und Verlag: 9001 St.Gallen Tel. 071 272 80 50 Fax 071 272 80 51 www.leaderdigital.ch www.metrocomm.ch leader@metrocomm.ch Geschäftsleitung: Natal Schnetzer nschnetzer@metrocomm.ch
Und die Masseneinwanderungsinitiative? Die wurde noch mehr verwässert; von der eigenständigen Regelung der Zuwanderung mittels Kontingenten und Höchstzahlen ist gerade mal ein «Inländervorrang» übrig geblieben. Die Bundesversammlung hat sich auch hier um den Volkswillen foutiert. Jetzt steht mit der «Begrenzungsinitiative» eine weitere wichtige Abstimmung an – sie will die Personenfreizügigkeit mit der EU in der heutigen Form beenden und die Regelung der Zuwanderung wieder in unsere Hände geben. Hätte die Bundesversammlung 2010 und 2014 gemacht, mit was sie vom Volk beauftragt wurde, müssten Politik und Wirtschaft heute nicht vor einem Ende der Personenfreizügigkeit zittern. Und sie zittern mit Recht: Der Zuwanderungsdruck wächst stark. Gemäss Zahlen des Bundesamtes für Migration ist die Nettozuwanderung von Januar bis März, den letzten Monaten ohne Lockdown, mit 34,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr geradezu explodiert. Und laut den neuesten Zahlen ist sie auch von Januar bis Mai trotz Lockdown noch deutlich gewachsen – jene aus der EU um 16,6 Prozent.
Stephan Ziegler LEADER-Chefredaktor LEADER | August 2020
Verlags- und Oliver Iten Anzeigenleitung: oiten@metrocomm.ch Marketingservice/ Fabienne Schnetzer Aboverwaltung: info@metrocomm.ch Abopreis:
Fr. 60.– für 18 Ausgaben
Erscheinung: Der LEADER erscheint 9 x jährlich mit Ausgaben Januar/Februar, März, April, Mai, Juni, August, September, Oktober, November/Dezember, zusätzlich 9 Special-Ausgaben Gestaltung/Satz: MetroComm AG Produktion: Ostschweiz Druck AG, Wittenbach Die mit «Profil» gekennzeichneten Beiträge gelten als Sponsored Content.
LEADER ist ein beim Institut für geistiges Eigentum eingetragenes Markenzeichen. Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit schriftlicher Genehmigung des Verlages. Für unverlangt eingesandte Manuskripte übernimmt der Verlag keine Haftung.
ISSN 1660-2757
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