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Römisches Martignach

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Rue d’Octodure

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Rue du Forum

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FONDATION PIERRE GIANADDA

CERM / EXPO

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MARTINACH

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Rue du Levant

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BARRYLAND

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E I N S T Ü C K G ES C H I C H T E Martinach geht im Herbst 57 v. Chr. anlässlich der Eroberung Galliens durch Julius Cäsar in die Geschichte ein. In seinem Werk « Der gallische Krieg » rechtfertigt der römische General den Angriff auf Octodurus, eine gallische Siedlung auf dem Weg zum Grossen Sankt Bernhard, mit einer für die Kaufleute zu gefährlichen Passüberquerung und zu hohen Zöllen. Tatsächlich will Cäsar jedoch einen der direktesten Verbindungsstrassen zwischen Italien und Gallien kontrollieren. Der Bericht Cäsars gibt Aufschluss über die Ereignisse, die zum Angriff einer Legion auf die Verarger, die Einwohner von Octodurus, welche von den Sedunern aus dem Zentralwallis unterstützt wurden, führte. Die römischen Truppen gingen siegreich aus der Schlacht hervor und steckten Octodurus in Brand. Da sie geschwächt waren, entschieden sie sich jedoch zu einem Rückzug, um ihr Winterlager an einem sicheren Ort aufzuschlagen. Nach ihrem Abzug wurde die gallische Siedlung mit Sicherheit wiederaufgebaut. Einige Zeit später, zwischen 50 und 15 v. Chr., wurde das Wallis unter noch schlecht bekannten Umständen endgültig in das Römische Reich eingegliedert.

Ein Rundgang zu den römischen Bauten von Martinach (Forum Claudii Vallensium) Im Zuge der Eroberung Grossbritanniens ordnet Kaiser Claudius (41-54 n. Chr.) die Gründung einer neuen Stadt am Fuss des Grossen Sankt Bernhards an ; abseits von Octodurus, dessen genaue Lage bislang nicht bestimmt werden konnte. Diese Stadt erhält den Namen Forum Claudii Vallensium – Marktplatz des Claudius im Land der Walliser – und wird zum Hauptort der Vallis Poenina, welche in etwa dem heutigen Wallis und dem Waadtländer Chablais entspricht. Zusammen mit dem Tal der Tarentaise auf der anderen Seite der Alpen wird die Provinz Alpes Graiae et Poeninae zeitweilig von einem kaiserlichen Statthalter verwaltet, der in Martinach eine Residenz hat. Als Sitz der kaiserlichen und städtischen Verwaltung ist die Stadt ein wichtiger Stützpunkt und Marktort auf dem Weg zum Pass. Ihre Blütezeit reicht bis in das 4. Jh. und sie wird aus verschiedenen Gründen (wirtschaftlicher Rückgang, Unsicherheit der Verkehrswege, Gefahr von Barbareneinfällen) zwischen 350 und 400 n. Chr. nach und nach aufgegeben. Das religiöse, politische und wirtschaftliche Zentrum verlagert sich daraufhin in den Bereich um den ersten christlichen Sakralbau, der an der Stelle der heutigen Pfarrkirche stand. Dieser wird rasch in eine Kirche umgebaut. 381 wird Theodorus von Sitten als erster bekannter Bischof von Octodurus erwähnt. Noch vor 585 wird der Bischofssitz nach Sitten verlegt, wo er aufgrund der zentraleren Lage im Rhonetal leichter verteidigt werden konnte. Martinach hingegen verdankte seine Stellung als Hauptort des römischen Wallis der internationalen Verbindungsstrasse, die über den Grossen Sankt Bernhard führte und blieb während des grössten Teils seiner Existenz eine unbefestigte, offene Ansiedlung.

Unter der heutigen Pfarrkirche Notre-Dame-des-Champs können die archäologischen Zeugnisse in einer Krypta bei Führungen besichtigt werden. Das älteste an dieser Stelle entdeckte Gebäude datiert in die Römerzeit (1. Jh. n. Chr.). Seine genaue Funktion ist unbekannt, aber die Baureste zeigen, dass es zwischen dem 2. und dem 4. Jh. mehrfach umgestaltet wurde. Insbesondere wurden beheizbare Räume hinzugefügt, welche einen für diese Zeit nicht zu unterschätzenden Komfort boten .

Die frühchristliche Kirche und ihr Baptisterium

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Der erste – als solcher erkennbare – christliche Sakralbau datiert in die 2. Hälfte des 4. Jh. Sein Chor wurde durch eine Apsis gebildet, welche an ein bestehendes Gebäude angebaut worden war. Vor Ende desselben Jahrhunderts wurde der Bau mit einem ersten Taufbecken ausgestattet und durch einen grossen, quadratischen Anbau erweitert, bei welchem es sich um eine Vorhalle (Narthex) handelt. Der Gebäudekomplex wird als der früheste Kirchenbau des Wallis interpretiert ! Mit Ausnahme des Baptisteriums wurde dieser Bau zwischen dem 5. und der ersten Hälfte des 6. Jh. durch einen Brand vollständig zerstört. Er wurde anschliessend als Doppelkirche wiederaufgebaut und bis zum 8.-9. Jh. mehrfach umgestaltet. In den nachfolgenden 300 Jahren bestand nur eine Hälfte dieser Doppelkirche fort. Sie erfuhr zahlreiche Umbauten, unter anderem den Anbau eines ersten Glockenturms. Die Arbeiten zum Bau einer neuen Kirche setzten in der zweiten Hälfte des 12. Jh. ein, wurden aber aus einem unbekannten Grund kurze Zeit später unterbrochen. Allein ein zweischiffiger, unregelmässiger Sakralbau, der die Hauptapsis des Vorgängerbaus beibehält, wurde umgesetzt. Im 13. Jh. wurde ein neuer Chor mit einem Lettner hinzugefügt. Das Gebäude wurde bis 1670, als mit dem Bau der heutigen, dreischiffigen Barockbasilika begonnen wurde, mehrfach umgestaltet.

Die frühchristlichen Kirchenbauten während der Ausgrabung © Grabungsbüro Hans-Jörg Lehner, Sitten

Im Untergrund der heutigen Stadt Martinach liegen zahlreiche Baureste, die regelmässig bei Bauarbeiten zu Tage treten. Dies war auch 1975 der Fall, als die öffentlichen Thermen an der Stelle, an der eine neue Feuerwehrkaserne gebaut werden sollte, freigelegt wurden. Angesichts der Bedeutung der Entdeckung gab die Stadtverwaltung das Projekt auf und das Gelände wurde von der Schweizerischen Eidgenossenschaft erworben, ebenso wie das benachbarte Stadium, unter welchem das Forum der antiken Stadt liegt. Die Dichte der Zeugnisse in diesem Bereich der Stadt rechtfertigte die Einrichtung eines archäologischen Rundgangs. Die Thermen, eine römische Badeanlage, sind das erste Highlight : Hier sind eine grosse Hypokaustanlage – ein ausgeklügeltes Bodenheizungssystem – ein Heizraum sowie Latrinen zu sehen. Der Thermenkomplex wird zum Teil von der heutigen Eishalle überlagert ; hier befand sich das Kaldarium, der Heissbaderaum, dessen Fundamente besonders gut erhalten sind.

Rekonstruktion der Latrinenanlage der öffentlichen Bäder © KAA / G. Vionnet

Im Herzen der römischen Stadt : der archäologische Rundgang

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Weitere Zeugnisse wurden in der Nähe entdeckt : eine 15 m breite, römische Strasse (rue de la Basilique), unter der ein imposanter, überwölbter Abwasserkanal verläuft. Beidseits dieser Strasse standen private Gebäude (Läden oder Wohnhäuser) und insbesondere eine Domus, ein Stadtvilla, von der derzeit mehrere Räume sichtbar sind. Die Domus setzt sich unter der Eishalle fort und bei Führungen kann ihr Keller besichtigt werden. Der archäologische Rundgang führt den Besucher in das Herz der antiken Stadt und gibt einen Einblick in ein römisches Stadtviertel mit seinen Läden, Häusern, öffentlichen Anlagen, etc. In der Nähe sind unter dem Wohnblock « Villa Minerva » die Überreste der imposanten Domus Minerva, dem Wohnhaus einer hochgestellten Persönlichkeit der Stadt, erhalten und können bei Führungen besichtigt werden. Becken des Kaldariums, der Heissbaderaum der Thermen © KAA

Die Domus des Hausgeistes (Domus du Génie domestique) verdankt ihren Namen einer 1993 entdeckten Bronzestatuette, die eine Schutzgottheit der Familie darstellt. Das Gebäude vereint auf einer Fläche von mehr als 600 m2 alle Bestandteile eines luxuriösen Wohnhauses. Diese zu Beginn des 2. Jh. n. Chr. erbaute Domus erfreute sich einer privilegierten Lage im Stadtzentrum gegenüber dem Forum.

Rekonstruktionsvorschlag für die Domus des Hausgeistes (Domus du Génie domestique)

© KAA / C. E. Bettex

Die Bestandteile der Domus und ihre Anordnung sind für römische Häuser charakteristisch. Die Räume sind beidseits eines mit einem Säulengang (Peristyl) umgebenen Lustgartens angeordnet, dem zentralen Raum der römischen Privatarchitektur. Neben dem Eingang befinden sich die privaten Thermen mit einem Betriebsraum, einem Heizofen, einem Umkleideraum, einem Becken, einem Heiss- und einem Kaltbad. Ein Raum ist direkt von der Strasse aus zugänglich und nicht mit dem restlichen Gebäude verbunden : Es handelt sich um einen Laden, der an einen Handwerker oder Kaufmann vermietet worden war.

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Die Residenz einer hochgestellten Persönlichkeit : die Domus des Hausgeistes Hinter dem Lustgarten befindet sich der Speisesaal (Triclinium) mit einer zum Peristyl offenen, breiten Fensteröffnung. Hier liegen auch die privaten Räume : ein Zimmer, die Küche, Latrinen sowie ein kleiner Gang, der zum Obst- und Gemüsegarten führte. Bislang wurden solche Peristylhäuser ausschliesslich in den vornehmen Vierteln der Stadt in der Nähe des Forums identifiziert.

Bronzestatuette, die einen Hausschutzgeist darstellt © KAA

Der dreidimensionale Rekonstruktionsvorschlag stattet die Domus mit einer oberen Etage aus, deren Existenz jedoch nicht sicher nachgewiesen ist.

1 Frühchristliche Kirche Tempel Domus Minerva INSULA 11

INSULA 13

INSULA 16

INSULA 14

Basilika

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INSULA 1

Mithräum

Thermen INSULA 2

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Thermen Einheimisches Heiligtum Temenos Thermen

Amphitheater

INSULA 15

INSULA 12

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Tempel

Tempel INSULA 6

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Tempel INSULA 17

FORUM INSULA 4

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Domus des Hausgeistes INSULA 18

INSULA 9

INSULA 8

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Römisches Martignach by Martigny & Région - Issuu