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AT - Chronische Krankheiten

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EINE THEMENZEITUNG VON MEDIAPLANET

Lesen Sie mehr unter dergesundheitsratgeber.info

CHRONISCHE KRANKHEITEN FOTO : P ERT R A M ER

Seelenarbeit ist wie Muskelarbeit Paul Pizzera über mentale Gesundheit, Therapie und den Mut, sich einzugestehen: Ich muss das nicht alleine schaffen Wenn die Luft knapp wird

COPD verstehen, erkennen und behandeln – und trotz Diagnose ein gutes Leben führen Seite 04–05

Wenn Rückenschmerzen mehr als Rückenschmerzen sind

Warum axiale Spondyloarthritis oft spät erkannt wird – und eine frühe Diagnose entscheidend ist Seite 10–11

Juckende Quaddeln? Wenn die Haut keine Ruhe gibt

Was hinter chronischer spontaner Urtikaria steckt – und wie moderne Therapien helfen können Seite 14

Verstehen. Vorbeugen. Handeln.


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Kein „Weiter wie bisher“

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VERANTWORTLICH FÜR DEN INHALT DIESER AUSGABE:

Österreichs Gesundheitssystem ist allen aktuellen Diskussionen zum Trotz immer noch eines der besten der Welt. Wer medizinische Behandlung benötigt, bekommt diese auch – unabhängig von finanziellen Möglichkeiten und Lebensjahren.

Sophia Rüscher-Fussenegger, MBA Industry Managerin Health Mediaplanet GmbH

FOTO : B ER N H A R D N O L L

IN DIESER AUSGABE FOTO : Z VG

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Dr. Harald Schlögel Vizepräsident der österreichischen Ärztekammer, Facharzt für Hals-, Nasenund Ohrenheilkunde

Schlafapnoe - Schlaf ohne Erholung Dr. med. Severin Senk erklärt wie es zu dieser Atemstörung kommt und welche modernen Therapien es dafür gibt.

FOTO : Z VG

09 CGM - Angstfrei durch die Nacht Priv. Doz.in Dr.in Yvonne Winhofer-Stöckl erklärt im Interview die Vorteile der kontinuierlichen Glukosemessung (CGM) für Menschen mit Diabetes. Industry Manager: Sophia Rüscher-Fussenegger, MBA Lektorat: Sophie Müller, MA Grafik und Layout: Juraj Príkopa Managing Director: Bob Roemké Fotocredits: wenn nicht anders angegeben bei Shutterstock Medieninhaber: Mediaplanet GmbH, Bösendorferstraße 4/23 · 1010 Wien · ATU4759844 · FN 322799f FG Wien Impressum: mediaplanet.com/at/impressum Distribution: Der Standard Verlagsgesellschaft m.b.H. Druck: Mediaprint Zeitungsdruckerei Ges.m.b.H. & Co- KG Kontakt bei Mediaplanet: Tel: +43 676847785227 E-Mail: hello-austria@mediaplanet.com ET: 30.09.2026 Bleiben Sie in Kontakt: Mediaplanet Austria

@mediaplanet.austria

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ür dieses solidarische System und die Unabhängigkeit von Konzernisierung und privaten Investor:innen setzen sich die Ärztekammern vehement und nachdrücklich ein. Allerdings ist der Fokus unseres Gesundheitssystems noch zu wenig zukunftsorientiert. Denn nur 4,2 Prozent der Gesundheitsausgaben fließen in Prävention. Das ist über dem OECD-Schnitt, aber noch unter den Möglichkeiten Österreichs – wie erst kürzlich vom Fiskalrat mit Hinweis auf den steigenden Bedarf durch die Zunahme chronischer Krankheiten und den demografischen Wandel festgestellt worden ist. So wie bisher können wir nicht weitermachen. Besonders bei psychischer Gesundheit und der Volkskrankheit Adipositas stehen wir vor zunehmenden Herausforderungen. Zudem ist Österreich im internationalen Vergleich immer noch in der traurigen Spitzengruppe bei Rauchen – für 10 Prozent aller Todesfälle im Land verantwortlich – und Alkoholkonsum. Zahlreiche Studien unterstreichen, dass die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in den vergangenen Jahren gelitten hat. Umso wichtiger ist es, die kinder- und jugendpsychiatrische Versorgung in Österreich rasch auszubauen. Politik und Sozialversicherungen müssen die Versorgungsdichte und Versorgungsvielfalt zügig erhöhen. Dazu brauchen wir einerseits mehr Ausbildungsplätze im kinder- und jugendpsychiatrischen Bereich und andererseits die passenden Rahmenbedingungen, damit Ärzt:innen gerne dort tätig werden. Die Behandlung von Adipositas und Folgeerkrankungen verschlingt schon jetzt fünf Prozent der Gesundheitsausgaben. Und es gebe eine Vielzahl solcher Beispiele in unserem aktuellen System. Jede nachhaltige Investition in unser Gesundheitssystem wird sich durch die dadurch vermiedenen Folgekosten in kurzer Zeit amortisieren. In den Grundsatzpapieren der Österreichischen Ärztekammer zum Gesundheitssystem der Zukunft nehmen Prävention und Vorsorge daher auch eine zentrale Position ein. Die Schritte, die jetzt dringend gesetzt werden müssen, sind darin klar dargestellt. Zunächst einmal muss dringend in mehr Patient:inneninformation und Aufklärung investiert werden, um das nötige Bewusstsein für Prävention und Eigenverantwortung und den stufenweisen Aufbau der Versorgungsstrukturen in der Bevölkerung zu schaffen. Einen großen Beitrag bei der Überzeugungsarbeit können Anreizsysteme leisten. Hier hat etwa die Sozialversicherung der Selbstständigen (SVS) schon äußerst positive Erfahrungen gemacht.

Von zentraler Wichtigkeit ist auch die Gesundheitskompetenz. Dafür müssen schon in jungen Jahren der Grundstein gelegt und in Kindergarten und Schule gesundheitspädagogische Maßnahmen gesetzt werden. Früh falsch erlerntes Ernährungsverhalten ist nur schwer wieder zu korrigieren. Ziel sollte sein, dass die Bürger:innen lernen, ihre Gesundheit durch eine gesunde Lebensführung – also entsprechende Ernährung und Bewegung – sowie konsequente Maßnahmen der Vorsorge und Früherkennung in einem möglichst guten Zustand zu erhalten, und abzuschätzen, wann eine ärztliche Konsultation erforderlich ist. So können sie auch wirksam dazu beitragen, das System zu entlasten. Seitens der Österreichischen Ärztekammer ist immer noch der Vorschlag eines eigenen Schulfachs „Gesundheitsbildung“ als verbindlicher Bestandteil im Lehrplan von Kindern und Jugendlichen in Diskussion. Idealerweise sollte dieses Fach im Volksschulalter beginnen. Für diesbezügliche Gespräche mit dem Unterrichtsministerium stehen wir jederzeit bereit. Daran anknüpfend: Ein großer Meilenstein der österreichischen Präventionsmedizin ist der Eltern-Kind-Pass. Danach klafft aber eine große Lücke, die bei den Burschen oft bis zur Stellung dauert. Hier setzt der ÖÄK-Vorschlag einer digitalen Gesundheitsvorsorgekarte als Weiterentwicklung der e-Card an. Gleichzeitig und begleitend muss ein bundesweites Gesundheitsvorsorgeprogramm mit Anreizsystemen geschaffen werden, individuell angepasst an alle Altersgruppen. Darüber hinaus müssen aber auch Präventionsmedizin und Gesundheitsförderung massiv ausgebaut werden. Bei den Impfprogrammen sind die HPV-Impfung und die kostenlose Influenza-Impfung positive Beispiele der jüngsten Zeit, damit sei es aber noch längst nicht getan. Wir brauchen nach wie vor eine Erweiterung des kostenfreien Impfprogramms, um alle im nationalen Impfplan empfohlenen Impfungen deckend impfen zu können. Es ist natürlich klar, dass all diese Forderungen mit Investitionen, gerade zu Beginn, verbunden sind. Doch in Zeiten budgetärer Engpässe sind solche Ausgaben notwendiger denn je. Diese Investitionen werden sich lohnen: in Form von Lebensqualität, mehr gesunden Lebensjahren und nicht zuletzt einer deutlichen Entlastung unseres Gesundheitssystems. Es gibt in diesem Modell nur Gewinner:innen.

Angelini Pharma ist ein aufstrebendes Pharmaunternehmen in Privatbesitz, das zur Holding Angelini Industries gehört. Unser Ziel ist es, die Belastung durch psychische Erkrankungen, insbesondere Depressionen, zu verringern und dabei die mentale Gesundheit und Lebensqualität der Betroffenen nachhaltig zu stärken. Wir arbeiten jeden Tag daran, als führender europäischer Innovator im Bereich der psychischen Gesundheit zu wachsen und einen echten Unterschied im Leben von Patient:innen zu bewirken. Seit 1919.

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www.mentalfitmachmit.at ist unsere Online-Plattform zur Förderung mentaler Stärke und Entstigmatisierung psychischer Erkrankungen.

„Nicht jeder Kampf ist sichtbar. Aber niemand muss ihn allein führen. Denken Sie daran: Es gibt jemand der auf Ihrer Seite steht. Jemand, der versteht, wie wichtig echte Unterstützung ist.“ www.mentalfitmachmit.at


MEDIAPLANET

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COVERSTORY

Seelenarbeit ist wie Muskelarbeit: anstrengend! Paul Pizzera, 37, Kabarettist, Musiker und Autor, spricht im Interview über mentale Gesundheit und warum es insbesondere Männern schwerfällt, sich professionelle Hilfe zu holen, wenn ihre Seele leidet. Paul teilt mit uns seine Erfahrungen mit Psychotherapie, um die Angst vor diesem ersten Schritt zu nehmen.

Das würde ich nie wagen, ich bin ja kein Therapeut. Und das ist auch nicht meine Mission: Mir geht es vielmehr darum, den Menschen, die in Sachen Mental Health Hilfe brauchen, ans Herz zu legen, sich diese auch zu holen. Ich weiß, das Paul Pizzera ist schwer – mensch sollte sich das nicht noch schwerer machen: Jede:r sollte internalisieren, dass es keine Schwäche ist, sich einzugestehen, dass professionelle Hilfe nötig ist. Im Gegenteil: Das ist stark. Denn eine traurige Seele beweist uns doch, dass die Seele funktioniert.

(Zahlen für Österreich 2021: Frauen 84 Prozent, Männer 79 Prozent1, Anmerkung der Redaktion). Das liegt nach meiner Beobachtung daran, dass Menschen, insbesondere Männer, ungern Teil des Problems sind. Und das ist auch Ausdruck unserer patriarchalen Gesellschaft, die noch immer auf ein starkes Mannsbild setzt und Gefühle dem vermeintlich ‚schwachen weiblichen Geschlecht‘ überlässt. Dabei erleichtert Feminismus das Leben von Männern – er ist kein Feind, keine unterdrückende Vagina, die uns Männer in die Knie zwingt. Wer sich ehrlich mit sich selbst und seiner Gefühlswelt auseinandersetzt, wird nicht umhinkommen, sich genau das – zumindest teilweise – eingestehen zu müssen: Mann hat mal Probleme. Frau auch. Das ist zutiefst menschlich. Doch während SIE sich oft mitteilen kann, kann ER es oft nicht. Wir sind Verbindungswesen – es ist ein Trugschluss, dass Männer keine emotionale Verbindung brauchen und Selbstoptimierung der Schlüssel zu ihrer mentalen Gesundheit ist. Im Gegenteil: Das Patriarchat wird hier zur Falle für die Männer selbst. Viele von ihnen fürchten sich sogar davor, genau hinzuschauen. Ich bin deshalb für ein Re-Phrasing: Statt ‚Ich habe ein Problem‘ könnten wir vielleicht davon sprechen, ‚in einer komplizierten Situation zu stecken‘. Vielleicht würde das den Männern die Scheu nehmen, sich Therapeut:innen anzuvertrauen. Hinzu kommt, dass wir uns alle im Klaren darüber sein müssen, dass wir persönlich Therapeut:innen völlig wurscht sind. Die Profis haben keine fertigen Lösungen für deine ‚problematische Situation‘. Sie begleiten dich, wenn du dich reflektierst, wenn du dich fragst, wer du sein und wie du leben willst, wenn du dir deine Fragen selbst beantwortest. Mir hat das sehr geholfen. Sich professionelle Hilfe zu holen, ist für mich ein Akt der Selbstliebe. Grundsätzlich rate ich zu der Überlegung, ob mensch es sich nicht wert ist, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Und wenn das Argument Selbstwertschätzung nicht zieht, dann hilft vielleicht der Blick auf die Menschen um uns herum: Für die Liebe, die mensch für andere empfindet, lohnt es sich, an sich selbst zu arbeiten, um eine bessere Version zu werden. Mir fällt da immer Kierkegaards Satz ‚Wehmütig grüßt der, der ich bin, den, der ich sein möchte‘ ein. Und ganz wichtig: Natürlich ist Seelenarbeit anstrengend, das ist ähnlich wie mit Muskelarbeit. Aber wer den Muskel- aka Seelenkater aushält, geht gestärkt daraus hervor.

Ich bin der Letzte, der sagt, dass jede:r eine Therapie braucht. Doch schaden tut sie sicher keiner:m.

Warum tun sich Männer noch schwerer als Frauen, in Therapie zu gehen? Text Doreen Brumme

Der Erstkontakt zu einer Therapeutin oder einem Therapeuten fällt sicher am schwersten, laut Statistik Männern schwerer als Frauen

Depressionen – Darüber reden, statt alles mit sich selbst auszumachen Depression ist keine Schwäche. Und sie sieht nicht immer nach Traurigkeit aus. Sie kann jeden Menschen treffen, unabhängig von Alter oder Geschlecht. Neben Niedergeschlagenheit können sich Depressionen auch durch Gereiztheit, Wut, Rückzug, Erschöpfung, Schlaf- oder Konzentrationsprobleme, Ängste, innere Leere oder den Verlust von Freude und Interesse zeigen. Das Tabu „Reiß dich zusammen“, „Das wird schon wieder“ oder das Gefühl, alles alleine schaffen zu müssen, können dazu führen, dass Betroffene ihre Beschwerden lange verbergen oder sich keine Hilfe holen. Auch Angst und die Sorge, nicht verstanden oder als schwach wahrgenommen zu werden, können dazu beitragen, dass Betroffene nicht über ihre Belastung sprechen.

Dabei gilt: Eine Depression ist eine Erkrankung und kein persönliches Versagen. Sie kann behandelt werden.

Alkohol & Sexualität Manche Menschen versuchen, mit Alkohol oder anderen Strategien ihre Belastung zu verdrängen oder auszuhalten. Was kurzfristig entlasten kann, kann langfristig depressive Beschwerden verstärken.

Auch die Sexualität kann sich verändern: Weniger Lust, Schwierigkeiten mit Erregung oder Erektion, Schmerzen, weniger Interesse an Nähe oder ein verändertes Bedürfnis nach Intimität können mit psychischer Belastung zusammenhängen.

Warum liegt dir die mentale Gesundheit deiner Mitmenschen so sehr am Herzen?

Aktiv werden Du erkennst dich selbst wieder oder bemerkst Veränderungen bei einem Menschen in deinem Umfeld?

Hinschauen. Nachfragen. Zuhören. Hilfe holen. Ein erster Satz kann sein: „Ich merke, dass es dir gerade nicht gut geht. Wie kann ich dich unterstützen?“ Depressionen sind eine Erkrankung, keine Charakterschwäche. Darüber zu sprechen ist kein Versagen, sondern ein wichtiger Schritt.

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Zum einen habe ich selbst erlebt, wie es sich anfühlt, wenn die Seele mal krank ist. Und zum anderen kenne ich die Statistiken: In Österreich liegt die Zahl der Suizidtoten um mehr als das Dreifache über der der Verkehrstoten (2024: 349 Verkehrstote2, 2024: 1.219 Suizide3, Anmerkung der Redaktion). Die Zahl der Suizide allein ist mir Anlass genug, mentale Gesundheit zu thematisieren. Denn

sie steht für Frauen und Männer, die keinen Ausweg mehr sahen.

Du bist mit 27 Jahren in Therapie gegangen. Wann war der Moment, wo du gemerkt hast: Das bekomme ich alleine nicht hin? Ich hatte damals alles – im Außen. Doch in mir machte sich eine absolute Lustlosigkeit breit. Mit der Zeit funktionierte ich nur noch. Ich erledigte meine Arbeit – ich hatte viel zu tun – doch es fühlte sich nach nichts an. Mir fehlte der innere Antrieb, ich fühlte mich leer und irgendwie nicht mehr lebendig. Ich hatte Angst, nicht mehr kreativ sein zu können. Ich fürchtete, dass nur ich das Arschloch bin und nicht alle anderen. Als selbst tiefgründige Gespräche mit Freund:innen und meiner Mama mich aus diesem Gefühlsloch nicht rauszuholen vermochten, wusste ich, dass ich professionelle Hilfe brauchte. Es stimmt nämlich ganz und gar nicht, dass Männer sich eine Therapie sparen können, wenn sie nur einen Freund haben und Bier trinken. Selbst die größte Nähe ersetzt keine Therapie. Und ich nutze die Therapie bis heute immer wieder sporadisch – wie eine Art Urlaub für die Seele. Indem ich meinen Ballast bei Profis lasse, mache ich mir mein Leben leichter.

Du näherst dich dem Thema mentale Gesundheit, auch dem Thema Suizid, mit Humor – funktioniert das? Ich erwische natürlich nicht alle. Aber wenn mein Beispiel die eine oder den anderen dazu bewegt, sich Hilfe zu holen, anstatt sich umzubringen – dann ist mir jedes Mittel recht. Und Humor kann ich, das ist mein Weg, das Thema anzufliegen.

Du sagst, dass Erdulden nichts mit Stärke zu tun hat. Was sagst du einem Mann, der gerade mental leidet? Ich kann nur jeder:m raten, hinzufühlen. ‚Alles, was du fühlst, darfst du fühlen. Du musst uns nichts vorspielen.‘ Und dann würde ich schauen und Fragen stellen wie: ‚Hast du schon mal daran gedacht, professionelle Hilfe anzunehmen, zum Beispiel eine Supervision, ein Coaching, eine Therapie?‘ Ich möchte, dass es dem Menschen besser geht, dass er lernt, auf sich zu schauen. Er muss verstehen, dass er sich auch im tiefen Tal eine Räuberleiter bauen kann.

Du schreibst am nächsten Buch. Was hat es mit dem Titel „Die Angst vor dem schönen Leben“ auf sich? Als ich Goethes Worte las, dass nichts schwerer zu ertragen ist, als eine Reihe von guten Tagen, kam ich davon nicht mehr los. Das Paradoxe ist doch, dass wir auf der einen Seite Zugang zu einem schönen Leben haben – und auf der anderen Seite zugleich von Angst getrieben sind. Angesichts von etwas Schönem kommen vielen gleich abwertende Gedanken wie ‚Das hab‘ ich nicht verdient‘ oder dieses mulmige Gefühl, dass nach so viel Schönem ganz sicher gleich etwas Schlechtes folgen wird – à la: Dem Kind geht’s gut, im Job läuft’s – jetzt kommt bestimmt gleich der Lungenkrebs. Und das ist schade. Denn damit machen wir es uns selbst schwer. Mit nur ein bisschen (mehr) Mut zur Selbstwahrnehmung und Selbstliebe kämen viele dagegen an – und könnten das Schöne in ihrem Leben wertschätzen.

link.springer.com/article/10.1007/s00278-021-00523-4 infothek.bmimi.gv.at/verkehrstote-oesterreich-2024/ www.sozialministerium.gv.at/Themen/Gesundheit/Nicht-uebertragbare-Krankheiten/Psychische-Gesundheit/Suizid-und-Suizidpr%C3%A4vention-SUPRA.html

FOTO S : P ERT R A M ER

Paul, du beobachtest deine Mitmenschen als Kabarettist, Musiker, Autor. Wenn du sie als Gruppe auf die Couch legst – was ist deine Diagnose?

Paul Pizzera Kabarettist, Musiker und Autor


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COPD verstehen, erkennen und behandeln

FOTO : A R M A N R AST EG A R

Prim.a Priv.-Doz.in Dr.in Marie-Kathrin Breyer PhD Fachärztin für Innere Medizin, Pneumologie und Intensivmedizin, Leiterin des Ludwig Boltzmann Instituts für Lungengesundheit

Was ist eine COPD und was passiert dabei in der Lunge? Die ‚chronic obstructive pulmonary disease‘ (COPD) ist eine sich schleichend entwickelnde, also sich chronifizierende Lungenerkrankung, bei der es zu andauernden Entzündungen der Atemwege kommt (sogenannte chronischobstruktive Bronchitis). Dabei schwellen die Schleimhäute an, bilden vermehrt Schleim und verengen die Atemwege. So gelangt weniger Luft und damit Sauerstoff in die Lungen. Hinzu kommen Schäden an den Lungenbläschen (Lungenemphysem oder Lungenüberblähung), die den Gasaustausch und damit die Aufnahme von Sauerstoff ins Blut stark beeinträchtigen. Die Folgen sind Atemnot, Husten und Auswurf – die AHA-Symptome. Die COPD entsteht meist, wenn die Lunge über lange Zeit sogenannten Noxen, also Schadstoffen ausgesetzt ist. Eine der Hauptursachen von COPD ist aktives und passives Rauchen. Raucher:innen, Ex-Raucher:innen und passiv Mitrauchende erkranken häufiger daran als Menschen, die nie geraucht haben. Doch auch eine genetische Veranlagung kann dazu führen. Spannend ist, dass die COPD früher als die typische ‚Erkrankung des alten, weißen Mannes‘ galt. Das hat sich seit den 1970ern stark geändert. Entsprechend müssen wir die Frauen hinsichtlich der COPD in den Fokus rücken – noch sind sie unterdiagnostiziert. Das zu ändern, ist ein Hauptanliegen unseres Instituts.

Welche ersten Anzeichen sollten ernst genommen werden? Text Doreen Brumme

Atemnot unter Belastung gilt als Leitsymptom der COPD. Wer beim Stiegensteigen, Tragen von Einkäufen oder bei moderatem Sport

auff ällig nach Luft schnappen muss und hinter der Leistung Gleichaltriger zurückbleibt, sollte einen Lungenfunktionstest durchführen lassen. Das ist eine Untersuchung mit wenig Aufwand, die wir als Institut allen Menschen einmal im Jahr empfehlen. Damit ließen sich Lungenprobleme frühzeitig entdecken und adäquat behandeln. Denn man darf nicht vergessen: Die COPD ist noch nicht heilbar – sie richtet irreversible Schäden an. Ihr Fortschritt ist unaufhaltsam. Wir können mit aktuellen Therapien nur bewirken, dass sie nicht zu schnell voranschreitet und sich der Zustand der Lungen nicht zu schnell verschlechtert. Wir plädieren als Institut deshalb auch dafür, die Untersuchung ‚kleine Lungenfunktion‘ in die Gesundenuntersuchung aufzunehmen – und zwar für alle Altersgruppen. Denn auch ca. 8 % der U15-Jährigen haben beispielsweise schon auffällige Lungenbefunde.

Warum wird die COPD oft erst spät erkannt? Weil sich die Erkrankung über Jahre unbemerkt entwickelt und ihre Symptome oft erst in einem fortgeschrittenen Stadium auffallen. Betroffene gleichen leichte Atemprobleme anfangs unbewusst aus und gewöhnen sich so sogar an weniger Luft in den Lungen. Werden die Atemprobleme stärker, rechtfertigen die Betroffenen dies oft mit verschiedenen Lebensumständen, zum Beispiel ihrem Alter. Dadurch zögern sie den Gang zu Lungenfachärzt:innen jedoch nur hinaus.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es für Menschen mit einer COPD? Wir behandeln eine COPD klassisch mit Medikamenten, die die Bronchien erweitern und

die Entzündungen bekämpfen. Diese Wirkstoffe müssen inhaliert werden, um direkt dorthin zu gelangen, wo sie ihre maximale Wirkung entfalten sollen. Reicht der Sauerstoff nicht mehr, den die Patient:innen aus eigener Kraft einatmen, bekommen sie eine Sauerstofftherapie: Damit sind externe Sauerstoffgeräte gemeint, die es sowohl als stationäre als auch als mobile Variante gibt. Über einen Schlauch, der in die Nase führt, gelangt der Sauerstoff in die Atemwege. Als neue Therapien stehen Antikörpertherapien (sogenannte Biologika) zur Verfügung, die bei Patient:innen mit schwerer COPD und einer bestimmten Entzündungsform wirken, indem sie in die Entzündungskaskade eingreifen und die Zellen, die für die Entzündung zuständig sind, in ihrem Tun ausbremsen.

NP-AT-CPU-ADVR-260001; 09/2026

Im Interview erklärt Prim.a Priv.-Doz.in Dr.in Marie-Kathrin Breyer PhD, Fachärztin für Innere Medizin, Pneumologie sowie Intensivmedizin und Leiterin des LudwigBoltzmann Instituts für Lungengesundheit in Wien, was eine chronisch-obstruktive Lungenerkrankung (COPD) ist, woran man sie erkennt und wie man sie behandelt.

Was können Betroffene tun, um ihre Lebensqualität zu verbessern und Verschlechterungen der Erkrankung vorzubeugen? Wer raucht oder mitraucht, sollte dies sofort einstellen. Ansonsten hilft gesunde Ernährung, Bewegung – 30 Minuten Gehen täglich sind ein Muss – und das Fortführen der alltäglichen Routine. Letzteres ist wichtig, weil sich viele COPD-Patient:innen in Sauerstofftherapie sozial zurückziehen. Oft entwickeln sie Depressionen, die wiederum laut Studien ein häufiger Grund dafür sind, die Therapie nicht wie verordnet einzuhalten. Doch gerade das Festhalten an der Therapie ist essenziell dafür, dass sich die Krankheit nicht verschlechtert und keine lebensbedrohliche Atemkrisen (‚Exazerbationen‘) auftreten.

Bei Fragen kontaktieren Sie bitte Ihre Ärztin/Ihren Arzt.

Hinter diesen Beschwerden könnte COPD stecken Husten, Auswurf oder Kurzatmigkeit können verschiedene Ursachen haben. Bestimmte Beschwerden und Risikofaktoren können im Zusammenhang mit COPD auftreten. Mögliche Beschwerden und Risikofaktoren: Husten an den meisten Tagen

Häufige Atemwegsinfekte oder wiederkehrender, länger anhaltender Husten

Regelmäßiger Schleim oder Auswurf

Pfeifende oder rasselnde Atmung

Kurzatmigkeit bzw. schneller außer Atem als andere Menschen im gleichen Alter

Aktuelles oder früheres Rauchen

Zunehmende Schwierigkeiten bei körperlicher Belastung, zum Beispiel beim Stiegensteigen oder Gehen

Längere oder regelmäßige Belastung der Atemwege durch Rauch, Staub, Dämpfe oder andere Schadstoffe

Treffen mehrere dieser Anzeichen auf Sie zu? Dann lohnt es sich, die Beschwerden bei Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt anzusprechen. Vor allem regelmäßig auftretender Husten, Auswurf oder Atemnot sollten nicht einfach als Alterserscheinung abgetan werden.

Sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Je früher eine mögliche COPD erkannt wird, desto früher können Betroffene gemeinsam mit ihrer Ärztin oder ihrem Arzt geeignete Maßnahmen setzen.

Hinweis: Dieser Selbstcheck dient ausschließlich der ersten Orientierung und kann keine ärztliche Untersuchung oder Diagnose ersetzen. Ob eine COPD oder eine andere Lungenerkrankung vorliegt, kann nur durch eine ärztliche Abklärung festgestellt werden. Bei Fragen oder Beschwerden wenden Sie sich bitte an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt.


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„Die Lunge wird immer vergessen“ Das sagt Gundula Koblmiller, MSc, Präsidentin der Österreichischen Lungenunion (ÖLU). Im Interview spricht sie über Missverständnisse, Versorgungslücken und Hilfsangebote für Menschen mit COPD (Chronisch obstruktive Lungenerkrankung). FOTO : Z VG

Gundula Koblmiller, MSc Präsidentin der Österreichischen Lungenunion

Warum wird COPD im Vergleich zu anderen chronischen Erkrankungen noch immer unterschätzt? Für die dritthäufigste Todesursache ist die Aufklärung nicht gut genug. Wahrscheinlich wissen alle Menschen heute über Schlaganfall, Herzinfarkt, Bluthochdruck und Diabetes mehr als über COPD (Chronisch obstruktive Lungenerkrankung) – dabei kommt sie oft mit all diesen Erkrankungen gleichzeitig vor. Die Lunge wird immer vergessen. Es besteht leider noch immer viel zu wenig Bewusstsein, dass Rauchen zu 80 Prozent der Auslöser für COPD ist. Bedenklich: 25 Prozent der Jugendlichen in Österreich konsumieren Zigaretten oder Nikotinprodukte, die der Lunge schaden – und speziell die Lungen junger Frauen sind nachweislich empfindlicher.

Welche Fragen beschäftigen Menschen nach einer COPD-Diagnose am häufigsten? Jeder zehnte Mensch hat COPD. Viele wollen wissen, wie sie die Erkrankung im

Alltag besser managen können – und wie sie Begleiterkrankungen vorbeugen. Mit unserem Persönlichen-Therapie-Management-Plan für COPD unterstützen wir Betroffene beim Selbstmanagement, der Verlaufskontrolle und der Vorbereitung auf ärztliche Besuche. Die zentrale Botschaft bleibt dabei immer dieselbe: Nicht erst zur Untersuchung gehen, wenn es schon Beschwerden gibt! Regelmäßige Lungenfunktionstests sind entscheidend – denn indem getestet wird, wird die Lunge als Organ überhaupt erst wahrgenommen.

Wo sehen Sie Versorgungslücken? Bei einer Befragung von Betroffenen hat sich gezeigt, dass 27,5 Prozent der Personen mit COPD innerhalb der letzten zwölf Monate mindestens einen Krankenhausaufenthalt hatten. Diese Zahlen sprechen für eine erhebliche Krankheitslast und deuten darauf hin, dass viele Patient:innen in der niedergelassenen Versorgung nicht ausreichend stabilisiert werden. Die Rehospitalisierung innerhalb

von drei Monaten liegt laut Studien bei rund 40 Prozent der Betroffenen – das ist wohl die größte Lücke. Menschen mit COPD brauchen eine bessere und stabile Erkrankungskontrolle mit engmaschigeren Untersuchungen.

Welche Angebote oder Unterstützungsmöglichkeiten können Patient:innen und Angehörige in Anspruch nehmen? Die Österreichische Lungenunion ist eine Patient:innen-Organisation zur Selbsthilfe für Menschen mit Atemwegs- und Lungenerkrankungen, Lungenkrebs, Allergien, Neurodermitis und Urtikaria. Wir bieten monatlich zum Beispiel ein kostenloses einstündiges OnlineLive-Atemtraining mit einer Atemtherapeutin an – mit gemeinsamen Übungen, die täglich weitergemacht werden sollten, und der Möglichkeit, direkt Fragen zu stellen. Über unsere Website informieren wir gemeinsam mit Expert:innen in Vorträgen, Videos und Podcasts über wichtige Erkenntnisse und neue Behandlungsmöglichkeiten.

Lesen Sie mehr unter www.lungenunion.at

Bei Fragen kontaktieren Sie bitte Ihre Ärztin/Ihren Arzt.

„Ich kann nicht 24/7 hadern – dann bleibt keine Zeit fürs Leben!“

Selbsthilfegruppe für COPD und Langzeit-Sauerstoff-Therapie

Judith Illek (69) erhielt ihre COPD-Diagnose 2012. Im Interview sprechen sie und ihr Mann Georg darüber, wie die chronisch obstruktive Lungenerkrankung ihren Alltag diktiert – und sie trotzdem ein zufriedenstellendes Leben führen. Judith, wie machte sich COPD bei Ihnen bemerkbar? Ich ging wegen eines langanhaltenden Hustens zu meinem Arzt. Zu diesem Zeitpunkt hegte ich bereits den Verdacht hinsichtlich COPD, weil Verwandte bereits damit diagnostiziert worden waren. Zudem rauchte ich, da lag das nahe.

Welche alltäglichen Dinge fallen Ihnen heute schwerer als früher? Ich bin langsamer. Leichte Anstrengungen führen zu Atemnot. Beim Stiegensteigen, Staubsaugen oder Bergaufgehen fällt das besonders auf. Dann ärgere ich mich und bin zornig, weil ich früher geraucht habe. Doch als ich damit anfing, war das ‚normal‘. Niemand sprach über Folgen wie COPD. Aber: Ich kann auch nicht 24/7 hadern – dann bleibt keine Zeit fürs Leben. Wegen meines Lungenemphysems sind die kleinen Atemwege dauerhaft entzündet und verengt, die feinen Lungenbläschen zerstört. Ich kann infolgedessen weniger einatmen – und es staut sich verbrauchte Luft an. Es kommt regelmäßig zu einer Überblähung, sodass ich die Lunge mit dem Inhalieren von Medikamenten und bestimmten Atemtechniken aktiv entblähen muss.

Wie gehen Sie als Paar mit der Erkrankung um?

Text Doreen Brumme

Georg: Als meine Frau eine Rund-um-dieUhr-Versorgung mit Sauerstoff brauchte, war das ein großer Einschnitt. Das Gerät schränkt sie sehr ein, weil die Reichweite deutlich geringer ist. Wir mussten unsere Pläne, die wir für

die Pension gehabt hatten, über Bord werfen. Da meine Frau nicht mehr fliegen darf, ist der geplante Griechenlandurlaub unmöglich geworden. Judith: Die Frage ist bei jeder Unternehmung: Haben wir genug Sauerstoff dabei? Können wir welchen nachtanken? Entsprechend der Versorgungslage planen wir vorab sehr genau. Einmal im Jahr fahren wir mit unseren Kindern und Enkelkindern nach Kroatien genügend Sauerstoff ist immer mit dabei! Georg: Zum Glück brauchte unser Häuschen keine Anpassungen – alles ist gut begehbar und unser kleiner Garten ist ein Segen. Das haben wir vor allem während der Coronapandemie zu schätzen gelernt. Wir machen seit jeher das Beste draus. Wichtig ist, dass wir alles gemeinsam machen. Wir sind mit unserem Leben recht zufrieden.

Welche Unterstützung hilft Ihnen im Alltag am meisten? Georg: Wir bekommen große Unterstützung von unseren Kindern und Enkelkindern. Wenn die im Haus sind, geht es immer lustig her. Das tut meiner Frau sehr gut. Judith: An fachlicher Unterstützung fehlte es anfangs. Mit der Diagnose wurde ich ins kalte Wasser geworfen. Deshalb haben wir die Selbsthilfe COPD-Austria ins Leben gerufen, deren Obfrau ich heute bin. Wir haben damit beide viel zu tun – doch der Einsatz lohnt sich: Vom Austausch mit anderen Betroffenen und mit Fachleuten profitieren alle. Er hilft, die Krankheit leichter zu ertragen und den Alltag mit ihr besser zu bewältigen.

Georg: Uns ist besonders wichtig, dass bei all den Veranstaltungen und Unternehmungen, die österreichweit von der Selbsthilfegruppe organisiert werden, auch die Angehörigen mit dabei sind. Gemeinsam lebt sich das Leben mit der chronischen Erkrankung leichter – es kommt immer darauf an, wie viel die Einzelnen zu tragen bereit sind.

Was wünschen Sie sich im Umgang mit Betroffenen? Judith: Für uns Betroffene ist das große Stigma, dass wir ‚selbst schuld‘ an unserer Erkrankung sind, weil wir geraucht haben. Das trifft oft zu, doch es gibt auch andere Ursachen für COPD. So oder so: Mein großer Wunsch ist es, dass nicht auf die Vergangenheit geblickt wird – die lässt sich nicht mehr ändern.

Weitere Informationen zur Selbsthilfe COPD-Austria finden Sie unter: copd-austria.at

Bei Fragen kontaktieren Sie bitte Ihre Ärztin/Ihren Arzt.


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Wenn Schlaf nicht mehr erholsam ist Ca. 18% der erwachsenen europäischen Bevölkerung haben eine obstruktive Schlafapnoe. (OSA)1. Sie ist die häufigste Form der Schlafapnoe. Internist und Pneumologe Dr. med. Severin Senk, Oberarzt der Pneumologie in den Tirol Kliniken Natters, erklärt, wie es zu dieser Atemstörung kommt und welche modernen Therapien es dafür gibt. FOTO : Z VG

Dr. med. Severin Senk Oberarzt der Pneumologie in den Tirol Kliniken Natters

Was passiert bei einer obstruktiven Schlafapnoe (OSA) im Körper und warum bleibt sie häufig lange unerkannt? Bei der obstruktiven Schlafapnoe erschlafft die Muskulatur im Rachenbereich. Infolgedessen verengt sich der Atemweg oder verschließt sich ganz. Beim Ein- und Ausatmen schnarchen Betroffene dann laut. Wegen der Atemstörung gelangt weniger Sauerstoff in Lunge und Körper. Das Atemzentrum im Gehirn erkennt, dass Erstickung droht. Es schlägt Alarm und löst eine Weckreaktion aus, die Muskulatur im Rachen spannt sich wieder an und die Atemwege sind wieder frei. Die meisten dieser Weckreaktionen werden von den Betroffenen nicht wahrgenommen. Die Unterbrechung des Schlafes lässt das Herz schneller schlagen und den Blutdruck steigen. Lange unerkannt bleibt eine Schlafapnoe häufig, weil sie im Schlaf stattfindet, ohne dass die Betroffenen sie direkt mitbekommen.

Welche Symptome sollten Betroffene ernst nehmen und ärztlich abklären lassen?

Text Doreen Brumme

Lautes regelmäßiges Schnarchen, beobachtete Atempausen, wachwerden und nach Luft Schnappen oder das Gefühl zu haben zu ersticken sind typisch für die OSA. Wegen der Schlafstörung kommt es nachts zudem zu häufigerem Wasserlassen. Der Mangel an erholsamem Schlaf verursacht morgens oft Kopfschmerzen und tagsüber ausgiebige Müdigkeit, Konzentrationsprobleme und Stimmungsschwankungen. Diese Symptome sind ernst und sollten abgeklärt werden – insbesondere dann, wenn zudem Bluthochdruck vorliegt, der sich schwer einstellen lässt.

Gibt es Risikofaktoren? Allen voran ist hier das Übergewicht zu nennen. Das männliche Geschlecht und das Alter erhöhen ebenfalls das Risiko für eine obstruktive Schlafapnoe. Für Frauen steigt das Risiko nach der Menopause.

Warum sind gesunde Atmung und erholsamer Schlaf so eng miteinander verbunden? Der häufige Sauerstoffabfall im Blut und die wiederkehrenden Weckreaktionen stören den gesunden Schlaf. Die Betroffenen kommen nur noch selten in den erholsamen Traumund Tiefschlaf. Und wer sich im Schlaf nicht erholt, bekommt es mit Dauerstress zu tun. Der hierdurch aktivierte Teil des Nervensystems, das „Gaspedal unseres Körpers“, ist andauernd im ‚Fight or Flight‘-Modus. Hält dieser Zustand über Jahre an, drohen Herzkreislauferkrankungen (Bluthochdruck, Herzinfarkt, Schlaganfall) und Stoffwechselerkrankungen (Diabetes mellitus), die ihrerseits den Schlaf verschlechtern. Dieser Teufelskreis beeinträchtigt die gesamte Gesundheit, zumal sich der Körper auch in gewisser Weise an den schlechteren Schlaf gewöhnt.

Wann wird eine Atemwegstherapie nötig und welche modernen Behandlungsmöglichkeiten gibt es? Beim Vorliegen von Herzkreislauferkrankungen, einer ausgeprägten Tagesschläfrigkeit, die schlimmstenfalls zum Einschlafen am Steuer oder zu häufigem Sekundenschlaf führt, sollte als Alarmsignal verstanden werden. Die derzeit effektivste Behandlung ist eine nächtliche Überdrucktherapie (CPAP) mit

Masken, die nur auf der Nase oder auf Mund und Nase sitzen. Ein zugehöriges kleines Gerät bringt via Schlauch und Maske Luft mit leichtem Überdruck in die Atemwege, die auf diese Weise geschient werden. Bestenfalls kommt es damit gar nicht mehr zu Atemaussetzern. Personen, die solche Masken nicht vertragen, lassen sich mit individuell angepassten Schienen versorgen, die den Unterkiefer nach vorne schieben und so den Rachenraum freihalten. Diese Protrusionsschienen sind jedoch eher für jüngere Patient:innen geeignet, die weder an schwerer Schlafapnoe noch an schwerem Übergewicht leiden. Implantierte Zungenschrittmacher stimulieren per elektrischem Impuls den Zungennerv. Infolgedessen spannt sich die Zungenmuskulatur leicht an und die Zunge rutscht im Schlaf nicht mehr nach hinten. Die Atemwege bleiben frei. Medikamente, die das Gewicht reduzieren (Abnehmspritze), helfen die Atemaussetzer in der Nacht zu reduzieren. Die Praxis zeigt, dass 20 Prozent weniger Gewicht die Atemaussetzer um 50 bis 60 Prozent senken. In Zukunft können voraussichtlich auch Medikamente eingesetzt werden, die dafür sorgen, dass die Muskulatur im Rachenbereich nicht erschlafft.

Was sind typische Herausforderungen bei der Gewöhnung an eine Atemwegstherapie?

Lesen Sie das gesamte Interview unter:

Das A und O ist die regelmäßige Nutzung der Therapie in der Nacht, vier Stunden pro Nacht sind hier das Minimum. Bei Masken und Schienen hängt dies vor allem davon ab, wie gut diese passen.

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MEDIAPLANET

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Wenn Schnarchen zum Warnsignal wird Mag. Walter Jung, Obmann der Selbsthilfegruppe Schlafapnoe Österreich, erhielt seine Diagnose erst nach einer Herzoperation: Eine schwere Schlafapnoe hatte lange unbemerkt seinen Schlaf beeinträchtigt. Heute weiß er, dass Schnarchen auch ohne typische Risikofaktoren oder ausgeprägte Tagesmüdigkeit ein Warnsignal sein kann. FOTO : Z VG

Herr Mag. Jung, wann haben Sie zum ersten Mal bemerkt, dass mit Ihrem Schlaf etwas nicht stimmt? Welche Beschwerden sind Ihnen aufgefallen? Es war zunächst meine Frau, die sich über mein sehr lautes Schnarchen beschwert hat. Ich selbst kam zwar morgens nur schwer aus dem Bett – hatte aber zu diesem Zeitpunkt keine direkten Beschwerden. Auch die Tagesmüdigkeit, die ein Symptom sein kann, blieb bei mir aus.

Mag. Walter Jung Obmann der Selbsthilfegruppe Schlafapnoe Österreich

Wurden Sie irgendwann selbst auf die Möglichkeit der Schlafapnoe aufmerksam oder kam der Hinweis aus Ihrem Umfeld? Weder noch. Ich bekam im Laufe der Zeit Herzprobleme, weshalb mir dann im Rahmen einer Herzoperation ein Stent eingesetzt wurde. Dabei trafen aber die klassischen Risikofaktoren für eine Herzerkrankung bei mir nicht zu: Ich hatte kein Übergewicht, keinen hohen Blutdruck, ich rauche nicht und hatte keinen besonderen Stress. Die Ursache meiner Herzprobleme war also zunächst unklar. Wie ging der Weg bis zur Diagnose weiter? Wie haben Sie sich gefühlt, als Sie endlich wussten, worunter Sie leiden? Erst nach der Herzoperation kam mir der Verdacht, dass ich vielleicht nicht nur schnarche, sondern unter Schlafapnoe leiden

das gesamte unter:

könnte. Deshalb vereinbarte ich einen Termin im Schlaflabor, wo die entsprechende Untersuchung stattfand. Es wurde schließlich eine schwere Schlafapnoe diagnostiziert, die – wie ich später erfuhr – unbehandelt sehr häufig zu Herz-/Kreislaufproblemen führt.

Welche Behandlung erhalten Sie heute? Wie war es für Sie, diese Therapie in Ihren Alltag zu integrieren? Nach der Diagnose erhielt ich ein sogenanntes CPAP-Therapiegerät. Es versorgt mich während des Schlafs über eine Maske mit einem kontinuierlichen Luftstrom und verhindert dadurch, dass die Atemwege immer wieder verschlossen werden. Das Gerät benutze ich seither täglich, auch auf Reisen.

Welche Rolle hat die Selbsthilfegruppe Schlafapnoe Österreich für Sie im Zuge der Diagnosebewältigung gespielt? Die Selbsthilfegruppe Schlafapnoe Österreich hat mir sehr geholfen. Weder der Arzt noch der Dienstleister, der das Therapiegerät bereitstellte, hatten die Zeit, auf all meine Fragen einzugehen. Fragen zur Therapie im Alltag ergeben sich nämlich zwangsläufig. Deshalb bin ich überzeugt davon, dass der Austausch mit anderen Betroffenen auch die Therapietreue positiv beeinflusst.

Was hat sich seit Beginn der Behandlung für Sie verändert? Können Sie heute wieder etwas machen oder genießen, das vor der Therapie schwierig war? Während ich früher nur schwer aufstehen konnte, bin ich nun morgens wesentlich ausgeruhter und erholter. Regelmäßige Untersuchungen bei meinem Kardiologen bestätigen mir außerdem, dass mein Herz seit Beginn der Schlafapnoe-Therapie wieder fit ist. Und ganz wichtig: Auch die Schlafqualität meiner Frau hat sich verbessert, da ich mit dem Schlafapnoe-Therapiegerät nicht mehr schnarche.

Was möchten Sie Menschen mitgeben, die regelmäßig stark schnarchen, morgens nicht erholt aufwachen oder tagsüber trotz ausreichendem Schlaf ständig müde sind? Mein Beispiel zeigt, dass eine schwere Schlafapnoe nicht unbedingt mit einer Tagesmüdigkeit verbunden sein muss. Trotzdem kann die unbehandelte Schlafapnoe zu ernsten Herz-/Kreislaufproblemen führen. Ich rate daher allen Menschen, die stark schnarchen, zu einer Abklärung hinsichtlich Schlafapnoe.

Weitere Informationen zur Selbsthilfegruppe Schlafapnoe: www.shg-schlafapnoe.at.

Entgeltliche Einschaltung

Neu in der Klinik Pirawarth: Rehabilitation bei Insomnie und Narkolepsie Die Klinik Pirawarth bietet stationären Patient:innen ein umfassendes Diagnostik- und Therapieangebot rund um Schlaf und Wachheit. Im Rahmen der neurologischen Rehabilitation werden auch Betroffene von Insomnie und Narkolepsie behandelt. FOTO : F. M AT ER N M U W

Prim. Prof. PD Dr. Stefan Seidel, FEAN Ärztliche Leitung, Abteilungsvorstand Neurologie, Facharzt für Neurologie, Europäisch zertifizierter Schlafmediziner

„Schlafen ist die beste Medizin“ heißt es – vorausgesetzt, der Schlaf ist erholsam. Immer mehr Menschen können nicht gut einschlafen, schlafen nicht durch, wachen sehr früh auf und/oder fühlen sich tagsüber sehr müde. Ob es sich dabei um eine ernsthafte Schlafstörung handelt, können stationäre Patient:innen der Klinik Pirawarth während ihres Rehabilitationsaufenthalts u. a. mit dem mobilen Schlaflabor abklären lassen.

Davon profitieren unsere Patient:innen rund um die Uhr.“ Der Therapieplan vereint aktivierende und entspannende Einheiten, psychologische Einzel- und Gruppentherapien, Entspannungs- und Achtsamkeitstechniken und Wissensvermittlung rund um den gesunden Schlaf. Ziel ist es, besser zu schlafen, sich untertags wohler zu fühlen und den Alltag wieder mit mehr Energie zu bewältigen.

Neurologische Reha bei Insomnie und Narkolepsie

Zuweisung über Reha-Antrag

Bei bereits diagnostizierten Schlafstörungen wie Insomnie und Narkolepsie können Erkrankte im Rahmen der neurologischen Rehabilitation in der Klinik Pirawarth behandelt werden. Während des Aufenthalts werden die Betroffenen von einem spezialisierten Team begleitet und betreut. Prim. Seidel sagt: „Wir sehen Rehabilitation als 24-Stunden-Auftrag und haben mittlerweile Kompetenzen und ein erhöhtes Bewusstsein für das Thema Schlaf im gesamten Haus.

Versicherungspartnerin der Klinik Pirawarth ist die Pensionsversicherungsanstalt (PVA). Wie bei anderen neurologischen Erkrankungen wird auch die stationäre Rehabilitation bei Insomnie und Narkolepsie über das bekannte Formular beantragt – und die PVA übernimmt nach Bewilligung die Kosten. Im Normalfall beträgt die Aufenthaltsdauer vier Wochen. Das Team der Reservierung gibt gerne von Montag bis Freitag zwischen 8:30 Uhr und 12:30 Uhr unter 02574/29160-5120 oder reservierung@ klinik-pirawarth.at Auskunft.

Die Klinik Pirawarth sieht Rehabilitation als 24-Stunden-Auftrag.

Der richtige Mix aus aktivierenden und entspannenden Einheiten fördert den gesunden Schlaf.

Klinik Pirawarth, Kurhausstraße 100, 2222 Bad Pirawarth


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Gesunder Schlaf: Warum gute Nächte mehr sind als acht Stunden Schlaf ist weit mehr als eine Pause vom Alltag. Während wir schlafen, regenerieren sich Körper, Geist und Immunsystem und gerade bei chronischen Erkrankungen kann guter Schlaf entscheidend dafür sein, wie gut wir mit Beschwerden umgehen können. FOTO : C O C H I C P H OTO G R A P H Y

Dr.in Brigitte Holzinger Expertin für Schlaf- und Traumforschung, u. a. luzides Träumen und Albträume, Entwicklerin des Schlafcoachings® sowie Leiterin des Masterlehrgangs Schlafcoaching an der MedUni Wien

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leichzeitig können Schmerzen, Juckreiz oder Atemprobleme den Schlaf erheblich beeinträchtigen und einen belastenden Teufelskreis auslösen. Schlaf- und Traumforscherin Dr.in Brigitte Holzinger erklärt, was gesunden Schlaf tatsächlich ausmacht, welche Faktoren unsere Schlafqualität beeinflussen und was wir schon heute Abend für eine bessere Nacht tun können.

dazu, dass bestehende Erkrankungen nicht so effektiv bewältigt werden können. Das kann bestehende Beschwerden verstärken.

Welche anderen Faktoren beeinflussen unsere Schlafqualität besonders stark? Schlafrhythmus und Stress bis hin zu Licht, Raumtemperatur, Raumluft und der richtigen Schlafumgebung können unseren Schlaf beeinträchtigen. Den stärksten Einfluss hat vermutlich aber unser Schlafrhythmus, also unsere Chronobiologie – diese ist noch gar nicht so lange erforscht. Unser Schlafrhythmus bestimmt, wie unser Schlaf verlaufen wird. Wenn es Nacht und dunkel ist, schaltet unser Organismus auf Schlaf und Regeneration. Wir wissen: Wenn Menschen tagsüber schlafen müssen, wie z. B. bei Schichtarbeit, kann das die Gesundheit, ja sogar die Lebensdauer auf lange Sicht verringern.

Was macht eine gute bzw. gesunde Schlafqualität tatsächlich aus? Man kann acht Stunden schlafen und sich trotzdem nicht erholt fühlen. Was man guten oder gesunden Schlaf nennt ist komplex. Das besteht einerseits aus dem subjektiven Erleben, ob man sich gut ausgeruht und wohlfühlt, und andererseits aus den physiologischen Gegebenheiten, ob man vier bis fünf Schlafzyklen mit den verschiedenen Schlafstadien durchlaufen hat können – ob man also ‚schlafsatt‘ geworden ist.

Was können Menschen tun, wenn sie abends nicht abschalten können oder aufgrund ihrer Erkrankung immer wieder aufwachen?

Warum ist gesunder Schlaf gerade für Menschen mit chronischen Erkrankungen so wichtig?

Schlafhygiene, richtig angewandt, kann den Schlaf gravierend verbessern. Am besten ist es, wenn man ein Schlafcoaching in Anspruch nimmt. Schlafcoaches werden z. B. in unserem Universitätslehrgang ‚Schlafcoaching‘ fortund weitergebildet (www.meduniwien.ac.at/ schlafcoaching). Wir alle wissen, dass unter anderem Handys nichts im Schlafzimmer verloren haben, doch die meisten können dies nicht umsetzen – ein:e Schlafcoach hilft bei der richtigen Vorgangsweise, vorhandenes Wissen auch umzusetzen.

Was ist Ihr wichtigster Tipp für eine gute Nacht, den wirklich jede:r bereits heute Abend ausprobieren kann? Handy, Tablet etc. sollten wirklich nicht ins Schlafzimmer mitgenommen werden. Zwei Stunden vor dem Zubettgehen wird das Licht gedimmt und die letzte Mahlzeit sollte zwei bis vier Stunden zurückliegen. Das kann den Schlaf schon heute verbessern. Und: Freuen Sie sich aufs Träumen – denn wer träumt, schläft (www.traum.ac.at)!

Lesen Sie mehr unter www.traum.ac.at

6 Faktoren für gesunden Schlaf bei chronischen Erkrankungen

Körperliche und mentale Regeneration finden hauptsächlich im Schlaf statt. Wir wissen, dass das Immunsystem nicht nur während des Schlafens am effektivsten arbeitet, sondern dass es sich auch während des Schlafens selbst regeneriert – und zwar Körper, Geist und Seele, also ganzheitlich.

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Text Doreen Brum

Schlaf ist mehr als die Anzahl der Stunden, die wir im Bett verbringen. Gerade bei chronischen Erkrankungen können Schlafqualität und Erholung eine wichtige Rolle für das Wohlbefinden spielen. Doch welche Faktoren beeinflussen unseren Schlaf besonders? Schlafumgebung Licht, Lärm, Temperatur und Raumluft können Schlaf und Wohlbefinden beeinflussen.

Schlafqualität Erholsamer Schlaf unterstützt die körperliche und mentale Regeneration.

Welchen Zusammenhang gibt es zwischen chronischen Erkrankungen und Schlafproblemen? Bei chronischen Erkrankungen ist unser Schlaf häufig durch z. B. entzündliche Prozesse oder Schmerzen direkt gestört, die als Alarmsignal fungieren und daher wach machen. Somit verhindern sie, dass alle Schlafstadien ungehindert durchlaufen und wirken können. Man muss sich leider eine Art Teufelskreis vorstellen, denn wie gesagt, ‚schlechter‘ Schlaf führt seinerseits wiederum zu Erkrankungen bzw.

Matratze & Liegekomfort Eine passende Matratze und angenehme Liegeposition können den Körper entlasten und zu einem erholsameren Schlaf beitragen.

Schmerz & Beschwerden Chronische Schmerzen können den Schlaf stören und schlechter Schlaf kann Beschwerden verstärken.

Stress & Entspannung – Anhaltender Stress kann Schlafprobleme begünstigen und chronische Beschwerden zusätzlich belasten.

Schlafrhythmus Regelmäßige Schlafenszeiten helfen, die innere Uhr und wichtige Körperprozesse zu stabilisieren.

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Dank CGM ist nächtliche Unterzuckerung heute die Ausnahme Priv. Doz.in Dr.in Yvonne Winhofer-Stöckl, Fachärztin für Innere Medizin, Endokrinologie und Stoffwechselerkrankungen mit zwei Emc2-Stoffwechsel- und Studienzentren in Wien und Mattersburg erklärt im Interview die Vorteile von Geräten zur kontinuierlichen Glukosemessung (CGM) für Menschen mit Diabetes 1, Diabetes 2, Prädiabetes und Schwangerschaftsdiabetes. FOTO : Z VG

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MEDIAPLANET

Priv.Doz.Dr. Yvonne Winhofer-Stöckl PhD Fachärztin für Innere Medizin/ Endokrinologie&Stoffwechsel

Was sind CGM-Systeme und wie funktionieren sie? Ein CGM ist ein Gerät, das rund um die Uhr den Glukosegehalt in der Gewebeflüssigkeit des Unterhautfettgewebes misst und diesen Wert in eine App überträgt. Dafür wird ein kleiner Sensor am Körper angebracht, dessen Messfühler knapp unter der Haut liegt. Wichtig: Die Werte, die ein CGM-Gerät anzeigt, liegen etwa 15 Minuten hinter den Blutwerten zurück. Doch das ist kein Nachteil, schließlich interessiert uns ja, wie viel von dem Zucker, den das Blut transportiert, tatsächlich in den Zellen des Körpergewebes ankommt.

Welche Vorteile haben CGM-Systeme verglichen mit der klassischen Blutzuckermessung per Fingerpieks insbesondere in Bezug auf nächtliche Unterzuckerung?

Bei der klassischen Blutzuckermessung mit Lanzettenstich in den Finger und Teststreifen ergeben sich punktuelle Echtzeit-Blutzuckerwerte. Menschen mit Diabetes 1 beispielsweise, die sich Insulin spritzen müssen, stechen sich sechs- bis achtmal am Tag – und verwunden sich dabei ebenso häufig an den Fingerspitzen. Die kontinuierliche Messung liefert zwar auch punktuelle Glukosewerte, doch in Summe wesentlich mehr, da hier alle paar Minuten Werte ermittelt werden. Aus Text Doreen Brumme den unzähligen Werten erstellt die zugehörige App gemäß verschiedener Aspekte aussagekräftige Zeitlinien zum Glukosehaushalt: Steigt der Blutzuckerspiegel? Fällt er? Schwankt er außergewöhnlich? Da die Benutzer:innen der CGM Einfache Handhabung und stabile Verin der App zugleich erfassen bindung mit Ihrem Smartphone können, was sie essen und trinken und wie körperlich aktiv sie Übersichtliche Verlaufsdarstellung gerade sind, lassen sich Rückschlüsse zur Verstoffwechselung der Speisen und Getränke Zuverlässige Alarme, die Sie auf Ihre ziehen. Das Biofeedback, das Grenzwerte anpassen können die Geräte liefern, ist eine große Übermittlung der CGM-Daten an Ihr Chance, um die individuelle Diabetes-Team ‚Zuckererkrankung‘ bestmöglich kennenzulernen und zu Nice-to-have: Vorhersagefunktion für bewältigen. mögliche Entwicklungen Gerade die noch immer verbreitete Angst vor einer

KURZ-CHECK: WELCHE FUNKTIONEN BEIM CGM WICHTIG SIND

nächtlichen Unterzuckerung wird mit einem CGM-System sehr gut händelbar. Nicht zu vergessen: Auch die Hygiene der Blutzuckermessung hat sich mit CGM-Geräten deutlich verbessert – sie ist weniger blutig geworden. Das erleichtert den Alltag der Betroffenen ungemein.

Wie haben CGM-Systeme das Risiko für Unterzuckerung verändert? Noch vor zehn Jahren waren lebensbedrohliche Unterzuckerungen (Hypoglykämien) Standard bei Menschen mit Diabetes, die Insulin spritzen oder blutzuckersenkende Tabletten einnehmen müssen. Dank CGM sind Unterzuckerungen heute eher die Ausnahme und schwere sehr selten. Der Grund für diese Entwicklung: Die Auswertung der kontinuierlich erhobenen Messwerte erlaubt auch Prognosen zum Glukosehaushalt. Das ist bei einer aufkommenden Unterzuckerung von Vorteil. Mit einem CGM-Gerät haben die Risikopersonen selbst und auch ihre Angehörigen ein zuverlässiges Frühwarnsystem, das Alarm schlagen kann, wenn bestimmte Werte unterschritten werden. Es gilt: Gefahr erkannt – Gefahr gebannt.

Was bedeutet dieser zeitliche Vorsprung ganz konkret für die Lebensqualität von Menschen mit Diabetes und ihren Angehörigen? Die Betroffenen bekommen Zeit, zu handeln. Sie können frühzeitig Medikamente einnehmen und so einer sich ankündigenden Unterzuckerung vorbeugen. Das ist zum Beispiel besonders spannend für Eltern von Kindern mit Diabetes. Sie bekommen über die App regelmäßige Updates zum Glukosehaushalt ihres Kindes, das in der Schule oder beim Sport ist. Werden die Werte bedenklich, bleibt den Eltern ausreichend Zeit, einzugreifen. Mit Alarm- und Vorhersagefunktion von CGM-Systemen wird der Alltag somit sicherer und sorgenfreier. Das steigert die Lebensqualität aller Beteiligten, die der Betroffenen und die ihrer Angehörigen

Wie kommt es zur Unterzuckerung? Mit meiner langjährigen, auch klinischen Erfahrung sehe ich die Ungeduld der Menschen als häufigsten Grund: Wer einen außergewöhnlich hohen Glukosewert misst, spritzt Insulin nach, man nennt das Korrektur. Deren zuverlässige Wirkung entfaltet sich

jedoch über Stunden. So manche:r Betroffene:r wird aus Sorge vor zu hohem Blutzucker ungeduldig und spritzt zu früh Insulin nach. Dadurch kommt es dann zur gefährlichen Unterzuckerung. Spannend ist dabei auch, dass sich der Körper an zu niedrige Blutzuckerwerte gewöhnen kann: Je häufiger er eine Unterzuckerung erlebt, desto weniger alarmieren ihn niedrige Werte. Die typischen Symptome wie Zittern, Schwitzen etc. fehlen oft.

Für welche Personen ist ein CGM-System mit Vorhersagen für nächtliche Unterzuckerungen interessant und wie erhält man dieses? Sobald jemand mit Diabetes Insulin braucht, ist ein CGM-Gerät ein Muss. Das heißt: Jede:r von Diabetes1-Betroffene sollte die Erkrankung dauerhaft damit managen. Auch die zunehmende Zahl der Menschen mit Diabetes 2 profitiert davon, wenn sie beispielsweise alle drei bis sechs Monate für 14 Tage ein CGM-Gerät nutzt. Und wer bereits einen Prädiabetes hat, kann mit einem CGM den Blutzucker im Auge behalten – wie andere mit einer Waage ihr Gewicht. Insbesondere Schwangere können in den Monaten, in denen das Risiko für einen Schwangerschaftsdiabetes steigt, ihren Glukosehaushalt gut kontrollieren und rechtzeitig handeln, falls die Werte kippen. In speziellen Zentren wird bereits viel mit CGM gearbeitet. Aber: Noch sehen die österreichischen Leitlinien CGM-Geräte nicht für alle vor, sodass die Sozialversicherung deren Einsatz oft noch nicht bezuschusst.

Wie ändern CGM-Geräte die Ärzt:innen-Patient:innen-Beziehung? Früher waren wir Ärzt:innen auf punktuelle Blutwerte zweimal im Jahr und die Berichte der Patient:innen angewiesen, um Verläufe der Erkrankung zu bewerten. Heute kann ich auf dichte Datenreihen schauen. Für meine Patient:innen bin ich immer erreichbar, wo auch immer sie gerade sind. Bei Problemen gehe ich direkt ins System und kann sofort meine Einschätzung und gegebenenfalls Handlungsanweisungen geben, nicht erst beim Ärzt:innenbesuch Monate später. Auch das erleichtert die Krankheitsbewältigung.

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Alles schläft. Einer wacht. Ihr Blick in die Zukunft vorm Zubettgehen: Die Vorhersage für nächtliche Unterzuckerung Ihres Accu-Chek® SmartGuide CGM zeigt eine Einschätzung für 7 Stunden über Nacht.1,2 Durch frühzeitige Maßnahmen können nächtliche Unterzuckerungen reduziert werden.3 Referenzen: 1. Die App SmartGuide Predict prognostiziert die allgemeine geschätzte Glukoseentwicklung innerhalb der nächsten 2 Stunden (Glukosevorhersage), das geschätzte Risiko einer Unterzuckerung innerhalb der nächsten 30 Minuten (Vorhersage für niedrigen Glukosewert) und das geschätzte Risiko einer nächtlichen Unterzuckerung innerhalb der nächsten 7 Stunden (Vorhersage für nächtliche Unterzuckerung, aktiv zwischen 21:00 und 02:00). 2. Herrero P et al. J Diabetes Sci Technol. 2024; 18: 1014–26. 3. Bogaarts G et al. Diabetes Res Clin Pract. 2026; 234: 1131-88. Bitte beachten Sie, dass es sich bei den hier angeführten Produkten um Medizinprodukte zur Anwendung für Patientinnen handelt. Vor Gebrauch dieser Produkte muss die Gebrauchsinformation beachtet und ärztlicher Rat eingeholt werden. ACCU-CHEK und ACCU-CHEK SMARTGUIDE sind Marken von Roche. © 2026 Roche Diabetes Care | www.accu-chek.at Roche Diabetes Care Austria GmbH | 1210 Wien | Engelhorngasse 3

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Axiale Spondyloarthritis (axSpA): Keine Krankheit des Alters

FOTO : M . BAU M A N N

Dr. Harald Leiss Niedergelassener Facharzt für Innere Medizin und Rheumatologie, Baden bei Wien www.dr-leiss.at

FOTO : FA B ER P H OTO G R A P H Y

Dr. Manuel Bécède Niedergelassener Facharzt für Innere Medizin und Rheumatologie, Tulln an der Donau www.rheuma-becede.at

Die axiale Spondyloarthritis wird häufig erst spät erkannt. Woran liegt das?

Darmerkrankungen (CED). Sie alle können in Verbindung mit einer axSpA stehen.

Dr. Harald Leiss: Zum einen liegt das daran, dass uns allen im Lauf des Lebens mal der Rücken wehtut. Die Herausforderung ist es, den entzündlichen Rückenschmerz rauszufiltern. Das können wir Fachärzt:innen jedoch nur, wenn sich Menschen mit Rückenschmerzen untersuchen lassen. Zum anderen bricht die axSpA mit den Klischees, dass rheumatische Erkrankungen vorwiegend Frauen und nur alte Leute betreffen – mehr als die Hälfte der Betroffenen ist männlich, oft in ihren Zwanzigern und Dreißigern. Dr. Manuel Bécède: Im Schnitt dauert es vom ersten Auftreten von Symptomen der axSpA bis zur ersten Therapieeinheit fünf bis sieben Jahre. Während dieser Zeit gehen die Patient:innen von Praxis zu Praxis auf der Suche nach Hilfe. Oft hören sie, dass Rückenschmerzen ‚normal‘ seien, wenn man älter werde. Verbreitet ist zudem die Ansicht, dass eine rheumatische Erkrankung wie die axSpA mit erhöhten Entzündungswerten im Labor einhergehen müsse. Dem ist nicht so. Und auch ein genetischer Risikofaktor wie der HLA-B27, muss nicht immer Teil der Erkrankung sein. Aufklärung dazu – auch unter Mediziner:innen – tut Not.

Welche Warnsignale sollten Betroffene ernst nehmen? Dr. Manuel Bécède: Der Rückenschmerz, der von einer axSpA ausgeht, tritt typischerweise im unteren Rücken und im Gesäß auf – in der Wirbelsäule und den Kreuzbein-DarmbeinGelenken. Betroffene werden davon in den frühen Morgenstunden wach und können meist erst wieder einschlafen, wenn sie sich kurz bewegt haben. Nach dem Aufstehen kommt es dann in der Regel zu einer sogenannten Morgensteifigkeit. Dr. Harald Leiss: Zu beachten sind auch familiäre Häufungen, nicht nur axSpA-Diagnosen, sondern auch andere entzündliche Erkrankungen wie Schuppenflechte, ein schmerzender ‚Tennisellenbogen‘, gleichwohl nie Tennis gespielt wurde, Probleme mit der Achillessehne, Regenbogenhautentzündungen oder chronisch-entzündliche

G E L E N K- Z ? HMER SChat viele Gesichter.

Rheuma hen: Gleich Selbstcheck mac gelenk-schmerz.at

Wie unterscheidet sich eine axSpA von gewöhnlichen Rückenschmerzen oder anderen rheumatischen Erkrankungen? Dr. Manuel Bécède: Der Hauptunterschied ist das Schmerzmuster in Ruhe. Während sich beispielsweise Bandscheibenschmerzen mit Bewegung verschlimmern, lässt der Schmerz bei einer axSpA mit Bewegung nach. Die Erkrankung verläuft zudem schleichend und schubweise. Nach und nach erstarrt die Wirbelsäule, sodass insbesondere die Rotation immer mehr eingeschränkt wird. Betroffene bewegen sich im fortgeschrittenen Stadium wie einst die ersten Roboter. Dr. Harald Leiss: Typisch ist auch, dass der Schmerz nicht irgendwann verschwindet. Wer beispielsweise um die Gehsteigkante knöchelt, kann, wenn auch unter Schmerzen, oft noch weiterlaufen. Am nächsten Tag geht dann gar nichts mehr. Doch die Verletzung heilt. Die axSpA dagegen grüßt jeden Morgen aufs Neue – wie das Murmeltier aus dem gleichnamigen Film.

Warum ist eine frühzeitige Diagnose so entscheidend und welche Folgen kann eine verspätete Behandlung haben? Dr. Manuel Bécède: Das Versteifen der Wirbelsäule geschieht unaufhaltsam und ist irreversibel. Die schmerzfreien Intervalle werden immer kürzer. Das heißt, dass Schäden nicht rückgängig gemacht werden können. Deshalb gilt: Je früher die axSpA festgestellt und behandelt wird, desto besser. Denn was einmal verknöchert, bleibt verknöchert.

Welche modernen Behandlungsmöglichkeiten stehen heute zur Verfügung und welche Ziele verfolgt eine zeitgemäße Therapie? Dr. Harald Leiss: Noch ist die axSpA nicht heilbar. Doch es gibt seit gut 25 Jahren eine effektive, wirksame Behandlungsmöglichkeit, die gut mit Sicherheitsdaten behaftet ist und überschaubare Nebenwirkungen hat. Zum Einsatz kommen sogenannte Biologika, die gezielt entzündungsfördernde Botenstoffe aus dem Spiel nehmen. Diese Immunmodulation

R Ü C K E N -Z ? ER SCHM kein Alter.

Rheuma kennt eck: Mach jetzt den Selbstch rücken-schmerz.at

wird größtenteils subkutan verabreicht – regelmäßig ca. alle zwei bis vier Wochen. Alternativ besteht die Möglichkeit der Infusionen. Seit einigen Jahren stehen zudem sogenannte Januskinase-Inhibitoren (JAKi) in Form von Tabletten zur Verfügung, die täglich eingenommen werden. Sie beugen den Gelenkentzündungen auf molekularer Ebene vor. Dr. Manuel Bécède: Ziel der Therapie ist neben der Schmerzlinderung bis hin zur Schmerzbefreiung immer der Erhalt und möglichst eine Verbesserung der aktuellen Beweglichkeit. Denn diese dient auch der Haltung sowie Koordination – und mindert zugleich die Sturzgefahr.

AT-NA-202609-00002, Erstellt: 09/2026

Die beiden niedergelassenen Fachärzte für Innere Medizin und Rheumatologie Dr. Manuel Bécède (Tulln an der Donau) und Dr. Harald Leiss (Baden bei Wien) stellen die chronische Erkrankung axiale Spondyloarthritis (axSpA, ehemals Morbus Bechterew) vor und erklären, warum eine frühe Diagnose entscheidend für ihre Behandlung ist.

Welche Rolle spielen Bewegung, Physiotherapie und ein aktiver Lebensstil im Umgang mit der axSpA? AxSpA-Patient:innen profitieren sehr von Bewegung – insbesondere von Bewegung, die den Rumpf, also Bauch und Rücken stärkt. Unser Oberarzt riet einst: ‚Turne bis zur Urne!‘. Und da ist etwas Wahres dran: Neben den medikamentösen Therapien gegen die Verknöcherung und gegen die Schmerzen, die immer vorausgehen sollten, ist Bewegung eine der tragenden Säulen der Behandlung von axSpA.

Gelenkschmerzen früh erkennen: Hier finden Sie Informationen zu möglichen Warnzeichen, Hintergründen und einen Selbstcheck rund um Rücken- und Gelenkschmerzen.

Digitale Gesundheitsangebote und Plattformen gewinnen zunehmend an Bedeutung. Welchen Nutzen bieten sie Betroffenen – bei Information, Früherkennung und dem Umgang mit der Erkrankung? Jede:r sollte wissen, dass Rückenschmerzen kein Preis sind, der zu zahlen ist, wenn wir älter werden. Wenn der Rücken über längere Zeit schmerzt, ist ärztliche Abklärung ratsam. Mit dem Internetportal www.gelenk-schmerz. at bieten wir leicht verständliche Aufklärung rund um Gelenkschmerzen. Es gilt, die oft noch zu langen Wege zur Diagnose zu verkürzen und Betroffene rascher in Behandlung zu bringen, um ihre Gesundheit und damit ihre Lebensqualität zumindest aufrechtzuerhalten oder bestenfalls zu verbessern.

G E L E N K- Z ? SCHMEn.R

Nicht tapfer bleibe n: Besser Selbstcheck mache gelenk-schmerz.at

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Wenn jahrzehntelanger Schmerz einen Namen bekommt

Mehr Wissen für Patient:innen: Hier finden Sie unser Patientenmagazin mit weiterführenden Informationen und hilfreichen Inhalten rund um Gesundheit und Erkrankungen.

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AT-NA-202609-00002, Erstellt: 09/2026

Martina Neubauer (55) brachte die Diagnose Morbus Bechterew (axSpA) die Gewissheit: Ihr jahrzehntelanges Leiden hatte endlich einen Namen. Die Ursache von Dauerschmerzen, Bewegungseinschränkungen und psychischen Beschwerden war geklärt. Im Interview spricht die Präsidentin der Österreichischen Vereinigung Morbus Bechterew (ÖVMB) über ihren Weg, den Alltag mit der Erkrankung und darüber, was hilft, ihn zu bewältigen. Wie zeigte sich Ihr Morbus Bechterew anfangs und wie verlief Ihr Weg zur Diagnose? Schon als Teenagerin hatte ich Schmerzen und nahm Schmerzmittel. Mit 25, nach der Geburt von Kind 1, tat mein Gesäß plötzlich bis ins Schienbein weh – das hielt man für Ischias und schob es auf die anstrengende Geburt. Bei Kind 2 zeigte sich ein ähnliches Bild. Doch plötzlich konnte ich meine Beine nur noch seitlich mitziehen, einmal das linke, dann das rechte – erst einmal im Jahr, dann öfter. Dauerschmerzen, Bewegungseinschränkungen und Alltagsstress wurden irgendwann zu viel: Ich rutschte ins Burnout. Das wäre, so hieß es, ebenso psychosomatisch bedingt wie meine Schmerzen. Mit 46 hatte ich einen Unfall. Die Röntgenbilder ließen keinen Rückschluss auf die Ursache der argen Schmerzen in Unterleib, Schultern und Halswirbelsäule zu. Erst bei einer Kontrolle überwies mich der Arzt in die Rheumatologie, nachdem ich ihm sagte, wie sehr mir die Schulter wehtat. Zweieinhalb Jahrzehnte Schmerzen bekamen endlich einen Namen: Morbus Bechterew.

Dieser Diagnoseweg war extrem lang. Wo sehen Sie Schwachstellen im Gesundheitssystem und was muss sich verbessern? Ich besuchte unzählige Hausärzt:innen, Orthopäd:innen und Osteopath:innen. Niemand kam auf Morbus Bechterew. Weil niemand mir zuhörte und mich niemand ernst nahm. Und so geht es vielen Betroffenen: Im globalen Schnitt dauert es bis zur Diagnose 7,4 Jahre1, in denen die Erkrankung ungebremst fortschreitet. Als ÖVMB gehen wir von etwa 110.000 axSpA-Betroffenen im Land aus – viele 1 2

davon sind mit der Diagnose allein. Für das sogenannte Shared Decision Making – die gemeinsame Entscheidungsfindung zur Therapie von Ärzt:innen und Patient:innen – braucht es Zeit: In Österreich mangelt es jedoch an Rheumatolog:innen. In Vorarlberg gibt es z. B. nur einen als Kassenarzt. Die Folge: überfüllte Rheumaambulanzen2. Wir arbeiten als Vereinigung daran, übrigens ehrenamtlich, Ärzt:innen für unsere Erkrankung zu sensibilisieren und sie als Partner an Bord zu holen. Was zudem fehlt, ist die Anerkennung unserer Arbeit seitens der österreichischen Politik.

Wie beeinflusst axSpA Ihren Alltag und wie fordert er Betroffene und Angehörige? Noch vor der Diagnose riet mir meine Gynäkologin wegen meiner andauernden Unterleibsschmerzen, meine Gebärmutter und Eileiter entfernen zu lassen. Die OP versetzte mich in einen vorzeitigen Wechsel, der mit einer Hormonersatztherapie abgefedert wurde. Anfangs gingen die Schmerzen wie erhofft zurück, doch sie kamen umso heftiger wieder. Ich berichte das, weil auch Gynäkolog:innen mit Morbus Bechterew in Kontakt kommen und es hier entsprechend Awareness braucht. Die individuell passenden Medikamente zu finden, ist in der Regel ein langer Prozess, während die Krankheit ihren zerstörerischen Lauf nimmt. Ich lebe damit aber heute fitter als zum Zeitpunkt der Diagnose. Doch die Krankheit verändert viel: Ich bin technische Angestellte und war es gewohnt, auf Montage mit schweren Maschinen zu hantieren. Einen Schlagbohrer kann ich heute wegen der Entzündungen in Fingergelenken und Ellbogen

nicht mehr halten. Nach einer Viertelseite muss ich den Stift weglegen. Im Büro helfen mir Computer und KI. Stricken und Häkeln fehlen mir sehr. Zudem nerven Fatigue und Brainfog: Sie kommen und gehen, wie sie wollen.

Welche Unterstützung bietet die ÖVMB? Wir informieren Betroffene jeden Alters zur Erkrankung und beantworten individuelle Fragen. Wir schaffen Raum für offenen Austausch. Bei mir sorgte die Gemeinschaft, die ich in der ÖVMB gefunden habe, für einen Shift: Ich stieg aus dem Kampf gegen meinen Bechterew aus und lebe jetzt mit ihm. Ich tue viel, um noch möglichst lange mobil zu sein – und bin froh, diesen Weg nicht alleine gehen zu müssen.

Mit AXIA gibt es für Betroffene bis 2028 eine kostenlose App. Wie erleichtert diese den Alltag? Wir machen österreichweit Bewegungsangebote. Doch nicht jede:r Betroffene kann vor Ort teilnehmen. Die App sorgt deshalb für angeleitete Bewegung von überall aus – und dazu rate ich allen Betroffenen.

Welche Botschaft haben Sie für Menschen, die gerade die Diagnose axSpA erhielten? Bleiben Sie dran – auch wenn es schwerfällt. Es lohnt sich, sich über die Krankheit zu informieren. Das ist heute dank Internet und KI viel leichter als noch vor wenigen Jahren. Tauschen Sie sich auch mit anderen Betroffenen aus. Gemeinsam lässt sich die Erkrankung leichter bewältigen.

IMAS-Report 2024 von der Axial Spondyloarthritis International Federation (ASIF), www.bechterew.at/de/imas-report-2024-kopie.html Rheumareport 2025, www.bechterew.at/de/rheumareport-2025.html

Diese Information dient ausschließlich der allgemeinen Aufklärung über die Erkrankung axiale Spondyloarthritis. Sie stellt keine Werbung für Arzneimittel oder Therapieformen dar.


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Wenn Schmerz bleibt: Warum Schmerz chronisch werden kann Interview mit Primaria Dr. Gislind Döhrn, FÄ für Neurologie sowie FÄ für Allgemein- und Familienmedizin, Ärztliche Leitung der SANLAS Privatklinik Laßnitzhöhe

FOTO : CA R O L I N B O H N

Primaria Dr. Gislind Döhrn FÄ für Neurologie sowie FÄ für Allgemein- und Familienmedizin, Ärztliche Leitung der SANLAS Privatklinik Laßnitzhöhe

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iele Menschen denken bei Schmerzen zuerst an Tabletten, Spritzen oder Salben. Bei akuten Beschwerden ist das oft richtig. Bleibt Schmerz aber über längere Zeit, kann er sich verändern: Das Nervensystem wird empfindlicher, Bewegung wird vermieden, Schlaf und Stimmung leiden. Dann ist Schmerz nicht mehr nur ein Symptom, sondern kann zu einer chronischen Erkrankung werden. Genau deshalb braucht die Behandlung chronischer Schmerzen ein aufwändiges, individuelles Konzept.

Was ist Schmerz und wie entsteht er? Schmerz ist zunächst ein wichtiges Warnsignal. Er sagt uns: Achtung, hier stimmt etwas nicht. Bei einer Verletzung, Entzündung oder Überlastung ist das sinnvoll. Schmerz entsteht aber nicht einfach an einer bestimmten Stelle im Körper, sondern immer im Zusammenspiel mit dem Nervensystem und dem Gehirn. Dort wird eingeordnet: Wie gefährlich ist das? Was habe ich erlebt? Habe ich Angst? Bin ich erschöpft? Deshalb ist Schmerz immer körperlich und emotional zugleich. Wenn Schmerzen über Monate bestehen bleiben, kann sich dieses Warnsystem verselbstständigen. Dann reagiert der Körper empfindlicher, obwohl die ursprüngliche Ursache vielleicht gar nicht mehr im Vordergrund steht.

Warum stößt ambulante Behandlung bei Schmerzen oft an Grenzen? Ambulante Behandlung ist wichtig und in

vielen Fällen ausreichend. Grenzen entstehen, wenn Schmerz nicht nur eine Ursache hat. Gerade bei chronischen Schmerzen mischen sich häufig verschiedene Mechanismen: Bindegewebe, Gelenke oder Muskeln können beteiligt sein, Nerven können gereizt sein, und das zentrale Nervensystem kann dauerhaft auf „Alarm“ stehen. Beim Schmerzsymposium im April haben wir genau diese Mischung, den sogenannten Mixed Pain, intensiv mit Fachleuten diskutiert. Für Betroffene heißt das: Ein Medikament allein oder eine einzelne Therapieeinheit reicht oft nicht mehr aus. Dazu kommen Schonung, Bewegungsangst, schlechter Schlaf, Sorgen und Rückzug. Diese Spirale lässt sich ambulant manchmal schwer durchbrechen.

Was heißt stationäre Schmerztherapie, für wen ist sie und wann ist der richtige Zeitpunkt? Stationäre Schmerztherapie bedeutet natürlich nicht einfach: stärkere Medikamente. Sie bedeutet, mehrere wirksame Schritte eng aufeinander abzustimmen - Medizin, Bewegung, Psychologie, Pflege und Selbstmanagement. Geeignet ist sie für Menschen mit anhaltenden Rücken-, Gelenks-, Muskel-, Kopf-, Gesichtsoder Nervenschmerzen, bei Schmerzen nach Operationen oder Verletzungen, bei Fibromyalgie oder anderen generalisierten Schmerzsyndromen. Der richtige Zeitpunkt ist früher, als viele glauben: wenn Schmerzen über Wochen und Monate bleiben, der Alltag kleiner wird, Schlaf und Belastbarkeit nachlassen

oder Menschen beginnen, dem eigenen Körper nicht mehr zu vertrauen. Dann sollte man nicht warten, bis „gar nichts mehr geht“.

Wie läuft die stationäre Behandlung ab? Am Anfang steht eine genaue Anamnese und Untersuchung: Was ist medizinisch abgeklärt, welche Schmerzen bestehen, was verstärkt sie, was hilft, was ist im Alltag nicht mehr möglich? Danach erstellen wir einen individuellen Behandlungsplan. Ein zentraler Baustein ist Bewegung, dosiert, begleitet und so, dass wieder Sicherheit entsteht. Dazu kommen ärztliche Behandlung, Physiotherapie, psychologische Unterstützung, Ergotherapie, Pflege und je nach Situation ergänzende Verfahren wie Akupunktur, physikalische Medizin oder Ganzkörper-Kältetherapie. Wir können keine Wunder versprechen. Ein zentrales Behandlungsziel ist es aber, den Schmerzkreislauf zu unterbrechen, Schmerz zu reduzieren, Beweglichkeit und Lebensqualität zurückzugewinnen und den Umgang mit dem Schmerz zu verändern.

Patientinnen und Patienten haben in der SANLAS Privatklinik Laßnitzhöhe je nach Situation verschiedene Wege: eine akutstationäre Schmerzbehandlung, insbesondere für Zusatzversicherte oder Selbstzahler, sowie stationäre Rehabilitation in Orthopädie oder Neurologie über PVA und Sozialversicherungsträger.

CHRONISCHE SCHMERZEN BRAUCHEN MEHR ALS EIN REZEPT Stationäre multimodale Schmerztherapie – ohne lange Wartezeiten. Chronische Schmerzen brauchen einen ganzheitlichen Therapieansatz. In der Privatklinik Laßnitzhöhe begleiten wir Schmerzpatient:innen mit medizinischer, therapeutischer und psychologischer Kompetenz zurück zu mehr Beweglichkeit, Selbstständigkeit und Lebensqualität. Die Privatklinik Laßnitzhöhe zählt zu den führenden Zentren für Schmerztherapie sowie neurologische und orthopädische Rehabilitation in Österreich.

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EXPERTISE

Vagusnervstimulation (VNS): Wie elektrische Impulse das Gehirn und den Körper beeinflussen Die Vagusnervstimulation gilt als vielversprechender Ansatz bei chronischen Beschwerden. Univ.-Prof. Dipl.-Ing. Dr. techn. habil. Eugenijus Kaniusas von der TU Wien erklärt, wie die Methode funktioniert und wo sie bereits erfolgreich eingesetzt wird. Was sie bewirken kann, zeigt sich auch am Beispiel von Paulina S. (43). Schon seit ihrer Kindheit litt sie unter einer extremen Geruchsempfindlichkeit, später kamen zahlreiche Unverträglichkeiten hinzu. Mit 33 entwickelte sie infolge einer schweren Amalgamvergiftung eine Multiple Chemische Sensitivität (MCS). Vier Monate war sie bettlägerig, 1,5 Jahre lang in Rehabilitationspension. Nach Jahren der verzweifelten Suche und unzähligen Diagnosen fand sie schließlich einen Ansatz, der ihr helfen konnte. Wie die Vagusnervstimulation bei ihr anschlug, berichtet Paulina hier.

Der Vagusnerv ist der längste Hirnnerv im Körper. Er meldet vor allem Informationen zum Zustand der Organe und zum Entzündungsgeschehen ans Gehirn. Damit reguliert das Gehirn die verschiedenen körperlichen Funktionen – wodurch eine Art Regelkreis entsteht. Dabei verläuft der Informationsaustausch in beide Richtungen. Der Vagusnerv ist also die sensorische Hauptleitung zum Gehirn; 80 Prozent seiner Fasern sind sensorisch ausgelegt. Auf einer Nebenspur findet der Gegenverkehr statt: Das Gehirn regelt über autonome motorische Fasern die Reaktion auf die jeweiligen Befunde. Es erhält kontinuierlich Statusmeldungen aus allen Körperregionen und regelt nonstop. Doch es ‚hört‘ nicht alle Meldungen gleichermaßen – weil es sonst ‚durchglühen‘ würde.

Was ist eine Vagusnervstimulation (VNS) – und welche Varianten gibt es?

In bestimmten Situationen, teils auch krankheitsbedingt, kommt es zu Verbindungsstörungen und damit zu Ausfällen der Regelung. Bei der Vagusnervstimulation reizen wir den Vagusnerv mit elektrischen Impulsen. Wir ‚klopfen‘ damit am Gehirn an und stimulieren somit die Schaltzentrale – mit dem Ziel, die Störungen zu beheben. Das macht die VNS zur systemischen Therapie, denn wir wenden uns nicht direkt an die Organe. Aber: Was das Gehirn aus den Impulsen macht, haben wir (noch) nicht in der Hand. Die Stimulation kann invasiv und noninvasiv erfolgen: Bei der invasiven Variante werden operativ Elektroden an der linken Halsseite angebracht, die wie ein ,Schrittmacher‘ dauerhaft und automatisch Impulse senden. Bei der noninvasiven VNS werden zeitweise transkutane oder perkutane Elektroden auf die Haut gesetzt, beispielsweise an der Ohrmuschel. Das machen die geschulten Patient:innen teilweise selbst.

Wo wird VNS bereits eingesetzt? Die VNS ist eine additive Therapie, vor allem im neurologischen Bereich: Mit der Behandlung von Epilepsie begann es. Die Zahl der Anfälle ließ sich mit elektrischen Impulsen senken und zugleich gingen auch die Depressionen zurück, an denen Menschen mit Epilepsie oft leiden. Die Schlaganfallbehandlung profitiert ebenfalls: Dank VNS erhöht sich die Neuroplastizität der betroffenen Hirnareale und zugleich mindern sich die Entzündungsherde. In zwei eigenen Studien konnten wir die Wirkung von VNS auf schwere Corona-Verläufe zeigen. Auch bei Herzrhythmusstörungen und Herzinfarkt kommt die VNS heute zum Einsatz. Ebenso bei chronischen Schmerzen und bei der Behandlung chronischer Wunden. Zudem deutet sich die Ausweitung der Anwendung der VNS bei nicht chronifizierten Beschwerden an, beispielsweise bei der Regeneration von Sportler:innen: Da die VNS periphere Gefäße dazu bringt, sich zu erweitern, was die Durchblutung fördert, lassen sich Reizungen und Verletzungen schneller auskurieren. Und immer mehr Menschen setzen die VNS auch zeitweise für Stressabbau, besseren Schlaf und emotionale Balance ein.

FOTO : Z VG

FOTO : Z VG

Univ.-Prof. Dipl.-Ing. Dr. techn. habil. Eugenijus Kaniusas Dekan für akademische Angelegenheiten im Bereich Biomedizintechnik, Leiter der Forschungsgruppe Biomedizinische Sensorik und Therapie, Institut für Biomedizinische Elektronik, Technische Universität Wien

Was ist der Vagusnerv?

Paulina S., im Mai 2016 erlebten Sie Ihren ersten Erstickungsanfall – was ist damals genau passiert und wie veränderte sich Ihr Leben von einem Tag auf den anderen?

Medikamente vertrug ich schon immer sehr schlecht. Nach der Gabe einer Infusion kam es damals zu einer Spätreaktion, die mit einem heftigen allergischen Schock einherging: Ich brach mit Erstickungsanfällen zusammen. Ohne den Notarzt wäre ich gestorben. Mein Alltag danach war: extreme Nerven- und Muskelschmerzen, Hautausschläge, Schwellungen, Lähmungserscheinungen sowie eine extreme Überempfindlichkeit gegenüber Gerüchen, Geräuschen, Berührungen, Bewegungen, Licht, Strom und Kälte. Hinzu kamen VergesslichPaulina S. Betroffene keit, Konzentrationsschwäche und Erschöpfungszustände. Ich war verzweifelt und sammelte unzählige Diagnosen: MCS, Mastzellaktivierungssyndrom (MCAS), Hashimoto, spontane Urtikaria, allergisches Asthma, Allergien und unzählige Unverträglichkeiten, Amalgamvergiftung, Myoklonien-Anfälle (anfallsartige Muskelkontraktionen).

Wie erging es Ihnen weiter? Jahre vergingen. Die Plomben wurden 2017 mit äußerster Vorsicht entfernt, was mir eine massive Verbesserung meiner Beschwerden brachte. Leider legte Corona (Infektion und Impfung) dann wieder eins drauf, bis ich schließlich auf alle Reize mit Myoklonien-Anfällen reagierte. Jeder Geruch, der mir begegnete, gute wie schlechte, verursachte Anfälle: Waschmittel. Parfüm. Zigarettenqualm. Abgase. Essen. Bei einer Mandarine roch ich nur das Spritzmittel, bei einer Semmel den Ofen, bei der Butter die Kuh. Ich versuchte im Alltag, alles zu meiden, was geht. Ich musste aber essen, um nicht zu verhungern. Auch die Strahlung vom TV-Gerät, PC oder der Sonne löste Anfälle aus. Ich reagierte auf Druckerschwärze. Konkret sah es aus, als hätte ich jedes Mal einen sehr starken epileptischen Anfall, oft auch mit einer Lähmung verbunden – mein zentrales Nervensystem war überlastet. Mein Leben bestand nur noch aus Mahlzeiten, stundenlangen Anfällen, Schlaf. Auf der Suche nach Abhilfe war ich bei unzähligen Ärzt:innen, die meisten nahmen mich nicht ernst.

Wie kamen Sie zur Vagusnervstimulation – und was brachte sie Ihnen? Nachdem der Neurologe nichts mehr für mich tun konnte, wandte ich mich an meinen Arzt des Vertrauens – meinen Lebensretter über all die Jahre. Der gab nie auf. Er stellte mir vor zwei Jahren einen Vagusnervstimulator vor und sagte: „Mach das 14 Tage, dann sehen wir uns nie wieder.“ Nach acht Jahren schwerer Erkrankung war diese Aussicht der absolute Wahnsinn! Schon zweieinhalb Tage Anwendung brachten eine enorme Verbesserung meiner Symptome: Ich konnte wieder richtig sehen, das „Fliegengitter“ vor meinen Augen war weg. Ich fühlte mich, als würde mein Kopf aufgehen, ich hatte wieder Platz. Die Schmerzen in Muskeln und Haut ließen rasch nach. Nach circa drei Wochen Vagusnervstimulation war fast alles weg! Seitdem ist das Gerät immer bei mir. Ich bin ja immer noch hypersensitiv. Ich benutze es regelmäßig und immer dann, wenn sich eine Reaktion auf einen Reiz ankündigt, „hänge ich mich dran“. Ich bin dank dessen voller Energie und hatte keinen Anfall mehr.


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Chronisch spontane Urtikaria (CSU): Update zur Behandlung juckender Quaddeln und Schwellungen

FOTO : D I EFOTO G R A F EN

Dr.in med. univ. Cornelia Gattringer Leitende Oberärztin Universitätsklinik für Dermatologie, Venologie und Allergologie Innsbruck

Urtikaria besser verstehen Am 1. Oktober lädt der Verein ChronischKrank zu einem Online-Event rund um das Thema Urtikaria ein. Hier erfahren Sie mehr:

Text Doreen Brumme

Was ist eine chronische spontane Urtikaria?

rasch wieder von allein verschwinden, ist es Die Urtikaria ist eine Hauterkrankung, die sinnvoll, die Hautveränderungen bei ihrem schubweise auftritt. Sie zeigt sich in jedem ersten Auftritt zu fotografieren. Nicht selten Alter, die meisten Betroffenen sind jedoch zwiwerden Patient:innen bei uns Fachärzt:innen schen 30 und 50 Jahre alt. Frauen trifft die Erkrankung häufiger als Männer. Typisch ist der plötzliche Auftritt von oberflächlichen, extrem juckenden Quaddeln sowie tiefen Gewebsschwellungen (Angioödemen). Diese erscheinen oft im Gesicht, was das Erscheinungsbild kurzfristig deutlich verändern kann, an den Händen und selten im Genitalbereich. Die einzelnen Quaddeln und Schwellungen verschwinden in der Regel innerhalb Dr.in med. univ. Cornelia Gattringer von 24 Stunden wieder. Je nach Ausprägung treten täglich neue Hautveränderungen auf, ein- bis zweimal in der Woche oder ohne akute Quaddeln vorstellig – ein Foto hilft seltener. Meistens hält ein Urtikaria-Schub bei der Befundung. zwischen wenigen Tagen und einigen Wochen Wichtig zu wissen, ist auch, dass nicht jede (akute Form) an. Seltener ist der chronische Quaddel automatisch die Diagnose Urtikaria schubweise Verlauf, der mehrere Monate bis bedeutet. Betroffene sollten sich deshalb Jahre andauern kann. immer fachärztlich untersuchen lassen, was Zeigt sich die Erkrankung ohne erkennbaren die Grundlage für eine passende Therapie äußeren Auslöser, sprechen wir von einer darstellt. spontanen entweder akuten oder chronischen Urtikaria. Im Unterschied dazu tritt die Wie behandeln Sie eine chronisch spontane Urtikaria auch als Reaktion auf physikalische Urtikaria? Reize wie Kälte, Druck oder Scherenkräfte auf Uns stehen heute wirkungsvolle Medika(induzierbare Urtikaria). Mitunter haben die mente zur Verfügung, die wir als systemische Patient:innen sogar beide Formen: die spontaStufentherapie einsetzen – lokal aufgebrachte ne und die induzierbare. Cremes und Salben sind bei einer Urtikaria wirkungslos. Warum wird die Erkrankung oft unterStufe 1 stellen Tabletten mit Antihistaminika als Wirkstoff dar, die einmal pro Tag schätzt und wie sehr kann sie das Leben der einzunehmen sind. Schlagen die Mittel nicht Betroffenen beeinträchtigen? Unterschätzt wird eine chronisch spontane an, haben wir aktuell drei weitere Therapien Urtikaria oft, weil sie an sich nicht lebensmit einem anderen Wirkmechanismus: Zwei bedrohlich ist. Dennoch kann insbesondere davon werden unter die Haut (subkutan) der starke Juckreiz, den sie mit sich bringt, die gespritzt, eine dritte, ganz neue, liegt als Lebensqualität der Betroffenen arg beeinträchTablette vor. Anders als noch vor 10, 15 Jahren tigen: Er stört sie nicht nur tagsüber, sondern bekommen wir die chronisch spontane Urtikaauch nachts. Fehlt es ihnen an Schlaf, kommt ria damit sehr gut in den Griff. Die Betroffenen es schnell zu Konzentrationsproblemen haben unter der Therapie kaum Einbußen und Schlafmüdigkeit (anhaltendes Erschöpihrer Lebensqualität zu befürchten. fungsgefühl und Tagesschläfrigkeit) – und Zu den Antihistaminika ist noch anzumerinfolgedessen auch zu psychiatrischen Begleitken, dass die heutigen Präparate der Geneerkrankungen, die ihrerseits die Lebensqualiration 2 die Patient:innen nicht mehr so sehr tät drücken und einer Behandlung bedürfen. ermüden wie noch die Vorgängergeneration.

Anders als noch vor 10 Jahren bekommen wir die chronisch spontane Urtikaria damit sehr gut in den Griff.

Welche Informationen sind für eine rasche Diagnose der chronischen spontanen Urtikaria besonders hilfreich?

Welche Missverständnisse rund um Urtikaria begegnen Ihnen in der Praxis am häufigsten?

Dermatolog:innen können die Diagnose Urtikaria mit einem ausführlichen Patient:innengespräch und einem Sichtbefund zuverlässig stellen. Aber: Da die einzelnen Quaddeln

Häufig denken die Patient:innen, dass die Erkrankung durch Histamin, das sie über die Nahrung aufnehmen, verursacht oder gefördert wird. Das ist nicht der Fall – die Urtikaria

wird von jenem Histamin beeinflusst, das der Körper selbst freisetzt. Insofern haben spezielle Diäten, bei denen auf histaminarme Lebensmittel gesetzt wird, kaum bis keinen Effekt. Dasselbe gilt für Zucker und Gluten. Eine Ernährungsumstellung ist also nicht zielführend.

Warum sollten Betroffene nicht aufgeben? Wir arbeiten inzwischen mit standardisierten Fragebögen, mit deren Hilfe wir die Urtikaria im Rahmen der Verlaufskontrolle recht gut beurteilen können: Anhand des Ergebnisses können wir heute besser einschätzen, ob mit einem massiven Ausbruch der Erkrankung zu rechnen ist. Je nachdem, ob die Erkrankung aktuell als unkontrolliert, kontrolliert oder komplett erscheinungsfrei eingestuft wird, lässt sich die Therapie anpassen. Diese Bewertung hilft den Betroffenen, denn sie nimmt die Sorge vor der großen Unbekannten: Wann kommt die nächste Quaddel?

KÖNNTE ICH AN CHRONISCHER SPONTANER URTIKARIA LEIDEN? Juckende Quaddeln oder plötzliche Hautreaktionen können sehr belastend sein. Mit den folgenden Fragen können Sie einschätzen, ob Hinweise auf eine Urtikaria vorliegen: • Haben Sie plötzlich juckende Quaddeln auf der Haut? • Verschwinden diese innerhalb von 24 Stunden wieder? • Treten die Quaddeln an wechselnden Stellen auf? • Haben Sie Schwellungen im Gesicht, an den Händen oder Füßen? • Treten Beschwerden ohne erkennbaren Auslöser auf? • Halten die Beschwerden länger als sechs Wochen an? • Beeinträchtigt der Juckreiz Ihren Schlaf oder Alltag? Hinweis: Dieser Selbsttest dient ausschließlich einer ersten Orientierung und ersetzt keine ärztliche Diagnose. Wenn Sie mehrere der genannten Fragen mit „Ja“ beantworten oder Ihre Beschwerden länger als sechs Wochen bestehen, wenden Sie sich bitte an eine Ärztin oder einen Arzt. Bei starken oder plötzlich auftretenden Schwellungen, insbesondere im Bereich von Mund, Zunge oder Hals, oder bei Atembeschwerden suchen Sie bitte umgehend medizinische Hilfe auf.

Welche Möglichkeiten haben Betroffene heute, ihre Erkrankung besser in den Griff zu bekommen? Je eher ärztlicher Rat gesucht wird, desto schneller kann die Therapie starten. Und die zeigt rasch Wirkung: Wir können die chronisch spontane Urtikaria zwar noch nicht heilen, aber die Krankheitsaktivität effektiv unterdrücken – ohne nennenswerte Nebenwirkungen.

MEHR ÜBER CSU ERFAHREN Informationen und Symptomtagebuch unter skintolivein.at/urtikaria 08/26 FA-11777392

Novartis FA-11797792 09/2026

Dr.in med. univ. Cornelia Gattringer, Fachärztin für Haut- und Geschlechtskrankheiten und Leitende Oberärztin am A.ö. Landeskrankenhaus (Univ.-Kliniken) Innsbruck, erklärt, was Urtikaria ist, wie sich die akute von der chronischen Form der Hautkrankheit unterscheidet und wie sich auch die chronische spontane Urtikaria mit moderner systemischer Stufentherapie in den Griff bekommen lässt.


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„Eine chronische Erkrankung bedeutet nicht das Ende“ Eine chronische Erkrankung verändert vieles – gesundheitlich, beruflich und finanziell. Doch Betroffene müssen mit ihren Sorgen nicht allein bleiben. Mag. Jürgen E. Holzinger, Obmann und Geschäftsführer von ChronischKrank Österreich, setzt sich seit rund 16 Jahren für Menschen mit chronischen Erkrankungen ein. Im Interview spricht er über die Herausforderungen nach einer Diagnose, unsichtbare Erkrankungen und darüber, wie ein selbstbestimmtes und erfülltes Leben trotz chronischer Erkrankung möglich bleibt. FOTO : Z VG

Mag. Jürgen E. Holzinger Obmann & GF des Vereins ChronischKrank Österreich Fachk. Laienrichter am BVwG Wien & Linz

„Eine chronische Erkrankung bedeutet nicht das Ende“ Mag. Jürgen E. Holzinger, Obmann und Geschäftsführer von ChronischKrank Österreich, setzt sich seit rund 16 Jahren für Menschen mit chronischen Erkrankungen ein. Im Interview spricht er über die Herausforderungen nach einer Diagnose, unsichtbare Erkrankungen und darüber, wie ein selbstbestimmtes und erfülltes Leben trotz chronischer Erkrankung möglich bleibt.

Mit welchen Sorgen und Fragen kommen Menschen mit chronischen Erkrankungen zu Ihrem Verein? An den Verein ChronischKrank Österreich wenden sich Menschen mit den unterschiedlichsten Erkrankungen und zugleich mit den damit verbundenen Sorgen – das kann von einem Bandscheibenvorfall bis zu einer Krebserkrankung oder einer seltenen Erkrankung alles sein. Der Verein bietet hier seit rund 16 Jahren eine zentrale Anlaufstelle für ganz Österreich und ist zugleich eine Interessenvertretung rund um die Themen einer chronischen Erkrankung. Unsere Schwerpunkte liegen vor allem im rechtlichen Bereich: in Bezug darauf, welche Ansprüche geltend gemacht werden können, wenn man erkrankt ist. Als Beispiel gelten der Behindertenpass oder auch das Pflegegeld. Viele Betroffene wissen gar nicht, wie unser Sozialsystem funktioniert und was an Unterstützung möglich ist. Hier bieten wir Betroffenen kostenlose Beratungen und Vertretung vor allen Behörden.

Wann sollte man Beschwerden nicht mehr einfach als Stress oder vorübergehende Phase abtun? Eine chronische Erkrankung begleitet Betroffene zumeist ein Leben lang und zeigt sich in unterschiedlichen Formen, sowohl physischer als auch psychischer Natur. Wenn Beschwerden länger als ca. sechs Monate andauern und in Abständen immer wieder auftreten, so spricht man grundsätzlich von einer chronischen Erkrankung. Betroffene sind am Beginn einer Erkrankung häufig unsicher und so manches wird als ‚vorübergehender Stress‘ oder ‚Phase‘ heruntergespielt. Doch genau in einer solchen Situation ist es wichtig, Beschwerden ernst zu nehmen und medizinisch abklären zu lassen. Vielleicht lässt sich dadurch verhindern, dass sich die Erkrankung chronifiziert.

Was macht die Angst vor einer Diagnose mit Betroffenen? Was würden Sie Menschen sagen, die Angst haben, nicht ernst genommen zu werden? Es dauert zumeist längere Zeit, bis bei einer chronischen Erkrankung die richtige Diagnose gestellt wird. Gerade die Ungewissheit ist für viele Betroffene beinahe unerträglich. Zur

Angst vor der Diagnose tragen häufig mehrere Themen bei, allen voran die Fragen: Wie verändert die Erkrankung mein bisheriges Leben? Gibt es mehrere Einschränkungen? Wie gestalten sich dahingehend meine Zukunft und zugleich mein soziales Umfeld?

Was verändert sich im Leben eines Menschen, wenn aus Beschwerden plötzlich eine chronische Diagnose wird? Eine chronische Erkrankung verändert ein Leben in verschiedenen Bereichen. Angefangen beim privaten und auch beruflichen Umfeld bedarf es zumeist einer gewissen Anpassung oder auch Rücksichtnahme auf die Erkrankung. Das kann für so manche:n Betroffene:n eine berufliche Veränderung oder komplette Neuausrichtung bedeuten. Gerade was die Berufsunfähigkeit angeht, haben wir in Österreich massive Probleme mit den zuständigen Sozialversicherungsträgern – viele chronisch Kranke landen schlussendlich im Sozialsystem. Im privaten Bereich ist neben der eigenen Anpassung auch das soziale Umfeld mit der Veränderung konfrontiert. Darüber hinaus entsteht eine finanzielle Mehrbelastung, die eine chronische Erkrankung mit sich bringt. Betroffene haben hier häufig massive Probleme und zugleich ein sehr großes Schamgefühl davor, um Unterstützung anzusuchen. Mit einer chronischen Erkrankung geht zumeist eine höhere Inanspruchnahme des Gesundheitssystems einher.

Wie geht man damit um, wenn die eigene Erkrankung und Beschwerden nach außen nicht sichtbar sind? Nicht jede chronische Erkrankung oder auch Behinderung ist sofort sichtbar. Dies hat sowohl Vor- als auch Nachteile. Gerade in unserer Gesellschaft wird viel geurteilt und so kann es vorkommen, dass jemand nach außen hin gesund wirkt und doch schwer krank ist. Dies führt zum Teil so weit, dass Betroffene auf einem Behindertenparkplatz mit Behindertenausweis parken – ohne Rollstuhl z. B. aber von Passant:innen beleidigt werden. Es ist daher wichtig, sich bewusst zu machen, dass nicht jede Erkrankung für andere sichtbar ist und diese Menschen aus Unwissenheit agieren – man sich als Betroffene:r aber auch nicht rechtfertigen muss. Gleichzeitig kann es helfen, das eigene Umfeld über die Erkrankung und ihre Auswirkungen aufzuklären und offen anzusprechen, wenn bestimmte Situationen besondere Rücksicht erfordern. Gerade im öffentlichen Raum braucht es auf jeden Fall auch mehr Bewusstsein dafür, dass Menschen unterschiedlich stark beeinträchtigt sein können, ohne dass dies auf den ersten Blick erkennbar ist.

Woran merken Betroffene, dass sie die Erkrankung nicht mehr alleine bewältigen können und Unterstützung brauchen? Eine chronische Erkrankung bringt mit sich, dass man über kurz oder lang auf Unterstützung angewiesen ist. Sowohl aus medizinischer als auch aus Pflege-Sicht kommen nach und nach mehr Bereiche auf, die alleine nur eingeschränkt oder gar nicht mehr bewältigbar sind. Auch die engsten Vertrauten können der Hinweis sein, sich Hilfe zu holen. Diese Einsicht ist für Betroffene häufig mental schwierig, da sie bedeutet: ‚Ich schaffe das nicht mehr allein‘.

Was wird über chronische Erkrankungen zu selten ausgesprochen und was sollten Betroffene und Angehörige unbedingt wissen? Eine chronische Erkrankung kann uns alle treffen – sie bedeutet aber nicht das Ende, sondern kann zugleich auch als Chance gesehen werden. Ich selbst habe mir aufgrund meiner chronischen Erkrankung ein völlig neues Leben aufgebaut und zudem den Verein ChronischKrank Österreich gegründet. Wichtig sind hierbei vor allem die psychische Stärke auf der einen Seite und die finanzielle Absicherung auf der anderen. Gerade was die Berufsunfähigkeit anbelangt, wissen beispielsweise viele nicht, dass eine private Absicherung möglich wäre. Hinzu kommt, dass es bei einer chronischen Erkrankung auch um den Erhalt von Lebensqualität geht. Ein gutes Krankheits-Management ist daher essenziell: das Zusammenwirken aus behandelnden Ärzt:innen, Therapeut:innen, Pflegekräften und vielen mehr. So kann ein erfülltes Leben auch mit einer chronischen Erkrankung gelingen.

Was wünschen Sie sich von unserem Gesundheitssystem und der Politik? Welche Botschaft möchten Sie allen Menschen mitgeben, die gerade einen besonders schweren Tag haben? Ich wünsche mir, dass die Sichtbarkeit für chronische Erkrankungen in der Gesellschaft forciert wird, Betroffene mehr Unterstützung und Hilfestellungen bekommen – und sie vor allem nicht als ‚Bittsteller:innen‘ gesehen werden. Vonseiten der Politik gibt es jede Menge Herausforderungen, angefangen bei der Berufsunfähigkeit und Pflege bis hin zu den langen Wartezeiten bei Fachärzt:innen und Spitalsbehandlungen. Auch das erwähnte Krankheitsmanagement müsste im österreichischen Gesundheitssystem noch weitgehend ausgebaut werden. Jenen Menschen, die gerade eine besonders schwierige Zeit durchleben, kann ich aus eigener Erfahrung sagen, dass auch mit einer chronischen Erkrankung ein erfülltes und glückliches Leben möglich ist.

Hier erfahren Sie mehr über den Verein ChronischKrank® Österreich: www.chronischkrank.at


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Entgeltliche Einschaltung FOTO : R A L P H DA R A B O S / H ER Z-J ES U K R A N K EN H AU S

Prim. Dr. Manfred Greher im Gespräch mit Hermann A.

Das Therapiezentrum chronischer Schmerz (TCS) im Rabenhof behandelt Menschen mit chronischen Schmerzen.

Wenn der Schmerz zum Dauerzustand wird Ein schmerzendes Knie nach einer Verletzung, Rückenschmerzen nach falscher Belastung: Akuter Schmerz warnt den Körper und hilft, Schäden zu erkennen. Bei chronischen, langanhaltenden Schmerzen ist das anders. So erging es auch Hermann A. Der Pensionist leidet seit rund 20 Jahren an Trigeminusneuralgie, einer Erkrankung, die starke, meist einseitige Gesichtsschmerzen auslöst. Wenn Schmerz seine Warnfunktion verliert

FOTO : F EL I C I TAS M AT ER N

Prim. Dr. Manfred Greher, MBA Ärztlicher Direktor des Herz-Jesu Krankenhauses in Wien. Er ist Vorstand der Abteilung für Anästhesie, Intensivmedizin und Schmerztherapie und leitet das neue Therapiezentrum Chronischer Schmerz (TCS) im Rabenhof.

Chronischer Schmerz entsteht durch ein Zusammenspiel körperlicher, seelischer und sozialer Faktoren. Zu den häufigsten Auslösern zählen Erkrankungen der Wirbelsäule und Gelenke, Nervenschädigungen sowie Schmerzen nach Operationen und Unfällen. Auch Stress und zu wenig Bewegung können dazu beitragen, dass Schmerzen chronisch werden. Bleiben Beschwerden über drei bis sechs Monate bestehen, wird der Schmerz selbst zur Erkrankung. „Schmerzreize werden verstärkt wahrgenommen und gespeichert. Das Nervensystem gewöhnt sich regelrecht daran. Vereinfacht spricht man vom Schmerzgedächtnis“, erklärt Manfred Greher, Ärztlicher Direktor und Vorstand der Abteilung für Anästhesie, Intensivmedizin und Schmerztherapie im Herz-Jesu-Krankenhaus Wien. Im Therapiezentrum chronischer Schmerz (TCS) im Rabenhof, einer ambulanten Versorgungseinheit des Herz-Jesu-Krankenhauses, steht deshalb der Mensch mit seiner gesamten Schmerzgeschichte im Mittelpunkt. „Anhaltende Schmerzen betreffen immer den ganzen Menschen und nicht nur ein einzelnes Organ oder Körperteil“, sagt Greher, der das TCS leitet.

Eine Einrichtung, die es in dieser Form noch nicht gab In Österreich leben rund 1,5 Millionen Menschen mit chronischen Schmerzen. Ohne ein spezialisiertes Zentrum warten Betroffene in Wien oft mehr als zwei Jahre auf eine passende Therapie – mit spürbaren Folgen für Beruf, Familie und Lebensqualität. Das TCS im Rabenhof schließt diese Lücke. Seit der Eröffnung im November 2025 läuft das Zentrum zunächst als zweijähriges Pilotprojekt,

Alles unter einem Dach Ärztinnen und Ärzte, diplomierte Gesundheits- und Krankenpflegepersonen, Psychologinnen und Psychologen, Diätologinnen und Diätologen sowie Physio- und Ergotherapeutinnen und -therapeuten arbeiten im TCS eng zusammen. Zu Beginn steht ein ausführliches Gespräch, bei dem sämtliche Vorbefunde und bisherige Therapien besprochen werden. Für die ärztliche und psychologische Erstuntersuchung sind rund zwei Stunden vorgesehen. „Diese Zeit brauchen wir, weil chronische Schmerzen komplex sind – und eine sorgfältige Abklärung die Basis für eine wirksame Behandlung ist“, sagt Greher. Gemeinsam entwickeln die Spezialistinnen und Spezialisten daraus einen individuell abgestimmten Therapieplan, der im Verlauf der Behandlung laufend angepasst wird.

Ganzheitlicher Ansatz Die multimodale Schmerztherapie besteht aus mehreren Bausteinen, die sich gegenseitig ergänzen: Neben medizinischer Behandlung und psychologischer Betreuung zählen dazu Physiotherapie, gezielte Bewegung, Entspannungsübungen, Biofeedback, Akupunktur, Ernährungsberatung sowie Virtual-RealityTherapien – ein noch junger, vielversprechender Ansatz in der Schmerzbehandlung. Medikamente bleiben wichtig, reichen allein aber häufig nicht aus. FOTO S : DAV I D B O H M A N N / H ER Z-J ES U K R A N K EN H AU S

Das Biofeedback-Verfahren hilft auf Signale des Körpers zu achten, um bestimmte biologische Körperfunktionen besser zu beeinflussen.

finanziert von Sozialversicherung und Stadt Wien. „Wir bieten multiprofessionelle Schmerzmedizin auf e-Card“, erklärt Greher – das heißt, hier arbeiten mehrere unterschiedliche Berufsgruppen eng zusammen. Termine gibt es rund um die Uhr über die Gesundheitshotline 1450.

Wer Schmerzen hat, neigt verständlicherweise dazu, sich zu schonen – auf Dauer schwächt das aber die Muskeln und verstärkt die Beschwerden. Deshalb arbeitet das Team Schritt für Schritt daran, Bewegung wieder in den Alltag zu bringen. „Je länger der chronische Schmerz besteht und je komplexer er ist, desto wichtiger ist es zu erkennen, dass Betrof-

DAS THERAPIEZENTRUM CHRONISCHER SCHMERZ IM RABENHOF • Ambulantes Therapiezentrum für Menschen mit chronischen Schmerzen • Fächerübergreifende, ambulante Betreuung • Multiprofessionelles Team • Multimodale Therapie aus Physiotherapie, Entspannungsverfahren, Biofeedback, Akupunktur, Ernährungsberatung, Virtual-Reality-Therapie • Behandlung auf e-Card • Terminbuchung rund um die Uhr über die Gesundheitshotline 1450 oder tcs-wien.at

fene selbst wesentlich dazu beitragen können, wie es ihnen geht“, sagt Greher. Auch Hermann A. profitierte davon: Durch Biofeedback und autogenes Training bekam er wirksame Werkzeuge an die Hand, um im Alltag besser mit seinen Schmerzen umzugehen und seine Lebensqualität spürbar zu verbessern. Ganz schmerzfrei zu werden gelingt nicht immer – auch für Hermann A. (noch) nicht. Dennoch waren die Angebote des TCS für ihn eine große Hilfe. „Unser Ziel ist eine deutliche Schmerzreduktion, bessere Alltagsbewältigung und mehr Lebensqualität: selbstbestimmt statt schmerzbestimmt zu leben“, bringt es Greher auf den Punkt. „Unsere Patientinnen und Patienten sind ihrem Schmerz nicht mehr ausgeliefert.“ Das TCS im Rabenhof versteht sich als wichtiger Begleiter auf diesem Weg.

Therapiezentrum chronischer Schmerz im Rabenhof Adresse: Rabengasse 8, 1030 Wien

Im Therapiezentrum chronischer Schmerz (TCS) im Rabenhof arbeitet ein Team fächerübergreifend für Ihren Behandlungserfolg zusammen.


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