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Migros magazin 44 2015 d vs

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Ausgabe Wallis, AZA 1920 Martigny

MM44, 26.10.2015 | www.migrosmagazin.ch

Wakeboarding

Jamie Huser: Mit elf der beste Wakeboarder der Schweiz.

Bild: Daniel Winkler

Seite 30

Jugendliche Fl端chtlinge: Was sie bei uns erwartet. Seite 10 Bitte Wohnungswechsel der Post melden oder dem regionalen Mitgliederdienst: Tel. 027 - 720 42 59


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4 | MM44, 26.10.2015

10

D Editorial

Sie strömen weiter

Die Wahlschlacht ist geschlagen, die Schweiz hat ein neues Parlament gewählt. Es zeichnet sich ab, dass die Asylpolitik härter und die Ab­ grenzung zur EU schärfer wird und dass es ökologische Themen noch schwerer haben werden. Doch während sich hierzulande noch die Sieger auf die Schultern klopfen und die Verlierer die Wunden lecken, strömen die Menschen weiter über das Mittelmeer und den Balkan Richtung Norden. Eines der heikelsten und drängendsten Flüchtlingsprobleme sind die unbegleiteten minderjährigen Asylbewerber. Junge Men­ schen, die sich alleine auf die Reise gemacht haben. Und es werden immer mehr. Allein aus Eritrea sind dieses Jahr schon mehr als 1000 Junge unbegleitet in die Schweiz gekommen. Welche Schwierigkeiten sich bei der Vermitt­ lung, Unterbringung und schulischen Betreu­ ung dieser jungen Menschen ergeben und wie sie sich fühlen, schildern wir ab Seite 10. Wer mit der Idee spielt, eines dieser Kinder aufzunehmen, dem empfehle ich das Inter­ view mit Damaris Bär vom Verein «Family­ network» auf Seite 19. Schliesslich gilt es, sich vor dem Entscheid einige Faktoren gut zu überlegen. Ein anderes Thema: Jedes Jahr ermittelt die internationale Werbeagentur Young & Rubicam die stärksten Marken eines Landes. Sie misst diese an den Werten Vertrautheit, Wert­ schätzung, Relevanz und Differenzierung. Im Bereich Zeitungsmarken hat das Migros­Magazin den zweiten Platz erobert. Diese Anerken­ nung unserer Arbeit freut uns natürlich – und wir danken unseren Leserinnen und Lesern herzlich dafür.

Hans Schneeberger, Chefredaktor hans.schneeberger@migrosmedien.ch Die stärksten Zeitungsmarken der Schweiz: 1. 20 Minuten

6. Blick

2. Migros-Magazin

7. NZZ am Sonntag

3. Coop-Zeitung

8. Sonntagszeitung

4. NZZ

9. Blick am Abend

5. Tagesanzeiger

10. SonntagsBlick

20


MM44, 26.10.2015 | 5

24

Menschen 8 Diese Woche

Sonderschüler in Regelklassen: ein Problem für die Schulen?

20 Porträt

83 Totale Waschkraft 85 Pflege für Feines und Edles 87 Farbwechsel fürs Haar

24 Reportage

Zwei «Engel» auf ihrer mutigen Friedensmission in Kolumbien.

Bilder: Holger Salach, Christophe Chammartin, Christine Benz, Gunter Rubin, Zvg

29 Bänz Friedli 30 Porträt

Jamie Huser: Der elfährige Schweizer Meister tritt in Mexiko gegen die Weltelite an. 34 Interview Sam Keller, der Direktor der Fondation Beyeler, über Kunst, Karriere und Kulinarisches.

Migros-Welt 50 Dauerbrenner Raclette 53 Favorit: der neue Muffin 55 Saisonküche

34

Knackig: 3 Rezepte mit Nüssen. 67 Butterfeine Margarine 69 Neues fürs Gourmetregal 70 Laktosefreier Genuss

98

76 Migros-Kulturprozent

10 Dossier

Kleiner Vierbeiner ganz gross: Dackel Jimmy auf Überholkurs.

75

Weniger Material – mehr Nachhaltigkeit. Richard Dubugnon und sein neues Werk – der Waadtländer Komponist im Interview.

Jugendliche Flüchtlinge in der Schweiz: Stimmen, Schicksale.

«Kultur ist Teil unserer Identität. Ohne sie nützt uns Geld nichts.»

75 Verpackungen

90 Neues aus Ihrer Region Aktionen, Reportagen und interessante News aus den Genossenschaften.

Leben 98 Gesundheit

Mehr Skispass dank Training: Übungen zum Nachmachen. 101 Familie

Was tun, wenn das Kind wieder zum Baby mutiert? 102 Ernährung 104 Kinder 107 Zoodoktor 109 Glücksgriff 111 Bitte melde dich 112 Rätsel/Impressum 116 Cumulus 118 Meine Welt

Zu Besuch beim Trio Artemis.

M-Infoline: Tel. 0800 84 0848 oder Fax 0041 44 277 20 09 (Ausland). www.migros.ch/kundendienst; www.migros.ch Cumulus: Tel. 0848 85 0848* oder +41 44 444 88 44 (Ausland). cumulus@migros.ch; www.migros.ch/cumulus Redaktion Migros-Magazin: Limmatstrasse 152, Postfach 1766, 8031 Zürich, Tel. 058 577 12 12, Fax 058 577 12 08. redaktion@migrosmagazin.ch; www.migrosmagazin.ch

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Menschen MM44

Darauf freuen wir uns Nazareth: Die legendäre Hard-

rock-Band aus Schottland tritt am Donnerstag in der Konzertfabrik Z7 in Pratteln BL auf. Architektur0.15: Die Werkschau

für Architektur setzt mit zehn Schweizer Architektinnen einen weiblichen Schwerpunkt. Ab 31. Oktober, Maag Halle, Zürich.

Mein Bild der Woche «Ein Schuss – ein Schrei – das war Karl May! Hier wird von

Bettina Oberli (42) ist Autorin

und Regisseurin von erfolgreichen Filmen wie «Die Herbstzeitlosen», «Tannöd» und «Lovely Louise».

Schauspielern in der Westernstadt Tombstone in Arizona eine Schiesserei nachgestellt. Spiel und Spass für Darsteller und Touristen. Nur, dass diese Woche für einmal echte Kugeln in der Waffe waren: Ein Cowboy streckte einen anderen nieder. Wie die scharfe Munition in den Revolver gelangen konnte, ist unklar. Schwierig kann es nicht gewesen sein. Das lockere Gesetz macht den Zugang zu Waffen einfach. Pro Jahr sterben in den USA 33 000 Menschen durch eine Waffe. Diese Zahlen folgen einer einfachen Logik: Je mehr Waffen im Umlauf sind, desto mehr wird geschossen. Auch bei uns. Der Cowboy hat Glück gehabt und überlebt.»

Leseprobe

Entschuldigen Sie, was lesen Sie gerade? a) Facebook b) Meine Mails c) Ein Buch

Auflösung: c) Ein Buch auf der App, und zwar Daniel Suarez «Kill Decision». Der Thriller mit Themen wie Spionage, künstliche Intelligenz und Krieg mit Maschinen ist sehr zeitgemäss.

Bilder: AP/Keystone (2), Marco Zanoni

Olaf Knauer (47), Projektleiter aus Bern

Unnützes Wissen

Andere Länder, andere Sitten In Shanghai laufen viele Menschen auch tagsüber im Pyjama auf der Strasse rum. Fast zwei Drittel der Einwohner des australischen Bergbauortes Coober Pedy leben in unter­ irdischen Wohn­ höhlen. Statt «jemandem einen Korb geben» sagt man in Russland «jemandem eine Wasser­ melone geben». Quelle: Stern/Neon


8 | MM44, 26.10.2015 | MENSCHEN

Was denken Sie über Sonderschüler in Regelklassen?

Migrosmagazin.ch

Diese Woche

Sonderschüler bringen Lehrer an ihre Grenzen Kinder mit speziellen Bedürfnissen stellen für Schulen eine grosse Herausforderung dar. Die Zahl der Sonderschüler wächst – gleichzeitig sollen sie in die Regelklassen integriert werden. Viele Lehrer fühlen sich mit den neuen Aufgaben alleingelassen.

Umfrage

Text: Andrea Freiermuth

Letzte Woche fragten wir:

Wie viel Muskeln muss ein Mann für Sie haben? 21% Viel, aber er sollte

nicht aussehen wie ein Bodybuilder 48% So viel, dass er im Alltag nützlich ist 27% Muskeln spielen für mich keine Rolle 4% So viel, wie es nur irgendwie geht

Zahlen

5067

Kinder und Jugendliche sind im Kanton Zürich als Sonderschüler ein­ gestuft. In den letzten 15 Jahren hat sich ihre Zahl mehr als verdoppelt.

Millionen gab der Kan­ ton Bern 2014 für Son­ derschüler aus, eine Zu­ nahme um 22 Prozent in den letzten fünf Jahren.

0

Zahlen auf nationaler Ebene sind zur Thema­ tik erhältlich. Sie werden in den Kantonen unter­ schiedlich erhoben. Quellen: Erziehungsdepartemente Bern und Zürich.

O

b man Sonderschüler in Regelklassen integrie­ ren soll oder nicht, ist eine müssige Frage. Ihre Integration ist ein verbindlicher Auftrag: 2002 hat das Schweizer Volk das Gesetz zur Gleichstellung von Behinderten angenommen. Die integrative Förderung ist eine Folge davon. Der Systemwechsel hat aller­ dings seine Tücken. Viele Lehr­ kräfte fühlen sich überfordert und alleingelassen. «Die Integration ist schweizweit eine grosse unkoordi­ nierte Baustelle», sagt Jürg Brühl­

mann (61), Leiter Pädagogische Arbeitsstelle des Dachverbandes Lehrerinnen und Lehrer Schweiz (LCH). «Es ist dilettantisch, die Sonderschüler einfach in eine Regelklasse zu schicken und zu hoffen, dass es dann schon gut kommt.» Mit ein paar Zusatzstun­ den für Heilpädagogen alleine sei die Herausforderung nicht zu meistern. «Teilweise wird die Inte­ gration auch für Sparübungen missbraucht. Es ist teurer, eine Sonderschule separat zu führen, als Heilpädagogen zur Unterstüt­ zung in die Klasse zu schicken.»

Als Verteter der Lehrerschaft for­ dert Brühlmann eine «sorgfältige Einführung» des integrativen Ansatzes und Budgets für schul­ interne Projekte. Die steigende Zahl an Sonder­ schülern erklärt Jürg Brühlmann unter anderem mit dem gesell­ schaftlichen Wandel: «Die Bereit­ schaft zur Therapie ist gestiegen.» Früher sei es eher als Stigma betrachtet worden, wenn ein Kind einer speziellen Förderung bedurf­ te. Heute erhalten rund die Hälfte der Kinder im Verlauf ihrer Schul­ karriere Unterstützung. MM

Bild: Fotolia

217

Die Integration von körperlich, geistig oder sozial beeinträchtigen Kindern in Regelklassen ist ein politischer Auftrag.


MENSCHEN | MM44, 26.10.2015 | 9

Umfrage

Experteninterview

«Die Integration ist ein politischer Auftrag, aber nicht in jedem Fall sinnvoll»

Beatrice Kronenberg, erneut hat die Zahl der Sonderschüler in vielen Kantonen zugenommen. Warum? Mit Kindern mit dem Status «Son­ derschüler» lassen sich Ressourcen generieren. Und weil man Ressour­ cen will, vergibt man diesen Status heute schneller. Das dürfte ganz in Ihrem Sinn sein. Denn der Zweck Ihrer Stiftung ist die Förderung der Heil- und Sonderpädagogik. Ziel unserer Stiftung ist es ganz und gar nicht, mehr Sonderschüler zu «produzieren», sondern dafür zu sorgen, dass die richtige Förderung am richtigen Ort passiert. Das Problem ist, dass bisher kaum untersucht wurde, was die teuren sonderpädagogischen Massnahmen wirklich bringen. Wirkungsstudien haben hierzulande keine Tradition. Was halten Sie von der integrativen Förderung von Sonderschülern in Regelklassen? Die Integration ist ein politischer Auftrag, hinter dem wir stehen. Es gibt derzeit noch zu viele Kinder, die Sonderschulen besuchen. Man hört von Klassen, in denen Sonderschüler den Unterricht massiv stören. Wenn dem so ist, läuft etwas falsch. Die Integration ist nicht in jedem Fall sinnvoll. Sie muss zum Wohl des betroffenen Kindes sein, gleichzeitig aber dürfen die anderen Kinder der Klasse nicht zu kurz kommen. Bei welchen Diagnosen ist die Integration sinnvoll, bei welchen nicht? Diese Frage muss man von Fall zu Fall beantworten: Zwei Kinder mit der gleichen Diagnose können sehr un­ terschiedlich sein. Das eine Kind mit Trisomie 21 lässt sich gut integrieren, das andere nicht. Zudem muss man bei der Integration systemisch den­ ken. Das heisst, den ganzen Kontext einbeziehen: Die Situation in der Fa­ milie, die Tragfähigkeit der Regel­ klasse sowie die Erfahrung der Lehr­

Was halten Sie von Sonderschülern in Regelklassen?

kraft. Dafür gibt es seit Kurzem ein standardisiertes Abklärungsver­ fahren – einen Fragebogen, der diese Punkte detailliert abfragt. Trotzdem gibt es nach wie vor Lehrkräfte, die sich überfordert und alleingelassen fühlen. Die Lehrpersonen brauchen gezielte Unterstützung. Das beginnt schon bei der Ausbildung: Sie müssen auf die Kinder mit speziellen Bedürfnis­ sen vorbereitet werden. Auch die Zusammenarbeit mit heilpädagogi­ schen Fachleuten will gelernt sein. Funktioniert diese nicht, wird das, was als Unterstützung gedacht ist, eher als Belastung wahrgenommen. Je mehr Lehrkräfte für eine Klasse zuständig sind, desto mehr Koordination braucht es – und desto weniger eng ist die Beziehung zwischen Lehrkraft und Schüler. Für die Schüler ist es kein Problem, zwei Ansprechpersonen im Klassen­ zimmer zu haben. Problematisch ist eher das Fachlehrersystem, bei dem die Schüler den Lehrer ständig wechseln. Gibt es Schulen, welche die Herausforderungen der Integration besonders gut lösen? Ja, etwa im Südtirol. Dort kommen die zusätzlichen Ressourcen, die für einzelne Kinder gesprochen werden, der ganzen Klasse zugute. Konkret heisst das, dass die Lehrkraft von einer Heilpädagogin unterstützt wird, immer von derselben. Je nach Programm arbeitet die Heilpädagogin mit jeweils anderen Schülern, da wo ihr Spezialwissen gefragt ist und wo es die Klasse als Ganzes am besten stützt. In der Schweiz ist es oft so, dass eine bestimmte Fachkraft spezi­ ell für ein Kind in den Unterricht kommt; bleibt es krank zu Hause, geht sie wieder. Damit bleibt der Sonder­ schüler der Sonderfall in der Klasse. Das ist nicht im Sinne der Integration – zudem wird die Klasse damit als stabile Basis beansprucht, profitiert aber selbst nicht unbedingt davon.

Beatrice Kronenberg (60), Direk-

torin der Stiftung Schweizer Zentrum für Heil- und Sonderpädagogik.

Sara Kummer (15), Schülerin, Dielsdorf ZH: «Früher haben wir

über solche Kinder gelacht, jetzt sind wir reifer. Jemanden auszugrenzen, weil er anders ist, ist nicht richtig.»

Priska Willa (51), Family-Managerin, Zürich: «Ob die Integration funk-

tioniert oder nicht, ist sicherlich von vielen Faktoren abhängig. Man muss von Fall zu Fall entscheiden.»

Jacqueline Ilunamien (31), Spielgruppenleiterin, Zürich: «Ich finde

die Idee sehr gut. Durch die Erfahrung mit meinen Kindern weiss ich aber, dass es schwierig ist. Es fehlt oft an ausgebildeten Lehrern und Mitteln.»


10 | MM44, 26.10.2015 | MENSCHEN

Dossier

Jung, fremd und allein Jade, Abdulali, Yumis und Aziz sind ohne ihre Familien in die Schweiz geflüchtet – wie Hunderte andere minderjährige Asylsuchende. Ihre Zahl steigt markant. Die Asylzentren sind überfordert, es fehlt an Plätzen.

Texte: Pierre Léderrey, Andrea Freiermuth, Peter Aeschlimann Bilder: Christophe Chammartin


MENSCHEN | MM44, 26.10.2015 | 11

Serie (2/4)

Kinderarmut in der Schweiz Anlässlich einer Spendenaktion der Migros beleuchten wir die Situation armer Kinder. Diese Woche: Jugendliche Flüchtlinge, die allein in die Schweiz kommen. 1. Teil: Was genau heisst Armut in der Schweiz? (MM42, 12.10.) 3. Teil: Infografik zur Kinderarmut. 4. Teil: Schweizer Familien, die

jeden Franken umdrehen müssen.

J

ade schaut aus dem Fenster, ohne die schöne Aussicht auf den Genfersee wahrzunehmen. «Man hat mir gesagt, dass die Leute hier in Lausanne für diesen Blick viel Geld bezahlen. Aber ich liebe Schuhe und habe meine fünf oder sechs Paar auf das Fensterbrett gestellt. So lüften sie aus, und ich kann sie gut sehen.» Die 16-Jährige lacht laut heraus. Sie hat ein Einzelzimmer im Asylheim Chablais in Lausanne VD, ein seltenes Privileg für unbegleitete Minderjährige, die illegal in die Schweiz gekommen sind. Jade kommt aus dem Kongo. «Dort lebte ich mit meinen Eltern und drei jüngeren Geschwistern in einem Dorf. Mein Vater blieb dort, als meine Mutter mit meinen Geschwistern und mir in der Hoffnung auf ein besseres Leben nach Angola ging.» Die Mutter schickte sie dann weiter zu einer Bekannten in Paris, allein. «Doch ich blieb nur ein paar Monate: Da ich illegal dort war, durfte ich nicht einmal die Wohnung verlassen.» So reiste sie am 12. April weiter in die Schweiz zu einer Tante im Waadtland. «Ich hatte sie nie zuvor ge­ sehen, aber wir lernen uns gerade besser kennen.» Sie reichte auch das Asylgesuch für Jade ein. «Hier läuft alles ganz gut, wenn ich lustig drauf bin. Ich darf nur nicht zu viel nachdenken. Ich bekomme kaum Nachrichten von meiner Familie, das nervt mich.»

Jade: «Ich lebe von Tag zu Tag.»

Die Kinder sind oft traumatisiert

Die Kongolesin Jade ist via Angola und Paris in die Schweiz ge­ kommen, wo eine Tante von ihr lebt.

Jade weiss um ihre unsichere Situation. Ihre Zukunft ist ein einziges grosses Fragezeichen. «Ich lebe von Tag zu Tag. Wenn es mir mal nicht so gut geht, esse ich Kekse, auch wenn ich weiss, dass ich auf meine Linie achtgeben muss», sagt sie und lacht. Jade ist eine von vielen unbegleiteten minderjährigen Asylsuchenden in der Schweiz. Ihre Zahl ist in den letzten zwei Jahren stark angestiegen.


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MENSCHEN | MM44, 26.10.2015 | 13

Abdulali: «Ich hoffe, dass ich eine Lehre anfangen kann.»

2

1 Der Afghane Abdulali wünscht sich ein besseres Leben in Europa. 2 «Die Flüchtlinge

werden immer jünger», sagt der Asylund Flüchtlingskoordinator Ruedi Fahrni. 3 Zentrumsleiterin

Bild: Keystone

1

«Früher waren es noch 20 pro Jahr, inzwischen sind es 130», sagt Ruedi Fahrni (53), Asyl- und Flüchtlingskoordinator des Kantons Luzern. «Manchmal kommen sechs gleichzeitig an einem Tag.» Zudem werden sie immer jünger. In den letzten acht Wochen kamen fünf Elfund zwei Zwölfjährige in Luzern an, eines der Mädchen aus dem fernen Afghanistan. Bisher waren die Kinder und Jugendlichen in einem normalen Asylzentrum untergebracht, in einem eigenen Stockwerk, abgeschirmt von den Erwachsenen. «Im November eröffnen wir nun aber in der Agglomeration Luzern ein eigenes Zentrum, speziell für unbegleitete Jugendliche», sagt Fahrni. Sie brauchen eine besondere Betreuung mit sozialpädagogisch ausgebildetem Personal. «Die Kinder haben Heimweh, sind oft traumatisiert. Viele reden nicht über ihre Erlebnisse. Man darf sich gar nicht vorstellen, was sie unterwegs alles erlebt haben.» Längerfristig werden Pflegefamilien für die Kinder gesucht – doch von denen gibt es längst nicht genug (sie-

he Interview, Seite 19). Manchmal werden Kinder in die Obhut einer Frau mit der gleichen Herkunft gegeben. Auch anderswo in der Schweiz sorgen die vielen Flüchtlinge für Platzprobleme. Allein im August kamen insgesamt 244 unbegleitete minderjährige Jugendliche an, sechsmal mehr als noch zu Jahresbeginn. Zwischen Januar und August kamen 1233 gegenüber 794 im Vorjahr und 337 im Jahr 2013. Drei Viertel von ihnen sind männlich. Abdulali will seiner Familie helfen

Einer von ihnen ist der Afghane Abdulali (17). Von seiner Geburtsstadt Kabul reiste er zunächst mit seinen Eltern und zwei Brüdern in den Iran. «Mein dritter Bruder ist in Afghanistan geblieben, es war zu schwer für ihn, unser Land zu verlassen.» Sein Vater arbeitete bis zu einer schweren Rückenverletzung als Schreiner, danach konnte er kein Geld mehr nach Hause bringen. Abdulali wollte seiner Familie helfen und ging in die Türkei, um dort als Schweisser zu arbeiten. «Wir waren mehrere Jugendliche, die Arbeit

3

war hart, vor allem auch, weil wir kein Türkisch sprachen», erzählt er. Wie viele Jugendliche im Asylheim Chablais in Lausanne schwankt er zwischen der überschäumenden Energie eines Jugendlichen und einer Art Überdruss – vielleicht ist es auch Angst. Am 7. Dezember 2014 kam er in der Schweiz an, dieses Datum wird er nie vergessen. Er erhielt einen F-Ausweis, eine vorläufige Aufnahme, die nur bis zu seinem 18. Lebensjahr gilt. Wenn er Glück hat und sich integriert, kann dieser Ausweis verlängert werden. Abdulali spricht bereits recht gut Französisch. «In der Türkei sagte mir ein Freund, dass man in Westeuropa etwas mehr Geld verdient. Von der Schweiz hatte ich noch nie gehört. Als ich mit einem Freund in Österreich ankam, erzählte man mir von Zürich. Ich versuchte mein Glück und kam alleine her, nach Vallorbe.» Im überfüllten Empfangs- und Verfahrenszentrum verbrachte er zwei «sehr schwere» Wochen inmitten von Erwachsenen und Familien. Auch das Heim Chablais ist übervoll. «Aber es geht schon», sagt Abdulali.

Aline Berthod warnt, dass die Kapazitäten bald ausgeschöpft sind.


MENSCHEN | MM44, 26.10.2015 | 15

Weitere Zahlen und Fakten zur Entwicklung:

Migrosmagazin.ch

Yumis: «Ich wünsche mir, dass meine Familie nachkommt.»

Zahlen und Fakten

Starker Anstieg Die Zahl der unbegleiteten minderjährigen Asylsuchenden ist zuletzt

stark gestiegen. Auffällig: die hohe Zahl Eritreer. Jugendliche ab 15 Jahren müssen in Eritrea einen Nationaldienst absolvieren, was viele in die Flucht treibt. Quelle: Staatssekretariat für Migration.

222 87 190

1200

1000

800

600

400

Eritrea Guinea

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2012

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2007

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Afghanistan Somalia Nigeria Andere

2015

1010

200

2008

Einige Regionen tun zu wenig

So müssen sie etwa eine Schu­ le besuchen können und mit einer angemessenen erziehe­ rischen Betreuung getrennt von den Erwachsenen unter­ gebracht werden. Genf zum Beispiel hat ihnen einen Flü­ gel seines Zentrums Saconnex reserviert, der heute mit 110 Minderjährigen – gegenüber 40 im Frühling – komplett voll ist. Auch sonst platzen viele Unterkünfte aus allen Näh­ ten, und laut dem UN­Kinder­ rechtsausschuss unterneh­ men manche Regionen zu wenig für eine angemessene Unterbringung. «Das Heim Chasseron hatte kaum geöff­ net, da war es auch schon

voll», sagt Evi Kassimidis, Sprecherin der Waadtländer Empfangstelle für Migran­ tinnen und Migranten. Auch im Wallis ist die Lage nicht besser. Dort beherbergt das Zentrum Le Rados in Sitten 42 Jugendliche intern, während 11 weitere extern in Einzimmerappartements in der Nähe untergebracht sind. «Nächste Woche kommen drei Neuzugänge, damit wä­ ren wir dann an der Grenze unserer Kapazitäten», sagt Aline Berthod, Leiterin des Zentrums. Trotz der stetig wachsen­ den Arbeitslast unternehmen die 32­Jährige und ihr Team alles, um die Jugendlichen bestmöglich zu betreuen. «Wir haben wirklich Glück, ein Gebäude ganz für uns zu haben.» Insbesondere liege ihr eine entspannte Stim­ mung am Herzen. «Viele Jugendliche kommen nach monatelangem Herumirren zu uns, da möchten wir uns so gut wie möglich um sie kümmern können.» Das geschehe vor allem durch den Fokus auf Sprache und Ausbildung – «dank eines klaren politischen Willens, der uns die Mittel dazu ver­ schafft». So kann das zehn­

2 18

2005

ist er in Lausanne bei der Bil­ dungsanstalt für schulische und berufliche Integration eingeschrieben. Aber auch dort sind die freien Plätze begrenzt. Die Schweiz hat 1997 die UN­Kinderrechtskonvention unterzeichnet, was sie zum Schutz, zur Betreuung und Förderung von Kindern ver­ pflichtet – das gilt auch für Flüchtlingskinder und er­ fordert daher besondere Massnahmen.

Minderjährige Flüchtlinge insgesamt

2006

«Die Leute sind nett, und ich habe viele gleichaltrige Freunde gefunden, vor allem einen Eritreer und einen Af­ ghanen, mit denen ich zum Französischkurs gehe.» Was die Zukunft bringt? Abdulali würde gerne Schreiner wer­ den, wie sein Vater. «Viel­ leicht kann ich nächstes Jahr eine Lehre anfangen.» Auch Yumis (15) lebt in ei­ nem Asylheim in Lausanne. «Ich wollte ein anderes, bes­ seres Leben», murmelt er auf Englisch. Seine Eltern und die sieben Geschwister sind noch immer in Somalia. Über seine anstrengende Reise will er nicht viel sagen. «Ich bin über Italien gekommen, wo ich ei­ nige Zeit geblieben bin. Und am 1. August bin ich in Vallor­ be angekommen», sagt er nur. Am 1. August – vielleicht ein Zeichen. Nun ist er im Asyl­ heim Chasseron, einem ehe­ maligen besetzten Haus, das auf den Abriss wartet und in der Not als Unterkunft für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge dient. Yumis will einen Beruf er­ lernen, weiss aber noch nicht genau, welchen. «Ich weiss nur, dass ich hier leben will. Und ich möchte, dass meine Familie herkommt.» Wie viele

1400

2004

Auch der Somalier Yumis hofft auf ein besseres Leben in der Schweiz. Er ist am 1. August hier angekommen.


16 | MM44, 26.10.2015 | MENSCHEN

Aziz: «Meine Brüder sind in Lybien.» Spendenaktion

Hilfe für bedürftige Kinder Die Migros führt auch dieses Jahr in der Vorweihnachts­ zeit eine Spenden­ aktion durch. Dies­ mal soll bedürftigen Kindern in der Schweiz ge­ holfen werden. Die Migros wird den Gesamtbetrag mit bis zu einer Million Franken verdoppeln. Das Geld fliesst zu gleichen Teilen an die Hilfswerke Caritas, Heks, Pro Juventute und Winterhilfe, die es für ausge­ wählte Projekte einsetzen. Wenn Sie jetzt schon spenden möchten, können Sie ab sofort Ihren Wunschbetrag per SMS mit dem Keyword KINDER an die Nummer 455 sen­ den. Beispiel: Für eine Spende von 50 Franken sen­ den Sie den Text KINDER 50 an die 455. Wir danken für Ihre Teilnahme!

Der Syrer Aziz ist ein grosser Fussballfan. Er will keine Details über seine Reise in die Schweiz preisgeben.

köpfige Betreuerteam, das von mehreren Praktikanten, Zivil­ dienstleistenden und Küchen­ hilfen ausländischer Gemein­ schaften unterstützt wird, einen minderjährigen Flüchtling bis zum Ausbildungsende begleiten und nicht nur bis zur Voll­ jährigkeit. Einer von Berthods Schütz­ lingen ist der 14­jährige Aziz, ein grosser Fussballfan. «In Syrien spielte ich aber nur mit Freun­ den, nicht in einer Mannschaft.» Da einer der Betreuer ein ehe­ maliger Spieler des FC Sion und Sitten die Fussballhauptstadt der Westschweiz ist, kann Aziz mit anderen Bewohnern des Zentrums Le Rados in Bramois trainieren. «Ich konnte sogar

Sion im Stade de Tourbillon spielen sehen. Vielleicht erlebe ich dort auch das Spiel gegen Liverpool am 10. Dezember», fügt Aziz enthusiastisch an. Bilder nur aus dem Fernsehen

Spricht dieser Jugendliche, der noch so viel Kindliches an sich hat, nicht von Fussball, ist er auf der Hut. Ob wir ein Foto machen dürfen? Nur, wenn man sein Ge­ sicht nicht sieht. Auch bei seinen Erzählungen ist er zurückhal­ tend, was mehr als verständlich ist. Eine zerrüttete Kindheit und die Konfrontation mit Dingen, mit denen kein Kind konfrontiert sein sollte, prägen all die Geschichten dieser Jugendlichen.

Aziz ist vor einem Jahr ins Wal­ lis gekommen. Zusammen mit seiner Familie hatte er Syrien verlassen, um nach Libyen zu gehen. «Einer meiner Brüder ist in Deutschland. Die anderen sind noch immer in Libyen.» Ihnen gehe es gut, Aziz hat dank Internet häufig Kontakt mit ihnen. Er selbst wollte in die Schweiz kommen, von der er Bilder im Fernsehen gesehen hatte. «Vor allem von Genf und Bern», sagt Aziz. Er reiste mit einem Bekannten seines Vaters, dem er anvertraut worden war. «Wir sind in Altstätten angekommen, dort waren sehr viele Menschen, sehr viel Lärm. Hier ist es viel besser.» MM


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MENSCHEN | MM44, 26.10.2015 | 19

Interview

«Wir inspizieren keine Kühlschränke»

Welche Voraussetzungen muss eine Familie erfüllen? Sie muss primär offen sein für Neues, interessiert an fremden Kulturen und Geduld haben. Die Betreuung sollte rund um die Uhr gewährleistet sein. Sie prüfen Familien, bevor diese ein Kind aufnehmen dürfen. Es geht ums Kennenlernen und ums Vorbereiten auf eine herausfordernde Aufgabe. Wir sprechen mit den Menschen, wollen spüren, was sie mo­ tiviert. Auf keinen Fall aber inspizieren wir deren Wohnung oder Kühlschrank. Lassen sich genügend Familien finden? Es ist nicht einfach, Familien zu finden, die sich auf das Abenteuer einlassen. Deshalb führen wir nun auch Infoaben­ de durch. Für den ersten haben wir 40 Anmeldungen, das Thema interessiert die Leute. Welche Flüchtlingskinder kommen für eine Familien­ platzierung infrage? Kinder und Jugendliche, die ohne Eltern in der Schweiz an­ kommen. Momentan sind die­ se Menschen zwischen 11 und 16 Jahre alt. Ältere Teenager, die sich in einem Ablösepro­

ren

80 Jah

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Sharm el-Sheikh

Der kantonale Sozialdienst Aargau stellt Platzierungs­ anfragen für unbegleitete min­ derjährige Asylsuchende an familynetwork.ch. Der Verein vermittelt anschliessend geeignete Pflegefamilien. Damaris Bär, was sind die Vorteile einer Familien­ platzierung? Sie dient der Integration. In Familien lernt ein Flüchtlings­ kind auf natürliche Weise die Schweiz kennen: die Sprache, die Schule, den Alltag. Aber auch so profane Dinge wie «Hörnli mit Ghacktem».

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Inwiefern bestimmt das Flüchtlingskind mit? Grundsätzlich sucht der Kan­ ton einen Platz für ein Kind, viel Mitsprache gibt es da nicht. Nach allem, was sie erlebt haben, sind die Be­ troffenen oft nicht in der Lage, Wünsche zu äussern. Alles, was sie sich für den Mo­ ment wünschen, ist Sicherheit und ein Dach über dem Kopf. Welche Erfahrungen haben Sie bislang gesammelt? Für die Familien ist es berei­ chernd und interessant. Gibt es Probleme, hilft ein Familien­ begleiter. Was man sicher sagen kann: Es sind ganz nor­ male Kinder, die pubertieren oder auch mal einen schlech­ ten Tag haben, genau gleich wie Schweizer Kinder auch. Wie verhindert man, dass es zu Dramen kommt, wenn ein Kind wieder gehen muss? Das kann man nicht, eine Be­ ziehung wird immer aufgebaut. Das liegt in der Natur der Sache. Es gilt daher, den mög­ lichen Abschied stets im Hin­ terkopf zu behalten, aber trotz­ dem eine Beziehung zum Kind zuzulassen. MM§

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Jimmys Meisterlauf und seine Kunststücke im Video

20 | MM44, 26.10.2015 | MENSCHEN

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Porträt

Jimmy zeigt allen den Meister

Er schafft die 80 Meter in 10,89 Sekunden: Jimmy von der krummen Weide zählt zu den schnellsten Dackeln der Schweiz. Seiner Besitzerin Ursula Ganz-Blättler bedeutet der kleine Frechdachs aber noch viel mehr. Text: Peter Aeschlimann

S

ie heissen Golda von der Mardereiche, Miss Sophie vom Eigental oder Jimmy von der krummen Weide. Adelige aus einem fantastischen Königreich? Nein, Hunde. Dachshunde genau, oder einfach: Dackel. An einem Herbstsamstag treffen sich die Vierbeiner auf der Rennbahn in Rifferswil ZH. Der Schnellste unter ihnen soll gekürt werden – eine ernsthafte Sache. Auf der Ziellinie wartet Ursula Ganz-Blättler (57). Sie schwenkt einen stacheligen Plastikball, Jimmys «Geheimwaffe». Das Spielzeug ist ihm heilig. Ist es weg, will er es zurück, da kennt er nichts. Nach dem Startschuss spurtet der kleine Rauhaardackel los, pfeilgerade und unter frohem Gejaule, nur die 80 Meter im Blick, die ihn von seinem Ball trennen. Am Anfang sieht es gut aus, Jimmy führt souverän, doch dann erfolgt ein Angriff aus seinem Windschatten heraus. Ein Konkurrent droht, rechts an Jimmy vorbeizuziehen. Was dann passiert, ist bis heute nicht restlos geklärt. Im ersten Moment spricht der Speaker von einem Foul. Jedenfalls stürzt der Angreifer, überschlägt sich im Gras und verliert das Rennen. Das zeigen Amateuraufnahmen auf Facebook. Jimmy gewinnt in seiner Alterskategorie. Nur einer ist an diesem Tag noch schneller: Seriensieger Janis vom Ramat Gan, der Usain Bolt unter den Schweizer Dackeln. «Jimmy hatte einfach Glück», sagt Ursula Ganz-Blättler ein paar Tage

Bild: Holger Salach

später in ihrer Küche in Stans NW. Der Rempler sei bestimmt keine Absicht gewesen. Klar ist: Der zweieinhalbjährige Rüde ist kein Kuscheltier. Ein Wesenstest für Rassehunde attestierte ihm einen ausgesprochen sportlichen Charakter. Stillstehen ist seine Sache nicht. Als er einst an einem Schönheitswettbewerb die versammelten Züchter hätte begeistern sollen, machte Jimmy schnell klar, dass ihm diese Art Veranstaltung überhaupt nicht passte. Nachdem er alle anderen Hunde aus dem Ring verbellt hatte, wurde der Wilde von der krummen Weide ohne Bewertung nach Hause geschickt. Ein Helfer in schwierigen Zeiten

«Jimmy ist mein Sportminister», sagt Ursula Ganz-Blättler, «er sorgt dafür, dass ich rausgehe.» Als vor ein paar Jahren die akademische Karriere der Soziologin ins Stocken geraten war, fiel sie in ein Loch. An der Universität hatte man ihr zu verstehen gegeben, dass man sie nicht mehr benötigte. Man verweigerte ihr, die über Filmund Fernsehwissenschaften habilitiert hatte, eine Beförderung. Und dann kam der Krebs. «Ich war überqualifiziert und drohte trotzdem in die Armut abzurutschen», sagt Ganz-Blättler heute, da die Krankheit besiegt ist und sie wieder Tritt gefasst hat im Leben. Ihre aktuelle Haupteinnahmequelle bildet aber nach wie vor eine Liegenschaft, die sie von der Mutter geerbt hat. Sie will zurück in den wissenschaftlichen Betrieb oder

in den Journalismus. «Ich stecke voller Energie, muss es einfach etwas langsamer angehen.» Könne man denn gleichzeitig depressiv und glücklich sein, habe sie in den schwierigen Zeiten ihre Therapeutin immer wieder gefragt. «Vermutlich war ich einfach nur sauer.» Zeit, Gassi zu gehen. Ursula GanzBlättler schnallt sich das Bauchtäschli um, in dem sie die Hundeguetsli aufbewahrt. Jimmy weiss, was nun kommt. Voller Vorfreude rennt er im Korridor der Altbauwohnung hin und her, springt an seiner Besitzerin hoch, winselt vor Ungeduld und scharrt an der Tür. Im kleinen Garten vor dem Haus widmet er sich minutenlang seinem geliebten Plastikball, klemmt ihn zwischen seine kleinen weissen Zähne und duckt sich, ganz der Jagdhund, der er ja eigentlich ist, im hohen Gras. Kinder hat Ursula Ganz-Blättler nicht, jetzt sind Jimmy und die WG ihre Familie. «Hunde sind ein wunderbares Training fürs Leben», sagt sie. Man lerne, mit Verlust umzugehen. Vor Jimmy hatte sie bereits drei Dackel: Bänz von Tannhorn, Aron von Federal und Flavia vom Schönenberg. Was sie verband: Alle waren störrisch und verspielt. Im Garten macht Jimmy der Beschreibung seines Frauchens alle Ehre. Ganz aufgeregt steckt er sein Revier ab. Ob er ahnt, dass er schon bald Besuch von einer Hundedame empfangen darf? Im Frühling soll Jimmy von der krummen Weide nämlich Papi werden. MM


MENSCHEN | MM44, 26.10.2015 | 21

Manchmal etwas störrisch, verspielt und blitzschnell: Rauhaardackel Jimmy liebt es, sich mit anderen Hunden zu messen.

Dachshund

Jäger und Kinderbuchheld Der «Teckel» wurde in

Deutschland gezüchtet, um Dachse aus unter­ irdischen Bauten zu treiben. Nicht erst seit dem Kinderbuch «Fri­ dolin» (1959) gelten Dackel aber auch als beliebte Familienhunde. Ihr selbstbewusster Charakter und ihre Ver­ spieltheit fordern von den Besitzern einiges an Erziehungsarbeit ab. Auch Jimmy ist ein

vielbeschäftigter Hund. Als Deckrüde steht der Sohn von Flavia von der Amtsschlade und Lumpi vom Frankenstolz «in­ ternational zur Verfü­ gung». Auf der Home­ page der Züchterin heisst es: «Jimmy ist ein souveräner Rüde, der gerne lernt und sehr rei­ sefreudig ist.» Er gehört dem Ensemble «Dackel­ zauber» an, einer Grup­ pe von acht Dackeln, die Kunststücke einübt und an Shows vorführt. Jimmys Spezialität ist das Springen durch Ringe.


22 | MM44, 26.10.2015

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MM44, 26.10.2015 | 23

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24 | MM44, 26.10.2015 | MENSCHEN

Reportage

Schutzengel an vorderster Front

Tanja Vultier und ihr Mann leisten als Peace Angels einen Freiwilligeneinsatz im kriegsgeschüttelten Kolumbien, um bedrohte Friedensaktivisten zu beschützen. Text: Silja Kornacher

Die Organisation

Im Einsatz für den Weltfrieden Peace Brigades International (PBI)

engagiert sich seit 1981 für Schutzbegleitung, gewaltfreie Konfliktlösung und die Wahrung der Menschenrechte in Krisengebieten weltweit. Freiwillige wie Tanja Vultier und Eduardo Acosta begleiten Aktivisten bei ihrer gefährlichen Mission für Frieden und Gerechtigkeit. Die PBI-Teams sind derzeit in Mexiko, Guatemala, Honduras und Kolumbien (seit 1994) sowie in Kenia und Indonesien im Einsatz. Die Organisation ist von der UNO anerkannt. PBI Schweiz

Die nationale Sektion mit Sitz in Bern ist ein spendenfinanzierter Verein mit 500 Mitgliedern und 150 Aktiven.

S

ie greifen mutig ein, kommen den bewaffneten Truppen dabei gefährlich in die Quere. Ihr einziger Schutz: ein Schriftzug auf T-Shirt und Weste. Die Baslerin Tanja Vultier (31) und ihr Mann Eduardo Acosta (42) sind als Peace Angels unterwegs für die internationale Friedensund Menschenrechtsorganisation Peace Brigades International (PBI), die unbewaffnete Schutzbegleitung in Krisenregionen bietet. Seit März leben die beiden in Kolumbien, wo seit über 50 Jahren ein Krieg zwischen staatlichen Sicherheitskräften, Paramilitärs, FARC-Rebellen und weiteren Guerillagruppierungen tobt. Gemeinsam mit sechs anderen Freiwilligen begleitet das Ehepaar während 18 Monaten bedrohte Menschen bei deren Arbeit. T-Shirt und Weste mit dem PBI-Schriftzug sollen die bewaffneten Gruppen abschrecken: Mit Ausländern legen sie sich nicht gerne an, Zeugen können sie nicht gebrauchen, ebenso wenig die internationale Aufmerksamkeit, wenn den Freiwilligen etwas zustiesse. Mit ihrem Einsatz wollen die Peace Angels sicherstellen, dass kolumbianische Friedensaktivisten nicht in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt sind. Zusätzlich zu diesen Begleitdiensten leisten die Freiwilligen viel sogenannte AdvocacyArbeit: Sie treffen sich mit Diplomaten, Behördenvertretern und ranghohen Militärs, analysieren im Rahmen eines wöchentlichen Pressescannings die politische Lage. Jeder Tag ein unwägbares Abenteuer

Tanja Vultier und ihr Mann leben in Apartadó, einer kolumbianischen Kleinstadt mit 130 000 Einwohnern nahe der Grenze zu Panama. Drei Tage im Monat haben sie frei, ausserdem stehen ihnen während ihres Einsatzes sechs Wochen Ferien zur Verfügung. Für Kost und Logis ist gesorgt, dazu gibt es

von der Organisation ein Taschengeld von rund 150 Franken im Monat. Eigenes Geld müssen sie in Kolumbien keines ausgeben. Apartadó liegt inmitten von Bananenund Ölpalmenplantagen, die Luft ist feuchtheiss, ständig kreisen Militärhelikopter über der Region. Das Leben im PBI-Haus ist hektisch, Privatsphäre gibt es kaum. Während des Interviews via Internettelefonie verschwindet Tanja Vultier immer wieder aus dem Bild: Einmal nimmt sie die Zeitung in Empfang, die ihr der Postbote durch das Gatter reicht, kurz darauf ertönt der ohrenbetäubende Lärm von Strassenarbeiten. Dann unterbricht eine Kollegin das Gespräch: Ein Bewohner des nahe gelegenen Friedensdorfs San José de Apartadó, eine geschlossene Gemeinschaft, die sich seit 18 Jahren vom bewaffneten Konflikt abschirmt, muss zum Notar in die Stadt. Dafür braucht er Tanja Vultiers Hilfe, weil er sich fern der Friedensgemeinde unsicher fühlt. In schnellem Spanisch klärt Vultier die Umstände und lächelt dann entschuldigend: «Tut mir leid, ich muss weg. Aber so ist es hier eben – man weiss nie genau, was der Tag bringt.» Die Friedensengel von PBI werden nur auf Anfrage der kolumbianischen Bevölkerung aktiv. Meist bitten Menschenrechtsverteidiger oder Personen in Führungspositionen um Begleitung bei öffentlichen Terminen. Eduardo Acosta ist gerade mehrere Tage im kolumbianischen Hinterland unterwegs, Tanja Vultier ist soeben von einer dreitägigen Tour mit einem Anwalt zurückgekehrt. Mit ihm ist sie in ein abgelegenes Gebiet gereist, um einer Familie zu helfen, die von ihrem Land vertrieben und bedroht wurde. «Das war ein Abenteuer!», erzählt die junge Frau in breitem Baseldeutsch und streicht ihre nassen schulterlangen Haare zurück. «Wir mussten verschiedene Busse nehmen,


MENSCHEN | MM44, 26.10.2015 | 25

1 2

1 Eduardo Acosta

vor dem Haus der Ökumenischen Kom­ mission für Gerech­ tigkeit und Frieden (Humanitäre Zone Camelias in Curba­ radó, Kolumbien). 2 Eduardo bei

Pflückarbeiten mit Enrique Petro, einem bedrohten Anführer der vertriebenen Gemeinschaften von Curbaradó. 3 Im Dienst: Tanja

3

Vultier begleitet Mitarbeitende der Kommission für Frieden und Gerech­ tigkeit zur Finca einer bedrohten Bauernfamilie.

Bilder: Luca Zanetti (1), Zvg

4 In «Arbeitskleidern»:

Eduardo und Tanja vor der Zentrale der Peace Brigades Inter­ national in Bogotá.

4


26 | MM44, 26.10.2015 | MENSCHEN

mit einer improvisierten Fähre den Fluss überqueren, Mototaxis nehmen und stun­ denlang zu Fuss durch die Wildnis stapfen.» Vom Wohlstandsland ins Kriegsgebiet

1

1 Eduardo Acosta

2

auf dem Hof der Familie Cabezas – auch sie ist bedroht wegen ihres Kampfes um das eigene Stück Land. 2 Abenteuerliche

Reise: Tania Vultier auf der letzten Etappe mit dem Töfftaxi von Apartadó Richtung Humanitäre Zone in Camelias. Knapp vier Stunden Fahrt mit Bus und Jeep liegen bereits hinter ihr.

Bilder: Zvg

Angst vor Angriffen hat Tanja Vultier keine: «Ich bin als abenteuerlicher Mensch viel gereist. Mir macht so schnell nichts Angst.» Abgesehen von der üblichen Kleinkriminali­ tät wie etwa Diebstahl hat es noch keine grösseren Zwischenfälle mit PBI in Kolum­ bien gegeben. Ihre Familie habe sich anfangs grosse Sorgen gemacht: «In der Schweiz herrscht wegen der Drogenkriminalität ein schlechtes Bild von Kolumbien.» Mittler­ weile hat sich die Sorge aber gelegt. Obschon Tanja Vultier sich in Kolumbien wohlfühlt, vermisst sie ihre Familie und ihre Freunde. «Ich bin so oft unterwegs, dass es schwierig ist, Kontakt zu halten. Eineinhalb Jahre sind schon eine lange Zeit. Aber wir mussten unsere Wohnung sowieso untervermieten. Da spielt es keine Rolle, für wie lange.» Tanja Vultier, die Geschichte, Jura und Spanisch studiert hat, liess sich von nichts und niemandem von ihren Plänen in Bezug auf PBI abbringen. Auch das fast einjährige Aufnahmeverfahren, für das sie einen Fern­ kurs und ein Assessment in Spanien absol­ vieren und Dutzende von Aufsätzen über die politische Lage schreiben musste, schreckte sie nicht ab. Von einer Freundin ihrer Mut­ ter, die selbst einmal Freiwillige gewesen war, hatte sie von der Organisation gehört. Eine Anstellung als Fundraiserin für PBI ver­ stärkte schliesslich ihren Wunsch, sich vor Ort einzusetzen. Ihren Mann, den sie vor 13 Jahren bei einem Auslandsjahr in Ecuador kennengelernt hat und der seit fünf Jahren in der Schweiz lebt, musste sie nicht lange überreden – er fühlt sich in Kolumbien fast wie daheim in Ecuador. Eduardo Acosta hat Jura studiert und arbeitete in der Schweiz als Krankenpflegeassistent. Dass er nun täglich mit Menschenrechten konfrontiert ist, reizt ihn besonders: «Es ist motivierend, mich für den Frieden in einem Land zu engagieren, das nicht weit entfernt ist von dem Ort, wo ich geboren bin.» Tanja Vultier weiss um ihr Privileg, in der Schweiz aufgewachsen zu sein. «Im Aus­ tauschjahr in Ecuador merkte ich erstmals, was für ein Glück ich im Leben hatte. Mir hat es an nichts gefehlt.» Dass die Menschen in Kolumbien seit 50 Jahren unter dem Konflikt leiden und in ständiger Angst leben müssen, findet sie unfair. «Ich wünsche mir, dass das dem Rest der Welt nicht egal ist.» Ein Wandel zeichnet sich auf der politi­ schen Bühne indes bereits ab: Ende Septem­ ber haben sich der kolumbianische Präsident und die FARC auf eine Beilegung des Kon­ flikts geeinigt – damit scheint der Frieden wahrscheinlicher als je zuvor. Eine Genug­ tuung. Auch für die Peace Angels. MM


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MENSCHEN | MM44, 26.10.2015 | 29

L Bänz Friedli

Verdammt schön ren wie «When You Say Nothing at All» und jüngsten wie «All of Me», alles ist allen geläufig, als sängen sie aus einem grossen gemeinsamen Liederbuch.

Lagerfeuerstimmung irgendwo in Kentucky. Eine laue Nacht, in den Herbstferien wars, kein Licht weit und breit, nur der bare Ster­ nenhimmel und unser Feuer. Nicht «Camp­ fire» nennen sie es in den weiten Ebenen jener Farmlands, sondern «Bonfire». Dicke Äste, Scheiter, halbe Strünke haben sie aufgetürmt, die Flammen lodern hoch, ums ganze Rund des Feuers sitzen Freunde, Verwandte, alle einander zugehörig, verschwägert, verbrüdert selbst dann, wenn man sich wie der zahnlose Bauer Robert und ich erst seit Stunden kennt. Gemeinschaftsgefühl zelebrieren, ja, das kön­ nen sie, die lieben Amerikaner. Herzerwär­ mend. Und sie bräteln Marshmallows, diese klebrigen kleinen Dinger aus Schaumzucker, die – an einem Stecken übers Feuer gehalten – noch viel klebriger werden, klemmen die fast zerflossene Masse dann zusammen mit einem Stück dunkler Schokolade zwischen zwei Grahambiskuits, fertig sind die «S’Mores». Und lecker sind sie, verdammt lecker.

Bänz Friedli (50)

singt mit.

Wunderschön wars, auch wir sangen mit. Dann forderten sie eine Niederländerin in der Runde auf, ein Lied aus ihrem Land zu singen, und sie trug «Brabant» vor, einen Heimweh­ Song. Schliesslich waren wir an der Reihe, aber ausser dem Refrain des «Guggisberg­ lieds» und den ersten Zeilen von «Alperose» kam uns nichts in den Sinn … «Come on!», spöttelten sie. Verdammt, hatten wir denn kein Lied? Ich setzte zu «Scharlachrot» an: «Die isch ja filmriif, die Szene, i dere Fritig­ nacht …», aber meine Tochter wusste schon bei der zweiten Strophe nicht mehr mit. Am Ende war es der «Schwan», den wir beide auswendig kannten und vorsangen: «E Schwan so wiiss wi Schnee …», auf Berndeutsch zu­ nächst, und dann mussten wirs auch noch übersetzen: «A swan as white as snow …»

Wobei, das Wort «verdammt» muss ich um alles in der Welt vermeiden, denn sie sind fromm, unsere Gastgeber, und, Himmelhei­ land!, es gibt eine ganze Anzahl Wörter, die ich in ihrer Anwesenheit besser nicht ausspreche. Aber singfreudig sind sie. Einer zückt eine Gitarre, schon erklingt Lied um Lied, den gan­ zen Kanon der US­Populärkultur von «Ama­ zing Grace» bis «Country Roads» singen sie, von uralten Hits wie «Last Kiss» bis zu jünge­

Ausgerechnet Gölä, über den ich mich so oft lustig machte, ausgerechnet er hat offenbar das Volkslied schlechthin der letzten Jahrzehnte geschaffen. Das Lied, an das man sich erinnert, wenn man fern der Heimat zum Singen aufge­ fordert wird. Muss ich ihm erzählen, sollte ich ihm mal wieder begegnen, dem Gölä. MM Bänz Friedli live: 28. 10. in Olten SO (mit Frölein Da Capo), 29. 10. in Widnau SG, 3. 11. in Eschlikon TG.

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Volle Action: WakeboardVideos von Jamie Huser

30 | MM44, 26.10.2015 | MENSCHEN

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Porträt

Jamies perfekte Welle

Steigt Jamie Huser aufs Brett, haben selbst die Grossen einen schweren Stand: Der Elfjährige ist Schweizer Meister im Wakeboarden – in der Kategorie der Männer. Auch an der WM in Mexiko will er ganz nach oben aufs Podest. Text: Andreas Bättig

S

einen kleinen Bruder Jamie nennt Sascha Gattiker nur noch «Phenomenon», oder auf Deutsch: «Phänomen». «Ich habe noch nie jemanden gesehen, der so schnell neue Tricks lernt. Manchmal kann ich es gar nicht glauben», sagt der 24-Jährige, der auch der Trainer von Jamie ist. Wie talentiert er ist, bewies der elfjährige Wakeboarder Ende August an den Schweizer Meisterschaften auf dem Lac de Joux im Kanton Waadt. Jamie Huser startete nicht in der Kategorie «Boys», wie das eigentlich üblich ist, sondern bei den Männern – und holte sich den Sieg. «Für mich war das keine grosse Überraschung. Ich weiss ja, wie gut er fährt», sagt Sascha Gattiker, der selber Profi-Wakeboarder ist. Wer glaubt, dass das Talent am grossen Wasser wohnt, der irrt. Der Blondschopf Jamie ist tief in den Bündner Bergen, in Flims GR, zu Hause. Hier wächst er auf, hier geht er in die Primarschule. Sein Vater Beat Gattiker (54) machte den Wassersport in der Schweiz populär: 1983 gründete er die erste Wakeboard-Schule Europas. Die Wakeboard Academy liegt am Zürichsee und wird mittlerweile von Sohn Sascha geführt. Jamie trainiert dort so viel, wie

Bild: Daniel Winkler

es die Wetterbedingungen und Jahreszeiten in der Schweiz zulassen, also von Frühling bis Herbst. Das erste Mal überhaupt auf einem Wakeboard stand er im Alter von gut drei Jahren. «Daran kann ich mich nicht mehr erinnern. Aber es gibt Fotos davon», sagt Jamie. Und Bruder Sascha sagt: «Jamie hat schon immer ein wahnsinnig gutes Brettgefühl gehabt.» Das zeige sich nicht nur beim Wakeboarden. Im Winter surft Jamie in der Halfpipe

Im Winter zieht es Jamie in die Berge. Dann saust er mit seinem Snowboard die Schneepiste von Laax GR hinunter. Natürlich nicht einfach so. Er übt Tricks in der Halfpipe, probiert Sprünge auf dem Kicker aus. Wenn er es lieber wärmer hat, schnappt er sich das Skateboard und lässt es in der Skatehalle krachen. Hauptsache, er hat ein Brett unter den Füssen. Sein Herz gehöre aber schon dem Wakeboarden, sagt Jamie. Deshalb fliegt er auch jeden Winter für zwei bis drei Wochen nach Florida. Der Sonnenstaat der USA ist der Hotspot der internationalen WakeboardSzene. Hier kann Jamie jeden Tag boarden, ihm steht sogar ein eigener, amerikanischer

Trainer zur Verfügung. «Eigentlich müsste Jamie hierhin ziehen. In Florida sind die grossen Firmen, die Sponsoren, das Geld», sagt Sascha Gattiker. Jamie selber konnte nach dem Gewinn des Schweizer-MeisterTitels einen Sponsor für sich gewinnen, der seine gesamte Ausrüstung zahlt. Darauf ist er stolz. Läuft alles nach Plan, sollen noch viele weitere Sponsoren dazukommen. Jamie träumt davon, nach Florida zu ziehen. «Ich möchte die Oberstufe in den USA machen»,


MENSCHEN | MM44, 26.10.2015 | 31

Bezwang bislang fast jede Welle: Jamie Huser in seinem Kinderzimmer in Flims.

sagt er. Dass ihr Sohnemann bald allein in den Vereinigten Staaten leben könnte, von diesem Gedanken ist Jamies Mutter, Sandra Huser (43), allerdings wenig begeis­ tert. «Für mich ist es eine Horrorvorstel­ lung, ihn nicht mehr an meiner Seite zu ha­ ben.» Das Verhältnis zu ihrem Sohn sei ein enges. «Ich fahre mit ihm zu Wettkämpfen und fiebere mit ihm mit.» Nur wenn er zu seinen waghalsigen Sprüngen mit Dre­ hungen und Überschlägen ansetze, müsse sie manchmal wegschauen.

Wakeboarden ist kein ungefährlicher Sport. Hinter dem Motorboot, verbunden mit einem Seil, beschleunigen die Fahrer auf einem verkürzten Surfbrett bis zu 70 Stun­ denkilometer. Stürzt man, ist die Landung hart. Verletzungen wie Kreuzbandrisse, Verstauchungen, Beinbrüche und Gehirn­ erschütterungen sind keine Seltenheit. Jamie hat bisher «nur» eine Gehirnerschüt­ terung erlitten und blieb von schwereren Verletzungen verschont. Er hofft, dass das auch in Zukunft so bleibt – vor allem aber

an der Weltmeisterschaft in Mexiko, die noch bis am 31. Oktober dauert. Dort tritt er am Strand von Cancún in der Kategorie U14 an, was für den Elfjährigen nicht ganz einfach sein wird. «Die 14­Jährigen sind zum Teil richtig muskelbepackte Männer. Aber wenn Jamie sich konzentriert und nicht stürzt, kann er es trotzdem aufs Podest schaffen», sagt Sascha Gattiker. Es wäre nicht die erste Überraschung. MM www.facebook.com/jamiehuser


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Leserforum MM43: Porträt «Gefangen im eigenen Körper»

Bild: Daniel Auf der Mauer

«Mit MS nur eine verschwindend geringere Lebenserwartung»

Zuerst vielen Dank für die Berichterstattung über Jann Kessler und seinen Film über Multiple Sklerose. Ich finde es sehr wichtig, dass auf die Krankheit aufmerksam ge­ macht wird, auch weil immer wieder auffällt, dass viele sie nicht kennen oder z.B. mit Muskelschwund verwechseln. Bei mir wurde im März 2013 ebenfalls Multiple Sklerose festgestellt. Ich finde die Arbeit von Jann Kessler sehr bemer­ kenswert, doch stört mich am Artikel die einseitige Sicht­ weise: Wenn man als neu Betroffene oder Angehöriger eines MS­Patienten dies liest, erhält man das Gefühl, das Leben mit MS sei vorbei. Ich finde es bedenklich, wenn nur über den schweren Krank­ heitsverlauf bei Jann Kesslers Mutter berichtet wird. Meiner Meinung nach ist es nicht zwingend, dass es jedem Er­ krankten so ergeht. Vor allem stört mich in «Zahlen und Fakten» der Satz: «Die meisten leben viele Jahrzehnte mit ihrer Krankheit.» Durch MS hat man nur eine verschwin­ dend geringere Lebenserwar­ tung als ein gesunder Mensch! Leider erweckt der Artikel für mich den Eindruck, dass das Leben mit MS nicht mehr le­ benswert sei. Katarina Bischoff

als Folge von Biotinmangel.

MM43: Mamma mia:

«Zuziehen!»

«Passt auf eure Kinder auf!» Ich werde meinen Kindern im Kindersitz auch weiterhin die Winterjacken nicht ausziehen, weil ich es erstens für völlig übertrieben halte und zweitens das Risiko eines Unfalls im Vergleich zum sicheren Frieren einfach nichts anderes zulässt. Tina Schulz (online) Beim Angurten in Babyschalen habe ich es noch nicht be­ obachtet oder nie darauf ge­ achtet. Das ändert sich jetzt be­ stimmt. Aber Helme? Schreck­ lich: Mütze drunter, die Schnalle gar nicht zu oder so, wie du es beschrieben hast, oder dann sitzt der Helm total schief. Ich bin Erzieherin und auch bei Fahrzeugen immer für Helme. Aber dann bitte auch richtig, wir müssen uns eben die Zeit nehmen anstelle von Erklärungen hinterher. Leute, passt auf eure Kinder auf! Corinna Li (online) Hätte man im Artikel nicht wenigstens erwähnen können, wieso das stramme Zuziehen beim Kindersitz so wichtig ist? Barbara Grubmüller (online)

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34 | MM44, 26.10.2015 | MENSCHEN

Interview

«Es lohnt sich nicht, bei uns einzubrechen» Die Gauguin-Ausstellung bescherte der Fondation Beyeler in Riehen BS einen neuen Besucherrekord. Jetzt setzt Direktor Sam Keller auf die russische Avantgarde. Der Basler über den explodierenden Kunstmarkt, seinen Garten und seine private Kunstsammlung, die für Einbrecher eine schlechte Beute wäre. Text: Reto E. Wild, Andrea Freiermuth


Bilder: Anne Gabriel-Jürgens / 13 Photo

MENSCHEN | MM44, 26.10.2015 | 35

«Die Kultur ist Teil unserer Identität. Wenn wir sie nicht haben, nützt uns Geld nichts.»


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Sam Keller, für die GauguinAusstellung haben Sie Hollywoodstars eingeladen. Machen Sie das künftig immer so? ( lacht) Wir haben Keanu Ree­ ves eingeladen, weil er ein hervorragender Schauspieler ist und familiäre Wurzeln in der Südsee hat. Da Paul Gauguin es ja nicht mehr selbst tun kann, suchten wir jemanden, der packend aus seinem Buch «Noa Noa» liest und eine Beziehung zu Land und Leuten hat. Unser Programm mit Lesungen, Musik und Ähnlichem soll dem Publikum einen anderen Zugang zur Kunst ermöglichen. Wie sind Sie vorgegangen? Haben Sie seine Telefonnummer im Handy gespeichert? Ich kenne ihn flüchtig. Wir ha­ ben einen gemeinsamen Freund. Über den fragte ich ihn an. Wie erfolgreich war die Gauguin-Ausstellung? Wir konnten uns über die Re­ kordzahl von knapp 370 000 Be­ suchern freuen. Es war wunder­ bar, nach sechs Jahren Arbeit so viele Meisterwerke des Künst­ lers in der Schweiz zu vereinen. So konnten wir zeigen, dass Gauguin nicht nur Südsee­ romantik und schöne Frauen malte, sondern eine neue Art von Malerei und Skulptur schuf. Trotz diesem Besucherrekord würden Sie ohne Sponsoren Verluste schreiben. Ja, solche Ausstellungen kosten so viel, dass die Besucher Hun­ derte von Franken für den Eintritt zahlen müssten, damit die Rechnung aufgeht. Die Aufgabe unseres Museums ist jedoch, Kunst zu vermitteln. Darum brauchen wir die Unterstützung von Firmen, Stiftungen und Privaten. Was kostete die GauguinAusstellung? Mehrere Millionen Franken. Was kostet es, ein Bild von A nach B zu transportieren? Das ist abhängig von mehreren Faktoren wie Grösse, Gewicht und Material. Muss es vor dem Transport restauriert oder neu gerahmt werden? Muss dafür

Sam Keller: «Bei den Flüchtlingen sieht man, wie wichtig kulturelle Identität ist.»

eine massgefertigte Transport­ kiste gebaut werden? Wird es auf seiner Reise von einem Kurier begleitet? Kommt es mit Last­ wagen, Schiff oder Flugzeug? Vor allem bei Skulpturen kann das teuer werden. Dazu kommt die Versicherung, die grob gesagt eine Promille des Werts kostet. Manche Bilder sind über 100 Millionen Franken wert. Man könnte mit diesen Millionen an Sponsorengeldern auch bedürftige Familien oder Flüchtlinge unterstützen. Lassen Sie mich das mit den Worten von Winston Churchill begründen. Als das britische Parlament während der Kriegs­ jahre das Budget für die Kultur kürzen wollte, fragte er: «Und für was kämpfen wir dann?» Die Kultur ist Teil unserer Identität. Wenn wir sie nicht haben, nützt uns Geld nichts. Gerade im Zusammenhang mit den Flüchtlingen sieht man, wie wichtig kulturelle Identität für uns alle ist. Es ist drama­ tisch, wenn Kulturgüter wie die Tempel von Palmyra in Syrien zerstört werden. Oft schätzen

wir solche Dinge erst, wenn es sie nicht mehr gibt. In der Schweiz, in der schon so lange Frieden herrscht, haben wir Glück – und halten vieles für selbstverständlich. Aber die Schweiz hat wenige natürliche Ressourcen. Sie lebt von Ideen, die ihre Wurzeln oft in der Kunst und in der Kultur haben. Sie sind für die Kreativwirt­ schaft das, was die Grundlagen­ forschung für die Wissenschaft ist. Daraus entsteht Inspiration für Architektur, Design, Mode, Film, Medien und zum Beispiel auch die Uhrenindustrie. Bei der neuesten Ausstellung «Auf der Suche nach 0,10» geht es um unbekannte Russen. Ein Museum sollte nicht nur das präsentieren, was schon populär ist. Sonst verpasst man viel Spannendes – etwa Kasimir Malewitsch und die Künstlerin­ nen und Künstler der russi­ schen Avantgarde. Wir zeigen Werke, die im Westen noch nie zu sehen waren. Wie wollen Sie die Leute dafür begeistern?

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MENSCHEN | MM44, 26.10.2015 | 39

Gerade bei wenig bekannten Künstlern, die auch noch abstrakte Kunst machen, ist das eine Herausforderung. Da kommt der Kunstvermittlung eine wichtige Rolle zu, indem man Führungen, Museums­ spiele, Audioguides, Kataloge oder Konzerte organisiert. Es gibt immer mehr Kunststif­ tungen, die Bilder öffentlich zugänglich machen. Wie gehen Sie mit dieser Konkurrenz um? Wir begrüssen solche Bemü­ hungen. Je mehr Museen es gibt, desto mehr Menschen finden den Zugang. Begeistern diese Häuser Kinder für die Kunst, kommen diese vielleicht als Erwachsene zu uns nach Riehen. Haben Ableger bekannter Museen wie etwa der Louvre in Abu Dhabi Einfluss auf Ihre strategischen Überlegungen? Indirekt hat die Globalisierung des Kulturaustauschs durchaus einen Einfluss. Das künftige Publikum wird andere Bedürf­ nisse haben: In Museen ist es normalerweise verboten, Fotos zu machen. Wir erlauben das jetzt mehrheitlich, weil Fotos dazu beitragen, dass Menschen ihre Kunsterlebnisse miteinan­ der teilen. Wir organisieren auch, dass die Künstler und Werke der Fondation Beyeler in anderen Ländern zu sehen sind, beispielsweise Alberto Giacometti in Russland oder Ferdinand Hodler in Amerika. Das ist uns wichtiger, als unseren Namen an Museumsgebäude rund um die Welt zu verpflanzen. Die Fondation Beyeler besitzt auch eine Kunstsammlung. Wie gross ist Ihr Budget für Erweiterungen? Wir kaufen jedes Jahr für meh­ rere Millionen wichtige zeit­ genössische Kunstwerke dazu. Wie gehen Sie dabei vor? Eine Sammlung ist keine An­ sammlung. Sie ist mehr als die Summe ihrer Teile und gibt in ihrer Gesamtheit ein Bild der Welt. Wichtig ist, zuerst die Geschichte der Sammlung anzu­ schauen und Bezüge über Künst­ lergenerationen hinweg her­ zustellen. In der Tradition der

Museumsgründer Ernst und Hildy Beyeler konzentrieren wir uns auf Hauptwerke bedeu­ tender Künstler in Malerei und Skulptur. Letztlich spielen Qua­ lität, Erfahrung und Beziehun­ gen eine wichtige Rolle, um die richtigen Werke auszuwählen. Und nun müssen Sie sich auch mit der Raubkunst aus­ einandersetzen. Ja, das Thema ist für Museen wohl noch lange nicht erledigt, weil jede Generation es neu beurteilt. Deshalb ist es wichtig, frühere Generationen nicht generell zu verurteilen. Die meis­ ten unserer Werke stammen aus bekannten Sammlungen oder der Zeit nach 1950. Deshalb sind wir kaum von Raubkunstklagen betroffen. Aber wir haben ein Gemälde von Kandinsky, bei dem sich nachträglich herausstellte, dass es einst eine Leihgabe an ein

deutsches Museum war und im Nationalsozialismus von dort verkauft wurde. Ernst Beyeler hat sich mit den Erben gütlich geeinigt. Wichtig ist, dass Museen Herkunftsforschung betreiben und der Geschichte ihrer Kunstwerke vor Ende des Zweiten Weltkriegs nachgehen. Heute beeinflusst die Fondati­ on die Preise von Kunstwerken. Ja, eine Ausstellung stärkt die Preise der ausgestellten Künst­ ler: 2010 organisierten wir die erste grosse Retrospektive von Jean­Michel Basquiat in Euro­ pa. Seither haben sich die Preise seiner Werke vervielfacht. Sie haben somit eine grosse Macht über die Preise. Wenn wir die Preise bestimmen könnten, wären sie viel tiefer. Dann könnten wir mehr Kunst kaufen und müssten weniger für

Versicherungen bezahlen. (lacht) Klar, Museen bieten Orientie­ rung. Wir stellen Künstler aller­ dings nicht aus, weil sie teuer oder preiswert, sondern weil sie in unseren Augen wichtig und interessant sind. Aber in den letz­ ten Jahren ist der Kunstmarkt explodiert, das finanzielle Inter­ esse hat überhandgenommen. Was halten Sie davon? Ich bin gegen das Spekulieren mit Kunst. Kunstwerke sind keine Aktien, die man an die Wand hängt. Wenn aber jemand auf das Geld und die Kunst ach­ tet, ist das okay. Wo ist der Kunstmarkt derzeit besonders interessant? Paris, Berlin, London, New York und Los Angeles sind nach wie vor Zentren der Kunstwelt. Die Globalisierung hat ermöglicht, dass interessante Künstler in

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Erfolgsmodell Kunstmuseen: Die Zahlen.

Migrosmagazin.ch

Ländern wie Brasilien, Mexiko, China, Indien, Südafrika aber auch in Kolumbien, Polen, Por­ tugal, der Türkei oder im Iran entstanden sind. Sogar im Enga­ din gibt es gute Kunst zu kaufen. Welche Museen empfehlen Sie unseren Lesern? Mit dem TGV lässt sich das Musée d’Orsay in Paris mit sei­ nen Werken der Impressionis­ ten leicht erreichen. In London empfehle ich die Tate Modern und die Serpentine Gallery. Erst kürzlich wurden das LAC in Lugano, die Fondazione Prada in Mailand und The Broad in Los Angeles eröffnet. Ausserhalb von Kopenhagen befindet sich in einem schönen Park mit dem Louisiana quasi die Fondation Beyeler Skandinaviens. Sie sind Sohn einer Krankenschwester und eines Mechanikers. Haben Ihre Eltern Ihnen die Kunst nähergebracht? Nein, aber es ist für niemanden zu spät. Ich habe beispielsweise auch erst mit den Jahren den Garten schätzen gelernt, nachdem ich als Kind oft darin jäten musste – statt Fussball zu spielen. Heute geniesse ich Tomaten und Gurken aus dem eigenen Garten und erfreue mich am Anblick unserer Blu­ men. Weil ich nicht mit Kunst aufgewachsen bin, habe ich erst später entdeckt, wie wertvoll diese in meinem Leben ist. Ernst Beyeler wollte sie für alle zu­ gänglich machen. Darum orga­ nisieren wir jährlich ein Kunst­ projekt im öffentlichen Raum. Sogar meine Eltern schauen sich jetzt Ausstellungen bei uns an und bringen ihre Enkel mit. Wäre Ihre Karriere heute noch möglich? Ich schloss nie als Kunsthistori­ ker ab. Heute bewerben sich bei uns Leute für ein Praktikum, die eine bessere Ausbildung als der Direktor haben. (lacht) Es ist schwieriger geworden. Leider wird heute die Ausbildung oft höher gewichtet als das Poten­ zial der Menschen. Aber in der Kunstwelt ist noch alles möglich. Trauern Sie Ihrem Job als Direktor der Art Basel nach?

Ich möchte die frühere Aufgabe nicht missen, vermisse sie aber nicht. Ich kann heute mehr gestalten als vorher und ver­ bringe mehr Zeit mit Künstlern. Die Fondation Beyeler ist mit 300 000 bis 400 000 Besuchern pro Jahr das beliebteste Kunst­ museum der Schweiz. Unser Publikum ist viel heterogener als jenes der Art Basel: Schulklassen, Königinnen, Demenzkranke, Rockstars und Menschen, die ich aus dem Fussballstadion kenne. Welche Kunst hängt bei Ihnen zu Hause? Alles mögliche. Wir sind aber keine Sammler, sondern Leute, die lieber ein Kunstwerk an der Wand haben als gähnende Leere. Mein Budget ist klein. Es lohnt sich nicht, bei uns einzubrechen. Vieles bringe ich von Reisen mit oder kaufe es in unserem Museumsladen. Darunter sind

Fotografien von Wolfgang Till­ mans, Zeichnungen von unserem Sohn, eine Goya­Druckgrafik, Kunsthandwerk von Unbekann­ ten. Das kostet nicht viel und macht trotzdem glücklich. Welches sind Ihre Welten neben der Kunst? Ich habe eine Saisonkarte für die Spiele des FC Basel und gehe gern im Rhein schwimmen. Wandern und Lesen finde ich wunderbar. Kochen kann ich nicht, aber essen tue ich gerne, am liebsten Hackbraten, Kar­ toffelstock und Rotkraut. Als Teenager füllte ich übrigens bei der Migros­Filiale in Riehen die Gestelle auf. Heute hole ich mir dort über Mittag gerne Fleischkäse und Schwöbli. MM Fondation Beyeler: «Auf der Suche nach 0,10 – Die letzte futuristische Aus­ stellung der Malerei», bis 10. Januar 2016.

Zur Person

Der Museumsdirektor Sam Keller (49) ist seit 2007

Direktor und Ausstellungs­ kurator der Fondation Beyeler in Riehen BS. Bekannt wurde er als Direktor der Kunstmesse Art Basel (2000 bis 2007). Der Basler studierte Kunstge­ schichte und Philosophie an der Uni Basel, ohne abzuschliessen, und wurde 1994 Kommunika­ tionsleiter der Art Basel. Schon drei Jahre später stieg er zum stellvertretenden Direktor auf. 2005 wurde er am WEF in Davos zum Young Global Leader ausgezeichnet, fünf Jahre später in New York mit dem Swiss Institute Award. Keller wohnt in Basel, ist

verheiratet und hat einen Sohn, James (23).

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den bunten und scheuen Göttervogel Quetzal. Am Nachmittag Wanderung auf dem ca. 3 Kilometer langen Pfad durch das Selvatura Privatreservat, wobei der Weg über acht Hängebrücken (12 bis 60 Meter Höhe) führt. 11. Tag: Monteverde – Jacó Nach dem Frühstück Transfer zum Erholungshotel am Strand von Jacó. 12. – 14. Tag: Jacó Geniessen Sie die freie Zeit und lassen Sie die vergangenen Tage nochmals Revue passieren. 15. Tag: Jacó – San José – Zürich Transfer nach San José. Abflug nach Madrid. 16. Tag: Madrid – Zürich Umsteigen in Madrid und Weiterflug nach Zürich.

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Laktoseintoleranz und Ernährung Milchzucker: die Menge macht’s

Wer mit Laktoseintoleranz lebt, sollte auf seine Ernährung achten, aber nicht auf Milchprodukte verzichten. Marcs Beispiel zeigt, dass sich gezielte Anpassungen in der Ernährung lohnen. diagnostizierte Laktoseintoleranz profitiert aber die Gesundheit nicht davon – und der Geldbeutel schon gar nicht.

Wettbewerb

Beantworten Sie bis am 8. November 2015 auf www.swissmilk.ch/irrtum die Wettbewerbsfrage und gewinnen Sie ein Wellness-Wochenende für zwei Personen.

? Marc und seine Freunde wärmen sich während einer ausgedehnten Wanderung in einem Berggasthof mit heisser Milch auf. «Es gibt beinahe nichts Schöneres als einen Tag in den Bergen mit guten Freunden», schwärmt er. Die Milch und der Nussgipfel stärken sie für die letzte Etappe. Doch Marcs Zufriedenheit findet ein abruptes Ende. Kurz nach dem Zvieri rennt er auf die Toilette – die Gruppe muss die Wanderung abbrechen. Zurück in der Stadt und nach dem Arztbesuch folgt die Bestätigung: Marc reagiert empfindlich auf Milchzucker, sein Arzt stellt eine altersbedingte Laktoseintoleranz fest. Nicht verzichten, sondern die Ernährung anpassen Marc gehört zu den 17 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer, deren Körper das Verdauungsenzym Laktase mit zunehmendem Alter nicht mehr ausreichend produzieren können. Deshalb verträgt er reinen Milchzucker – auch Laktose genannt – nicht gut und bekommt Bauchschmerzen, Blähungen und Durchfall. Der Käse- und Jogurtliebhaber hat aber keinen Grund zum Verzweifeln: Laktoseintolerante können sich, entgegen der landläufigen Meinung, fast normal ernähren. Eine übertriebene Vorsicht ist unnötig, denn die meisten Betroffenen produzieren immer noch eine bestimmte Menge des Verdauungsenzyms.

Der Arzt rät Marc zu einer individuellen Ernährungsberatung, die ihm zeigt, welche Produkte mit Milchzucker er nach wie vor geniessen darf und in welchen Mengen er sie verträgt. Die meisten Käse und Jogurt sowie weitere Lebensmittel mit einem gewissen Anteil an Milchzucker stehen weiterhin auf Marcs Speisezettel. <wm>10CAsNsjY0MDQx0TW2sLAwMAcASDlc2w8AAAA=</wm>

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«Bei einer Laktoseunverträglichkeit ist eine individuelle Beratung sinnvoll. Die meisten Betroffenen vertragen mehr Milchprodukte als erwartet.» Karin Allenbach, dipl. Ernährungsberaterin FH SVDE Verarbeitete Lebensmittel ohne Milchzucker sind heute rar: Instantsuppen und -saucen, Pizza, Stocki, Kuchen, Guetzli und Desserts – diese und weitere Produkte enthalten Laktose. «Auf der nächsten Wanderung gibt’s halt Tee und eine Käseplatte. Aber auf ein stärkendes Birchermüesli am Morgen und das feine Fondue am Abend muss ich nicht verzichten», berichtet Marc seinen Freunden. Laktosefreie Produkte, wie sie heute vermehrt angeboten werden, helfen Laktoseintoleranten wie Marc, das erlaubte Mass zu halten. Ohne ärztlich

Wertvolle Tipps bei Laktoseintoleranz Die häufigsten Beschwerdeauslöser bei Laktoseintoleranz sind Milch, Buttermilch und Molke. Laktoseintoleranz ist sehr individuell, deshalb ist eine genaue Diagnose und Beratung wichtig. So lässt sich herausfinden, was vertragen wird und wie die persönliche Ernährung aussieht. Im Jogurt steckt zwar mehr Laktose als im Quark, trotzdem werden Jogurts meist gut vertragen. Extrahart-, Hart-, Halbhart- und Weichkäse können normalerweise ohne Bedenken konsumiert werden. Diese Käsesorten sind laktosefrei, da die Laktose beim Käsen in die Molke übergeht. Gute Alternativen sind ausserdem laktosefreie Milch und Milchprodukte. Und übrigens: Der Milchzucker wird in Kombination mit fett- und eiweisshaltigen Lebensmitteln besser vertragen.

Haben Sie Fragen? Karin Allenbach ist dipl. Ernährungsberaterin FH SVDE mit eigener Praxis in Wengi bei Frutigen. Ihre Fragen zur Laktoseintoleranz beantwortet sie gerne am 10. November 2015 von 9 – 16 Uhr unter 033 672 20 84 oder bis 13. November per E-Mail info@essweiser.ch. Wissenswertes Mehr Informationen zu Unverträglichkeiten unter www.swissmilk.ch/irrtum


Migros-Welt MM44

Zitat der Woche

«Die Poulet-Glaces haben in Köln eingeschlagen wie eine Bombe.» Roland Pfister vom M-Industriebetrieb Micarna in «20 Minuten» vom 16. Oktober über eine neue Glacesorte, die an einer deutschen Lebensmittelmesse für Furore sorgte.

Nicole Zysset Fekir (46), Drive Operations Manager bei Le Shop.ch.

Bilder: Matthieu Spohn, PD

Bei der Arbeit

«An den beiden LeShop-DriveStationen in Studen (BE) und in Staufen (AG) bin ich als operative Verantwortliche tätig. Das heisst, ich schule unser Management im Umgang mit den Kunden, plane Marketingaktivitäten oder führe Kundenbefragungen durch. Diese Vielfältigkeit macht für mich den wahren Reiz meiner Arbeit aus. Dazu gefällt es mir, in einem in der Schweiz noch ganz neuen Markt tätig zu sein.»


46 | MM44, 26.10.2015 | MIGROS-WELT

Migros App

Cumulus-Bons neu digital Ab sofort gibts die blauen Cumulus-Bons

auch in digitaler Form. Sie werden via Migros App oder CumulusWebseite aktiviert, beim Bezahlen vom Handybildschirm gescannt und ihr Wert von der Einkaufssumme abgezogen. Diese Erweiterung vervollständigt das digitale Portemonnaie der Migros App und macht den Einkauf noch etwas komfortabler. Alles, was man dafür braucht, ist ein Smartphone und die neueste Version der Migros App. Damit werden CumulusPunkte gesammelt, Vorteilscoupons und Bons eingelöst, und es wird bargeldlos an der Kasse bezahlt. Wer seine Cumulus-Bons in Papierform bevorzugt, der findet sie weiterhin mit der Cumulus-Abrechnung im Briefkasten. Mehr Infos: migros.ch/ digitale-bons

LeShop.ch

Lieferzeiten angepasst

53 Prozent aller Kundinnen und Kunden kaufen laut Comparis am liebsten in der Migros ein.

Beliebte Migros Der Online-Vergleichsdienst Comparis hat die Popularität der Detailhändler in der Schweiz untersucht. In der repräsentativen Umfrage belegte die Migros mit grossem Abstand den Spitzenplatz: 53 Prozent aller Kundinnen und Kunden kaufen am liebsten in den Supermärkten mit dem orangen M ein. Der Hauptkonkurrent der Migros folgt mit 35 Prozent auf dem zweiten

Platz. Nur jeder zehnte bevorzugt andere Detailhändler, darunter die in- und ausländischen Discounter. Ebenfalls ganz vorne dabei ist die Migros in der Rangliste der stärksten Marken in der Schweiz, die jedes Jahr von der Beratungsfirma Y&R Group ermittelt wird. Gemäss dem BrandAsset Valuator kommt die Migros auf Platz zwei und wird nur von Google übertroffen.

Seit dem 1. Oktober können LeShop-Kunden in über 40 Städten

der Schweiz für die Heimlieferung zwischen kleineren Zeitfenstern wählen. Der Online-Supermarkt liefert neu zwischen 9 bis 12 Uhr, mittags von 12 bis 14 Uhr oder von 14 bis 17 Uhr. Ausserdem bringt LeShop die Waren am Samstag neu von 9 bis 12 Uhr (bisher 7 bis 11 Uhr) an alle Haus- und Wohnungstüren der Schweiz.

Förderbeiträge

Starthilfe für Notrufsender

Mathias Jud mit dem Prototypen seines Notrufsenders, der sogar in einer PETFlasche Platz findet.

Ein Ortungssystem für Flüchtlingsboote oder Roboter mit eigener Sprache: Das Migros-Kulturprozent vergab im Oktober zum neunten Mal die Werkbeiträge in der digitalen Kultur. Aus 30 eingereichten Projekten wurden acht Vorschläge mit insgesamt

60 000 Franken prämiert. Eines davon ist «OpenCospas-Sarsat». CospasSarsat nennt sich das globale Notrufsystem für Schiffe und Flugzeuge. Christoph Wachter und Mathias Jud wollen mit Ihrem Projekt ein Notfunkgerät entwickeln, das Menschen in

allen Notsituationen den Zugang darauf ermöglicht – beispielsweise Flüchtlingen. Ihr Projekt wurde mit 18 000 Franken unterstützt.


MIGROS­WELT | MM44, 26.10.2015 | 47

Gründe, sie täglich zu knabbern, gibt es genug. Denn Baumnüsse enthalten mehr Omega-3-Fettsäuren als Fisch, sie sind blutdrucksenkend und kurbeln unsere Denkleistung an. Sie schmecken im Müesli, einfach so als Snack oder in einem pikanten Gericht, wie zum Beispiel Pasta mit Steinpilzen und gerösteten Baumnüssen. Herrlich!

Aus Baumnüssen gepresstes Öl hat einen kräftigen Nussgeschmack und ist mit seinem sehr hohen Anteil an mehrfach ungesättig­ ten Fettsäuren eine vitaminreiche Varian­ te für die kalte Küche.

Der Jungautor Jaroslav Rudiš (rechts) bei einer «Sofalesung» in einer Kleinbasler Wohnung.

Literatur

Dichterlesung im Wohnzimmer Sprungbrett für Jung­ autoren: Der Förderfonds

Bilder: Pénélope Henriod, StockFood, Ben Koechlin, zVg

Migros verhilft Schrift­ stellern, die erste Texte publiziert haben, zu einem Publikum. In privaten Woh­ nungen und Häusern kön­ nen sie aus ihrem Werk vorlesen – sei es nun vor einer literaturbegeisterten Familie samt Kollegenkreis oder in einer Wohnge­ meinschaft. Die sogenann­ ten Sofalesungen bieten den Autoren und dem Pu­ blikum eine persönliche At­ mosphäre und eine Alter­

www.sofalesungen.ch

Zahl der Woche

15.9 g Protein 421 mg Kalium 30 mg Vitamin E 7 mg Eisen

ca. 742 kcal pro 100 g

native zu den klassischen Literaturhäusern. Erste Lesungen finden im November in Basel und Zürich statt. In den kommenden Monaten werden solche Anlässe auch in Lenzburg und in der Zentralschweiz stattfinden. Interessierte Autoren, Zuhörer und mögliche Gastgeber finden alle Infos auf der Website.

Ab September plat­ zen die reifen Nüsse aus ihren grünen Schalen und fallen zu Boden.

Rezepte mit Nüssen auf Seite 55

215 000 Kaugummis der Sorte myskai hat der

M-Industriebetrieb Chocolat Frey AG seit Anfang April produziert. Jedes einzelne Dragée ist mit einem selbst gewählten Bild bedruckt. Die Kaugummis lassen sich auf www.myskai.ch bestellen.


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50 | MM44, 26.10.2015 | MIGROS-WELT

Raclette

Die Stars im Pfännchen Spätestens seit dem Einzug des Pfännchens ist das Raclette ein kulinarischer Event, an dem neben dem Genuss die Geselligkeit im Vordergrund steht. Hauptdarsteller an diesem Abend ist Raccard-Käse Schweizer Herkunft. Natürlich gibt es auch bedeutende Nebenrollen für Härdöpfel, Eierschwämmli oder Birnenschnitze, die dem Raclette zu einer perfekten Performance verhelfen. Als die Migros 1967 damit begonnen hatte, Raccard-Portionen anzubieten, schmolz der

Schweizer seinen runden Käselaib noch unter einer Heizschlange. Erst 1970 kamen die ersten Raclette-Pfännchen auf. Die Migros-Tochter Mifroma erfand den viereckigen Raccard, der bald zur bekanntesten Raclette-Marke der Schweiz avancierte. Kein Wunder, dass heute täglich rund 7300 Kilogramm Raccard produziert werden. Ob im Pfännchen geschmolzen oder als Käseschnitte im Ofen gebacken: Raccard überzeugt seine Fans immer wieder aufs Neue. Anette Wolffram Eugster

Der Würzige Den Raccard Knoblauch gibt es neu auch in Scheiben. Passende Begleiter sind Peperoni und rassige Gewürze wie Curry, Chili, Cayennepfeffer oder Paprika. Auch Birnenschnitze, Chinakohlstreifen und Champignonscheiben schmecken gut dazu. Vorteilhaft ist die wiederverschliessbare Verpackung, die eine Öffnungshilfe aufweist. Raccard Knoblauch, 225 g** Fr. 5.50 Aktion 20 × Cumulus-Punkte 27. 10. – 9. 11. ** in grösseren Filialen

Der Nussige Die neue Raclette-Sorte der Migros-Eigenmarke Sélection überrascht mit dem Aroma feiner Baumnüsse. Kulinarisch harmoniert der Käse mit gekochten Quittenscheiben oder gedämpften Broccoliröschen. Migros Sélection Raclette Baumnuss, 225 g** Fr. 7.50


MIGROS-WELT | MM44, 26.10.2015 | 51

Zutaten für das perfekte Raclette

Der Klassiker Mit gebratenen Marronis, gedünsteten Rosenkohlschnitzen, gebratenen Steinpilzscheiben und einer Prise Kümmel wird der Genuss aus dem Pfännchen vollkommen. Den Klassiker, der seit den 60er-Jahren die Raclette-Fans überzeugt, gibt es auch im Block. Raccard Tradition Scheiben, per 100 g Fr. 1.80* statt 2.30 Aktion *20 % günstiger vom 27. 10. bis 2. 11.

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Bild und Styling: Christine Benz

Der Spezielle Der viereinhalb Monate gereifte und mit Röstzwiebelstückchen verfeinerte Käse ist nur vorübergehend erhältlich. Blanchierte Bohnen, Eierschwämmli oder eine Currymischung, aber auch Sauerkraut sind passende Beilagen. Raccard Special Edition Röstzwiebeln, 200 g** Fr. 5.20

Der Rassige Pfeffriger Raclette-Käse lässt sich gut mit Speck, Landjäger, Traubenhälften, gekochten Kürbiswürfeln oder Lattichstreifen kombinieren. Raccard Pfeffer gibt es zum Beispiel in der assortieren Verpackung zusammen mit den Sorten Tradition und Knoblauch. Raccard Assortiert, 350 g Fr. 8.70

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MIGROS-WELT | MM44, 26.10.2015 | 53

American Favorites

Ganz nach dem Gusto der Kunden

Bild: Simone Vogel; Styling: Katja Rey

«Ideen für einen Herbstmuffin gesucht!» So lautete im Frühling der Aufruf auf der Online-Plattform Migipedia. Rund 500 Vorschläge für eine Neukreation wurden zusammen mit ausgewählten Usern auf sechs reduziert. Aus der folgenden Degustation ging der Muffin Toni Maroni als Sieger hervor. Er besteht aus einem Marmor-Marroni-Teig mit Caramelglasur und Meringue-Stückli und hat einen saftigen Kern aus Marronipüree. Ein feiner Herbstmuffin eben!

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Das Rezept für den HerbstMuffin wurde zusammen mit Migipedia-Usern entwickelt.

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MIGROS-WELT | MM44, 26.10.2015 | 55

Saisonküche

Knackige Affäre

Ob als Snack, im Kuchen oder in währschaften Gerichten: Nüsse sind wegen ihres hohen Fettgehalts optimale Geschmacksträger. Drei Rezepte, wie man sie perfekt einsetzt. Text: Claudia Schmidt Bilder & Styling: Christine Benz Rezepte: Annina Ciocco

Herausnehmen und sammeln!

Dessert Himmlisches Dessert: leicht säuerliche Äpfel, gefüllt mit gemahlenen Mandeln und geschmort in Süssmost.

für 4 Personen

Noch mehr Rezepte Die Saisonküche gibt es auch im Jahresabonnement, 12 Ausgaben für nur Fr. 39.– Saison.ch/abo


56 | MM44, 26.10.2015 | MIGROS-WELT

Apéro-Nüsse

Zanderfilets in Nusspanade

Hauptgericht

Apéro für 4 Personen

Zutaten 200 g gemischte Nüsse, z. B. geschälte Mandeln, Macadamia- und Paranüsse 2 EL Sojasauce 2 EL Rohzucker 1 EL Cayennepfeffer, zerstossen Zubereitung

Nüsse in einer Bratpfanne ohne Fett rundum rösten, bis sie leicht Farbe annehmen. Hitze reduzieren, Sojasauce beigeben und bei kleiner Hitze einkochen lassen. Rohzucker dazugeben und bei mittlerer Hitze leicht karamellisieren lassen. Pfanne vom Herd nehmen. Cayennepfeffer zu den Nüssen mischen. Auf Backpapier geben. Mit einer Kelle verteilen, sodass die Nüsse sich gegenseitig nicht berühren und auskühlen können, ohne zu kleben. Zubereitungszeit ca. 15 Minuten

Pro Person ca. 12 g Eiweiss, 25 g Fett, 9 g Kohlenhydrate, 1350 kJ/320 kcal

Bratäpfel mit Mandeln

Dessert

für 4 Personen Zutaten

4

50 g 2 120 g 100 g 1 TL 2 EL 1 EL 1 4

Zanderfilets ohne Haut à ca. 220 g Salz, Pfeffer Weissmehl Eier gemischte Nüsse, z. B. Haselnüsse, Baumnüsse und Mandeln Paniermehl Knoblauchpulver Bratbutter Butter Zitrone in Schnitzen Zweige Dill

Zubereitung

1. Fischfilets in 2–3 Stücke schneiden. Salzen und pfeffern. Mehl in einen tiefen Teller geben. Eier verquirlen und ebenfalls in einen tiefen Teller geben. Nüsse fein hacken und mit dem Paniermehl in einen weiteren tiefen Teller geben. Knoblauch dazugeben. Eier und Nuss-Paniermehl-Mischung mit Salz und Pfeffer würzen und mischen.

2. Filet im Mehl wenden, leicht abklopfen, durchs Ei ziehen, abtropfen lassen, in der Nuss-Paniermehl-Mischung wenden, Panade gut anpressen. In einer Bratpfanne Bratbutter erhitzen. Fisch portionenweise bei mittlerer Hitze auf jeder Seite ca. 3 Minuten braten. Gegen Ende der Bratzeit die Butter dazugeben. Während des Ausbackens die Pfanne öfters leicht schwenken, damit das Fett auf die Filet-Oberseite schwappt. Filets herausnehmen, auf Haushaltspapier abtropfen lassen. Mit Zitrone und Dill servieren. Dazu passt Blattsalat oder Spinat. Zubereitungszeit ca. 40 Minuten

Pro Person ca. 54 g Eiweiss, 30 g Fett, 30 g Kohlenhydrate, 2550 kJ/600 kcal

für 4 Personen Zutaten

8 2 EL 200 g 2 120 g 1,2 dl 10 g 2 dl

Butter für die Form säuerliche Äpfel à ca. 140 g, z. B. Elstar Zitronensaft gemahlene Mandeln Eier Quittengelee Halbrahm Butter Süssmost

Zubereitung

1. Backofen auf 200 °C vorheizen. Eine ofenfeste Form ausbuttern. Von den Äpfeln Deckel wegschneiden. Kerngehäuse mit dem Apfelausstecher entfernen. Äpfel mit dem Apfelausstecher aushöhlen. Alles mit Zitronensaft beträufeln. Die Äpfel in die Form stellen. Das ausgelöste Fruchtfleisch fein hacken. 2. Fruchtfleisch mit Mandeln, Eiern, Quittengelee und Rahm vermischen. In die Äpfel füllen. Apfeldeckel aufsetzen. Butter in Flocken darüber verteilen. Äpfel mit Süssmost umgiessen. Ca. 30 Minuten in der Ofenmitte garen. Zubereitungszeit ca. 35 Minuten + ca. 30 Minuten garen

Pro Person ca. 19 g Eiweiss, 42 g Fett, 60 g Kohlenhydrate, 2300 kJ/690 kcal


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ChocMidor Rocher oder Carré im 3er-Pack, z.B. Carré, 3 x 100 g 6.20 statt 9.30 33%

Zweifel Chips und Snacks-Bag, Paprika Chips 90 g, Nature Chips 100 g, Snacketti Paprika 75 g, Snacketti Bacon 75 g 6.50 statt 8.50 20%

Alle Tradition Biscuits, ab 2 Stück jedes –.60 günstiger, z.B. Cremisso, 175 g 2.90 statt 3.50

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Exquisito Bohnen oder gemahlen im 3er-Pack, UTZ, z.B. Bohnen, 3 x 500 g 13.80 statt 20.70 3 für 2 Alle Migros-Bio Klostergarten, Bio Swiss Alpine Herbs oder Bio Yogi Tees, z.B. Migros-Bio Klostergarten Fenchelfrüchte, 20 Stück 1.20 statt 1.55 20% Alnatura Tee Beeren-Zeit mit Aronia und Cranberry, 40 g 2.60 NEU *,**

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Alle Kellogg’s Frühstückscerealien, z.B. Choco Tresor, 600 g 5.10 statt 6.40 20% TerraSuisse Weissmehl 1 kg oder 4 x 1 kg, z.B. 1 kg 1.10 statt 1.85 40% Gesamtes Patissier Back-, Dessertzutaten- oder Dekor-Sortiment, z.B. Vanillezucker, 4 x 10 g 20x 2.70 20x PUNKTE

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Anna’s Best Eierspätzli im 3erPack oder Gnocchi im Duo-Pack, z.B. Eierspätzli im 3er-Pack, 3 x 500 g 6.70 statt 8.40 20%

Casa Giuliana Pizza Antipasti im Duo-Pack, tiefgekühlt, 2 x 350 g 6.20 statt 12.40 50% *Erhältlich in grösseren Migros-Filialen. **Gültig bis 9.11. Genossenschaft Migros Wallis ANGEBOTE GELTEN NUR VOM 27.10. BIS 2.11.2015, SOLANGE VORRAT

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NEAR-/NON-FOOD Gesamtes Matzinger Sortiment, z.B. Adult Huhn Trockenfutter, 3 kg 8.15 statt 10.20 20% Gesamtes DeliBakie Sortiment, z.B. Rolls, 100 g 1.55 statt 1.95 20% Alle Maybelline Dream Satin Liquid Make-up, z.B. Nr. 20 cameo 20x beige, 30 ml 15.90 NEU ** Elseve Haarpflege im Duo-Pack, z.B. Multivitamin 2in1 Shampoo, 2 x 250 ml 6.70 statt 7.90 15% Professional Hair Detangle-Brush, z.B. grün, pro Stück 12.80 20x NEU ** Casting Crème Gloss oder Garnier Nutrisse Colorationen, ab 2 Packungen jede 2.– günstiger, z.B. Garnier Nutrisse 43 Goldbraun, pro Packung 5.90 statt 7.90 Alle Handcremen (ohne Bellena und Mehrfachpackungen), z.B. I am Hand- und Nagelbalsam, 100 ml 2.20 statt 2.80 20% Gesamtes Princess Minibelle Sortiment, z.B. Pearl Shampoo & Conditioner, 250 ml 4.50 NEU **

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MIGROS-WELT | MM44, 26.10.2015 | 65

Wissenswertes

Knack die Nuss!

Hintergrund

Rund um Nüsse

Wer Nüsse nur vom Apéro und vom Samichlaus her kennt, dürfte staunen: Die potenten Kerne eignen sich zum Backen, Kochen und sogar zur Herstellung schmackhafter Drinks.

Herkunft und Saison Die heimischen Nüsse wie Baum- und Haselnüsse reifen ab September. Cashewkerne, die aus Brasilien, Asien und Afrika stammen, und Macadamianüsse, die in Australien und Hawaii angebaut werden, sind das ganze Jahr über erhältlich. Mandeln kommen oft aus Kalifornien, werden aber auch rund um das Mittelmeer kultiviert. Frische Mandeln sind in der Schweiz meist ab Herbst im Handel.

Mehr Rezepte unter Saison.ch

4 3

Lagerung Nüsse werden wegen ihres hohen Fettgehalts schnell ranzig. Um dies hinauszuzögern, werden sie unter speziellen Bedingungen verpackt. Dennoch sollte man sich keinen allzu grossen Vorrat anlegen, denn auch die Lebensmittelmotte liebt die nahrhaften Snacks. Aroma Nüsse, die man ohne Fett selber röstet und im Cutter fein mahlt, haben ein intensiveres Aroma als gemahlene Nüsse aus dem Laden.

Bilder: Stockfood, Istockphoto

Nussgetränk

Haselnüsse, Cashews und Mandeln eignen sich für Nussdrinks. Dazu weicht man sie je nach Nusssorte mindestens zwei Stunden lang in Wasser ein und lässt sie dann abtropfen. Mit fünf Deziliter Wasser pro 100 Gramm Nüsse werden sie dann mit dem Stabmixer püriert. Die Nussmilch wird schliesslich durch einen Filter abgeseiht. In Zusammenarbeit mit www.saison.ch

1

1 Haselnuss

Die heimische Haselnuss ist besonders als Nougat in Brotaufstrichen und Pralinés beliebt. Rösten steigert ihr Aroma. 2 Cashew

Cashewkerne werden nicht nur als Knabberei geschätzt. Zu Mus verarbeitet, kann man sie in Desserts, Cheesecakes und cremigen Saucen als Alternative zu Milchprodukten verwenden.

2

5

3 Erdnuss

6

7

5 Paranuss

Nicht Mandeln, sondern Spanische Nüssli haben den höchsten Eiweissgehalt. Das Öl der Erdnuss ist hoch erhitzbar und findet vor allem in der asiatischen Küche Verwendung.

Der Paranussbaum ist recht eigenwillig, denn er lässt sich nicht kultivieren. Seine Nüsse sind schwer zu knacken, deshalb gelangen sie hierzulande bereits geschält in den Verkauf.

4 Baumnuss

6 Macadamianuss

Die meisten in der Schweiz erhältlichen Baumnüsse stammen aus Frankreich. Sie sind reich an Vitamin E und mehrfach ungesättigten Fettsäuren.

Ihre harte Schale wird hauptsächlich maschinell geknackt. Die Macadamianuss hat mit 73 g Fett pro 100 g den höchsten Fettgehalt aller Nusssorten.

8

7 Pecannuss Der amerikanische Pecannussbaum ist mit unserem Nussbaum verwandt. Die Pecannuss selbst ist aber deutlich weicher und schmeckt süsslicher als die heimische Baumnuss. 8 Mandeln

Die feinen Kerne punkten mit hohem Eiweissgehalt und werden deshalb gern bei Low-Carb-Diäten als Snack empfohlen.


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MIGROS-WELT | MM44, 26.10.2015 | 67

Sanissa

Freude am Backen Sanissa au beurre ist die Schweizer Margarine, mit der schon ganze Generationen gross geworden sind. Seit 1967 wird sie in der Schweiz hergestellt – mit reinem Schweizer Rapsöl und Schweizer Butter. Deshalb schmeckt sie auch fast wie Butter, wobei sie im Preis günstiger ist und einen weiteren für die Anwendung nicht unbedeutenden Vorteil besitzt: Im Gegensatz zu gekühlter Butter, die zuerst ange­

taut werden muss, kann Margarine aus dem Kühlschrank sofort weiter­ verarbeitet werden. Das ist prak­ tisch und spart Zeit. Sanissa au beurre eignet sich hervorragend für die private Con­ fiserie zu Hause: Guetsli schmecken butterfein, Kuchen werden beson­ ders luftig und cremige Füllungen und Toppings, etwa für Cupcakes oder Rouladen, gelingen perfekt. Rezeptvorschläge auf www.sanissa.ch

Bild & Styling: Veronika Studer

Sanissa au beurre macht den Teig geschmeidig und butterfein im Geschmack.

Sanissa au beurre 4 x 125 g Fr. 3.80 Aktion Duopack Fr. 6.05* statt 7.60 * vom 27. 10. bis 2. 11.

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MIGROS-WELT | MM44, 26.10.2015 | 69

Migros Sélection

Noch mehr Genuss in neuer Verpackung Die Sélection-Produkte der Migros präsentieren sich in einem attraktiven neuen Outfit samt neuem Logo. Parallel zum Redesign der Verpackung wurde das Sor­ timent der Feinschmeckerlinie um mehrere exklusive Artikel erweitert. Denn die Lebensmittel von hoher Qualität sollen nicht nur den Festtagen vorbehalten sein, sondern auch im Alltag spezielle Genussmomente bieten.

Migros Sélection Sugo alla napoletana, 290 g Fr. 5.20

Migros Sélection Cantucci alle mandorle, 250 g Fr. 7.90

Bild und Styling: Yves Roth

Migros Sélection Flûtes Tomates & Olives, 100 g Fr. 3.40

Migros Sélection Sirup Hibiskus-Malve, 50 cl Fr. 5.90


70 | MM44, 26.10.2015 | MIGROS-WELT

Ergibt 12 Stück 75 g Haselnüsse 250 g Urdinkel-Mehl,

classic 3 TL Backpulver 1 TL Salz, Pfeffer 175 g Lauch 1 Bund Schnittlauch 300 g Soja-«Joghurt», nature*/** 1,25 dl HOLL-Rapsöl 1 EL Agavendicksaft Für den Dip 150 g Soja-«Joghurt», nature*/** 140 g Kichererbsen aus der Dose ½ TL Zitronensaft ½ TL Paprika

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Es darf gerne etwas mehr sein Das Angebot an laktosefreien aha!-Produkten wächst ständig. Neu gibt es das Sojaline-«Joghurt» Classic neben der 150-GrammPortion auch im wiederverschliessbaren 400-Gramm-Becher. Die Sojaline-«Joghurts», die ohne Milch hergestellt sind und daher auch von Veganern geschätzt werden, enthalten jetzt auch viel weniger Zucker als bisher und eignen sich deshalb gut für die Zubereitung von salzigen wie süssen Gerichten. Mit relativ wenig Aufwand lassen sich damit schmackhafte Dips und fruchtige Desserts zubereiten. Beispielhaft dafür sind die Rezeptempfehlungen auf diesen Seiten.

* in aha!-Qualität erhältlich ** nur in grösseren Filialen

Zubereitung 1. Haselnüsse grob

hacken. In einer beschichteten Bratpfanne ohne Fett leicht rösten. Auskühlen lassen. Nüsse mit Mehl, Backpulver, 1 TL Salz und Pfeffer in einer Schüssel mischen. 2. Backofen auf 180 °C vorheizen. Lauch und ¾ des Schnittlauchs fein schneiden. Beides mit dem Soja-«Joghurt», Öl und Agavendicksaft mischen. Masse mit Mehlmischung vermischen. Muffinformen mit Papierförmchen auslegen. Teig auf die Förmchen verteilen. Muffins in der Ofenmitte ca. 35 Minuten backen. Herausnehmen und auf einem Gitter auskühlen lassen. 3. Für den Dip Soja«Joghurt» mit den abgetropften Kichererbsen pürieren. Zitronensaft daruntermischen. Mit Paprika, Salz und Pfeffer abschmecken. Restlichen Schnittlauch fein schneiden und darüberstreuen. Dip zu den Muffins servieren. Zubereitungszeit ca. 30 Minuten + ca. 35 Minuten backen Pro Stück ca. 9 g Eiweiss, 14 g Fett, 18 g Kohlenhydrate, 950 kJ/220 kcal

Rezepte www.saison.ch

Bild & Styling: Veronika Studer; Rezeptautorin: Regula Brodbeck

Joghurt-LauchMuffins mit Dip


MIGROS-WELT | MM44, 26.10.2015 | 71

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beeren, vor Gebrauch aufgetaut 25 g Puderzucker 250 g Soja-«Joghurt», nature*/** 1 dl SojaSchlagcreme*/** 65 g Chocolate Chip Cookies* * in aha!-Qualität erhältlich ** nur in grösseren Filialen

Zubereitung 1. Himbeeren mit dem

Rezepte laktosefrei und ohne Milch

Puderzucker pürieren. ¼ des Pürees kühl stellen. Soja-«Joghurt» mit dem restlichen Püree mischen. Schlagcreme steif schlagen, unter das Soja-«Joghurt» ziehen. 2. Cookies grob zerhacken. ¾ der Cookies in 4 Gläser verteilen. Creme auf den Cookies verteilen, ca. 1 Stunde kühl stellen. 3. Kurz vor dem Servieren restliches Püree und restliche Cookies auf den Cremen verteilen. Zubereitungszeit ca. 15 Minuten + ca. 1 Stunde kühl stellen Pro Person ca. 4 g Eiweiss, 13 g Fett, 25 g Kohlenhydrate, 1000 kJ/240 kcal

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MIGROS-WELT | MM44, 26.10.2015 | 75

Verpackungen

Viel Material gespart Die Migros will ihre Produkte möglichst umweltschonend verpacken. Dafür sind immer wieder Anpassungen bei den Verpackungen nötig. Was solche kleinen Optimierungen bewirken, zeigen vier Beispiele aus der Praxis. Text: Thomas Tobler

M-Budget Magerquark von ELSA Der M­Industriebetrieb ELSA hat das Verpackungsformat des M­Budget­Magerquarks um gut 30 Millimeter abgeändert: von tief und breit auf hoch und schmal. Damit sind jährlich rund 2080 Transportpaletten weniger nötig, und bei der Herstellung lassen sich gegenüber dem Vorgängermodell 21 Tonnen Kunststoff pro Jahr einsparen.

Suprême Schokoladentafeln von Chocolat Frey Um 20 Prozent dünner ist die Aluminiumfolie gewor­ den, die die Schokoladen­ tafeln der Suprême­Linie umhüllt. Das Unternehmen spart damit jährlich 6500 Kilo Aluminium. Auch an der Dicke der umschliessenden Kartonhülle wurde gefeilt – mit dem Resultat, dass dank der dünneren Verpackung 16 Tonnen Karton weniger anfallen.

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Generation M steht für das nachhaltige Engagement der Migros.

Jasmin Buchs ist Projektleiterin Umwelt beim Migros-Genossenschafts-Bund.

Nachgefragt

Nicht mehr Verpackung als unbedingt nötig Jasmin Buchs, bis Ende 2020 will die Migros 6000 Tonnen Verpackungs­ material ökologisch opti­ mieren. Was bedeutet das? Ökologisch optimieren heisst, die durch Verpackungen verursachte Umweltbelastung zu senken. Mögliche Optimierungen beurteilt die Migros anhand der Ökobilanz einer Verpackung. Je nach Produkt kann eine solche Optimierung auf verschiedene Arten erfolgen.

Bio-Forellenfilets von Micarna Bisher waren die Bioforellen in eine mit Karton umhüllte Kunststoff­ schale verpackt . Ab sofort besteht diese Schale zum grössten Teil aus FSC­zertifiziertem Karton. Pro Verpackung reduziert sich der Anteil damit von 11 auf 4,2 Gramm respektive um rund 60 Prozent Kunststoff.

Sirupflasche von Aproz Bei verschiedenen Sirup­ flaschen hat Aproz den Flaschenhals um vier Millimeter gekürzt. Folglich wurde auch der Deckel neu entwickelt – er ist nun ebenfalls kürzer und leichter. Eine kleine Änderung mit grosser Wirkung, die jährlich Einsparungen von 11,6 Tonnen Kunststoff mit sich bringt.

Welche denn? Oberste Priorität hat immer ein möglichst geringer Materialeinsatz. Weiter sollten die Verpackungen aus bereits rezyklierten oder nachhaltig produzierten Materialien hergestellt werden. Zudem ist die Wiederverwertung einer Verpackung wichtig, bei den Joghurts zum Beispiel durch Trennbarkeit des Bechers: Den Kartonumschlag kann man in der Kartonsammlung, den Aluminiumdeckel in der Alusammlung recyceln. Wie nahe ist die Migros ihrem Ziel, 6000 Tonnen Verpackungsmaterial öko­ logisch zu optimieren? Die Migros ist dabei, eine Datenbank einzuführen, um die Verpackungsdaten der gesamten M-Industrie zu erfassen. Per Ende 2015 sollen mit dem neuen System erstmals Verpackungszahlen erhoben werden.


76 | MM44, 26.10.2015 | MIGROS-WELT

Interview

«Keine Angst vor zeitgenössischer Musik»

Der Waadtländer Komponist Richard Dubugnon möchte mit seiner Musik Wohlklang verbreiten und Geschichten erzählen. Sein neuestes Werk wird am 27. Oktober in der Konzertreihe Migros-Kulturprozent-Classics uraufgeführt. Text: Pierre Wuthrich Bild: Beat Schweizer

Richard Dubugnon, wie wird man Komponist? Seit meiner Kindheit spüre ich ein kreatives Bedürfnis in mir – Bilder, Musik, Spiele. Es gibt so viele Dinge, die man teilen kann und die Spass machen. Dieser spielerische Ansatz ist übrigens sehr wichtig, denn man darf nicht vergessen, dass man Instrumente spielt. Trotzdem haben Sie mit dem Studium am Konservatorium erst mit 20 Jahren begonnen. Warum so spät? Ich hatte Angst vor prekären finanziellen Verhältnissen. Ich komme aus einer Künstlerfa­ milie und war mir bewusst, dass das Leben eines Musikers oder Schriftstellers oft schwierig ist.

studiert. Warum gerade dieses Instrument? Dafür gibt es viele Gründe. Zunächst einmal ist es ein Allround­Instrument, das sowohl in der Klassik als auch in der Jazzmusik verwendet wird. Ausserdem ist der Kontrabass die Basis jeder Komposition. Und nicht zuletzt wollte ich auch ein Orchesterinstrument spielen. Im Laufe der elf Jahre im Orchester der Pariser Oper habe ich am Kontrabass viel über das Funktionieren der Finger gelernt. Um zu kom­ ponieren, setze ich mich aber natürlich ans Klavier.

Was war der Auslöser, es dann doch zu tun? Mein Wunsch nach einer krea­ tiven Karriere war zu stark. Ich spürte in meinem Herzen, dass ich sonst zugrunde gehen würde. Letztendlich haben mich freiwillige Harmoniekurse an der Universität von Montpellier überzeugt, wo ich anfänglich Geschichte studierte.

Ein gutes Stichwort: Wie komponieren Sie? Zunächst erarbeite ich einen allgemeinen Plan des Stücks. Wie ein Schriftsteller definiere ich die Charaktere, meine musi­ kalischen Themen, indem ich sie auf grosse Zettel schreibe. Danach analysiere ich mehrere Entwicklungsmöglichkeiten des Stücks. Ich bin der Meinung, dass Musik eine Geschichte erzählen muss. Erst ganz am Ende gebe ich alles in den Computer ein.

Am Konservatorium haben Sie unter anderem Kontrabass

Kennen Sie die Angst vor dem weissen Blatt?

Das kann ich mir zeitlich nicht erlauben. Zusammen mit dem Urheberrecht ist die Komposi­ tion meine einzige Einnahme­ quelle, und ich habe eine Familie zu ernähren. Mit der Zeit habe ich gelernt, an allen möglichen Orten kreativ zu sein. Früher musste ich mich immer ab­ kapseln, heute entstehen meine Ideen im Zug oder Flugzeug, oder auch wenn meine Töchter neben mir spielen. Kann man als Komponist von seiner Musik leben? Ja, ich lebe immer besser davon, auch wenn ich mir mein Traum­ haus am Genfersee nicht kaufen kann (lacht). Heute komponiere ich im Auftrag von sehr bekann­ ten Solisten und Dirigenten. Ich kann die Aufträge wählen, die mich interessieren. Diese Freiheit ist das grösste Privileg. Die Migros-KulturprozentClassics haben bei Ihnen ein Werk bestellt. Was dürfen die Musikliebhaber erwarten? Es handelt sich um ein Capriccio für Orchester, ein kurzes, extra­ vertiertes, lustiges und virtuo­ ses Stück. Dieses Capriccio soll das erste einer langen Serie sein. Das zweite Capriccio wird gerade geschrieben und im

Richard Dubugnon will den Menschen die

Frühling in der Schweiz vom Orchestre de Paris präsentiert. Das dritte ist 2017 für die Acca­ demia Santa Cecilia in Rom bestimmt. Wenn man an zeitgenössische klassische Musik denkt, macht man sich häufig aufs Schlimmste gefasst … Ja, denn seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs wollte eine gewisse elitäre Avantgarde allen Werken einen einheitlichen Stil auferlegen. Dabei gibt es andere Wege, wie sie etwa Debussy, Skrjabin und Bartók beschritten haben. Ich verstehe weder diesen Willen zum Bruch mit dem Publikum noch die fanatischen Recherchen, die sich sehr weit vom Schönen in der Musik ent­ fernen. Heute vertreten nur sehr


MIGROS-WELT | MM44, 26.10.2015 | 77

Zur Person Der 1968 in Lausanne geborene Richard Dubugnon studierte

Kontrabass und Kontrapunkt am natio­ nalen Konservatorium von Paris. Danach ab­ solvierte er 1997 einen Masterabschluss in Komposition an der Königlichen Musik­ akademie von London. Die Schweiz entdeckte ihn 2011 und dann 2013 in Verbier mit dem Streichquintett «Pen­ talog» –unter anderem interpretiert von den Gebrüdern Capuçon – und der von Kent Nagano dirigierten Symphonie «Helvetia». Heute kann Richard Dubugnon auf mehr als 80 Kompositionen zurückblicken, die in der ganzen Welt, von Leipzig bis Tokio, gespielt werden. Konzertdaten

Lust am Hören zurückgeben und schon Kinder für Klassik begeistern.

wenige grosse Dirigenten oder internationale Solisten diesen Stil. Zum Glück existieren viele andere Genres nebeneinander. Das Publikum braucht keine Angst mehr vor der zeit­ genössischen Musik zu haben. Wie würden Sie Ihre Musik definieren? Musik muss gut klingen. Sie muss zugänglich sein und die Instrumente zur Geltung bringen. Ich bewundere Bach, denn er komponierte eine universelle und gleichzeitig komplizierte Musik. Sie gefällt der Masse und ist doch sehr tiefgründig – ein wahres Meisterwerk. Manche Zuhörer fühlen sich von Ihren Werken an die Komponisten Ravel,

Debussy und Prokofiev erinnert … Das schmeichelt mir, aber ich ahme nicht nach. Wer das behauptet, hat ein schlechtes Gehör. Es handelt sich vielmehr um eine Hommage an die Komponisten, die zu meiner musikalischen Ästhetik beigetragen haben. Im Übrigen hat sich Mozart von Bach und Wagner von Mendelssohn inspirieren lassen. Sie komponieren auch für Kinder. Kinder sind die Musiker und Musikliebhaber von morgen. Daher muss man ihnen den Unterschied zwischen bereichernder Kunst und blosser Unterhaltung erklären. Ein Opernbesuch und eine Casting-Show sind sehr unterschiedliche Dinge.

Was möchten Sie dem Publikum vermitteln? Ich möchte, dass man wieder lernt, Musik zu hören. Es gibt kulinarische Programme im Fernsehen, die den Zuschauern helfen, ihren Geschmackssinn zu entwickeln. Warum macht man nicht etwas Ähnliches für das Gehör? Dieser Sinn ist durch die Flut von Bildern vom Aussterben bedroht. Darum liegt mir das Ritual des Konzerts so am Herzen, wo man sein Handy ausschaltet und bereit ist, zwei Stunden seiner Zeit zu geben. Musik erzählt so viele Dinge, es ist die hohe Kunst par excellence. Wenn ich also den Menschen die Lust am Hören vermitteln kann, dann habe ich gewonnen. Dann hat mein Leben einen Sinn. MM

Das Philharmonia Orchestra London

spielt die Welturauf­ führung von Dubug­ nons Werk «Caprice pour orchestre n° 1» im Rahmen der Migros­Kultur­ prozent­Classics am 27. Oktober in der Tonhalle Zürich. Weitere Konzerte: 28. Oktober, Kultur Casino, Bern; 29. Okto­ ber, Victoria Hall, Genf; 30. Oktober, KKL, Luzern. Mehr Infos: Migros­kulturprozent­ classics.ch


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MIGROS-WELT | MM44, 26.10.2015 | 79

Frage der Woche

Auf den Sirupflaschen der Migros steht eine Kalorienzahl für 250 Milliliter. Gilt diese Angabe für reinen Sirup?

Haben Sie eine Frage?

Kontaktieren Sie uns! M-Infoline, der Kundendienst der Migros, erreichbar unter 0800 84 0848 oder www.migros.ch/ kundendienst

Die Nährwertangaben auf der Etikette beziehen sich jeweils nicht auf reinen, sondern auf trinkfertigen, also mit Wasser verdünnten Sirup.

Telefonisch erreichbar Montag bis Freitag: 8.00–18.00 Uhr, Samstag: 8.30–16.30 Uhr.

Das Mischungsverhältnis ist je nach Sirupsorte eins zu sechs oder eins zu fünf. Ein Sechstel oder ein Siebtel der Menge ist also Sirup, der Rest ist Wasser. Das Verhältnis finden Sie jeweils klein gedruckt auf der Flaschenetikette, beispielsweise bei der Nährwerttabelle.

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MIGROS-WELT | MM44, 26.10.2015 | 83

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MIGROS-WELT | MM44, 26.10.2015 | 85

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MIGROS-WELT | MM44, 26.10.2015 | 87

Garnier

Glänzend beraten Ob Blond, Braun, Schwarz oder Rot – egal, welche Haarfarbe uns die Natur geschenkt hat: Eines Tages meldet sich das Bedürfnis nach einem Farbwechsel. Anfang der 60er-Jahre lancierte Garnier das erste Haarfärbemittel für die Anwendung daheim. Dank der kontinuierlichen Entwicklung neuer Produkte kann heute jede Frau mit einfachen Handgriffen ihre Wunschhaarfarbe kreieren. Sei es zum Abdecken der ersten grauen Strähnen, zum Intensivieren des natürlichen Farbtons oder einfach nur, um das Haar um ein paar Nuancen aufzuhellen.

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mit einem frischen, fruchtigen Duft. Die reichhaltige Pflegekur mit hohem Anteil Avocado-Öl schützt die Haare vor dem Austrocknen und garantiert ebenfalls 100-prozentige Grauhaarabdeckung. Nutrisse 40, Cacao Fr. 7.90

Für eine solche Mähne braucht es zwei Packungen Coloration.


88 | MM44, 26.10.2015 | MIGROS-WELT

Liebeskummer

Schade um die Tränen in der Nacht

Weil auch verschmähte Liebe durch den Magen geht: Bio Mini Schoko Moelleux, 6 Stück Fr. 4.40 In grösseren Filialen

Nach dem Motto «Aus den Augen, aus dem Sinn» schluckt sie Briefe, Fotos und sonstige Hinterlassenschaften der unglücklichen Liebe: Aufbewahrungsbox Stora, B × H × T: 26,5 ×27,5 × 36 cm Fr. 17.90 In der Micasa

Hilft die Tränen trocknen: Grosis Rüebli-Cake, 300 g Fr. 5.20 In grösseren Filialen

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«Eine neue Liebe ist wie ein neues Leben», trällert SchlagerSmartie Jürgen Marcus seit den Siebzigern, und alle Frischverliebten stimmen fröhlich mit ein. Doch was, wenn die Liebe nur einseitig entflammt und der oder die Angebetete in einer anderen Welt unterwegs ist? Womöglich unerreichbar bleibt? Nun, auch dafür gibt es altbekannte Nachhilfe aus der Jukebox: «Liebeskummer lohnt sich nicht, my Darling, schade um die Tränen in der Nacht.» Wir sagen: Siw Malmkvist, du hast ja so recht! Und empfehlen, statt einer Zeit des Verzagens die Zeit des Verwöhnens auszurufen. Man gönnt sich ja sonst nichts, wenn man unglücklich verliebt ist.


MIGROS-WELT | MM44, 26.10.2015 | 89

Nur wer einen Vampir liebt, sollte besser darauf verzichten: Knoblauchbaguette zum Aufbacken Fr. 1.30 In grösseren Filialen

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90 | MM44, 26.10.2015 | MIGROS-WELT

Berufsbildung

Für einen guten Start

Die Migros Wallis ist die grösste private Lehrstellenanbieterin des Kantons. Für den Lehrbeginn im August 2016 hat die Rekrutierung von neuen Lernenden schon begonnen. Text: Mélanie Zuber

M

an braucht einen gu­ ten und starken Wil­ len, um seine Ziele zu erreichen. Doch wenn die richtige Unterstützung fehlt, ist der Weg beschwerlich. Das gilt auch für Jugendliche, die in ihr Berufsleben starten: Ein engagierter und gut organi­ sierter Ausbildner ist unbe­ streitbar ein entscheidender Vorteil. In dieser Hinsicht hat das Unternehmen Migros Wallis einen sehr guten Ruf. Dank seiner Grösse und Orga­ nisation kann es eine hervorra­ gende Struktur und Betreuung anbieten, die von den Lernen­ den sehr geschätzt werden. Das erklärt auch, warum die Genos­ senschaft jedes Jahr mehr als 700 Lehrstellenbewerbungen erhält. Die Migros Wallis bildet aber mehr als nur Jugendliche aus, in Wahrheit handelt es sich bei diesen jungen Menschen um potentielle Nachfolger. Am Ende ihrer Lehre bietet die Migros den Lernenden, die sich durch Motivation und Engagement ausgezeichnet haben, eine Arbeitsstelle an, um so talen­ tierte Nachwuchskräfte zu hal­ ten. Und das kann der Anfang

einer erfolgreichen Karriere sein: 72 Prozent der Supermarktleitenden und 40 Prozent der Kaderpersonen sind nämlich durch die gleiche Schmiede gegangen. Der Geschäftsleiter höchstpersönlich ist ein ehema­ liger Lernender, der durch Wei­ terbildungen Stufe um Stufe bis zur Führungsposition erklom­ men hat. Durch Praktika den Weg finden

Für Jugendliche kann die Wahl des für sie geeigneten Bildungs­ wegs eine schwierige Herausfor­ derung sein. Zum Glück gibt es verschiedene Wege, herauszu­ finden, welche Tätigkeitsberei­ che zu einem passen. Die Berufs­ und Ausbildungsmesse Your Challenge, die im März 2016 in Martigny stattfindet, ist zum Beispiel eine solche Gelegenheit. Die Migros Wallis wird mit einem Stand an der Messe ver­ treten sein. Eine andere Chance für Jugendliche, herauszufinden, was sie interessiert, ist das Betriebspraktikum. Es gibt zwei Arten: Einerseits Schnupper­ praktika für Jugendliche ab 13 Jahren, die von Juni bis Sep­

tember auf einfache schriftliche Anfrage absolviert werden kön­ nen. Das kann eine sehr rentable Zeitinvestition sein: Durch Schnupperpraktika können sie sich rechtzeitig und bewusst für einen Berufszweig entscheiden. Andererseits werden Auswahl­ praktika angeboten, die im Rah­ men eines Einstellungsverfah­ rens stattfinden. Die zukünfti­ gen Lernenden können dabei herausfinden, ob ihnen die Arbeit wirklich gefällt oder nicht, und das Unternehmen kann beobachten, ob die Bewer­ ber genügend motiviert sind. Ein Prozess in mehreren Etappen

Jugendliche, die sich für eine Lehrstelle per August 2016 bei der Migros Wallis interessieren, können jetzt ihre Bewerbung einreichen. Die Kandidatinnen und Kandidaten mit einem inte­ ressanten Dossier und mindes­ tens befriedigenden Schulnoten werden zu einem Selektions­ praktikum eingeladen. Nach die­ ser Probezeit werden die fünfzig verfügbaren Lehrstellen denje­ nigen angeboten, die am meisten durch ihre Qualitäten überzeugt haben. MM


MIGROS-WELT | MM44, 26.10.2015 | 91

Ihre Region Neues aus der Genossenschaft Migros Wallis

Lehrstellen

Mehr erfahren Die Migros Wallis bildet Jugendliche in acht verschiedenen Berufen aus: Detailhandelsassistent/in, Detailhandelsfachmann/frau, Fleischfachmann/ frau, Lastwagenf端hrer/in, Logistiker/in, Automobilfachmann/frau, Polydesigner/in 3D, Kaufmann/frau.

Ein Ausbildungsplatz bei der Migros Wallis ist eine Berufsausbildung mit Perspektive.

F端r den Lehrbeginn August 2016 wird die Migros Wallis 50 Jugendliche anstellen. Vollst辰ndiges Bewerbungsdossier an folgende Adresse senden: Migros Wallis, Berufsbildung, Rue des Finettes 45, 1920 Martigny. F端r mehr Informationen: 027 720 43 69.


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Platte für 5 bis 6 Personen Walliserkäse gehobelt, Roggenbrot «AOP» gebuttert, Garnituren

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MIGROS-WELT | MM44, 26.10.2015 | 93

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kochen, die Wohnung festlich dekorieren. Dank der Kurse der Klubschule Migros gelingen die Festtage. Was kochen, was schenken, wie dekorieren? Wen der Gedanke

an Weihnachten schon jetzt nervös macht, kann sich bei der Klubschule Migros Brig die nötige Inspiration holen. Wer noch kein Geschenk für Weihnachten hat, kann die Liebsten mit einem Kursgutschein überraschen.

Festliche Ideen, die übers traditionelle Guetzle hinausgehen.

Bilder: belchonok | 123rf.com;kzenon | 123rf.com

Die weihnachtlichen Kurse der Klubschule Migros Brig:

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tag. Bis dahin vervielfacht die Genossenschaft die Jubiläums-Spezialangebote in ihren Verkaufsstellen. In den Supermärkten gibt es diese Woche Kartoffeln zum selben Preis wie 1955, nämlich Fr. 6.50 für einen Zehn-Kilo-Sack. Das Mineralwasser Aproz präsentiert sich in der (fast) gleichen Verpackung wie damals. Und die Restaurants bieten die Buttergipfeli zum Sonderpreis von 60 Rappen pro Stück an.

21. November: Floristiktrend Advent und Weihnachten 24. November: Festtagsmenüs zur Weihnachtszeit 24. November: Weihnachtsbiscuits 9. Dezember: Dessertbuffet Weitere Auskünfte: Klubschule Migros Brig: 027 720 66 50, eclub.brig@ migrosvs.ch, klubschule.ch


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Knigge reloaded

Erwarten Sie eine Entschul­ digung, wenn jemand an Ihnen vorbei will?

«Muss man sich entschuldigen, wenn man vorbei möchte?»

Illustrationen: Andreas Klammt, Alice Kolb; Bild: Stefan Sulzer

und Philosoph und schreibt hier jede Woche über Phänomene des modernen Benehmens.

Die Autopneus spielen keine Rolle beim Treibstoff­ verbrauch. Falsch! Um die 20

Migrosmagazin.ch

Philipp Tingler (44) ist Autor

Richtig oder falsch?

«Ja, ob im Flugzeug oder in der Oper, sich wortlos an Menschen vorbeizudrängen, ist immer unhöflich. Obendrein ist es von praktischem Vorteil, Laut zu geben, falls man eine Menschen­ traube durchqueren möchte. Sonst wird man vielleicht gar nicht bemerkt, wenn eine lebhaft debattierende Reisegruppe mit Roll­ koffern mal wieder direkt am Kopf der Rolltreppe stehenbleibt. Es gibt für diesen Zweck («Darf ich mal vorbei?») ein famoses Wort im Schweizerdeutschen. Leider ist es dabei, aus der Mode zu kommen: ‹Äxgüsi›. Ich möchte gerne ausdrücklich für die Wiederbelebung des ‹Äxgüsi› plädieren, weil es die perfekte Formel ist. Gerade für die täglichen kleineren gesellschaftlichen Unpässlichkeiten, zum Beispiel wenn man rasch vorbei oder kurz nachfragen muss. Das erleichtert den sozialen Verkehr un­ gemein. Und keiner nimmt Schaden.»

Prozent des Treib­ stoffverbrauchs eines Autos fallen auf die Pneus zurück. Vor allem der Rollwider­ stand beeinflusst den Verbrauch stark. Daher ist seit August 2014 die Reifenetiket­ te Pflicht. Diese bietet dem Käufer dank Energieeffizienz­ klassen einen Über­ blick über die Um­ weltfreundlichkeit des Reifens. Der Un­ terschied zwischen der besten und der schlechtesten Klasse kann bis zu zehn Pro­ zent (oder 0,66 Liter Treibstoff) auf 100 Ki­ lometer betragen. Zudem werden Nass­ haftung und Lärmbe­ lastung der Pneus klassifiziert. Darum gilt: Wer Treibstoff sparen und damit Portemonnaie und Umwelt schonen will, achtet beim Reifenkauf auf die Energieetikette – und wählt effiziente Pneus.

In Zusammenarbeit mit Pusch – Praktischer Umweltschutz www.pusch.ch


98 | MM44, 26.10.2015 | LEBEN

Haben Sie eine Frage zum Thema? Kontaktieren Sie uns gesundheit@ migrosmedien.ch Gesundheit

Zeit, sich skifit zu machen

Wer rechtzeitig trainiert, fährt später sicherer.

Text: Theresa Schwarz

Illustrationen: Gunter Rubin/Kombinatrotweiss

D Theresa Schwarz,

Sportwissen­ schaftlerin, Leis­ tungsdiagnostik, Medbase Zürich

er erste Schnee in den Bergen ist bereits gefallen. Die Skisaison startet bald. Höchste Zeit, sich auf den Winterspass vorzubereiten. Damit man die steilen Pisten auch nach­ mittags noch meistern kann, lohnt es sich, den Körper in den Wochen zuvor auf die spezifischen Belastungen beim Skifahren oder Snowboarden einzustimmen. Der Pistensport ist körperlich anspruchs­ voll und wird oft unterschätzt. Die perma­ nente Hoch­Tief­Bewegung, das Kurven­ fahren und die Bremsbewegungen fordern besonders stark die Bein­ und Rumpfmus­ kulatur. Auch Gleichgewicht, Balance und Flexibilität sind vor allem bei tiefem, nassem oder eisigem Schnee gefragt. Zudem braucht es ein gewisses Mass an Ausdauer, um den ganzen Tag auf den Skiern zu stehen. Mehr Skispass, weniger Risiko

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Profi­Skifahrer halten sich das ganze Jahr mit Athletiktraining fit. Für den Wochenend-Wintersportler macht es Sinn, vier bis sechs Wochen vor der Saisoneröffnung mit einem gezielten Training zu beginnen, um sich optimal vorzubereiten. Eine gute körperliche Verfassung ver­ bessert nicht nur das technische Können auf der Piste. Sie erhöht zudem das Fahr­ vergnügen und reduziert das Risiko von Stürzen und Verletzungen. Mit den folgen­ den Übungen steht dem Pistenspass nichts mehr im Wege. Wichtig: Das Übungspro­ gramm sollte zwei bis drei Mal pro Woche durchgeführt werden. Alle Übungen sind problemlos ohne Geräte zu Hause in 20 bis 30 Minuten machbar.

1

Unstabiler Boden (Gleichgewicht/Balance) Einbeinig auf einer instabilen Unterlage – z. B. einer Trainings­ matte oder einem gerollten Hand­ tuch – stehen. Das Knie leicht beu­ gen und stabilisieren. Oberkörper gerade halten und die Arme nach vorne strecken. 3-mal 30 Sekunden auf jedem Bein stehen. Variante: Mit einem Partner sich gegenseitig Gegenstände (z. B. Tennisball) zuwerfen. Achtung: Auf eine gerade Beinachse achten.

3

Dreieck (Dehnung Beinrückseite und Rücken) Füsse und Hände berühren den Boden. Das Gesäss nach oben strecken. Arme, Rücken und Beine gestreckt halten. Versuchen, die Fersen am Boden zu halten. Der Körper beschreibt ein Dreieck. 2-mal 30 Sekunden halten. Achtung: Schwierige Übung. Über den Abstand der Hände zu den Füssen lässt sich der Schwierigkeitsgrad anpas­ sen. Eventuell am Anfang die Fersen vom Boden lösen.

6

Stretching (Oberschenkel vorne) In Seitenlage die Fessel des oberen Beins fassen und nach hinten beugen. Mit dem Arm den Fuss Richtung Gesäss ziehen. Das untere Bein kann ebenfalls leicht gebeugt werden für eine bessere Stabilität. Jedes Bein 2-mal 45 Sekunden in der Dehnung halten. Achtung: Oberkörper, Hüfte und Oberschenkel des oberen Beins müssen eine Linie bilden.


LEBEN | MM44, 26.10.2015 | 99

2

Maikäfer (Bauchmuskulatur) In Rückenlage die Hände hinter dem Kopf halten. Im Wechsel linken Ellenbogen mit rechtem Knie (und umgekehrt) zusammenführen. Kopf, Schultern und Beine nicht ablegen. 3-mal 15 Wiederholungen, mit kurzer Pause dazwischen. Achtung: Mit den Händen nicht am Kopf ziehen.

4 5 7

Vierfüssler (Rücken- und Gesässmuskulatur) Auf Knien und Händen abstützen. Rechten Arm und linkes Bein langsam waagrecht ausstrecken und langsam zusammenführen, sodass sich Ellenbogen und Knie berühren. 15 bis 20 Wiederholungen mit jeder diagonalen Arm-Bein-Kombination machen. Achtung: Kopf in Verlängerung der Wirbelsäule halten.

Kniebeuge (Oberschenkelmuskulatur) An der Stuhllehne halten und mit aufrechtem Oberkörper sehr langsam in die Knie gehen und Knie langsam wieder strecken. 3-mal 15 Wiederholungen machen. Achtung: Die Knie nicht über die Zehenspitzen schieben.

Ausfallschritt mit Seitdrehung (Oberschenkel- und Bauchmuskulatur) Tiefer Ausfallschritt mit dem rechten Bein voraus. Arme angewinkelt auf Schulterhöhe halten. Den Oberkörper drehen, sodass die linke Schulter nach vorne in Richtung des rechten Beins zeigt. Wechsel auf das linke Bein. 3-mal 5 Schritte, mit kurzer Pause dazwischen. Achtung: Auf gute Stabilität im vorderen Knie und im Oberkörper achten.

8

Plank seitlich (Rumpfmuskulatur) In Seitenlage auf den rechten Unterarm abstützen, Becken heben. Wechsel auf links. Jede Seite 30 bis 45 Sekunden halten. Achtung: Auf einen geraden Rücken achten und Becken oben halten.


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LEBEN | MM44, 26.10.2015 | 101

Wann spielt Ihr Kind gerne Baby?

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Familie

Mamma mia

Warum Kinder wieder zu Babys werden

Manchmal fallen Kinder zurück in Verhaltensweisen, aus denen sie längst herausgewachsen sind. Meist heischen sie so nach Aufmerksamkeit. Text: Claudia Langenegger

Bild: Getty Images

L

eila ist sieben Jahre alt. Windeln, Nuggi, «Düümele» oder Lispeln sind eigentlich längst passé. Doch nun lutscht sie vor dem Schlafengehen wieder am Daumen und fängt an zu lispeln, wenn sie zu Grosi auf Besuch ist. Ihre Mutter Sarah hofft, dass dies von selbst wieder vorbeigeht. «Es gibt verschiedene Gründe, warum ein Kind sich wie ein Kleinkind verhält», sagte Andrea Christen (57), Psychologin an der Pädagogischen Hochschule St. Gallen. «Es kann einfach lustig sein, Kleinkind zu spielen. Durch die Reaktion der Erwachsenen wird das noch verstärkt. Grund kann auch sein, dass ein jüngeres Geschwister zur Welt gekommen ist – das ältere imitiert das kleine. Oder es ist ein einschneidendes Lebensereignis eingetreten: Trennung von wichtigen Bezugspersonen, Umzug, Scheidung

der Eltern, der Schuleintritt.» Solches Verhalten ist aber nicht grundsätzlich besorgniserregend. Dauert es jedoch länger als drei Monate an, sollten die Eltern reagieren: «Am besten das Gespräch mit dem Hausarzt suchen», empfiehlt die Psychologin. Erziehungswissenschaftler Sascha Neumann (40) von der Universität Freiburg erklärt, dass Kinder mit regredierendem Verhalten Aufmerksamkeit erzeugen wollen und signalisieren, dass sie schutzbedürftig sind und Zuwendung brauchen. «Wichtig ist, angemessen darauf zu reagieren: mit Zuneigung und Aufmerksamkeit.» Bestraft oder ignoriert man das Kind, das plötzlich wieder klammert oder am Daumen lutscht, kann das negative Auswirkung haben. Wichtig ist, das Warum abzuklären

«Dem Symptom selbst sollte man keine allzu grosse und unmittelbare Beachtung schenken», sagt Neumann. «Viel wichtiger ist, das Warum abzuklären.» Auch bei Leila gab das regredierende Verhalten keinen Anlass zu ernster Besorgnis. Mami merkte bald, dass ihre Tochter mit dem plötzlichen Wechsel der Klassenlehrerin zu kämpfen hatte. Doch das «Bébélen» legte sich. MM

Alles inklusive

W

Wir buchen nie Allinclusive-Familienferien. Büfett-Frass und Animation? Wääh! Ich kann nicht erklären, warum wir neulich im Kinderhotel eingecheckt haben. Fast fünf Sterne, längste Schwimmbadrutsche westlich des Urals, Essen rund um die Uhr. Voll peinlich. Unsere Kleinen, diese Verräter, wollten sofort die Getränkespender testen. «Klar», sagte Herr Leinenbach. «Aus den Dingern kommt Sprite.»

Plötzlicher Rückfall in das Verhalten eines Babys: Oft signalisieren Kinder damit, dass sie Zuwendung brauchen.

Tipps

Was tun, wenn ihr Kind «bébélet»? Das Kind zeigt sich schutzbedürftig: Geben Sie ihm die nötige Nestwärme. Dauert das «Bébélen» länger als drei Monate: Aufschreiben, wann und in welchen Situationen es passiert. Überlegen, ob es etwas gibt, was das Kind stresst oder womit es überfordert ist. Die Anforderungen den Möglichkeiten des Kindes anpassen.

Ich könnte Ihnen erzählen, wie grässlich diese Ferien waren. Dass wir viel weinen mussten, die Tage zählten. Stimmt aber nicht. Mir war das vorher nicht klar, aber «all inclusive» im Kinderhotel heisst, dass Mami und Papi viel Zeit für ihre Zwerge haben, weil sie sich um nichts anderes kümmern müssen. Volle Windeln und verkleckerte Tischtücher sind im Kinderhotel die Regel, nicht die Ausnahme. Und wenn das eigene Kind spinnt, gucken andere Eltern amüsiert statt pikiert. Das ist der grösste Relaxfaktor.

Bettina Leinenbach (38)

ist Journalistin und zweifache Mutter.


102 | MM44, 26.10.2015 | LEBEN

Ernährung

Aus Wein wird Wasser Entschlacken Sie den Körper, heisst es oft. Doch was ist eigentlich Schlacke? Und können Kuren den Körper wirklich reinigen? Text: David Fäh

F Saftkuren und Heilfasten tun gut. Schlacken werden dabei aber keine aus dem Körper geschwemmt.

astenkuren und Saftdiäten klingen zwar nicht genussreich, dennoch fin­ den sie immer mehr Anhänger. Das Konzept klingt einleuchtend: Weil wir nicht immer gesund essen und aus der Umwelt Giftstoffe aufnehmen, sammelt sich in unserem Körper Schlacke an, was uns längerfristig schadet. So die Theorie. Eine Entschlackung muss her. Sie soll helfen, die Leber zu entgiften. Als Entschlackungsmassnahmen werden Schwitzkuren, Rohkost, Abführmittel, Blut­ reinigungsmittel, Trinkkuren oder Heilfas­ ten angeboten. Bloss, wer bei den Anbietern nachfragt, was sie unter «Gift» und «Schla­ cke» chemisch verstehen, wird enttäuscht.

Angaben darüber, welche toxischen Mole­ küle sich genau im Körper ansammeln, gibt es keine. Kaum verwunderlich, denn solche Stoffe existieren nicht. Unsere Leber ist eine geniale Fabrik, die uns vor Schaden bewahrt, wenn wir zu viel oder das Falsche essen oder trinken. Sie macht aus Wein Wasser und baut Medikamente und schädli­ che Stoffe ab oder um, damit sie neutrali­ siert sind. So können Darm oder Nieren sie problemlos ausscheiden, zum Beispiel in Form von Harnsäure oder Harnstoff. Sollen wir deshalb auf Fasten­ und Saftkuren ver­ zichten? Nein, kulinarischer Verzicht kann durchaus Sinn machen. Oft verbessern sich durch solche Kuren Risikofaktoren wie Blut­

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LEBEN | MM44, 26.10.2015 | 103

D So isst die Jugend

Fingerfood

zucker und -fette. Zudem schärft eine Kur die Sinne, etwa Geschmacks- und Geruchssinn, aber auch die Empfindung von Hunger und Sättigung.

Bild: Alamy Stock Photo

Spirituelle Reinigung mit Kuren und Diäten

Bewusstes Verzichten kann auch spirituell reinigen, also den Kopf von Ballast befreien. Besonders gut funktioniert das zusammen mit einem Plus an körperlicher Aktivität. Zum «Entschlacken» taugen Kuren und Diäten aber ebenso wenig wie zum Abnehmen. Schliesslich ändern Fastende nichts am Verhalten, das für die überschüssigen Pfunde sorgt. Was sich in unserer Leber tatsächlich ansammelt, ist Energie in Form von Zucker. Mehrstündige essensfreie Perioden helfen, diese Reserven abzubauen. Ab und zu das Abendessen zu streichen, ist also eine clevere Idee – ganz ohne Schlacke. MM

Hier schreiben die VivaiExperten über Ernährungsfragen. Dieses Mal der Ernährungswissenschaftler David Fäh.

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Das Nachhaltigkeitsmagazin der Migros.

Der Mann im Anzug mit Ketchup an den Fingern steht bei einer Fast-Food-Kette am Tresen. Und schleckt die Sauce von den Fingern! Das Gute: Es stört keinen. Hier fasst man Essen an, tunkt Pommes in das Ketchup. Es gibt Speisen, bei denen ist der Gebrauch von Besteck erschwerend. Oft habe ich mich im Restaurant gefragt, warum ich das Hühnchen nicht einfach

in die Finger nehmen kann? Oder ob die anderen Gäste ein Problem damit haben, wenn ich meine Margherita achtle und von Hand esse? Es gibt aber Speisen, die rufen in unserer Esskultur förmlich nach Besteck: Eintöpfe, Currys, Reis. In Indien oder Marokko kommen Fladenbrot und die rechte Hand zum Einsatz. Das ist gewöhnungsbedürftig. Doch wenn Sie die Wahl

haben, beim Reisen oder beim Inder nebenan, empfehle ich, nicht nach einem Löffel zu fragen. Essen mit den Fingern, das ist Essen mit einem Sinn mehr.

Sarah Diener (19) studiert Medizin in Bern.

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104 | MM44, 26.10.2015 | LEBEN

Kinder

«Muscheln sind mein Hobby»

Der vierjährige Endo lebt für zwei Jahre auf der Insel Mauritius. Wenn er keine Schule hat, spielt er mit seinen mauritischen Freunden. Text: Tania Araman Illustration: Olaf Hajek Ausgewandert

Von Reconvilier nach Mauritius Endos Vater, Patric Reusser, ist im Auftrag

eines evangelischen Hilfswerks mit der ganzen Familie für einige Jahre nach Mauritius ausgewandert. Die Reussers kommen aus Reconvilier im Berner Jura. Zur Familie gehören auch Endos Brüder Milo und Aymo sowie die Mutter Pamela. Sie alle leben jetzt im Nordosten der Insel Mauritius im Indischen Ozean. Der Vater arbeitet als Pastor und wurde vom Westschweizer Hilfswerk «DM-échange et mission» nach Mauritius gesandt, um mit der örtlichen presbyterianischen Kirche zusammenzuarbeiten.

Endo (4) liebt Tiere

und spielt gerne mit kleinen Küken.

«Mein Papa baut auf dem Grundstück der Kirche mit anderen Leuten zusammen einen Freizeitund Sportpark. Mit meinen Brüdern spiele ich hier auf dem Kies, der später mit Beton vermischt wird. Ausserdem spiele ich gerne draussen mit den Tieren – Hunden, Katzen, Küken und Kaninchen. Lola, die Kaninchenmama, und Felix, der Kaninchenpapa, haben fünf süsse Babys bekommen, mit denen ich gerne gespielt habe.

Jetzt haben wir sie weggegeben, und ich warte darauf, dass Lola und Felix wieder Junge bekommen. Der Strand ist sehr nah von unserem Zuhause in Grand Gaube, und dort gehe ich gerne Muscheln sammeln, das ist mein Hobby. Im Juli hatte ich Geburtstag und

ein Velo geschenkt bekommen. Das probierte ich sofort mit den Nachbarskindern aus, die oft zu mir kommen, um mit meinen kleinen Brüdern und mir zu spielen. Ich habe schon viele mauritische Freunde. Meistens haben wir Shorts und T-Shirts an. Aber wenn wir in die Schule gehen, müssen wir eine Uniform anziehen.» MM


LEBEN | MM44, 26.10.2015 | 105

Luana (10)

Vorab muss ich dir korrekter­ weise etwas sagen, sonst bekom­ me ich empörte Leserbriefe und mein Chef macht Probleme. Also, hör gut zu: Rauchen schadet deiner Gesundheit. (Okay so, Chef?) Und nun kommen wir zur Shisha: Das ist eine Wasserpfeife. Sie hat ein oder zwei Schläuche, mit denen man gemeinsam in einer Gruppe Tabak raucht. Shishas stammen aus dem Orient. Seit einigen Jahren sind sie auch bei uns in Mode – vor allem unter Jugendlichen. Diese rauchen sie zu Hause oder

in öffentlichen Shisha-Lounges. Der Rauch einer Shisha ist aromatischer als Zigarettenrauch. Er wird in der Pfeife erst durch ein Wasserbad geführt, wodurch er abgekühlt und gemildert wird. Nein, illegale Drogen werden damit normalerweise nicht gepafft. Und nein, es stimmt nicht, dass ShishaRauch weniger schädlich ist als Zigarettenrauch. Das Wasser filtert nur einen Teil der Schadstoffe heraus. Das Nikotin – du weisst: das macht süchtig! – und die schädlichen, verbrannten Aromastoffe

gelangen auch in die Lunge. Ausserdem nuckelt man gemeinsam am gleichen Mundstück. Igitt! So können auch Krankheiten übertragen werden. Lass also die Hände davon! Du sollst nicht rauchen! (Und so sage ich hier nicht, dass es wahrlich Schlimmeres gibt als eine Gruppe entspannter Jugendlicher, die gemeinsam plaudern, Musik hören, ein friedliches Ritual pflegen und damit ein bisschen Rauch um nichts machen. Alles klar? Falls nicht, dann gehe bitte zurück zum Textanfang.) MM

Gabriela Bonin (48) beantwortet

die Fragen ihrer Töchter (14, 10, 7).

WAS IST HIER FAUL?

Das sind acht Piktogramme. Welche Sportarten stellen sie dar? Aber Moment mal: Hier stimmt doch etwas nicht. Drei Piktogramme haben wir verändert. Findest du heraus, welche?

Rä tsels pass

3

1

4

ACHTUNG, FLUGHUND! Findest du die 10 Unterschiede?

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Lösung: 1. Tanzen, 2. Tennis, 3. Geräteturnen (Pferd), 5. Laufen (Sprint), 6. Handball. Die Piktogramme 4, 7 und 8 sind falsch.

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Bitte ausfüllen und einsenden oder faxen an: Ringier AG, Leser-Service, Postfach, 4801 Zofingen, Fax 062 746 35 71


LEBEN | MM44, 26.10.2015 | 107

Mit scharfem Blick nimmt die Tierärztin die winzige Schildkröte unter die Lupe.

Zootierärztin

Angst ums «Ägypterli» Die 23 Gramm leichte Ägyptische Landschildkröte frisst kaum mehr. Das Jungtier muss dringend behandelt werden. Schon eine einfache Erkältung kann lebensgefährlich sein. Text: Karin Federer

Bilder: Walter Zoo

I Karin Federer (29) ist Tierärztin und berichtet regelmässig aus dem Walter Zoo in Gossau SG.

ch spüre die kleine, leichtgewichtige Ägyp­ tische Landschildkröte kaum, als ich sie sorg­ sam auf meiner Hand halte. Das Jungtier ist apathisch und frisst nicht. Seine Ge­ schwister sind bereits we­ sentlich stärker und fressen ihm das Futter weg. Auf den ersten Blick erkenne ich eine Augenentzündung und geringgradigen Nasenausfluss. Üblicherweise würde ich in so einem Fall eine Blutentnahme und Laboruntersuchungen durchführen, um einen Gesamteindruck vom Allge­ meinzustand der Schildkrö­ te zu erhalten. Bei gerade mal 23 Gramm Körperge­ wicht und einem Blutvolu­ men von etwa 1,4 Millilitern – dies entspricht etwa 28 Tropfen Wasser – ist das ziemlich schwierig, wenn

nicht sogar unmöglich zu bewerkstelligen. Kräuter für den Appetit

Ich nehme eine Nasenspül­ probe und sende sie ins La­ bor. Mit einem Röntgenbild kontrolliere ich den Zu­ stand der Lunge, um eine Lungenentzündung auszu­ schliessen. Zum Glück sehe ich schnell, dass nur die oberen Atemwege betroffen sind und eine Entzündung der Lunge ausgeschlossen werden kann. Sie wäre im Röntgenbild durch Ver­ schattung erkennbar. Der Bericht des Labors bestätigt aber einige Tage später einen bakteriellen Infekt. Ich verabreiche der Schild­ kröte ein Antibiotikum und behandle die Augenentzün­ dung mit Tropfen. Nun ist es auch wichtig, dass der kleine Patient ge­

nügend frisst und wieder an Gewicht zunimmt. Nur was, wenn kein Hunger da ist? Zum Glück sind unsere Tierpfleger immer sehr ein­ fallsreich. Dank einem täg­ lichen Bad in lauwarmem Wasser und einem grossen Angebot an Kräutern in unterschiedlichen Grössen und Darreichungsformen beginnt die Schildkröte in kürzester Zeit wieder zu fressen. Wir überwachen den Nährzustand in regel­ mässigen Abständen durch Wägen, um über das Körpergewicht den Krank­ heitsverlauf verfolgen zu können. Nach einer Woche zeigt die Gewichtskurve aufwärts. Ich bin erleich­ tert: Unser kleines «Ägyp­ terli» ist auf dem Weg der Besserung und wird seine Geschwister hoffentlich bald einholen können. MM

Tipps

Ab auf die Waage Geringe Gewichtsschwankungen sind

bei Schildkröten wegen des schützenden Pan­ zers oft nicht von Auge sichtbar. Man muss sie regelmässig wägen, um Erkrankungen früh erkennen zu können. Entzündungen der oberen Atemwege können mit Bläschen­ bildung an den Nasen­ löchern oder bei chro­ nischem Verlauf mit Verfärbung oder De­ formation der Nasen­ löcher einhergehen. Zu kühle Haltung, zu geringe Luftfeuchtigkeit, staubige Einstreu oder Stress mit Artgenossen können eine Infektion begünstigen. Bei anhaltender Gewichtsabnahme und verminderter Fresslust sollte ein Tierarzt auf­ gesucht werden.


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LEBEN | MM44, 26.10.2015 | 109

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raumhafte Winterlandschaften, Ausflüge in die Natur, Abende vor dem Cheminée oder ein Besuch in der Sauna mit anschliessendem Bad im Eisloch: Der hohe Norden Finnlands lockt mit abwechslungsreichen Tagen, egal ob im Hotelzimmer, in einem Blockhaus oder während einer Erlebniswoche. Obwohl es im Winter in FinnischLappland dunkel und kalt ist, hat die in ein spezielles Licht eingetauchte Landschaft eine magische Anziehungskraft. Die märchenhaft

verschneiten Winterlandschaften mit Hügeln, Wäldern und zugefrorenen Seen sind ebenso faszinierend wie das plötzlich am Himmel auftretende Schauspiel der Nordlichter, die an einen überdimensionalen, flackernden Theatervorhang erinnern. Nur drei Flugstunden entfernt

Lappland bietet im Winter viele Möglichkeiten, aktiv zu sein. Wie wäre es mit einer Huskyschlittentour, mit Schneeschuhlaufen, Winterspaziergängen, Skilanglauf

oder einer Motorschlittenfahrt? Abends ist das Blockhaus, das Hotelzimmer oder die Sauna der ideale Ort, um sich über die Erlebnisse auszutauschen. Das knisternde Feuer des Cheminées lädt dazu ein, ein gutes Buch zu lesen und abzuschalten. Im winter­ lichen Lappland sind entspannte Ferientage garantiert. Und das Gute dabei: Diese wilde und so andere Welt erreicht man mit dem Direktflug von Helvetic Airways in dreieinhalb Stunden ab Zürich. MM

ab Festnetz) und nennen Sie Ihre Lösung, Ihren Namen und Ihre Adresse. Per SMS: Senden Sie ein SMS mit dem Text GEWINNEN, dem Lösungswort, Ihrem Namen und Ihrer Adresse an die Nummer 920 (1 Fr./SMS). Per Postkarte: Senden Sie eine Postkarte (A-Post) mit Ihrem Lösungswort und Ihrer Adresse an MigrosMagazin, «Lappland», Postfach, 8099 Zürich Online: Gratis unter www.migrosmagazin.ch/ gluecksgriff Einsendeschluss: 1. 11. 2015

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4 5 2 6 5 7 1 2 4 6

Auflösung Nr. 43: 735

2 6

3 7

4

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1 6 4 5 8 9 7 2 3

5 3 4 2 7

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8 2 7 1 9 5 3 6 4

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Impressum MIGROS-MAGAZIN vormals: Wir Brückenbauer Wochenblatt des sozialen Kapitals Organ des MigrosGenossenschafts-Bundes www.migrosmagazin.ch Auflage/Leserschaft: Beglaubigte Auflage: 1 567 892 Ex. (WEMF 2015) Leserschaft: 2 375 000 (WEMF, MACH Basic 2015-2) Adresse Redaktion und Verlag: Limmatstrasse 152, Postfach 1766, 8031 Zürich Telefon: 058 577 12 12 Fax: 058 577 12 08 redaktion@migrosmagazin.ch Herausgeber: Migros-Genossenschafts-Bund Leiter Migros-Medien: Lorenz Bruegger

Publizistische Leitung: Monica Glisenti Chefredaktor: Hans Schneeberger Produktion/Ressort Leben: Remo Leupin (Leitung), Robert Rossmanith (Chef vom Dienst), Gerda Portner (Produzentin), Daniel Schifferle (Verantwortlicher Leben), Heinz Stocker (Korrektor) Ressort Menschen: Sabine Lüthi (Leitung), Andrea Freiermuth, Yvette Hettinger, Ralf Kaminski, Anne-Sophie Keller (Volontärin), Monica Müller, Reto E. Wild

Sabine Müller, Christoph Petermann, Thomas Tobler, Michael West Ressort Shopping & Food: Eveline Zollinger (Leitung a. i.), Heidi Bacchilega, Dora Horvath, Sonja Leissing, Fatima Nezirevic, Nicole Ochsenbein, Anna-Katharina Ris, Claudia Schmidt, Jacqueline Vinzelberg, Anette Wolffram Bildredaktion: Olivier Paky (Leitung), Benjamin Böttcher, Franziska Ming, Susanne Oberli, Helen van Pernis Layout: Bruno Boll (Creative Director), Doris Oberneder (Art Director), Werner Gämperli, Nicole Gut, Gabriela Masciadri, Pablo Tys, Tatiana Vergara

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Treffen voll ins Schwarze: Bettina Macher, Katja Hess und Myriam Ruesch (v.l.n.r.) auf den Spuren der Göttin der Jagd.

Unsere Welt

«Die wilde GöttinArtemis passt zu uns»

Das Trio Artemis begeistert seit 20 Jahren mit einem breiten Repertoire. Im November gehen die Frauen mit «Classic goes Jazz» auf Jubiläumstournee. Die Harmonie geht weit übers Musikalische hinaus – auch in Sachen Naturliebe und Genuss sind sie sich einig. Text: Laila Schläfli

Bilder: Daniel Winkler Unser Lieblingsprodukt

«Heidi-Vollmilch ergibt den besten Milchschaum für unseren Cappuccino.»


LEBEN | MM44, 26.10.2015 | 119

1 Unsere Göttin «Artemis, die Göttin

der Jagd und der Natur, ist unabhängig, freiheitsliebend und lässt sich nicht in ein Schema pressen – eine wilde Göttin. Das Individuelle, Eigenständige, Kämpferische passt zu uns.» 2 Unser Zuhause «Bettinas Heim ist

1

neben dem Konservatorium unser Treffpunkt. Hier planen und proben wir, meist am Wochenende oder abends. In den Pausen gibt es immer Cappuccino und etwas Selbstgebackenes von Bettina.»

2 3

Name: Bettina Macher (45), Cello; Katja Hess (45), Violine; Myriam Ruesch (46), Klavier Beruf und Lebenslauf: «Das Trio

Artemis ist ein fixer Bestandteil unseres Lebens, fast wie eine Ehe. Wir haben am Konservatorium in Winterthur ZH studiert. Zu dritt spielten wir erstmals 1995, als Myriam ihr Konzertdiplom machte. Bei unserem ersten öffentlichen Konzert spielten wir als «Zückerli» ein Zigeunerlied – damit trafen wir einen Nerv. Seither erweitern wir laufend unser Repertoire mit diversen Stilrichtungen. Bisheriger Höhepunkt war der Auftritt 2010 im Kultur- und Kongresszentrum Luzern mit dem Tripelkonzert von Beethoven. Als Nächstes feiern wir unser 20-Jahre-Jubiläum mit einer Tournee ab dem 6. November.» 4

5

3 Unser grösster Fan «Brigitta Hess, Katjas Mutter, unterstützt uns seit unseren Anfängen – administrativ und als treuer Fan. Ihr Einsatz ist einmalig.» 4 Unser Hobby «Wir teilen die Liebe zur

Natur. Wenn wir auf Tournee sind, gehen wir gerne zusammen im Wald spazieren zur Inspiration und Entspannung. Der Wald passt ja auch zur Jagdgöttin.» 5 Unser Souvenir «Auf der Argentinien-

6

tournee wurde uns Matetee serviert, der sehr bitter ist. Der Wein ging deutlich besser runter. Aber in dem Land ist Mate so allgegenwärtig wie bei uns Kaffee.» 6 Unser Lieblingskomponist «Der Argentinier Astor Piazzolla ist ebenfalls ein Grenzgänger zwischen Klassik und Jazz, und er lässt sich nicht schubladisieren. Durch ihn sind wir zum Tango Nuevo gekommen.»


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