THEMEN 01|2020
SO N D ER AU SG AB E
Fragen & Fragmente » Resiliente Reaktion in der Krise »V irtuelles Führen: Wie man auch aus der Entfernung Nähe erzeugt » Mindful Leadership statt mehr desselben » Erfahrungen im virtuellen Seminarraum » Agile Steuerung in der Krise » P ersönliche Betrachtungen & Erfahrungen in außergewöhnlichen Zeiten
Entwicklungen inspirieren. Durchbrüche ermöglichen. Transformation gestalten.
EDITORIAL
Editorial Traditionell erhalten unsere Kundinnen und Kunden am 15. April die erste Ausgabe der Trigon Themen. Das soll auch dieses Jahr so sein. Aber dieses Jahr ist alles anders: Am 15. März, als unsere erste Ausgabe für 2020 fast fertiggestellt war und in die Produktion gehen sollte, wurde in Österreich aufgrund der Corona-Krise eine landesweite Ausgangssperre verhängt. Schulen, Hotels, Restaurants und Läden wurden geschlossen. Deutschland und die Schweiz folgten kurz darauf. In Europa sind die Grenzen dicht, viele Flughäfen geschlossen. Videokonferenzen, Webinare, Homeschooling und Homeoffice sind nun angesagt. In kürzester Zeit mussten wir vertraute Gewissheiten und Gewohnheiten aufgeben, auf fast alle sozialen Kontakte verzichten und im Denken, Fühlen, Wollen und Tun Neues ermöglichen. Das macht uns die Radikalität dieser Krise deutlich, zeigt aber auch, was nun alles möglich ist. So haben wir uns in der Redaktion kurzfristig entschieden, eine Sonderausgabe zu gestalten, die Sie zum gewohnten Zeitpunkt und zum ersten Mal in ausschließlich digitaler Form erhalten. Wir möchten diese Sonderausgabe dazu nutzen, gemeinsam mit Ihnen innezuhalten: unsere Beobachtungen der letzten Wochen zu teilen, Veränderungen und Entwicklungen gemeinsam zu reflektieren, Anregungen auszutauschen. Natürlich hatten wir auch Zweifel, ob unsere Gedanken zum Zeitpunkt des Erscheinens dieser Ausgabe noch aktuell und relevant sein werden. Aber zum einen haben wir uns bewusst Themen zugewandt, die keine „Eintagsfliegen“ sind und Unternehmen schon länger beschäftigen (und nun durch die Krise eine besondere Relevanz bekommen). Zum anderen befinden wir uns kollektiv in einer Phase des agilen „trial and error“Vorgehens. Nichts zu tun, aus Angst, Fehler zu machen, ist keine Option. In diesem Sinne wünschen wir Ihnen eine anregende Lektüre und freuen uns auf den Dialog mit Ihnen! Ihre Trigon Themen Redaktion Ingo Bieringer, Ingrid Kohlhofer, Werner Leeb, Susanne Skandera
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INHALT
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Resiliente Reaktion in der Krise
06
Virtuelles Führen: wie man auch aus der Entfernung Nähe erzeugt
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Mindful Leadership statt mehr desselben
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Erfahrungen im virtuellen Seminarraum
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Agile Steuerung in der Krise
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Persönliche Betrachtungen & Erfahrungen in außergewöhnlichen Zeiten
Literaturtipp
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Glasls Glosse
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Cartoon
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REAKTION IN DER KRISE
Resiliente Systeme sind in der Lage, externe Krisen zu meistern – sich erholen, lernen, Themen neu denken und damit den Blick auf neue Möglichkeiten zu öffnen. Organisationale Resilienz verlagert den Fokus von Wachstum und Effizienz auf notwendige Regeneration, Flexibilisierung und Belastbarkeit.
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ie Corona Krise kam nicht ohne Vorzeichen, trifft uns jedoch mit unerwarteter Härte. Wir sind mit Einschränkungen konfrontiert, die wir kaum denken konnten und wissen nicht, was uns noch erwarten wird. Doch sind Krisen Teil unserer Entwicklung. Die Resilienzforschung beschäftigt sich seit Jahrzehnten damit, was bei der Krisenbewältigung hilft und wie man sogar gestärkt aus Krisen hervorgehen kann – ganz persönlich und in Organisationen:
Abb. 1:
Resilienz stärkt im Umgang mit Krisensituationen
Vorsorge – Achtsamkeit - Schwache Signale erkennen - Fehler ernst nehmen - Umgang mit Störungen üben
Foto: © Johannes Puch
Resiliente Reaktion in der Krise
Foto: © Raimo R. Rumpler
THEMEN 01|2020
VON BRIGITTE HUEMER UND INGRID PREISSEGGER
Vorsorge und Achtsamkeit Jene, die in der Lage sind, erste Signale früh zu erkennen und entsprechend zu handeln, reduzieren die Heftigkeit der Krise. Umgang in der Krise Die Art und Weise WIE wir auf eine Krise reagieren, bestimmt stark, wie wir aus der Krise hervorgehen. Umso rascher wir in der Lage sind, uns aus der ersten Erstarrung zu lösen und stabilisierend zu wirken, desto eher erlangen wir Handlungsfähigkeit. Chancen erkennen und nutzen Wer auch in der Krise vorhandene Ressourcen flexibel und chancenorientiert nutzt, geht eher erfolgreich in die Zukunft. Jene, die in der Lage sind, radikal nicht mehr dienliches loszulassen, haben mehr freie Kräfte für neue Entwicklungen. Je früher wir akzeptieren, dass nach der Krise vieles nicht mehr so sein wird wie davor, desto lösungsorientierter und kreativer wird unser Handeln. Ein Blick auf die Grafik (Abb. 1) verdeutlicht, welches Potential im resilienten Agieren liegt:
Krise – Stabilisierung - Auf Krisenmodus umstellen - Klare Entscheidungen treffen - Transparente Kommunikation
Chancen für Innovation nutzen - Chancen erkennen - Aus Erfahrungen lernen - Innovieren INNOVATION
Schwache Signale
© Brigitte Huemer, Ingrid Preissegger
STABILISIERUNG Fehler
Kleine Störungen
SCHOCK, unerwartete Ereignisse
Rückkehr zum alten Niveau
ZUSAMMENBRUCH
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REAKTION IN DER KRISE
Blicken wir auf die aktuelle Situation, so waren die letzten Wochen davon geprägt, eine erste Stabilisierung und Beruhigung zu erreichen. Durch flexibles, übergreifendes Agieren und das Umschalten in den Krisenmodus – vom „Nulldefizit“ zu „Koste es was es wolle!“ um Leben zu schützen.
Ein Orientierungsrahmen und Fragen helfen, die nächsten Schritte festzumachen
Was jedoch auch deutlich wurde ist, dass es uns nicht gelungen ist, mit ausreichender Achtsamkeit Vorsorge zu treffen – von der Beschaffung von Schutzmasken bis zur Entkoppelung von globalen Abhängigkeiten.
Nun sind Menschen und Organisationen gefordert, mit den Folgen umzugehen. Es gibt deutliche Signale, Engpässe werden ausgeglichen und Chancen wahrgenommen: So erzeugt der Whiskyhersteller jetzt Desinfektionsmittel, die Autoindustrie produziert Beatmungsgeräte, arbeitslose Menschen werden zu Erntehelfern – Schritte, die dabei helfen, dass die Krise kein neues Eskalationsniveau erreicht, die auf den zweiten Blick auch Mindsets nachhaltig verändern werden und ganz neue Entwicklungen ermöglichen. Was aktuell besonders auffällt, sind zwei unterschiedliche Tempi in der Krisenbewältigung: • Menschen, die Leben retten, indem sie
operative Höchstleistungen erbringen: Arbeiten bis zur Leistungsgrenze - kaum Zeit für sich und die eigenen Familien, permanent der Ansteckungsgefahr ausgesetzt. Resilienz bedeutet für sie, trotzdem kurze Phasen der Erholung zu finden und für ein bestmögliches Maß an Schutz zu sorgen.
• Menschen, die Leben retten, indem sie
sich isolieren: Stillstand - Was tun? Auch hier ist Resilienz in besonderer Art gefragt – Zeit für sich, die Familie, aber auch Freiraum für Neues. Jetzt Gitarre spielen lernen? Oder, wie ein Industrieunternehmen, das über Videokonferenz-Workshops an der Reorganisation arbeitet und sich neu aufstellt - also in Zeiten des vermeintlichen Stillstands sich mit der Zukunft beschäftigt?
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Die Suche nach Antworten in der Krise: Orientierungsrahmen und Fragen können helfen ICH Perspektive Wie geht es mir persönlich? Was hilft mir, die aktuelle Situation zu akzeptieren? Was gibt mir Sinn und Balance? Wie kann ich meine Emotionen so steuern, dass ich das stabilisiere was möglich ist und mich flexibel für Neues öffne? Inwieweit gelingt es mir, mich nicht im „Schwarz-Weiß-Denken“ zu verlieren, sondern mit einer „sowohl-als-auch Perspektive“ zu Lösungen zu kommen? (Abb. 2) TEAM Perspektive Wesentlicher, zum Teil noch immer unterschätzter, Resilienzmotor sind divers zusammengesetzte Teams, die mit guter Dialogqualität zu raschen, tragfähigen Entscheidungen kommen. Gerade in Zeiten der Krise kann diese Kraft neu kultiviert und genutzt werden.
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Perspektive der Organisation In der Organisation selbst geht es darum, dezentrale Handlungsfähigkeit herzustellen und Stabilität und Reserven an systemkritischen Stellen zu entwickeln – das bedeutet auch loslassen und Abbau von Blockaden. Ein konstruktiver Umgang mit Fehlern, zu lernen und zu experimentieren ermöglicht den Blick in die Zukunft.
Foto: © shutterstock.com
Perspektive von Umfeld und Markt Intelligentes Vernetzen und Entwickeln von Szenarien hilft beim Blick aufs Umfeld. Hilfreich ist dabei, auch mit Blick auf gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklungen
schwache Signale früh wahrzunehmen, um schnell Vorsorge zu treffen, oder Chancen wahrzunehmen.
Je früher wir akzeptieren, dass nach der Krise vieles nicht mehr so sein wird wie davor, desto lösungsorientierter und kreativer wird unser Handeln
Unser Blick in die Zukunft Nach vorne schauen fällt uns nicht leicht in diesen Tagen. Von Mittelfriststrategien haben wir uns schon vor Corona zunehmend verabschiedet und gelernt, mit strategischen Stoßrichtungen und agiler Planung zu arbeiten. Doch diese Krise lehrt uns noch eine ganz andere Zeitlichkeit – „shut down“ innerhalb einer Woche. Krisenmodus eben, der unsere Resilienzkraft fordert. Auch hier können zwei Perspektiven Energie geben: Das „Was ist JETZT dran, also heute und in dieser Woche“, liegt auf der Hand. Die andere ist, ganz im Sinne von Horx Gegenwartsbewältigung durch Zukunftssprung: „Wenn die akute Krise bewältigt ist – wann immer das ist, was hat sich bewährt, was haben wir gelernt und neu entwickelt. Vieles und Nachhaltiges, da sind wir ganz sicher.
Quellen: Matthias Horx, 48 - Die Welt nach Corona, www.horx. com und www.zukunftsinstitut.de. Managing the Unexpected: Resilient Performance in an Age of Uncertainty Von Karl E. Weick (Autor), Kathleen M. Sutcliffe (Autor) 2015
ICH
PERSPEKTIVE
Abb. 2:
Vier Perspektiven mit vier Fragen zu mehr Resilienz Was können/ wollen wir neu und anders denken?
4 FRAGEN
ZUR WEITERENTWICKLUNG DER ORGANISATIONALEN RESILIENZ Wo gibt es Ressourcen, Freude, Energie?
Was gilt es zu bewahren, stabilisieren?
PERSPEKTIVE VON
PERSPEKTIVE DER
ORGANISATION
Wo gibt es Engpässe, existenzielle Sorgen, (System-) Fehler?
UMFELD UND MARKT
© Brigitte Huemer, Ingrid Preissegger
TEAM
PERSPEKTIVE
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VIRTUELLES FÜHREN
Virtuelles Führen:
wie man auch aus der Entfernung Nähe erzeugt
Abb. 2:
Trigon Systemkonzept
Identität Selbstverständnis
Policy Strategien
VON SIMONE KAINZ UND INGRID KOHLHOFER
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Foto: © Dimitri Davies
Foto: © Simone Kainz
Seit wenigen Wochen ist es für den Großteil der Arbeitnehmenden quasi über Nacht zum Alltag geworden – das Homeoffice. Während bei einigen Unternehmen bereits vor der Krise virtuelle Teams zum Arbeitsalltag gehörten, wurden andere Unternehmen, Führungskräfte und Mitarbeitende dazu gezwungen ihre gewohnte Arbeitsweisen binnen kürzester Zeit über Bord zu werfen. Dies erfordert von allen Beteiligten ein hohes Maß an Veränderungs- und Lernbereitschaft. Eine derartige grundlegende Veränderung wirkt auf alle drei Subsysteme einer Organisation ein: Menschen, ihre Funktionen, Strukturen (soziales Subsystem), das kulturelle Subsystem wie das technisch-instrumentelle Subsystem sind betroffen.
Funktionen
Menschen Gruppen Klima Struktur der Aufbauorganisationen
Physische Mittel
Prozesse Abläufe Kulturelles Subsystem Soziales Subsystem Technisch-instrumentelles Subsystem
N
icht nur die Einhaltung rechtlicher Voraussetzungen (Homeoffice Vereinbarungen), auch die Bereitstellung ausreichender Arbeitsmittel und die veränderten Prozesse stellen Organisationen vor große Herausforderungen. Doch was heißt das für die Führung von Teams und Mitarbeitenden? Welche Herausforderungen haben Führungskräfte momentan zu bewältigen und was kann sie dabei unterstützen? Was ist bei virtueller Führung anders? Man kann nicht einfach kurz zum/r Vorgesetzen oder Kollegen ins Büro gehen, um eine Frage zu klären. Eine Umstellung der Kommunikation auf digital erfordert auch eine Änderung des Kommunikationsverhaltens. Es ist Aufgabe der Führungskraft, geeignete (und funktionierende) Kommunikationstools für das eigene Team auszuwählen (sofern die von der Organisation bereit gestellten nicht ausreichen) und für eine gute Gesprächskultur zu sorgen. Nachfolgend eine Liste mit einigen Toolvorschlägen, welche die digitale Zusammenarbeit unterstützen und vereinfachen. Wichtig ist, sich nicht zu vieler Tools zu bedienen, weil dies Verwirrung schafft.
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Anwendung
Tools (exemplarisch)
Virtuelle Meetings/ Konferenzen/ E-Learning
• • • • •
Kommunikation in Teams
• Signal (wie Whatsapp) • Datenlinks (wie Dropbox) • Slack
Gemeinsame Dokumentenbearbeitung
• • • • •
Moodle Sharepoint Trello Google Docs Teams
Unterstützende Tools
• • • •
Mentimeter Whiteboard Canvas PollyNow
Teams Skype for Business Clickmeeting Zoom WebEx
• Einsatz von virtuellen Tools für Visualisie-
rungen (z.B. ein Whiteboard zur Dokumentation oder eine Abfrage per Mentimeter für Abstimmungen) ist nützlich, erfordert jedoch entsprechende digitale Kompetenzen. • Ergebnisse für alle sichtbar schriftlich festhalten, um Verbindlichkeit zu schaffen. Moderations- und Methodenkompetenzen verbessern Gesprächskultur und Besprechungsklima deutlich. Wichtig ist, Tools vorab auf ihre Funktionalität zu überprüfen. Und wenn es trotzdem mal nicht störungsfrei ist ... sich Virtuelle gegenseitig zu helfen, was den Zusammenarbeit Teamzusammenhalt stärkt.
hat andere
Folgendes ist zu beachten: virtuelles Zusammenarbeiten funktioniert anders, eine 1:1 Adaption des persönlichen Austausches auf den virtuellen ist nicht ratsam. Nachfolgend ein paar Tipps: • Die Aufmerksamkeitsspanne ist bei virtuellen Meetings geringer, daher Meetingdauer kürzer ansetzen. Lieber kürzere Meetings in höherer Frequenz. • Regelmäßig in Kontakt bleiben. Tägliche bzw. wöchentliche Meetings abhalten (z.B. morgens mit einem Videomeeting starten). • Einige Minuten für Smalltalk einplanen. Für einen guten Zusammenhalt ist es wichtig, sich auch über Informelles austauschen zu können. • Klare Fokussierung auf die gewählten Besprechungsthemen sicherstellen. • Regelmäßige Updates einplanen, was in der Organisation passiert. • Vorabversand der Agenda mit Besprechungspunkten und deren Ziel, um Abschweifungen oder Demotivation zu vermeiden. • Vorab überlegen, wie Entscheidungen im virtuellen Raum getroffen werden, um dogmatische Diskussionen über Vorgehensweisen zu verhindern. • Minimierung des Teilnehmerkreises. Virtuelle Meetings funktionieren besser, wenn alle Teilnehmenden per Bild und Ton zugeschaltet sind. Wenn der Kreis zu groß wird, kann leicht Chaos entstehen. • Bei mehreren Teilnehmenden empfiehlt es sich ein Zeichen (z.B. Hand heben) für Wortmeldungen zu Beginn zu vereinbaren.
Neben den Teambesprechungen Mechanismen ist es auch wichtig, dass die Führungskraft klar kommuniziert, wie und wann sie für Einzelgespräche am besten erreichbar ist bzw. empfehlen wir Führungskräften ihre Mitarbeitenden von sich aus zu kontaktieren. Videoübertragung stärkt die persönliche Beziehung, es ist aber klug auf die Präferenzen der einzelnen Mitarbeitenden einzugehen. Die Befähigung der Mitarbeitenden, die neue Arbeitssituation gut bewältigen zu können, ist ein Erfolgsfaktor: individuelle Unterstützung durch die IT und HR zu gewährleisten ist wichtig (z.B. Telefonschulung bei neuen Programmen oder die Bereitstellung von Leitfäden mit Schrittanweisungen und Screenshots). Virtuelle Meetings haben Kraft, wenn sie fokussiert und nach klaren Regeln ablaufen. Und gleichzeitig braucht es Räume für die informelle Begegnung: die Range reicht von den erwähnten Minuten für Smalltalk am Beginn von MeeGegenseitiges tings, über einen gemeinsamen Vertrauen ist der virtuellen Kaffee oder MittagesKönigsweg sen bis hin zu einer freitäglichen virtuellen Happy Hour, in der die Woche reflektiert wird. Gegenseitiges Vertrauen ist der Königsweg zu effektiver virtueller Zusammenarbeit: Transparenz, gelebte Verlässlichkeit und gegenseitige Unterstützung pflastern diesen Weg.
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Die Theorie U beschreibt einen Prozess, in dem Einzelne und Gruppen zusehends wacher und achtsamer werden und sich so für Neues öffnen. Das sind auch die psychologischen Voraussetzungen für kraftvolles und sinnvolles Handeln in Krisen situationen.
E
s ist Freitag, der 13. März 2020. In Oberitalien fordert das Corona-Virus schon viele Opfer, in Tirol werden erste Dörfer und Täler unter Quarantäne gestellt, in Deutschland Schulschließungen beschlossen, in Großbritannien geht das Leben normal weiter. Es ist ein Europa der unterschiedlichen Realitäten im Umgang mit dem neuartigen Virus. An der Universität Witten Herdecke spricht an diesem Morgen Otto Scharmer auf der Mindful Leadership Konferenz. Statt einem geplanten ganzen Tag hat er nur zwei Stunden Zeit bevor er zurück in die USA fliegen muss, um vor dem Einreisestopp wieder zu Hause zu sein. Die KonfeMindful renz findet noch vor Ort statt, doch viele Teilnehmende sind Leadership: bereits per Live-Stream dabei.
Praktische Übungen und Methoden zum Aktivieren unserer Ressourcen
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Mentaler Krisenmodus Scharmer zieht an diesem Tag nicht die Parallelen zum aktuellen Geschehen. Doch beim Zuhören wird deutlich, welche Relevanz seine Theorie U gerade
Foto: © Andreas Hechenberger
Mindful Leadership statt mehr desselben
Foto: © Raimo.at
MINDFUL LEADERSHIP
VON SUSANNE SKANDERA UND JOHANNES NARBESHUBER
jetzt hat. Im Umgang mit radikaler, disruptiver Veränderung, bei der wir nicht auf Vorerfahrungen zurückgreifen können, lassen sich zunächst folgende typischen Muster beobachten: • Verdrängung und Negation, denial („es wird schon nicht so schlimm sein“, „es wird schon nicht zu uns kommen“.) • eine selektive Wahrnehmung von Fakten (z.B. „es betrifft nur alte Menschen“). • Einfach weitermachen wie bisher, was Scharmer mit downloading bezeichnet. Also zunächst mehr vom Gleichen, so lange wie möglich die alten Erfolgsrezepte bemühen. • Sündenböcke suchen („die Chinesen sind schuld“, „die Medien machen einen Hype daraus“), bis hin zu Verschwörungstheorien. Bei all diesen Mustern handelt es sich um Angstund Stressreaktionen auf individueller und kollektiver Bewusstseins-Ebene, die von Gefühlen wie Hass und Angst oder von Schock und Empfindungslosigkeit begleitet werden. Sie führen zu Lähmung oder blindem Aktionismus. Beides lässt sich in Krisen-Zeiten verstärkt beobachten und richtet viel Schaden an. Vom Krisenmodus in Richtung Transformation Wie können wir diese Muster verlassen und auch in der Krise für das Neue öffnen? Selbst und miteinander achtsamer werden gelingt auf drei Ebenen im Bewusstsein: 1. Open Mind, 2. Open Heart, 3. Open Will. Auf jeder Ebene werden besondere Ressourcen freigesetzt. Je mehr ein Team alle drei Ebenen aktivieren kann, desto mehr kann es auf der Höhe seiner Möglichkeiten spielen. „Playing in the zone“ nennen das Trainer im internationalen Spitzensport, die mit ihren Mannschaften oft sehr systematisch genau diese mentalen Fähigkeiten entwickeln.
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Dabei sind die praktischen Übungen und Methoden aus dem Mindful Leadership Ansatz von großer Relevanz und praktischer Bedeutung.
– gerade in Krisenzeiten? Genauso wichtig ist es, uns auch in unser Umfeld mitfühlend hineinzuversetzen: Wie geht es unseren Kund/innen, Stakeholdern, allen von der aktuellen Krise Betroffenen? Einfühlungsvermögen und die Kompetenz, anderen und uns selbst psychologische Sicherheit zu vermitteln, können wir trainieren und kultivieren.
Um aus den Reiz-Reaktions-Mustern herauszutreten, ist es hilfreich, innezuhalten, bewusst wahrzunehmen und zu fühlen, um dann aus dieser Bewusstheit und Übersicht heraus Handlungsoptionen zu prüfen (Stopp-Methode). Im gesamten Prozess ist es entscheidend, dass sich Führungskräfte und ihre Teams nicht von den Unmengen an Nachrichten, Reizen und Gefühlen wegziehen, verwirren und überfluten lassen. Das ist gerade in Krisenzeiten eine enorme Herausforderung. Das Training der Fähigkeit zur Fokussierung, Konzentration und Selbststeuerung kann hier wesentlich unterstützen. Ich steuere, wähle aus, mache Pausen. Ich „besinne“ mich, anstatt mich treiben oder manipulieren zu lassen. Ich entscheide.
Mitgefühl als Voraussetzung für psychologische Sicherheit und überragende Teamleistung in Umbruchsphasen
Im nächsten Schritt – und nur wenn die beiden anderen Ebenen aktiviert sind – können wir uns auf der dritten Ebene (Open Will) für wirkliche Veränderung und Innovation öffnen. Teams spüren und erkennen dann, dass sie sich in einer außergewöhnlichen, noch nie da gewesenen Situation befinden, sich von gewohnten und erprobten Denk-, Fühl- und Verhaltensmustern verabschieden müssen - und das auch können. Dass man gemeinsam den Raum für Neues öffnen kann. Sobald ein Team diese Umwendung vollzogen hat, wird neues, situationsadäquates Handeln möglich. Transformation entsteht.
Nach einer ersten Phase der kognitiven, gedanklichen Auseinandersetzung (Ebene 1: Open Mind) gilt es, die Kluft zwischen gedanklichem Verstehen und der tatsächlichen Umsetzung zu überwinden. Das kann nur gelingen, wenn wir uns im nächsten Schritt dem Fühlen öffnen. Für die nächste Ebene in der Theorie U, Open Heart, hat die Praxis von Mit-Gefühl zentrale Bedeutung. Außerordentlich erfolgreiche Teams zeichnen sich durch ein hohes Maß an Vertrauen und sogenannter „psychologischer Sicherheit“ aus: Fühle ich mich bei diesen Menschen sicher und gut aufgehoben
Veränderungen, die sich bisher zögerlich abzeichneten, werden in Krisenzeiten radikal beschleunigt. So birgt auch die „Corona-Krise“ Gefahr und Chance gleichermaßen. Transformation kann jetzt gelingen, wenn wir unsere kollektive Handlungsfähigkeit aktivieren. Wenn wir Kompetenzen, Plattformen und Strukturen schaffen, die transformationales Lernen, CoKreation und Innovation auf systemischer Ebene ermöglichen.
Literatur: C. Otto Scharmer (2009), Theorie U. Von der Zukunft her Führen: Presencing als soziale Technik. Heidelberg
DIE TRANSFORMATION mit Hirn, Herz und Hand praktisch umsetzen
MENTALER KRISENMODUS: „Downloading“ automatischer Stressmuster
Innehalten und tiefer gehen mit bewusster Selbststeuerung
1.
OPEN
MIND
2.
OPEN
HEART
3.
OPEN
WILL
VOLLE RESSOURCENAKTIVIERUNG = bereit, das Neue nicht nur zu denken, sondern auch zu tun
© adaptiert nach Claus Otto Scharmer siehe Literaturhinweis
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Bei Trigon haben wir uns in unseren Studientagen wiederholt mit den Folgen der Digitalisierung, aber auch mit digitalen Beratungsmethoden auseinandergesetzt. Wir haben dabei auch daran gearbeitet, digitale Tools didaktisch und methodisch sinnvoll einzusetzen. Vor allem bei Meetings blieb der Einsatz digitaler Tools aber hinter unseren bewährten Methoden aus Präsenz-Workshops deutlich zurück. Letztlich nutzten wir bei komplexen Problemstellungen die Vorteile der physischen Anwesenheit aller Beteiligten.
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ie für viele unserer Kunden stellt sich die Lage seit Beginn der Covid 19-Krise auch für uns bei Trigon plötzlich ganz anders dar. In den nächsten Wochen und Monaten werden PräsenzWorkshops nur begrenzt möglich sein. Nicht, ob wir Online-Lösungen verwenden ist mittlerweile die Frage, sondern in welcher Form wir diese einsetzen, damit wir mit unseren Kunden die bestmöglichen Arbeitsresultate erzielen. Rudi Ballreich aus dem Münchner TrigonBüro und Wolfgang Grilz aus dem Büro Wien tauschen im – natürlich online geführten – Gespräch Ihre Erfahrungen dazu aus:
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Foto: © Studio Huger
Erfahrungen im virtuellen Seminarraum
Foto: © Raimo.at
VIRTUELLER SEMINARRAUM
RUDI BALLREICH UND WOLFGANG GRILZ SPRECHEN ÜBER IHRE ERFAHRUNGEN MIT ONLINE-TRAININGS.
Rudi, durch die Covid-19-Krise gezwungen, hast du ja gerade ein 3-tägiges Training sehr kurzfristig online durchgeführt. Welche Erfahrungen hast Du dabei gemacht? W. GRILZ:
Eine wichtige Erfahrung war, dass Small Talk am Beginn und auch zwischendrin möglich und sehr unterstützend ist. Sich freuen über das Wiedersehen, Witzchen machen und lockere Gespräche helfen, die anderen zu spüren und sich zu begegnen. R. BALLREICH:
W. GRILZ: Aber drei Tage, ist das nicht zu lang für ein Online Training?
Überhaupt nicht. Wir haben sehr abwechslungsreich gearbeitet, nicht nur vor dem Bildschirm. Deshalb wurde es nie langweilig. Wir haben intensiv in der Gruppe gesprochen und auch zu zweit in Break-out Rooms. Es gab Phasen der Einzelarbeit mit Analysen, künstlerischen Methoden, mit Bewegung und Sculpturing. Meditative Erforschungen mit Phasen der Reflexion und des Erfahrungsaustausches waren auch sehr wichtig. Auch Lernpartner-Spaziergänge mit Handyverbindung waren eine Option. R. BALLREICH:
W. GRILZ: Das klingt ja sehr spannend. Hast Du auch Erfahrungen mit der virtuellen Begleitung von Veränderungsprojekten?
Ja, ich habe letztes Jahr ein Kontinente-übergreifendes Projekt „Agile OrganiKurze sationstransformation“ begleitet. Das geschah inhaltliche fast ausschließlich virImpulse. tuell. Für die notwendiDynamische gen Lernprozesse haben wir eine Mischung aus Moderation. R. BALLREICH:
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Webinaren und Lehrvideos genutzt. Bei mir hat das dazu geführt, dass ich seither intensiv an der Entwicklung von Lehrfilmen, E-Learning-Modulen und anderem Backup arbeite, um Transformationsprozesse virtuell unterstützen zu können. Aber an diesen Themen arbeitest Du ja auch. Was sind denn Deine Erfahrungen? Ja, ich produziere gerade einen Online-Kurs für Führungskräfte zum Thema Onboarding.
Ich habe gemerkt, man Kurze inhaltliche muss das schon etwas anders Onlineangehen als in PräsenzveranstalImpulse und tungen. Da braucht es zum Beispiel mehr direkte Ansprache, dynamische damit die Teilnehmer Stellung Moderation nehmen. Du weißt ja nicht, ob da nicht jemand gerade seine EMails checkt. Damit die Aufmerksamkeit hält, musst du in noch kürzeren Abständen für Aktivität sorgen. Die Moderation erfordert viel mehr Dynamik.
R. BALLREICH: Warum
R. BALLREICH:
W. GRILZ:
gerade Onboarding?
Das klingt in Zeiten, in denen Unternehmen auf Kurzarbeit umstellen oder leider auch viele Kündigungen aussprechen müssen im ersten Moment komisch. Aber erstens habe ich damit ja schon vor einigen Monaten begonnen als die Situation noch eine ganz andere war. Und zweitens werden ja auch die Zeiten zurück kommen, in denen Mitarbeiter wieder eingestellt werden. Und dann werden wir hoffentlich auch wieder darüber diskutieren, wie wir Mitarbeiter in unsere Unternehmen gut integrieren. Das Thema online anzubieten hat den Vorteil, dass es von einer Führungskraft gerade dann abrufbar ist, wenn sie es braucht. Wir werden es daher als Online-Angebot in der Trigon Academy führen oder auch in einer „In House“-Variante für unsere Kunden anbieten - aber eben dann, wenn die gegenwärtige Krise vorbei ist.
W. GRILZ:
Wie müssen denn die Einheiten aufgebaut sein?
W. GRILZ:
R. BALLREICH: Alles W. GRILZ: Dir
Foto & Icons: © shutterstock.com
W. GRILZ: Die Einheiten müssen deutlich kürzer und natürlich exakt vorbereitet sein. Vor allem dürfen inhaltliche Impulse nicht zu lange sein. So etwa alle 7 bis max. 10 Minuten muss es dann schon von den Teilnehmern Beiträge geben, damit sie konzentriert bleiben. Ich habe jetzt gerade eine eintägige Kick-off-Veranstaltung auf vier Online-Meetings aufgeteilt, die über zwei Wochen verteilt stattfinden. Das hat übrigens auch den Vorteil, dass die Teilnehmer zwischen den Modulen schon Aufgaben durchführen können.
Gute dafür!
auch – und bleib gesund!
Wie löst du denn da das Thema mit der Aufmerksamkeitsspanne?
R. BALLREICH:
W. GRILZ: Die Aufmerksamkeitsspanne muss man ja immer im Kopf haben, auch wenn man ein Buch oder einen Artikel schreibt oder ein Präsenzseminar durchführt. Aber natürlich, in einem Online-Kurs braucht es da einen eigenen methodischen Weg. Eine gute Mischung aus Videos, kurzen informativen Texten, Arbeitsblättern und Checklisten hilft dabei. Man muss auch berücksichtigen, dass Führungskräfte wenig Zeit haben. Das muss informativ, relevant und knapp gehalten sein.
Was ist denn Deiner Ansicht nach wichtig bei der Moderation von virtuellen Meetings? R. BALLREICH:
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AGILE STEUERUNG
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Foto: © Frank Frey
Foto: © Raimo R. Rumpler
ituationen wie die aktuelle erfordern besondere Vorgehensweisen und eine andere Führung. Insofern können und dürfen derartige Krisen(bewältigungs)dynamiken nicht eins zu eins auf „Normalsituationen“ übertragen werden. Ebenso kann und soll politische Führung mit unternehmerischer Führung nicht gleichgesetzt werden. Dennoch: am Vorgehen der österreichischen Bundesregierung in den vergangenen Wochen lassen sich einige Aspekte beobachten, die für (agiles) Leadership erkenntnisreich sein können. Dabei leugnen wir nicht, dass es aktuell auch bedenkliche Entwicklungen gibt: dass der liberale Rechtsstaat und Bürgerrechte auf dem Prüfstand stehen, nationalstaatliches Denken und Handeln alte Blüten treibt oder das Vorgehen mancher regionalen Behörde überprüft werden muss.
VON INGO BIERINGER UND CHRISTOPH GRÄFLING
Agile Steuerung in der Krise Beobachtungen zum Vorgehen der österreichischen Bundesregierung. Und was daraus für (agiles) Leadership gelernt werden kann.
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Verknüpfung unterschiedlicher Zeithorizonte Die gegenwärtige Situation verlangt rasche Entscheidungen und kurzfristige Maßnahmen. Diese Maßnahmen werden dabei immer wieder mit mittelfristigen Szenarien verknüpft. Kommuniziert wird dies in der bildhaften Darstellung von „einem Marathon und vielen Sprints“. Die kurzfristigen Maßnahmen („sprints“) werden auf das Wesentliche konzentriert („Tun, was nun zu tun ist“). Der „Marathon“, also die mittelfristige Perspektive, vermittelt das Bewusstsein zu einem weiteren Zeithorizont („Wenn wir an die Zeit ‚danach‘ denken“). Diese Perspektive wird auch mit positiven Visionsbildern verknüpft, etwa mit jenem von einem „Team Österreich“. Lösungsorientiertes, schrittweises Vorgehen und Evaluierung von Fehlern Das Wording der Bundesregierung lautet: „Wir arbeiten an Lösungen“. Der damit einhergehende Konsens in den Zielen und Prioritäten ermöglicht Fokussierung und macht deutlich, dass an die Nöte vieler Anspruchsgruppen gedacht wird: Gesundheitswesen, Kleinunternehmen, Großbetriebe, Arbeitslose, Kulturschaffende u.a. Zudem hat man sich für ein schrittweises Vorgehen, Entscheiden und Kommunizieren entschieden. Die von der Regierung gesetzten und kommunizierten Maßnahmen haben durchaus das Potential, Panik zu erzeugen, daher werden die Interventionen schrittweise bekanntgegeben und umgesetzt. Hätte die Regierung zu Beginn der Krise alles auf einmal auf den Tisch gelegt, hätte dies zu einem kollektiven Schock Kreieren mit unvorhersehbaschrittweiser ren Auswirkungen Lösungen führen können. Die Regierungsspitze vermittelt, dass in einer kaum einschätzbaren Situation auch Fehler passieren können. Diese werden nicht geleugnet, sondern als Lernerfahrungen „mitgenommen“: „Wir werden die Maßnahmen evaluieren und daraus Schlüsse ziehen“, „Ich habe schon eine ganze Liste an Verbesserungen, die arbeiten wir in der Zeit ‚danach‘ auf“. Der Fokus liegt auf dem Kreieren von schrittweisen Lösungen.
Kommunikation und Transparenz Die Kommunikationsstrategie lautet: einheitliches und schrittweises Kommunizieren der Maßnahmen. Die Ansprache der Bevölkerung durch einige wenige Entscheidungsträger und der klare Lead von Bundeskanzler und Gesundheitsminister erleichtern die Krisenkommunikation entscheidend. Nur so kann man auch die mit der Krise verbundene „Infodemie“, also die Flut an Falschmeldungen und Gerüchten, eindämmen. Blickt man sich in Europa um, ist dies nicht überall der Fall. In Deutschland etwa zeigte sich der Föderalismus zu Beginn der Krise von seiner sperrigsten Seite: praktisch jedes Bundesland setzte zu Beginn unterschiedliche Maßnahmen, wodurch eine bundesweit einheitliche Kommunikation erschwert wurde und wichtige Zeit verloren ging. Mittlerweile haben sich die Verantwortlichen auch in der Bundesrepublik zu mehr Einigkeit entschlossen.
Foto: © shutterstock.com
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Spannungsfelder Besonders deutlich treten nun Auf das Pflegen auch einige Spannungsfelder von Egoismen Emotionale Intelligenz, Vertrauen und hervor. Für diese gibt es keine wird verzichtet das Zurückstellen von Egoismen einfachen Antworten, und ihre „Mit der Corona-Krise sind plötzlich Leaderkreative Gestaltung wird auch ship, Einigkeit, Empathie und staatsmännisches in Zukunft fordernd sein. Führung bedeutet, gemeinsam kreative EntscheiHandeln gefragt“, Eigenschaften, die „undisdungen in scheinbar unvereinbaren Ambivaziplinierten Rechtspopulisten fremd sind“ (1). lenzen zu erarbeiten: Was wird gemeinsam Mit nüchterner Fachkompetenz allein wäre die entschieden und kommuniziert? Und wie viel Situation nicht zu steuern. Hier spielt Vertrauen eine große Rolle. Das Vertrauen innerhalb Individualität ist sinnvoll und verträglich? Wo der Regierung ist – trotz bestehender Unterist internationale Zusammenarbeit hilfreich? schiede – von Beginn an erlebbar und ermögUnd wo braucht es nationale Entscheidungen? Wo sind Vorgaben unabdingbar? Und wo licht auch unbürokratische Vorgehensweisen. demokratische Prozedere? Was ist sinnvollerWesentlich dabei: dass die ProtagonistInnen weise zentral zu steuern? Und wo sind födeweitgehend auf das Pflegen von Egoismen und rale Strukturen hilfreich? Lange auf die Bank Eitelkeiten verzichten. Auch wenn Rollen klar geschobenen Struktur- und Verwaltungsredefiniert sind, zählt der Beitrag jedes Einzelformen aber auch die Föderalismusrenen – die Komplexität form werden vor dem aktuellen Hinterlässt sich nur im Teamgrund ganz anders betrachtet werden. Literatur: work meistern. In KriKlare Kommusenzeiten ist das keine Die „Krise als Chance“ um zu zeigen, Reinhard Heinisch: Corona nikation zur Selbstverständlichkeit, dass Demokratien Krisen bewältigen hebelt Trumps Vermeidung von denn gerade hier kann können. Und sich danach im Idealfall – Plan aus. In: Salzburger Infodemie rasch eine „Helferkonnational und international – weiter de- Nachrichten, mokratisieren. kurrenz“ entstehen. 19.03.2020
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REFLEXIONEN
Persönliche Betrachtungen &
Erfahrungen in außergewöhnlichen Zeiten
VON HARRIET KRETSCHMAR UND WERNER A. LEEB
Foto: © Raimo.at
Foto: © Harriet Kretschmar
Die Welt ist so seltsam still geworden. Wenn wir morgens aus dem Fenster sehen, herrscht normaler Weise reges Treiben. Kinder die bereits lärmend am Weg zur Schule sind, LKWs, die Ware ausliefern, ältere Damen und Herren, die schnell noch einen Plausch mit Bekannten pflegen ... heute: nichts davon ... gähnende Leere ... schreiende Stille!
M
itte März: Die Nachrichten über das Corona-Virus bestimmen zwar schon länger die Nachrichten und vor allem in Italien überschlagen sich die Ereignisse. Ich, Werner sitze hier bei einem Unternehmen, um einige Coaching-Einheiten durchzuführen, danach soll ein Workshop im Seminarhotel stattfinden. Plötzlich erscheint eine HR-Mitarbeiterin mit ernstem Blick und teilt uns den eben verlautbarten Vorstandsbeschluss mit, wir könnten diese Einheit noch vollenden, doch danach müssten wir das Gebäude sofort verlassen. Alle MitarbeiterInnen sollen ihren Arbeitsplatz aufsuchen, ihre Laptops und nötige Unterlagen mit ins Home-Office nehmen und weitere Anweisungen abwarten. Externen sei kein Betreten mehr erlaubt, alle weiteren Veranstaltungen seien gecancelt, weitere Informationen würden folgen. Ich, Harriet, nehme derweil im Trigon Büro München die unterschiedlichen Kundenreaktionen entgegen von „Wir stornieren alle Fortbildungsaktivitäten für 2020“ bis hin zu „Wir lassen alles weiterlaufen wie bisher, die jährliche Grippewelle ist schlimmer“. Hektik überall. Der Ärger und Unverständnis So sitze ich, Werner, eine halbe Stunde später - gleichermaßen irritiert, besorgt und verärgert - im Auto auf dem Weg nach Hause. Zwei „unproduktive“ Tage später, Freitag, den 13 (!), geht es Schlag auf Schlag. Binnen weniger Stunden hagelt es Absagen und Verschiebungen – am Montag der darauffolgenden Woche ist mein dicht gebuchter Kalender für März bis Mai leergefegt. Einige Coaching-Klienten wolAufträge verlen sich noch überlegen, ob wir ersatzweise schoben oder per Video arbeiten. abgesagt, Ich, Harriet, bin froh eiKalender nige meiner Kunden bereits virtuell zu coachen plötzlich leer
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Moral
THEMEN 01|2020
AKZEPTANZ
LEUGNUNG
Stadien der Veränderungen
ZUSTIMMUNG FRUSTRATION
SCHOCK
(adaptiert - Phasenmodell v. Elisabeth Kübler-Ross,1969)
und der Überzeugung, da lässt sich vieles umstellen, doch die Realität holt mich schnell ein. Große Firmen stornieren spontan sämtliche Coaching Prozesse. Keine Chance eine virtuelle Möglichkeit zu unterbreiten. Ist Coaching also doch nur ein Kostenfaktor? Das Verhandeln – Nicht wahrhaben wollen Plötzlich haben wir viel Zeit. Aufzuräumen. Nachzudenken. Zu konzipieren. Noch gehen wir davon aus, dass alles nur halb so wild werden wird, eine seltsame Ambivalenz überall. Eigentlich ist es ja ganz angenehm, gut ausgeschlafen, bei wundervollem Wetter Zeit zum Spazierengehen zu haben. Doch langsam wird deutlich, wir sind fast alleine auf der Straße. Die wenigen Passanten halten Abstand, manche tragen Mundschutz. An den Türen zahlloser Geschäfte, der Hinweis auf behördliche Schließungen, an der Apotheke eine lange Schlange. Überall Schilder mit Warnhinweisen. Gleichzeitig vielerorts eine neue Dankbarkeit, jenen gegenüber, die den Alltag noch am Laufen halten, beim Busfahrer, der Kassierin. Die Depression – Zweifel, Unsicherheit, Angst Zwei Wochen später: Immer wieder geht uns und den Menschen um uns herum die Frage durch den Kopf: Wie soll das weitergehen? Wer zahlt die Miete, die MitarbeiterInnen, die Leasingrate? Wie geht es mit der Wirtschaft weiter? War das das Ende der Globalisierung? Aber auch: Wie werden Alleinstehende oder Familien mit Quarantäne-Situationen fertig? Wird es mehr Konflikte oder gar Suizide geben? Es ist die Zeit der tatsächlichen und vermeintlichen ExpertInnen. Gleich welches Medium wir nützen, überall wird uns – in oft konträrer Weise – die Welt erklärt. Die redlichen geben zu,
WUT
ÖFFNUNG
DEPRESSION
dass sie nur schätzen können – oder wie Mark Twain so treffend formulierte: „Prognosen sind schwierig, vor allem wenn sie die Zukunft betreffen!“
Zeit
Achtsamkeit hilft beim Annehmen des Unvermeidbaren
Die Akzeptanz – Es ist was ist! Langsam gewöhnen wir uns an den derzeitigen Zustand. Die Erfahrung mit Achtsamkeit trägt dazu bei, mehr und mehr das „Es ist, wie es ist.“ als gegeben anzunehmen. Immer wieder werden wir gefragt: „Sie sind doch Coach, BeraterIn, TherapeutIn! Wie geht es weiter? Was soll ich tun?“ Auf etliche Fragen, haben auch wir keine Antworten oder würden uns anmaßen, diese zu haben. Gerade die verordnete Distanz macht so überaus deutlich, wie sehr wir soziale Wesen sind. Trotz all der technischen Möglichkeiten und Hilfsmittel, braucht es die physische Nähe, die Berührung, das „Tertium“ im Buber’schen Sinne, jenes „Zwischen“, das das „Ich“ im „Du“ erkennt und in der Begegnung ein „Mehr“ und damit auch einen „Mehrwert“ entstehen lässt. Wir sind tatsächlich in einer Situation, in der wir alle zu Lebzeiten noch nicht waren! Der häufige Vergleich mit dem Krieg hinkt jedoch – dort gab es eine klare Definition von Freund und Feind, hier lauern Krankheit, Leid und Tod nicht um die Ecke, sondern potentiell in jedem von uns, wissentlich oder auch nicht. Es gilt unsere „Zuversicht“ zu bewahren - übrigens Fastenmotto 2020 der evangelischen Kirche Deutschlands. Tag für Tag flexibel auf alle Unabwägbarkeiten zu reagieren, unter Einsatz des besten eigenen Könnens und Wissens und trotz Distanz „gemeinsam“ mit Verwandten, FreundInnen, KollegInnen, – mehr können wir alle zurzeit nicht tun!
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LITERATURTIPP
Rezension
Yuval Noah Harari: 21 Lektionen f. d. 21. Jahrhundert VON WERNER A. LEEB UND SUSANNE SKANDERA
Der Historiker Yuval Noah Harari hat sich in seinen Weltbestsellern Eine kurze Geschichte der Menschheit und Homo Deus erst der Vergangenheit, dann der Zukunft unserer Spezies gewidmet. In seinem aktuellen Werk wirft er einen Blick auf die drängendsten Fragen der Gegenwart, von denen viele durch die aktuelle Corona-Krise noch verschärft wurden. Harari’s Stärke ist zweifellos sein Denken und Schreiben in großen Zusammenhängen, was stellenweise etwas zum Uferlosen tendiert, trotzdem tut dies der Brillanz und Unterhaltsamkeit des Buches keinen Abbruch. LeserInnen können einiges mitnehmen zu folgenden Fragen und Themenstellungen: • Der Liberalismus wird sich neu erfinden müssen, um weiter zu reüssieren. • Es besteht die Gefahr, dass Revolutionen in der Bio- und Informationstechnologie so etwas wie eine Kaste ökonomisch „nutzloser“ Menschen produzieren. • Autoritäre Systeme profitieren zukünftig immer stärker von den Möglichkeiten zentraler Datenverarbeitung. • Harari hält die Metapher des „Kampfes der Kulturen“ für fehlgeleitet – er meint, menschheits-
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geschichtlich betrachtet haben sich die Kulturen und Zivilisationen in den letzten Jahrzehnten eher stark angenähert. Die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts sind globaler Natur. • Terrorismus in der heutigen Form ist ein inszeniertes Theater. Er lebt von unserer Angst, die nicht in Relation zur wirklichen Dimension der Bedrohung steht. Eine potenzielle zukünftige Gefahr geht jedoch von nuklearem, Cyber- oder Bioterrorismus aus. • Die sog. „Postfaktizität“ ist laut Harari kein neues Phänomen: Der Erfolg unserer Spezies hing immer schon an Fiktionen und dem kollektiven Glauben an diese. • Seine Conclusio: Die Frage nach dem Sinn des Lebens entspricht der Erwartung einer „kosmischen Erzählung“, welche letztlich Erfindung von Menschen ist. Ein möglicher Weg so etwas wie eine Realität jenseits aller Erzählungen zu erfahren, sei der Weg der Meditation.
Yuval Noah Harari geboren 1976, Doktor der Geschichte der Universität Oxford, Professor für Geschichte an der Hebrew University in Jerusalem
GLOSSE
Glasls Glosse Die gegenwärtige Krisensituation bietet uns bei aller Dramatik ganz besondere Chancen zu lernen. Das klingt wie ein Gemeinplatz, aber dabei werden erstaunliche Spannungsfelder von deutlich komplementären Prinzipien sichtbar: > Je mehr physische Distanz (Quarantäne in den eigenen vier Wänden, Homeoffice) geboten ist – desto mehr wird soziale Nähe (Spiele im Familienkreis, Telefongespräche, Nachbarschaftshilfe) bewusst geschaffen; > Je zweckdienlicher Sofortmaßnahmen (Bettenkapazitäten in Spitälern) wirken sollen – desto stimmiger müssen sie auf langfristige Wirkungen (krisenfestes Gesundheitssystem) ausgerichtet sein; > Je direkter Maßnahmen den lokalen Schutz (medizinische Fachkräfte, Schutzkleidung, Grenzkontrollen) zum Ziel haben – desto mehr erfordern sie internationale Solidarität und Kooperation (Expertise und Schutzkleidungen aus China); > Je mehr zentrale Top-Entscheidungsinstanzen auf gesicherte Informationen (Virologie, Epidemiologie, Statistik etc.) angewiesen sind – desto besser muss an der Basis sachlich (Informationsprogramme des öffentlichen Fernsehens) informiert werden; > Je dringender Maßnahmen zentral gesteuert werden müssen (Länderkompetenzen gehen zur Bundesregierung) – desto wichtiger sind Eigenverantwortung und Selbstdisziplin der Betroffenen (individuell, Gemeinden, Unternehmen);
> Je unausweichlicher wir zur Lebenssicherung zu Verzicht gezwungen werden – desto radikaler können aus Einsicht getroffene autonome Änderungen unseres Lebensstils zur Existenzsicherung sein; > Je weniger bürokratische Kontrollen bei der Vergabe von Unterstützungsgeldern (Kunstschaffende, Kurzarbeit, Unternehmen) ausgeübt werden – desto mehr wächst das Vertrauen in staatliches Handeln bei der Bevölkerung. Diese Handlungsprinzipien erscheinen vielleicht auf den ersten Blick als widersprüchlich – aber sie brauchen einander unbedingt als
cartoon
so genannte „Schwestertugenden“. Um für sie zu werben, braucht eine Regierung keine martialische Sprache, mit der pathetisch der „Krieg gegen etwas...“ (Viren) erklärt wird und sich die Regierungsspitze als Kriegsheld eines unmündigen Volkes positioniert. Sondern, es ist von allen unermüdlicher und bewusster Einsatz für etwas gefordert, wie von den „Trümmerfrauen“ beim Wiederaufbau in den Nachkriegsjahren. Eigentlich lehrt uns diese Krise nicht, dass ab jetzt alles anders werden muss – sondern dass für ein gesundes Miteinander eigentlich schon seit langem bestimmte Prinzipien notwendig gewesen wären, die nur jetzt unmissverständlich erkannt werden. Friedrich Glasl
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THEMEN 01|2020
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Wir bleiben in Kontakt! Trigon nimmt seine gesellschaftliche und soziale Verantwortung ernst. Für unsere Kundinnen und Kunden sind wir auch in diesen Wochen zeitnah erreichbar: Telefon, Mail, Video-Konferenzen und Social Media. Abstimmungen, Vorbesprechungen, Projektbesprechungen, SteuergruppenMeetings, Beratungs-, Supervisions- und Coachinggespräche – all das geht auch virtuell. Nehmen Sie gerne jederzeit Kontakt mit uns auf! Wir werden individuell auf Ihre Bedürfnisse eingehen und mit Ihnen maßgeschneiderte Lösungen entwickeln.
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