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Vom Spielfeld in die Prävention
Francisco Rodríguez zeigt, warum mentale Gesundheit zur zentralen Ressource im Hochleistungssystem wird
NICHT VERPASSEN:
Liquid Biopsy: Wie innovative Bluttests und personalisierte Medizin die Krebstherapie revolutionieren.
Seite 5
Männergesundheit im Fokus
Männer ab 40: Wann war Ihr letzter Gesundheits-Check wirklich? Seite 12

Prostatakrebs-Screening in der Schweiz: Früher testen, gezielter behandeln
PD Dr. Daniel Engeler erklärt im Interview, wie ein strukturiertes
Prostatakrebs-Screening die Früherkennung verbessert und Übertherapie vermeidet.

Eine Diagnose betrifft nie nur eine Person
Warum auch das Umfeld Hilfe, Austausch und Entlastung braucht.

Diese Kampagne wurde von Astellas Pharma unterstützt.
Project Manager: Melina Heidecker, MA
Lektorat: Joseph Lammertz
Grafik und Layout: Juraj Príkopa
Managing Director: Bob Roemké
Bilder: Shutterstock (ausser anders angegeben)
Medieninhaber: Mediaplanet GmbH, Bösendorferstraße 4/23, 1010 Wien, ATU 64759844 · FN 322799f FG Wien
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Prof. Dr. Stefan Boes Dekan der Fakultät für Gesundheitswissenschaften und Medizin Direktor des Center for Health, Policy, and Economics
Professor für Gesundheitsökonomie Universität Luzern
Früher hinschauen: Männergesundheit zwischen Vorsorge und Verantwortung
Gesundheit ist keine Selbstverständlichkeit, sondern eine Aufgabe, die rechtzeitig beginnt. Dieser Sammelband macht deutlich, weshalb Prävention und Früherkennung für Männer zwischen 40 und 65 Jahren zentral sind und warum körperliche wie mentale Gesundheit gemeinsam gedacht werden müssen.
Prävention beginnt nicht erst dann, wenn Beschwerden auftreten. Sie beginnt früher: mit Aufmerksamkeit für den eigenen Körper, regelmässigen Vorsorgeuntersuchungen und der Bereitschaft, Gesundheit als etwas zu verstehen, das aktiv gepflegt werden muss. Genau hier setzt diese Kampagne an. Sie rückt ein Thema ins Zentrum, das in der Schweiz noch zu oft zu wenig Beachtung findet: die Gesundheitsvorsorge für Männer zwischen 40 und 65 Jahren.
Gerade in dieser Lebensphase verändern sich Risiken, Bedürfnisse und gesundheitliche Herausforderungen. Hormonelle Veränderungen, urologische Beschwerden oder psychische Belastungen treten nicht plötzlich auf; sie entwickeln sich häufig schleichend. Umso wichtiger ist es, Warnsignale frühzeitig zu erkennen, offen darüber zu sprechen und niederschwellige Zugänge zur Vorsorge zu schaffen. Denn frühes Handeln kann nicht nur Leid verhindern, sondern auch die Lebensqualität erhalten, schwere Krankheitsverläufe vermeiden und letztlich Kosten sparen.
Diese Kampagne setzt bewusst auf Aufklärung, persönliche Erfahrungen und fachliche Einordnung. Sie zeigt, dass Männergesundheit mehr ist als die Abwesenheit von Krankheit. Sie umfasst mentale Gesundheit, ein realistisches Verständnis körperlicher Veränderungen und den Mut, Unterstützung in Anspruch zu nehmen. Dass Francisco Rodríguez das Thema Depressionen und mentale Gesundheit anspricht, ist ein starkes Signal. Ebenso zentral sind die Beiträge zur Prostatakrebsvorsorge, zur urologischen und hormonellen Gesundheit sowie zur Rolle der Prävention im Allgemeinen. Eine moderne Gesundheitspolitik darf Prävention nicht als Randthema behandeln. Vorsorge und Früherkennung sind kein Luxus, sondern Ausdruck von Verantwortung gegenüber sich selbst, den Angehörigen und der Gesellschaft. Diese Kampagne leistet dazu einen wichtigen Beitrag: Sie sensibilisiert, informiert und ermutigt Männer, ihre Gesundheit rechtzeitig ernst zu nehmen.

Prävention stärken –Früherkennung fördern
Manchen Alterserscheinungen kann man durch gesunde Ernährung, Bewegung und eine gute Work-Life-Balance begegnen. Eine weitere Art der Prävention ist die Früherkennung von Krankheiten, zum Beispiel Prostata- oder Darmkrebs. Die Krankenversicherer der Schweiz und ihr neuer Verband, prio.swiss, engagieren sich für beides, Prävention und Früherkennung. Die Wissenschaft hat sehr klare Erkenntnisse darüber, ab welchem Alter welche Risikogruppen einschlägige Untersuchungen machen lassen sollten, um eine mögliche Erkrankung auszuschliessen – oder diese frühzeitig zu erkennen, um Therapie und hoffentlich Heilung rechtzeitig beginnen zu können. Beides gibt Gewissheit und erhöht die Sicherheit im Umgang mit der eigenen Gesundheit.
Basierend auf diesen medizinischen Erkenntnissen sind Screening-Tests nach Art. 26 des Krankenversicherungsgesetzes (KVG) über die medizinische Prävention in den Leistungskatalog
der obligatorischen Krankenpflegeversicherung (OKP) aufgenommen worden. Das Eidgenössische Departement des Inneren (EDI) entscheidet letztlich, welche Untersuchungen unter welchen Auflagen Eingang in den Leistungskatalog finden. Die eidgenössischen Kommissionen (ELGK und EAMGK) geben hierbei ihre Empfehlungen ab. Die Auflagen oder Limitationen sind dabei die Bedingungen für eine Vergütung durch die Krankenversicherung, also etwa, ab welchem Alter ein Screening übernommen wird oder wie oft der Blutzuckerspiegel bei Diabetikern getestet werden soll. Der Leistungskatalog wird ständig weiterentwickelt. Dabei müssen die Kriterien der Wirksamkeit, Zweckmässigkeit und Wirtschaftlichkeit berücksichtigt werden.
Ein echter Erfolg sind die Screening-Programme, in deren Rahmen Kantone, Krebsligen und Krankenversicherer möglichst viele Menschen dazu motivieren, die Tests auch zu machen. Während es für Brust- oder Darmkrebs solche kantonalen Programme gibt, fehlen sie
bislang für Prostatakrebs. Die kantonalen Programme werden schweizweit unterschiedlich angeboten und die Aufgabenteilung zwischen Bund und Kantonen ist im Bereich der Prävention insgesamt noch wenig präzisiert. Das Positionspapier des Verbands der Krankenversicherer, prio.swiss, zum Thema Prävention finden Sie hier: prio.swiss/praevention-und-gesundheitsfoerderung/ Die Krankenversicherer bieten der Bevölkerung auch im Rahmen ihrer alternativen Versicherungsmodelle und ihrer Zusatzversicherungen eine vielfältige Palette an Präventionsangeboten und -informationen. Die Versicherer sind auch in der nationalen Stiftung Gesundheitsförderung Schweiz engagiert (https:// gesundheitsfoerderung.ch). Zusammen mit Bund, Kantonen und Leistungserbringern stärken sie die Gesundheitskompetenz der Bevölkerung. Das eigentliche Präventionshandeln liegt dann in der Selbstverantwortung des Einzelnen – zum Wohl der eigenen Gesundheit, aber auch mit dämpfender Wirkung auf die Prämienlast aller.
Lesen Sie mehr unter prio.swiss/ praeventionund-gesundheits foerderung/

PD Dr. Daniel Engeler
Chefarzt Klinik für Urologie, HOCH Health Ostschweiz, Kantonsspital St. Gallen
Präsident von Swiss Urology
Prostatakrebs: Vorsorge und Screening in der Schweiz
Wie strukturiertes PSA-Screening klinisch relevanten Prostatakrebs früh erkennt, Übertherapie vermeidet und langfristig Gesundheitskosten senkt, erklärt PD Dr. Daniel Engeler vom Kantonsspital St. Gallen im Interview.
Ab welchem Alter sollten Männer zur Prostatakrebsvorsorge? Gibt es Risikogruppen?
Für Männer ohne Risikofaktoren wird ein Beginn ab 50 Jahren empfohlen, für Risikogruppen teils bereits ab 45 oder 40. Dazu zählen Männer mit familiärer Belastung, Träger einer BRCA-Mutation (vergleichbar mit genetischem Risiko bei Brustkrebs) sowie Männer afrikanischer Herkunft.
Die obere Altersgrenze für das Screening liegt bei ungefähr 70 Jahren, um Überdiagnosen bei Männern zu vermeiden, die nicht mehr von einer Früherkennung profitieren würden.
Weshalb nehmen Männer die Vorsorgemöglichkeiten selten wahr?
Rund 50 Prozent der Schweizer Männer lassen mindestens einmal einen PSA-Test durchführen, das ist nicht wenig. Oft geschieht dies jedoch beim Check-up ohne strukturierte Aufklärung und nur einmalig. Eine strukturierte Verlaufskontrolle wäre aussagekräftiger. Ein weiterer Hemmfaktor ist die digital-rektale Untersuchung, die viele Männer abschreckt. Für ein systematisches Screening ist sie aber nicht zwingend erforderlich.
Wie läuft die Prostatakarzinomvorsorge ab?
In der Schweiz gilt derzeit das opportunistische Screening. Der PSA-Test
wird nach individueller Beratung angeboten, danach folgen bei erhöhtem PSA-Wert die weitere Abklärung mit Risikokalkulatoren wie Alter oder Prostatagrösse, Biomarker-Tests, MRT und, falls notwendig, Biopsie. Moderne Biopsien erfolgen dabei nicht mehr über den Enddarm, sondern über den Damm, wodurch das Infektionsrisiko unter einem Prozent liegt, und MRT-gestützt, sodass etwa die Hälfte der Biopsien eingespart wird. Ziel ist es, nur klinisch relevante Tumoren zu diagnostizieren, die die Lebensqualität und -erwartung tatsächlich beeinträchtigen würden, und Überdiagnose sowie Übertherapie zu vermeiden.
Welche Rolle spielt der PSA-Test bei der Früherkennung?
Der PSA-Wert ist ein Organmarker, das heisst, er kann auch bei gutartiger Prostatavergrösserung oder -entzündung erhöht sein. Dennoch ist er bedeutend, da er ein kostengünstiger und breit verfügbarer erster TriageTest ist. Entscheidend bleibt jedoch die Einordnung im Gesamtkontext.
Wie ist die aktuelle Empfehlungslage zum Prostatakrebs-Screening? Aktuell gilt in der Schweiz die Empfehlung zum opportunistischen Screening mit informierter Entscheidung. 2022 riet die EU zur Evaluation und möglichen Einführung systematischer Screening-Programme aufgrund der zunehmenden
wissenschaftlichen Evidenz. Um dies zu unterstützen, wurde 2025 der Verein für Prostatakrebs Früherkennung Schweiz gegründet.
Welche systemischen Änderungen braucht es, damit die Umsetzung des Screenings funktioniert?
Wichtig ist die politische Unterstützung: Für die staatliche Finanzierung braucht es den Nachweis des medizinischen Nutzens und der langfristigen Kosteneffektivität, denn die Kosten fortgeschrittener Erkrankungen sind deutlich höher als jene einer strukturierten Früherkennung. EU-finanzierte Pilotprojekte liefern derzeit neue wissenschaftliche Daten, die auch für die Schweiz relevant sein werden.
Wie können Männer zur Teilnahme motiviert werden?
Essenziell sind die bessere Aufklärung und die öffentliche Sensibilisierung. Männer müssen verstehen, was der PSA-Test kann und welche modernen diagnostischen Möglichkeiten existieren.

Liquid Biopsy und personalisierte Medizin: die Zukunft der Krebstherapie
In der modernen Onkologie fördern Innovationen frühere Diagnosen und personalisierte Behandlungen. Dr. Ioannis Papasotiriou, Gründer und Direktor des Schweizer Biotech-Unternehmens RGCC, zeigt, wie Liquid Biopsy und personalisierte Medizin die Krebsversorgung verändern und warum Prävention künftig zentral wird.
Was ist Liquid Biopsy?
Liquid Biopsy ist ein einfacher Bluttest, der Ärzt:innen ermöglicht, wichtige Informationen über einen Tumor zu gewinnen, ohne invasive Gewebebiopsien. Dabei können entscheidende krebsbezogene Komponenten im Blutkreislauf nachgewiesen und analysiert werden, was wertvolle Einblicke zu Entwicklung, Ausbreitung und Verhalten von Krebs und Metastasen liefert. Dies unterstützt die Überwachung des Tumorwachstums, die Beurteilung des Therapieansprechens und personalisierte Behandlungsentscheidungen.
Wie kann personalisierte Medizin Krankheitsverlauf und Behandlungserfolge verbessern?
Jede Krebserkrankung verläuft unterschiedlich – darauf basiert personalisierte Medizin. Indem Therapien gezielt auf die individuellen Eigenschaften von Patient:in und Tumor abgestimmt werden, lässt sich die Wirksamkeit der Behandlung verbessern, können Nebenwirkungen reduziert und langfristige Behandlungsergebnisse positiv beeinflusst werden.
Wie profitieren Krebspatient:innen vom personalisierten Ansatz?
Sie profitieren von individuell auf ihre Erkrankung zugeschnittenen Therapien. Mithilfe datengestützter Erkenntnisse wählen Ärzt:innen gezielter wirksame Behandlungen, statt nach «Trial and Error» vorzugehen. Das erhöht Erfolgschancen, reduziert unwirksame Therapien und fördert Lebensqualität.
Welche Rolle spielen die KrebsBluttests von RGCC dabei?
Unsere Bluttests liefern detaillierte Analysen tumorbezogener Komponenten im Blut. Durch die Untersuchung zirkulierender Tumorzellen (CTCs) unterstützt das Testportfolio Früherkennung und Überwachung von Krebs. Zudem liefern sie wichtige Erkenntnisse für personalisierte Therapien, etwa zur Empfindlichkeit gegenüber Chemotherapeutika und unterstützenden naturbasierten Ansätzen.
Wie wichtig ist Früherkennung bei der Krebsdiagnose?
Sie ist entscheidend, da Krebs in frühem Stadium häufig besser behandelbar und mitunter heilbar ist. Dennoch stellt die Diagnose in sehr frühen oder präkanzerösen Stadien weiterhin eine wissenschaftliche Herausforderung dar.
Wie ermöglicht der Onco-D-ClareBluttest von RGCC eine proaktive Krebsfrüherkennung?
Er zielt auf die Erkennung früher biologischer Veränderungen ab, die mit der Entstehung von Krebs zusammenhängen, noch bevor sich die Krankheit vollständig entwickelt hat. Durch die Analyse der Expression von über 90 Genen bewertet Onco-D-Clare das Risiko, an verschiedenen Krebsarten zu erkranken, ausgenommen Tumoren des Gehirns und zentralen Nervensystems. Dies ermöglicht ein frühes, proaktives Eingreifen und unterstützt die Entwicklung präventiver Strategien, anstatt erst bei bereits bestehendem Krebs zu handeln.
Solche Tests sind vor allem für Risikogruppen gedacht, wie Personen über 50 Jahre.
Wie sieht die Zukunft der Krebsfrüherkennung aus?
Die Zukunft liegt in präziseren, datengestützten Ansätzen. Durch die Kombination genetischer, klinischer und lebensstilbezogener Daten wird Früherkennung immer genauer, mit dem Ziel, präventiv Krebs vorzubeugen, bevor er entsteht. Gleichzeitig ist entscheidend, weiterhin neue Biomarker zu identifizieren und innovative Behandlungsoptionen zu entwickeln. Patient:innen und Onkolog:innen stehen im Alltag vor grossen Herausforderungen. Fortschritte hängen daher von der Verbesserung der diagnostischen Informationen und erweiterten Behandlungsoptionen ab. Nur so lassen sich Grenzen überwinden, um eine effektive Krebsversorgung zu erreichen.
Mehr Infos unter: rgcc-international. com

PERSONALISIERTE KREBSBEHANDLUNGEN MIT RGCC
RGCC wurde 2004 mit dem Ziel gegründet, individuelle Behandlungspläne für Krebspatient:innen zu entwickeln. Die Liquid Biopsy Tests von RGCC liefern Daten, die eine personalisierte Krebsbehandlung, proaktive Früherkennung und Therapiekontrolle ermöglichen. Im Gegensatz zu herkömmlichen Biopsien erfasst diese Methode auch entfernte Metastasen und liefert ein umfassenderes Bild des Krebses. Mit Forschung, Innovation und einem internationalen Netzwerk prägt RGCC die Zukunft der Präzisionsonkologie.
Hoffnung durch präzise Krebsdiagnostik
Max Lippuner, Präsident von Europa Uomo Schweiz, einer Prostataund Männerkrebs-Patientenorganisation, lebt seit fast zwei Jahrzehnten mit Prostatakrebs. Seine persönliche Geschichte zeigt, wie moderne Diagnostik und Therapie neue Perspektiven eröffnen.

Max Lippuner Präsident und Gründer von Europa Uomo Schweiz
FOTO: ZVG
Mein persönlicher Weg Mit 57 Jahren erhielt ich die Diagnose «grossvolumiger, hochaggressiver Prostatakrebs». Das ist die häufigste Krebserkrankung beim Mann mit circa 8300 Neuerkrankungen pro Jahr in der Schweiz.1 Eine solche Mitteilung erschüttert zunächst alles: das eigene Körpergefühl, die Lebensplanung, die Sicherheit.
Gerade weil Prostatakrebs lange keine Beschwerden verursacht2, ist Früherkennung besonders wichtig. Männer sollten Vorsorgeuntersuchungen wahrnehmen. Denn früh erkannt ist die Erkrankung meist gut behandelbar.3
Nach sorgfältiger Abwägung der Behandlungsoptionen mit möglichen Nebenwirkungen wie Inkontinenz habe ich mich «nur» für Bestrahlung entschieden. Es folgten zehn Jahre ohne weitere Intervention – eine lange Phase der Stabilität und Dankbarkeit.
Doch dann zeigte ein ansteigender PSA-Wert einen Rückfall an. Dieser Wert ist nach Erstbehandlung ein sensibler Marker für erneute Krankheitsaktivität. Dank moderner, hochpräziser Bildgebung mittels PSMA-PET/CT konnten einzelne Tumorherde frühzeitig lokalisiert und die Situation gezielt beurteilt
werden – auch in den Folgejahren.
Was ist PSMA?
PSMA (prostataspezifisches Membran-Antigen) ist ein Protein, das auf Prostatakrebszellen vermehrt vorkommt. Dadurch eignet es sich als Zielstruktur für moderne Diagnostik und Therapie.
Bei der PSMA-PET/CT wird ein Marker eingesetzt, der an PSMA bindet und Krebszellen in der Bildgebung sichtbar macht. So lassen sich selbst kleine Tumorherde präzise darstellen. Die Untersuchung ist in der Regel gut verträglich und liefert wichtige Entscheidungsgrundlagen.4 Gemäss prospektiven Langzeitdaten zeigt sich insgesamt ein gutes Nutzen-Risiko-Verhältnis bei von Swissmedic zugelassener Diagnostik und Therapie, die auf PSMA beruhen.
Bedeutung über Prostatakrebs hinaus
Interessant ist, dass PSMA nicht nur bei Prostatakrebs vorkommt. Es findet sich auch in der Gefässneubildung anderer Tumorarten, wie etwa Brust-, Lungen-, Colorectal- und Nierenkrebs. In welchem Umfang sich aus dieser Beobachtung künftig neue diagnostische Ansätze ergeben, wird derzeit intensiv erforscht.
Mein Fazit
Seit meiner Diagnose 2007 setze ich mich intensiv mit medizinischen Innovationen, Studien, Versorgungsstandards und Kostenübernahme auseinander. Als Präsident von Europa Uomo Schweiz engagiere ich mich dafür, dass Betroffene verständliche Informationen erhalten und von Ärzt:innen und Politik ernst genommen werden. Konkret betrifft das die Förderung der Früherkennung und Screenings, die Verbesserung der Patientenbetreuung, die europaweite Vernetzung von Betroffenen sowie die Unterstützung von Selbsthilfegruppen und virtuellen Austauschmöglichkeiten mit Psychologen und Sexologen. Patient:innen sind heute informierter, und das ist gut so! Krebsmedizin wird zunehmend individualisiert. Präzisere Diagnostik schafft Klarheit, reduziert Unsicherheit und ermöglicht Gespräche auf Augenhöhe.5 Meine Hoffnung ist, dass Innovation, Forschung und eine verantwortungsvolle Gesundheitspolitik weiter Hand in Hand gehen – damit wirksame und möglichst schonende Verfahren für alle Betroffenen kostengünstig zugänglich sind.
1 www.krebsliga.ch/ueber-krebs/zahlen-fakten/-dl-/fileadmin/downloads/sheets/zahlen-krebs-in-der-schweiz.pdf Letzter Zugriff: 16.03.2026
2 www.krebsliga.ch/ueber-krebs/krebsarten/prostatakrebs/was-ist-prostatakrebs Letzter Zugriff: 16.03.2026
3 www.krebsliga.ch/ueber-krebs/krebsarten/prostatakrebs/wie-wird-prostatakrebs-behandelt Letzter Zugriff: 16.03.2026
4 www.krebsliga.ch/ueber-krebs/krebsarten/prostatakrebs/diagnose-prostatakrebs/diagnose-prostatakrebs Letzter Zugriff: 16.03.2026
5 www.luks.ch/newsroom/krebsbehandlung-im-wandel-personalisierte-ansaetze-am-luks Letzter Zugriff: 16.03.2026
03/2026
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Erfülltes Leben trotz Therapie
Die Diagnose eines fortgeschrittenen Prostatakrebses bedeutet heute für viele Männer einen chronischen Verlauf – die Lebenserwartung kann, abhängig von individuellen Faktoren, viele Jahre betragen. PD Dr. med. Ursula Vogl, Onkologin am Istituto Oncologico della Svizzera Italiana (IOSI) in Bellinzona, erklärt, was Patienten beitragen können, um trotz der eventuellen Nebenwirkungen der Therapie ein erfülltes Leben zu führen.

FOTO: ZVG
Welche Nebenwirkungen der Prostatakrebstherapie belasten Patienten am stärksten, und was können diese tun, um ihre Lebensqualität aktiv zu verbessern?
Onkologie, Klinische Leitung des Prostatakarzinomzentrums der italienischen Schweiz (CPSI), Istituto Oncologico della Svizzera Italiana (IOSI), Bellinzona
Die Therapieoptionen bei Prostatakrebs reichen je nach Krankheitsstadium von «aktiver Kontrolle» über Operation, Strahlentherapie, Hormontherapie und Chemotherapie bis hin zu modernen zielgerichteten Therapien. Bei einer Prostataentfernung sind mögliche Nebenwirkungen wie Inkontinenz und erektile Dysfunktion für die Betroffenen die häufigsten Bedenken. Bei der Strahlentherapie kommt es mitunter zu lokalen Entzündungen und Magen-Darm-Problemen wie Durchfall während der Bestrahlung. Die klassische Hormontherapie, die das Testosteron komplett unterdrückt, bringt den Patienten oft Hitzewallungen, sinkende Libido, Osteoporose, Muskelschwund, Herz-Kreislauf-Probleme und Depressionen. Wir motivieren die Betroffenen zu einem Lifestyle, der laut Studien
dazu beiträgt, die Lebensqualität zu verbessern und die Therapien besser zu vertragen: viel Bewegung (Ausdauer- und Krafttraining) sowie ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Obst und wenig rotem Fleisch und wenig tierischen Fetten.
Wie können Partner:innen und Angehörige die Patienten während der Therapie unterstützen?
Sie können die Patienten zu Untersuchungen und Gesprächen begleiten – geteiltes Wissen ist doppeltes Wissen, zumal die Betroffenen gerade anfangs oft überwältigt von der Diagnose sind. Patienten und ihre Angehörigen können sich in Selbsthilfegruppen mit anderen Betroffenen austauschen.
Mit Blick auf die Therapie von Prostatakrebs: Was hat sich in den letzten Jahren zum Positiven verändert?
Sehr, sehr viel! Das beginnt mit einer besseren Charakterisierung der Krebsbiologie am Anfang der
Diagnose, die am Gewebe oder im Blut erfolgt. Moderne Bildgebungen helfen uns, Patienten zu erkennen, die für neue zielgerichtete Therapien beim metastasierten Stadium infrage kommen. Des Weiteren verfügen wir heute über Operationsverfahren mit Schlüssellochchirurgie (robotergesteuert) und moderne Strahlentherapieprotokolle. Andererseits wird auch versucht, Patienten zu selektionieren, die vielleicht weniger Therapie brauchen als andere: In einer gerade angelaufenen klinischen Studie, koordiniert vom Swiss Cancer Institute (SCI) und unter der Führung der EORTC (European Organization for Research and Treatment of Cancer), an der viele Schweizer Kliniken teilnehmen, wird aktuell eine «phasenweise», sogenannte intermittierende Verabreichung der kombinierten Hormontherapie bei Patienten mit metastasiertem Prostatakarzinom untersucht und mit dem derzeitigen Standard einer kontinuierlichen Therapie verglichen.
Krebs trifft auch das
Umfeld
Eine Krebsdiagnose trifft selten nur eine Person. Sie erschüttert das gesamte Umfeld – Angehörige, Freundeskreis oder Arbeitskolleg:innen. Die Krebsliga unterstützt auch sie: zum Beispiel mit Beratung oder mit der Vermittlung eines Peercoaches.
Eine Krebserkrankung ist für die Angehörigen eine Ausnahmesituation, die sie fordert: emotional, organisatorisch und nicht selten auch körperlich. Sie koordinieren Arzttermine, übernehmen Betreuung und versuchen gleichzeitig, den eigenen Alltag aufrechtzuerhalten. Dabei bleibt wenig Raum für die eigenen Bedürfnisse.
Hilfe annehmen als erster Schritt Fachleute betonen, wie wichtig es ist, sich Zeit zu nehmen, über die veränderte Situation zu sprechen und Unterstützung anzunehmen. Denn wer dauerhaft über die eigenen Grenzen geht, kann anderen nicht
helfen. Hier setzt die Krebsliga an. Über den Beratungsdienst KrebsInfo oder in den Krebsligen vor Ort beraten speziell ausgebildete Fachpersonen bei rechtlichen, sozialen oder finanziellen Fragen – kostenlos und niederschwellig. Sie haben für alle Alltagssorgen ein offenes Ohr und ermöglichen praxisnahe Hilfestellungen.
Begleitung durch Personen mit ähnlichen Erfahrungen Wichtig ist auch der Austausch mit Menschen in ähnlichen Lebenslagen. Auf der Peerplattform der Krebsliga begegnen sich Betroffene oder Angehörige auf Augenhöhe. «Die Betreuung meiner Partnerin hat
mich an meine Grenzen geführt – und gezeigt, wie wichtig Selbstfürsorge ist», berichtet ein Peer, der nun andere Angehörige unterstützt. Auch der 74-jährige Jacques, eines der Gesichter der neuen Kampagne der Krebsliga, kennt die Perspektive der Angehörigen: Seine Frau erlag einem Hirntumor, er selbst lebt mit der Diagnose Prostatakrebs. Trotz diesen Schicksalsschlägen hat er auch neue Stärken entdeckt: «Ich lebe von Tag zu Tag und geniesse jeden Moment, den mir das Leben schenkt», erzählt er. Der Umgang mit Krebs ist für jede Person anders. Doch niemand muss diese Herausforderung allein bewältigen – weder Betroffene noch ihre Angehörigen.
Die hier präsentierten Informationen widerspiegeln die unabhängige Meinung von Leben mit Prostatakrebs. Bayer hatte keinen Einfluss auf den Inhalt des Artikels.
Informationen für Angehörige: www.krebsliga.ch/ angehoerige
Peerplattform der Krebsliga Schweiz: www.krebsliga.ch/ peerplattform

Prostatakrebs: Es gibt für fast jeden Patienten mehr als eine Behandlungsoption
Der Onkologe PD Dr. med. Aurelius Omlin (AO), Chairman des Uroonkologischen Zentrums der Klinik für Hämatologie & Onkologie Hirslanden Zürich, sowie der Nuklearmediziner und Radiologe Dr. med. Stephan Beintner-Skawran (SBS), Oberarzt an der Klinik für Nuklearmedizin des Universitätsspitals Zürich, erklären, wie ein Tumorboard im klinischen Alltag arbeitet. Dabei geht es insbesondere um das sogenannte Shared Decision Making (SDM), also die gemeinsame Entscheidungsfindung der Mediziner:innen und ihrer Prostatakrebspatienten für den besten individuellen Behandlungspfad.
Mit der Diagnose Prostatakrebs beginnt ein Prozess, der in einer Empfehlung zur besten individuellen Behandlung des Patienten mündet. Wie kommt es zu dieser Entscheidung, und wer hat daran teil?
AO: In anerkannt zertifizierten Tumorzentren sitzen Mediziner:innen der Fachgebiete Urologie, Onkologie, Radiologie, Pathologie,
Nuklearmedizin und Psycho(onko) logie mit Wissen und Erfahrung und diskutieren in einem sogenannten Tumorboard – nach zunächst individueller Beschäftigung mit den validen Fakten, die wir zur Erkrankung des Patienten haben – sämtliche Möglichkeiten zur Behandlung. Und das ist eine sehr gute Nachricht: Wir haben heute viele Möglichkeiten. Das müssen wir
dem Patienten kommunizieren. Er muss seine Optionen erfahren und verstehen, denn jede bringt spezifische Konsequenzen, Risiken und Nebenwirkungen mit sich. Im gemeinsamen Gespräch mit dem Patienten kommt es daher vor allem darauf an, zu erfragen, welche Dinge ihn bezüglich seiner Prostatakrebserkrankung beschäftigen, welche Prioritäten er setzt, welche

Dr. med. Aurelius Omlin Chairman des Uroonkologischen Zentrums der Klinik für Hämatologie & Onkologie Hirslanden Zürich
FOTO: OZH
Vorerfahrungen er hat.
SBS: Wir bewegen uns heute immer weiter in Richtung Partizipation. Das ist eine grosse Aufgabe für alle Beteiligten. Es geht darum, die individuelle Diagnose und die aus medizinischer Sicht passenden Therapieoptionen gut zu vermitteln. Dazu ist es absolut wichtig, dass wir zu dem Patienten eine vertrauensvolle Beziehung aufbauen und ihn als Mensch kennenlernen.
Was ist im ersten Gespräch mit dem Patienten besonders wichtig?

Dr. med. Stephan
Beintner-Skawran
Oberarzt an der Klinik für Nuklearmedizin des Universitätsspital
Zürich
AO: Zeit. Ich nehme mir gut eine Stunde Zeit für das Gespräch. Ich weiss, das ist ein Privileg – wir haben glücklicherweise in der Schweiz die Ressourcen dafür. Ich frage nach der persönlichen Krankheitsgeschichte (Anamnese), nach familiären Vorbelastungen. Beispielsweise will ich nicht nur wissen, ob der Vater oder der Grossvater Prostatakrebs hatten oder haben, sondern auch, ob es in der direkten Verwandtschaft Brustkrebs gab oder gibt. Denn dann gibt es ein höheres Risiko, an Prostatakrebs zu erkranken, da es sich um die gleichen Gene handelt. Ich mache zudem eine Sozialanamnese, um zu erfahren, wo der Patient aktuell im Leben steht. Mir ist wichtig, dass der Patient sich nicht unter Druck gesetzt fühlt – er braucht Zeit, um die Informationen zu verarbeiten, seine Optionen abzuwägen, sie mit seinen Angehörigen zu besprechen. Er muss sich keineswegs im Hier und Jetzt für eine Therapie entscheiden.
Kann sich ein Patient auch gegen eine Behandlung entscheiden, und wie gehen Sie damit um?
SBS: Der Patient entscheidet immer selbst, wie er behandelt wird. Dank der SDM kann er sich dabei auf medizinisches Fachwissen und Erfahrungen vieler Fachleute stützen. Es ist selten eine binäre Entscheidung: Behandlung heisst leben, Nichtbehandlung heisst sofort sterben. Vielmehr zeigen wir den Patienten mögliche Behandlungspfade auf – mit einer aus unserer fachlichen Sicht erstbesten Behandlung, einer zweitbesten … Was heissen kann, dass die erstbeste auf das lange Überleben fokussiert, aber auch spürbare Einschränkungen und Nebenwirkungen mit sich bringt. Die zweitbeste Behandlung verursacht dagegen vielleicht weniger Nebenwirkungen, sprich: Die Lebensqualität bleibt zunächst weitgehend erhalten, doch sie geht mit einer kürzeren Überlebensprognose einher.
AO: Wir sind heute in der Situation, in der wir nahezu jedem Patienten sagen können, dass es nicht nur einen Weg zur Behandlung gibt. Und
die Behandlung, die wir vorschlagen, ist immer eine Empfehlung, niemals Verpflichtung.
Herr Dr. Stephan Beintner-Skawran, was ist Nuklearmedizin, und welche Rolle spielt sie bei Prostatakrebs?
Wir sehen dank der Nuklearmedizin, was wir behandeln – und wir behandeln mit ihr, was wir sehen. Das heisst konkret, dass wir heute mit einem schwach radioaktiven Stoff (Radiopharmakon) auf Molekülebene eine Prostatakrebserkrankung diagnostizieren und ihre Ausbreitung
Lebensqualität des Patienten stehen. Umso wichtiger ist, dass der Patient eine:n Ärztin oder Arzt findet, wo die Chemie stimmt. Nur dann ergeben sich vertrauensvolle, offene Gespräche. Ich beobachte, dass sich viele niedergelassene Onkolog:innen sehr breit aufstellen, doch die Krebsmedizin wird zunehmend komplexer. Ich beispielsweise habe mich auf Krebs an Prostata, Blase und Niere spezialisiert, und die Fülle an Informationen allein zu diesen dreien wächst von Tag zu Tag. Hier hoffe ich künftig sehr auf KI, die uns beim Bewältigen der Informationsflut unterstützt.
Wir bewegen uns heute immer weiter in Richtung
Partizipation. Das ist eine grosse Aufgabe für alle Beteiligten. Es geht darum, die individuelle Diagnose und die aus medizinischer Sicht passenden Therapieoptionen gut zu vermitteln.
definieren können. Mit demselben Stoff in höherer Radioaktivität beziehungsweise Strahlenart können wir dann den Tumor dank dieser Sichtbarmachung gezielt behandeln, indem wir die Tumorzellen quasi von innen bestrahlen, gesundes Gewebe bleibt weitgehend verschont. Das führt zu einer für den Patienten vorteilhaften Früherkennung und frühen Behandlung, die sich individualisieren lässt: Wir müssen nicht sofort mit den stärksten Mitteln arbeiten und können so gewisse Kollateralschäden sehr überschaubar halten sowie den Patienten mitunter auch Eingriffe wie eine Biopsie ersparen. Inzwischen können wir dank der PSMA-Diagnostik viel früher Metastasen sehen. Dies hat auch dazu geführt, dass wir mit gezielten therapeutischen Ansätzen vorgehen können.
AO: Das ist ein sehr wichtiger Schritt in der Prostatakrebsbehandlung. Die Entwicklung der Prostatamedizin geht sehr schnell, teilweise so schnell, dass wir mit dem Umschreiben der Leitlinien zur Behandlung hinterherhinken.
Worauf kommt es bei der Wahl der Ärztin oder des Arztes an?
AO: Prostatakrebs ist komplex. Seine Behandlung kann beispielsweise die Zeugungsfähigkeit und die Libido beeinträchtigen – Funktionen, die mit Werten wie Männlichkeit verbunden sind und massgeblich für die
Wie kann ein Patient sicher sein, dass die Ärztin oder der Arzt alle therapeutischen Optionen mit ihm diskutiert?
SBS: Nachfragen. Und im Zweifel eine Zweitmeinung einholen – bestenfalls bei einem anerkannt zertifizierten Prostatakrebszentrum, auch wenn das eine längere Anfahrt bedeutet.
AO: Hilfreich ist hier die Schweizer Krebsliga mit ihrem Informationsangebot zum Einholen einer Zweitmeinung.
Was sind die Vorteile, wenn Ihre Fachrichtungen Onkologie und Nuklearmedizin/Radiologie eng zusammenarbeiten?
AO: Über das Tumorboard sind alle medizinischen Fachbereiche über kürzeste Wege vernetzt. Jeder Bereich weiss zu jeder Zeit Bescheid, was mit dem Patienten passiert, und wir können, falls nötig, sofort eingreifen und den Behandlungspfad verändern.
Herr Dr. Stephan Beintner-Skawran, wie läuft eine nuklearmedizinische Therapie grundsätzlich ab?
Wir spritzen dem Patienten das radioaktive Mittel – davon spürt er nichts. Der Eingriff dauert fünf bis zehn Minuten. Anschliessend verteilt sich das Mittel im Körper und dockt an Tumorzellen an. Was zu viel ist, wird mit dem Urin ausgeschieden, den wir aus Strahlungsschutzgründen in speziellen Abklinganlagen sicher auffangen. Je nach Therapie können die Patienten entweder sofort oder nach 20 Stunden nach Hause gehen. Danach erstellen wir Aufnahmen, die für die Verlaufsbeurteilung sehr wichtig sind. Das Radiopharmakon im Körper zerfällt nach einigen Tagen komplett – der Patient ist nicht mehr «radioaktiv».

Seine Depression machte Francisco Rodríguez (30) im Jahr 2019 öffentlich. Hier erklärt er, was ihn dazu bewog und wie er mit diesem Schritt schliesslich das Spielfeld wechselte – weg vom Fussballfeld hin zur mentalen Gesundheit, insbesondere der von Männern und Sportlern, für die er sich heute auf vielfache Weise einsetzt.
Francisco, was bewog Sie dazu, Ihre Depression öffentlich zu machen, und wie geht es Ihnen heute?
Ausschlaggebend war, dass ich mit gewissen Werten aufwuchs. Ich komme aus einer sozial starken Familie und einem sozial starken Quartier – für beide gilt: Man hilft, wenn’s jemandem nicht gut geht. Ich habe diese Hilfe in meiner dunklen Zeit bekommen und wollte meine guten Erfahrungen teilen. Ich wusste, dass Probleme mit mentaler Gesundheit ein schweres Thema sind, über das vor allem Männer ungern sprechen. Ich dachte, dass ich als öffentlich wahrgenommene Person etwas bewirken könnte, wenn ich meine Geschichte erzähle. Mir ging es damit weder um Reichweite, noch sorgte ich mich um Konsequenzen für meine Karriere – ich wusste, auf welch gutem Level meine Performance damals war. Ich fühlte mich wieder gut und war mir sicher, dass es mir mit dem Schritt an die Öffentlichkeit noch besser gehen würde. So war es dann auch.
Heute fühle ich mich sehr gut. Die depressive Zeit gehört zu mir, sie hat mich geprägt. Doch sie ist kein Grund zu klagen. Sie hat mir ein weiteres «Spielfeld» eröffnet, auf dem ich als Mental-Health-Influencer anderen helfen kann, weil ich mentale Gesundheit enttabuisiere und eine Anlaufstelle für Betroffene schaffe.
Was raten Sie Männern, die mit depressiven Verstimmungen oder Depressionen kämpfen? Mir ist wichtig, zu kommunizieren, dass depressive Verstimmungen und Depressionen etwas sind, was jeder Mensch mal durchmacht – der eine ausgeprägter als der andere. Es ist auch normal, dass solch eine Situation überfordert. Daher rate ich: Sprich darüber, behalte das nicht für dich. Du musst das nicht alleine durchstehen. In deinem Umfeld findest du Rückhalt, hol ihn dir. Männer tun mentale Probleme gerne als «not manlike» ab. Doch ist schlimmstenfalls ein Suizid «männlich»? Du musst dich nicht schämen, professionelle Hilfe anzunehmen. Mit jeder anderen Verletzung gehst du doch auch zu einer Ärztin oder einem Arzt.
Seit Ihrem Schritt an die Öffentlichkeit engagieren Sie sich stark für mentale Gesundheit. Was hat sich seither im Fussball und in der Gesellschaft verändert, und wo sehen Sie weiterhin Handlungsbedarf?
Ich beobachte eine positive Entwicklung im Leistungssport: Ich vernehme immer mehr Stimmen, die sich für mentale Gesundheit einsetzen. Irgendwann, wenn es noch mehr davon gibt, lässt sich das Thema nicht mehr ignorieren. Natürlich geht es gerade im Hochleistungssport nach wie vor um Leistungspotenzial und Resultate. Doch das steht ja nicht im Widerspruch zu helfenden Händen, die sich professionell um die körperliche und mentale Gesundheit der Sportler:innen kümmern. Es gibt bereits Fussballvereine, die Mental Coaches und sogar Psycholog:innen und -therapeut:innen im Team haben. Das können gerne noch mehr werden.
wir diese. Wir brechen das Tabu. Wenn ich zeige, dass ich mich als Profifussballer wegen meiner Depression nicht schäme und mir professionelle Hilfe geholt habe, dann schämt sich vielleicht ein anderer Sportler auch nicht mehr. Vielleicht denkt er ja sogar: «Der Francisco hat sich unterstützen lassen – warum mache ich das nicht auch?!» Nun haben wir in der Schweiz leider ziemlich lange Wartezeiten auf Psychotherapieplätze. Gerade deshalb sind moderne Lösungen wie digitale Anbieter so wichtig, um schnell und unkompliziert Zugang zu professioneller Hilfe zu schaffen.
Inwiefern ist der Performancedruck im Spitzensport auch mit dem in der Businesswelt vergleichbar?

Wenn ich mit meinem Schritt an die Öffentlichkeit nur einem Menschen geholfen habe, seine Depression besser zu bewältigen, dann ist meine ‹mission completed›.»
Der Leistungsdruck ist heute in allen gesellschaftlichen Bereichen hoch und wird künftig nicht geringer. Wir bewegen uns in eine Richtung, die viel von jeder und jedem abverlangt. Wir brauchen aber auch Strategien und Strukturen, falls jemand diesem Druck nicht standhält. Mental Health wird mit dem steigenden Druck immer wichtiger.
Mit Initiativen wie «99%», Ihrem Podcast «Chopfsach» oder Ihrer Laufgruppe schaffen Sie Räume für Austausch. Wie wichtig sind solche niederschwelligen Angebote, um insbesondere Männer und Sportler dazu zu bewegen, früher Hilfe anzunehmen?
Je mehr wir über Mental Health reden, desto schneller normalisieren
Was für den Leistungssport gilt, trifft auch auf die Wirtschaft zu, schliesslich geht es dort auch um Leistung. Je höher ein Geschäftsmensch positioniert ist, desto wichtiger ist es, mentale Gesundheit nicht zu vernachlässigen. Wir alle haben nur ein Gehirn, und das arbeitet 24 Stunden am Tag. Wir brauchen auch in der Geschäftswelt ein System, das Kopf und Körper erlaubt, sich von dem allgegenwärtigen Leistungsdruck zu erholen.
Was halten Sie vom aktuellen Trend der Selbstoptimierung mit «KPIs für den Körper» – siehe beispielsweise Bryan Johnson – im Bezug darauf?
Während noch so manche:r vor Trends wie Longevity zurückschreckt, sehe ich darin auch eine Chance dafür, dass wir alle länger gesünder leben. Wir haben heute das Wissen und die Technologien und können uns das nötige Know-how selbst aneignen. Ich sehe aber auch die Gefahr, dass die Selbstoptimierung ins Extreme rutscht. Ich halte alles, was ins Extreme geht, für ungesund. Es gilt, einen gesunden Mittelweg zu finden und einen Sport zu treiben, der gesund hält und Freude macht.

Dr. med. Michaela
Mack
Fachärztin für Urologie FMH, Schwerpunkt Operative Urologie FMH, Zentrum für Urologie und Uroonkologie Zürich
AG, Klinik Hirslanden; Zürich
Vorstand Swiss Women in Urology
Urologie: «Ich rate allen Männern ab 40 zu einem Check»
Als Fachärztin für Urologie weiss Dr. med. Michaela Mack vom Zentrum für Urologie und Uroonkologie AG an der Zürcher Klinik Hirslanden, wovon sie spricht. Alter, Hormonveränderungen – vor allem ein sinkender Testosteronspiegel – und ein ungesunder Lifestyle können ab 40 Jahren mehr und mehr die Männergesundheit beeinträchtigen. Inwiefern, das lesen Sie im Interview.
Viele Männer verbinden die Urologie vor allem mit Prostataproblemen. Was umfasst Ihr Fachgebiet in Bezug auf Männergesundheit noch?
Die Urologie befasst sich mit der Vorbeugung, Diagnose und Behandlung von Erkrankungen der harnbildenden und harnableitenden Organe – und bei Männern zusätzlich der Geschlechtsorgane.
Häufige Beschwerden sind Probleme beim Wasserlassen, (wiederkehrende) Blasenentzündungen, chronische Prostataentzündungen (Prostatitis), Erektionsprobleme sowie Nieren- und Harnleitersteine. Auch mit gut- und bösartigen Tumoren an diesen Organen befassen wir uns. Hinzu kommen Probleme mit der Zeugungsfähigkeit und den Hormonen, insbesondere mit dem männlichen Sexualhormon Testosteron.
Wie verändert sich der Hormonhaushalt von Männern ab 40, und welche Rolle spielt Testosteron für die Männergesundheit?
Ab 40 fällt der Anteil des Testosterons allmählich ab – pro Jahr um etwa ein Prozent. Der sinkende Testosteronspiegel trifft alle Männer. Die Symptome sind jedoch unterschiedlich ausgeprägt. Der individuelle Lebensstil kann Einfluss darauf haben: Wer ungesund lebt, kann den Testosteronabfall beschleunigen. Führt diese natürliche, altersbedingte, gegebenenfalls vom Lifestyle
beschleunigte Hormonveränderung zu einem Testosteronmangel, kann sich das in vielfältiger Weise äussern: Libido- und Erektionsprobleme, Stoffwechselprobleme mit Gewichtszunahme, Muskelabbau, Verlust von Knochendichte, Haut- und Haarprobleme oder psychische Probleme wie Stimmungsschwankungen, Depressionen, Müdigkeit, Abgeschlagenheit und Antriebslosigkeit.
Wann ist es sinnvoll, den Testosteronspiegel medizinisch abklären zu lassen?
Wer die genannten Symptome bemerkt – unabhängig vom Alter –, sollte einen Check machen lassen. Da der Testosteronspiegel beim Mann eng mit dem Schlaf-Wach-Rhythmus (zirkadianer Rhythmus) verbunden ist, sollte die dazu nötige Blutabnahme morgens zwischen 8 und 10 Uhr auf nüchternen Magen erfolgen – dann ist der Testosteronspiegel am höchsten. Liegt ein Testosteronmangel nach bestätigten Messungen vor, wird dieser mit einer Testosteronersatztherapie behandelt.
Welche urologische Vorsorge empfehlen Sie Männern zwischen 40 und 65? Und wann sollte Mann auch kommen, wenn er keine Beschwerden hat?
Ab 40 Jahren rate ich zu einem Check, auch wenn Mann beschwerdefrei ist. Anhand der persönlichen Patientengeschichte (Anamnese),
gegebenenfalls familiärer Vorbelastungen und Risikofaktoren entwickeln die Urolog:innen dann gemeinsam mit den Patienten einen individuellen Vorsorgeplan. Zur Hodentumorvorsorge kann der Mann circa einmal im Monat seinen Hodensack abtasten, um Veränderungen möglichst früh zu bemerken. Bei Auffälligkeiten sollte er sofort zur Urologin oder zum Urologen gehen.
Was sind häufige Fehler oder Versäumnisse, die Männer über 40 in Bezug auf ihre urologische Gesundheit machen?
Wir erleben, dass viele Männer insbesondere männergesundheitliche Probleme «verschleppen», was diese meist nur grösser macht. Dahinter stecken falsche Scham und die Sorge, dass Ärzt:innen Erkrankungen der Geschlechtsorgane feststellen könnten. Auch die Angst vor dem «Finger im Po» zum Abtasten der Prostata spielt eine Rolle. Dabei ist diese Untersuchung gemäss internationalen Richtlinien längst nicht mehr erforderlich. Wir sehen zudem bei Männern jeglichen Alters, dass Testosteronersatztherapien auch ohne medizinische Indikation angewandt werden. Die Männer besorgen sich diese auf eigene Faust. Zu uns kommen sie dann wegen der Folgen einer Testosteronüberdosis wie schrumpfender Hoden und Zeugungsunfähigkeit.