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LEADER September 2019

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www.leaderdigital.ch

September 11 / 2019 Preis Fr. 8.50 Ausgabe für die Ostschweiz und das Fürstentum Liechtenstein

DAS UNTERNEHMERMAGAZIN

Weiterbildung macht glücklich!

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20. Oktober 2019:

Die LEADERWahlprognosen Seite 12

Fokus HR-Management

Entrepreneur Of The Year FL

Begeisterung ist der stärkste Motivator

Der Sieger 2019 heisst Alexander Ospelt

Ab Seite 54

Ab Seite 74

DACHCOM

In dieser Ausgabe: Klaus Brammertz, Raphael Krucker, Bruno Rutishauser, Johannes Ucan, Patrick Ammann, Pascal von Gunten, Tina Maria Wetzold u.v.m.

Mission: Sauber. pronto-ag.ch


Editorial 3

Verlorene vier Jahre – und es wird schlimmer Mit einer bürgerlich-liberalen Haltung schaut man dem 20. Oktober mit Bangen entgegen. Denn am Wahltag droht eine Bewegung nach links. Der Begriff «Rutsch» ist in der Schweiz in aller Regel nicht angezeigt, weil sich bei uns Verschiebungen in wenigen Prozentpunkten erschöpfen. Aber unterm Strich könnte – und dürfte wohl – das Ende der bürgerlichen Mehrheit im Nationalrat so gut wie sicher sein. Wer diese mögliche Entwicklung nun präventiv beklagt, müsste sich zuerst die Frage stellen, wie sichtbar denn die Mehrheit aus FDP und SVP in den vergangenen vier Jahren überhaupt war. Zugegeben, sie war hauchdünn. Und klar, es gibt den Ständerat als «korrigierendes Element», der vieles wieder zunichtemachen kann. Aber es bleibt doch die Erkenntnis, dass in der letzten Legislatur eine einmalige Chance so gut wie gar nicht genutzt wurde. Zwar marschieren FDP und SVP nicht immer im Gleichtakt, aber in zentralen Themen wie besseren Rahmenbedingungen für die Wirtschaft oder der zu hohen Staatsquote herrscht durchaus Einigkeit. Hier wäre vieles möglich und nötig gewesen – passiert ist aber kaum etwas. Geschieht nicht noch ein Wunder, bleibt uns nur eine Hoffnung: Dass die drohende MitteLinks-Mehrheit ebenfalls so zerstritten, uneinig und uneffektiv bleibt, wie es die knappe bürgerliche Mehrheit der letzten Jahre war. Dann wäre das, was am Wahltag dramatisch scheint, vielleicht nur halb so schlimm. Darauf zählen können wir zwar nicht. Aber möglicherweise hätte eine solche Legislatur auch eine reinigende Wirkung: Die bürgerlichen Kräfte könnten sich in der Zwischenzeit auf ihre gemeinsamen Werte verständigen und beim nächsten Mal alles besser machen. Vorher erwarten uns aber vermutlich vier Jahre, die aus Unternehmersicht einfach nur verloren sind – oder schlimmer. Natal Schnetzer Verleger

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Vertrauliche Dokumente schützen? Mit uns läuft’s perfekt. Zu dumm, wenn z.B. ein Arbeitsvertrag oder Lohnausweis für alle sichtbar im Drucker liegen bleibt. Dabei wäre es ein Leichtes, sich vor solchen Pannen zu schützen. Mit individuellen Lösungen von COFOX für vertrauliches Drucken, die von der digitalen Ablage bis zum Ausdruck für beruhigende Sicherheit sorgen. Technische Lösungen dazu gibt es viele. Mit persönlichen Codes, Batches oder Smartcards für die sichere Benutzererkennung, mit individuellen Zugriffsrechten, automatischer Protokollierung usw. Abgestimmt auf Ihre Bedürfnisse, entwickeln wir aus diesen Modulen für Sie Lösungen nach Mass. Damit vertrauliche Dokumente nicht in falsche Hände geraten und sensible Daten immer geschützt sind. Mit uns läuft’s perfekt. Wir freuen uns auf Ihren Anruf: 071 274 00 80

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Im Fokus 5

Bauwerk gewinnt Preis der Rheintaler Wirtschaft Die Bauwerk Boen Group in St.Margrethen wurde mit dem «Preis der Rheintaler Wirtschaft 2020» ausgezeichnet. Die Gruppe unterhält Produktionsstandorte in Litauen, Kaliningrad, Kroatien und der Schweiz. Mit 292 Millionen Franken Umsatz und rund 1700 Mitarbeitern gehört sie zu den führenden Unternehmen der europäischen Parkettbranche. CEO Klaus Brammertz (Bild) war hocherfreut: «Die Wahl ist auch eine Auszeichnung für all unsere Mitarbeiter und den Wirtschaftsstandort Rheintal, wo wir uns sehr wohl fühlen und weiterhin wachsen wollen.»

LEADER | September 2019


6 Inhalt 54

38

34

08 Marcel Baumgartner, LEADER-Redaktor Wer ist diese Frau auf dem Podium?

34 Patrick Ammann, Papeterist Vom «Garagenbüdeli» zum 150-Mann-Betrieb

08 Roland Rino Büchel, Nationalrat Dr. Lampe liebt die Schweiz

37 Kreuzlingen, Einkaufstouristen-Opfer Und ewig lockt das Schnäppchen

12 Philipp Landmark, LEADER-Redaktor Ein bisschen Klimawandel im Nationalrat

38 Bruno Rutishauser, Hanfbauer Arbeitsplätze mit Cannabis sichern

16 Wahlprognose St.Gallen SVP und CVP verlieren einen Sitz

42 Johannes Ucan, Modemacher Vom Blaumann zum Anzugträger

21 Sven Bradke, Kommunikationsberater «Go!» statt «No Go!»

51 «Silver Ox», Generationenprojekt Wissen und Erfahrung an die nächste Generation weitergeben

22 Wahlprognose Appenzell Ausserrhoden FDP erkämpft Sitz zurück 25 Wahlprognose Appenzell Innerrhoden CVP macht sich das Leben schwer 28 Wahlprognose Thurgau Comeback der Grünliberalen 33 Michael Götte, Fraktionspräsident Wahlkampf

53 Tina Maria Wetzold, Leaderin «Tun, was richtig ist» 54 Fokus HR-Management «Menschen kommen zu Unternehmen, aber sie verlassen Vorgesetzte» 70 Vorschau Blockchain for Business

LEADER | September 2019


Inhalt 7 12

42

53

70

72 Rückblick Networking-Tag

78 Rückblick Bühler Networking Days

74 Rückblick Entrepreneur Of The Year Liechtenstein

82 Stephan Ziegler, LEADER-Chefredaktor Fünf vor Zwölf

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LEADER | September 2019


8 Kolumne Rubrik

Wer ist diese Frau auf dem Podium? Der Wahlkampf dominiert die nächsten Wochen. Das interessiert aber nur einen Bruchteil der Bevölkerung.

Als Bundesrätin Karin Keller-Sutter im Mai 2019 das St.Galler Kantonalmusikfest in Lenggenwil besuchte und dort zu den Gästen sprach, soll es tatsächlich Personen gegeben haben, die sich beim Sitznachbarn erkundigten, wer denn die Frau auf dem Podium sei. Ähnlich erging es kürzlich einem FDP-Kandidaten bei einer Standaktion in seinem Wohnort. Scheinbar mussten mehrere Leute über den Hintergrund der Aktion und auch über das Ziel des Mannes aufgeklärt werden. Diese beiden Episoden und auch ein Blick auf die Stimmbeteiligung bei Abstimmungen und Wahlen zeigen: Unzählige interessieren sich nicht für Politik, geschweige denn für Kandidaten. Zusammen mit jenen Menschen, die sich hinsichtlich ihres Wahlverhaltens keiner bestimmten Partei verschrieben haben, bilden sie eine wichtige Zielgruppe. Denn hier hat es noch Stimmenpotenzial, das man gewinnen kann – ob nun als einzelner Politiker oder als ganze Partei. Im Wissen, dass dieses Potenzial nicht mit nüchternen Argumenten, hübschen Schlagworten oder gar einem Strategiepapier abgeholt werden kann, lassen sich sämtliche Player immer wieder besondere Aktionen einfallen. Man kann es machen wie CVP-Nationalrat Nicolo Paganini, der sich mit «Nicolo probiert’s» in andere Umgebungen statt der gewohnten Olmaoder Wandelhalle begibt. Dafür gab es immerhin eine Blick-Schlagzeile. Man kann es machen wie SVP-Nationalrätin Diana Gutjahr, die mit Marco Fritsche und Nicolas Senn – live verfolgt vom Tagblatt – durch den Alpstein wanderte. Dafür gab es Medienpräsenz und eine Verletzung. Oder man kann sich – wie FDP-Nationalratskandidatin Karin Weigelt und SVP-Nationalratskandidat Michael Götte – auf die Neuen Medien stürzen und Polit-Talks via Facebook ausstrahlen. Dafür gibt es den einen oder anderen Klick. Ob man sich nun für Politik interessiert oder nicht: Die nächsten Wochen werden für den einen oder anderen amüsanten Akzent sorgen. Denn wenn sich Menschen in Szene setzen möchten, ist der Grat zwischen Kreativität und Peinlichkeit oftmals schmal. Marcel Baumgartner ist LEADER-Redaktor.

Dr. Lampe liebt die Schweiz Zwischen der liechtensteinischen Botschaft und derjenigen Deutschlands liegen in Bern nur ein paar Meter Rasen. So nahe liegen Bern, Berlin und Vaduz sonst nirgendwo zusammen. Vielleicht hat das mehr mit einer Liebeswerbung zu tun, als wir denken. Der vormalige Botschafter Deutschlands bewundert die Schweiz. Mich dünkt, dass Dr. Doris Frick daran nicht ganz schuldlos sei. Sie ist Liechtensteins Botschafterin in Bern; sie kennt und schätzt die Schweiz wie kaum ein anderer Diplomat. Was schrieb ihr Nachbar Lampe vor gut zwei Jahren zu seinem Abschied? «Ich hatte das grosse Glück, die letzten vier Jahre meines Berufslebens in der schönen Schweiz verbringen zu dürfen. Gemessen an den Irrungen und Wirrungen in Europa und im Rest der Welt lebt man in der Schweiz noch auf einer Insel der Glückseligen. Ein derart hohes Mass an politischer Stabilität, zivilgesellschaftlicher Mitverantwortung, wirtschaftlicher Prosperität und sozialem Frieden dürfte einmalig sein.» Wie viele Diplomaten zog es ihn zu Beginn in Länder, die auf den ersten Blick «exotisch» tönen. Das ging auch mir persönlich nicht anders, als ich auf verschiedenen Kontinenten für den konsularischen Dienst der Schweiz tätig war. Doch zurück zu Lampe: «Die Schweiz ist exotischer, als man so meint.» Die kulturelle Vielfalt sei ebenso unerschöpflich wie lebendig. Wer denke, dass die Schweiz eine Art verlängertes Deutschland sei, der habe rein gar nichts begriffen. Unser Land sei «aus bitterer Armut innerhalb weniger Generationen durch harte Arbeit, Kreativität, Disziplin und Gemeinsinn zu nachhaltigem Wohlstand» gekommen. Lampe zeigt sich überzeugt, dass die dezentrale Organisation wesentlich zum beispiellosen Erfolg unserer Gesellschaft beigetragen habe. Er kenne Länder, die nicht einmal ein Fünftel der Schweizer Wirtschaftsleistung erbrächten – und sich trotzdem 25 Minister und Scharen von Staatssekretären und sonstigen Würdenträgern leisteten. Der promovierte Völkerrechtler ist voll des Lobes über das «höchst erfolgreiche Modell der direkten Demokratie». Er sei ein «grosser Fan» davon geworden. In der Schweiz sei man bescheiden. «Man stellt die eigenen Verdienste nicht gern ins Schaufenster. Aber zum Gesamtbild gehört auch, dass die Schweiz nicht nur ein wirtschaftliches und gesellschaftliches Erfolgsmodell ist.» Ja, die Schweiz sei gar «eine humanitäre Supermacht» mit dem weltweiten Ruf als objektive, neutrale Vermittlerin. Einen Punkt jedoch schätze ich heute radikal anders ein als Dr. Lampe: Er pries den schlichten Auftritt der Schweizer Politiker. Ob er sich in diesem Herbst noch gleich äussern würde, wo bei uns landauf und landab ungeheuer unbescheiden Wahlkampf betrieben wird? Man könnte demnach meinen, wir seien ein Land voller «Möchtegern-Siebensiechen». Mit genau jenen kann der bescheidene Botschafter nichts anfangen. Womit wir wieder einer Meinung wären. Hundertprozentig.

Der Rheintaler SVP-Nationalrat Roland Rino Büchel ist Mitglied der Aussenpoli­tischen Kommission und Mitglied des Europarates. LEADER | September 2019


Facts & Figures 9 Dudler folgt auf Fischler

Kopf des Monats

Das St.Galler Softwarehaus Frontify, spezialisiert auf das Thema Brand Management und Gewinner des LEADER Digital Awards 2019, hat einen neuen CEO. Andreas Fischler, der Fronitfy die letzten fünf Jahres als CEO geführt hatte, wird das Unternehmen verlassen. Der ehemalige Namcis-Partner hatte die Chef-Position beim damaligen Start-up von Unternehmensgründer Roger Dudler übernommen, der die Rolle des Chief Technology Officers übernahm. Dudler kehrt nun auf seinen ehemaligen Posten zurück und wird wieder CEO von Frontify.

Raphael Krucker, CEO Andermatt Swiss Alps Der 40-jährige Raphael Krucker aus Niederhelfenschwil verlässt nach 24 Jahren die Uzwiler Bühler-Gruppe und leitet ab 1. Januar 2020 als neuer CEO die Andermatt Swiss Alps AG, das Unternehmen des Ägypters Samih Sawiris, das Andermatt einen komplett neuen Anstrich gibt.

Schneider tritt als Präsident zurück Nach 24 Jahren im Vorstand ist Schluss: Urs Schneider teilte an der Halbjahresmedienkonferenz des Verbands der Thurgauer Raiffeisenbanken mit, dass er auf die Generalversammlung im Frühling 2020 als Präsident zurücktrete. «Die Bilanzsumme betrug 22 Millionen Franken, und wir hatten 150 Mitglieder», erinnert sich Schneider an seinen Einstieg. Heute hat er es als Präsident der 14 Thurgauer Raiffeisenbanken mit ganz anderen Dimensionen zu tun: Die Bilanzsumme ist in den letzten sechs Monaten um 2,5 Prozent auf über 14,6 Milliarden Franken gewachsen.

Raphael Krucker verfüge über ausgewiesene Erfahrung in kommerziellen Bereichen, insbesondere im Aufbau von Unternehmen und in der Entwicklung internationaler Märkte. Mit dem neuen CEO könne die Andermatt Swiss Alps AG eine neue Phase einleiten, um die Destination international erfolgreich zu vermarkten.

Wick holt Gold An den Berufsweltmeisterschaften «WorldSkills» im russischen Kasan holt die Schweiz fünf Berufsweltmeistertitel und elf weitere Medaillen. Drei davon gehen in die Ostschweiz: Als sogenannte «Best of Nation» wurde Goldmedaillengewinnerin Martina Wick aus Arnegg ausgezeichnet. Die Restaurationsfachfrau vom Hotel Hof Weissbad erzielte die höchste Punktzahl aller Schweizer. Möbelschreinerin Samanta Kämpf aus Dettighofen holte eine Silber-, Drucktechnologe Dario Colucci aus Gossau eine Bronzemedaille

Höhener wird Ost-Verwaltungsdirektor Die designierte Trägerkonferenz der Ost – Ostschweizer Fachhochschule hat Carlo Höhener zum Verwaltungsdirektor gewählt. Der derzeitige Verwaltungsdirektor der FHS St.Gallen wird sein neues Amt am 1. September 2020 antreten.

Zellweger vom IWF ausgezeichnet Im November wird Nordkorea-Expertin Katharina Zellweger aus Teufen einen Preis vom International Women’s Forum entgegennehmen. Die Organisation mit 7'000 Mitgliedern auf sechs Kontinenten ehrt jedes Jahr Frauen, die durch besondere Verdienste «einen Unterschied in der Welt» ausmachen

Aktuelle News aus der Ostschweizer Wirtschaft und Politik finden Sie täglich auf www.leaderdigital.ch

Nach einer Ausbildung zum Getreidemühleningenieur bei der Bühler AG und einem Maschinenbaustudium in St.Gallen setzte Raphael Krucker seine Ausbildung zum Executive Manager an der IMD Business School, Lausanne, fort. Zudem absolvierte der Niederhelfenschwiler das «Management Förderprogramm» an der WITS Business School in Südafrika. Seit 1995 ist Krucker bei Bühler in verschiedenen Positionen und Ländern weltweit tätig. Seine berufliche Laufbahn begann Raphael Krucker als für die Planung und Durchführung von Grossprojekten zuständiger Manager vor allem in Asien und Europa. 2006 startete er seine Vertriebskarriere als Area Sales Manager, 2010 trat er die Leitung für die Region Ostund Südafrika an. Im Januar 2014 übernahm er als Leiter Customer Service und Business Development die Verantwortung für die Region Naher Osten und Afrika; in dieser Position war Krucker Teil des Executive Leadership-Teams innerhalb die MEA-Region. In den Jahren 2014 und 2015 war er zusätzlich als Managing Director verantwortlich für die Vertriebs- und Serviceorganisationen in Pakistan und Nigeria. Seit Januar 2019 führt er als Managing Director die Region Ozeanien in Australien.

Raphael Krucker ist verheiratet und hat zwei Kinder. Zur Erfüllung seiner neuen Aufgabe wird Krucker mit seiner Familie aus der Ostschweiz in den Kanton Uri ziehen. LEADER | September 2019


KMU im Wettbewerb – liefern statt lafern Schweizer KMU-Tag St. Gallen 25.  Oktober 2019 Online-Anmeldung unter kmu-tag.ch Veranstalter

Hauptsponsoren

Kommunikationspartnerin

Medienpartner


Start-ups, Digitalisierung & Co. 11

schliesst erfolgrei› Dagsmejan che Finanzierungsrunde ab

›

gewinnt neue › Batterie-Start-up Investoren

Das St.Galler Jungunternehmen Dagsmejan Ventures AG hat bei

Sowohl das St.Galler Risikokapitalunternehmen Mountain Part-

einer Finanzierungsrunde über eine Million Franken eingenom-

ners AG als auch dessen Gründer Cornelius Boersch unterstüt-

men. Damit will der Hersteller von funktioneller Schlafmode die

zen die High Performance Battery Holding AG künftig finanziell

Expansion in die USA und neue Produkte finanzieren. Eine neue

und strategisch. Das Start-up aus Teufen entwickelt einen Fest-

Serie erscheint schon jetzt. An der Finanzierungsrunde hätten

stoff-Akku, bei dem als Elektrolyt eine anorganische Flüssigkeit

sich «erfahrene Business-Angel beteiligt», zu denen auch der

genutzt wird. Bei Lithium-Ionen-Akkus ist es eine organische.

Unternehmer Beat Curti zählt.

Diese Technologie sei «tiefentladefest, nicht entflammbar, langlebiger, kostengünstiger» und habe «eine um 50 Prozent ver-

HSG wechselt von Google auf Hulbee Die Universität St.Gallen setzt auf die Suchmaschine Hulbee und ersetzt damit die Google Search Appliance. Hulbee wird zentral Dokumente und Webseiten im gesamten Bereich der HSG

besserte Umweltbilanz im Vergleich zu herkömmlichen LithiumIonen-Batterien».

man vom Manager zum › Wie Leader wird

durchsuchen. Die Egnacher Hulbee Enterprise AG, das bereits

Nach dem erfolgreichen Referat über «Pfeifen» in Unternehmen

für die datensichere Websuchmaschine Swisscows bekannt ist,

bieten Christoph Lanter und Franz Zaugg einen Führungs-

bietet auch Suchmaschinen für Unternehmen an. Die HSG-

workshop «Vom Manager zum Leader» mit dem Ziel an, die

Mitarbeiter und -Studenten erhalten mit der Hulbee-Suchan-

notwendige Theorie in rasch umsetzbaren Strategien und Tools

wendung eine moderne und innovative Software für ihre tägli-

zu vermitteln. Er findet am 4. Oktober im Lilienberg Unterneh-

che Recherche nach wesentlichen Informationen, ob lokal oder

merforum statt. Die Teilnehmer werden dabei aktiv involviert

im Web.

und können ihre Anliegen oder Probleme gleich ad hoc in das Seminar als Fallbeispiele integrieren.

erstellt eigene Technolo› Acrevis LEADER-News gibt’s jetzt › Die gieplattform auch als Video Der St.Galler Acrevis Bank AG legt mit der Entwicklung einer

eigenen Technologie-Plattform die Basis für ihre weiteren Di-

Der LEADER hat nun einen eigenen Youtube-Channel. Wöchent-

gitalisierungsvorhaben. Dank der Zusammenarbeit mit den

lich werden darauf drei News aus der Ostschweiz kompakt prä-

IT-Dienstleistern Puzzle ITC und VSHN konnten innerhalb von

sentiert. Ebenso findet man dort die Imagefilme zu den LEADER-

sieben Monaten optimale Voraussetzungen für die Zukunft

Sonderausgaben. Die LEADER-Spotlights und -Imagefilme fin-

geschaffen werden. Die Two-Speed-Architektur der Plattform

den Sie entweder auf www.leaderdigital.ch/spotlights oder aber

erleichtert es Acrevis, künftige komplexe Anforderungen der

direkt auf dem LEADER-Youtube-Channel.

Digitalisierung zu meistern.

›

Zwei Millionen Risikokapital für OnlineDoctor

In Zusammenarbeit mit Startfeld St.Gallen und Startnetzwerk Thurgau.

Das St.Galler Health-Tech-Start-up OnlineDoctor AG hat rund zwei Jahre nach der Gründung erfolgreich eine Pre-Series-AFinanzierungsrunde durchgeführt. Insgesamt sind über CHF 2,5 Millionen Risikokapital in das Jungunternehmen geflossen. Alle bisherigen Investoren, darunter Forty: one und die Stiftung Startfeld, haben bei der neuen Finanzierungsrunde mitgewirkt. Zusätzlich konnten neue Investoren wie die Liechtensteiner Venture Capital Gesellschaft EquityPitcher überzeugt werden. Mit dem aufgenommenen Kapital soll das Wachstum weiter beschleunigt, die Internationalisierung vorangetrieben und die Plattform technisch weiterentwickelt werden.

Publizieren Sie Ihre Veranstaltung gratis auf leaderdigital.ch Ab sofort können Sie Ihre Veranstaltung selbst auf leaderdigital.ch/agenda eintragen. Damit wird die LEADER-Webseite zum One-Stop-Shop für News, Jobs und Events aus der wirtschaftlichen Ostschweiz. Voraussetzungen für einen Eintrag sind: Veranstaltungsort in der Ostschweiz (SG, AR, AI, TG, FL), öffentliche Veranstaltung mit noch freien Plätzen, wirtschaftsnahe Themen.

LEADER | September 2019


12 Schwerpunkt Eidgenรถssische Wahlen

Die drei Eidgenossen im Eingang des Bundeshauses werden nach den Wahlen viele alte Bekannte wiedersehen.

LEADER | September 2019


Schwerpunkt Eidgenössische Wahlen 13

Ein bisschen Klimawandel im Nationalrat Das links-grüne Lager wird am Abend des 20. Oktobers Grund zum Feiern haben, die erfolgsverwöhnte SVP muss dagegen wohl einige Federn lassen. Dieser nationale Trend wird sich auch in den Ostschweizer Kantonen niederschlagen, wie die Analysen auf den folgenden Seiten zeigen.

Die nationalen Wahlen vom 20. Oktober versprechen Spannung, auch wenn dramatische Verwerfungen in der Schweizer Parteienlandschaft nicht zu erwarten sind. Doch schon Verschiebungen um wenige Prozentpunkte können die Politik im Tagesgeschäft beeinflussen. Aktuell umfassen die Fraktionen von SVP und FDP zusammen 101 der 200 Nationalratssitze. Auch wenn Wilhelm Busch warnt «Es ist schwer vorherzusagen. Besonders die Zukunft» darf man davon ausgehen, dass es diese Mehrheit in der nächsten Legislaturperiode nicht mehr geben wird. Eine Mehrheit freilich, die schon heute zu relativieren ist, denn im Ständerat werden Mehrheiten ohne die vergleichsweise kleine SVP geschmiedet.

Im Nationalrat werden die Frauen wieder zulegen können. Deutliche Trends Obwohl der Wahlkampf in den Kantonen noch gar nicht richtig angelaufen ist, darf man bereits einige Vorhersagen wagen. Zum einen hängen Sitzgewinne oft von besonderen lokalen Konstellationen ab: im Kanton Thurgau etwa von den stets neu gestrickten Listenverbindungen, in Appenzell Innerrhoden wiederum von der Tatsache, dass zwei Bewerber der dominanten CVP um den einen Sitz im Nationalrat buhlen. Im Thurgau könnte die SVP Leidtragende der Umstände sein, in Innerrhoden könnte sie profitieren. Das SRG Wahlbarometer vom September prophezeit zum einen der SVP Verluste von 2,6 Prozent, zu den Verlieren gehören auch die CVP mit -1,4 und die BDP mit -1,5 Prozent Wähleranteilen. Grosse Gewinner sind die Grünen mit +3,4. Sie kommen auf über 10 Prozent und überholen knapp die CVP. Zulegen können auch die Grünliberalen mit +2,3 Prozent. SP (-0,1), FDP (+0,3) und EVP (-0,3) schneiden in der Wählergunst ähnlich ab wie 2015. Zum anderen gibt es deutliche Trends in der Wähler-

gunst. Dieser Trend entspricht der jüngsten Entwicklung: Berücksichtigt man die Ergebnisse aller Kantonsratswahlen seit 2015, dann hat das linksgrüne Lager insgesamt stark zugelegt. Die Nase vorn haben die Grünen, die landesweit 41 Sitze gewinnen konnten, wie die NZZ ausgerechnet hat. Die SP mit 23 und die GLP mit 16 zusätzlichen Mandaten unterstreichen den Trend, der schon vor den Klimaprotesten eingesetzt hat. Umgekehrt haben SVP (-39), CVP (-36) und BDP (-21) markante Sitzverluste eingefahren, nur die FDP wähnte sich lange auf einem Höhenflug (+29). Dann allerdings wurde Fliegen unsexy.

Die FDP wird zu Umweltpartei Die Klimadebatte hat die Freisinnigen nun ausgebremst, das erklärte Ziel von Parteichefin Petra Gössi, die SP im Nationalrat zu überflügeln, wird sie schwerlich erreichen. Vermutlich aber hat Gössi die FDP mit ihrer raschen und deutlichen Reaktion auf die Klimadiskussion vor grösserem Schaden bewahrt. Die Parteipräsidentin hat richtig erkannt, dass einem guten Teil der FDP-Basis Umwelt-Themen wichtig sind, jedenfalls wesentlich wichtiger, als sich dies in der Agenda der FDP-Fraktion im Bundeshaus spiegelt. Gössi ging nun quasi eine Wette ein: Mit der Rückbesinnung auf vergessene, aber durchaus vorhandene liberal-ökologische Tugenden kann eine Abwanderung von Stimmen insbesondere zu den Grünliberalen ein Stück weit unterbunden werden. Eine mögliche St.Galler Nationalrätin Susanne Vincenz-Stauffacher etwa könnte glaubwürdig Positionen vertreten, wie sie die Umweltfreisinnige St. Galler Ständerätin Erika Forster bereits verkörperte. Die Zahl der verärgerten FDP-Wähler, die sich wegen des neuen Kurses nun noch weiter nach rechts orientieren, dürfte dagegen überschaubar sein. Kann die FDP ihren Besitzstand am 20. Oktober nur schon wahren, dann hat Gössi einen guten Job gemacht. Die Knochenarbeit kommt dann allerdings erst. Im erneuerten Parlament wird das erstarkte linksgrüne Lager versuchen, mit einer Flut von Verboten und Einschränkungen Umweltpolitik zu betreiben. LEADER | September 2019


14 Schwerpunkt Eidgenössische Wahlen In diesem Umfeld vernünftige, konstruktive und tatsächlich liberale Gegenpositionen zu entwickeln, wird eine Herkulesaufgabe sein, zumal es an Verbündeten fehlt.

Es überrascht nicht, dass die SVP Thurgau demonstrativ auf das Sujet verzichtet.

Die SVP vergleicht ihre politische Konkurrenz mit Ungeziefer – die Thurgauer Kantonalpartei distanziert sich offiziell davon.

Kalkulierte Empörung Anders als die FDP kann die SVP von Besitzstandwahrung nur träumen. Sie wird auch in den nächsten vier Jahren die klar stärkste Partei bleiben, doch sie dürfte am Wahlsonntag einige Blessuren erleiden. Wie im Thurgau könnte die SVP in St.Gallen und in Ausserrhoden einen Sitz verlieren, weil sie weniger Stimmen holt und gleichzeitig die Konstellation ungünstig ist. Daran ändert auch der auf Krawall gebürstete Wahlkampf der nationalen Parteileitung wenig. Das Wahlsujet der SVP Schweiz mit dem wurmstichigen Apfel ist zuerst einmal schlicht widerlich, weil es sich ungeniert bei Nazi-Propaganda bedient. Seinerzeit im «Stürmer» wurden Juden als Ungeziefer dargestellt, heute sind es die anderen politischen Parteien («Linke und Nette») und die EU. Die Aussage ist auch höchst unschweizerisch: Unsere Demokratie lebt davon, dass Vertreterinnen und Vertreter unterschiedlichster Interessen erst für ihre Ideen kämpfen, dann aber miteinander um Lösungen ringen und einen Ausgleich suchen. Wer die anderen Parteien derart verunglimpft, ist offensichtlich nicht an Lösungen interessiert. Es überrascht deshalb nicht, dass die SVP Thurgau, die als staatstragende Partei seit je Lösungen erarbeiten muss, demonstrativ auf das Sujet verzichtet. Die Begründung auf der Website der Partei ist

liebenswürdig: «Für die SVP-Thurgau ist der Apfel ein positives Sujet, wir wollen, dass dies so bleibt!» Auch andere Ostschweizer SVP-Vertreter haben unmissverständlich ihren Unmut über das Wurm-Sujet kundgetan, etwa der Fraktionschef der St. Galler SVP im Kantonsrat, Michael Götte, oder der Ausserrhoder SVP-Nationalrat David Zuberbühler. Allein: Darauf, wo das Sujet der nationalen Dachkampagne als Plakat oder Inserat in der Ostschweiz auftauchen wird, haben die regionalen Exponenten kaum Einfluss. Eines muss man den Chefstrategen der SVP allerdings neidlos zugestehen: Sie haben erkannt, dass ihre üblichen Wahlkampfschlager nicht ziehen, dass das Schreckpotenzial von Migration und EU auch bei der eigenen Klientel nicht viel mehr als ein müdes Lächeln hervorruft. Mit dem sackgroben Foul an den Mitbewerbern haben sie es dennoch geschafft, die kalkulierbare Empörung der Gegner zu bewirtschaften, wochenlang die thematische Lufthoheit zu erobern und die Aufmerksamkeit vom Thema Klimawandel wegzulenken. Dabei hätte die SVP hier eine klare Position: Sie negiert ihn.

Kein Wort zu wichtige Themen Allerdings werden wir am 20. Oktober nicht einfach zu einer «Klimawahl» gerufen, wie uns Linke und Grüne eintrichtern. Die Schweiz hat auch viele andere dringende Hausaufgaben zu lösen. Als StandardTraktandum wird das Verhältnis zur EU nie von der Tagesordnung verschwinden, auch wenn einmal ein Rahmenvertrag unterzeichnet sein sollte. Die Globalisierung kann für die Schweiz weiterhin eine Erfolgsgeschichte sein, wenn sie clever agiert und rasch die Chancen neuer Technologien nutzt. Gerade hat die Finanzmarktaufsicht zwei Blockchain-Firmen eine Banklizenz ausgestellt, die Verwaltung zeigt sich erstaunlich aufgeschlossen. Von Kryptowährungen

Die SVP Thurgau verzichtet im Nationalratswahlkampf auf das Wurm-Plakat 23. August 2019

Für die SVP-Thurgau ist der Apfel ein positives Sujet, wir wollen dass dies so bleibt! In der Geschäftsleitung und im Kantonalverband wurde am 21. August beschlossen, dass diese umstrittenen Plakate im Thurgau nicht aufgestellt werden. Unsere Trümpfe sind die sehr guten Kandidatinnen und Kandidaten für den National- und Ständerat.

LEADER | September 2019


Schwerpunkt Eidgenössische Wahlen 15

Roland Eberle

Diese Ostschweizer treten im Oktober nicht mehr an (von links): Im Thurgau Ständerat Roland Eberle und Nationalrat Markus Hausammann (beide SVP), in St.Gallen Nationalrat Walter Müller (FDP), in Appenzell Innerrhoden Ständerat Ivo Bischofberger (CVP). Sein Nachfolger Daniel Fässler wurde bereits im April gewählt.

Markus Hausammann

Walter Müller

bis zu selbstfahrenden Autos konfrontiert die Digitalisierung die Politik mit unzähligen Fragestellungen, beschäftigen damit wollen sich aber nur die wenigsten. Auch Themen wie die Sanierung der Sozialwerke oder die ausufernden Gesundheitskosten eignen sich offenbar nicht als Wahlkampfschlager. Gerade auch die SP muss sich in diesem Wahlkampf bemühen, in der grünen Euphoriewelle die eigene Position zu behaupten. Insgesamt dürfen die Sozialdemokraten aber zuversichtlich in die Wahlen gehen. Die Grünen liegen im Trend und können auch in der Ostschweiz einen, vielleicht sogar zwei Sitze gewinnen. Ein übermütiger Angriff der Grünen auf einen bürgerlichen Bundesratssitz im Dezember dürfte aber aussichtslos bleiben.

Frauen im Aufwind Trotz Frauenstreik-Reprise dürfte die Zusammensetzung des Ständerats in der nächsten Legislatur tendenziell noch männlicher ausfallen als heute. Im Nationalrat dagegen werden die Frauen wieder zu-

Ivo Bischofberger

legen können. Die Zahl der Kandidatinnen auf den verschiedenen Listen ist gewachsen, im Thurgau beispielsweise belegen Frauen fast 44 Prozent der Listenplätze. Das ist eine positive Entwicklung, doch entscheidend ist, auf welchen Listen und an welcher Stelle die Frauen stehen. Der Thurgau jedenfalls wird drei Frauen und drei Männer in den Nationalrat und je einen Mann und eine Frau in den Ständerat schicken. In den drei anderen Ostschweizer Kantonen sieht es für die Frauen zumindest im Nationalrat ziemlich gut aus. Beide Appenzell könnten jeweils einen Sitz mit einer Frau besetzen, und in St.Gallen könnten fünf der zwölf Sitze in Frauenhand landen. Könnte – Wahlprognosen leben vom Konjunktiv. Am 20. Oktober wissen wir mehr, und dann mag für Propheten gelten, was auch für Politiker gilt: «Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern?». Text: Philipp Landmark Bilder: zVg, Screenshot, Philipp Landmark, Parlamentsdienste, 3003 Bern

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LEADER | September 2019


16 Schwerpunkt Wahlen SG

Die Mehrheiten im Bundeshaus werden sich am 20. Oktober verschieben.

SVP und CVP verlieren einen Sitz Ständerat Ausgangslage Ständeratswahlen im Kanton St.Gallen waren zuletzt meist Blockbuster, weil nationale Schwergewichte gegeneinander antraten: Karin Keller-Sutter, Toni Brunner, Paul Rechsteiner. Die Freisinnige ist inzwischen Bundesrätin, der einstige SVP-Präsident blieb mit seinem Angriff erfolglos. Nach wie vor im Stöckli sitzt jedoch der frühere Gewerkschaftsboss Paul Rechsteiner. Rechsteiner ist der Dinosaurier im Bundeshaus, er wurde 1986 in den Nationalrat gewählt und galt schon vor seiner ersten Kandidatur für den Ständerat 2011 als «Sesselkleber». Dass der sture Gewerkschafter damals die Wahl geschafft hat, hat er der Uneinigkeit der bürgerlichen Mitbewerber zu verdanken. Eigentlich ist die SP zu schwach, um

einen St.Galler Ständeratssitz zu erobern, doch die traditionelle Unfähigkeit von SVP, FDP und CVP, im entscheidenden Moment gemeinsame Interessen über eigene Ansprüche zu stellen, könnte Rechsteiner einen erneuten Triumph verschaffen. Allerdings ist die Wahl 2011 aus Sicht der bürgerlichen Parteien auch wirklich dumm gelaufen. Während Karin Keller-Sutter mit einem Traumresultat gewählt wurde, blieb der zweite Sitz noch leer. In Führung lag Toni Brunner vor dem amtierenden CVP-Ständerat Eugen David, der aber für Freund und Feind überraschend das Handtuch warf. Im zweiten Wahlgang schickte die CVP den politisch unerfahrenen Michael Hüppi ins Rennen, der zwischen Brunner und Rechsteiner chancenlos blieb. Der SozialLEADER | September 2019


Schwerpunkt Wahlen SG 17

Benedikt Würth

Die beiden Amtsinhaber Benedikt Würth (CVP) und Paul Rechsteiner (SP) sowie die beiden Herausforderer Marcel Dobler (FDP) und Roland Rino Büchel (SVP) haben alle realistische Chancen, St.Gallen die nächsten vier Jahre im Ständerat zu vertreten.

Paul Rechsteiner

Marcel Dobler

demokrat hatte im Ziel schliesslich knapp die Nase – oder vielleicht eher den berühmten Schnauz – vorne. Vier Jahre später sah vermeintlich es besser aus. Der chancenlose CVP-Kandidat Thomas Ammann trat nicht zum zweiten Wahlgang an, trotzdem konnte SVP-Nationalrat Thomas Müller als einziger bürgerlicher Kandidat Rechsteiner nicht gefährden. Inzwischen hat die CVP ihren Sitz im Stöckli mit Regierungsrat Beni Würth auf Kosten der FDP und ihrer Kandidatin Susanne Vincenz-Stauffacher zurückerobert. Für die Gesamterneuerungswahlen 2019 haben nun nicht weniger als sieben Parteien eine Kandidatur angemeldet; Würth dürfte bei dieser Konstellation gute Chancen haben, seine erst wenige Monate alte Ständeratskarriere fortsetzen zu können. Hingegen könnte es für Paul Rechsteiner ungemütlich werden, wenn die Bürgerlichen ihren Part clever spielen. Die FDP hat mit Marcel Dobler einen amtierenden Nationalrat nominiert, ebenso die SVP mit Roland Rino Büchel. Alle vier Herren haben eine realistische Chance zu reüssieren. Bei den drei weiteren Kandidaturen geht es in erster Linie darum, die eigene Nationalratskandidatur zu promoten: Franziska Ryser (Grüne) und Pietro Vernazza (Grünliberale) könnten tatsächlich ein Mandat in der grossen Kammer erobern, bei Norbert Feldmann von der BDP würde dies an ein Wunder grenzen.

Prognose Im ersten Wahlgang dürften für alle Kandidierenden die Trauben zu hoch hängen, das absolute Mehr wird bei über 70'000 Stimmen liegen, was selbst für den aus der Pole-Position startenden Beni Würth schwierig zu erreichen ist. Er müsste im Vergleich zu seiner Wahl im Mai mindestens 20'000 Stimmen zulegen. Unmöglich ist das nicht, die Wahlbeteiligung wird bei der Gesamterneuerungswahl höher sein, und bei zwei freien Linien könnte der Name Würth auf manchem Stimmzettel stehen.

Roland Rino Büchel

Sie nutzen die Ständeratswahl vor allem als Schaulaufen: Franziska Ryser (Grüne), Pietro Vernazza (GLP) und Norbert Feldmann (BDP).

Wahrscheinlicher ist aber dieser Ausgang: Würth führt die Rangliste nach dem ersten Wahlgang an, ist aber noch nicht gewählt. Dahinter liegen dicht beieinander Paul Rechsteiner, Marcel Dobler und Roland Rino Büchel. Franziska Ryser holt vor Pietro Vernazza Platz fünf, abgeschlagen ist Norbert Feldmann. Würth und Rechsteiner treten zum zweiten Wahlgang am 17. November selbstverständlich wieder an. Das folgende Szenario ist vielleicht Wunschdenken, aber man muss ja nicht von vornherein ausschliessen, dass die Bürgerlichen dazulernen können: Die SVP zieht ihren etwas schlechter plazierten Kandidaten zurück und unterstützt Marcel Dobler. Die FDP sagt dafür jetzt schon zu, bei den kommenden Regierungsratswahlen den Anspruch der SVP auf zwei Sitze (und damit wohl Kandidatin Esther Friedli) zu unterstützen. Nach 33 Jahren unter der Bundeshauskuppel könnten die Bürgerlichen so Paul Rechsteiners nationale Karriere beenden. Ruhig dürfte es um die SP-Ikone deshalb noch lange nicht werden.

Ergebnis: Benedikt Würth (CVP, bisher) und Marcel Dobler (FDP, neu) werden im zweiten Wahlgang gewählt. LEADER | September 2019


18 Schwerpunkt Wahlen SG

Nationalrat Ausgangslage Bei den letzten Nationalratswahlen gewannen SVP und FDP je einen Sitz dazu, für beide Parteien ist nun die Besitzstandswahrung das vordringliche Ziel. Vor vier Jahren verloren die Grüne Yvonne Gilli und die Grünliberale Margrit Kessler den jeweils einzigen Sitz ihrer Partei. Beide Gruppierungen dürfen sich 2019 nun berechtigte Hoffnungen machen, wieder ins Bundeshaus einziehen zu können. Analyse der Listen 255 Kandidierende buhlen im Kanton St.Gallen auf 25 Listen um die Gunst der Wählerinnen und Wähler. Die SVP hat vier eigene Listen am Start. Auf der Hauptliste treten die fünf Bisherigen Lukas Reimann, Thomas Müller, Roland Rino Büchel, Barbara KellerInhelder und der für Toni Brunner nachgerutschte Mike Egger wieder an. Daneben gibt es eine Seniorenliste, eine Landliste und eine Unternehmerliste – aber keine Liste der Jungpartei. Zusätzlich ist die SVP mit der Liste der EDU verbunden. Auffallend ist der über alle fünf Listen hinweg tiefe Frauenanteil von 14,5 Prozent (8 Frauen zu 47 Männern). Vier Listen hat auch die CVP aufgestellt, je eine Liste Hauptliste Nord-West und Süd-Ost plus je eine geographisch gleich sortierte Liste der Jungen CVP. Der Frauenanteil beträgt einen Viertel, wobei es die Jungparteien sind, die den Schnitt drücken. Auf den Hauptlisten finden sich mit Kantonsrätin Yvonne Suter, der früheren Stadtparlamentarierin Trudi Cozzio oder der Degersheimer Gemeindepräsidentin Monika Scherrer einige starke Frauen, trotzdem werden die Nationalratssitze unter den bisherigen CVP-Männern ausgemacht werden. Die CVP tritt mit einer Reihe von Verbündeten an, die höchst unterschiedliche Ambitionen haben. Die EVP, seit 2016 nicht mehr im Kantonsrat vertreten, will wohl einfach ein Lebenszeichen senden. Die BDP wird den Sprung nach Bern auch nicht schaffen, gerade noch fünf Männer liessen sich für die Liste gewinnen. Damit wird der BDP-Slogan «langweilig, aber gut» nur zur Hälfte umgesetzt: fünf Männer sind langweilig, aber nicht gut. Die GLP dagegen rechnet sich einen Sitzgewinn aus – der auf Kosten der CVP gehen könnte. Auf dieser Liste finden sich spannende Namen, etwa Jörg Tanner, der Gemeindepräsident von Sargans, der angesehene HIV-Spezialist Pietro Vernazza oder der Berater Oliver Schmid-Schönbein – er verfasste einst die erste Umweltbilanz einer Schweizer Bank. Die FDP tritt nach dem Rücktritt von Walter Müller mit einem amtsjungen bisherigen Nationalrat an, und dieser, Marcel Dobler, soll es gleich auch noch als Ständeratskandidat richten. Auf der Hauptliste wie auch auf der Liste der Umweltfreisinnigen besetzen die Frauen nur einen Drittel der Plätze, doch stehen bei der FDP mit Susanne Vincenz-Stauffacher und Karin Weigelt zwei Frauen besonders im Fokus.

Der Jungfreisinn bringt es auf gerade mal zwei Frauen gegenüber zehn Männern – dafür präsentiert die FDP zwölf weitere Frauen auf einer reinen Frauenliste. Auf der Liste der Umweltfreisinnigen finden sich mit dem früheren Kantonsplaner Ueli Strauss und dem Rorschacher Stadtrat Ronnie Ambauen zwei bekannte Namen. Die SP tritt mit einer typischen 50:50-Liste an – angeführt von den beiden bisherigen Nationalrätinnen Barbara Gysi und Claudia Friedl. Dahinter reihen sich bekannte Namen der St. Galler Sozialdemokratie ein. Mit dabei ist der Gossauer Kantonsrat Ruedi Blumer, der neu als nationaler Präsident des VCS amtet, womit er im links-grünen Milieu punkten dürfte. Neben der Hauptliste, die traditionell «SP und Gewerkschaften» heisst, treten auch die Juso an. Die Grünen sind eine Listenverbindung mit der SP eingegangen, auch sie präsentieren eine ausgeglichene Hauptliste und einen 50:50-Mix bei den «KlimaseniorInnen»; die Jungpartei kommt mit einer knappen Frauenmehrheit. Mit der jungen, ambitionierten Stadtparlamentarierin Franziska Ryser, einer ETH-Maschineningenieurin, und der früheren Nationalrätin Yvonne Gilli werden wohl auch zwei Frauen die besten Stimmensammlerinnen bei den Grünen sein.Keine Rolle spielen werden die Listen der Schweizer Demokraten, die Einzelmaske «Der Pflug» und das Grüppchen Parteifreier.

Prognose Mit geschickten Listenverbindungen kann sich eine Partei zusätzliches Stimmpotenzial erschliessen. Für die St. Galler CVP könnte der Schuss dieses Mal aber nach hinten losgehen: Der Gemischtwarenladen aus CVP, EVP, BDP und GLP dürfte zwar komfortabel jene drei Sitze holen, die heute von der CVP besetzt werden, für vier Sitze reicht es nicht. Innerhalb der Listenfamilie könnte die wiedererstarkte GLP der CVP ein Mandat wegschnappen. Die CVP hat als einzige Partei zwei Hauptlisten, die geografisch sortiert sind. Auf der Liste Nord-West wird Nicolo Paganini wahrscheinlich wiedergewählt, die Liste Süd-Ost mit zwei Bisherigen muss ein Mandat abgeben. Hier hat vor vier Jahren Bauerngeneral Markus Ritter deutlich mehr Stimmen als Thomas Ammann geholt, Ammann ist akut gefährdet. Von der gut besetzten, ausgeglichenen GLP-Liste kommen einige Köpfe als neue Nationalräte in Frage, neben Chefarzt und Ständeratskandidat Pietro Vernazza sind dies etwa aus dem St.Galler Stadtparlament Nadine Cloé Niederhauser, eine Augenärztin, und Thomas Brunner, ein Klimatologe. Die SVP wird es auch mit vier Listen schwer haben, nur schon ihre eigene, klar begrenzte Basis zu mobilisieren. Den fünften Sitz muss sie wieder abgeben. Treffen dürfte es Barbara Keller-Inhelder. Mike Egger, der vor vier Jahren noch hinter ihr lag, hat sich als Kandidat für die Ständeratsersatzwahl im Frühling einige Sympathiepunkte erarbeitet, er dürfte Keller überholen. Möglich ist aber, dass gleich zwei LEADER | September 2019


Schwerpunkt Wahlen SG 19

v.l.n.r. Barbara Keller-Inhelder, Esther Friedli, Michael Götte

Lukas Reimann

Roland Rino Büchel Die SVP wird vermutlich nur noch vier Nationalräte stellen: Lukas Reimann, Roland Rino Büchel, Thomas Müller und Mike Egger. Für die bisherige Barbara Keller-Inhelder wird die Luft dünn. Chancen, ganz nach vorne zu kommen, haben auch Esther Friedli und Michael Götte.

Thomas Müller

Mike Egger

Hinter Marcel Dobler dürfen sich Susanne VincenzStauffacher, Karin Weigelt und Stefan Britschgi Hoffnungen auf einen der zwei FDP-Sitze machen. Wird Dobler im November Ständerat, könnte die FDP von zwei Frauen vertreten werden.

Marcel Dobler

Susanne Vincenz-Stauffacher

v.l.n.r. Karin Weigelt, Stefan Britschgi

Bei der CVP werden wohl Markus Ritter und Nicolo Paganini wieder nach Bern fahren, Thomas Ammann könnte die Wiederwahl verpassen. Hinter den drei Männern dürften sich auf den CVP-Listen Frauen wie Yvonne Suter die Ehrenplätze holen.

Markus Ritter

Nicolo Paganini

v.l.n.r. Yvonne Suter, Thomas Ammann

LEADER | September 2019


20 Schwerpunkt Wahlen SG

v.l.n.r. Arber Bullakaj, Bettina Surber, Ruedi Blumer

Barbara Gysi

Claudia Friedl

Die SP verteidigt mit den zwei Nationalrätinnen Barbara Gysi und Claudia Friedl ihre beiden Sitze. Dahinter fighten wie gehabt Arber Bullakaj und Bettina Surber, aber auch Ruedi Blumer um den potenziellen Nachrücker-Platz.

Bei den Grünliberalen könnte Ständeratskandidat Pietro Vernazza die zusätzliche Publizität für den Einzug in den Nationalrat nutzen. Chancen haben auch Nadine Cloé Niederhauser und Thomas Brunner.

Pietro Vernazza

Yvonne Gilli

Franziska Ryser

v.l.n.r. Nadine Cloé Niederhauser, Thomas Brunner

Die Grüne – Spitzenkandidatin Franziska Ryser hat ein Nationalratsmandat in Reichweite – gefährlich werden könnte ihr Listen-intern Yvonne Gilli, die schon grüne Nationalrätin war.

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Stefan Britschgi

LISTE 04a.03 20. Okt. 2019

in den Nationalrat

Unser aktiver Zukunftsgestalter ww w.stefan-britsch

gi.ch

LEADER | September 2019


Kolumne 21 Bisherige über die Klinge springen müssen, da sich unter anderen Esther Friedli und Michael Götte sich weit oben in der SVP-Hierarchie plazieren könnten. Für die knapp Nicht-Gewählten gibt es zwei Hintertürchen in den Nationalratssaal: Ein vorzeitiger Rücktritt von Thomas Müller oder eine Wahl von Roland Rino Büchel in den Ständerat. Sollte Esther Friedli tatsächlich gewählt werden und Gefallen an ihrem Mandat finden, könnte der SVP im kommenden März die logische zweite Regierungsratskandidatin fehlen. Die Listenverbindung von SP und Grünen wird vor allem wegen Zugewinnen der Grünen drei Sitze holen, wie gehabt zwei für die SP und ein gewonnener neuer Sitz für die Grünen. Viele Stimmen wird die frühere Nationalrätin Yvonne Gilli sammeln, nach Bern fahren wird aber Franziska Ryser, die ja auch von den Grünen selbst als Spitzenkandidatin gepusht wird und mit ihrer Ständeratskandidatur im Rampenlicht steht. Bei der SP können die beiden bisherigen Nationalrätinnen Barbara Gysi und Claudia Friedl die interne Konkurrenz auf Distanz halten. Arber Bullakaj und Bettina Surber lagen vor vier Jahren rund 10'000 Stimmen hinter der zweitplazierten Friedl. Denkbar ist aber, dass Friedl im Lauf der Legislatur zurücktritt, deshalb kann Platz drei bei der SP einen Karriereschritt bedeuten.

Eidgenössische Wahlen am 20. Oktober 2019. Die FDP kann ihr Ergebnis und damit den zweiten Sitz knapp halten. Sollte es Marcel Dobler in den Ständerat schaffen, würde St.Gallen gleich zwei neue Gesichter in die FDP-Fraktion delegieren, gut möglich, dass es auch zwei Frauen sind. Erste Anwärterin für einen Sitz ist Susanne Vincenz-Stauffacher, die sich im Frühjahr mit ihrer Ständeratskandidatur Respekt weit über die Parteigrenzen hinaus erarbeitet hat – und die mit ihrem politischen Profil auch glaubwürdig für eine liberale Umweltpolitik steht. Dahinter hat Karin Weigelt das Potenzial, von Null auf Hundert Nationalrätin zu werden. Dass dies geht, hat ja vor vier Jahren bereits Marcel Dobler bewiesen. Weigelt ist omnipräsent, betreibt vermutlich den aufwändigsten Wahlkampf in der ganzen Ostschweiz, steht für die junge Generation und aktuelle Themen wie etwa die Digitalisierung. Nicht unterschätzen sollte man aber den gut vernetzten Rheintaler Kantonsrat Stefan Britschgi. Nach dem Rücktritt von Walter Müller wird die Bauernlobby alles daran setzen, mit ihm wieder einen FDP-Landwirt nach Bern zu schicken.

Ergebnis: Gewählt werden Lukas Reimann (SVP), Thomas Müller (SVP), Roland Rino Büchel (SVP), Mike Egger (SVP), Susanne Vincenz Stauffaucher (FDP), Marcel Dobler (FDP, wird am 17. November in den Ständerat gewählt, Karin Weigelt rückt nach), Markus Ritter (CVP), Nicolo Paganini (CVP), Pietro Vernazza (GLP), Barbara Gysi (SP), Claudia Friedl (SP), Franziska Ryser (Grüne). Text: Philipp Landmark Bilder: zVg, Parlamentsdienste, 3003 Bern

«Go!» statt «No Go!» Befragungen zeigen, dass zahlreiche Bürger der Urne fernbleiben, weil sie gerade in den Ferien weilten, keine Zeit oder Lust hatten oder den Termin verpassten. Dies befremdet, würden doch viele Menschen auf unserer Welt gerne frei wählen. Ein Privileg, das wir in unserem Land seit dem 19. Jahrhundert besitzen und das über die briefliche Wahl mehrere Wochen lang genutzt werden kann.

Teilnahme = Teilhabe Ja, es kostet etwas Zeit, den Wahlzettel auszufüllen und das Couvert rechtzeitig zum nächsten Briefkasten bringen. Richtig ist auch, dass nur wenige Wählerinnen und Wähler die Kandidatinnen und Kandidaten der verschiedenen Parteilisten persönlich kennen. Es stimmt auch, dass wir mehrere Male pro Jahr an die Urne gerufen werden. Und trotzdem sollte das Wahlrecht genutzt werden. Wer nicht wählt, überlässt die gesellschaftliche und persönliche Entwicklung anderen. Liste einlegen Wer unser Wahlsystem nur rudimentär kennt, der legt eine einzige, unveränderte Parteiliste ins Couvert. Wer taktisch wählen möchte, streicht oder verdoppelt Personen auf seiner ausgewählten Parteiliste oder «importiert» gegebenenfalls noch Personen anderer Parteilisten. Wichtig ist einfach, dass die Wählerinnen und Wähler sich für eine Partei respektive eine Liste entscheiden. Am besten für jene, die ihnen von den Werten, den Inhalten und den handelnden Akteuren her am nächsten steht. Verantwortung übernehmen Dies sollte möglich sein. Arbeiten die Parteien doch über Jahre daran, eine attraktive, den eigenen Werten verpflichtete, sichtbare Politik zu betreiben, die am Tag der National- und Ständeratswahlen vom 20. Oktober 2019 honoriert werden soll. Insofern rufe ich auf, das eigene Wahlrecht nicht zu verschenken. Unsere Zukunft hängt von den erzielten Mehrheiten am Wahltag und der Teilnahme an der Wahl ab! Eine Nichtwahl ist zulässig, ein «GO!» ist aber verantwortungsbewusster als ein «NO GO!»

Dr. rer. publ. HSG Sven Bradke Wirtschafts- und Kommunikationsberater, Geschäftsführer der Mediapolis AG in St.Gallen LEADER | September 2019


22 Schwerpunkt Wahlen AR

FDP erkämpft Sitz zurück

Die hauchdünne Mehrheit der Fraktionen von SVP und FDP im Nationalrat wird nicht Bestand haben.

LEADER | September 2019


Schwerpunkt Wahlen AR 23

Ständerat Ausgangslage Der vormalige Nationalrat Andrea Caroni wechselte vor vier Jahren ganz selbstverständlich in den Ständerat. Nicht erst seit dann gilt der Jurist als Schwergewicht. Auch wenn man Rankings nicht überbewerten sollte: Dass die «Sonntagszeitung» Caroni als einflussreichsten Ostschweizer Parlamentarier unter der Bundeshauskuppel einstuft, kommt nicht von ungefähr. Er ist einer, der staatlichen Institutionen klare Aufgaben zuweisen und klare Grenzen aufzeigen will. Einer, der seine konsequent liberale Haltung auch dann durchzieht, wenn er damit garantiert keinen Applaus holen kann – etwa, wenn er sich für die Legalisierung der Polygamie ausspricht. Andrea Caroni sitzt so fest im Sattel, dass es lange Zeit so aussah, als ob sich niemand an ihm die Zähne ausbeissen wolle – auch nicht jemand aus den Reihen der SVP, die ja einhellig Unterstützung für den FDP-Ständerat signalisiert hatte. Dies, obwohl die Freisinnigen der SVP das Nationalsratsmandat streitig machen. Doch dann kündigte der Herisauer SVP-Einwohnerrat Reto Sonderegger völlig überraschend seine Kandidatur an: ohne Absprache und ohne Unterstützung seiner Partei. Sonderegger wolle eine Auswahl bieten, teilte er mit. In einem Flugblatt wird er dann konkreter: Die FDP, schreibt er, sei die Partei der Bonzen, Shareholder, Konzerne und Banken und stehe für die Ausbeutung des Mittelstandes. Sonderegger wirbt mit SVP-Klassikern (gegen Minarette, gegen die EU), spricht sich aber auch für eine Einheitskrankenkasse oder für ein 5G-Moratoium aus. Prognose Reto Sonderegger ist mit seiner wilden Themenmischung eine Art Antithese zu Amtsinhaber Caroni, trotzdem dürfte er nicht einmal seine eigenen Parteigänger oder alle Caroni-Gegner auf sich vereinen. FDP-Ständerat Andrea Caroni verteidigt seinen Sitz souverän.

Nationalrat Ausgangslage Ob die Nationalratswahl 2015 in Appenzell Ausserrhoden «historisch» war, bleibe dahingestellt. Die FDP jedenfalls, die erstmals überhaupt ohne Nationalratsmandat dastand, hätte wohl nichts dagegen, wenn dies ein Ausrutscher bliebe und in den Geschichtsbüchern übergangen würde. Der amtierende FDP-Nationalrat Andrea Caroni wurde ohne Gegenkandidaten mit guten 12 308 Stimmen zum Ständerat und damit zum Nachfolger von Hans Altherr gewählt. Caronis Nachfolger hätte

nach Drehbuch der FDP der heutige Direktor der IHK St.Gallen/Appenzell Markus Bänziger werden sollen. Doch Bänziger landete mit 5949 Stimmen in einem Dreikampf nur auf Platz zwei: Vor SP-Mann Jens Weber, der auf 5058 Stimmen kam, aber hinter SVP-Kandidat David Zuberbühler, dem 6394 Stimmen zum komfortablen Sieg reichten. Ein Sieg, über den sich die SP mindestens so sehr ärgerte wie die FDP: Schon früh signalisierten die Ausserrhoder Genossen, dass sie auf eine eigene Kandidatur verzichten würden, wenn die FDP mit einer progressiven Frau antreten würde. Hauptsache, «dä Zubi» und damit die SVP werden ihren Sitz wieder los. Dabei ist ein Ausserrhoder SVP-Nationalrat gar nicht so aussergewöhnlich: In den letzten Legislaturperioden vor 2003, als der grössere Appenzeller Halbkanton noch zwei Vertreter in die grosse Kammer entsenden konnte, fuhr die Freisinnige Dorle Vallender zusammen mit Jakob Freund von der SVP nach Bern. Freund verlor seinen Sitz, als Ausserrhoden 2003 nur noch ein Mandat besetzen konnte und Marianne Kleiner von der FDP reüssierte. Wurden bei der Nationalratswahl bis dahin zahlreiche Listen von der Autopartei über die Gewerkschaften, der CVP, der SP, den Parteilosen und dem Komitee des früheren Nationalrats Herbert Mäder gebildet, wurde aus der Ausmarchung ab 2003 eine Personenwahl mit weniger Bewerberinnen und Bewerbern.

Analyse der Kandidaturen In Ausserrhoden wird die Nationalratswahl zu einem Zweikampf. David Zuberbühler hat als SVP-Nationalrat zwar keine grossen Stricke zerrissen, er hat aber Sympathien gewonnen. Früh schon distanzierte er sich vom Apfel-Wurm-Sujet der SVP Schweiz und betonte, dass er über die Parteigrenzen hinaus arbeiten wollte. Derweil kam die FDP bei ihrer Operation Rückeroberung des Nationalratsmandats ins Trudeln. Zuerst präsentierte sie der Partei die erwartete Kandidatin Daniela Merz-Sturzenegger, doch dann musste Merz ihre Kandidatur aus gesundheitlichen Gründen zurückziehen. Immerhin: Die Ausserrhoder Liberalen schafften es, innert kurzer Frist mit Jennifer Abderhalden eine valable neue Kandidaten auf den Schild zu heben. Die 41-Jährige hat ein Lizentiat als Juristin sowie einen Master in Rechnungswesen und arbeitet als Stabschefin in der Direktion Inneres und Finanzen der Stadt St.Gallen, hat aber noch keine politische Ämter inne. Den vermeintlichen Makel, eine Ersatzlösung zu sein, kann die Freisinnige bei persönlichen Auftritten erstaunlich schnell vergessen machen. Prognose In Ausserrhoden wird der einzige Nationalratssitz im Proporzverfahren gewählt. Es gibt kein absolutes LEADER | September 2019


24 Schwerpunkt Wahlen AR

David Zuberbühler

Reto Sonderegger

Jennifer Abderhalden

Andrea Caroni

Jennifer Abderhalden (FDP) könnte Nationalrat David Zuberbühler (SVP, bisher) den Sitz wegschnappen.

Ständerat Andrea Caroni (FDP, bisher) bekommt mit Reto Sonderegger (inoffizieller SVP-Kandidat) doch noch etwas Konkurrenz.

Mehr. Wer am meisten Stimmen auf sich vereinigt, fährt nach Bern. Eine einzige Stimme könnte das Duell Zuberbühler-Abderhalden also entscheiden. Das Rennen ist offen. Zuberbühler hat den Bonus als Bisheriger. Zudem hört man in Ausserrhoden da und dort den Wunsch, dass nicht beide Berner Mandate von einer einzigen Partei gehalten werden sollten. Trotzdem müsste sich Jennifer Abderhalden auf eine wesentlich breitere politische Basis abstützen können als ihr Gegner. Bei den letzten Kantonsratswahlen in Ausserrhoden war die FDP mit 24 Sitzen klar stärkste Gruppierung, danach kam die SP mit 9 Mandaten und erst dann die SVP mit 7 Sitzen. (die 20 Parteilosen haben sich verschiedenen Fraktionen angeschlossen). Als KMU-Mann hat Zuberbühler in einem Hearing beim Ausserrhoder Gewerbeverband gepunktet und sich dessen Unterstützung gesichert. Der Verband Industrie AR unterstützt dagegen Jennifer Abderhalden, weil ihre Positionen – etwa das

zum Rahmenabkommen – dort besser ankommen. Mit ihrem gesellschaftspolitischen Profil erfüllt Abderhalden auch den Wunsch der SP nach einer progressiven, liberalen Kandidatin. Auch die CVP dürfte eher zu Abderhalden neigen, die EVP unterstützt sie bereits. Damit müsste die FDP trotz Startschwierigkeiten ihr Ziel eigentlich erreichen und den verlorenen Nationalratssitz zurückerobern. Die FDP könnte also bereits die dritte Frau nach Bern schicken.

Ergebnis: Die SVP verliert den einzigen Sitz an die FDP. Jennifer Abderhalden wird gewählt.

Text: Philipp Landmark Bilder: zVg, Parlamentsdienste, 3003 Bern

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ARKE T S E R E UNS BERN N I E M M STI FÜR DEN NATIONALRAT: LISTE 2 LEADER | September 2019


Schwerpunkt Wahlen AI 25

In anderen Kantonen wird um die Sitze im Ständerat noch gefightet, Innerrhoden hat seinen Sitz bereits im Frühjahr neu besetzt.

CVP macht sich das Leben schwer Ständerat Ausgangslage Die einzig wirklich sichere Wahlprognose in der Ostschweiz kann für den Ständeratssitz von Appenzell Innerrhoden gemacht werden. Der Nachfolger des zurücktretenden Ivo Bischofberger ist nämlich bereits an der Landsgemeinde im April gewählt worden: Es ist der bisherige Nationalrat und langjährige Innerrhoder Landammann Daniel Fässler. Fässler ist wie sein Vorgänger ein CVP-Mann und war der Favorit für diese Wahl. Keine Chance hatte der frühere Säckelmeister Thomas Rechsteiner, ein Regierungskollege von Fässler und ebenfalls ein CVP-Mitglied. Rechsteiner war an der Landsgemeinde anonym portiert worden. Er hätte, obwohl er nicht offiziell kandidierte, eine Wahl angenommen, wie er damals erklärte. Jedenfalls scheint ihm der Gedanke, künftig in Bern zu politisieren, zu gefallen, weshalb er nun als Nationalrat kandidiert. Prognose Erübrigt sich.

Nationalrat Ausgangslage 2011 wie 2015 wurde der von der CVP portierte Daniel Fässler deutlich als Nationalrat gewählt, sein Gegenspieler war in beiden Wahlen der Innerrhoder SP-Präsident Martin Pfister. Während Fässler jeweils über 3000 Stimmen erhielt, landete Pfister erst etwas über, dann deutlich unter 800 Stimmen. Analyse der Kandidaturen Trotz diesem Negativtrend tritt der tapfere Sozialdemokrat Martin Pfister dieses Jahr ein drittes Mal an. Er wolle, sagt er, eine Alternative zur CVP-Dominanz bieten und die bürgerliche Parlamentsmehrheit in Bern beenden. Immerhin weiss er, dass er nicht mehr von Daniel Fässler geschlagen werden kann: Der CVP-Mann hat mit dem Wechsel in den Ständerat den Weg für eine neue Kraft frei gemacht. Spannung in die Ausmarchung bringt aber eine andere Kraft: Die SVP schickt mit Säckelmeister Ruedi Eberle ein Mitglied der Regierung in den Wahlkampf. Zuletzt trat die SVP 1999 gegen die CVP an und LEADER | September 2019


Auf den Punkt bringen, was Sache ist! Thomas

Müller

Wieder in den Nationalrat

Liste 1a

www.svp-sg.ch

Nationalrat

BISHER

TE 4 LIS . Oktober 2019 20

Marcel

Dobler

in den Ständerat , die wirkt! Wirtschaftliche Power www.marcel-dobler.ch

Attila Wohlrab in den Nationalrat

Miliz – Wirtschaft – Umwelt – Punkt

attilawohlrab.ch

LEADER | September 2019


Schwerpunkt Wahlen AI 27

v.l.n.r.Thomas Rechsteiner, Ruedi Eberle, Martin Pfister

Daniel Fässler (CVP) steht bereits als neuer Innerrhoder Ständerat fest.

Die offizielle Nationalratskandidatin der CVP, Antonia Fässler, bekommt Konkurrenz von Thomas Rechsteiner (CVP, inoffiziell), Ruedi Eberle (SVP) und Martin Pfister (SP).

GÖTTE G GÖTTE GÖTTE Michael

verlor im Verhältnis drei zu eins. Wie stark die SVP in Innerrhoden heute ist, lässt sich schwer abschätzen, zumal bei kantonalen Wahlen nicht mit Parteilisten gewählt wird. Selbstverständlich will die CVP ihre Vormachtstellung behaupten. Für den internen Nominationszweikampf traten Antonia Fässler, seit 2010 Statthalterin (Mitglied der Kantonsregierung, Gesundheits- und Sozialdepartement), und der frühere Säckelmeister Thomas Rechsteiner an. Fässler liess sich vor dem Entscheid mit den Worten zitieren, dass die Nationalratswahl in Innerrhoden eine Kopfwahl sei, weshalb es legitim wäre, auch ohne Nomination anzutreten. Eine Aussage, über die sie sich vielleicht noch ärgern wird: Antonia Fässler wurde von der CVP nominiert, der übergangene Thomas Rechsteiner tritt aber dennoch zur Wahl an. Was eben legitim ist. Weiteren Rückhalt gibt Rechsteiner, dass er als offizieller Kandidat des starken Innerrhoder Gewerbeverband nominiert worden ist.

Michael

Prognose Die rund 3000 Stimmen, die Daniel Fässler zuletzt auf sich vereinte, werden sich auf die offizielle und die inoffizielle CVP-Kandidatur sowie auf den Her-

DEIN-NATIONALRAT.ch

ausforderer aus den Reihen der SVP aufteilen. Doch selbst dann hat SP-Mann Martin Pfister keine Chance, das Rennen als Sieger zu beenden: Sein Stimmenpotenzial ist kleiner als ein Drittel der Stimmen für seine drei Gegnerinnen und Gegner. Dass sich zwei CVP-Kandidaturen kannibalisieren, könnte Ruedi Eberle in die Hände spielen. Ihm könnte das gelingen, was vor vier Jahren in Ausserrhoden David Zuberbühler gelungen ist: den eigentlich sicheren Sitz des Platzhirschen für die SVP zu erobern. Etwas wahrscheinlicher scheint dennoch, dass sich die offizielle CVP-Kandidatin am Ende knapp durchsetzen wird. Ein absolutes Mehr ist bei dieser Wahl ja nicht erforderlich. Die Politologin Antonia Fässler könnte somit die erste Innerrhoder Nationalrätin werden. Sie ist übrigens auch erst die zweite Frau in der Innerrhoder Standeskommission. Die erste war eine gewisse Ruth Metzler. Sie wurde nie Nationaloder Ständerätin, dafür direkt Bundesrätin.

DEIN-NATIONALRAT.ch

Ergebnis: Antonia Fässler (CVP) wird neue Nationalrätin. Text: Philipp Landmark

Bilder: zVg, Parlamentsdienste, 3003 Bern

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DEIN-NATIONALRAT.ch

kÄmpft mit Weitsicht... LEADER | September 2019


28 Schwerpunkt Wahlen TG

Comeback der Grünliberalen

Die künftige Thurgauer Delegation im Bundeshaus wir einen neuen Ständerat und einen neuen Nationalrat umfassen.

LEADER | September 2019


Schwerpunkt Wahlen TG 29

Ständerat

Nationalrat

Ausgangslage

Ausgangslage 135 Thurgauerinnen und Thurgauer stellen sich auf 23 verschiedenen Listen zur Wahl in den Nationalrat. Was auf den ersten Blick vielleicht mehr überrascht: Fast 44 Prozent der Kandidierenden sind Frauen. Auf den zweiten Blick scheint der hohe Frauenanteil allerdings durchaus System zu haben: Der Landkanton wird ja auch von einer Frauenmehrheit regiert, und um die sechs Nationalratsmandate kämpfen drei bisherige Nationalrätinnen. In der im Thurgau dominanten, staatstragenden SVP sind Frauen in Spitzenposition wie in anderen Parteien längst Alltag. Einzig die Thurgauer FDP hat hier Nachholbedarf – vielleicht ist das der Grund, weshalb dieses Jahr eine FDP-Frauenliste lanciert wurde. Im Thurgau sind die Wähleranteile in der Regel stabiler als die Listenverbindungen, die manchmal seltsame Blüten treiben. 2011 verlor die alleine antretende FDP ihren einzigen Sitz an die Grünliberalen, die mit der BDP, der EVP und der EDU ein Bündnis eingegangen waren. Einer merkwürdigen Logik folgend, verknüpften vier Jahre später CVP und FDP zusammen mit BDP, EVP und GLP insgesamt elf Listen. Dieses Konglomerat ergatterte zwei Sitze – und innerhalb dieses Chlüngels holte sich die FDP den Sitz von der GLP zurück. Gewählt wurde aus vier nahe beieinander liegenden Spitzenkandidaten der Unternehmer Hermann Hess, der seinen Sitz aber bald dem Thurgauer Gewerbeverbandspräsidenten Hansjörg Brunner überliess. Die SVP kratzte auch ohne den zurückgetretenen Peter Spuhler an der 40-Prozent-Marke. Hansjörg Walter, Verena Herzog und Markus Hausammann verteidigten ihre drei Sitze souverän. Hansjörg Walter trat in der Zwischenzeit zurück, für ihn rutschte die junge Unternehmerin Diana Gutjahr nach. Christian Lohr (CVP) und Edith Graf-Litscher (SP) wurden auf ihren jeweiligen Listen wiedergewählt, ohne in Bedrängnis zu kommen.

Nach dem Rücktritt des politischen Schwergewichts Roland Eberle aus dem Ständerat liebäugelte die SVP Thurgau damit, ihren Sitz mit dem früheren Nationalrat Peter Spuhler zu verteidigen. Die Gelegenheit schien günstig, hatte der Unternehmer doch gerade die Funktion des CEO von Stadler an Thomas Ahlburg abgegeben. Doch Spuhler entschied sich gegen eine Kandidatur. Daraufhin bewarben sich Regierungsrat Jakob Stark und Nationalrat Markus Hausammann als Ständeratskandidaten, die SVP nominierte schliesslich Stark. Hausammann, der das Nachsehen hatte, tritt als Nationalrat zurück. Auch Stark hat jetzt schon signalisiert, dass er unabhängig vom Wahlausgang als Regierungsrat zurücktreten werde. Darin verbirgt sich allerdings auch ein gewisses Mass an Koketterie, denn Stark gilt als so gut wie gewählt und hat mit der Nomination durch seine Partei die grösste Hürde bereits hinter sich. Auch die amtierende CVP-Ständerätin Brigitte Häberli-Koller dürfte mit Blick auf den 20. Oktober keine schlaflosen Nächte haben. Ihre Wiederwahl gilt als gesichert. Dennoch bewirbt sich eine Reihe weiterer Kandidatinnen und Kandidaten für den Ständerat. Die parteilose Gabi Coray wird eine Fussnote der Wahl bleiben, die anderen nutzen die Bühne, um ihre Nationalratskandidaturen zu pushen. Es sind dies SP-Präsidentin und Kantonsrätin Nina Schläfli, GLP-Kantonsrat Ueli Fisch und GrünenPräsident und Kantonsrat Kurt Egger. Diese drei sind gleichzeitig Konkurrenten und Verbündete, ihre Parteien haben für die Nationalratswahl eine Listenverbindung beschlossen.

Prognose Die Thurgauer Ständeratswahl birgt wenig Spannung. Alles andere als eine Wahl von Jakob Stark und der unbestrittenen bisherigen CVP-Ständerätin Brigitte Häberli wäre eine riesige Überraschung. Die drei Herausforderer haben zwar politisches Gewicht, sie fischen aber mehr oder weniger im selben Teich. Deshalb werden sie auch zu wenig Stimmen machen, um Häberli und Stark in einen zweiten Wahlgang zu nötigen. Ergebnis: Brigitte Häberli-Koller (CVP, bisher) und Jakob Stark (SVP) werden im ersten Wahlgang gewählt.

Analyse der Listen Die SVP, die mit Markus Hausammann den Rücktritt eines Bisherigen kompensieren muss, steht bei dieser Wahl mehrfach unter Druck. Nicht nur spricht der nationale Trend gegen sie, auch die Wahlarithmetik könnte sich zu Ungunsten der klar grössten Thurgauer Partei auswirken. Die Listenverbindungen wurden LEADER | September 2019


30 Schwerpunkt Wahlen TG

v.l.n.r. Nina Schläfli, Ueli Fisch, Kurt Egger

Brigitte Häberli-Koller

Jakob Stark

2019 wieder ganz neu geknüpft. Die GLP, die zuletzt keine Berührungsängste zur am rechten Rand politisierenden EDU aufgewiesen hatte, hat sich dem Bündnis von SP und Grünen angeschlossen und positioniert sich deutlich links. In der Mitte haben sich CVP, BDP und EVP gefunden; die FDP hat sich der SVP angeschlossen, wo auch die EDU angebandelt hat. Wirtschaftsfrau Diana Gutjahr gilt im Vergleich der beiden SVP-Nationalrätinnen als liberaler als Verena Herzog. In einschlägigen Rankings liegen die beiden aber nahe beieinander. Herzog fällt manchmal allerdings mit unglücklich formulierten, ultrakonservativen Positionen auf, etwa zu Bildungsthemen. Hinter den beiden Frauen kandidieren vier Männer. Wenn die SVP den dritten Sitz behaupten kann, könnte Kantonsrat, Schwinger und Landwirt Manuel Strupler siegreich den Ring verlassen. Die Thurgauer EDU als Partnerin der SVP ist gegen den Zeitgeist gut imprägniert und tritt mit einer reinen Männer-liste an, angeführt von Unternehmer und Kantonsrat Peter Schenk. Bei der FDP finden sich hinter dem bisherigen Nationalrat Hansjörg Brunner und dem Frauenfelder Stadtpräsidenten Anders Stockholm mit der Sekundarlehrerin Dominique Bornhauser und der Unternehmensberaterin Martina Pfiffner Müller immerhin zwei Frauen auf der Liste – die aber von sechs weiteren illustren Frauen auf einer FDP-Frauenliste unterstützt werden. Total heisst es also 8:4 für die FDP-Frauen. Schön ausgeglichen sind die beiden Listen der CVP nicht nur, was die Geschlechter angeht. Der Bisherige Christian Lohr, der innerhalb der CVP eher links anzusiedeln ist, führt die Hauptliste an, auf den Platz hinter ihn setzte die Partei Kantonsrat und Landwirt Josef Gemperle. Mit Anne Varenne, der Präsidentin der Thurgauer CVP-Frauen und mit Maja Bodenmann, Kantonsrätin und Stadträtin von Diessenhofen, folgen dann die ersten Frauen. «Newcomer» nennt sich die zweite CVP-Liste, obwohl hier auch Leute kandidieren, die bereits ein politisches Man-

Brigitte Häberli-Koller (CVP, bisher) und Jakob Stark (SVP) werden in der Ständeratswahl reüssieren. Oben von links: Nina Schläfli (SP), Ueli Fisch (GLP) und Kurt Egger (Grüne) nutzen die Bühne der Ständeratswahl für ihren Nationalratswahlkampf.

dat haben. Ein CVP-Newcomer ist allerdings Markus Berner, denn 2015 trat er noch als Präsident der BDP Thurgau an. Die BDP hat neben einer Hauptliste eine Liste BestAgers und eine Liste Junge BDP eingereicht. Dabei hatte die Partei allerdings Mühe, die Sechser-Listen zu füllen und vor allem, Frauen zu finden. Immerhin wurde der Unternehmerin Karin Peter Kis der erste Listenplatz auf der Hauptliste zugestanden. Die EVPHauptliste mit je drei Männern und Frauen wird von Kantonsrätin Elisabeth Rickenbach angeführt, dahinter folgen mit Nina Beerli und Simon Frey zwei Theologen. Beim evangelischen Nachwuchs stehen vier Frauen zwei Männern gegenüber. Klar ist die Hierarchie auf der linken Seite: SP-Nationalrätin Edith Graf-Litscher gilt als sicherer Wert im Bundeshaus, die Präsidentin der nationalrätlichen Verkehrskommission wird weiterhin im Zug nach Bern sitzen. Hinter ihr kann sich Nina Schläfli, die für die SP auch als Ständeratskandidatin antritt, für höhere Aufgaben empfehlen. Auf der Liste findet sich auch Turi Schallenberg, der als Kantonsratspräsident gerade noch der höchste Thurgauer war. Flankiert wird die SP-Liste von einer Liste SP 60+ und einer Juso-Liste. Der rote Nachwuchs tritt mit je drei Frauen und Männern an, auf den beiden anderen SPListen sind die Frauen in der Mehrheit. Die Grünen hoffen auf die Gunst der Stunde, denn um ein Nationalratsmandat zu erobern, müssen sie vor allem die zuletzt vor ihnen liegenden Grünliberalen überholen. Auf der Liste mit Parteipräsident, Ständeratskandidat und Kantonsrat Jürg Egger an der Spitze finden sich drei weitere Kantonsräte. Dazu kommen je eine Liste mit Jungen Grünen und Grünen Panthern. Die Liste der Grünliberalen wird von Kantonsrat Ueli Fisch angeführt, er tritt auch für den Ständerat an. Hinter ihm kandidiert unter anderem Thomas Böhni, der 2011 bis 2015 für die Thurgauer GLP im Nationalrat sass. Frauen besetzen zwei der sechs Linien. Neben der Hauptliste möchte die GLP mit einer Liste LEADER | September 2019


Schwerpunkt Wahlen TG 31

Manuel Strupler

Verena Herzog

Diana Gutjahr

Die beiden SVP-Nationalrätin Verena Herzog und Diana Gutjahr werden vermutlich ohne Parteikollegen nach Bern fahren. Sollte die SVP aber den dritten Sitz behaupten, könnte Manuel Strupler Nationalrat werden.

Hansjörg Brunner

Christian Lohr

Edith Graf-Litscher

Hansjörg Brunner (FDP), Christian Lohr (CVP) und Edith Graf-Litscher (SP) und dürften die Wiederwahl schaffen. Den sechsten Thurgauer Sitz wird Ueli Fisch (Grünliberale) knapp Kurt Egger (Grüne) wegschnappen.

Ueli Fisch

Kurt Egger

der Jungpartei und einer Liste «GLP engagiert» Stimmen sammeln.

Prognose Es ist gut möglich, dass 2019 eine Sitzverschiebung ausbleibt und das Thurgauer Sextett im Nationalrat für die nächsten vier Jahre dieselben Farben trägt wie jetzt. Es braucht aber nicht viel, damit es anders kommt. Die neue Listenverbindung CVP-BDP-EVP wäre 2015 auf 19,2 Prozent der Stimmen gekommen, SVP-FDP-EDU auf 56,3 Prozent, und SP-GPGLP auf 24,3 Prozent. Auch bei leichten Gewinnen oder Verlusten ist der CVP-Sitz von Christian Lohr ungefährdet, SVP-FDP aber werden sich mit drei der sechs Sitze begnügen müssen. Davon fällt einer FDPMann Hansjörg Brunner zu, weshalb die SVP neben Verena Herzog und Diana Gutjahr keinen dritten

Vertreter nach Bern schicken wird. Dieser Sitz wechselt ins links-grüne Lager, SP-GP-GLP kommen auf zwei Mandate. Klar ist der Sitz der SP mit Edith GrafLitscher. Von den beiden Junior-Partnern dürften die Grünliberalen erneut besser abschneiden als die Grünen, womit Ueli Fisch neuer Nationalrat wird.

Ergebnis: Die SVP verliert den dritten Sitz, die GLP gewinnt einen Sitz. Gewählt werden Verena Herzog (SVP, bisher), Diana Gutjahr (SVP, bisher), Hansjörg Brunner (FDP, bisher), Christian Lohr (CVP, bisher), Edith Graf-Litscher (SP, bisher) und Ueli Fisch (GLP).

Text: Philipp Landmark Bilder: zVg, Parlamentsdienste, 3003 Bern LEADER | September 2019


olma 77. Schweizer Messe für Land­ wirtschaft und Ernährung Ehrengast «Schweizer Volkskultur»

St.Gallen 10. – 20. Oktober 2019

SBB RailAway-Kombi: 20% Rabatt auf Eintritt bei Fahrt mit öV

olma.ch


Kolumne 33 «Ich unterstütze die Kandidatur von Diana, unserer Unternehmerin und Wirtschaftsvertreterin, zur Wiederwahl in den Nationalrat. Ich gebe ihr am 20. Oktober 2019 2x meine Stimme.» Peter Spuhler, Unternehmer

ber 2019 ahlen 20. Okto w ts ra al n io at N

Wahlkampf Wo bleiben die politischen Debatten? Im aktuellen Rennen um die Sitze im Nationalund Ständerat geht es wie in jedem Wahlkampf um Auffälligkeiten. Diese werden jedoch nicht mit politischen Inhalten erreicht, sondern mit provozierenden Plakaten, Filmen und Storys auf den sozialen Medien.

Geht es dann doch einmal um politische Inhalte, ist schnell die Umweltthematik zuoberst auf der Liste. Leider finden die Debatten aber häufig auf Nebenschauplätzen statt, welche die Umwelt im Einzelnen nicht verbessern. Es wird von Visionen geträumt, die nichts mit der Gegenwart zu tun haben. Ich versuche, mich auf das zu konzentrieren, bei dem ich eine Wirkung erreichen kann. Sei das in einem kommunalen Energiekonzept, bei der geplanten Energiestrategie 2021 bis 2030 des Kantons St.Gallen oder als Vorsitzender der Geschäftsführung der St.Galler Energieagentur. Auch gerne diskutiert werden die massiv steigenden Gesundheitskosten. Diese werden im Kanton St.Gallen in direkten Zusammenhang mit der Diskussion um die Strategie der Spitäler gebracht. Die offizielle Debatte wird aber für nach den Wahlen aufgespart, da erst Ende Herbst mit der Vernehmlassung zur angepassten Strategie der Regierung zu rechnen ist. Somit fokussieren sich die Debatten auf jenes Thema, das zuoberst auf dem Schweizer Sorgebarometer zu finden ist: steigende Prämien.

www.diana-gutjahr.ch

Ich würde mich freuen, wenn in den Wahlkampfdebatten auch das für mich relevanteste Thema – eine mögliche Wirtschaftskrise – in den Fokus rückte. Steht die Schweiz vor einer Rezession? Dass die Maschinenindustrie vor einigen Wochen nach dem Staat rief, ist ein Zeichen. Eine drohende Rezession sollte die Politik wachrütteln und verschiedene anstehende Themen in eine neue Richtung lenken.

TE 4 LIS . Oktober 2019 20

Attila Wohlrab in den Nationalrat

Miliz – Wirtschaft – Umwelt – Punkt

Aktuell hat die Politik die Brisanz noch nicht erkannt. Dabei kühlt sich die Weltwirtschaft ab, und das betrifft uns alle. Es bleibt zu hoffen, dass alles nicht so schlimm kommt, wie es zurzeit aussieht – und dass wir uns rechtzeitig darauf vorbereiten. Dies geht nicht ohne weitsichtige Politik.

attilawohlrab.ch Michael Götte, Fraktionspräsident SVP St.Gallen, Gemeindepräsident Tübach LEADER | September 2019


34 Wirtschaft

Vom «Garagenbüdeli» zum 150-Mann-Betrieb An fünf Standorten in der Ostschweiz beschäftigt die Pius Schäfler AG aus Gossau über 150 Mitarbeiter. Im Interview erklärt Inhaber Patrick Ammann, wie das Geschäft in Zeiten des «Lädelisterbens» Bestand hat, warum man nicht sofort auf den Zug des Online-Handels aufgesprungen ist und wie sich die Zusammenarbeit mit dem Gründer und Schwiegervater Pius Schäfler gestaltet.

Ihren Anfang nahm die Firmengeschichte der Pius Schäfler AG 1965, als der Gossauer eine Reparaturwerkstatt für Büromaschinen gründete. Nichts aussergewöhnliches – eigentlich: Wenn es im Dorf nicht schon vier Papeterien gegeben hätte. Aber Pius war schon damals kein leichtsinniger Geschäftsmann, sondern ein schlauer Stratege. Er sicherte sich mit seiner ersten Papeterie den weitaus besten Standort im Dorf. Schritt für Schritt ergriff er die Chancen, die sich ihm geboten haben: Er war bei den Fotokopierern sofort mit dabei und stieg bei Büro- und InteriorDesign mit renomierten Partnern wie Vitra und Lista ein. Inzwischen ist die Pius Schäfler AG in der Ostschweiz der führende Partner im Office-Bereich.

«Ich betrachte unseren Online-Shop als zusätzliche, virtuelle Filiale – mit grossem Potenzial für die Zukunft.» Patrick Ammann, elf Standorte, 150 Angestellte, über zweitausend Fotokopierer in der Ostschweiz und Umsätze in Millionenhöhe später: Was ist Ihr Geheimnis? Nebst des Arbeitseinsatzes hat es mein Schwiegervater immer verstanden, tüchtige Leute um sich zu scharen, auch wichtige Aufgaben zu delegieren, die richtigen Partner ins Boot zu holen, neue Standorte zu akquirieren und die besten Produkte ins Sortiment einzugliedern. Oft hatte er auch einfach den richtigen Riecher. 2016 übergab Pius Schäfler sein Amt an Sie. Wie war es für Sie als Schwiegersohn, in seine Fussstapfen zu treten? Übergab sein Amt an mich? – Das ist mir neu! Ja, Pius Schäfler ist mein Schwiegervater. Viele denken daher, dass er mir das Unternehmen als kleine

Überraschung zusammen mit ein paar Socken unters Christbäumli gelegt habe (lacht). Ganz so ist es nicht: Ich habe das Unternehmen gekauft und bin nun Inhaber. Die Zusammenarbeit mit ihm war und ist immer noch hervorragend. Vielleicht, weil wir vom Typ her so ähnlich sind: irgendwie Machertypen mit Visionen.

Und was hat sich im Vergleich zu den Gründungsjahren verändert? Alles! Wir sind vom «Garagenbüdeli» 1965 zum 150-Mann-Unternehmen 2019 gewachsen, da ist einfach alles anders. Und es wird sich auch in Zukunft noch einiges ändern. Die Veränderung liegt in unserer DNA. Eine grosse Veränderung wurde im vergangenen Jahr vollzogen, als die St.Galler Markwalder & Co. AG übernommen wurde. Das war ein Riesensprung! Und nicht etwa ein kleiner, immerhin vergrössern wir unser Unternehmen damit um 30 Prozent auf über 150 Leute. Jetzt, ein Jahr später, haben wir das Rebranding von Markwalder abgeschlossen. Für uns bedeutet die Akquisition vor allem eine Gebiets- und Segmenterweiterung. Ausserdem profitieren wir durch diese Skalierung von Synergien. Und last, but not least bedeutet die Erweiterung ein Mehrwert in Bezug auf die Convenience für unsere Kunden. Mittlerweile reicht das Sortiment von Büromöbeln bis hin zu Print Solutions und Spielwaren. Welches ist das wichtigste Standbein für Sie? Unser Anfang war die Papeterie. Sie ist noch heute unser «Herzstück». Mit den Papeterien sind wir regional verankert, in den Papeterien spüren wir die Kunden, und in den Papeterien können wir mit unserer Kompetenz und unseren Beraterskills glänzen. Natürlich spielt auch der Cross-Selling-Mechanismus. Die eher B2B-lastigen Bereiche Print Solutions LEADER | September 2019


Wirtschaft 35

Auch Ihr Onlinehandel wurde in den vergangenen Monaten intensiviert. Im Vergleich zu anderen Fachgeschäften passierte dieser Schritt eher spät. Erstens haben wir eine volle Agenda, und da hat logischerweise einfach nicht alles erste Priorität. Zweitens hat es uns nie gestört, etwas antizyklisch unterwegs zu sein: Wenn andere den Laden dichtmachen, eröffnen wir eine neue Filiale, wenn andere hektisch online gehen, warten wir noch ein Jahr oder zwei. Schliesslich sind wir kein Start-up, sondern ein gut aufgestelltes Familienunternehmen mit 50 Jahren auf dem Buckel. Und da kommt’s auf ein paar Monate nicht an.

CEO Patrick Ammann: Antizyklisch unterwegs.

und Interior Design profitieren von der Papeterie – und umgekehrt.

Die Zeiten für Fachgeschäfte sind hart – viele mussten schliessen, das «Lädelisterben» ist omnipräsent. Was hat Pius Schäfler besser gemacht als die Konkurrenz, die aufgeben musste? Wir haben an uns geglaubt. Und noch mehr: Wir haben an unsere Kunden geglaubt und an unsere Standorte. Wir haben investiert. Und zwar nicht nur in Zeiten, in denen es allen rund lief. Wir haben auch

«Wir haben auch noch investiert, als viele schon resigniert hatten.» noch investiert, als viele schon resigniert hatten. Dieses Engagement hat sich ausbezahlt. Wir halten zu unseren Standorten, so, wie sie zu uns halten. Wir sind seit 1965 eine Art «Lädeli-Community».

Wie hat sich der Onlinehandel bei Ihnen entwickelt? Ist er Ergänzung oder Konkurrenz zu den Geschäften? Es ist ganz klar eine Ergänzung. Einerseits vom Sortiment her (in Sachen Schülertheks gehören wir zu den Leadern), andererseits eine Erweiterung der Convenience für die Kunden. Offline-Shops mit super Beratung, Online-Shops mit 24/7-Öffnungszeiten. Das Beste aus zwei Welten. Im Übrigen: Ich betrachte unseren Online-Shop einfach als eine zusätzliche, virtuelle Filiale – mit sehr grossem Potenzial für die Zukunft. Erstmals in der 55-jährigen Geschichte der Pius Schäfler AG nehmen heuer Externe Einsitz im Verwaltungsrat. Warum? In einer kleinen Familie dürfen alle mitmachen. Mal kocht die Mutter, mal versuchts der Vater. Als Firma sind wir inzwischen einfach zu gross dafür, dass alle bei allem mitmachen oder füreinander einspringen können. Wir sind an einem Punkt, wo wir operative Massnahmen und strategische Entscheidungen klarer trennen und Kontrollmechanismen einführen müssen. Und wieso kann man das nicht alles wie bisher intern regeln, wieso braucht es externe Köpfe? Mit der Grösse der Unternehmung wächst auch die Komplexität. Wir müssen heute Themen in die Tiefe bewältigen, die wir vor drei Jahren noch gar nicht kannten. Mit unternehmerisch denkenden Menschen, die sich in ganz unterschiedlichen Märkten bewegen, sind wir breiter aufgestellt und haben die Aussensicht neu innen. Und wer sind diese Köpfe mit den anderen Meinungen? LEADER | September 2019


36 Wirtschaft

Zum einen ist es ein Externer, aber kein Unbekannter: Unser langjähriger Strategie- und Marketingberater Martin Hilzinger. Er ist Geschäftsführer und Inhaber der Marketingagentur Trimarca AG aus Chur. Zum anderen ist es ein ganz neues Gesicht: Christoph Meili. Er ist Mitgründer der Company Factory aus Winterthur,

«Mit den Papeterien sind wir regional verankert, in den Papeterien spüren wir die Kunden, und in den Papeterien können wir mit unserer Kompetenz glänzen.» die sich mit der Transformierung und Digitalisierung von Unternehmen auseinandersetzt. Meilis Profil war in der Datenbank von VRMandat.com zusammen mit über eintausend valablen VR-Kandidaten, genau das,

welches perfekt zu unseren Anforderungen gepasst hat. Er ergänzt Wissen und Können des aktuellen VR ideal mit seinen Skills: aktuellste digitale Kompetenz und pragmatisches TransformationsKnow-how.

Bleiben wir bei der Zukunft: Welches sind Ihre nächsten Ziele? Wir wollen im Kerngeschäft noch besser werden. Noch kompetenter, noch kundennäher und auch noch digitaler. Es ist ein Wachstumsprozess, der mehr in die Tiefe gehen soll und weniger in die Breite, denn da sind wir mit unseren Segmenten schon sehr gut aufgestellt.

Text: Manuela Bruhin Bild: zVg

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LEADER | September 2019


Wirtschaft 37

Nach wie vor findet ein grosser Abfluss von Kaufkraft ins angrenzende Ausland statt.

Und ewig lockt das Schnäppchen In deutscher Grenznähe ist jeder dritte Kunde ein Schweizer. Dem Einkaufstourismus könnte jedoch bald ein Riegel geschoben werden, indem die Rückerstattung der Mehrwertsteuer reguliert wird. Der Gewerbeverein Kreuzlingen hofft auf eine baldige Umsetzung. Lange Schlangen, kaum freie Parkplätze, verstopfte Strassen, ungeduldige Menschen: Der Einkaufstourismus zeigt sich oft von einer hässlichen Seite. Dennoch erledigen viele Schweizer ihre Einkäufe in Deutschland. Und ist der Eurokurs tief, locken die Schnäppchenangebote umso mehr. Dies bekommen die Detailhändler in Kreuzlingen täglich zu spüren. Nach wie vor fände ein grosser Abfluss von Kaufkraft ins Ausland statt, erklärt Urban Ruckstuhl, Vorstandsmitglied des Gewerbeverbands Kreuzlingen. «Dies geht zulasten einheimischer Detaillisten.»

Fehlende Gesamtbetrachtung Schweizer Detailhändler kämpfen dagegen. Unter anderem mit Produktinnovationen, gutem Service, kulantem Verhalten im Umgang mit Reklamationen oder Lieferservice wird versucht, der Abwanderung entgegenzuwirken. Bisher mit mässigem Erfolg. Insbesondere die Aufhebung des Mindestkurses durch die Nationalbank habe einen verstärkten Einkaufstourismus ausgelöst. «Nebst Preisvorteil spielen auch das oft vielfältige Angebot und attraktive Innenstädte eine Rolle», so Ruckstuhl. Dabei nehmen die Käufer manche Hürde auf sich: längere Anfahrtswege, Staus, Parkplatzsuche oder das Warten beim Abstempeln. Ruckstuhl findet deutliche Worte: «Die Konsumenten machen kaum eine Gesamtbetrachtung, geschweige denn, dass ökologische Aspekte eine Rolle spielen.» Nun könnte der Einkaufstourismus eingedämmt werden. Nicht nur die Schweizer Händler leiden darunter – auch beim Zoll wird ein Mehraufwand verzeichnet. Laut verschiedenen Medienberichten sind alleine fürs Stempeln 150 Zöllner eingeteilt. In der Folge denkt die deutsche Politik über eine Vereinfachung der Rückerstattung nach. So könnte die Mehrwertsteuer erst

eingefordert werden, wenn der Betrag 175 Euro übersteigt. Eine zeitlich begrenzte Bagatellgrenze von 50 Euro einzuführen, wie es die deutsche Politik jüngst getan hat, ist ein Schritt in die richtige Richtung, dürfte allerdings noch kaum zu einer Verbesserung führen, so Ruckstuhl. «Aus Sicht des grenznahen Schweizer Detailhandels ist die Erhöhung der Bagatellgrenze auf 175 Euro wünschenswert und mit Sicherheit auch wirkungsvoller.»

Folgen abschätzen Der Gewerbeverein Kreuzlingen hofft, dass die Massnahmen greifen. Aber auch andere Szenarien wären denkbar. «Beispielsweise könnte die Schweiz die Mehrwertsteuer-Freigrenze reduzieren oder diese aufheben und damit die Einkäufe im Ausland normal besteuern», sagt Ruckstuhl. Der Einkaufstourismus ist aber nicht alleine für sinkende Umsatzzahlen verantwortlich. Die Online-Einkäufe schätzt Ruckstuhl als das akutere Problem ein. «Sie sind nicht sichtbar – so, wie es beim Einkaufstourismus der Fall ist.» Solchen strukturellen Veränderungen im Detailhandel könne allerdings kaum Einhalt geboten werden. Nur so viel: «Auf politischer Ebene kann sicher versucht werden, für gleich lange Spiesse zu sorgen.» Schlussendlich müsse sich jeder Kunde selber darüber im Klaren sein, welche Konsequenzen das vermeintliche Schnäppchen im nahen Ausland zur Folge hat. «Umsatzverluste aufgrund von Online-Handel und Einkaufstourismus führen mittelfristig unweigerlich zum Verschwinden von Ausbildungsplätzen und zum Arbeitsplatzabbau.» Text: Manuela Bruhin Bild: zVg LEADER | September 2019


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Arbeitsplätze mit Cannabis sichern Die Rutishauser AG investiert in den Standort Züberwangen. Nebst Tulpen und Topfpflanzen gedeihen für die Tochterfirma Galenus AG nun auch Medizinalpflanzen, also Hanf. Im Interview erklärt Geschäftsführer Bruno Rutishauser, wie man sich damit im hart umkämpften Sektor behaupten will, warum die Nachfrage nach Medizinalpflanzen so hoch ist – und wie die Reaktionen des Umfelds ausfallen.

Bruno Rutishauser, Ihr Familienunternehmen baut ihre Geschäftsaktivitäten im medizinischen und kosmetischen Bereich aus. Neu werden auf einer Fläche von rund 20'000 Quadratmetern auch so genannte Medizinalpflanzen kultiviert. Dass es sich dabei in erster Linie um Hanf mit einem tiefen Wert des berauschend wirkenden Tetrahydrocannabinols (THC) handelt, dürfte den wenigsten klar sein. Wie kam es dazu? Wir überprüfen unsere Produkte, Prozesse und Marktchancen fortlaufend. Mit unserer bisherigen Positionierung haben wir den Fokus stark auf den Schweizer Detailhandel ausgerichtet. In der Markteinschätzung haben wir diese Ausrichtung mit unseren Massenprodukten als eher kritisch beurteilt. Die Gründe liegen im extremen Preis- und Margendruck sowie in den teilweise austauschbaren Produkten.

«Wir sind überzeugt, dass sich der Bereich Gesundheit weiter entwickeln wird.» Sprich: Bei Zierpflanzen hat das Herkunftsland Schweiz bei den Konsumenten leider nur einen untergeordneten Stellenwert.

Die Alternative waren also die Medizinalpflanzen. Richtig. Wir sind überzeugt, dass sich der Bereich Gesundheit weiter entwickeln wird, dies für uns neue und interessante Märkte öffnet und wir unseren Mitarbeitenden durch die Anpassung der Produkteausrichtung langfristig einen sicheren, abwechslungsreichen und interessanten Arbeitsplatz bei der Blumenfamilie Rutishauser bieten können. Der Betrieb ist hochautomatisiert, dennoch seien die rund 100 Arbeitsplätze gesichert. Sie rechnen damit, dass diese mittelfristig gar ausgebaut werden können – ist dies kein Widerspruch? Nein. In der Schweiz fallen die Lohnkosten im Vergleich zu anderen Ländern meist bedeutend höher aus. Das heisst: Nur durch Automatisierung kann in

der Schweiz rationell und somit kompetitiv produziert werden. Durch die zum heutigen Zeitpunkt geplanten strategischen Ausbauschritte in den nächsten acht bis zehn Jahren gehen wir auch in Bezug auf die notwendigen personellen Ressourcen von einem Ausbau aus.

Zurück zu den Pflanzen. Wofür werden diese gebraucht? Unsere Medizinalpflanzen dienen als Rohstoff im Bereich von Gesundheitsprodukten, Kosmetik, Healthcare, Aromen und Natriceuticals. Die potenziellen Abnehmer sind dementsprechend Firmen in diesen Bereichen. Damit haben Sie anscheinend eine Nische entdeckt. Die Nachfrage ist wie erwartet sehr hoch. Die Konsumenten interessieren sich wieder mehr für natürliche, gesunde und nachhaltige Schweizer Produkte. Dies vor allem, wenn es um ihre Gesundheit und ihren eigenen Körper geht. Wir sind überzeugt, dass angesichts des steigenden Gesundheitsbewusstseins insbesondere auch natürliche Medikamente (Phytopharmakas) künftig noch gefragter sind. Der Anbau unterliegt strengen Vorschriften und Kontrollen. Wie sehen diese effektiv aus? Die medizinischen Endprodukte werden nach GMPRichtlinien hergestellt und die Rohstoffe unter GACP-Bedingungen angebaut. Beim Anbau müssen dementsprechend strikte Hygiene- und Sicherheitsregeln eingehalten werden. Zudem verwenden wir nur biologischen Pflanzenschutz und müssen das Kulturprotokoll ständig nachführen. Die Produktund Prozessqualität ist dementsprechend hoch. Der Pflanzenwuchs von Hanf ist in der Schweiz noch nicht weit verbreitet. Woher nehmen Sie die Erfahrungsberichte? Das Know-how für die Kultur von Medizinal-Cannabis ist grösstenteils eigenes Sammeln von Erfahrungen, gutes Beobachten der Kultur und einem LEADER | September 2019


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Geschäftsführer Bruno Rutishauser: Proaktive Kommunikation.

LEADER | September 2019


Hofstetstrasse 14

9300 Wittenbach

ostschweizdruck.ch

Wenns brennt.

Merz gehört zu den bedeutendsten Wirtschaftspolitikern in Europa. War im Europaparlament und CDU-Fraktionssprecher im deutschen Bundestag.

Politik und Gesellschaf t sind gefordert. E i n We i t e r s o w ä r e verhäng nisvoll. Einladung zum Business-Lunch mit Friedrich Merz am 1. Oktober i n Va d u z : Re f e r a t , Diskussion, Gourmet-Essen, Networking.

FRIEDRICH MERZ:

AUFSTEHEN!

Heute Vizepräsident des CDU-Wirtschaftsrats und Mitglied/Präsident verschiedener Verwaltungsräte. Unter anderem bei der HSBC, RailStadler und BlackRock. Und? Gemäss Umfragen hat Merz beste Chancen, nächster deutscher Bundeskanzler zu werden.

A n m e l d u n g u n d a l l e I n f o s : w w w. m e e t - t h e - p r e s i d e n t . c o m


Wirtschaft 41

regelmässigen Austausch mit wenigen Vertrauenspersonen, die ebenfalls Kulturerfahrung besitzen. Im Gegensatz zur Kultur von Zierpflanzen ist nicht der Zierwert entscheidend, sondern der qualitative Wert der Inhaltsstoffe.

«Bei medizinischem Cannabis für CBD-Extraktion macht die Freilandproduktion aus wirtschaftlicher Sicht am meisten Sinn.» Was ist dafür die Voraussetzung? Sehr entscheidend sind die Wahl der richtigen Genetiken, sprich Jungpflanzen und Pflanztermin für einen kräftigen Kulturstart. Der Medizinische Cannabis ist ein sensibles Gewächs, das heisst, um die Pflanze gesund und prächtig zu kultivieren, benötigt es das richtige Substrat sowie eine passende Wasserführung. Nebst der Indoor-Produktion wird auch mit einem Landwirt zusammengearbeitet. Warum braucht es sowohl Indoor als auch Outdoor? Heilpflanzen werden je nach Verwendungszweck unterschiedlich angebaut. Bei medizinischem Cannabis für CBD-Extraktion macht die Freilandproduktion aus wirtschaftlicher Sicht am meisten Sinn. Aktuell sammeln wir Erfahrungen, um für die Zukunft eine starke Positionierung in Bereich Medizinal-Cannabis-Produktion inne zunehmen. Das Bepflanzen von Tulpen und Topfpflanzen wird wahrscheinlich weniger interessiert zur Kenntnis genommen, als es bei Hanf der Fall ist. Das besagte Grundstück wird eingezäunt und videoüberwacht. Das feuchtwarme Wetter von diesem Sommer unterstützt ein schnelles und üppiges Wachstum. Jedoch auch einen hohen Druck von möglichen Pilzen, wie

beispielsweise Mehltau. Das Interesse am Medizinal-Cannabis ist durchaus vorhanden. Sei dies von möglichen interessierten Abnehmern, Passanten, die am Feld vorbeigehen oder aber auch den Anwohnern. Diese informierten wir vorgängig über unser Vorhaben und erklärten ihnen auch die Hintergründe. Negative Erfahrungen haben wir bis jetzt keine gemacht. Dies schliessen wir zum Teil auch auf die proaktive Kommunikation zurück. Beim Feld selber orientieren wir beispielsweise mit einer Informationstafel darüber, was hier genau wächst. Zudem suchen wir generell das Gespräch, um Aufklärungsarbeit zu leisten. So werden wir beispielsweise auch an der Gewerbeausstellung Z19 mit der Galenus AG präsent sein.

Wann ist ersichtlich, ob sich die Investition gelohnt hat? Grundsätzlich schnell. Voraussichtlich in den kommenden drei Jahren. Dies ist allerdings abhängig davon, dass sich die Märkte nach unseren Vorstellungen und Annahmen entwickeln und wir uns so entfalten können.

Interview: Manuela Bruhin Bilder: zVg

Die Galenus AG ist der Spezialist im Anbau von Pflanzen für den Bereich Health Care, Medizin und Kosmetik. Dank der jahrzehntelangen Gärtnererfahrung und der jüngsten Entwicklungen hat die Blumenfamilie Rutishauser für ihr jüngstes Geschäftsfeld im Jahr 2017 diese Tochterfirma gegründet. Dies mit dem Ziel, künftig Zulieferant von Rohstoff für diverse Hersteller von hochwertigen Produkten im Medizinal- und Kosmetikbereich zu werden. Die Galenus AG beschäftigte 2017 fünf Vollzeitangestellte, 2018 deren acht und aktuell 16 Vollzeitangestellte. Es wird erwartet, dass die Galenus AG bis ins Jahr 2021 gegen die 40 Vollzeitstellen anbieten wird. Insgesamt bietet die Blumenfamilie Rutishauser an den Standorten Neukirch TG, Züberwangen SG, Gordola TI, Fällanden ZH und Bad Neustadt D aktuell rund 150 Vollzeitstellen. LEADER | September 2019


42 Wirtschaft

Vom Blaumann zum Anzugträger Früher reparierte er Fahrzeuge, heute designt er Massanzüge – gerne auch einmal für Nati-Spieler und Schweizer Star-DJs. Johannes Ucan verrät im Interview, wie er es schaffte, selbst einem Blaumann die persönliche Note zu verleihen und sich gegen die «Geiz ist geil»-Mentalität zu beweisen.

Johannes Ucan, ursprünglich haben Sie sich zum Automechaniker ausbilden lassen. Bereits zu dieser Zeit waren Sie jedoch stets flippig und ausgefallen unterwegs. Das stimmt. Schon während meiner Lehre war es mir wichtig, mich gut anzuziehen. Nun ja, wie man sich vorstellen kann, ist das in einer Werkstatt eher schwierig. Dennoch habe ich versucht, meinen Blaumann so individuell und trendy wie möglich zu gestalten. Gleichzeitig habe ich die Schleifmaschine dazu genutzt, meine Jeans zu bearbeiten, sodass sie den damals noch eher unbekannten Washed-Look erhielten. Sie waren also zu dieser Zeit bereits sehr kreativ. Und haben sich dann dazu entschlossen, in die Modeindustrie zu wechseln? Ich habe bei verschiedenen Herrenausstattern gearbeitet, hatte aber stets das Gefühl, dass in mir noch mehr Potenzial steckt. Ich habe die damals noch eher unbekannte Plattform Instagram dafür genutzt, mei-

«Ich habe den Anspruch an mich selbst, dass ich immer für meine Kunden da bin.» ne Outfits zu posten. Nachdem mich aufgrund dieser Präsenz in den sozialen Medien unendlich viele Leute nach Fashion-Tipps gefragt haben und woher ich beispielsweise diese Hose oder jenes Sakko habe, fasste ich den Entschluss: Ich muss meine Outfits selber produzieren und perfektionieren. Perfektionieren aus dem Grund, da der Markt für individuelle Herrenmode damals einfach zu wenig hergab. Damals wie heute bin ich der Überzeugung, dass es jeder Mann verdient, einen Massanzug zu einem vernünftigen Preis zu bekommen.

Wann war klar, dass Sie den Schritt in die Selbstständigkeit wagen? Als ich meine Lehre als Automechaniker begonnen habe, hätte ich mir so etwas niemals erträumt. In meinen Augen war es die Leidenschaft und der Glaube daran, etwas verändern zu können, die mich getrieben und mich auch zu dem gemacht haben, was ich heute bin. Nur wer über diesen inneren Antrieb,

ganz egal in welcher Branche, verfügt und den Glauben an sich selbst stets bewahren kann, kann mit diesem Feuer auch andere inspirieren und andere von sich und seinem Produkt überzeugen. Ich schätze und geniesse jede Minute, die ich in meinen eigenen Stores stehen und mit tollen Kunden zusammenarbeiten darf.

Das tönt alles so reibungslos. Gestaltete sich alles so – auch die Anfangszeiten? Natürlich habe ich nicht angefangen und eine Woche später sah alles so aus wie heute. Ich war damals in einem kleinen Zimmer, das nicht grösser als 20 Quadratmeter war. Die Auftragszahlen waren um ein Vielfaches geringer als heute. Mir war aber von Anfang an klar, dass so etwas Zeit braucht und diese wollte ich mir geben. Mein Motto lautete bereits damals: Alles zu seiner Zeit. Irgendwann kam dann ein Laden im Glattpark dazu, ich habe Mitarbeiter zu meiner Unterstützung eingestellt, und letztes Jahr sind wir innerhalb von St.Gallen in einen viel grösseren Store umgezogen. Wenn ich heute in meinem Store stehe und an die Anfangszeit zurückdenke, dann erfolgt das mit einem kleinen bisschen Wehmut – aber auch mit grossem Stolz. Bereits in Ihrer Jugendzeit sind Sie mit Ihrem Stil aufgefallen. Flippige und bunte Outfits waren Ihr Markenzeichen. Wie denken Sie heute darüber? Es ist doch irgendwie immer so, dass man sich die eigenen Outfits in der Retrospektive kaum mehr anschauen kann. Rückblickend waren meine Kombinationen teilweise etwas zu aggressiv und zu farbenfroh, aber es ging bei mir damals auch sehr oft darum, einfach Dinge auszuprobieren. Meine Leidenschaft für Anzüge entstand erst mit der Zeit, ebenso wie mein Wunsch, mich selbstständig zu machen. Aber es hat natürlich geholfen, dass Social Media exakt in der Zeit aufkam und mir so eine Plattform bot, meine Outfits anderen Menschen zu zeigen. Und natürlich hielten mich meine damaligen Arbeitskollegen in der Autowerkstatt für verrückt, als ich an meinem Blaumann rumgeschnippelt und diesen aufgepeppt habe. Ich würde aber behaupten, dass die Leute vor allem meine Leidenschaft wahrgenommen und geschätzt haben. LEADER | September 2019


Wirtschaft 43

Modemacher Johannes Ucan: Angefangen auf 20 Quadratmetern.

Anders als früher ist heute der Markt mit Bloggern und Influencern hart umkämpft. Sie haben sich in einer Zeit selbstständig gemacht, in der man ständig präsent sein muss. Empfinden Sie dies als Voroder eher als Nachteil? Ich hatte bereits vor dem Schritt in die Selbstständigkeit verhältnismässig viele Followers und Fans, was es natürlich etwas erleichtert hat, in der Modeindustrie Fuss zu fassen. Ich sehe mich aber mittlerweile nicht mehr als Influencer oder dergleichen, sondern primär als Unternehmer. Klar gehört da auch dazu, auf den sozialen Medien präsent zu sein. Ich habe den Anspruch an mich selbst, dass ich immer für meine Kunden da bin. Es gibt teilweise Aufträge, die müssen in 48 Stunden nach der Bestellung bereits fertig bei mir im Store sein. Auch das mache ich möglich. Im Grossen und Ganzen würde ich sagen, dass mir die sozialen Medien mehr Türen geöffnet als geschlossen haben. Mit solchen «Türen» meinen Sie sicherlich auch die Zusammenarbeit mit Natispielern wie Granit

Xhaka oder DJs wie Antoine. Klar denkt man irgendwo bei der Gründung des ersten Unternehmens mal daran, wie es wäre, einen Star in den eigenen Kleidungsstücken zu sehen. Es erfüllt mich natürlich mit grossem Stolz, wenn ich beispielsweise sehe, wie Granit Xhaka seiner Freundin einen Heiratsantrag macht und dabei einen Jucan-Anzug trägt, oder wie Haris Seferovic in einem Jucan-Anzug vor den Traualtar schreitet. Ich sehe das als eine Bestätigung für meine harte und qualitativ hochwertige Arbeit – und keinesfalls als Selbstverständlichkeit. Ich behandle jeden Kunden gleich, unabhängig davon, ob er nun ein Promi, ein Sportstar oder ein Mensch wie Sie und ich ist. Denn Individualität, und das ist im Endeffekt genau das, was ich mit meinen Massanzügen verkaufe, ist losgelöst von Status oder Beruf. Welche Leute gehören noch zu Ihren Kunden? Es gibt keinen klassischen Jucan-Kunden, das ist das Schöne an der Massmode. Wir freuen uns über jeden einzelnen und behandeln jeden so, wie er es verdient LEADER | September 2019


44 Wirtschaft

hat. Nämlich mit viel Zeit, Know-how, Einfühlungsvermögen und Geduld. Ich freue mich über einen Besuch von einem harten Arbeiter, der sich für seine Hochzeit unbedingt einen Massanzug gönnen möchte, genau so wie darüber, wenn mich der NHL-Star Timo Meier anruft und sagt, dass er für den Besuch im Sportpanorama einen Anzug braucht.

Mode ist schnelllebig. Was heute geht, ist morgen schon wieder out. Wie schaffen Sie es, dennoch eine gewisse Beständigkeit zu erreichen? In Zeiten von Fast-Fashion und dem Onlinehandel ist das sicherlich korrekt. Ich versuche vor allem, den Kunden etwas anzubieten, was viele Jahre Bestand hat. Das ist der Vorteil von klassischer Männermode – zu der ein Anzug nun mal gehört –, denn diese ist nicht ganz so anfällig auf Trends. Natürlich halten wir uns auf dem Laufenden, was aktuell gerade angesagt ist und passen die Anzüge nach Wunsch des Kunden gerne auch dahingehend an. Grundsätzlich bin ich jedoch der Meinung, dass ein Anzug ein zeitloses Kleidungsstück ist, eines, das man viele Jahre tragen kann und eines, das sich den Modeerscheinungen und Trends nicht komplett unterwirft.

«Jeder Mann verdient es, einen Massanzug zu einem vernünftigen Preis zu bekommen.» Qualität hat ihren Preis. Ein Massanzug, in dem mehrere Stunden Arbeit stecken, sowieso. Oftmals ist «Geiz eben geil», Billigmarken sind nach wie vor beliebt. Wie schafft es Ihr Unternehmen, daneben zu bestehen? Jeder soll das kaufen, was er möchte und jeder soll so viel Geld für ein Kleidungsstück ausgeben, wie er es für angemessen hält. Für Jucan zählt der Anzug zu einem der wenigen Outfits, die ein Mann unbedingt in seinem Schrank haben muss. Es gibt Anlässe, da gehört ein guter Anzug nach wie vor einfach dazu. Sei das nun eine Hochzeit oder ein Geschäftsanlass. Ich vertrete die Ansicht, dass gute Qualität in Verbindung mit herausragendem Service seinen Preis hat. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass das viele meiner Kunden auch so sehen und gerne bereit sind, dafür vielleicht ein paar Franken mehr auszugeben als beispielsweise bei Zara oder H&M. Zudem besuche ich unsere Produktionen in Europa jährlich, kann meinen Kunden jederzeit darüber berichten und zu 100 Prozent hinter meinen Partnern stehen, was bei den grossen Modelabels sicherlich nicht immer der Fall ist.

Ein eigenes Unternehmen zu haben, wollen viele – nur wenige schaffen es aber, erfolgreich zu bleiben. Was machen Sie anders als die Konkurrenz? Es gibt keine Zauberformel, die einem zum Erfolg verhilft. Vielmehr ist es harte Arbeit, eine gewisse Risikobereitschaft, gepaart mit Mut und Selbstvertrauen und natürlich ein hohes Mass an Kompetenz. Man muss einem Ziel alles unterordnen können und dieses stets im Fokus behalten. All die genannten Attribute sind aber nichts wert, wenn man nicht mit voller Leidenschaft bei der Sache ist. Das ist das Wichtigste! Es geht darum, tagtäglich besser zu werden, sich der Excellence zu verschreiben und dafür alles zu tun, was in der eigenen Macht steht. Jucan steht für Leidenschaft, Kompetenz, Individualität und Qualität – und dafür stehe ich mit meinem Namen. Trotz des Erfolgs, gab es auch mal Phasen, in denen Sie ans Aufhören dachten? Es gab Momente, die sehr herausfordernd waren. Ich verfüge jedoch über diese riesengrosse Leidenschaft für die Mode und für das, was ich mache. Ans Aufhören dachte ich glücklicherweise nie. Ich bin nicht der Mensch, der zweifelt oder hadert. Wenn ich mich für etwas entscheide, dann mit allem, was dazu gehört. Und bei dieser Entscheidung wusste ich genau, dass es nicht einfach wird. Ich wusste aber auch, dass mir die Möglichkeit geboten wird, mein Leben nachhaltig zu verändern und mir mit der Selbstständigkeit einen Traum zu erfüllen. Ich weiss das sehr zu schätzen und arbeite jeden Tag hart dafür, dass ich diesen Traum noch so lange wie möglich weiterleben darf. Bleiben wir bei der Zukunft. Welche Pläne und Wünsche verfolgen Sie? Ich wünsche mir eigentlich nur eines, und das ist Gesundheit. Zusätzlich dazu wäre es natürlich schön, wenn ich den einen oder anderen mit meiner Leidenschaft für Mode inspirieren und anstecken könnte und sowohl meine Persönlichkeit als auch mein Unternehmen jeden Tag ein bisschen besser machen kann.

Interview: Manuela Bruhin Bild: Jucan

Der St.Galler Johannes Ucan gründete 2015 seine Firma Jucan. Vom Ein-Mann-Betrieb wurde daraus mittlerweile die Jucan GmbH (Mai 2019) mit zwei Stores (St.Gallen & Opfikon). Aktuell beschäftigt die Jucan GmbH vier Mitarbeiter. LEADER | September 2019


Mit neuer Frische aus dem Boxenstopp Bildlegende: Igor Mamuzic, Dani Kara und Toni Dufner

Nägele-Capaul communications AG wurde 1981 von Alexander Capaul und Arnold Nägele gegründet. In den Neunziger Jahren wuchs der Standort St. Gallen wegen des Handy-Booms sehr stark. Weitere Geschäftszweige kamen hinzu, und heute steht das Unternehmen mit rund 25 Mitarbeitenden an drei Standorten so jung wie damals im Markt. Nachdem im Sommer 2019 die Gründer ins zweite Glied zurücktraten, ergriff die nächste Generation die Gelegenheit, das Unternehmen strukturell den aktuellen Anforderungen anzupassen. Mit den Standorten Mörschwil und Triesen entstand eine neue Gesellschaft unter der Führung von Daniel Kara, Igor Mamuzic und Toni Dufner. Dieser neue Auftritt verbindet eine noch verbesserte Bedienung der Kundschaft mit den Vorzügen einer eigentümergeführten KMU.


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Wie man mit Pferden besser führen lernt

Der erste LEADER-Event exklusiv für Leserinnen und Leser findet am Donner stag, 31. Oktober 2019, stat t.

Das Seminar «Compelling» (engl. «auf den Punkt bringen») ist eine Simulation für Führungskräfte mit Pferden. Die Teilnehmer lernen hier drei Kernkompetenzen, die eine gute Führung ausmachen: klare Kommunikation, gegenseitiges Vertrauen und tiefen Respekt.

Valentin L. Frischknecht, Compelling-Gründer und -Inhaber

Es sind diese Kompetenzen, mit denen die Leitstute ihre Herde in freier Wildbahn führt. Als Teilnehmer gilt es das nicht nur zu erkennen, sondern diese Prinzipien auch in der Praxis anzuwenden. Zunächst zusammen mit einem Pferd, später alleine im Berufsalltag. Durch die Arbeit mit Pferden entdecken die Teilnehmer ihre inneren Stärken und die dazugehörigen individuellen Entwicklungsfelder. Sie üben eine echte «Change Situation» – mit einem 500-Kilogramm-Koloss. Dies schult den Umgang mit Stresssituationen und komplexen Systemen effizient und nachhaltig. Gleichzeitig erweitert sich der persönliche Horizont und man lernt, die eigenen Handlungen und Wirkungsweisen besser einzuschätzen. Sie lernen zu beobachten, Verantwortung zu übernehmen und

Zeit: Ort: Teilnehmer: Kosten:

erleben, wie geänderte Handlungsmuster sofort andere Ergebnisse hervorbringen. Das Pferd dient dabei als Spiegel des eigenen Verhaltens und ist neutraler und ehrlicher Feedbackgeber. So wird Führung erlebbar und praxisnah vermittelt. www.compelling.ch

Start 11:45 Uhr / Ende 17:00 Uhr inkl. Mittagessen Hofgut Seerücken, Hauptstrasse 110a, 8508 Homburg TG Max. 12 CHF 240 exkl. MwSt.pro Person

Anmeldungen an info@metrocomm.ch mit dem Stichwort «Compelling» – s'hät, solangs hät.

LEADER | September 2019


Profil 47 Herr Kara, Sie verkaufen und installieren Telefonanlagen. Das ist doch im Prinzip einfach. Sie bestellen beim Lieferanten, gehen zum Kunden und nehmen per «plug & play» in Betrieb. Wenn es so einfach wäre, gäbe es uns gar nicht. Dann würden unsere Kunden das Gewünschte direkt online beim Hersteller kaufen. Wir und der Markt sehen uns aber nicht als Lieferanten, sondern als Systemintegratoren. Spätestens seit der Umstellung auf digitale Telefonie wissen wir um die Komplexität und leider auch um die Problematik bei der Verfügbarkeit. Eine nicht unwesentliche Funktion nehmen wir wahr, indem wir für unsere Kunden bei den Providern «Dampf machen», wenn wieder einmal nichts geht. Mangelhafte Verfügbarkeit der Netze ist aber nur bei der Mobiltelefonie ein Thema, oder etwa nicht? Beides ist der Fall. In einem Altersheim oder einem Spital zum Beispiel beraten wir die Kundschaft schon früh sehr intensiv. Da kann es vorkommen, dass wir den Verzicht auf Festnetzanschlüsse prüfen und dafür schon in der Planung für einen Neubau sicherstellen, dass der Empfangsqualität im ganzen Gebäude einwandfrei ist. Diese Beratung verlangt viel Know-how – nicht nur technisch, sondern auch betriebswirtschaftlich und organisatorisch. Haben Sie sich denn auf das Gesundheitswesen spezialisiert? Jein. Einerseits sind hier die Anforderungen besonders hoch. Hier geht es nicht nur um Telefonie, sondern auch um Patienten- und Schwesternruf oder anders gesagt um höchste Sicherheit in der Betreuung. Dass eine demente Person im Wald den Heimweg nicht mehr findet, verhindern wir nicht einfach, indem wir sie mit einem Smartphone ausstatten. Und um auf Ihre Frage zurückzukommen: Wer diese Anforderungen abdeckt, hat auch in einem Industriebetrieb gute Karten, wenn Alleinarbeitsschutz gefragt ist. Oder eine perfekte Inhouse-Versorgung. Oder die Ortung von Fahrzeugen und Maschinen. Oder eine Funklösung.

Funk? Ja, Funk. Die Funktechnik ist bewährt und funktioniert stabil. Und vor allem funktioniert sie unabhängig von einem Provider, also peer-to-peer. Blaulichtorganisationen wie Polizei und Feuerwehr können nach wie vor nicht auf diese Technik verzichten. Stellen Sie sich nur mal die Kombination von einem Grossbrand und einem Ausfall der Telefonie vor. Telefonie, Patientenruf und Funk. Ist das alles? Nein. Digitale Kommunikation bedingt Netzwerke – drahtgebunden und drahtlos. Zudem sind Kommunikation und klassische IT längst zusammengewachsen. Unsere Spezialisten müssen also wissen, wie in einem CRM-System (Customer Relationship Management) über eine CTI-Schnittstelle direkt eine Telefonverbindung zu einem Kunden hergestellt werden kann. Vor diesem Hintergrund leuchtet es ein, dass wir uns auch um die Inhouseversorgung kümmern. Und das mit Pikett und 7/24. Letzte Frage: Wie lösen Sie die widersprüchlichen Erwartungen betreffend neutraler Beratung und der Berücksichtigung Ihrer Lieferanten? Im Prinzip ganz einfach: Wir sind mit keinem Lieferanten «verheiratet». Oft ist es ja so, dass unser Kunde genau weiss, mit welchen Endgeräten er arbeiten will. Oft sind sie ja schon da. Es ist unser erklärtes Ziel, von unseren drei Standorten die Deutschschweizer KMU und Organisationen umfassend und langfristig zu betreuen. Als ehemaliger Familienbetrieb und inhabergeführter KMU sind wir dafür bestens aufgestellt. Und wir haben noch viel vor.

Nägele Capaul bedient als Systemintegrator anspruchsvolle KMU in den Bereichen Telefonie, Netzwerk, Funk und Alarmierung. Durch Partnerschaften mit verschiedenen Herstellern bewahrt sie ihre Unabhängigkeit und sichert sich Zugang zu aktuellem Know-how. Das Unternehmen beschäftigt rund 25 hochqualifizierte Spezialisten an mehreren Standorten.

Nägele-Capaul AG, Mörschwil, 071 282 90 12, daniel.kara@naegele-capaul.com


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Raiffeisen Unternehmerpreis Ostschweiz: Die Jury hat entschieden. Diese sechs Nominierten stehen zur Wahl. Der 2. Raiffeisen Unternehmerpreis Ostschweiz kommt in seine heisse Phase. Im Rampenlicht stehen Unternehmen, die wirtschaftlich nachhaltig sowie umwelt- und sozialverträglich unterwegs sind. Nachdem die Jury in einer ersten Runde 13 von 24 Firmen vorselektierte, sind jetzt sechs davon nominiert für den Final am 14. November. Sie können ab dem 30. September wählen, wer den begehrten Publikumspreis gewinnen soll.

Bioweingut Lenz, Uesslingen Das im Thurgau gelegene Bioweingut setzt seit 20 Jahren konsequent auf eine biologische Bewirtschaftung seiner Weinberge, um ganz ohne Pestizide auszukommen. Am Schweizer Bioweinpreis 2019 besetzten die Biowinzer des Jahres 2018 von dreissig Podestplätzen deren sechs. Besonders stolz ist man, als erstes Weingut der Welt energieautark Wein herzustellen.

OekoSolve AG, Plons Man ist Technologie- und Marktführer von Feinstaubabscheidern für Holzfeuerungen bis 300 kW. Dank den Filtern von OekoSolve AG lassen sich Holzfeuerungen sauber betreiben. Das Unternehmen engagiert sich auch sozial. Die gezielte Förderung von Teilzeitarbeit sowie die Einstellung von Personen über 50 gehören hier zur Praxis.

Swissplast AG, Sargans Das Sarganser Unternehmen ist auf das Umformen thermoplastischer Kunststoffe unter Wärmeeinwirkung spezialisiert. Ihre Investitionen in einen modernen und stromsparenden Maschinenpark haben sich ausbezahlt: In nur zwei Jahren konnte man den Umsatz vervierfachen und dabei viel Energie sparen.

Bantli AG, Eschenz Bei Energietechnik und Produktion setzte die Schreinerei früh auf zukunftsgerichtete Methoden. 2007 entschloss man sich, die Datendurchgängigkeit ab 3D-CAD einzuführen. Die innovative Produktion und die ökologische Ressourcennutzung sorgen für nachhaltig zufriedene Kunden und Mitarbeiter.

Wo Unternehmer Unternehmen stärken.

LEADER | September 2019


Profil 49

Streule + Alder AG, Rorschach Die Dienstleistungen der Streule + Alder AG aus Rorschach reichen vom Fassadenbau, über Lösungen fürs Steil- und Flachdach, bis hin zum Bau von Solaranlagen. Für den Einbau von lichtdurchlässigen Solarmodulen am Bau der Haustechnik in Arbon hat der moderne Handwerksbetrieb – nebst weiteren Auszeichnungen – den Schweizer Solarpreis erhalten.

«Wir belohnen Ostschweizer KMU-Perlen für ihre Macherqualitäten, ihr vorbildlich gelebtes Unternehmertum und ihr wirtschaftlich nachhaltiges Handeln.» Gabriela Manser CEO Goba AG Jurypräsidium

Stimmen Sie für Ihren Favoriten für den Publikumspreis. Schauen Sie sich auf unserer Website die Videoportraits der Nominierten an und geben Sie Ihrem Favoriten für den Publikumspreis Ihre Stimme: www.raiffeisen.ch/publikumspreis

Berggasthaus Staubern, Frümsen Die Staubern AG ist ein innovatives Berggasthaus mit eigener Bergbahn im Wandergebiet des Alpsteins. Für ihre weltweit erste solarbetriebene Seilbahn, die netzunabhängig betrieben wird, wurde das Gastrounternehmen 2018 für den renommierten Gastropreis Milestone nominiert.

Wer den Hauptpreis – den 2. Raiffeisen Unternehmerpreis Ostschweiz – gewinnt, entscheidet unsere Fachjury im Oktober. Die Preisverleihung findet am Donnerstag, 14. November im Werk 1 in Gossau statt.

LEADER | September 2019


CH/12/21

We are where you are. In Ihren Märkten sind wir zuhause. Mit eigenen Standorten, an denen wir uns persönlich für Ihre Ziele einsetzen. Mit einem der effizientesten LogistikNetze der Welt. Und mit dem Anspruch, der uns seit mehr als 500 Jahren antreibt: Service Excellence. Wo brauchen Sie Unterstützung? www.gw-world.com

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Wirtschaft 51

Wissen und Erfahrung an die nächste Generation weitergeben Im ehemaligen Gasthof «Ochsen» in Wagenhausen TG entstehen derzeit sechs Mietwohnungen als «Silver Ox» für erfahrene Silvers (50+) und mit viel Kreativraum, den die junge Generation Z für ihre Ideen und Projekte während zweimal 100 Tagen im Jahr kostenlos nutzen kann. Mit dieser «100-Day Challenge» und dem regelmässigen «Silver Talk» soll der Austausch zwischen Jungen und Erfahrenen gefördert werden.

Andreas Schmid (Projektleiter), Roger Näf (Patron), Eveline Herzer (Besitzerin und Initiantin), Stephan Amacker (TKB), Harry Müller (Architekt & Patron): Idealer Rückzugsort

Im Rahmen der Totalsanierung der Liegenschaft «Ochsen» in Wagenhausen wollte Besitzerin und Projektinitiantin Eveline Herzer ein Nutzungskonzept entwickeln, das der Vereinsamung im Alter entgegenwirkt, Sinnstiftung und gemeinschaftliches Wohnen fördert und aktiven, unternehmerischen Personen die Möglichkeit bietet, ihr Wissen und ihre Erfahrung an die nächste Generation weiterzugeben. «Die suburbane Lage des ‚Silver Ox’ bietet den idealen Rückzugsort, um fokussiert an Ideen zu arbeiten, diese in konkrete Projekte umzusetzen und Generationen zusammenzubringen», so Herzer.

Verbindung von Jung und Alt Die erwähnte «100-Day Challenge» ist ein beispielloses Konzept: Junge Teams können sich mit ihrer Idee bzw. ihrem Projekt und einem Wetteinsatz bewerben. Hierfür definieren die Teams ein Ziel, das nach 100 Tagen erreicht werden soll, sowie einen allenfalls einzulösenden Wetteinsatz. Unterstützt werden vor allem Projekte in der Ideenreifungsphase (Pre-Seed-Phase) für die keine klassischen Finanzierungsmöglichkeiten wie Start-up- Fonds oder Venture Capital zur Verfügung stehen. Die eingegangenen Bewerbungen werden unter anderem LEADER | September 2019


Die Renaissance der Weissmetalle Christian Brenner, Geschäftsführer der philoro SCHWEIZ AG, weiss, warum der Ansturm auf die Edelmetalle so gross ist, die Weissmetalle in Form von Silber und Platin eine Renaissance erleben und warum es sinnvoll ist, über die Eröffnung eines Zollfreilagers nachzudenken. Christian Brenner, wie ist die Nachfrage bei Platin und Palladium?

Wir haben in den letzten 8 Wochen die gleiche Menge an Platin verkauft, die wir sonst in 5 Jahren zusammen verkaufen. Hintergrund ist: Platin war noch vor wenigen Jahren das wertvollste Edelmetall, gefolgt von Gold, Palladium und Silber. Hauptabnehmer bei Platin war die Automobilindustrie, welche das Edelmetall für Katalysatoren benötigte. Durch eine technische Raffinesse schaffte sie es jedoch Platin durch Palladium zu ersetzen. Die Konsequenz: Palladium überholte nicht nur Gold, sondern auch Platin. Platin wurde zum drittgünstigsten Edelmetall degradiert. Derzeit ist die Automobilindustrie dabei wieder auf das alte Verfahren mit Platin zu wechseln, um vom derzeit günstigen Einkaufswert von Platin zu profitieren. Die Umstellung wird sicher noch eine Weile in Anspruch nehmen, aber die Anleger, welche aktuell massiv in Platin investieren, gehen davon aus, dass Platin wieder zum Höhenflug ansetzen wird.

derzeit das Edelmetall Silber. Im Vergleich zu Jahresbeginn ist Silber – in Schweizer Franken gemessen – um 25% gestiegen. Endlich ist der langerwartete Anstieg eingetreten. Wir erleben eine regelrechte Renaissance dieses Anlageprodukts.

CHRISTIAN BRENNER Präsident des Verwaltungsrates philoro SCHWEIZ AG

Dieser Tage fällt häufig das Wort Zollfreilager. Was sind die Vorteile bei einer solchen Lagerung?

Silber, Platin und Palladium können in einem Zollfreilager unversteuert gekauft, gehalten und verkauft werden. Kauft man aktuell Silber bei der Bank oder über unsere Filialen im Wert von 30.000 CHF, so erhält man rund 44kg Silber. Man zahlt jedoch Mehrwertsteuer. Kauft man um denselben Wert in einem Zollfreilager, so erhält man mehr als 4kg Silber zusätzlich, da die Steuer bei der Einlagerung im Zollfreilager entfällt.

Hat mein hart verdientes Geld auch in 10 Jahren noch den gleichen Wert?

Wie ist die derzeitige Nachfrage nach Edelmetallen generell?

Wir verzeichnen in unseren Filialen das 4-fache Auftragsvolumen eines regulären Handelstages. Wenn diese Phase noch 5 Wochen anhält, berichten die Produzenten, wird es vermehrt zu Produktionsengpässen kommen – z.B. bei 100g und 250g Goldbarren. Bei 15kg Silberbarren, der Bestseller beim Zollfreilager, gibt es bei Produzenten bereits Lieferzeiten von 8 Wochen. Welche Produkte sind aktuell besonders gefragt?

Bei Gold: die Klassiker. Von 100g bis zum 1kg Goldbarren. Bei Münzen tendieren die Kunden zu Krugerrand, Wiener Philharmoniker und Maple Leaf in Unzenform. Einen Boom erlebt

Zum Schluss: Warum sollte man Ihrer Meinung nach in Edelmetalle investieren?

Die meisten Kunden, die einmal mit einem Investment in Edelmetalle begonnen haben, haben es nicht bereut. Weil sie erkannt haben, dass es wichtig ist, etwas zu besitzen, das nie an Wert verliert. Gerade in Zeiten, in der die Geldmenge willkürlich erhöht wird und man überlegen muss: „Hat mein hart verdientes Geld auch in 10 Jahren noch den gleichen Wert?“, ist die Entscheidung in Edelmetalle zu investieren, sehr sinnvoll und wichtig.

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Leaderinnen 53

bezüglich Schwierigkeit der Challenge, sozialem Nutzen, Wetteinsatz sowie Kreativität bewertet. Die Mietwohnungen richten sich an unternehmerische, aktive Persönlichkeiten über 50 Jahre, die «mehr als nur Wohnen» möchten. Sie möwollen in ihrer dritten Lebensphase mit ihrer Berufs- und Lebenserfahrung sowie spannenden Sichtweisen die Ideen und Projekte der Jungen als Testkunden, Coaches oder Berater auf die nächste Stufe heben. Das vierköpfige Projektteam unter der Leitung von Andreas Schmid und Yannick Blättler konnte sowohl Patronatsmitglieder als auch namhafte Unterstützer wie das Startnetzwerk Thurgau und die Thurgauer Kantonalbank gewinnen, die sich an der Umsetzung des Projekts bzw. der «100-Day Challenge» beteiligen.

Junge Teams können sich mit ihrem Projekt und einem Wetteinsatz bewerben.

Das vierköpfige Patronatsgremium besteht aus Unternehmern aus der Region, die den Projektteams während der «100-Day Challenge» auch als Coaches zur Seite stehen. Die Frist zur Einreichung von Projektvorschlägen und Bewerbungen für die Mietwohnungen läuft noch bis im November 2019. www.silverox.ch Text: Stephan Ziegler Bild: Patrick Moehrle

Der Verein «Silver Ox» fördert kreatives Schaffen, soziales Engagement und Unternehmertum der jungen Generation sowie den proaktiven Austausch zwischen Jung und Alt. Hierfür stehen dem Verein Räumlichkeiten in der Liegenschaft «Ochsen» an der Hauptstrasse 15 in Wagenhausen zur Verfügung. Dazu führt der Verein mindestens einmal im Jahr eine «100-Day Challenge» durch. Hierbei erhält ein junges Team, welches sich in einem Bewerbungsprozess gegen die Konkurrenz durchsetzt, die Chance, während 100 Tagen kostenneutral an ihrer Idee bzw. ihrem Projekt im «Ochsen» zu arbeiten und in einer Wohnung direkt im Haus zu wohnen. Die restlichen Wohnungen im «Ochsen» werden, wenn möglich, an Vertreter der Generation «Silvers» (50+) vermietet. Die Silvers unterstützen und beraten die Teams während der «100-Day Challenge» bei ihren Projekten. Der Verein will damit der Vereinsamung im Alter entgegenwirken, Sinnstiftung und gemeinschaftliches Wohnen fördern und aktiven, unternehmerischen Personen die Möglichkeit bieten, ihr Wissen und ihre Erfahrung an die nächste Generation weiterzugeben.

«Tun, was richtig ist» Tina Maria Wetzold (*1984) aus Abtwil ist Inhaberin von valueup.ch, mit dem sie Coachings, Trainings und Workshops anbietet. Tina Maria Wetzold, was reizt Sie an Ihrer unternehmerischen Tätigkeit? Ich liebe es, meine Vielseitigkeit frei auszuleben. Ich kann das tun, was mir entspricht und meine Arbeit auf den Alltag massschneidern. Es ist ein Privileg, mit meiner Firma die Agilität und Innovation zu leben, für die ich stehe. So trenne ich in meinen Trainings Beruf und Privates des Kunden nicht. Diese ganzheitliche Betrachtung braucht etwas Mut auf beiden Seiten, birgt aber ein riesiges Potenzial für alle. Durch meinen «Freigeist» bin ich früher, im Anstellungsverhältnis, doch immer wieder einmal angeeckt. Heute bringt mich mein visionäres Denken genau dahin, wo ich will. Und meine Kunden dahin, wo sie wollen. Was gibt es Schöneres? Auf welchen Meilenstein in ihrer beruflichen Laufbahn sind Sie besonders stolz? Auf #mefirst, einen Workshop, den ich entwickelt habe, um den Menschen näher zu sich bzw. überhaupt erst in Beziehung zu sich zu bringen. Die Konzipierung ist sehr intensiv und kann entsprechend viel bewegen. Es führt zu selbstkompetenten, resilienten, freien Menschen. Der zweite Meilenstein ist das auf Unternehmen ausgerichtete Programm #stressless, das eine neue Herangehensweise an die Stressthematik sowie daraus folgende Erkrankungen darstellt. Zusammen mit den Unternehmen lenken wir die Verantwortung wieder dahin, wo sie hingehört – zu jedem Einzelnen. Das ist der Weg, um Wachstum zu ermöglichen und sich als Unternehmen Vorteile in unserer globalisierten Welt zu sichern. Mit valueup mache ich jeden Tag das, was ich kann, für die Menschen, die Welt und die Wirtschaft und habe dabei so viel Spass wie möglich. Das ist der eigentliche Meilenstein – zu sein, wo ich hingehöre, und zu tun, was richtig ist. Welchen Vorteil bietet für Sie das Netzwerk «Leaderinnen Ostschweiz»? Es geht mir nicht um Vorteile, sondern um Teilhabe. Ich freue mich jedes Mal, was für grossartige Frauen wir in der Wirtschaft haben, geniesse den vielseitigen Austausch und freue mich über neue, interessante Kontakte. Und natürlich sind bei den Treffen zwei meiner grössten Leidenschaften vereint: Menschen und Essen. LEADER | September 2019


54 HR-Management

«Menschen kommen zu Unternehmen, aber sie verlassen Vorgesetzte» Es gibt Menschen, die nur darauf warten, dass jemand kommt und sie motiviert. Viel schlimmer noch: Sie sehen es als Auftrag ihres Vorgesetzten. Anreize von aussen können allerdings nicht die Energie von Eigenmotivation freisetzen; diese ist die stärkste Antriebskraft für Spitzenleistung. Motivierte Mitarbeiter sind zu mehr Leistung bereit, die Personalrekrutierung fällt leichter, das Arbeitsklima ist besser und die Fluktuationsrate entsprechend tief. Im LEADER-Gespräch skizziert Pascal von Gunten, CEO der von Gunten Executive Partner AG aus Wittenbach, wie man als Vorgesetzter richtig motiviert.

Pascal von Gunten, was ist Motivation eigentlich? Motivation umfasst sämtliche Beweggründe, die zur Handlungsbereitschaft eines Menschen führen. Durch die Motivation, etwas anzureissen, gepaart mit der Willenskraft, etwas durchzuziehen, erreicht man Ziele. Entsprechend wichtig ist Motivation für das Vorankommen eines Unternehmens. Intrinsische Motivation umfasst demzufolge sämtliche Quellen, welche Menschen von innen heraus motivieren? Genau. Die Thematik, die Arbeit, die Herausforderung oder auch die Verfolgung persönlicher Ideale und Werte gehören dazu. Extrinsisch sind all jene Quellen, welche Menschen von aussen zu Handlungen motivieren. Nebst monetären Anreizen gehört auch die zugewiesene Rolle einer Person im Unternehmen oder die gemeinsame Arbeit an einem übergeordneten Ziel dazu.

«Lohn ist kein Motivator, sondern ein Hygienefaktor.» Und wie sieht Motivation in der Praxis aus? In der Praxis begegnen wir v. a. drei Typen von Motivation. Alle führen zur Handlungsbereitschaft eines Menschen, die Effektivität und Langfristigkeit ist aber jeweils sehr unterschiedlich. Beginnen wir mit der primitivsten Methode: die Motivation mittels Androhung von Negativkonsequenzen. Leider ist diese Methodik weiter verbreitet, als man annehmen möchte. Drohungen mögen kurzfristig etwas bewirken und den Mitarbeiter zu einer Handlung veranlassen; von aufrichtiger Motivation kann dabei aber definitiv nicht die Rede sein.

Gut, aber die Motivation mittels Anreizen kommt dem Ganzen wohl näher? Klar: Man lockt bei dieser ebenfalls extrinsischen Methode mit Aufstiegschancen, Karriere, Prämien und Erfolgsbeteiligungen. Diese Variante mag zwar längere Wirkungskraft haben als die erste, treibt aber den Mitarbeiter noch nicht zu langfristiger Spitzenleistung an. So mögen finanzielle Anreize im Sinne eines Dankeschöns für gute Leistungen eine schöne Geste sein, werden aber schnell vergessen oder zur Selbstverständlichkeit. So bleibt noch die intrinsische Motivation? Genau. Sie ist in ihrer Wirkung unerreicht. Im Wesentlichen geht es darum, dass es dazu keinen aktiven Anreiz von aussen benötigt. Sogar einfache Anerkennung von aussen rückt dabei in den Hintergrund. Die Aufgabe oder eine Herausforderung als solche erfüllt einen ungemein. Man entwickelt aus sich selbst heraus eine Begeisterung für eine Idee, ein Ziel oder eine Tätigkeit. Und genau diese Begeisterung ist mit Abstand der stärkste Motivator überhaupt. Begeisterung inspiriert uns und bewegt uns wie eine unsichtbare Triebkraft zur Handlung. Begeisterung vertreibt den Alltagstrott und führt zu endlos scheinender Energie. Worauf sollten also Führungskräfte achten? Eine positive Beziehung zwischen Chef und Mitarbeitern ist nicht nur förderlich fürs Arbeitsklima, sondern hat nachweislich eine positive Wirkung auf die Gesundheit. Eine positive Beziehung stärkt zudem das Vertrauen und gibt Sicherheit. Leider müssen wir in der Praxis immer wieder feststellen, dass das Bild einer intakten Vorgesetzten-Mitarbeiter-Beziehung aus Chef-Sicht meist etwas anders aussieht als aus der des Angestellten. So wäre manch ein VorgesetzLEADER | September 2019


Wirtschaft 55

Pascal von Gunten: Mitarbeiter auf ihre Stärken ansetzen.

ter gut beraten, mit ehrlicher, aufrichtiger Anerkennung der Leistungen seiner Mitarbeiter zu starten.

Extrinsische Motivation kommt nicht an intrinsische heran? Nein. Trotzdem müssen Führungskräfte zumindest sicherstellen, dass sie ihre Leute nicht demotivieren. Menschen kommen zu Unternehmen, aber sie verlassen Vorgesetzte. Misstrauen, Neid, Intoleranz,

«Begeisterung ist der mit Abstand stärkste Motivator überhaupt.» Selbstsucht, Narzissmus und persönliche Diskrepanzen sind nur einige Faktoren, die an einer guten Beziehung nagen. Hängt der Haussegen erst einmal

schief, braucht es viel Aufwand, die Situation wieder ins Reine zu bringen. Dazu reicht es nicht, die Beziehung mittels Lohnerhöhung oder Boni wieder geradebiegen zu wollen. Lohn ist kein Motivator, sondern ein Hygienefaktor.

Konkret: Wie kann ich die Eigenmotivation meiner Mitarbeiter fördern? Einige muss und kann man tatsächlich zu ihrem Glück zwingen. Setzen Sie die Mitarbeiter auf Ihre Stärken an. Wer seine Stärken ausleben kann, ist motivierter, leistet bessere Arbeit und macht weniger Fehler. Solche Stärken können zum Beispiel analytische Stärken sein: organisieren, strukturieren, planen oder mit Zahlen arbeiten. Es können aber auch kreative Stärken sein: Ideen entwickeln, ausprobieren, forschen, innovativ sein. Vielleicht besitzt jemand auch ausgesprochene praktische Fähigkeiten: LEADER | September 2019


56 HR-Management

Etwas erarbeiten, handwerklich tätig sein etc. Eine weitere Möglichkeit ist es, die Mitarbeiter in ein Umfeld zu platzieren, in dem es von motivierten Mitarbeitern nur so wimmelt. Motivation und Begeisterung stecken an und es ist schwierig, sich dieser Energie zu entziehen.

«Manch ein Vorgesetzter wäre gut beraten, mit aufrichtiger Anerkennung der Leistungen seiner Mitarbeiter zu starten.» Und wie motiviere ich die «digitale Generation», die nun auf den Arbeitsmarkt kommt? In Bezug auf die neue Arbeitsgeneration können ebenfalls konkrete, motivationsfördernde Anhaltspunkte definiert werden. Wer in seiner Unternehmenskultur Eigenschaften wie Selbstbestimmung, Freiheit und Individualität verinnerlicht, setzt in Bezug auf die Attraktivität am Arbeitsmarkt schon mal ein klares Zeichen. Der Lohn bleibt auch für die

digitale Generation wichtig, wird jedoch mit dem Anspruch nach sinnstiftender, abwechslungsreicher Arbeit, persönlicher Erfüllung und Selbstverwirklichung gleichgesetzt.

Arbeit nur des Profites wegen verliert also an Bedeutung? Allerdings. Auch gehören Karrierechancen und Entwicklung nicht zu den wichtigsten Attraktivitätskriterien für die neue Arbeitsgeneration, wie eine Studie der FHS St.Gallen zu den «Digital Natives» bestätigt. Der neuen Generation ist auch partnerschaftliche Führung wichtig. Anerkennung, Respekt, Unterstützung und offene Kommunikation sind Grundvoraussetzungen, damit sie sich wohlfühlt. Von ihren gleichrangigen Arbeitskollegen erwarten sie ein Team, welches charakterlich und auf kollegialer Ebene funktioniert.

Text: Stephan Ziegler Bild: Thomas Hary

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LEADER | September 2019


HR-Management 57

Das «Wir-Gefühl» stärken Positives Personalmanagement setzt auf menschliche Potenziale und darauf, dass Innovation und Wandel im Team besser gemeistert werden können. Dies setzt ein Umdenken voraus – das Modell «oben wird gedacht, unten gemacht» wird durch «gemeinsam sind wir stark» ersetzt.

mehr und schneller innovative Ideen auf den Markt zu bringen, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Ein solcher Wandel verlangt nach Flexibilität – in den Köpfen, in der Zusammenarbeit und nicht zuletzt in der Art und Weise, wie man Unternehmen führt.

Antoinette Weibel: Psychologisches Kapital für Einstellungen und Verhalten nutzen.

Die Zukunft der Arbeit, so die Vermutung führender Führungs- und Personalexperten, kann nur verantwortungsvoll gehandhabt werden, wenn ein grundlegendes Umdenken in den Unternehmen stattfindet. Laut aktuellen Prognosen übernehmen Roboter in der Zukunft viele automatische Tätigkeiten. Weniger dort, wo es um das Generieren von kreativen und kundenorientierten Lösungen geht, einen wei-

Jeder Mitarbeitende kann lernen, wie man die eigenen Fähigkeiten besser im Unternehmen einbringen kann. teren Trend, der die Zukunft der Arbeit ebenfalls prägen wird. Denn in der schnelllebigen und agilen Zeit von morgen sind Unternehmen stark gefordert,

Mitwirken wollen und können Allerdings: Zu viele Unternehmen richten ihr Management weiterhin nach dem konventionellen «planning – organizing – staffing – directing – controlling»-Prinzip aus. Auch im Personalmanagement bleibt diese traditionelle Planungsbrille tief verankert. Kontrolle und Steuerung von Mitarbeitenden – «alle auf Kurs halten» – stehen hoch auf der HR-Agenda. Der momentane Status quo vieler Unternehmen ist: Man identifiziere die Stars, überschütte diese mit finanziellen Anreizen und fördere ihr Weiterkommen in der Unternehmenshierarchie. Dieses Modell halten wir nicht mehr für zielführend. Wir müssen umdenken: Weg von der Förderung einzelner Talente hin zur Entwicklung von Hochleistungsteams, die in der Lage sind, mit dem rasanten und dynamischen Wandel mitzugehen und diesen mitzugestalten. Dieses positive Personalmanagement baut auf den Grundlagen der positiven Psychologie auf und erweitert diese um betriebswirtschaftliche Erkenntnisse. Anders als im traditionellen Managementmodell geht es im positiven Personalmanagement nicht um Fremdkontrolle und «auf Kurs halten». Im Gegenteil, im Mittelpunkt des positiven Personalmanagements stehen «resourceful Humans» – Mitarbeitende, die mitwirken wollen und können. Es geht also darum, wie Personalmanagement durch Förderung von Kompetenzen und Potenzialen von Mitarbeitenden sowie einer vertrauensbasierten Zusammenarbeit zum Erfolg von Unternehmen beitragen kann. Mit dem Thema des Wollens setzt sich die Motivationsforschung auseinander. Hier steht insbesondere die Freude an einer sinnvollen Arbeit im Mittelpunkt. Weniger beleuchtet ist jedoch die Frage des Könnens. Positives Personalmanagement setzt hier an und stellt das sogenannte psychologische Kapital eines Menschen in den Mittelpunkt. Dieses besteht aus vier persönlichen Ressourcen: der Selbstwirksamkeit, der Hoffnung, des Optimismus und der LEADER | September 2019


58 Profil

Künstliche Intelligenz in der Rekrutierung Grundlegende Veränderungen in Suchprozessen für die Rekrutierung von Fach- und Führungskräften – ein kurzer Einblick

ENGINEERING MANAGEMENT SELECTION E.M.S.

Seit 1987 über 6’000 Fach- und Führungspo

Künstliche Int in der Rekruti

Patrick Bernold

Die Aufgabe, eine attraktive Position in Ihrem Unternehmen zu besetzen, erfordert Ausdauer und Ressourcen. Was geschieht, wenn trotz kostspieliger Publikation und zeitintensiver Aktivierung des eigenen Netzwerks die erhofften Bewerbungen ausbleiben? Dies ist oft der Fall, wenn die Nachfrage das Angebot an Fachkräften übersteigt. Hier sind andere Suchmethoden gefragt, beispielsweise die direkte oder die indirekt umwerbende Ansprache. Die indirekte Umwerbung wird in der Regel bevorzugt, denn dabei werden potenziellen Bewerbern bei irgendeiner Internet-Recherche scheinbar zufällig passende Angebote eingeblendet. Die meisten schätzen diese Form der Ansprache, da sie nur wenig Zeit investieren müssen, um mehr zu erfahren.

Zufällige Einblendung? Die Einblendung ist natürlich kein Zufall, sondern beruht auf einem von Google hergestellten Matching zwischen den Keywords der Stellenanzeige und dem Suchverhalten des Internet-Nutzers. Dieses Muster dürfte allgemein bekannt sein. So erhalten Sie beispielsweise bei der Ferienplanung im Anschluss an Ihre Internet-Recherchen diverse Angebote zur gesuchten Thematik. Das Pendant dazu wäre das ReMarketing, das Ihnen andauernd neue Vorschläge spezifischer Seiten (beispielsweise von Zalando) beschert, die Sie besucht haben. Mehr Informationen finden Sie hier: bit.ly/2NcKjpy Was können Sie tun, um die künstliche Intelligenz von Google für sich arbeiten zu lassen? Sie haben mehrere Möglichkeiten: – Aneignung oder Ausbau des eigenen digitalen Wissens

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Nachdem sich die Suchprozesse für die Rek legend verändert haben, geben wir hier ein

Zusammenarbeit mit einer geeigneten Webund/oder Media-Agentur mit relevanter ErfahIn Ihrem Unternehmen ist eine attraktive Porung in diesem Bereich sition vakant, Sie haben die Stelle auf Ihrer Übertragung der Suche an einen PersonalWebseite und den bekannten Stellenportalen dienstleister,publiziert der überoder das sogar entsprechende Knowein kostspieliges Zeihow und eintungsinserat Reichweiten-Tool geschaltet mit – undErfolgsausdennoch bleiweisen/Referenzen verfügt Bewerbungen aus. Zusätzben die erhofften

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Profitieren Sie von unserer Erfahrung Die Engineering Management Selection E.M.S. AG und ihre Schwestergesellschaft Corporate Management Selection C.M.S. AG beschäftigen sich seit acht Jahren erfolgreich mit der mehrdimensionalen Suche. Entscheidend bei allen Überlegungen sind die Zielgruppen und die Reichweite – das heisst, Ihr Stellenangebot muss dort präsent sein, wo sich die Zielpersonen bewegen. Mehr dazu: bit.ly/2G5MA3T

Engineering Management Selection E.M.S. AG in St. Gallen Die Engineering Management Selection E.M.S. AG ist mit Geschäftsstellen in St. Gallen, Basel, Bern, Lausanne und Zürich präsent. In den letzten 30 Jahren wurden über 6000 Fach- und Führungspositionen mit Ingenieuren und Informatikern aller Fachrichtungen erfolgreich besetzt. Ihr Kontakt: Patrick Bernold, Niederlassungsleiter St. Gallen Tel. +41 71 228 44 44, pbernold@ems.ch www.ems.ch

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Stellenan LEADER | September 2019


HR-Management 59

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Anastasia Sapegina: Psychologisches Kapital trägt zu mehr Unternehositionen für Ingenieure und Informatiker erfolgreich besetzt mertum und höherem Unternehmenserfolg bei.

telligenz ierung

Resilienz. Das Zusammenspiel dieser vier befähigt Mitarbeitende, mit Komplexität, Unsicherheit und unvorhersehbaren Ereignissen bei der Arbeit besser umzugehen. Mit anderen krutierung von Fach- und Führungspersönlichkeiten grund- Worten: Psychologisches Kapital befähigt Mitarbeitende, Wandel aktiv mitzunen kurzen Einblick. gestalten.

Sie die Aktivierung Ihres Netzwerks

gekostet. Diese Situation wiederholt

elmässig, sobald die Nachfrage das an Fachkräften übersteigt. Die Ar-

menden haben sich rasch daran ge-

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menserfolg Aus der Sicht des Personalmanagements ist psychoPaddling gegoogelt haben, erhalten Sie anlogisches Kapital zu ausdiesen zweiTheGründen attraktiv. Ersschliessend diverse Angebote tens funktioniert zeigen viele Studien, men. Anders wiederum dasdass Re- sich psychologisches Marketing, das Ihnen, Sie auf der Kapital positivwenn auf Einstellungen und Verhalten von Zalando-Seite waren, ausdauernd neue So Vor-beispielsweise auf den Mitarbeitenden auswirkt. schläge von Zalando beschert. Mehr InformaUmgang mit Veränderungen, auf die Leistungsfähigtionen finden Sie hier: bit.ly/2QovRO0 keit, das Wohlbefinden und die Zufriedenheit der Mitarbeitenden amdie Arbeitsplatz. Neue Forschung Was können Sie tun, um zeigtIntelligenz zudem, dass psychologisches Kapital zu mehr künstliche von Google für sichUnternehmertum arbeiten zu lassen? und zu einem höheren UnternehSie haben mehrere Möglichkeiten: menserfolg beiträgt. – Sie verfügen bereits über digitales Wissen Zweitens kann man psychologisches Kapital einfach, Hotels, Ferien, Gartenmöbeln oder Stand-Up-

oder eignen es sich an.

– Sie arbeiten mit einer geeigneten Web-

und/oder Media-Agentur zusammen, welTeambonus, spielerischer Wettbewerb sowie Dankche idealerweise viel relevante Erfahrung barkeit und Auszeichnungen mit Stellenanzeigen hat. könnten Bestandteile or, wenn dies nur indirekt erfolgt, das – Sie übertragen die Suche einem Personaleiner neuen Leistungskultur sein. wenn sie bei irgendeiner Internet-Redienstleister, der über entsprechendes

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kostengünstig und zeiteffizient trainieren. Daher ist psychologisches Kapital eine PotenzialressourProfitieren Sie von unserer mehrce – jeder Mitarbeitende kann lernen, wie man die jährigen Erfahrung eigenen Fähigkeiten besser im Unternehmen einDie Engineering Management Selection bringen kann. E.M.S. AG und ihre Schwestergesellschaft Wie schafft man den Schritt von leistungsfähigen Corporate Management Selection C.M.S. AG Mitarbeitenden zu erfolgreich Hochleistungsteams? Sicher beschäftigen sich seit acht Jahren nicht, indem man einfach Hochleistungsindividumit der mehrdimensionalen Suche. Entscheidend bei sind wäre die zu einfach gedacht. en allen in einÜberlegungen Team packt. Das Zielgruppen und geht die Reichweite dasUmfeld zu schaffen, in Vielmehr es darum,–ein heisst, Ihr Stellenangebot muss dort dem sich Mitarbeitende eigenständig und selbstorpräsent sein, wo sich die Zielpersonen ganisiert mit anderen in der Organisation vernetzen

können und die Zusammenarbeit im Team als hilfreich und positiv empfinden. Es geht also um das soziale Kapital. Soziales Kapital stärkt das «Wir-Gefühl» und das gemeinsame «Anpacken» im Unternehmen. Es ermöglicht Wissensaustausch und Innovation. Voraussetzung hierfür bilden ein respektvoller und wertschätzender Umgang, eine aufrichtige, lern orientierte und zeitnahe Kommunikation sowie eine starke Vertrauenskultur.

Betonung von Gruppenzielen Soziales Kapital wird durch verschiedene Massnahmen positiv beeinflusst. So zeigt etwa die Forschung, wie wichtig positive Gefühle sind, weil diese geistige Offenheit und Empathie fördern. Hier reichen oft auch undramatische, kleine Dinge wie etwa aufrichtig gemeinte Äusserungen von Dankbarkeit. Auch formale Instrumente des Personalmanagements zeigen Einfluss. So führt etwa die Betonung von Gruppenzielen zu einer Stärkung der Zusammenarbeit. Auch Bewertungs- und Leistungsmanagementsysteme üben einen starken Einfluss aus. So schädigen etwa auf Wettbewerb ausgerichtete Bewertungssysteme die Zusammenarbeit. Die Betonung der Einzelleistung und der Druck, besser als die anderen Mitarbeitenden zu sein, sind Gift für die Zusammenarbeit. Nicht selten sind Neid, unfaire Drängelei und wenig verantwortungsvolles Handeln Konsequenz dieser Systeme. Wer jedoch auf Hochleistungsteams und Vertrauenskultur setzen will, ist gut beraten, eher auf kooperative Personalmanagementinstrumente zu bauen. Teambonus, spielerischer Wettbewerb zwischen Teams sowie Dankbarkeit und Sinnhaftigkeit signalisierende Auszeichnungen könnten Bestandteile einer neuen Leistungskultur sein.

Text: Antoinette Weibel und Anastasia Sapegina, FAA-HSG Bild: zVg

fügt.

bewegen. Mehr dazu: bit.ly/2G5MA3T

Prof. Dr. Antoinette Weibel ist Direktorin am Forschungsinstitut für Arbeit und Arbeitswelten und Professorin für Personalmanagement an der Universität St.Gallen. Anastasia Sapegina ist Doktorandin und wissenschaftliche Assistentin am FAA-HSG. Der vorliegende Text ist ein Auszug aus dem Artikel «Zukunft der Arbeit» von Weibel und Sapegina in «personalSCHWEIZ». LEADER | September 2019


60 Profil

«Wir finden Persönlichkeiten» Die richtige Person zu finden, die sowohl fachlich als auch menschlich zu einem Unternehmen passt, ist für viele Firmen sehr aufwändig geworden. Die PMS Schönenberger AG bietet Unternehmen mit ihren Dienstleistungsmarken Executive Search, Personalberatung und HR Services seit rund 40 Jahren massgeschneiderte HR-Lösungen im Bereich von Fach- und Führungskräften. Mit Erfolg. Seit 2013 führt Raphael Schönenberger das Unternehmen und erklärt, worauf es bei der Personalrekrutierung- und Selektion ankommt und was das Erfolgsrezept ist.

Raphael Schönenberger, mit welchen Erwartungen kommen Unternehmen auf Sie zu? Grundsätzlich erwarten unsere Kunden von uns, dass wir für sie die am besten geeignete Person für eine spezifische Stelle finden. Da die Rekrutierung von Fach- und Führungskräften aufgrund des tro-

«In unserem Geschäft geht es um Beziehungen zwischen Menschen.» ckenen Arbeitsmarkts anspruchsvoller geworden ist, legen die Unternehmen Wert auf einen professionell geführten Rekrutierungsprozess. Der Schwerpunkt

kann dabei sowohl auf der eigentlichen Suche – dem Hunting – oder der Selektion der geeigneten Person liegen.

Wie gehen Sie bei der Personalsuche vor – komplett digital mit Big Data und Suchmaschinen oder wie muss man sich das vorstellen? Ja, die Digitalisierung hat auch unsere Arbeitsmethodik verändert. Neue Technologien bieten uns interessante Möglichkeiten in der Rekrutierung, mit denen wir intensiv arbeiten. Speziell im Prozess der Identifikation von potentiellen Kandidaten ist es wichtig, in der digitalen Welt gut positioniert zu sein und mit Tools zu arbeiten, die einen Zugang zu

Wir finden Persönlichkeiten EXECUTIVE SEARCH PERSONALBERATUNG HR SERVICES

PMS SCHÖNENBERGER AG St.Gallen | Zürich | München www.pms-schoenenberger.com

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Profil 61

Was ist die grösste Herausforderung für die PMS Schönenberger AG bei der Kandidatensuche? Die grösste Herausforderung ist auch für uns die Situation auf dem Arbeitsmarkt. Zum einen spürt man den Mangel an Fach- und Führungskräften in absoluten Zahlen – die Anzahl der Bewerbungen gehen tendenziell zurück – zum anderen suchen aufgrund der stabilen konjunkturellen Lage Unternehmen neue Mitarbeitende. Eine hohe Nachfrage bei knappem Angebot müsste theoretisch dazu führen, dass nur jene Unternehmen neue Mitarbeitende gewinnen, die hohe Löhne bezahlen. Ist das tatsächlich so? Nein, zum Glück nicht. Das hat aber auch mit einer neuen Einstellung bei den Arbeitnehmern zu tun. Die Attraktivität einer Position hängt nicht nur vom Gehalt ab. Sinnhaftigkeit sowie der persönliche Wunsch, glücklich mit der eigenen Arbeit zu sein, werden zusehends wichtigere Faktoren bei der Auswahl einer neuen beruflichen Herausforderung.

Raphael Schönenberger, CEO PMS Schönenberger AG. «Die Attraktivität einer Position hängt nicht nur vom Gehalt ab.»

zielgruppenspezifischen Fach- und Führungskräften ermöglicht. Lediglich ein Inserat auf einem OnlinePortal zu posten führt in den seltensten Fällen zum Erfolg.

Dann arbeiten Sie also ausschliesslich digital? Nein, natürlich nicht. Wir arbeiten mit Menschen und für Menschen. In unserem Geschäft geht es um Beziehungen zwischen Menschen. Wir müssen in der Lage sein, Unternehmenskulturen, Führungsstile, Verhaltensweisen und Motivation von Menschen zu verstehen. Dazu braucht es nach wie vor intensive

«Je häufiger ein Mensch seine Charkterstärken einsetzen kann, umso glücklicher wird er tendenziell sein.» persönliche Gespräche, zum Glück. Nur so können wir sicherstellen, dass wir die richtige Person für unsere Kunden finden. Lediglich unsere Methodik hat sich aufgrund der Digitalisierung verändert und eröffnet uns neue Chancen.

Was für eine Rolle spielt das Netzwerk bei der Personalberatung, das sich das Unternehmen über die Jahre aufgebaut hat? Unser Netzwerk ist einer der wichtigsten Assets unseres Unternehmens. Wie bereits gesagt besteht unsere Aufgabe darin, Menschen zusammenzubringen. Dazu brauchen wir ein Netzwerk zu Arbeitgebern als auch zu Arbeitnehmern. Nebst dem Netzwerk gehören aber auch ein professionelles Projektmanagement sowie Leidenschaft und Empathie zu unseren Erfolgsfaktoren.

Dann ist es also auch Ihre Aufgabe herauszufinden, was einen Menschen glücklich macht? Ja in einem gewissen Sinne schon. Wenn wir die Motive und Kerneigenschaften einer Person kennen, können wir abschätzen, wie zufrieden und glücklich sie in einem Arbeitsumfeld sein kann. Diese Daten ermitteln wir mit strukturierten Interviews und Persönlichkeitsanalysen. Je häufiger ein Mensch seine Charakterstärken einsetzen kann, umso glücklicher wird er in der Tendenz auch sein. Sie bieten auch Beratung von Mitarbeitern an, die infolge Umstrukturierung ihre Stelle verloren haben – wie stark wird dieses Angebot genutzt? Dieses Angebot wird seit vielen Jahren genutzt. Bei einem professionellen Trennungsmanagement geht es nicht nur um soziale Verantwortung dem Betroffenen gegenüber, der Fokus liegt vielmehr auf dem gesamten Unternehmen. Genau hier setzen wir an und schaffen als externer Partner Entlastung und bringen neben breiter Expertise die nötige Aussensicht ein. Dies trifft für den Einzelfall wie auch grosse Reorganisationen zu. Zum Schluss wagen wir einen Blick in die Zukunft: Wie sieht die Personalberatung und Rekrutierung von Personal in zehn Jahren aus? Das ist schwierig zu prognostizieren, da es verschiedene soziale, politische und wirtschaftliche Einflussfaktoren gibt. Ich gehe davon aus, dass sich die Rollen der verschiedenen Player auf dem Arbeitsmarkt weiter verändern werden, neue Modelle der Zusammenarbeit entstehen und Technologien weiter eine grosse Dynamik in die Branche bringen werden. Was bleiben wird, sind die Menschen und denen wird auch in 10 Jahren unsere volle Aufmerksamkeit gehören. LEADER | September 2019


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Dem Fachkräftemangel mithilfe von Big Data die Stirn bieten Die Stellenbesetzung von Spitzenpositionen erfolgt seit langem über Headhunting. Immer mehr Unternehmen suchen auf diese Weise mittlerweile auch gezielt ihre Fachkräfte. Dabei setzen immer mehr auf die Firma ks selection in St.Gallen. Sie hat sich auf die digitale Mitarbeitersuche spezialisiert und spürt mittels modernster Online-Suchtechnologien und Big Data gezielt Talente und Fachkräfte auf. Mit Erfolg.

Gewisse Stellenbesetzungen können für Unternehmen sehr langwierig werden: Immer weniger finden sie über konventionelle Stellenausschreibungen ihren Wunschmitarbeiter – weil er sich gar nicht erst bewirbt. Gerade im IT-Bereich, Maschinen- und Anlagebau, im Engineering aber auch bei mehrsprachigen kaufmännischen Berufen herrscht ein zunehmender Fachkräftemangel. Fachspezialisten können

«Unternehmen müssen gezielt proaktiv auf Fachspezialisten zugehen und um sie werben.» sich demzufolge ihren neuen Arbeitgeber aussuchen – und dieser muss kräftig um sie werben. «Der sogenannte War for Talents verschärft sich zunehmend», sagt Christoph Battocletti, Geschäftsführer von ks selection. Dies gilt zunehmend auch für Randregionen und bei kleineren und mittleren Unternehmen.

Big Data und einzigartige Software Die Firma ks selection mit Hauptsitz in St.Gallen wirkt dem Fachkräftemangel mit einer eigens entwickelten Online-Sourcing-Software entgegen. Ihre weltweit einzigartige Software sucht im Auftrag von Unternehmen auf gleichzeitig mehr als 50 SocialMedia-Kanälen nach potenziellen Kandidaten für eine bestimmte Stelle. Dabei nutzt sie Big Data und Schnittstellen zur Google-Suche. «Die Software erkennt, wie oft jemand beispielsweise nach Stellen sucht und errechnet daraus, wie gross die Wahrscheinlichkeit ist, dass jemand die Stelle wechseln möchte», sagt Battocletti. Im Namen der Auftraggeber sprechen die Mitarbeitenden der ks selection

passende Kandidaten in nationalen und internationalen Arbeitsmärkten an – auf den Online-Plattformen, wo sie sich am meisten aufhalten. ks selection ist auf Online Recruiting/Active Sourcing spezialisiert – zudem übernimmt ks selection auf Wunsch für ihre Kunden den kompletten Rekrutierungsprozess bis hin zur Besetzung der Stelle. «Die Unternehmen können aus verschiedenen Paketen auswählen – damit decken wir die unterschiedlichen Bedürfnisse ab», erklärt Battocletti. Seit der Gründung 2015 hat ks selection vielen Firmen zu passenden Kandidaten verholfen, darunter KMU, aber auch Grosskonzernen. «Der digitale Weg mit Big Data und Active Sourcing ist für uns klar die Zukunft», sagt Battocletti. Die ks selection verfügt über Arbeitsplätze in Zürich und im Ausland und beschäftigt heute sieben Mitarbeitende. Als Hauptsitz hält Battocletti auch in Zukunft an St.Gallen fest:

«Digitale Mitarbeitersuche mit Big Data und Active Sourcing ist nicht die Zukunft, sondern die Gegenwart.» Etwa die Hälfte der Kunden sind in der Ostschweiz tätig und hier sieht der 32-jährige Jungunternehmer viel Potential. «Es gibt hier sehr viele erfolgreiche und innovative Unternehmen.»

Bild: padvog images/www.padvog.com

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Profil 63

Christoph Battocletti, Geschäftsführer ks selection:

«Der War for Talents wird sich weiter verschärfen.»

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64 Profil

Das Bündner-Team von COFOX

Das Bündner Team der COFOX (v.l.): Fadri Cadonau (VR, Vorsitz GL), Reto Kuoni (Technik), Martin Frei (Leiter Solution Business),   Joachim Rahn (Verkauf), Flurin Giger (Verkauf), Raimund Stecher (Technik), Enrica Cadonau-Freund (VR, Vorsitz GL).

Das St.Galler-Team von COFOX

Das St. Galler-Team der COFOX (v.l.): Bruno Eugster (Technik), Bruno Klaus (Leiter Verkauf),  Sandra Müntener (Leiterin Administration), René Hollenstein (Verkauf), Enrica Cadonau-Freund  (VR, Vorsitz GL), Fadri Cadonau (VR, Vorsitz GL), Louis Bauer (Technik), Angelo Hohl (Technik),  Nino Botta (Technik), Juan Albendiz (Technik). LEADER | September 2019


Publireportage / Bild und Text von COFOX

Digitalisierung nach Mass

Persönlich und nah statt anonym und global Druck und Dokument-Management funktionieren am besten, wenn sich erfahrene Profis darum kümmern. Mit den schlauen Füchsen von der COFOX funktioniert das perfekt – persönlich und nah statt anonym und global. Richtig integriert und schlau genutzt, wird Technik viel   effizienter und praktischer. Clevere Gesamtlösungen von   der COFOX mit Leistungen nach Mass bringen da sehr  viel. Weil professionelles Know-how drin steckt und man  sich jederzeit auf einen kompetenten Partner verlassen  kann. Weil sie beim Unterhalt und Betrieb für Entlastung  und mehr Effizienz sorgen. Und weil man beim Drucken  und Verarbeiten von Dokumenten mehr Sicherheit und  Komfort geniesst. Bei der COFOX setzt man darum auf schlaue Gesamtlösungen nach Mass und eine praktische, persönliche Zusammenarbeit, um mehr Nutzen für Kunden zu erzielen.  Kompetente Beratung ist darin ebenso enthalten, wie  Know-how und höchste Service-Qualität. Denn bei COFOX  nimmt man Qualität persönlich.   Die COFOX-Gesamtlösungen für Druck- und Dokument-  Management passen sich Kundenwünschen dabei optimal an.  Sie überzeugen durch tiefe Druckkosten, Effizienz und Komfort. Mehrere Leistungen stehen zur   Wahl: Drucksysteme und Software. Service und Unterhalt. Verbrauchsmaterialien-Nachschub und Papiere.   Finanzierung und Verrechnung nach Mass. Besonders  beliebt ist die Lösung «Alles neu ohne Vorinvestition»,   ein kostengünstiger Weg zur Modernisierung.

St.Gallen | Zizers | Scuol | Schaffhausen

Mit vier Niederlassungen in der Ostschweiz sind   die schlauen Füchse von der COFOX auch räumlich   stets nahe beim Kunden. Lästige Service-Hotlines   mit endlosen Warteschlaufen gibt es bei der COFOX   nicht. Dafür kompetente Betreuung durch engagierte  Profis mit Herz und Verstand – persönlich und nah   statt anonym und global.

Die COFOX-Berater bringen Sie gerne auf den Weg. 071 274 00 80

www.cofox.ch LEADER | September 2019


66 Spotlight

Hugelshofer fährt elektrisch für die Post Die Frauenfelder Logistikgruppe Hugelshofer setzt seit diesem Sommer einen elektrischen Sattelzug ein. Im Rahmen eines Pilotprojekts liefert sie damit Pakete für die Post. Ziel ist es, Erfahrungen im Bereich alternativer Antriebskonzepte zu sammeln.

Appenzeller Ofenbauer europäisch ausgezeichnet Der Ofenbaubetrieb «die mansers ag» aus Appenzell macht international auf sich aufmerksam: Am Design-Wettbewerb «Ofenflamme 2019» wurde sein Ofen als einziger Schweizer Teilnehmer mit dem Design-Preis «Ofenflamme 2019 Selection» ausgezeichnet. Im Rahmen der internationalen Fachmesse «Ofenwelten» in Frankfurt wurden 151 Öfen aus ganz Europa von einer Expertenjury bewertet.

SFS als bester Arbeitgeber ausgezeichnet Der Befestigungstechnik- und Präzisionskomponentenanbieter SFS Group aus Heerbrugg hat beim Swiss Arbeitgeber-Award den 1. Platz in der Kategorie Grossunternehmen erreicht. Mit dem Preis werden die besten Arbeitgeber in der Schweiz und in Liechtenstein geehrt. Der Award ist an vier Unternehmen vergeben worden. SFS war in der Kategorie Grossunternehmen siegreich, zu welcher Firmen mit mindestens 1000 Angestellten zählen.

TKB: Netto-Neugeldzufluss von 590 Millionen

Zur Rose wächst im ersten Semester knapp 30 Prozent Die Thurgauer Versandapotheke Zur Rose ist im ersten Halbjahr vor allem dank der Übernahme von Medpex stark gewachsen. Der Umsatz stieg im ersten Halbjahr um 28 Prozent auf 772 Millionen Franken. Unter Ausklammerung der Medpex-Übernahme lag das Wachstum bei 10,9 Prozent, wie die Zur Rose Suisse AG mit Hauptsitz in Frauenfeld mitteilte. Unter dem Strich resultierte ein praktisch unveränderter Reinverlust von 17,1 Millionen Franken.

Säntispark zum besten BusinessSeminarhotel gewählt Das Hotel Säntispark in Abtwil wurde in der Kategorie „Seminarhotel Business“ der Focus-Wahl 2019, einer schweizweit repräsentativen Wahl der besten Seminarhotels und Tagungszentren durch SpektraMedia, auf den ersten Rang gewählt und gehört somit zu den Top-Seminarhotels und zu den beliebtesten Hotels der Schweiz. Nach 2017 und 2018 erreichte das Hotel Säntispark zum dritten Mal in Folge den ersten Rang.

Die TKB hat das erste Halbjahr 2019 gut gemeistert. Die Ausleihungen und Kundengelder sind je um über 500 Mio. Franken gewachsen. Das Zinsengeschäft entwickelte sich leicht rückläufig, während im indifferenten Geschäft ein Plus resultierte. Der Halbjahresgewinn von 72,2 Mio. Franken liegt 1 Prozent unter dem Wert des Vorjahres.

Spatenstich zum Zwischenlager Neben dem Neubau der City-Garage AG an der Zürcher Strasse 511 entsteht in den nächsten Tagen auf rund 4500 m2 ein neues Zwischenlager für 200 Neuwagen. Mit dem weiteren Ausbau durch das neue Neuwagenlager bekräftigt die City-Garage AG ihre Strategie als St.Galler Unternehmen. LEADER | September 2019


Spotlight 67

Eberle, Grill und Tobler gewinnen Anerkennungspreis Der Schwarzacher Orgelbauer Wendelin Eberle sowie Cornelia Grill und Christoph Tobler von Sefar aus Thal haben den Anerkennungspreis der HansHuber-Stiftung gewonnen. Den Anerkennungspreis verleiht die Stiftung aus Heerbrugg jährlich an Personen, die sich besondere Verdienste im Zusammenhang mit dem dualen Berufsbildungssystem erworben haben.

Mit der fünften Generation ins zweite Jahrhundert Generationenwechsel bei der St.Galler Herold Taxi AG: Daniel Holenstein übergibt den Betrieb des grössten Taxi- und Kleinbusunternehmens der Region an seinen Sohn Samuel Holenstein. Bruder David Holenstein übernimmt die Planung und Administration.

Acrevis bestätigt Rekord-Halbjahr 2018 Ausleihungen, Kundenvermögen, Depotvolumina und Ertrag konnten auch im ersten Halbjahr 2019 gesteigert werden. Der Halbjahresgewinn liegt mit CHF 9.92 Mio. trotz substanzieller Zukunftsinvestitionen auf Vorjahres-Niveau. Die Bilanzsumme ist im Vergleich zum Jahresende 2018 um CHF 16.9 Mio. (+ 0.4 %) gestiegen. Aktivseitig haben sich Verschiebungen von den flüssigen Mitteln (Reduktion um CHF 43.9 Mio. oder - 6.6%) zu den Kundenausleihungen (Anstieg um CHF 53.3 Mio. oder +1.5%) ergeben.

Teilbezug des Stadler-Werks St.Margrethen steht kurz bevor Stadler hat Ende August zusammen mit Regierungsrat Benedikt Würth und Gemeindepräsident Reto Friedauer die Aufrichte des neuen Stadler-Werks in St.Margrethen gefeiert. Der neue Standort für über 80 Millionen Franken auf dem Altfeldareal bietet Platz für 1400 Mitarbeiter. Auf rund 35 000 Quadratmetern sind Produktions- und Lagerflächen optimal aufeinander abgestimmt. Mit der Aufrichte läutet Stadler die letzte Bauphase des neuen Kompetenzzentrums für Doppelstocktriebzüge ein.

Weniger RaiffeisenGewinn wegen stark rückläufigen Erträgen Unter dem Strich steht ein rund 15 Prozent tieferer Reingewinn von 355 Millionen Franken. Auch der Geschäftserfolg, also das operative Ergebnis, sank um fast 14 Prozent auf 446 Millionen. Die drittgrösste Bankengruppe der Schweiz begründet das mit Effekten aus der Neuausrichtung. Der Geschäftsertrag sank im Vorjahresvergleich um 7,2 Prozent auf 1,52 Milliarden.

Preis der Rheintaler Wirtschaft geht an Bauwerk Die Bauwerk Boen Group in St.Margrethen wurde von der Jury mit dem «Preis der Rheintaler Wirtschaft 2020» ausgezeichnet. Die Gruppe entstand 2013 durch den Zusammenschluss der Bauwerk Parkett AG und der norwegischen Boen AS. LEADER | September 2019


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Seit über 100 Jahren und 4. Generationen Mitten in Balgach behauptet sich seit über 100 Jahren ein Unternehmen, das sich und seine Produkte immer wieder neu erfindet. Anfangs des 20. Jahrhunderts waren es Stickereien, später Wäsche und Pyjamas für Buben. In den 1950er-Jahren stieg die Familie Metzler in die Produktion von Herrenhemden ein, die das Unternehmen bis heute prägt. Metzler Switzerland produziert hochwertige Hemden, Blusen und Poloshirts und verkauft diese im Rheintal, der ganzen Schweiz und in der restlichen EU.

1911 gründete Gebhard Metzler die Firma Metzler & Co. AG – heute steht bereits die vierte Generation dem Balgacher Familienunternehmen vor. Die Geschwister Alessia und Sandro Mastroberardino führen das Geschäft, ihre Eltern Heidi und Tino Mastroberardino-Metzler sitzen zusammen mit weiteren Angehörigen der dritten Generation im Verwaltungsrat. Die Metzlers beschäftigen 80 Mitarbeitende, 20 davon in Balgach. Das Rheintaler Unternehmen hat über die Jahrzehnte immer wieder clevere und innovative Produkte hervorgebracht. Der besondere Stoff «Smellproof Plus», der Gerüche und Schmutz absorbiert, oder «Stretchcol», der dehnbare Hemdkragen, sind Beispiele für Eigenentwicklungen, die für die Originalität und Kreativität des Hemdenherstellers stehen.

Smellproof Plus in Verbindung mit dem Stretchcol-Kragen Diese Stoffqualität wird exklusiv für Metzler Switzerland nach höchsten Standards in der Schweiz gewoben, ausgerüstet und veredelt. Im Stoff wirken spezielle Moleküle, die schlechte Gerüche aufnehmen, einschliessen und diese dann erst beim Waschen wieder frei geben. So hat man auch nach vielen Waschvorgängen stets einen optimalen, sich regenerierenden Schutz. Die adaptierte Wirkungsweise der Lotusblüte garantiert einen optimalen Schutz vor Flecken. Smellproof Plus

Nichts kann dem Smellproof Plus® (kurz SPP) Gewebe etwas anhaben, Rotwein-, Saucen-, Ketchup-, oder Ölflecken gehören der Vergangenheit an. Trotz der speziellen Veredlungsverfahren bleibt der Stoff trotzdem immer atmungsaktiv. Alle Hemden sind zudem mit dem innovativen Stretchcol-Kragen (kurz STC) ausgerüstet. Der dehnbare Hemdkragen – die Entwicklung mit der unsichtbar bleibenden Dehnzone – bringt all jenen Erleichterung, die nicht auf die Krawatte verzichten wollen, oder von Berufes wegen nicht können. Viele Hemdenträger wie Banker, Businessmänner oder Polizisten können und wollen nicht mehr auf den Komfort eines Stretchcol-Kragens verzichten. Smellproof Plus Hemden sind ab Lager verfügbar, Privatpersonen können die Hemden direkt über den Online-Shop oder im Schweizer Fachhandel beziehen. Sie finden eine Übersicht aller Stores online (www.metzler-switzerland.ch).

Fashion Unter den Labels Metzler Switzerland und Mastroberardino Uomo vertreibt das Familienunternehmen innovative Hemden mit fein abgestimmten und kreativen Details.

Corporate Fashion «SBB»

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Profil 69

Die Geschäftsleitung der Firma Metzler & Co. AG

Corporate Fashion «Polizei»

Mit Partnern deckt Metzler Switzerland auch andere Kleidungsstücke wie Sweatshirts, Softshell- und Fleecejacken, Caps, Mützen und vieles mehr ab. Beste Referenz für die Qualitätsarbeit des Rheintaler Unternehmens sind die verschiedenen Polizeikorps, die seit Jahren Metzler-Hemden und Poloshirts tragen. Auch die SBB, Schutz & Rettung Zürich oder «die Mobiliar» gehören zu den zufriedenen Kunden der Balgacher Textil-Firma. Hochwertige Materialien und erstklassige Ausführung zeichnen die Kollektionshemden für den jungen und jung gebliebenen Mann von heute aus. Die modische Kompetenz und Aussage der Hemden vermittelt dem Träger Mode- und Selbstbewusstsein.

Corporate Fashion Corporate Fashion ist mehr als Einheitskleidung und mehr als ein aufgesticktes Firmenlogo auf der Brusttasche. Berufsbekleidung als Teil der Corporate Identity macht aus Mitarbeitenden ein sichtbares Team, vermittelt Professionalität und Kompetenz, stärkt nach innen den Zusammenhalt und ist die sichtbare Identifikation der Belegschaft mit der Firma nach aussen. Ihre Firma oder Ihr Verein kann beim Balgacher Familienunternehmen Hemden, Blusen oder auch Poloshirts nach Wunsch individuell produzieren und gleich auch mit Logos besticken oder auch bedrucken lassen.

Nachhaltigkeit Tag für Tag fallen bei Metzler Switzerland Entscheidungen, die den Kurs des Unternehmens bestimmen. Für die Geschäftsführer Alessia und Sandro Mastroberardino zählt deshalb neben dem Kundennutzen und dem Profit auch die Nachhaltigkeit: «Nur wenn wir sozial und ökologisch verantwortungsvoll handeln, wird unser Unternehmen auch in weiteren hundert Jahren noch Kundinnen und Kunden zufriedenstellen dürfen.» Deshalb hat sich das Unternehmen nach STeP by OEKO-TEX® zertifiziert und bereits zum 2. Mal auf höchstem «Best-practice» auf Level 3 von 3 abgeschlossen.

Metzler & Co. AG www.metzler-switzerland.ch info@metzler-switzerland.ch www.metzlershop.com LEADER | September 2019


70 Vorschau

Effiziente Prozesse dank neuer Kooperationen Blockchain und Smart Contracts bieten neue Möglichkeiten, Prozesse auch über Unternehmensgrenzen hinweg zu vereinfachen. Vernetzte Geschäftsmodelle, neue Kooperationen, effiziente Prozesse: alles Möglichkeiten, welche Blockchain und Co. mit sich bringen.

Prozesse sollen über Unternehmensgrenzen hinweg optimiert und Doppelspurigkeiten reduziert werden. Hier bieten Blockchain oder Smart Contracts (intelligente Verträge) Lösungen, welche eine neue Art von Automatisierung erlauben. Bekannt sind vor allem Beispiele aus der Finanzbranche (etwa Kryptowährungen). Die Technologie findet jedoch auch vermehrt in anderen Industrien Anklang (vom Detailhandel über Produktionsbetriebe bis hin zum Energie- und Mobilitätssektor). Je nach Quelle verwenden bereits 3 bis 17 % der befragten Unternehmen Blockchain-Technologie in irgendeiner Form. Beispiele sind im Banking etwa Zahlungsverkehr und

Es gibt nicht nur eine Blockchain. Wertschriftenhandel, bei Versicherungen Schadensmeldungen und Know-Your-Customer, im Verkauf das Supply-Chain-Management und Kundenkarten, bei der Energie Stromhandel und Ladestationen, bei der Gesundheit Patientendossiers und Rezeptabrechungen sowie beim Staat Einwohnerregister und notarielle Dienste.

Deshalb wird oft auch von dezentralen oder verteilten Systemen gesprochen. Es gibt nicht nur eine Blockchain, sondern diverse Formen und Ausprägungen, die unterschiedliche Eigenschaften mit sich bringen. In der Regel können aber alle dieser dezentralen Lösungen zu transparenteren und schnelleren Prozessen führen.

Wie weit ist die Technologie? Die Technologie befindet sich gerade in einer spannenden Phase. Viele Forschungsinstitutionen und Unternehmen beschäftigen sich mit unterschiedlichen Anwendungsfällen, testen und experimentieren an Pilotprojekten und Prototypen. Beschäftigt das Thema auch Ihr Unternehmen? Die FHS St.Gallen führt derzeit eine Praxisbefragung zum Thema durch und würde sich über Ihre Teilnahme freuen (max. 5 Minuten Ausfüllzeit): www. blockchain4business.ch/umfrage

Text: Pascal Egloff, FHS-Dozent und -Projektmanager Bild: zVg

Was sind Smart Contracts? Smart Contracts sind Computerprogramme, die bei einem gegebenen Input automatisch nächste Schritte ausführen und einen Output produzieren. Der Unterschied zu herkömmlichen Programmen

Je nach Quelle verwenden bereits 3 bis 17 % der Unternehmen Blockchain-Technologie. liegt darin, dass das Programm nicht an einem zentralen Ort gespeichert ist: Ein Smart Contract wird parallel auf einer Vielzahl von Rechnern gleichzeitig gespeichert beziehungsweise ausgeführt. Bei Anpassungen oder Updates des Programmes wird das Einverständnis eines Grossteils aller am Netzwerk angeschlossenen Parteien (z. B. Unternehmen) benötigt.

Vernetzte Geschäftsmodelle, neue Kooperationen und effiziente Prozesse sind die Fokusbereiche am 2. Forum Blockchain for Business (B4B) vom 19. November 2019. Die Teilnehmer erfahren aus erster Hand anhand von Beispielen, welche Potenziale die Technologie hat und wie diese am besten umgesetzt werden. Für alle, welche eine Einführung in das Thema Blockchain wünschen, findet am Morgen eine separat buchbare Möglichkeit dazu statt. www.blockchain4business.ch LEADER | September 2019


Wie motiviert und hält eine Führungskraft talentierte Mitarbeitende? 2-tägige Konferenzen mit Keynotes und Seminar Building Holistic Success

Self-Leadership als Schlüssel zu langfristigem Erfolg

8./9. November 2019

Building Emotional Resilience Innere Stärke und Ausdauer für Führungskräfte

27./28. März 2020

Kartause Ittingen / TG, Schweiz

Kartause Ittingen / TG, Schweiz

Keynotes: Thomas Sieber, VRP Axpo Holding AG Prof. Dr. med. Erwin P. Bauer, Herzchirurg und Neuro-Coach Seminar: Rajesh Ramani, Life Transformation Mentor

Keynotes: Spiros Margaris, Venture Capitalist & globaler Nr. 1 FinTech, AI and Blockchain Influencer Martin Schneider, CEO Brainforce Gruppe, Interim Management Dienstleistungen Martin Bidermann, Partner bei Rahn+Bodmer Co., älteste Privatbank der Schweiz Seminar: Rajesh Ramani, Life Transformation Mentor

Anmeldung und weitere Informationen unter: www.selfleadershipdays.com Konferenzsprache: einfach verständliches Englisch Fragen? Gerne stehen wir zur Verfügung: info@selfleadershipdays.com / +41 33 55 20 100

Konferenzpartner


Rückblick 272 Rückblick

Anleitungen für eine neue Welt Am Networking-Tag 2019 zum Thema: «Schöne Neue Welt – Eine Gebrauchsanweisung», wurden realistische Zukunftseinschätzungen aus menschenorienterter und technologischer Sicht aufgezeigt. Hochkarätige Referenten, «Mini-Einsteins» und SRF-Moderator Tobias Müller haben am 6. September in St. Gallen über 700 Gästen einen inspirierenden Freitagnachmittag geboten. Fotografiert für den LEADER hat Patrick Spycher.

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Rückblick Rückblick 733

LEADER | September 2019

LEADER | September 2019


74 Rückblick

«Quote iuweghue2guzfvgzugzufgzucfquzg cuzwgqqiovhqeiughvuzgq»

Alexander Ospelt wurde am 23. August im SAL Schaan zum «Entrepreneur Of The Year Liechtenstein» gewählt.

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Rückblick 75

«Mit Wünschen gewinnt man nichts» Alexander Ospelt ist Liechtensteiner «Entrepreneur Of The Year 2019». Der Verwaltungsratspräsident des Lebensmittelherstellers Ospelt aus Bendern wurde für seine unternehmerische Spitzenleistung ausgezeichnet. Er führt die Ospelt-Gruppe in zweiter Generation; unter seiner Leitung hat sich die Gruppe zu einem führenden und europäisch aufgestellten Unternehmen in der Lebensmittelbranche entwickelt. Im Gespräch erklärt Ospelt, was die Auszeichnung für ihn bedeutet und wohin die Foodtrends in den nächsten Jahren gehen

Alexander Ospelt, was bedeutet Ihnen die Auszeichnung «Entrepreneur Of The Year»? Als bei der Verleihung am Ende mein Name aufgerufen wurde, habe ich mich sehr gefreut. Immerhin handelte es sich bei den Mitfinalisten um grossartige Unternehmer, die es auch verdient hätten zu gewinnen. Für mich ist diese Auszeichnung aber eine Anerkennung für alle Mitarbeiter der Ospelt-Gruppe. Ein Unternehmen ist ja keine Einzel-, sondern eine Teamleistung.

«Vegetarismus und Veganismus sind sicher keine Modeerscheinungen.» Was denken Sie, wieso haben Sie gewonnen? Es wurde wohl gesehen, dass wir ein innovatives Unternehmen sind, dass sich seit Jahrzehnten in umkämpften Märkten behauptet. Unsere Marke Malbuner gehört zur beliebtesten und bekanntesten im Bereich Charcuterie. Auch hier spielt Innovation eine grosse Rolle. Bis heute entwickeln wir laufend neue Malbuner-Produkte, die grosse Beliebtheit bei den Konsumenten erfahren und tatsächlich eine Fangemeinde haben. Aber auch im Bereich Handelsmarken, bei Convenienceprodukten, Sandwiches und Pizzen sowie beim Lachs spielen wir in der Schweiz und in Europa eine wichtige Rolle. Dasselbe gilt bei der Tiernahrung, wo wir zu den führenden Herstellern von Handelsmarken in Europa zählen. Immerhin sind unsere Produkte in 27 europäischen Ländern erhältlich. Das alles hat bei der Beurteilung sicher eine Rolle gespielt. Wie schätzen Sie die Bedeutung der Auszeichnung für Ihr Unternehmen ein? Ist sie einfach gut

fürs Image oder kann die Auszeichnung auch ein Türöffner zu interessanten Kontakten und Märkten weltweit sein? Ich sehe das als Anerkennung für die Gesamtleistung des Unternehmens. Schliesslich stellen wir uns jeden Tag neuen Herausforderungen. Das war früher so und wird in Zukunft so sein. Zudem dient ein solcher Preis, gerade mit Blick auf die Fortsetzung bei der Verleihung World Entrepreneur Of The Year in Monte Carlo, dem Netzwerk. Gibt es einen Wunschmarkt, den Sie gerne erschliessen würden? Mit Wünschen gewinnt man nichts, sondern nur durch Zielstrebigkeit. Wir arbeiten jeden Tag hart an der Pflege der bestehenden Märkte, wir denken über Innovationen nach, knüpfen neue Kontakte und sehen uns immer nach Chancen um. Was ist generell das Erfolgsrezept der OspeltGruppe? Wir sind ein Familienunternehmen. Dadurch sind wir sehr flexibel und wir entscheiden rasch. Wir kennen unser Unternehmen durch und durch. Das Erfolgsrezept ist eine Rezeptur aus höchster Qualität, Innovationskraft, Risikobereitschaft, absoluter Verlässlichkeit und nochmals Qualität. Höchste Qualität ist unser Massstab. Der Qualität ist alles untergeordnet. Und wir wissen, wer wir sind: Bei Ospelt dreht sich alles um Ernährung. Sie wurden von der Jury als Unternehmer gelobt, der immer wieder neue Wege gehe, um für die Kunden neue innovative Produkte zu schaffen. Wie entsteht Innovation in der Ospelt-Gruppe? Wir halten immer die Augen offen und blicken über den Tellerrand. Wir denken intensiv über unsere LEADER | September 2019


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8. Nacht des Ostschweizer Fussballs Wir freuen uns, Sie am 26. Oktober 2019 zur 8. Nacht des Ostschweizer Fussballs begrüssen zu dürfen. Reservieren Sie sich jetzt Ihre Tickets und Lose für den Galaabend mit unseren diesjährigen Special Guests Bligg und Marc Sway sowie DJ Tanja La Croix. Die Tombola hält Preise im Gesamtwert von rund CHF 200’000.– für Sie bereit – dabei kommen auch die Erlöse der Tombola der Nachwuchförderung «Future Champs Ostschweiz» zugute.

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Rückblick 77

Produkte nach, beschäftigen uns mit den Bedürfnissen der Konsumenten, deren Konsumverhalten und mit der Entwicklung von Märkten. Dabei pflegen wir einen offenen Dialog untereinander. Jeder kann und soll Ideen einbringen. Mit Erfahrung und der Bereitschaft, Neues auszuprobieren und auch Fehler zu akzeptieren, entstehen immer wieder tolle neue Produkte.

Mit der Eigenmarke Malbuner gelang Ihnen ein grosser Wurf – lässt sich das mit einem anderen Produkt wiederholen?

«Das Erfolgsrezept ist eine Rezeptur aus Qualität, Innovationskraft, Risikobereitschaft, Verlässlichkeit und nochmals Qualität.» Man soll nie nie sagen. Aber der Aufbau einer Marke ist Knochenarbeit. Es braucht einen langen Atem und Kapital. Schliesslich entscheidet der Konsument, ob er das Produkt annimmt oder nicht. Aber es ist nicht unmöglich.

Als Lohnfertiger produzieren Sie auch Lebensmittel für Dritte unter bekannten Handelsmarken. Führen Sie hier einfach Rezepte aus, die Ihnen vorgegeben werden, oder sind Sie auch in F&E involviert? Da gibt es beide Formen und Zwischenformen. Viele Kunden schätzen unser grosses Know-how und nutzen uns für die Produktentwicklung, während andere ausschliesslich auf unsere Kompetenz in der Verarbeitung und Verpackung setzen. Die Ospelt-Gruppe hat derzeit sechs Produktionsstätten in Liechtenstein, der Schweiz und Deutschland. Wie können Sie in den Hochpreisinseln Schweiz und Liechtenstein erfolgreich produzieren? Durch einen hohen Grad an Automation und rationelle Prozesse. Ausserdem geht das nur, wenn man sehr grosse Mengen verarbeitet. Wir sind hier bestens aufgestellt. Ihr Unternehmen produziert eine vielfältige Palette von Fleisch-, Fisch- und Convenience-Produkten: Werden wir in Zukunft immer weniger selber kochen und immer mehr auf Convenience setzen? Der Trend geht in diese Richtung, ja. Convenience bietet eine riesige Vielfalt, ist rasch zubereitet und schmeckt. Der Zeitaspekt ist für viele Menschen sehr wichtig. Viele haben gerade während der Arbeitswoche keine oder wenig Zeit, um selber zu kochen. Da ist Convenience die perfekte Antwort. Trotzdem hatten wir noch nie so viele Kochsendungen im TV wie

aktuell. Das gemeinsame Kochen im Familien- oder Freundeskreis findet dann eher am Wochenende statt und ist ebenfalls sehr beliebt.

Ernährung und Ernährungsstile werden in unserer Gesellschaft immer wichtiger – was für Foodtrends sehen Sie für die nächsten Jahre und wie stellen Sie sich darauf ein? Vegetarismus und Veganismus sind sicher keine Modeerscheinungen und werden eine wichtige Rolle in der Ernährung spielen. Die Konsumenten beschäftigen sich immer mehr mit ihren Ernährungsgewohnheiten, was sich auch in der Qualität und Auswahl der Produkte abzeichnet. Wir sind darauf eingestellt und bieten gerade für Vegetarier schon lange Produkte bei Pizzas, Sandwiches und Pasta an. Auch vegane Brotaufstriche auf Gemüsebasis kommen aus unserem Haus, die sehr gut sind. Ein weiteres Ospelt-Standbein ist die Tiernahrung. Zeichnen sich auch hier Trends ab? Die Tiernahrung folgt immer mit einer gewissen Verzögerung den Ernährungstrends bei Lebensmitteln. Oft ist es so, dass ein Besitzer von Hund oder Katze, der selber Veganer ist, irgendwann das Gefühl hat, dass sich sein Tier auch so ernähren möchte. Und irgendwann ist die Nachfrage so gross, dass der Markt diesem Bedürfnis folgt. Deswegen gibt es auch in der Tiernahrung Snacks, Belohnungshappen, Weihnachtsguetzli, vegetarische Angebote und vieles mehr. Zum Schluss: Wie ernähren Sie sich persönlich? Ich achte auf eine ausgewogene und gesunde Ernährung. Von allem etwas, von nichts zuviel. Nur bei Süssem kann ich nicht widerstehen.

Text: Tanja Millius Bild: EY

Acht Finalisten standen am 23. August zur Wahl zum besten Unternehmer des Jahres in Liechtenstein. Jasmin Collini (Max Heidegger AG), Thomas Keller (Kaundbe Architekten AG), Andreas Kollmann und Urs Frick (Speedcom AG), Horst Marxer (RMS Sicherheits-Anstalt), Stefan Matt und Martin Salzgeber (Creasoft AG), Alexander Ospelt (Ospelt-Gruppe), Ferdinand Sele (Sele AG) sowie Richard Wanger (Confiserie Wanger AG) wurden durch Regierungschef-Stellvertreter und Wirtschaftsminister Daniel Risch sowie Sascha Stahl und Iwan Zimmermann von der Ernst & Young AG für ihre unternehmerischen Leistungen ausgezeichnet. LEADER | September 2019


78 Rückblick

«Verantwortung übernehmen und Teil der Lösung sein» Unter dem Motto «Creating tomorrow together» trafen sich Ende August über 800 Entscheidungsträger und Partner der weltweiten Nahrungsmittelund Mobilitätsindustrie an den Bühler Networking Days in Uzwil. Im Zentrum der Veranstaltung stand die Frage, wie 2050 eine Weltbevölkerung von knapp zehn Milliarden Menschen ernährt und ihre Mobilität sichergestellt werden kann. Wie Bühler hier mithelfen will, erklären CEO Stefan Scheiber und CTO Ian Roberts.

CEO Stefan Scheiber: Enormer Handlungsbedarf.

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Rückblick 79

CTO Ian Roberts: Höchste Zeit.

«Klimawandel und die Ansprüche der wachsenden Bevölkerung stellen uns vor gewaltige Herausforderungen. Wir leben heute in der besten Welt, die es je gab. Und noch nie standen uns so leistungsfähige Technologien zur Verfügung», sagt Stefan Scheiber, CEO der Bühler Group. Entscheidend sei, dass Industrie, Forschung und Politik diese neuen, nachhaltigen Technologien zur Bewältigung der Herausforderungen einsetzen und dafür zusammenarbeiten. «Unser Ziel ist, in den Wertschöpfungsketten unserer Kunden den Energiebedarf, den Wasserbrauch und den Abfall um 50 Prozent zu verringern», so Scheiber. Wichtig sei ihm auch ein Imagewechsel: «Die Industrie muss Teil der Lösung sein.»

«Wir müssen unser Verhalten als Branche, als Unternehmen und als Einzelperson radikal verändern.» «Es ist höchste Zeit» Die an den Bühler Networking Days vertretenen Unternehmen ernähren täglich mehr als vier Milliarden Menschen und tragen zu ihrer Mobilität bei. «Hier so viele Hersteller, Wissenschaftler, Industriepartner und Start-ups zu begrüssen, ist ein Zeichen: Die Industrie ist bereit, Verantwortung zu übernehmen und Teil der Lösung zu sein», ist sich Scheiber sicher. Unter den Rednern: Gro Harlem Brundtland, ehemalige norwegische Premierministerin und seit Jahrzehnten eine wichtige Stimme zum Klimawandel, Stefan Palzer, Chief Technology Officer von Nestlé, Patrick Dupin, CEO bei Saint Gobain Northern Europe, Francois Pienaar, der die südafrikanische Rugbymannschaft 1995 als Kapitän zum Weltmeistertitel führte, Sunny George Verghese, Mitgründer und CEO von Olam International sowie Verwaltungsratspräsident des World Business Council for Sustainable Development (WBCSD), oder John Harthorne, Gründer des Start-up-Accelerators MassChallenge.

Es bestehe enormer Handlungsbedarf, nachhaltige Wertschöpfungsketten in der Lebens- und Futtermittelherstellung sowie für die Mobilität aufzubauen. «Seit unseren ersten Networking Days sind die Herausforderungen noch dringender geworden. Jetzt ist es höchste Zeit», betont auch Ian Roberts, Chief Technology Officer bei Bühler. «Die kommenden zehn Jahre werden darüber entscheiden, welches Erbe wir den zukünftigen Generationen hinterlassen», so Roberts. «Wir müssen jetzt handeln. Wir müssen innerhalb unseres gesamten Netzwerks zusammenarbeiten. Und wir müssen unser Verhalten als Branche, als Unternehmen und als Einzelperson radikal verändern.» Bühler hat sich deshalb entschieden, seine Nachhaltigkeitsziele zu erhöhen und um den Aspekt Wasser zu erweitern. Die nächste Generation der Prozesslösungen von Bühler soll 50 Prozent sparsamer sein. «Das heisst 50 Prozent weniger Energie und 50 Prozent weniger Wasser verbrauchen und 50 Prozent weniger Abfall produzieren», so Ian Roberts. Um diese Ziele zu erreichen, schöpft Bühler die Möglichkeiten der Digitalisierung aus und geht Partnerschaften mit Kunden, Lieferanten und Start-ups ein – um Lösungen zu erarbeiten, die diese Ziele erfüllen oder übertreffen. «Wir fokussieren unsere Ausgaben im Bereich Forschung und Entwicklung sowie unsere Partnerschaften auf die neuen 50-Prozent-Ziele. Wir sind überzeugt, dass dabei gute Geschäftsmodelle entstehen», gibt sich der Bühler-CTO zuversichtlich.

Neue Qualität der Zusammenarbeit Damit möglichst viele wirkungsvolle Lösungen möglichst rasch grossflächig eingesetzt werden, brauche es eine neue Qualität der Zusammenarbeit, des Wissenstransfers sowie der Aus- und Weiterbildung, unterstreicht Stefan Scheiber. Neben den Networking Days als Industrieplattform investiere Bühler schon seit Jahrzehnten in Schulen, Trainingsangebote, die LEADER | September 2019


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Kolumne 81 duale Ausbildung und Anwendungszentren. «Das jüngste Beispiel ist der neue Innovationscampus CUBIC, der im Mai in Uzwil eröffnet wurde. Die Investition über 50 Millionen Schweizer Franken beherbergt acht neue Anwendungszentren.» Damit umfasst das globale Wissensnetzwerk von Bühler insgesamt 29 Anwendungszentren für gemeinsame Entwicklungen mit Kunden und Startups, über 7800 Weiterbildungskurse, rund 600 Lernende an 25 Standorten, und dutzende Kooperationen mit Hochschulen. «Um jetzt den Wandel zu einer nachhaltigen Ernährung und Mobilität zu schaffen, brauchen wir alle Talente und topausgebildete Menschen. Egal wie alt, welchen Geschlechts, welcher Nationalität, Religion oder Hierarchiestufe», betont Scheiber. Was für den Wandel zähle, seien nebst Fachwissen die nötige Leidenschaft, das Übernehmen von Verantwortung und die Fähigkeit zur Kommunikation und Kollaboration. Deshalb sei Vielfalt, Offenheit und Neugier

«Die kommenden zehn Jahre werden darüber entscheiden, welches Erbe wir den zukünftigen Generationen hinterlassen.» so wichtig. «Wenn wir es schaffen, das Wissen aller Menschen einfliessen zu lassen, das Potenzial der Technologien auszuschöpfen und sie im weltweiten Markt einzusetzen, haben wir eine Chance, einen Schritt in Richtung ökologischer Turnaround zu schaffen. Dazu braucht es Werte, Leidenschaft und Zusammenarbeit», resümiert der Bühler-CEO. Text: Stephan Ziegler Bild: Bühler

Wie schlimm ist es? Gingen die Schätzungen vor drei Jahren von rund 9 Milliarden Menschen im Jahr 2050 aus, wächst die Weltbevölkerung noch schneller. Jetzt sind fast 10 Milliarden Menschen zu erwarten. Gleichzeitig nimmt die Klimaerwärmung zu. Die Chancen schwinden, die Erderwärmung auf unter 1,5 Grad Celsius begrenzen zu können. 25 Prozent der Treibhausgasemissionen und 71 Prozent des Frischwasserverbrauchs gehen zulasten der Landwirtschaft. 30 Prozent des weltweiten Energieverbrauchs verbraucht die Lebensmittelproduktion, wobei 30 Prozent der Lebensmittel verloren gehen oder weggeworfen werden. Trotzdem hungern 800 Millionen Menschen. Von acht Millionen Tier- und Pflanzenarten sind rund eine Million akut vom Aussterben bedroht, als Folge des Klimawandels und der Zerstörung ihres Lebensraums.

O’zapft is – Kater droht! Münchner Dirndl und Lederhosen sind auch bei uns in der Ostschweiz angekommen: In diesen Tagen schiessen allerorts die Oktoberfeste ins Land. Das Fass wird angezapft, auf den Festbänken wird geschunkelt, gelacht und gesungen. Die Szenerie vom rauschenden Fest erinnert mich an die Finanzmärkte.

Seit Jahren versorgen die grossen Notenbanken unser Finanzsystem sehr reichlich mit Liquidität. Zu Beginn galt es, die Finanzkrise zu lindern und den Kollaps grosser Banken zu verhindern. Doch der Krisenmodus wurde zum Normalzustand erklärt und die Geldschleusen blieben offen, um die Wirtschaft anzukurbeln und der Party Schwung zu verleihen. Kündigt die Servierdame im Festzelt die letzte Runde an, löst dies bei den Feiernden lauten Protest aus. Auch das Anleger-Publikum und einzelne einflussreiche Politiker protestieren lautstark, wenn die Notenbanken ankündigen, die Liquiditätszufuhr zu drosseln. Panik bricht aus, die Aktienkurse sinken rasch und heftig. Politiker befürchten höhere Kosten für die Staatsschulden und einen schleppenden Gang der Wirtschaft. Kürzlich senkte die US-Notenbank die Zinsen und schuf damit weitere Liquidität. Über den wieder geöffneten Zapfhahn kam an den Aktienmärkten postwendend Freude auf, die Kurse stiegen. Die nächste Runde ist ausgeschenkt, die Party geht weiter und die Zinsen verharren im besorgniserregenden negativen Bereich. Das Bild vom Auf und Ab der Feierlaune zeigte sich in der jüngsten Vergangenheit immer öfter. Je länger das Fest jedoch dauert, desto grösser ist das Risiko, eines Morgens im Delirium oder zumindest mit einem Riesenkater aufzuwachen. Gerade in diesen Zeiten, wo sich nebst der bedenklichen Geldpolitik auch noch der Handelsstreit China–USA immer wieder aufs Neue zuspitzt und Konjunktursorgen aufkommen, gilt es einen klaren Kopf zu bewahren. Der Anleger tut gut daran, seine Gesamtsituation in Bezug auf Risikofähigkeit und Risikowilligkeit zu beurteilen und seine Strategie langfristig im Auge zu behalten.

Werner Krüsi ist Partner und Leiter der Niederlassung von Privatbankiers Reichmuth & Co St.Gallen. LEADER | September 2019


82 Schlusspunkt

Fünf vor Zwölf Ende August lud das «St.Galler Tagblatt» zu einer Podiumsdiskussion über die Aufhebung von 38 Parkplätzen auf Marktplatz und Blumenmarkt. Das ernüchternde Fazit: Die Einsicht von Parlament und Regierung in die Notwendigkeit einer guten Erreichbarkeit der Innenstadt ist gleich null. Was veranlasst Menschen dazu, ihrer eigenen Stadt die Luft abdrehen zu wollen?

Bezeichnenderweise stanJahren gewusst, dass der Abbau komme den mit Stadträtin Maria und somit genügend Zeit gehabt, sich darauf vorzubereiten. Wie sie das hätten maPappa (SP) und Stadtparlamentarierin Franziska chen sollen, darüber schwieg sie sich aus Ryser (Junge Grüne) zwei – mit Helikopterlandeplätzen auf den Dächern vielleicht? Befürworterinnen des Die Ignoranz der Linken gegenüber den AnSt.Galler Parkplatzklaus liegen von Detailhandel und Gastronomie und mit Stadtparlamentarier Donat Kuratli (SVP) schmerzt. Man stellt sich die Frage, warum Menschen, die vom Staat alimentiert nur ein Verteidiger des werden, ausgerechnet denjenigen die Luft einheimischen Gewerbes abdrehen wollen, die sie mit ihren Steuern auf dem Podium. Wirte und Detailhändler in der St.Galler Altstadt beklagen verWolfgang Mocker (1954-2009), deutscher Journalist und Autor: stärkte Umsatzein«Auf alles waren Sozialdemokraten und Grübussen, seit die Stadt ne vorbereitet. Sogar auf die Übernahme der im März auf dem Marktplatz und dem Macht. Bloss nicht auf deren Ausübung.» Blumenmarkt weitere 38 Parkplätze aufgehoben und den Platz in eine an Tristesse unterhalten. Woher kommt dieser Hass auf kaum zu überbietende «Begegnungszone» den Individualverkehr? Das Vorschreibenwollen von Verhaltensweisen? Das Bevorverwandelt hat. Als würde die Stadt eine munden der Bevölkerung? Warum arbeiten solche brauchen; sie selbst sollte ja als Ganzes eine Begegnungszone sein – und droht, bei uns Regierung und Parlament nicht für, dank der Linken und Grünen in Parlament sondern gegen das Gewerbe, das Rückgrat und Regierung, diesen Status zu verlieren einer lebendigen Stadt? und zur Geisterstadt zu werden. Für die «lebendige Altstadt» ist es fünf vor Listig versuchten die beiden StaatsdieneZwölf: Wollen wir wirklich noch mehr gerinnen, die Schuld für die Umsatzeinbussen schlossene Geschäfte? Noch weniger Leben auf externe Faktoren wie Onlinehandel, in der Stadt? Noch mehr «Begegnungszonen», die niemanden interessieren? Noch Einkaufstourismus oder Ladenmieten zu weniger Arbeitsplätze? Es ist höchste Zeit schieben. Sie blendeten dabei aus, dass die für einen Gesinnungswechsel: Legislative Stadt dort helfen soll, wo sie kann – nämlich bei der guten Erreichbarkeit, auch mit und Exekutive müssen sich endlich entschlossen hinter die Stadt stellen und alles dem Auto. Onlinehandel, Einkaufstourismus und Ladenmieten sind, leider, gegedaran setzen, ihr ihren Überlebenskampf ben. Die Parkplatznot hingegen kann man zu erleichtern. sehr wohl bekämpfen – wenn man will. Aber an diesem Willen fehlt es ganz offenStephan Ziegler ist sichtlich: Stadträtin Pappa warf den Gewerblern allen Ernstes vor, sie hätten ja seit LEADER-Chefredaktor.

LEADER 10/2019

Magazin LEADER MetroComm AG Bahnhofstrasse 8 Postfach 1235 9001 St.Gallen Telefon 071 272 80 50 Fax 071 272 80 51 ­ leader@metrocomm.ch www.leaderdigital.ch Verleger:

Natal Schnetzer

Chefredaktor: Stephan Ziegler, Dr. phil. I sziegler@metrocomm.ch Autoren in dieser Ausgabe:

Marcel Baumgartner, Stefan Millius, Manuela Bruhin, Philipp Landmark, Tanja Millius, Stephan Ziegler, Roland Rino Büchel, Michael Götte, Christof Reichmuth, Sven Bradke, Antoinette Weibel, Anastasia Sapegina, Pascal Egloff

Fotografie:

Thomas Hary, Patrick Moehrle, Patrick Spycher, Walter Hollenstein, Jucan, zVg

Heraus­geberin, MetroComm AG Redaktion Bahnhofstrasse 8 und Verlag: 9001 St. Gallen Tel. 071 272 80 50 Fax 071 272 80 51 www.leaderdigital.ch www.metrocomm.ch leader@metrocomm.ch Geschäftsleitung: Natal Schnetzer nschnetzer@metrocomm.ch Verlags- und Martin Schwizer Anzeigenleitung: mschwizer@metrocomm.ch Oliver Iten oiten@metrocomm.ch Marketingservice/ Fabienne Schnetzer Aboverwaltung: info@metrocomm.ch Abopreis:

Fr. 60.– für 18 Ausgaben

Erscheinung:

Der LEADER erscheint 9x jährlich mit Ausgaben Januar/Februar, März, April, Mai, Juni, August, September, Oktober, November/Dezember, zusätzlich 9 Special-Ausgaben

Gestaltung/Satz: Susann Biehler sbiehler@metrocomm.ch Produktion: Ostschweiz Druck AG, Wittenbach LEADER ist ein beim Institut für geistiges Eigentum ­ ein­ge­­tragenes Markenzeichen. Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit schriftlicher Genehmigung des Verlages. Für unverlangt eingesandte Manuskripte übernimmt der Verlag keine H ­ af­tung.

ISSN 1660-2757


23. Wirtschaftsforum Thurgau 7. November 2019, 13.30 Uhr Kongresszentrum Thurgauerhof Weinfelden

Grenzen – ausloten, erweitern, überschreiten

Daniel Kalt

Andy Holzer

Claude Nicollier

Günter Verheugen

Maria Brühwiler

Thomas De Martin

Mona Vetsch

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