Samstag, 22. Februar 2014 / Nr. 44
Wirtschaft
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NachrichteN Neuer Partner bei der Herzog AG Luzern red. Die seit über 25 Jah ren in Kriens ansässige Herzog AG Wirtschaftsberatung und Treuhand hat ihr Füh rungsteam er weitert. Norbert Heer (Bild) wur de im Zuge der Nachfolgepla nung als Partner in den Aktio närskreis aufge nommen. Der 43jährige Fach mann im Finanz und Rechnungs wesen mit eidg. FA aus Kriens ist neues Mitglied der Geschäftslei tung. Neben Gründer und Ge schäftsführer Hugo Herzog sind Thomas Herzog und Martin Keller die weiteren Partner und Mit glieder der Geschäftsleitung.
Erfolg für Migros Pensionskasse zürich red. Die MigrosPensions kasse (MPK) erzielte im Geschäfts jahr 2013 eine gute Performance von 8,4 Prozent. Der Deckungsgrad liege bei 116,9 Prozent. Die MPK erzielte dank einem guten Börsen jahr diese gute Performance, wo mit sie im Vergleich zu dem vom Schweizerischen Pensionskassen verband Asip prognostizierten Schnitt von 6,2 Prozent deutlich besser abgeschnitten hat. Der Er tragsüberschuss von 350,9 Millio nen Franken wurde für die Aufsto ckung der Reserve verwendet. Das Gesamtvermögen der MPK beläuft sich auf 19,9 Milliarden Franken.
heizÖLPreiSe Richtpreise in Franken (inkl. Mehrwertsteuer) für die stadt Luzern (übrige Gebiete je nach Transportkosten) Preis 100 Liter 21. 2. 2014 Vortag 800 – 1500
116.30
116.00
1501 – 2000
113.60
113.30
2001 – 3500
109.10
108.80
3501 – 6000
106.50
106.20
6001 – 9000
105.00
104.70
9001 – 14 000
102.00
101.70
Quelle: Swiss Oil Zentralschweiz
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«Deal positiv für Datensicherheit» Medien Die Übernahme des SMS-Dienstes WhatsApp beunruhigt Datenschützer. Social-Media-Experte Manuel Nappo erklärt, warum WhatsApp so teuer war und warum Facebook Daten braucht.
riert, nutzen will, um noch besser mass geschneiderte Werbung zu platzieren. Aber genau wurde das nicht kommuni ziert in diesem Deal. Ich denke, es wird nicht anders laufen als bisher. Zehn Jahre nach der Gründung kämpft Facebook mit einer Umwälzung im Nutzerverhalten. Ist Facebook in der Krise? Nappo: Ich glaube eher, Facebook wird erwachsen. Das Produkt ist für die Jungen nicht mehr so sexy, deshalb gehen sie zu Instagram oder Snapchat, wo kurze Videos versendet werden können, die sich nach dem Ansehen selbst zerstören. Facebook ist und bleibt aber für Leute ab 30 das genialste Mittel, um in Kontakt zu bleiben, aber für die Jungen ist es Zeit für etwas Neues. Das liegt in der Natur der Jugend.
INtErvIEW BErNArD MArkS bernard.marks@luzernerzeitung.ch
Manuel Nappo, die Übernahme von WhatsApp durch Facebook ist zurzeit in aller Munde. Vor allem über den Kaufpreis von 19 Milliarden Dollar wird diskutiert. Ein Drittel der Barbestände und 8 Prozent seiner Aktien gibt Facebook auf. Warum war WhatsApp so teuer? Manuel Nappo*: Der Preis von 19 Mil liarden Dollar ist nur sehr schwer zu begründen. Denn WhatsApp ist ja kein börsenkotiertes Unternehmen, bei dem der Wert klar ersichtlich wäre. Die Whats AppGründer hatten eine gute Verhand lungsposition. In nur wenigen Jahren hat es WhatsApp auf 500 Millionen Nutzer gebracht. Ein rasantes Wachstum, das seinesgleichen sucht. Offenbar wars Face book diesen Preis wert. Man muss das zwar etwas relativieren, denn Facebook zahlt nur 4 Milliarden Dollar in bar, der Rest wird in Aktien ausgezahlt. Ich glau be aber, es geht Facebook nicht darum, das Geld jemals wieder hereinzuholen. Was war Ihrer Meinung nach dann der Grund für eine so teure Übernahme? Nappo: Sicher wollte Facebook ein Zei chen setzen. Wer solche Deals macht, versucht eine öffentliche Wirkung zu erzielen. Facebook will damit signalisie ren, dass das Unternehmen jetzt mit den grossen Playern wie Microsoft, Google oder Apple mithalten kann. Das wurde bei Facebook in der Vergangenheit oft in Frage gestellt. Was macht WhatsApp für Facebook so interessant? Nappo: Das ist die 19MilliardenDollar Frage. Ich denke, es sind drei Dinge: WhatsApp hat ein sehr einfaches und erfolgreiches Geschäftsmodell – und eine einfach aufgebaute App, die jeder Nutzer in jedem Alter bedienen kann. Das ist heute bei vielen technischen Produkten nicht der Fall. Davon können andere Firmen nur träumen. Ein weiterer Grund: WhatsApp funktioniert nur mobil. Face
Der Zusammenschluss von Facebook und WhatsApp verunsichert viele Nutzer. EQ Images/Bernd Feil
WhatsApp ist vor allem in Europa ein Renner. In den USA zum Beispiel wird der SMS-Dienst hingegen deutlich weniger genutzt. Will Facebook in den USA wachsen? Nappo: In den USA ist WhatApp auf gleicher Höhe wie Facebook mit seinem Messenger. Hier liegt grosses Wachstums potenzial für WhatsApp. Ich denke, Face book hat kein Interesse daran, alle Angebote und Firmen unter einem Dach zu verschmelzen. Facebook wird zu einer Holding für Social Media werden und verschiedene Plattformen anbieten.
die technisch nicht ausgereift ist, werde Facebook die Daten der WhatsApp-Nutzer für kommerzielle Zwecke ausbeuten. Sie empfehlen daher bereits, beide Apps zu boykottieren. Macht Ihnen die Konzentration der Datenmacht Sorge? Nappo: Die Konzentration von Daten ist sicher ein Thema, das man anschauen muss. Da ist die Politik gefragt. Ich den ke, das muss auf gesetzlicher Ebene ge regelt werden. Aber punkto Datensicher heit ist mir ein börsenkotiertes Unter nehmen lieber als eine Briefkastenfirma, der man nicht auf die Finger schauen kann. Facebook kann es sich nicht leisten, dass Daten veruntreut werden. Immerhin will Facebook mit Werbung Geld verdie nen. Dafür müssen auch die Nutzer mit spielen. Und die springen schnell ab, wenn etwas schiefläuft. Für die Sicherheit der Daten ist der Deal daher positiv. Um die Sicherheitslücken zu schliessen, die WhatsApp hat, ist jetzt auch genügend Kleingeld vorhanden.
Die WhatsApp-Übernahme durch Facebook hat Europas Verbraucherschützer aufgeschreckt. Während WhatsApp eine «Datenschleuder» sei,
Was wird Facebook mit den vielen WhatsApp-Daten machen? Nappo: Man munkelt, dass Facebook die Lokalisierungsdaten, die WhatsApp gene
book braucht jedoch genau die Leute, die das mobile Geschäft verstehen. Denn hier spielt in Zukunft die Musik. Den rasanten Wettbewerb werden in den kommenden Jahren nur solche Unternehmen gewin nen, welche die mobile Technik beherr schen. Mobile Technik zu beherrschen, ist heute eine Kunst. Zudem hat sich Facebook WhatsApp einfach geschnappt, damit es kein anderer macht.
Viele sagen, Facebook versuche seine Nutzer mit gezielter Werbung zu manipulieren. Nappo: Manipulieren ist das falsche Wort. Facebook will seinen Werbekunden eine klare Struktur der Nutzerschaft geben. Je mehr Informationen über den Nutzer vorhanden sind, desto besser. Auf diese Weise kann Facebook gute Werbung an die Nutzer senden. Denn eigentlich hat ja niemand etwas gegen Werbung. Wer bung, die irrelevant ist, nervt die Leute. Wenn Dinge beworben werden, die die Menschen interessieren, stört das hin gegen nicht. Dafür ist es wichtig, viele Daten nutzen zu können. Würden Sie Ihren Kindern unter diesen Voraussetzungen heute also trotzdem noch empfehlen, ein Nutzerprofil auf Facebook zu erstellen? Nappo: Empfehlen nicht unbedingt. Ich würde es aber nicht verhindern, wenn mein Sohn ein FacebookProfil haben möchte. Ich finde, die Kinder sollten die Möglichkeit bekommen, selber herauszu finden, was sie möchten. Bevor sie 14jäh rig sind, sollten Kinder meiner Meinung nach aber keine FacebookProfile haben, diese halte ich nicht für sinnvoll. Wichtig finde ich, dass sich vor allem die Eltern mit der neuen Welt der sozialen Netz werke auseinandersetzen und verstehen lernen, warum das Thema für Jugendliche heute so wichtig ist. HinWeis * Manuel nappo (42) ist Leiter der Fachstelle social Media an der HWZ Hochschule für Wirtschaft in Zürich.
Perlensuche bei ausserbörslich gehandelten Aktien
W
enn Anleger in Schweizer Aktien investieren wollen, denken sie in erster Linie an die zweihundertfünfzig an der Schweizer Börse oder der Berner Börse kotierten Unternehmen. Was sie sich wohl zu wenig bewusst sind: Aus serbörslich oder «over the counter» (OTC) ist der Kauf und Verkauf der Aktien von weiteren drei bis vierhun dert Unternehmen möglich. Darunter befinden sich Regionalbanken, Berg bahnen, Medienunternehmen und Energieversorger, aber auch Hotels, Bus betriebe und Industrieunternehmen. Die OTC-Plattform der Berner Kan tonalbank (www.otxx.ch) gibt Einblick in das breite Spektrum dieser ausser börslich gehandelten Aktien. Immerhin 48 der aufgeführten 315 Titel sind von Unternehmen mit Sitz in der Zentral schweiz. Viele der Aktien sind Lieb haberwerte, die aus ideellen und we niger aus rein finanziellen Gründen gehalten werden. Entsprechend schüt ten schweizweit nur die Hälfte der Unternehmen Dividenden aus. Einige dieser Aktien haben sich für die An leger jedoch als wahre Perlen erwiesen. Ein Beispiel in der Zentralschweiz sind die Aktien der PilatusBahnen. Deren Wert hat sich in zehn Jahren fast ver vierfacht. Die Aktionäre konnten sich zudem jedes Jahr über Dividendenaus schüttungen und vergünstigte Fahr karten freuen. Weitere Aktien, die sich
als Finanzanlage gelohnt haben, sind jene der Wasserwerke Zug, der Clientis Entlebucher Bank, der Triba Partner Bank, der Auto AG Rothenburg, der LZ Medien Holding, der Kursaal Casino AG Luzern, der Lurag in Neuenkirch, der GotthardRaststätte A 2, des Ferien und Sportzentrums HochYbrig oder der Konkordia AG, einer Immobilien
AUSSIChtEN gesellschaft. Bei diesen Firmen konnten die Aktionäre von jährlichen Dividen den profitieren, und die Werte der Aktien sind einigermassen stabil ge blieben oder gestiegen. Wie läuft der Handel auf dem Markt für nicht börsenkotierte Aktien? Kauf und Verkaufsaufträge können bei jeder Bank aufgegeben werden. Die Abwick lung erfolgt dann häufig über die OTC Plattform der Berner Kantonalbank, teilweise auch über die Zürcher Kan tonalbank oder die Lienhardt Privat bank. Bei diesen drei Banken findet man auf der Website Informationen über die aktuell gebotenen Geld und Briefkurse und über die letztmals be zahlten Preise. Auch wenn es interessante Perlen unter den ausserbörslichen Aktien gibt, muss man bei deren Kauf oder Verkauf die Tücken des Marktes beachten. Ein
erstes Problem des OTCHandels ist die fehlende Transparenz. Obwohl die Unternehmen Hunderte oder sogar Tausende Aktionäre haben, ist es manchmal schwierig, Informationen über ihren Geschäftsgang zu bekom men. Noch weniger erfährt man über die Aktionärsstruktur und die Corporate Governance. Also sollte man wohl nur Aktien von Unternehmen kaufen, mit denen man sich vertraut fühlt. Der wenig liquide Markt ist ein wei teres Problem. Selbst bei den gefrag testen Unternehmen werden auf der OTCPlattform der Berner Kantonal bank selten mehr als hundert Abschlüs se pro Jahr gezählt. Dies war zum Beispiel 2013 nur bei der KursaalCa sino Luzern (138) und den Wasser werken Zug (104) der Fall. Bei vielen Unternehmen gibt es nur alle paar Wochen oder sogar Monate eine Trans aktion. Und dann wechseln jeweils nur einzelne oder einige wenige Aktien die Hand. Somit muss man sich auf eine längere Wartezeit und Haltedauer ge fasst machen, wenn man ausserbörslich Aktien kaufen oder verkaufen will. Die gebotenen und bezahlten Prei se können im illiquiden Markt stark schwanken. Nicht selten liegen der Geldkurs (Preis, den der Käufer bietet) und der Briefkurs (Preis, den der Ver käufer will) weit auseinander. Die be zahlten Preise werden manchmal durch
Transaktionen mit einer einzigen oder mit wenigen Aktien bewegt. Deshalb sollten sich Käufer oder Verkäufer vor gängig auf den OTCPlattformen ein Bild über die Marktsituation machen. Und sie sollten nur limitierte Aufträge geben, das heisst, als Käufer einen Maximalpreis und als Verkäufer einen Minimalpreis festlegen. Schliesslich kann der Kauf oder Verkauf auf dem OTCMarkt recht teu er werden. Die Banken verlangen im Wertschriftenhandel Minimalcourta gen. Wenn nur einzelne Aktien gehan delt werden, führt dies zu hohen Trans aktionskosten. Ebenso kann es teuer werden, wenn ein Kaufauftrag für eine grössere Zahl von Aktien über mehrere Tage oder Wochen in kleinen Ein zeltransaktionen abgewickelt wird. Die Beispiele zeigen: Richtig gemacht, kann die Suche nach Perlen unter den ausserbörslich gehandelten Aktien für längerfristig denkende Anleger durchaus lohnens wert sein. Die Tücken des Marktes können allerdings auch für Überra schungen sorgen. ChrIStoPh LENgWILEr
Christoph Lengwiler (54) ist Professor und Leiter des instituts für Finanzdienstleistungen Zug (iFZ) der Hochschule Luzern – Wirtschaft. Links zu den erwähnten Banken: www.otc-x.ch, www. lienhardt.ch, www.zkb.ch