Skip to main content

lie:zeit Ausgabe 135

Page 1

135 05/2025

Zeitschrift für Liechtenstein und die Region

Brigitte Haas und Sabine Monauni

Die Regierungschefin und ihre Stellvertreterin im Interview ab Seite 6

schoeb-ag.ch

Energiefachstelle Liechtenstein energiebündel.li

Architektur. Holzsystembau. Schreinerei. Küchen.

Parkett, Türen, Terrassendielen … Vaduz · T +423 232 04 46 · roeckle.li

waerme.li


2

lie:zeit

llb.li

05/2025


editorial

05/2025

3

Das liechtensteinischen Stimmvolk hat 1992 erstmals dem Beitritt zum Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) zugestimmt. Drei Jahre später, nachdem der Zollvertrag mit der Schweiz angepasst worden war, bestätigten die Stimmberechtigten ihre frühere Entscheidung. Nun feiert Liechtenstein 30 Jahre Mitgliedschaft im EWR, und die Bilanz der Regierung fällt insgesamt sehr positiv aus. In der Rubrik Sportzeit schauen derzeit alle Fussballfans zum FC Balzers, der sich in einer schier unglaublichen Aufholjagd bis auf einen Zähler an Tabellenführer Widnau herangearbeitet hat.

L

Das Ziel heisst: Aufstieg. Allerdings wird die Freude durch die Kündigung des erfolgreichen Trainerduos ZarnNater per Ende der laufenden Saison getrübt. Als Grund nennt Trainer Marius Zarn «unterschiedliche Meinungen bei der künftigen sportlichen Ausrichtung der Mannschaft zwischen Sportschef Wolfinger und dem Staff.»

iebe Leserin, lieber Leser

Die neue Regierung wird von zwei Frauen angeführt: von Regierungschefin Brigitte Haas und Regierungschef-Stellvertreterin Sabine Monauni. Während sich Regierungschefin Haas in ihre neuen Aufgaben einarbeiten musste, ist Sabine Monauni das einzige Mitglied des gesamten Regierungskollegiums, das Regierungserfahrung mitbringt. In der Mai-Landtagssitzung, die an diesem Freitag zu Ende gegangen ist, traten die Regierungsmitglieder erstmals in ihrem neuen Amt vor den Abgeordneten auf, und alle haben einen positiven Eindruck hinterlassen. Der Präsident der DpL, Thomas Rehak, stellt sich in einem Beitrag die Frage: Wer übernimmt die Verantwortung für das Spital-Desaster? Er hält fest, dass weder die Regierung noch der Stiftungsrat oder die Spitalleitung sich zu den teils heftigen Kritiken äussern. Stattdessen betone man, man habe «daraus gelernt» und macht weiter wie bisher. Für die Planung hat man nicht nur Millionen von Franken in den Sand gesetzt, sondern ist noch zur Lachnummer im Ausland geworden. Die Gemeinde Eschen-Nendeln denkt räumlich in grossen Dimensionen, wenn es darum geht, wie ihr Zentrum in 20 oder 30 Jahren aussehen soll. Einer der Hintergründe ist mit dem «Gross Bretscha» eine Eschner Besonderheit, wie Vorsteher Tino Quaderer im Gespräch mit Heribert Beck ausführt. Zudem geht Quaderer auf die punktuelle Einführung von Tempo 30 und die Senkung des Gemeindesteuerzuschlags auf das Veranlagungsjahr 2026 ein.

Ich wünsche Ihnen sonnige Frühsommertage, weiterhin alles Gute und viel Freude bei der Lektüre der neuesten Ausgabe der lie:zeit.

Herbert Oehri, Redaktionsleiter

Ausschreibung

Werkjahrstipendium 2026 Die Kulturstiftung Liechtenstein vergibt in der Regel jährlich ein Werkjahr-stipen¬dium an professionelle Künstlerinnen und Künstler. Dabei stehen die Förderung der Person und deren künstlerische Entwicklung sowie Fortbildung im Vor¬der¬grund. Auslandsauf¬ent¬halte sind erwünscht. Über die Vergabe des Werkjahr¬sti¬pendiums entscheidet der Stiftungsrat einmal pro Jahr. Die aktuelle Aus¬schreibung betrifft das Werkjahrstipendium für das Jahr 2026. Die Bewerbungsunterlagen bestehen aus: • Konzept: Dieses kann Recherchen zu einem künstlerischen Thema, Fortbildungselemente und Elemente des Netzwerkens beinhalten. • Darlegung des persönlichen Entwicklungsziels sowie von Etappenzielen und eine Reflexion zur künstlerischen Praxis

• Zeitplan • Budget mit ungefähren Angaben zu den Lebenshaltungskosten und weiteren Aufwendungen • Biographie mit Angaben über die künstlerische Ausbildung und Tätigkeit • Dokumentation des bisherigen Schaffens

Wer an einem Werkjahrstipendium interessiert ist, sollte sich spätestens bis Ende Juni 2025 mit der Geschäftsstelle der Kulturstiftung (Tel. 236 60 87, info@kulturstiftung.li) in Verbindung setzen, um ein Beratungsgespräch zu vereinbaren. Die definitiven Bewerbungsunterlagen sind bis 8. August 2025 einzureichen ZVA Zustell-, Versand- und Abholdienst AG Wirtschaftspark 31 . 9492 Eschen +423 375 05 50 . info@zva.li . www.zva.li

Weitere Informationen zum Werkjahrstipendium sind unter www.kulturstiftung.li verfügbar.


4

lie:zeit

05/2025

12 Fragen an ...

Monatsfrage an die Politik

24 30 Jahre im EWR

Der EWR ist für Liechtenstein auch in Zukunft die beste Option

31 Caroline Voigt, Präsidentin Liechtensteinischer Versicherungsverband

«Wegweisender Schritt für den Versicherungsplatz Liechtenstein»

15 Eschen-Nendeln im:fokus

«Alle sind eingeladen, das Eschner Zentrum mitzugestalten» Impressum Verleger: Zeit-Verlag Anstalt, Essanestrasse 116, 9492 Eschen, +423 375 9000 · Redaktion: Herbert Oehri (Redaktionsleiter), Johannes Kaiser, Vera Oehri-Kindle, Heribert Beck · Beiträge/InterviewpartnerInnen: Regierungschefin Brigitte Haas, Regierungschef-Stellvertreterin Sabine Monauni, Sabine Moosmann, Thomas Rehak, Vorsteher Tino Quaderer, Aaron Nobile, Günther Meier, Georges Baur, Carmen Oehri, Tilmann Schaal, Sonja Schatzmann, SOS-Kinderdorf, Christoph Kindle, Ernst Hasler, Günther Meier · Grafik/Layout: Carolin

Schuller, Daniela Büchel · Anzeigen: Vera Oehri-Kindle, Brigitte Hasler · Fotos: Yannick Zurflüh, Roland Korner, Tatjana Schnalzger, Liechtensteinisches Landesarchiv/Vaduz, justflix/wikimedia, Gordon Welters, Michael Zanghellini, Gemeinde Triesenberg, Jürgen Posch, Martin Meienberger, F. J. Meier, Adobe, ZVG · Urheberschutz: Die Texte und Bilder dürfen ohne vorherige Genehmigung des Herausgebers/Verlegers nicht kommerziell genutzt, weitergegeben oder veröffentlicht werden.


lie:zeit

05/2025

5

46 Projektpräsentation «Alpin Royal, Hotel & Casino, Schaan»

Exklusive Architektur mit Hightech-Anspruch

80

Liechtenstein am Kriegsende 1945

75

Die «Erste Russische Nationalarmee» kam über den Hinterschellenberg

FC Luzern, Trainer Mario Frick

Macht in Luzern einen Super-Job

Meinungsvielfalt: Die lie:zeit gibt Gastautoren Platz, um ihre Meinung zu äussern. Dabei muss der Inhalt mit der Meinung der Redaktion und der Herausgeber nicht übereinstimmen. · Druck: Somedia Partner AG, Haag · Auflage: 22’500 Exemplare · Online: www.lie-zeit.li · Erscheinung: 10. Mai 2025 · «lie:zeit» nicht erhalten? Rufen Sie uns an: Tel. 375 90 00 ­(Natascha Oehri). Zustellung erfolgt sofort. Nächste Ausgabe: 14. Juni 2025

Aus dem Inhalt Menschen in der FBP: Daniel Salzgeber

11

Neubau Landesspital: Wer übernimmt Verantwortung?

14

jugend:zeit «Information, Medien und KI gehören fokussiert in die Schulbildung»

20

Völkerstrafrecht im Angesicht der Zeitenwende

28

Neues Strassengesetz soll Rechtsklarheit schaffen

33

Chance Schnuppertag: Türöffner für Lernende

34

Zahltag mit Bruno ­Baumgartner, Geschäftsführer Müko in Mauren

38

Bildung & Jugend: «Ein gutes Team ist der Schlüssel zum Erfolg»

45

Ein stimmiges Ensemble aus Alt und Neu

52

Brunnen symbolisieren Leben

62

«Wir müssen nächste Saison konstanter werden»

67

Saisonziel des USV: Einstelliger Tabellenrang

70

Auf dem Weg zur Spitze

73

Liechtensteiner Alpenverein kauft die Pfälzerhütte

83


lie:zeit

05/2025

Foto: Yannick Zurflüh

6

«Es bleibt keine Zeit für parteipolitische Spielchen» Parallel zur Einarbeitung in ihre neuen Aufgaben war Regierungschefin Brigitte Haas in den vergangenen Wochen mit der Vorbereitung der ersten Arbeitssitzung des Landtags beschäftigt. Hinzu kamen Veranstaltungen und eine Reise nach Washington, bei der sie hochrangige Kontakte knüpfen und zentrale Zukunftsthemen besprechen konnte. Interview: Heribert Beck

F

rau Regierungschefin, vor gut einem Monat haben Sie Ihr Amt angetreten. Wie haben Sie die ersten Wochen in Ihrer neuen Funktion verbracht?

Regierungschefin Brigitte Haas: Aufmerksam, wissbegierig, lösungsorientiert, arbeitsintensiv und mit ganz viel Wertschätzung für die ausgezeichnete Arbeit, die meine Mitarbeitenden leisten. Die ersten Wochen vergingen

wirklich wie im Flug. Natürlich hatte ich im Vorfeld eine Idee davon, wie es dann als Regierungschefin werden wird. Sobald man aber dann tatsächlich im Amt ankommt, merkt man erst, was sich wirklich verändern wird.


lie:zeit

05/2025

7

Titelstory

wie am Dienstag am Finance Forum oder habe Sitzungen zu unterschiedlichsten Themen. Das Aufgabenportfolio in der Regierung ist also sehr vielfältig, was sich nun auch in den Tagesabläufen widerspiegelt. Worum ging es bei der von Ihnen erwähnten Reise nach Washinton konkret? Ich habe unsere Teilnahme am Spring Meeting des IWF dazu genutzt, bereits zahlreiche erste Gespräche mit engen Partnern Liechtensteins zu führen und damit die Position unseres Landes zu stärken. Diese Gespräche ermöglichten es uns, uns weit über die Kernthemen des IWF hinaus mit unseren Nachbarn und engsten Partnern abzustimmen. Gerade in diesen Zeiten mit hoher Unsicherheit und wachsenden Handelsbarrieren müssen wir als offene Volkswirtschaften zusammenstehen. Hand aufs Herz: Ist dafür eine Reise nach Washington nötig? So habe ich zum Beispiel sehr schnell die Kontrolle über meinen Kalender verloren, die Tage füllen sich von selbst … (lacht). Zum Glück kann ich auf ein hoch motiviertes und bereits eingespieltes Team zählen, welches mich bei allem tatkräftig unterstützt. Sie sagen, die Tage füllen sich von selbst. Wie sieht ein typischer Tag der Regierungschefin aus? Den typischen Tag an sich gibt es nicht. In den ersten Wochen finden viele Besprechungen und Antrittsbesuche bei internen und externen Stellen statt. Dabei geht es darum, einen Überblick über die anstehenden Aufgaben, die aktuellen Herausforderungen und die geplanten Aktivitäten zu erhalten. Neben den ersten Regierungssitzungen fand diese Woche auch die erste Landtagssitzung statt, zudem kam es bereits zu ersten Reisen, zum Beispiel nach Washington zum Spring Meeting des Internationalen Währungsfonds, kurz IWF. Zwischendurch finden Interviews wie dieses statt, ich bin an öffentlichen Veranstaltungen

Man muss dahin reisen, wo die Gesprächspartner sind. Wir können als Kleinstaat Liechtenstein nicht darauf warten, bis jemand zu uns kommt, sondern müssen selbst aktiv sein. Das machen wir, indem wir regelmässig prüfen, an welchen internationalen Treffen oder Veranstaltungen sich eine Teilnahme lohnt und wo nicht. Angesichts der vielen intensiven Gespräche, sowohl auf politischer als auch auf technischer Ebene, kann ich sagen: Es hat sich für Liechtenstein definitiv gelohnt. Es warten unzählige weitere Aufgaben auf Sie. Inwiefern konnten Sie sich bereits einen Einblick in die anstehenden Aufgaben verschaffen? Dank der Antrittsbesuche und der vielen Informationen, die mir in den vergangenen Wochen vermittelt und zur Verfügung gestellt wurden, konnte ich mir einen guten Ein- und Überblick verschaffen. Nun geht es auf der einen Seite darum, bereits laufende Projekte erfolgreich weiterzuführen und andererseits die Schwerpunkte der neuen Legislatur zu definieren.

Wie werden diese Schwerpunkte aussehen? Derzeit laufen die Vorarbeiten für die Entwicklung des Regierungsprogramms 2025– 2029, das in den kommenden Wochen mit der Kollegin sowie den Kollegen in der Regierung erarbeitet wird. Dort werden wir die inhaltlichen Schwerpunkte definieren. Welche Ziele verfolgen Sie persönlich für die Legislaturperiode 2025 bis 2029? In den nächsten vier Jahren wird es übergeordnet darum gehen, Liechtenstein in einem äusserst schwierigen und sich ständig ändernden Umfeld so zu positionieren, dass sowohl Gesellschaft als auch Wirtschaft stabile und verlässliche Rahmenbedingungen vorfinden. Dabei werden wir einen Schwerpunkt darauf legen, gemeinsam mit allen konstruktiven Kräften an Lösungen zu arbeiten. Wie haben Sie die Zusammenarbeit in der neu zusammengesetzten Regierung bisher empfunden? Sie ist sehr konstruktiv und von einem gegenseitigen Verständnis geprägt. Alle fünf Regierungsmitglieder wissen, dass angesichts der Herausforderungen, die vor uns liegen, keine Zeit für parteipolitische Spielchen bleibt, sondern wir gemeinsam für Liechtenstein und seine Menschen arbeiten. Diesen Anspruch haben nicht nur die Bürgerinnen und Bürger an uns, sondern auch wir an uns selbst. Was soll nach vier Jahren Amtszeit von der Regierung in Erinnerung bleiben? Wir wollen stabile und sichere Verhältnisse erhalten und stärken. Das wird angesichts der externen Faktoren zur Herkulesaufgabe. Am besten können wir zusammenarbeiten, wenn wir Lösungen finden, die zum Wohle der Menschen in Liechtenstein beitragen. Die Förderung unserer Volkswohlfahrt steht in unserer Verfassung und gilt als das oberste Ziel unseres Schaffens. Hierfür werden wir uns in den nächsten vier Jahren einsetzen – und damit hoffentlich auch erfolgreich sein.


8

lie:zeit

05/2025

Titelstory

«Die Zusammenarbeit ist kollegial und wertschätzend» Sabine Monauni nimmt in der neuen Liechtensteiner Regierung nicht nur als Stellvertreterin der Regierungschefin eine besondere Stellung ein, sondern auch als einziges Mitglied mit Regierungserfahrung. Von viel Erfahrung kann sie auch in ihrem neuen Aufgabenbereich, dem Aussenministerium, profitieren. Grosse Ziele hat sie sich gleichzeitig in den Geschäftsbereichen Umwelt und Kultur gesetzt. Interview: Heribert Beck

F

rau Regierungschef-Stellvertreterin, vor einem Monat hat Ihre zweite Legislaturperiode in der Liechtensteiner Regierung begonnen. Was hat sich – neben Ihrem Aufgabenbereich – verändert? Oder ist alles weitestgehend beim Alten geblieben? Regierungschef-Stellvertreterin Sabine Monauni: Die Regierungsarbeit als solche bleibt unverändert und muss ihrer exekutiven Rolle gerecht werden. So hat die neue Regierung bereits in der ersten Woche verschiedene Gesetzesvorlagen zuhanden des Landtags verabschiedet. Auch haben die ersten Landtagskommissionen getagt, in welchen die Regierung Auskunft über ihre Geschäfte erteilt. Die Veränderung ergibt sich vor allem durch den Personalwechsel im Regierungsteam. Mit vier neuen Regierungsmitgliedern werden selbstverständlich auch neue Ideen und Überzeugungen ins Kollegium hineingetragen. Ich sehe das vor allem als Chance, gewisse Abläufe in der Regierungsarbeit und der Verwaltung zu hinterfragen und zu optimieren. Als einziges Regierungsmitglied, das bereits der alten Regierung angehört hat, werde ich mein Wissen und meine Erfahrung der letzten vier Jahre einbringen können. Jede Regierung hat – abhängig von ihren Persönlichkeiten, aber auch von den Herausforderungen der jeweiligen Zeit – ihre eigene Prägung. Ich bin überzeugt, dass wir uns mit den unterschiedlichen beruflichen Hintergründen und Lebenserfahrungen in der Regierung gut ergänzen. Zudem freue ich mich, dass unser Land zum ersten

Mal von einer Regierungschefin geführt wird. Wie haben Sie die ersten Wochen im Amt der Aussenministerin erlebt und welche Aufgaben kommen diesbezüglich kurzund mittelfristig auf Sie zu? Für mich war es ein Stück weit wie heimkommen. Als ehemalige Diplomatin habe ich mich sehr gefreut, wieder enger mit meinen damaligen Botschafterkolleginnen und -kollegen zusammenzuarbeiten. Die Einarbeitung war für mich in diesem Geschäftsbereich relativ einfach, da ich viele Jahre im internationalen Bereich tätig war. Dennoch hat sich die Aussenpolitik gerade in den letzten vier Jahren dramatisch verändert. Der russische Angriffskrieg in der Ukraine hat die Sicherheitslage in Europa erheblich verschlechtert und die regelbasierte Weltordnung, welche für Liechtenstein als Kleinstaat von besonderer Bedeutung ist, infrage gestellt. Hinzu kommt die neue Handels- und Zollpolitik der USA, die sich – je nach Ausgestaltung – nicht nur negativ auf die liechtensteinische Exportindustrie auswirken würde, sondern auch erhebliche Konsequenzen für die Weltwirtschaft hätte. Es wurde eine Task Force eingerichtet, die zusammen mit den Wirtschaftsverbänden die Folgen dieser Handelsbeschränkungen sowie Handlungsoptionen für Liechtenstein eruiert. Als Teil der Zollunion Schweiz-Liechtenstein werden wir uns eng mit dem Schweizer Bundesrat abstimmen. Mit Blick auf die angespannte Sicherheitslage werden wir unsere internati-

onalen Partnerschaften noch stärker pflegen und uns als souveräner Staat positionieren müssen. Als innovatives, wirtschaftlich erfolgreiches und in Europa gut integriertes Land haben wir dabei durchaus auch Vorteile. Und im Geschäftsbereich Kultur? Ich freue mich, dass der Geschäftsbereich Kultur wieder mit dem Ministerium für Äusseres zusammengeführt werden konnte. Damit können Synergien in der Kulturaussenpolitik noch besser genutzt werden. Unsere Kulturschaffenden wirken weit über die Landesgrenzen hinaus und leisten damit einen wichtigen Beitrag für das positive Ansehen des Landes sowie die Stärkung der internationalen Beziehungen. An erster Stelle steht für mich die Förderung einer vielfältigen Kulturszene im Land. Dazu gehören die Unterstützung von Kulturschaffenden und Kulturinstitutionen genauso wie der Erhalt und die Pflege von Brauchtum und Kulturgütern. Im Rahmen der Kulturstrategie soll aufgezeigt werden, wie optimale Rahmenbedingungen und Strukturen in der Kulturlandschaft geschaffen werden können. In diesem Zusammenhang findet am 19. Mai 2025 das «Kulturforum» im SAL in Schaan statt. Es sind alle Kulturakteure sowie Kulturinteressierten eingeladen, ihre Ideen und Vorstellungen für den Kulturstandort Liechtenstein einzubringen. Im Geschäftsbereich Umwelt können Sie an Ihre eigenen Vorarbeiten anknüpfen.


lie:zeit

05/2025

9

Welche Projekte möchten Sie diesbezüglich in den kommenden vier Jahren gerne zu Ende oder zumindest vorwärtsbringen? Ich bin froh, dass ich im Bereich Umwelt zur Kontinuität beitragen kann. Aufgrund der angespannten internationalen Sicherheitslage sind Umwelt- und Klimathemen auf der politischen Agenda leider in den Hintergrund gerückt. Fakt ist jedoch, dass die Umweltzerstörung voranschreitet und ebenfalls ein grosses Sicherheitsrisiko darstellt. Die Menschen in Liechtenstein sind grosse Naturfreunde und wissen um die Bedeutung und Notwendigkeit einer intakten Umwelt. Doch auch hierzulande stellen der Klimawandel und das Artensterben eine Herausforderung für das Ökosystem dar. Es ist daher wichtig, dass wir die im Aktionsplan Biodiversität 2030+ festgelegten Ziele weiterverfolgen. Insbesondere Projekte wie die Revitalisierung des Rheins oder die Ausscheidung neuer Wildnis- und Schutzgebiete sollen vorangetrieben werden. Wir wollen der Natur wieder Raum zurückgeben. Gleichzeitig ist es mir wichtig, dass die Existenzfähigkeit unserer Landwirtschaft gesichert bleibt und entsprechende Rahmenbedingungen geschaffen werden, damit Lebens- und Nahrungsmittel ressourcenschonend produziert werden können. Da die Landwirtschaft ausserdem in besonderem Masse vom Klimawandel betroffen ist, soll dieser Herausforderung mit dem Pilotprojekt «Klimawirksame Landwirtschaft» gezielt begegnet werden. Es freut mich sehr, dass sich mehrere Betriebe an diesem Projekt beteiligen. Ebenso freue ich mich, dass wir im Juni die Umweltminister aus der Schweiz, Österreich, Deutschland und Luxemburg in Liechtenstein empfangen dürfen, um uns über die aktuellen Themen in der Umweltpolitik auszutauschen. Wie haben Sie die Zusammenarbeit in der Regierung in den ersten Wochen erlebt und was wünschen Sie sich diesbezüglich für die Zukunft? Ich habe die Zusammenarbeit in den ersten

Wochen als sehr kollegial und wertschätzend wahrgenommen. Wir sind uns alle bewusst, dass eine Regierung in diesen herausfordernden Zeiten eine grosse Verantwortung für die Stabilität und den gesellschaftlichen Zusammenhalt trägt. Ich wünsche mir, dass wir als

geeintes und über der Parteipolitik stehendes Gremium agieren können und auch den Mut haben, die notwendigen Veränderungen anzustossen, um die hohe Lebensqualität und den Wohlstand auch für kommende Generationen zu erhalten.


10

polit:zeit

05/2025

polit:zeit


polit:zeit

05/2025

11

Seite der FBP

Menschen in der FBP

Daniel Salzgeber Die Verankerung in Liechtenstein und die Begeisterung für unser Land und die Region sind bei Daniel Salzgeber keine aufgezwungene Sache, sondern reine Überzeugung. Durch den Sport, die Kultur und das Vereinswesen ist er seit seiner Kindheit bestens in Liechtenstein verwurzelt. Nun ist es für ihn an der Zeit, mit seiner Arbeit und seinem politischen Engagement dazu beizutragen, dass Liechtenstein weiterhin ein wunderschönes und gutes Zuhause bleibt. Text: Sabine Moosmann

S

eine Kindheit verbrachte Daniel Salzgeber in Triesen. Bereits in ­jungen Jahren zeigte sich seine aktive Art, welche er beim Fussball oder bei der Leichtathletik ausleben konnte. Selbst bei der Entscheidung, welche weiterführende Schule er besuchen soll, spielte Fussball eine grosse Rolle. Da es jedoch zu seiner Zeit noch nicht möglich war, das Gymnasium mit der Sportschule zu verbinden, entschied er sich für eine Ausbildung am Gymnasium und liess das Fussballspielen etwas im Hintergrund. Er maturierte im Profil Wirtschaft und ging diesen Weg weiter im Studium. Auf einen Bachelor in Betriebswirtschaftslehre folgte ein Master in Marketing und Kommunikation an der HSG. Obwohl Daniel Liechtenstein sehr schätzt, war es ihm wichtig, dass er nach dem Studium im Ausland Berufserfahrungen sammeln konnte, um so seinen Horizont zu erweitern. Gesagt, getan – und so arbeitete er im angrenzenden Ausland während sieben Jahren im Marketingbereich in international vernetzen Unternehmen. Doch der Wunsch, wieder in Liechtenstein lokalisiert zu sein, und besonders der Wunsch, für das Land zu arbeiten, brachten ihn wieder zurück nach Liechtenstein. Eine

Stelle bei der Landesverwaltung als Schengen/ Dublin-Koordinator passte perfekt in den Plan. Seit zwei Jahren ist er nun in diesem Bereich tätig und bildete sich im vergangenen Jahr mit einem CAS in Europarecht an der Universität Zürich weiter. Sein politisches Interesse stieg durch die Kandidatur seines Vaters für den Triesner Gemeinderat. Er erhielt einen Einblick in den Wahlkampf, in die FBP wie auch in die Gemeindepolitik. Obwohl er auch schon mit dem Gedanken spielte, eines Tages mal selbst zu kandidieren, sah er sich noch nicht als Kandidat für die Legislatur 2025 bis 2029. Trotz des anfänglichen Zögerns wollte er die Chance nutzen, und es erwies sich, dass die Kandidatur von Erfolg gekrönt werden würde. Daniel nimmt mit sechs weiteren FBP-Abgeordneten die nächsten vier Jahre seine Aufgabe im Landtag wahr. Aufgrund seiner Eltern, die beide bei der LAK tätig sind oder waren, hat Daniel von klein auf mitbekommen, wie die demografischen Entwicklungen Einfluss auf unser Land, die Gesellschaft und die Politik nehmen. Diese demografischen Entwicklungen, wie das steigende Alter oder auch die Zunahme der Bevölkerung,

müssten bereits jetzt in der Politik angegangen werden, damit wir in den nächsten Jahren und Jahrzehnten immer noch gut und gerne in Liechtenstein leben können. Dabei ist es ihm auch besonders wichtig, dass unser Wirtschaftsstandort weiterhin mit den notwendigen Rahmenbedingungen unterstützt wird, da er die Grundlage unseres Wohlstandes bildet. Seine Freizeitgestaltung spielt ebenfalls eine Rolle bei seiner politischen Agenda. Er spielt seit seiner Kindheit beim FC Triesen Fussball, spielt Klavier und war einige Jahre Mitglied und Präsident der Guggamusik Moschtgügeler. Deshalb ist es ihm ebenso wichtig, dass der Sport, die Kultur und damit auch das ­Vereinswesen in Liechtenstein unterstützt und gefördert werden. Daniel Salzgeber möchte sich in den kommenden vier Jahren für die Bürgerinnen und die Bürger und für das Land einsetzen. Dabei vertritt er auch die jüngeren Generationen und bringt mit weiteren jungen Abgeordneten frischen Wind und neue Sichtweisen in den Landtag. Sein Ziel ist es, mit seiner aktiven Art, Expertise und Erfahrungen einen positiven ­Beitrag für Liechtenstein zu leisten.


12

polit:zeit

05/2025

Fragen an … In Liechtenstein leben viele Hundert Mitbürgerinnen und Mitbürger muslischen Glaubens, die zum Wohlstand des Landes beitragen. Und seit Jahren ist die Bestattung von Moslems in Liechtenstein ein immer wiederkehrendes Thema. Die für das Bestattungswesen zuständigen Gemeinden beschäftigen sich mit der Findung eines geeigneten Grundstücks oder eines Teilstücks auf bestehenden Friedhöfen. Bisher ohne Erfolg. Es regt sich sofort Widerstand, auch durch Unterschriftensammlungen wie im vergangenen Sommer in der Gemeinde Eschen. Die Vorsteher Daniel Hilti, Schaan, und Johannes Hasler, Gamprin, äusserten sich am 25. April 2025 im «Liechtensteiner Vaterland» wörtlich: «Es gibt keine Forderung der islamischen Gemeinschaft im Fürstentum Liechtenstein (IGFL) nach ewiger Grabesruhe. Ausserdem ist es für die Gemeinschaft selbstverständlich, dass die Friedhofsordnung der Gemeinde für alle Gültigkeit hat.»

Frage Wie ist Ihre Meinung zur Errichtung eines islamischen Friedhofs in Liechtenstein?

Christian Öhri

Tanja Cissé

Die Gemeinden suchen seit Jahren nach einem geeigneten Standort für einen islamischen Friedhof – leider bisher ohne Erfolg. Wie der Eschner Gemeinderat kürzlich festgehalten hat, könnten im Sinne der Integration analog zur Schweiz auf bestehenden Friedhöfen spezifische Grabfelder für anerkannte Glaubensrichtungen entstehen. Auch diesbezüglich sind Zusammenarbeiten zwischen einzelnen Gemeinden möglich, falls der eine Friedhof besser geeignet ist als der andere. Zusätzlich sind Kooperationen in der Region zu prüfen. Der Ruggeller Gemeinderat sieht diese Zwischenschritte genauso, um das Ziel eines eigenen islamischen Friedhofs eines Tages zu erreichen.

In Liechtenstein leben Menschen aus rund 90 Nationen – in einer Gesellschaft, die von Respekt und Zusammenhalt geprägt ist. Darauf dürfen wir mit Recht stolz sein. Rund 6 Prozent unserer Bevölkerung – etwa 2'400 Personen – gehören dem muslimischen Glauben an. Viele von ihnen sind im Land geboren, sozial und beruflich integriert und sehen Liechtenstein als ihre Heimat.

Vorarlberg zählt 96 Gemeinden und ist neben Wien das einzige Bundesland in Österreich, das seit 2011 einen islamischen Friedhof hat. Wie der Austausch mit den Vorarlberger Amtskollegen gezeigt hat, war es auch dort ein langer und intensiver Weg: Vorausgingen waren viele Gespräche mit muslimischen Mitbürgern, Gemeinschaften und Integrationsstellen. Ausschlaggebend war schliesslich die Gemeinde Altach, die von sich aus proaktiv einen geeigneten Platz angeboten hat und von Anfang an bewusst hinter dem Projekt gestanden ist. Zudem hat das Land Vorarlberg eine wichtige Rolle eingenommen und den Prozess aktiv begleitet. Auf diese Kombination müssen auch wir weiter hinarbeiten. Dank der bisherigen, intensiven Vorarbeiten und der guten Gespräche wurde eine entsprechende, wichtige Grundlage geschaffen.

Deshalb ist es nachvollziehbar, dass sie sich auch eine Bestattung nach ihren religiösen Grundsätzen in ihrem Heimatland wünschen. Das ist keine Sonderbehandlung, sondern Ausdruck von Gleichstellung – im Sinne einer offenen Gesellschaft, die unterschiedliche Glaubensrichtungen respektiert, ohne dabei ihre Grundwerte aufzugeben. Gelebte Integration zeigt sich auch im Umgang mit solchen Fragen. Ich verstehe, dass dieses Thema bei manchen Menschen Sorgen oder Fragen aufwirft. Diese Sorgen sind ernst zu nehmen – sie sind aber unbegründet. Ein persönliches Gespräch mit Betroffenen hilft, um Missverständnisse auszuräumen und gegenseitiges Verständnis zu fördern. Ein gutes Beispiel ist das Vereinshaus der Islamischen Gemeinschaft in Schaan, das nach über 15 Jahren Suche gefunden werden konnte. Auch dabei standen anfangs Befürchtungen und Vorbehalte im Raum. Doch sie haben sich nicht bestätigt. Heute ist das Haus ein Ort der Begegnung, des Gebets und der Integration – getragen von Offenheit und gegenseitigem Respekt. Einer Integration in bestehende Friedhöfe stehe ich jedoch skeptisch gegenüber. Ein eigener Ort der Ruhe und Würde – frei von Kompromissen bei der religiösen Praxis – wäre aus meiner Sicht der ehrlichere und respektvollere Weg. Damit eine Lösung möglich wird, braucht es die Bereitschaft der Gemeinden, denn das Friedhofswesen liegt in deren Zuständigkeit. Gleichzeitig braucht es ein klares Bekenntnis der Zivilgesellschaft, diesen Wunsch zu unterstützen. Es geht nicht um Trennung, sondern um Respekt. Nicht um Sonderrechte, sondern um Gleichbehandlung in einem gemeinsamen Land.


polit:zeit

05/2025

Tatjana As‘Ad

Die Freie Liste setzt sich für eine inklusive und weltoffene Gesellschaft ein, in der das Grundrecht auf Religionsfreiheit für alle Menschen gilt. Dieses Recht endet nicht mit dem Tod, sondern schliesst auch die Möglichkeit ein, entsprechend den eigenen religiösen Überzeugungen bestattet zu werden. Für viele Menschen muslimischen Glaubens gehören dazu unter anderem eine bestimmte Ausrichtung des Grabes sowie klar definierte Rituale im Umgang mit Verstorbenen. Es ist ein Gebot des Respekts und der Gleichbehandlung, dass diese Bedürfnisse in Liechtenstein berücksichtigt werden. Die muslimische Gemeinschaft hat keine Sonderrechte verlangt, sondern lediglich darum gebeten, eine würdige und glaubenskonforme Bestattung im Rahmen der bestehenden Friedhofsordnungen zu ermöglichen. Das ist weder eine überzogene Forderung noch eine Herausforderung für den gesellschaftlichen Zusammenhalt, sondern ein Ausdruck von gelebter Religionsfreiheit. Die Freie Liste unterstützt die Schaffung eines muslimischen Bestattungsorts ausdrücklich, entweder als Teil eines bestehenden Friedhofs oder, falls erforderlich, an einem neuen Ort. Eine pauschale Ablehnung solcher Anliegen, wie sie zuletzt in der Gemeinde Eschen sichtbar wurde, ist unverhältnismässig und widerspricht den Werten eines offenen, rechtsstaatlich verankerten Gemeinwesens. Wir fordern die Gemeinden auf, ihre Verantwortung wahrzunehmen und gemeinsam tragfähige Lösungen zu entwickeln, die allen Menschen im Land gerecht werden.

Martin Seger

Muslime in Liechtenstein verfügen bislang über keinen eigenen islamischen Friedhof. Die frühere Möglichkeit, sich dem bestehenden muslimischen Friedhof in Hohenems (Vorarlberg) anzuschliessen, wurde nicht genutzt. Integration sollte jedoch auch im Umgang mit dem Tod zum Ausdruck kommen. Anstatt separate Einrichtungen für unterschiedliche Religionsgemeinschaften zu schaffen, ist eine gemeinsame Nutzung der Friedhöfe ein wichtiger Schritt hin zu einem inklusiven Miteinander. Aktuell besteht in Liechtenstein keine Möglichkeit, Grabstätten längerfristig zu erhalten. Neben dem begrenzten Platzangebot fehlt es auch an einer breiten gesellschaftlichen Akzeptanz für dauerhafte Gräber. In der Regel werden Grabstätten nach einer Ruhefrist von 25 Jahren aufgelöst – eine Regelung, die für alle gleichermassen gelten sollte. Die gemeinsame Nutzung der Friedhofsund Totenkapellen für alle Glaubensrichtungen ist ein starkes Symbol des gegenseitigen Respekts und des gesellschaftlichen Zusammenhalts. Anstatt parallele Strukturen zu fördern, sollte Liechtenstein ein Zeichen für ein respektvolles und vielfältiges Zusammenleben setzen – ein Zeichen, das auch über den Tod hinaus Gültigkeit besitzt.

13

Daniel Lathan

Die Diskussion um einen muslimischen Friedhof in Liechtenstein begleitet das Land seit vielen Jahren – ohne dass bislang eine konkrete Lösung gefunden wurde. In mehreren Gemeinden wurden mögliche Grundstücke oder Grabfelder geprüft, zuletzt auch in Eschen. Dort führten Unterschriftensammlungen im Sommer 2024 zu einer ablehnenden Haltung in der Bevölkerung. Dabei zeigt sich, dass es sich um ein emotional geführtes Thema handelt, dem sachlich betrachtet die Grundlage für grössere Konflikte fehlt. Im «Liechtensteiner Vaterland» vom 25. April 2025 erklärten die Vorsteher Daniel Hilti (Schaan) und Johannes Hasler (Gamprin), dass es vonseiten der Islamischen Gemeinschaft im Fürstentum Liechtenstein (IGFL) «keine Forderung nach ewiger Grabesruhe» gebe und es «selbstverständlich» sei, dass die Friedhofsordnung für alle gelte. Andere Länder zeigen, dass pragmatische Lösungen möglich sind: In der Schweiz gibt es in Städten wie Zürich, Winterthur, Basel oder Luzern muslimische Grabfelder innerhalb bestehender Friedhöfe – eingerichtet im Einklang mit lokalen Regeln, ohne Sonderrechte, aber mit Respekt vor religiösen Bedürfnissen. Die MiM-Partei steht für eine offene Gesellschaft, in der alle Bürgerinnen und Bürger unabhängig von der Religion gleichbehandelt werden. Es soll jedem möglich sein, würdevoll bestattet zu werden – unter den geltenden Regeln und ohne Sonderrechte. Sollte eine Gemeinde ein Grabfeld für Mitbürgerinnen und Mitbürger anderer Konfessionen einrichten wollen, ist dies bereits heute möglich. Weitergehende Anliegen können über demokratische Verfahren eingebracht werden.


14

polit:zeit

05/2025

Neubau Landesspital: Wer übernimmt die Verantwortung? Wie so oft in der Politik: Wenn ein Projekt aus dem Ruder läuft, will niemand die Verantwortung übernehmen. Weder die Regierung noch der Stiftungsrat oder die Spitalleitung stellen sich in diesem Fall der Kritik. Stattdessen betont man, man habe «daraus gelernt» – und macht weiter wie bisher. Text: Thomas Rehak, Präsident der DpL

M

it dem Landtagsbeschluss und der Zustimmung der Bevölkerung im Jahr 2019 wurde der Weg für den Neubau des Landesspitals auf dem Wille-Areal in Vaduz frei. Der Verpflichtungskredit belief sich auf 65,5 Millionen Franken, ergänzt durch 7 Millionen aus dem Spitalbaufonds der Gemeinde Vaduz. Was als ambitioniertes, solide geplantes Grossprojekt begonnen hat, entwickelte sich rasch zum Problemfall. Nach Überarbeitung des Raumprogramms und einem Architekturwettbewerb wurde das Projekt «Inspira» im November 2020 zum Sieger gekürt – mit bereits damals 8,6 Millionen Franken Mehrkosten. Im März 2022 lag die Kostenberechnung für das Vorprojekt bei 97,7 Millionen Franken – 21 Millionen über dem indexierten Verpflichtungskredit. Daraufhin wurde das Projekt vom Steuerungsausschuss gestoppt. Der Bericht der Geschäftsprüfungskommission (GPK) brachte gravierende Mängel ans Licht: Die Budgetierung im ursprünglichen Bericht und Antrag 2019 war unvollständig. Auch beim Controlling fehlte es an klaren Strukturen. Besonders problematisch war, dass eine externe Firma sowohl für die Planung als auch für das Kostencontrolling verantwortlich war – ein Interessenkonflikt, der nie hätte entstehen dürfen. Zudem wurde das Projekt «Inspira» trotz unvollständiger Erfüllung der Vorgaben zum Sieger erklärt, ohne den Mitbewerbern die Chance zur Nachbesserung zu geben.

Streitpunkt: Die Rolle der Bauherrschaft

Ein weiterer Streitpunkt war die Rolle der Bauherrschaft. Gemäss Art. 6 Abs. 1 des Gesetzes über das Liechtensteinische Landesspital (LLSG) stellt das Land dem Spital die nötigen Immobilien zur Verfügung. Nach juristischer Prüfung kam die Regierung zum Schluss, dass das Spital selbst Bauherr und Projektinhaber sein könne. Ein Wechsel der Bauherrschaft zum Amt für Staatliche Liegenschaften wurde verworfen – das Landesspital

blieb zuständig, mit leichten Anpassungen und Beteiligung der Regierung in der Projektstruktur. Für das überarbeitete Projekt «Inspira II» wurde ein Ergänzungskredit von 6,04 Millionen Franken beantragt und vom Volk gutgeheissen. Doch auch in der Folge häuften sich die Probleme: Nachdem der ursprüngliche Architekt seinen Auftrag niedergelegt hatte, wurde dieser neu ausgeschrieben. Eine unterlegene Firma legte bei der Beschwerdekommission für Verwaltungsangelegenheiten (VBK) erfolgreich Beschwerde ein. Die VBK hob die Vergabeentscheidung auf. Die Spitaldirektorin Sandra Copeland hatte die Verfügung zur Vergabe unterzeichnet, obwohl sie dazu weder ermächtigt noch allein zeichnungsberechtigt war. Die VBK stellte klar: Eine solche Entscheidung hätte formell vom Stiftungsrat getroffen werden müssen. Dieser ist und bleibt verantwortlich – eine Delegation ohne klare Legitimation ist unzulässig, besonders bei einem Bauprojekt dieser Grössenordnung. Auch die Punktevergabe im Ausschreibungsverfahren wirft Fragen auf: Trotz grosser Preisunterschiede von bis zu 700’000 Franken lagen die Bewertungen für den Preis nur knapp auseinander. Den Ausschlag gab offenbar die subjektive Projektpräsentation. Bis heute wurde der Auftrag nicht neu vergeben – der von der FBP dominierte Stiftungsrat, dem auch Parteipräsident Alexander Batliner angehört, hat stattdessen eine weitere juristische Prüfung des Verfahrens veranlasst! Fazit: Die bisherigen Abläufe zeigen klar, dass das Landesspital weder personell noch strukturell für die Rolle als Bauherr geeignet ist. Nach meiner Auflassung muss das Projekt mit der Bauherrschaft endlich an das Amt für Hochbau und Raumplanung übertragen werden; weder der Stiftungsrat noch die Spitalleitung verfügen über die Kompetenzen, solch ein grosses Projekt zu realisieren, was der bisherige Projetverlauf klar aufzeigt.


im:fokus

05/2025

15

im:fokus Eschen-Nendeln

«Alle sind eingeladen, das Eschner Zentrum mitzugestalten» Die Gemeinde Eschen-Nendeln denkt räumlich in grossen Dimensionen, wenn es darum geht, wie ihr Zentrum in 20 oder 30 Jahren aussehen soll. Einer der Hintergründe ist mit dem «Gross Bretscha» eine Eschner Besonderheit, wie Vorsteher Tino Quaderer ausführt. Im Interview geht er ausserdem auf die punktuelle Einführung von Tempo 30 und die Senkung des Gemeindesteuerzuschlags ein. Interview: Heribert Beck

H

err Gemeindevorsteher, am Eschner Neujahrsapéro haben sie die Ziele skizziert, die Sie zusammen mit dem Gemeinderat für Eschen-Nendeln verfolgen. Ein wichtiger Punkt, den Sie angesprochen haben, war die Entwicklung des Dorfzentrums. Welche Vision und welche Ziele verfolgen Sie?

Gemeindevorsteher Tino Quaderer: Der Gemeinderat hat vergangenen Oktober den Prozess «Zukunftsbild Eschner Zentrum» angestossen. Dabei geht es darum, die langfristige Entwicklung unseres Zentrums hinsichtlich Siedlung, Verkehr, Nutzungen und Landschaft strategisch zu planen. Wie soll das Zentrum in 20 oder 30 Jahren aussehen, was soll an Nutzungen vorhanden sein und was braucht es, um dieses Zukunftsbild, das derzeit erarbeitet wird, erreichen zu können?


16

im:fokus

05/2025

Mit dem Gebiet «Gross Bretscha» besteht im Zentrum von Eschen ein Entwicklungspotenzial von rund 80'000 Quadratmetern an bester Wohnlage. Dieses Gebiet soll im Zuge des «Zukunftsbild Eschner Zentrum» mitbetrachtet werden.

Mit diesen und weiteren Fragen beschäftigen wir uns in diesem Prozess. Wichtig ist dabei, dass wir sowohl räumlich als auch thematisch einen übergeordneten und erweiterten Blick auf das Zentrum werfen, quasi vom Dorfplatz und den Zentrumsbauten bis zur Essanestrasse. Das bedeutet unter anderem, dass in diesem Prozess auch weitere Themen wie beispielsweise Entwicklungsperspektiven für das Gebiet «Gross Bretscha» mitbehandelt werden, dass meines Erachtens in Liechtenstein eine Besonderheit darstellt. Wieso ist das Gebiet «Gross Bretscha» aus Ihrer Sicht eine solche Besonderheit in Liechtenstein?

Erklärtes Ziel des Gemeinderates ist es, den Steuerzuschlag spätestens für das Veranlagungsjahr 2026 von aktuell 160 auf das gesetzliche Minimum von 150 Prozent zu senken. Tino Quaderer Gemeindevorsteher von Eschen-Nendeln

Das Gebiet «Gross Bretscha» besteht aus über 80'000 Quadratmetern an grösstenteils noch unbebauter, aber bereits einzonierter Wohnzone A und befindet sich mitten im Zentrum von Eschen, in unmittelbarer Gehdistanz zu Einkaufsmöglichkeiten, Verwaltung, Saal, Kirche und Gastroangeboten et cetera. Ein solches Potenzial an vorhandener Wohnzone mitten im Zentrum ist mir in keiner anderen Gemeinde bekannt. Daher wollen wir im Zuge der Entwicklung des «Zukunftsbildes Eschner Zentrum» auch die Frage beantworten, wie wir als Gemeinde dieses enorme Potential bestmöglich und vor allem strukturiert entwickeln können. Wie möchten Sie die Entscheidungsträger vom Gemeinderat über die Bevölkerung bis hin zur Wirtschaft in diesen Prozess einbinden? Wichtig ist uns in diesem Prozess ein breiter Einbezug der Bevölkerung. Daher haben wir bereits verschiedene Gefässe zur Beteiligung, beispielsweise von Kindern, Vereinen, Wirtschaftstreibenden oder einzelnen Quartieren durchgeführt. Darüber hinaus wird es im weiteren Verlauf auch noch eine allgemeine Bevölkerungsbeteiligung und weitere Massnahmen geben. Jede und jeder ist eingeladen, an diesem für unsere


05/2025

im:fokus

17

Der Gemeinderat hat beschlossen, in den Jahren 2026 und 2027 in drei von neun untersuchten Gebieten Tempo 30 einzuführen, so auch um das SZU.

Mit dem «Zukunftsbild Essanestrasse» verfügt die Gemeinde über ein strategisches Leitbild für die langfristige Entwicklung der Hauptverkehrsachse.

Gemeinde wichtigen Prozess mitzuwirken und mit uns die Zukunft des Zentrums zu gestalten.

Problemstellung mit Schleichverkehr am Feierabend haben sowie teilweise mit der Verkehrssicherheit an neuralgischen Punkten.

Bis wann soll das «Zukunftsbild Eschner Zentrum» vorliegen?

Dies haben wir zum Anlass genommen, um eine detaillierte Analyse des ganzen Ortsgebietes zu erarbeiten. Das Ergebnis war ein umfassender Bericht einmal für Eschen und einmal für Nendeln, der die bestehende Verkehrssituation darlegt und vor allem aufzeigt, wie und wo Tempo 30 umgesetzt werden kann und was es für Massnahmen erfordern würde.

Unser Ziel ist es, die Ausarbeitung des Zukunftsbildes bis nächstes Jahr abzuschliessen. Anschliessend geht es, ebenfalls im nächsten Jahr, darum, einerseits die geeigneten Massnahmen daraus abzuleiten und andererseits die Verknüpfung mit unseren Planungsinstrumenten und anderen Kernprozessen sicherzustellen. Insbesondere auch mit dem «Zukunftsbild Essanestrasse», das aufzeigt, welche Entwicklung die Gemeinde an der Essanestrasse anstrebt und welches Potenzial sich Investoren dort bietet. Zusammen sollen diese beiden zentralen strategischen Grundlagen die Entwicklung unserer Gemeinde in den nächsten Jahrzehnten prägen. Im März hat der Eschner Gemeinderat die Einführung von Tempo 30 in drei Gebieten beschlossen. Was sind nun die weiteren Schritte? Genauso wie in anderen Gemeinden ist Tempo 30 auch bei uns schon seit mehreren Jahren immer wieder ein Thema. Sowohl Befürworter als auch Gegner haben sich in den vergangenen Jahren in verschiedener Form an die Gemeinde gewendet. Um dieser Ausgangslage gerecht zu werden, haben wir 2023 im Rahmen einer umfassenden Bevölkerungsbefragung auch die Meinung zum Thema Tempo 30 abgeholt. Dabei konnten wir zwei zentrale Erkenntnisse gewinnen: Erstens wäre eine generelle Einführung von Tempo 30 in Eschen-Nendeln nicht mehrheitsfähig und würde, analog der Entwicklung in anderen Gemeinden, vom Stimmvolk klar abgelehnt. Zweitens ist aus der Umfrage hervorgegangen, dass es aber verschiedene Gebiete gibt, in denen eine Mehrheit der Bevölkerung Tempo 30 wünscht. Teilweise wurde dieser Wunsch auch schon mit Unterschriftensammlungen an die Gemeinde herangetragen. Hinzu kommt, dass wir in verschiedenen Gebieten eine

In welchen Gebieten wird Tempo 30 nun konkret umgesetzt und wie sieht der Zeitplan aus? Auf Basis dieser beiden öffentlich zugänglichen Berichte wurde Eschen-Nendeln in neun Gebiete unterteilt. Aus diesen neun Gebieten hat der Gemeinderat drei Gebiete ausgewählt, in denen Tempo 30 in den Jahren 2026 und 2027 eingeführt werden soll. Die Auswahl basiert primär auf folgenden Kriterien: Schleichverkehr, Verkehrssicherheit, Akzeptanz in der Bevölkerung und Machbarkeit. Konkret wurde in Nendeln das Gebiet zwischen Hauptstrasse und Bahnlinie mit verschiedenen Quartierstrassen ausgewählt. In Eschen ist es einmal das Gebiet rund um das Schulzentrum Unterland und andererseits das Gebiet Halde mit verschiedenen Strassenzügen. Geplant ist, dass noch vor den Sommerferien eine Informationsveranstaltung zum Thema stattfindet und anschliessend, nach den Sommerferien, der entsprechende Finanzbeschluss im Gemeinderat behandelt wird. Dieser wird dann nach entsprechender Beschlussfassung zum Referendum ausgeschrieben. Erwarten Sie ein solches Referendum zu Tempo 30 respektive welche Rückmeldungen haben Sie auf den Grundsatzbeschluss des Gemeinderates erhalten?


18

im:fokus

05/2025

Dorfzentrum Nendeln: Kirche St. Sebastian ...

... und Vereinshaus sowie Treffpunkt Clunia.

Tempo 30 ist ein recht kontroverses Thema, und es würde mich nicht überraschen, wenn gegen Ende des laufenden Jahres dann auch das Stimmvolk in Eschen-Nendeln damit befasst wird. Daher war es dem Gemeinderat immer wichtig, eine ausgewogene Lösung zu verabschieden, die nicht flächendeckend ist, sondern primär dort Massnahmen vorsieht, wo diese aus Gründen wie Schleichverkehr, Verkehrssicherheit, Akzeptanz bei der Bevölkerung im Gebiet und dergleichen hergeleitet werden können. Daher hat sich der Gemeinderat aus den neun analysierten Gebieten letztlich für die Umsetzung von Tempo 30 in den drei genannten Gebieten ausgesprochen.

auf 150 Prozent zu senken und wann darf die Bevölkerung mit dem Erreichen dieses Ziels rechnen?

Eschen-Nendeln profitiert inzwischen auch vom horizontalen Finanzausgleich. Wie steht es um Ihr Ziel, den Gemeindesteuerzuschlag

Die Anpassung des Finanzausgleichs, in die wir in den letzten Jahren viel Vorarbeit investiert haben, ist wichtig und hilft Gemeinden wie Eschen-Nendeln sehr. Insbesondere da wir im Jahr 2024 parallel dazu auch noch ein erfreuliches Bevölkerungswachstum von fast 130 Personen verzeichnen konnten, was sich natürlich ebenfalls positiv auf die Leistungen aus dem Finanzausgleich auswirkt. Vor diesem Hintergrund haben wir im vergangenen Jahr bereits eine erste Reduktion des Gemeindesteuerzuschlags umsetzen können und mit der aktuellen Steuererklärung für das Jahr 2024 wird bereits die zweite Reduktion auf nunmehr 160 Prozent wirksam. Erklärtes Ziel des Gemeinderates ist es, den Steuerzuschlag

Bekleidung und Wäsche für die ganze Familie:

Zeit für den Frühlingsputz.

Auch in Ihrem Versicherungsdossier.

FL-9492 Eschen · Essanestrasse 65 · Tel. +423 373 12 01

Generalagentur Vaduz Kilian Pfister mobiliar.ch/vaduz

document14123179643694528778.indd 1

1809114

Andreas Gerner, Versicherungs- und Vorsorgeberater T 00423 237 65 48, andreas.gerner@mobiliar.ch

13.03.2024 10:04:18

CALIDA · TRIUMPH · MEY ISA · MONARI ASKARI · FALKE · SCHIESSER · ANITA KENNY S. · CAPUCCINO · KAUF


05/2025

Beim Sportpark Eschen/Mauren hat im Februar eine umfassende Sanierung gestartet, die bis 2026 dauern wird.

spätestens für das Veranlagungsjahr 2026 von aktuell 160 auf das gesetzliche Minimum von 150 Prozent zu senken. Man muss an dieser Stelle aber ganz klar sagen, dass wir trotz angepassten Finanzausgleichs am Ende des Tages weniger Geld zur Verfügung haben werden als zuvor. Schliesslich investieren wir die Mehreinnahmen nahezu vollständig in die Steuersenkungen, und parallel dazu steigen die gesetzlichen Beitragsleistungen enorm an, die wir beispielsweise im Alters-, Sozial- und Bildungsbereich erbringen müssen. Daher scheint es für mich unumgänglich, dass früher oder später die besondere Situation von Gemeinden mit Doppelstruktur, wie Eschen-Nendeln oder eben auch Mauren-Schaanwald, im Finanzausgleich berücksichtigt werden muss. Mit welcher Begründung braucht eine Gemeinde mit Doppelstruktur mehr Geld? Oder ist Ihre Gemeinde einfach nicht sparsam genug? Wenn man sich den Sach- und Personalaufwand der Gemeinden pro Einwohner anschaut, stellt man schnell fest, dass beispielsweise Eschen-Nendeln zu den sparsamsten Gemeinden Liechtensteins zählt. Dennoch haben wir pro Kopf signifikant weniger freie Mittel zur Verfügung als die meisten anderen Gemeinden. Das liegt daran, dass wir infolge der Doppelstruktur mit räumlich getrennten Ortsteilen viele Basiskosten doppelt leisten müssen: Schule, Kindergarten, Kirchenwesen, Dorfsaal und vieles mehr. Mit anderen Worten haben wir durch den zweiten Ortsteil ähnliche Herausforderungen wie die kleinen Gemeinden. Letztere erhalten aber einen Kleinheitszuschlag im Finanzausgleich, um die Herausforderungen der Kleinheit zu meistern. Doppelgemeinden wie Eschen-Nendeln oder Mauren-Schaanwald erhalten jedoch nichts Vergleichbares für ihren zweiten Ortsteil, durch den sie mit ähnlichen Herausforderungen konfrontiert sind, welchen die kleinen Gemeinden ebenfalls gegenüberstehen.

im:fokus

19


20

jugend:zeit

05/2025

jugend:zeit

«Information, Medien und KI gehören fokussiert in die Schulbildung» Aaron Nobile aus Mauren ist 22 Jahre jung und studiert im sechsten Semester Physik an der ETH in Zürich. Gerade aufgrund dieser Studienrichtung ist ihm bewusst, wie KI und Algorithmen in der heutigen Welt der Kommunikation und die Information beeinflussen. Besonders durch Soziale Medien sei es einfach, Menschen emotional zu erreichen. Im Interview geht Aaron auf verschiedene Themen ein, die Jugendliche besonders bewegen und beschäftigen. Interview: Johannes Kaiser


jugend:zeit

21

Foto: Tatjana Schnalzger

05/2025

Johannes Kaiser und Aaron Nobile (22).

A

aron, du bist im sechsten Semester des Physikstudiums an der ETH in Zürich. Was fasziniert dich an dieser Studienrichtung?

Aaron Nobile: Was mich früher genauso an der Physik fasziniert hat, wie es mich bis heute am meisten fasziniert, ist ihre Determiniertheit, also der Grad der Vorbestimmtheit. Physik bildet die Basis der Naturwissenschaft und schreckt deshalb nie vor einem weiteren «Warum» zurück, auch wenn es in einem konkreten Fall vielleicht gar nicht in erster Linie im Interesse steht. Schön dabei ist es, immer wieder mit anzusehen, wie die Teile – wie bei einem Puzzle – Stück für Stück zusammenkommen und man dann plötzlich ein ganzes Bild vor sich hat, auch wenn man es überhaupt nicht erwartet hat. Was sind deine beruflichen Ziele nach dem Abschluss des Physikstudiums? Ich habe noch kein klar definiertes Ziel, da es in der Wissenschaft wie auch in der technischen Branche sehr schwer ist, sich so frühzeitig festzulegen. Die Entwicklung in diesen Bereichen ist enorm. Ich möchte mich jedoch nicht unbedingt der Forschung zuwenden, denn als theoretischer oder praktischer Physiker zu wirken, wäre nichts für mich, weil ich lieber mein Wissen anwenden will. Mein Interesse geht in Richtung «Engineering», das heisst Maschinenbau, Elektrotechnik et cetera. Dabei hat es mir in letzter Zeit «Quantum Engineering»

angetan, was eng mit dem «Quantencomputer» verbunden ist. Ausserdem bin auch an einfacheren Themen interessiert, wie Aerodynamik, und so würde ich eines Tages vielleicht gerne in der Motorsport- oder Flugzeugbranche arbeiten. Physik und Quantenfeld – befasst du dich auch von der philosophischen Seite damit? Ja, gerade diesen Winter habe ich ein Essay zu einem philosophischen Thema der Physik verfasst und mich über längere Zeit damit beschäftigt. Diese Themen sind allerdings häufig äusserst komplex und im Detail nur mit Aufwand zu verstehen, zudem sind die Themen meist auch sehr umstritten, was oft zu Missinterpretation führen kann. Im Allgemeinen glaube ich, dass es unmöglich ist, sich mit Physik zu befassen, ohne indirekt auch mit der philosophischen Seite konfrontiert zu sein. Was sind für dich zentrale Anliegen, welche die zukünftige Welt der Jugend betreffen? Was mir für die Zukunft besonders wichtig ist, ist der Umgang mit Information. Unsere Welt entwickelt sich immer schneller und wird komplexer, was eine reflexive Aufnahme der Information zunehmend schwieriger macht. Besonders durch Soziale Medien ist es einfach, Menschen emotional zu beeinflussen und sie so überspitzt oder gar falsch zu informieren. Dies wirkt sich in meinen Augen politisch stark in negativer Weise aus. Ich hoffe daher, dass die

Thematik «Information, Medien, KI» ganz bewusst und fokussiert in die Schulbildung aufgenommen wird. Werden die Jugendlichen in ihrer Meinungsbildung ausreichend gehört beziehungsweise ihre Ideen in die Entscheidungsprozesse aufgenommen? Es gibt Themenbereiche, in denen man durchaus mehr auf die Betroffenheit und damit auch auf die Alterskategorie sowie die persönlichen Kontexte schauen sollte. Dies hat in meinen Augen nichts mit Ungleichheit zu tun, sondern ist eher rational. Generell denke ich aber schon, dass die Jugend mehr Aufmerksamkeit braucht. Du spielst bist ein begabter E-Gitarrist und spielst in der Band «Force of habits». Hast du ausreichend Zeit, diesem kreativen Hobby nachzugehen? Die vergangenen beiden Jahre eher weniger, da ich mit dem Studium viel um die Ohren hatte. Aber momentan senkt sich der Arbeitsaufwand wieder leicht, und dementsprechend habe ich wieder mehr Zeit zu spielen. Dies setzt voraus, dass sich auch meine Bandkollegen Daniel Elkuch, Noa Kaiser und Tristan Kranz, die aufgrund ihrer Studien und Ausbildungen in der Welt «verstreut» sind, ebenfalls mehr Zeit für unsere nächsten Bandauftritte nehmen können. Danke, Aaron, für dieses interessante und sehr sympathische Gespräch.


22

wirtschafts:zeit

05/2025

wirtschafts:zeit

International denken, lokal agieren. schreibermaronsprenger.li


wirtschafts:zeit

05/2025

23

LADINA LADNER, SCHWEIZER SPORT & MODE, VERLAGSLEITERIN

«LAYOUT, DRUCK UND WEBPUBLISHING AUS EINER HAND.» Mehr Erfolg dank Crossmedia. In enger Zusammenarbeit mit unseren Kunden entstehen erfolgreiche Ergebnisse. Wir beraten kompetent, vernetzen intelligent und produzieren exzellent. Fragen Sie nach unseren Referenzen: Tel. 081 255 52 52. www.somedia-production.ch

206x265_kundeninserate_lie-zeit.indd 5

15.12.14 11:48


24

wirtschafts:zeit

05/2025

Regierungschef Hans Brunhart beim Unterzeichnen des EWR-Abkommens. 02.0.1992; B 254/023/013; Liechtensteinisches Landesarchiv/Vaduz

30 Jahre im EWR

Der EWR ist für Liechtenstein auch in Zukunft die beste Option Das liechtensteinische Stimmvolk hat 1992 erstmals dem Beitritt zum Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) zugestimmt. Drei Jahre später, nachdem der Zollvertrag mit der Schweiz angepasst worden war, bestätigten die Stimmberechtigten ihre frühere Entscheidung. Die Bilanz der Regierung fällt nach 30 Jahren EWR-Mitgliedschaft sehr positiv aus. Text: Günther Meier

D

er 1. Mai 1995 gehört zu den bedeutenden Daten in der Wirtschaftsgeschichte des Fürstentums Liechtenstein. An diesem Tag erfolgte der offizielle Beitritt des Landes zum Europäischen Wirtschaftsraum. Im EWR sind

die 27 Mitglieder der EU und die drei EWR/ EFTA-Staaten Liechtenstein, Island und Norwegen in einem Binnenmarkt zusammengeschlossen. Die Bilanz der Regierung über die EWR-Mitgliedschaft fällt, wie bereits bei Stellungnahmen und Berichten bei «runden

Jahreszahlen», auch bei einem Rückblick auf die vergangenen 30 Jahre Zusammenarbeit im Binnenmarkt positiv aus. Laut Umfragen in der Bevölkerung und bei den Wirtschaftsverbänden wird die EWR-Mitgliedschaft gut bewertet: Der EWR sei für Liechtenstein auch


wirtschafts:zeit

05/2025

25

Prinz Nikolaus, ganz rechts im Bild, mit Vertretern anderer Länder bei der Unterzeichnung des EWR-Abkommens. 02.0.1992;, B 254/023/008; Liechtensteinisches Landesarchiv/Vaduz

in Zukunft die beste Option in der Integrationspolitik. Laut dem neuesten Bericht der Regierung «30 Jahre Mitgliedschaft des Fürstentums Liechtenstein im Europäischen Wirtschaftsraum» rufe der EWR bei 80 Prozent der befragten Personen ein sehr oder ziemlich positives Bild hervor. Über 80 Prozent bewerten das EWR-Abkommen als gutes und wichtiges Abkommen für Liechtenstein. Diese Einschätzungen werden von der Wirtschaft noch überboten: Nicht weniger als 89 Prozent der Industriebetriebe und 92 Prozent der Banken haben eine positive Meinung von der EWR-Teilnahme. Auch weitere Unternehmen im Bereich der Finanzdienstleistungen und 69 Prozent der Mitglieder der Wirtschaftskammer sehen die EWR-Auswirkungen als eher oder gar als sehr positiv.

Unterschiedliche Auffassungen von Fürst und Regierung

Ein Rückblick in die EWR-Geschichte Liechtensteins zeigt, dass die Einschätzungen der Bevölkerung und der Wirtschaft seit den kontroversen Diskussionen über die Integrationspolitik im Vorfeld der ersten EWR-Abstimmung im Jahr 1992 erhebliche Veränderungen erfahren haben. Sowohl in der Bevölkerung als auch innerhalb der Wirtschaftsverbände hat die Zustimmung zum EWR in den vergangenen

dreissig Jahren erheblich zugenommen. Seit Jacques Delors als Präsident der Europäischen Kommission in der Mitte der 1980er-Jahre zu einer Vertiefung der europäischen Integration aufgerufen und die Schaffung eines Binnenmarktes in Europa angeregt hatte, befasste sich auch Liechtenstein mit der Teilnahme an einem solchen Markt mit freiem Waren- und Personenverkehr. Die Regierung unter Regierungschef Hans Brunhart zeigte sich offen für eine Mitgliedschaft in einem Wirtschaftsraum, der ganz Europa umfassen sollte. Allerdings mit einem Vorbehalt: Liechtenstein dürfe den Weg nach Europa nicht im Alleingang beschreiten, sondern in enger Abstimmung mit dem Zollvertragspartner Schweiz. Als es in der Schweiz und in Liechtenstein um die Frage ging, das Volk über den Beitritt zum Europäischen Wirtschaftsraum abstimmen zu lassen, stellte sich die Regierung auf den Standpunkt, eine Volksabstimmung dürfe deshalb erst nach der Volksentscheidung in der Schweiz stattfinden. Im Unterschied dazu forderte Fürst HansAdam II. eine eigenständigere Aussen- und Europapolitik, was bedeutete, die EWR-Entscheidung unabhängig von der Schweiz zu treffen. Schon in seiner berühmten «Rucksack-Rede» 1970 hatte er gefordert, zu jener Zeit noch Erbprinz, aussenpolitisch auf eigenen Beinen

zu stehen und nicht im bequemen Rucksack der Schweiz zu verharren. Der Fürst war schon beim Beitritt zur UNO der Auffassung, nur ein eigenständiges Auftreten in der globalen Gemeinschaft sichere langfristig die Souveränität des Landes. Mit seinem beharrlichen Eintreten für den UNO-Beitritt, ohne Rücksicht auf die UNO-Politik der Schweiz, hatte er Erfolg: Liechtenstein wurde 1991 als 160. Mitglied in die Vereinten Nationen aufgenommen. Ein ähnliches Vorgehen schwebte Hans-Adam II. beim EWR-Beitritt vor. In seiner Thronrede 1992 betonte er, weil der EWR-Vertrag für Liechtenstein so wichtig sei, «wäre es meiner Ansicht nach ein Fehler, unsere Zustimmung von der Entscheidung der Schweiz abhängig zu machen». Ganz besonders, weil die Schweiz bereits ein Gesuch um einen EU-Beitritt in Brüssel gestellt hatte. Es wäre durchaus denkbar, dass die Schweiz dem EWR-Beitritt eine Absage erteile, kurze Zeit später jedoch der EU-Mitgliedschaft zustimme – was für Liechtenstein nicht grössenverträglich wäre.

Staatskrise 1992 wegen EWR-Abstimmungstermin

Die Regierung widersetzte sich der Forderung nach einer EWR-Abstimmung vor der Schweiz, was im Oktober 1992 eine Staatskrise heraufbeschwor, die aber mit einem Kompromiss


26

wirtschafts:zeit

05/2025

Fürst Hans-Adam II. stellte sich im provisorischen Landtagssaal in der Musikschule den Fragen von Regierung und Landtag zum EWR-Beitritt. 1992; SgAV 11/0611/004, Beat Schurte, Schaan; Liechtensteinisches Landesarchiv/Vaduz

beigelegt werden konnte. Der Fürst hatte der Regierung das Ultimatum gestellt, auf seine Forderung einzugehen, andernfalls werde er die Regierung entlassen und den Landtag auflösen. Wie er später in einem Interview darlegte, sei er entschlossen gewesen, die Regierung abzusetzen, Neuwahlen anzuordnen und bis zur Konstituierung eines neuen Parlaments und einer neuen Regierung selber als «Regierungschef ad interim» die Regierungsgeschäfte zu führen. Dieses Szenario blieb Liechtenstein erspart, nachdem ein vom früheren Regierungschef Gerard Batliner gebildetes «Überparteiliches Komitee für Monarchie und Demokratie» auf Schloss Vaduz einen Kompromiss aushandeln konnte: Der Fürst erklärte sich mit der Volksabstimmung erst nach der Schweiz einverstanden, während sich die Regierung verpflichtete, die Stimmberechtigten zu einem Ja für den EWRBeitritt aufzufordern. Das Abstimmungsresultat am 13. Dezember 1992 fiel im Sinne des Fürsten aus: Obwohl die Schweiz eine Woche zuvor dem EWR-Beitritt eine Abfuhr erteilt hatte, stimmte Liechtenstein der EWR-Mitgliedschaft zu und damit auch der vom Fürsten geforderten, von der Schweiz unabhängigen Aussenpolitik.

lungnahme, er habe mit der schweizerischen Regierung, insbesondere mit Bundesrat Delamuraz, in Gesprächen eine Lösung erarbeitet, damit Liechtenstein dem EWR beitreten könne, ohne den Zollvertrag zu kündigen. In Verhandlungen wurde das Modell der «paral-

lelen Verkehrsfähigkeit» entwickelt: Liechtenstein erhielt die Möglichkeit, Waren entweder nach dem EWR-Standards oder den Schweizer Produktestandards in Verkehr zu setzen. Ausserdem blieb die enge wirtschaftliche Anbindung an den schweizerischen Währungs-

Sonderlösung zur Beschränkung des freien Personenverkehrs

Die zweite Volksabstimmung vom 7./9. April 1995 wurde nach dieser Entscheidung eigentlich zur Formsache, insbesondere auch, weil die Schweiz ihre Zustimmung zur Anpassung des Zollvertrags gegeben hatte. Fürst Hans-Adam II. erklärte später in einer Stel-

Eine grosse Menschenmenge versammelte sich vor dem Regierungsgebäude zu einer Demonstration, die unter dem Titel «Für Monarchie und Demokratie» im Oktober 1992 anberaumt worden war. 1992; SgAV 11/0611/011, Beat Schurte, Schaan; Liechtensteinisches Landesarchiv, Vaduz


wirtschafts:zeit

05/2025

27

raum erhalten. Im heikelsten EWR-Bereich, dem freien Personenverkehr, konnte Liechtenstein auch mit der EU eine Sonderlösung vereinbaren: Aufgrund der Kleinheit des Landes muss Liechtenstein nur 56 Bewilligungen für Erwerbstätige und 16 Bewilligungen für Nichterwerbstätige erteilen.

Spezielles Modell: EWR-Teilnahme und Zollvertrag mit der Schweiz

Aufgrund dieser Ausgangslage und der positiven Entwicklung in den vergangenen drei Jahrzehnten ist es nicht verwunderlich, dass der EWR-Beitritt für Liechtenstein von einer satten Mehrheit der Bevölkerung und den Unternehmen als beste Option der Integrationspolitik eingeschätzt wird. Mit der gleichzeitigen Zugehörigkeit zu zwei Wirtschaftsräumen, zum EWR unter Beibehaltung der Zoll- und Währungsunion mit der Schweiz, ist ein spezielles Modell entwickelt worden. Das Modell hat sich bisher als sehr tragfähig erwiesen, auch wenn die Verpflichtung zur laufenden Übernahme von EU-Rechtsakten bisweilen mit Schwierigkeiten verbunden ist. Die von Teilen der Wirtschaft im Vorfeld

Demonstration vor dem Regierungsgebäude, nachdem Fürst Hans-Adam II. gedroht hatte, den Landtag aufzulösen und die Regierung zu entlassen. 28.10.1992; SgAV 05/0927/001; Klaus Schädler, Triesenberg; Liechtensteinisches Landesarchiv/Vaduz

der zwei EWR-Abstimmungen angeführten Vorbehalte sind in der Zwischenzeit entkräftet worden. Die Unternehmen schätzen den Marktzugang zum EU-Binnenmarkt und die Rechtssicherheit im EWR-Raum.

Auf eine kurze Formel gebracht, lautet die weit übereinstimmende Einschätzung der Wirtschaft: «Der EWR ist ein Erfolgsmodell für Liechtenstein!»

Alt-Regierungschef Gerard Batliner, Zweiter von rechts, der einen Kompromiss mit dem Fürsten aushandeln konnte, mit den FBP-Abgeordneten Josef Frommelt, Otmar Hasler und Ernst Walch sowie Peter Goop. Liechtensteinisches Landesarchiv, Vaduz, 1992, SgAV 11/0611/010, Beat Schurte, Schaan


28

wirtschafts:zeit

05/2025

Öffentlichkeit bekannt und sind damit schwerer zu leugnen. Zum andern erlauben sie im Idealfall eine Aufarbeitung der Vergangenheit, wie dies in Deutschland – allerdings erst mit der Verzögerung um eine Generation – begonnen hat.

Foto: justflix/ wikimedia

Völkerstrafrecht im Angesicht der Zeitenwende Zunehmend wenden sich Staaten vom (institutionalisierten) Völkerstrafrecht ab. Ein Rückschritt? Text: Georges Baur, Forschungsleiter Recht am Liechtenstein-Institut

S

eit dem Angriff Russlands auf die Ukraine steht auch die Frage im Raum, wie die im Zusammenhang mit diesem Krieg begangenen Kriegsverbrechen geahndet werden sollen. Im Vordergrund stehen die russischen Kriegsverbrechen in der Ukraine, wie z. B. in Butscha oder Irpin. Vor 80 Jahren, mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs in Europa, wurde erstmals versucht, Kriegsverbrechen, Völkermord, «Verbrechen gegen die Menschlichkeit» usw. auf der Grundlage des Rechts durch Gerichtsverfahren zu ahnden. Es war der Versuch, die Verbrechen in einem rationalen und geregelten Verfahren im Namen der Völkergemeinschaft abzuhandeln. Zum einen haben diese Verbrechen Auswirkungen über einen einzelnen Staat hinaus und die

Völkergemeinschaft hat damit ein Interesse an einer strafrechtlichen Verfolgung der Verantwortlichen. Zum anderen ist die nationale Justiz in solchen Fällen zumeist nicht willens oder fähig, derartige Verbrechen zu verfolgen und die entsprechenden Verfahren durchzuführen. Soweit noch existent, besteht die Gefahr, dass sich die Angehörigen des Staatsapparats der Verantwortung entziehen. Würden sie aber – trotz erwiesener Schuld – straflos davonkommen, wäre dies eine Verletzung der universell geltenden Menschenrechte ihrer Opfer. Schliesslich hat ein derartiges Verfahren, wie es 1945 in Nürnberg gegen die führenden Vertreter des NS-Regimes durchgeführt wurde, idealerweise auch eine «erzieherische» Wirkung: Zum einen werden die Gräuel durch die Beweisführung, Zeugenaussagen, Dokumente etc. in aller

Die Alternative zu diesem Modell konnte ebenfalls vor 80 Jahren in Italien, dem Verbündeten Nazi-Deutschlands, beobachtet werden: Am 28. April 1945 wurden der ehemalige Diktator Benito Mussolini, seine Geliebte Clara Petacchi sowie 13 Getreue erschossen und an einer Tankstelle am Piazzale Loreto in Mailand aufgehängt. Damit war wohl in den Augen vieler Italiener Sühne getan. Dies mag auch ein Grund dafür sein, weshalb in Italien bis heute keine nennenswerte Aufarbeitung der faschistischen Vergangenheit und der Beteiligung am Zweiten Weltkrieg stattgefunden hat. Wieso beschäftigt uns das heute noch? Die letzten Überlebenden sind bald alle tot und die Mörder auch. Nur: Mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs war ja keineswegs Schluss mit dem Morden und Sühnen-Wollen. Nach dem Vorbild der Nürnberger Prozesse wurden weitere Tribunale zur Sühne von Völkermorden eingerichtet, z. B. betreffend Kambodscha, Rwanda oder Ex-Jugoslawien. Diese Praxis, Völkermorde und «Verbrechen gegen die Menschlichkeit» zu verfolgen und die dafür Verantwortlichen abzuurteilen, führte letztlich zur Gründung des Internationalen Strafgerichtshofs (ICC) in Den Haag. Diesen hatte Liechtenstein mitinitiiert. Zunehmend wenden sich aber Staaten vom ICC ab, wie das Beispiel des Austritts Ungarns zu Beginn des Monats April belegt. Staaten wie Russland, China, Indien oder die USA sind ohnehin keine Mitglieder. Weitere Austritte könnten folgen. Natürlich sind auch die Völkerrechtsstrafverfahren immer wieder fehlerhaft oder führen nicht zum idealerweise gewünschten Resultat. Das können sie auch nicht. Jurisprudenz ist nun einmal Menschenwerk und dementsprechend fehleranfällig. Aber ist das jetzt das Ende der völkerrechtsbasierten Verfolgung von Kriegsverbrechen? Selbst wenn die Wahrscheinlichkeit, z. B. Putin zu verhaften, gering ist, würde er überhaupt vor Gericht gestellt? Bliebe dann eben nur, ihn auf dem Piazzale Loreto in Mailand aufzuhängen, wenn man seiner habhaft würde? Dies würde vielleicht Rachegelüste befriedigen, wäre aber definitiv ein Rückschritt.


wirtschafts:zeit

05/2025

The Future of the EEA Internal Market in view of current geopolitical and global economic challenges

Internationale Tagung zum Jubiläum 30 Jahre EWR-Mitgliedschaft Mittwoch, 14. Mai 2025 Rathaussaal Vaduz

30 JAHRE EWRMITGLIEDSCHAFT Fakten, Hintergründe und Einblicke zum Europäischen Wirtschaftsraum

Tagungssprache: Englisch Die Teilnahme steht allen Interessierten offen. Weitere Informationen: https://liechtenstein-institut.li Die Tagung kann auch online mitverfolgt werden!

www.liechtenstein-institut.li

Gemeinsam mehr erreichen. Wo Werte nicht nur an der Wand hängen, sondern gelebt werden.

Hoval | Verantwortung für Energie und Umwelt

uni.li/weiterbildung

29


30

wirtschafts:zeit

05/2025

Ein Fest für die Vielfalt

Das Programm kann sich auch dieses Jahr wieder sehen lassen. Neben Christoph Schmitz (Foto), Wissenschaftler, Vordenker und erfolgreicher Sozialunternehmer in Sachen Natur und Nachhaltigkeit, als Keynote-Speaker stellen acht Biodiversitäterinnen und Biodiversitäter neue Projekte aus und für Liechtenstein vor, die für mehr Vielfalt im Land sorgen: vom Apfelgarten in Bendern bis zu mehr artenreicher Abwechslung auf heimischen Tellern.

Ein Highlight verspricht auch die Vorstellung der besten Projekte aus dem «supergut»-Schulwettbewerb zu werden: Julian Janssen – der jungen Generation als «Checker Julian» aus der KIKA-Kinderwissenssendung bestens bekannt – nimmt die eingereichten Projekte unter die Lupe und kürt die Gewinnerinnen und Gewinner. Und als besondere Überraschung wird noch das neueste «supergut»-Projekt enthüllt. Anmelden und dabeisein!

Foto: Gordon Welters

Es ist wieder so weit: «supergut» lädt am 22. Mai 2025 – am Internationalen Tag der biologischen Vielfalt – zum «Tatort Biodiversität» in den SAL nach Schaan. Ein Event für überzeugte Biodiversitäterinnen und Biodiversitäter und all jene, die es noch werden wollen.


wirtschafts:zeit

05/2025

31

«Ein wegweisender Schritt für den Versicherungsplatz Liechtenstein» Am 1. Mai 2025 konnte Liechtenstein auf 30 Jahre Mitgliedschaft im Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) zurückblicken. Das Jubiläum erinnert an eine historische Weichenstellung in der liechtensteinischen Europapolitik, aus der das Land viele Vorteile zieht.

Ganz besonders trifft das auf die Versicherungsbranche zu, die es ohne Mitgliedschaft und europäische Integration in der heutigen Form gar nicht gäbe. Im Interview spricht die Präsidentin des Liechtensteinischen Versicherungsverbands, Caroline Voigt, von einem wegweisenden Schritt für den Versicherungsplatz Liechtenstein. Caroline Voigt, welche Bedeutung hat die EWR-Mitgliedschaft für die Assekuranz im Land und welche Bilanz ziehen Sie rückblickend auf 30 Jahre EWR? Eine sehr positive. Erst durch den EWR-Beitritt konnte sich das liechtensteinische Versicherungsgeschäft in der heutigen Form entwickeln und wachsen. Nach der Unterzeichnung des EWR-Abkommens im Jahr 1995 wurde in Liechtenstein eine europakonforme Versicherungsaufsichtsgesetzgebung geschaffen. Der Zugang zum Binnenmarkt ist eine sine qua non für die Versicherungsunternehmen im Land, die Versicherungsgeschäfte in einem anderen EWR-Vertragsstaat durch eine Niederlassung oder im freien Dienstleistungsverkehr betreiben dürfen. Das war schon ein wegweisender Schritt für den Versicherungsplatz Liechtenstein. Welche Auswirkungen hatte dieser Schritt

auf die Partnerschaft mit der Schweiz? Vor der Aufnahme Liechtensteins in den EWR waren ausschliesslich Agenturen schweizerischer Versicherungsunternehmen in Liechtenstein tätig. Um auch für diese die gleichen Voraussetzungen wie für die EWR-Versicherungsunternehmen zu schaffen, haben Liechtenstein und die Schweiz auf der Basis der Gegenseitigkeit ein Direktversicherungsabkommen abgeschlossen. Durch dieses Abkommen dürfen liechtensteinische Versicherungsunternehmen in der Schweiz und umgekehrt schweizerische Versicherungsunternehmen in Liechtenstein Versicherungsgeschäfte betreiben. Wie bewerten Sie den parallelen Marktzugang zur Schweiz und zum EWR-Raum? Dieser doppelte Marktzugang ist ein wichtiger Standortvorteil, den wir in Liechtenstein haben. Zusammen mit anderen positiven Faktoren, wie der politischen und wirtschaftlichen Stabilität, hat das dazu geführt, dass sich Versicherungsunternehmen in Liechtenstein niederlassen, von wo aus die beiden Hauptmärkte Schweiz und EWR-Raum bearbeitet werden können. Eine Befürchtung war immer, dass mit dem

EWR-Beitritt die Bürokratie zunimmt. Ist das eingetreten? Die Zugehörigkeit zum EWR hat die Umsetzung vieler Vorschriften und Richtlinien zur Folge. Dies bedeutet eine stärkere Harmonisierung der Rechtsvorschriften im gesamten Bereich des EWR und damit auch eine Anpassung liechtensteinischer Vorschriften an die entsprechenden EU-Richtlinien. Auch wenn die Umsetzung der Regularien aus der EU für den verhältnismässig kleinen liechtensteinischen Versicherungsstandort eine Herausforderung darstellt, überwiegen doch die Vorteile der Mitgliedschaft. Denn auch ohne EWR-Zugehörigkeit hätte Liechtenstein regulatorische Herausforderungen und müsste bilaterale Verträge verhandeln. Welche Perspektiven sehen Sie für den Versicherungsstandort? Liechtenstein hat sich eine einzigartige Position aufgebaut als Plattform für den Vertrieb in Europa (EWR) und in der Schweiz. Aufgrund der zunehmenden Öffnung unseres Finanzplatzes konnten in den vergangenen Jahren viele internationale Kontakte geknüpft werden. Liechtenstein hat gute Perspektiven, sich weiter als Versicherungsstandort zu etablieren.


32

wirtschafts:zeit

05/2025

«Intelligent Simplicity» statt «Stupid Complexity» Das herausfordernde Marktumfeld in der globalen Automobilindustrie verlangt der Branche derzeit viel ab. Wir haben bei Peter Wiesner, CEO im thyssenkrupp Dynamic Components TecCenter in Eschen nachgefragt, wie die thyssenkrupp Dynamic Components mit diesen Herausforderungen umgeht.

Herr Wiesner, welche Rolle spielt das TecCenter in der Dynamic Components Gruppe? Peter Wiesner: Das TecCenter ist das Herzstück für Engineering-Dienstleistungen innerhalb von thyssenkrupp Dynamic Components. Unsere Schwerpunkte liegen in den Bereichen Projektmanagement, Vertrieb, Einkauf, Qualität, Projektengineering, Prozessvorentwicklung und Konstruktion. Gleichzeitig fertigen wir hier Prototypen und Kleinserien. Dank unseres flexiblen Maschinenparks verbinden wir Engineering und Fertigung nahtlos – eine zentrale Voraussetzung für innovative Entwicklungen innerhalb der Gruppe. Die Strategie Ihres Unternehmensbereichs wurde überarbeitet. Welche Ziele stehen im Fokus? Unsere Strategie zielt auf Wachstum und Nachhaltigkeit. Ein entscheidender Meilenstein ist die Einführung einer dritten Produktlinie: des elektrischen Kältemittelverdichters. Dieses Produkt erweitert unser Portfolio und bietet uns langfristig neue Marktchancen. Parallel dazu stärken wir unsere bestehenden Technologien und können damit auf Marktveränderungen flexibel reagieren. Auch

das Thema Nachhaltigkeit spielt eine zunehmend grössere Rolle. Welche Auswirkungen hat dies auf das TecCenter? Mit der neuen Produktlinie erweitern wir sowohl unsere Engineering- als auch unsere Fertigungskompetenzen. Das bedeutet gezielte Investitionen in Schulungen und Weiterbildungen für unsere Mitarbeitenden sowie technische Anpassungen in der Produktion. In Sachen Nachhaltigkeit haben wir bereits erste Erfolge erzielt und setzen diese kontinuierlich fort. Die deutsche Automobilindustrie steckt in der Krise. Wie wirkt sich das auf Sie aus? Natürlich spüren auch wir die Unsicherheiten der Branche. Zum Glück profitieren wir von unserem breiten Produktportfolio: Da wir sowohl für Elektro- als auch für Verbrennungsmotoren Komponenten liefern, bleiben wir flexibel. Zudem sind unsere Fertigungszellen so konzipiert, dass wir sie schnell für unterschiedliche Kundenprojekte umstellen können. Mein Ansatz lautet: «Fürchte nicht die Welt, greife tapfer an.» Wie sehen Sie die Zukunft der Elektromobilität?

Der Wandel zur Elektromobilität schreitet nicht so rasant voran wie erwartet. Hauptgründe sind die hohen Anschaffungskosten, die Ladeinfrastruktur und Reichweitenbedenken. Dennoch gehen wir davon aus, dass sinkende Preise – auch durch den Wettbewerb aus China – sowie Skaleneffekte die Marktdurchdringung beschleunigen werden. Bis Ende des Jahrzehnts erwarte ich einen globalen Marktanteil von etwa 30 % für Elektrofahrzeuge. Gleichzeitig wird es auch zukünftig eine Nachfrage nach innovativen Verbrennungsmotoren geben, für die wir «high tech» Komponenten liefern werden.

Wie hat sich das Antriebskomponentensegment von thyssenkrupp in den letzten Jahren entwickelt?

In welchen Bereichen sehen Sie das grösste Marktpotenzial?

Die grössten Herausforderungen sind die zunehmende Planungsunsicherheit sowie der Fachkräftemangel. Wir begegnen diesen Herausforderungen mit Agilität und Innovationskraft. Unser Ziel ist es, weiterhin hochwertige Prototypen und Lösungen für die Dynamic Components Gruppe zu entwickeln. Gleichzeitig wollen wir unsere Kompetenzen ausbauen, den Prototypenumsatz steigern und uns als Innovationszentrum der Antriebssparte des Unternehmens weiter etablieren. Dabei folgen wir konsequent unserem Leitsatz: ­«Intelligent Simplicity statt ­Stupid ­Complexity».

Unser elektrischer Kältemittelverdichter, welcher für den Betrieb mit natürlichem Kältemittel ausgelegt ist, hat bemerkenswertes Potenzial. Insbesondere vor dem Hintergrund eines möglichen Verbots chemischer Kältemittel. Das Interesse aus der Industrie ist bereits gross, und wir haben alle relevanten Tests erfolgreich bestanden. Die Chancen, mit diesem Produkt einen bedeutenden Marktanteil zu sichern, stehen sehr gut. Wir sind stolz darauf, mit dieser Neuentwicklung einen bedeutenden Beitrag für eine bessere Umwelt zu leisten.

Trotz globaler Herausforderungen konnten wir sowohl im klassischen Verbrennergeschäft als auch mit unseren Aktivitäten im Bereich der Elektromobilität Marktanteile gewinnen. Diese positive Entwicklung zeigt, dass unsere Strategie aufgeht und wir für die Zukunft sehr gut aufgestellt sind. Welche Herausforderungenund Ziele haben Sie für das ­TecCenter?


wirtschafts:zeit

05/2025

33

Recht Gasser Partner

Neues Strassengesetz soll Rechtsklarheit schaffen Die Regierung hat in ihrer Sitzung vom 11. März 2025 den Vernehmlassungsbericht zur Schaffung eines Strassengesetzes verabschiedet. Ziel des geplanten Gesetzes ist es, eine eigenständige Grundlage für den Bau, den Unterhalt und die Nutzung der Landstrassen in Liechtenstein zu schaffen. Gemeindestrassen bleiben vom Anwendungsbereich des Gesetzes ausgenommen. Die Vernehmlassungsfrist endet am 15. Juni 2025. Text: Carmen Oehri

Allgemeines

In Liechtenstein gibt es bisher kein spezifisches Gesetz in Bezug auf den Bau und den Unterhalt von Landstrassen. Der Entwurf reagiert auf bestehende rechtliche Unklarheiten und orientiert sich an der langjährigen Verwaltungspraxis sowie an den Regelungen der Nachbarstaaten. Zunächst soll durch das neue Gesetz Klarheit darüber geschaffen werden, welche Strassen als Landstrassen gelten und welche nicht. Hintergrund ist, dass das Land die Erstellung und den Unterhalt der Landstrassen finanziert, was immer wieder zu Abgrenzungsfragen und Diskussionen mit den Gemeinden geführt hat. Neben der Einführung eines Bewilligungsverfahrens für bestimmte Tiefbauvorhaben enthält die Vorlage auch neue Regelungen zur Enteignung und über die Höhe von Entschädigungen sowie zur Mitbenutzung von Strassenflächen durch Dritte.

Was künftig als Landstrasse gilt – und was nicht

Das neue Strassengesetz soll für alle Landstrassen gelten, die öffentlich genutzt werden können. Bisher fehlte eine klare gesetzliche Definition. Die Einstufung als Landstrasse beruhte auf der Verwaltungspraxis. Künftig soll der Landtag in einem offiziellen Landstrassenplan festlegen, welche Strassen darunterfallen.

Dazu zählen auch Nebenanlagen wie Busspuren, Fahrradstreifen oder Trottoirs sowie in bestimmten Fällen auch öffentliche Plätze wie der Peter-Kaiser-Platz. Landstrassen stehen meist im Eigentum des Landes, können aber auch über Dienstbarkeiten, Verträge oder langjährige öffentliche Nutzung zugänglich sein. Ausgenommen vom Gesetz sind hingegen Landstrassen, die nicht öffentlich genutzt werden, wie etwa interne Zufahrten, Parkplätze oder Waldstrassen.

Einführung eines Baubewilligungsverfahrens für Tiefbauten

Für Tiefbauprojekte des Landes – insbesondere den Bau von Strassen und Brücken – soll ein eigenständiges Baubewilligungsverfahren eingeführt werden. Das Verfahren lehnt sich in seiner Systematik an das Baubewilligungsverfahren nach dem Baugesetz an, berücksichtigt jedoch die besondere Ausgangslage, dass sowohl die Bauherrschaft als auch die Bewilligungsinstanz das Land selbst ist. Das Bewilligungsverfahren soll nicht pauschal zur Anwendung gelangen, sondern lediglich bei der Realisierung neuer Landstrassen gemäss dem geplanten Gesetz sowie bei substanziellen Anpassungen bestehender Infrastrukturen. Für Vorhaben geringerer Tragweite – etwa die Errichtung

von Busbuchten, Wartekabinen oder Strassenaufweitungen zur Schaffung von Fussgängerinseln – ist weiterhin kein Bewilligungsverfahren vorgesehen. In solchen Fällen soll die Umsetzung wie bisher unmittelbar erfolgen können.

Anpassung der Enteignungsregeln für den Strassenbau

Um die Realisierbarkeit von Strassenbauprojekten zu verbessern, sieht der Entwurf vor, die Enteignungsregeln anzupassen. Neu soll die Regierung über Enteignungen und die Höhe von Entschädigungen entscheiden können, wobei diese Entscheidungen beim Verwaltungsgerichtshof angefochten werden können. Das Verfahren selbst soll je nach Art der Finanzierung unterschiedlich ausgestaltet sein. Bei Projekten, für die der Landtag im Rahmen eines Finanzbeschlusses ausdrücklich Mittel bewilligt hat, kann die Regierung direkt ein Enteignungsverfahren einleiten. Handelt es sich hingegen um sogenannte «gebundene Ausgaben», also um gesetzlich vorgesehene oder zwingend notwendige Ausgaben, soll zunächst eine unabhängige Enteignungskommission eingesetzt werden. Diese prüft den Fall und spricht eine Empfehlung an die Regierung aus, bevor über eine allfällige Enteignung entschieden wird.

Carmen Oehri Rechtsanwältin und Partnerin Über die Person Carmen Oehri ist als Rechtsanwältin in Liechtenstein zugelassen und verfügt zudem über das Anwaltspatent des Kantons Zürich. Schwerpunktmässig beschäftigt sie sich mit Gesellschafts- und Vertragsrecht. Darüber hinaus befasst sich Carmen Oehri mit Fragen des Erbrechts und der Nachlassplanung. Sie ist für in- und ausländische Privatpersonen und Unternehmen beratend sowie prozessführend tätig.

Feldkircher Strasse 31 9494 Schaan T +423 236 30 80 office@gasserpartner.com www.gasserpartner.com


34

wirtschafts:zeit

05/2025

Chance Schnuppertag: Türöffner für Lernende Die LGT als attraktiver Ausbildungsbetrieb – so präsentiert sich das Unternehmen beim Schnuppertag interessierten Schülerinnen und Schülern. Bei diesem Event können sie sich einen eigenen Eindruck von einer KV-Lehre verschaffen. Text: Tilmann Schaal

L

iechtenstein und Lehre – dank ­vieler starker Unternehmen passt das seit langem gut zusammen. Die LGT hat zum Beispiel seit 1951 fast 500 Lernende im kaufmännischen Bereich und in der IT ausgebildet. Das zeigt: Der i­nternational aufgestellten Asset M ­ anagement und Private

Banking Gruppe ist es wichtig, am Stammsitz die eigenen T ­ alente zu entwickeln.

Ausbildung bei der LGT: eine solide Basis

Die kaufmännische Lehre, auch KV-Ausbildung genannt, ist eine solide, dreijährige Grundaus-

bildung und bietet viele Vorteile. So profitieren Lernende von praktischen Erfahrungen im Betrieb und vom theoretischen Unterricht an der Berufsschule gleichermassen. Bei der LGT wird dies um Kurse an einer Bankfachschule ergänzt. Dort wird das für die Branche relevante, grundlegende Fachwissen vermittelt.


wirtschafts:zeit

05/2025

35

Den ganzen Tag war Programm, Vorträge und Führungen in verschiedenen Unternehmensbereichen: im Handel, bei der Kasse und wir waren im Tresor. Wir konnten sogar einen Goldbarren in der Hand halten. Fabian Oehri KV-Lernender

Individuell Schwerpunkte setzen

Ein weiterer Vorteil der Lehre ist die Flexibilität. Lernende können während der Ausbildung thematische Schwerpunkte setzen. Mit dem Berufsbildner planen sie die Abteilungen, in denen sie die sechs Praxisblöcke der Ausbildung absolvieren; z.B. im Bereich Zahlungsverkehr, Kundenschalter, Kundenstammdaten, Compliance, Kundenberatung, Anlageberatung, Kreditberatung oder Wertschriftenhandel.

Bestens unterstützt

Während der Ausbildung werden die ­Lernenden vom Nachwuchsverantwortlichen Fabio Lechner unterstützt und gefördert. Er koordiniert auch die gemeinsamen Aktivitäten der Lernenden, wie z.B. Lehrlingslager und soziale Aktivitäten. Ausserdem erhalten die Lernenden finanzielle Unterstützung für die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel, für den eigenen Computer und für Schulbücher. Seit 2024 ist Fabian Oehri KV-Lernender bei der LGT. Schon zuvor an Finanzwelt und Bankenthemen interessiert, recherchierte er vor dem Schulabschluss im Internet, im

­ amilienkreis und unter Bekannten, wo er seiF ne KV-Lehre machen könnte. Bei mehreren Banken absolvierte er dann einen Schnuppertag: «Wenn man direkt vor Ort ist, bekommt man ein Gefühl dafür, wie die Stimmung im Unternehmen tatsächlich ist – und ob man da reinpasst.» Ans Schnuppern bei der LGT erinnert er sich gut. «Den ganzen Tag war Programm, Vorträge und Führungen in verschiedenen Unternehmensbereichen: im Handel, bei der Kasse und wir waren im Tresor. Wir konnten sogar einen Goldbarren in der Hand halten.» Abseits dieser Highlights war für Fabian ein Punkt besonders wichtig: «Beim Schnupper­tag bin ich mit Lernenden und Mitarbeitenden ins Gespräch gekommen. Sie haben offen über ihre Aufgaben und Erfahrungen berichtet.» Den Schnuppertag bei der LGT empfiehlt Fabian allen Interessierten und gibt diesen Tipp: «Ich habe mir vorher Fragen überlegt, die ich den Mitarbeitenden gestellt habe – zum Beispiel beim Handel. Den finde ich besonders spannend.» Die Mitarbeitenden beantworteten alle Fragen bereitwillig. «So erfährt man viel und zeigt, dass man interessiert ist,»

begründet Fabian seinen Tipp. Für Fabian zahlte sich seine Initiative beim Schnuppertag Monate später nochmals aus: Gleich im ersten Praxisblock erinnerte sich ein Mitarbeitender an das Gespräch, das ­Fabian mit ihm Monate zuvor geführt hatte.

Jetzt Platz sichern!

Die Schnuppertage vom 20. und 30. Juni 2025 sind bereits ausgebucht, ein weiterer wurde für den 1. Juli 2025 angesetzt. Alle Informationen gibt es unter lgt.com/lehre.

Anmeldung:

Gerne können sich Interessierte per E-Mail an fabio.lechner@lgt.com wenden.


36

garten- und terrassen:zeit

05/2025

garten- und terrassen:zeit

WOLFGANG WALSER

Konfigurator

Träumst du von einer Outdoorküche?

r irche ldk

str. 75 · S ch a

a n

Fe

OUTDOORLIVING-PROFIS

GARTENBAU ANSTALT

• Neuanlagen • Gartenpflege / Unterhalt • Gartenumänderungen • Baumschnitt T +423 233 10 91 M +41 79 696 18 60 wolfgang.walser@powersurf.li www.walser-gartenbau.li


05/2025

Wohlfühloasen – Garten & Terrassenzeit

garten- und terrassen:zeit

DIE GRÜNE WOHLFÜHLOASE FÜR ZUHAUSE

Träumen Sie von einem Garten, der nicht nur schön aussieht, sondern der sich auch wie Urlaub anfühlt? Ihre Wohlfühloase beginnt im eigenen Garten. Der Frühling hat uns bis jetzt schon mit viel Sonnenschein und warmen Temperaturen verwöhnt. Geniessen Sie diese Tage vor der eigenen Haustüre! Mit ideenreichem Gartenbau und kreativen Terrassegestaltungen erschaffen wir aus Ihrem Aussenbereich Ihre ganz eigene und individuelle Wohlfühloase. Ob moderne Ruhezone, einheimische Bepflanzungen oder ein pflegeleichter Garten – wir verwirklichen Ihre Gartenträume mit Liebe zum Detail und einem Blick für das Besondere. Natursteinarbeiten, massgeschneiderte Pflanzplanungen, Begrünungen, Terrassen, Wege und Wasserelemente: Mit uns bekommen Sie komplette und nachhaltige Lösungen für dauerhafte Freude.

Müko Gartengestaltung Anstalt Fallsgass 18 | 9493 Mauren FL 00423 373 21 67 | mauren@mueko.li

37


38

garten- und terrassen:zeit

05/2025

Geschäftsführer von Müko in Mauren

Zahltag mit Bruno ­Baumgartner, Geschäftsführer Müko in Mauren Bruno Baumgartner ist seit 2019 Geschäftsführer von Müko Gartengestaltung in Mauren. Müko bietet ein umfassendes Spektrum an Dienstleistungen an, die darauf abzielen, den Garten in einen blühenden und gepflegten Rückzugsort zu verwandeln. Von kompetenter Beratung im Gartencenter über professionelle Gartenpflege bis hin zu massge­schneiderten Gartenumänderungen – Müko ist da, um Gartenbedürfnisse zu erfüllen. Interview & Fotos: Vera Oehri-Kindle

Bruno Baumgartner ist seit sechs Jahren Geschäftsführer eines jungen und motiviertem Teams.

Wie viele Lehrlinge bildet Müko in Mauren jährlich aus?

2

In welchem Jahr wurde Müko Mauren gegründet?

In welchem Jahr hast du das Geschäft als Geschäftsführer in Mauren übernommen?

2000

2019

Wie lautet der direkte Draht zu euch?

Wie viele Stunden arbeitest du durchschnittlich in der Woche?

00423 373 21 67

55


garten- und terrassen:zeit

05/2025

Blumen und Garten sind Brunos Leidenschaft.

Wie viele unterschiedliche Veranstaltungen habt ihr durchschnittlich im Jahr?

3

39

Der Sommer ist für Bruno die schönste Jahreszeit.

Wie hoch ist das Durchschnitts­ alter des Teams in Mauren?

34

Wie viele fleissige Hände hat Müko in Mauren insgesamt?

Wie viele unterschiedliche Pflanzen­ arten erkennst du auf Anhieb?

28

700

Wie viel Kilo Erde werden durchschnittlich im Monat verarbeitet?

50'000

GARTENGESTALTUNG PFLANZENCENTER Fabrikstrasse 8, 9470 Buchs Fallsgass 18, 9493 Mauren www.mueko.li

Zu unserer Webseite


40

garten- und terrassen:zeit

05/2025

Kontakt

Bucher AG, Widnau – Gartenbau Espenstrasse 21, 9443 Widnau bucher-widnau.ch/Gartenbau +41 71 727 08 60

Termine: BiopoolBesichtigung

zum Pflege-Abo


garten- und terrassen:zeit

05/2025

41

Gärten, die Freude machen Ein Garten ist heute weit mehr als eine Grünfläche, Rabatten und Hecken. Er ist Rückzugsort, Wohlfühlzone und ein Stück Freiheit. Gerade in einer Zeit, in der Hektik und ständige Erreichbarkeit den Alltag prägen, wird der Aussenraum zum wertvollen Gegenpol – zum Durchatmen, Entspannen und Krafttanken. Aber was, wenn Zeit oder Wissen für einen adäquaten Unterhalt der grünen Oase fehlen?

Erfahrung, Wissen und Begeisterung führen zu aussergewöhnlichen Ergebnissen

Als erfahrener Partner mit Leidenschaft, Know-how und einem feinen Gespür für individuelle Wünsche begleiten wir unsere Kundinnen und Kunden auf dem Weg zu ihrem persönlichen Gartenparadies – und das seit über 60 Jahren. Jeder Garten erzählt eine Geschichte und ist so individuell wie die Menschen, die ihn nutzen. Deshalb setzen wir auf einzigartige Konzepte statt Standardlösungen. Ob es um die Neuanlage beim Hausbau, die behutsame Umgestaltung eines bestehenden Gartens oder die laufende Pflege geht – wir hören genau zu, denken mit und entwickeln Lösungen, die nicht nur schön, sondern auch alltagstauglich sind. Unser höchstes Ziel ist dabei stets dasselbe: Ein gesunder und schöner Garten, der Ihnen einfach nur Freude macht.

Der Traum vom eigenen Pool

Auch bei der Planung und dem Bau von Biopools bringen wir unsere ganze Erfahrung ein. Diese chemiefreien Pools verbinden Ästhetik mit Umweltbewusstsein und schaffen stilvolle Oasen, die sich harmonisch in moderne Gärten einfügen. Wie sich die verschiedenen Pool-Typen voneinander unterscheiden und welche Besonderheiten sie haben, erläutert Biopool-Experte Claudio Köppel zum Beispiel bei unseren kostenlosen Biopool-Besichtigungen. Nach einer kurzen Einführung in die Hintergründe können Sie einige schöne Anlagen in privaten Gärten unserer Kunden entdecken.

Nachhaltige Qualität, die man sieht – und spürt

Ein schöner Garten entsteht nicht zufällig. Er ist das Ergebnis durchdachter Planung, sorgfältiger Umsetzung und hochwer-

tiger Materialien. Wir setzen auf langlebige Produkte, die nicht nur ästhetisch, sondern auch robust, wetterfest und nachhaltig sind – sei es bei Natursteinen, Holzbelägen, Pflanzen oder Technik. So entstehen Gartenträume, die über Jahre hinweg Freude machen und ihren Wert behalten. Ergänzend kümmern wir uns um die Wartung technischer Garteninfrastruktur – von Rasenrobotern über Bewässerungssysteme bis zu Teichpumpen – damit unsere Kundinnen und Kunden ihren Garten einfach nur geniessen können.

Gartenfreude ohne Aufwand – mit dem Pflege-Abo von Bucher Gartenbau

Viele Gartenbesitzer möchten ihre grüne Oase geniessen – aber nicht die freie Zeit mit Rückschnitten, Jäten oder Rasenmähen verbringen. Mit unserem neuen Pflege-Abo übernehmen

wir genau das. Es richtet sich an alle, die sich einen stets gepflegten Garten wünschen, ohne sich um Termine oder Technik kümmern zu müssen. Je nach Wunsch übernehmen wir regelmässige Rasen- und Beetpflege, den Rückschnitt von Gehölzen oder saisonale Pflanzungen. Die Leistungen sind flexibel wählbar, der Preis wird vorab kalkuliert und fixiert – so behalten unsere Kundinnen und Kunden die volle Kontrolle. «Jedes Abo wird individuell für den jeweiligen Garten zusammengestellt», erklärt Daniel Federer, Leiter Gartenpflege. «Unser Ziel ist es, Ihnen die Gartenpflege abzunehmen – damit Sie mehr Zeit für das haben, was wirklich zählt: den Genuss Ihres Gartens.»


42

bau & wohn:zeit

05/2025


bau & wohn:zeit

05/2025

bau & wohn:zeit

43


44

bau & wohn:zeit

05/2025

Ausschreibung: Bewerbung für ein Baurecht Die Gemeinde Vaduz ist bestrebt, eine möglichst grosse Vielfalt von Arbeitsplätzen und zahlbarem Wohnraum anzubieten, um den Arbeits- und Wohnort Vaduz attraktiv zu gestalten. Mit der Vergabe von Baurechten sollen heimischen Firmen und Institutionen Möglichkeiten zur Entwicklung, oder auswärtigen Firmen zur Ansiedelung geboten werden. Damit die Vergabe der Baurechte den gewünschten Effekt für die Gemeinde, die Bevölkerung und die Wirtschaft hat, bzw. die künftigen Werte der Gemeinde mitgetragen werden, können Sie sich auf der Grundlage eines Bewerbungsformulars für ein Baurecht, oder einen Grundstücktausch bewerben. Die notwendigen Unterlagen können bei der Gemeinde Vaduz, Bauverwaltung, Zollstrasse 56, 9490 Vaduz, Telefonnummer: +423 237 78 70 oder per E-Mail: liegenschaften@vaduz.li bezogen werden. Baurechtsgeberin

Gemeinde Vaduz, Städtle 6, 9490 Vaduz

Baurechtsgrundstücke Tauschgrundstücke

Grundstück Nr. 818 (Underau) Teilfläche von ca. 930 m², in der Gewerbe- und Dienstleistungszone GD1

Eingabe der Bewerbung

spätestens 23. Mai 2025, 17.00 Uhr

Ort/Datum

Vaduz, 5. Mai 2025

Beauftragter des Auftraggebers

Bürgermeisteramt Vaduz Florian Meier, Bürgermeister

Förderung für Haustechnikanlagen Idealerweise wird der Einbau einer energieeffizienten und ökologischen Haustechnikanlage mit einer gut gedämmten Gebäudehülle kombiniert.

Wärmepumpe – Luft

CHF 6'352 + 6'352 = 12'704

Wärmepumpe – Erdwärme

CHF 7'544 + 7'544 = 15'088

Pelletsfeuerung

CHF 7'714 + 7'714 = 15'428

Sie heizen energieeffizient – wir fördern! Der Einbau von z. B. Wärmepumpen und Holzheizungen in Wohn-, Industrie- und Gewerbebauten wird gefördert. Der Förderbeitrag des Landes basiert auf der Energiebezugsfläche sowie der Art der Haustechnikanlage.

Zentrale Holzheizung (+ Speicher)

CHF 9'758 + 9'758 = 19'516

Fernwärme

bis zu 100 % der Mehrkosten

Energiefachstelle Liechtenstein Amt für Volkswirtschaft | Haus der Wirtschaft | 9494 Schaan T +423 236 69 88 | info.energie@llv.li | energiebündel.li | llv.li

Land + Gemeinde = Gesamt Beispiel für bestehende Gebäude mit bis zu 500 m2 Energiebezugsfläche (EBF). Die Gemeinden fördern gemäss ihren eigenen Beschlüssen und verdoppeln meist bis zu ihren jeweiligen Maximalbeträgen.


bau & wohn:zeit

05/2025

45

Bildung & Jugend

«Ein gutes Team ist der Schlüssel zum Erfolg» Kevin Roduner absolviert bei der Frickbau AG in Schaan sein letztes Lehrjahr als Strassenbauer. Er gibt einen kleinen Einblick in seinen sehr interessanten und vielseitigen Beruf. Interview: Vera Oehri-Kindle

K

evin, warum hast du dich gerade für diesen Beruf entschieden?

Welche Stärken sollte man für den Beruf als Strassenbauer mitbringen?

Ich habe mich für den Beruf des Strassenbauers entschieden, weil ich schon früh gemerkt habe, dass mir handwerkliche Tätigkeiten sehr liegen und Freude bereiten. Die Vorstellung, draussen zu arbeiten, körperlich aktiv zu sein und mit modernen Maschinen umzugehen, hat mich von Anfang an fasziniert. Ausserdem gefällt mir der Gedanke, gemeinsam mit einem Team an sichtbaren Projekten zu arbeiten, die am Ende einen echten Nutzen für die Gesellschaft haben – wie zum Beispiel neue Strassen, Wege oder Plätze. Die Kombination aus Technik, Teamarbeit und praktischem Tun hat mich überzeugt.

In unserem Beruf ist es besonders wichtig, teamfähig zu sein, denn viele Aufgaben lassen sich nur im guten Zusammenspiel mit den Kollegen bewältigen. Ebenso spielt Verantwortungsbewusstsein eine zentrale Rolle – sei es im Umgang mit Maschinen, beim Einhalten von Sicherheitsvorschriften oder bei der Ausführung präziser Arbeitsschritte. Darüber hinaus sollte man körperlich belastbar sein und kein Problem damit haben, bei Wind und Wetter draussen zu arbeiten. Wer zuverlässig ist, sich auf seine Kollegen verlassen kann und eine gewisse Leidenschaft für das Handwerk hat, bringt gute Voraussetzungen mit.

Noch auf der Suche nach einer Lehrstelle? Ausbildungen bei Frickbau Strassenbauer/-in FZ Strassenbaupratiker/-in BA POWER AM BAU frickbau.com

Maurer/-in FZ Maurer/-in BA

Was gefällt dir besonders an deinem Beruf? Am meisten Freude bereitet mir die Teamarbeit. Es ist ein tolles Gefühl, morgens gemeinsam auf die Baustelle zu fahren, Hand in Hand zu arbeiten und am Ende des Tages zu sehen, was man zusammen geschafft hat. Besonders schön finde ich es, wenn wir ein Projekt abschliessen und ich sagen kann: «Daran habe ich mitgebaut.» Es ist motivierend, Teil eines sichtbaren Fortschritts zu sein. Auch der Umgang mit Maschinen und die Abwechslung auf den verschiedenen Baustellen machen den Beruf spannend und vielfältig.

Langversion ab 10. Mai 2025 online www.lie-zeit.li


46

bau & wohn:zeit

05/2025

Projektpräsentation «Alpin Royal, Hotel & Casino, Schaan»

Alpin Royal in Schaan – exklusive Architektur mit Hightech-Anspruch Eingebettet in die Bergkulisse des Alpenrheintals erhebt sich das neue «Alpin Royal» als markantes Bauwerk in Schaan. Seit dem Baubeginn im ersten Quartal 2021 ist ein hochmodernes Gebäude entstanden, das am 21. März 2025 seine Türen geöffnet hat. Text: Sonja Schatzmann, Fotos: Vera Oehri-Kindle


05/2025

Wir danken der Bauherrschaft herzlich für den geschätzten Auftrag und das entgegengebrachte Vertrauen. www.planing.li

bau & wohn:zeit

47


48

bau & wohn:zeit

05/2025

210 moderne Spielautomaten sind intelligent in das Raumkonzept integriert. Nur im Alpin Royal Casino erleben Gäste die beliebten Amatic-Spielautomaten, exklusiv in Liechtenstein.

D

sechsgeschossige Neubau verbindet auf rund 4500 Quadratmetern Nutzfläche elegante Formensprache mit innovativer Gebäudetechnik. Schon von aussen signalisiert die 2500 Quadratmeter grosse Fassade aus Alu-Dipond-Paneelen die Modernität des Baus: Je nach Lichteinfall changiert die Oberfläche der Aluminium-Verbundplatten und zieht alle Blicke auf sich.

Architektonisches Konzept und Raumqualität

Das Alpin Royal vereint mehrere Funktionen unter einem Dach von Casino und Restaurant bis hin zu einem Hotel mit 31 Zimmern, davon fünf Suiten. Im Erd- und ersten Obergeschoss beeindruckt eine nahezu säulenlose Konstruktion, die grosszügige Räume für das zweigeschossige Casino schafft. Variable Holzwandkonstruktionen ermöglichen es,

Der grosszügige Spielsaal erstreckt sich auf zwei Ebenen, eine durchdachte Zonierung schafft ein exklusives Spielerambiente.

diese Bereiche bei Bedarf neu aufzuteilen. Zugleich sorgen knapp 1000 Quadratmeter edler Holzverkleidungen im Casino- und Restaurantbereich für behagliche Atmosphäre – ein warmer Kontrast zur kühlen Metallfassade. Ein gestalterisches Glanzstück bildet das Innenraumdesign des Casinos: Säulenartige Lichtskulpturen entfalten sich in der Decke zu leuchtenden Fächerformen, deren organisches Spiel an abstrakte Blattstrukturen erinnert. Kombiniert mit türkisen und blauen gesteppten Barfronten, Messingakzenten und warmem Holz entsteht ein ikonischer Erlebnisraum, der in der Region seinesgleichen sucht – ein harmonisches Zusammenspiel von Architektur, Farbe und Licht. Das Alpin Royal ist vollständig barrierefrei. Vier Aufzüge verbinden

FÜR SIE DA IN SCHAAN, BUCHS & FLIMS AXALO-IMMOBILIEN.COM | T +423 388 29 37

REF. NR. 584–1

ZU VERKAUFEN IN VADUZ 2.5 - ZIMMERWOHNUNG

Immobilien AG

REF. NR. 738

ZU VERKAUFEN IN TRIESENBERG NEUBAUPROJEKT

REF. NR. 734

ZU VERKAUFEN IN TRIESEN WOHNUNG MIT 146 M2


bau & wohn:zeit

05/2025

49

Das Gästeerlebnis auf höchstem Niveau beginnt schon im Empfangsbereich. Die Rezeption des Alpin Royal ist architektonisch klar gegliedert und strahlt mit hochwertigen Materialien und sanfter Beleuchtung eine einladende Noblesse aus.

alle Ebenen, ein Lastenlift erleichtert den Betrieb hinter den Kulissen. Drei Tiefgaragengeschosse mit 129 Stellplätzen stehen den Gästen zur Verfügung, und im Aussenbereich stehen drei E-Ladestationen für Elektrofahrzeuge bereit.

Kameras überwachen unauffällig alle relevanten Bereiche. Auf 4400 Quadratmetern Doppelboden verlaufen sämtliche Versorgungsleitungen unsichtbar, was eine flexible Nachrüstung und technische Anpassung jederzeit ermöglicht.

Hightech-Infrastruktur und Gebäudetechnik

Bauphase und Kooperation

Im gesamten Gebäude sorgt ein KNX-Bussystem dafür, dass Beleuchtung, Klima und Sicherheitseinrichtungen intelligent vernetzt sind. Ein Netzwerk von über 125 Kilometern Kabel bildet die Grundlage dafür. Eine leistungsfähige Lüftungsanlage wälzt im Casino rund 42.000 Kubikmeter Luft pro Stunde um und hält dank eines ausgeklügelten Unter- und Überdrucksystems die Raucherbereiche strikt von den Nichtraucherzonen getrennt. Auch die Sicherheit ist gewährleistet: Über 300

Das Projekt wurde in nur vier Jahren Bauzeit dank präziser Planung und der Zusammenarbeit von insgesamt 18 liechtensteinischen und zehn weiteren Unternehmen aus der Region Rheintal und Graubünden erfolgreich realisiert. Während der Bauphase wurden unter anderem über 9000 Quadratmeter Gipsplatten und 2,4 Tonnen Farbe im Innenausbau verbaut.

Die Barbereiche im Alpin Royal Casino setzen mit türkisen und blauen Polstern, Messing und hinterleuchtetem Holz ein markantes Statement. Stilvoller Treffpunkt im luxuriösen Interieur.


50

bau & wohn:zeit

Im Zentrum des Restaurants zieht die Bar alle Blicke auf sich, über ihr schwebt eine hinterleuchtete Spielgrafik, kunstvoll als Lichtdecke inszeniert.

05/2025

Die Hotelzimmer vereinen hochwertige Materialien mit klarer Formensprache. Warme Holztöne, stimmige Farbkonzepte und funktionale Ausstattung garantieren einen komfortablen Aufenthalt.


bau & wohn:zeit

05/2025

Projektpräsentation «Alpin Royal, Hotel & Casino, Schaan»

Eine besondere Herausforderung war der Einbau eines 17 Tonnen schweren Tresorraums im Januar 2024: Noch vor dem Schliessen der Wände im zweiten Obergeschoss hob ein Kran den Tresorraum an seinen Platz. Der Zeitplan konnte eingehalten werden, sodass im März 2025 der Betrieb aufgenommen wurde.

Exklusives Erlebnis und Ausblick

Nach seiner Fertigstellung präsentiert sich das «Alpin Royal» als gelungene Symbiose aus Architektur und Technik. Besucher betreten stimmungsvoll gestaltete Räume, in denen die Hightech-Ausstattung unauffällig für Komfort sorgt und edle Materialien eine einladende Atmosphäre schaffen. Zudem beheimatet der Komplex rund 100 Arbeitsplätze für Menschen aus der Region. Wer das Besondere sucht, wird im «Alpin Royal» fündig – an einem Ort, an dem Technik auf Stil trifft und Gastfreundschaft neu definiert wird.

ZAHLEN & FAKTEN Projektpräsentation «Alpin Royal, Hotel & Casino, Schaan» Im Rietacker 8, FL-9494 Schaan

Spielmöglichkeiten • 210 Spielautomaten • 14 Spieltische (Roulette, Black Jack, Poker) Öffnungszeiten Casino: täglich:

11 bis 4 Uhr

Öffnungszeiten Restaurant: So bis Do:

17.30 bis 1 Uhr

Fr und Sa:

17.30 bis 2 Uhr

Vielen Dank für Ihr Vertrauen. Wenn es um Gebäudetechnik geht, sind wir auch in Zukunft Ihr Partner. Hälg & Co. AG Heizung • Lüftung • Klima • Kälte • Sanitär Lukasstrasse 30 | 9001 St.Gallen T +41 71 243 38 38 | haelg.ch

51


52

bau & wohn:zeit

05/2025

Ein stimmiges Ensemble aus Alt und Neu Bauen ist im Triesner Oberdorf angesichts der historischen Substanz zwar eine gewisse Herausforderung. Doch dass es sich lohnen kann, diese Herausforderung anzunehmen zeigt der Umbau- und Anbau, den Architekt Michael Kindle im Auftrag von Bauherr Egbert Sprenger mit seinem Sohn Moritz, seiner Tochter Judith und deren Mann Karma am alten Pfarrhaus aus dem späten Mittelalter und dem zugehörigen Tend aus den 1940er-Jahren vorgenommen hat. Text: Heribert Beck

D

ie beiden Gebäude an der Runkelsstrasse stechen einerseits ins Auge und sind andererseits doch überraschend dezent: Das ehema-

lige Triesner Pfarrhaus, dessen Wurzeln sich bis ins Jahr 1436 zurückverfolgen lassen und dem man sein Alter auch wegen des gerade erst erfolgten Umbaus dennoch nicht ansieht, steht

direkt neben einem modernen Holzbau. Dieser könnte seinerseits aber auch deutlich älter sein. Dass er erst im Jahr 2024 fertiggestellt und bezogen wurde, sieht man ihm von aussen nicht


bau & wohn:zeit

05/2025

53

Projektpräsentation «Familie Sprenger, Oberdorf Triesen»

auf den ersten Blick an. Dies war auch das Ziel von Architekt Michael Kindle, Inhaber und Geschäftsführer von Michael Kindle Architektur mit Sitz an der Triesner Landstrasse. Dass er in das Bauprojekt viel Herzblut investiert hat und mit dem Ergebnis überaus zufrieden ist, merkt man ihm an, wenn er darüber spricht.

Ein Konzept, das Bauherrschaft und Behörden überzeugte

«Das frühere Pfarrhaus ist das Elternhaus von Egbert Sprenger. Dieser wollte das Bestmögliche aus der Parzelle herausholen und seinen Kindern Wohnraum schaffen, die alte Bausubstanz aber gleichzeitig erhalten. Er ist daher im Jahr 2022

Ihr Partner für Baumanagement. Tel. + 423 233 22 00, gassner-baumanagement.li

auf mich zugekommen und hat mich um einen Konzeptvorschlag gebeten», sagt Michael Kindle, der den Auftrag und die Herausforderung gerne angenommen hat. «Das alte Gebäude ist, seiner ehemaligen Nutzung entsprechend, recht gross. Neben der bereits bestehenden Dachwohnung habe ich dort eine weitere Einheit


54

bau & wohn:zeit

für Egbert Sprengers Sohn und eine Einliegerwohnung vorgeschlagen. Statt des Tends, das seine besten Zeiten hinter sich hatte, sah mein Konzept einen Ersatzneubau mit einer weiteren Wohneinheit im Obergeschoss vor und auf dem Strassenniveau einen Degustationsraum mit Küche, direktem Zugang zum Weinkeller für die Produkte aus Sprengers privatem Winzerbetrieb und mit grosszügigem Vorplatz.» Michael Kindles Vorschlag ist bei der Bauherrenfamilie gut angekommen, und auch die Gemeinde, die den Überbauungsplan im historischen Dorfkern genehmigen musste, war sofort

05/2025

angetan. «Wir konnten folglich damit beginnen, das Konzept ohne grosse Anpassungen umzusetzen», sagt Michael Kindle. Der Spatenstich erfolgte im Frühjahr 2023. Nach rund 20 Monaten Bauzeit konnten Egbert Sprengers Kinder ihr neues Heim auf Weihnachten 2024 beziehen. «Und ihre Rückmeldungen zeigen mir, dass sie sich mit ihren neuen Häusern genauso wohlfühlen wie Egbert Sprenger selbst mit seinem Degustationsraum.»

Materialisierung aufgegriffen und erhalten

Bis es so weit war, hatte Michael Kindle aber

ein ambitioniertes Programm umzusetzen, bestehend aus zwei Gebäudeteilen, deren Bearbeitung in weiten Bereichen parallel ablief. «Mein Plan war es, die Materialisierung von Tend und Pfarrhaus aufzugreifen, sodass sie sich wieder voneinander abheben. Beim Haus mit seinen massiven Mauern wollten wir von aussen so wenig wie möglich verändern. Die historischen Wurzeln sollten erkennbar bleiben. Das Tend mussten wir zwar abreissen, doch es sollte wieder ein Holzbau entstehen.» Diesen hat Architekt Kindle etwas von der Strasse zurückversetzt, sodass er die Überbauung optisch nicht dominiert. «Ausserdem haben wir ihm den Schriftzug

Wir danken der Bauherrschaft für den geschätzten Auftrag und die angenehme Zusammenarbeit.


55 bau & wohn:zeit 06/2018

05/2025

38

Der Architekt Ralph Beck, Triesen

Vom Bürotrakt zum Restaurant-Treff Als ich den Auftrag erhielt, für die Liechtensteinische Landesbank ein neues attraktives Personalrestaurant in einem bestehenden Bürotrakt der Bank zu entwickeln, waren die Freude und die Motivation bei mir sehr gross. Die Schwierigkeit dieses Projekts lag in der Herausforderung, das von den Bauherren gewünschte Raumkonzept im bestehenden Gebäude zu realisieren. Die Neugestaltung entstand aus der Idee einer Neuinterpretation der Wandelemente, mit denen unterschiedliche Raumproportionen geschaffen wurden. Unterschiedliche Raumbereiche mit kleinen Nischen, Steh- und Sitzbereiche etc. konnten so gestaltet werden. Wie bei einer archäologischen Ausgrabung wurden die vorgegebenen Wandelemente zu tragenden Steinwänden, die mit Dietfurter Kalkstein verkleidet wurden. Die Vorgabe eines interessanten Aussenbereiches konnte durch die Realisierung einer gelungenen Aussenterrasse gelöst werden. Das Küchenkonzept liegt an der Ostseite und ist optimal von aussen zu bedienen. Die Küche wird durch ein offenes Buffet vom Restaurant getrennt.

Tolles Ambiente mit angenehmem Raumgefühl Die Problematik rund um die Akustik war eine weitere Herausforde‹Tend 1320› Projektes. verpasst, wobei diegestalteten Zahl für die rung dieses Die neu Räume, die über viel Glas Nummer der Parzelle steht, die sich seit vielen sind mit einer Akustikund Böden aus Steinzeug-Platten verfügen, Generationen im Familienbesitz befindet. Das aus Textilstoffen verdecke sowie mit schallschluckenden Wänden Ganze Gebäude trotz privater Nutsehen verleiht worden.dem Auch die Schreinermöbel sowie die Raumteiler sind zung einenspeziellen gewissen öffentlichen mit einer Oberfläche Charakter», bearbeitet worden, um den Schall sagt Kindle schmunzelt. optimal zu und dämpfen. Das Resultat ist ein tolles Ambiente mit einem angenehmen Raumgefühl, das durch die sanften Erdtöne der ausgeIm Degustationsraum steht das Thema suchten Materialien unterstützt wird. Wein

»

Eine zeitgemässe Wohlfühloase für die Mitarbeitenden der Bank. Ralph Beck

Gesamthaft lässt sagen, dass es uns Arch.sich ETH/SIA gelungen ist, mit einfachen Mitteln etwas Spezielles zu erschaffen, aus drei Teilen – Tend, Die Termine und Kosten sind genau eingehalten worden. Mein Team und ich bedanken uns für den interessanten Auftrag und in uns Degustationsraum und altem Pfarrhaus – das eine gesetzte Vertrauen und wünschen der Liechtensteinischen Landeskomplett im Vordergrund. Die Schubladen und Einheit zu bank gestalten und weiterhin viel Erfolg. dabei das historisch Wandverkleidungen sind aus altendie Weinkisten Die Bauherrschaft konnte durch vom Architekten vorgelegten ViGewachsene zu respektieren. gefertigt, die Möbel – ausgesuchten darunter ein höhenversualisierungen sowie und präsentierten Materialmusstellbarer und ausfrüh einem einzigen Stamm gefertern schon sehr den Umbauprozess mitgestalten und mitbestimtigter, 6,5ist Meter Tisch – aus Eichenholz. für die Mitarbeitenden men. Es einelanger zeitgemässe Wohlfühloase Durch einentstanden. grosses Fenster der Weinkeller für der Bank DieistTerrasse im Aussenbereich mit der Pergola

lautet das zufriedene Fazit von RALPHBECKARCHITEKTEN

rundet diese gelungen ab.

Ralph Beck, Arch.ETH/SIA, Inhaber

www.trauminholz.li

Frommelt Noldi Schreinerei AG . 9494 Schaan Telefon +423/232 17 43

buazeit_100.5x130.indd 1

w w w. k i n d l e a rc h . c o m

Türen, Fenster und Innenausbau. Für Ihren Lebenstraum in Holz!

Michael Kindle, Architekt

RALPHBECK Projekte, die zur Bauherrschaft und den örtlichen Gegebenheiten passen.

ARCHITEKTEN Massgeschneidert und selbstverständlich nachhaltig.

Michael Kindle Architektur

13.10.11 12:08


56

bau & wohn:zeit

Sprengers eigene Produkte sichtbar und durch eine Tür zugänglich. «Die Trennung musste aufgrund des Klimas sein, das im Weinkeller natürlich anders ist als im Aufenthaltsbereich», sagt Michael Kindle. Ergänzt wird der grosszügige Raum durch eine gut ausgestattete Küche. «Denn die Sprengers schätzen es sehr, ihre Gäste mit allen Sinnen kulinarisch zu verwöhnen. Das war vorher schon so – nun haben sie für ihre Leidenschaft einen Raum erhalten.»

Spezielles geschaffen, historisch Gewachsenes respektiert

Die über dem Degustationsraum im Tend gele-

05/2025

gene Wohnung ist als Holzbau konzipiert und geprägt von einer Kombination aus Einfachheit und Eleganz. Die meisten Wände bestehen aus sichtbaren, weiss lasierten OSB-Platten, jene im Hang aus Sichtbeton, und der Unterlagsboden ist sichtbar. Zusammen mit den schwarzen Türrahmen, den im gleichen Farbton gehalten Einbaumöbeln und den schwarzen Schaltern hat der Wohnraum dennoch eine hochwertige Atmosphäre, die von der warmen Farbe der lasierten Platten unterstrichen wird. Im alten Baubestand wiederum hatte Michael Kindle den Auftrag, so viel wie möglich zu

erhalten und ihm dennoch einen modernen Touch zu geben. «Egbert Sprengers Sohn, der das Haus nun abgesehen von der Dach- und der Einliegerwohnung nutzt, hat mir mitgeteilt, dass er nicht unbedingt der rustikale Typ ist. Er wollte eine moderne Wohneinheit, die dennoch zum historischen Hintergrund des Hauses passt.» So hat der Architekt sich entschieden, die Wände in ihren althergebrachten Schrägen zu belassen und sie mit mineralischem Material zu verputzen. «Sie mit Kunststoff zuzukleistern, wie das heute leider oft gemacht wird, wäre schade gewesen», sagt er. Die Böden haben einen edlen Belag erhalten –

Viel Vie en sscchlen D Dank f ü höönnenank enAAu fürr ddeen uffttrra n agg!!


bau & wohn:zeit

05/2025

Projektpräsentation «Familie Sprenger, Oberdorf Triesen»

in den Wohnräumen ein Eichenparkett im Fischgrätenmuster, in der Küche Platten einer französischen Firma, die schon fast so lange besteht wie das alte Pfarrhaus –, und die Küche wurde modern ausgestattet, fügt sich mit ihrer schwarzem Arbeitsplatte aus Stein und den Eichenmöbeln aber perfekt ins Ambiente ein. «Ausserdem haben wir ein paar Innenwände entfernt, was das Raumgefühl grosszügiger und die Räume trotz der kleinen Fenster heller macht. Ansonsten haben wir die historische Bausubstanz aber belassen, wie sie war.» Für die Stromgewinnung verfügt das Tend über eine ins Dach integrierte Photovoltaikanlage, die unter anderem eine Wärmepumpe mit Energie versorgt, welche wiederum beide Gebäudeteile beheizt.

Heizung | Lüftung | Sanitär Messinastrasse 11 FL-9495 Triesen T +423 392 23 91 www.rnag.li Bauingenieurleistungen im Hoch- und Tiefbau Bauvermessung Baustellenkoordination Feuerwehreinsatzpläne Liegenschaftsentwässerung FL - 9495 Triesen, Messinastrasse 30 FL - 9497 Triesenberg, Hegastrasse 12 CH - 9470 Buchs, Grünaustrasse 18

Tel. + 423 388 08 60 ingbuero@hoch-gassner.li www.hoch - gassner.li

Besten Dank für den geschätzten Auftrag

57


58

bau & wohn:zeit

05/2025

– Anzeige –

„Verwittertes Pflaster?! –Die Alternative zur Neuverlegung.“ Die Steinpfleger Schweiz-Ost, das Team im Interview:

Eine kurze Einleitung bitte. Was genau bieten Die Steinpfleger an? Wir haben uns darauf spezialisiert, Oberflächen im Außenbereich aufzubereiten und diese nachhaltig zu schützen. Im Grunde vergleichbar mit der Pflege eines Autos. Richtig geschützt hat man auch hier deutlich länger Freude daran und erhält zeitgleich den Wert. Kurz zum Ablauf, wie kann man sich einen Steinpflegerbesuch vorstellen? Zunächst schaut sich ein Mitarbeiter die Flächen an, legt eine Probereinigung, bspw. In einer Ecke an, und erstellt dann ein Aufmaßblatt inkl. Fotos. Dieses wird noch vor Ort an unser Büro versendet. Direkt im Anschluss erhält der Kunde ein schriftliches Angebot. Das Besondere bei uns: Bis hierhin ist alles kostenfrei und völlig unverbindlich. Für uns sind die Angebote verbindlich, es wird kein Cent mehr abgerechnet als vereinbart, auch wenn wir länger bleiben müssen. Und wie läuft so eine Aufbereitung, bspw. die eines Pflasters ab?

Wir reinigen mit bis zu 100°C heißem Wasser und einem angepassten Druck von bis zu 350 bar. Dabei saugen wir gleichzeitig das entstehende Schmutzwasser sowie das Fugenmaterial ab. Im Anschluss wird die Fläche einer umweltverträglichen Art der Desinfektion unterzogen. Damit entfernen wir selbst die kleinsten Rückstände und Sporen. Damit es aussieht wie neu verlegt und die Flächen ihre Stabilität behalten, werden diese neu verfugt. Im Anschluss imprägnieren wir die Flächen und schützen diese so langfristig. Warum sollte man die Steinpfleger beauftragen? Zum einen natürlich der Faktor Zeit. Ich denke, ein Garten ist in erster Linie ein Ort der Ruhe und Erholung. Wer möchte schon die wenigen Sonnenstunden damit verbringen, zu reinigen und Sachen von A nach B zu schleppen. Außerdem ist ja zu beachten, reinigt man selbst, ist das i. d. R. alle 3-4 Monate nötig. Dabei wird viel Dreck an Fenstern und Türen verursacht, teilweise werden die Fugen ausgespült, Pfützen entstehen und natürlich wird jedes Mal das Pflaster weiter angeraut. Dadurch ist das Pflaster im neuen Jahr noch schmutzanfälliger. Wenn wir da waren, bieten wir mit STEINPFLEGER Protect 4 Jahre Garantie, auch gewerblich! Und dank unserer hauseigenen festen

Systemfuge ist auch eine nachhaltige chemiefreie Unkrauthemmung möglich. Man hört und liest ja immer wieder von Drückerkolonnen, welche vor Ort direkt abkassieren und mit dubiosen Mitteln nachhelfen. Was unterscheidet Sie davon? Einfach alles! Das beginnt schon damit, dass wir Angebote ausschließlich schriftlich versenden, geht über unsere Auftragsbestätigungen bis hin zu einer ordnungsgemäßen Rechnung, welche auch zum Teil steuerlich geltend gemacht werden kann. Nicht zuletzt sind wir einfach vor Ort und mit offenem Visier am Kunden. Das gibt Sicherheit. Garantiert haben wir auch in Ihrer Nähe Referenzen zu bieten. Ein letztes Statement an alle Unentschlossenen, und wie man Sie erreichen kann! Testen Sie uns. Bis zu Ihrem „Go“ zur Durchführung der Arbeiten ist es kostenfrei und unverbindlich, Sie können nur gewinnen! Auf www.die-steinpfleger.ch haben wir ein informatives Video am Beispiel einer Auftragsdurchführung, telefonisch sind wir unter +41 71 510 06 40 erreichbar.

Reinigung mit bis zu 100° C heißem Wasser (350 BAR Druck)

Neuverfugung mit unkrauthemmendem Fugenmaterial

Fair und seriös - schriftliche Angebote und Topbewertungen

Gleichzeitige Absaugung von Fugenmaterial und Schmutzwasser

Langzeitschutz dank Steinpfleger-Protect-Imprägnierung

ca. 75 % günstiger als eine Neuverlegung

Über 200 Bewertungen Über 6500 Kunden jährlich

4,7 DIE STEINPFLEGER werden im Schnitt mit 4,7 von 5 Sternen bei bewertet.

chutz!

Auch mit Unkrauts

efläche! b o r P ie e Kostenf r en! hrtskost a f n A e n Oh

6 40

00 +41 71 51

Wie wir arbeiten? – Unser Erklärfilm auf: www.die-steinpfleger.ch

Industriestrasse 18 9430 St. Margrethen


lie:zeit

05/2025

59

Ihre Spendenmöglichkeit: SOS-Kinderdorf (Liechtenstein) e.V., Zollstrasse 13, 9494 Schaan IBAN: LI53 0880 5504 1236 1000 4 Vermerk: 310125 QR-Einzahlungsschein: wird von jeder E-Banking App erkannt.

Liechtenstein hilft Sommer, See und Zeltlager: Im SOS-Feriendorf Caldonazzo erleben jährlich rund 1500 europäische SOS-Kinderdorfkinder unbeschwerte Ferien – auch dank der Unterstützung der Liechtensteiner Bevölkerung. Text: SOS-Kinderdorf

Kriegskinder sowie Kinder aus schwierigen sozialen Verhältnissen, die in den europäischen SOS-Kinderdörfern leben, verbringen in Caldonazzo in Norditalien jährlich zwei bis drei unbeschwerte Ferienwochen. Inmitten einer traumhaften Natur, umsorgt von liebevollen Betreuerinnen und Betreuern, erleben sie Abenteuer, Spiel und Spass und stärken so ihre Resilienz.

mit Freude im Herzen. Es ist ein Ort, an dem Resilienz wächst, an dem Freundschaften fürs Leben entstehen und an dem das Leben mit all seinen Farben und Chancen gefeiert wird.

Bereits seit über 70 Jahren verbringen dort Jungen und Mädchen im Alter von 6 bis 15 Jahren aus den SOS-Kinderdörfern ihre Sommerferien. Ermöglicht wird das Programm dank grosszügigen Spendern – auch dank der grosszügigen Unterstützung der Liechtensteiner Bevölkerung.

Ein ukrainisches Mädchen bastelt gemeinsam mit einem österreichischen Mädchen und einem mazedonischen Jungen an einem Drachen aus Holzstecken und Plastiktüten. Gemeinsam werden sie ihn nachher steigen lassen. Die Verständigung funktioniert trotz unterschiedlichen Sprachen und Kulturen. Parallel dazu arbeitet ein anderes Kreativteam mit einer Gruppe von Kindern an farbenfrohen, selbstgemalten T-Shirts und Taschen.

Rund 1500 Mädchen und Buben wohnen in einem einfachen Zeltlager und Gebäuden direkt am See. Pädagogische Fachkräfte, erfahrene Lagerleiterinnen und -leiter und Freiwillige organisieren verschiedene Programmpunkte und kümmern sich mit viel Herz um die Kinder. Das SOS-Feriendorf Caldonazzo ist ein Ort der Begegnung und Freundschaft, an dem Kinder aus vielen verschiedenen Ländern zusammenkommen. Hier dürfen sie einfach Kind sein – ohne Ängste, ohne Sorgen, nur

Vielfältiges Programm

Damit keine Langeweile aufkommt, können sich die Kinder beim Sport, in Outdoor-Abenteuern oder in kreativen Workshops austoben.

In der Outdoorgruppe steht eine Flussbettwanderung im Centa Fluss mit Sackhüpfen, Felsenbemalen und Bogenschiessen auf dem Programm. Ein bleibendes Erlebnis, das auch den Teamspirit stärkt. Beim Endspiel der Fussballmeisterschaften herrscht grosse Aufregung: Die Kinder, die es in die Endrunde geschafft haben, fiebern gemeinsam mit den zuschauenden Kindern dem

Finale entgegen. Alle sind gespannt, wer am Ende gewinnen wird. Bei jedem Tor wird lautstark geklatscht, schliesslich zählt die Freude an der Bewegung und dem Miteinander, weniger der eigentliche Gewinn des Turniers. Aber natürlich bleibt auch neben den Aktivitäten, Workshops und Events ausreichend Zeit, um sich selbst zu beschäftigen. Schwimmen, Kajakfahren, eine Fahrradtour um den See oder einfach nur entspannen. Jedes Kind entscheidet selbst.

Danke für Ihre Unterstützung

Bereits seit 2022 unterstützt SOS-Kinderdorf Liechtenstein mit Hilfe der grosszügigen Spenden der liechtensteinischen Bevölkerung dieses wertvolle Programm. Auch in diesem Jahr haben wieder elternlose und traumatisierte Kinder aus der Ukraine und anderen europäischen Ländern wie Deutschland, Polen, Österreich und Mazedonien die Möglichkeit, in Caldonazzo magische Ferientage zu verbringen. Unterstützen Sie uns mit einer Spende und schenken Sie diesen Mädchen und Buben den Sommer ihres Lebens! Wenn im Sommer das Lachen der Kinder und das fröhliche Kinderstimmengewirr das Feriendorf erfüllt, dann ist das dank Ihrer grosszügigen Hilfe.


60

lie:zeit

05/2025

BRANDING | KOMMUNIKATIONSDESIGN

PRINTMEDIEN | EDITORIAL DESIGN

Um Ihre Ziele zu erreichen, planen wir für Sie eine ganzheitliche Kommunikationsstrategie. Das visuelle Erscheinungsbild einer Marke hilft Ihrem Unternehmen, sich besser auf dem Markt zu etablieren und wiedererkannt zu werden. Das Medienbuero baut Ihre Marke gezielt auf und schafft dafür individuelle, kommunikative und visuelle Merkmale, die als Logo, Wort- und Bildmarke gesetzt werden.

Wir gestalten Magazine, Publikationen, Produktbroschüren, Flyer, Bücher, Jahres- und Geschäftsberichte, Jubiläumspublikationen, Kundenmagazine, Mitarbeitermagazine, Anzeigen, Plakate und kreieren Printmedien für jede Branche und jedes Thema. Wir sorgen für den Gesprächsstoff, der die Menschen interessiert.

MARKETING | INSERATESERVICE

EVENTS | KOMMUNIKATION

Der kostengünstigste Weg, neue Kunden zu erreichen. Erfolgreich kommunizieren – aber wie? Das Medienbuero geht Marken, Märkten und Zielgruppen auf den Grund. Wir verleihen Unternehmen und Institutionen ein klares Profil, definieren Medien und Massnahmen, die vom Briefing geradewegs zum Ziel führen. Und wir überprüfen, wie gut Wunsch und Wirklichkeit übereinstimmen.

Sie suchen eine externe Medienstelle, die Ihr Unternehmen in der Öffentlichkeit vertritt? Sie planen die Einführung einer Markt- oder Produktneuheit? Sie haben eine Geschichte zu erzählen, welche die Öffentlichkeit interessiert? Wir ebnen Ihnen den Weg zu einer erfolgreichen Öffentlichkeitsund Medienarbeit.

AUDIOVISUELLE KOMMUNIKATION

WEBDESIGN | SCREENDESIGN

In Zusamenarbeit mit AK DIGITAL MEDIA produzieren wir innovative Filme und Biografien, Firmenportraits, Podcasts und Videoclips.

Wir denken digital und verbinden Gestaltung, Programmierung und Werbentwicklung miteinander. Von der Idee über ihre Kreation bis hin zur Abwicklung, Evaluierung und Optimierung – bei uns bekommen Sie alles aus einer Hand. Wir stellen Ihr Unternehmen online und bieten eine direkte Möglichkeit zum Dialog mit Ihren Kunden.

www.liezeit.li


meine:zeit

05/2025

meine:zeit

61


62

meine:zeit

05/2025

In Liechtenstein gibt es mehrere hundert Dorfbrunnen

Brunnen symbolisieren Leben Die Dorfbrunnen waren früher beliebter Treffpunkt der Quartierbewohner. Dort tauschten sie Neuigkeiten aus oder die Frauen trafen sich zu Waschtagen. Auch in Liechtenstein spielte sich das dörfliche Leben an den Brunnen ab. In der G ­ emeinde Mauren zum Beispiel war der Brunnen gegenüber von Kaufhaus und Café Matt bis weit in die Mitte des ­20. Jahrhunderts ein äusserst beliebter Ort für die Dorfjugend. Text: Herbert Oehri

M

it dem Fortschritt und dem Aufkommen der modernen Wasserversorgung verloren die Dorfbrunnen ihre ursprüngliche Bedeutung. Der Modernierungswahn nach dem 2. Weltkrieg führte dazu, dass zahlreiche Brunnen dem Abriss zum Opfer fielen, während Strassenbauarbeiten weitere zerstörten. In den liechtensteinischen Gemeinden wurden sie meistens durch neue Brunnen ersetzt.

Blick in die Vergangenheit

So befasst sich Werner Steiner in einem Beitrag unter dem Titel «Wasserversorgung (Stand: 31.12.2011) im Historischen Lexikon des Fürstentums Liechtenstein» mit dem Thema. Darin heisst es unter anderem :«In der früheren Neuzeit mehren sich die Hinweise auf lokale Wasserleitungen und Brunnen, die auf die geringen Bedürfnisse der Bewohner (Trink-und Waschwasser), gewerbliche Zwe-

cke und die Landwirtschaft (Viehtränke, Bewässerung) ausgerichtet waren. Die Brunnen und Brunnenstuben wurden von Einzelhöfen oder von in Brunnengenossenschaften organisierten Häusergruppen angelegt, genutzt und unterhalten. So wissen wir, dass beispielsweise im Jahre 1787 in Vaduz acht Brunnen bestanden. Der erste kommunale Brunnenmeister in Liechtenstein wurde 1863 in Triesen bestellt.


meine:zeit

05/2025

Die schlechte Wasserversorgung war noch um die Jahrhundertwende Mitursache von Salmonellose (Typhus). Auf Anregung von Landestechniker Peter Rheinberger wurden in den 1880er Jahren erste eiserne Röhren und Hydranten installiert, aber noch keine Hausanschlüsse. Solche waren z. B. in Balzers ab 1902 erlaubt. Zentrale Wasserversorgungsnetze mit Hausanschlüssen und Hydranten entstanden 1910 in Vaduz und 1911 in Schaan nach Plänen von Ingenieur Fritz Wagner aus Ravensburg. Die alten Brunnengenossenschaften wurden aufgelöst, die Wasserversorgung ging ganz in den Aufgabenbereich der Gemeinden über. Wagner erstellte bis in die 1930er Jahre für die meisten liechtensteinischen Gemeinden zentrale Wasserversorgungen. Eine Ausnahme bildete Ruggell, wo einzelne Häusergruppen das Wasser noch bis 1961 mittels Pumpbrunnen dem Grundwasser entnahmen. Der Aus-

bau der Wasserversorgung mit Haus- und Industrieanschlüssen und die Integration von Nasszellen in die Wohnungen (Küche, Bad/ Dusche/WC) liessen besonders nach 1945 den Wasserverbrauch massiv steigen und verschärften das Problem des Abwassers.»

In Liechtenstein gibt es viele Dutzende Brunnen (Stand 31.12.2024)

In Liechtenstein gibt es heute Dutzende von Brunnen und Biotopen. Die Reinigung und Wartung sämtlicher Brunnen ist Angelegenheit der Genossenschaftsgemeinden. Die meisten Brunnen sind am Netz der öffentlichen Wasserversorgung angeschlossen und mit einem Piktogramm «Trinkwasser» versehen. Quellen, die aus einer eigenen Quelle gespiesen werden (also nicht vom öffentichten Leitungsnetz) sind aus Gründen der Sicherheit ebenfalls mit einem Piktogramm «Kein Trinkwasser» versehen.

Brunnen in den Oberländer Gemeinden Gemeinde Triesenberg

Brunnen am Netz (Dorfgebiet) Sütigerwies, Heusträfel,Dorfzentrum, Rietli, Friedhof, Landstrasse Gufer, Erla Bienenhaus, Oberegga-Egggetli, Steinort, Lavadina, Spielplatz Chalberrüti Brunnen am Netz (Feriengebiete) Bim Brunna, Gaflei, Ritzlina, Masescha, Provatscheng (netzunabhängig), Rotenboden (netzunabhängig), Tänsisbrunna Genossenschaft Gross-Steg, Kleinsteg, Genossenschaft KleinSteg, Kemma Malbun, Kirchlein Malbun, Pumpbrunna Forscherweg Malbun, Spielplatz Schluchertreff Malbun, Kneipp-Anlage Malbun

Gemeinde Schaan

Die öffentlichen Brunnen im Jahr 2023 (alles Trinkwasserbrunnen) Duxgass/Reberle (Baujahr 1891) Landweibelhuus (1891) Forstwerkhof alt (1940) Duxkapelle (1950) Schwarzsträssle/Rietsträssle (1950) Friedhofturm (1963)

St.Peter (1963) Obergass/Steinegerta (1965) Duxweg/Reservoir Dux (1967) Reberastrasse/Obergass (1968) Fürstenweg (1967) Kneippbad Dux (1969) Duxspielplatz (1969) Wiesengass/Pardiel (1971) Obergass (1972) Duxwiese (1981) Tröxlegass (1995) Forstwald (1995) Möliweg/Saxgass (1998) Bartledura/Fina (2002) Schmedgässle (2003) Specki/Äscherle (2003) Fürst-Johannes-Strasse/Reschweg (2004) Lindaplatz (2010) Steinegerta (2012) Gapetschstrasse/Im Rietle (2019) Werkhof/Wasserwerk, (2020) Garten Steinegerta (2022) Unterer Rathausplatz (2022) Reberastrasse/Pfarrkirche (1893) Planknerstrasse/Forstrüfe (1978) Biotop Forstwald (1995)

Bahnhof (2006) Pfarrhaus Reberastrasse (2000) Forstwerkhof neu (2009) Friedhof/Sonnengesang (2009) Hof Steinegerta (2012) Busterminal (2011) Lindakreuzung (2012) Oberer Rathausplatz (2012) Feuerwehrdepot (2019) Friedhof Handlauf (2019) Resch (Biotop, 1997) Rheindenkmal (Biotop, 2022)

Gemeinde Planken

Brunnen Dorf Vorderplanken bei Haus Dorfstrasse Nr. 45 Brunnen beim Dreischwesternhaus Dorfstrasse 58 Brunnen «Bünt» bei Haus Dorfstrasse 144 Brunnen bei der «Grillstelle Oberplanken» Alpe Rütti mit fünf Weidebrunnen «Under dr Stross» «Ob dr Stross» 1 Brunnen am Stall Tränkeplatz “ob am Stall» «Flemple»

63


64

meine:zeit

05/2025

Foto: Gemeinde Triesenberg

Delegiertenversammlung der Gruppenwasserversorgung Liechtensteiner Oberland (GWO) am 6. Juni 2024 in Triesenberg

Alpe Gafadura mit sieben Weidebrunnen Tränkeplatz «Schwemmi» «Brunnaplatz unter dr Stross» Brunnen beim Jagthaus 2 Brunnen beim Stall «Tränkeplatz Egg» «Tränkeplatz Sattelwald» Brunnen an der Gafadurastrasse Weidebrunnen beim «Alpzinka Stall»

Gemeinde Balzers

Aviols, Brückle Egerta Eigagass 3 Brunnen an der Fürstenstrasse Gängle Gässle Höfle Iradug Mariahilf Pralawisch Pralawisch Rheinau St. Katharinabrunna St. Peter Winkel Zwischenbäch

Gemeinde Triesen

Brunnen Netz unabhängig: Fuchswinkel Bad Vogelsang Matruala Wissscheld (Weisse Schildt, wissen Schild, hist.) Brunnen am Netz: Bofel Bushaltestelle Sonnenplatz

Dominik Banzer-Strasse – neben Haus Nr. 16 Dorfstrasse - Alte Schule, vis-à-vis Dorfstrasse 78 Dorfstrasse - Gässle Dröschistrasse - Quartierplatz Dröschistrasse - Mehrzweckplatz Park West Dröschistrasse - Park Ost Forstwerkhof Gapont – Gässle Gemeindezentrum Im Winkel Kirche Friedhof oben Kirche Friedhof unten Langgasse, nach Haus Nr. 2 Lindenplatz - Römerstrasse Marienkapelle Oberer Winkel - Am Bach Poska Spielplatz Forst St. Mamerten Kapelle St. Mamertenweg 14, privat St. Mamertenweg - Am Bach St. Wolfgangsstrasse Kindergarten

Brunnen Höfle in Balzers

Rheinparkstadion - Lettstrasse / Stadionparkplatz Rotes Haus - Hintergasse / Fürst-Franz-JosefStrasse Struba Brunna - Landstrasse 33 Waldhotel - Fürst-Johannes-Strasse 24 Wingertbrunnen - Wingertgasse 13 Trinkwasserspender - Äule Spielplatz Trinkwasserspender - Naturpark Haberfeld Trinkwasserspender - Rathausplatz Trinkwasserspender - BusTerminal Trinkwasserspender - Spielplatz Rheinparkstdion

Gemeinde Vaduz

Alte Landstrasse Altenbach Aubündt Blockhaus( Forst) - Letziweg 9 Engel Brunnen - Städtle / Rathausplatz Friedhof - St. Florinsgasse 19 Grafschaftsbrunnen - Mareestrasse / Grasiger Weg Giessen - Lettstrasse / Papplaweg Hintergass - Hintergasse / Mitteldorf Im Gässle - Im Gässle / Fürst-Franz-Josef-Str. Im Mühleholz - Im Mühleholz 26 Küsterhaus - St. Florinsgasse 15 Pfadihaus - Letziweg 6 Quellbrunnen - Malbunstrasse 31

Brunnen Rotes Haus - Hintergasse / Fürst-Franz-Josef-Strasse in Vaduz


meine:zeit

05/2025

Brunnen aller Unterländer Gemeinden Brunnen in Eschen-Nendeln

Castellweg (Schule Nendeln) Churerstrasse (Café Meier) Dr. Josef-Hoop-Strasse Essanestrasse (Eintrachtkreisel) Fronagass (Schulzentrum) Gemeindegarten (Alte Schule) Gemeindegarten (Spielplatz) Heragass (Pfrundbauten) Hinterdorf Im Feld (Nendeln) Kappelestrasse (bei Kappelle) Kappelestrasse (Dr. Meier) Kohlplatz Müssnen Oberstädtle (Ott Anton) Pfrundweg (Betagtenheim) Schulstrasse (Schule Nendeln) St. Martinsring (Abzw. Simsgasse) St. Martinsring (Dorfplatz) St. Martinsring (Friedhof) Steyagasse (Forstwerkhof)

Brunnen am Netz in Gamprin/Bendern Bühl (Abzw. Badäl) Bühl (Gemeindehaus) Fehragass Jedergasse (Marxer Maria) Michel-Oehri-Str. (Blank Alois) Mostmeer St. Luziweg (Bongert) St. Luziweg (Pfarrkirche) Kratzera Nellengasse (Park) Bergstrasse (Abzwg.Tälligass) Kirchstrasse (Friedhof) Kanalstrasse (Vereinshaus)

Brunnen am Netz in Schellenberg Dorf (Friedhof) Dorf (vis à vis Rest. Krone) Eschner Rütte Bushaltestelle Obergut (Sportplatz) Platta (Widum) Schlossbrunnen, Hinterschloss Tüfenacker (Kinderspielplatz) Holzgatter (Abzwg.Gutacker)

Brunnen in Mauren/Schaanwald

Brunnen Am Gupfenbühel Brunnen bei der Paulahütte Brunnen bei der Holzerhütte Brunnen beim Forstwerkhof Brunnen Gemeindesaal Brunnen im Gänsenbach Brunnen Hellwies Brunnen im Moosrank Brunnen in der Torkelgass Brunnen Primarschule Brunnen Schule Schaanwald Brunnen «Wasserstand im Riet 1927» Burabrunna Delehalabrunnen Der Berger Stotzwächter Der Hügelspringer Dorfbrunnen Friedhof-Brunnen Gampfbrunnen Auf Berg Heiligwies-Brunnen Kappele-Brunnen Kirchenbot-Brunnen Lachabrunnen Lochbrunnen Mühlegasse-Brunnen Oxnerbrunnen Peter- und Paul-Brunnen Pfandbrunnen Rössli-Brunnen Sodbrunnen beim Jägerhaus (Brunnenschacht) Steinbös-Brunnen Theresienquelle Valentinbrunnen Weiherring-Brunnen Werthbrunnen Zuschgbrunnen

Brunnen Schaanwald

Brunnen «Wasserstand im Riet 1927»

Brunnen am Netz in Ruggell Nellengasse (Park) Bergstrasse (Abzwg.Tälligass) Kirchstrasse (Friedhof) Kanalstrasse (Vereinshaus)

Brunnen im Gänsenbach in Mauren

65


66

sport:zeit

05/2025

sport:zeit

2

1

3


sport:zeit

05/2025

67

Denis Simani freut sich zusammen mit Mats Hammerich über seinen Doppelpack beim 2:2 in Aarau.

«Wir müssen nächste Saison konstanter werden» Die Saison 2024/25 neigt sich dem Ende zu, der FC Vaduz wird in der Challenge League im ­gesicherten Mittelfeld landen. Die Bilanz fällt einigermassen zufriedenstellend aus, vieles gilt es aber im Hinblick auf die kommende Spielzeit zu verbessern. Vor allem muss man sich bezüglich Konstanz steigern. Eine Rückkehr in die Super League wird zwar nicht explizit als Ziel definiert, ein möglicher Aufstieg steckt aber bestimmt in den Köpfen der Vaduzer. Interview: Christoph Kindle

I

n den vergangenen Wochen war ein Auf und ein Ab in den Leistungen zu beobachten. Den durchaus starken Vorstellungen wie beim 2:2 in Aarau oder dem 1:0-Sieg gegen Etoile Carouge folgte zuletzt wieder eine enttäuschende 0:1-Pleite beim Abstiegskandidaten Stade Nyonnais.

Franz Burgmeier: In der Meisterschaft wollen wir noch so viele Punkte wie möglich holen und den 4. Tabellenrang erreichen, dazu ist natürlich auch der Cupsieg ein absolutes Ziel. Deshalb müssen wir die nächsten Wochen seriös angehen und uns so gut wie möglich präsentieren.

Trotzdem haben wir Respekt vor dem FC Balzers, der sich in den letzten Wochen sehr stark präsentiert hat.

Vor der Endphase dieser Saison hat sich die Lie:Zeit mit FCV-Sportchef Franz Burgmeier unterhalten.

Im Cupfinal trifft man am 20. Mai auf Balzers, alles andere als ein Erfolg wäre eine grosse Enttäuschung?

Noch drei Partien in der Challenge League und dazu der Cupfinal gegen Balzers, was will man noch erreichen?

Richtig, für uns zählt einzig der Sieg, wir wollen nächste Saison wieder europäisch spielen. Wenn wir so auftreten wie im Halbfinal beim USV, dann müssten wir die Trophäe holen.

Ist für mich auch nicht zu erklären, vor allem weil wir in den Spiele zuvor überzeugen konnten. Wir werden diese Partie noch genau analysieren müssen, ich bin überhaupt nicht zufrieden mit der Leistung in Nyon.

Am vergangenen Freitag enttäuschte der FCV bei der 0:1-Pleite in Nyon, was war da los?

Am Sonntag kommt nun der frischgebackene Aufsteiger Thun ins Rheinparkstadion.


68

sport:zeit

05/2025

aber es hat sicher auch einige positive Dinge in dieser Saison gegeben. Wir sind schon beim Ausblick auf die nächste Spielzeit, wird es wieder viele Wechsel im Kader geben oder steht das Gerüst mit den aktuellen Spielern?

Sandro Wieser (hier gegen Aarau) wird den FC Vaduz Ende Saison verlassen.

Da könnte man dem Meister den Meister zeigen? Über die ganze Saison betrachtet steigt Thun verdientermassen auf, dazu herzliche Gratulation von unserer Seite. Wir werden alles versuchen, um Thun am Sonntag zu schlagen und vertrauen dabei auf unsere Heimstärke. Die Saison ist zwar noch nicht ganz fertig, trotzdem, wie fällt Deine Bilanz zum jetzigen Zeitpunkt aus? Wir hatten nach der letzten Saison einen grösseren Umbruch im Kader, deshalb

brauchten wir etwas Zeit, um uns zu finden. Unser Trainer nahm dann auch einen Systemwechsel auf eine Raute ohne Flügel vor. Da hatten wir am Ende des Herbst-Durchgangs eine positive Serie mit zehn Partien ohne Niederlage. Leider konnten wir die gute Ausgangslage im neuen Jahr nicht nützen und haben den Anschluss an die Spitze frühzeitig verloren. Die Bilanz fällt darum etwas durchwachsen aus, es wäre bestimmt mehr möglich gewesen. Insgesamt haben uns Konstanz und Stabilität gefehlt, diesbezüglich müssen wir uns in der kommenden Saison steigern und verbessern. Kurz zusammengefasst: Wir haben noch Luft nach oben,

Mit der Vertrags-Verlängerung mit Niki Hasler haben wir nun 19 Kaderspieler für die nächste Saison, das Gerüst bleibt also zusammen. Ich gehe davon aus, dass wir vier bis fünf neue Spieler verpflichten werden, wir brauchen auf der einen oder anderen Position Verstärkungen. Es handelt sich dabei um Spieler, welche weiterkommen wollen und die richtige Mentalität mitbringen. Die Verhandlungen sind in vollem Gange. Ich bin sehr optimistisch, dass wir mit einer schlagkräftigen Mannschaft in die neue Saison steigen werden. Ist die Rückkehr in die Super League in absehbarer Zeit wieder ein Ziel des FC Vaduz, vielleicht schon in der kommenden Saison? Wir haben uns vor einem Jahr zum Ziel gesetzt, dass wir eine Spitzen-Mannschaft in der Challenge League sein möchten. In dieser Saison ist uns das nicht ganz gelungen. Der FC Vaduz hat in der Vergangenheit aber schon bewiesen, dass man mit weniger Budget als einige der Konkurrenten in die Super League aufsteigen kann. Wir haben Ambitionen und wollen in der nächsten Saison wieder

FUSSBALL IST TEAMGEIST. MBPI. In Liechtenstein. Für Liechtenstein.

Landstrasse 105, Postfach 130, 9495 Triesen Telefon + 423 399 75 00, info@mbpi.li, www.mbpi.li


sport:zeit

05/2025

angreifen. Wie schon erwähnt müssen wir auf jeden Fall konstanter werden, wenn wir erfolgreich sein wollen. Klar ist auch, dass wir uns in den Auswärtsspielen deutlich steigern müssen, da liegt noch einiges drin. Für eine klare Zielsetzung ist es noch zu früh, zunächst gilt es, die laufende Spielzeit gut zu Ende zu bringen. Zum Abschluss vielleicht noch ein Wort zu Marc Schneider, der seit März 2024 FCV-Trainer ist? Wir sind mit der Arbeit von Marc Schneider und dem gesamten Trainerstaff sehr zufrieden und sind davon überzeugt, dass wir diesbezüglich auf dem richtigen Weg sind.

ZEMMA FÖRA FCV Sei live dabei bei jedem Heimspiel.

Sportlicher Leiter Franz Burgmeier

69


70

sport:zeit

05/2025

Freude beim 3:0-Sieg über St. Gallen am 29. März 2025

Saisonziel des USV: Einstelliger Tabellenrang Drei Spieltage vor Saisonschluss liegt der FC USV Eschen/Mauren auf dem 9. Tabellenrang und kann nicht mehr absteigen. Das ist nach der missglückten Vorrunde eine positive Meldung. Erst als Michele Polverino das Cheftraineramt Ende des vergangenen Jahres übernommen hat, ging es steil bergauf. So gewann seine neue Equipe die ersten sechs Meisterschaftsspiele in Folge und setzte sich ins Mittelfeld ab. Interview: Herbert Oehri

E

rst seit 14 Tagen scheint die Mannschaft wieder auf Talfahrt zu sein. So wurden zuletzt drei Spiele nacheinander verloren. Trotzdem gilt es nach wie vor als Ziel, einen einstelligen Tabellenrang zu erreichen. Wir wollten von Michele Polverino mehr über den Leistungsabfall wissen. Michele, der Start in die Rückrunde hat viele positiv überrascht. Sechs Siege in Folge hätte niemand dem Team zugetraut, das zur Winterpause in den hinteren Gefilden und nahe an den Abstiegsrängen lag. Erst durch den Trainerwechsel im Winter kam

Leben in die Mannschaft. Aber plötzlich lief es nicht mehr so gut. Auf was führst du den Leistungsabfall generell zurück? Michele Polverino: Die Englischen Wochen waren nicht sonderlich hilfreich für uns. Leider hatten wir in dieser Phase viele verletzte, angeschlagene und gesperrte Spieler. Was auch noch dazukommt, ist, dass wir frühzeitig nichts mehr mit dem Abstieg zu tun hatten. Somit waren die Spannung und der Druck weg. Durch die Niederlagen gegen Uzwil und Tuggen war die Möglichkeit, ganz vorne mitzumischen auch vertan. Das ist schade.

Kann man wirklich alles nur den anstrengenden Englischen Wochen zuschreiben oder sind noch andere Faktoren mit im Spiel? Sicher gibt es noch andere Faktoren. Wichtig sind sicher die Vertragsverhandlungen, die noch ausstehen. In dieser Phase sind viele Spieler gedanklich damit beschäftigt, wie es mit ihnen sportlich weitergeht. Fragen wie «Bekomme ich noch einen Vertrag beim FC USV oder wird er nicht mehr verlängert» können in den Köpfen sein. Das kann natürlich die Leistung beeinträchtigen.


sport:zeit

05/2025

71

1. LIGA - GRUPPE 3 Verein

27

Spiele Tore Pt.

1. FC Kreuzlingen

27

48:35 50

2. FC St. Gallen 1879 U-21

27

51:28 49

3. SC YF Juventus

27

54:35 47

4. FC Winterthur U-21

27

55:39 46

5. FC Wettswil-Bonstetten

27

42:30 44

6. FC Tuggen

27

50:39 42

7. FC Collina d'Oro

27

33:24 39

8. FC Kosova

27

36:29 39

9. USV Eschen/Mauren

27

38:37 37

10. AC Taverne

27

31:46 37

11. SV Höngg

27

31:35 33

12. FC Freienbach

27

37:49 31

13. FC Mendrisio

27

28:40 29

14. SV Schaffhausen

27

40:60 29

15. FC Linth 04

27

42:67 25

16. FC Uzwil

27

36:59 24

USV-Torjäger Adejumo Ismail (rechts)

Wie schaut die neue Saison 2025/26 in Bezug auf den Kader aus? Sind schon Zusagen für die 1. Liga vorhanden? Unser Sportchef führt seit einigen Wochen viele und intensive Gespräche. Mit einigen Spielern wurde der Vertrag bereits verlängert, und mit Neuzugängen steht der Verein in Verhandlungen. Für mich ist wichtig, dass der Kern der Mannschaft zusammenbleibt und wir keinen Umbruch erleiden müssen. Wie ist die Zielsetzung der ersten Mannschaft für die laufende Saison 2024/25? Das Ziel, nichts mit dem Abstieg zu tun zu haben, ist erreicht worden. Jetzt gilt es, in den letzten drei Spielen noch zu punkten. Das beginnt bereits heute im Heimspiel gegen den FC Wettswil-Bonstetten und geht in einer Woche gegen den SV Schaffhausen, ebenfalls im Sportpark, weiter. Ich möchte die Saison vor heimischem Publikum positiv beenden. Der Verein, die Zuschauer und die Sponsoren haben es nach einer schwierigen Saison verdient.

Erlaube uns ein Wort zu deinem alten Verein FC Balzers. Dieser hat reelle Chancen, nach nur einem Jahr Abwesenheit wieder in die 1. Liga zurückzukehren. Wie beurteilst du diese Möglichkeit, auch in Bezug auf zwei Erstligateams in einem so kleinen Verband? Ich persönlich würde mich sehr freuen, wenn der FC Balzers den Aufstieg realisiert. Sie haben eine starke Mannschaft und gehören in die 1. Liga. Für die Zuschauer und für das Land sehe ich es positiv. Die Derbys zwischen dem FC USV und dem FC Balzers sind immer etwas Besonderes. Für die Entwicklung der liechtensteinischen Nationalmannschaft sehe ich es hingegen eher negativ. Es wäre wichtig, in jeder Liga eine liechtensteinische Mannschaft zu haben, damit ein junger, talentierter Spieler auch in der richtigen Liga spielen und sich dementsprechend entwickeln kann. Und wenn der Spieler für höhere Aufgaben bereit ist, kann er den nächsten Schritt gehen. Cheftrainer Michele Polverino


72

sport:zeit

05/2025 Anzeige

NEWS Wo war dein Name, als Geschichte geschrieben wurde? Für 50 Franken erscheint dein Name – zusammen mit vielen anderen – auf unserem offiziellen Dress. Drei Jahre. Jedes Spiel. Ganz nah am Herz des FC USV.

Letztes Heimspiel im Sportpark am 17. Mai 2025 • • • • •

10.30 Uhr Frühshoppen mit dem Musikverein Konkordia Mauren Gratis Eintritt für alle und Wasserglace für Kinder Hüpfburg, Kinderschminken und tolle Spielerlebnisse 16 Uhr Gegner SV Schaffhausen 18 Uhr DJ Woodwell

Limitierte Anzahl an Plätzen

Aktion verlängt bis Dienstag, 20. Mai 2025 usv.li/deinname

Wir sind #Fussballverbesserinnen! Mutig. Kreativ. Anders. Für dich. • • • • • • • • •

gleiche Bedingungen wie bei den Herren Heimspiele im Sportpark (Stadion) eigene Trikots im Frauenschnitt Fitnessraum & Physio fixe Garderobe, Top Material eigene Ansprechperson & gute Organisation Raum für Mitgestaltung Förderung Trainerinnen und Funktionärinnen eigene Sponsoren – volle Unterstützung

Werde jetzt Teil vom TEAM FL-Unterland! usv.li; info@usv.li

#nachhaltig #solidarisch #frauenfussball


sport:zeit

05/2025

73

Auf dem Weg zur Spitze In einer schier unglaublichen Aufholjagd mit sieben Siegen in acht Rückrundenspielen hat sich der FC Balzers bis auf einen Punkt an den Tabellenführer FC Widnau herangearbeitet und nun grosse Chancen, nach nur einem Jahr Abwesenheit in die 1. Liga zurückzukehren. Die Ausgangslage ist sehr brisant, und noch können mehrere Teams den Meistertitel holen. Das Schlüsselspiel dürfte die direkte Begegnung im Heimspiel des FC Balzers gegen den FC Widnau am Samstag, 24. Mai 2025, sein. Cheftrainer Marius Zarn spricht über die Aussichten seiner Equipe. Interview: Herbert Oehri

Jubel beim FC Balzers über den 4:2-Sieg gegen KF Dardania.

T

homas, die 1.Liga-Mannschaft befindet sich seit einigen Wochen im Aufwind. Nach zuletzt sieben Punkten aus drei Spielen, die du vorausgesagt hast, geht es in die Winterpause. Zufrieden mit dem bisherigen Verlauf?

Marius Zarn: Wir konnten über den Winter nochmals sehr gut arbeiten und mit dem Team einen Schritt nach vorne machen. Mit Medin Murati und Emir Murati sind zudem zwei extrem wichtige Spieler wieder ins Team zurückgekehrt, nachdem sie 2024 mit Verletzungen zu kämpfen hatten beziehungsweise im Fall von

Emir eine Langzeitverletzung zu überstehen hatten. Auch im Sturm konnten wir über die Wintermonate mit Gündögdu und Saglam aufstocken und zwei wichtige Puzzleteile ins Team holen. Die Mannschaft ist sehr hungrig, arbeitet hart und gut an sich, und das Resultat dieser Arbeit und Entwicklung sieht man auf dem Platz.


74

sport:zeit

05/2025

2. LIGA INTERREGIONAL - GRUPPE 4 Verein

Spiele Tore Pt.

1. FC Widnau 1

24

48:33 48

2. FC Balzers 1

24 46:29 47

3. FC Seefeld ZH 1

24

43:26 45

4. KF Dardania St. Gallen

24

50:39 42

5. FC Gossau 1

24

59:35 40

6. FC Schaffhausen 2

24

55:46 35

7. Chur 97 1

24

39:32 34

8. FC Bülach 1

24

28:26 34

9. FC Wil 1900 2

24

38:41 31

10. FC Red Star ZH

24

30:39 30

11. FC Uster 1

24

38:41 30

12. FC Dübendorf 1

24

30:46 30

13. FC Frauenfeld 1

24

30:41 26

14. FC Arbon 05 1

24

41:53 26

15. FC Altstätten 1

24

39:51 24

16. FC Bazenheid 1

24

28:64 15

Glaubtest du nach der Herbstrunde mit elf Punkten Rückstand daran, so schnell wieder ganz oben in der Tabelle zu stehen? Ich war immer der Überzeugung, dass wir ganz oben mitspielen können, wenn wir nicht zu viele Ausfälle im Team haben. Dies hat sich im ersten Teil der Herbstrunde bestätigt, als wir bis zum neunten Spieltag Leader waren und bestätigt sich auch jetzt wieder. Natürlich waren elf Punkte Rückstand eine sehr grosse Hypothek, aber wir haben uns eigentlich nie an diesem Rückstand orientiert, sondern an unsere Stärken geglaubt. Die Wintervorbereitung war sehr intensiv, und wir haben uns mit vielen Testspielsiegen das nötige Selbstvertrauen geholt. Natürlich hatten wir auch das Wettkampfglück in den ersten Meisterschaftsspielen dieser Rückrunde, das man einfach auch braucht in dieser ausgeglichenen Liga. Noch hat der FCB sechs Partien bis Meis-

Cheftrainer Marius Zarn

FC Balzers: Trainerduo Zarn und Nater weg Der FC Balzers plant für die neue Saison nicht mehr mit dem erfolgreichen Trainerduo Marius Zarn und Stéphane Nater. Dies hat Marius Zarn auf Anfrage bestätigt. Er nennt als Grund wörtlich: «Es gab schon länger unterschiedliche Meinungen bei der künftigen sportlichen Ausrichtung der Mannschaft zwischen Sport-

terschaftsschluss zu absolvieren, nämlich gegen Altstätten, Bazenheid, Widnau, Bülach, Schaffhausen II und Chur. Auch unter der Berücksichtigung, dass in der 2. Liga Interregional jeder gegen jeden gewinnen kann: Welche Mannschaften könnten deiner Meinung nach dem FC Balzers am gefährlichsten werden? Ich finde alle ausstehenden Spiele sehr brisant. Altstätten und Bazenheid kämpfen um den Ligaerhalt. Sie werden alles reinhauen und uns auf heimischem Gelände das Leben richtig schwer machen. Widnau ist der Tabellenführer. Dass dieser Gegner stark ist, muss man nicht speziell erwähnen. Bülach ist eines der formstärksten Teams der Rückrunde und hat im Frühjahr mit fünf Siegen und drei Unentschieden noch kein Spiel verloren. Schaffhausen II hat im Winter ein komplett neues Team zusammengestellt, das im Halbprofi-Betrieb arbeitet. Sie haben extrem viel Qualität im

chef Wolfinger und dem Staff. Sicherlich schade, da wir auf einem sehr guten Weg waren und das Team voll intakt und auf Kurs ist. Aber so ist nun mal Fussball.» Als Nachfolger werden Gerardo Clemente (früherer Trainer FC Buchs) und Aydin Demirci (Spielertrainer FC Gams) genannt.

Kader, und das zeigen sie Wochenende für Wochenende auf dem Platz. Zum Abschluss dann geht es nach Chur. Sie haben ein junges, hungriges und starkes Team. Das mussten wir im Herbst am eigenen Leib erfahren und verloren zu Hause mit 0:1. Ich glaube, dass wir ein anspruchsvolles Restprogramm haben, und wir tun drum gut daran, Spiel für Spiel zu nehmen. Wir freuen uns jedenfalls auf tolle Wochen, in denen ja auch noch das Saison-Highlight mit dem Cupfinale in Vaduz auf uns wartet. Der FCB muss zweigleisig planen. Keine leichte Aufgabe. Finden bereits Gespräche mit den Kaderspielern statt und sind schon welche darunter, die zugesagt haben, egal in welcher Liga der FC Balzers ab der neuen Saison spielen wird? Hierzu gibt es aktuell keine Informationen meinerseits.


sport:zeit

75

Foto: Martin Meienberger

05/2025

Cheftrainer Mario Frick schreit den Frust raus.

«Du hast in jedem Team Spieler, die das Ich über das Wir stellen.» Liechtensteins ehemaliger Fussball-Nationalspieler Mario Frick ist seit dem 21. Dezember 2021 Trainer beim FC Luzern in der Super League. Zuerst rettete er die Innerschweizer vor dem Abstieg, und vor wenigen Wochen führte er sein ­junges Team in die Championship Group der Super League. Dank seiner Erfolge als Trainer erhielt er vom Liechtensteiner Fussballverband schon viermal den Award als Trainer des Jahres. Interview: Ernst Hasler

D

er FC Luzern hat den Grunddurchgang der Super League auf dem vierten Rang abgeschlossen und sich für die Championship Group qualifiziert. Hattest du damit gerechnet oder mit welcher Erwartungshaltung bist du vergangenen Sommer 2024 in die Saison gestartet?

Mario Frick: Für uns ist die Qualifikation für die Top 6 ein riesiger Erfolg. Nach den namhaften Abgängen im Sommer von Jashari, Max Meyer, Frydek und Okou hatten uns viele als Abstiegskandidat auf der Rechnung. Beim «Blick» beispielsweise war ich die Nummer 3 auf der Entlassungsliste der Trainer.

Half die tief gehaltene Erwartungshaltung auch, den Druck von Deinem jungen Team zu nehmen? Wir haben bewusst kein Ziel öffentlich ausgesprochen, was uns aber auch wieder Kritik einbrachte (lacht). Intern haben wir uns einen gewissen Punkteschnitt als Ziel vorgenommen,


76

sport:zeit

den wir durchgehend fast konstant erreichen konnten. Daher waren wir auch ab dem dritten Spieltag permanent in den Top 6! Noch im vergangenen Sommer wurde dem FC Luzern eine schwierige Saison ­prognostiziert. Wo hast du sportlich den Hebel in deinem Team angesetzt? Meinen Spielern wird von Tag 1 unsere Spielidee eingetrichtert. Dabei geht es um Intensität gegen den Ball und Positionsspiel, Laufwege und Strategie, um Überzahl zu schaffen mit Ball. Letztlich geht es bei meinem Fussball darum, Lösungen zu finden, um hinter die letzte gegnerische Linie zu kommen. Trotzdem gab es in deinem Team während der Saison auch Rückschläge. Wie hast du jene innerhalb des Teams jeweils abgearbeitet? Die Rückschläge in dieser Saison waren sehr überschaubar. Wir hatten zwei negative ­Ausschläge gegen Sion und GC. In beiden Spielen hatten wir keine Energie, und dann sind wir qualitativ nicht gut genug, um das zu kompensieren. Durchgehend gute Resultate hatte in dieser Saison kein Team. Wir gehören diesbezüglich mit Abstand zu den Konstantesten. Die Ausgeglichenheit fast aller Teams in der Qualifikationsphase führte zu ständigen Höhen und Tiefen sowohl bei den Spielern als auch den Trainern. Wie emotional war der Verlauf für dich persönlich, zumal Luzern nach dem 7. Spieltag sogar die Tabellenführung innehatte? Wie ich oben schon ausgeführt habe, ging es uns nur um den Punkteschnitt und nicht um den Tabellenrang. Jedoch hat man vielen ­jungen Spielern von uns angemerkt, wie sie diese ungewohnte Situation beschäftigt und auch unter Druck gesetzt hat. Zwei Runden vor Schluss konntest du als Trainer endlich auch einmal das grosse Young Boys sportlich in die Schranken weisen. Es war ein 5:0-Sieg. Kurz vor jenem Spiel stand fest, dass sich Luzern für die Championship Group qualifiziert hatte, der Druck war weg, und die Dämme brachen. Welches Potenzial steckt in Deinem Team?

05/2025

Wenn unser Team befreit und ohne Druck aufspielen kann, sind wir gefährlich, da wir sehr offensiv spielen, physisch zu den besten Teams zählen und durch unsere vielen jungen Spieler unbeschwert sind. Wir spielen ein System, eine 4-4-2-Raute, das sehr offensiv und auch sehr schwierig zu verteidigen ist.

Es hat mich stolz gemacht, dass Jashari den nächsten Schritt machen konnte und sich in der Champions League hervorragend präsentiert hat. Ardon hatte kaum Spielzeit unter meinen Vorgängern. Er war für uns trotz seines jungen Alters ein Leader und Unterschiedsspieler.

Du hattest gegenüber den Medien kundgetan, dass der fehlende Teamspirit und die Egos gewisser Spieler das Erreichen der Ziele in der Vorsaison verunmöglicht hatten. Welche Massnahmen hat der FC Luzern respektive hast du deshalb ergriffen?

Konntest du als Cheftrainer auch sportliche Wünsche anmelden oder setzt Sportchef Remo Meyer seine Ziele in Absprache mit der Vereinsführung um?

Für diese Erfahrung bin ich dankbar. Das wird mir in Zukunft nicht mehr passieren. Ich hatte schon im Januar 2024 im Trainingslager gespürt, dass gewisse Strömungen gefährlich werden können, habe sie aber zu lange ignoriert und mich vom guten 5. Tabellenplatz blenden lassen. Nach einer ausgiebigen Analyse haben wir uns von vielen Spielern getrennt und bei den Neuzugängen ganz genau hingeschaut, wie sie sich in den persönlichen Gesprächen präsentieren. Luzern verpflichtete Donat Rrudhani (25, YB), Jesper Löfgren (27, Djurgarden), Aleksandar Stankovic (19, Inter Mailand), Stefan Knezevic (28, Sporting Charleroi) sowie Adrian Grbic (28, FC Lorient), Andrej Ciganiks (28, Widzew Lodz). Sind das die Typen, die den Mannschaftsgedanken in den Vordergrund stellen? Du hast in jedem Team Spieler, die das Ich über das Wir stellen, das ist ganz normal. Aber es darf das Gesamtgefüge nicht stören, wenn sie mal nicht spielen oder ausgewechselt werden. Die neuen Spieler haben sich sehr gut eingefügt, jedoch ist Pius Dorn ­unser ­wichtigster Spieler, da er als Captain extrem gut auf die Mannschaftsstimmung achtet und ein absoluter Leader geworden ist. Im Winter haben Ardon Jashari (SK Brügge), Martin Frydek (Aris Thessaloniki), Kemal Ademi (NK Osijek) und Denis Simani (FC Vaduz) im Sommer sowie Innenverteidiger Luca Jaquez (VfB Stuttgart) und Dario Ulrich (FC Winterthur) den Verein verlassen, während Ruben Fernandes (Wil) zurückgekehrt ist. War da der eine oder andere schmerzvolle Abgang dabei?

Ich habe einen sehr engen Austausch mit Remo. Er würde nie einen Spieler verpflichten, den ich nicht möchte. Am 4. Mai 2025 ging es mit dem ersten Spiel gegen den FC Lugano in die Championship Group. Welche Rangierung wird für den FC Luzern, realistisch betrachtet, noch möglich sein? Wie das Spiel gegen YB schon gezeigt hat, hat dieses Team kein Limit. Jedoch bringt es jetzt nichts, zu träumen oder grosse Ansagen zu machen. Wir sind Aussenseiter, haben aber gegen jedes Team die Möglichkeit, zu gewinnen. Für uns steht jetzt nur der Heimsieg gegen Lugano im Vordergrund. Während der Saison wechselten sich sechs Vereine jeweils in der Leaderposition. Fünf Runden vor dem Ende der Saison hat sich der FC Basel abgesetzt. Ist dem FCB der Meistertitel noch zu nehmen? Nein, der FCB wird sich das Double krallen. Sie waren in einer inkonstanten Saison im entscheidenden Moment da und haben zuletzt fünf Mal in Serie gewonnen. Sollte es sportlich wie bis anhin laufen, sollte der FC Luzern im Herbst europäisch spielen. Wird dann der Kader in der B ­ reite verstärkt oder muss ein Profiteam diese Mehrbelastung abfangen können? Wir sind finanziell nicht auf Rosen gebettet. Daher wird es keinen Umbruch geben. Weiterhin setzen wir auf unseren Nachwuchs. Deinem Team wird nachgesagt, dass es wohl das physisch stärkste Team der Liga ist. Vor allem in der Schlussphase der Spiele kommt dieser Umstand euch zugute.


sport:zeit

77

Foto: Martin Meienberger

05/2025

Mario Frick erteilt Anweisungen.

Welche läuferischen Grundwerte müssen deine Spieler mitbringen?

Matter ist das Bindeglied zwischen Technik, Taktik und Athletik.

Meine Spieler sollten eine VMA, also eine maximale aerobe Geschwindigkiet, von 18,0 aufweisen, ansonsten ist unser intensivre Fussball nicht möglich. Wir arbeiten unter der Woche sehr hart, mit kurzen, aber sehr intensiven Einheiten.

Du hast zwischen September 2018 und 20. Dezember 2021 erfolgreich beim FC Vaduz gearbeitet. Danach folgte der Wechsel zum FC Luzern in die Super League. Wo siehst du die grössten Unterschiede zur vorherigen Arbeit in Vaduz?

Konditionstrainer ist Christian Schmidt (53). Wie oft ist er in die wöchentliche Arbeit eingebunden und welche Konditionsfaktoren sind ihm besonders wichtig?

Der FCL ist um einiges grösser, hat mehr Strahlkraft und ist in sechs Kantonen ­verankert. Das bringt automatisch mehr Aufmerksamkeit und Druck mit sich. Sportlich ist der Staff deutlich grösser, und unser Zuschauerschnitt beläuft sich aktuell auf 12‘000.

Es gab schon oft Gerüchte, richtig konkret wurde es jedoch nie. Ich fokussiere nur auf den FCL, alles andere kommt automatisch. So war es immer schon in meiner Karriere. Du hast beim FC Luzern noch einen gültigen Vertrag bis 30. Juni 2026. Ist somit die Thematik, dass dich der 1. FC Kaiserslautern verpflichten will, reine Spekulation oder doch ein mögliches Sprungbrett in die Bundesliga?

Die Innerschweiz ist absolut fussballverrückt. Was wird mit dem FC Luzern sportlich noch alles möglich sein?

Ich habe meinem Berater Maikel Stevens, Sohn von Huub Stevens, gesagt, dass ich bis Ende der Saison nichts hören möchte. Voller Fokus auf Luzern, versuchen das Maximum zu erreichen, und dann höre ich mir mal alles an. Ich habe noch ein Jahr Vertrag in Luzern, daher der Verein immer mein erster Ansprechpartner.

Wie sind die Aufgaben in deinem Trainerstab mit Roman Matter und Claudio Lustenberger in der täglichen Trainingsarbeit aufgeteilt?

So eine Saison wie diese wird nicht einfach zu wiederholen sein. Wir haben etliche Nachwuchsspieler integriert, und die unterliegen zwangläufig Schwankungen.

2013, 2022 und 2023 warst Du Trainer des Jahres in Liechtenstein. Wie war die Wahrnehmung dieser Auszeichnungen in der Innerschweiz?

Roman war ja schon in Vaduz mit mir zusammen. Claudio ist der Vereinsassistent. Wir harmonieren überaus gut miteinander. Lustenberger leitet sehr viele Einheiten. So kann ich mich auf das Beobachten konzentrieren.

Seit du in Luzern als Cheftrainer arbeitest, taucht dein Name immer wieder in Zusammenhang mit anderen Vereinen auf. Gab es konkrete Anfragen oder kursierten da oft nur Gerüchte?

2024 auch (schmunzelt). Das ehrt mich natürlich. Ich bekomme jetzt die Wertschätzung, die mir als Spieler verwehrt worden ist. Aber ich bin weiter hungrig und habe ambitionierte Ziele.

Er ist mit der wichtigste Baustein dieser Mannschaft. Chris hat fast 20 Jahre in der Ligue 1 gearbeitet und ist ein Genie. Täglich macht er das Warm up, leitet das Krafttraining, und zweimal pro Woche gibt es isolierte Läufe.


78

kultur:zeit

05/2025

Hagenhaus Lie-Zeit 206x265 Mai-Jun.qxp_Layout 1 16.04.2025. 11:31 Page 1

Einzigartige Emotionen und unvergessliche Momente hautnah und intensiv Erleben Sie die Weltelite von heute und morgen bei über 100 Veranstaltungen im exklusiven Ambiente des Hagenhaus in Nendeln

9. Mai Festival Musik:Arte Eröffnungskonzert mit Intendantin Sara Domjanić & Friends

28. Mai Residenzkonzert Violoncello Klasse von Prof. Ivan Monighetti 19 Uhr – freier Eintritt/Kollekte

19 Uhr – 90 CHF inkl. Konzertgetränk

4. Jun Residenzkonzert Violine Klasse von Prof. Ingolf Turban

10. Mai Festival Musik:Arte Fado-Musik

19 Uhr – freier Eintritt/Kollekte

19 Uhr – 65 CHF inkl. Käse und Portwein

11. Mai Festival Musik:Arte Matinée zum Muttertag

7. Jun Nexus Konzert Luft Karin Ospelt, Singer & Songwriter und Daniel McAlavey, Klavier

11 Uhr – 30 CHF

30 CHF

11. Mai Festival Musik:Arte Duo Aliada & Sara Domjanić

12. Jun Donnerstag im Hagenhaus Weltstars in Nendeln Martin Fröst, Klarinette mit seinen Brüdern Göran Fröst, Viola und Johan Fröst, Klavier

19 Uhr – 45 CHF inkl. Konzertgetränk

12. Mai Festival Musik:Arte Abschlusskonzert

19 Uhr – 100 CHF inkl. Konzertgetränk

27. Mai Kammermusikkonzert Streichquartette

26. Jun Donnerstag im Hagenhaus Operalia Daniel Behle, Tenor und Akemi Murakami, Klavier

19 Uhr – freier Eintritt/Kollekte

19 Uhr – 65 CHF inkl. Konzertgetränk

19 Uhr – 90 CHF inkl. Apéro riche

Konzerte der Musikakademie

Donnerstag im Hagenhaus

Festival Musik:Arte

Externes Konzert

Tickets und/oder obligatorische Reservierung unter: T +423 262 63 52 oder hagenhaus@ticketing.li • Max. 100 Plätze bei freier Platzwahl • Feldkircherstrasse 18, FL-9485 Nendeln

www.hagenhaus.li


05/2025

Historisches

Historisches

79


80

Historisches

05/2025

Abschied von 250 internierten russischen Soldaten beim Bahnhof Buchs Richtung Sowjetunion, r. sowjetische Repatriierungskommission Liechtenstein mit Oberstleutnant Chominsky (2. v. r.); 1945.08; B 413/002/021; Urheber: Baron von Falz-Fein, Eduard / Vaduz; Quelle: Liechtensteinisches Landesarchiv / Vaduz

Liechtenstein am Kriegsende 1945

Die «Erste Russische Nationalarmee» kam über den Hinterschellenberg Am Ende des Zweiten Weltkriegs 1945 strömten viele Flüchtlinge an die Grenze in Schaanwald. Einen anderen Weg wählte die «Erste Russische Nationalarmee», die über den kleinen Grenzübergang in Hinterschellenberg nach Liechtenstein gelangte. Die Russen hatten an der Seite Deutschlands gegen die Sowjetunion gekämpft und suchten nun Zuflucht in einem neutralen Land. Text: Günther Meier

«H

alt! Sofort anhalten!» Die Aufforderung des Grenzwächters beim Grenzübergang in Hinterschellenberg blieb ungehört, die Wagenkolonne fuhr auf der steilen Strasse einfach weiter. Seinem Auftrag folgend, die liechtensteinisch-österreichische

Grenze zu schützen, zieht der Grenzwächter seine Waffe und feuert einen Schuss auf das Vorderrad des ersten Fahrzeugs ab. Der Schuss zeigt Wirkung: Die Wagenkolonne stoppt, aus der Dunkelheit ertönt es: «Halt! Nicht schiessen! Hier ist ein russischer General!» Den Grenzwächtern, die aus einem winzigen Zollhäus-

chen den kleinen Grenzübergang überwachen, erklärt der aus dem vordersten Lastwagen springende Adjutant, der General möchte mit rund 600 Personen nach Liechtenstein übertreten, um der Gefangenschaft durch die Westalliierten zu entgehen. Der Schuss auf den Lastwagen ist eine Reflexhandlung des Grenzwächters, um


Historisches

05/2025

81

nige Zeit in Liechtenstein verbringen würden, wird zwei Tage nach dem Einmarsch mit dem Aufstellen von Baracken für die Russen begonnen: Ein Internierungslager entsteht.

Die Schweiz wehrt sich gegen die Aufnahme der Russen

Appell im Lager der internierten russischen Soldaten in Ruggell; 1945; B 413/002/018; Urheber: Baron von Falz-Fein, Eduard / Vaduz; Quelle: Liechtensteinisches Landesarchiv / Vaduz

dem Befehl Nachdruck zu verleihen, keinesfalls aber ein entschlossenes Entgegentreten. An die Schweizer Grenzwacht, die seit dem Zollvertrag von 1923 die liechtensteinische Grenze sichert, war am Kriegsende die Weisung ergangen, gegen gewaltsam eindringende Gruppen keinen Widerstand zu leisten, weil die Schweiz wohl die eigene Grenze verteidige, nicht aber die Grenze Liechtensteins zu Österreich, das nach dem Anschluss 1938 zum Grossdeutschen Reich gehörte.

Die Russen wurden beim Grenzübertritt entwaffnet

Nach diesem kleinen Intermezzo mit dem Schuss bewegte sich die Wagenkolonne weiter, auf neutrales liechtensteinisches Gebiet. Bis die letzten Soldaten, Frauen und Kinder in Hinterschellenberg angekommen waren, hatten sich im Gasthof «Löwen» bereits Fürst Franz Josef II. und Mitglieder der Regierung sowie Oskar Wyss, Chef der Eidgenössischen Grenzwacht in Liechtenstein, eingefunden. Liechtensteinische Hilfspolizisten helfen den in den Hinterschellenberg aufgebotenen Grenzwächtern, die Soldaten zu entwaffnen und die Fahrzeuge sicherzustellen. Die Wagenkolonne wies eine merkwürdige Zusammensetzung auf, denn neben Lastwagen und Autos waren auch Pferdefuhrwerke, Motorräder und Fahrräder mit dabei sowie ein paar Handwagen. Während sich unter dem dünnen Schein einer Strassenlaterne die Waffen zu einem Haufen türmten,

wurden Vorkehren getroffen, die Flüchtlinge in Schellenberg und anderen Gemeinden unterzubringen. Die auf einem Haufen liegende Waffensammlung bringt Schaulustige, die sich bereits eingefunden haben, zum Staunen: Langgewehre, Karabiner, Maschinengewehre, Pistolen und Revolver, dazu Kosakensäbel und Handgranaten. Die Waffen werden von der Grenzwacht notiert, dann nach Vaduz gebracht und später als Schrottware an Liebhaber verkauft. Die Munition soll nach unbestätigten Berichten im Bodensee versenkt worden sein.

Nur die russischen Soldaten durften in Liechtenstein bleiben

Nachdem alle, die in der Nacht vom 2./3. Mai 1945 die Grenze überschritten hatten, kontrolliert waren, stand fest: Nur 494 Personen gehörten der Ersten Russischen Nationalarmee unter dem Kommando von General Artur Holmston an, eine Reihe von Flüchtlingen hatte sich der Truppe vor dem Grenzübertritt angeschlossen – unter ihnen auch der russische Grossfürst Wladimir Kirillowitsch Romanow und Erzherzog Albrecht aus Österreich. Die Zivilflüchtlinge wurden von den Soldaten getrennt und am gleichen Morgen wieder über die Grenze nach Österreich zurückgewiesen. Der General und Offiziere werden im Gasthaus «Waldeck» in Gamprin untergebracht, eine Gruppe kam im Vereinshaus in Mauren unter, die anderen in den Schulhäusern in Schellenberg und Ruggell. Weil man damit rechnete, dass die Soldaten ei-

Fürst und Regierung beraten, was mit den Russen gemacht werden könnte. Am 5. Mai 1945 richtet die Regierung eine Anfrage an den Schweizer Bundesrat, ob die Schweiz die Russen nach Oberitalien durchreisen lasse, damit man sie dort den Amerikanern übergeben könne. Dahinter steckte die Befürchtung, wenn man die Russen den bis nach Feldkirch vorgerückten Franzosen überstelle, würden sie wahrscheinlich der Sowjetunion ausgeliefert – «ans Messer geliefert». Eine zweite Variante wäre, dass die Schweiz die Russen als Flüchtlinge übernehme. Am 9. Mai, einen Tag nach der Kapitulation des Deutschen Reiches, als alle Kirchenglocken in Liechtenstein das Kriegsende verkündeten, teilte das Eidgenössische Politische Departement offiziell mit, die Schweiz werde die Russen nicht aufnehmen. Diese Haltung der Schweiz hatte sich bereits beim Grenzübertritt angekündigt, als der Chef der schweizerischen Zollwache gegenüber dem Einsatzchef der liechtensteinischen Polizei erklärt haben soll: Jetzt gingen die Russen die Schweiz nichts mehr an, jetzt sei das eine Angelegenheit Liechtensteins.

Holmston kämpfte auf deutscher Seite gegen die Sowjetunion

Der General, der sich am Kriegsende mit einem Rest seiner ursprünglichen Truppe nach Liechtenstein retten kann, nennt ich Artur Holmston. Sein richtiger Name aber lautete Boris Alexsjewitsch Smyslovky. In einem Brief an Fürst Franz Josef II. gibt Holmston an, er sei «National-Russe» und habe mit der deutschen Wehrmacht gegen die Sowjetunion gekämpft. Seine Erste Russische Nationalarmee habe nichts mit der Russischen Befreiungsarmee unter dem Kommando von Andrei Wlassow zu tun, sondern sei eine von ihm aufgestellte Truppe, die sich seit 1941 für «Freiheit und wahre Demokratie in unserem Vaterland» eingesetzt habe. Gesamthaft sollen über eine Million russische Freiwillige auf deutscher Seite gegen Stalin und sein Regime gekämpft haben, teils Emigranten aus dem russischen Bürgerkrieg 1918 bis 1920, zum Teil Flüchtlinge, die sich den aus der Sowjetunion zurückziehenden deutschen Truppen angeschlossen hatten.


82

Historisches

05/2025

«Unser Kampfziel war die Befreiung unseres Vaterlandes von diesem furchtbaren totalen Regime und die Schaffung einer wahren demokratischen Regierungsform für das gequälte russische Volk», schrieb Holmston an den Fürsten. Er vertrat die Auffassung, die Kriege Hitlers gegen Frankreich, Polen oder England sei eine rein deutsche Angelegenheit, die mit dem Kampf der Russen gegen die Sowjetunion nichts zu tun habe. Holmston hatte auf deutscher Seite verschiedene russische Truppen geführt, war im Nachrichtendienst tätig und erhielt 1944 den Auftrag, die «Erste Nationale Russische Division» zu bilden, die später in «Erste Russische Nationalarmee» umbenannt wurde. Unter der Führung Holmstons standen anfangs 1945 rund 6000 Kämpfer, doch erlitt die Truppe schwere Verluste durch Luftangriffe der Alliierten, so dass letztlich nur knapp 500 Mann Liechtenstein erreichten. Der Vormarsch der Alliierten veranlasste Holmston, mit seinen Einheiten aus Ostdeutschland in Richtung Westen zu flüchten. Doch gelang ihm der Vorstoss zu den Amerikanern nicht, so dass er in den Süden Deutschlands flüchtete, um von dort in die neutrale Schweiz zu gelangen. Dass Holmston seine Truppe nicht in die Schweiz führte, hängt mit dem Ratschlag des Schweizer Journalisten Heinrich Blumer zusammen, der sich in Warschau der Holmston-Truppe angeschlossen hatte und Holmston als Übersetzer diente. Blumer habe ihm den Ratschlag gegeben, sagte Holmston bei einer Befragung, nicht den direkten Weg über die stark befestigte Grenze in die Schweiz zu wählen, sondern nach Liechtenstein zu gehen, zuerst zu versuchen, «in das Vorzimmer der Schweiz» zu gelangen.

General Arthur Holmston beim Empfang eines weissrussischen orthodoxen Priesters aus Zürich; 1945.09; B 413/002/071; Urheber: Baron von Falz-Fein, Eduard / Vaduz; Quelle: Liechtensteinisches Landesarchiv / Vaduz

te in Liechtenstein, die nun in einem Lager in Schaan zusammengezogen werden. Eine Ausreise in einen Drittstaat eröffnete sich 1947, als sich Argentinien unter Staatschef Peron bereit erklärte, im Rahmen eines Einwanderungskon-

tingentes auch Russen der Ersten Russischen Nationalarmee aufzunehmen. In Gruppen verlassen die Russen das Land in Richtung Südamerika.

Argentinien nahm die russischen Kämpfer auf

Die Internierung der Russen stellte nicht nur Liechtenstein vor Probleme, auch viele der Internierten finden sich nicht leicht mit ihrer Situation ab. Schon wenige Wochen nach dem Grenzübertritt kehren etliche freiwillig in ihr Heimatland zurück, andere werden durch Druck einer angereisten Sowjetdelegation zur Rückkehr bewogen oder werden von Heimweh geplagt und reisen zurück. Nicht alle werden, wie man damals in Liechtenstein verbreitete, sofort nach der Ankunft in der Sowjetunion erschossen, aber viele kommen in Arbeitslager, von den meisten hörte man nie mehr etwas. Ende 1945 befanden sich noch 145 Internier-

Ostermesse mit Internierten in Ruggell mit einem Priester aus Genf (Russische Nationalarmee); 1945.05; B 413/002/049; Quelle: Liechtensteinisches Landesarchiv / Vaduz


Historisches

05/2025

Nach den Plänen von Architekt Ernst Sommerlad wurde die Pfälzerhütte auf dem Bettlerjoch gebaut und 1928 mit feierlicher Einweihung den Bergfreunden übergeben.

Vor 75 Jahren

Liechtensteiner Alpenverein kauft die Pfälzerhütte Die Pfälzerhütte dürfte die bekannteste Berghütte in der liechtensteinischen Alpenwelt sein. Der Treffpunkt für Wanderfreunde auf dem Bettlerjoch wurde Ende der 1920er-Jahre vom Architekten Ernst Sommerlad geplant. Nach dem Zweiten Weltkrieg konnte der Liechtensteiner Alpenverein das Berghaus im Jahr 1949 erwerben. Vor der Neueröffnung 1950 musste es allerdings restauriert werden, weil es 1945 von französischen Soldaten teilweise verwüstet worden war. Text: Günther Meier

83


84

Historisches

05/2025

Die Pfälzerhütte auf dem Bettlerjoch gehört zu jenen Berghütten im Alpenraum, die an einem geschützten Ort mit wunderschönem Ausblick auf die Bergwelt gebaut wurden.

D

as ausgehende 19. Jahrhundert war die Zeit der deutschen Wanderfreunde, die mit der Errichtung von Berghütten die Alpen eroberten. Der in Ludwigshafen beheimatete Verband der Pfälzischen Sektionen im Deutschen und Österreichischen Alpenverein hatte für den Bau einer neuen Berghütte die schöne Felsterrasse auf dem Bettlerjoch ausgesucht. Bis das Bauwerk errichtet worden war, dauerte es allerdings noch einige Zeit. Wanderfreunde aus der Pfalz fragten nach dem Ersten Weltkrieg die Schaaner Alpgenossenschaft Gritsch an, ob man ihnen dort, in der Nähe des Naafkopfs, eine Parzelle zum Bau einer Berghütte überlassen würde. Die Gritscher willigten ein, und der Architekt Ernst Sommerlad, der damals in Schaan wohnte, erhielt den

Auftrag zur Planung des Bauvorhabens. Benannt wurde es nach der Herkunft der Bauherren aus der Pfalz – Pfälzerhütte.

Architekt Sommerlad gewann den Wettbewerb

Die Pfälzer beschlossen am 10. Mai 1925, eine bewirtschaftete Berghütte auf dem 2111 Meter über Meer gelegenen Bettlerjoch zu bauen. Der Beschluss fand grosse Zustimmung bei den Wanderfreunden aus der Pfalz, aber auch die Regierung des Fürstentums Liechtenstein habe sich begeistert gezeigt, verlautete aus dem für den Bau verantwortlichen Gremium. Schon im Frühjahr 1926 erteilte die Regierung ihre grundsätzliche Genehmigung für den Bau einer Berghütte. Mehr noch: Auch auf Unterstützung von liech-

tensteinischer Seite konnten die Pfälzer zählen. Fürst Johann II. stellte das Holz für den Bau zur Verfügung, das Land Liechtenstein übernahm einen erheblichen Teil der Kosten für die Zufahrtswege. Damals gab es erst einen Fahrweg bis zur Alp Gritsch, sodass ein neuer Weg von Gritsch bis zum Bettlerjoch erstellt werden musste. Um die Transportwege möglichst kurz zu halten, wurde das Holz im Sücka-Wald geschlagen und dort auch für das Bauwerk aufbereitet. Die Planung der Berghütte auf dem Bettlerjoch scheint ein begehrter Auftrag für die Architekten gewesen zu sein. Nicht weniger als 37 von ihnen aus Deutschland und Österreich beteiligten sich an dem im Herbst 1926 ausgeschriebenen Wettbewerb. Den Zuschlag erhielt – wie bereits


Historisches

05/2025

den auf dem schmalen Bergweg fahren. Auf der Alp mussten die Lasten auf zweirädrige, mit einem Pferd bespannte Wagen zum Transport bis zur Baustelle umgeladen werden. Trotz dieser Schwierigkeiten konnte das Bauwerk nur etwas mehr als ein Jahr später, am 5. August 1928, in Betrieb genommen werden: Die reine Bauzeit hatte 113 Tage betragen, die Baukosten wurden mit 93'000 Franken beziffert. In der «Pirmasenser Zeitung» erschien zur Eröffnung ein Artikel, der die Berghütte in den allerschönsten Farben schilderte: «Die Pfälzerhütte ist zu einem Schmuckkästchen geworden, zum Lob ihres Erbauers, ebenso aber auch zur Ehre der Männer, die unermüdlich an der Aufbringung der Mittel arbeiteten und sich durch keine Hemmnisse vom gesetzten Ziel abbringen liessen. Der Bau steht fertig da. Möge ihn in der heissen Sonne des Sommers, im Schnee des Winters, in Sturm und Regen stets der Himmel in seinen Schutz nehmen. Möge er recht vielen Pfälzern, recht vielen Bergsteigern Schutz und Sicherheit, Frieden und Freude bringen!» Auch das «Liechtensteiner Volksblatt» berichtete über die Eröffnung und zeigte sich überzeugt, dass neu errichtete Berghaus auf dem Bettlerjoch werde allen Stürmen widerstehen: «Die Pfälzerhütte zeigt sich heute dem Besucher von aussen als festes Haus, das allen Stürmen und Unbilden der Hochgebirgswelt trotzen soll. Feste Mauern mit einem Dach aus starkem Blech. Nirgends

erwähnt – Ernst Sommerlad, der damals in Schaan wohnte und mit seinen Häusern einen ganz eigenen Baustil in Liechtenstein etablierte. Die Jury lobte seinem Entwurf für die Berghütte und betonte, sein Plan entspreche den technischen Anforderungen der Ausschreibung. Zudem habe er das Projekt den örtlichen Bedingungen auf dem Bettlerjoch am besten angepasst.

Trotz Schwierigkeiten eine Bauzeit von nur 113 Tagen

Mit den Bauarbeiten wurde am 11. Juli 1927 begonnen. Die Witterungsbedingungen im Sommer machten die Realisierung des Bauvorhabens zu einer eher schwierigen Angelegenheit, ganz besonders für die Materialtransporte. Bis Gritsch konnten die Fuhrwerke mit zwei Pfer-

85

ein Bestandteil, der dem Wind und Wetter unnötig eine Angriffsfläche bietet. So ragt die Hütte in die Alpenwelt wie ein Wahrzeichen unbeugsamen Willens.»

Plünderungen nach dem Zweiten Weltkrieg

Bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkriegs machten sich viele Wanderfreunde und Bergsteiger aus Liechtenstein, der Pfalz und aus anderen Gegenden auf den Weg zur Pfälzerhütte. Die einen wollten die Gastfreundschaft der Berghütte und die schöne Wanderung über Malbun oder Valüna geniessen, für die anderen war die Pfälzerhütte ein Ausgangspunkt für eine Weiterwanderung, nachdem sie die Nacht in der Berghütte verbracht hatten. Der Krieg bereitete den Wanderungen ein Ende, die Pfälzerhütte wurde geschlossen. Nach Kriegsende fiel die Pfälzerhütte auf Druck der Alliierten in die «Sperre deutscher Vermögenswerte in der Schweiz». Damit wurde eine Verrechnungsstelle in Zürich berechtigt, die Pfälzerhütte treuhänderisch zu verwalten. Die seit 1939 nicht mehr bewohnte Hütte sei nach dem Krieg in einem trostlosen Zustand gewesen, beschrieb der frühere Forstmeister Eugen Bühler die Situation. Mehrfach sei sie aufgebrochen und geplündert worden, wohl von Wanderern, aber auch von französischen Besatzungssoldaten, die in Vorarlberg stationiert waren. Was mit der Pfälzerhütte geschehen sollte, war


86

Historisches

05/2025

Das Angebot richtete sich an verschiedene Alpenklub-Sektionen in der Schweiz und an den Liechtensteiner Alpenverein.

Der Alpenverein konnte die Pfälzerhütte erwerben

nach Kriegsende noch nicht klar. Die Regierung unter dem neuen Regierungschef Alexander Frick, ein Bergfreund und Kenner der heimischen Bergwelt, ersuchte den Liechtensteiner Alpenverein, die Betreuung des Bauwerks zu übernehmen, damit der Zerfall nicht weiter andauern sollte. Baufachleute schätzten die Wiederherstellungskosten auf 38'000 Franken. In der Folge wurde der Alpenverein aktiv und bei der Verrechnungsstelle in der Schweiz vorstellig: Der weitere Zerfall des Berghauses sollte aufgehalten und die Renovation möglichst bald in

Angriff genommen werden, weil es sich bei der Pfälzerhütte um ein bedeutendes Bauwerk für Bergwanderer und Bergsteiger im Dreiländereck Schweiz, Österreich und Liechtenstein handle. Die Verrechnungsstelle wollte aber keine Investitionen vornehmen und schreckte offenbar vor einer Enteignung der Pfälzer zurück. Nachdem sich auch die Regierung für die Erhaltung eingesetzt hatte, wurde die Pfälzerhütte am 29. September 1949 zum Verkauf ausgeschrieben – mit dem Hinweis, es seien keine Einnahmen vorhanden, aber eine Sanierung sei dringend notwendig.

Die Verkaufsverhandlungen mit den Pfälzern konnten nach einiger Verzögerung am 24. April 1950 abgeschlossen werden. Der Liechtensteiner Alpenverein kam für einen Kaufpreis von 8400 Franken in den Besitz der Berghütte. Weil dieses Geld nicht vorhanden war, erliess der Alpenverein einen Aufruf um Spenden sowie um freiwillige Arbeitsleistungen. Die Aufrufe verhallten nicht ungehört, wie Eugen Bühler einmal in der «Bergheimat» den Arbeitseinsatz beschrieb: «Und siehe da, Hunderte zogen hinauf auf das Bettlerjoch, diesmal nicht mit dem Bergstock, sondern mit Pickel und Schaufel und anderem notwendigen Werkzeug ausgerüstet. Frohes Leben hielt Einzug in das öde Berghaus, kundige und regsame Hände ersetzten Türen, Fenster und morsches Gebälk, besserten Mauerwerk und Wasserleitungen aus.» Nach über 2000 freiwilligen Arbeitsstunden konnte die Pfälzerhütte am 30. Juli 1950 wieder für Wanderer und Bergsteiger eröffnet werden, mit einer Heiligen Messe, Ansprachen und Musik. Der Name Pfälzerhütte blieb erhalten, obwohl das nun im Besitz des Liechtensteiner Alpenvereins war. Denn der Alpenverein aber hatte nicht vergessen, dass es ohne die Pfälzer Wanderfreunde keine Pfälzerhütte auf dem Bettlerjoch geben würde. Sozusagen als Anerkennung wurde den Pfälzern im Jahr 1964 über einen Vertrag die gleichberechtigte Mitbenutzung wie den Mitgliedern des Alpenvereins zugesichert.

Pfälzerhütte auf einer deutsch-liechtensteinischen Gemeinschaftsbriefmarke

Die Pfälzerhütte ist für viele Wanderer der Endpunkt einer schönen Wanderung, für andere eine Zwischenstation für die Besteigung der umliegenden Berggipfel.

Viele Jahre später spielte die Pfälzerhütte nochmals eine versöhnliche Rolle in den Beziehungen zwischen Deutschland und Liechtenstein. Nach den Streitigkeiten wegen gestohlener Bankdaten, der Abqualifizierung Liechtensteins als «Fluchtburg für unversteuertes Kapital» und der Drohung des deutschen Finanzministers, er werde die Kavallerie ins Fürstentum schicken, einigten sich die Postgesellschaften beider Länder auf die Herausgabe einer Gemeinschaftsbriefmarke. Und was eignete sich am besten für den symbolischen Akt der Versöhnung im Jahr 2012? Natürlich die Pfälzerhütte auf einer Briefmarke!


lie:zeit

05/2025

RUND UMS EIGENHEIM

35

SELBSTREINIGUNGSVERFAHREN FÜR BODEN, DACH UND FASSADE Koster Gebäudesanierung GmbH – Dach, Fassade, oder Steinbeläge von Moos und Algenbefall befreien? Eine schonende Behandlungsmethode verspricht Abhilfe und Kosteneinsparungen von bis zu 85%. Algenbefallene Fassaden und vermoos-

Selbstreinigendes Produkt

haltigkeit, bleiben die behandelten Fas-

te Dächer hinterlassen nicht nur einen

Die Fachleute lösen das Problem im

sadenflächen durchschnittlich 10 bis 15

schlechten Eindruck in der Nachbar-

Selbstreinigungsverfahren. Der Desinfek-

Jahre sauber.

schaft, sie werten die Immobilie insge-

tionswirkstoff entfernt zuverlässig organi-

samt ab und mindern die Attraktivität

schen Befall in Form von Algen, Moosen,

Eine sanfte und kosteneffiziente

für Bewohner und allfällige potenzielle

Flechten oder Schimmelpilz nachhaltig

Methode

Käufer.

von Fassaden, Dächern, Steinbelägen,

Die Methode besticht nicht nur durch

Terrassen oder Mauerwerk.

Kosteneffizienz, sondern auch durch

Wer hier nicht rechtzeitig handelt, ris-

Vorher: Putzfassade mit Flechten- und Algenbefall

schnelle Arbeitsabläufe. Somit wird die

kiert, dass eine grössere Sanierung

Ist der Wirkstoff erst einmal aufgetragen,

Mieterschaft nur minimal belastet. Die

unumgänglich wird. Denn unbehandelt

reinigt sich die Oberfläche nach einiger

Fachleute benötigen weder Gerüst noch

können diese Mikroorganismen die Le-

Zeit ganz von selbst. Das verwendete

Hochdruckreiniger. Die Anwendung ver-

bensdauer der Dach- und Fassadensub-

Produkt ist chlorund javelfrei, amtlich

ursacht keine negativen, unangenehmen

stanz massgeblich verkürzen. Das muss

geprüft, oberflächenschonend und ohne

Emissionen wie Staub, Lösungsmittelge-

nicht sein.

aggressive Wirkstoffe. Dank der Nach-

ruch usw. Das Produkt ist auf jegliche

Nachher: Fassade ca.1 Jahr später

Materialien im Aussenbereich anwendbar und muss weder abgewaschen, noch ab-

Speditiv, kostengünstig und

geschrubbt werden.

nachhaltig Die Fachleute sprühen in einer ersten

Vorher: Betonstützmauer mit Flechten- und Algenbefall

Tonziegeldach mit Schwarzalgenbefall.

Untergründe werden nicht durch Hoch-

Phase das oberflächenschonende Pro-

druck oder schrubben strapaziert. Die

dukt auf die befallenen Flächen. Das Auf-

Kosteneinsparung bei einer Fassadenbe-

sprühen des Selbstreinigungswirkstoffes

handlung beträgt bis zu 85% gegenüber

dauert nur wenige Stunden. Bereits nach

einem Neuanstrich. Da die Profis mit spe-

einer Einwirkungszeit von wenigen Tagen

ziellen Sprühlanzen – mit einer Reichwei-

beginnen sich in einer zweiten Phase die

te vom Boden bis zu 12 Metern – arbei-

Mikroorganismen von selbst aufzulösen.

ten, können sie auf teure Gerüstkosten

Wind und Regen tragen die abgetöteten

verzichten. Je nach Situation kommen

Partikel mit der Zeit gänzlich ab. Die

Hebebühnen zum Einsatz, um die befal-

komplette Selbstauflösung der Organis-

lenen Stellen problemlos zu erreichen.

men dauert je nach Befall rund vier bis zwölf Monate. Sollten nach spätestens 24 Monaten noch Reste des Befalls zu

Nachher: Betonstützmauer ca. 1 Jahr später

Das Dach circa ein Jahr später.

sehen sein, behandelt die Firma kostenlos nach.

Vorteile des Selbstreinigungsverfahrens • Oberflächenschonendes Produkt ohne aggressive Wirkstoffe. • Eliminiert Algen, Moose, Flechten oder Schimmelpilz auf Dach, Fassade und Bodenbelägen schonend, ohne das Material anzugreifen. • Kostenersparnis von bis zu 85% gegenüber konventionellen Methoden. • Kein teures, für die Mieterschaft störendes Fassadengerüst notwendig. • Emissionsarme Behandlung: keine Chlorgerüche, kein Staub. • Nachhaltigkeit bei Fassaden von durchschnittlich 10 bis 15 Jahren.

Koster Gebäudesanierung GmbH Kobelstrasse 7, 9442 Berneck Tel. 071 744 02 32 Filiale: 9230 Flawil, Tel. 079 255 82 55

www.koster-gs.ch info@koster-gs.ch

87


88

lie:zeit

05/2025

HALBE ABOGEBÜHR BIS JAHRESENDE

Jetzt mit CHF

200.–

Wechselbonus

Wir machen keine halben Sachen. Ausser beim Preis. Wir schenken Ihnen die halbe Abogebühr bis Jahresende, wenn Sie sich für ein neues Mobile-, Internet-, TV- oder Festnetz-Abo bei FL1 entscheiden. Zusätzlich erhalten Sie CHF 200.– Gutschrift, wenn Sie jetzt Ihre bestehende Liechtensteiner (+423) oder Schweizer (+41) Mobilnummer zu FL1 mitnehmen. Die Rufnummernmitnahme übernehmen wir kostenlos und sorgenfrei für Sie.

www.FL1.li


Turn static files into dynamic content formats.

Create a flipbook
lie:zeit Ausgabe 135 by Medienbüro Oehri & Kaiser AG - Issuu