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Migros-Magazin-43-2020-d-OS

Page 1

Ausgabe Ostschweiz, AZA 1953 Sion Response Zentral, Psdg DP AG, Ent.bez.A 44631

migros.ch/magazin | MM43, 19.10.2020

«Helvetiarockt» macht Frauen im Musikbusiness bekannter Seite 56

US-Wahl

Trump oder Biden? So tickt das Land der unbegrenzten Möglichkeiten Ab Seite 17

Die ganze Familie in Quarantäne: Ein Tagebuch

Auf der Pirsch

Die «Jägerin des Jahres» isst nur Fleisch von Tieren, die sie selbst geschossen hat Seite 32

Bild: Christophe Chammartin

Seite 10

Auf einen «Begegnungscafé» mit Flüchtlingen Bitte Wohnungswechsel der Post melden oder dem regionalen Mitgliederdienst: Tel. 0041(0)58-712 24 51, E-Mail: mireg@gmos.ch

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4 | 19.10.2020 | MEINE MIGROS

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10 / Oktober 2020

migusto.ch

MEINE MIGROS | 19.10.2020 | 5

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An dieser Stelle bringen wir ­wöchentlich ­Bei­spiele dafür, wie die Migros das Leben der ­Menschen in der Schweiz ein­facher macht.

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6 | 19.10.2020 | AUGENBLICK

21:26 Uhr

Auf der Bühne des Kulturzentrums Südpol läuft der Spoken-Word-Poet Remo Rickenbacher gerade zur Hochform auf. Er erzählt dem Publikum von einer WG-Party voller Peinlichkeiten und wünscht sich, alles ungesche­hen zu machen. Die Darbietung am 10. Oktober machte «m2act» möglich – ein neues Förderprojekt des Migros-Kulturprozents. Migros-Moment in Kriens LU


Bild: Roger Hofstetter

AUGENBLICK | 19.10.2020 | 7


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INHALT | 19.10.2020 | 9

BEILAGE iMpuls Das sind die Themen: Wie man seine Psyche stärkt, wie der Grippe­ impfstoff entsteht, wie das Superkraut Wallwurz wirkt, was Musik mit uns macht und wie wir fit auf die Skipiste kommen.

US-Wahlen Im November wählen die Amerikaner einen neuen Präsidenten. Wie das Land heute tickt.

17

INHALT 10  Aus der Quarantäne Wie es ist, wenn die ganze ­Familie nicht mehr raus darf 12  Aufschlag Yarin Eine seltene Krankheit stoppte ­Yarin Aebis­ Tennisprofiträume 17  Fremdes Amerika Eigenheiten und Gewohnheiten 22  Schweizer Wahlmann Der Schaffhauser Vinz Koller wählt den US-Präsidenten mit

Kunstvermittlung einmal anders: Im Museum zu ­Allerheiligen in Schaffhausen ­führen Geflüchtete durch die Ausstellung.

27  1, 2 oder 3?

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29 Wissensbissen 30  Köstliche Wildrezepte 32  Botschafterin der Jagd Für Célina Bapst ist Jagen mehr als das Töten von Tieren 38  Begegnung der Kulturen Einheimische und G ­ eflüchtete treffen sich im Museum 43  Pflanzliche Eiweisse 47  Stadt, Land, Stutz

Impressum

51  Training für die Knie

MIGROS-MAGAZIN vormals: Wir Brückenbauer, Wochenblatt des sozialen Kapitals, Organ des­Migros-Genossenschafts-Bundes, Migrosmagazin.ch

54  Der andere Blick Diese Woche: Gerda Portner

Adresse Limmatstrasse 152, Postfach 1766, 8031 Zürich Telefon: 0800 84 0848 Kontakt: www.migmag.ch/leser

56  Helvetia rockt Wie Frauen im Musikgeschäft bekannter werden sollen

Herausgeber Migros-Genossenschafts-Bund

Auflage/Leserschaft: Beglaubigte Auflage: 1 556 071 Ex. (WEMF 2020) Leserschaft: 2 245 000 (WEMF, MACH Basic 2020-2) Abonnemente: abo@migrosmagazin.ch Tel.: 058 577 13 00 Ausführliches Impressum unter ­migrosmagazin.ch/impressum

61  Insta-Story erstellen Bilder: Julius Hatt, iStock

Chefredaktion Franz Ermel (Ltg.), Steve Gaspoz, Rüdi Steiner

65 Leserangebot Tens-Gerät gegen Schmerzen 66  Ihre Region Aktionen, Reportagen, News

75  Rätsel und Spiele 78  Meine Welt Jan Ebinger kaufte 233 Mal per «Amigos»-App für andere ein


10 | 19.10.2020 | CORONA

«Ich bin positiv» Die Partnerin unseres Autors wird positiv auf Corona getestet. Sie muss in Isolation, der Rest der Familie in Quarantäne. Wie das ist? Ein Tagebuch. Text: Franz Ermel  Bilder: Roger Hofstetter

Tag 1

Sonntag, 11. Oktober

«Ich bin positiv.» M., meine Partnerin, schaut zur Zimmertür herein. Sie trägt eine Maske und sagt diesen einen Satz: «Ich bin positiv.» Wir schauen uns verdutzt an. Sch… Zwei Tage vorher

Am Freitag sind wir aus Italien zurückgekehrt. Am Bahnhof Bologna wurde uns die Temperatur gemessen. Ich kam glatt durch, bei M. musste der Beamte zweimal ansetzen, dann winkte er auch sie durch. Da haben wir uns ein erstes Mal verdutzt angeschaut. Am Abend hat M. zu Hause leichtes Fieber und Glie­der­schmer­zen. Unter normalen ­Umständen würde man sagen: nicht der Rede wert. Sie werde am Samstag zum Corona-Test gehen, erklärt M. Dass sie positiv sein k ­ önnte, glauben wir beide nicht wirklich. Dennoch werden wir vorsichtig. Entgegen unserer Gewohnheit essen wir nicht in der Küche, sondern setzen uns am 2,10 Meter langen Wohnzimmertisch an die beiden Kopf­enden, prosten uns von ferne zu und stellen uns vor, wir wären das Königspaar in einem zweitklassigen Kostümfilm. Standesgemäss ziehen wir uns danach in die je eigenen Gemächer zurück – das King-Size-Bett in ­Bologna ist nur mehr eine ferne Erinnerung. Einen Tag vorher

Am Samstagmorgen hole ich unseren Kater aus seinem Feriendomizil. Ich trage bereits überall eine Maske, auch draussen. Der Kater nimmt es gelassen. Als ich nach Hause komme, ist M. aufgestanden. Das Fieber ist weg, die Glieder-

schmerzen nicht. «Es ist wohl doch nicht ­Corona», sagt sie. Zum Test will sie trotzdem. Eigentlich wollte ich am Abend eine gute Freundin besuchen. Ich rufe sie an und sage ihr, M. gehe zum Corona-­Test, aber es sei wohl nichts. «Vergiss es, wir treffen uns ein andermal», sagt sie. Am Nachmittag kommt unser Sohn T. (14) aus seinen Ferien zurück. Er war mit Freunden ein paar Tage in der Innerschweiz. Weil er sein Handy verloren hat, weiss er nichts von den Einschränkungen zu Hause. Heisst: keine Umarmung zur Begrüssung, Erleb­nisse nur auf Distanz erzählen. Am Abend sitzen wir zu dritt an unserer Rittertafel. Anschliessend steht ein Film an: «The Bourne Supremacy». Mit Schutzkonzept. M. trägt Maske.

Tag 1

Sonntag, 11. Oktober (Fortsetzung) Das Testergebnis ist per SMS gekommen.

M. muss sich umgehend mit dem Zürcher Con­tact-Tracing in Verbindung setzen, wo sie erste Anweisungen erhält: zehn Tage Isolation für sie, zehn Tage Quarantäne für ihre Mitbewohner (also unseren Sohn und mich) und alle, mit denen sie in den letzten Tagen «relevanten Kontakt» hatte. Weil wir in Italien die meiste Zeit maskiert waren, werden das glücklicherweise wenige sein. Isolation heisst: M. muss sich für die kommenden Tage völlig zurückziehen. Verlässt sie ihr Zimmer, trägt sie Maske und hält Abstand. Wir richten uns also entsprechend ein: M. bekommt einen kleinen Tisch in ihr Zimmer gestellt, wo sie tagsüber arbeiten kann.

Weil wir zwei Toiletten haben, teilen wir uns auf – M. die eine, T. und ich die andere. Damit schrumpft unsere Tafelrunde ­wieder auf zwei – T. und ich behalten die Plätze an den Kopfenden bei. M. geht es den Umständen entsprechend gut, das Fieber bleibt weg, zu den Gelenkschmerzen sind aber Schmerzen im Brust­ bereich hinzugekommen. Ich will wissen, ob auch ich positiv bin, und gehe deshalb noch am Nachmittag zum Test. T. ist missmutig. Kein Handy, kein Auslauf. Wir informieren Nachbarn, Freunde und Verwandte über unsere Situation. Die ­meisten bieten sofort Hilfe an: «Können wir euch unterstützen?» – «Sollen wir euch die Einkäufe machen?» – «Sagt, wenn ihr ­etwas braucht!» Nur jemand meint: «Zum Glück haben wir uns in letzter Zeit nicht ­gesehen.» … Gross­artig ist unsere Nachbarin: Noch am Sonntagabend schreibt sie ein Whatsapp: «Ich habe gebacken und euch ein Brot vor die Tür gestellt. En Guete!» Wow! Ich koche gerade das Abendessen, als auf meinem Handy die Nachricht der Covid-App des BAG aufpoppt, dass ich mich vor zwei ­Tagen möglicherweise mit dem Coronavirus angesteckt habe. Ich rufe die mitgeschickte Nummer an und erfahre, was ich schon weiss. Auch der heutige Filmabend ist personell reduziert: T. und ich gucken «Batman», M. in ihrem Zimmer eine Serie.

Tag 2

Montag, 12. Oktober

Der Tag beginnt mit einem Lacher: Das Toilettenpapier ist ausgegangen. Ausgerechnet.


CORONA | 19.10.2020 | 11

Zum Glück nicht für lange. Bereits am Mittag liefert LeShop Nachschub. M. hat wellenartig auftretende Brustbeschwerden, Verdauungsstörungen und einen leichten Husten. Dennoch scheint Covid-19 bei ihr bisher glücklicherweise einen milden Verlauf zu nehmen. Weil Montag ist, versuchen wir etwas zu arbeiten. T. macht widerwillig Hausaufgaben und lernt für die Gymiprüfung – Winkelbestimmung, zähe französische Vokabeln und «Anne Frank»-Lektüre. Dazwischen werden Workouts und Game-Sessions zur Auflockerung eingebaut. Zwischendurch huscht M. mit Maske und Handschuhen in die Küche, macht sich einen Tee und verschwindet wieder. Gespenstisch. Kurz nach Mittag die SMS des Unispitals: Ich bin negativ. Und, ehrlich gesagt, leicht ­erstaunt darüber. Zwar habe ich keinerlei Symptome, aber bis Freitag doch Tisch und Bett mit M. geteilt. Auf die Dauer der Quarantäne hat das Test­er­geb­nis indes keinen Einfluss. Theoretisch könnte das Virus bei mir einfach noch nicht nachweisbar sein. Deshalb muss ich bis zum 19. Oktober weitermachen. Bleibt die Frage, wo sich M. eigentlich angesteckt hat. Die kurze Antwort: Wir wissen es nicht. Rechnerisch höchstwahrscheinlich nicht in Italien, sondern bereits in Zürich. Gegen Abend kommt K. vorbei. Sie stellt T. ihr altes iPhone als Ersatzhandy zur Ver­ fügung. Sie steht auf dem Vorplatz, ich gucke aus dem Küchenfenster im dritten Stock. Wir versuchen uns zu unterhalten, weil wir dabei aber schreien müssten und die halbe Siedlung unser Gespräch mithören würde,

wechseln wir aufs Telefon – gestikulieren aber live munter weiter.

Tag 3

Dienstag, 13. Oktober

Die Tage beginnen sich zu gleichen und zerfliessen ineinander. M.s Zustand ist nach wie vor recht gut. ­Zumindest körperlich. Psychisch macht sich allmählich der Lagerkoller breit. T. ist enttäuscht, weil er jetzt zwar ein Handy hat, aber die neue SIM-Karte noch nicht geliefert wurde. Auch das Social Distancing und die ständige Präsenz der Krankheit schlagen ihm auf die Stimmung. Verständlich. Insgesamt etwas viel Innenwelt heute. Im Homekino läuft «The Bourne Ultimatum».

Tag 4

Mittwoch, 14. Oktober

Draussen ist ein wunderbarer Herbsttag. M. fühlt sich heute deutlich besser (nur noch leichter Husten), sie möchte raus, «Bäume ausreissen». Am Mittag erwarten wir eine Amigos-Lieferung. Ich war für die Nachbarschaftshilfe der Migros selbst schon als Bringer unterwegs, jetzt bin ich plötzlich ein Empfänger. Auch M.s Eltern, beide um die 80, wollen ­helfen. M. hat sie während des Lockdowns mitversorgt, jetzt möchten sie etwas zurückgeben – verkehrte Welt. Endlich ist T.s SIM-Karte in der Post. Er legt gleich los. Endlich kann er wieder mit der Welt kommunizieren. Seine Stimmung bessert sich.

Derweil kämpft auch die Aussenwelt mit ­Corona: Das BAG meldet über 2800 Neuinfizierte, doppelt so viele wie am Vortag, und doppelt so viele wie nie zuvor. M. witzelt: «Bald seid ihr in der Wohnung mit mir ­sicherer als draussen.» Am Nachmittag meldet sich das Zürcher Contract-Tracing per SMS bei mir. Ich müsse sofort und bis am 19. Oktober in Quarantäne. Das ist zwar nun nichts Neues, aber es ist das erste Mal, dass sich der Kanton bei mir direkt meldet. Bisher lief der Kontakt immer über M. Jetzt habe ich mich zu melden und rufe deshalb zurück. Während ich über eine halbe Stunde in der Warteschlaufe hänge – «Con­ tact-Tracing Kanton Zürich, Grüezi! Bitte ­haben Sie etwas Geduld, wir sind gleich für Sie da» –, koche ich eine Bolo. Beim Nachtessen rutscht bei M. die ­Stimmung in den Keller. Sie hört uns nur und sieht uns kaum. Einzig der Kater foutiert sich ums Social Distancing und besucht sie stundenlang in ihrem Reich. M.s Zimmer ist inzwischen eine multifunktional eingerich­ tete Schlaf-, Trainings-, Arbeits-, Kino-, ­Lese-, Ess- und Kommandostation. Heute gibts keinen gemeinsamen Film. T. tele­­foniert mit seinem besten Freund.

Tag 5

Donnerstag, 15. Oktober

Nichts Neues aus der Quarantäne, ausser: Halbzeit! «Nur» noch fünf Tage. Die zweite Hälfte einer Zeiteinheit vergehe schneller als die erste, heisst es. Nun, wir werden sehen. Bleiben Sie gesund! Wir versuchen es auch – und bleiben positiv. MM


12 | 19.10.2020 | TENNIS

Vom Rollstuhl zurück auf den Court Yarin Aebi war auf dem

besten Weg zum Tennisprofi, als ihn 2018 eine seltene Krankheit ausbremste. Doch mit Hartnäckigkeit und Zuversicht kämpfte er sich zurück. Diesen Herbst hat der 17-Jährige wieder Spiele gewonnen. Text: Ralf Kaminski  Bilder: Christian Schnur


TENNIS | 19.10.2020 | 13

E

s sei ein sehr emotionaler Tag gewesen, sagt Yarin Aebi und schaut dabei kurz gedankenverloren. Er meint den 29. August, den Tag, an dem er nach 21 Monaten Reha und Training zum ersten Mal wieder einen offiziellen Match spielte – und gewann. «Ich war ziemlich nervös und so mit mir beschäftigt, dass ich im ersten Satz keine Chance hatte. Dann ­jedoch kam ich richtig ins Spiel rein, es machte einfach nur Spass …» Auch wenn er verloren hätte, wäre das egal gewesen. «Hauptsache, ich konnte überhaupt wieder spielen. Ich schwebte noch drei Tage danach wie auf Wolken, so glücklich war ich.» Seither hat der 17-Jährige aus Horgen ZH weitere Matches gespielt, teils gegen deutlich stärkere Gegner. Mal hat er gewonnen, mal verloren. Alles in allem ein vielversprechender Neustart, findet Yarin. Schaut man ihm zu, mit welcher Leichtigkeit er sich auf dem Platz bewegt und Bälle jongliert, kann man kaum glauben, dass er Ende 2018 im Rollstuhl sass und selbst über seinen Oberkörper kaum noch Kontrolle hatte. Plötzlich Schwierigkeiten beim Gehen

Das Drama, das Yarins Tennisprofiträume so abrupt aus der Bahn warf, begann am 24. November 2018, am Tag der Rückkehr von einem Turnier in Israel. «Wir mussten in Basel zum Zug rennen, und irgendwie fühlte sich mein linkes Bein seltsam an. Aber abends war es dann wieder okay.» Doch nachts wachte er auf ­wegen eines stechenden Schmerzes im unteren Rücken. Morgens hatte er hohes Fieber und Schwierigkeiten beim Gehen. Die Familie ging erst zum Hausarzt, dann am nächsten Tag ins Spital. «Zu dem Zeitpunkt konnte ich nicht mehr gehen und stehen.» Die Diagnose: Guillain-BarréSyndom (GBS), eine seltene Erkrankung des peripheren Nervensystems, verursacht durch eine Fehlreaktion des Immunsystems. Betroffene ver-

«Ich wollte wieder gehen lernen, und ich wollte auch wieder zurück auf den Tennisplatz – das war für mich nie infrage gestellt.»

lieren die Fähigkeit, ihre Muskeln anzusteuern; typischerweise beginnen die Symptome an den Händen und Füssen und breiten sich aus. Auslöser sein kann eine bakterielle Infektion – bei Yarin steht eine Magen-Darm-­Infektion in Verdacht, die er in Israel hatte, ganz ­sicher ist dies aber nicht. Der Teenager verlor nicht nur seine Bewegungsfreiheit, er hatte auch höllische Schmerzen, vor ­allem im unteren Rücken. «Ich habe mein Kind noch nie so schreien ­gehört», sagt seine Mutter. Die ­Ärzte gaben ihm alle vier Stunden ­Morphium – «manchmal half es, manchmal nicht», sagt Yarin. «Besonders die Nächte waren schlimm.» Erst nach zwei, drei Wochen liessen die Schmerzen nach. Zum Glück schlug die Behandlung an

Die Eltern und die drei Jahre ältere Schwester machten sich derweil grosse Sorgen. Denn die Krankheit kann zum Herzstillstand führen, wenn sie nicht rechtzeitig gebremst werden kann – was nicht immer ­gelingt. Bei Yarin schlug eine Behandlung mit Immunglobulinen an; nach ein paar Tagen hatten die Ärz-

te die Krankheit zwar unter Kontrolle, doch Yarin sass im Rollstuhl, bekam Morphium und brauchte bei fast allem Hilfe. Tausende von Stunden harte Arbeit 2017 noch hatte er mit Jérôme Kym die U-14-Weltmeisterschaft in

­ schechien gewonnen und war auf T bestem Weg zu weiteren Erfolgen – und plötzlich musste er ganz simple Dinge neu lernen. «Wenn ich mein Bein anheben wollte, passierte erst mal gar nichts. Als ob ich versuchen würde, ein Haar auf meinem Kopf zu bewegen.» Es erforderte Tausende von Stunden harter Arbeit, mittels zahl­loser Übungen die Kontrolle über ­seinen Körper zurückzugewinnen. Was andere frustriert und entmutigt hätte, trieb Yarin an. «Ich wollte wieder gehen lernen, ich wollte auch zurück auf den Tennisplatz – das war für mich nie infrage gestellt.» Hart­näckig, geduldig und zuversichtlich erarbeitete er sich Balance, Muskelkraft und Stabilität zurück. Nach fünf Wochen brauchte er den Rollstuhl nicht mehr und nutzte stattdessen verschiedene Gehhilfen. Nach einem weiteren halben Jahr brauchte er auch diese nicht mehr. Anfang 2019 kehrte der Teenager zurück an die Wirtschaftsmittelschule in Biel und nahm dort auch sein Training bei Swiss Tennis wieder auf. Die Schule bietet sportlergerechte Schulzeiten; der Stoff von zwei Schuljahren wird auf drei verteilt, damit angehende Profisportler genug trainieren können. In Yarins Fall sind das drei bis vier Stunden pro Tag. Das Wochen­ende verbringt er in der Regel bei der Familie in Horgen. Heute ist Yarin Aebi «noch nicht ganz bei 100 Prozent», wie er sagt, aber auf gutem Weg. An der Bein­ muskulatur hapert es noch. «Ich bin ­weniger leichtfüssig und wendig als vorher.» Yarins nächstes grosses


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RUBRIK TENNIS| |19.10.2020 19.10.2020| |15 15

Ziel: Die Schweizer Meisterschaften der Junioren in Kriens LU im Januar. Bis dahin will er noch an zwei, drei Turnieren teilnehmen. So erfreulich alles auch läuft, die Prioritäten des Jungtalents haben sich verschoben. Jetzt sind die Tennis­ profiträume der Plan B, vor der ­Erkrankung war es die Wirtschaftsmittelschule. Was er beruflich mal machen will, weiss er aber noch nicht so genau. «Tatsache ist: Diese zwei Jahre, die ich verloren habe, sind für Junioren ganz wichtig, um es später im Profitennis zu schaffen.»

Bild: freshfocus

Reifer und erwachsener geworden

Seine Kollegen Leandro Riedi und Dominic Stricker, mit denen er zuvor bei Swiss Tennis trainierte, haben ge­ rade an den French Open teilgenom­ men und den Junioren-Final-Sieg unter sich ausgemacht. «Es ist fantas­

tisch, dass sie das geschafft haben», freut sich Yarin für sie. Und wer weiss, ohne Guillain-Barré-Syndrom hätte vielleicht auch er es ans Turnier nach ­Paris geschafft. «Aber über so etwas darf man nicht zu sehr grübeln.» Überhaupt nimmt er die Dinge ­inzwischen mehr so, wie sie kommen. Auch im Tennis, mit dem er schon als Dreijähriger begonnen hatte – nach einem Tag der offenen Tür im Tennis­ zentrum Horgen. Weitere Ziele als die Juniorenmeisterschaft im Januar hat Yarin Aebi sich noch nicht gesetzt, will erst mal sehen, wie es läuft. «Ich habe durch GBS viel über mich gelernt, bin reifer und erwachsener gewor­ den.» Er höre jetzt auch mehr auf sei­ nen Körper, verstehe ihn besser. «In­ zwischen sehe ich fast nur das Positive, das durch all das passiert ist.» MM Mehr Infos: yarin-tennis.com; gbsinfo.ch

Yarin Aebis Kollegen Dominic Stricker (links) und L­ eandro Riedi spielten an den French Open in Paris um den Junioren-­Titel. Stricker siegte. Vor ­Aebis Erkrankung haben die drei oft gemeinsam trainiert.

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US-WAHLEN | 19.10.2020 | 17 Freundlich, kommunikativ, aber oft unverbindlich: Es ist leicht, mit Amerikanern in Kontakt zu kom­ men und fast schon freundschaft­ liche Gespräche zu führen, aber man sollte deswegen nicht glauben, an einem Abend einen neuen Freund gewonnen zu haben. MMMMMMMMMMMM

Amerika tickt anders

Auf den ersten Blick erscheinen die USA und ihre Bewohnerinnen und Bewohner nicht sonderlich exotisch. Schaut man genauer hin, zeigen sich jedoch viele Eigenheiten und Gewohnheiten, die fremd wirken. Text: Ralf Kaminski

Für einen guten Job braucht es fast zwingend ein Studium – das jedoch sehr teuer ist. Wer keine reichen Eltern hat und kein Stipendium ergattert, muss Studienkredite auf­ nehmen. Diese später abzuzahlen, kann Jahrzehnte dauern. MMMMMMMMMMMM Kinder sind eigentlich immer und überall willkommen und werden kaum je als lästig empfunden. MMMMMMMMMMMM Trotz Zehntausender von Toten durch Schusswaffen pro Jahr ­fühlen sich viele Amerikaner mit ­einer Waffe sicherer. Sie ist ein Symbol, um sich verteidigen zu können, notfalls auch gegen den ­eigenen Staat. MMMMMMMMMMMM Nur die Wähler in wenigen Bun­ desstaaten entscheiden, wer Präsident wird. Durch das Majorz­ system ist in knapp 40 von 50 Bundesstaaten von vornherein klar, welche Partei gewinnt.

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US-WAHLEN | 19.10.2020 | 19 Obwohl es auch in den USA viele Parteien gibt, sind wegen des Majorzsystems nur zwei relevant: Demokraten und Republikaner – und die bekämpfen sich seit Jahren mehr, als dass sie sich darum kümmern, reale Probleme zu lösen.

Die Zentren von Kleinstädten sind oft öde Wüsten, die ausser Bürohäusern wenig zu bieten ­haben. Wer Unterhaltung, Kultur oder Gastronomie will, muss raus zur Mall in die Agglo, wofür man fast zwingend ein Auto braucht.

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MMMMMMMMMMMM

Wählen ist nicht leicht: Weil es kein Einwohnerregister gibt, muss sich jeder Bürger vor jeder Wahl neu ­registrieren – erst dann darf er wählen. Wobei es in jedem Bundesstaat andere Regeln gibt, was man fürs Registrieren braucht – und es selbst teils so kompliziert ist oder bestimmte Dokumente voraussetzt, dass viele es gleich sein lassen (oft Wähler aus tieferen sozialen Schichten, die tendenziell eher für die Demokraten wären).

Amerikaner sind oft eher prüde, tun sich etwa schwer, sich nackt in eine Sauna zu setzen – schon gar nicht in eine gemischte. Im Gegenzug sind öffentliche WCs erstaunlich unprivat. Die einzelnen Kabinen sind unten weit offen, und bei den Türen hats Ritzen, durch die man problemlos schauen kann.

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«Best country in the world»: Viele Amerikaner haben ihr Land noch nie verlassen und auch keine Ahnung, wie das Leben andernorts auf der Welt aussieht. Deshalb hält sich die Illusion, eine besondere, von Gott auserwählte ­ Nation zu sein.

braucht es 270 Stimmen – je grös­ ser die Bevölkerung eines Bundesstaats ist, desto mehr Stimmen hat er (Alaska hat nur 3, Kalifornien 55); die Stimmen eines Staats gehen alle an den siegreichen Kandidaten. Deshalb wurde Donald Trump 2016 Präsident, obwohl Hillary Clinton landesweit mehr Stimmen bekommen hat. MMMMMMMMMMMM Beim Einkauf im Laden und Konsum im Restaurant kommt auf den angeschriebenen Preis immer noch eine Verkaufstaxe dazu – man zahlt also immer mehr, als ­angeschrieben steht.

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MMMMMMMMMMMM

Man kann nahezu rund um die Uhr einkaufen gehen – viele Läden sind auch sonntags und bis spätabends geöffnet, manchmal sogar 24 Stunden lang, besonders in den grossen Städten. Shoppen funktioniert bei vielen aber nur mit Schulden, die sich mithilfe von mehreren ­Kreditkarten auch ziemlich leicht anhäufen lassen.

In den USA gehören Klimaanlagen in Wohnungen und Häusern dazu, wie bei uns der Kühlschrank. Dafür sind selbst Neubauten oft schlecht isoliert und hellhörig.

MMMMMMMMMMMM Vier Fünftel aller Amerikaner haben keinerlei finanzielle Reserven – fällt der Monatslohn plötzlich weg, geraten sie sofort in ernsthafte Schwierigkeiten. Und die Sozialwerke sind so schwach, dass rasch die Armut droht. MMMMMMMMMMMM Der Präsident wird nicht direkt gewählt, sondern über das Electoral College. Das sind Wahlmänner und -frauen, die aufgrund des Wahl­ ausgangs im eigenen Bundestaat dem siegreichen Kandidaten ihre Stimme geben. Für eine Mehrheit

MMMMMMMMMMMM In allen Restaurants gibt es gratis gefiltertes Leitungswasser mit Eis, und die Reste der oft überdimen­ sioniert grossen Portionen werden ganz selbstverständlich zum Mitnehmen eingepackt in sogenannte «doggy bags». MMMMMMMMMMMM

Im Restaurant wird erwartet, dass der Gast 15 bis 20 Prozent des Rechnungsbetrags als Trinkgeld dazugibt – ­anders könnten die schlecht bezahlten ­Gastromitarbeitenden gar nicht überleben.


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Egal ob für Action im Seilpark, oder Abenteuer auf der Kyburg – der Multivan 6.1 ist in allen Situationen ein idealer Begleiter. Der geräumige Familienwagen bietet enorm viel Platz und ist trotzdem äusserst handlich.

Der VW Multivan 6.1 ist ideal, um mehr Abstand und neue Freiheiten zu gewinnen. Nutzen Sie die Chance und lernen Sie den vielseitigen Allrounder besser kennen. Melden Sie sich unter www.multivan.ch für die 24h TestDays an und die unvergessliche Erlebnisfahrt kann starten. Schon nach wenigen Kilometern hinterm Steuer des VW Multivan 6.1 fühlt sich Elena Schneider sichtlich wohl: «Der Multivan ist sehr handlich und agil. Zudem ist die Rundumsicht dank hoher Sitzposition und der vielen Fenstern genial.» Anfangs hatte die 36-Jährige Respekt vor dem fast fünf Meter langen Wagen, nun geniesst sie das tolle Fahrgefühl. Ihre vierköpfige Familie liebäugelt schon seit Längerem mit einem grösseren Auto, das ihr den Alltag erleichtern soll. Bevor sie und ihr Mann Nik den Umstieg auf einen geräumigeren Familienwagen definitiv wagen, wollten sie den VW noch auf Herz und Nieren testen. «Dafür ist eine solche 24-Stunden-Probefahrt ideal», hält der Vater fest. «Unsere Kinder haben schon seit Tagen Pläne geschmiedet, was wir alles unternehmen könnten.» Ob Abenteuer im Seilpark, Bootstour und Grillieren am Fluss, Ausflug zur Ritterburg oder Besuch im Zoo, die Ideen waren extrem vielfältig – genauso wie der auf Familien und dynamische Paare zugeschnittene VW Multivan 6.1. Die Eltern wollten den VW trotzdem zuerst im Alltag nutzen, um den direkten Vergleich zum jetzigen Auto zu machen. «Am Nachmittag

haben wir aber eine Überraschung für die Kids geplant», verrät Nik. Der schicke Allrounder mit sieben, auf Wunsch gar acht, Plätzen überzeugte die Eltern rasch mit seiner Handlichkeit, viel Komfort, umfassender Sicherheitsausstattung und modernsten Fahrassistenzsystemen. Elena ergänzt: «Ich finde die Variabilität im Innenraum super. Die dank Schienensystem bequem verschiebbaren Sitze, die drehbaren Einzelsitze und der Camper-Tisch sind sehr praktisch. Sein Stauraum ist enorm, so locker habe ich den Wocheneinkauf noch nie verstaut.» Kein Wunder bei bis zu 4300 Liter Stauraum im VW-Familienfreund. Nach dem Mittag dürfen auch endlich die Kinder Emma und Noah an Bord. Locker öffnet der 10-Jährige dazu die grosse Schiebetür. Und dank des Infotainmentsystems mit grossem Display im Cockpit kann sich Familie Schneider bequem im VW Bus den idealen Punkt fürs Picknick und den Start der Bootstour aussuchen. Auf dem Rückweg von der Töss erklärt Emma: «Ich finden den VW Multivan super, damit dürftest Du mich ausnahmsweise sogar zur Schule bringen.» Sofort ergänzt Noah: «Er wäre auch ein idealer Matchbus, da hätte meine halbe

Fussballmannschaft drin Platz.» Auch den Vater konnte die 24-Stunden-Erlebnisfahrt überzeugen. Das vollvernetzte Cockpit oder Details wie das induktive Laden von Smartphones gefallen dem Ingenieur besonders. Und Mutter Elena trennt sich nur ungern vom schicken Multivan mit LED-Leuchten und markanter Front: «Mit dem VW Bus macht jede Fahrt Spass und die Kids fühlen sich hinten mega wohl – perfekt!»

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US-WAHLEN | 19.10.2020 | 21

Der Supreme Court, der Oberste Gerichtshof, ist quasi allmächtig. Was die neun auf Lebenszeit ernannten Richterinnen und ­Richter beschliessen, gilt final und kann von ­niemandem angefochten werden.

Gewählt wird immer am Dienstag nach dem ersten Montag im ­November. Dies wurde im 19. Jahr­ hundert aus religiösen und ernte­ strategischen Gründen so be­ stimmt – und hat sich bis heute nicht geändert. Es ist ein gewöhn­ licher Arbeitstag, und oft muss man bei Wind und Wetter stunden­ lang Schlange stehen. Allerdings gibt es immer mehr Bundesstaaten, die die Briefwahl ermöglichen.

MMMMMMMMMMMM

Kulinarisch gibt es in US-Metro­ polen eine so grosse Auswahl an Gerichten wie wohl kaum sonst auf der Welt. Dies ist eine Folge der enormen Diversität der Menschen dort – sie bringen Kulturen und Traditionen aus aller Welt mit, die sich zu einem spannenden Gemisch kombinieren.

Nach dem Tod der liberalen Rich­ terin Ruth Bader Ginsburg droht dem Gremium nun eine klare ­konservative Übermacht . Weil das ­Parlament so oft blockiert ist, werden viele grosse Fragen vom Supreme Court entschieden statt von den gewählten Volksvertretern.

MMMMMMMMMMMM

MMMMMMMMMMMM MMMMMMMMMMMM Der öffentliche Verkehr ist nur in wenigen grossen Metropolen so gut ausgebaut, dass man ohne Auto auskommt. MMMMMMMMMMMM «Hi, how are you?» (Hallo, wie geht es Ihnen?) hört man meist zur ­Begrüssung. Das ist aber eine reine Floskel. Das Gegenüber will nicht wirklich wissen, wie es einem geht, und schon gar keine lange Antwort. Selbst gar nichts darauf zu sagen, ist völlig okay. Alternativ fragt man das genau Gleiche zurück oder sagt «Fine, thanks», ganz egal, wie es einem gerade wirklich geht. MMMMMMMMMMMM

Alkohol gibt es erst ab 21. In einigen Bars und Clubs muss man auch dann beim Eingang einen Ausweis zwecks Altersbeweis zeigen, wenn man offensichtlich schon deutlich älter ist. In mehreren Bundesstaaten gibt es gar komplett alkoholfreie Regionen – man bekommt dort ­weder im Laden noch im Restaurant ein Bier. Mit wenigen Ausnahmen darf man Alkohol nicht in der ­Öffentlichkeit konsumieren (ausser man steckt die Flasche oder Dose dabei in eine braune Papiertüte). MMMMMMMMMMM Eine einfache Mehrheit im US-Par­ lament reicht für viele Entscheide nicht aus. Im Senat, dem Pendant MMMMMMMMMMMM

Es gibt immer noch US-Banken, die eine Gebühr für den Eingang einer OnlineÜberweisung verlangen, gratis sind dafür Checks. MMMMMMMMMMMM zum Schweizer Ständerat, braucht es meist mindestens 60 von 100 Stimmen, um ein Gesetz zu verab­ schieden. Was in den vergangenen Jahren immer schwieriger wurde, da keine der Parteien allein so viele Stimmen erreicht und über­ parteiliche Einigkeit selten ge­ worden ist. Die nationale Politik ist deshalb ziemlich blockiert. MMMMMMMMMMMM

Rund zehn Prozent der Bevölkerung haben zu Hause keinen Internetzugang. MMMMMMMMMMMM Der Präsident ist gar nicht so mächtig. Aussenpolitisch hat er recht freie Hand, innenpolitisch aber ist das Parlament entschei­ dend. Er kann allerdings mittels Dekreten einiges am Parlament vorbei regeln. Die Senatsmehrheit zu erobern ist jedenfalls oft ­mindestens so wertvoll wie die Präsidentschaft, weil damit regiert, aber auch blockiert werden kann. Letzteres sogar, wenn man in der Minderheit ist. MM


22 | 19.10.2020 | US-WAHLEN

In Sorge um die Wahlheimat Der Schweizer Vinz Koller mischt als Wahlmann in Kalifornien bei den US-Präsidentschaftswahlen mit. Er engagiert sich seit Jahren bei den Demokraten und fürchtet eine Verfassungskrise, falls Donald Trump das Wahlergebnis nicht akzeptiert. Text: Marlène von Arx Bilder: Nic Coury

V

inz Koller lebt weit weg von der US-Machtzen­ trale Washington im malerischen Küstenstädtchen Carmel in Kalifornien. Trotzdem mischt der 57-jährige Schweizer bei den kommenden Präsidentschaftswahlen tüchtig mit. In der demokratischen Parteizentrale seines Bezirks Monterey läuft die ehrenamtliche Kampagnenarbeit auf Hochtouren. «Jetzt geht es nicht mehr darum, Wähler

umzustimmen, sondern dafür zu sorgen, dass unsere Leute ihre Stimme für Biden auch tatsächlich abgeben», sagt Koller, der für die Mail-Kampagne zuständig ist. Der Schaffhauser hat aber noch eine weitere wichtige Aufgabe: Nach 2008 und 2016 ist er zum dritten Mal als Wahlmann im ­so­genannten Electoral College im Einsatz. Er wird am 14. Dezember in der Hauptstadt Washington ­zusammen mit 537 anderen Wahl-

männern und -frauen das Resultat der Präsidentenwahl vom ­ 3. November definitiv besiegeln. Wie aber kommt ein Schweizer zu diesem exklusiven Job? Vinz Koller war schon immer ein Polit-­ Junkie, und die USA faszinierten ihn schon lange – seit er 1980 als Kantonsschüler ein Austauschjahr in New Mexico verbrachte. Nach der Matur begann er in Zürich Politologie zu studieren, wechselte aber schon bald in die USA und schloss sein Studium 1988 an der Uni in Monterey ab. Schliess­lich heiratete er 1993 eine Amerikanerin und wurde 2002 US-amerikanischer Staatsbürger. Der Weg zum Wahlmann

Seit zwanzig Jahren arbeitet Koller bei einer Firma, die Auftragsstu­dien zur Berufswiedereingliederung ­erstellt. Nebenbei engagierte er sich ehrenamtlich bei den lokalen Demokraten und brachte es bis zum Parteipräsidenten seines ­Bezirks. Damit war der Weg zum Wahlmann geebnet: Elektoren sind in der Regel viele Jahre loyal in der Partei engagiert und werden je nach Staat an der Parteiversamm-


US-WAHLEN | 19.10.2020 | 23

Vinz Koller engagiert sich bei den Demokraten im kalifornischen Bezirk Monterey, um möglichst viele Leute an die Urnen zu bringen.

lung oder vom Abgeordneten direkt erkürt. Genaue Anforderungen gibt es nicht. Ausser: Man darf in der Vergangenheit keine Rebellion ­angezettelt haben. So steht es in der Verfassung. Jeder Staat stellt so viele Wahl­ leute, wie er Abgeordnete in ­Washington hat, und ihre Stimmen gehen alle an den Sieger der Volks­ wahl. Im Fall von Kalifornien sind das 55 Stimmen. Der Bundesstaat ist zwar fest in den Händen der ­Demokraten, aber für andere Bun­ desstaaten wagt Vinz Koller keine Prognose: «Vor vier Jahren hielt ich es für unmöglich, dass Trump

«Vor vier Jahren hielt ich es für unmöglich, dass Trump gewählt wird.» Vinz Koller Wahlmann der Demokraten

gewählt wird.» Sollte er dieses Mal jedoch verlieren, werde er das Feld wohl nicht räumen, das habe Trump nun schon mehrmals gesagt. Eine Aussicht, die Koller be­ ängstigt. «Falls er tatsächlich eine eindeutige Wahl anficht, stellt sich die Grundsatzfrage, ob wir noch ein Rechtsstaat sind.» Und eine Verfassungskrise wäre program­ miert. «Das ist gefährlich und eine Warnung für Demokratien in allen anderen Ländern.» Electoral College vs. Wählerwillen

Eigentlich sollte das Electoral ­College eine Bremsfunktion haben: Wenn ein Despot oder ein von fremden Mächten gelenkter ­Kandidat gewählt werde, solle das Wahlgremium das verhindern, schrieb der Gründervater Alexan­ der Hamilton – damals wohl aus Angst, die Briten könnten die junge Demokratie unterwandern. «Das beschreibt doch genau ­Donald Trump!» findet nicht nur Vinz Koller. Daher wurde 2016 heimlich versucht, 38 republi­ kanische Wahlleute davon zu über­ zeugen, Trump ihre Stimme zu verweigern und ihm damit die

Mehrheit zu entziehen. Doch es ­gelang nicht, genügend Elektoren dafür zu finden. Koller ging Ende 2016 sogar vor Gericht, um die Wahlleute künftig offiziell von einem Stimmzwang zu befreien. Mit dem Resultat, dass er dieses Jahr erstmals unterschrei­ ben musste, ausschliesslich für den Gewinner der Volkswahl zu stim­ men, egal wie despotisch dieser sein möge. Der Ostschweizer schüttelt den Kopf über dieses Gerichtsurteil: «Entweder hat das Electoral College eine reale Bedeutung, oder man kann es gleich abschaffen.» Eingeführt wurde es angeblich auch, um ländliche, bevölkerungs­ ärmere Staaten zu schützen – ­ähnlich wie das Ständemehr in der Schweiz. «Aber damals waren alle Staaten ländlich», sagt Koller. «Die Südstaaten, mit ihrem gros­ sen Bevölkerungsanteil an nicht-­ stimmberechtigten Sklaven, sahen darin einfach die besten Chancen, den Präsidenten zu stellen.» Heute führe dies zu einer Verzer­ rung des Volkswillens: «Eine Elek­ toren- und eine Volksstimme in Wyoming hat drei- bis viermal mehr Gewicht als eine in Kaliforni­ en.» So wurde Donald Trump 2016 ­Präsident, obwohl Hillary Clinton landesweit 2,9 Millionen Stimmen mehr erhalten hatte. Und Al Gore verlor die Wahl im Jahr 2000, ob­ wohl 540 000 Wähler mehr für ihn gestimmt hatten als für George ­ W. Bush. «Wenn die Mehrheit ­wiederholt ­ignoriert wird, wird


das demokra­tische System ­instabil, fürchtet Koller. Die Wahlkampagnen kon­ zentrieren sich wegen dieses Systems heute hauptsächlich auf die acht «Swing States» ­Florida, Ohio, Pennsylvania, Georgia, Minnesota, Michi­ gan, Wisconsin und North ­Carolina. Koller wird deshalb am 3. November in Florida sein. Einerseits, um seine Schwie­ ger­eltern zu besuchen, vor al­ lem aber, um mitzuhelfen, letzte Wählerinnen und Wäh­ ler für die Demokraten an die Urne zu bringen. Ein Machtwechsel im ­Weis­sen Haus wäre nur der erste Schritt, das gespaltene Land wiederzuvereinigen, glaubt Vinz Koller: «Die Repu­ blikaner müssten eine richtig def­tige Schlappe erleben.

Wenn sie beide Parlaments­ kammern und die Präsident­ schaft verlieren, könnte das eine Rückbesinnung herbei­ führen.» Dass sie sich auf Trump ein­gelassen haben, komme dem Ausverkauf der Partei gleich, findet der Ost­ schweizer. «Trump hat keine Ideologie. Er tut nur, was gut für ihn ist.» Notfalls zurück in die Schweiz

National hat die Republika­ nische Partei bereits einiges an Boden verloren: Laut der «Washington Post» verteilten sich im Februar in den 31 Staa­ ten, die eine Parteizuge­ hörigkeit ausweisen, knapp 40 Prozent der Wähler auf ­Demokraten, gut 29 Prozent auf Unabhängige und knapp 29 Prozent auf Republikaner.

Damit haben die Republikaner in den letzten fünf Wahlzyklen zehn Prozent an regis­trierten Wählern verloren. Doch letztlich sei das Land gar nicht so gespalten, wie es wirke: «Die Jungen sind ­toleranter und sind sich bei diversen Themen ziemlich ­einig, etwa Rechte für Homo­ sexuelle oder Umweltschutz», sagt Koller, der zum zweiten Mal verheiratet ist und eine 16-jährige Stieftochter hat. Wenn alle Stricke reissen – und weil der Umgang s­ einer Wahlheimat mit Corona ihn pessimistisch stimmt –, ist eine «Flucht» in die Schweiz nicht ausgeschlossen. Kürzlich hat Koller realisiert, dass sein Schweizer Pass Ende Jahr ab­ läuft. «Ich werde ihn umgehend erneuern. Für alle Fälle.» MM

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Bild: zVg

24 | 19.10.2020 | US-WAHLEN

Vinz Koller mit Kamala Harris (links), der Vizepräsidentschafts­kandidatin der Demokratischen Partei für die Wahlen vom 3. November


MEINE MIGROS | 19.10.2020 | 25

Ein Extra für jede Küche Würzen Die natürlich gebraute Sojasauce von ­Kikkoman ­verstärkt den Eigen­geschmack der ­Zutaten und eignet sich deshalb besonders gut zum Würzen und Nachwürzen. Sie verleiht allem mehr «Umami»: Das japanische Wort steht für «köstlich» und «wohlschmeckend».

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Abrunden Fast überall, wo gewöhnlich Salz für den runden ­Abschluss sorgt, kann stattdessen auch Sojasauce verwendet werden. Sie besteht teilweise auch aus Salz und wird nach einer 300 Jahre a­ lten Tradition natürlich gebraut. Die anderen drei Zutaten sind Soja, Weizen und Wasser.

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KOLUMNE | 19.10.2020 | 27

Recycling-Kunst

1, 2 ODER 3 ? Der Kleine (5) kreiert für

sein Leben gern Dinge. Im Lockdown hat er begonnen, mit Karton zu basteln. Eine mehrstöckige Garage für seine ­Autos, ein Frachter und ein Pool für sei­ nen Hammerhai sind dabei entstanden. Seit er im Kindergarten ist, hat er sein Repertoire erweitert. Er verwendet nun auch leere Guetzlipackungen, Kaffee­ kapselstangen, Spülmittelflaschen, Plas­ tikdeckel, Dosen. Eigentlich alles, was ihm in die Hände kommt. Immer wieder verschwindet er in unserer Recycling­ sammlung im Schuhschrank und kommt mit fetter Beute und einem breiten Grinsen heraus. Sein letzter Wurf ist eine Rakete für seinen Plüschdinosaurier. Ein ­gewagtes Konstrukt. Aktuell arbeitet der Kleine an einer Raumschiffstation für diese Rakete. Und er denkt dabei gross. Langsam gibt es kein Durch­ kommen mehr in seinem Zimmer. – Und jetzt? MM 1 Ich lasse immer wieder eins seiner

Illustration: Lisa Rock

­ erke diskret verschwinden. W 2 Wir bauen bei der Station alle mit und stellen sie stolz ins Wohnzimmer. 3 Ich schaffe Platz für mehr Recycling-­ Kunst im Zimmer, indem ich andere Spielsachen in den Keller verschiebe.

Monica Müller (45) hat zwei ­Buben, e ­ inen Mann, einen Job, ­einen Haushalt. Mal wäre sie gern mehr Leitwölfin, mal mehr Gandhi.

Antwort 3: Offensichtlich braucht seine aktuelle Schaffensphase Platz. Im Keller hat es noch etwas Spielraum. Anzeige

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GENUSS | 19.10.2020 | 29

Wissensbissen Pfannenhilfe

Boskoop-Äpfel Die Winterapfelsorte wurde erst im 19. Jahrhundert im niederländischen Dorf Boskoop entdeckt. Ihr ­hoher Säuregehalt macht sie zu ­einem der beliebtesten Äpfel zum Backen und Kochen, zum Beispiel für Apfelmus. Zudem behalten Boskoop als Bratäpfel ihre Form. Bei idealen Bedingungen kann man sie bis ins nächste Frühjahr lagern und geniessen.

Meine Pfanne, in der ich oft Eier koche, hat viele Kalkflecken. Wie bekomme ich die weg?

1697 In diesem Jahr wurde der Anbau von Kartoffeln als Lebensmittel in der Schweiz erstmals dokumentiert. ­ Zuvor kannte man sie nur als Zierpflanze in Töpfen.

Die Kalkflecken lassen sich mit Zitronensaft oder Essig entfernen. Dabei gibt man etwas Zitronensaft oder Essig in die Pfanne und lässt ihn etwa 20 Minuten einwirken. Danach einfach ausspülen. Ganz nebenbei lassen sich die Flecken entfernen, wenn man Sauerkraut oder ein anderes säuerliches Gericht zubereitet. So muss man nicht extra Essig oder Zitronensaft einsetzen. Manchmal reicht es auch, die Pfanne mit einer bereits ausgepressten ­Zitrone auszureiben.

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Knoblauch setzen Bis in den November können Knoblauchzehen im Garten noch gesetzt werden. Viele Sorten benötigen gar tiefe Temperaturen, um später Knollen zu bilden. Auch auf dem Balkon kann man den Knoblauch jetzt setzen: Man gibt dazu jeweils drei Zehen in einen Topf mit 30 Zentimeter Durchmesser und bedeckt die Zehen mit circa fünf Zentimeter Erde. Wichtig: auch im Winter feucht, aber nicht nass halten. Zu viel Nässe erträgt Knoblauch nämlich nicht.

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30 | 19.10.2020 | GENUSS TIPP

Kleine Resten Rehpfeffer oder Wildschweinragout ­lassen sich gut als Ragù zu Pasta verwenden. Dazu schneidet man die Fleischstücke lediglich ein wenig kleiner. Und wer das Fleisch mit der Gabel in wenig Sauce ­zerpflückt, erhält die ­perfekte Ravioli-Füllung.

r Re h pf e f f ee i t. b ra u c h t Zss i st s D e r G e n u e rt. aber w

Wildschweinragout im Rotwein Hauptgericht für 4 Personen 400 g Saucenzwiebeln 2 Knoblauchzehen 200 g Petersilienwurzel 200 g Randen 8 EL HOLL-Rapsöl 1 kg Wildschweinragout, aus dem Delikatess geschäft Salz, Pfeffer ca. 3 Lorbeerblätter 7,5 dl Rotwein ca. 1 TL Maisstärke 40 g dunkle Schokolade, z. B. 55 % Kakaogehalt 400 g grober Spinat 1. Zwiebeln schälen, grössere hal­

Bilder: Migusto

bieren. Knoblauchzehen mit einem Messer flach drücken. Petersilien­ wurzel und Randen in ca. 2 cm grosse Würfel schneiden. Die Hälfte des Öls in einer weiten Pfanne erhitzen. Fleisch dazugeben und rundum ca. 5 Minuten braten. Zwiebeln und Knoblauch dazugeben und kurz mit­ braten. Mit Salz und Pfeffer würzen. Gemüse, Lorbeerblätter und Wein beigeben. Ragout zugedeckt bei klei­ ner Hitze ca. 2 Stunden schmoren. 2. Pfanne vom Herd nehmen. Sauce

Rehpfeffer Bis zu zwei Wochen liegt das Rehfleisch – oder auch Hirsch-, Wildschwein- oder Rindfleisch – in der würzigen Beize, bevor es zum köstlichen Wildgericht wird. Rezept auf migusto.ch

TIPP

Klassische Wildbeilagen sind Spätzli, Rosenkohl, glasierte Marroni oder mit Preiselbeeren gefüllte Birnen. Nach Belieben mit gebratenen Eierschwämmli garnieren.

in eine kleinere Pfanne abgiessen, falls nötig Maisstärke mit wenig ­Wasser anrühren und abbinden. Schokolade in Stücke brechen und in der Sauce schmelzen lassen. Mit Salz und Pfeffer abschmecken. Sauce zurück zum Ragout giessen. Restli­ ches Öl in einer Bratpfanne erhitzen. Spinat dazugeben und ca. 2 Minuten beidseitig braten. Mit Salz und Pfef­ fer abschmecken. Spinat mit Ragout anrichten.


GENUSS | 19.10.2020 | 31

Jetzt wirds Wild

Sind die Kastanien reif, sorgen die ­Jägerinnen und Jäger für das edle Fleisch zum Herbstmenü. Doch ob Reh, Hirsch oder Wildschwein: Erst die Zutaten runden das Festmahl ab. Text: Claudia Schmidt

wein h c s d l i W Zu k c o t s l e f f o p a s s t Ka r t o l e n t a . oder P

Herbstsalat mit Hirschsalsiz

TIPP

Wildfleisch hat einen kräftigen Geschmack. Deshalb wählt man auch einen kräftigen Rotwein als ­Begleiter, etwa aus dem ­Rhône-Gebiet. Doch auch ein eher fruchtiger ­Spätburgunder punktet: Als Kontrast mildert er den herben ­­ Wildgeschmack etwas ab.

Hauptgericht für 4 Personen 200 g Kürbis, z. B. Butternuss oder Muskat 7 EL Olivenöl Salz, Pfeffer 100 g Hirschsalsiz 2 frische Feigen 4 EL Kräuteressig 2 EL flüssiger Honig ¼ Zwiebel 100 g weisse Bohnen aus der Dose, abgetropft 300 g gemischter Blattsalat, z. B. Nüsslisalat, Cicorino rosso und Eichblatt

Kürbis in kleine Würfel schnei­ den. In einer Bratpfanne mit ­wenig Öl bei starker Hitze biss­ fest braten. Mit Salz und Pfeffer würzen. Abkühlen lassen. Hirschsalsiz in mundgerechte Streifen schneiden. Feigen in Scheiben schneiden. Restliches Öl, Essig und Honig mischen. Zwiebel fein hacken und bei­ geben. Salatsauce mit Salz und Pfeffer würzen. Kürbis, Salsiz, Feigen und Soissonbohnen mit dem Herbstsalat anrichten und mit Salatsauce beträufeln.

Hirschschulter mit Cranberries Es müssen nicht immer Preiselbeeren sein: Auch die ähnlich bitteren Cranberries passen hervorragend zu Wildgerichten wie dieser geschmorten Hirschschulter. Rezept auf migusto.ch


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Die 28-jährige Célina Bapst erlegt insgesamt vier T ­ iere pro Jahr. Sie empfindet es als Privileg, ihr Essen selber zu schiessen.


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«Wäre ich nicht Jägerin, würde ich kein Fleisch essen» Die Freiburgerin Célina Bapst ist «Jägerin des Jahres» und vertritt als Botschafterin die Interessen der Jagd. Trotz Drohbriefen und Hasskommentaren im Netz will sie zeigen, dass die Aufgaben der Jäger mehr beinhalten als nur das Töten von Tieren. Text: Manuela Enggist  Bilder: Christophe Chammartin

A

m Ende wird sie den Abzug kein einziges Mal gedrückt haben. Und doch wird die ­Jägerin sagen: Heute war ein guter Tag. Célina Bapst aus Châtel-sur-­ Montsalvens FR wurde im vergangenen Februar zur «Jägerin des Jahres» gewählt und tritt nun für zwei Jahre als Botschafterin der Jagd auf. Imagepflege also. Oder, wie sie selber sagt: Werbung für eine Tradition, die immer mehr in Bedrängnis gerät. Das Thermometer steigt an diesem frühen Herbstmorgen nur wenig über null Grad. Nebel umhüllt die Bäume. Dieser Tag ist ein früher Vorbote des Winters. Célina Bapst steht alleine in e­ inem Waldstück oberhalb des Greyerzersees, nahe dem Dorf La Roche. Die 28-Jährige ist heute mit ihrer Jagdgruppe «Diana Gruyère» auf Treibjagd. Dabei werden die Tiere mithilfe von Hunden in die Richtung der Jäger gescheucht. Bapst, die einzige Frau im Team, wartet also auf ihrem Posten, bis das aufgeschreckte Wild nahe genug ist, um einen Schuss ­abzugeben. Es ist eine Variante der Jagd, die sie besonders mag: «Obwohl ich hier alleine stehe, hat das ­Ganze eine soziale Komponente. Die Jagdgruppe kommt immer wieder zusammen, bespricht das Vorgehen.» Die Freiburgerin ist auch ­ausserhalb der Jagdzeit viel in diesen Wäldern ­unterwegs, um die Gebiete zu studieren. Sie weiss genau, wo welche Wildpfade durchgehen und welche Fluchtwege die Tiere nutzen werden. Es geht um das Gleichgewicht der Erde

«Mein Vater und mein Bruder, die mit mir in derselben Jagdgruppe sind, haben mich dazu überredet, an der Wahl zur Schweizer Jägerin teilzunehmen. Ich fand den Ansatz spannend, die Jagd der Bevölkerung näherzubringen. Die ­Initianten dachten sich, dass eine Frau allenfalls mehr Sympathien für unsere Passion ernten kann. Ich bin Lehrerin, ich erkläre gerne Dinge. Die Jagd wird heute mehr denn je infrage gestellt. Ich will den Menschen zeigen, dass es um mehr als um das Töten geht. Meine ­Leidenschaft ist nicht einfach nur ein Hobby, sondern ein realer Mehrwert für das Gleichgewicht unserer Erde. Eine Notwendigkeit.» Der Nebel verzieht sich. Bapst steht eine halbe Stunde später noch immer an


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derselben Stelle. Vom Weitem ist Hundegebell zu hören. Die Trei­ ber jagen das Wild nun in Bapsts Richtung. Sie späht ins Dickicht. Ein Fuchs taucht auf. Das sei ty­ pisch, wird sie später sagen. Füchse hätten eine besonders gute Nase und seien stets die ersten, die vor den Hunden flüchten. Bald folgen zwei Gämsen. Diese Tiere dürfen nicht geschossen werden. Hier in der sogenannten Zone 2 ist nur der Abschuss von Rehen erlaubt. Bapst löst sich aus ihrer Schiess­ position. Wenig später erklingt von Weitem das Jagdhorn, drei tiefe lange Töne. Es signalisiert, dass die Jagd in diesem Waldstück zu Ende ist und die Jäger sich wie­ der bewegen dürfen. Kein Jagd­ glück also. Das gebe es manchmal, sagt Bapst, während sie zur Gruppe zurückgeht. Vielleicht seien die Tiere heute nicht in diesem Wald­

stück unterwegs oder hätten an­ dere Fluchtwege genutzt. Keine leichte Entscheidung

«Ich bin mit der Jagd aufgewach­ sen und habe als Kind meinen ­Vater oft begleitet. Für mich sel­ ber kam es lange nicht infrage. Mit 20 hatte ich anderes im Kopf. Danach habe ich intensiv Uni­ hockey gespielt. Als wir Schweizer ­Meister wurden, habe ich auf dem Höhepunkt aufgehört. Es hat mich mehr in die Natur gezogen. Ich hatte schon länger Lust, ­Jägerin zu werden, habe aber auch mit mir gerungen und mich gefragt, ob ich mit meinen eigenen Händen ein Lebewesen töten kann. Und ob ich das will. Als ­Fleischesserin bin ich zum Schluss gekommen, dass ich ­sowieso Tiere umbringe. Dann kann ich es auch selbst tun.»

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Die Jagdgruppe kommt bei ihren Pick-ups wieder zusammen. Da­ mit das aufgescheuchte Wild sich beruhigen kann, führen die Jäger nie zwei Treibjagden im selben Waldstück durch. Sie fahren mit den Autos in einen Wald nahe Treyvaux FR. Nun ist es Bernard Bapst, Célinas Vater, der mit sei­ nen zwei Hunden die Treibjagd anführt. Wieder positioniert sich die Jägerin in der Nähe eines Wildpfads. Wieder ist sie alleine. Reglos hält sie ihr Gewehr – zum Abschuss bereit. Hier hat ihr Bruder Stéphane im vergangenen Jahr ein Reh geschossen. 20 Mi­ nuten vergehen. 40. Nach 50 Mi­ nuten zerreisst ein Schuss in der Ferne die Stille. «Das Töten eines Tiers macht für mich ein Prozent der Arbeit eines Jägers aus. Ich bin in unse­ rem Jagdverein für die Rettung

der Rehkitze zuständig. Jeden Frühling ziehen wir mit Drohnen los und schauen, dass wir die Jungtiere von den Feldern weg­ bringen, bevor die Bauern mähen. So retten wir im Bezirk Gruyère jährlich rund 150 Rehkitze. ­Unsere Gegner sagen, wir tun dies nur, um die Tiere im Herbst zu schiessen, dabei dürfen wir in diesen Landwirtschaftszonen meist gar nicht jagen. Für mich hat die Arbeit eines Jägers viel mit Meditation zu tun. Wenn man sich nicht bewegt, bemerken die Tiere einen nach einer ­Viertelstunde nicht mehr. Wenn ich auf eine Schussabgabe warte, werde ich eins mit der Natur. Wieder erklingen die drei ­tiefen Töne. Bapst läuft zu ihrer Gruppe und trifft auf ein erlegtes Reh. 17 Kilo schwer, vier oder fünf Jahre alt. Ihr Kollege Patrick


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1 Die Jagdgruppe teilt sich für die geplante Treibjagd auf.

Ecoffey hat es auf einer Lichtung geschossen. Nun liegt es tot zu Füssen der Jäger, die ihm aus Respekt einen Zweig in den Mund gelegt haben. Es soll das letzte Mahl symbolisieren. Das Tier wird vor Ort ausgenommen. Herz, Nieren und Leber ­gehen an den Schützen. Die restlichen Innereien werfen die Jäger in den Wald. Ein Festschmaus für die Füchse. Bapst kann sich noch gut an das erste Tier erinnern, das sie erlegt hat. Eine Gams in den Bergen. «Ich habe sie auf 200 Meter Distanz zwar tödlich getroffen, aber der Schuss war nicht perfekt, es dauerte eine kurze Weile, bis das Tier tot war. Ich musste die Gams im Gebirge sieben Stunden lang suchen.» Das beschäftige sie noch heute. Für sie sei es das oberste Jagdgebot, dass der erste Schuss stets perfekt ist. Hassnachrichten sogar ans Grosi

«Seit ich ein Aushängeschild für die Jagd bin, werde ich oft angefeindet. Auf Facebook schreiben mir Leute manchmal Hassnachrichten, beschimpfen mich als ‹Bitch›. Einmal haben sie sogar meiner Grossmutter, die denselben Namen wie ich trägt, einen Drohbrief geschickt. Wenn ich merke, dass die Leute für einen Dialog bereit sind, versuche ich darzulegen, dass wir die Tiere nicht aus Spass erlegen. Wir ­dürfen in unserer Gruppe diese Saison insgesamt 23 Gämse, Rehe und Hirsche erlegen. Das ist ­vorgeschrieben und wird kont-

rolliert. Diese Regulierung ist wichtig, damit nicht irgendwann zu viel Wild in unseren Wäldern unterwegs ist und die Tiere nicht mehr überlebens­fähig sind, weil es beispielsweise nicht genug Futter gibt.» Am Mittag ziehen sich die ­Jäger in eine Hütte oberhalb von Hauteville zurück. Wenn das Wetter nicht ganz so garstig ist, machen sie für gewöhnlich ein Feuer im Wald. Heute sind die schützenden vier Wände eine willkommene Wärmequelle. ­Aufgetischt werden Käse, Wein und Wildschweinwurst aus eigener Jagd. Bapsts Bruder und ihr Vater sind stolz, dass mit Célina endlich auch eine Frau mit am Tisch sitzt. Ihr Bruder geht regelmässig mit ihr in den Schiessstand, um zu trainieren. «Célina ist sehr ehrgeizig.» Sie wolle stets den perfekten Schuss abgeben. «Es geht wohl kaum ein Jäger so viel auskundschaften wie meine Schwester.» Für die junge Frau

«Ich erlebe immer wieder Anfeindungen von Fleisch­ essern. Das ist heuchlerisch.» Célina Bapst Jägerin

sind es die geselligen Momente in der Hütte, die die Jagd auch ausmachen. «Das hat viel mit Tradition und Familie zu tun.» Zur Jagdgruppe gehören auch ihr ­Onkel und Cousins, und sonst nur enge Freunde der Familie. «Alles Wild, das ich töte, ­verwerte ich von Kopf bis Fuss. Mit den vier erlegten Tieren, die ich pro Jahr nach Hause bringe, kann ich meine Familie ernähren. Ich friere das Fleisch ein. Für mich ist es ein Privileg, dass ich mein Essen selber schiessen kann. Das hat mit Demut zu tun. Ich würde nie auch nur ein Stückchen Fleisch wegwerfen. Ich kann verstehen, wenn Veganer oder Vegetarier uns Jäger verurteilen. Ich erlebe aber auch immer wieder Anfeindungen von Fleischessern. Das finde ich heuchlerisch. Was denken diese Menschen, wie ihre Wurst auf den Tisch kommt? Mein Fleischkonsum ist ehrlicher. Das Fleisch, das ich esse, könnte nicht lokaler sein. Ich weiss, dass das Tier nicht mit Antibiotika vollgepumpt ist. Ich glaube, wäre ich nicht Jägerin, würde ich kein Fleisch essen.» Nach dem Mittagessen fährt Bapst, die Anfang September zum ersten Mal Mutter geworden ist, nach Hause. Ohne totes Tier im Kofferraum. «Heute war ein ­guter Tag. Als ich im Wald stand, konnte ich minutenlang zwei Rotmilane beobachten.» Allein dafür hätten sich das Frieren und das frühe Aufstehen gelohnt. MM

2 Célina Bapst und ihr Bruder Stéphane Bapst besprechen das Vorgehen auf der Treibjagd. 3 Fredo Overney lässt seine ­Hunde die Fährte ­aufnehmen. 4 Der Tag war kalt, und die Jagd­ gruppe ist froh, sich in einer Hütte oberhalb von Hauteville am ­Kaminfeuer wärmen zu können. 5 Célina Bapst und Patrick Ecoffey mit der Beute des Tages. Der Zweig im Maul des Rehs symbo­ lisiert das letzte Mahl des Tiers.

«Schweizer Jägerin» Der Kürzi-Verlag und die ­Re­daktion der Zeitschrift «Schweizer Jäger» verliehen ­mittels ­Leservotum anlässlich des 100-Jahr-Jubiläums des Schweizerischen Patentund Wildschutzverbandes (SPW) 2015 erstmals den Titel ­«Schweizer Jägerin». Die Motivation dafür war der ­Gedanke, die Schweizer Jagd durch eine «jagende Sympathieträgerin» in die Bevölkerung zu tragen. Célina Bapst ist die erste Jägerin, die aus der Westschweiz stammt.


36 | 19.10.2020 | MEINE MIGROS

Für die ganze Familie Wer sich ausgewogen ernährt, tut seinem Körper viel Gutes. Zusätzliche Vitamine und Mineralstoffe helfen, das Immunsystem zu unterstützen. Die hier abgebildeten Nahrungsergänzungsmittel sind Präparate für alle, die neben einem aktiven und gesunden Lebensstil ihre Ernährung sinnvoll ergänzen möchten.

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MEINE MIGROS | 19.10.2020 | 37

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38 | 19.10.2020 | INTEGRATION

Neue Sicht auf alte Kulturen Das Begegnungscafé im Museum zu Allerheiligen in Schaffhausen ermöglicht ein Kennenlernen von Geflüchteten und Einheimischen – und eröffnet spannende Perspektiven auf historische Ausstellungsobjekte. Das Migros-­Magazin war bei der ersten Ausgabe dabei. Text: Ralf Kaminski  Bilder: Julius Hatt

R

azaw Ibrahim ist sehr ner­ vös. Vor ihr befindet sich eine kleine Gruppe neugie­ riger Museumsgäste, neben ihr eine 2000 Jahre alte steinerne Handmühle aus der Region Schaff­ hausen, über die die 22-jährige Irake­ rin etwas erzählen möchte. Noch nie zuvor hat sie so etwas gemacht: vor Leuten aufzutreten, in einer Sprache, die sie immer noch lernt. Die Nervosität ist so offensichtlich, dass ihr eine Frau aus dem Publikum Mut zuspricht. Zu Beginn ringt ­Razaw noch um Worte, doch als es dann um ihren persönlichen Bezug zu dem Objekt im Museum zu Aller­ heiligen in Schaffhausen geht, kommt sie in Schwung. «Mich erinnert die Mühle an meine Kindheit im Irak, meine Grossmutter hat damals auf sehr ähnliche Weise Bulgur und Cous­ cous hergestellt», erzählt sie. Doch diese Art des Mahlens sei auch in ihrer Heimat vorbei, erklärt sie auf Nach­ frage aus dem Publikum, heute wür­ den dafür meist Maschinen benutzt. Razaw Ibrahim ist eine von sieben Geflüchteten, die an jenem regne­ rischen Samstagnachmittag in Schaff­ hausen Gäste durch das Museum ­führen und Objekte aus ihrer Per­ spektive vorstellen. Es ist die erste Ausgabe des Begegnungscafés im ­Museum, das künftig alle sechs ­Monate stattfinden soll und zum Ziel hat, Geflüchtete und Einheimische miteinander ins Gespräch und zu­

sammenzubringen. Zwei Tage zuvor, bei der Generalprobe, war noch völlig offen, wie viele Menschen dieser ­Anlass anlocken würde. «Es können fünf sein oder 100, wir wissen es schlicht nicht», sagt Jwan Ali (39), der das Projekt mit der Mu­ seums­­­mitarbeiterin Bettina B ­ ussinger (44) und der Kulturvermittlerin Prisca Senn (53) rund ein Jahr lang vor­bereitet hat. Gemeinsam mit den ­Geflüchteten erarbeiteten sie ­dieses kulturelle Angebot. Beitrag zur Willkommenskultur Ali ist selbst vor 20 Jahren aus dem

syrischen Kurdengebiet geflüchtet und hat seit Kurzem den Schweizer Pass. Er arbeitet als Jugendbetreuer beim Haus der Kulturen in Schaff­ hausen. Dieses kümmert sich um die Inte­gration von Flüchtlingen und veranstaltet schon länger ein Begeg­ nungscafé, dessen Grundidee nun ins ­Museum verlagert wurde. «Es gab einige Geflüchtete, die von Anfang an begeistert von der Idee ­waren, andere musste ich in längeren Gesprächen davon überzeugen», sagt Ali. «Einige sind stark mit sich selbst beschäftigt und sorgten sich wegen der sprachlichen Hürden.» Bei ihm selbst habe es zehn Jahre gedauert, bis er in der Schweiz erst­ mals ein Museum betreten habe. «Ich möchte, dass andere früher eine Chance auf diesen kulturellen Z ­ ugang haben.» Für Ali gehört dies zur Will­

kommenskultur. Und bei den Ge­ flüchteten, die hier mitmachen, kommt dies auch gut an: «Sie fühlen sich respektiert und willkommen.» Das Museum sei sofort interessiert gewesen, als die Anfrage gekommen sei, sagt die wissenschaftliche Direk­ tionsassistentin Bettina Bussinger. Es sei vor allem darum ge­gangen, ein Konzept zu entwickeln, das funk­ tioniere. «Wir wollen Begegnungen auf Augenhöhe ermöglichen, gegen­ seitiges Lernen und Kennen­lernen und frische Perspektiven auf etablierte Ausstellungsobjekte.» Das Museum zu Allerheiligen ist eins von sieben, das beim Projekt «conTAKT-museum» beteiligt ist, das vom Migros-Kulturprozent initiiert wurde und zum Ziel hat, die Will­ kommenskultur für Geflüchtete und Menschen mit Migrationserfahrung zu fördern (siehe Box rechts). Lobsang Chungpotsang ist einer dieser Geflüchteten. Er unterhält sich gerade angeregt mit einem älteren Paar. Der 20-jährige Tibeter ist seit fünf Jahren in der Schweiz und spricht bereits sehr gut Deutsch. Dagmar ­Pletscher (65) und Hansruedi Stierlin (75) wiederum haben einige Zeit in Bhutan gelebt, erzählen ihm davon und wollen wissen, wie er denn hier in der Schweiz lebe. «Dieses Begegnungscafé ist eine grossartige Idee», sagt Stierlin, «es ist spannend, die Museumsobjekte mit anderen Augen zu sehen.» Zudem sei


INTEGRATION | 19.10.2020 | 39

conTAKT-museum – eine Bereicherung für beide Seiten

«Die Mühle erinnert mich an meine Kindheit im Irak.» Razaw Ibrahim Geflüchtete Kurdin

Razaw Ibrahim mit Handmühle (oben) und Mitorganisator Jwan Ali (rechts), der einst selbst in die Schweiz ­geflüchtet ist. Der A ­ nlass im ­Museum zu Allerheiligen zieht viel Publikum an.

Die Idee zum «conTAKT-­ museum» entstand im Nachgang der Flüchtlingskrise von 2015 im Bereich Soziales des Migros-Kulturprozents. ­Dessen Ziel ist es, mit seinen Akti­vi­täten und Projekten den ­Zusammenhalt in der Gesellschaft stärken und den Dialog ermöglichen. «Zu Beginn lag der Fokus auf Geflüchteten, inzwischen haben wir ihn aber auf Menschen mit viel und wenig Migrations­er­fah­ rung erweitert», sagt Marlen Rutz (40), Projektleiterin ­Soziales beim Kulturprozent. Mittlerweile sind sieben ­Museen mit verschiedenen Programmen beteiligt, und seit 2019 gibt es erste Ver­ anstaltungen mit Publikum. «Einerseits sahen wir bei den Museen ungenutztes ­Potenzial für Begegnung und Austausch, andererseits kamen diese auch auf uns zu, weil sie sich öffnen und weitere Publikumsschichten ansprechen wollten», erklärt Rutz die Kooperation. Zu Beginn habe es ­gewisse Berührungsängste gegeben. «Aber wir boten fachliche Unterstützung und förderten die Vernetzung zwischen beiden Seiten, sodass ein Vertrauensverhältnis entstehen konnte.» Rund 30 Migrantinnen und Migranten haben bisher aktiv an der Ausgestaltung des Programms von «conTAKTmuseum» teilgenommen, über 200 als Gäste. Und die Erfahrungen sind sehr positiv. «Es ist eine bereichernde Horizonterweiterung.» ­Zudem sei die Schwelle, ins Museum zu gehen, bei den Geflüchteten dadurch deutlich gesunken. «Ihre Teil­nahme ist eine Be­reicherung auch für die Gesamtgesellschaft», sagt Rutz, «es ist ein Begegnungsund Bildungsprogramm, von dem alle S ­ eiten profitieren.» Weitere Infos: contakt-museum.ch


40 | 19.10.2020 | INTEGRATION

es interessant, sich mit Menschen wie Lob­ sang zu unterhalten, ergänzt Pletscher. Doch dann muss der junge Mann los, es wird nun Zeit für seine Führung. Er hat sich das Diorama Kesslerloch für seine Präsen­ tation ausgesucht; dieses zeigt eine Höhle mit Steinzeitmenschen. «Ich finde es span­ nend, mir vorzustellen, wie die Menschen damals gelebt haben», erzählt er. «Es waren Nomaden, wie meine tibetischen Vorfahren es bis vor 40 Jahren waren.» Lobsang Chungpotsang war 14 als ihm seine Mutter eröffnete, er solle ins Ausland gehen. Seine Familie befand sich aus poli­ tischen Gründen in Schwierigkeiten. Er wäre dennoch am liebsten geblieben, liess sich dann aber überzeugen. «Aber zu Beginn war es hart, ich habe viel geweint. Und ich vermisse meine Mutter sehr.» Abenteuerliche Fluchtgeschichten

An die Reise erinnert er sich nur noch vage. «Es waren mehrere Flüge und Zugfahrten mit einem wortkargen Begleiter, der mir bis fast zum Schluss nicht sagte, wohin wir gehen.» Schliesslich landete Chungpotsang in der Schweiz, wo er nach einem halben Jahr in Asylunterkünften schliesslich zu ­seiner Tante in Neuhausen ziehen durfte. Er hat Schweizer Schulen besucht, lernt weiterhin eifrig Deutsch, spielt gerne Fussball und Handygames – und möchte eine Lehre als Pfleger machen. Doch das ist wegen seines Status schwierig: Sein ­Asyl­gesuch ist abgelehnt worden. Da aber ­Tibeter derzeit nicht in ihr Heimatland ­ausgewiesen werden, kann er dennoch ­bleiben. Er plant ausserdem, ein Härtefall­ gesuch zu stellen und hofft sehr, dass es klappt. «Ich würde wirklich gerne hier blei­ ben, leben und arbeiten.» Der Asylantrag von Razaw Ibrahim und ihrem Mann ist noch in Bearbeitung. Das kurdische Paar aus dem Irak hat eine aben­ teuerliche Reise hinter sich, die sie vor zwei Jahren über die grüne Grenze von der Türkei nach Griechenland führte und weiter bis nach Italien. «Von dort wollten wir mit dem Auto nach Deutschland, wurden aber in der Schweiz verhaftet. Heute sind wir froh, dass wir hier gestoppt wurden.» Die beiden leben in einer Unterkunft in Schaffhausen, zusammen mit fünf anderen Flüchtlingsfamilien, haben ein eigenes ­Zimmer, teilen sich aber Küche und Bad. Beide lernen Deutsch und hoffen, eine ­Ausbildung machen zu können. «Ich möchte Apothekerin werden», sagt Razaw. Ihr Mann, der im Irak Bäcker war, zielt auf irgendeine kreative Arbeit mit den Händen. «In ein paar Jahren können wir hoffentlich arbeiten und haben eine eigene Wohnung», sagt die junge Frau – Kinder sind ­vorerst keine geplant. Im Publikum von Razaws Führung befin­ det sich Andrea Külling (43), die schon seit

Lobsang Chungpotsang erklärt, was es mit dem Steinzeit-Diorama auf sich hat.

«Am Anfang war ich so nervös, dass es mir mitten im Vortrag plötzlich schwindlig wurde.» Lobsang Chungpotsang Geflüchteter aus Tibet

Längerem eine eritreische Geflüchtete be­ gleitet und im Alltag unterstützt. «Wir woll­ ten eigentlich gemeinsam kommen, aber sie musste ­arbeiten.» Külling findet den Anlass super. «Mich interessieren die Menschen, die hier auftreten, fast noch mehr als ihr ­Zugang zu den Museumsobjekten. Es ist eine schöne Möglichkeit, einander kennen­ zulernen und besser zu verstehen.» Sie zieht nun weiter ins Café, wo gratis Getränke und selbstgebackene Kuchen zum Verweilen und Plaudern einladen. Dies wird auch rege getan – denn der Ansturm der Gäste auf den Anlass hat alle Erwartungen

übertroffen. «Wir wurden regelrecht über­ rollt», sagt Jwan Ali staunend. «Ein wunder­ barer, vielversprechender Start», kommen­ tiert Prisca Senn. Da die Führungen wegen Corona nur in kleinen Gruppen stattfinden können, werden sie mehrmals durchgeführt, damit alle der über 100 Gäste eine Chance haben, wenigstens bei einer der drei Gruppen dabei zu sein. Auch Lobsang und Razaw sind mehrfach im Einsatz. Und jedes Mal fällt es ihnen ein wenig leichter. «Beim ersten Mal war ich so nervös, dass mir mittendrin plötzlich schwindlig wurde», erzählt Lobsang und lacht. «Danach lief es sehr viel besser.» Razaw erging es genauso – und sie freut sich, dass sie sogar ein paar neue Worte ­gelernt hat. «Ein sehr schöner Nachmittag.» Beide werden wohl auch beim nächsten ­Anlass wieder dabei sein. «Wenn ich kann, auf jeden Fall», sagt Lobsang. «Ich habe jetzt hier im Museum schon so viel Zeit ­verbracht, dass ich mich fast ein bisschen wie zu Hause fühle.» MM Die nächsten Termine: 27. März 2021 und 25. September 2021; allerheiligen.ch


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Der junge Tibeter interessiert sich für die Steinzeitszene auch ­deshalb, weil seine Vorfahren Nomaden waren.


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ERNÄHRUNG | 19.10.2020 | 43

Sie Kümmel, Thymian, Bohnenkraut oder Fenchel. Lassen Sie die Hülsen­ früchte erst gut einweichen. Schütten Sie danach das Wasser weg und ver­ wenden Sie die Flüssigkeit aus der Dose oder dem Glas nicht weiter. Und spülen Sie Hülsenfrüchte vor der Verwendung gut ab.

Schmeckts ohne Fleisch nicht fad? Gerichte mit pflanzlichem Eiweiss sind gefragt wie nie. ­Viele glauben jedoch noch immer, sie seien fader, teurer und viel umständlicher zu kochen als Fleisch. Wir bringen Licht ins Dunkel der verbreiteten Mythen. Text: Claudia Schmidt, Pia Teichmann

Kann man ohne tierisches Eiweiss überhaupt schmackhaft kochen? Das wird doch alles fad … Ja, man kann. Es ist alles eine Frage des Würzens. Gerade Hülsenfrüchte wurden in Europa früher hauptsächlich in währschaften Gerichten verwendet. Die orientalische und die indische ­Küche mit ihren Dals – einem Linsen­ gericht, das zu fast jeder Mahlzeit ­ gehört – zeigen zudem, dass Hülsen­ früchte sehr würzig und aromatisch ­zubereitet werden können.

Bild: iStockphoto

Wer Tofu isst, ist mitverantwortlich, dafür dass der Regenwald abgeholzt wird. Nein, viele Tofusorten werden heute zu einem grossen Teil aus heimischem oder zumindest in Europa gewonnenem Soja hergestellt.

Bei Hülsenfrüchten braucht man doch ewig, bis sie zubereitet sind. Bei einem Stück Fleisch in der Bratpfanne dauert es bloss fünf Minuten. Hülsenfrüchte gibt es auch vorgekocht in Dosen oder Gläsern. Linsen, Kicher­ erbsen, Bohnen oder Edamame lassen sich so sehr schnell und einfach zu­ bereiten. Und rote Linsen lassen sich zum Beispiel auch ohne Einweichen in 20 Minuten kochen. Von Hülsenfrüchten bekommt man Blähungen. Sie sind einfach schlecht verdaulich. Ja, man kann auf Hülsenfrüchte emp­ findlich reagieren. Aber man kann den Körper an sie und an die damit auf­ genommenen Ballaststoffe ein wenig ­gewöhnen. Starten Sie mit eher geringen Mengen an Hülsenfrüchten. Ergänzen

Der Körper nimmt pflanzliche Proteine viel schlechter auf als tierische. Ja, das stimmt. Tierisches Protein kann vom Körper besser verwertet werden als pflanzliches. Es enthält meist alle Amino­ säuren, die der Mensch nicht selbst ­her­stellen kann. Mit der richtigen Kom­ bination verschiedener pflanzlicher Pro­ teine kann der Körper jedoch auch bei veganer Ernährung mehr Eiweiss auf­ nehmen und nutzen. Kombinieren Sie etwa Hülsenfrüchte mit Getreide. Die Kom­bination von Mais und Bohnen ist schon vom Chili con oder sin carne her bekannt. Auch Soja, kombiniert mit ­ Reis oder ­Kartoffeln, hat eine hohe ­«biologische Wertigkeit»: Sie stellen dem Körper die Eiweisse also besser zur Verfügung als jede Zutat für sich allein. Wer sich pflanzlich ernährt, dem fehlt häufig Eisen und Vitamin B12. Ja, für eine rein pflanzliche Ernährung trifft das zu. Wer einen Mangel diagnos­ tiziert bekommt, kann diese Stoffe nach Absprache mit dem Arzt extra zuführen. Kombinieren Sie speziell eisenreiche Lebensmittel mit frischem Gemüse oder Früchten, die Vitamin C enthalten. Das erhöht die Verfügbarkeit des Eisens. Fleischlose Ernährung ist schlicht viel zu teuer. Gutes Fleisch ist ebenfalls teuer. Wer sich fleischlos mit frischen Lebensmitteln ernährt, kann gegebenenfalls sogar günstiger leben als mit Fleisch – auch unterwegs und im Restaurant. Macht es in der Schweiz überhaupt Sinn, auf Fleisch und Milchprodukte zu verzichten? Viele unserer Flächen eignen sich ja nur für Weidewirtschaft. Ja, denn die Schweiz importiert auch immer noch etliches Fleisch aus dem ­Ausland. MM

«Erbsenburger für 10 Milliarden Erdenbürger?» Die 12. Konsumententagung der Migros und des Europa-Instituts an der Universität Zürich beschäftigt sich am 4. November mit dem Thema fleischlose Ernährung. Die Tagung findet dieses Jahr online statt. Infos auf konsumententagung.migros.ch


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46 | 19.10.2020 | MEINE MIGROS

Bin ich allergisch auf Waschmittel?

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Seit einiger Zeit bekomme ich scheinbar grundlos plötzlich rote, juckende Pusteln auf der Haut. Manchmal ­morgens, manchmal mitten am Tag. Einen Zusammenhang mit meiner ­Ernährung oder der Umwelt kann ich nicht erkennen. Nun scheint es mir aber, dass die Hautreizungen immer dann ­auftreten, wenn ich ein frisch gewaschenes Kleidungsstück trage. Kann es sein, dass ich auf ein Waschmittel reagiere?  Gruss, Annika

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KOLUMNE | 19.10.2020 | 47

Illustration: Rinah Lang

Dein Verstand ist eine Waffe

Lisa Stutz (26) sucht die Balance zwischen urban und ländlich. Und pickt von beidem das Beste heraus.

STADT, LAND, STUTZ Herbstmüde? Im ­ ebelloch? Keine Motivation? 22 sogenannte N Inspirational Quotes (Deutsch: inspirierende Sprüche) aus einer halben Stunde Instagram: Ein Fehler, der mehr als ein Mal wiederholt wird, ist eine Entscheidung. Sterbe mit Erinnerungen, nicht mit Träumen. Erinnere dich, dass du nicht dabei scheitern kannst, dich selbst zu sein. Veränderung ist niemals leicht, aber immer möglich. Dein Verstand ist eine Waffe, halte ihn geladen. Du bist kein Tropfen im Ozean, du bist der ganze Ozean in einem Tropfen. Vielleicht ist diese Sache, vor der du am meisten Angst hast, genau das, was du tun solltest. Wenn es nicht in deinen Händen liegt, verdient es auch Freiheit von deinen Gedanken. Liebe ist nicht eine Beziehung mit jemandem, Liebe ist ein Umgang mit allem. Sei glücklich, nicht weil alles gut ist, sondern weil du in allem das Gute siehst. Nichts ärgert deine Feinde mehr als dein

­ rfolg. Alleine sitzen und deine eigene GeE sellschaft geniessen ist besser, als von falschen Leuten umgeben zu sein. Bereue niemals ­einen Tag in deinem Leben: Gute Tage geben Zufriedenheit, schlechte Tage geben Erfahrung, die schlimmsten Tage geben Lektionen, die besten Tage geben Erinnerungen. Fühle dich nicht einsam, das ganze Universum ist in dir. Sei nett zu gemeinen Menschen, sie brauchen es am meisten. Wir sind alle schlecht in jemandes Geschichte. Treffe nie eine permanente Entscheidung aus temporären Gefühlen heraus. Die glücklichsten Menschen haben nicht das Beste von allem, sie machen nur das Beste aus allem. Wenn sie sagen, dass es unmöglich ist, erinnere dich, dass es nur für sie unmöglich ist. Wenn dein Plan nicht funktioniert, ändere den Plan, aber niemals dein Ziel. Ausreden werden ­immer für dich da sein, Gelegenheiten nicht. Hats funktioniert? MM

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MEINE MIGROS | 19.10.2020 | 49

Für eine glatte Haut Sie gilt als Wundermittel gegen Fältchen: Wir verraten Wissens­ wertes zur Hyaluronsäure. Woher kommt sie?

Hyaluronsäure ist ein natür­ licher Bestandteil unseres ­Körpers, 50 Prozent der körpereigenen Hyaluronsäure ­steckt in der Haut. Sie sorgt ­dafür, dass die Haut optimal mit Feuch­ tigkeit versorgt wird und elastisch bleibt. Hyaluronsäure ist ­zudem wichtiger Bestand­ teil des Bindegewebes und spielt auch bei der Zellver­ mehrung und Zellerneuerung eine wichtige Rolle. Wofür brauchen wir sie?

Bild: Yves Roth, Styling: Mirjam Käser

Junge Haut ist noch reich an Hyaluronsäure. Sie bindet ­Wasser in der Haut und lässt sie prall und elastisch aussehen. Leider ist der Effekt nicht von Dauer: Mit zunehmendem Alter ver­ändert sich die Haut, und die Zellen sind weniger aktiv. Ab 30 Jahren leeren sich ­unsere Depots an Hyaluron­ säure, und die Haut produziert weniger neues Hyaluron. Das führt dazu, dass die Spannkraft der Haut nachlässt und erste Fältchen entstehen. Ab dem 40. Lebensjahr können sich ­tiefere Falten bilden, weil die Haut ­generell weniger Feuchtig­ keit speichert. Sie erschlafft und verliert an Spannkraft.

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Spätestens dann ist es ratsam, mit einer Gesichtscreme mit Hyaluronsäure von aussen nachzuhelfen. Die Säure hilft ausserdem, die Erneuerung der Zellen zu aktivieren, und schützt die Haut vor schäd­ lichen Umwelteinflüssen. Wie wirkt sie?

Hyaluronsäure dient als natür­ licher Feuchtigkeitsspeicher und als Feuchtigkeitsmagnet. Chemisch gesehen ist sie eine Kette aus Zucker­molekülen. Ein einziges Gramm Hyaluronsäure kann bis zu sechs Liter Wasser an sich binden, das entspricht dem 6000-Fachen des Eigen­ gewichts. Dadurch entstehen wertvolle Feuchtigkeitsdepots, die helfen, die Spannung des Bindegewebes zu erhöhen. Sie mindern die Faltentiefe – da­ durch wird die Haut von innen heraus aufgepolstert. Die Hyaluronsäure kennt kurz- und langkettige Molekül­ strukturen. Während die kürzer­ kettige Form in den tieferen Hautschichten wirkt, versorgt die längerkettige die Haut­ oberfläche mit Feuchtigkeit. Aus d ­ iesem Grund kombiniert L’Oréal Paris in den RevitaliftFiller-­Produkten kurz- und langket­tige Hyaluronsäure. So wird die Wirkung maximiert. Allerdings wirkt der falten­ füllende Effekt von Hyaluron­ säure nicht dauerhaft. Deshalb empfiehlt es sich, die Anti-Age-Pflege mit Hyaluron r­egelmässig anzuwenden. MM

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GESUNDHEIT | 19.10.2020 | 51

Bergaufwandern, Nordic Walking, Velofahren und Schwimmen sind gut fürs Knie.

Bei Schmerzen im Knie • Ist das Knie warm und geschwollen, hilft meist Kühlen: ein kaltes und nasses Tuch locker ums Knie wickeln und auswechseln, sobald es warm wird. Zum Arzt gehen, wenn es nicht bessert oder wiederholt auftritt.

Wer beanspruchten Knien Gutes tun will, trainiert die Muskeln am Oberschenkel. Denn je kräftiger diese sind, desto besser stabilisieren sie das Gelenk. Text: Cornelia Caviglia

B

eim Wandern, Skifahren oder Squash das Knie verdreht? Das ist schnell passiert. Schliesslich ist es neben der Schulter das ­instabilste Gelenk des Körpers und häufig von Verletzungen betroffen. Am besten schützt man es durch Kräftigen der ­Muskeln sowie Training von Ausdauer und Koordination. Denn: Belastbare ­Muskeln dämpfen Stösse ab und sorgen dafür, dass das «Gelenk in der Spur» läuft. Schwache Muskulatur dagegen lässt es «wackeln» wie ein ausgeleiertes Scharnier. Und das begünstigt Abnutzung und Ver­ letzungen. Einige Sportarten wirken sich positiv auf das Knie aus – vorausgesetzt, ringsum

sind die Muskeln bereits etwas belastbar. Als besonders kniefreundlich gelten ­Wal­king, Wassergymnastik, Velofahren und Wandern, jedoch nur bergauf. Bergab ist die Seilbahn gesünder. Auf Fussball, Eishockey und Extrembelastungen wie ­Marathon sollte man speziell verzichten, wenn die Kniegelenke schon angegriffen sind. Auch Skifahren mit Carving-Ski ist nur bei gutem Trainingszustand ­sinnvoll. Dem Muskelabbau vorbeugen

Muskelaufbau ist noch aus einem anderen Grund wichtig: Nach der Lebensmitte nimmt die Muskelmasse mit jedem J ­ ahr­zehnt ab. Doch von kräftigen Muskeln

Cornelia Caviglia Physiotherapeutin MSc, Sportphysiotherapeutin ESP, ­Verantwortliche therapeutische ­Qualität Medbase Gruppe

• Tut das Knie selbst weh, hilft Bewegung ohne Belasten: ein Tuch oder ein Blatt Papier auf den Boden legen und im Sitzen mit dem Fuss vorund zurückschieben. • Extremsport, Über­ gewicht sowie regel­ mässig Diäten sind nicht gut für die Knie. Viele Menschen ent­ halten dem Körper dabei wichtige ­Nährstoffe vor, die er dringend braucht. Deshalb sind eine professionelle Er­ nährungsberatung und moderate ­Bewegung besser.

Bilder: iStockphoto, zVg

Damit das Knie schön in der Spur läuft

• Bei Belastungen ­verursachen Muskeln oft die Schmerzen. Dann lohnt sich ein Versuch mit der ­Faszienrolle, Selbst­ massage oder die Massage an Druck­ strahldüsen im ­Thermalbad.


52 | 19.10.2020 | GESUNDHEIT

zehrt man im Alter länger. Dasselbe gilt ßbrigens auch fßr die Knochen. ­Machen sich erste Abnßtzungs­er­ scheinungen an Kniegelenken bemerk­ bar, heisst das Motto: in Bewegung ­bleiben und die Muskeln auftrainie­ ren. Die Knie ßbermässig zu schonen,

iMpuls ist die Gesundheits­ initiative der Migros.

macht auf ­Dauer alles nur noch schlim­ mer. Was viele nicht wissen: Oft tut zwar das Knie weh, die Ursache fßr den Schmerz sitzt aber in einem Muskel. Wer beispielsweise beim Bergabgehen Knieschmerzen bekommt, kann ver­ suchen, die Muskeln am Oberschenkel

Bild: iStockphoto

Regelmässig dehnen: Gestärkte Muskulatur verleiht dem Knie ­Stabilität.

mit einer Faszienrolle oder einfach einer Thermoskanne zu behandeln. Das kann Wunder wirken. Operiert wird am Knie noch immer ­ zu viel. Viele Probleme lassen sich mit ­einer aktiven Therapie genauso gut, aber mit weniger Nebenwirkungen ­behandeln. X-Beine kann man etwa oft mit gezielt trainierten Muskeln korri­ gieren. Es braucht jedoch Disziplin, die Ăœbungen mĂźssen konsequent gemacht werden. Das lohnt sich: Heute sind wir viel länger auf gute Knie angewiesen. Diese mĂźssen zum Teil 90 Jahre halten, nicht bloss 50 wie noch bei unseren ­Vorfahren. MM

So trainieren Sie die Muskeln, die Ihre Knie stĂźtzen Die Oberschenkelmuskulatur stärken ist das eine. Zum anderen kann auch ein stärkerer Rumpf das Knie entlasten. ­Fitnesstrainer Goran zeigt sechs Ăœbungen. Mehr dazu auf migros-impuls.ch/knie

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AUCH MIT 70PLUS SICHER AM STEUER Im zunehmend dichten Strassenverkehr sicher unterwegs zu sein, ist eine Herausforderung. Mit 70plus zählt man zu den Experten und ist Routinier am Steuer. Das wird jetzt auch gesetzlich honoriert: Der periodische ArztCheck für Fahrzeuglenkende ist seit 2019 erst ab 75 Jahren fällig. Zuvor lag diese Schwelle bei 70 Jahren. Wie Sie Ihre Kompetenzen im Strassenverkehr erhalten und weiter ausbauen, lesen Sie hier oder auf der Website der Präventionskampagne Routinier 70plus, www.routinier70plus.ch

Sie können viel für Ihre Fahrfitness tun Im dichten Verkehr sind Wahrnehmung und Reaktion sehr wichtig. Allgemein herrscht heute weniger Rücksichtnahme untereinander und der Verkehr wird immer hektischer. Hier zahlen sich wache Sinne aus, um rechtzeitig zu reagieren. Studien zeigen, dass sich

die Sehkraft ab 30 Jahren und das Gedächtnis ab 50 Jahren verändert. Es ist also normal, mit zunehmendem Alter eine Brille zu tragen, und mit einfachen Hilfsmitteln wie Kreuzworträtsel, Sudoku und anderen Übungen bleibt man geistig fit. Die Ziele von Routinier 70plus Die Kampagne unterstützt die Generation 70plus bei der sicheren Mobilität, ob mit dem Auto, auf dem E-Bike oder mit dem ÖV. Profitieren Sie von den kostenlosen Angeboten im Internet. Haben Sie Fragen zum Thema «Sicher fahren mit 70plus»? Dann schreiben Sie uns an info@routinier70plus.ch oder rufen Sie uns an unter 031 328 31 33.

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Autofahren zählt zu den beliebtesten Mobilitätsformen, wenn es darum geht, selbstständig unterwegs zu sein. Dass das Alter für die medizinische Kontrolluntersuchung für Fahrzeuglenkende um fünf Jahre nach oben verschoben wurde, ist deshalb erfreulich. Denn die Generation 70plus verfügt über jahrzehntelange Erfahrung im Strassenverkehr. Diese Kompetenz ist es wert, erhalten und erweitert zu werden. Am besten funktioniert das mit einfachen Übungen, die das Theoriewissen auffrischen, mit Aufgaben, die das Gehirn trainieren, oder mit dem Fahrsicherheits-Check. Das alles macht Spass und lohnt sich gleichzeitig. Denn wer gerne mit den Enkelkindern oder mit Freunden Ausflüge unternimmt oder einfach gern und oft mit dem Auto unterwegs ist, trägt eine grosse Verantwortung. Diese gilt es ernst zu nehmen. Sicheres Autofahren basiert auf lebenslangem Lernen und Weiterbilden.

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54 | 19.10.2020 | KOLUMNE

Können Dinge Sünde sein?

DER ANDERE BLICK Kürzlich musste ich fremdsaugen – mit einem anderen Staubsauger, ­einem wirklich billigen. Das merkte man schon an seinem Gewicht. Und der On-Knopf war defekt, das Ding saugte, ­sobald es am Strom war. Der Motor schien getunt, jedenfalls war viel Lärm um nichts, und der Staubsack hatte die Grösse eines Eierbechers. Putzen ­verliert so seinen Hauptzweck, nämlich möglichst schnell alles sauber zu bekommen. Wertiges Material wäre dabei ziel­führend – wie bei ­jedem Handwerk, zu dem ich auch das Haushalten zähle.

Als es in den Nullerjahren den ersten handlichen Akkuschrauber gab, kaufte ich mir sofort ­einen. In der Realität brauchte

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ich ihn weniger oft als gedacht, aber ich war stets parat für jede Art von Schraube. Ein einziger kritischer Kommentar kam von meiner bosnischen Freundin Marija. Sie sagte: «Dafür habe ich Mann.» Ich bin eher der Selbst-ist-dieFrau-Typ. Nicht, dass ich mir eine Inneneinrichtung zimmern möchte. Aber die Dinge, die ich nutze, möchte ich ver­stehen und pflegen. Das muss eine kindliche Prägung sein. Bevor etwas Neues ins Haus kam, ­wurde es bei uns immer auch auf seine Langlebigkeit überprüft. «Für billige Ware haben wir kein Geld», so mein Vater. Dadurch blieb die Erneuerungsrate niedrig, ausser man hatte das Pech, einen Montagsapparat gekauft zu haben: von Menschen


KOLUMNE | 19.10.2020 | 55

hergestellt, die ihre Arbeit am Montag grundsätzlich missmutig erledigen. Ich mag meine stillen Diener, und wenn einer das Zeitliche segnet, kümmere ich mich um guten Ersatz. Und bin schon dann enttäuscht, wenn mir der Servicetechniker keine zehnjährige Laufzeit versprechen kann. Ich weiss, dass wir es ­besser könnten. Ein Beispiel aus Kalifornien: Seit 1901 brennt dort in einem Feuerwehrdepot Tag und Nacht eine Lampe. Ein Dauerbrenner seit 119 Jahren, aber ­leider kein Massstab für Entwicklungen, die danach kamen und noch kommen werden. In welche Werte investiere ich mein Geld? Auf der Suche nach guten Dingen wird die

­ iste der Kriterien seit Jahren L immer länger. Weil wir sehen, hören und lesen. Weil wir ­langsam verstehen, wie alles zusammenhängt und wie eins zum an­deren führt. Und wie uns un­bedachtes Handeln ­früher oder später wieder um die Ohren fliegt. Auf dem Weg zu einem Kaufentscheid lasse ich heute viele persönliche Daten liegen. Seit dem letzten Update zeigt mein Browser Tracker-Attacken auf: Websites, die versuchen, ein Profil von mir zu erstellen. Da wäre es doch schön, wenn ich im Gegenzug bei meinem nächsten Besuch in einem ­Laden eine VR-Brille bekäme und diese mir genau die Produkte zeigte, die meinen Suchkriterien entsprechen. MM

Gerda Portner (62) wurde frühpensioniert und fragt sich, wann wir auf der S ­ uche nach dem Sinn falsch ­abgebogen sind.

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56 | 19.10.2020 | KULTUR

Jennifer Perez, Rapperin aus Basel, kämpft schon seit Jahren für ein besseres Standing von Frauen in der ­Musikbranche.

S Endlich raus ins Rampenlicht! Frauen sind in der Jazz-, Rock- und Popszene deutlich weniger präsent als Männer. Helvetiarockt, die Schweizer Koordinationsstelle für Musikerinnen, ergreift nun die Initiative und lanciert eine Datenbank, die Frauen auf und hinter der Bühne sichtbar machen soll. Text: Anne-Sophie Keller

chaut man auf Festivalbühnen, sind Frauen immer noch Mangel­ware. Und auch hinter den Kulissen sieht es nicht viel ­besser aus: Auf zehn Männer k ­ ommen im Musikgeschäft im besten Fall zwei Frauen. 2017 wurden erstmals die Quoten von Festivals ermittelt. E ­ rgebnis: Nur 17 Prozent der Performenden waren weiblich. Der Rock­förderverein Basel hat im selben Jahr 900 lokale Bands auf ihren Frauenanteil hin untersucht. Das Resultat war auch hier ernüchternd: Nur jede zehnte ­Person, die zwischen 2008 und 2017 in ­Basel Musik machte, war weiblich. Trotz vieler Bemühungen hat sich die Situation bis heute nicht verändert. Sind die Frauen im Musikgeschäft etwa nicht gut g­ enug? Oder gibt es einfach zu wenige von ihnen? Keineswegs. Doch sie haben ein Manko: Man sieht sie nicht. Helvetiarockt, die Koordinationsstelle für Musikerinnen, will dies unbedingt


KULTUR | 19.10.2020 | 57

Wo liegt das Problem, Regula Frei?

«Was du als Frau zu hören kriegst …»

• Stereotype: Wir konnotieren Dominanz als männlich und Sanftheit als weiblich. Also werden die Männer Schlag­zeuger und die Frauen Sängerinnen.

• Es hat zu wenig greif­bare und erlebbare V ­ orbilder. Es gibt die grossen Popikonen. Aber es braucht solche, die man auf Schweizer Bühnen erleben kann. Solche, die in der selben Stadt wohnen. • Je technischer das Musikschaffen wird, desto ­weniger sind Frauen vertreten. Sie (und ihr Umfeld) denken immer noch, Technik würde i­ hnen nicht liegen.

Andere Erfahrungen hat Jennifer Perez alias La Nefera gemacht. «Als junge Frau im Rap hast du es besonders schwer, viele brüsten sich sogar mit ihrem Sexismus», sagt die Basler Rapperin. Als die 31-Jährige beim SRF-Format «Bounce Cypher» auftrat, wurde sie in den Kommentarspalten des Senders zu sexuellen Handlungen aufgefordert. Perez: «Es ist so krass energieraubend, was du als Frau zu hören kriegst.» Umso wichtiger sei es für alle in der Branche aktiven Frauen, gut vernetzt zu sein und sich untereinander auszutauschen. Sie selbst hat 2012 mit «Vybezbilder» ein Kollektiv für Basler Hip-Hop-­Künstlerinnen ­mitaufgebaut. «Wie ergeht es den Kolleginnen? Und wie gehen sie damit um, wenn sie von Sexismus betroffen sind? Wir können voneinander lernen und uns gegenseitig unterstützen», sagt Perez.

• Fehlendes Selbstvertrauen: Wer Musik macht, muss sich irgendwann zeigen – auch wenn man noch nicht hundert Prozent sicher ist. • Rock ’n’ Roll hat einen schlechten Ruf. Also z­ ögern Eltern, ihre Töchter in einen Probekeller oder Klub zu schicken. • Viele Mädchen beschäftigen sich nach wie vor viel mit ihrem Aussehen. Sie investieren viel Zeit und Geld dafür, statt ­Beats zu produzieren.

Ein Spiegel der Gesellschaft

Mit «Königinnen der Zürcher Nacht» hat auch Shibo Tschäppeler (31) vor zwei Jahren ein Netzwerk für Frauen gegründet. Tschäppeler war als Bookerin und in der Eventproduktion tätig. «Hinter der Bühne sind Frauen nach wie vor untervertreten. Es gibt nur wenige Bookerinnen. Viele ­arbeiten lieber an der Bar oder im Marketing.» ­Einen positiven Wandel stellt sie bei den jüngeren Bands fest, die vermehrt auch Tourmanagerinnen buchten. Mit der Datenbank musicdirectory.ch wird nun ein erster Schritt unternommen, Frauen im Musikgeschäft sichtbarer zu machen. Für Regula Frei, Bassistin und Co-Präsidentin von Helvetiarockt, ist klar, dass das allein nicht reichen wird: «In der Musikszene spiegelt sich wider, was in der Gesellschaft als Ganzes nicht funktioniert. Es ist aber ein wichtiger Anfang.» MM

• Viele Musikerinnen scheitern an ihren ­eigenen Ansprüchen: Sie zerbrechen sich den Kopf darüber, ob ihre ­Arbeit perfekt ist, anstatt zu experimentieren, zu machen, zu rocken.

Bilder: Samuel Bramley, zVg

ändern. Am 20. Oktober lanciert sie ­musicdirectory.ch, eine Datenbank für Frauen sowie inter, trans und non-­ binäre Menschen, die in der Schweizer Musikszene aktiv sind. Musikerinnen, Tontechnikerinnen und Labelverantwortliche sind eingeladen, sich hier zu registrieren. Mit dabei sind u ­ nter anderem Steff la Cheffe, Sophie Hunger, Black Sea Dahu, Brandy Butler und KT Gorique. Unterstützt werden die ­Projekte von Helvatia­rockt vom Migros-­ Kulturprozent. In den Musikschulen sind Mädchen noch mit über 50 Prozent vertreten. ­Danach verschwinden jedoch die meisten. «Es fehlen Vorbilder, an denen sich Mädchen orientieren können», sagt ­Regula Frei von Helvetiarockt. Und diejenigen, die ernsthaft eine Karriere als Musikerin anstreben, müssten einige hohe Hürden meistern. Viele der Verantwortlichen mit Schlüsselfunktion in der Szene sind Männer – oder Frauen, die

nicht auf das Thema sensibilisiert sind. ­Zudem sind Frauen schlechter vernetzt und ­betreiben weniger Marketing (siehe Box rechts). Als Mama eine Tournee zu ­bestreiten, ist auch nicht eben einfach. Dazu kommt, dass viele Frauen nach jahre­langen Sexismuserfahrungen ernüchtert sind und sich deshalb zurückziehen. Eine, die sich nicht einschüchtern liess, ist Florina Diemer (30). Sie arbeitet seit 13 Jahren als Tontechnikerin. «Wenn ich mit einem Mann am Mischpult s­ tehe, wird zuerst er angesprochen, auch wenn er mein Assistent ist», ­erzählt die Z ­ ürcherin. Der Umgangston hinter der Bühne sei oft sehr rau. «Viele denken, damit könne eine Frau nicht umgehen.» In den letzten Jahren habe sich die Situation jedoch ver­ bessert. Den Spruch, dass sie ihren Job «für eine Frau noch gut macht», habe sie lange nicht mehr gehört.

Regula Frei (45) ist ­Helvetiarockt-Urgestein und Bassistin aus Bern.


58 | 19.10.2020 | MEINE MIGROS

Der Boden machts aus

Bild und Styling: Veronika Studer

Die Pizzas von Anna’s Best gibt es jetzt neu aus dem Holzofen. Das Backen d ­ irekt auf dem holzbefeuerten Stein verleiht dem Boden seine charakteristische ­Bräunung und sorgt zusammen mit der langen Teigreifung für den typischen Pizzageschmack. Sein unverwechselbares Aussehen erhält jeder Boden, weil er aus einer ­Teigkugel geformt wird. Dies sorgt mit der teilweise ­ manuellen Belegung für ein rustikales Unikat – fast wie beim Pizzaiolo.

Aktion 20-fache Cumulus-Punkte für die neuen Holzofen­ pizzas von Anna’s Best Bis 2. November

Anna’s Best Pizza Saison Funghi, 440  g Fr. 6.90 In grösseren Filialen

Anna’s Best Pizza Proscuitto & Mascarpone, 420 g Fr. 6.90


MEINE MIGROS | 19.10.2020 | 59

TIPP Bei der Pizzaparty zu Hause bekommen natürlich alle ihre Lieblingspizza. Für handliche Stücke kommt der Pizzaschneider zum ­Einsatz. So kann jeder ein paar neue Sorten probieren.

Anna’s Best Pizza Margherita, 420 g Fr. 5.95

Anna’s Best Pizza Prosciutto & Lardo, 430 g Fr. 6.90

Anna’s Best Pizza Hawaii, 465 g Fr. 6.90


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INSTAGRAM | 19.10.2020 | 61

Was macht die gute Insta-Story aus? ­Influencerin

Mit überlegtem Aufbau, Infotexten, Charakter und einem Abschluss: Der Instagram-Account von Florina Diemer (@floliveton) zeigt ­einige ­Beispiele von ­gelungenen Storys.

Instagram ist zehn Jahre alt – und aus dem digitalen Alltag kaum mehr wegzudenken. Das Feature der Stunde heisst Story: Die findet bei der Community Anklang, wenn sie ein paar Anforderungen erfüllt. Die Tipps und Infos zur neuen Reels-Funktion. Text: Carolin Teufelberger

Bilder: @floliveton

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och nie eine Insta-­ Story gemacht? Dann wird es aber höchste Zeit. Mit Storys erreicht man mehr Instagram-­ User als mit einfachen Posts, da Storys im Feed stets zuoberst angezeigt werden. Zudem be­ sitzen sie den Reiz der Exklusivität, weil sie in der Regel nur für 24 Stunden sichtbar bleiben. Wer wahrgenommen werden will, sollte also auf Storys s­ etzen. Sie sind einfach zu erstellen und ermöglichen es, Ereignisse un-

mittelbar mit den Abonnenten zu teilen. Eine Aneinander­ reihung von Bildern aus dem Alltag ergibt aller­dings noch ­keine gute Story. Wir h ­ aben ­Tipps von Influ­encerinnen und Influencern zusammengetragen: Storytelling: Es ist wichtig, eine

Geschichte zu erzählen und sie überzeugend aufzubauen. Die Instagram Community will ab­ geholt und nicht mit zusammenhanglosen Bildern oder Videos bombardiert werden. Die Story

hat im besten Fall einen Einstieg, steigert sich bis zu einer Pointe und endet mit einer Auflösung oder einem Resümee. Textoptionen nutzen: Viele User

schauen Instagram-Storys unter­ wegs und schalten deshalb auf lautlos. Videos, in denen geredet wird, können so kaum richtig verfolgt werden. Deshalb sollte man die Textfunktion nutzen, um von jedem Abschnitt die Quintessenz wiederzugeben. Nur so weiss die Community, worum es geht und

ob es sich vielleicht doch lohnt, die Kopfhörer zu montieren. Authentizität: In die Story gehört

Persönlichkeit, ­Cha­rakter. Gibt sich jemand anders, als er oder sie eigentlich ist, fällt das auf. In Beiträgen sollte man zeigen, was einem wichtig ist. Man muss keine sehr intimen Einblicke bieten, aber der Absender sollte für die Zuschauer greifbar sein. Abwechslung: Das zehnte Katzen­

bild hintereinander ist auch dem


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INSTAGRAM | 19.10.2020 | 63

grössten Tierliebhaber zu viel. Abwechslung ist wichtig, um die Menschen bei Laune zu halten und sie davon abzubringen, dass sie die Story nach wenigen ­Sekunden wegklicken. Gestaltung: Stickers, Musik,

Hashtags, Schriftarten und Farben: Die verfügbaren Tools laden dazu ein, eine Story wirklich ­abwechslungsreich zu gestalten. Einfach mal ausprobieren.

Bilder: @floliveton

Nachhaltigkeit: Am Ende einer

Story sollte man als Zuschauer unterhalten, informiert und so neugierig sein, dass man dem Aufruf, sich das Profil genauer anzusehen, folgt. Belangloses Geplänkel, das nicht einmal lustig ist, will niemand sehen. MM

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Und die Reels?

Florina Diemer 47 Beiträge, 1264 Abonnenten, 297 abonniert

Das neueste Instagram-­ Feature «Reels» ähnelt in Funktion und Aussehen TikTok sehr. Die seit Juni bei uns verfügbare Form soll eine kleine Geschichte erzählen. Direkt nach der Aufnahme kann die 15-Sekunden-­Filmsequenz in der Instagram-App bearbeitet und vertont werden. Reels erscheinen ähnlich wie IGTV-Videos im Profil in einem eigenständigen Tab. Im Feed und in einer Story kann eine Vorschau davon gepostet werden.

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Hier schreiben die Experten von Digitec über alles, was die digitale Welt bewegt.


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LESERANGEBOT | 19.10.2020 | 65

So profitieren Sie vom Angebot Leserangebot

Leserinnen und Leser des Migros-Magazins profitieren auf galaxus.ch/bluetens von 25 Prozent Rabatt auf alle 16 Produkte der Marke Bluetens. Dazu einfach das passende Bluetens-Gerät in den Waren­ korb legen, zur Kasse gehen und im Bestellprozess unter Zahlung den Gutscheincode «BLUETENS» eingeben. Der Rabatt von 25 Prozent wird automatisch abgezogen.

Bluetens an – Schmerzen aus

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Bluetens ist dank eines einzigen Bedienungs­knopfs kinderleicht zu handhaben.

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Die Bluetens-App erklärt Schritt für Schritt den Effekt der einzelnen Programme und die Platzierung der Elektroden am Körper.

Das Migros-Magazin und Galaxus offerieren 25 Prozent Rabatt auf die Elektro- und Schmerztherapie-Marke Bluetens. Bluetens setzt auf die Kraft der Elektrotherapie und ist bei Ver­ spannungen im Nacken oder unteren Rücken eine gute Alter­ native zu klassischen Schmerz­ mitteln – ohne Nebenwirkungen. Auch bei Arthrose oder Muskel­ kater bieten die Geräte eine ­Lösung an. Und wer kennt sie nicht, die lästigen Schmerzen oder Verspannungen nach ­einem langen Homeoffice-Tag oder dem Sport?

Sobald Sie das Gerät starten, werden die Nerven und Muskeln mit den sanften elektrischen ­Impulsen stimuliert und ge­ lockert. Auf diese Weise lindert es Schmerzen, entspannt die Muskeln und unterstützt ­zu­sätzlich den Aufbau der Mus­ kulatur. Mit nur 25 Gramm ist Bluetens ideal für zu Hause und auf Reisen, überzeugt zudem mit einer einfachen Bedienung übers Smartphone.

Die Bluetens-Elektrotherapie­ geräte sind medizinisch zerti­ fiziert, von Krankenkassen ­anerkannt und wurden von ­Physiotherapeuten und Sport­ lern entwickelt. Die Anwendung soll gezielt bei akuten Schmer­ zen oder der Regeneration nach dem Sport helfen. Dazu werden an den schmerzenden Körper­ stellen kleine Elektroden ­platziert. In der dazugehörigen App finden Sie über 100 Pro­ gramme für 15 Körperbereiche.

Anwendungsbereiche Die Möglichkeiten der An­ wendung sind vielseitig. Die elektrischen Impulse thera­ pieren zum Beispiel alle Formen von Gelenk-, Nerven- oder Muskelschmerzen. Auch Mens­ truationsbeschwerden können mit Bluetens behandelt werden. Ebenso massiert es schwere Beine oder regeneriert andere Körperbereiche. Zusätzlich gibt es Programme zur Stärkung der Ausdauer und Muskulatur.  MM

Die Rabattaktion gilt für: • Bluetens Standard Pack: Set, ideal für den täglichen Gebrauch • Bluetens Master Pack: Standardset inklusive des gesamten Zubehörs • Bluetens Duo Sport: Set, ideal für Sportler mit doppelter, kabelloser Power • Ersatzelektroden: passend für alle Sets • Bluetens Wireless Kit: für kabellosen Einsatz bei Therapieprogrammen

Technische Spezifikationen: • 3 Therapiemodi: entspannen, therapieren, stärken • geringes Gewicht: nur 25 Gramm • kompaktes Design • Intensitätseinstellung am Gerät • von Krankenkassen ­anerkannt • Lithium-Ionen-Akku, auf­ geladen über USB (1 Stunde Aufladung = 4–5 Stunden Betriebsdauer) • kompatibel mit Smartphone und Tablet über Bluetooth 4.0 • Kompatibilität Android: 6 und höher • Kompatibilität iOS: 7 und höher • Doppelfunktionsmodus (Bluetooth/Stand-Alone) • Plug-and-play-Verbindung automatisch aus der App • medizinisch zertifizierte Geräte Das Angebot gilt vom 19. Oktober bis 1. November (nur solange Vorrat) Infos und Bestellung: galaxus.ch/bluetens


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Klubschulluft schnuppern Am 7. November gewinnen Interessierte einen Einblick in über 100 Kurse an allen Klubschulstandorten. Ein Auszug aus dem Programm.  Text: Lukas Aebersold

Infos und Anmeldung: klubschule.ch/ schnuppertag

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Bilder: Shutterstock

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Gestalten mit Stift, Pinsel und Feder

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Erfolgreich digital unterwegs

Handlettering ist das kunstvolle Schreiben mit schön gezeichneten Buchstaben, sei es für Zitate, Be­ schriftungen auf Tafeln und Plaka­ ten, für Schriftelemente in Schau­ fenstern oder für die Typo­grafien auf Menükarten. Dieses Schön­ schreiben hat sich zur angesehenen Kunstform e ­ nt­wickelt. Im Schnup­ perkurs lernt man bereits das Aus­ arbeiten ­einzelner Buchstaben und die ­Gestaltung eines kurzen Wortes.

SEO, Adwords, Analytics? Wer hier nur Bahnhof versteht, kann sich im modularen Weiterbildungs­ange­bot zum Thema Digital ­Marketing ­weiterbilden. Am Schnuppertag erfährt man, was hinter den ­Be­griffen steht und ­welche Rolle sie in der digitalen Marketing-Welt spielen. Ein b ­ randaktuelles Thema, wird doch bei fortschreitender ­Digitalisierung ein effektives Mar­ keting im Netz immer wichtiger.

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Chur, Frauenfeld, St. Gallen

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Stress bewältigen durch Achtsamkeit

Negativer Stress ist eine Heraus­ forderung, im Beruf wie auch im privaten Bereich. Doch man kann ihm mit einfachen Methoden begegnen. Nach dem Prinzip der Mindfulness Based Stress ­Reduction, kurz MBSR, werden praktische und einfache Übungen zur Stressreduktion vermittelt. In einem neuntägigen Kurs, der auf dieser ganzheitlichen, wissen­ schaftlichen Methode basiert, ­lernen die ­Teilnehmenden, wie sie un­ab­hängig von Alter und Beruf ­bewusster und konstruktiver mit Stress im Alltag umgehen können. Schaffhausen, Chur, Winterthur, St. Gallen

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Osteuropas Weltsprache

Russisch ist eine der ver­breitetsten Sprachen und gilt als Weltsprache. Über 200 Millionen Menschen sprechen es, in ausgedehnten Ge­ bieten von Ost­europa und Zentral­ asien ist es sehr geläufig oder gar Amts­sprache. Im Anfängerkurs liegt der Fokus auf der mündlichen Kommunikation, aber auch auf dem kyrillischen Alphabet. Am Schnup­ pertag lernt man einfache Aus­ drücke des Alltags­lebens und e ­ rhält Einblick in Kultur und Men­talität. Der Kurs wird wie diverse andere Sprachkurse zusätzlich als Online-­ kurs angeboten. Am 7. November findet deshalb auch ein ­Online-Schnupperkurs statt. Buchs, Chur, Schaffhausen, St. Gallen, Wetzikon, Winterthur und online


68 | 19.10.2020 | MIGROS OSTSCHWEIZ

Mit Pioniergeist, Mut und Leidenschaft Der Familienbetrieb Sprenger Fine Foods AG im thurgauischen Wilen (Gottshaus) beliefert die Migros Ostschweiz neben Hummus und Tsatsiki mit Hüttenkäse «Aus der Region. Für die Region.». Das Konzept, das auf Innovation, Handarbeit und Frische setzt, macht den Erfolg der Firma aus. Text und Bilder: Lukas Aebersold

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wischen Landwirtschafts­ betrieben, einer Autogarage und einem Weiher steht in Wilen ein unscheinbares ­Industriegebäude. Auf den ersten Blick lässt nichts vermuten, dass hier seit 1999 ein äusserst innovativer ­Betrieb am Werk ist. Doch der Schein trügt: Die Sprengers – Inhaber Max, Frau Silvia sowie Sohn und Betriebs­ leiter Roland – sind Pioniere; eine Rolle, die ihnen seit jeher in den ­Genen liegt. Max Sprenger war es nämlich, der vor rund 40 Jahren den Hüttenkäse in der Schweiz bekannt machte. Darauf gestossen war er in seiner damaligen Heimat Amerika. Heute tüftelt Sohn Roland an stets neuen Produkten: an speziellen Hüt­ tenkäsevariationen, trendigen Salat­ saucen oder Hummus-Kreationen. Der Pioniergeist ist Stärke und ­Lebensversicherung zugleich. Das siebenköpfige Team ist darauf ange­ wiesen, immer wieder neue Produkte erfolgreich zu lancieren. «Unser Ziel ist es immer, etwas zu machen, das die Grossen nicht können», erklärt ETH-Agronom Max Sprenger. Spezia­ litäten statt Massenware also. Doch je bekannter ein Produkt wird und je stärker die Nachfrage steigt, umso ­interessanter wird es für die grossen Player im Markt, ebenfalls miteinzu­ steigen. Und so wird die kleine Firma bisweilen Opfer des eigenen Erfolgs. Roland Sprenger, der sich neben Ent­

wicklung und Produktion auch um Marketing und Verkauf kümmert, sieht dabei aber nicht nur Nachteile: «Das spornt uns an, immer wieder Neues zu wagen. Für mich liegt darin die Faszination meines Berufs: neue Rezepte entwickeln, tüfteln, pro­ duzieren und am Schluss das fertige Produkt im Laden zu sehen.» Lagerware ist tabu

Der Erfolg kommt nicht von un­ gefähr. Alles wird frisch produziert, ­Lagerware gibt es keine. Handarbeit, eine grosse Portion Know-how und ausreichend Zeit sind die Grund­zu­ taten. Das sieht und schmeckt man – insbesondere beim Hüttenkäse. «Da er von Hand geschnitten wird, ist das Korn nie ­genau gleich», erläutert Max Sprenger. Den ausgeprägten ­Geschmack ­erhält er nicht etwa durch Zusatzstoffe, sondern durch eine

«Unser Ziel ist es immer, etwas zu machen, was die Grossen nicht können.» Max Sprenger Agronom ETH

­ atürliche Gärung, die eine ganze n Nacht in Anspruch nimmt. Hinzu kommen weitere aufwendige Verar­ beitungsschritte, etwa beim Hütten­ käse mit Gartengemüse. «Wir erhal­ ten dafür Ostschweizer Kräuter und Gemüse und rüsten, schneiden und verar­beiten dann alles selber in un­ serem Betrieb», erklärt der 31-jährige ­Junior-Chef Roland. «Nicht zuletzt deshalb ist das Gemüse im fertigen Produkt immer noch knackig.» Molke als Geschmacksverstärker

Einfallsreich sind die Sprengers auch bei der Verwertung von Neben­ produkten. Ein Teil der Molke, die bei der Herstellung des Hüttenkäses ­anfällt, landet seit rund einem Jahr nicht mehr in der Schweinemast, ­sondern wird für eine neue Salat­ sauce verwendet. «Dort übernimmt sie die Rolle des Geschmacksver­ stärkers, den wir dadurch weglassen können», freut sich Max Sprenger. Der fettarme und proteinreiche Hüttenkäse lässt einem auch in der Küche viel Raum für Kreativität. «Mit Hüttenkäse kann man kochen, nur wissen das viele nicht», erklärt Roland Sprenger. Als gelernter Koch hat er natürlich schnell ein paar ­Geheimtipps parat: «Bei Lasagne kann er die Béchamelsauce oder das Hackfleisch ersetzen. Flammkuchen schmecken auch mit Hüttenkäse statt Crème fraîche ausgezeichnet.


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Inhaber Max, Betriebs­ leiter Roland und ­Laborleiterin Sylvia Sprenger präsentieren ihr Hüttenkäse-Sorti­ ment «Aus der Region. Für die Region.».

Und meine Schwiegermutter hat schon einmal eine schmackhafte Hütten­käse-­ Safran-Sauce zu einem Fisch­gericht auf den Tisch gezaubert. Man muss einfach etwas mutig sein.» Am Ende bleibt natürlich noch die Frage zum Firmennamen: Hat die Bezeichnung «Fine Foods» nichts mit einem grossen Schweizer Detail­ händler zu tun? Max Sprenger schmunzelt. «Nein, da besteht keine Verbindung. Aber sie haben damals angefragt, ob sie den Namen für ihre Produktelinie verwenden dürfen.» Auch da waren Sprengers wieder mal die Ersten. MM

Links: Roland Sprenger ­kontrolliert den frisch produzierten Hütten­ käse vor dem Abfüllen.


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Datenschutz: Detaillierte Informationen zum Datenschutz finden Sie unter www.bradford.ch/datenschutz. Wir werden Ihnen keine Angebote von The Bradford Exchange per E-Mail,Telefon oder SMS-Nachricht zukommen lassen. Sie können Ihre Kontaktpräferenzen jederzeit ändern, indem Sie uns unter nebenstehender Adresse bzw. Telefonnummer kontaktieren. Bitte teilen Sie uns per Telefon, E-Mail oder schriftlich mit, falls Sie keine brieflichen Angebote erhalten möchten.

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72 | 19.10.2020 | AUGEN

Mascara als Augenöffner

Augenbrauen rahmen ein

Definierte Brauen geben den ­Augen einen attraktiven Rahmen. Zupfen sollte man die Härchen stets nur am unteren Brauenrand. Lücken kann man gut mit einem weichen Augenbrauenstift auf­ füllen, indem man mit dem Stift kurze ganz feine Striche zeichnet. Diese dann mit einem Bürstchen weich verblenden. Auch eine Brauen-Mascara betont die ­Härchen und fixiert die Form.

Kleine Augen ganz gross Weisser creme- oder nudefarbener Kajal auf der unteren Wasserlinie lässt die Augen heller, strahlender und grösser erscheinen. Ein Highlighter im inneren Augenwinkel hilft zusätzlich. Ein feiner Lidstrich über dem oberen Wimpernansatz betont die Form, das Auge gewinnt optisch an Grösse. Der Strich sollte nur fein sein, sonst drückt er das Auge optisch eher zusammen. Nicht ganz vorn im Innenwinkel beginnen, sondern etwa ein Drittel freilassen und den Lidstrich dafür am äusseren Ende ein wenig auslaufen lassen.

Schöne Augenblicke

Der Blick gilt den Augen, jetzt, wo wir die untere Gesichtshälfte oft unter einer Schutzmaske verstecken. Tipps für ein ausdrucksstarkes Augen-Make-up. Text: Petra Koci

Komplementärfarben zur Augenfarbe wählen

Schlupflider kaschieren

Hellen Lidschatten auf das bewegliche Lid, im Augenwinkel und entlang dem Brauenbogen auftragen. So heben wir ­diese Partien optisch hervor, und die ­Augen wirken strahlender. In die Lidfalte und auch etwas darüber tragen wir eine dunklere Nuance wie einen Bogen auf. Das kreiert Tiefe, und die Augen wirken dadurch grösser. Die Farbe soll zum ­inneren Augenwinkel hin schwächer und nach aussen etwas intensiver wirken. Alle Übergänge gut verblenden.

Mit der Wahl des Lidschattenfarbtons kann man die Augenfarbe betonen. Braune Augen werden von kühlen Tönen wie Blau, Türkis, Khaki, Anthrazit oder Grau umschmeichelt. ­Zarte Apricot- und Roséfarben, Terracotta, warmes Beige und Braun bringen blaue Augen zum Strahlen. Einen Kontrast zu g­ rünen Augen bilden Rosé, Pflaume, Lila oder Braun und Grau. Gleicher Lidschattenton wie Augenfarbe? Möglich, allerdings konkurrenzieren sich die Farben dann eher und lassen die Iris weniger strahlen.

Bild: Keystone/Caro/Andreas Teich

Mascara verlängert und verdichtet die Wimpern, lässt die Augen offener wirken. Das Bürstchen direkt an den ­Wimpernansatz ansetzen und kleine Zickzackbewegungen ausführen, sodass die einzelnen Wimpern getrennt werden, ­bevor man langsam mit einer geraden Bewegung in die ­Spitzen fährt. Das gibt dem Wimpernkranz mehr Volumen. Wer will, kann noch einmal ­tuschen, sobald die erste ­Farbschicht trocken ist. Auch den unteren Wimpernkranz ­tuschen, um die unteren Wimpern optisch zu verlängern.


Augenringe? Nicht mehr zu sehen Concealer ist die SOS-Hilfe für dunkle Ringe unter den Augen. Diese können genetisch bedingt oder auch durch den Lebensstil verursacht sein. Gut, dass sie sich rasch kaschieren lassen: Mit dem Concealer einige kleine Punkte entlang der Kontur unter das Auge tupfen, mit dem Ringfinger sanft einklopfen und verwischen. Bei bläulich schimmernden Augen­ ringen gleicht eine rosastichige Farbnuance aus, bei bräunlichen Schatten eher eine gelbstichige. Concealer sollte zwei Nuancen heller sein als das Make-up.

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Paroli

2 × 100 Franken zu gewinnen

2 × 100 gewinnen Füllen Sie dieFranken zehn Wörter inzu das Rätselgitter ein. Füllen Sie Sie die zehn Wörter das Rätselgitter Tragen diesich zehn Wörter in das Rätselgitter Die Lösung ergibt aus in den Buchstaben inein. den Feldern 1-5.ein. Die ergibt sich aus den Buchstaben den Feldern 1-5. DasLösung Lösungswort ergibt sich ausinden Buchstaben in den Feldern 1 bis 5.

Ermitteln Sie für jede Quizfrage den richtigen Lösungsbuchstaben. Der Reihe nach in die Lösungsfelder eingetragen, ergibt sich das Lösungswort. Beim Rätsellösen kann einem der Schädel … F knurren

M singen

V brummen

Wenn man einen frisch erstellten Gegenstand erwirbt, ist dieser … A nagelnigelneu

I

O neunigelnagel

nigelnagelneu

Welches Symbol kennzeichnet einen hochgiftigen chemischen Stoff? E Totenkopf

N Flamme

S Patrone

D VD

1 1

R AR

E Spieltheorie

N Rechtsprechung

Die sechs tiefsten Tiefseerinnen befinden sich im … C Pazifik

L Atlantik

A Indischen Ozean

Wo verkehrten von 1890 bis 1902 sogenannte Lufttrams? H Frankfurt 1

2

N London 3

4

K Bern

5

6

3 3

7

Lösungswort

So nehmen Sie teil:

4 5 5

2 2

3 3

4 4

5 5

Bimaru Die Zahl bei jeder Spalte oder Zeile bestimmt, wie viele Felder durch Schiffe besetzt sind. Diese dürfen sich nicht berühren und müssen vollständig von Wasser umgeben sein, sofern sie nicht an Land liegen.

Sudoku Lösung Nr. 42

Was

migusto.ch

T

Tel.: 0901 000 843 (Fr. 1.–/Anruf ) SMS: Senden Sie MMD3, gefolgt vom Lösungswort, Ihrem Namen und Ihrer Adresse an 3113 (Fr. 1.–/SMS). Bsp.: MMD3 HOTEL. Hans Muster, Musterweg 22, 8000 Musterdorf Internet: www.migmag.ch/paroli (kostenlos) Teilnahmeschluss: Sonntag, 25.10.2020, 24 Uhr Teilnahmebedingungen: auf der ersten Rätselseite

Bimaru Lösung Nr. 42

koche ich heute?

E 1

Tel.: 0901 000 842 (Fr. 1.–/Anruf ) SMS: Senden Sie MMD2, gefolgt vom Lösungswort, Ihrem Namen und Ihrer Adresse an 3113 (Fr. 1.–/SMS). Bsp.: MMD2 ATEMZUG. Hans Muster, Musterweg 22, 8000 Musterdorf Internet: www.migmag.ch/quiz (kostenlos) Teilnahmeschluss: Sonntag, 25.10.2020, 24 Uhr Teilnahmebedingungen: auf der ersten Rätselseite

Kreuzworträtsel Lösung Nr. 42

2 1

So nehmen Sie teil:

Wo kommt der Begriff «Gefangenendilemma» vor? S Biologie

4 2

Lösung: Lösung:

In welchem Kanton gilt die «freie Heiltätigkeit»? T ZG

ALLERLE I GEROE T E T ANF L EHEN HETH I TER BORUSS I A I NTRANE T BOTSUANA NOBST KER D E Z I MA L E NG S H NI A P H SI K L A E I G G E AL NI G P I N RU EML SPUKERE I SENFGLAS E RADE UNG T E ENAGER U RMU T T E R URKANTON ZW I NG E ND

A U F S Z U W E H G R O E R Paroli

A R A B E Lösung Nr. 42R I N BEERE

T A K T F E S T

S E I E N D E N D L E R E C H E S Quiz

Z E N T U R Lösung Nr. 42 I E EHERING

Sudoku Gewinner Nr. 41

Paroli Gewinner Nr. 41

Quiz Gewinner Nr. 41

Richard Voigt, Rüschlikon ZH; Liliane Oberson-Corbaz, Lausanne

Marcel PerrinjaquetMundwiler, Muri b. Bern BE; Marco John, Ostermundigen BE

Franco Antoniazzi, Rütihof AG; Lilly Hofmann-Scherrer, Möhlin AG


78 | 19.10.2020 | MEINE WELT

1

Mein Lieblingsprodukt «Der Butterzopf ist für mich ein Synonym für Wochenende und Ausspannen. Der gehört einfach zum Wocheneinkauf dazu.»

«An Spitzentagen war ich neun Mal in der Migros» Allzeit bereit: Der Berner Jan Ebinger hat mit der «Amigos»-App der Migros schon weit über 200 Einkäufe getätigt und Freundschaften geschlossen. Als Polizist und Feuerwehrmann ist er es gewohnt, anderen zu helfen. Text: Manuela Enggist Bilder: Jorma Müller


MEINE WELT | 19.10.2020 | 79

1 Mein Rückhalt «Mein Vater Alois ist neben meinen beiden Söhnen eine der wichtigsten Personen in meinem Leben. Wir haben einen starken Zusammenhalt in der Familie und sehen uns sehr oft. Alle zwei Jahre gehen wir alle zusammen für eine Woche in den Wanderurlaub.»

2

Name Jan Ebinger (42) Wohnort Port BE Das läuft bei mir «Im März besuchte ich meine Partnerin in Brasilien, musste aber wegen des Lockdowns früher ­zurückreisen. Und weil ich noch Ferien hatte, dachte ich mir: Dann gehe ich halt für andere einkaufen. Ich habe mich dann auf amigos.ch registriert und mit der Amigos-App jeden Auftrag ­ange­nommen, den ich kriegen konnte. An Spitzen­tagen war ich neun Mal in der Migros. Mittlerweile habe ich 233 Einkäufe für andere erledigt. Damit habe ich 18 000 Franken generiert und inzwischen gar einen Stammkunden: Ein 85-jähriger Herr schreibt mir immer eine Nachricht, bevor er seine Bestellung in der App tätigt, sodass ich seinen Auftrag gleich annehmen kann – und niemand sonst. Bei der Übergabe ­haben wir es immer gut zusammen.» 4

2 Meine grosse Liebe «Brasilien ist ein fantastisches Land. Ich schätze die Leute und ihre relaxte Lebensweise, und ich kann mich sogar auf Portugiesisch ­verständigen. Meine Partnerin Kátia lebt derzeit noch dort. Sie wird aber bald zu mir in die Schweiz ziehen. Auf diesem Bild sieht man uns gemeinsam.»

3 5

3 Mein Ausgleich «Meine Arbeit als ­Polizist in der Kantonalen Notrufzen­trale ist mit vielen Nachtschichten verbunden. Deswegen gehe ich gerne vor oder nach der Arbeit noch an die Aare, um mir die Beine zu vertreten und ­den Kopf zu lüften. 4 Mein Liebling «Minusch ist seit fünf Jahren bei mir. Da meine Partnerin in Brasilien lebt, wohne ich alleine, was ab und zu einsam sein kann. Deswegen freut es mich, wenn ich nach der Arbeit nach Hause komme und mit einem Schnurren von ihr begrüsst werde.» 5 Meine Passion «Seit fünfzehn Jahren bin ich Mitglied bei der Freiwilligen ­Feuerwehr. Als ich nach Port gezogen bin, wollte ich schnell Anschluss finden. Mir ­gefällt die Freiwilligenarbeit, und ich finde es wichtig, der Gesellschaft ­etwas zurückzugeben.»  MM


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