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lie:zeit Ausgabe Nr. 147

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Zeitschrift für Liechtenstein und die Region

«Kluge Investitionen und Reformen stärken unsere Ausgangslage» ab Seite 6

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Wir wünschen einen schönen Staatsfeiertag. llb.li


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schlag des Abgeordneten Kaiser nicht einfach in den Staatshaushalt einfliessen, sondern bewusst an die Menschen in Liechtenstein zurückgegeben werden. Er fordert die Regierung auf, finanzrelevante Vorschläge zu unterbreiten, wie die zusätzlichen Millionen sinnvoll investiert werden können. (Ab Seite 29) Kein Abtreibungsgegner wollte sich ihm gegenüber öffentlich zur «Initiative Fristenlösung» äussern, zu verhärtet sind die Fronten, zu persönlich religiöse Überzeugung, zu heikel die familiäre Dimension. Unser Mitarbeiter Pio Schurti fasst daher zusammen, was in Gesprächen, Leserbriefen und Analysen zu hören oder zu lesen war. Dr. Norbert Obermayr wiederum geht auf weitere Aspekte eines Schwangerschaftsabbruchs ein. (Ab Seite 32)

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iebe Leserin, lieber Leser

Aus Anlass des Staatsfeiertags gibt S.D. Erbprinz Alois in seinem traditionellen Interview mit der «lie:zeit» einen Einblick in eine Reihe von Themen, die Liechtenstein bewegen. Er ist überzeugt, dass Liechtenstein gut aufgestellt ist und das auch noch in zehn Jahren sein wird, wenn das Land an seinen Stärken festhält und gleichzeitig gezielt zukunftsträchtige Investitionen tätigt. (Ab Seite 6) Christiani Wetter gibt unserer Mitarbeiterin Vera Oehri-Kindle Auskunft über ihre vielseitige Tätigkeit in der Kunstszene. (Ab Seit 20) «Prioritäten setzen und handlungsfähig bleiben», heisst der Titel eines Interviews mit Regierungschefin und Finanzministerin Brigitte Haas zum Staatsfeiertag. Sie gibt einen Einblick in ihr breites Aufgabengebiet und zeigt auf, wie vorausschauendes Handeln und Investieren einschneidende Sparprogramme wie nach der Finanzkrise 2007/08 verhindern können. (Ab Seite 26) Unser Mitarbeiter Johannes Kaiser nimmt die zusätzlichen Mehrwertsteuer-Millionen für unser Land unter die Lupe, die sich durch die automatische Mehrwertsteuer-Erhöhung dank der 13. AHV-Rente in der Schweiz ergeben, sollte das Schweizer Stimmvolk der Erhöhung zustimmen. Diese Millionen sollten nach Vor-

Der DpL-Abgeordnete Martin Seger geht der interessanten Frage nach: «Für Gott, Fürst und Vaterland, wie geeint ist Liechtenstein?». (Ab Seit 36) Die Stiftung Zukunft.li liess kurz vor der Sommerpause mit einer Studie über die staatlichen Beitragsleistungen aufhorchen – vor allem mit der Tatsache, dass neun von zehn untersuchten Leistungen nicht zielführend ausgestaltet sind. (Ab Seite 76)

Kindle hat mit Alexander Ospelt ein Interview geführt. (Ab Seite 86) Vor 160 Jahren hatte Liechtenstein ein eigenständiges Militärkontingent. Letztmals zog es im Sommer 1866 nach Südtirol in den Krieg. 81 Soldaten machten sich zu Fuss auf den Weg in Richtung Front. Oft hört man die Geschichte, das Kontingent sei mit 81 Mann ausgerückt, aber mit 82 zurückgekehrt. Der spätere Regierungschef Alexander Frick ist dieser Frage nachgegangen und hat herausgefunden, dass ein österreichischer Leutnant namens Radinger die 81 Rückkehrer bis nach Liechtenstein begleitet habe. Ich wünsche Ihnen, auch im Namen der Redaktion, weiterhin alles Gute, eine schöne Spätsommerzeit und viel Freude bei der Lektüre der neuesten Ausgabe.

Herbert Oehri, Redaktionsleiter

Der FC Vaduz ist mit starken Leistungen in die Super League-Saison gestartet, steht aber nach zwei Runden ohne Punkte da. Gegen die starken Gegner Lugano und St. Gallen gab es zwei unglückliche und knappe Niederlagen. (Ab Seit 78) Der FC USV hat mit Agim Zeqiri den in Fussballkreisen bestens bekannten Torjäger von Ruggell als neuen Sportlichen Leiter verpflichtet. Mit Cheftrainer Patrick Winkler will er als Duo dafür sorgen, dass der FC USV in der 1. Liga eine gute Rolle spielt. Seit dem 11. Juni ist der Liechtensteiner Alexander Ospelt Präsident des Internationalen Skiverbandes FIS. Es ist ein historischer Tag und eine ganz grosse Ehre für unser Land, das sich gegenwärtig mit folgenschweren Cyberattacken und beispiellosen IT-Angriffen herumschlagen muss. Allein die Wahl des neuen FIS-Präsidenten wurde gemäss einer Analyse der FIS weltweit von rund 120 Fernsehstationen ausgestrahlt und in rund 1800 Print-und Onlinemedien aufgegriffen. Unser Mitarbeiter Chrisi

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Gamprin-Bendern im:fokus

Regierungschefin Brigitte Haas

«Wir nehmen uns gerne «Prioritäten setzen und Zeit für die Anliegen der handlungsfähig bleiben» Bevölkerung»

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jugend:zeit mit Laurin Specht

Landtagsabgeordneter Johannes Kaiser

«Rentenalter für nicht körZusätzliche Mehrwertsteuer-Millionen an die perliche Berufe an LebensMenschen zurückgeben! erwartung koppeln.» Impressum Verleger: Medienbuero Oehri & Kaiser AG, Essanestrasse 116, 9492 Eschen, +423 375 9000 · Redaktion: Herbert Oehri (Redaktionsleiter), Johannes Kaiser, Vera Oehri-Kindle, Heribert Beck · Beiträge/InterviewpartnerInnen: S.D. Erbprinz Alois, Christiani Wetter, Regierungschefin Brigitte Haas, Pio Schurti, Dr. Norbert Obermayr, Martin Seger, Cornelius Goop, Gemeindevorsteher Johannes Hasler, Laurin Specht, Iwan Schurte, Georg Matt, Gunter Dobratz, Gerald Hosp, Theresa Goop, Chrisi Kindle, Agim Zeqiri, Aydin Demirci, Alexander Ospelt, Günther

Meier · Grafik/Layout: Carolin Schuller, Stephanie Lampert · Anzeigen: Vera Oehri-Kindle, Daniela Büchel · Fotos: Yannick Zurflüh Fotografie & Film, Michael Zanghellini, Tanja Frick, Liechtensteinisches Landesarchiv, Paul Trummer, Pamela Bühler, Tatjana Schnalzger, Eddy Risch, Julian Konrad Media Est., Liechtenstein Institut, FIS / Action Press / Marko Djokovic, Adobe, Magnific, ZVG · Urheberschutz: Die Texte und Bilder dürfen ohne vorherige Genehmigung des Herausgebers/Verlegers nicht kommerziell genutzt, weitergegeben oder veröffentlicht


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59 Projektpräsentation «MFH Schlossbach», Balzers

Vom «Schlosshof» zum neuen «Schlossbach»

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86 Liechtensteiner Alexander Ospelt ist Präsident des Internationalen Skiverbandes FIS

«Meine Wahl hat bei vielen Menschen Interesse an Liechtenstein geweckt»

Aus dem Inhalt

70 Staatsgerichtshof feiert Jubiläum – Präsident Hilmar Hoch verabschiedet sich

Ein rechtshistorisches Juwel wird 100 werden. · Meinungsvielfalt: Die lie:zeit gibt Gastautoren Platz, um ihre Meinung zu äussern. Dabei muss der Inhalt mit der Meinung der Redaktion und der Herausgeber nicht übereinstimmen. · Druck: Somedia Partner AG, Haag · Auflage: 22’500 Exemplare · Online: www.lie-zeit.li · Erscheinung: 8. August 2026 · «lie:zeit» nicht erhalten? Rufen Sie uns an: Tel. 375 90 03 (­ Vera Oehri), ­Zustellung erfolgt sofort. Nächste Ausgabe: 5. September 2026

Zahltag mit Christiani Wetter

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Unterländer LIEmobil-Rundkurs ab Dezember 2026?

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Initiative Fristenlösung «Wir wollen selbst entscheiden.»

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Für Gott, Fürst und Vaterland – doch wie geeint ist Liechtenstein?

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Das Potenzial der Zeitgeschichte

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Nendeln – Erneuerung Hauptleitung Churer Strasse abgeschlossen

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«Das Wichtigste ist erreicht: Wir kennen uns jetzt persönlich»: Treffen der Umweltkommissionen aller Gemeinden

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«Es gibt die Tendenz, Probleme mit Geld zu lösen»

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FC Vaduz: Einzig die Ergebnisse stimmen (noch) nicht

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FC USV: Neuer Sportlicher Leiter

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FC Balzers strebt den Wiederaufstieg an

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Staatsfeiertag und Höhenfeuer

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1866: Der letzte Feldzug

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Rätselspass

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Titelstory

«Durch kluge Investitionen und Reformen unsere Ausgangslage weiter stärken» Eine Woche vor dem Staatsfeiertag gibt S.D. Erbprinz Alois in seinem traditionellen Interview mit der «lie:zeit» einen Einblick in eine Reihe von Themen, die Liechtenstein bewegen. Er ist überzeugt, dass Liechtenstein gut aufgestellt ist und auch in zehn Jahren noch sehr gut aufgestellt sein wird, wenn das Land an seinen Stärken festhält und gleichzeitig gezielt zukunftsträchtige Investitionen tätigt. Interview: Herbert Oehri und Heribert Beck

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urchlaucht, Sie haben in Ihrer Thronrede zur diesjährigen Landtagseröffnung vor einem Vertrauensverlust in die politischen Institutionen gewarnt. Was machen Regierung, Landtag, Parteien und Medien dennoch richtig, um das Vertrauen des Volkes zu wahren oder zu stärken? S.D. Erbprinz Alois: Die besondere Verbindung von Kleinstaat, Monarchie und direkter Demokratie schafft Bürgernähe, Stabilität und Kontinuität. Zusammen mit einer ausgeprägten Konsenskultur beziehungsweise einer Tradition der gemeinsamen Entscheidungsfindung und breit geteilten Werten führt dies dazu, dass unsere Institutionen als besonders verlässlich und berechenbar wahrgenommen werden. Was könnten sie umgekehrt besser machen? Vertrauensbildung bleibt eine Daueraufgabe. Wichtig ist, weiterhin fair, werteorientiert und berechenbar zu handeln und bei wichtigen Entscheidungen gemeinsame Grundlagen zu finden. Wie erleben Sie das Vertrauen in den Souverän Fürstenhaus? Das Fürstenhaus hat die Pflicht, die von der Verfassung zugewiesenen Aufgaben verantwortungsvoll und verlässlich wahrzunehmen. Ich spüre grosses Vertrauen ins Fürstenhaus, auch wenn es bei Sachthemen immer wieder unterschiedliche Ansichten gibt. Kommen wir damit zu einem aktuellen Thema: Die Initiative zur Fristenlösung birgt zumindest das Risiko einer erneute Verfassungsdiskussion. Warum haben Sie so früh angekündigt, im Falle eines Volks-Ja ihr Veto gegen ein entsprechendes Gesetz einzulegen?

Meine grundsätzliche Haltung zum Thema war seit langem bekannt, und ich habe sie auf entsprechende Medienanfragen nach der Veröffentlichung der Initiative auch gleich nochmals wiederholt. Die Frage nach dem Veto habe ich bewusst erst später beantwortet, nachdem Regierung und Landtag die Initiative Fristenlösung für verfassungskonform erklärt haben. Für mich gehört es zu meiner Verantwortung als Staatsoberhaupt, dass ich grundlegende Bedenken zu einem Gesetz frühzeitig zum Ausdruck bringe. Was spricht für Sie inhaltlich gegen die Initiative? Aus meiner Sicht hat Liechtenstein seit 2015 eine Abtreibungsregelung, die – soweit dies möglich ist – sowohl dem Selbstbestimmungsrecht der Frau als auch dem Schutz des Lebens gerecht wird. Eine Frau kann frei entscheiden, wie sie mit einem Schwangerschaftskonflikt umgeht – ob sie das Kind behalten möchte oder nicht. Wenn sie einen Abbruch durch einen Arzt vornehmen lässt, ist sie in jedem Fall straffrei. Gleichzeitig bringt das aktuelle Gesetz aber zum Ausdruck, dass der Schutz des Lebens ein Grundwert ist, an dem wir in Liechtenstein festhalten wollen. Das tut die Initiative nicht. Sie erwähnt den Schutz des Lebens nicht einmal mehr. Die Initianten sprechen von einer «Initiative nach Schweizer Vorbild». Die Initiative entspricht aber gar nicht der Schweizer Gesetzeslage, sondern geht deutlich weiter. Zahlreiche Schutzbestimmungen, die das Schweizer Gesetz vorsieht, sind im Vorschlag für Liechtenstein nicht vorhanden Zum Beispiel muss der Arzt oder die Ärztin in der Schweiz vorgängig ein persönliches Gespräch mit der Frau führen und sie beraten. Ausserdem muss eine schriftliche Einverständniserklärung abgegeben werden. Und für minderjährige Schwangere gelten spezielle Beratungs- und Aufklärungspflichten.


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Foto: Michael Zanghellini

Fraglich ist für mich auch, ob die Krankenkasse für einen Schwangerschaftsabbruch aufkommen soll. Die Krankenkasse ist dafür da, kranke oder verunfallte Menschen zu heilen. Ein Schwangerschaftsabbruch ist kein Heilvorgang, sondern die bewusste Beendigung eines menschlichen Lebens. Ich denke, man sollte zumindest darüber sprechen, ob es richtig ist, die Allgemeinheit dafür zu verpflichten.

Als exportorientierter Kleinstaat ohne eigene Währung sind wir gegenüber konjunkturellen Schwankungen sehr exponiert. Daher sind Reserven in einer gewissen Höhe sinnvoll. Überschüssige Reserven sollten wir am besten dort investieren, wo sie nicht zu einer starken Erhöhung der laufenden Kosten führen, sondern die Ausgangslage für unser Land langfristig verbessern.

Zu einem anderen Thema: Die Staatskasse ist praller gefüllt denn je. Manche Politiker würden dem Volk gerne mehr Geld zugutekommen lassen, andere mahnen, dass auch wieder schwierigere Zeiten kommen und Liechtenstein dann Reserven benötigt. Wie sehen Sie die Sache?

Besonders entscheidend sehe ich Investitionen in Bildung – sowohl in die Ausbildung von Kindern und Jugendlichen als auch in die Weiterbildung oder Umschulung von Erwachsenen. Wer gut ausgebildet ist, kann sich langfristig selbst helfen, bleibt beruflich flexibel und trägt zum Wohlergehen des Landes bei.


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Titelstory

Vor der Sommerpause hat Innenminister Hubert Büchel die Liechtensteiner Sicherheitsstrategie präsentiert – ein Thema, das Sie ebenfalls mehrfach öffentlich angesprochen haben. Wie beurteilen Sie das Ergebnis? Das Erstellen einer Sicherheitsstrategie war ein wichtiger und notwendiger Schritt. Positiv hervorzuheben ist der ganzheitliche Ansatz: Sicherheit wird nicht mehr nur als innere Sicherheit und regionaler Katastrophenschutz gedacht, sondern umfasst auch Bereiche wie Wirtschaft, Cybersicherheit, Versorgung und gesellschaftlichen Zusammenhalt. Gerade für ein kleines, stark vernetztes Land wie Liechtenstein ist dieser integrierte Ansatz zentral. Zugleich zeigt die Strategie klar auf, dass sich das sicherheitspolitische Umfeld durch geopolitische Spannungen, hybride Bedrohungen und wirtschaftliche Abhängigkeiten deutlich verschärft hat. Entscheidend wird nun sein, wie konsequent es uns gelingt, die definierten Ziele umzusetzen. Eine weitere Strategie des Landes bezieht sich auf den Einsatz von Künstlicher Intelligenz in der täglichen Arbeit der Behörden. Sie selbst haben sich ebenfalls bereits intensiv mit dem Thema befasst. Wie finden Sie die Strategie des Landes und wo wäre, abseits der Landesverwaltung, noch mehr nötig? Die KI-Strategie der Landesverwaltung setzt klare Leitplanken, betont Verantwortung und bringt Struktur in ein sehr dynamisches Thema. Der Fokus auf Transparenz, Datenschutz und Menschen ist aus meiner Sicht richtig. Aktuell ist es aber sicher so, dass viele Ansätze noch relativ allgemein gehalten sind. Entscheidend wird deshalb sein, wie konkret und schnell die Umsetzung erfolgen kann. Gleichzeitig greift es zu kurz, KI nur als Thema der Verwaltung zu sehen. Die eigentliche Herausforderung liegt ausserhalb. In Schulen und in der Arbeitswelt, wo ein grundlegendes Verständnis für KI selbstverständlich werden muss. Besonders unsere Unternehmen stehen vor

wichtigen strategischen Fragen. Die kleineren Betriebe werden dabei wahrscheinlich auch gezielte Unterstützung brauchen. Aus dem Inland ins Ausland: Wie beurteilen Sie die aktuelle geopolitische Lage und ihre Auswirkungen auf Liechtenstein? Wir sind als kleines, exportorientiertes Land stärker betroffen, als man auf den ersten Blick vielleicht meint. Internationale Spannungen können sich bei uns rasch und konkret durch unterbrochene Lieferketten, eingeschränkte Marktzugänge, steigende Energiepreise und Unsicherheiten im Finanzmarkt zeigen. In einer unvorhersehbaren Welt müssen wir uns auf solche Szenarien vorbereiten. Wie können Regierung und Landtag aktiv steuernd eingreifen, um die Auswirkungen auf Liechtenstein abzumildern? Als Kleinstaat sind unsere internationalen Möglichkeiten beschränkt. Wir sollten aber unsere Beziehungen pflegen und auf der internationalen Bühne immer wieder zeigen, welchen Beitrag wir für die Staatengemeinschaft leisten. Gleichzeitig sollten wir durch innenpolitische Massnahmen im Bereich der Sicherheitsstrategie sowie kluge Investitionen und Reformen – insbesondere im Bildungsbereich – unsere Ausgangslage weiter stärken. Trotz aller aktuellen Herausforderungen: Was stimmt Sie optimistisch für die Zukunft des Landes und wie ist Liechtenstein in zehn Jahren aufgestellt? Liechtenstein ist ein solides, schuldenfreies Land mit einer engagierten Bevölkerung, einer leistungsfähigen Wirtschaft und stabilen Institutionen. Ausserdem sind wir international gut vernetzt. Wenn wir diese Stärken behalten und gleichzeitig gezielt in Bildung, Innovation und neue Technologien investieren, sehe ich uns in zehn Jahren sehr gut aufgestellt.


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28 August 2026

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Meisterwerke Star-Cellist Gautier Capuçon & Capucelli Cello-Ensemble 20.30 Uhr I Vaduzer-Saal

Familienkonzert Chill & Thrill – Igudesman und Landymore 10.30 Uhr I Rathausplatz

Eröffnungskonzert Night of the Opera Nadine Sierra, Javier Camarena, Sinfonieorchester Liechtenstein 20.30 Uhr I Rathausplatz

Classic meets Electro Catching Flies 22.30 Uhr I Kunstmuseum

Classic meets Jazz Star-Trompeter Till Brönner und Dieter Ilg 17.30 Uhr I Kunstmuseum Abschlusskonzert Filmmusik von Hans Zimmer und John Williams 20.30 Uhr I Rathausplatz

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Schauspielerin, Moderatorin, Kolumnistin & Sprecherin

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Zahltag mit Christiani Wetter Moderation Staatsakt 2023

Christiani Wetter lebt zwischen Wien, Vaduz und Luxemburg. Zuletzt war sie im Hauptcast der SRFSitcom «Unsere kleine Botschaft» zu sehen. Neben Film- und Fernsehproduktionen führten sie weitere Engagements unter anderem ans Theater Bremen, ans Schauspielhaus Bochum, ans HAU Berlin, an die Münchner Kammerspiele, ans Salzburger Landestheater, ans Théâtre National du Luxembourg sowie ans TAK Theater Liechtenstein. Sie schreibt Kolumnen, ist TED-Speakerin, Sprecherin des Nachrichtenmagazins «profil» und moderiert seit mehreren Jahren den Staatsakt auf der Schlosswiese am Liechtensteiner Staatsfeiertag.

Wie wichtig ist dir der Staatsfeiertag (1–10)?

10 Wie viele Stunden Vorbereitungszeit brauchst du für den Staatsakt?

Interview: Vera Oehri-Kindle

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Wie viele Jahre alt warst du, als du das erste Mal auf einer Bühne gestanden bist?

Wie viele Male hast du den feierlichen Staatsakt bereits moderiert?

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«Revolutionary Road» am TAK Theater Liechtenstein 2025

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Sommer 2026 in Vaduz mit Vera und Christiani

Wie viele Sprachen sprichst du gut?

Wie viele Stunden arbeitest du durchschnittlich pro Tag?

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Wie viele Tage bist du durchschnittlich pro Monat in Liechtenstein?

Wie viele Preise, Stipendien und Auszeichnungen hast du erhalten?

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In welchem Alter wusstest du, dass du Schauspielerin werden möchtest?

In wie vielen Film-, Fernsehund Theaterproduktionen hast du bisher mitgewirkt?

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Am 15. August 1986 wird das Liechtenstein-Institut in Bendern gegründet. Seit 40 Jahren liefert das LiechtensteinInstitut wissenschaftlich fundierte Antworten auf zentrale Fragen zur Geschichte, Gegenwart und Zukunft Liechtensteins, zur Region und zu Kleinstaaten allgemein.

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Feiern Sie mit uns! ab Mo. 14.9.2026: Kellergespräche Unsere Forscherinnen und Forscher geben Einblicke in ihren Arbeitsalltag.

Fr. 23.10.2026: Jubiläumsfeier im Gemeindesaal Gamprin

Wir freuen uns auf Sie! Liechtenstein-Institut |Gamprin-Bendern www.liechtenstein-institut.li

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Gamprin – zu Gast am Staatsfeiertag Die diesjährige Gastgemeinde präsentiert sich am Staatsfeiertag mit einem vielfältigen Fest für Gross und Klein mit abwechslungsreicher Unterhaltung, einem einladenden Rahmenprogramm und einem breiten kulinarischen Angebot. Wo vor über 300 Jahren die Bewohner dem ersten Fürsten von Liechtenstein die Treue schworen, liegt heute eine Gemeinde mit tiefen Wurzeln und einem klaren Blick nach vorn. Der historische Kirchhügel im Ortsteil Bendern gilt als Geburtsstätte des heutigen Fürstentums Liechtenstein und bildet den geschichtsträchtigen Hintergrund für den Auftritt der Gemeinde Gamprin am Staatsfeiertag. Die Gemeinde Gamprin lädt dich zu einem bunten

Fest ein: Freu dich auf Spiel und Spass für die ganze Familie, unter anderem mit Hüpfburg und farbigen Klebetattoos für Kinder. Kulinarisch wirst du von engagierten Vereinen verwöhnt, die feine Speisen und erfrischende Getränke anbieten. Dazu kommt das gemütliche Chalet der Alpe Rauz, das mit alpinem Charme zum Verweilen einlädt. Ruhe und Erholung findest du in der liebevoll gestalteten Grossabünt-Oase. Für beste Stimmung auf der Bühne sorgen Liechtensteiner Künstlerinnen und Künstler mit einem vielseitigen Unterhaltungsprogramm, das Jung und Alt gleichermassen begeistert.

Bühnenprogramm Peter-Kaiser-Platz 14:00 - 15:00 Uhr Einmarsch der Harmoniemusik Gamprin Platzkonzert und Begrüssung 15:30 – 16:30 Uhr Die Komplizen 17:00 – 18:00 Uhr Tipsy Crows 18:30 – 19:00 Uhr Robin Kind presents Toshín

19:00 – 20:00 Uhr 20:30 – 21:45 Uhr 22:00 Uhr 22.30 – 23:30 Uhr 00:00 – 01:00 Uhr

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Kundenfreundlicher, attraktiver ÖV-Public Service

Unterländer LIEmobil-Rundkurs ab Dezember 2026? Mit dem Fahrplanwechsel der LIEmobil Mitte Dezember 2025 wurde nach jahrzehntelanger Praxis die Direktverbindung der Gemeinden Schellenberg-Ruggell ohne Vorabinformation -und ohne Vorabkommunikation gestrichen. Trotz mehrerer konsternierter Beiträge in den Medien und auf Social Media sowie einer Petitionseingabe blieb und bleibt die LIEmobil mit Duldung der Oberaufsicht der Regierung stur: Die Linie 32 «Schellenberg–Ruggell» bleibt gestrichen! Text: Johannes Kaiser

Ich wurde in den vergangenen acht Monaten von vielen ÖV-Nutzern und Einwohnerinnen und Einwohnern von Schellenberg und umliegenden Unterländer Gemeinden auf sehr praktikable sowie reale Lösungsvarianten angesprochen, die eine Alternative zur abrupten Streichung der Linie 32 zwischen Schellenberg und Ruggell bilden würden. Diese reichten von der Forderung nach einer raschen Wiedereinführung der Linie 32 (Schellenberger Petition) über die Weiterführung der Linie 37 (Sennwald–Ruggell–Schellenberg) und die Weiterführung der Linie 33 (Mauren–Schellenberg–Ruggell) bis hin zur Anbindung der Linie 31 an einen Rundkurs Eschnerberg. All diese Vorschläge aus der Bevölkerung und von den LIEmobil-Kun-

den, welche die Linien allesamt auswendig kennen, stiessen auf taube Ohren.

Unterländer LIEmobil-Rundkurs mit Anbindung an die Hauptlinien

In intensiver Recherche und mit Beizug des Know-hows und der Expertise von Fachleuten

Karte: OpenStreetMap

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n entsprechenden Zeitungsbeiträgen von Eva Maria Nicolussi-Vogt und mir im «Vaterland» und in der »lie:zeit» und meiner Transparenz schaffenden Social Media-Kommunikation hat die betroffene Einwohnerschaft von Schellenberg ihrer grossen Enttäuschung Ausdruck gegeben. Auch die Schellenberger Petitionseingabe reihte sich in diese Aufforderung an die LIEmobil und Regierung ein. Das Anliegen der Schellenberger Bevölkerung und auch umliegender Gemeinden verhallt im Leeren, und das Prinzip des Aussitzens von Problemen ist nicht neu.

sowie Praktikern habe ich die schon länger im Raum stehende Idee, eines potenziellen Unterländer LIEmobil-Rundkurses mit Anbindung zu den Hauptlinien aufgegriffen und in ein systemgerechtes Format gebracht. Befahren werden soll dieser Rundkurs in beide Richtungen. Wobei die Einwohnerinnen und Einwohner ideal «abgeholt» und zu den Schnittstellen der Hauptlinien befördert werden. Vorgesehen werden dafür zwei Fahrzeuge, die im Stundentakt verkehren – eines pro Richtung: umwelt- und klimabewusst, effizient, kundenfreundlich und mit einladender Attraktivität zum Umstieg auf den ÖV.

Informativer und kommunikativer Einbezug von Bevölkerung und Gemeinden

Visualisierung des potenziellen Unterland-LIEmobil-Rundkurses.

Das Verkehrsministerium und die LIEmobil werden ersucht, diese ÖV-Erschliessungssystematik zu prüfen und, wenn möglich, auf den Fahrplanwechsel Dezember 2026 diesen Unterländer LIEmobil-Rundkurs mit Anbindung der Hauptlinien im Sinne eines zukunftsorientierten, kundenfreundlichen, umweltbewussten und attraktiven Service public zu implementieren. Zentral ist dabei der informative und kommunikative Einbezug der Bevölkerung und der Gemeinden des Liechtensteiner Unterlandes.


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«Prioritäten setzen und handlungsfähig bleiben» Im Interview zum Staatsfeiertag gibt Regierungschefin und Finanzministerin Brigitte Haas einen Einblick in ihre breites Aufgabenfeld und zeigt auf, wie vorausschauendes Handeln und Investieren einschneidende Sparprogramme wie nach der Finanzkrise 2007/08 verhindern können. Interview: Heribert Beck

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ie internationale Sicherheitslage hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verändert. Wo sehen Sie die grössten Veränderungen? Regierungschefin Brigitte Haas: Die Welt ist wieder unsicherer geworden. Konflikte, die früher weit weg schienen, spüren wir heute direkt im Land, wie der kriminelle Cyberangriff uns allen schmerzhaft aufzeigte. Dazu kommen Bedrohungen wie Desinformation oder Angriffe auf kritische Infrastrukturen. Sicherheit bedeutet deshalb heute weit mehr als den klassischen Schutz vor Naturkatastrophen. Auch ein kleines Land wie das unsere muss sich auf diese Entwicklungen vorbereiten, seine Widerstandsfähigkeit stärken und in Krisen schnell, konsequent und geschlossen agieren. Um sich auf diese Entwicklungen einzustellen, hat die Regierung kürzlich die Sicherheitsstrategie präsentiert. Was sind die Kernpunkte dieser Strategie? Unsere Sicherheitsstrategie trägt dieser neuen Realität Rechnung. Sicherheit verstehen wir heute umfassend. Es geht darum, Krisen möglichst früh zu erkennen, Risiken zu reduzieren und im Ereignisfall handlungsfähig zu bleiben. Ein Schwerpunkt liegt deshalb auf der Stärkung unserer Resilienz – also der Fähigkeit von Staat, Wirtschaft und Gesellschaft, auch in schwierigen Situationen gut zu funktionieren. Dazu gehören beispielsweise der Schutz kritischer Infrastrukturen, eine starke Cybersicherheit und sichere Versorgungs- und

Lieferketten. Gleichzeitig setzen wir auf eine enge Zusammenarbeit mit unseren internationalen Partnern. Viele Herausforderungen lassen sich nur gemeinsam bewältigen.

richtige Balance zwischen zusätzlichen Ausgaben für die innere Sicherheit und dem Anspruch, den Staatshaushalt langfristig solide gestalten?

Cyberangriffe auf Staaten, Unternehmen und öffentliche Institutionen nehmen zu. Nun wurde Liechtenstein Opfer eines Angriffs. Wie gut ist die Liechtensteiner Landesverwaltung gegen solche Bedrohungen gewappnet, und welche Investitionen sind in diesem Bereich geplant?

Ja, Sicherheit kostet Geld. Aber fehlende Sicherheit kommt uns am Ende deutlich teurer zu stehen und trifft im schlimmsten Falle sogar Menschenleben. Nehmen wir den Rheindamm als Beispiel. Wir investieren rund 90 Millionen Franken in seine Sanierung. Würden wir darauf verzichten, wäre das Hochwasserrisiko erheblich grösser – und die Schäden wären um ein Vielfaches höher. Genau dieses Prinzip gilt auch für die Cybersicherheit oder den Schutz kritischer Infrastrukturen. Wer rechtzeitig investiert, verhindert oft sehr hohe Folgekosten und Schlimmeres. Deshalb sind solche Investitionen gut eingesetztes Geld.

Cyberangriffe gehören zu den grössten Risiken der öffentlichen Institutionen. Deshalb investieren wir seit Jahren konsequent in die Cybersicherheit unserer Verwaltung. Leider zeigt das aktuelle Beispiel, bei dem das «Verzeichnis wirtschaftlich berechtigter Personen» angegriffen wurde, dass auch gut gesicherte Systeme mit genügend krimineller Energie in Einzelfällen überwunden werden können. Liechtenstein ist dabei kein Einzelfall, wie ein Blick auf unsere Nachbarstaaten zeigt. Es ist deshalb für uns wichtig, dass nach dem operativen Debriefing eine strategische Evaluation durchgeführt wird. Dazu gehört auch, dass die Umsetzung strukturiert überprüft wird. So kann die grösstmögliche Sicherheit erreicht, erhalten und weiterentwickelt werden. Gleichzeitig bauen wir unsere technischen Schutzmassnahmen laufend aus. Unser Ziel ist klar: Die Landesverwaltung soll auch bei einem Cybervorfall handlungsfähig bleiben und ihre Dienstleistungen für die Menschen im Land zuverlässig erbringen können. Sicherheit kostet Geld. Wie finden Sie die

Liechtenstein verfügt bekanntlich über äusserst solide Staatsfinanzen. Gleichzeitig mahnen Sie stets, sorgsam mit den Reserven umzugehen. Welche Risiken sehen Sie? Unsere Staatsfinanzen bilden heute ein sehr solides Fundament. Das ist erfreulich. Gleichzeitig darf uns dies nicht in falscher Sicherheit wiegen: Liechtenstein ist eine offene und exportorientierte Volkswirtschaft. Internationale Krisen, geopolitische Spannungen, wirtschaftliche Abschwünge oder Entscheidungen einzelner grosser Marktteilnehmer wirken sich deshalb schneller auf unsere Steuereinnahmen aus als in vielen anderen Ländern. Gute Jahre sind nicht selbstverständlich.


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Gleichzeitig dürften die Ausgaben weiter steigen. Das ist richtig. Wir stehen vor Herausforderungen, die wir nicht einfach ignorieren können. Ein gutes Beispiel ist die Sicherheit, über die wir bereits gesprochen haben. Ein anderes sind die Kosten, die aufgrund der lange unterschätzten Auswirkungen des Klimawandels entstehen werden. Oder die Altersvorsorge: Aufgrund der demografischen Entwicklung müssen wir unsere Sozialwerke langfristig sichern. Deshalb hat die Regierung im Juli Reformvorschläge für die erste und zweite Säule vorgelegt. Auch im Gesundheitswesen handeln wir bereits. Mit dem vorgeschlagenen Massnahmenpaket möchte die Regierung das Kostenwachstum bremsen, ohne die hohe Qualität unseres Gesundheitssystems zu gefährden. Hinzu kommen Investitionen in die Digitalisierung, die Cybersicherheit oder in unsere Infrastruktur. Auch von der Landesverwaltung wird immer mehr verlangt, weshalb wir auf gutes Personal angewiesen sind, um den Menschen im Land dienen zu können. Sie sehen: Unzählige Herausforderung stehen bevor. Deshalb müssen wir heute unsere Prioritäten sorgfältig

setzen und jeden Franken verantwortungsvoll einsetzen sowie Reserven erhalten, damit wir auch morgen handlungsfähig bleiben. Müssen wir also sparen? Meiner Meinung nach sollten wir stabilisieren. Sparen ist etwas anderes. Dies wird immer wieder verwechselt. Erinnern Sie sich noch an die Sparprogramme nach der Finanzkrise? Damals wurden tatsächlich Leistungen im dreistelligen Millionenbereich eingespart, was ein schwieriger Prozess war. Heute haben wir eine ganz andere Ausgangslage. Damit das so bleibt, gilt es, Kostenentwicklungen frühzeitig in den Griff zu bekommen und unsere Mittel gezielt einzusetzen. Wenn wir nun vorausschauend handeln, zukunftsorientiert investieren und bedarfsgerecht Geld ausgeben, vermeiden wir später einschneidende Sparprogramme. Genau das ist unser Ziel. Die Bevölkerung und allen voran die Volksvertretung erwartet einerseits einen leistungsfähigen Staat, andererseits einen zurückhaltenden Umgang mit Steuergeldern. Wo sehen Sie in der Verwaltung noch Potenzial für Effizienzsteigerungen?

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Wir überprüfen die Abläufe laufend. Unser Anspruch ist eine Landesverwaltung, die effizient und lösungsorientiert arbeitet sowie bürgernah bleibt. Liechtenstein verfügt bereits heute über eine schlanke Verwaltung. Trotzdem gibt es immer Möglichkeiten, Dinge zu hinterfragen oder Prozesse weiter zu vereinfachen. Vor allem die Digitalisierung hilft uns dabei. Sie entlastet unsere Mitarbeitenden bei Routineaufgaben, sodass mehr Zeit für anspruchsvolle Anliegen der Bevölkerung und der Unternehmen bleibt. Gleichzeitig kommen laufend neue Aufgaben hinzu, was die Effizienzsteigerung letztlich praktisch wieder neutralisiert. Viele Einwohnerinnen und Einwohner wünschen sich einfachere und schnellere Verwaltungsverfahren. Wo stehen die grössten Hürden bei der Digitalisierung der Landesverwaltung? Digitalisierung bedeutet weit mehr, als ein Papierformular durch ein Onlineformular zu ersetzen. Oft müssen Prozesse, Gesetze und technische Systeme gleichzeitig angepasst werden. Zudem gilt es, den hohen Anforderungen an Datenschutz, Informationssicherheit und Rechtsstaatlichkeit gerecht zu werden.


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Das braucht Zeit, schafft aber die Grundlage für digitale Angebote, denen die Bevölkerung vertrauen kann. Künstliche Intelligenz hält zunehmend Einzug in Verwaltungen. Welche Rolle soll KI künftig in der Liechtensteinischen Landesverwaltung spielen, und wo ziehen Sie klare Grenzen? Künstliche Intelligenz bietet grosse Chancen – wenn sie verantwortungsvoll eingesetzt wird. Wir wollen KI deshalb dort nutzen, wo sie unsere Mitarbeitenden unterstützt, Abläufe vereinfacht und den Service für Bevölkerung und Unternehmen verbessert. Gleichzeitig gibt es für uns klare Grenzen. Entscheidungen mit rechtlichen oder weitreichenden Auswirkungen müssen weiterhin von Menschen getroffen werden. Für uns gilt der Grundsatz: KI soll den Menschen unterstützen, nicht ersetzen. Transparenz, Datenschutz und Nachvollziehbarkeit bleiben dabei zentrale Grundsätze. Digitale Dienstleistungen erfordern die Verarbeitung sensibler Daten. Wie stellen Sie sicher, dass Datenschutz und Datensicherheit mit dem digitalen Ausbau Schritt halten? Datenschutz und Informationssicherheit haben für uns oberste Priorität, und wir werden noch mehr in dieses Thema investieren. Jede neue digitale Lösung wird bereits in der Entwicklungsphase sorgfältig geprüft. Dazu gehören Datenschutz-Folgenabschätzungen, Risikoanalysen und umfassende Sicherheitsprüfungen. Wir sind uns bewusst, dass es auf dieser Welt keine hundertprozentige Sicherheit gibt. Aber wir arbeiten durch klare, strukturierte Prozesse an der grösstmöglichen Sicherheit. Auch beim Einsatz von künstlicher Intelligenz gelten klare Regeln. KI darf nur dort eingesetzt werden, wo sie einen echten Mehrwert bietet und alle gesetzlichen Vorgaben eingehalten werden. Zudem investieren wir kontinuierlich in moderne Sicherheitsmassnahmen. Dazu gehören beispielsweise Mehrfaktor-Authentifizierung, ein zentrales Identitätsmanagement und Systeme, welche unsere IT-Infrastruktur laufend überwachen und Angriffe frühzeitig erkennen. Für uns gilt: Digitalisierung kann nur erfolg-

reich sein, wenn Bevölkerung und Unternehmen Vertrauen in diese Systeme haben. Deshalb entwickeln wir digitale Dienstleistungen und Datensicherheit gemeinsam weiter und reagieren bei Cyberangriffen schnell und konsequent.

waltung besonders auszeichnet: Wer bei uns arbeitet, kann die Zukunft unseres Landes aktiv mitgestalten und direkt den Menschen im Land dienen. Diese Sinnhaftigkeit ist ein wichtiges Argument im Wettbewerb um gute Mitarbeitende.

Der Fachkräftemangel betrifft auch die öffentliche Hand. Wie gelingt es der Landesverwaltung, qualifizierte Mitarbeitende insbesondere in den Bereichen IT, Cybersicherheit und Finanzen zu gewinnen und zu halten?

Zum Abschluss noch zu einem erfreulichen Thema: Was wünschen Sie den Bürgerinnen und Bürgern zum 15. August?

Der Fachkräftemangel beschäftigt selbstverständlich auch die Landesverwaltung. Gleichzeitig stehen in den kommenden Jahren viele Pensionierungen an. Wir haben uns deshalb frühzeitig mit dem Thema auseinandergesetzt und eine Personalstrategie entwickelt. Wir setzen auf attraktive Arbeitsbedingungen, flexible Arbeitsmodelle, gezielte Weiterbildung und moderne Führung. Was die Landesver-

Natürlich schönes Wetter, inspirierende Begegnungen und gute Laune, so wie es sich für unseren Staatsfeiertag gehört. Gleichzeitig wünsche ich uns allen Zuversicht. Zuversicht, dass wir die anstehenden Herausforderungen gemeinsam meistern werden, damit Liechtenstein seine hohe Lebensqualität beibehalten kann. Ich bin davon überzeugt: Wenn wir an einem Strick ziehen und uns auf unsere Stärken konzentrieren, werden wir Schwierigkeiten gemeinsam meistern und viele weitere unbeschwerte Staatsfeiertage erleben dürfen.


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Zusätzliche MehrwertsteuerMillionen an die Menschen zurückgeben! Die Landesrechnung 2025 weist einen Gewinn von 331 Millionen Franken aus, und die Staatsreserven sind auf 4,4 Milliarden Franken angewachsen. Wenn das schweizerische Stimmvolk der Mehrwertsteuererhöhung, die in der Schweiz zur Teil-Finanzierung der 13. AHV den Rentnerinnen und Rentner zugutekommt, im November 2026 zustimmt, ergeben sich auch für Liechtenstein automatisch höhere Mehrwertsteuereinnahmen. Diese Millionen sollen nicht einfach in den Finanzstaatshaushalt einfliessen, sondern bewusst an die Menschen in Liechtenstein zurückgeben werden. Text: Johannes Kaiser

Wenn die Schweiz den Mehrwertsteuersatz erhöht, muss Liechtenstein dies aufgrund der Zoll- und Mehrwertsteuerrechts-Verträge nachvollziehen. Statt die Mittel in den allgemeinen Staatshaushalt zu integrieren, der mit einer 4,4-Milliarden-Reserve ohnehin gut aufgestellt ist, bin ich der Meinung, dass diese zusätzlichen Millionen an die Menschen zurückzugeben werden sollen. Denn es geht um Gelder, die Liechtenstein ohne eigene Beeinflussungsmöglichkeit generiert. Jede und jeder leistet

somit mit der Bezahlung seiner vielfältigen Lebensunterhaltskosten seinen Beitrag an diese Mehreinnahmen. Daher ist die Regierung – insbesondere die finanzverantwortliche Regierungschefin Haas – angehalten, finanzrelevante Vorschläge zu unterbreiten, wie die zusätzlichen Millionen sinnvoll investiert werden können. Von ihr muss erwartet werden, dass sie vom Verwaltungs- in den Gestaltungsmodus wechselt. Das Land hat in den Bereichen Energie, Kommunikation und neue Technologien sowie Verkehr einen Investitionsstau. Es ist nun angezeigt, mit welchen Massnahmen und Projekten die Regierungschefin diesen auflösen möchte. Wir dürfen gespannt sein.

Foto: Michael Zanghellini

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n den jüngsten Sessionen des Stände- und des Nationalrats stand in der Schweiz im Juni das Thema AHV-Finanzierung im Fokus. Es wurde intensiv darüber debattiert, wie die 13. AHV, die 2027 erstmals an die Rentner ausgerichtet wird, finanziert werden kann. Der Nationalrat hat beschlossen, die Mehrwertsteuer zu diesem Zweck um 0,4 Prozentpunkte anzuheben. Diese Massnahme wäre kombiniert gewesen mit einer Erhöhung der Lohnbeiträge um 0,2 Prozentpunkte, doch lehnte der Nationalrat diese für die Erwerbstätigen empfindliche Massnahme ab. Im November 2026 wird das Volk nun definitiv über die Erhöhung der Mehrwertsteuer entscheiden, doch zweifelt wohl niemand an der Annahme dieser AHV-Finanzierung durch das Schweizer Volk.

Johannes Kaiser, Landtagsabgeordneter

Die Regierung ist angehalten, finanzrelevante Vorschläge zu unterbreiten, wie die zusätzlichen Millionen sinnvoll investiert werden können.

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Frage an … Initiative: «Fristenlösung für Liechtenstein» Die Volksinitiative «Fristenlösung für Liechtenstein» fordert die Straffreiheit von Schwangerschaftsabbrüchen innerhalb der ersten zwölf Wochen. Sie orientiert sich dabei am Schweizer Modell, was auch die Aufhebung des ärztlichen Informationsverbots und die Übernahme der Kosten durch die Krankenkasse beinhaltet. Der Vorstoss sorgt für eine intensive gesellschaftliche und politische Debatte.

Frage Wie stehen Sie zur Volksinitiative?

Mario Wohlwend

Alexander Batliner

Gewissensfragen verdienen Respekt und eine sorgfältige Debatte.

Die FBP erteilt zur Volksinitiative «Fristenlösung für Liechtenstein» Stimmfreigabe und gibt keine Abstimmungsempfehlung ab. Die Frage des Schwangerschaftsabbruchs berührt zutiefst persönliche, ethisch-moralische und gesellschaftliche Überzeugungen. Auch innerhalb der FBP bestehen dazu unterschiedliche, gut begründete Haltungen. Eine einheitliche Parteilinie wäre in dieser Gewissensfrage weder angemessen noch zielführend.

Die Volksinitiative zur Einführung einer Fristenlösung wirft grundlegende ethische, gesellschaftliche und rechtliche Fragen auf. Entsprechend verdient sie eine sachliche, respektvolle und vertiefte Diskussion. Nach Abschluss der Unterschriftensammlung wird sich der Landtag mit der Initiative befassen. Angesichts der Tragweite des Themas ist eine sorgfältige demokratische und gesellschaftliche Auseinandersetzung unerlässlich. Für mich steht im Vordergrund, die Realität von Frauen in Schwangerschaftskonflikten ernst zu nehmen und zugleich dem Schutz des ungeborenen Lebens Rechnung zu tragen. Es braucht Lösungen, die beiden Anliegen gerecht werden. Unabhängig von der Beurteilung der Initiative sollten wir prüfen, wo innerhalb der bestehenden Regelung Verbesserungen möglich sind. Dabei geht es unter anderem um den Zugang zu unabhängiger Beratung, um rechtliche Klarheit sowie darum, betroffene Frauen bestmöglich zu informieren und zu unterstützen. Zu einer allfälligen Volksabstimmung hat die Vaterländische Union derzeit noch keine Position beschlossen. Die Partei wird sich nach einer sorgfältigen und ergebnisoffenen Auseinandersetzung mit den unterschiedlichen Argumenten und Perspektiven zu gegebener Zeit festlegen. Gerade weil es sich um eine Gewissensfrage handelt, verdienen unterschiedliche Überzeugungen Respekt. Entscheidend ist, die Debatte sachlich zu führen, einander zuzuhören und verantwortungsvoll nach Lösungen zu suchen, die der Komplexität und Sensibilität dieses Themas gerecht werden.

Unabhängig von der persönlichen Position setzt sich die FBP mit Nachdruck dafür ein, dass die Initiative dem Volk zur Abstimmung vorgelegt wird – auch dann, wenn der Landtag der Vorlage zustimmen sollte. Beide Souveräne, Fürst und Volk, müssen in dieser Angelegenheit ihre Meinung frei äussern können. Es wäre deshalb falsch, eine etwaige Volksabstimmung als bedeutungslos darzustellen. Das Abstimmungsergebnis wird unabhängig vom weiteren rechtlichen Verfahren ein wichtiges politisches Signal setzen und den Rahmen für die künftige Auseinandersetzung mit diesem Thema bilden. Eine reine Landtagsentscheidung ohne Volksabstimmung wäre daher für die FBP kein gangbarer Weg. Die FBP ruft alle Beteiligten zu einer sachlichen, respektvollen und fairen Debatte auf. Unterschiedliche Positionen sind ohne persönliche Angriffe oder Verurteilungen zu vertreten. Dabei gilt es, sowohl die schwierige Situation betroffener Frauen als auch den Schutz des ungeborenen Lebens ernst zu nehmen. Nur durch einen offenen und respektvollen Dialog kann eine gesellschaftlich tragfähige Lösung gefunden werden.


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Tatjana As’Ad

Thomas Rehak

Kevin Marxer

Als Mit-Initiantin stehe ich vollumfänglich hinter der Initiative. Entsprechend habe ich in den letzten Wochen viel Zeit mit der Unterschriftensammlung und im direkten Gespräch mit Mitbürgerinnen und -bürgern verbracht. Was ich daraus mitnehme: Die Bevölkerung will über dieses Thema diskutieren, und sie will, dass das Volk bzw. die Volksvertretung am Ende eine politische Entscheidung trifft. Menschen haben uns auf der Strasse erzählt, was es bedeutet, für einen Abbruch ins Ausland fahren zu müssen, weil das eigene Land diese Möglichkeit verweigert. Wer angesichts dessen behauptet, das sei doch längst kein Problem mehr, hat offensichtlich nie mit Betroffenen gesprochen. Schon gar nicht mit jenen, die sich die Behandlung im Ausland nicht ohne weiteres leisten konnten. Und noch etwas kam in den Gesprächen immer wieder zum Ausdruck: Auch Menschen, die selbst nicht schwanger werden können oder persönlich wohl nie einen Abbruch in Betracht ziehen würden, waren sich grossmehrheitlich einig, dass die Entscheidung im Einzelfall bei der betroffenen Person liegen soll und dass diese dafür Zugang zu Information, Beratung und medizinischer Versorgung braucht. Es geht also nicht um die eigene Haltung zum Thema, sondern darum, ob man dieses Recht auf Selbstbestimmung gesetzlich absichern will. Auch die jüngsten Umfrageergebnisse des LieBarometers bestätigen das: Die aktuelle Regelung ist für kaum jemanden zufriedenstellend, die vorgeschlagene Fristenlösung ist mehrheitsfähig. Reformbedarf ist im Übrigen nicht nur eine innenpolitische Einschätzung. Der CEDAWAusschuss hat in seinem Monitoringbericht vom Februar 2025 festgehalten, dass Liechtenstein den Schwangerschaftsabbruch legalisieren soll, und diese Empfehlung als eine von nur vier Punkten ausgewählt, zu denen der Staat innerhalb von zwei Jahren, also bis Februar 2027, Rechenschaft ablegen muss. Dabei hat der Ausschuss den Landtag ausdrücklich aufgefordert, seiner Rolle bei der Umsetzung gerecht zu werden. Gelegenheit, dem nachzukommen, haben die Abgeordneten bei der inhaltlichen Behandlung im Septemberlandtag. Diese Initiative ist also kein Randkampf. Sie ist eine Grundsatzfrage, und sowohl die Umfragezahlen als auch die internationale Einschätzung sprechen eine klare Sprache.

Ich stehe der Volksinitiative kritisch gegenüber. Neben der Selbstbestimmung der Frau ist auch der Schutz des ungeborenen Lebens wichtig. Eine Fristenlösung bis zur zwölften Woche stellt diesen Schutz weitgehend zurück und macht den Abbruch zur grundsätzlichen Option. Das halte ich für den falschen Weg.

Wir stehen der Volksinitiative «Fristenlösung für Liechtenstein» kritisch gegenüber. Die vorgeschlagene Fristenlösung würde Schwangerschaftsabbrüche bis zur zwölften Schwangerschaftswoche legalisieren. Wir sind der Auffassung, dass jeder Vorstoss, der menschliches Leben zur Disposition stellt – unabhängig davon, ob es sich um geborenes oder ungeborenes Leben handelt – nicht vertretbar ist.

2015 wurde das Weltrechtsprinzip beim Schwangerschaftsabbruch aufgehoben. Abbrüche im Ausland sind seither nicht strafbar – auch nicht nach der 12. Woche. Die Initiative verändert vor allem die Inlandslage. Wer den Lebensschutz nach der 12. Woche ernst nimmt, müsste auch die Straflosigkeit späterer Auslandabbrüche konsequenterweise hinterfragen – das tut die Initiative nicht. Ausserdem lehne ich die Kostenübernahme durch die Krankenkasse ab. Die Krankenkasse dient der Behandlung und Gesundung, nicht dem Beenden ungeborenen Lebens. Das heisst aber nicht, dass kein Handlungsbedarf besteht. Ärztliche Beratung sollte erlaubt werden, Werbung aber weiterhin verboten bleiben. Dazu wäre eine Anpassung von § 98a StGB nötig. Regelungen für Härtefälle sind im bestehenden Recht bereits nach § 96 Abs. 4 StGB erfasst – etwa bei ernster Gefahr für Leben oder Gesundheit, Unmündigkeit, bestimmten Sexualdelikten sowie bei unmittelbarer Lebensgefahr. Deshalb halte ich die Initiative für nicht zielführend. Eine durchdachte Beratungsreform wäre sinnvoller.

Statt einer Ausweitung der Möglichkeiten für Schwangerschaftsabbrüche erachten wir eine umfassende, ergebnisoffene Beratung sowie niederschwellige Hilfs- und Unterstützungsangebote für Frauen in ungewollten Schwangerschaften als den sinnvolleren Weg. Ziel sollte es sein, Betroffene in schwierigen Lebenssituationen bestmöglich zu begleiten und ihnen konkrete Perspektiven und Unterstützung aufzuzeigen. Dass solche Beratungs- und Unterstützungsangebote auch durch öffentliche Mittel finanziert werden, halten wir für einen prüfenswerten und denkbaren Ansatz.


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Initiative Fristenlösung

«Wir wollen selbst entscheiden dürfen» Eine Aufzeichnung mehrerer Gespräche mit Befürwortern der Fristenlösung Text: Pio Schurti

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n Europa ist Abtreibung längst keine Frage von Verbot oder Erlaubnis mehr, sondern eine der Frist: Deutschland und die Schweiz erlauben einen straffreien Abbruch bis zur 12. Woche, Frankreich bis zur 14., die Niederlande und Grossbritannien sogar bis zur 24. Woche. Liechtenstein dagegen zählt neben Polen, Malta, Andorra, San Marino und Monaco zu den letzten sechs Ländern des Kontinents, in denen Schwangerschaftsabbruch grundsätzlich verboten ist. In Liechtenstein macht sich eine Frau, die ihre Schwangerschaft unterbrechen lässt, ebenso wie der Frauenarzt oder die Frauenärztin, der/die diesen durchführt strafbar. Ein straffreier Schwangerschaftsabbruch im Ausland ist erst seit 2015 möglich, nachdem das sogenannte «Weltrechtsprinzip» aufgehoben wurde. Genau dort setzt die Volksinitiative «Fristenlösung für Liechtenstein» bekanntlich an: straffreier Abbruch bis zum dritten Monat, Aufhebung des Informationsverbots für Ärzte, Kostenübernahme durch die Krankenkasse. Nachdem der Landtag sie im Juni 2026 für verfassungskonform erklärt hatte, lief vom 19. Juni bis 22. Juli die Unterschriftensammlung. Fast täglich waren die freiwilligen Unterschriftensammler des Initiativkomitees vor Geschäften oder auf öffentlichen Plätzen in allen Gemeinden anzutreffen. Sie führten viele Gespräche, vor allem mit Männern und Frauen, die ihr Anliegen unterstützen. Vereinzelt kam es zu Pöbeleien, im schlimmsten Fall fiel das Wort «Mörder». «Mit solchen Leuten haben wir gar nicht erst versucht zu reden und sie zu einer Unterschrift zu bewegen», sagt Samuel Schurte aus Balzers. «In solchen Fällen nützt auch der Hinweis nichts, dass niemand quasi bekehrt und zum

Schwanger vor einer schwierigen Entscheidung

Befürworter von Abtreibungen gemacht werden soll», ergänzt Annalena Sele. «Es geht darum, dass betroffene Frauen in einem Schwangerschaftskonflikt mit Beratung und Unterstützung ihrer Vertrauensärztin selbst und frei von Strafandrohung oder Stigmatisierung entscheiden können.» Für die Initiantinnen und Initianten ist die heute in Liechtenstein geltende Rechtslage eine «Export-Lösung», wie Claudia Heeb-Fleck sagt, denn Schwangerschaftskonflikte sind in Liechtenstein gelebte Realität. Schätzungen zufolge reisen jährlich rund 40 Liechtensteinerinnen zur Abtreibung in die Schweiz und zahlen den Eingriff – bis zu 2500 Franken – aus eigener Tasche. Nachgefragt, ob man die geltende Rechtslage nicht als eine für einen Kleinstaat pragmatische Lösung sehen könne, widersprechen die

Mitinitianten oder Unterschriftensammler. Liechtenstein zwingebetroffene Frauen in eine Zwickmühle, wenn sie im Ausland ungestraft machen dürfen, was in der Heimat verboten ist. In einem Interview mit der Wochenzeitung «Die Zeit» spricht die Mitinitiantin Gabriella Alvarez- Hummel ein Detail an, das erklärt, warum die bestehende Regelung eine Grauzone schaffe. Bei einem medikamentösen Abbruch müssten meist zwei Tabletten eingenommen werden. Der medikamentöse Abbruch wird im Ausland, meist in der Schweiz , zwar rechtskonform eingeleitet und durchgeführt, in der Praxis wird die zweite Tablette aber zu Hause in Liechtenstein eingenommen, wo der Abbruch verboten ist.

Knapp 5000 Unterschriften konnten gesammelt werden

Die Initiative kann schon jetzt einen grossen Erfolg verbuchen, erwähnt Tobias Gassner: Auch die ältesten und erfahrensten Mitglieder des Initiativkomitees können sich an keine Unterschriftensammlung für eine Initiative oder ein Referendum erinnern, bei der so viele Leute aktiv mithalfen. Das Initiativkomitee selbst besteht aus gut 15 Personen, aber 100 Personen seien im «Sammel-Chat» der Initianten. Trüben kann diesen Erfolg nur der Umstand, dass S.D. Erbprinz Alois schon vor der Abstimmung deutlich gemacht hat, dass er von seinem Vetorecht Gebrauch machen werde. Samuel Schurte argumentiert ganz im Sinne der Freien Liste, die frühe Vetoankündigung greife in den demokratischen Willensbildungsprozess ein – gerade deshalb dürfe die Bevölkerung als «zweiter Souverän» nicht auf eine Abstimmung verzichten, sondern solle die Sachfrage offen diskutieren und auch frei an der an der Urne entscheiden können.


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«Die Zulässigkeit der Initiative wurde aus guten Gründen verneint» Kein Abtreibungsgegner wollte sich öffentlich äussern – zu verhärtet sind die Fronten, zu persönlich die religiöse Überzeugung, zu heikel die familiäre Dimension. Die folgenden Antworten fassen zusammen, was in Gesprächen, Leserbriefen und der Analyse der Abstimmung «Hilfe statt Strafe» von 2011 an Argumenten zu hören oder lesen war. Text: Pio Schurti

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er Landtag erklärte die Initiative mit 20 zu 5 Stimmen für verfassungskonform – nach einer rein formellen Prüfung. Warum wird die Mehrheit dafür dennoch kritisiert? Weil die Prüfung nicht neutral war. Schon im Landtag berief man sich auf Artikel 27 und den «ethisch-moralischen Kompass» der Verfassung – das ist eine inhaltliche Wertung, keine Formsache. Sie fiel diesmal zugunsten der Initianten aus. Die DpL-Männer haben ihre Haltung offen vertreten, während die Mehrheit unter dem Deckmantel der Prozedur einfach zugestimmt hat. Was sprach für Sie gegen die Zulassung der Initiative im Landtag? Wenn Artikel 27 das Recht auf Leben verankert, kann eine Initiative, die dieses Recht für Ungeborene in den ersten zwölf Wochen vollständig aufhebt, nicht einfach als «formell zulässig» durchgewunken werden. Das ist keine Verfahrensfrage, sondern eine Frage der Substanz. Rechtlich beginnt eine Schwangerschaft erst mit der Einnistung. Wäre eine kürzere Fristenlösung für Sie akzeptabel – etwa bis zum Abschluss der Organbildung in der 8./9. Woche? Nein. Jede Grenze – Nidation, Organbildung, zwölf Wochen – ist letztlich willkürlich. Entweder hat ungeborenes Leben von Anfang an einen Schutzanspruch oder die Grenze müsste konsequent bis kurz vor der Geburt gezogen werden. Eine verschobene Frist löst das Grundproblem nicht, sie verschiebt es nur.

Bliebe es bei der heutigen Regelung – straffrei nur im Ausland –, wäre Ihnen das recht? Ist das nicht scheinheilig? Ganz zufrieden bin ich nicht, aber das ist keine Heuchelei, sondern ein pragmatischer Kompromiss: Das Gesetz hält am Grundsatz fest, dass ungeborenes Leben geschützt ist – auch wenn ein Kleinstaat seine Bürgerinnen nicht einsperren kann. Das ist der Unterschied zwischen einem Grundsatz und seiner Durchsetzbarkeit. Vertrauen Sie darauf, dass der Erbprinz sein angekündigtes Veto tatsächlich einlegt? Er hat es im «Vaterland»-Interview klar angekündigt, das ist für mich keine Vertrauensfrage mehr. Bemerkenswert: Sein Veto würde

heute keinen einzigen Abbruch verhindern, da dieser im Ausland ja schon straffrei ist. Es wäre ein Bekenntnis zum Lebensschutz, kein wirksames Mittel dagegen. Lieber wäre mir, wenn das Volk die Initiative ablehnt, so könnte ein Showdown zwischen den zwei Souveränen vermieden werden. Für einen Kleinstaat ist ein Kräftemessen zwischen den Souveränen Fürst und Volk existenziell bedrohlich. Die Tatsache, dass er bereits angekündigt hat, gegebenenfalls sein Veto einzulegen, zeigt mir, dass ihm seine Überzeugung so wichtig ist, dass er auch einem Kräftemessen zwischen den Souveränen in Kauf nähme. Könnten Sie sich vorstellen, sich mit Gleichgesinnten politisch zu organisieren, etwa für einen Gegenvorschlag? Ich möchte mit meiner religiösen Überzeugung nicht «hausieren gehen» und Beziehungen zu anders denkenden Verwandten nicht belasten. Einen Gegenvorschlag fände ich aber sinnvoll – etwa zur Aufhebung des Informationsverbots, ein Anliegen, dem auch der Erbprinz zustimmt. Wie wird die Abstimmung ausgehen – und wie geht es danach weiter? Selbst der Erbprinz sagt: Er weiss es nicht. 2011 scheiterte eine ähnliche Vorlage knapp, damals wegen der Spätabtreibung bei Behinderung, die heute kein Thema mehr ist. Verliere ich, setze ich aufs Veto – mit dem Risiko einer ernsten Konfrontation der Souveräne. Gewinne ich, wünsche ich mir keinen Stillstand, sondern echte Verbesserungen wie bessere Beratung.


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Menschenrechte und der Beginn des Lebens – warum Europa die entscheidende Frage offenlässt Kaum ein Thema wird so kontrovers diskutiert wie der Schwangerschaftsabbruch. Meist stehen sich zwei Positionen gegenüber: das Selbstbestimmungsrecht der Frau und der Schutz des ungeborenen Lebens. Beide Seiten vertreten gewichtige Argumente. Doch möglicherweise führen wir die Debatte an der eigentlichen Kernfrage vorbei. Text: Dr. Norbert Obermayr

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iese lautet nicht zuerst, ob eine Schwangerschaft beendet werden darf. Sie lautet vielmehr: Wann beginnt das menschliche Leben – und ab wann gelten die Menschenrechte?

Die Biologie kennt keinen Zweifel

Über den Beginn eines neuen menschlichen Organismus besteht in der modernen Embryologie Einigkeit. Mit der Verschmelzung von Ei- und Samenzelle entsteht ein neuer menschlicher Organismus. Er besitzt • eine eigene genetische Identität, • ein eigenes Entwicklungsprogramm • und entwickelt sich kontinuierlich weiter. Nicht irgendwann wird aus ihm biologisch ein Mensch – sondern er entwickelt sich als Mensch von seinem frühesten Entwicklungsstadium an. Zwischen der befruchteten Eizelle, dem Embryo, dem Fötus, dem Neugeborenen, dem Erwachsenen und dem alten Menschen bestehen enorme Entwicklungsunterschiede. Ihre biologische Identität bleibt jedoch dieselbe.

Menschenrechte müssen universell sein

Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte und die Europäische Menschenrechtskonvention beruhen auf einem fundamentalen Gedanken:

Die Würde des Menschen ist universell.

Menschenrechte sollen gerade verhindern, dass Staaten darüber entscheiden können, welche Menschen schutzwürdig sind und welche nicht. Nach den Erfahrungen des 20. Jahrhunderts entstand die Überzeugung, dass Menschenwürde und Menschenrechte dem Staat vorausgehen. Sie sollen nicht vom Alter, der Herkunft, der Religion, der Leistungsfähigkeit, der Gesundheit oder gesellschaftlichen Mehrheiten abhängen. Gerade deshalb stellt sich eine unbequeme Frage: Wenn Menschenrechte universell sind – woran knüpfen sie an? An das Menschsein? Oder an bestimmte Entwicklungsstadien?

Die offene Grundsatzfrage Europas

Der Europäische Gerichtshof für Menschen-

rechte beantwortet diese Frage bislang nicht abschliessend. Er verweist darauf, dass die Mitgliedstaaten unterschiedliche Auffassungen darüber vertreten, wann der Schutz des ungeborenen Lebens beginnt, und räumt ihnen deshalb einen weiten Beurteilungsspielraum ein. Juristisch mag diese Argumentation nachvollziehbar sein. Rechtsphilosophisch bleibt jedoch eine entscheidende Lücke. Denn das Recht auf Leben ist nicht irgendein Menschenrecht. Es ist die Voraussetzung für alle anderen Menschenrechte. Gerade deshalb erscheint es bemerkenswert, dass Europa bei der grundlegendsten aller Menschenrechtsfragen keine gemeinsame Antwort formuliert. Kann der Beginn des Lebensschutzes eine politische Wertungsfrage sein? Die Biologie beantwortet die Frage: Wann entsteht ein neuer menschlicher Organismus? Darauf gibt sie eine eindeutige Antwort.


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Dr. Norbert Obermayr

Die Rechtsordnung beantwortet hingegen eine andere Frage: Ab wann soll dieser menschliche Organismus Träger des vollen Rechts auf Leben sein? Genau an dieser Stelle trennen sich Biologie und Recht. Aber: Mit welchen «Recht» setzt sich die Rechtsordnung über die Biologie? Diese Trennung ist nicht überzeugend? Wenn objektiv feststellbar ist, wann menschliches Leben beginnt, warum soll sein rechtlicher Schutz erst später einsetzen? Warum gelten in Europa Fristen von zwölf Wochen, in anderen Staaten vierzehn oder mehr Wochen? Welches objektive Kriterium rechtfertigt diese Unterschiede? Es gibt keinen biologischen Entwicklungsschritt, der exakt nach zwölf Wochen einen grundsätzlich anderen Menschen entstehen lässt. Die Frist ist daher keine naturwissenschaftliche, sondern eine rechtspolitische, eine willkürliche Festlegung. Und das macht sie mehr als erklärungsbedürftig.

Verantwortung beginnt früher

Die gesellschaftliche Diskussion konzentriert sich überwiegend auf die Zeit nach Eintritt einer Schwangerschaft. Dabei gerät aus dem Blick, dass fast jeder Schwangerschaft ein freiwilliger Sexualakt vorausgeht. Hier beginnt Verantwortung. Jeder geschlechtsreife Mensch weiss oder muss wissen, dass Geschlechtsverkehr trotz moderner Verhütungsmethoden niemals völlig risikofrei ist. Wer sich freiwillig darauf einlässt, entscheidet sich zwar nicht für eine Schwangerschaft. Er nimmt deren Möglich-

keit jedoch – mehr oder weniger – bewusst in Kauf. Diese Verantwortung tragen Mann und Frau gleichermassen. Dennoch verschwindet der Mann nach Eintritt einer Schwangerschaft häufig nahezu vollständig aus der öffentlichen Debatte. Sie reduziert sich auf einen Konflikt zwischen dem Selbstbestimmungsrecht der Frau und dem Schutz des ungeborenen Kindes. In der gesellschaftlichen Diskussion über das Selbstbestimmungsrecht der Frau wird auch das Recht der Frau inkludiert, dass sie über ein ungeborenes Leben entscheiden darf. Dabei ist ein Embryo biologisch nicht Teil der Frau, aber in deren vollkommener Abhängigkeit. Eine verantwortungsorientierte Gesellschaft muss diese dritte Dimension der Verantwortung wieder stärker in den Mittelpunkt rücken.

Freiheit und Verantwortung gehören zusammen

Das Selbstbestimmungsrecht – allgemein, nicht nur – der Frau ist ein hohes Gut. Ebenso unbestritten ist, dass Schwangerschaft und Geburt ihren Körper unmittelbar betreffen. Gerade deshalb verdient ihre Situation besonderen Respekt und besondere Unterstützung. Doch Freiheit und Verantwortung dürfen nicht voneinander getrennt werden. Eine Gesellschaft, die Schwangerschaftsabbrüche nachhaltig reduzieren möchte, wird dies kaum allein durch Strafrecht erreichen. Ebenso wenig genügt es, ausschliesslich über Selbstbestimmung nach Eintritt einer Schwangerschaft zu sprechen.

Prävention beginnt früher. Sie beginnt mit gemeinsamer Verantwortung. Sie beginnt mit Aufklärung. Sie beginnt mit der Verantwortung des Mannes ebenso wie mit der Verantwortung der Frau.

Die eigentliche Menschenrechtsfrage

Vielleicht diskutieren wir deshalb seit Jahrzehnten über die Folgen, ohne die entscheidende Grundsatzfrage zu beantworten. Wenn Menschenrechte tatsächlich universell sind und jedem Menschen allein aufgrund seines Menschseins zukommen, dann stellt sich zwangsläufig die Frage, ob ihr Beginn von politischen Mehrheiten oder staatlichen Fristen abhängig sein darf. Oder anders formuliert: Kann das universellste aller Menschenrechte – das Recht auf Leben – zeitlich gestaffelt gelten, obwohl der Beginn menschlichen Lebens biologisch kontinuierlich verläuft? Diese Frage richtet sich nicht gegen Frauen. Sie richtet sich auch nicht gegen den Rechtsstaat. Sie richtet sich an unser gemeinsames Verständnis von Menschenwürde. Denn die Antwort darauf entscheidet letztlich darüber, ob wir den Beginn menschlicher Rechte biologisch, philosophisch oder politisch definieren wollen. Und genau darüber muss eine offene Gesellschaft ehrlich und ohne ideologische Scheuklappen diskutieren.


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Für Gott, Fürst und Vaterland – doch wie geeint ist Liechtenstein? Es ist wieder so weit. Tausende werden am Staatsfeiertag ins Städtle und auf die Schlosswiese strömen. Politiker werden in die Kameras lächeln, Hände werden geschüttelt, und gerne wird ein Selfie mit Mitgliedern des Fürstenhauses oder Bischof Elbs gemacht. Liechtenstein präsentiert sich an diesem Tag als geeintes Land. Doch ist diese Einigkeit wirklich so gross, wie die Bilder vermuten lassen? Gastbeitrag: Martin Seger, DpL-Abgeordneter

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ür Gott:

Seit der Einsetzung von Bischof Benno Elbs ist es ruhiger geworden um unsere Landeskirche. Die jahrelangen Konflikte scheinen abgeklungen. Doch voller sind die Kirchen deshalb nicht geworden. Vielleicht ist es sogar zu ruhig geworden. Gerade bei grundlegenden gesellschaftspolitischen Fragen wäre eine klare Stimme zu erwarten, etwa in der Debatte um die Fristenlösung. Immerhin nimmt die katholische Kirche in der liechtensteinischen Verfassung bis heute eine besondere Stellung ein. Umso bemerkenswerter ist, wie weit sich die politische Argumentation inzwischen von diesem Fundament entfernt hat. Wenn Regierungschefin Brigitte Haas die Fristenlösung mit dem Argument für verfassungskonform hält, die Verfassung definiere nicht,

wann menschliches Leben beginne, dann zeigt dies einen tiefgreifenden Wandel. Man kann diese Haltung teilen oder ablehnen. Aber man sollte ehrlich aussprechen: Zwischen dem verfassungsmässigen Bekenntnis zur katholischen Kirche und der politischen Wirklichkeit ist eine beträchtliche Distanz entstanden.

Für den Fürsten:

Auch dort sind die Risse kaum zu übersehen. Die Gräben zwischen dem Fürstenhaus und Teilen der Bevölkerung dürften seit vielen Jahren nicht mehr so sichtbar gewesen sein wie heute. In den sozialen Medien wird offen über die Zukunft der Monarchie debattiert. Die Junge Liste formuliert ihre Haltung unmissverständlich: «Die Junge Liste hat keine Gelegenheit ausgelassen, die Monarchie in Liechtenstein zu kritisieren. Es ist deshalb nicht überraschend, dass wir sie als

Staatsform ablehnen.» Kritik an der jetzigen Staatsform zu üben, ist durch das demokratische Recht der freien Meinungsäusserung gedeckt. Gleichzeitig muss man aber die Frage stellen, wohin sich unser Staatswesen langfristig entwickeln soll. Die Forderungen der Freien Liste nach dem Wahlalter 16 und einem Ausländerstimmrecht würden die politische Landschaft und unser Land nachhaltig verändern. Gleichzeitig wächst infolge der liberalen Einbürgerungspolitik und durch das Recht auf Familiennachzug eine Bevölkerung heran, deren persönliche Bindung an die liechtensteinische Geschichte naturgemäss unterschiedlich stark ausgeprägt ist. Wer die Rheinüberschwemmungen, die wirtschaftliche Not früherer Generationen, die Zeit des Zweiten Weltkriegs und das besondere Verhältnis zwischen Volk und

Fürstenhaus in jenen schwierigen Jahren nur aus Geschichtsbüchern kennt, hat ziemlich sicher einen anderen Blick auf unsere Staatsform als Familien, in denen diese Erinnerungen über Generationen weitergegeben wurden. Das ist zunächst weder gut noch schlecht. Es ist aber eine Realität, über die gesprochen werden muss, wenn wir ernsthaft darüber diskutieren wollen, was Liechtenstein im Innersten zusammenhält.

Für das Vaterland:

Seit 1990 ist die Einwohnerzahl Liechtensteins um rund 40 Prozent gewachsen dies zu einem erheblichen Teil durch Zuzug. Dieses Wachstum, Fachkräfte und die wirtschaftliche Dynamik in unserem Land halfen, unsere Wirtschaftsleistung ständig zu steigern. Es hat aber auch einen Preis: Junge, gut ausgebildete Liechtensteiner, sind in der Wirtschaft und


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Verwaltung wenig gefragt und wandern oft in die Schweiz ab, obwohl wir viel Geld für deren Ausbildung ausgegeben haben. Traditionen verlieren an Selbstverständlichkeit, Identität wird diffuser, und manche Bürgerinnen und Bürger fragen sich, ob sie im eigenen Land kulturell noch tonangebend sind. In zahlreichen Schulklassen wird sichtbar, wie grundlegend sich unsere Gesellschaft innerhalb kurzer Zeit verändert hat.

Gegensätze werden immer deutlicher

Gleichzeitig treten gesellschaftliche Gegensätze immer deutlicher hervor. Auf der einen Seite finden Pride-Veranstaltungen statt, bei denen mitunter sehr freizügig aufgetreten wird. Auf der anderen Seite leben religiöse Gruppen in unserem Land, die eine strikte Trennung zwischen Männern und Frauen vertreten. Dazwischen steht eine Gesellschaft, die zunehmend Mühe hat, überhaupt noch zu definieren, welche gemeinsamen Werte für alle gelten sollen. Vielfalt allein

schafft noch keinen Zusammenhalt. Sie kann eine Gesellschaft bereichern aber nur dann, wenn ein gemeinsames Fundament bestehen bleibt. Besonders problematisch ist, dass selbst der Staat trotz des enormen Wachstums strukturell und wirtschaftlich nicht so unangreifbar dasteht, wie es der Wohlstand vermuten lässt. Ohne den historischen Glücksfall der Landesbank und die daraus über Jahrzehnte entstandenen Milliardenerträge, wäre die finanzielle Bilanz Liechtensteins wohl ein Sanierungsfall. Vieles, was unsere Gesellschaft heute zusammenhält, wird durch Geld ermöglicht: grosszügige Sozialleistungen, Prämienverbilligungen bei den Krankenkassenprämien, Wohnbeihilfen und das grosszügige Zupflastern politischer Begehrlichkeiten. Doch was geschieht, wenn dieser finanzielle Spielraum eines Tages kleiner wird oder sogar wegfällt? Dieser Tag wird kommen, wenn wir

auf Dauer so weiterwirtschaften. Nicht in einer Wahlperiode, vielleicht auch nicht in zwei oder drei. Aber unsere Kinder werden die Folgen zu spüren bekommen. Ein Staat kann gesellschaftliche Spannungen lange mit Geld abfedern. Er kann Interessensgruppen bedienen, Konflikte durch Förderungen entschärfen und strukturelle Probleme mit zusätzlichen Ausgaben überdecken. Doch Geld ersetzt auf Dauer weder Identität noch Zusammenhalt noch eine gemeinsame Vorstellung davon, wohin sich ein Land entwickeln soll.

Unsere Stärke liegt in unserer Eigenständigkeit, zu starke Angleichung an Europa ist falsch

Gerade am Staatsfeiertag sollten wir deshalb nicht nur feiern. Wir sollten uns fragen, woher wir kommen und wohin wir dieses Land führen wollen. Die von den bisherigen Regierungen und auch der jetzigen vorgegebene Richtung einer immer stärkeren politischen und gesellschaftlichen Angleichung

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an Europa halte ich für falsch. Liechtenstein muss nicht werden wie alle anderen. Unsere Stärke lag immer in unserer Eigenständigkeit, unserer Geschichte, unserer besonderen Staatsform und einer Gemeinschaft, die wusste, was sie verbindet. Ein Kleinstaat kann langfristig nur bestehen, wenn er sich seiner Besonderheiten bewusst bleibt. Wenn er seine Geschichte nicht als Belastung betrachtet, seine Traditionen nicht aus Angst vor dem Zeitgeist relativiert und seine Eigenständigkeit nicht Schritt für Schritt gegen internationale Anpassung eintauscht. Offenheit und wirtschaftliche Vernetzung sind notwendig. Aber Offenheit darf nicht mit Selbstaufgabe verwechselt werden. Es braucht wieder eine Besinnung auf das Wesentliche, auf das, was dieses Land erfolgreich gemacht hat: Für Gott, Fürst und Vaterland – und im Zweifel für das liechtensteinische Volk.


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Das Potenzial der Zeitgeschichte Gerade die jüngere politische Geschichte Liechtensteins verfügt noch über einige Forschungslücken. Aber ist das überhaupt schon Geschichte? Gastkommentar: Cornelius Goop, Historiker am Liechtenstein-Institut

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istorikerinnen und Historiker werden gerne gefragt, wann denn eigentlich die Geschichte endet. Ist ein Ereignis, das gestern passiert ist, schon relevant für die Geschichtsforschung oder muss es ein Jahr, zehn Jahre, vielleicht 30 Jahre zurückliegen? Die Antwort lautet dann meist, dass sich diese Frage so nicht beantworten lässt, weil sie eigentlich falsch gestellt ist. Denn die Relevanz eines Gegenstands für die historische Forschung ergibt sich nicht allein daraus, dass oder wie weit er in der Vergangenheit liegt. Entscheidend ist die Fragestellung: Sie ordnet Ereignisse der Vergangenheit in einen historischen Kontext ein, macht sie zum Teil einer längeren (oft erst im Nachhinein sichtbaren) Entwicklung oder leistet durch das Hinterfragen alter Erzählungen einen Beitrag zur kritischen Selbstvergewisserung. Der französische Historiker Marc Bloch (1886–1944) erinnerte sich einmal an einen betagten Gymnasiallehrer zurück, der ihm in jungen Jahren gesagt habe: «Das Geschehen seit 1830 ist nicht mehr Geschichte, das ist Politik.» Bloch fügte hinzu, dass man inzwischen wohl nicht mehr von «Politik», sondern achtungsvoll von «Soziologie» (heute vermutlich auch Politologie), oder gar von «Journalismus» sprechen würde. Letztlich geht es aber um die Ansicht, entweder fehle es bei zeitlich nahen Ereignissen an historischer Distanz oder diese Zeit sei anderen Disziplinen vorbehalten. Was zeitlich «nah» ist, scheint aber sowieso relativ zu sein.

Forschungsarbeiten verfasst worden oder werden verfasst: beispielsweise zur Wirtschafts-, Migrations- oder Sozialgeschichte, zur Geschichte des Bürgerrechts, der Frauen(stimm)rechtsbewegung oder zu den Auswirkungen der 68er-Bewegung. Gerade was manche nationalen und internationalen politischen Zusammenhänge angeht, gibt es zur liechtensteinischen Geschichte nach 1945 aber noch einige Lücken. Wer sich beispielsweise über die politische Stimmung oder so manche politischen Ereignisse der 1950er-Jahre in Liechtenstein informieren will, wird nur auf wenig Literatur stossen. Welche Rolle spielte der Kalte Krieg? Warum entstanden und verschwanden Parteien? Welche politische Bedeutung hatte das Gesellschaftswesen? Es lohnt sich, auch an diese Fragen mit den Methoden der Geschichtswissenschaft heranzugehen. Denn schon 1830, wie Marc Blochs Gymnasiallehrer das sah, sollte man die Geschichte nicht enden lassen.

All diese Überlegungen berühren die historische Teildisziplin, die man im Deutschen als «Zeitgeschichte» bezeichnet. Aber was ist überhaupt Zeitgeschichte? Nach einer klassischen Definition handelt es sich um «die Epoche der Mitlebenden und ihre wissenschaftliche Behandlung» (Hans Rothfels) – und dies verstanden nicht nur in einem generationellen (also drei bis vier Generationen zurückreichenden) Sinn, sondern auch was die zurückreichende Erfahrung angeht. Es geht also um eine sich stets verschiebende Epoche. Während noch vor nicht allzu langer Zeit die Jahre ab dem Ersten Weltkrieg selbstverständlich zur Zeitgeschichte gezählt wurden, rücken inzwischen sogar die Krisen- und Weltkriegsjahre der 1930er und 1940er langsam aus diesem Epochenfokus hinaus: Dann wäre Zeitgeschichte vor allem die Zeit ab 1945/50. Zeitgeschichte hat ausserdem methodische Herausforderungen: von der Überfülle an Quellenmaterial über die Hindernisse der Archivschutzfristen bis hin zum ambivalenten Potenzial von Zeitzeugeninterviews. Zur (Zeit-)Geschichte Liechtensteins sind über die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts umfassende und wegweisende Werke erschienen. Auch zur Geschichte nach 1945 sind bereits zahlreiche historische

Regierungschef Alfred Hilbe bei einer Rede vor der KSZE in Helsinki am 5. Juli 1973. Ein klassisches Thema der Zeitgeschichte? Quelle: Liechtensteinisches Landesarchiv, B 253/2/003/014


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«Wir nehmen uns gerne Zeit für die Anliegen der Bevölkerung» Gamprin wächst in vielerlei Hinsicht – sowohl in Bezug auf die Reserven als auch auf den Wirtschaftsstandort, gewissermassen sogar in Bezug auf die Gemeindefläche – und entwickelt sich auch sonst ganz nach Plan. Gemeindevorsteher Johannes Hasler gibt einen Einblick in das Erfolgsgeheimnis. Interview: Heribert Beck

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err Gemeindevorsteher, vor der Sommerpause konnten Sie die Gampriner Gemeinderechnung für das Jahr 2025 publizieren und komfortable Zahlen verkünden. Wie beurteilen Sie die Finanzlage und wofür schafft die Gemeinde ihre Reserven?

Gemeindevorsteher Johannes Hasler: Wir freuen uns sehr über den grossartigen Jahresabschluss mit einem Gewinn in der Erfolgsrechnung von 5,7 Millionen Franken. Er resultiert einerseits aus Einnahmen, die

höher ausgefallen sind, als wir es uns erwartet hätten, andererseits haben wir aber auch die Ausgaben bestens im Griff. Die Kombination aus beiden Faktoren sorgt für dieses für Gamprin sehr erfreuliche Ergebnis. Erfreulich war aus dem finanziellen Blickwinkel aber nicht nur das Jahr 2025. Wenn wir auf die vergangenen zwölf Jahre zurückblicken, zeigt sich, dass wir unser Eigenkapital von 43 auf 112 Millionen Franken erhöhen konnten. Der Hauptgrund dafür ist sicher, dass wir durch unsere aktive Standortpolitik grossartige Unternehmen anziehen konnten, die sich in unserer Gemeinde ausserordentlich wohl fühlen. Der Grossteil


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unserer Reserven steckt dabei in Liegenschaften. Bei einer Bank würde das Geld vielleicht eine Rendite abwerfen. Aber Liegenschaften, Grund und Boden, geben uns als Gemeinde den Handlungsspielraum für eine aktive Raumplanung, und dies ist auf lange Sicht viel entscheidender. Eine solche Raumplanung hat die Gemeinde schon unter Donath Oehri betrieben, und der Erfolg gibt uns recht, wie die Zahlen zeigen. So ist Gamprin Gebergemeinde im Rahmen des horizontalen Finanzausgleichs – wenn auch klar nicht im selben Ausmass wie die beiden finanziellen Schwergewichte Vaduz und Schaan. Wenn Sie von aktiver Raumplanung sprechen, meinen Sie sicher auch das Projekt Unterbendern. Wie hat es sich inzwischen entwickelt und wie geht es mittelfristig weiter?

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Kommen wir zur Gampriner Exklave: Die Alpe Rauz ist seit über 100 Jahren im Besitz der Gemeinde und übertrifft sie mit ihren rund sieben Quadratkilometern sogar an Fläche. Inzwischen ist sie noch etwas grösser geworden. Was ist der Hintergrund? Wir hatten die einmalige Gelegenheit, ein direkt anstossendes Grundstück in der Nähe der Alphütte zu erwerben. Für 58‘000 Quadratmeter haben wir 50‘000 Euro bezahlt. Es handelt sich damit um den grössten einzelnen Bodenerwerb von Gamprin seit dem Kauf der Alpe im Jahr 1914, und es geht um Flächen, die ohnehin seit Jahrzehnten durch unseren Alpbetrieb in Pacht bewirtschaftet worden sind. Durch den Kauf konnten wir die Bewirtschaftung stärken und für die Zukunft sichern.

Wir haben im ersten Halbjahr 2026 zwei künftige Baufelder genauer unter die Lupe genommen und den Masterplan in diesem Bereich weiterentwickelt. Unterstützt haben uns Expertenbüros aus Wien und Zürich – bewusst gewählt aus dem Osten und dem Westen. Bei dieser Konkretisierung ging es darum, sagen zu können, was auf diesen Baufeldern baulich konkret möglich ist, wie sie aufgeteilt und erschlossen werden können. Für potenzielle Investoren ist das selbstverständlich ein ganz entscheidender Aspekt. Derzeit ist der Synthesebericht in Arbeit, der diese Phase der Testplanung abschliesst.

Die Rauz war für die Gemeinde in der jüngeren Vergangenheit nicht nur als Viehalp von Bedeutung, sondern auch aufgrund der potenziellen Windkraftnutzung. Was gibt es diesbezüglich Neues?

Um die künftige Entwicklung des Areals teilweise zu visualisieren, haben wir uns übrigens für eine besondere Massnahme entschieden. Über Bepflanzungen mit Bäumen und Blumen machen wir sichtbar, wo sich Strassen und Baufelder befinden werden. Vom Kirchhügel aus sollte das bald ein einzigartiges Bild ergeben – immer vorausgesetzt, die Trockenheit macht uns keinen Strich durch die Rechnung.

Neben den Abklärungen zur Windkraftnutzung hat Gamprin auch in Sachen Künstlicher Intelligenz eine Vorreiterrolle in Liechtenstein eingenommen. Wie setzen Sie die KI mittlerweile ein und was bedeutet dies für den Kontakt zur Bevölkerung?

Der 80 Meter hohe Messmast, den wir zusammen mit den Illwerken VKW ein Jahr lang in Betrieb hatten, ist Ende Juli abgebaut worden. Nun warten wir auf die Auswertung der Ergebnisse. Auf deren Basis werden wir dann über allfällige nächste Schritte entscheiden.

Wir haben uns 2024 erstmals intensiver mit KI befasst. Vergangenes


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Die Kooperation über die Gemeindegrenzen mit Ruggell und Schellenberg hat bereits eine lange Geschichte. Im Forstbereich arbeiten wir seit Jahrzehnten zusammen. Eine gemeinsame Seniorenkoordination haben wir seit März 2022. Jahr dann hatten alle Mitarbeitenden mit Büroarbeitsplatz Schulungen, um ihnen aufzuzeigen, welche Anwendungen sie auf welche Weise unterstützen können. Damit hatten sie die Chance, ihre persönlichen Fähigkeiten für ein neues Zeitalter weiterzuentwickeln, und sie haben diese Chance gerne genutzt. Mit unserer Gemeinde-KI verfügen sie über einen intelligenten Assistenten, der ihnen dabei hilft, Aufgaben schneller und effizienter zu erledigen. So ist die KI mittlerweile ein fester Bestandteil unserer internen Arbeit geworden, und wir haben ein stabiles Fundament geschaffen. Wir machen uns allerdings auch nichts vor: Die Entwicklung geht rasant weiter. Wir werden sie im Auge behalten und uns weiter anpassen. Was mir aber besonders wichtig ist: Mit den Einwohnerinnen und Einwohnern kommunizieren wir nicht über KI. Wir haben aber durch effizientere interne Prozesse Zeit für die Bevölkerung und ihre Anliegen und nehmen sie uns gerne.

Nun sind wir überzeugt, dass wir mit der neuen Sportkoordination ähnliches erreichen können. Denn nicht alle Gemeinden brauchen die gleiche Sport- und Freizeitinfrastruktur. Johannes Hasler Gemeindevorsteher vom Gamprin

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Austausch auf dem Sofa: Kommenden Mittwoch bietet Gemeindevorsteher Johannes Hasler nochmals die Gelegenheit zu Gesprächen in ungezwungener Atmosphäre.

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Gamprin-Bendern im fokus

Gamprin hat seine Geschichte in den vergangenen fünf Jahren intensiv aufgearbeitet. Neben unzähligen Daten zu den einzelnen Bürgerinnen und Bürgern haben dabei auch Fotos, wie diese Klassenaufnahme von 1947, eine wichtige Rolle gespielt.

Die Einwohnerinnen und Einwohner – oder besser gesagt die Bürgerinnen und Bürger – sind ein gutes Stichwort. Gamprin konnte seine Arbeiten an der Ahnenforschungsdatenbank familienchronik.li kürzlich abschliessen. Zumindest, was die Vergangenheit betrifft. Nun gilt es die Daten einfach noch aktuell zu halten. Welche Bedeutung hatte das Projekt für Sie? Wir haben im Hintergrund fünf Jahre lang intensiv Daten erhoben und uns dazu externe Unterstützung erfahrener Ahnenforscherinnen geholt. Heute sind wir in Sachen Datenqualität sehr gut aufgestellt. Dafür gilt diesen Expertinnen und Alfred Hasler, dem früheren Vorsitzenden der Kulturkommission, die sich alle mit viel Herzblut für das Projekt eingesetzt haben, mein herzlicher Dank. Für uns war es auch von Anfang

an klar, dass wir uns an der gemeindeübergreifenden Plattform familienchronik.li beteiligen, denn das schafft einen wirklichen Mehrwert. Folglich gehörte Gamprin zu den Gründungsmitgliedern des Vereins Familienchronik Liechtensteiner Gemeinden. Nun hoffe ich, dass sich die drei Gemeinden, die dem Verein noch nicht angeschlossen sind und deren Bürgerinnen und Bürger auf der Plattform nicht verzeichnet sind, ebenfalls für eine Mitgliedschaft entscheiden, um den Mehrwert der Datenbank nochmals zu steigern. Gamprin ist auch bekannt für seine grenzüberschreitende Kooperation mit Ruggell und Schellenberg. Neu haben diese drei Dörfer gemeinsam einen Sportkoordinator angestellt. Was sind die Hintergründe und wie ist sein Aufgabenbereich definiert?

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Auf der Grossabünt ist immer etwas los – beispielsweise beim Daydance.

Durchdachte Bepflanzungen lassen erahnen, wie Unterbendern einst aussehen wird.

Die angesprochene interkommunale Zusammenarbeit hat bereits eine lange Geschichte. Unter anderem im Forstbereich arbeiten wir seit Jahrzehnten zusammen. Eine gemeinsame Seniorenkoordination haben wir seit März 2022. Das hat sich beides sehr bewährt. Nun sind wir überzeugt, dass wir im sportlichen Bereich ähnliches erreichen können, indem wir unsere Angebote zwischen den Gemeinden und mit den Vereinen abstimmen. Es ist ohnehin schon so, dass zum Beispiel der FC Ruggell der Fussballclub für Ruggell, Gamprin und Schellenberg ist. Gleiches gilt für den Skiclub Gamprin. Auch unser samstägliches Sportprogramm auf der Freizeitanlage Grossabünt ist für jeden offen, und alle sind willkommen. Das, und was überhaupt angeboten wird, wollen wir künftig noch stärker zeigen, indem wir beispielsweise gemeinsam und mit einem Logo mit hohem Wiedererkennungswert

auftreten. Denn nicht alle Gemeinden brauchen die gleiche Sport- und Freizeitinfrastruktur, wenn sie zusammenarbeiten. Unser auf zwei Jahre befristet angestellter Sportkoordinator hat in den vergangenen Monaten viele Gespräche mit den unterschiedlichsten Akteuren wie Vereinen und Kommissionen geführt, um den Stand zu erheben. Nun schauen wir drei Vorsteher uns das Ergebnis an und entscheiden zusammen mit dem Sportkoordinator über das weitere konkrete Vorgehen.

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Die Grossabünt, auf der insbesondere im Sommer viel los ist, haben sie bereits kurz angesprochen. Wie haben Sie die bisherige Saison erlebt? Bei warmem Wetter – und das hatten wir in diesem Jahr ja oft – ist die Grossabünt «the place to be», wie man auf Neudeutsch so schön sagt.

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Die gemeinsame Sportkoordination schweisst Gamprin, Ruggell und Schellenberg noch näher zusammen. Das Bild zeigt die Vorsteher der drei Gemeinden, Dietmar Lampert (l.), Johannes Hasler (2. v. l.) und Christian Öhri (4. v. l.) zusammen mit Sportminister Hubert Büchel (Mitte) und Jürgen Tömördy von der Stabsstelle für Sport.

Besonders beliebt waren neben den sportlichen Samstagen die kulturell geprägten Mittwochstreffs, das Landesfeuerwehrfest sowie der Daydance. Ausserdem habe ich diese Woche wieder auf dem Sofa platzgenommen und mich mit den Einwohnerinnen und Einwohnern zu allem ausgetauscht, was sie bewegt. Dieses 2025 ins Leben gerufene Format hat eine neue Möglichkeit des direkten Austauschs in persönlicher Atmosphäre geschaffen, die immer wieder gerne genutzt wird. Nächste Woche besteht nochmals die Gelegenheit. In den kommenden Wochen hat Ihre Gemeinde eine doppelte Möglichkeit, der Öffentlichkeit ihre vielfältigen Errungenschaften zu präsentieren: Gamprin ist Gastgemeinde am Staatsfeiertag und an der LIHGA. Was erwartet die Gäste?

Am 15. August werden wir den Peter-Kaiser-Platz in Vaduz mit sechs Vereinen beleben. Sie sorgen für ein spezielles kulinarisches Angebot, wobei unser Alpe-Rauz-Chalet und unsere Grossabünt-Oase sicher besonders hervorstechen. Freuen dürfen sich die Gäste auch auf ein reichhaltiges musikalisches Programm. An der LIHGA sind es 30 Unternehmen aus Gamprin und Bendern, die zusammen mit der Gemeinde den grössten Gastauftritt auf die Beine stellen, den die Messe bisher erlebt hat. Die Besucherinnen und Besucher dürfen sich dort von den Dienstleistungen und Produkte aus unserer Gemeinde überzeugen. Das Liechtenstein-Institut mit Sitz in Bendern hat ausserdem eine Zeitreise erarbeitet, die alle Interessierten zu den wichtigsten Meilensteinen in der Geschichte von Gamprin und Bendern und in ihrer ökonomischen Entwicklung mitnimmt. Enden wird diese Zeitreise in der Zukunft mit

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Im Juni war die Gampriner Feuerwehr die Gastgeberin des Landesfeuerwehrtags.

dem Projekt Unterbendern und seinem Wert für Gemeinde und Wirtschaft. Für das leibliche Wohl zum geselligen Austausch im Gampriner Zelt sorgt das «Rhistaurant». Der Auftritt ist bestens durchdacht, und ich bin mir sicher, dass er ein voller Erfolg wird. Fast zum Schluss noch eine Frage an den Präsidenten der Wasserversorgung Liechtensteiner Unterland, kurz WLU: Die Gebührenerhöhung, die Sie vor einigen Monaten verkündet haben, ist nicht überall auf Begeisterung gestossen. Das war bei einer Erhöhung auch nicht anders zu erwarten. Warum haben sich die Verbandsgemeinden dennoch zu diesem Schritt entschieden? Das Gewässerschutzgesetz aus dem Jahr 2023 besagt, dass für Trink- und

Abwasser kosten- und verursachergerechte Gebühren zu erheben sind. Das ist beim Wasser und insbesondere beim Abwasser aber bei Weitem nicht der Fall. Daher war allen fünf Unterländer Gemeinderäten klar, dass sie die Sache angehen müssen, um dem Gesetz gerecht zu werden – und persönlich frage ich mich, warum die Regierung als Aufsichtsbehörde in dieser Angelegenheit nicht schon längst tätig geworden ist. Nun ganz zum Schluss die persönliche Frage: Wo haben Sie im Sommer neue Energie für die zweite Jahreshälfte gesammelt? Ich war mit meiner Frau Daniela in der Bretagne und habe, wie immer, recht aktive Ferien verbracht. Bei interessanten Aktivitäten und spannenden Entdeckungen kann ich am besten abschalten.

Mit Unterstützung von zwei Expertenbüros hat die Gemeinde intensiv an der Zukunft von Unterbendern gearbeitet.


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«Ich würde das Rentenalter für nicht körperliche Berufe an die Lebenserwartung koppeln.» Laurin Specht aus Ruggell ist 19 Jahre jung und im zweiten Semester seines Betriebswirtschaftsstudiums an der Universität St. Gallen. Sehr erlebnisreich für ihn war das soeben absolvierte M&A-Praktikum in Hong Kong. Laurin interessiert sich sehr für gesellschaftspolitische Themen und setzt sich mit Zukunftsfragen, welche die Jugend bewegen und besonders betroffen machen, intensiv auseinander. So ist er seit 2024 bei der jungen FBP (seit 2025 im Vorstand) und Jugenddelegierter für Liechtenstein beim Europarat. Ein Gespräch mit dem jungen Ruggeller ist sehr spannend, vielseitig und inspirierend. Interview: Johannes Kaiser


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Fotos: Michael Zanghellini

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Johannes Kaiser im Gespräch mit Laurin Specht (19).

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richtung?

aurin, du bist im zweiten Semester des Betriebswirtschaftsstudiums an der Universität St. Gallen. Was fasziniert dich an dieser Studien-

Laurin Specht: Wirtschaftliche Zusammenhänge, Unternehmen und Makroökonomie haben mich von klein auf interessiert, besonders strategisches Denken, Innovation und Start-ups. Gerade heute, da es durch den technologischen Wandel und die Künstliche Intelligenz viel einfacher ist, zu gründen, und das ohne grosse Ressourcen oder Fachwissen. Die HSG lag für mich auf der Hand, weil dort ein Umfeld geschaffen wird, das einen fordert, sich stetig weiterzuentwickeln. Worin siehst du als junger Student die wirtschaftlichen Herausforderungen für Liechtenstein? Liechtenstein hat über Jahrzehnte eine einzigartige Grundlage für Wachstum geschaffen, die es fortzuführen gilt. Trotzdem haben auch wir Herausforderungen zu bewältigen. Die bürokratischen Hürden sind gerade für KMU und Start-ups enorm schädlich und lenken die Unternehmen von ihrem Kernzweck ab. Diesbezüglich braucht es viel effizientere staatliche Unterstützung. Dazu kommen der demografische Wandel und die KI-Disruption. Dabei darf Liechtenstein nicht zurückfallen, sondern muss durch die richtigen Partnerschaften zur echten Hilfe für den Standort werden.

Welche gesellschaftspolitischen Themen beschäftigen dich als jungen Erwachsenen? Mir liegt enorm viel daran, dass wir wieder eine verbindende und fortschrittliche Gesellschaft werden. Es braucht von allen Gruppen mehr Engagement, um die Bevölkerung und die Unternehmen wieder in den Fokus zu rücken. Eine Gesellschaft auf unserem Standard muss auch in schwierigen Zeiten zusammenhalten. Man sehe sich Singapur unter Lee Kuan Yew an, das auch deshalb heute auf diesem Level ist, weil es in den Anfangsjahren durch eine vereinte Bevölkerung gewachsen ist. Du bist auch bei der jungen FBP sehr engagiert. Welches sind für dich die zentralen Anliegen, die ihr im Kreise der Jugendlichen besprecht und die euch bewegen?

up-Förderung, weil junge Unternehmen für unser Wachstum entscheidend sind, gerade weil Venture Capital bei uns begrenzt ist. Zweitens mehr Monitoring der Politik, damit die Bevölkerung transparent erfährt, welche Massnahmen aus welchen Gründen getroffen werden, und wieder spürt, dass die Politik für sie arbeitet. Und drittens würde ich das Rentenalter für nicht körperliche Berufe an die Lebenserwartung koppeln, wie es OECD und IWF empfehlen. Für mich ist das eine Frage der Generationengerechtigkeit, damit die AHV auch für die, die nach uns kommen, sicher und Liechtenstein attraktiv bleibt. Zurück zur Privatperson Laurin. Was machst du in der Freizeit?

Wenn du einen Tag auf dem Sessel der Regierungschefin sitzen dürftest, welche drei Dekrete würdest du initiieren und unterzeichnen?

In meiner Freizeit findet man mich meist auf dem Tennis- oder Golfplatz, ab und zu bei einer neuen Sportart und im Winter oft auf der Skipiste. Auch an der Uni bin ich gerne, weil die Studentenvereine enorme Möglichkeiten eröffnen, und zum Ausgleich setze ich mich gerne ans Klavier. Sonst geniesse ich die Zeit mit meiner Freundin und meinen Freunden, reise und lese gerne. Diesen Sommer durfte ich ausserdem ein spannendes M&APraktikum in Hong Kong machen, so eine faszinierende Kultur mit ganz neuen Sichtweisen kennenlernen und durfte auch den einen oder anderen Ort bereisen.

Das wäre natürlich eine enorme Chance. Zuerst eine echte Innovations- und Start-

Danke, Laurin, für dieses sehr interessante und sympathische Gespräch.

Mich und uns bewegen vor allem die demografische Entwicklung, die geopolitische Lage und die unsicheren Zukunftsaussichten, andererseits aber auch die Polarisierung der Gesellschaft, der viele Jugendliche kritisch gegenüberstehen.


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«Das Ziel soll den Weg vorgeben, nicht umgekehrt» Lehre oder Matura? Die Frage beschäftigt Jugendliche und Eltern gleicher­massen. Werner Kranz, Leiter des Amts für Berufsbildung und Berufsberatung, erklärt, w ­ eshalb beide Bildungswege in Liechtenstein gute Perspektiven bieten und warum das Handwerk nach wie vor den sprichwörtlichen goldenen Boden hat. Text: Heribert Beck

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m 1. August hat in Liechtenstein für 352 Lernende ihre Berufsausbildung begonnen. Zuvor haben sie mit der Berufswahl eine der wichtigsten Entscheidungen im Leben junger Menschen getroffen. Die weitaus meisten haben sich für eine Ausbildung zum Kaufmann beziehungsweise zum Kaufmann entschieden. Doch die folgenden Plätze (siehe Tabelle) zeigen, dass auch Pflege und Handwerk guten Zulauf haben. Insgesamt zeigen die Zahlen den nach

wie vor hohen Stellenwert der dualen Bildung, wie auch Werner Kranz, der Leiter des Amts für Berufsbildung und Berufsberatung (ABB), betont. Er sagt: «Die Schulabgängerzahlen auf der Sekundarstufe I, also aus Ober- und Realschulen, 10. Schuljahr und der Privatschule Formation sowie der Waldorfschule, haben leicht abgenommen. Das Ausbildungsangebot der heimischen Wirtschaft im Bereich der Berufslehre ist mit rund 400 Ausbildungsplätzen pro Jahr aber konstant geblieben.»


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Werner Kranz, Leiter des Amts für Berufsbildung und Berufsberatung

Innerhalb dieses Angebots hätten sich jedoch Verschiebungen ergeben. Besonders das Gewerbe und der Gesundheitsbereich haben ihr Ausbildungsangebot ausgebaut. Im Gewerbe stieg die Zahl der Lehrstellen in den vergangenen zehn Jahren um rund 4 Prozent, im Gesundheitsbereich um 2 Prozent. In Industrie, Banken und Treuhand blieb es hingegen weitgehend konstant. Für Werner Kranz bedeutet dies: «Heute zeigt sich eher eine Differenzierung. Während klassische Bürolehrberufe vielleicht nicht mehr automatisch attraktiver sind, gewinnen technische und spezialisierte Handwerksberufe zunehmend an Wertschätzung und Arbeitsmarktbedeutung. Die Vorstellung, dass das Handwerk generell an Bedeutung verliert, wird häufig dramatischer dargestellt als es die tatsächliche Entwicklung rechtfertigt.»

Erfolgsmodell dank Durchlässigkeit und Dualität

Auch die häufig geäusserte Vermutung, der Trend gehe immer stärker weg von der Berufslehre und hin zur gymnasialen Ausbildung, relativiert Werner Kranz. Das liechtensteinische Bildungssystem sei bewusst so aufgebaut, dass verschiedene Bildungswege offenstehen und sich gegenseitig ergänzen. «Sie stehen nicht im Wettbewerb, sondern sind als Ergänzung anzusehen, denn beide Wege führen zum Ziel – zum Einstieg in die Berufswelt.» Entscheidend sei die hohe Durchlässigkeit des Bildungssystems. Wer sich zunächst für eine Berufslehre entscheide, könne sich später ebenso weiterqualifizieren wie Absolventinnen und Absolventen einer gymnasialen Ausbildung. Dass dieses Modell funktioniert, zeigen gemäss Werner Kranz auch die Zahlen. Rund 70 Prozent der Abschlüsse entfallen auf die berufliche Grundbildung, etwa 30 Prozent auf die gymnasiale Maturität. Dank der vielfältigen Weiterbildungsmöglichkeiten lag die gesamte Maturitätsquote im Jahr 2022 dennoch bei rund 45 Prozent. Für den Amtsleiter sind diese Werte Ausdruck einer breiten gesellschaftlichen Akzeptanz beider Bildungswege. Während in vielen europäischen Ländern derzeit grosse Anstrengungen unternommen würden, das duale Berufsbildungssystem überhaupt erst aufzubauen, verfüge Liechtenstein gemeinsam mit seinen Nachbarländern seit Jahrzehnten über ein anerkanntes Erfolgsmodell. Auch auf dem Lehrstellenmarkt zeigt sich eine positive Entwicklung. Anders als vielfach vermutet, ist die Zahl der unbesetzten Ausbildungsplätze in den vergangenen Jahren zurückgegangen. Angebot und Nachfrage hätten sich zunehmend angenähert, sodass heute mehr Lehrstellen erfolgreich besetzt werden könnten.

Alle Wege bieten gute Berufschancen

Eine wichtige Rolle bei der Berufswahl spielen naturgemäss die Eltern. Bereits nach der fünften Primarschulklasse wechseln rund 30 Prozent der

Datenquelle: ABB

Schülerinnen und Schüler ans Gymnasium. Der eigentliche Entscheid zwischen Berufslehre und weiterführender Schule fällt jedoch meist erst im Alter von rund 16 Jahren. Werner Kranz beobachtet dabei keine eindeutige Bevorzugung eines bestimmten Bildungswegs. Sowohl die gymnasiale Ausbildung als auch die Berufslehre genössen in Liechtenstein einen hohen Stellenwert. Gerade die Durchlässigkeit des Bildungssystems ermögliche es jungen Menschen, ihr persönliches Bildungsziel auf unterschiedlichen Wegen zu erreichen. Auch bei den späteren Berufschancen sieht Werner Kranz keinen Bildungsweg im V ­ orteil. «Wer eine Berufsbildung absolviert, verdient mehr als Ungelernte, unterliegt einem kleineren Risiko arbeitslos zu werden, bewältigt den Strukturwandel in Zeiten der Globalisierung vermeintlich einfacher und hat die Möglichkeit, mit Weiterbildung berufliche Karriere zu machen, da eine berufliche Grundbildung ein anschliessendes Studium nicht ausschliesst. Wer ein Studium absolviert, hat im Anschluss zahlreiche Karriereoptionen, hat gute Karriere- und Aufstiegschancen und sicherlich gute Verdienstmöglichkeiten.» Dies und die Tatsache, dass ein Studium oftmals im Ausland absolviert wird, führe zu einer gewissen Selbstständigkeit. «Zudem ist es so, dass sich bestimmte berufliche Ziele ohne ein Studium nicht erreichen lassen beziehungsweise einen entsprechenden akademischen Grad voraussetzen.» Das Fazit von Werner Kranz lautet: «Grundsätzlich ist es nicht relevant, ob sich Jugendliche für eine berufliche Grundbildung oder ein Studium entscheiden, denn beide Bildungswege haben ihre Vor- und Nachteile. Daher sollten Jugendliche den Weg wählen und gehen, der am besten zu ihnen, ihren Interessen und Begabungen passen. Das persönlich gesetzte Berufsziel soll den Weg vorgeben und nicht umgekehrt.»


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«Starke Berufsbildung als Zukunftsinvestition» Als Bereichsleiter «100pro!» bei der Wirtschaftskammer Liechtenstein ist Iwan Schurte für ein innovatives Konzept in der Berufsbildung zuständig. Er erläutert die Hintergründe. Interview: Heribert Beck

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eit wann gibt es die Initiative «100pro!» und was hat den Ausschlag gegeben, sie ins Leben zu rufen?

Iwan Schurte: «100pro!» gibt es seit Januar 2010. Die Initiative entstand aus der Überzeugung, dass jeder motivierte junge Mensch eine faire Chance auf einen erfolgreichen Lehrabschluss verdient. Gleichzeitig haben viele Betriebe Bedarf an engagierten Lernenden, benötigen jedoch punktuell Unterstützung in der Begleitung und administrative Entlastung. Genau dort setzt «100pro!» an: Wir schaffen eine Brücke zwischen Lernenden und Ausbildungsbetrieben und begleiten beide Seiten während der gesamten Lehrzeit. Unser Ziel ist es, Ausbildungserfolge nachhaltig zu sichern und Fachkräfte für Liechtenstein zu gewinnen. Was bietet «100pro!» seinen Partnern? Unsere Partnerbetriebe profitieren von einer umfassenden Begleitung über die gesamte Lehrzeit hinweg. Wir unterstützen bei der Rekrutierung geeigneter Lernender, stehen als Ansprechstelle bei Herausforderungen zur Verfügung und begleiten bei Bedarf Gespräche zwischen Betrieb, Lernenden und weiteren Beteiligten. Dadurch können Schwierigkeiten oft früh erkannt und gemeinsam gelöst werden. Für die Betriebe bedeutet das mehr Sicherheit im Ausbildungsalltag und eine spürbare Entlastung. Wie hat sich das Programm seit seiner Gründung entwickelt? Seit der Gründung hat sich «100pro!» kon-

tinuierlich weiterentwickelt. Was mit einer klaren Vision begann, ist heute ein etabliertes Angebot in der Berufsbildungslandschaft Liechtensteins. Unser Netzwerk an Partnerbetrieben ist stetig gewachsen, ebenso unsere Erfahrung in der individuellen Begleitung von Lernenden. Gleichzeitig haben sich die Anforderungen an die Berufsbildung verändert – darauf reagieren wir laufend mit neuen Angeboten und einer noch engeren Zusammenarbeit mit Betrieben, Schulen und weiteren Partnern. Welche Rückmeldungen erhalten Sie von Lernenden und Partnerbetrieben? Sehr positive. Lernende schätzen insbesondere, dass sie während ihrer Ausbildung eine unabhängige Ansprechperson haben, an die sie sich bei Fragen oder Herausforderungen wenden können. Viele berichten, dass sie sich dadurch sicherer fühlen und schwierige Situationen besser meistern können. Die Betriebe schätzen die unkomplizierte Zusammenarbeit und die professionelle Unterstützung. Gerade in anspruchsvollen Situationen ist es für viele eine grosse Entlastung, auf eine erfahrene Begleitung zurückgreifen zu können. Mit wie vielen Partnerbetrieben hat «100pro!» seit seiner Gründung kooperiert und wie viele Lernende wurden zum Abschluss begleitet? Wir haben mit rund 100 Betrieben in beiden Dienstleistungen – Verbundausbildung und Lehrbetriebs-Coaching – zusammengearbeitet. Insgesamt konnten wir in der Verbundaus-

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Iwan Schurte

«Wenn wir mit unserer Begleitung dazu beitragen können, dass eine Lehre erfolgreich abgeschlossen wird, profitieren am Ende alle – die Lernenden, die Betriebe und der Wirtschaftsstandort Liechtenstein.» bildung 108 Lernende erfolgreich bis zum Lehrabschluss begleiten. Besonders stolz machen uns dabei nicht nur die Zahlen, sondern vor allem die vielen persönlichen Erfolgsgeschichten, die hinter jedem einzelnen Abschluss stehen. Wie sehen die Zahlen im laufenden Lehrjahr aus? Seit Anfang August arbeiten wir im Verbund mit 35 Partnerbetrieben und begleiten 27 Lernende. Im Lehrbetriebs-Coaching sind es 53 Partnerbetriebe und 104 Lernende Das zeigt, dass unser Angebot sowohl bei den Unternehmen als auch bei den Jugendlichen auf grosses Vertrauen stösst. Die Bildungslandschaft wandelt sich stetig. Was denken Sie, wie sich «100pro!» in diesem Wandel weiterentwickeln wird? Themen wie Digitalisierung, neue Berufsbilder und veränderte Erwartungen junger Menschen prägen die Ausbildung zunehmend. Gleichzeitig steigen auch die Anforderungen an Ausbildungsbetriebe. Ich bin überzeugt, dass persönliche Begleitung und individuelle Unterstützung dadurch noch wichtiger werden. «100pro!» wird sich deshalb weiterhin flexibel an neue Entwicklungen anpassen und sein Angebot kontinuierlich weiterentwickeln. Unser Anspruch bleibt derselbe: Lernende und Betriebe bestmöglich unterstützen, damit aus einer Lehrstelle eine erfolgreiche berufliche Zukunft wird. Denn eine starke Berufsbildung ist eine der wichtigsten Investitionen in die Zukunft unseres Wirtschaftsstandorts.


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Förderung von Photovoltaikanlagen Photovoltaikanlagen wandeln Sonnenenergie in elektrische Energie um. Idealerweise wird der produzierte Strom im Gebäude gleich selber genutzt, überschüssiger Strom kann in das öffentliche Netz eingespiesen werden.

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Beispiel für eine Anlage auf dem Dach eines bestehenden Einfamilienhauses mit 33 % Eigenverbrauch und 67 % Rückspeisung. Die Gemeinden fördern gemäss ihren eigenen Beschlüssen und verdoppeln meist bis zu ihren jeweiligen Maximalbeträgen.

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„Verwittertes Pflaster?! –Die Alternative zur Neuverlegung.“ Die Steinpfleger Schweiz-Ost, das Team im Interview:

Eine kurze Einleitung bitte. Was genau bieten Die Steinpfleger an? Wir haben uns darauf spezialisiert, Oberflächen im Außenbereich aufzubereiten und diese nachhaltig zu schützen. Im Grunde vergleichbar mit der Pflege eines Autos. Richtig geschützt hat man auch hier deutlich länger Freude daran und erhält zeitgleich den Wert. Kurz zum Ablauf, wie kann man sich einen Steinpflegerbesuch vorstellen? Zunächst schaut sich ein Mitarbeiter die Flächen an, legt eine Probereinigung, bspw. In einer Ecke an, und erstellt dann ein Aufmaßblatt inkl. Fotos. Dieses wird noch vor Ort an unser Büro versendet. Direkt im Anschluss erhält der Kunde ein schriftliches Angebot. Das Besondere bei uns: Bis hierhin ist alles kostenfrei und völlig unverbindlich. Für uns sind die Angebote verbindlich, es wird kein Cent mehr abgerechnet als vereinbart, auch wenn wir länger bleiben müssen. Und wie läuft so eine Aufbereitung, bspw. die eines Pflasters ab?

Wir reinigen mit bis zu 100°C heißem Wasser und einem angepassten Druck von bis zu 350 bar. Dabei saugen wir gleichzeitig das entstehende Schmutzwasser sowie das Fugenmaterial ab. Im Anschluss wird die Fläche einer umweltverträglichen Art der Desinfektion unterzogen. Damit entfernen wir selbst die kleinsten Rückstände und Sporen. Damit es aussieht wie neu verlegt und die Flächen ihre Stabilität behalten, werden diese neu verfugt. Im Anschluss imprägnieren wir die Flächen und schützen diese so langfristig. Warum sollte man die Steinpfleger beauftragen? Zum einen natürlich der Faktor Zeit. Ich denke, ein Garten ist in erster Linie ein Ort der Ruhe und Erholung. Wer möchte schon die wenigen Sonnenstunden damit verbringen, zu reinigen und Sachen von A nach B zu schleppen. Außerdem ist ja zu beachten, reinigt man selbst, ist das i. d. R. alle 3-4 Monate nötig. Dabei wird viel Dreck an Fenstern und Türen verursacht, teilweise werden die Fugen ausgespült, Pfützen entstehen und natürlich wird jedes Mal das Pflaster weiter angeraut. Dadurch ist das Pflaster im neuen Jahr noch schmutzanfälliger. Wenn wir da waren, bieten wir mit STEINPFLEGER Protect 4 Jahre Garantie, auch gewerblich! Und dank unserer hauseigenen festen

Systemfuge ist auch eine nachhaltige chemiefreie Unkrauthemmung möglich. Man hört und liest ja immer wieder von Drückerkolonnen, welche vor Ort direkt abkassieren und mit dubiosen Mitteln nachhelfen. Was unterscheidet Sie davon? Einfach alles! Das beginnt schon damit, dass wir Angebote ausschließlich schriftlich versenden, geht über unsere Auftragsbestätigungen bis hin zu einer ordnungsgemäßen Rechnung, welche auch zum Teil steuerlich geltend gemacht werden kann. Nicht zuletzt sind wir einfach vor Ort und mit offenem Visier am Kunden. Das gibt Sicherheit. Garantiert haben wir auch in Ihrer Nähe Referenzen zu bieten. Ein letztes Statement an alle Unentschlossenen, und wie man Sie erreichen kann! Testen Sie uns. Bis zu Ihrem „Go“ zur Durchführung der Arbeiten ist es kostenfrei und unverbindlich, Sie können nur gewinnen! Auf www.die-steinpfleger.ch haben wir ein informatives Video am Beispiel einer Auftragsdurchführung, telefonisch sind wir unter +41 71 510 06 40 erreichbar.

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Projektpräsentation «MFH Schlossbach», Balzers

Fotos: Julian Konrad Media Est.

Vom «Schlosshof» zum neuen Wohnprojekt – eine Geschichte von Vertrauen und Verantwortung

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Projektpräsentation «MFH Schlossbach», Balzers

Wo sich früher das Balzner Kino und eine Reihe von Gastronomiebetrieben befanden, steht heute die moderne Überbauung «Schlossbach» mit sieben Eigentumswohnungen. Sie besticht nicht nur mit ihrer Lage unterhalb der Burg Gutenberg und dem Innenausbau, sondern auch mit der Umgebungsgestaltung. Text: Heribert Beck

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er ‹Schlosshof› mit dem traditionsreichen Schlosskino war weit mehr als nur eine Liegenschaft. Über viele Jahrzehnte hinweg war er ein bedeutender Treffpunkt in Balzers und ein Ort, mit dem zahlreiche Menschen aus der ganzen Region schöne und persönliche Erinnerungen verbinden», sagt Eric Marxer, Inhaber und Geschäftsführer von Marxer Immobilien in Vaduz. Er war von Anfang an eng in das Projekt eingebunden, das die Annagh Est. aus Schaan als Totalunternehmung realisiert hat. «Für Marxer Immobilien war es deshalb eine besondere Ehre und zugleich eine grosse Verantwortung, von der Eigentümer- und Erbengemeinschaft das Vertrauen für den Verkauf dieser prominenten Liegenschaft zu erhalten», sagt Eric Marxer.

Raum schaffen und Geschichte lebendig halten

Ein ausdrücklicher Wunsch der Eigentümergemeinschaft bestand

darin, zunächst mit der Gemeinde Balzers abzuklären, ob ein Erwerb des Schlosshofs für sie infrage kommen könnte. «Diesem Wunsch kamen wir selbstverständlich nach. Nach mehreren Gesprächen entschied sich die Gemeinde jedoch gegen einen Kauf der Liegenschaft», führt Eric Marxer aus. «Daraufhin erarbeiteten wir gemeinsam mit unseren Partnern und dem späteren Investor eine umfassende Projektstudie. Aufgrund der hervorragenden Zentrumslage und der hohen Qualität des geplanten Wohnprojekts waren wir überzeugt, dass sich die neu entstehenden Wohnungen sehr gut verkaufen lassen würden.» Tatsächlich konnte der Kauf der Liegenschaft im Februar 2023 erfolgreich abgeschlossen werden. Die weitere Entwicklung bestätigte diese Einschätzung eindrücklich. «Bereits vor der Fertigstellung des Rohbaus waren sämtliche Wohnungen reserviert oder verkauft.» Dem neuen Eigentümer war es ein grosses Anliegen, vor dem Abbruch


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gleichzeitig auch ein Stück Balzner Geschichte lebendig erhalten», sagt Eric Marxer. «Für Marxer Immobilien war es eine aussergewöhnliche Aufgabe, diesen Übergang gemeinsam mit der Eigentümergemeinschaft, dem neuen Eigentümer und unseren Projektpartnern begleiten zu dürfen.»

Innovativer und optimaler Austrocknungsprozess

nochmals einen würdigen und respektvollen Abschied vom «Schlosshof» zu ermöglichen. Deshalb wurde die Liegenschaft an zwei Tagen für die Öffentlichkeit geöffnet. Interessierte Personen hatten dabei die Gelegenheit, Erinnerungsstücke aus dem ehemaligen Schlosskino und dem Restaurant Schlosshof mitzunehmen. Zahlreiche Kinostühle und weitere Gegenstände fanden so neue Besitzer und konnten als persönliche Erinnerungen bewahrt werden. «Damit wurde nicht nur Raum für ein neues und zukunftsorientiertes Wohnprojekt geschaffen, sondern

Noch 2023 erfolgte der Abbruch der Liegenschaft, Anfang 2024 begannen die Arbeiten am Neubau. Dabei stiess Bau- und Projektleiter Marc Tribelhorn von der Annagh Est. auf eine unerwartete Herausforderung. «Während der Rohbauplanung zeichnetet sich ab, dass das Betonieren der letzten Geschossdecke durch den Baumeister erst kurz vor den Weihnachtsferien realisierbar sein wird.» Um die Gebäudehülle unabhängig vor Witterungseinflüssen erstellen zu können, wäre eine Einhausung des Fassadengerüsts mit zusätzlicher Fassadenheizung erforderlich geworden. «Infolge der oftmals starken Föhn- und Winterstürme in Balzers haben wir uns aus Sicherheitsgründen aber gegen ein solches Vorgehen entschieden. Zudem wäre das Aufheizen der Fassadenflächen ökologisch und ökonomisch nicht verhältnismässig gewesen. Dadurch stellte sich uns die Frage, wie wir die Winterzeit optimal nutzen und trotz fehlender Fassadendämmung Arbeiten im Gebäudeinneren einplanen können.»

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Projektpräsentation «MFH Schlossbach», Balzers

Zusammen mit seinem Team entschied Marc Tribelhorn sich für einen Einbau der Fensterelemente in den darunterliegenden Geschossen parallel zu den Baumeisterarbeiten im Attikageschoss im Dezember. «Dabei haben wir bei der gut vor Witterungseinflüssen geschützten Balkon- und Treppenhausfront bewusst auf das Einglasen verzichtet. Dies, um eine möglichst gute Querlüftung und Bauaustrocknung während der kalten Jahreszeit und den Bauferien über Weihnachten und Neujahr zu gewährleisten. Denn bei der heutigen schnellen Bauweise und dem möglichst

zeitnahen Dämmen der Fassaden- sowie Dachflächen und dem frühen Start der inneren Gipserarbeiten kommt die Austrocknung des Rohbaus oftmals zu kurz», sagt Marc Tribelhorn. Dies führe dann zu permanent hoher Luftfeuchtigkeit während der Innenausbauten und fördere nach Fertigstellung der Liegenschaft das Risiko von Schimmelbildungen.

Die Rechnung geht auf, die Termine wurden eingehalten

Infolge der tiefen Aussentemperaturen war der Start der Dämmarbeiten


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an der Fassade von Januar bis März oder April von vorherein ausgeschlossen. Dies hatte zur Folge, dass im Innenbereich ebenfalls keine Arbeiten an den Wand- und Deckenflächen ausgeführt werden konnten. «Um die Bautätigkeit im Innenbereich trotzdem voranzutreiben, haben wir uns dafür entschieden, den Fokus auf die Rohinstallationen und den Einbau des Fliessestrichs zu legen», sagt der Bau- und Projektleiter. Dafür wurden nach den Bauferien die noch offenen Fensterfronten fertig eingeglast und eine mobile Holzpellets-Heizung in Betrieb genommen. Die so erzeugte, sehr trockene Luft, die ins Gebäude eingebracht wurde, unterstützte die Austrocknung des Rohbaus auf andere Weise optimal. «Ausserdem erreichten wir eine ansprechende Innentemperatur für die anstehenden Arbeiten der Installateure. Durch die hervorragende Zusammenarbeit der beteiligten Unternehmer konnten die Unterlagsböden bereits Anfang März 2025 eingebracht werden.» Die zwischenzeitlich ebenfalls fertig installierte Hausübergabestation der Heizzentrale und der Anschluss an das Fernwärmenetz des Holzheizwerks Balzers erlaubte es zudem, das Ausheizen des Fliessestrichs bereits mittels Fernwärme vorzunehmen. Dadurch konnte die mobile Holzpellets-Heizung Mitte März ausser Betrieb genommen werden. «Die kalten Wintermonate konnten wir so ideal überbrücken. Die geplanten weiteren Bauabläufe und Termine, auch im Hinblick auf die Einzugstermine, waren dadurch jederzeit realisierbar», zieht Marc Tribelhorn Bilanz. Er ergänzt: «Positiv ausgewirkt hat sich zudem das fokussierte Austrocknen des Rohbaus, wodurch ideale Voraussetzungen für die weiteren Gewerke und Arbeitsgänge geschaffen werden konnte.»

Individuell, gelungen und naturnah

«Trotz des engen Korsetts einer TU-Überbauung haben unsere Kunden, also die Käufer der Objekte, jederzeit die Möglichkeit, ihre individuellen Wünsche in das Projekt einzubringen. Die Realisierbarkeit wird stets zeitnah abgeklärt und nach Möglichkeit umgesetzt»,

sagt Marc Tribelhorn. «Durch den hohen Individualisierungsgrad in den einzelnen Wohneinheiten ist der tägliche und direkte Kontakt zwischen Bauleitung, Wohnungskäufern, Fachplanern und Unternehmern folglich unabdingbar. Aus meiner Sicht sind so sieben individuelle und sehr gelungene Wohneinheiten entstanden, welche die Wünsche und Vorstellungen der Käufer bestmöglich wiedergeben.» Im Herbst 2025 konnten die neuen Eigentümer schliesslich in ihre Wohnungen im Mehrfamilienhaus Schlossbach einziehen.

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Wir danken der Bauherrschaft für ihren geschätzten Auftrag.


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ZAHLEN&FAKTEN «MFH Schlossbach», Balzers

Bauherr: Privat Projektleitung/TU: Annagh Est., Markus Fehr Architekt: indra+scherrer ag, Patrick Indra Bauleitung: Hanno Konrad Anstalt, Marc Tribelhorn Verkauf: Marxer Immobilien, Eric Marxer und Reto Büchel Bruttogeschossfläche: 890 m2 Kubatur: 5’204 m3 Verkaufsvolumen: CHF ~9 Mio. Eigentumswohnungen: 7 Wohnung W1 EG W2 EG W3 1. OG W4 1. OG W5 2. OG W6 2. OG W7 Attika

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Zum Erfolg des Projekts beigetragen hat aber auch die naturnahe und den örtlichen Gegebenheiten angepasste Umgebungsgestaltung, bei der sich die Annagh Est. Unterstützung vom Maurer Werkhofmeister Patrick Marxer geholt hat, der sich in Arbeit und Freizeit intensiv mit standortgerechten Bepflanzungskonzepten befasst. Das angrenzende Gewässer mit einheimischem Gehölz sah er als perfekten Übergang zur Umgebung der Überbauung. «Einheimische Vögel und Insekten profitieren von der Vernetzung», schrieb Patrick Marxer damals in einer Stellungnahme. Er empfahl für die Umgebungsgestaltung regionales Saatgut, das gegen Hitze wie Trockenheit resistent ist sowie einheimische Wildgehölze und Bäume. Denn sie passen ins Ökosystem und bringen einen Nutzen für die Biodiversität. Die Annagh Est. folgte diesen Empfehlungen, und in Abstimmung mit der Gemeinde Balzers entstand ein sanfter Übergang vom Bach zum Fuss- und Radweg inklusive eines wartungsarmen und dauerhaften Schotterrasens und weiter zur Überbauung, die schliesslich von Rasenflächen umgeben ist.


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Projektpräsentation «MFH Schlossbach», Balzers

Architekturbericht Schlossbach Balzers Das Mehrfamilienhaus in Balzers befindet sich an einer aussergewöhnlichen Lage direkt unterhalb der Burg Gutenberg und profitiert dadurch von einer starken landschaftlichen und historischen Präsenz. Die Nähe zum markanten Burgfelsen sowie zum umliegenden Bergpanorama prägt das Projekt in besonderem Masse und bildet die Grundlage für eine Architektur, die sich bewusst aus den Gegebenheiten des Ortes entwickelt. Ausgangspunkt des Entwurfs war die spezielle Form der Parzelle, deren Geometrie direkt in die Gestaltung des Baukörpers übernommen wurde. Anstatt die unregelmässigen Grundstücksgrenzen zu kaschieren, wurden diese als Entwurfsprinzip verstanden und in eine eigenständige, skulpturale Gebäudeform übersetzt. Dadurch entstand ein charakteristischer Baukörper mit einer unverwechselbaren Silhouette, deren präzise Linienführung und markante Dachform dem Gebäude einen hohen Wiedererkennungswert verleihen. Zur Strassenseite öffnet sich das Gebäude mit einem kleinen Begegnungsbereich, der als verbindendes Element zwischen öffentlichem Raum und privatem Wohnen dient. Im Erdgeschoss sind die gemeinschaftlich genutzten Neben- und Infrastrukturräume angeordnet. Neben der Tiefgarage befinden sich hier die Technikräume, ein Veloraum sowie einzelne Kellerabteile. Weitere den Wohnungen zugeordnete Keller- und Nebenräume sind auf den darüberliegenden Geschossen angeordnet. Durch die kompakte Organisation der gemeinschaftlichen Nutzungen wird eine effiziente Erschliessung des Gebäudes gewährleistet und der Wohnbereich in den Obergeschossen optimal genutzt. Im ersten, zweiten und dritten Obergeschoss befinden sich jeweils eine grosszügige 4.5-Zimmer-Wohnung sowie eine 3.5-Zimmer-Wohnung. Die Grundrisse wurden so konzipiert, dass eine klare Trennung von Wohn- und Schlafbereichen entsteht und den Bewohnern sowohl gross-

zügige gemeinschaftliche Aufenthaltsräume als auch private Rückzugsorte zur Verfügung stehen. Attraktive Sichtbeziehungen zur Umgebung sowie eine optimale Tageslichtversorgung sorgen für ein angenehmes Wohnambiente. Die grosszügigen Balkone erweitern die Wohnflächen nach aussen und schaffen zusätzliche Aufenthaltsbereiche mit Blick auf die Berglandschaft von Balzers. Im Dachgeschoss befindet sich eine exklusive 4.5-Zimmer-Attikawohnung. Die aus der Gebäudegeometrie entwickelte Dachlandschaft verleiht dieser Wohnung eine besondere räumliche Qualität. Herzstück ist die grosszügige Terrasse, die einen eindrucksvollen Rundumblick ermöglicht. Von hier aus öffnen sich Sichtachsen zur Burg Gutenberg, über das Rheintal sowie auf das umliegende Bergpanorama. Insgesamt entstand mit dem Mehrfamilienhaus ein zeitgemässes Wohngebäude, das seine Identität unmittelbar aus dem Ort und den spezifischen Gegebenheiten der Parzelle ableitet. Die Kombination aus prägnanter Gebäudeform, hochwertigem Wohnraum und der einzigartigen Lage unterhalb der Burg Gutenberg schafft ein architektonisch eigenständiges Projekt, das sich harmonisch in sein Umfeld einfügt. Die aus der Grundstücksgeometrie entwickelte Formensprache, die sorgfältige Organisation der Wohnnutzungen sowie die besonderen Ausblicke auf die Burg, das Rheintal und die umliegende Berglandschaft verleihen dem Gebäude einen unverwechselbaren Charakter und eine hohe Wohnqualität. Abschliessend gilt der Bauherrschaft ein herzlicher Dank für das entgegengebrachte Vertrauen sowie die angenehme und konstruktive Zusammenarbeit während der gesamten Planungs- und Realisierungsphase. Patrick Indra, Geschäftsinhaber indra+scherrer architektur, Schaan


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Projektpräsentation «MFH Schlossbach», Balzers

Projektentwicklung und Totalunternehmung Als Totalunternehmerin hat die Annagh Est. bereits mehrere Neubauprojekte für den privaten Bauherrn und Initianten des Mehrfamilienhauses am Schlossbach erfolgreich umgesetzt und durfte deshalb auch dieses Bauprojekt entwickeln und schlüsselfertig realisieren. Das Totalunternehmermodell mit der Annagh als bewährter und kompetenter Partnerin stellt generell in den vergangenen Jahren eine beliebte Gesamtlösung am Liechtensteiner Markt dar. Dabei garantiert die Annagh der Bauherrschaft Kosten, Qualität und Termine für ihr Bauprojekt und übernimmt Projektmanagement und Bauleitung. Die Bauherrschaft hat dabei nur einen Vertragspartner, wobei ihr die Annagh vollumfänglich Sicherheit, Stabilität, aber auch Wirtschaftlichkeit des Bauprojekts gewährleistet. Die Annagh übernimmt die Verantwortung für alle Planer und Unternehmer und schliesst die notwendigen Verträge ab. Ansporn und Anspruch aller Beteiligten sind gross, eine gute Arbeit abzuliefern, damit langfristige, wiederkehrende Auftragsverhältnisse entstehen. Dadurch hat sich ein leistungsfähiges und partnerschaftliches Netzwerk von Liechtensteiner Unternehmern mit hoher Qualität entwickelt. Bei einem Bauvorhaben ist die Annagh von Anfang an die Partnerin für die Bauherrschaft und unterstützt sie bereits bei der Auswahl des Architekten und der weiteren Planer. Der Projektleiter ist ab der ersten Idee involviert und prüft bis zur Baufertigstellung die Planung & Ausführung im Namen der Bauherrschaft. Dadurch ist durchgehend das Vier-Augen-Prinzip garantiert. Ausserdem beseitigt die Annagh im Rahmen der Zwei-Jahres-Abnahme allfällige bauseitige Mängel und garantiert darüber hinaus im gesetzlichen Rahmen ein längerfristig mängelfreies Bauwerk.

Die Qualitäten für Sie als Bauherrschaft sind Handschlagqualität, Lösungsorientiertheit und partnerschaftliche Zusammenarbeit auf Augenhöhe. Gerne nehmen sich die Verantwortlichen der Annagh Zeit, ihr Bauvorhaben unverbindlich zu besprechen und ihnen eine fundierte Ersteinschätzung abzugeben. Aktuell stehen beim Neubauprojekt Finga in Triesen, das mit den gleichen Partnern entwickelt & realisiert wird, fünf hochwertige Eigentumswohnungen unter www.marxer.li im Verkauf. Die Annagh Est. tritt dort auch als (Mit-)Investorin auf.


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REGIONAL VERBUNDEN BLEIBEN. Ab September 2026 sind wir an unserem neuen Standort an der Industriestrasse 28 in Gamprin-Bendern zu finden.

Mit dem Schritt in die eigenen Räumlichkeiten schaffen wir eine stabile Basis für die Zukunft unseres Unternehmens – mit mehr Unabhängigkeit, Planungssicherheit und Raum für kommende Generationen. Seit 50 Jahren steht Goop Metallbau für Qualität, Präzision und innovative Lösungen im Metallbau. Das Leistungsspektrum reicht von Stahl- und Metallbau über Verglasungen und Überdachungen bis hin zu PV-Lösungen im Glasbau, Service und Reparaturen. Gemeinsam mit der Sprenger-Goop AG bieten wir zudem massgeschneiderte Systeme für Sonnen-, Wetter- und Insektenschutz sowie zuverlässigen Service und Reparaturen aus einer Hand.

Auch personell gibt es Neuigkeiten: Philipp und Johannes erhalten Unterstützung in der Geschäftsführung. Marco Pfeiffer wird Mitglied der Geschäftsleitung und übernimmt künftig Verantwortung in der Leitung unseres Unternehmens. Gleichzeitig verabschieden wir Heimo Marxer und danken ihm herzlich für seinen Einsatz und die gemeinsame Zeit. Wir freuen uns auf die Zukunft.

Ein weit er Highligh es t:

A ls Teil d e Gamprin r Gas tgemeinde sind wir gemeins mit Spre am nge der LIHG r & Goop AG an A 2026 v er treten .

Goop Metallbau Anstalt | Industriestrasse 28 | 9487 Gamprin-Bendern | Tel. +423 373 50 40

Weitere Infos

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Nendeln – Erneuerung Hauptleitung Churer Strasse abgeschlossen Die Wasserversorgung Liechtensteiner Unterland (WLU) hat an der Churer Strasse, Nendeln einen rund 400 Meter langen Abschnitt der Hauptwasserleitung erneuert. Die Strecke verläuft zwischen dem Clunia-Gebäude und der Firma Keramik Schädler. Im April 2026 konnte der erneuerte Leitungsabschnitt in Betrieb genommen werden. Die alte Leitung stammte aus dem Jahr 1977 und war mit neun Rohrbrüchen mit zwölf Lecks zu einem klaren Sanierungsfall geworden. Mit der neuen Leitung verbessert die WLU die Versorgungssicherheit, reduziert die Wasserverluste und setzt einen weiteren Schritt in der laufenden Erneuerung des Leitungsnetzes. Text: Georg Matt, WLU

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usgangslage und Handlungsbedarf

Die Wasserleitung aus Guss (DN 150 Millimeter) wurde 1977 verlegt und hat fast fünf Jahrzehnte ihren Dienst getan. In den vergangenen Jahren mussten aber neun Rohrbrüche mit zwölf Lecks repariert werden. Dabei kam es jeweils zu unliebsamen Versorgungsunterbrüchen für die angeschlossenen Liegenschaften. Hinzu kamen Wasserverluste, also gefördertes Trinkwasser, das ungenutzt im Untergrund versickerte. Wegen der zunehmenden Schäden an dieser 49 Jahre alten Leitung und ihrer wichtigen Funktion hat sich die WLU dazu entschieden, diesen Abschnitt von rund 400 Metern zu erneuern. Nur mit einem Neubau der Wasserleitung lassen sich weitere, absehbare Schadenfälle vorausschauend vermeiden.

Verfahrensauswahl

Vor Baubeginn hat die WLU die Bauabsichten an einer Koordinationssitzung allen betroffenen Werken und dem Tiefbauamt vorgestellt. Da kein anderes Werk in diesem Abschnitt einen Erneuerungs- oder Erweiterungsbedarf angemeldet hatte, musste die WLU das Projekt allein durchführen. Untersucht wurden zwei Varianten, sowohl bezüglich Machbarkeit als auch hinsichtlich der Kosten: • Die konventionelle Bauweise mit offenem Graben • Das Berstverfahren, bei dem das bestehende Rohr durch einen Berstkopf von innen auf-

gesprengt und gleichzeitig ein neues Schutzrohr nachgezogen wird. In dieses Schutzrohr wird anschliessend das eigentliche Wasserrohr (PE-HD DE 180) eingezogen. Primär sprachen nach dem Abwägen aller Pros und Kontras vier Gründe klar für das Berstverfahren; Die alte Leitung liegt im westlichen Trottoir, sodass diese stark frequentierte Strasse während der Bauarbeiten weitgehend in beide Richtungen befahrbar bleiben konnte. Parallel verlaufende Leitungen anderer Werke, die durch den Berstvorgang beschädigt werden könnten, waren in diesem Bereich nicht vorhanden. Die Überdeckung der Leitung beträgt gemäss Bestandsunterlagen durchgängig mindestens 1.20 m, womit auch diese Vorgabe erfüllt war. Und nicht zuletzt fällt das Berstverfahren gegenüber der konventionellen Bauweise massiv günstiger aus. Der wirtschaftliche Vorteil des grabenarmen Verfahrens schlägt deutlich zu Buche. Der Kostenvoranschlag für die Ausführung mittels Berstverfahren lag rund 480’000 Franken unter den Kosten von 1,2 Millionen mittels konventioneller Bauweise. Erfreulicherweise vermochte die Schlussabrechnung die angenommenen Baukosten noch zu toppen. Mit der Schlussabrechnung in der Höhe von 570’000 Franken konnten Minderkosten in Höhe von 630’000 Franken gegenüber der Kostenschätzung mit konventioneller Weise verbucht werden.

Bauablauf

Die neue Leitung besteht aus zwei ineinander liegenden Rohren. Zuerst wurde ein Schutzrohr aus Polyethylen mit Aussendurchmesser 250 Millimeter eingezogen. Anschliessend wurde durch dieses Schutzrohr die eigentliche Wasserleitung eingezogen, eine PE-HD-Leitung mit Aussendurchmesser 180 Millimeter. Für die neue Wasserleitung ist eine Nutzungsdauer von rund 100 Jahren zu erwarten. Zudem erhöht die zweischichtige Bauweise die Sicherheit gegen mechanische Eingriffe.

Der Einzug des Schutzrohres der ersten Berstetappe erfolgt.


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Kostenschätzung konventionelle Bauweise (Preise vom Projekt WL Fallsgass, Mauren) CHF 1’200’000.– Minderkosten KS konventionell zur KV Berstverfahren nach Offerteingang CHF 480’000.– Minderkosten Kostenschätzung konventionelle Bauweise zur Schätzung Abrechnung CHF 630’000.–

Die 400 Meter wurden in vier Bersteinsätzen verlegt. Pro Einsatz waren eine Start- und eine Zielgrube sowie der Umzug der Berstmaschine erforderlich. Hinzu kamen Zwischengruben, einerseits für den Anschluss der Hausanschlüsse und Hydranten, andererseits für den Zusammenschluss bei zwei Knotenpunkten (Bahngasse und Zuschggasse), an denen mehrere Versorgungsleitungen zusammenlaufen. Die vier Querungen der Landstrasse erfolgten als gesteuerte Horizontalbohrungen. Bei diesem Verfahren wird die neue Leitung in einen zuvor gebohrten Kanal eingezogen. In Summe wurden 19 Hausanschlüsse neu angeschlossen. Total waren 18 Gruben im Strassen- und Trottoirbereich nötig. Während der Bauzeit wurden sämtliche an dieser Hauptleitung angeschlossenen Gebäude über provisorische Leitungen versorgt. Der Personen- und Lastwagenverkehr konnte während der gesamten Bauzeit, durch das Verschieben auf das bergseitige Trottoir, in beide Richtungen mit kleineren Behinderungen aufrechterhalten werden. Auch wurde an drei Samstagen gearbeitet, um wichtige Anschlussarbeiten ohne längere Unterbrüche fertigzustellen. Die Bauarbeiten begannen Anfang Oktober 2025. Bis Dezember 2025 waren rund drei Viertel der Strecke fertiggestellt. Nach der Winterpause wurde Anfang März 2026 mit der letzten Etappe begonnen. Die Arbeiten für die neue Wasserleitung konnten Ende

April 2026 abgeschlossen werden. Das Land Liechtenstein wird in diesem Strassenabschnitt in den nächsten Jahren flächendeckend einen neuen Belag einbauen.

Unvorhergesehenes

Beim Bachdurchlass auf der Höhe des SparSupermarkts zeigte sich frühzeitig, dass die bestehende Wasserleitung mitten durch diese Landstrassenquerung verläuft. Um Komplikationen beim Berstvorgang zu vermeiden, wurden beidseits des Durchlasses Sondagen vorgenommen. Diese vorausschauende Abklärung hat sich ausgezahlt und einen möglichen Risikopunkt im Vorfeld entschärft. Ein Schadenfall an der Kanalisation ereignete sich auf Höhe der Busausbuchtung in Fahrtrichtung Schaan. Dort zeigte die Kontrolle nach dem Einziehen des Schutzrohres einen Schaden an der Kanalisationsleitung, der umgehend und fachgerecht behoben wurde. Die Nachkontrollen nach jedem Berstvorgang haben sich damit als wirksames Mittel zur Qualitätskontrolle bestätigt.

Dank

Die Wasserversorgung bedankt sich ausdrücklich beim beauftragten Ingenieurbüro Meier AG, Eschen, speziell beim zuständigen Bauführer Melvin Ender, für die kompetente und vorausschauende Bauleitung. Auch bedankt sich die WLU bei der TPS Trenchless Piping System AG, Heldswil, für die saubere und termingerechte Ausführung des Berstver-

fahrens wie auch der Schenk AG, Heldswil, für die präzise gesteuerten Horizontalbohrungen bei den Landstrassenquerungen. Ebenso in den Dank eingeschlossen ist die Bauunternehmung Foser AG, Balzers, für den flexiblen und zuverlässigen Mitarbeitereinsatz und die Rohrbauunternehmung Marxer, Nendeln, für die einwandfreien Rohrbauarbeiten. In Summe haben alle Unternehmen gut aufgewartet und ihr Bestes gegeben. Ein besonderer Dank gilt den Anwohnerinnen und Anwohnern sowie den Grundstückseigentümern, die der WLU mit Verständnis und Kooperationsbereitschaft begegnet sind. Ebenso bedankt sich die WLU bei allen Verkehrsteilnehmern für die aufgebrachte Geduld während der Bauarbeiten und den damit verbundenen Einschränkungen.

Wasserversorgung Liechtensteiner Unterland e. G.,

Georg Matt, Wirtschaftspark 19, Eschen Tel.: +423 373 25 55 info@wlu.li www.wlu.li


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Ein rechtshistorisches Juwel wird hundert Der Staatsgerichtshof feiert sein hundertjähriges Bestehen – und sein langjähriger Präsident Hilmar Hoch verabschiedet sich am Ende dieses Jubiläumsjahres. Text: Pio Schurti

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espräche mit dem höchsten Richter eines Landes stellt man sich anderswo wohl formeller vor, als wir es in Liechtenstein gewohnt sind. Ich treffe Hilmar Hoch privat bei sich zu Hause, wir sind seit Jahrzehnten befreundet. Er machte gerade die Matura, als ich am Liechtensteinischen Gymnasium anfing.

Damals konnte niemand ahnen, dass er einmal der am längsten amtierende Richter am Staatsgerichtshof werden würde – seit 2018 als dessen Präsident. Dass seine Karriere sich nicht von ungefähr entwickelte, zeigt schon sein erster Einsatz als Jurist: Anfang der 1990er-Jahre, mitten in der

Arbeit an seiner Dissertation zum liechtensteinischen Sozialversicherungsrecht, wickelte er die Triesner Konsumgenossenschaft ab, die einst sein Vater Florian mitgegründet hatte, damit der heutige Coop einen Laden im Dorf eröffnen konnte. Sein Interesse galt schon damals eher dem Sozial- und Privatrecht als dem Straf- oder Versicherungsrecht – sichtbar auch


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Konferenz der Europäischen Verfassungsgerichte in der Republik Moldau 2024.

als Mitherausgeber der Zeitschrift «Der Maulwurf» und Mitbegründer der Freien Liste. Zum Staatsgerichtshof kam Hoch als Mitarbeiter in der Anwaltskanzlei von Dr. Guido Meier, damals nebenamtlicher StGH-Richter von 1984 bis 1993. Sein erster eigener Fall war brisant: die Beschwerde gegen die EWR-Abstimmung von 1992, mit der Liechtenstein mitten in einer Staatskrise – Fürst Hans-Adam II. hatte mit der Auflösung des Landtags gedroht – und entgegen dem Nein der Schweiz knapp für den EWR-Beitritt stimmte. Ein Beschwerdeführer machte eine unzulässige staatliche Beeinflussung geltend, insbesondere durch eine Fernsehsendung mit dem Fürsten und dem damaligen Regierungschef Markus Büchel auf dem neuen Landeskanal kurz vor der Abstimmung. Der Staatsgerichtshof wies die Beschwerde 1993 ab: Teile der Rügen seien verspätet erhoben worden, im Übrigen habe die Regierung die Bürger legitim aufgeklärt statt manipuliert. Das Ja zum EWR blieb bestehen, der Beitritt erfolgte 1995. Dass ausgerechnet Liechtenstein mit der Schaffung des Staatsgerichtshofs vor 100

Jahren Rechtsgeschichte schrieb, mag überraschen. Zwar hatten wenige Jahre vorher auch Österreich und die Tschechoslowakei erste Verfassungsgerichte nach dem Modell des österreichischen Verfassungsrechtlers Hans Kelsens geschaffen. Liechtenstein aber verband dieses Konzept als erstes Land mit einer umfassenden Individualbeschwerde, die – anders als in Österreich – auch Zivil- und Strafsachen umfasste. Das deutsche Bundesverfassungsgericht erhielt eine vergleichbar weitreichende Kompetenz erst 1951. Hoch, der die Geschichte des Gerichts im April in einem Festvortrag nachzeichnete, nennt den Staatsgerichtshof ein «rechtshistorisches Juwel» – bemerkenswert findet er, dass der Landtag dessen umfassenden Kompetenzen 1921 praktisch diskussionslos zustimmte, obwohl die Mittel des jungen Kleinstaats denkbar knapp waren. Hoch kennt gut ein Drittel dieser hundertjährigen Geschichte aus eigener Erfahrung: Richter seit 1994, Vizepräsident ab 2005, seit 2018 Präsident als Nachfolger von Marzell Beck. Jahrzehntelang übte er das Amt im Milizsystem neben seiner Anwaltstätig-

keit aus – erst die Justizreform vom 1. Januar 2026 brachte die Vollamtlichkeit. Hoch übt sein Amt seither hauptberuflich aus, begleitet den Übergang aber nur noch bis zu seinem Rücktritt am 31. Dezember 2026.

Hilmar Hoch im Gespräch mit Freunden


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Podium der Verfassungsgerichtspräsidenten: Joan Manel Abril (Andorra), Hilmar Hoch (Liechtenstein), Anna Gamper (Moderatorin, Uni Innsbruck), Stéphane Braconnier (Monaco) und Fabio Elefante (San Marino) (v. l.).; © Information und Kommunikation der Regierung Liechtenstein / Yannick Zurflüh

Die Lehre aus dem Kunsthaus-Fall

Wer die Arbeitsweise des heutigen Gerichts verstehen will, kommt am sogenannten Kunsthaus-Fall der 1980er-Jahre nicht vorbei. Damals ging es um eine Gemeindeabstimmung über den Bau eines Kunsthauses. Die Gemeinde Vaduz, das Land und zunächst auch der Staatsgerichtshof selbst wiesen das Begehren als unzulässig ab – bis das Gericht auf ein Wiedererwägungsgesuch hin mit drei zu zwei Stimmen kehrtmachte. Der damalige Präsident Erich Seeger hat das Verfahren anschliessend eigenmächtig neu aufgerollt, ohne dies zu erklären. Der Verdacht, das Urteil sei politisch motiviert gewesen, schadete dem Ansehen des Gerichts nachhaltig. Es folgten ein Strafverfahren gegen Seeger und 1989 Neuwahlen. Für Hoch ist dieser Fall bis heute zentral. «Als Lehre aus Seegers autoritärem Führungsstil pflegt man heute einen kollegialen Diskussionsstil», sagt er – man berate so lange, bis im Idealfall ein einstimmiges Urteil stehe, und begründe Entscheide seither ausführlich und laienverständlich. In seinen Fachaufsätzen orientiert sich Hoch gern am helleren Tenor angloamerikanischer Vorbilder statt an schwerer Richter-Gravitas – etwa mit seinem Bonmot zum Entscheid über die Dispensation vom Schwimmunterricht aus religiösen Gründen: «Dass ein Gericht etwas zumutbar wertet, mag für Betroffene eine Zumutung sein.»

Wie exponiert ein kleines Verfassungsgericht sein kann, weiss Hoch aus eigener Erfahrung. «Die Grenze zwischen Recht und Politik ist fliessend», sagte er in seinem Festvortrag – besonders heikel, weil der Staatsgerichtshof anders als das Parlament nicht direkt demokratisch legitimiert ist. 2019 verneinte er ein Grundrecht auf die Ehe für gleichgeschlechtliche Paare mit Verweis auf den Volkswillen von 2011, zwei Jahre später bejahte er bei der Stiefkindadoption das Gegenteil, gestützt auf Strassburger Rechtsprechung. Selbstkritisch äussert sich Hoch dagegen zur Ablehnung einer Beschwerde zum Frauenstimmrecht 1982, zwei Jahre vor dessen Einführung: Der Staatsgerichtshof habe versäumt, eine «langjährige gesellschaftspolitische Blockade» aufzubrechen.

Der grosse Nachbar als Vorbild

Ein roter Faden in Hochs Wirken ist die enge Verflechtung mit der Schweiz, deren Rechtsprechung sich der Staatsgerichtshof seit Jahrzehnten annähert. Besonders deutlich zeigte sich das während Corona: Das Gericht musste über Verordnungen entscheiden, die sich eng an Schweizer Vorlagen anlehnten, noch bevor das Bundesgericht selbst dazu kam – die 3G-Pflicht erklärte es für verfassungskonform, die schärfere 2G-Regel mangels gesetzlicher Grundlage für verfassungswidrig. Wie weit der Ruf des Gerichts reicht, zeigte sich auch im April in Vaduz: An einer Fachtagung diskutierten erstmals die Präsidentinnen und Präsidenten

der Verfassungsgerichte von Andorra, Monaco, San Marino und Liechtenstein gemeinsam über die Verfassungsgerichtsbarkeit in Kleinstaaten.

Ein Amt in Übergangszeiten

Am Ende seines Präsidiums übergibt Hoch ein Gericht im institutionellen Umbruch: Die Justizreform hat auch den Verwaltungsgerichtshof aufgelöst und in den Obersten Gerichtshof integriert, während die Existenz des Staatsgerichtshofes nie zur Debatte stand. Was bleibt, ist ein Selbstverständnis, das Hoch selbst am prägnantesten formuliert hat: Der Staatsgerichtshof müsse sich, weil er anders als das Parlament nicht direkt demokratisch legitimiert sei, die Anerkennung von Politik und Gesellschaft «fortwährend erarbeiten und sichern – mit gut begründeten, ausgewogenen Entscheidungen». Zur eigenen Fehlbarkeit zitiert er gern Robert Jackson vom amerikanischen Supreme Court: Höchstgerichte entschieden nicht deshalb letztinstanzlich, weil sie unfehlbar seien – sie seien faktisch unfehlbar, weil sie letztinstanzlich entschieden. Eine gewisse Demut, findet Hoch, stehe gerade einem Höchstgericht gut an. Wer ihm Ende des Jahres nachfolgt, war bislang nicht Gegenstand der Feierlichkeiten. Sicher scheint nur: Mit Hochs Abgang endet die Amtszeit des ersten Präsidenten, der das Gericht sowohl als nebenamtlicher Milizrichter als auch – im Übergang der Justizreform – als hauptberuflicher Vollzeitpräsident geleitet hat.


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Fotos: Pamela Bühler

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Gunter Dobratz und Leo Elkuch

«Das Wichtigste ist erreicht: Wir kennen uns jetzt persönlich» Dass sich die Umweltkommissionen aller Gemeinden in Liechtenstein erstmals zu einer gemeinsamen Exkursion trafen, ist ein Novum. Die Umweltschutzkommission Schellenberg organisierte dieses landesweite Treffen zusammen mit dem Fischereiverein Liechtenstein im Schellenberger und Ruggeller Riet. Gunter Dobratz, der Vorsitzende der Umweltschutzkommission Schellenberg, informiert über die Idee hinter dem Anlass und die Organisation. Interview: Johannes Kaiser

F

ür die Idee eines landesweiten Treffens der Umweltkommissionen ist der Umweltkommission Schellenberg – vor allem Ihnen als Vorsitzender – zu gratulieren. Was hat Sie dazu bewogen? Gunter Dobratz: Zunächst möchte ich betonen, dass dieser Anlass nicht mein Werk allein war. Er wurde von der Umweltkommission Schellenberg gemeinsam mit dem Fischereiverein Liechtenstein organisiert und umgesetzt. Alle Beteiligten haben mit viel En-

gagement dazu beigetragen, dass dieses erste landesweite Treffen stattfinden konnte. Viele Herausforderungen im Natur- und Umweltschutz enden nicht an Gemeindegrenzen. Genau deshalb fand ich es wichtig, dass wir die Vertreterinnen und Vertreter aller Umweltkommissionen einmal an einen Tisch beziehungsweise gemeinsam ins Riet bringen. Mir persönlich ist es wichtig, dass sich die Menschen hinter den verschiedenen Umweltkommissionen kennen. Das habe ich in der Vergangenheit etwas vermisst. Wer weiss, welche Erfahrungen oder welches Fachwissen

jemand mitbringt, kann sich viel einfacher austauschen und gegenseitig unterstützen. Durch einen regelmässigen Austausch können einzelne ihre Erfahrungen und Kompetenzen auch den anderen Gemeinden zur Verfügung stellen. Davon profitieren am Ende alle – und vor allem unsere Natur. Das Treffen sollte deshalb nicht nur eine Exkursion sein, sondern der Auftakt für eine langfristige Vernetzung der Umweltkommissionen. Ich würde mich freuen, wenn daraus eine Tradition entstünde und wir künftig noch enger zusammenarbeiten würden.


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zu stärken und gefährdeten Arten einen geschützten Lebensraum zu bieten. Höchst interessant war sicherlich der Beitrag von Landwirt Leo Elkuch, der die Vergangenheit und Zukunft der Landwirtschaft im Riet wie kein anderer kennt.

Links Gunter Dobratz – rechts im Bild mit dem Fahrrad die Gemeinderätin Eva-Maria Nicolussi Vogt

Auf der Agenda stand ein spannender Einblick in die Natur und aktuelle Projekte im Schellenberger und Ruggeller Riet. Bei der Gestaltung des Programms war uns wichtig, möglichst unterschiedliche Perspektiven auf das Schellenberger Riet zusammenzubringen. Deshalb haben wir bewusst verschiedene Fachpersonen eingeladen. Rudolf Staub stellte das Projekt «Reaktivierung Weiher im Schellenberger Riet» vor und zeigte auf, wie mit gezielten Massnahmen neuer Lebensraum für Amphibien und viele weitere Tierarten entsteht. Anschliessend gaben Jürgen und Rainer Kühnis spannende Einblicke in die Flora und Fauna des Riets und erklärten, weshalb dieses Gebiet zu den wertvollsten Naturräumen Liechtensteins gehört.

Dadurch können Fische und andere Räuber nicht eindringen. Für Amphibien wie Frösche, Kröten oder Molche entstehen so deutlich bessere Bedingungen für die Fortpflanzung und die Entwicklung ihrer Larven. Solche Gewässer gehören zu den artenreichsten Lebensräumen überhaupt. Natürlich hat jede Wasserfläche auch positive Nebeneffekte für den Wasserhaushalt. Das eigentliche Ziel des Projekts ist jedoch, die ökologische Vielfalt im Riet nachhaltig

Dieser Programmpunkt lag mir persönlich besonders am Herzen. Mir war wichtig, zu zeigen, dass erfolgreicher Natur- und Umweltschutz nur gemeinsam mit der Landwirtschaft funktioniert. Landwirte kennen ihre Flächen oft seit Jahrzehnten und verfügen über ein enormes Wissen über die Natur, in der sie täglich arbeiten. Gleichzeitig sind sie diejenigen, die viele der Vorgaben und Pflegemassnahmen in diesen sensiblen Naturräumen konkret umsetzen. Diese Zusammenarbeit ist für den langfristigen Erfolg des Naturschutzes unverzichtbar. Gerade diese unterschiedlichen Blickwinkel haben den Anlass so wertvoll gemacht. Alle Beteiligten verfolgen letztlich dasselbe Ziel: unsere einzigartige Natur auch für kommende Generationen zu erhalten. Vor diesem Hintergrund hat euch Leo Elkuch auf seinem Hof empfangen. Wie haben Sie dies erlebt? Leo Elkuch hat ein unglaubliches Wissen, und seine Erzählungen sind besonders authentisch. Er kann sich noch gut an die Anfänge des Naturschutzgebiets erinnern und erzählte

Im Fokus stand das Projekt «Reaktivierung Weiher im Schellenberger Riet». Geht es rein um Biodiversität oder verfolgt das Projekt auch Retentionsziele? Der Schwerpunkt liegt klar auf der Biodiversität. Mit der Aufwertung der Wasserfläche schaffen wir neuen Lebensraum für Amphibien, Insekten und zahlreiche weitere Tierarten. Das Besondere an diesem Projekt ist, dass eine eigenständige Wasserfläche entsteht, die nicht direkt mit den bestehenden Wasserläufen verbunden ist.

V. l. Rainer Kühnis, Präsident Fischereiverein; Leo Elkuch, Landwirt; Jürgen Kühnis, Pädagogische Hochschule Goldau/CH; Gunter Dobratz, Vorsitz Umweltkommission Schellenberg und Rudolf Staub von Renat, Biologe


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eindrücklich, wie sich das Riet und die Zusammenarbeit zwischen Landwirtschaft und Naturschutz über die Jahrzehnte entwickelt haben. Dabei berichtete er auch vom früheren Torfstechen im Riet und davon, wie sich die Nutzung dieses Gebiets im Lauf der Zeit grundlegend verändert hat. Besonders spannend war sein persönlicher Einblick, wie es dazu kam, dass die Landwirte Aufgaben zur Pflege und zum Erhalt des Riets übernommen haben. Ebenso interessant war seine Schilderung, wie sich das Bewusstsein innerhalb der Landwirtschaft verändert hat. Heute wird der Wert einer intakten Natur von vielen Landwirten ganz selbstverständlich mitgetragen. Sie leisten mit ihrer täglichen Arbeit einen wichtigen Beitrag zum Erhalt dieser einzigartigen Kulturlandschaft. Für mich war dieser Programmpunkt besonders wichtig. Naturschutz funktioniert nur dann langfristig, wenn alle Beteiligten an einem Strang ziehen. Die Landwirtschaft ist dabei kein Gegner, sondern ein unverzichtbarer Partner. Deshalb war es uns wichtig, dieser Perspektive am Anlass genügend Raum zu geben. Wie kann man die Entwicklung der Rietlandschaft und auch deren Lebensraum für die Tiere charakterisieren? Was hat sich im Lauf der vergangenen Jahrzehnte verändert? Das Riet ist seit Jahrhunderten ein gemeinsamer Lebens- und Wirtschaftsraum der Gemeinden Schellenberg und Ruggell. Bereits vor vielen Generationen wurde das Gebiet unter den beiden Gemeinden aufgeteilt, und seither haben die Menschen das Riet genutzt und geprägt. Diese lange gemeinsame Geschichte macht das Gebiet bis heute zu etwas Besonderem. Früher stand die wirtschaftliche Nutzung im Vordergrund. Im Riet wurde Torf gestochen, die Flächen wurden landwirtschaftlich genutzt, und viele Familien aus Schellenberg und Ruggell hatten einen direkten Bezug zu diesem Gebiet. Heute ist das anders. Das Torfstechen gehört längst der Vergangenheit an, und auch die Zahl der Menschen, die selbst in der Landwirtschaft tätig sind, ist deutlich kleiner geworden. Gleichzeitig hat sich unser Blick auf das Riet verändert. Heute wissen wir, welch ausserordentlichen Wert diese Landschaft für die Biodiversität hat. Im Riet leben Tier- und

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Pflanzenarten, die äusserst selten geworden sind. Einige sind sogar weltweit nirgendwo sonst zu finden. Das zeigt eindrücklich, welche internationale Bedeutung dieser Naturraum hat. Ihr Fazit über diesen ersten, vorbildlichen und innovativ gestalteten Umweltevent im Schellenberger Riet mit allen Umweltkommissionen des Landes? Für mich war dieses erste landesweite Treffen ein voller Erfolg. Das Wichtigste ist erreicht: Wir kennen uns jetzt persönlich. Dadurch wird es viel einfacher, künftig miteinander in Kontakt zu bleiben, Erfahrungen auszutauschen und gemeinsame Projekte anzustossen. Besonders gefreut hat mich, dass bereits während des Anlasses erste Ideen für ein nächstes Treffen entstanden sind. Vertreterinnen und Vertreter aus anderen Gemeinden haben spontan vorgeschlagen, den Anlass im kommenden Jahr an einem anderen Ort durchzuführen. Genau das war unsere Hoffnung. Jetzt, da das Netzwerk entstanden ist, ist der Schritt zu einem zweiten Treffen kein grosser mehr. Ein solcher Anlass lebt aber nicht nur von den Umweltkommissionen. Ebenso wichtig sind die naturinteressierten Verbände, die mit ihrem Fachwissen einen wertvollen Beitrag leisten. Deshalb freue ich mich sehr, dass Vertreter des Fischereivereins Liechtenstein,

Rainer Kühnis

der LGU, des Ornithologischen Vereins und weiterer Organisationen dabei waren. Sie bereichern den Austausch mit ihrem Wissen und ihrer Erfahrung. Ein besonderer Dank gilt dem Fischereiverein Liechtenstein. Er hat uns nicht nur fachlich unterstützt, sondern war auch ein hervorragender Gastgeber für den gemeinsamen Apéro. Diese Gastfreundschaft und die unkomplizierte Zusammenarbeit haben wesentlich zum Gelingen des Anlasses beigetragen. Ich wünsche mir, dass dieses erste Treffen der Beginn einer neuen Tradition ist. Denn die Herausforderungen im Natur- und Umweltschutz werden wir auch in Zukunft am besten gemeinsam meistern – über Gemeindegrenzen hinweg und im engen Austausch zwischen Gemeinden, Landwirtschaft, Fachpersonen und Verbänden. Wenn wir diese Zusammenarbeit weiter pflegen, profitieren am Ende alle – und vor allem unsere Natur.


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«Es gibt die Tendenz, Probleme mit Geld zu lösen» Kurz vor der Sommerpause hat die Stiftung Zukunft.li mit einer Studie über die staatlichen Beitragsleistungen aufhorchen lassen – vor allem mit der Tatsache, dass neun von zehn untersuchten Leistungen nicht zielführend ausgestaltet sind. Geschäftsführer Gerald Hosp und Mitautorin Theresa Goop geben einen näheren Einblick in das Thema. Interview: Heribert Beck

S

ie haben staatliche Beitragsleistungen auf ihre Zweckmässigkeit, Wirksamkeit und finanzpolitische Nachhaltigkeit untersucht. Was hat den Ausschlag zur Studie gegeben? Gerald Hosp: Die Idee hat Zukunft.li schon länger begleitet. In Liechtenstein gibt es die Tendenz, Probleme mit Geld zu lösen. Dabei werden die Ansprüche immer grösser. Das Land schreibt zwar derzeit Überschüsse, knappe Kassen sind aber auch bei uns denkbar. Eine verantwortungsvolle Finanzpolitik kann sich nicht darauf verlassen, dass die Einnahmen stets sprudeln werden. Ausserdem sollte staatliches Handeln immer auf Effizienz getrimmt sein. Schliesslich geht es um viel Geld. Der Ausgabenposten der Beitragsleistungen, also der Subventionen und Transfers, wächst schneller als die Wirtschaftsleistung. Die Gesellschaft sollte dabei den Überblick nicht verlieren.

Was entgegnen Sie dem – hypothetischen – Argument, gerade jene Beispiele ausgewählt zu haben, bei denen sich Ihre Argumentation besonders gut belegen lässt?

Gerald Hosp, Geschäftsführer der Stiftung Zukunft.li

Sie haben schliesslich zehn von rund 150 Beitragsleistungen analysiert. Nach welchen Kriterien haben Sie diese ausgewählt – und welche interessanten Fälle mussten Sie bewusst ausklammern?

Theresa Goop, Research Fellow bei der Stiftung Zukunft.li

Theresa Goop: Wir möchten mit den zehn Beispielen eine «verdauliche» Übersicht aufzeigen, die Subventionen und Transferleistungen in verschiedenen Bereichen wie Wirtschaft, Soziales und Bildung abdeckt. Ebenfalls wollen wir aufzeigen, was typischerweise falsch oder richtig laufen kann. Ausgeklammert haben wir Kleinbeträge unter 100’000 Franken, Mitgliederbeiträge bei der UNO, beim EWR und bei anderen Organisationen, Verpflichtungen aus

internationalen Abkommen sowie die Finanzierung von kritischer Infrastruktur und Gesundheitsversorgung. Auch die ganz grossen Brocken wie Gesundheit und Alterssicherung haben wir ausgelassen, diese wären eigene Studien wert. Spannend wäre noch gewesen, indirekte Förderungen wie Bürgschaften, Staatsgarantien oder Steuervorteile zu diskutieren.

Theresa Goop: Mit dieser Aussage hätten wir kein Problem. Eines der Ziele war es, Beispiele zu zeigen, die für kommende finanzpolitische Diskussionen hilfreich sind. Das versuchen wir auf zwei Arten zu erreichen: Einerseits machen wir direkte Empfehlungen, und andererseits verdeutlichen wir, wie die gesellschaftliche und finanzpolitische Diskussion geführt werden kann, welche Fragen gestellt werden sollen. Unsere Systematik kann und soll auf andere Beispiele übertragen werden. Wir kommen auch nicht einfach immer zum Schluss: «Abschaffen». Unsere Empfehlungen sind differenzierter. Tatsächlich wurde unsere Arbeit dadurch erschwert, dass wir nicht so einfach an Informationen gekommen sind. Darum kommen wir zum Schluss, dass es mehr Transparenz benötigt, zum Beispiel bei den Leistungsvereinbarungen, die häufig eine «Black Box» sind. Die Leistungsvereinbarung mit dem TAK war diesbezüglich eines der wenigen belegbaren Beispiele. Welche Erkenntnis aus der Arbeit an der Studie und den am Ende 90 resultierenden Seiten hat Sie persönlich am meisten überrascht? Gerald Hosp: Da gibt es einige Punkte, die uns überrascht haben: Erstens ist oft nicht klar, welches Ziel eine Beitragsleistung hat und wann dieses Ziel erreicht ist. Viele Systeme sind historisch gewachsen. Zweitens, wenn es doch klare Ziele gibt, werden diese teilweise nicht in die Umsetzung eingebunden und überprüft.


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Drittens ist der Anteil der Beitragsleistungen gemessen an den gesamten Ausgaben nicht so unterschiedlich zu den anderen deutschsprachigen Ländern. Sie empfehlen dreimal die Abschaffung einer untersuchten Leistung, sechsmal eine Anpassung und nur einmal den Status quo. Gehen Sie davon aus, dass die Quote bei den nichtuntersuchten Leistungen ähnlich ist? Theresa Goop: Anhand unserer Beispiele kann die Frage nicht seriös beantwortet werden. Wie gesagt: Wir haben eine Vielzahl der 150 Beitragsleistungen von unserer Betrachtung ausgeschlossen. Deshalb kann die Quote nicht ähnlich sein. Wenn alles betrachtet wird, ist aber auch die Höhe der Fördersumme und weniger die Anzahl der Fälle von Bedeutung. Um ein paar konkrete Ergebnisse aufzugreifen: Die Kinder- und Jugendzahnpflege ist eines Ihrer prominentesten Beispiele. Könnte man nicht genauso argumentieren, dass gerade wegen dieser Prävention die Zahngesundheit heute so gut ist? Immerhin geht es nicht nur um zeitgemässe Zahnpasta, sondern auch um die Förderung regelmässiger Kontrollen. Gerald Hosp: Ja, das kann sein, und unser Argument spricht überhaupt nicht dagegen. Die Rolle des Staats hat sich in der Kinder- und Jugendzahnpflege über die Jahrzehnte verändert. Früher war es schwieriger, gesunde Zähne zu haben, der Staat konnte mit der Subvention das Niveau der Zahngesundheit merklich verbessern. Heute ist diese Wirkung deutlich begrenzter. Wir empfehlen, dass sich der Staat in die Präventionsrolle zurückzieht und Behandlungen nur noch für einkommensschwache Haushalte subventioniert. Die Schweizer Erfahrung zeigt, dass ein hoher Standard bei der Zahngesundheit auch ohne finanzielle Unterstützung von Behandlungen möglich ist. Beim Betreuungs- und Pflegegeld schlagen Sie eine Zusammenlegung mit der Hilflosenentschädigung vor, was sehr naheliegend scheint, nachdem es einmal jemand angesprochen hat. Wie erklären Sie sich, dass dies politisch nicht schon längst in einer der Landtagsdebatten über das Betreuungs- und Pflegegeld deutlich gefordert worden ist?

Theresa Goop: Die Zusammenlegung war politisch bereits ein Thema, einerseits in der Altersstrategie 2023 und andererseits in einer Postulatsbeantwortung im Jahr 2024. Die Regierung kam zum Schluss, dass es fraglich ist, ob die Hilflosenentschädigung neben dem Pflegegeld weiterhin bestehen soll. Trotzdem hat sich das doppelspurige System nicht vereinfacht. Es braucht wohl mehrere Anläufe, um die Diskussion in Schwung zu bringen. Unsere Studie ist ein Beitrag dazu. Lediglich bei den Stipendien empfehlen Sie keine Änderung. Was macht die Stipendien besser als viele andere staatliche Leistungen? Theresa Goop: Das System ist zielgerichtet, weil die Höhe der Stipendien für Studierende vor allem vom Einkommen der Eltern abhängt. Es gibt sogar die Unterteilung in ein Darlehen, das zurückgezahlt werden muss, und ein Stipendium, das nicht zurückgezahlt werden muss. Im Vergleich zu anderen Leistungen sehen wir, dass die Stipendien wirken: Das Ziel ist, dass die Chancengleichheit beim Zugang zu tertiärer Bildung erhöht wird. Das wird mit dem derzeitigen System erreicht. Abgelehnt werden Stipendien meist, weil die sogenannte Eigenleistung hoch ist. Das ist effizient, weil so nicht Familien gefördert werden, die sich das Studium sowieso hätten leisten können. Ohne die Stipendien könnten sich rund 350 Menschen kein Studium oder keine Weiterbildung leisten. Welche Ihrer Empfehlungen könnte die Politik morgen umsetzen – und welche würden vermutlich jahrelange politische Diskussionen auslösen? Theresa Goop: Die Direktzahlungen in der Landwirtschaft umzubauen, wäre sicherlich ein langer Prozess, er würde sich aber lohnen. Alle anderen Empfehlungen sehen wir als relativ

schnell umsetzbar. Manche könnten auch ohne Gesetzesänderung umgesetzt werden. Ihre Studie ist von einer liberalen Grundhaltung geprägt. Wo ziehen Sie die Grenze zwischen einem schlanken Staat und einem Staat, der gesellschaftliche Verantwortung übernimmt? Gerald Hosp: Ein schlanker Staat und einer, der Verantwortung übernimmt, sind kein Gegensatz. Dort, wo Beitragsleistungen notwendig oder gerechtfertigt sind, muss dennoch sinnvoll mit Staatsgeldern umgegangen werden. Überall dort, wo es mit dem gleichen – oder sogar mit einem besseren – Resultat möglich ist, den Staat zu entlasten, empfehlen wir genau das. Ein Staat darf auch die Eigenverantwortung nicht verkümmern lassen. Zu guter Letzt: Ihre Empfehlungen würden den Staat in vielen Bereichen zurücknehmen. Gibt es auch Bereiche, in denen er nach Ihrer Überzeugung im Rahmen der Beitragsleitungen künftig mehr investieren sollte? Gerald Hosp: Die Studie konzentriert sich auf die Einschätzung bestehender Beitragsleistungen. Man kann sich natürlich die Frage stellen, welche Subventionen oder Transfers sinnvoll wären. Aus unserer Sicht wären dies Bereiche, die den Standort verbessern oder die Alterung der Gesellschaft berücksichtigen. Das sind beispielsweise Innovation und Forschung, die durch Steuererleichterungen und verbesserte Rahmenbedingungen gefördert werden könnten. Schulautonomie effektiv zu fördern, wäre ein anderes Thema, das wir bereits in einer Studie angesprochen haben. Und letztlich wäre die Sicherung der Pflege mit Pflegekonten eine Investition wert. Es ist aber klar, dass staatliche Leistungen in all diesen Bereichen auch unseren Kriterien entsprechen und effizient gestaltet werden müssen.


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FUSSBALL IST TEAMGEIST. MBPI. In Liechtenstein. Für Liechtenstein.

Landstrasse 105, Postfach 130, 9495 Triesen Telefon + 423 399 75 00, info@mbpi.li, www.mbpi.li


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Fotos: Michael Zanghellini

Trotz einer starken Leistung musste sich der FC Vaduz im Derby gegen St. Gallen mit 2:3 geschlagen geben, die Spieler durften das Feld aber erhobenen Hauptes verlassen.

Der Aufsteiger kassiert zum Super League-Auftakt zwei knappe Niederlagen

Einzig die Ergebnisse stimmen (noch) nicht Der FC Vaduz ist mit starken Leistungen in die Super League-Saison gestartet, steht aber nach zwei Runden ohne Punkte da. Sowohl bei der 1:2-Niederlage in Lugano als auch bei der unglücklichen 2:3-Heimpleite gegen den Schweizer Cupsieger St. Gallen sind die Vaduzer ebenbürtig, aber nicht effizient genug. Diesbezüglich zahlt der Aufsteiger in der höchsten Klasse noch Lehrgeld. Text: Chrisi Kindle

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rfolgserlebnisse gibt es für die Mannschaft von Trainer Marc Schneider dafür in der Qualifikation zur UEFAConference League. Nach einem Freilos in der ersten Runde triumphierte der Liechtensteiner Vertreter in Runde zwei gegen das Team Atlètic Club d‘Escaldes aus Andorra

souverän mit dem Gesamtscore von 6:0. Gegner in der dritten Qualifikationsrunde ist der finnische Club Inter Turku.

Beinahe eine Überraschung gegen St. Gallen

Im ersten Heimspiel der neuen Saison kam es im

mit 6800 Fans ausverkauften Rheinparkstadion gleich zum Ost-Derby gegen St. Gallen. Der Aufsteiger machte sich vor dem Spiel nicht nur wegen der positiven Statistik gegen den grossen Nachbarn Hoffnung, sondern auch aufgrund der guten Leistung eine Woche zuvor beim Auftakt in Lugano. Doch der Start in diese Partie


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hätte für die Schneider-Elf nicht schlimmer sein können. Schon nach knapp 20 Sekunden unterlief Keeper Benjamin Büchel, der den gesperrten Stammtorhüter Leon Schaffran vertrat, ein kapitaler Fehler, den Balde zur St. Galler Führung nützte. Vaduz erholte sich jedoch rasch von diesem Schock, zehn Minuten später glich Monsberger nach Vorarbeit von Dalipi aus. Der Aufsteiger hatte in der Folge durch Hasler und Sorgic Möglichkeiten zur Führung, diese kam aber erst nach der Pause. Neuzugang Juan Cabrera traf per Abstauber, nachdem Monsberger noch an Torhüter Watowiak gescheitert war. Vaduz blieb am Drücker und hatte durch Monsberger die Riesenchance zum 3:1, der Österreicher traf aber nur den Pfosten. Wenig später zappelte der Ball dann tatsächlich im St. Galler Netz, doch Dalipis Treffer wurde aufgrund einer knappen Abseitsentscheidung nicht gegeben. Mit diversen Wechseln brachte St. Gallen-Trainer Enrico Maassen nochmals Schwung in seine Reihen, und tatsächlich traf Joker Owusu in der Schlussphase zweimal. Bei Vaduz liessen die Kräfte in der schwülheissen Luft nach, und so kam keine Reaktion mehr. St. Gallen feierte einen etwas glücklichen 3:2-Sieg im Rheinparkstadion.

Noch fehlt dem FCV die Effizienz

Für FCV-Trainer Marc Schneider war die vergebene Chance von Monsberger zum 3:1 der Knackpunkt dieses Spiels. «Ich bin sicher, St. Gallen wäre sonst nicht mehr zurückgekommen. Wir haben nun sowohl gegen Lugano als auch gegen St. Gallen sehr gut mitgehalten, aber in den beiden Strafräumen müssen wir uns noch verbessern.» Schneider spricht somit die fehlende Effizienz seiner Mannschaft an. Schon eine Woche zuvor in Lugano hätte der Aufsteiger nach einer starken ersten halben Stunde führen müssen, stattdessen kassierte er zwei Gegentore nach Standard-Situationen. Diesbezüglich zahlt der Liga-Neuling noch etwas Lehrgeld. Zudem müssen sich die Vaduzer an den höheren Rhythmus in der Super League erst gewöhnen. Im Vergleich zur Challenge League werden Fehler in der höchsten Klasse von Gegnern wie Lugano oder St. Gallen sofort bestraft. Insgesamt aber hat das Team von Trainer Marc Schneider in den ersten beiden Runden gezeigt, dass es sich vor grossen Namen nicht verstecken muss. Lugano und St. Gallen beendeten die vergangene Saison auf den Plätzen zwei und drei und zählen auch in der laufenden Meisterschaft zu den Favoriten. Und in beiden Partien war Vaduz ebenbürtig, einzig die Ergebnisse stimmten nicht.

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Mittelfeldspieler Juan Cabrera erzielte gegen St. Gallen den zwischenzeitlichen 2:1-Führungstreffer.

Die Neuzugänge ergänzen das Gerüst aus der Vorsaison sehr gut, allen voran YB-Leihgabe Lutfi Dalipi, der im vergangenen Jahr bei Wil spielte, erweist sich als echte Verstärkung. Der 20-jährige offensive Mittelfeldspieler hat zumindest in den ersten Spielen Eindruck hinterlassen. Auch der 23-jährige gebürtige Uruguayer Juan Cabrera, den Vaduz vom deutschen Zweitligisten Greuther Fürth geholt hat, scheint ein belebendes Element in der FCV-Offensive zu sein. Gegen St. Gallen erzielte er den zwischenzeitlichen 2:1-Führungstreffer.

Zwei Neuzugänge fallen verletzt aus

Bei zwei anderen Neuzugängen hat allerdings schon früh in der Saison das Verletzungspech zugeschlagen. Der 20-jährige Ranjan Neelakandan zog sich eine schwere Knieverletzung zu und fällt mehrere Monate aus. Auch auf Lado Akhalaia müssen die Vaduzer aufgrund einer SchulterBlessur, zugezogen nach wenigen Minuten im Europacup-Hinspiel gegen Escaldes, einige Zeit verzichten müssen. Stephan Seiler wird den Vaduzern nach einer Knie-Operation ebenfalls für mehrere Wochen nicht zur Verfügung stehen. Sportchef Franz Burgmeier hat auf diese Ausfälle bereits reagiert und den Deutschen Daniel Kasper verpflichtet. Der 24-jährige Mittelstürmer spielte zuletzt beim belgischen Zweitligisten Eupen, vorher stand er bei Wormatia Worms und bei Greuther Fürth II unter Vertrag. Der

1,88 Meter grosse Kasper soll die durch die Verletzungen von Neelakandan, Akhalaia und Seiler hinterlassene Lücke in der Offensive schliessen.

Wie weit geht es in der Conference League?

Die erste Hürde in der Qualifikation zur Conference League meisterte der FC Vaduz souverän. Gegen Escaldes aus Andorra war die Sache schon nach dem Hinspiel im Rheinparkstadion gegessen, der Favorit setzte sich klar mit 4:0 durch. Das Rückspiel im Pyrenäenstaat war nur noch eine Pflichtaufgabe, Vaduz siegte auch dort mit 2:0. Nächster Gegner in der dritten Quali-Runde ist das Team Inter Turku aus Finnland, welches sich etwas überraschend gegen Basaksehir Istanbul durchsetzen konnte. Das Hinspiel in Turku fand am Donnerstag statt, also nach Redaktionsschluss dieser Ausgabe. Die Entscheidung über den Einzug in die Play-offs fällt dann im Rückspiel im Rheinparkstadion am Donnerstag, den 13. August. Gegner in den Play-offs wäre dann entweder der FC Kopenhagen oder Debrecen aus Ungarn. Der Sieger qualifiziert sich für die Gruppenphase der UEFA-Conference League. In der Super League warten auf den FC Vaduz nun zwei schwere Auswärtsspiele gegen Sion (9. August) und YB (23. August). Am Wochenende des 15./16. August hat Vaduz aufgrund einer Schweizer Cup-Runde spielfrei.


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Spielplan FC Vaduz

Aktueller Kader FC Vaduz

Sonntag, 9. August, 16.30 Uhr: Sion – Vaduz Donnerstag, 13. August, 19.30 Uhr: FCV – Turku (Conference League) Sonntag, 23. August, 14.00 Uhr: YB – Vaduz Sonntag, 30. August, 16.30 Uhr: Vaduz – GC Mittwoch, 2. September, 20.30 Uhr: Luzern – Vaduz Samstag, 5. September, 18.00 Uhr: Vaduz – Lausanne Sonntag, 13. September, 14.00 Uhr: FC Zürich – Vaduz Sonntag, 20. September, 14.00 Uhr: Vaduz – Thun Sonntag, 11. Oktober, 16.30 Uhr: Vaduz – Basel

Verteidiger 5 Liridon Berisha (Sz) 6 Denis Simani (Sz/Alb) 4 Nicolas Hasler (Lie) 27 Niklas Lang (Deu) 14 Mischa Beeli (Sz) 29 Malik Sawadogo (Sz/BF) 37 Lua Celentaro (Sz) Mittelfeld 7 Dominik Schwizer (Sz) 8 Stephan Seiler (Sz/Bra) 10 Juan Cabrera (Deu/Uru) 11 Lutfi Dalipi (Sz/Por) 17 Julian Stark (Deu) 20 Luca Mack (Deu) 22 Mischa Eberhard (Sz) 23 Mats Hammerich (Sz/Deu) 28 Milos Cocic (Deu) 30 Mattia Walker (Sz)

Stürmer 9 Marcel Monsberger (Oe) 16 Ranjan Neelakandan (Sz/Ita) 19 Dejan Djokic (Sz) 24 Lado Akhalaia (Mold/Rum) 39 Dejan Sorgic (Ser/Kro) 18 Daniel Kasper (Deu) Torhüter 25 Leon Schaffran (Deu) 1 Benjamin Büchel (Lie) 21 Tim Oehri (Lie) 38 Nico Föllmi (Sz)

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Giosue Schulthess in Aktion

Agim Zeqiri, seit Juli 2026 Sportlicher Leiter des FC USV

Der FC USV mit neuem Sportlichem Leiter Seit der Neuwahl des Vorstands hat sich so einiges beim FC USV Eschen-Mauren getan. So wurde neben der Verpflichtung von Trainer Patrick Winkler mit dem bekannten Ruggeller Stürmer Agim Zeqiri ein weiterer Fachmann auf den Posten des Sportlichen Leiters geholt. Er hat mit Cheftrainer Winkler elf Spieler ersetzen müssen, weil sich die Vereinsphilosophie hinsichtlich der ersten Mannschaft grundlegend geändert hat. Interview: Herbert Oehri

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auptziel ist aufgrund der engen finanziellen Verhältnisse beim USV eine Abkehr von hohen Geldzahlungen an die Spieler der ersten Mannschaft. So sind sehr starke Spielerpersönlichkeiten, meist junge, die im Fussballsport weiterkommen möchten, für das Eins verpflichtet worden. Die allermeisten stammen aus dem Land und der Region. Die Zielsetzung für die erste Mannschaft ist klar definiert: Ligaerhalt. Agim Zeqiri spielt in diesem Kontext eine wichtige Rolle. Er ist Bindeglied zwischen Spielern, Trainer und Vorstand. Er hat auch einige der neuen Spieler ausgesucht und zum USV geholt.

Agim, fiel dir der Abschied nach einer so erfolgreichen Zeit beim FC Ruggell schwer? Agim Zeqiri: Ja sehr, denn es waren immerhin acht tolle Jahre in Ruggell. Wie bist du gerade auf den FC USV gekommen? Hat Deine Zugehörigkeit als Erstligaspieler vor einigen Jahren beim FC USV auch etwas mit dem Wechsel zu tun? Nein, überhaupt nicht, sondern Vorstandsmitglieder kamen auf mich zu, und da ent-

stand danach der erste Kontakt mit Präsident Mathias Speiser. Was war deine vordringlichste Arbeit beim USV? Erstens habe ich mich mit dem bestehenden Kader und dem Staff vertraut gemacht, zweitens das Beste gegeben, um mit der neuen Philosophie ein konkurrenzfähiges Team zusammenzustellen und drittens die zweite Mannschaft verstärkt mit dem Ziel Aufstieg. War es schwer, erstligafähige Spieler zu


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Mannschaftsfoto 2026/27: Oben v. l.: Enis Nimoni, Ricard Micevski, Marin Cavar, Luka Krbanjevic; Niclas Jordan Bickel, Adem Draganovic, Emir Murati, Medin Murati; Mitte v. l.: Roberto Barba Gavric (TH-Trainer), Mathias Speiser (Präsident), Martin Dankert (Athletik Trainer), Livio Meier, Loïc Aurel Gyr, Andri Zimmermann, Manoel Honorio, Jonas Uehli, Alessandro Lo Russo, Benjamin Perkolaj, Daniel Schöllhorn (Assistenz-Trainer), Martin Frommelt (Sponsor Casino Schaanwald), Patrick Winkler (Trainer); Unten v. l.: Albanor Sherifi, Liam Kranz, Aleksandar Zivanovic, Gabriel Foser, Silvan Schädler, Giosué Schulthess, Filip Radojicic, Justin Seifert

Meisterschaftsauftakt

finden, da der Verein aus finanziellen Gründen das Budget zurückfahren musste? Wir wollten mit unserer neuen Ausrichtung junge, hungrige Spieler mit Potenzial verpflichten und einen guten Mix mit erfahrenen Spielern wie Cavar oder Draganovic im Team herstellen. Wie stufst du den Kader des neuen USV ein? Wir haben durchaus ein konkurrenzfähiges Erstliga-Team, das sich im Verlauf der Saison weiterentwickeln wird, denn das Potenzial ist vorhanden. Der USV ist immer noch auf der Suche nach einem klassischen Torjäger. Stimmt das und habt ihr schon jemand im Auge? Wir machen uns keinen Druck, um einen Torjäger zu verpflichten. Diese sind rar und passen oft nicht in unser Budget. Ausserdem haben wir genügend offensive Qualitäten im Kader. Wir bleiben in der aktuellen Transferphase geduldig und tätigen keine Schnellschüsse. Alles muss wohlüberlegt sein. Was ist die Zielsetzung des Vereins für die erste Mannschaft? Strebt der Verein ein ge-

Patrick Winkler, Cheftrainer FC USV Eschen-Mauren

sichertes Mittelfeld an oder heisst die Devise, sich in der 1. Liga zu halten? Das erste Ziel bleibt ganz klar der Ligaerhalt. Wir möchten schnellstmöglich nichts mit dem Abstieg zu tun haben und uns im Idealfall im gesicherten Mittelfeld positionieren. Wir setzen auf eine gute Entwicklung als Team und individuell. Jeder Spieler, der auf dem Platz steht, muss die Mentalität mitbringen, für den USV alles zu geben. Zum Schluss eine persönliche Frage: Du wurdest noch vor Wochen als der stärkste Angreifer mit den meisten erzielten Toren des Aufsteigers FC Ruggell gefeiert. Würde es dich nicht reizen, auch in der 1. Liga wieder ein Comeback zu wagen, da der USV

1. Liga - Classic - Gruppe 3 Samstag 8. August 2026 16:00 Uhr FC Baden 1897 - FC Winterthur U-21 16:00 Uhr FC Kosova - FC Mendrisio 16:00 Uhr FC Thalwil - FC Collina d‘Oro 16:00 Uhr AC Taverne - USV Eschen/Mauren 16:00 Uhr FC Dietikon - FC Wettswil-Bonstetten 18:30 Uhr FC Tuggen - FC Widnau 19:00 Uhr FC Locarno - FC St. Gallen 1879 U-21 Sonntag, 09. August 2026 14:00 Uhr FC Gossau - FC Freienbach

offensichtlich die Stürmerfrage bis heute nicht ganz klären konnte? Erstens sind wir im Kader vom USV1 gut bestückt und zweitens sehe ich meine Challenge in der Mission Aufstieg beim USV II.


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Fabio Luque Nataro (links), Neuerwerbung des FC Balzers.

Alessandro Hossmann

Neuer Anlauf mit Spielertrainer Villiam Pizzi und Trainer Aydin Demirci

Der FC Balzers strebt den Wiederaufstieg an Der FC Balzers macht nach dem Weggang von Trainer Clemente mit einem Spielertrainer den nächsten Anlauf, um in die 1. Liga classic zurückzukehren. Der neue Spielertrainer heisst Villiam Pizzi, ist ein Balzner Urgestein und war einige Jahre beim FC USV als gefährlicher Stürmer in Aktion. Ihm steht in der Person von Aydin Demirci ein erfahrener und kampferprobter Co-Trainer zur Seite. Beide wollen den FC Balzers in die 1. Liga zurückführen. Ein Gespräch mit Trainer Aydin Demirci. Interview: Herbert Oehri

A

ydin, der FC Balzers startet am 22. August nach einer intensiven Vorbereitung in die neue Saison. Wie bist du mit dem bisherigen Verlauf der Vorbereitung zufrieden? Aydin Demirci: Ich bin sehr zufrieden, die neuen Spieler sind super integriert, die Stimmung ist toll. Der Konkurrenzkampf ist eröffnet.

Es sind acht neue Spieler verpflichtet worden. Wie gross ist der Kader und wie stufst du die Spielstärke im Vergleich zum Kader der vergangenen Saison ein?

selbst gewichte Abgänge sehr gut kompensieren.

Wir haben 19 Feldspieler und drei Torhüter. Wir haben sicherlich einen ausgeglicheneren Kader als letzte Saison. Offensiv sind wir im Vergleich zum vergangenen Jahr in der Breite auch stärker. Ich bin der Meinung, wir konnten

Wir wollen vorne mitmischen. In der vergangenen Saison gab es zuviele Ups und Downs, sodass es am Ende nicht ganz nach vorne reichte. Diese Saison probieren wir es erneut und versuchen, unter die ersten Drei zu kommen.

Wie sind die Zielsetzungen des Vereins für das laufende Meisterschaftsjahr?


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Saisonauftakt 2. Liga Interregional – Gruppe 5 Samstag 22. August 2026 16:00 Uhr FC Uzwil - KF Dardania St. Gallen FC Rorschach-Goldach 17 1 FC Schaffhausen 2 FC Frauenfeld 1 - FC Ruggell 1 SV Schaffhausen - FC Stäfa 1895 1 17:00 Uhr FC Seuzach 1 - FC Balzers 1 17:30 Uhr FC Weesen 1 - FC Linth 04 Sonntag, 23. August 2026 13:30 Uhr FC Altstätten 1 - FC Seefeld ZH 1

Mannschaftsfoto 2026/27: Oben v. l. Samuel Cernadas, Francesco Sestito, Suad Gerzic, Niklas Beck, Filip Degen, Mitko Gjorgjievski, Elia Galloro, Fabio Luque Notaro, Ardit Destani; Mitte v. l. Jessica Roider (Physio), Rene Kobler (TH-Trainer), Francesco Di Gianvito (Analytiker), Aydin Demirci (Co-Trainer), Samuel Prisset, Santiago Checchini, Kenny Kindle, Rafael Blumenthal, Simon Zahn (Coach), Marco Wolfinger (Sportchef), Arnold Büchel (Hauptsponsor), Daniel Bircher (Hauptsponsor); Vorne v. l. Fabio Wolfinger, Resandan Yogarajah, Alessandro Hossmann, Thomas Hobi, Lorenzo Lo Russo, Nicola Hartmann, Marius Nipp, Tino Dietrich, Villiam Pizzi

Villiam Pizzi neuer Spielertrainer des FC Balzers Aydin Demirci, Co-Trainer

Wen siehst du als die stärksten potenziellen Gegenkandidaten des FC Balzers im Kampf um den Meistertitel? In der 2. Liga Interregional-Gruppe 5 gibt es einige wirklich starke Teams. Ich persönlich sehe den FC Seefeld, den FC Weesen und den FC Linth 04 im Kampf um den Meistertitel als grosse Favoriten und Gegenspieler von Balzers. Kannst du bitte die Neuzugänge und Abgänge nennen? Zugänge: Ardit Destani, Filip Degen, Suad Gerzic, Rafael Blumenthal, Fabio Luque-Notaro, Villiam Pizzi als Spielertrainer, Mitko Gorgjievski, Alessandro Hossmann Abgänge: Maurice Wunderli, Aljaz Kavcic, Sandro Wolfinger hat seine Karriere beendet, Stefan Cavigelli ebenfalls, Dario Clasadonte, Justin Pires, Ivano Lucic und Kevin Bentele, der eine Pause einlegt.

Aydin Demirci und Francesco Di Gianvito machen als Co-Trainer weiter.

Der FC Balzers ist nach dem Weggang von Trainer Gerardo Clemente auf der Suche nach einem Nachfolger fündig geworden. Der Vereinsvorstand ernannte Villiam Pizzi zu dessen Nachfolger. Pizzi wird als Spielertrainer die Hauptverantwortung als Trainer übernehmen. Ihm zur Seite stehen Aydin Demirci und Francesco Di Gianvito als erfahrene CoTrainer, die schon in der vergangenen Saison für den FC Balzers in dieser Funktion tätig waren. Der FCB versucht mit einem Spielertrainer an die Erfolge in den vergangenen Jahren anzuknüpfen und will bei der Aufstiegsfrage in die 1. Liga ein wichtiges Wort mitreden. Pizzi spielte mehrere Jahre beim USV, beim FC Balzers, beim FC Zug und weiteren Vereinen in der 1. Liga.


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Bilder: FIS

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Alexander Ospelt freut sich über seine Wahl zum Präsidenten des Internationalen Skiverbandes FIS. Auf den Liechtensteiner wartet viel Arbeit.

Seit dem 11. Juni ist der Liechtensteiner Alexander Ospelt Präsident des Internationalen Skiverbandes FIS

«Meine Wahl hat bei vielen Menschen Interesse an Liechtenstein geweckt» Der 11. Juni war ein historischer Tag. Der Liechtensteiner Rechtsanwalt Alexander Ospelt wurde in Belgrad mit 65:64 Stimmen gegenüber dem bisherigen Amtsinhaber, dem Schweden Johan Eliasch, zum neuen Präsidenten des Internationalen Skiverbandes FIS gewählt. Ein Liechtensteiner ist also weltweit der höchste Funktionär im Skisport. Interview: Chrisi Kindle

N

icht nur für den 58-jährigen Ospelt bedeutet diese Wahl etwas ganz Besonderes, es ist auch eine grosse Ehre für das Land Liechtenstein. Wie gut hat sich der neue FIS-Präsident schon in sein neues Amt eingelebt, was sind seine grössten Herausforderungen und wie will er die Wogen innerhalb des Internationalen Skiverbandes glätten? Inwiefern hat sich dein Leben seit der Wahl am 11. Juni verändert?

Alexander Ospelt: Es ist tatsächlich so, dass die Anzahl an WhatsApp-Nachrichten, EMails und Telefonaten um ein Mehrfaches zugenommen hat. Man ist praktisch rund um die Uhr im Einsatz – sozusagen ständig auf Pikett. Das bedeutet natürlich nicht, dass ich 24 Stunden am Tag arbeite. Für die FIS wende ich rund 60 Prozent meiner Arbeitszeit auf. Hinzu kommen auch repräsentative Verpflichtungen wie Einladungen zu Vorträgen, gesellschaftlichen Anlässen und sportlichen Veranstaltungen auf der ganzen Welt. Entsprechend hat auch meine Reisetätigkeit deutlich zugenommen.

«Ich war überhaupt nicht nervös» Was war dein erster Gedanke, als du das Wahlresultat am Bildschirm gesehen hast? Zunächst war da grosse Erleichterung, dass es gereicht hat. Gleichzeitig hat mich fasziniert, dass am Ende tatsächlich nur eine einzige Stimme den Ausschlag gegeben hat. Rückblickend überrascht mich, dass ich während der gesamten Gespräche, der Vorbereitungen und auch während der Wahl nie nervös war – bis auf die letzten zehn Minuten vor der Bekanntgabe des Resultats. Ich hatte das


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Foto: FIS / Action Press / Marko Djokovic

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Gefühl, für diese Aufgabe bereit zu sein und Verantwortung übernehmen zu wollen. Es gab 64 Stimmen für deinen Gegenkandidaten Johan Eliasch, hast du auch Gegenwind für deine Kandidatur gespürt? Eigentlich weniger Gegenwind als vielmehr Respekt vor der Ausgangslage. Wir sind gegen einen amtierenden Präsidenten angetreten. Viele waren der Meinung, dass es kaum möglich sei, einen Amtsinhaber zu schlagen – selbst jene, die mich unterstützt haben, beispielsweise Italien. Umso mehr hat es mich gefreut, dass wir am Ende so viele Verbände von unseren Ideen überzeugen konnten. Als amtierender Präsident verfügte Johan Eliasch naturgemäss über ein Netzwerk und langjährige Beziehungen zu den Mitgliedsverbänden. Hinzu kommt seine Rolle als Eigentümer der Skifirma Head. Persönlichen Gegenwind habe ich jedoch nicht gespürt. Nach der Wahl organisierte der Liechtensteinische Skiverband einen Empfang, an dem praktisch alle Verbände teilnahmen und mir ihr Vertrauen aussprachen.

Verschiedene Interessen zusammenführen Die grossen Verbände stehen hinter dir. Um wie vieles erleichtert das deine Amtsführung? Ich weiss nicht, ob es die Amtsführung wirklich erleichtert. Mit meiner Wahl vertrete ich die Interessen aller FIS-Mitgliedsverbände. Natürlich gibt es dazu unterschiedlichste Erwartungen und Vorstellungen. Meine Aufgabe ist es, die verschiedenen Interessen zusammenzuführen und im Sinne der gesamten FIS zu handeln. Was waren deine ersten Amtshandlungen und was werden die nächsten sein? In den mittlerweile gut 50 Tagen im Amt war es mir wichtig, die Organisation der FIS neu aufzustellen. Im Einklang mit den Statuten haben wir wieder einen Generalsekretär eingesetzt und verzichten auf die bisherige CEO-Struktur, da die Statuten bestimmte Verantwortlichkeiten ausdrücklich dem Generalsekretär zuweisen. Zudem arbeiten wir intensiv daran, die Corporate Governance und die Unternehmenskultur weiterzuentwickeln. Ich habe ausserdem die in meinem Wahlprogramm angekündigte NSAConnector-Plattform initiiert. Derzeit prüfen wir zudem, ob Weltmeisterschaften – mit Aus-

Der neu gewählte FIS-Präsident Alexander Ospelt auf dem 57. FIS-Kongress 2026 in Belgrad, Serbien.

nahme von Olympiajahren – künftig jährlich durchgeführt werden könnten.

nutzen. Besonders im Freestyle sehe ich grosses Potenzial für eine stärkere Vermarktung.

Darüber hinaus habe ich die Kostenstruktur analysiert und entsprechende Massnahmen zur Kostensenkung eingeleitet. Gleichzeitig führe ich Gespräche mit Sponsoren und Partnern, um die Einnahmen der FIS nachhaltig zu steigern. Auch die Teilnahme an der IOC-Session in Lausanne war ein wichtiger Termin, zumal die Vorbereitungen auf die nächsten Olympischen Spiele derzeit bereits sehr intensiv laufen.

Gemeinsam mit verschiedenen Programmanbietern arbeiten wir derzeit an einer Serie über unsere Athletinnen und Athleten, um sie dem Publikum näherzubringen. Gleichzeitig prüfen wir, wie bereits erwähnt, die Möglichkeit, Weltmeisterschaften künftig jährlich durchzuführen.

Ziel: Jedes Jahr eine WM

Inwiefern kann Liechtenstein von deiner Wahl als FIS-Präsident profitieren?

Steht es wirklich so schlecht um die Finanzen bei der FIS? Den jährlichen betrieblichen Ausgaben von rund 31 Millionen und den zusätzlichen Ausschüttungen an die Mitgliedsverbände von rund 25 Millionen stehen Einnahmen gegenüber, die diese Aufwendungen nicht vollständig decken. Wir leben derzeit also teilweise von unserer Substanz. In den vergangenen vier Jahren hat sich das Eigenkapital von rund 80 Millionen auf etwa 40 Millionen halbiert. Deshalb müssen wir sicherstellen, dass die Ausgaben künftig wieder vollständig durch die Einnahmen gedeckt werden. Was sind die grössten Veränderungen, die du anstreben wirst? Mir ist wichtig, die Kultur innerhalb der FIS zu verbessern. Der Sport soll wieder mehr Freude bereiten – für die Athletinnen und Athleten ebenso wie für Funktionärinnen und Funktionäre. Zudem wollen wir die Infrastruktur im Sinne unserer Athletinnen und Athleten weiterentwickeln. Wir müssen die Stärken aller Disziplinen besser

Liechtenstein stark vertreten

Es ist schön zu sehen, dass die Wahl bei vielen Menschen Interesse an Liechtenstein geweckt hat. Liechtenstein ist zudem in der Vorbereitung auf die nächsten Olympischen Spiele aussergewöhnlich stark vertreten: In der zwölfköpfigen Arbeitsgruppe wirken mit Prinzessin Nora und mir gleich zwei Vertreter unseres Landes mit. Für ein kleines Land wie Liechtenstein ist das eine bemerkenswerte Präsenz. Allein die Wahl des FIS-Präsidenten wurde gemäss einer Medienanalyse der FIS weltweit von rund 120 Fernsehsendern ausgestrahlt und in rund 1800 Print- und Onlinemedien aufgegriffen. Hinzu kamen Millionen von Aufrufen auf Onlineplattformen. Der Artikel der «New York Times» erzielte beispielsweise rund 145 Millionen Aufrufe. Einige haben Liechtenstein dadurch vermutlich überhaupt erst wahrgenommen und nach der Wahl zunächst einmal gegoogelt, wo es überhaupt liegt. Die Wahl hat damit sicher dazu beigetragen, Liechtenstein international sichtbarer und bekannter zu machen.


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FC Jugendrat bezwang die Abgeordneten-Auswahl mit 4:2

FC Landtag und FC Jugendrat treffen sich zum Freundschaftsspiel Politischer Nachwuchs und Abgeordnete im sportlichen Duell: Das ­Fussballteam des Landtags hat Ende Juni auf der Blumenau in Triesen erstmals gegen die Mannschaft des Jugendrats Liechtenstein gespielt. Der FC Jugendrat entschied die Partie mit 4:2 für sich.

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ei hochsommerlichen Temperaturen trafen sich am Abend des 27. Juni die Fussballmannschaften des Landtags und des Jugendrats zum Freundschaftsspiel auf der Blumenau in Triesen. Es war das erste Aufeinandertreffen der beiden Mannschaften. Die Landtagsabgeordneten mit externer Verstärkung bestimmten zu Beginn die Partie und gingen in Führung. Im weiteren Spiel-

verlauf gelang dem FC Jugendrat jedoch die Wende, am Ende setzte sich die Mannschaft mit 4:2 durch. Landtagspräsident Manfred Kaufmann gratulierte dem FC Jugendrat zum Sieg. «Es war ein sehr faires Spiel mit guter Stimmung. Auch der Austausch kam nicht zu kurz», sagte der Kapitän des FC Landtag. «Wir freuen uns auf eine baldige Revanche.» Der Jugendrat Liechtenstein ist eine Plattform für politisch interessierte junge Er-

wachsene. Sie befassen sich mit diversen politischen Themen und treffen sich unter anderem jährlich zur Jugendsession im Landtagsgebäude, um über Anliegen und Fragestellungen zu diskutieren, die junge Menschen betreffen. Der Landtag schätzt das Engagement des Jugendrats zur Stärkung der politischen Partizipation junger Erwachsener und nimmt die an der Jugendsession diskutierten Themen jeweils gerne auf.


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Staatsfeiertag und Höhenfeuer

Seit 1956 brennt am Staatsfeiertag eine Feuerkrone auf Tuass Feuerwerk, Höhenfeuer und die Feuerkrone auf Tuass gehören zu den Merkmalen des Staatsfeiertags. Vor 70 Jahren brannte die Feuerkrone erstmals als Zeichen der Verbundenheit zwischen Fürstenhaus und Volk. Höhenfeuer auf den Bergspitzen gab es jedoch schon vorher. Text: Günther Meier

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as Jahr 1956 war ein besonderes Jahr für Liechtenstein. Im September feierte das Land das Jubiläum «150 Jahre Souveränität»

mit einer Reihe von Festivitäten, mit einer Festsitzung des Landtags, einem Dankgottesdienst auf Dux, wo Fürst Franz Josef II. das Land in Erinnerung an die Kriegszeit erneut

dem Schutz und Segen der Gottesmutter Maria empfahl, sowie mit einem grossen Umzug durch Vaduz und dem anschliessenden Kinderfest. Das Jubiläum selbst erinnerte an


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Feuerwerk über Schloss Vaduz anlässlich des 50. Geburtstages S.D. Fürst Franz Josef II. / 15. August 1956 / Copyright: Hellmut Heering; Quelle: Liechtensteinisches Landesarchiv / Vaduz; B 271/022/001

die Aufnahme des Fürstentums Liechtenstein in den Rheinbund im Jahr 1806, womit es als souveräner Staat anerkannt worden war. Wenige Woche vor dem Jubiläum hatte schon ein grosses Fest zu Ehren von Fürst Franz Josef II. stattgefunden, der in jenem Jahr seinen 50. Geburtstag feiern konnte. Der damalige Staatsfeiertag wurde am 15. August im traditionellen Rahmen abgehalten. Allerdings mit einer Neuheit, die bis heute Bestand hat – auf Tuass brannte eine Feuerkrone, die weithin sichtbar war, vor allem aber von der Festgemeinde in Vaduz aus.

Die Feuerkrone – früher eine nicht ungefährliche Sache

Als idealer Standort für die Feuerkrone war die Steilwiese auf Tuass ausgewählt worden, wie Josef Frommelt in der Chronik über Krone, Höhenfeuer und Fackelzug in der Zeitschrift «Bergheimat» ausführt. Die Idee für eine Feuerkrone war von den Bergsteigern des Liechtensteiner Alpenvereins aufgebracht worden, die für den Startschuss für dieses Unternehmen den 50. Geburtstag des Landesfürsten wählten. Laut Josef Frommelt besteht die Feuerkrone, die von den beiden

Schaanern Toni Frommelt und Eugen Frick genau ausgemessen worden war, aus 115 Feuern und misst 140 Meter in der Breite sowie 160 Meter in der Höhe. Als Brennmaterial wurde beim Auftakt eine Mischung als Sägemehl und Nitrolackresten von der damaligen Firma Schekolin verwendet: Insgesamt rund zwölf Zentner Sägemehl und etwa 200 Liter Nitrolack, die auf dem schmalen Fussweg vom Kohlplatz in der Lawena bis Tuass geschleppt werden mussten. Die Sägemehl-NitrolackMischung füllten die Helfer in Papiersäcke, die in die ausgemessenen Löcher gesteckt wurden. Als um 21 Uhr die Feuerkrone entzündet wurde, hatte eine Gruppe von Helfern eine wichtige Aufgabe zu erfüllen, wie Josef Frommelt berichtet: «Um das regelmässige Abbrennen der Feuer zu sichern, mussten mindestens 12 bis 15 Helfer von einem Feuer zum anderen rennen und mit Stöcken die Oberfläche des verbrannten Sägemehls aufstochern, was an diesem sehr steilen Hang eine recht anstrengende, wegen der Hitze schweisstreibende und, wegen der Möglichkeit auszurutschen, eine gar nicht ungefährliche Sache war.» Um das Entzünden der Feuerkrone etwas weniger gefährlich zu ma-

chen, wurden die Sägemehl-Nitrolack-Feuer später durch Fackeln ersetzt.

Höhenfeuer entzünden als patriotisches Zeichen

Mit der Feuerkrone war 1956 ein Zeichen gesetzt worden, das am Staatsfeiertag nicht mehr wegzudenken ist. Allerdings war es nicht die erste Krone mit Feuer, die auf den liechtensteinischen Bergen entzündet wurde. Die Geschichte von Krone und Höhenfeuer reicht weiter zurück. Eine Feuerkrone wurde schon 1939 auf Gafadura entzündet, zusammengesetzt aus 300 kleinen Feuern. Dazu die Schrift «Für Gott, Fürst und Vaterland», so gross, dass sie im Tal gelesen werden konnte. Allerdings eignete sich Gafadura nicht besonders für eine Feuerdemonstration, weil Krone wie Schriftzug nur von ausgewählten Orten sichtbar waren. Der Standort Tuass, der ein paar Jahre später gewählt wurde, eignete sich bedeutend besser. Aber unabhängig davon, ob viele Liechtensteinerinnen und Liechtensteiner die Feuer auf Gafadura sehen konnten: In der Zeit kurz vor dem Zweiten Weltkrieg hatten die


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Feuerkrone und der Schriftzug «Für Gott, Fürst und Vaterland» eine ganz spezielle Bedeutung. Die Volksdeutsche Bewegung in Liechtenstein und die Volksjugend hatten an verschiedenen höher gelegenen Wiesen immer wieder Feuer entzündet, teilweise Feuer in Form von Hakenkreuzen. Diesem Feuerkult wollten die Pfadfinderinnen und Pfadfinder etwas Spezielles entgegensetzen. Aus dieser Idee entstanden der Fackelzug über die Drei Schwestern und den Fürstensteig sowie die Höhenfeuer, die heute noch zahlreich auf den Bergspitzen am Staatsfeiertag lodern. Die Pfadfinderbewegung, die sich damit deutschfreundlichen Kräften widersetzte, erlebte zu jener Zeit einen grossen Aufschwung. Die Ziele der Pfadfinder wurden sogar in Anlehnung an einen Ausspruch Adolf Hitlers bei der Werbung von neuen Mitgliedern formuliert: «Eine Jugend, die flink ist wie Windhunde, hart wie Stahl und zäh wie Leder.» Als oberster Grundsatz galt damals für die Pfadfinder: «Werde ein Kämpfer für Fürst und Heimat.»

Die ersten Fackelzüge über die Berggipfel

Die Feuerkrone auf Gafadura war Teil einer grösseren Feueraktion der Pfadfinder. Die Rover entzündeten zum Geburtstag des Landesfürsten am 16. August 1938 eine Kette von Höhenfeuern von Gafadura bis zur Falkniskette. Ein Jahr später rief der damalige Pfadfinderführer und spätere Regierungschef Alexander Frick zu einem «Fackelzug durch den Fürstensteig» auf: «Es müsste doch etwas Eigenartiges sein, wenn man vom Rheintal aus so einem Feuerzug durch die kahlen, düsteren Wände des Gipsberges sich bewegen sähe. Und für uns Rover, die wir einer hinter dem anderen auf dem schmalen Felsenpfade als leuchtende Glieder dieser Feuerkette marschieren würden, wäre es sicher auch ein erhebendes Ereignis.» Der Aufruf hatte Erfolg, viele machten mit und viele andere staunten, wie das «Liechtensteiner Volksblatt» damals berichtete: «Unsere wackeren Pfadfinder haben den Geburtstag unseres Fürsten auf eine prächtige Weise gefeiert. Am Vorabend, also Maria-Himmelfahrtsabend, begann ein Lichter- und Feuerkranz draussen am Rhein und zog sich über den Schellenberg nach Gafadura. Auf Gafadura war eine prächtige flammende Fürstenkrone im Ausmass von ca. 50 Metern. Gegen 300 kleine Feuer waren zu einer Krone zusammengestellt. Durch den

Fürstensteig bewegte sich ein Zug von 50 leuchtenden Fackeln. Der Feuerkranz zog über den Grat weiter und endete in einer grossen lodernden Flamme auf dem Falknis.» In der «Führerzeitung» der Pfadfinder wurde die Feueraktion ebenfalls gewürdigt. Der Fackelzug durch den Fürstensteig habe ausnahmslos gut gefallen, wie die liechtensteinischen Zeitungen berichtet hätten und sei sogar in der Auslandspresse anerkennend vermerkt worden sei.

Offizieller Staatsfeiertag erstmals im Jahr 1940

Die Höhenfeuer am Vorabend des Geburtstags von Fürst Franz Josef II. brachten eine Diskussion in Gang, ob Liechtenstein wie andere Länder einen Staatsfeiertag erhalten sollte. Die Regierung reagierte darauf und teilte das Ergebnis am 5. August 1940 in einer Amtlichen Kundmachung in den Landeszeitungen mit: «Die Fürstliche Regierung hat beschlossen, dass der 15. August, Maria Himmelfahrt, zur Feier des Geburtstages Seiner Durchlaucht des Landesfürsten zum Staatsfeiertag erklärt wird.» Der Staatsfeiertag sollte ein Zeichen der inneren Geschlossenheit von Fürst und Volk sein und damit auch ein Zeichen gegen den Nationalsozialismus, der sich mit Hakenkreuz-Feuern und Aufmärschen bemerkbar gemacht hatte. Die Regierung forderte die Gemeinden auf, ein Fest für die Bevölkerung

zu veranstalten. Der erste Staatsfeiertag wurde noch nicht zentral in Vaduz gefeiert. Aber in jeder Gemeinde wurden um 5 Uhr morgens Böllerschüsse abgefeuert, um die Bevölkerung auf den Festtag einzustimmen. Weil die Anhänger des Nationalsozialismus immer wieder Hakenkreuz-Feuer auf höher gelegenen Wiesen entfachten, erliess die Regierung Anfang 1939 eine «Verordnung zur Aufrechterhaltung von Ruhe und Ordnung». Dort wurde festgelegt, dass das Abbrennen von Feuern im Freien nur noch mit Bewilligung der Regierung gestattet sei. Erfasst von der Bewilligungspflicht waren auch die Höhenfeuer und die Feuerkrone. Wie das «Liechtensteiner Volksblatt» berichtete, entzündeten Pfadfinder am Staatsfeiertag 1940 eine Reihe von Höhenfeuern. Auch in den zwei folgenden Jahren erteilte die Regierung den Pfadfindern die Bewilligung für Höhenfeuer. Im weiteren Verlauf des Zweiten Weltkriegs habe es keine Festlichkeiten mehr zum Staatsfeiertag gegeben, schreibt Josef Frommelt in seiner Höhenfeuer-Chronik. Auch als der Krieg am 8. Mai 1945 zu Ende gegangen sei, habe noch niemand an ein Fest gedacht. Aber 1946, ein Jahr nach Kriegsende, wurde das Abbrennen von Feuern auf den Bergspitzen wieder aufgenommen – und damit eine Tradition begründet, die bis heute Bestand hat.

Fürstin Gina, Fürst Franz Josef und Erbprinz Hans-Adam auf der Ehrentribühne / 15. August 1956; Quelle: Liechtensteinisches Landesarchiv / Vaduz; B 271/007/014

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1866: Der letzte Feldzug

Die Gewehre der Soldaten froren auf dem Stilfserjoch ein Liechtenstein – das Land ohne Militär. Heute ist das so. Aber früher hatte das Land ein eigenständiges Militärkontingent. Als Mitglied des Deutschen Bundes von 1815 bis 1866 musste Liechtenstein zwischen 55 und 82 Soldaten stellen. Letztmals zog das Kontingent im Sommer 1866 nach Südtirol in den Krieg. Nachdem sich der Deutsche Bund aufgelöst hatte, wurde 1868 auch das Militär aufgehoben. Text: Günther Meier

M

it Mit Tränen, Gebeten und hoffnungsvollen Wünschen für eine unversehrte Heimkehr verabschiedet die Bevölkerung am 26. Juli 1866 die liechtensteinischen Soldaten, die sich zu Fuss auf den Weg in Richtung Südtirol machten. Für den Marsch hatten die 81 Mann die leichten Uniformen angezogen, während die schweren Monturen auf dem Munitionswagen mitgeführt wurden. In Bludenz wartet eine Überraschung auf die von Oberleutnant Peter Rheinberger geführte Mannschaft, nachdem man dort vom Auszug der liechtensteinischen Truppe gehört, hatte: Ein mit Liechtenstein befreundeter Industrieller, der «Fabrikant Gassner», liess eine Musikkapelle spielen, welche die Mannschaft musikalisch durch die Stadt begleitete. Liechtensteins Soldaten liessen sich auch nicht lumpen und wechseln in einem vor dem Städtchen liegenden Wald die Wanderausrüstung mit der Kampfmontur, um das Bild einer kampfbereiten Truppe zu vermitteln. Der festliche Empfang mit Speis und Trank hatte allerdings unvorhergesehene Nachwirkungen: Die Mannschaft musste schon nach dem ersten Tagesmarsch einen Erholungstag einlegen.

Liechtenstein erfüllte nur ungern die Bündnisverpflichtungen

Auch wenn sich der Ausmarsch der Trup-

pe so lebenslustig anhört, waren in Tat und Wahrheit der Teilnahme am Krieg heftige Auseinandersetzungen vorausgegangen. Die Bevölkerung war sich bewusst, dass die Mitgliedsländer mit dem Beitritt zum Deutschen Bund verschiedene Verpflichtungen zu erfüllen hatten, darunter auch das Aufstellen von Truppenkontingenten zum gemeinsamen Bundesheer. Liechtenstein hatte eine Schützenkompanie plus einen Offizier zu stellen: Anfänglich waren es 55 Soldaten, später waren es 82 Mann. Die Rekrutierung der Soldaten sorgte im Land immer wieder für Unruhe und Ablehnung, weil damit junge Männer für die Arbeit in der Landwirtschaft fehlten und die Ausrüstung der Truppe viel Geld kostete. Fürst Johann II. kam am 18. Juli 1866 von Wien nach Vaduz, um im Vorfeld des Feldzuges für «gutes Wetter» zu sorgen. Der Landtag verfasste eine Resolution und ersuchte den Landesherrn, «den Ausmarsch des Kontingents nur im Falle der äussersten Notwendigkeit» anzuordnen. Der Fürst antwortete mit dem Hinweis auf die Bündnisverpflichtungen und informierte über seine Bestrebungen, nicht in die Wirren des Deutschen Bundes hineingezogen zu werden: «Damit meine getreuen Truppen nicht gezwungen würden, an einem unsäglichen Bruderkriege tatsächlich teilzunehmen, habe ich mich unter Kenntnisnahme

der Bundesversammlung mit Seiner Majestät dem Kaiser von Österreich dahin geeinigt, dass meine Truppen im Verein mit der tapferen Armee Österreichs im Süden die Grenzen Deutschlands gegen einen auswärtigen Feind zu verteidigen.»

Der Fürst stellte sich im Krieg auf die Seite Österreichs

Der Feind, das waren damals die Italiener, die sich mit Preussen verbündet hatten, um gegen den Erbfeind Österreich vorzugehen, der zu jener Zeit noch die Länder Venetien und Istrien in seinem Besitz hatte. Schon bei der Gründung des Deutschen Bundes hatten sich Reibereien zwischen Österreich und Preussen um die führende Rolle abgezeichnet. Die aufstrebenden Hohenzollern in Preussen forderten die alte Führungsmacht Österreich unter den Habsburgern heraus. Wegen Schleswig-Holstein hatten Preussen und Österreich noch 1864 gemeinsam einen Krieg gegen Dänemark geführt – und gewonnen. Über das Ergebnis des Feldzuges aber kam es zum Streit, der zum Krieg zwischen Österreich und Preussen führte. Liechtenstein schlug sich auf die Seite Österreichs und war nach den Bündnisverpflichtungen gezwungen, am Krieg teilzunehmen. Fürst Johann II. wäre bereit gewesen, die Mannschaft auf 120 Mann aufzustocken, aber der Landtag kämpfte dafür, die


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Bündnisverpflichtung auf dem kleinstmöglichen Niveau mit 80 Mann zu erfüllen.

Ein langer Fussmarsch der Soldaten bis auf das Stilfserjoch

Nach dem Rasttag im Raum Bludenz marschierte die Truppe weiter, im strömenden Regen und Nebel über dem Arlberg bis zum Städtchen Landeck, das am 30. Juli 1866 erreicht wurde. Der letzte Juli-Tag diente nochmals einer Pause, die genutzt wurde, um den Ehrwürdigen Schwestern im Kloster in Zams einen Besuch abzustatten, von denen zahlreiche Ordensangehörige damals im Schuldienst in Liechtenstein als Lehrschwestern unterrichteten. «Eine wilde, rauhe Gegend» notierte Kommandant Peter Rheinberger im Tagebuch über den Marsch durch das Tal in Richtung Reschenpass und schöpfte gleichzeitig etwas Hoffnung für seine Truppe, nicht in eine Schlacht verwickelt zu werden: Bei den im Oberinntal stationierten Tiroler Soldaten war die Meldung über einen Waffenstillstand mit Italien eingetroffen. Ursprünglich war vorgesehen, die liechtensteinische Armee in Bozen zu stationieren, doch als die Truppe Mals im Südtirol erreichte – «gesund und wohlbehalten», wie Rheinberger ins Tagebuch schrieb – kam der Befehl, nach Prad weiter zu marschieren und vorerst dort zu warten. In der Truppe machte sich Unruhe bemerkbar, weil damit gerechnet wurde, in das Gebirge abkommandiert zu werden. Obwohl es Sommer war, bekamen die Soldaten die unerwartete Kälte zu spüren, und sie hatten zudem Angst, die Kälte könnte im Hochgebirge weiter zunehmen. Ein Schütze aus Triesen schrieb in einem Brief, der später in der «Liechtensteinischen Landeszeitung» abgedruckt wurde: «Hier in Prad logieren wir in Kasernen. Wir wissen nicht, was mit uns geschehen wird, vielleicht müssen wir das Wormser Joch besetzen, was uns aber schwer fallen wird, denn die Mannschaft, welche wir ablösen sollen, muss bereits vor Kälte erstarren.» Auch Kommandant Peter Rheinberger zeigt in einem Brief an seine Frau in Vaduz grossen Respekt vor Gebirge und Kälte: «Obschon ich vor unserem italienischen Feinde nicht erschrecke, so würde ich doch die Postierung auf diesem Berge der Kälte wegen sehr fürchten – abgesehen von allem anderen wäre das Klima geeignet, meine Gesundheit auf immer zu untergraben.»

Andreas Kieber starb als letzter Soldat des liechtensteinischen Militärkontingents am 19. April 1939 im Alter von 95 Jahren. Ihn würdigte Liechtenstein auf besondere Weise. Bild: Baron Eduard von Falz-Fein/ Quelle: Liechtensteinisches Landesarchiv / Vaduz)

Nicht die Italiener, sondern Schnee und Kälte waren die Feinde

Die Ungewissheit endet mit dem Befehl für die Truppe, über das Stilfserjoch auf 2758 Meter über dem Meeresspiegel nach St. Maria zu marschieren. In der dortigen Poststation, wo in Friedenszeiten die Pferde für die Postkutschen gewechselt wurden, erhielten die liechtensteinischen Soldaten eine Unterkunft. Der für den 11. August erwartete Angriff der Italiener fand nicht statt, aber die nicht speziell für das Hochgebirge ausgerüstete Truppe hatte genug zu kämpfen – gegen Kälte und gegen Hunger. «Die Mannschaft kommt nie aus den Kleidern», schrieb Kommandant Rheinberger, «alle sind schwarz wie Kaminfeger, aber doch

heiter und frohen Mutes.» Zu dieser Stimmung trug sicher bei, dass die liechtensteinischen Soldaten einen höheren Sold bezogen: Während sich die österreichischen Krieger mit einem solchen von 5 Kreuzern begnügen mussten, standen den liechtensteinischen Kollegen 11 Kreuzer zu. Für die Verpflegung schickte das Land zusätzlich Geld und es flossen Geldspenden, nachdem im Land aufgrund von Soldatenbriefen das Gerücht verbreitet wurde, die Soldaten seien auf dem Stilfserjoch am Verhungern. Wie es tatsächlich ausgesehen hatte, schilderte ein Feldweibel in einem Bericht an die «Liechtensteinische Landeszeitung»: «Das Gewehr auf dem Rücken, mit dem Riemen über die Brust, die Tasche voll mit Brot, Speck,


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Käse, auch Kaffee und Zucker zum Kochen auf dem Pass und in der Flasche Rum, Wein oder Schnaps – und ein gewichtiges Scheit Holz auf der Schulter: so marschierten die verschiedenen Abteilungen unter Jauchzen und Lärmen auf ihre 1,5 bis 2 Stunden entfernten Posten auf die Höhen.» Für die nicht für das Hochgebirge ausgerüsteten Soldaten aber blieb die anhaltende Kälte, obwohl Hochsommer, ein ständiger Begleiter. Die Familien zu Hause erfuhren durch die «Landeszeitung», wie Schneegestöber und Kälte zu schaffen machten und dass den Soldaten auf dem Pass die Gewehre eingefroren seien. Weil es keine Kampfhandlungen mit dem italienischen Feind gab, war es für den Kommandanten nicht immer einfach, die Disziplin der Truppe aufrechtzuerhalten. Mehrere Soldaten erhielten Strafen wegen «unordentlichem Betragen», wegen «Räsonieren über die Verpflegung» – aber vor allem wegen Trunkenheit.

Alle wohlbehalten in die Heimat zurückgekehrt

Die liechtensteinischen Soldaten, mitgenommen von den Witterungsbedingungen, waren froh, vom schneebedeckten Stilfserjoch Abschied nehmen zu können, ohne mit dem Feind in Berührung gekommen zu sein. Der Abmarschplan sah die gleiche Route wie beim Aufmarsch vor: Verabschiedung am 27. August in Südtirol, Eintreffen in Vaduz – unter Einschluss von zwei Ruhetagen – am 6. September. Die Truppe freute sich derart über die Heimkehr, dass die zwei Rasttage fallengelassen wurden und die Soldaten bereits am 4. September die Landesgrenze erreichten. Den letzten Abschnitt mussten die Heimkehrer nicht mehr zu Fuss bewältigen, denn ihnen wurde ein Konvoi von zwölf Wagen entgegengeschickt. Beim Empfang durch die Bevölkerung hielt Landtagspräsident Albert Schädler eine Ansprache und betonte dabei die «gute Manneszucht» der Soldaten, was er als «sicheres Kennzeichen einer verlässlichen und tüchtigen Truppe» wertete. Auf Schloss Vaduz, das damals als Stützpunkt des Militärs diente, wurden die Soldaten auf Kosten des Landes bewirtet – und zwar mit Suppe, Rindfleisch, Braten, Gemüse, Brot und zwei Schoppen Wein.

Andreas Kieber, der letzte Soldat, auf Schloss Vaduz / ca. 1930 / Urheber: Eduard Baron von Falz-Fein, Vaduz; Quelle: Liechtensteinisches Landesarchiv / Vaduz; SgAV 01 B 043/182

1868 – Auflösung des liechtensteinischen Militärs

Mit der Auflösung des Deutschen Bundes 1866 fielen die Bündnisverpflichtungen weg, die in Liechtenstein wegen der Finanzierung des Militärkontingents immer wieder für Auseinandersetzungen gesorgt hatten. Ein Jahr nach dem Feldzug legte die Regierung dem Landtag einen Gesetzesantrag für die Rekrutenaushebung für 1867/68 vor. Begründet wurde der Antrag damit, weiterhin eine kleine Armee zu unterhalten, die auch polizeiliche Aufgaben übernehmen könnte. Der Landtag lehnte den Antrag der Regierung einstimmig ab. Letztlich blieb auch dem Fürsten keine andere Wahl, als der Auflösung des Militärs zuzustimmen. Fürst Johann II. verfügte mit Schreiben vom 12. Februar 1868 die ersehnte Abschaffung mit der Begründung: «Die Verhältnisse in der staatlichen Ordnung Deutschlands haben sich so geändert, dass Ich es für richtig halte, im Interesse Meines Fürstentums von der Unterhaltung eines Militärkontingentes abzusehen.»

Kam einer mehr zurück? Der letzte Feldzug der liechtensteinischen Armee forderte keine Todesopfer, weil die Soldaten nie in Kampfhandlungen verwickelt waren. Alle Kämpfer kehrten gesund in die Heimat zurück. Oft wird die Geschichte erzählt, das Kontingent sei mit 81 Mann ausgerückt, aber mit 82 zurückgekehrt. Über den zusätzlichen «Soldaten» gibt es verschiedene Versionen. Eine davon erzählt, dass einer der Soldaten in Südtirol einen Knecht angeheuert und gleich mitgenommen habe. Die Geschichte klingt zwar schön, stimmt aber nicht. Der frühere Regierungschef Alexander Frick ist der Frage nachgegangen: Tatsächlich habe ein zusätzlicher Mann die Rückkehrer begleitet, aber es sei kein Knecht gewesen, sondern der österreichische Leutnant Radinger. Frick fand dafür die Bestätigung in einem Brief von Kommandant Peter Rheinberger an seine Frau, als er den Besuch von Leutnant Radinger ankündigte und seine Frau gebeten hat, im Haus das «Visit-Zimmer» für den Gast herzurichten.


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