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„Viele glauben noch immer, sie seien allein. Das sind sie nicht.“
Regisseurin Louise Unmack Kjeldsen spricht über ihren Dokumentarfi lm: „Mein neues altes Ich - Eine Reise in das Mysterium der Menopause“.
Seite 06–07
Gynäkologischer Krebs. Das sollte frau wissen:
Univ.-Prof.in Dr.in med. univ. Nicole Concin im Interview
Seite 04
Gewichtszunahme in den Wechseljahren:
Dr. med. Christian Matthai klärt auf
Seite 12–13 Gratis ontop: ModulBody Forming im Wert von 599,-







Fasten mit Genuss

7=9 Nächte
Buchungscode: DerStandard
Gilt für Aufenthalte bis 31. August 2026

SOMMER | DETOX | LEICHTIGKEIT

Infos zum Paket:



VERANTWORTLICH FÜR DEN INHALT
DIESER AUSGABE:

Schütz B.Sc. Project Manager


Carolin Kotke Brustkrebsaktivistin, Autorin und Ernährungscoach über ihre Brustkrebserkrankung, frühe Wechseljahre und ihren Weg zurück
Project Manager: Nicole Schütz
Business Developer: Julia Stempfer, MA
Lektorat: Sophie Müller, MA Grafik und Layout: Juraj Príkopa
Managing Director: Bob Roemké
Fotocredits: wenn nicht anders angegeben bei Shutterstock
Medieninhaber: Mediaplanet GmbH, Bösendorferstraße 4/23 · 1010 Wien · ATU 4759844 · FN 322799f FG Wien
Impressum: mediaplanet.com/at/impressum
Distribution: STANDARD Verlagsgesellschaft m.b.H.
Druck: Mediaprint Zeitungs- und Zeitschriftenverlag GmbH & Co KG Kontakt bei Mediaplanet: Tel: +43 676847785227
E-Mail: hello-austria@mediaplanet.com ET: 26.06.2026

Assoz. Prof.
Gerda Trutnovsky Universitätsklinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe
Frauen, die monatlich unter Unterleibsschmerzen leiden. Frauen, die mit Hitzewallungen und Schlafstörungen kämpfen. Frauen, die durch die Diagnose Krebserkrankung plötzlich den Boden unter den Füßen verlieren.
Diese Frauen können wir alle sein. Bis zu 90 % aller Frauen im gebärfähigen Alter sind von Regelschmerzen betroffen, zwei Drittel aller Frauen leiden unter klimakterischen Beschwerden, eine von acht Frauen erkrankt an Brustkrebs.
Als Frau und Gynäkologin bemerke ich, dass viele Frauen ihre körperlichen Symptome nicht oder erst zu spät wahrnehmen. Dabei kann Früherkennung und rechtzeitige Behandlung lebensrettend sein.
Auch Menstruations- und Wechselbeschwerden werden von vielen Frauen nicht thematisiert, da sie damit vermeintlich Schwäche zeigen. Im Glauben, in Beruf und Familie funktionieren zu müssen, werden eigene Bedürfnisse hintangestellt und Beschwerden still ertragen.
Über lange Zeit war die Medizin männlich dominiert – der weibliche Körper wurde als Abweichung zur männlichen Norm
beschrieben. Mittlerweile ist das Thema „weibliche Lebensphasen“ ein zentraler Bestandteil der medizinischen Ausbildung und Forschung. Es werden laufend neue Therapien entwickelt, um sowohl gutartige „Frauenbeschwerden“ als auch bösartige gynäkologische Veränderungen besser behandeln zu können. Wir Frauen müssen mehr über unsere Symptome reden. Wir müssen mehr auf unsere eigene Gesundheit und unser Wohlbefinden achten. Denn Selbstfürsorge ist ein Zeichen von Stärke und niemals von Schwäche. Möge diese Kampagne dazu beitragen, das Bewusstsein für Frauengesundheit zu stärken und Sie inspirieren, auf Ihren Körper zu hören und gut für sich selbst zu sorgen!
Ihre
Gerda Trutnovsky

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Fasten, Detox oder vegetarische Kulinarik | Arzt & Diätologie Begleitung
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Menopause: 3 Fragen an Dr. Ulrike Göschl, Ärztliche Leitung Retreat & Health Resort Marienkron
Warum nehme ich in den Wechseljahren leichter zu - obwohl ich kaum anders esse? Die hormonelle Umstellung kann Stoffwechsel, Muskelmasse und Fettverteilung verändern. Deshalb lohnt es sich, Ernährung, Bewegung und Regeneration jetzt bewusst neu auszurichten.
Wie kann Fasten den Stoffwechsel in der Menopause unterstützen?
Medizinisch begleitetes Fasten ist ein wertvoller Impuls für den Stoffwechsel und erleichtert die Umstellung auf neue Ernährungs- und Lebensstilgewohnheiten. Wichtig ist, dass Fasten individuell abgestimmt wird - besonders in der Menopause.


Was hilft gegen Müdigkeit, Schlafprobleme und innere Unruhe?
Regelmäßige Bewegung, gezielte Entspannung, guter Schlaf und eine antientzündlich orientierte Ernährung können viel bewirken. Genau hier setzt das Marienkron Medical Concept an: nicht nur länger leben, sondern länger gesund, kraftvoll und in Balance bleiben.
Marienkron Medical Concept - Medizinisch begleitet. Individuell abgestimmt. Für Gesundheit, die bleibt.



Univ.-Prof.in Dr.in med.
Nicole Concin
der Österreichischen Arbeitsgemeinschaft für Gynäkologische Onkologie (AGO)
Gynäkologische Krebserkrankungen zählen zu den häufigsten Tumorerkrankungen bei Frauen. Im Interview spricht Univ.-Prof.in Dr.in med. univ. Nicole Concin, Präsidentin der Österreichischen Arbeitsgemeinschaft für Gynäkologische Onkologie (AGO), über aktuelle Herausforderungen, medizinische Fortschritte und darüber, worauf Frauen besonders achten sollten.
Wie gut ist Österreich bei der Versorgung von Patientinnen mit gynäkologischen Krebserkrankungen aufgestellt?
Wir haben mehrere zertifizierte Zentren, darunter drei von der ESGO (Europäische Gesellschaft für Gynäkologische Onkologie) zertifizierte. Das macht die Behandlungsqualität durch Einhaltung hoher Standards sichtbar und bietet Zugang zu hochspezialisierten, interdisziplinären Behandlungsteams und einer besseren Prognose. Eine Zentralisierung komplexer Behandlungen in Referenzzentren für Gynäkologische Krebserkrankungen und abgestufte Versorgung mit regionalem Anschluss bieten Vorteile.
Welche Warnzeichen sollten Frauen in Hinblick auf gynäkologische Tumoren kennen?
Für viele haben wir ein Frühsymptom oder effektives Screening. Bei Gebärmutterschleimhautkrebs ist das häufig die Blutung aus der Scheide. Von dieser Erkrankung sind meist Frauen nach den Wechseljahren betroffen. Die plötzliche, erneut auftretende Blutung sollte Frauen veranlassen, eine:n Gynäkolog:in aufzusuchen. Für Gebärmutterhalskrebs haben wir den HPV-/PAP-Abstrich, durch die HPV-Impfung kann diese Krebserkrankung verhindert werden. Für Brustkrebsfrüherkennung haben wir die Mammographie.
„Problem“-Tumor ist der Eierstockkrebs. Hier gibt es kein suffizientes Früherkennungsprogramm und kein spezifisches ausgeprägtes Frühsymptom. Ärztliche Abklärung ist bei über Wochen anhaltenden Symptomen wie unklaren Bauchschmerzen, Zunahme des
Bauchumfangs, anhaltendem Völlegefühl, Veränderungen der Blasen-/Darmfunktion, verbunden mit Müdigkeit und Abgeschlagenheit, wichtig.
Was macht den Eierstockkrebs so gefährlich?
Das sind die genannten Gründe. Zwei von drei Frauen mit Eierstockkrebs haben zum Zeitpunkt der Diagnose bereits eine fortgeschrittene Erkrankung mit Tumorabsiedelungen im Bauchraum und darüber hinaus. Hier sind sehr komplexe Operationen über mehrere Stunden notwendig, um den gesamten sichtbaren Tumor zu entfernen.
Welche neuen Therapieansätze verändern die gynäkologische Onkologie?
Der größte Fortschritt passiert bei zielgerichteten Medikamenten, die spezifische biologische Merkmale und Stoffwechselwege von Tumoren angreifen und Tumorzellen spezifisch schädigen. Sehr stark im Kommen sind sogenannte ‚Antibody-Drug-Conjugates‘, die eine an den Antikörper gekoppelte Chemotherapie direkt in die Krebszelle bringen. Große Fortschritte konnten wir auch mit der Immuntherapie erzielen. Außerdem entwickeln sich minimalinvasive und roboterassistierte operative Verfahren weiter.
Was sind die wichtigsten Projekte der AGO Österreich?
Ein Punkt ist die Sicherstellung qualitativ hochwertiger, standardisierter Versorgung in der Gynäkologischen Onkologie. Dazu gehört
Mit Ich&Krebs erhalten Krebspatient*innen und ihre Angehörigen konkrete Hilfestellung zu den vielen Herausforderungen, denen sie im Alltag gegenüberstehen.
www.ichundkrebs.at
Hinweis: Für medizinischen Rat fragen Sie Ihre Ärztin/Ihren Arzt.
NP-AT-ON-ADVR-260001 05/2026
es, Zertifizierungsprozesse von Zentren voranzutreiben und ‚Educational Events‘ zu organisieren, wie unsere Jahrestagung im Frühling und die Wissenschaftliche Herbsttagung. Ebenso sind die Förderung klinischer Studien sowie enge Vernetzung mit europäischen Netzwerken wichtig. Bedeutend sind auch die Stärkung der Patientinnen-Information durch Au lärungsmaterial und gemeinsame Projekte mit Selbsthilfegruppen sowie die Nachwuchsförderung.
Welche Themen werden in der Betreuung von Patientinnen mit gynäkologischen Tumoren zu wenig berücksichtigt? Wir sprechen zu wenig über mögliche Langzeitfolgen der Behandlungen, z. B. menopausale Beschwerden, Einfluss auf Sexualität oder psychische Belastung. Hier bedarf es multiprofessioneller Teams inklusive Expert:innen aus Psychoonkologie, Physiotherapie, Sexualmedizin und Sozialberatung. Wichtig ist mir auch, Patientinnen frühzeitig in Rehabilitationsund Survivorship-Programme einzugliedern.
Was ist gynäkologisch für jede Frau wichtig zu wissen?
Drei Punkte sind wichtig: regelmäßige gynäkologische Kontrolle und Wahrnehmen von Vorsorgeangeboten; Veränderungen ernst nehmen und frühzeitig abklären; und die Behandlung von gynäkologischen Krebserkrankungen in spezialisierten, zertifizierten Zentren. Auf der Website der Österreichischen AGO sind die zertifizierten Zentren Österreichs aufgelistet.



Gabriela Aldzic (51) erfuhr 2023 einen Tag nach Weihnachten, dass sie Brustkrebs hat. Mit uns spricht die alleinerziehende Mutter und diplomierte Sozialbetreuerin – ihre Kinder waren damals 14, 17, 18 und 26 – darüber, wie ihr Krebs sie zu sich selbst führte. Wie sie lernte, ihre Wahrheit auszusprechen, und wie im Zuge dessen Freundschaften endeten, während andere standhielten und sogar neue begannen, lesen Sie hier.
Frau Aldzic, wie nahmen Sie die Diagnose Brustkrebs auf?
Als die Ärztin mir eröffnete, dass ich Krebs habe, beamte ich mich in Gedanken aufs Dach der Ordination – ich wollte das Wort nicht hören. Nach 30 Sekunden war ich zurück in meinem Körper und empfand die Diagnose als Todesurteil. Ich war gelähmt vor Angst. Ich hatte gerade ein sehr mühsames Jahr hinter mir – beruflich wie privat – und steckte noch in einem Burnout. Meine Gummizuckerl waren fast aufgebraucht.
Wie meinen Sie das?
In meiner Vorstellung bekommt jede:r eine Tüte bunter Gummizuckerl ins Leben mit. Ich verteilte meine immer großzügig, nahezu verschwenderisch – ohne darauf zu achten, wie viele ich noch habe und ob ich auch welche zugesteckt bekomme. Im Burnout waren gefühlt noch zwei Gummizuckerl in meiner Tüte. Die Krebsdiagnose leerte die Tüte gänzlich – ich dachte, das sei das Ende.
Sie klingen heute sehr zuversichtlich: Füllte sich Ihre Tüte wieder?
Während der Chemotherapie fühlte ich mich sterbenskrank. Als ich einmal mit meiner besten Freundin in der Stadt war, sah ich in einem Schaufenster lauter kleine Tütchen mit Gummizuckerl. Das war mein Zeichen – es waren offensichtlich noch welche im Umlauf, auch für mich. Einige Zeit später checkte ich bei einem Yogakurs für Krebspatient:innen
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ein – und im Vorraum sah ich ganze Paletten mit Gummizuckerln. Ich schöpfte wieder Lebensmut.
Wie teilten Sie Ihren Kindern die Krebsdiagnose mit?
Ich sagte es ihnen geradeheraus. Heute denke ich, ich hätte davor erst einmal mit mir selbst ins Reine kommen sollen. Die Diagnose hat die drei Jüngeren, der Älteste war schon aus dem Haus, sehr getroffen. Meine Jüngste schaltete sofort um auf ‚Ich kümmere mich um dich‘, ihre beiden älteren Brüder suchten Trost bei Freunden, waren viel unterwegs. Das hat mich verletzt. Bisher hatte ich uns immer zusammengehalten – nun fiel ich aus. Niemand fing uns auf. Das war eine ganz schlimme Zeit.
Standen Ihnen Freund:innen zur Seite?
Ich hatte mein Leben lang einen Freundeskreis aufgebaut. Auf den zählte ich. Doch es stellte sich heraus, dass viele Freundschaften bis dahin nur bestanden, weil ich sie am Leben erhalten hatte. Es gab Freundinnen, die verstanden nicht, wenn ich Treffen absagte, weil es mir körperlich oder mental nicht gut ging. Also quälte ich mich ins Café. Ich fürchtete, sie zu verlieren, wenn ich zuhause bliebe. Ich lieferte ab, bediente immer noch die Bedürfnisse anderer zuerst. Bis ich eines Tages nicht mehr konnte – und meine Grenze zog. Ich sagte eine Einladung ab: ‚Ich brauche Zeit für mich. Ich muss mich auf meine Gesundheit fokussieren.‘ Die jahrzehntelange

Freundschaft zerbrach kurz darauf, es war nicht die letzte. Andere Freundschaften dagegen gaben mir Halt. Der erste Satz einer Freundin, als sie von meinem Krebs erfuhr, war: ‚Gabriela, das schaffen wir schon.‘ Ihr ‚Wir‘ nahm mir eine große Last. Drei Freundinnen gaben ihr Bestes – und ich sage heute: ‚Gott sei Dank war das nicht genug.‘ Denn so bekam ich die Chance, mich selbst zu finden. Das war eine große Herausforderung, doch ich lernte schließlich Selbstliebe. Mir wurde klar, dass nur ich selbst mir geben konnte, was ich mir wünschte: Verständnis, Trost, Zuspruch.
Ich nannte meinen Krebs nie Krebs – das Wort schwingt in einer Angstfrequenz. Stattdessen sprach ich von ‚Hugo‘. Und ich bin Hugo dankbar, dass er mich so nah zu mir gebracht hat, wie nichts zuvor in meinem Leben. Ich war ein Jahr sehr alleine, aber nie einsam. Denn ich war mit mir zusammen.
Was raten Sie Betroffenen und Menschen in ihrem Umfeld: Worauf kommt es bei der Kommunikation an, wenn immer auch eine Krebserkrankung „mitredet“?
Sprechen Sie immer Ihre Wahrheit – auch, wenn Beziehungen auf dem Spiel stehen. Selbst wenn Sie Menschen verlieren, gewinnen Sie doch das Wertvollste: sich selbst. Und wer die eigene Wahrheit spricht, lädt neue Menschen in das Leben ein, die derart tiefe Beziehungen mittragen wollen. Mir erging es so.
Auf krebsbegleiter.at finden Betroffene und Angehörige verlässliche Informationen, praktische Unterstützung und hilfreiche Angebote für den Alltag mit Brustkrebs u.a. zu diesen Themen:
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Für ihren Dokumentarfilm Mein neues altes Ich – Eine Reise in das Mysterium der Menopause hat Regisseurin Louise Unmack Kjeldsen weltweit mit Betroffenen und Forscher:innen gesprochen. Auslöser war ihre eigene Erfahrung. Im Interview spricht sie über gefährliche Wissenslücken im Gesundheitssystem und darüber, warum die Menopause endlich aus der Tabuzone geholt werden muss.
Wann haben Sie erkannt, dass die Menopause hinter all Ihren Symptomen stecken könnte?
‚Ihre Eierstöcke sehen aus wie kleine verwelkte Zweige.‘ Das waren die Worte meiner Gynäkologin, während ich auf dem Behandlungsstuhl lag. Menopause – ich hatte keine Ahnung, was das konkret bedeutete. Wenige Minuten später stand ich wieder auf der Straße, ohne Erklärung und richtiges Gespräch.
Ich war Anfang 50, genoss mit meinem Mann die neue Freiheit, nachdem die Kinder ausgezogen waren. Ich machte das, was ich am meisten liebe: Filme drehen. Plötzlich begann mein Leben auseinanderzufallen. Ich konnte nicht schlafen, mein Gehirn fühlte sich wie zäher Brei an, und emotional erkannte ich mich nicht wieder. Eines Nachts begann ich, meine Symptome zu googeln und fand Millionen andere Frauen, die genau dasselbe taten: wach liegen und versuchen, zu verstehen, was mit ihnen passiert. Das machte mich wütend. Und neugierig.
Es gibt nach wie vor wenig Forschung zur Menopause – obwohl sie 50 % der Weltbevölkerung betrifft. Was hat Sie bei der Recherche überrascht?
Bei meiner Reise um die Welt sprach ich mit führenden Forscher:innen. Mehr Frauen
als Männer entwickeln Alzheimer. Schwere Hitzewallungen könnten das Gehirn schädigen. Hormonelle Schwankungen können Depressionen auslösen. Und sehr viele Frauen zwischen 45 und 56 verschwinden aus dem Arbeitsmarkt – möglicherweise wegen der Menopause. Das Wort ‚möglicherweise‘ wurde unerträglich. Die Wahrheit ist: Klare Antworten fehlen, weil große, systematische Studien nie durchgeführt wurden.
Warum wird über die Zusammenhänge zwischen Menopause, Depression und Suizidgedanken bei Frauen von 45 – 54 noch immer so selten gesprochen?
Eine Frau erzählte mir während der Dreharbeiten, wie sie nachts wach lag, ihr Nervensystem wie ausgeschaltet. Nach dieser besonders schlimmen Nacht verließ sie das Haus mit dem Gedanken, einfach in den Verkehr zu laufen. Zum Glück tat sie es nicht. Ihr Arzt schickte sie direkt in eine Klinik. Eine andere Frau sagte, sie würde manchmal denken, ihre Kinder wären ohne sie besser dran. Es waren starke, erfolgreiche Frauen ohne frühere psychische Erkrankungen – und dennoch dauerte es Monate oder Jahre, bis sie ernst genommen wurden.
Viele Frauen bekommen keine Hilfe, weil sie nicht wissen, dass hormonelle Veränderungen dahinterstecken könnten – und weil noch immer zu viele Ärzt:innen die Symptome nicht ausreichend erkennen. Wenn es um Suizidgedanken geht, wird dieses Unwissen gefährlich.
Ihr Film zeigt, wie männlich dominierte Forschung über Jahrhunderte das Verständnis von Frauengesundheit geprägt hat.
In alten medizinischen Lehrbüchern fand ich erschreckende Beschreibungen: ‚Frauen werden egozentrisch, selbstmitleidig, streitsüchtig.‘ Oder: ‚Eine Frau, die keine Kinder mehr bekommen kann, ist für ihre Spezies nutzlos.‘ Diese Geringschätzung prägte die Medizin über Generationen. Forschung wurde


















an Männern betrieben. Der männliche Körper galt als Norm, der weibliche als zu kompliziert – Zyklen störten Daten, Schwangerschaft war ein Risiko. Noch heute fließen weniger als 5 % der globalen Gesundheitsforschung gezielt in Frauengesundheit.
Die Hormonersatztherapie ist seit Jahrzehnten umstritten. Warum polarisiert die Debatte so? Als ich Hilfe suchte, sagte mir meine Ärztin nur: ‚Da müssen Sie durch.‘ Diese Erfahrung teilen viele Frauen. 2002 wurde eine große US-Studie abgebrochen, weil sie ein erhöhtes
Viele glauben noch immer, sie seien allein. Das sind sie nicht.
Risiko für Brustkrebs und Herzkrankheiten nahelegte. Millionen Frauen brachen ihre Therapie ab. Erst später wurde klar: Die Studie hatte gravierende Methodikprobleme. Heute gilt die Hormontherapie für viele Frauen als risikoarm, besonders, wenn sie früh begonnen wird. Moderne Präparate sind deutlich besser als frühere. Dennoch bleibt die Angst. Zugleich besteht eine Grundsatzdebatte:
Ist es richtig, Medikamente gegen einen natürlichen Prozess zu nehmen? Oder ist es problematisch, Frauen wirksame Behandlung zu verwehren? Frauen brauchen verlässliche Informationen, um selbst entscheiden zu können – ohne Bewertung.





Ihr Film greift mögliche Zusammenhänge zwischen Menopause und Gehirngesundheit auf. Welche sind das?
In Chicago erforscht Professorin Pauline Maki seit Jahren, was während der Menopause im Gehirn passiert. Frauen mit starken Hitzewallungen zeigen häufiger kleine Hirnveränderungen, die mit Alzheimer in Verbindung stehen. Chronischer Schlafmangel könnte langfristige Folgen haben. Gleichzeitig wissen wir vieles noch nicht. Es gibt keine große Studie, die direkt untersucht, ob Hormonersatztherapie das Gedächtnis bei betroffenen Frauen verbessert.
Sie haben mit Frauen aus vielen Ländern gesprochen. Welche Gemeinsamkeiten/ Unterschiede haben Sie überrascht?
Weltweit beschrieben Frauen dasselbe: Schlaflosigkeit, Brain Fog, das Gefühl, sich selbst zu verlieren – und nicht ernst genommen zu werden. Ein Unterschied fiel dennoch auf: Schwarze und Latina-Frauen erleben im Durchschnitt häufiger und länger Hitzewallungen und sind in Studien stark unterrepräsentiert. Die Forschungslücke betrifft also einige Frauen noch stärker.
Warum hat sich das Tabu um die Menopause so lange gehalten? Verändert sich die Debatte gerade? Frauen wurden lange zum Schweigen aufgefordert. Doch die heutige Generation wächst feministisch auf. Sie will über ihren Körper sprechen und ihr Alter selbst definieren. Social Media hat Frauen weltweit vernetzt. Sie wollen auch in der Lebensmitte sichtbar sein. Frauen sind schlicht müde geworden, Energie darauf zu verwenden, etwas Universelles zu verbergen.
Ich wünsche mir mehr Wissen und Zeit für Gespräche im Gesundheitssystem, vor allem aber wünsche ich mir Gespräche zwischen Frauen. Viele glauben noch immer, sie seien allein. Das sind sie nicht.

Natürlich










✓ WENIGER Hitzewallungen
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✓ Besonders sicher für alle Frauen –auch für Risikogruppen
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• Hormone sind körpereigene Botenstoffe, die den Körper steuern
• Phytoöstrogene sind pflanzliche Stoffe mit hormonähnlicher Wirkung und können daher ebenfalls Risiken bergen
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Nahrungsergänzungsmittel sind kein Ersatz für eine abwechslungsreiche Ernährung. | AT/Femalen/2026020

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„Ich sagte mir, dass ich kein Ablaufdatum wie eine
habe.“

So Caroline Justich (48), als sie die Diagnose metastasierter hormonrezeptor-positiver und HER2-positiver (HR+/HER2+) Brustkrebs erhielt – mit der Aussicht auf nur noch wenig Lebenszeit. Heute, zehn Jahre später, führt die dreifache Mutter ein erfülltes Leben mit ihrer chronischen Brustkrebserkrankung.
Caroline, wie kam es zu Ihrer Diagnose?
Schwanger mit dem dritten Kind quälten mich wahnsinnige Rückenschmerzen. Ich konnte weder sitzen, noch stehen oder liegen. Die Ärzt:innen schoben die Schmerzen auf die Schwangerschaft und nach der Geburt auf den Alltag mit drei Kindern. Im Sommer 2016 stürzte ich beim Wasserski und konnte mich kaum mehr aufs Boot hieven. Beides war neu. Ich war eine gute Wasserskifahrerin, hatte nie Probleme. Der Arzt verpasste mir eine Schmerzinfusion, sah keinen Anlass für bildgebende Diagnostik. Wir machten eine Fernreise.
Wieder daheim wollte ich eines Oktobermorgens aufstehen, als meine Wirbelsäule plötzlich krachte. Ich konnte mich nicht mehr bewegen. Im orthopädischen Krankenhaus wurde ein Wirbelbruch festgestellt, verursacht von einem Tumor. Da dieser Tumor eine Metastase war, wurde mein ganzer Körper nach dem Primärtumor durchsucht. Dann stand der Arzt an meinem Bett, den Blick am Boden: ‚Sie haben Brustkrebs Stadium 4. ‚Es ist ein besonders aggressiver Brustkrebs. Neben der Metastase an der Wirbelsäule gibt es weitere in der Leber sowie am Hüft- und am Oberschenkelknochen. Vielleicht erleben Sie Weihnachten nicht mehr. Regeln Sie besser Ihre Angelegenheiten …‘.
Was wussten Sie damals über metastasierten Brustkrebs?
Nichts. Ich verstand auch nicht alles, was die Ärzt:innen mir erklärten. Den angekündigten Tod vor Augen sagte ich mir jedoch, dass ich kein Ablaufdatum wie eine Milchpackung habe. Zutiefst geschockt wandte ich mich an einen befreundeten international bekannten Brustradiologen, Prof. Dr. Michael Fuchsjäger. Er erklärte mir in einfacher Sprache, was das alles bedeutet. Er gab mir einen Schritt-fürSchritt-Plan: ‚Es wird eine Achterbahnfahrt. Versprich mir, dich festzuhalten!‘ Beim Onkologen erfuhr ich, dass meine Diagnose kein Todesurteil ist: Drei Prozent der Patientinnen mit meinem Brustkrebstyp werden geheilt, beim Rest chronifiziert sich die Erkrankung meist. Ich sagte: ‚Ich bin bei den drei Prozent.‘
Wie wurden/werden Sie behandelt und wie geht es Ihnen heute?
Zuerst wurde der gebrochene Wirbel mit einem Implantat (Wirbel-Cage) ersetzt und bestrahlt. Darauf folgten neun Zyklen einer neoadjuvanten Chemotherapie (Chemo vor OP), danach wurden der befallene Teil meiner Leber entfernt (Leberresektion) und letztlich die rechte Brust entnommen (Mastektomie), gefolgt von einer Bestrahlung. Ich bekomme nach wie vor vier Therapien und engmaschige Verlaufskontrollen mit Bildgebung und Blutbild. Ich lebe mittlerweile schon fast zehn Jahre länger. Ich vertrage die Therapien gut und spüre kaum Nebenwirkungen. Manchmal habe ich Kopfweh, doch das haben Gesunde auch. Dank moderner Krebsmedizin lebe ich gut mit Krebs, chronifiziert; dass das so bleibt, dafür tue ich viel.
Was tun Sie?
Ich ‚investiere‘ massiv in meine physische und psychische Gesundheit – alles, was ich tue ist evidenzbasiert, mit dem Ziel, möglichst viele schulmedizinische Therapien in einem Durchgang zu bekommen, um meine Chancen und meine Lebensqualität zu optimieren. Was ich genau mache, finden Sie in den Smart 8 von Be accepted (Anm. d. Red.: mehr dazu unter be-accepted.com).
Wenn meine Erkrankung berechtigte Gefühle wie Sorgen, Ängste und Trauer weckt, betreibe ich zum Beispiel Gedankenhygiene: Ich gebe dem Gefühl Raum. Doch ich lege fest, wie groß dieser ist. Ich gewähre der Traurigkeit 15 Minuten mit mir und erlaube mir dann, wieder glücklich zu sein.
Wie gelingt Ihnen das Glücklichsein?
Mein Brustkrebs hat uns viel der Leichtigkeit genommen. Doch ich muss mir mein Leben nicht noch schwerer machen, es ist eine persönliche Entscheidung, glücklich zu sein. Krebs hat mir viel genommen, aber er hat mir auch so viel gegeben. Heute lebe ich intensiver, habe gelernt, dass meine Energie dorthin fließt, worauf ich meinen Fokus richte. Mein Leben hat eine eigene Qualität bekommen.
Biomarker Testing und zielgerichtete Therapie – wann begegneten Ihnen diese Begriffe? Immer häufiger, ich habe auch ein solches Testing bekommen; ein großer Fortschritt in der Brustkrebsbehandlung. Es ist ein Bluttest, der nach Krebszeichen im Blut sucht, einschließlich Veränderungen im Östrogenrezeptor-1Gen (ESR1), die sich bei metastasierendem Brustkrebs über die Zeit entwickeln können. Das ist eine perfekte Ergänzung zur Bildgebung bei Verlaufskontrollen.
Chronifiziert sich ein metastasierter Brustkrebs, begleitet er Betroffene dauerhaft. Welche Herausforderungen ergeben sich daraus im Alltag und wie helfen aktuelle Therapien, diese zu meistern? Eine große Herausforderung für uns Patientinnen und unsere Angehörigen ist der logistische Aufwand, den eine Krebsbehandlung mit sich bringt: Termine müssen nicht nur gemacht, sondern auch aufeinander und auf unseren Lebensalltag abgestimmt werden. Daher ist es so wichtig, einerseits Zugang zu Wissen der führenden Expert:innen zu haben, und andererseits zu verstehen, wie man durch seinen Behandlungspfad navigiert.
Dass sich viele moderne Medikamente zuhause schlucken lassen, empfinde ich ebenfalls als große Erleichterung – es führt zu weniger Bindung an eine Ambulanz oder Klinik und die Nebenwirkungen sind deutlich geringer, das erleichtert uns Betroffenen den Alltag.
Welche Rolle spielt Ihre Familie beim Bewältigen Ihrer Erkrankung? Eine große. Meine Mutter und mein Mann haben sich um die Kinder gekümmert und den Alltag am Laufen gehalten. Ganz wichtig ist, dass ich gelernt habe, Hilfe anzunehmen. Ich bin dankbar für meine großartigen Freund:innen und den Austausch mit Betroffenen.
Sie geben das Magazin „Be accepted“ heraus, was hat es damit auf sich? Be accepted, ein Magazin und eine mobile Website, in Kooperation mit der Europäischen Gesellschaft für Radiologie (ESR) 2022 gegründet, ist in elf Sprachen erhältlich. Es ist ein One-Stop-Shop-Leitfaden und permanenter Begleiter für Brustkrebspatientinnen ab dem Moment der Diagnose, der Zugang zu fundiertem Wissen, gefiltert, zusammengefasst und in verständlicher Sprache vermittelt. Es beinhaltet alles, was man wissen muss, um sofort aktiv zu werden und zu bleiben; ein großes Bild, das einen Wissens- und Zeitvorsprung verschafft, mit hilfreichen Tipps, um theoretisches Wissen im ‚neuen‘ Alltag umzusetzen.
Die Flüssigkeitsbiopsie ergänzt Gewebebiopsie. Anstelle
Blut untersucht, um Tumorzellen Tumor-DNA nachzuweisen, freisetzt. Das hat folgende
1
Eine Blutentnahme ist weniger aufwendig entnahme unter Narkose. Das beschleunigt Behandlungsstart.
2 Die Liquid Biopsy erspart Patient:innen Eingriffe.
3
Die Gewebebiopsie liefert nur Informationen nahmeort. Eine Liquid Biopsy erfasst Körper, also gegebenenfalls auch Metastasen.
4 Die Liquid Biopsy erleichtert die Verlaufskontrolle Mit ihr lassen sich die Therapiewirksamkeit das Wiederauftreten von Krebs i. d. Bilddiagnostik.
5 Bei Brustkrebs ermöglicht die Liquid 3CA und ESR1 zu identifizieren und Brustkrebs zielgerichtet zu behandeln.
¹Selpers: Liquid Biopsy bei Brustkrebs, medizinisch Deutschmann,
quid-biopsy-bei-brustkrebs-liquid-biopsy-bei-brustkrebs/
ergänzt die Anstelle von Gewebe wird Tumorzellen oder nachzuweisen, die der Krebs folgende Vorteile 1:
aufwendig als eine Gewebebeschleunigt Diagnose und
Patient:innen Schmerzen verursachende
Informationen zum Gewebe am Enterfasst die gesamte Tumorlast im Metastasen.
Verlaufskontrolle bei Krebs: Therapiewirksamkeit überprüfen und R. früher erkennen als mit

Liquid Biopsy, Mutationen wie PIKund somit auch HER2-negativen behandeln.
Dr.in Mira Sofie Witek, FÄ für Internistische Onkologie und Hämatologie, OÄ und Leiterin des Brustgesundheitszentrums am Uniklinikum Wiener Neustadt, erklärt, was die Diagnose metastasierter Brustkrebs (Mammakarzinom) heutzutage für Patientinnen und ihre Behandlung bedeutet.
Metastasierter Brustkrebs: Womit bekommen es Patientinnen zu tun?
Metastasierter Brustkrebs bedeutet nicht nur eine Krebsgeschwulst (Tumor) in der Brust. Es handelt sich um einen Krebs, der sich – ausgehend von der Brust – bereits über die Lymphe und/oder das Blut im Körper ausgebreitet hat. Häufig finden sich Tochtergeschwülste (Metastasen) in Leber, Lunge, Knochen oder Gehirn.
Was bedeutet diese Diagnose 2026 – verglichen mit vor 10 – 15 Jahren?
Ein metastasierter Brustkrebs gilt zwar bis heute als nicht heilbar, doch wir können ihn inzwischen so behandeln, dass er über lange Zeit kontrollierbar bleibt, und mitunter sogar seinen fortschreitenden Verlauf bremsen. Das gelingt, weil wir die molekulare Beschaffenheit vieler Tumortypen immer exakter diagnostizieren können. Und das nicht mehr nur mittels aufwendiger und für die Betroffenen unangenehmer Biopsien von Tumorgewebe, sondern auch zunehmend mit Flüssigbiopsien (Liquid Biopsy), bei denen wir in einer Blutprobe nach Tumorzellen mit der tumorspezifischen DNA suchen, um zielgerichtete Behandlungspfade zu entwickeln – passgenau zugeschnitten auf die Tumoren und die Bedarfe der Patientinnen, die wir als biopsychosoziale Wesen immer ganzheitlich in den Behandlungsprozess einbeziehen.
Ändert sich damit das medizinische Verständnis der Erkrankung?
Ja. Galt Brustkrebs, insbesondere in einem fortgeschrittenen, metastasierten Stadium, früher als Todesurteil, sehen wir ihn heute als eine meist langfristig behandelbare chronische Erkrankung. Auch wenn die Patientinnen ihren Alltag für die Behandlung ein Stück weit verändern müssen, ist mit der Erkrankung ein Leben in guter Qualität möglich.
Sie erwähnten Brustkrebstypen: Ist Brustkrebs nicht gleich Brustkrebs?
Nein. Es gibt Untergruppen, die sich auf Zellebene unterscheiden – selbst innerhalb eines Tumors sind die Zellen oft heterogen beschaffen. Aus der biologischen Unterschiedlichkeit ergibt sich ein unterschiedliches
Tumorverhalten, das wiederum ausschlaggebend für die Behandlung ist. Wichtig zu wissen, ist, dass die Brustkrebszellen auch erst mit der Zeit und unter dem Druck der Therapien mutieren können. Deshalb sollte der Tumor im Krankheitsverlauf immer wieder untersucht werden, um die Therapie gegebenenfalls anzupassen. Mitunter weisen neue, veränderte Symptome auf eine Mutation hin, deshalb sollten Patientinnen gerade darüber sehr offen mit uns sprechen.
Mit Blick auf den häufigsten Brustkrebstyp ER+/HER2-: Welche Therapien gibt es und wie entscheiden Sie, welche zum Einsatz kommt?
Neben der klassischen Chemotherapie stehen uns inzwischen auch einige zielgerichtete Therapien zur Verfügung. Beispielsweise können wir die antihormonell wirkende Behandlung um zielgerichtete Substanzen ergänzen, wodurch eine verstärkte Wirkung bei hormonabhängigen Krebstypen wie ER+/ HER2- erzielt und somit der Krebs effizient kontrolliert werden kann. Andererseits gibt es die Substanzklasse der Antikörper-WirkstoffKonjugate, die gezielter gegen die Krebszellen wirken als klassische Chemotherapien. Die Wahl der Therapie hängt zum einen von der Krebsbiologie ab, zum anderen ist entscheidend, was die Patientinnen an – mitunter auch von Metastasen bereits verursachten – Begleiterkrankungen und zugehörigen Symptomen mitbringen, und wie es ihnen körperlich sowie seelisch geht. Über die bestmögliche Therapie entscheidet ein multiprofessionelles Team mit Fachärzt:innen, Psychoonkolog:innen, Breast Care Nurses und Sozialarbeiter:innen – gemeinsam mit den Patientinnen. Wir versuchen immer, deren persönliche Wünsche zu berücksichtigen.
Welchen Vorteil bringen zielgerichtete Therapien im Vergleich zur Chemotherapie? Eine klassische Chemotherapie bekämpft ungerichtet alle Zellen, die sich schnell teilen. Sie hat damit bis heute durchaus ihre Berechtigung und ihren Stellenwert, der Einsatz erfolgt aber oft erst deutlich später im Krankheitsverlauf. Wir haben inzwischen
zielgerichtete Therapien, die häufig weniger Nebenwirkungen wie Nervenschäden, Haarausfall und Erschöpfung verursachen als eine Chemotherapie. Dank der diagnostischen und therapeutischen Fortschritte profitieren die Patientinnen von:
1. längeren Überlebenszeiten mit höherer Alltagstauglichkeit im privaten wie beruflichen Leben
2. individualisierten Therapiesequenzen
3. längeren Intervallen ohne Chemotherapie und ihre teils gravierenden Nebenwirkungen.
Insgesamt ist die Lebensqualität von Patientinnen mit metastasiertem Brustkrebs heute also erheblich besser.
Wo steht die Forschung aktuell und was erwarten Sie in den nächsten Jahren? Die Entwicklung in der Krebsforschung ist sehr dynamisch. Je mehr wir über die Tumoren lernen, desto besser verstehen wir ihr Verhalten. Das hilft uns beispielsweise dabei, zu erkennen, wann die doch recht ‚smarten‘ Tumorzellen Resistenzen gegen unsere Therapien entwickeln, sodass diese an Wirksamkeit verlieren. Frühzeitig erkannt, können wir eingreifen und die Therapie entsprechend umstellen. Ich erwarte auch mehr Einsatzmöglichkeiten für die Liquid Biopsy – der Bluttest erspart den Patientinnen in Zukunft hoffentlich die Entnahme von Gewebeproben.
Welche Rolle spielen klinische Studien –und sollten Patientinnen mit metastasiertem Brustkrebs daran teilnehmen?
Klinische Studien sehe ich als Motor des medizinischen Fortschritts. Patientinnen fürchten oft, dass ihre Teilnahme daran sie zu „Versuchskaninchen“ macht. Das ist jedoch nicht der Fall: Wer an einer passenden Studie teilnimmt, bekommt oft frühen Zugang zu neuen Therapieansätzen und profitiert von der großen medizinischen Expertise, die in die Studie fließt. Die Betreuung der teilnehmenden Patientinnen ist häufig noch engmaschiger und strukturierter, als wir sie im klinischen Alltag bieten können. Das ist ein nicht zu unterschätzender Vorteil.

Ass.-Prof. Dr. in Mira Sofie Witek
Oberärztin
Klinische Abteilung für Innere Medizin III, Hämatologie und Internistische Onkologie
EXPERTISE

Anlässlich der Welt-Kontinenz-Woche macht die Medizinische Kontinenzgesellschaft Österreich (MKÖ) auf ein weit verbreitetes, aber oft tabuisiertes Gesundheitsproblem aufmerksam: Harninkontinenz. Jede vierte Frau ist im Laufe ihres Lebens davon betroffen. Dennoch sprechen viele Betroffene nur ungern darüber. Scham, Unsicherheit oder die Annahme, eine „Blasenschwäche“ sei eine normale Begleiterscheinung des Älterwerdens, führen dazu, dass Hilfe oft erst spät gesucht wird. Dabei gibt es heute wirksame Behandlungsmöglichkeiten, die die Lebensqualität deutlich verbessern können.

Harninkontinenz bedeutet den unwillkürlichen Verlust von Harn. Die Ursachen sind vielfältig. Besonders häufig tritt die sogenannte Belastungsinkontinenz auf. Dabei kommt es beim Husten, Niesen, Lachen, Heben oder Sport zu Harnverlust. Ursache ist meist eine geschwächte Beckenbodenmuskulatur. Daneben gibt es die Dranginkontinenz, bei der Betroffene plötzlich starken Harndrang verspüren und die Toilette nicht mehr rechtzeitig erreichen. Viele Frauen leiden auch unter einer Mischform.
Frauen sind deutlich häufiger betroffen als Männer. Schwangerschaft und Geburt zählen zu den wichtigsten Risikofaktoren, weil sie den Beckenboden stark beanspruchen. Auch hormonelle Veränderungen in den Wechseljahren, Übergewicht oder zunehmendes Alter können eine Rolle spielen. „Viele Frauen glauben, dass Harnverlust
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nach einer Geburt oder im Alter einfach dazugehört. Das ist ein Irrtum. Inkontinenz ist eine Erkrankung und sollte medizinisch abgeklärt werden“, betont der Urologe Dr. Michael Rutkowski, Vizepräsident der MKÖ.
Die gute Nachricht: In den meisten Fällen kann geholfen werden. Grundlage der Behandlung ist häufig ein gezieltes Beckenbodentraining unter physiotherapeutischer Anleitung. Dabei lernen Betroffene, die Muskulatur bewusst wahrzunehmen, zu kräftigen und richtig einzusetzen. Ergänzend können Anpassungen der Trink- und Toilettengewohnheiten, Medikamente oder – je nach Ursache – operative Verfahren zum Einsatz kommen. „Je früher die Ursachen abgeklärt werden, desto besser sind die Behandlungsmöglichkeiten. Niemand sollte sich mit Harnverlust abfinden“, sagt Dr. Rutkowski. Neben den körperlichen Beschwerden wirkt sich Harninkontinenz oft auch auf das
soziale Leben aus. Viele Betroffene schränken Aktivitäten ein, vermeiden längere Ausflüge oder verzichten auf Sport. Umso wichtiger ist es, offen über das Thema zu sprechen und professionelle Unterstützung in Anspruch zu nehmen. Anlässlich der Welt-Kontinenz-Woche informierte die Medizinische Kontinenzgesellschaft Österreich über Ursachen, Diagnose und moderne Therapieformen. „Das Ziel der MKÖ ist es, Hemmschwellen abzubauen und zu zeigen: Niemand muss mit diesem Problem allein bleiben und es gibt Hilfe“, erklärt Frau OÄ Dr.in Michaela Lechner, MKÖ-Präsidentin. Das entsprechende Webinar Rat & Tat für die Blase! Harninkontinenz verstehen, behandeln und den Alltag meistern steht dauerhaft auf dem YouTube-Kanal der MKÖ zur Verfügung und bietet Betroffenen sowie Angehörigen verständliche Informationen und praktische Tipps für den Alltag.

Weitere Informationen fi nden Interessierte unter kontinenzgesellschaft.at
YouTube-Video zum Webinar youtube.com/kontinenz
Wie sich die Behandlung der weiblichen Belastungsinkontinenz verändert
Die operative Behandlung der weiblichen Belastungsinkontinenz hat sich in den vergangenen Jahrzehnten grundlegend verändert. Mittelurethrale Schlingen wie das TVT (Tension-free Vaginal Tape) gelten als besonders wirksam. Gleichzeitig haben eine kritischere Bewertung synthetischer Implantate dazu geführt, dass Alternativverfahren stärker in den Fokus rücken. Urogynäkologie-Spezialist Eduardo Cortés FRCOG MD(Res) aus Imst/Tirol liefert eine fachliche Einordnung.

Warum werden synthetische Schlingensysteme wie das TVT kritisch diskutiert?
Auslöser waren wissenschaftliche Langzeitdaten, Berichte betroffener Patientinnen sowie behördliche Untersuchungen in mehreren Ländern. Besonders im Fokus standen transvaginale Mesh-Implantate zur Behandlung des Beckenorganprolapses und der Stressinkontinenz.
Die Folge waren Untersuchungen, Sammelklagen gegen Hersteller:innen in den USA sowie (gesundheits-)politische Aufarbeitungen in Großbritannien. In den USA ordnete die FDA 2019 an, dass Mesh-Produkte zur Behandlung nicht länger vermarktet werden dürfen. Auch in GB wurden entsprechende Verfahren ausgesetzt und strengere Sicherheitsanforderungen eingeführt.
Mittelurethrale Schlingen wie TVT für die Belastungsinkontinenz werden weiterhin von internationalen Fachgesellschaften als wirksame und evidenzbasierte Therapie empfohlen und nach ausgewählten Kriterien eingesetzt. Bedeutend ist auch, dass nicht das Grundprinzip der Schlingen-OP infrage gestellt wird, sondern die verwendeten Materialien und deren Langzeitsicherheit.
Die Debatte führte dazu, dass man stärker auf Langzeitergebnisse, mögliche Komplikationen, Qualität der Au lärung und individuelle Nutzen-Risiko-Abwägung achtet. Alternativen wie Schlingen aus Eigengewebe und Bulking Agents rückten stärker in den Fokus.
Welche Komplikationen können bei synthetischen Schlingensystemen auftreten? Die meisten Komplikationen sind geringfügiger Art wie Mesh-Expositionen, Symptome im Harntrakt wie eine überaktive Blase oder Blasenverletzungen. Schwerwiegende Komplikationen wie chronische Schmerzen, Bewegungseinschränkungen, Schmerzen beim Geschlechtsverkehr sind zwar selten, beeinträchtigen jedoch die Lebensqualität erheblich. Was empfehlen Sie Patientinnen mit Belastungsinkontinenz? Beckenbodentraining ist der erste Schritt. Bei konsequenter Durchführung kann es bei leichteren Formen deutliche Verbesserungen bewirken. Voraussetzung für jede erfolgreiche Behandlung ist die genaue Diagnose/Bestimmung des Schweregrades der Inkontinenz.
Deshalb sollten sich Patientinnen an Ärzt:innen ihres Vertrauens mit umfassender Erfahrung in der Behandlung von Inkontinenz wenden; so steigen die Erfolgsraten, während das Risiko für Komplikationen sinkt.
Wann sind TVT oder Periurethrale Systeme wie Bulking Agents sinnvoll? TVT zählt zu den wirksamsten operativen Verfahren zur Behandlung der weiblichen Belastungsinkontinenz; die Langzeitdaten sprechen für sich. Trotzdem sollten immer auch Risiken, Nebenwirkungen und individuelle Erwartungen berücksichtigt werden. Bulking Agents ermöglichen einen möglichst schonenden Eingriff und sind für bestimmte Patientinnen eine gute Alternative zur Schlingenoperation. Sie werden minimalinvasiv und bei nachlassender Wirkung erneut injiziert.
Idealerweise sollte es immer darum gehen, die Behandlung stärker an die Bedürfnisse der Patientinnen anzupassen und ihnen die Möglichkeit zu geben, frei wählen zu können, anstatt nur eine einzige Option zu haben. Dafür setze ich mich in meiner täglichen Arbeit ein.
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In der Vagina haben Milchsäurebakterien das Sagen – Pilze, Hefen und Bakterien sind in der Unterzahl. Was passiert, wenn dieses mikrobielle Gleichgewicht kippt, und wie es rasch wieder ausbalanciert wird, erklärt Dr.in med. Anna Krenn, Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe an der Klinik Ottakring und in eigener Praxis.

Was sollte frau zur Vulva- und Vaginalgesundheit wissen?
Sie sollte wissen, dass sich der gesunde weibliche Körper zu schützen weiß – in der Vagina, dem Organ, das zum Uterus führt, mit dem Mikrobiom (Vaginom): Das ist die Gemeinschaft aus Mikroben, die dort als natürlicher Schutzschild dient. Das Vaginom ist einzigartig wie ein Fingerabdruck. Es besteht großteils aus Laktobazillen, die Glykogen in Milchsäure umwandeln und damit einen sauren pH-Wert (3,8 bis 4,5) erzeugen – ein Milieu, in dem sich andere Mikroorganismen wie Bakterien, Hefen, Pilze oder Viren nur bedingt wohlfühlen. Für die Zusammensetzung der Mikroben im Vaginom spielen die genetische Veranlagung, die Geburtsform (vaginal oder per Kaiserschnitt) und auch die Ernährung eine Rolle.
Die (Schleim)Haut von Vagina und Gebärmutterhals sondert Ausfluss ab. Er dient der natürlichen Selbstreinigung, Keimabwehr und Befeuchtung. Der Ausfluss variiert in Aussehen und Beschaffenheit abhängig vom hormonellen Geschehen im Körper. Gewöhnlich ist er durchsichtig bis weiß, dünn- bis dickflüssig und geruchslos.
Wie kommt es zu einer Infektion im Intimbereich?
Wenn das mikrobielle Gleichgewicht im Vaginom gestört ist und der pH-Wert steigt, vermehren sich die bislang wenigen Pilze oder Bakterien und gewinnen die Oberhand über die Laktobazillen. Eine Infektion beziehungsweise Entzündung der Vagina ist die Folge (Vaginitis). Ist auch die Vulva betroffen, also der sichtbare Teil der weiblichen Geschlechtsorgane, sprechen wir von einer Vulvovaginitis. Je nach dominierender Mikrobenart kommt es zu einer vaginalen Pilzinfektion (Vaginalmykose) oder einer bakteriellen Vaginalinfektion (Vaginose) mit unterschiedlichen Symptomen (siehe Kasten).

























































































































Gibt es Lebensumstände, in denen frau besonders anfällig für solche Infektionen ist?
Nahezu jede Frau hat einmal in ihrem Leben eine Vaginitis oder Vulvovaginitis. Schwangere Frauen sind besonders anfällig dafür, da ihr Immunsystem wegen des Kindes im Mutterleib eine Art Immuntoleranz entwickelt. Auch jede Frau, die Antibiotika einnimmt, ist anfälliger und sollte deshalb immer Mittel bekommen, die das gesunde Vaginom erhalten und stärken. Für Eltern ist wichtig: Mädchen entwickeln keinen Vaginalpilz, solange die Vagina nicht östrogenisiert ist – und das ist erst mit Einsetzen der Pubertät der Fall.
Wann sollte frau ärztlichen Rat einholen?
Je eher die Patientin kommt, desto schneller ist sie die Infektion wieder los. Keine Frau muss sich wegen einer Infektion schämen – die Mär von unzureichender Hygiene als Ursache ist genau das: eine Mär. Wichtig ist eine Abklärung auch deshalb, weil es Infektionen gibt, die ernste gesundheitliche Folgen haben können: Beispielsweise kann eine Chlamydieninfektion auch Entzündungen von Uterus und Eierstöcken und schlimmstenfalls Unfruchtbarkeit verursachen.
Wie diagnostizieren und behandeln Sie vaginale Infektionen?
Aus dem, was die Patientin an Krankheitsgeschichte (Anamnese) mitbringt, lassen sich
GESUNDE VULVA UND VAGINA
1. Klares Wasser zur Reinigung ist optimal.
2. Spezielle Intimwaschmittel sollten nur verwendet werden, wenn sie einen sauren pH-Wert haben und Milchsäurebakterien enthalten.
3. Zu enge Kleidung, insbesondere aus Kunststoff, sowie Slipeinlagen & Co., die teils aus Plastik sind, sollte frau meiden.
schon erste Schlüsse ziehen. Hinzu kommen die Blickdiagnose und gegebenenfalls ein Abstrich, der direkt unter dem Mikroskop untersucht oder ins Labor gesendet wird. Auch der pH-Wert wird geprüft.
Zur Behandlung – gegebenenfalls auch von Sexpartner:innen – setzen wir auf Antimykotika (Anti-Pilzmedikamente) und Antibiotika. Eine Therapie gegen eine Pilzinfektion bringt meist schon nach einem Tag Besserung, Antibiotika wirken nach ein bis sechs Tagen. Andernfalls sollte die Patientin sich unbedingt erneut vorstellen.
Was ist mit Anti-Pilzmitteln aus der Apotheke?
VAGINALE INFEKTION: PILZE ODER
BAKTERIEN?
Typische Anzeichen für eine vaginale Pilzinfektion
• Jucken, mitunter Brennen
• Rötung
• bröckeliger, topfiger Ausfluss
Typischen Anzeichen für eine bakterielle Vaginalinfektion (Vaginose)
• Trockenheitsgefühl
• Gefühl von Wundsein
• gelblicher bis gelb-grüner Ausfluss
• fischiger Geruch
Sind Pilze Ursache der Beschwerden und ist die:der Behandler:in mit dem Mittel einverstanden, ist gegen ein frei verkäufliches Mittel nichts einzuwenden. Frauen, die wiederholt Pilzinfektionen haben, sparen sich so einen erneuten Gang in die ärztliche Praxis und können sofort mit der Selbstbehandlung starten. Abzuraten ist dagegen von in Joghurt getränkten Tampons – für die Wirksamkeit dieses ‚Hausmittels‘ gegen Vaginalpilz gibt es keine Belege.

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Viele Frauen nehmen in den Wechseljahren zu – oft trotz unveränderter Ernährung und gleichbleibender Bewegung. Hormonelle Veränderungen spielen dabei eine wichtige Rolle, doch auch Faktoren wie Muskelabbau, Stress und Schlaf beeinflussen das Gewicht. Im Interview erklärt Dr. med. Christian Matthai, warum die Menopause den Stoffwechsel verändert und mit welchen Maßnahmen Frauen gegensteuern können. EXPERTISE

Viele Frauen berichten, dass sie in den Wechseljahren trotz unveränderter Ernährung zunehmen. Welche hormonellen Veränderungen spielen dabei eine Rolle?
Ein normaler FSH-Spiegel – das Follikel stimulierende Hormon der Hirnanhangsdrüse ist für die Reifung der Eizelle und das Östrogen verantwortlich – fördert die Umwandlung von weißem in braunes Fettgewebe zur Regulation der Temperatur (Thermogenese). Im Rahmen des hormonellen Wechsels steigt das FSH, wodurch das Gleichgewicht zwischen braunem und weißem Fettgewebe zugunsten des weißen verschoben wird. Das führt zu einer Abnahme der Wärmeproduktion und damit verbunden einem geringeren Energiebedarf. Wer auf diese Veränderung nicht reagiert, nimmt zwangsläufig zu. Sowohl das Testosteron – das männliche Hormon, das bei Frauen hauptsächlich von den Eierstöcken gebildet wird – als auch seine aktive Form, das Dihydrotestosteron (DHT), stimulieren ein Enzym namens Adenylatcyclase, das für die Fettverbrennung (Lipolyse) in unserem Körper zuständig ist. Beide sinken im Rahmen des hormonellen Wechsels.
Das Bauchspeicheldrüsenhormon Insulin wird produziert, wenn wir Kohlenhydrate essen. Je mehr Kohlenhydrate wir essen und je einfacher deren Form (z. B. Haushaltszucker), desto mehr Insulin wird benötigt. Der Abfall des Östrogens schwächt die Wirkung des Insulins ab, weswegen Frauen in der Menopause ein erhöhtes Risiko für Insulinresistenzen haben. Unphysiologisch hohe Insulinspiegel führen zu einer Erhöhung der Stresshormone Adrenalin und Cortisol, was die Neuentstehung und Vermehrung von Fettgewebe (Lipogenese) und gleichzeitig den verminderten Abbau von vorhandenem Depotfett zur Folge hat. Obendrein führt dies auch zu einem Abfall des männlichen
Hormons Dehydroepiandrosteron (DHEA) –eines wichtigen Nebennierenhormons – und des HGH, des Wachstumshormons. Beide sind für den Fettstoffwechsel von Bedeutung. DHEA kann effektiv in den Fettstoffwechsel eingreifen. Es blockiert das Enzym Glucose-6Phosphat-Dehydrogenase, was normalerweise in einer Hemmung der Lipogenese resultiert.
Das heißt, die Gewichtszunahme in der Menopause ist vermeidbar? Gibt es medizinische Faktoren, die das Risiko zusätzlich erhöhen können?
Ja! Der größte Fehler, den Frauen in dieser Lebensphase begehen können, ist: keine Adaption an die Situation. „Ich habe nichts an meinem Lebensstil und Essverhalten verändert und trotzdem nehme ich zu!“, höre ich ständig. Eine altersentsprechende, bedarfsgerechte Anpassung des Ernährungsverhaltens wird jedoch spätestens ab dem 40. Lebensjahr unabdingbar. Wer mit dem hormonellen Wechsel alles beim Alten lässt, muss mit einer Gewichtszunahme rechnen. Das zeigen auch Studien. Eine Gewichtszunahme, die auch mit diversen Krankheitsrisiken verbunden ist, ist jedoch keinesfalls unvermeidbar. Die von vielen Frauen beschriebene Gewichtszunahme ist jedoch nicht ausschließlich auf die Hormone zurückzuführen. Es handelt sich dabei stets um ein multifaktorielles Geschehen. Wer nicht regelmäßig Kraftsport betreibt, muss wissen, dass der Anteil der Muskulatur mit zunehmendem Lebensalter kontinuierlich abnimmt. Damit verbunden sinkt der tägliche Energiebedarf, da Muskeln Energie verbrauchen. Schlaf, Genetik und Stressoren spielen ebenso eine Rolle. Aus diesem Grund braucht es immer ein ganzheitliches Konzept, um der Gewichtsproblematik erfolgreich entgegenzuwirken. Mit der Hormongabe alleine ist es nicht getan.
PODCAST
EMPFEHLUNG:
Hören Sie jetzt rein in Ladies Cut – den Podcast für ganzheitliche Frauengesundheit. Mit Frauenarzt Dr. Christian Matthai und Schauspielerin Barbara Kaudelka – von Hormonen bis Ernährung, von Menopause bis Chronic Fatigue.


Warum verändert sich in dieser Lebensphase häufig die Fettverteilung – insbesondere hin zu mehr Bauchfett? Welche gesundheitlichen Folgen kann das haben? Viele Frauen sind gerade in der Lebensmitte durch zu viel negativen Stress belastet. Wer chronisch überlastet ist, benötigt und produziert mehr Stresshormone. Zu den
bekanntesten zählen Adrenalin und Noradrenalin, die beide im Nebennierenmark ausgeschüttet werden, sowie das Glukokortikoid Cortisol aus der Nebennierenrinde. Obwohl Cortisol für uns lebenswichtig ist, hat es eine ambivalente Wirkung. Ein chronisch erhöhter Cortisolspiegel geht in vielen Fällen mit einer Zunahme an Körperfett einher, insbesondere am Bauch, da sich in dieser Region eine große Zahl an Glukokortikoidrezeptoren befinden. Der Körper ist in gestressten Situationen einerseits bemüht, kurzfristig Energie bereitzustellen, andererseits versucht er aufgrund der Bedrohung, die mit Stress verbunden ist, auch Reserven zu schaffen. Gravierend kommt hinzu, dass die Ausschüttung von Stresshormonen Appetit auf schnell verfügbare Energie macht. Um dieses Verlangen zu stillen, greifen wir vorzugsweise zu Zucker und Fett. So ist es nicht verwunderlich, dass chronisch gestresste Menschen oft zunehmen. Cortisol kann obendrein nicht nur eine Gewichtszunahme begünstigen, sondern durch seine katabole Wirkung auch zu einem Verlust an Magermasse führen. Die Gegenspieler des Cortisols finden wir im Gelbkörperhormon Progesteron und dem DHEA. Wenn eine Frau in den Wechsel kommt, fällt der DHEA-Spiegel und die körpereigene Progesteronproduktion verlangsamt sich, da Ovulationen (Eisprünge) nur mehr unregelmäßig oder gar nicht mehr stattfinden. Dadurch verliert die Frau in der Menopause ihre Cortisolantagonisten. Aus diesem Grund nehmen Frauen in der Postmenopause beziehungsweise junge besonders stressbelastete Frauen häufig aus ihnen unerklärlichen Gründen insbesondere am Bauch zu.
Welche Rolle spielt die Ernährung in den Wechseljahren? Gibt es Ernährungsstrategien, die Frauen dabei unterstützen können, ihr Gewicht zu halten und gleichzeitig ihre Gesundheit zu fördern?
Die Ernährung wird in den Wechseljahren ein noch bedeutenderes Thema als in den

Jahren zuvor – nicht nur für das Gewicht, sondern auch, um dem steigenden Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen oder Diabetes entgegenzuwirken.
Eine interessante von Paixao und Kolleg:innen veröffentlichte Metaanalyse umfasst insgesamt 52 Studien und liefert einen guten Überblick, welche Strategien sich bewährt haben. Hier finden Sie die zehn Tipps, die sich als besonders empfehlenswert erwiesen haben:
1. Mehrheitlich gesunde Lebensmittel zuhause haben
2. Regelmäßig frühstücken
3. Mehr Gemüse essen
4. Mehr Ballaststoffe konsumieren
5. Weniger Zucker essen
6. Weniger fette Lebensmittel essen
7. Bestimmte Lebensmittel meiden
8. Fettreduziert essen
9. Regelmäßige Mahlzeitenfrequenz
10. Wichtigster Einflussfaktor: Erhöhte körperliche Aktivität!
Da auch Stoffwechselprozesse einer gewissen zirkadianen Rhythmik unterliegen, ist es nicht nur von Bedeutung, wie viel und was wir essen, sondern auch, wann wir essen! Unser Körper verfügt über eine Art ‚clock system‘, das einen 24-Stunden-Tagesrhythmus steuert. Es setzt sich aus einer zentralen zirkadianen Uhr in einem speziellen Teil des Gehirns, dem sogenannten suprachiasmatischen Nukleus, und dezentralen Uhren im Darm, der Leber und dem Fettgewebe zusammen. Die zentrale Schaltstelle wird über das Tageslicht, die anderen Zeitgeber werden unter anderem durch das Mahlzeitentiming gesteuert. Eine der Aufgaben des ‚clock systems‘ ist die Regulation von Enzymen, Hormonen und Transportsystemen. Erkenntnisse aus der Forschung zeigen, dass ein üppiges Abendmahl im Vergleich zu einem reichhaltigen Frühstück negativere Folgen auf die Energiebilanz und den Stoffwechsel hat. Als mögliche Ursachen
dafür werden eine durch die Mahlzeit verringerte Thermogenese, eine verlangsamte MagenDarmpassage und ein gesteigerter Appetit am kommenden Tag diskutiert.
Obendrein kommt es auch im Tagesverlauf zu einer Verminderung der Insulinsensitivität. Das bedeutet, dass Kohlenhydrate am Abend schlechter verstoffwechselt werden als am Morgen. Beim Verzehr geht es zusätzlich darum, ob man ungünstigere Kohlenhydrate (z. B. Einfachzucker, Weißmehlprodukte) mit einem hohen Glykämischen Index (GI) oder komplexe Kohlenhydrate (z. B. Mehrfachzucker, Vollkornprodukte) mit einem niedrigen GI konsumiert. Aus diesen Gründen ist es hilfreich und sinnvoll, abends auf Kohlenhydrate zu verzichten oder zumindest darauf zu achten, ausschließlich komplexe Kohlenhydrate mit einem niedrigen Glykämischen Index zu konsumieren. Gleichzeitig sollten Frauen auf eine ausreichende Eiweißzufuhr achten, um die Muskulatur und die Knochen adäquat zu unterstützen. Meiner Erfahrung nach konsumieren viele Frauen immer noch zu wenig Eiweiß. 1,2 bis 1,6 g pro Kilogramm Körpergewicht sind ratsam.
Wenn Sie Frauen in der Menopause drei konkrete Empfehlungen für einen gesunden Lebensstil mitgeben könnten – welche wären das?
1. Beginnen Sie mit Krafttraining!
2. Achten Sie auf ausreichend qualitativen Schlaf! Studien belegen, dass Menschen mit Schlafstörungen oder zu wenig Schlaf um durchschnittlich 20 % mehr Kalorien zu sich nehmen. Sind der Schlaf gestört und der Hunger zu groß, ist es deutlich schwieriger, abzunehmen – beziehungsweise gelingt das Vorhaben, Gewicht zu verlieren, manchmal auch gar nicht.
3. Achten Sie auf eine gute Balance zwischen Be- und Entlastung! Chronischer Stress begünstigt sowohl eine Gewichtszunahme als auch das Entstehen von Krankheiten!

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Reizbarkeit, Verzweiflung, das Gefühl, nicht mehr sie selbst zu sein: Bis zu acht Prozent der menstruierenden Frauen leiden in der zweiten Zyklushälfte an einer Prämenstruellen Dysphorischen Störung (PMDS), der schweren Form des Prämenstruellen Syndroms (PMS). Die Gynäkologin und PMDS-Expertin Dr.in med. Jael Bosman erklärt, wie sich eine PMDS zeigt und wie sie behandelt wird.
Wie unterscheiden sich PMS und PMDS?
Beim PMS, das nahezu jede menstruierende Person kennt, stehen körperliche Beschwerden wie Brustspannen, Heißhunger oder Kopfschmerzen im Vordergrund. Diese Symptome treten an den Tagen vor der Menstruation auf und verschwinden, wenn sie einsetzt. Bei der PMDS dominiert die Psyche: Die Erkrankung zeigt sich mit starken Stimmungsschwankungen und Reizbarkeit bis hin zu Wutausbrüchen, Angst, Hoffnungslosigkeit und dem Gefühl, die Kontrolle zu verlieren.
Wie erleben Ihre Patientinnen diese Tage?
Viele beschreiben, dass sie sich selbst fremd werden. Sie sind gereizt, traurig oder aggressiv, ohne dafür einen nachvollziehbaren Grund zu finden. Manche stellen in dieser Zeit ihre Beziehung, ihren Job oder sogar ihr Leben infrage. Sobald die Periode einsetzt, kehrt die gewohnte Klarheit im Kopf zurück – allerdings hegen die Frauen dann häufig Schuld- und Schamgefühle wegen ihres Verhaltens an den Tagen zuvor. Das belastet sie zusätzlich.
Wie diagnostizieren Sie eine PMDS? Entscheidend ist die genaue Selbstbeobachtung über mehrere Zyklen: Treten mindestens
ein affektives Symptom, zum Beispiel Stimmungsschwankungen, Wut oder Angst, sowie weitere körperliche oder psychische Beschwerden regelmäßig in der zweiten Zyklushälfte auf und verschwinden diese mit Einsetzen der Blutung, spricht das für eine PMDS. Ein Zykluskalender, in dem Symptome und Blutungstage detailliert dokumentiert werden, ist eine große Hilfe für die Diagnose.
Wie lässt sich die Erkrankung behandeln? Ein gesunder Lifestyle mit regelmäßigem Sport, viel Tageslicht, gutem Schlaf und, falls nötig, extra Mikronährstoffen wie Vitamin D und B6, Magnesium und Omega-3 kann die Beschwerden lindern. Medizinisch lässt sich entweder hormonell mit Ovulationshemmern ansetzen, die den Eisprung unterdrücken, oder mit Antidepressiva, die den Serotoninhaushalt regulieren. Denn bei einer PMDS sinkt der Serotoninspiegel in der zweiten Zyklushälfte außergewöhnlich ab. Häufig hilft auch eine Kombination beider Ansätze.
Was raten Sie Frauen, die diese Symptome wiedererkennen?
Warten Sie nicht! Eine PMDS ist keine Charakterschwäche und kein Schicksal, das
frau klaglos hinnehmen muss. Die PMDS erhielt im Jahr 2019 einen eigenen ICD-Code und ist seit dem Jahr 2022 als gynäkologische Erkrankung anerkannt. Diese Anerkennung trägt dazu bei, so hoffe ich, dass sowohl die Behandlung als auch die weitere Erforschung der PMDS eine positive Weiterentwicklung erfahren. Eine PMDS ist behandelbar. Wenden Sie sich an Ihre Gynäkologin oder Ihren Gynäkologen, am besten mit einem Zykluskalender im Gepäck. Je früher die Diagnose steht, desto schneller lässt sich das Leiden an den Tagen vor den Tagen lindern.
Im Mai 2026 erschien Dr.in Jael Bosmans Ratgeber Verrückte Tage: Die Psyche des weiblichen Zyklus verstehen. Ganzheitliche Hilfe bei PMS und PMDS im Verlag Knaur MensSana.


Dr. in med. Jael Bosman Fachärztin für Frauenheilkunde und Geburtshilfe
Ab 45 sollte sich jeder Mann einmal im Jahr in einer urologischen Praxis vorstellen, um seine Prostata checken zu lassen. Denn diese vergrößert sich im Alter und kann zu ernsten Gesundheitsproblemen führen. Welche das sind und wie Partner:innen ihre „arztpraxisscheuen“ Männer zur Vorsorge bewegen können, erklärt Urologin Dr.in med. Claudia Falkensammer im Interview.

Was ist das häufigste Problem, das eine Prostata verursacht?
Aufgrund zum Teil altersbedingter hormoneller Veränderungen vergrößert sich die Prostata mit zunehmendem Alter. Jeder zweite Mann Ü60* hat eine sogenannte gutartig vergrößerte Prostata (benigne Prostatahyperplasie, BPH). Da die Harnröhre des Mannes durch die Prostata verläuft, kann eine Vergrößerung derselben die Harnröhre verengen. Das führt zu zunehmenden Beschwerden beim Wasserlassen: Betroffene Männer bemerken häufig zuerst einen schwächeren Harnstrahl oder Anlaufprobleme beim Wasserlassen, brauchen insgesamt länger, um die Blase zu entleeren, und haben trotzdem das Gefühl, dies nicht komplett zu schaffen. Oder sie verspüren nachts und/oder tagsüber einen vermehrten oder selteneren Harndrang. Unbehandelt kann eine BPH zu vermehrten Blasenentzündungen und einem Rückstau des Harns führen, der schlimmstenfalls ein lebensbedrohliches Nierenversagen verursacht.
*https://api.aerzteblatt.de/pdf/97/24/a1677.pdf
Wie können Partner:innen unterstützend wirken, sodass ein Mann seine Gesundheit ernst nimmt, ohne sich bevormundet oder unter Druck gesetzt zu fühlen? Viele Männer sprechen nur ungern über Unzulänglichkeiten. So lange es ‚rinnt‘, ist für viele alles gut. Dabei ist es alles andere als eine Schwäche, Vorsorge zu betreiben und sich mit Beschwerden beim Wasserlassen einer Urologin oder einem Urologen anzuvertrauen. Vorsorge beruht immer auf Freiwilligkeit. Als Partner:in kann ich mit Informationen unterstützen und anbieten, den Mann zur Urologin oder zum Urologen zu begleiten. Entscheiden muss der Mann immer allein, ob er zu uns in die Praxis kommt oder nicht. Wobei ein:e Partner:in auch mit Nachdruck deutlich machen kann, dass das gemeinsame gesunde Altwerden das Ziel sein sollte.
Wie reagiert man als Partner:in, wenn der Mann die Vorsorge bagatellisiert oder ablehnt?
Dann halte ich es für angebracht, herauszufinden, warum der Mann so reagiert. Was ist der Grund dafür, dass er eine Vorsorgeuntersuchung ablehnt? Gibt es eine familiäre Vorbelastung, fürchtet der Mann eine ernste
Prostatadiagnose? Dann hilft Au lärung, denn je eher ein Prostatakrebs erkannt wird, desto größer sind die Aussichten auf eine erfolgreiche Behandlung.
Und wenn er sich schämt, weil er wegen einer gutartigen Prostatavergrößerung plötzlich ‚undicht‘ ist, dann braucht dieser Mann die Aussicht auf eine wirkungsvolle Behandlung, die diese Beschwerden abstellt. Angst und Scham verzögern Diagnosen und Behandlungen – und so geht es dann besonders bei einer bösartigen Erkrankung vielleicht nicht mehr um Heilung, sondern ‚nur‘ noch um Begleitung.
Vorsorgeuntersuchungen sind bei Frauen in unserer Gesellschaft deutlich stärker verankert. Kann dieses Selbstverständnis, beispielsweise im Familienverbund, auch auf Männer übertragen werden?
Solange Beschwerden wie jene der gutartigen Prostatavergrößerung als ‚unmännlich‘ gelten, bleibt es schwierig, mit den Frauen gleichzuziehen. Die Vorsorge bei Frauen ist jedoch auch politisch gestützt worden – mit Kampagnen zur Au lärung und einem Gesundheitssystem, das entsprechende Vorsorgestrukturen geschafft hat. Vielleicht liegt hier ein Schlüssel.

„Nicht alles wird wieder wie vorher – aber vieles kann wieder gut werden“
Mit Anfang 30 plötzlich in den Wechseljahren: Nach ihrer Brustkrebserkrankung musste sich Carolin Kotke nicht nur einer intensiven Therapie stellen, sondern auch den Folgen eines massiven Hormonverlusts. Im Interview erzählt sie offen, warum das Leben nach dem Krebs oft die größere Herausforderung ist – und weshalb Wissen, Selbstfürsorge und ein neuer Blick auf den eigenen Körper eine entscheidende Rolle spielen.
Du sprichst auf Instagram offen über deine verfrühte Menopause infolge deiner Krebserkrankung. Wann hast du gemerkt, dass sich dein Körper grundlegend verändert? Was war für dich emotional die größte Herausforderung?
So richtig verstanden habe ich die Veränderung erst mit Abstand. Während der Akuttherapie funktioniert man nur. Die richtige Herausforderung begann danach: künstliche Wechseljahre mit Anfang 30, keine Eierstöcke mehr, jahrelange Antihormontherapie und ein Körper, der sich plötzlich fremd angefühlt hat. Die größte emotionale Herausforderung war kein einzelnes Symptom, sondern das Gefühl, dass niemand darüber spricht, was ein massiver Hormonverlust in jungen Jahren wirklich bedeutet. Wenn plötzlich Energie, Haut, Gelenke, Libido, Schlaf, Stimmung oder das Körpergefühl anders werden, fragt man sich oft: ‚Bin das noch ich?‘ Ich musste lernen, meinen Körper neu kennenzulernen und nicht mehr gegen ihn zu arbeiten, sondern mit ihm.
Viele junge Frauen verbinden Brustkrebs mit älteren Patientinnen. Welche Aspekte einer Brustkrebserfahrung werden zu wenig aus der Perspektive junger Betroffener erzählt? Warum ist es dir wichtig, genau darüber zu sprechen?
Über Krebs wird viel gesprochen – über das Danach deutlich weniger. Als junge Frau geht es nicht nur um Therapie und Heilung. Es geht um Kinderwunsch, Sexualität, künstliche Wechseljahre, Partnerschaft und Identität. Viele denken:

‚Hauptsache gesund werden.‘ Aber gesund werden und sich wieder gesund fühlen sind zwei unterschiedliche Dinge. Mir ist wichtig, offen darüber zu sprechen und gleichzeitig zu zeigen, was wir selbst tun können. So sehen die Frauen, dass sie nicht allein und auch nicht machtlos sind. Welche Strategien oder Routinen haben dir geholfen, wieder Energie, Lebensqualität und ein gutes Körpergefühl aufzubauen?
Ich habe aufgehört, nach der einen Lösung zu suchen und viele kleine Stellschrauben ernst genommen. Der größte Hebel war meine Ernährung: kein Verzicht, sondern nährstoffreiche Versorgung, um meinen Körper proaktiv zu unterstützen. Protein, gesunde Fette, Ballaststoffe, Pflanzenvielfalt, Darmgesundheit und Blutzuckerbalance wurden wichtiger. Ernährung wurde für mich zur Selbstfürsorge. Dazu kamen Krafttraining, Natur, Atemübungen, Schlaf, Stressmanagement, feste Routinen und vor allem Geduld und Akzeptanz.
In deinem neuen Buch spielt Ernährung eine zentrale Rolle. Welche Ernährungsumstellung hat dir geholfen, mit den hormonellen Veränderungen umzugehen?
Am meisten geholfen hat mir der Wechsel von ‚gesund essen‘ zu ‚gezielt ernähren‘: Gerade bei Hormonverlust verändert sich der Bedarf. Muskeln, Knochen, Darm, Gehirn und Stoffwechsel profitieren enorm von einer nährstoffreichen Ernährung. Gleichzeitig habe ich gelernt: Ernährung ist individuell. Nicht jede Frau hat dieselben Symptome oder Bedürfnisse.
Genau deshalb spielt das Thema Nährstoffe in meinem neuen Buch eine große Rolle. Es soll als Nachschlagewerk helfen, besser zu verstehen, welche Nährstoffe hinter Beschwerden stecken können und wie frau ihren Körper gezielt unterstützen kann.
Gibt es typische Ernährungsmythen rund um Hormone und Menopause, mit denen du aufräumen möchtest?
Definitiv. Ein Mythos ist: ‚Gewichtszunahme ist normal und man kann nichts tun.‘ Doch, wir können unseren Stoffwechsel aktiv unterstützen. Muskelmasse, Protein, Bewegung, Schlaf und Blutzuckerbalance spielen eine große Rolle. Auch ‚Einfach weniger essen‘ halte ich oft für problematisch. Viele Frauen essen eher zu wenig Protein und verlieren dadurch noch mehr Muskelmasse und Energie.
Was möchtest du anderen Frauen mitgeben, die plötzlich mit Themen wie Krebs, Hormonverlust oder früher Menopause konfrontiert sind?
Es ist okay, wenn du dich gerade nicht wiedererkennst. Krebs, Hormonverlust oder frühe Menopause verändern oft das gesamte Lebensgefühl. Und das darf betrauert werden. Aber der Körper ist unglaublich anpassungsfähig. Nicht alles wird wieder wie vorher, aber vieles kann wieder gut werden. Anders gut. Und vor allem: Du musst das nicht alleine herausfinden. Hol dir Wissen, Unterstützung und Menschen an deine Seite, die verstehen, wie komplex diese Themen wirklich sind.
ERNÄHRUNG BEI KREBS – DEIN BEGLEITER DURCH DIE THERAPIE UND DARÜBER HINAUS Eine Krebsdiagnose verändert alles. Plötzlich fühlt sich der eigene Körper fremd an. Fragen, Unsicherheit und Überforderung treten in den Vordergrund. Und gleichzeitig entsteht eine leise Frage: Was kann ich jetzt selbst für mich tun? Dieses Buch ist aus genau dieser Frage heraus entstanden.
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