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Migros-Magazin-42-2020-d-LU

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migros.ch/magazin | MM42, 12.10.2020

RASSISMUS

Soziologe Rohit Jain über den Frust, nie ganz d ­ azu­ zugehören Seite 12

Beliebtes krummes Ding:

Der Weg der Banane in die Filiale Seite 26

Grippeimpfung: Warum sie im Corona-Jahr besonders empfohlen wird Seite 10

Bild: Marianna Armata/Getty Images

Die Waschbären sind los Wie sich neue Tierarten in der Schweiz ausbreiten Seite 30

Stopp! So lernen Kinder, sich zu wehren

Seite 38


4 | 12.10.2020 | MEINE MIGROS

Mozarts Geige Pioniertat im Wallis Die Migros-Tochter Aproz füllt ihr Mineralwasser ab sofort nur noch in Flaschen ab, die zu 100 Prozent aus ­rezykliertem PET be­ stehen. So lassen sich im kommenden Jahr 2660 Tonnen Plastik ­ein­sparen. Schon bald wird auch die Folie, die mehrere Flaschen zusammenhält, aus ­Recycling-Kunstoff ­hergestellt.

Davon können Violinisten sonst nur träumen: Der österreichische ­Starmusiker Christoph Kocz durfte auf Mozarts Originalgeige die ­Violinkonzerte des genialen Komponisten spielen. So ist mit Unterstützung des Migros-­Kulturprozents ein ungewöhnliches Klassik-­ Doppelalbum entstanden. Auf exlibris.ch ist es für Fr. 22.90 er­hältlich: «Mozart’s Violin – The Complete Violin Concertos»

Achtung, fertig, los! Die Brüder Lino und Julian sind am Start für ein «Wägelirennen». Leserin Catrina Gross hat ihre beiden Buben in der Migros-Filiale Herti in ihrem Wohnort Zug fotografiert. Schicken auch Sie Ihr M ­ igros-­Bild. W ­ ird das Foto ab­gedruckt­, gewinnen Sie einen Einkaufs­gutschein im Wert von 50 Franken. Teilnahme: www.migmag.ch/­blickfang


MEINE MIGROS | 12.10.2020 | 5

Neues Gütesiegel Die Migros verwendete für Schokoladen der Marke Frey bisher immer Kakao mit dem Gütesiegel der Nachhaltigkeits­ organisation UTZ. Auch fast alle kakaohaltigen Produkte wie Glaces, Biskuits und Back­artikel sowie Kaffee und Tee tragen dieses Gütesiegel. UTZ hat sich bereits vor zwei Jahren mit einer weiteren ­Label-Organisation für nachhaltige Rohstoffe zusammengeschlossen, der «Rainforest Alliance». Sie setzt sich noch stärker für eine klimafreundliche Landwirtschaft und für faire Einkommen von Bäuerinnen und Bauern ein. Auf den Verpackungen der zertifizierten MigrosProdukte wird darum künftig auf die «­ Rainforest Alliance» hingewiesen.

3 052 024 Die Migros hat schon über drei Millionen Veggie Bags verkauft. In die Säcklein, die 2017 eingeführt wurden, können Kundinnen und Kunden Gemüse und Früchte aus dem Offenverkauf abfüllen. Die praktischen Beutel sind wiederverwendbar und lassen sich waschen.

Orange Gemeinschaft

Bilder: Andreas Hechenberger, Roger Hofstetter, zVg, Anna Tina Eberhard; Illustration: Migipedia

Auf migipedia.ch trifft sich die MigrosCommunity: Kundinnen und Kunden ­fragen sich gegenseitig um Rat, bewerten Produkte oder bringen Ideen ein, wie sich das Sortiment erweitern liesse. Ein Ort, an dem man vom Wissen der ­Migros- Kundschaft profitieren kann.

An dieser Stelle zeigen wir wöchentlich mit einem Beispiel, wie die Migros das Leben der Menschen in der Schweiz einfacher macht.

Einfach erzählen Sie reden über ihre Kindheit, die Heimat oder

ein Lieblingsbuch – in den Erzählcafés berichten Menschen von persönlichen Erlebnissen. Die moderierten Gespräche finden nach einer Corona-Pause wieder in der ganzen Schweiz statt. Sie stehen allen offen, die sich austauschen möchten. Ermöglicht werden die Veranstaltungen vom Migros-Kulturprozent und der Fachhochschule Nordwestschweiz. Infos auf netzwerk-erzaehlcafe.ch

ACH EINFU G TN LEBE


6 | 12.10.2020 | AUGENBLICK

08:17 Uhr

Bild: Robin Berek

Migros-Moment in Bischofszell TG Bei der Migros-Tochter Bischofszell Nahrungsmittel AG portioniert eine Formmaschine Spinat, der erst sechs Stunden zuvor im Zürcher Weinland geerntet wurde. Aus dem frischen Grünzeug entsteht Tiefkühlgemüse. Das Bild stammt vom 30. September.


AUGENBLICK | 12.10.2020 | 7


Tschüss, Allylphenoxyacetat. Über 5000 Bio-Produkte.


INHALT | 12.10.2020 | 9

40

INHALT 10  Gefährliche Grippe Wann ist eine Impfung sinnvoll?

Wärmt das Gemüt und den Magen: ­Unser Metzgete-­Ragout ist Soulfood vom Feinsten.

12  «Wir» und «die anderen» Soziologe Rohit Jain über Rassismus, Vorbilder und Zugehörigkeit

der Bevölkerung oder 3 028 000 Menschen in der Schweiz lesen das Migros-Magazin. Das geht aus den neuesten offi­ziellen Leserzahlen der Wemf hervor. Die deutschsprachige Aus­gabe erreicht 2 245 000 Personen, die franzö­sische 656 000 und die italienische 127 000. In ­allen drei Landesteilen der Schweiz kommen die Printtitel der Migros damit trotz stark rückläufigem Markt weiterhin auf ­Spitzenwerte. Wir danken ­allen Leserinnen und ­Lesern für Ihre Treue.

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19  1, 2 oder 3? 20  Kinos in der Coronakrise 26  (K)ein krummes Ding So kommt die Banane in die Filiale 30  Wo kommen die denn her? In der Schweiz leben Waschbären, Ginsterkatzen und Goldschakale 37  Stadt, Land, Stutz 38  Stopp heisst Stopp So lernen Kinder, sich zu wehren 40  Metzgete daheim geniessen 44 Wissensbissen 48  Saubere Transporte Drei Wasserstoff-Lkws für die Migros 52  Erzählstunde für Erwachsene Julia Knapp zieht als Vorleserin ihr Publikum in den Bann 57  Der andere Blick 58  Stütze für den ganzen Körper Sieben Übungen für starke Füsse

20

63  Migros Bank 64  Ihre Region Aktionen, Reportagen, News

71 Kinderfrage: Meeresrauschen 74  Rätsel und Spiele 78  Meine Welt Filmemacherin Silvia Häselbarth

Schwere Zeiten: Markus Balmer führt seit 50 Jahren ein Kino in Spiez – eine Krise wie die aktuelle hat er noch nie erlebt.

Bilder: Matthieu Spohn, Migusto

LESERZAHLEN

Impressum MIGROS-MAGAZIN vormals: Wir Brückenbauer, Wochenblatt des sozialen Kapitals, Organ des­Migros-Genossenschafts-Bundes, Migrosmagazin.ch Adresse Limmatstrasse 152, Postfach 1766, 8031 Zürich Telefon: 0800 84 0848 Kontakt: www.migmag.ch/kontakt

Herausgeber Migros-GenossenschaftsBund

Abonnemente: www.migmag.ch/abo Tel.: 058 577 13 00

Chefredaktion Franz Ermel (Ltg.), Steve ­G aspoz, Rüdi Steiner

Bitte halten Sie Ihre 10-stellige Kundennummer bereit. Sie ­finden sie auf der Titelseite bei Ihrer Adresse.

Auflage/Leserschaft: Beglaubigte Auflage: 1 556 071 Ex. (WEMF 2020) Leserschaft: 2 245 000 (WEMF, MACH Basic 2020-2)

Ausführliches Impressum unter www.migmag.ch/impressum


10 | 12.10.2020 | GRIPPEIMPFUNG

GRIPPEIMPFUNG

Warum darf man eine Grippe nicht unterschätzen? Sie überfällt den Patienten buchstäblich: Der Tag fängt womöglich noch gut an. Doch bald hat man Schweissausbrüche, und der Kopf beginnt zu glühen. Am Abend zeigt das Fieberthermometer 38, 39 oder gar 40 Grad an. Die Glieder schmerzen, und man fühlt sich, als habe man Prügel bezogen. Die Symptome sind viel schwerer als bei einer Erkältung. Mindestens ein bis zwei Wochen bleiben ­Betroffene ans Bett gefesselt.

Was macht eine Grippe gefährlich? Die Grippe kann e­ inen schweren Verlauf nehmen. Dann drohen ernsthafte und manchmal sogar ­lebensgefähr­liche Kom­plikationen. Das Bundesamt für Gesundheit erwähnt auf seiner Website «Nebenhöhlen- und Mittelohrent­zündungen, eine Lungen- oder Herzmuskelentzündung oder neurologische Komplikationen».

Wer ist besonders gefährdet? Zu den Risikogruppen gehören ältere Menschen ab 65 Jahren sowie Per­sonen mit Krankheiten wie Asthma, COPD, Herz-Kreislauf­Erkrankungen oder Krebs.

So wichtig wie noch nie Die Corona-Pandemie ist noch nicht vorbei. Darum ist es diesen Herbst entschei­dend, dass sich viele Menschen vor der saisonalen Grippe schützen. Was man zur Impfung wissen muss.

Wann und wo kann man sich gegen Grippe impfen lassen? Ab sofort in Arztpraxen und einzelnen Apotheken. Das Bundesamt für Gesundheit ver­sichert auf Anfrage, dass die Schweiz über genügend Impf­dosen verfügt.

Text: Michael West

Warum ist die Impfung diesmal besonders wichtig? Es geht in diesem Herbst und Winter auch darum, eine besondere Bedrohung abzuwenden – nämlich eine gleichzeitige Grippe- und Covid-19-Infektion. «Das wäre auf jeden Fall eine äusserst gefährliche Situation», erklärt Andree Hillebrecht, Facharzt für Innere Medizin und Arbeitsmedizin bei Medbase. «Man wäre dann gleichzeitig von zwei Krankheiten betroffen, die beide einen schweren Verlauf nehmen und sogar zum Tod führen können.»


GRIPPEIMPFUNG | 12.10.2020 | 11

Gibt es eine Alternative zur Impfung? Das Immunsystem lässt sich auch mit einer ausgewogenen und vitaminreichen Ernährung stärken. Wer regelmässig im Freien Sport treibt, unterstützt ebenfalls seine Abwehrkräfte. Doch für Angehörige von Risikogruppen ist die Impfung dennoch d ­ ringend zu empfehlen. «Das Gleiche gilt für ­Berufsleute, die ­direkten Kontakt mit vielen Menschen haben – also zum Beispiel V ­ erkäuferinnen und ­Verkäufer», sagt Hillebrecht.

Was lässt sich sonst noch gegen die Ausbreitung der Grippe tun?

Bild: iStockphoto

Was spricht noch für die Vorsorge gegen Grippe? Aus Sicht von Corina Wirth, Geschäftsführerin des Fachverbandes Public Health Schweiz, geht es auch darum, eine Krise des Gesundheits­systems abzuwenden. «Eine starke ­Grippewelle in Kombination mit ­einer zweiten Coronawelle wäre eine schwere Belastung für die Spitäler – und für die Pflegerinnen und Ärztinnen, die dort arbeiten», sagt sie. «Wer sich i­ mpfen lässt, leistet einen Beitrag dazu, dass unser Gesundheits­system nicht an seine Grenzen kommt.»

Auch das Tragen von Mas­ ken, häufiges und gründ­ liches Händewaschen, Desinfek­tionsmittel sowie soziale Distanz bremsen die Verbreitung von In­fluenza. Wer sich gewissenhaft an die Coronaregeln des Bun­ desamts für Gesundheit hält, tut gleichzeitig etwas gegen die Grippe.

Welche Neben­ wirkungen hat die Impfung? Es können an der Einstichstelle Schmerzen und eine Schwellung entstehen. Es ist möglich, dass man sich schlapp und leicht krank fühlt. Ausserdem können allergische Reaktionen auftreten. Wer an A ­ llergien und Vorerkrankungen leidet, sollte vor der Impfung seinen ­Hausarzt oder seine Haus­ärztin um Rat fragen.

AUSKUNFTSPERSONEN Andree Hillebrecht, Leiter Arbeitsmedizin bei der Migros-Tochter Medbase Corina Wirt, Geschäftsführerin von Public Health Schweiz In diesem Fachverband sind rund 800 Expertinnen und Experten aus Gesundheitsberufen und der Gesundheits­politik zusammen­ geschlossen.


12 | 12.10.2020 | RASSISMUS

«Man kann machen, was man will, man gehört nie ganz dazu»

Der Berner Soziologe Rohit Jain erlebt fast jede Woche Rassismus – und forscht seit Jahren zum Thema. Ein Gespräch über systemische Benach­teiligung, ­hartnäckiges Verdrängen, problematische ­«Mohrenköpfe» und zarte Fortschritte. Text: Ralf Kaminski Bilder: Ephraim Bieri

R

ohit Jain, offenbar emp­ finden viele Menschen schon die Frage nach ihrer ursprünglichen Herkunft als rassistisch – Sie auch? Wenn die Frage ganz zu Beginn kommt, ist sie schon irritierend. Denn die meisten Leute in der Schweiz ­werden das nicht gefragt. Das hängt damit zusammen, dass es immer noch eine Norm gibt, wie «die Schweizerin» oder «der Schweizer» zu sein hat: weiss zum Beispiel. Diese Vorstellung jedoch entspricht nicht mehr der Realität. 40 Prozent aller Menschen in der Schweiz haben einen Migrationshin­ tergrund, 10 Prozent kommen aus aus­ sereuropäischen L ­ ändern. Letztlich steht hinter der Frage etwas anderes. Nämlich was? Eine Einschätzung, wer zu «uns» ge­ hört und wer «die anderen» sind. Die Vorstellungen darüber sind historisch gewachsen und durch rassistische ­Annahmen geprägt. Die Frage hinterlässt also den Ein­ druck, nicht ganz dazuzugehören.

Richtig. Dabei bin ich durchaus stolz auf meine indische Herkunft und mein Leben zwischen der Schweiz, Indien und anderen Orten der Welt. Aber die Herkunftsfrage ist doch ziemlich intim; ich muss Details aus meiner Biografie und Familienge­ schichte preisgeben. Und ich möchte selbst entscheiden können, wann und mit wem ich diese Geschichte teile. Aber ich habe als Forscher viel Hinter­ grundwissen. Ich habe schon einiges erlebt und eine harte Haut – und gebe auch mal zurück wenn nötig. Zum Beispiel? Dort, wo ich arbeite, gibt es eine Schleuse. Kürzlich kam mir ein Mit­ arbeiter hinterher und fragte, was ich hier mache. Es war offensichtlich, dass er mich wegen meiner Hautfarbe «kontrollierte». Da war ich erst mal kurz fassungslos, fragte dann aber ­zurück, wer denn eigentlich er sei und ob ich seinen Ausweis sehen k ­ önne. Er war schon sehr verdattert, aber wies sich dann tatsächlich aus. So zu rea­ gieren, braucht allerdings E ­ rfahrung, ­Abgebrühtheit und Selbst­bewusstsein.


RASSISMUS | 12.10.2020 | 13

Rohit Jain im Wohnzimmer seiner Wohnung in Bern

Das zu entwickeln, hat sicherlich Zeit gebraucht. Mit 20 hatte ich es noch nicht. Und so geht es auch heute vielen Jungen mit Migrationshintergrund. In ­solchen Momenten entsteht immer die schmerzhafte Erkenntnis: Man kann machen, was man will, man ­gehört nie ganz dazu. Dabei wäre eine Mehrfachzugehörigkeit eine Stärke, wenn die Gesellschaft dies ­anerkennen würde. Wurden Sie auch schon Opfer von Racial Profiling? Das kam schon vor, aber so richtig passe ich nicht ins Schema. Hingegen werden alle schwarzen Jugendlichen, die ich kenne, mindestens einmal pro Woche von der Polizei kontrolliert. Letztlich führt all das zu einer Form der Selbstzensur. Man fühlt sich ­angehalten, nach aussen ein «gutes Bild» abzugeben. Sonst heisst es ­wieder: Aha, typisch Ausländer! Weshalb hält sich Rassismus so hartnäckig und so global? Grenzziehungen zwischen «wir» und «den anderen» hat es schon immer gegeben. Aber die Einteilung von Menschen nach Wert aufgrund von Hautfarben entstand erst im Wirt­ schaftssystem des Kolonialismus und wurde im 19. Jahrhundert pseudo­ wissenschaftlich unterfüttert. Diese Kriterien wirkten sich dann bei der Nationalstaatenbildung auf die Frage aus, wer dazugehört und wer nicht, wer primitiv sei und wer zivilisiert. Solche rassistischen Annahmen ­wurden unter anderem in Schul- und Kinderbüchern ­popularisiert, sie ­stecken in den Ausländergesetz­ gebungen und haben das Migrationsund Asylsystem geprägt. Wir wurden alle in eine solche rassistische Kultur ­sozialisiert. Das sitzt tief. Aber man kann das als Gesellschaft auch ändern, wenn man will. Was verstehen Sie unter Rassismus? Rassismus bezeichnet nicht Menschen mit rechtsextremer Einstellung, son­ dern Strukturen mitten in der Gesell­ schaft. Dabei handelt es sich um ein System von Vorstellungen, Institu­ tionen und Verhaltensmustern, das


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RASSISMUS | 12.10.2020 | 15

Migrations- und Rassismusforscher Menschen aufgrund ihrer Herkunft oder Hautfarbe höhere oder t­ iefere Positionen in der Gesellschaft zuord­ net. Dies beeinflusst, wer welche Rechte, welche Privilegien und ­welche Anerkennung kriegt. Die ­erwähnten Beispiele von Alltags­ rassismus sind nur die Oberfläche dieser komplexen Maschine und ­passieren oft unbewusst. Wie funktioniert diese Maschine? Zentral ist Bildung. Studien zeigen, dass in der Schweiz die Wahrschein­ lichkeit, aus einem tiefer qualifizierten Milieu aufzusteigen, zweieinhalbmal kleiner ist, wenn mindestens ein ­Elternteil im Ausland geboren wurde. Weshalb? Weil man diesen Kindern in Schulen zum Beispiel sagt: «Schau, du bist ein gescheites Mädchen, aber das Gymna­ sium ist wohl zu anspruchsvoll für dich, weil dir deine Eltern ja nicht helfen können. Mach doch lieber eine Lehre, dabei wirst du glücklicher.»

«In der Schweiz will man den strukturellen Rassismus oft nicht wahrhaben.» Oder dann werden in Prüfungen ­Fragen gestellt, die ein bestimmtes kulturelles Vorwissen voraussetzen – zum Beispiel die Kenntnis von Grimm-Märchen. Dieses kulturelle Kapital bekommt man vor allem in weissen, bürgerlichen Familien mit. Solche Mechanismen führen dazu, dass Kinder aus migrantischen ­Familien tendenziell in niedriger qualifizierten Jobs landen. Das ist im Alltag auch deutlich sichtbar, wenn man etwa schaut, wer in Beizen ­serviert und in Spitälern pflegt. ­Würden alle Migrantinnen und Migranten zwei Tage streiken, wäre die Schweiz ­weitgehend ­lahmgelegt.

Gibt es noch andere Beispiele? Die Wahrscheinlichkeit, eine Lehre zu bekommen, ist zwei- bis zweiein­ halbmal geringer, wenn man einen muslimisch oder aussereuropäisch klingenden Namen oder eine dunkle Hautfarbe hat. Man muss sich mal vorstellen, was das für die Lebensperspektive junger Menschen be­ deutet: Sie sind hier geboren, fühlen sich zugehörig, werden aber offen­ sichtlich benachteiligt. Ganz wichtig ist aber noch etwas anderes.

Der Sozialanthropologe Rohit Jain (42) forscht unter anderem am Institut für Sozialanthropologie und Empirische Kulturwissenschaft der Universität Zürich. Daneben organisiert er rassismus­kritische Humorfestivals oder Late-Night-Shows. Jain ist in Bern geboren und aufgewachsen, als Sohn indischer Eltern, die Ende der 1960er-Jahre in die Schweiz kamen. Er hat zwei Kinder und lebt in Bern.

Nämlich was? Dass man all dies in der Schweiz nicht wahrhaben will und es nicht beim ­Namen nennt: Es geht um Ungleich­ heit aufgrund von strukturellem Ras­ sismus. Wenn man dies anzusprechen versucht, hört man oft: Ach komm schon, jetzt tu nicht so heikel, das war bestimmt nicht so gemeint. Und überhaupt: Wer sich bemüht, der schafft es auch. Der Schwiegersohn meines Arbeitskollegen hat es schliesslich auch geschafft. Der Rassismus wird also verdrängt? Die Standardreaktion ist ein konse­ quentes Runterspielen. Betroffene stellen sich daher immer die Frage: Passiert das jetzt aus Rassismus, oder spinne ich? Ist es Zufall, dass ich 200 Bewerbungen geschrieben habe und meine «Bioschweizer» Kollegen nur 20? Setzt sich dieser Herr jetzt nicht neben mich im Zug, weil ich eine dunkle Hautfarbe habe? Ausserdem gibt es viel zu wenig Statistiken dazu. Ohne gute Daten kann man Ungleich­ heit nicht erklären und angehen. Doch die Schweiz wollte sich bis jetzt auf das Thema nie richtig einlassen. Woran liegt das? Ich denke, das hat mit ­einem ver­ zerrten Selbstbild der Schweiz zu tun: Wir sind ein Kleinstaat, sind aus ­eigener Kraft reich ­geworden, weil wir fleissig, brav und rechtschaffen sind. Bei uns ist das Rote Kreuz behei­ matet, wir machen Friedensdienste. All ­diese Mythen, die sich nur deshalb halten können, weil vieles ausgeblen­ det wird: Kriegsmaterialexporte, NaziGold, die ­koloniale Vergangenheit und Migra­tion tragen eben auch zum Wohlstand bei. Dieses Selbstbild ­aufzugeben, wäre schmerzhaft. War es gut, dass die Migros diesen Sommer die «Mohrenköpfe» eines bestimmten Herstellers aus dem Sortiment entfernt hat?

Ja klar. Und es hat mich ehrlich ­erstaunt, wie gross die Empörung ­da­rüber war. Spannend ist, wie viele ­dabei argumentierten: «Ja, ­haben wir denn wirklich keine ­wichtigeren ­Probleme? Das ist doch nur ein Wort.» Genau! Und wenn es nur ein Wort ist, dann wäre es doch easy, es einfach zu ändern. Es gibt ja mit «Schokokuss» eine ­etablierte A ­ lternative. Ganz ­offensichtlich geht es um viel mehr als ein Wort. Nämlich um die Fragen, wer zur Schweiz gehört, wer das ­definiert. Der besagte Hersteller will den ­Namen nicht ändern. Richtig, dabei wurde er schon oft ­gebeten, dies zu tun. Das heisst, es stört Herrn Dubler nicht, damit ­Menschen bewusst zu verletzen. Und ganz viele in der Schweiz finden das offenbar okay. Die Frage ist, ob sie sich da nicht im medialen Kampf gegen die ­politische Korrektheit


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Passau

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19.10. - 23.11.20 24.11. - 28.11.20 05.01. - 24.03.21, 01.10. - 23.11.21 25.03. - 31.05.21, 24.11. - 30.11.21* 01.06. - 08.07.21, 15.09. - 30.09.21 09.07. - 14.09.21

Anreise Nächte

2 179 179 199 199 209 219

täglich 3 5 269 349 269 439 289 379 289 479 299 499 329 539

7 528 609 569 669 689 749

Preisaktion: Sparen Sie ab 5 Nächten Aufenthalt! Zuschläge: Einzelzimmer Haupthaus: CHF 35/Nacht, Doppelzimmer Naturhaus: CHF 15 p. P./Nacht Ermäßigungen: 1 – 2 Kinder auf Anfrage buchbar. Kurtaxe: ca. CHF 1,50 pro Person/Tag Hunde (max.1): ca. CHF 8/Nacht (auf Anfrage; nicht im Restaurant und Naturhaus)

Bitte beachten Sie, dass es aufgrund der aktuellen Corona-Situation zu Einschränkungen der Inklusivleistungen kommen kann. Details vor der Buchung auf www.reisenaktuell.ch. Die angegebene Hotelkategorie entspricht einer Einschätzung der Reisen Aktuell GmbH. Nutzung der Hotel-/Zimmereinrichtungen ggf. gegen Gebühr (ausgenommen Inklusivleistungen). Für Personen mit eingeschränkter Mobilität sind diese Reisen im Allgemeinen nicht geeignet. Änderungen von Leistungen durch Dritte, Verfügbarkeit, Irrtümer und Satzfehler vorbehalten. Mit Erhalt der Reisebestätigung und des Sicherungsscheines wird eine Anzahlung in Höhe von 20 % des Reisepreises fällig. Die Restzahlung ist 30 Tage vor Abreise zu tätigen. *Aus der ganzen Schweiz nur für CHF 0,08/Min. aus dem Festnetz der Swisscom, abweichende Mobilnetztarife laut Betreiber möglich.

Eigene Anreise TERMINE & PREISE in CHF / Person im DZ Saison

Anreise Nächte

*letzte Abreise

27.11. - 23.12.20, 08.01. - 10.02.21, 26.11. - 27.12.21* 11.02. - 04.07.21 19.10. - 26.11.20, 05.07. - 25.11.21

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Zuschläge: Einzelzimmer: CHF 20/Nacht, Doppelzimmer Premium: CHF 15 pro Person/Nacht Ermäßigungen: 1 Kind 0 – 2,9 Jahre FREI im Bett der Eltern, 3 – 11,9 Jahre 50 % im DZ bzw. DZ Premium mit Zustellbett/Schlafcouch bei zwei Vollzahlern. Kurtaxe: ca. 2,10 € p. Person/Nacht

Beratung & Buchung

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Mo. – Fr. 8 – 19 Uhr sowie Sa., So. und Feiertage 10 – 19 Uhr

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Veranstalter: Reisen Aktuell GmbH, In den Weniken 1, D - 56070 Koblenz


RASSISMUS | 12.10.2020 | 17

instru­menta­lisieren lassen. Dabei versuchen ­Minderheiten doch e­ infach, mehr Mitsprache zu erhalten. Entscheidet man sich bewusst, ­einen solchen Namen zu verteidigen, ist das auch eine politische Botschaft. Hat ein dunkelhäutiger Teenager es heute leichter als Sie damals? Schwer zu sagen. Der Druck in der Arbeitswelt ist heute eher höher, und ich bin nicht mit pausenlosen SVP-Kampagnen auf­ge­ wachsen, die einem ständig signalisieren, nicht dazuzugehören. Auf der anderen Seite gibt es heute in den Quartieren und auf den Schulhausplätzen eine Art postmigrantische Kultur und Gemeinschaft – das gab es früher weniger. Und daraus entsteht nun auch ­Gegenwehr. Die Schweizer Demonstra­tio­ nen zu «Black Lives Matter» haben mich schwer ­beeindruckt. Da engagierten sich 20-Jährige mit erstaunlicher Selbstverständlichkeit. Generell gab es einen Ruck durch die Gesellschaft – ich laufe heute ­anders durch Bern als vorher.

«Wir brauchen mehr nicht-weisse Menschen in wichtigen Positionen.» Tatsächlich? Dann könnte sich diesmal wirklich etwas bewegen? Ich hoffe es. Die Frage ist, wie diese For­­de­ rungen nun von der Strasse in die Insti­tu­ tionen getragen werden können, damit sich die politische Kultur tatsächlich ver­ändert. In den Parlamenten, den Redaktionen, den Lehrerzimmern oder Fakultäten sollten mehr nicht-weisse Menschen mit Migrations­­hintergrund sitzen. Das hätte eine ­Riesenvorbildfunktion.

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Erneut also die Frage: Wer gehört dazu? Genau. Wem das Gefühl gegeben wird, nicht dazuzugehören, der ist weniger motiviert, sich für das Land zu engagieren. So gesehen nutzt die Schweiz ihr Potenzial nicht. Wir sollten uns dieser Auseinandersetzung ­stellen, um die Innovationskraft des Landes zu erneuern. Konkret würde das heissen, die Schweiz als Einwanderungsland mit kolonialer Geschichte anzuerkennen und die Karten der Teilhabe neu zu mischen. Das wäre eine Riesenchance, macht aber vielen Angst. Ich kann die Angst nachvollziehen, aber gehört das nicht zu Veränderung? Immerhin scheint es auch in der Schweiz nun Bewegung zu geben. Ich bin optimistisch, es tut sich was. Entscheidend jedoch ist, erst mal durch diese Teflonschicht zu dringen, damit überhaupt allen klar wird, dass Rassismus ein gesellschaftliches Problem ist. MM Laufendes Projekt: schwarzenbach-komplex.ch


18 | 12.10.2020 | MEINE MIGROS

Butterzart

Bild und Styling: Veronika Studer

Bei den Biscuits der Marke Tradition ist der Name Programm. Jetzt wurden die Rezepturen überarbeitet: Alle Tradition Biscuits kommen neu komplett ohne ­Palmöl aus. Stattdessen sorgt Schweizer Butter für ein feines Aroma – wie selbstgemacht. Neu hinzugekommen sind soeben zwei raffinierte MacaronsKreationen mit Schokolade oder Haselnuss: ein leckeres Zusammenspiel von knusprigem Sablé-Biscuit und cremiger Füllung. Alle TraditionsBiscuits sind frei von Konservierungsund Farbstoffen sowie künstlichen Aromen. Sie werden in Meilen am Zürichsee hergestellt.

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KOLUMNE | 12.10.2020 | 19

Unterwasserwelten

1, 2 ODER 3 ? Der Kleine (5) und der Grosse (10) sind fasziniert von der Welt unter Wasser. Besuchen wir den Zoo, kleben sie stundenlang an den Scheiben der Aquarien. Gehen wir in einem See baden, montieren sie Taucherbrillen und starren Fische an. Während des Lockdowns hatten wir die DVD «Der grosse Pazifik» aus der Bibliothek aus­ geliehen. Statt einer konnten wir uns den Dok-Film zwölf Wochen lang rein­ ziehen. Jeden Abend haben wir gestaunt über Kreaturen mit hundert Mündern, den riesigen Hunger des Blauwals, die gemeinsame Jagd von Weissen Haien. Aktuell begleiten wir auf DVD einen Enkel des legendären Meeresforschers Jacques Cousteau in einer neuen Doku­ mentation auf der Suche nach dem Sechs­ kiemerhai. Der Kleine möchte nun auch «Meer-­Detektiv» werden. Zusammen mit dem Grossen hat er eine Salzkrebs­ chenzucht in unserer Stube gestartet. Leider scheinen sich die Larven nicht zu entwickeln. – Und jetzt? MM 1 Bei so viel Interesse ist es höchste Zeit

für ein richtiges Aquarium.

Illustration: Lisa Rock

2 Ich kaufe vorsichtshalber ein zweites

Anzucht-Set. Ich hoffe, aus einer der zuckenden 3 ­Larven wird doch noch ein Krebschen.

Monica Müller (45) hat zwei ­Buben,­ ­einen Mann, einen Job, ­einen Haushalt. Mal wäre sie gern mehr Leitwölfin, mal mehr Gandhi.

Antwort 3: Gerade sieht es nicht gut aus mit unseren ersten Haustieren. Aber die auch als Urzeitkrebse bekannten Tierchen gelten als Überlebenskünstler … Ich hoffe, dass sie ihrem Ruf gerecht werden. Anzeige

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20 | 12.10.2020 | KINOBRANCHE

Nicht mal mehr auf ist Verlass

Corona hat die Schweizer Kinobranche schwer getroffen. Auch die letzte grosse Hoffnung, der neue Bond-Film, kommt dieses Jahr nicht mehr. Wie sich die Kinobetreiber dennoch über Wasser halten. Text: Ralf Kaminski Bilder: Matthieu Spohn, Roger Hofstetter

N

ormalerweise rettet James Bond die Welt – 2020 hätte er das auch mit der europäischen Kinobranche tun sollen. Wäre der neuste Streifen «No Time to Die» wie geplant am 12. November gestartet, wäre die Bilanz Ende Jahr nicht mehr ganz so furchtbar gewesen. Doch die ­Kinobetreiber hofften ver­gebens: Anfang Oktober wurde der Agententhriller ein weiteres Mal verschoben, auf April 2021.

Für fast drei Monate mussten die Schweizer Kinos im Frühling ihre Türen schliessen. Schlimmer jedoch trifft die Branche, dass die ­grossen Hollywood-­ Blockbuster immer weiter nach hinten geschoben werden. «Wonder Woman 1984», «Black Widow», «Top Gun: Maverick», «Mulan» – sie alle hätten im Sommer ins Kino kommen sollen und taten es nicht. «Wonder Woman 1984» ist nun für den 23. Dezember g­ eplant, aber wer


KINOBRANCHE | 12.10.2020 | 21

«Solange die USA ihre Kinos nicht auf breiter Front öffnen, kommen auch die umsatzstarken Filme nicht.»

Diese Blockbuster ­waren eigentlich ­für ­Frühling oder Sommer 2020 geplant. Die meisten kommen nun erst 2021 ins Kino.

weiss. «Solange die USA ihre ­Kinos nicht auf breiter Front ­öffnen, kommen auch die ­umsatzstarken Filme nicht», so ­Philippe Täschler (57), Geschäftsleiter von blue Cinema (ehemals Kitag), der 80 Säle mit über 14 000 Sitzplätzen in sechs Kantonen betreibt. «Sie brauchen den US-Markt, um genügend Geld einzuspielen.» Bei Bond sei dies anders, der brauche die USA nicht un­ bedingt, dafür Grossbritannien. Aber auch dort sind viele Kinos wegen Corona geschlossen. Doch blue Cinema mit seinen 300 Mitarbeitenden werde diese schwierige Zeit überstehen. «In der Hoffnung, dass es nächstes Jahr bald besser wird.»

Bilder: Keystone/Everett Collection/MGM, PD (5)

Einige wird es hart treffen

Der landesweite Kino-Umsatz ist in den Sommermonaten gegenüber 2019 um 60 bis 70 Prozent eingebrochen, schätzt Edna Epelbaum (48), die Präsidentin des Schweizerischen Kinoverbands. Und noch immer seien nur etwa 70 Prozent aller Säle offen. «Es leiden alle etwa gleich stark», sagt Epelbaum. «Vielleicht laufen die Stadtkinos ­etwas besser als die in der Peripherie, die eher auf jüngeres ­Publikum und Blockbuster ­angewiesen sind.» Die cine­ phileren Gäste seien jedenfalls als Erste zurückgekehrt. Immerhin: Kinoschliessungen nur wegen Corona hat es laut Epelbaum in der Schweiz bisher nicht gegeben. «Aber ­einige wird es hart treffen.» Epelbaum betreibt von Biel aus 28 Säle, verteilt über fünf Städte

und drei Kantone. «Wir existieren seit 125 Jahren, und dies ist nicht die erste Krise, die wir durchstehen müssen.» Die ­Kurzarbeit habe sehr geholfen dabei. «Falls die irgendwann weg­ fällt, wird es früher oder später Kündigungen geben», sagt Epelbaum. Sollte sich die Lage 2021 jedoch wieder normali­sieren, käme die Branche wohl mit ­einem blauen Auge davon. «Ohne unsere Mieter und die Nebengeschäfte wäre es schwierig», sagt Markus Balmer (74),

Philippe Täschler

im Abaton in Zürich. Er leitet blue Cinema (ehemalige Kitag) seit 1992.


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KINOBRANCHE | 12.10.2020 | 23

Doch ohne die US-Blockbuster bleibe es schwierig. «80 Prozent unserer Einnahmen werden durch sie generiert. Aber im ­Moment sind wir froh, wenn wir nur schon 50 Leute im Saal ­haben – unter normalen Umständen wären wir enttäuscht, wenn es weniger als 100 sind.» Fast alle Kinobetreiber ver­ suchen mit speziellen Events zusätzliches Publikum anzulocken. In Solothurn werden Aufzeichnungen von Opern und Balletts gezeigt, Epelbaum lädt regelmässig Regisseure ein für Diskussionsrunden und ermöglicht Menschen mit wenig Geld ­Kinobesuche durch von Firmen gesponserte Solidaritätstickets. In Spiez gibt es Jass- und Lismet-­ Nachmittage im Restaurant ­neben dem Kino. Blue Cinema überträgt Spiele der Champions League und zeigt alte Bond-­Filme, um Vorfreude auf den nächsten Streifen zu generieren. All das hilft – ein bisschen zumindest.

«Wir existieren seit 125 Jahren, und dies ist nicht die erste Krise, die wir durchstehen müssen.»

Edna Epelbaum,

hier im Rex 1 in Biel, führt in dritter Genera­­tion die Cinevital AG (Biel), die Cine­pel SA (Neuchâtel, La Chaux-de-Fonds), die Cinemont SA (De­lé­mont) und die Quinnie Ltd. (Bern).

«Viele haben genug vom Rumsitzen zu Hause – sie wollen zurück unter Leute und in den Ausgang.»

der mit seiner Familie ein Kino mit zwei Sälen in Spiez BE betreibt, in der gleichen Immobilie jedoch auch noch ein Hotel und ein Restaurant führt sowie einige Räume an Läden vermietet. Balmer hat das Kino vor 50 Jahren übernommen und schon einiges erlebt. «Aber so ­etwas wirklich noch nie.» Im Grunde halte er die Säle nur offen, um nicht in Vergessenheit zu geraten. «Rein aufgrund der Zahl der Gäste lohnt es sich fast nicht.» Der Rest des Mini-Centers ­komme aber langsam wieder in die Gänge. «Es hilft natürlich, dass wir in der Nähe des Bahnhofs und der Migros liegen.» Opern und Jassnachmittage

Die Corona-Zeit sogar recht gut überstanden hat Familie von Gunten, die in Solothurn zwei Kinos betreibt. «Wir sind als ­Familienbetrieb schlank auf­ gestellt und wurden vom Kulturfonds teilweise entschädigt», sagt Romana von Gunten (38). «Ausserdem haben wir gewisse Reserven und konnten die Zeit der Schliessung nutzen, um die Leinwände in den Sälen zu ­vergrössern.»

Recht gut liefen diesen Sommer Familien- und Kinderfilme. «Das tun sie eigentlich immer», sagt Philippe Täschler, «und dies hat sich auch durch Corona nicht geändert, einfach auf entsprechend tieferem Niveau.» Diesen Herbst und Winter will der Film­ verleih Outside the Box mit ­einer kleinen Kinderfilmoffen­ sive in den Kinos versuchen, ­diesen Trend zu nutzen (siehe Fussnote auf Seite 25). Ebenfalls

Familie von Gunten im Palace

in Solothurn. Die drei Geschwister führen die Cinesol AG in zweiter Generation, gemeinsam mit ihren Eltern.


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KINOBRANCHE | 12.10.2020 | 25

Verschobene Kinohighlights «Death on the Nile» 17. 12. (statt 15. 10.) «Wonder Woman 1984» 23. 12. (statt 4. 6.) «Ghostbusters Legacy» 4. 3. 2021 (statt 20. 8. 2020) «Bond –No Time to Die» 1. 4. 2021 (statt 2. 4. 2020) «Fast and Furious 9» 1. 4. 2021 (statt 21. 5. 2020) «A Quiet Place II» 22. 4. 2021 (statt 19. 3. 2020) «Black Widow» 6. 5. 2021 (statt 30. 4. 2020) «Godzilla vs. Kong» 20. 5. 2021 (statt 19. 11. 2020) «Minions: Rise of Dru» 1. 7. 2021 (statt 9. 7. 2020) «Top Gun: Maverick» 8. 7. 2021 (statt 16. 6. 2020) «Dune» 1. 10. 2021 (statt 17. 12. 2020) «West Side Story» 9. 12. 2021 (statt 17. 12. 2020)

erfreulich lief «Tenet», der neue Thriller des bekannten Regis­ seurs Christopher Nolan. Es war der Einzige der sehnlichst er­ warteten Hollywoodfilme, der tatsächlich startete. «Ein kurzer Lichtblick», sagt Markus Bal­ mer, «aber die grosse Masse hat er nicht angezogen.» Das Experiment mit «Mulan»

Mit einiger Sorge haben die ­Kinobetreiber den Versuchs­ ballon von Disney beobachtet. Der Konzern hat seinen Block­ buster «Mulan» kurzerhand über ­seinen Streamingdienst veröffentlicht und auf eine ­Kino­auswertung verzichtet. «Ich habe Angst, dass es mehr und mehr in diese Richtung ­gehen könnte», sagt Markus ­Balmer. «Das wäre tatsächlich existenzbedrohend für uns. ­Viele Leute haben inzwischen gute Heim­kinos.»

Andere sind weniger besorgt. «Ich glaube nicht, dass wir davor Angst haben müssen», sagt Edna Epelbaum. «Für Neu­ erscheinungen auf Streaming­ diensten wird kaum Werbung gemacht, und sie ziehen auch weniger Publikum an.» Ein ­Kinostart hingegen sorge für enorme Visibilität. Das sieht auch Philippe ­Täschler so. «Nur ein Kinostart bringt den nötigen Bekannt­ heitsgrad, um ein richtig grosses Publikum anzusprechen – auch für die weitere Verwertungs­ kette.» Er zweifelt zudem, dass sich das Experiment finanziell gelohnt hat. «Hätte das super funktioniert, hätte Disney ‹Black Widow› nicht verschoben, son­ dern ebenfalls im Streaming rausgebracht.»

«Ich will so lange weitermachen, wie es irgendwie geht – es ist eine so spannende, wunderbare Welt.»

Zuversicht trotz allem

Alle vier Betreiber sind zuver­ sichtlich, dass das Publikum zu­ rückkehrt, wenn endlich wieder neue tolle Filme starten. «Viele haben genug vom Rumsitzen zu Hause – sie wollen ­zurück unter die Leute und in den Ausgang», sagt Romana von Gunten. Das sehe man auch da­ran, wie gut Auto- und Open-Air-­Kinos den Sommer durch besucht waren. Allenfalls bestehe das Risiko, dass nächstes Jahr zu viele gute Filme hintereinander kämen, fürchtet Markus Balmer. «Einige Leute müssen dann vielleicht sparen und gehen weniger ins Kino, als sie das sonst täten.» Philippe Täschler rechnet ­damit, dass sich die Zeit ver­ kürzen wird, in der ein Film ­exklusiv im Kino läuft. «Das ­bisherige Fenster war vier bis fünf Monate – für einige Filme war das zu kurz, für andere zu lang. Eine Flexibilisierung wäre gut. Und Corona begünstigt das möglicherweise.» Die Herausforderungen für die Branche werden jedenfalls auch ohne Corona nicht kleiner: Die Zahl der verkauften Tickets sinkt schon seit Jahren – zwar nur langsam, aber stetig. Doch die Betreiber sind mit viel persönlicher Leidenschaft am Werk. «Ich bin mit Filmen aufgewachsen», erzählt Romana von Gunten, «wir wohnten ­oberhalb des Kinos, das u ­ nser

Markus Balmer Vater damals allein be­trieb.» ­Ursprünglich h ­ atten alle drei Geschwister etwas anderes ge­ lernt – und landeten schliesslich doch hauptberuflich beim Kino. Auch Markus Balmer und seine Familie wohnen im gleichen Haus, in dem sie ihre F ­ ilme zei­ gen. «Ich arbeite heute weniger als früher», sagt der 74-Jährige, «aber ich will so lange weiter­ machen, wie es irgendwie geht – es ist eine so spannende, ­wunderbare Welt.» MM Neue Kinderfilme:

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im Movieworld in Spiez. Er hat das Kino vor 50 Jahren übernommen und führt es mit seiner Frau und den beiden Töchtern.


26 | 12.10.2020 | BANANENREIFEREI 1

Wann ist die Banane gelb?

Die Banane ist die meistverkaufte Frucht in der Schweiz. Vor dem Genuss muss sie in der Schweiz überhaupt erst reifen. Haki Stojkaj, Leiter der Bananenreiferei der Genossenschaft ­Migros Luzern, weiss, wie man Früchte im Tiefschlaf weckt und welcher Farbton bei Kunden gefragt ist. Text: Benita Vogel Bilder: Jorma Müller

D

as gelbe Tor fährt langsam hoch. Es riecht nach Holz, Karton und etwas Rauchigem. Paletten mit Kisten aus Karton und Kunststoff sind in Kolonnen aufgereiht. Durch die ­winzigen Fenster in den weissen Mehrweggebinden schimmert etwas Grünes. Es ist kühl im Raum. Haki Stojkaj steckt die Sonde ­eines Thermometers in eine Kiste. 13,5 Grad steht auf der Anzeige. «Das ist genau richtig», sagt er. Der 51-Jährige ist Leiter der ­Bananenreiferei der Genossenschaft ­Migros Luzern und auf einem Kontrollgang im ­Bananenbuffer, dem nationalen Buffer­ lager der Migros für diese Südfrüchte. In Dierikon werden jährlich über 20 Millionen Kilo g­ rüne Bananen aus Südamerika und Spanien angeliefert, um ihnen den richtigen Reifegrad und die richtige Farbe zu verleihen. Sie sind im Tiefschlaf, wenn sie im Luzerner ­Vorort ankommen. Dafür ist eben die Temperatur entscheidend. «Bei 13,5 Grad schütten die Früchte kein eigenes Ethylen aus. Das heisst, die Reifung wird durch die Zuführung von Kälte gehemmt», sagt Haki Stojkaj. Geweckt werden sie je nach täglichem ­Bedarf. Die Luzerner versorgen die Betriebs­zentralen mehrerer MigrosGenossens­chaften und diverse Drittkunden mit der b ­ eliebtesten Frucht der Schweiz (siehe Seite 55). Dabei sei ein gutes Händchen ­gefragt, sagt André Reichmuth, Leiter ­Logistik Frischprodukte der Genossen­schaft Luzern und Chef von Haki Stojkaj. «Die Früchte so ­reifen zu lassen, dass sie im Verkauf genau die gewünschte Farbe und

­ üsse haben, braucht viel Know-how.» Man S setze deshalb auf l­ angjährige Mitarbeitende. Wärme und Ethylen wirken belebend

Haki Stojkaj ist gelernter Landwirtschafts­ technologe und arbeitet seit 30 Jahren bei der Genossenschaft Luzern in der Bananenreiferei. Mit seinem fünfköpfigen Team holt er täglich 70 000 Kilo Bananen aus dem Schlaf. Sie schieben die Paletten mit den ungeöffneten Kisten in spezielle Räume. Was aussieht wie eine Garage, ist eine hochkomplexe Reifezelle mit vollautomatisierter Lüftung und Temperatursteuerung. Hier werden die Früchte sanft geweckt. «Zuerst erhöhen wir die Temperatur während acht Stunden auf 15 Grad», sagt Stojkaj. Um die Reifung richtig in Gang zu bringen, wird die Zelle zudem 24 Stunden mit dem natürlichen Reifegas Ethylen durchflutet. Täglich prüfen die Reifer mit dem Blick durchs kleine Kistenfenster, ob die Bananen die gewünschten Farben entwickeln. Sind sie noch zu grün, wird die Temperatur langsam erhöht. Werden sie zu schnell gelb, wird ­kältere Luft zugeführt. «Die Bananen bleiben mindestens fünf Tage in der Reife­ zelle», sagt der Experte. Haben sie den gewünschten R ­ eifegrad erreicht, wird die Kerntemperatur wieder auf 13,5 bis 14 Grad reduziert. «Wie reif die Früchte sein sollen, bestimmen unsere Kunden. In der Regel erfolgt die Auslieferung bei der Farbstufe vier», sagt Haki Stoj­kaj. Reifer kennen sieben Farbtöne: von Stufe eins für Grasgrün bis sieben für ein dunkles Gelb mit Zuckerflecken.

2

1 Die Farbskala reicht von Gras­ grün (Stufe 1) bis Vollgelb (7). 2 Früchte vor und nach der Reifung in der Zelle 3 Eingangskontrolle: Haki ­Stojkaj misst die ­Temperatur von eben a ­ ngelieferten ­Bananen. 4 Im Buffer­lager der ­Migros in ­Dierikon. 5 Durch die Öffnung kontrol­ lieren Reifer die Farbe. 6 Regelmässig wird die ­Tem­peratur gemessen.


BANANENREIFEREI | 12.10.2020 | 27

In vier Wochen von Grün zu Gelb Tag 0 bis 2

Ernte Nach dem Pflücken werden die Bananen auf der Plantage ins Packhaus gebracht. Dort werden sie ­geschnitten, ge­ waschen, mit dem Label versehen, in Kisten gepackt und in Kühlcontainer ­geladen. Tag 3 bis 21

Transport In Südamerika ­(Kolumbien, Ecuador, Mexiko) ­werden die Container verschifft und in Nordseehäfen wie Rotterdam ge­ bracht. Danach geht es wenn möglich in Bahnwagen weiter nach Luzern. 3

Tag 21 bis 27

Reifung In Luzern reifen die Früchte in einer der 27 Reifezellen. Weitere Bananen­ reifereien betreiben die Migros-Genos­ senschaften Aare, Genf und Ostschweiz. Tag 28 bis 31

Supermarkt Transport der ­Bananen in die Filiale zum Verkauf

4 5

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BANANENREIFEREI | 12.10.2020 | 29 Reifer über­prüfen den Reifegrad ­eines halbierten Exemplars.

Wieso ist die Banane krumm? Weil sie während des Wachstums zum Licht hin strebt und deshalb in entgegengesetzter ­Richtung zum nach unten hängenden Fruchtstand wächst. Wie ausgeprägt die Krümmung ist, hängt von der Stärke des Wachstums ab, vom Klima und von der Staudenhöhe, auf der die Frucht wächst. «Die meisten Konsumentinnen und Konsumenten mögen die Bananen in ­einem Gelb der Stufe fünf oder sechs», erklärt Stojkaj. Er isst jeden Tag eine Banane

Sind die Früchte reif, werden sie endlich aus den Kisten gepackt und zur Ausliefe­ rung vorbereitet. Für Stojkaj und seinen Chef André Reichmuth kommt jetzt der Augenblick, die Qualität ein letztes Mal zu prüfen. Wie beim Wareneingang ­werden neben F ­ arbe auch Länge, Form und Beschaffenheit begutachtet. «Gute Qualität fängt schon am Ursprung an: an der Staude, beim Pflücken und im Pack­ haus», sagt Reichmuth, der mit Stojkaj bereits diverse Plantagen besucht hat. Etwa beim richtigen Schnittgrad. «Es muss darauf geachtet werden, dass Früchte rechtzeitig geschnitten werden, damit der Fruchtanteil und die schüt­ zende Schale ­optimal aufeinander ­abgestimmt sind.» In 30 Berufsjahren hat Chefreifer Haki Stojkaj schon einiges erlebt. So etwa Lieferungen, die verspätet an­ kamen, weil Stürme auf dem Atlantik die Containerschiffe um mehrere Tage zurückwarfen. «Dank unserem Buffer und eingespielten Prozessen können wir mit solchen Ereignissen gut umgehen und schnell handeln, um stets ­Bananen in guter Qualität zu liefern.» Eins hat sich in all den Jahren aber nicht geän­ dert: seine Vorliebe für Bananen. «Ich esse täglich ­mindestens eine.» MM

11,3 kg Die konventionelle Banane ist die beliebteste Frucht in der Schweiz – und das meistverkaufte Einzel­produkt der Migros. Deshalb hat sie auf der Waage in allen ­Filialen die Nummer eins. Der Konsum ­beträgt pro Kopf rund 11,3 Kilogramm im Jahr. Neu sind auch Bio-­Fair­ trade- Bananen im Offen­verkauf er­ hältlich: mit Waagen­­ nummer 190.

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30 | 12.10.2020 | TIERE

Gekommen, um zu bleiben Erst seit wenigen Monaten leben der Goldschakal und die Kleinfleck-Ginsterkatze in freier Wildbahn in der Schweiz. Sie sind nur die jüngsten Neuankömmlinge, denn schon seit Jahrhunderten wandern regelmässig Tierarten ein. Text: Véronique Kipfer

N

un ist es offiziell: Die Kleinfleck-Ginster­ katze ist in unserem Land angekommen. Im Frühling streifte sie durch Schweizer Wälder, auf Samt­ pfoten und fast unbemerkt – aber nur fast: In Bernex GE wurde die Wildkatze von einer Wildkamera abgelichtet. «Die ersten Exemplare dieser Art wurden bereits im Juni 2019 gesichtet», erklärt Manuel Ruedi, Kurator im Naturhistorischen Museum der Stadt Genf. Doch von den ersten Beobachtungen bis zur offiziellen Bestätigung für

eine neu eingewanderte Spezies vergeht immer ein wenig Zeit. Jetzt wird die Ginsterkatze nach der Registration der Öffentlichkeit vorgestellt. Dass neue Tierarten ins Land einwandern, ist keine Seltenheit, auch wenn das der Bevölkerung meist nicht bewusst ist. Ebenfalls diesen Frühling wurde der Goldschakal als Neuankömmling erfasst, man sichtete erstmals einen im Tessin. Nun gilt auch er als niedergelassen, nachdem ­sich erste Goldschakale schon 2011 in den Kantonen Waadt, Freiburg und Bern aufgehalten hatten.

Begeistert vom Auftauchen dieser neuen Arten, können Manuel Ruedi und seine Kollegen es kaum erwarten, sie in die neue Ausgabe des Säugetieratlas der Schweiz und Liechtensteins ­aufzunehmen, an dem sie zurzeit arbeiten. Nummer 99 kam aus Italien

«Es ist unglaublich, wie rasant die Liste der offiziell auf schweizerischem Boden anerkannten Säugetierarten gewachsen ist», sagt Ruedi. Die Kleinfleck-Ginsterkatze ist als neueste derzeit die 99. offiziell anerkannte Art.

Beim Start des Projekts vor fünf Jahren waren es noch 94 Arten. Anfang 2021 soll der aktualisierte Atlas erscheinen und 100 Arten vorstellen. Die Wege, auf denen die Tiere hierhergelangen, sind ganz verschieden. Die Klein­fleck-Ginster­katze war schon längere Zeit in Spanien und im Westen Frankreichs heimisch, bevor sie in die Schweiz kam. «Es handelt sich um eine natür­ liche Wanderung», erklärt Ruedi, «diese Wildkatze hat den Hang, ihr Siedlungsgebiet zu vergrössern.» Heute weiss man, dass


TIERE | 12.10.2020 | 31 Der Goldschakal ist ein echter Nomade. In der Nacht kann er Dutzende von Kilo­ metern zurücklegen, bevor er sich in einem Gebiet ansiedelt.

Weitere Einwanderer und Anwärter

Bilder: Getty Images (3)

Waschbär Wurde erstmals 1976 in Schaffhausen gesichtet. Mittlerweile dürften es schweizweit wenige Hundert Tiere sein. Am Genfersee treten sie seit 2003 etwas häufiger auf. Die Art stammt ­ursprünglich aus Nordamerika und wurde vor ca. 80 Jahren als Pelztier nach Deutschland ­geholt. Dort gelangte sie in die freie Wildbahn. Lebt in Wäldern, wagt sich aber auch zunehmend in städtische Gebiete vor.

«Das Mosaik aus diversen Lebensräumen lockt eine grosse Artenvielfalt in die Schweiz.» Manuel Ruedi Zoologe

sie in Frankreich die Rhone überquerte, in Nord­italien ­einwanderte und dann in die Schweiz gelangte. Unser Land, erklärt Manuel Ruedi, sei quasi eine Kreuzung von Wildwanderpfaden. «Und sie bietet den ­Tieren vielfältige Vorteile.» ­Einerseits stehen die Tier- und die Pflanzenwelt teilweise unter mediterranen Einflüssen, etwa im Rhonetal und in den Südalpen. Die Alpen selbst wiederum ­bieten den idealen Lebensraum für viele sogenannte boreo-­ montane Arten, zu denen etwa der Schnee­hase und das Schnee-

huhn z­ ählen. Und schliesslich sind da noch die für Mittel­ europa ty­pischen Ebenen. «Das Mosaik aus diversen Lebens­ räumen lockt eine vergleichsweise grosse Artenvielfalt an», so der Experte. Allerdings hat die Schweiz für die Neuansiedlung von ­Tierarten auch Schattenseiten. «Alle Ebenen unterhalb von 1000 Metern wurden vom Menschen v­ ereinnahmt», sagt der Kurator. Und fast 99 Prozent der Sumpfgebiete seien verschwunden, das grüne Weideland sei überdüngt und nicht

Mufflon Die Wildschaf-Art wurde vermutlich in der Jungsteinzeit aus Asien in den Mittelmeerraum gebracht und später von Korsika und Sardinien nach ­Mitteleuropa. Um 1980 wanderte das Mufflon von Frankreich ins Unterwallis ein und bildet seither dort eine Population. Fasan Das angestammte Gebiet des Fasans sind weite Teile Asiens. In Europa wird er seit mindestens 1000 Jahren in Gehegen ­gehalten. Vermutlich im 18. Jahrhundert hat er sich in der freien Natur etabliert – über die genaue Entwicklung herrscht jedoch Unklarheit.

Marderhund Das ursprünglich aus Asien stammende Pelztier wurde 2003 in Osteuropa eingeführt. Breitet sich invasiv in den Schweizer Wäldern aus.


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TIERE | 12.10.2020 | 33

Bilder: Getty Images (2)

Die Kleinfleck-­ Ginsterkatze braucht noch Zeit, um sich in der Schweiz den passenden ­Lebensraum zu ­sichern.

mehr sehr attraktiv für Wildtiere. Es sei ­geradezu paradox, dass bei uns nun w ­ ieder viele grosse Tiere wie Hirsche, Steinböcke und Wildschweine anzutreffen seien, die es Anfang des 20. Jahrhunderts so gut wie gar nicht mehr gab. Derweil sei eine riesige Men­­ge kleiner Tiere verschwunden, zum Beispiel 75 Prozent ­aller Insekten. «Für die interessiert sich die Öffentlichkeit nicht sehr.» Was gilt als einheimisch?

Der Säugetierexperte erklärt, dass es wichtig sei, zwischen ­Arten zu unterscheiden, die absichtlich ausgesetzt wurden, und Tieren, die auf natürlichem Weg in die Schweiz gekommen sind. Die Wanderratte etwa wurde vom Menschen importiert und kann deshalb nicht als einheimisch gelten. Das Verbreitungsgebiet von Goldschakal und Kleinfleck-Ginsterkatze hin­ gegen hat sich auf natürliche Weise verändert. Sie sind als ­einheimische Arten anerkannt. Gerade der Goldschakal hat seinen Lebensraum in der

Schweiz sehr schnell ausgedehnt, denn er ist ein echter ­Nomade. «Dieser grosse Fleischfresser kann jede Nacht Strecken von mehreren Dutzend ­Kilometern zurück­legen» erklärt Ruedi, «vor allem während der Pionierphase, in der er das Gebiet erkundet, bevor er eine Familie gründet und sich niederlässt.» Es kann also gut sein, dass es jetzt bereits Goldschakale in Luzern, Graubünden und im Tessin gibt. In Genf wurden schon mehrere ­gesichtet. Die Tiere können im ganzen Land

«Auch der Exot Wanderratte wurde vom Menschen eingeführt.» Manuel Ruedi Zoologe

auftauchen, weil sie nicht ortsgebunden leben. Im Unterschied zu Steinböcken, die ihre Felsen nie verlassen. Hätte man diese nicht Kolonie für K ­ olonie wieder ausgesetzt, wäre es nicht möglich gewesen, das ganze ­Alpenmassiv erneut mit Steinböcken zu besiedeln. Futter und Weibchen fehlten

Jede Art hat eigene biologische Merkmale und benötigt ihre ­eigene Anpassungszeit. Die Kleinfleck-Ginsterkatze, im Frühling angekommen, wird noch etwas brauchen, bis sie sich dauerhaft niederlässt und regelmässig gesichtet werden kann. Auch beim Wolf dauerte es damals: Die ersten offiziell ­bestätigten Spuren stammen aus den 1990er-Jahren. Etwa zehn Jahre lang handelte es sich um vereinzelte Exemplare, häufig junge Rüden, die sich noch nicht niederliessen, weil sie nicht ­genügend Futter oder keine ­Fähen, also Weibchen, fanden. Diese ­gesellten sich erst später dazu, dann bildeten sich Rudel. Schneller geht es bei anderen

Halsbandsittich Steht exemplarisch für weitere Papageien und exotische Vögel, die sich – bei privaten Besitzern ausgebrochen – in städtischen Parks niederlassen und vermehren. In Frankreich, Deutschland, Österreich und Italien gibt es bereits wild lebende Populationen. In der Schweiz wurden Brutversuche beobachtet. Hund, Katze, Maus Der Haushund stammt vermutlich vom Eurasischen Wolf ab. Hauskatzen wurden wohl im Nahen Osten d ­ omestiziert. Die Wohngemeinschaft mit Menschen begann vermutlich auf der Arabischen Halbinsel, wo Getreidelager Nager anzogen, was wiederum wilde Katzen anzog. Und die wurden zur Schädlingsbekämpfung domestiziert.


«Ob im Horner oder Heuet, wer gugge gärä z talus und teschet hiesigi Ruschtig uf. Da chame nume sine, wi fürnähm wers hii.»

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TIERE | 12.10.2020 | 35 Unser Land bietet neben tieferen ­Lagen auch im ­alpinen Bereich ideale Lebens­ räume – etwa für Schneehasen.

In der Schweiz entdeckt

Bilde: Getty Images

«Sechs Bären und zehn Wölfe hätten die Schweiz vor 50 Jahren unbemerkt durchqueren können.» Manuel Ruedi Zoologe

Tieren, etwa den Tigermücken, die ebenfalls noch nicht lange im Land sind. «Ich bin aber ­sicher, dass sie sich bei uns ­pudelwohl fühlen und sich ­bereits gut eingelebt haben», sagt Manuel Ruedi. Was bei der Sichtung n ­ euer Arten oft hilft, sind Fotofallen beziehungsweise Wild­kameras. Sowohl die Kleinfleck-Ginsterkatze als auch der Goldschakal ­wurden so entdeckt. ­Kameras werden dort im Freien installiert, wo man bestimmte Tiere vermutet. Infrarotsensoren ­lösen bei Bewegung automatisch eine Belichtung aus, ohne die Tiere zu stören – auch im Dunkeln. Ganz nebenbei erhalten Experten so neue Erkenntnisse über nachtaktive Tiere. Eine andere Möglichkeit, neue Arten zu entdecken, ist die wissenschaftliche Forschung, die vor allem auf der Genetik ­basiert. Sie eignet sich in erster Linie für kleine Säugetiere wie Spitz- und Fledermäuse. Das ­Laboratoire de biologie de la Conservation Lausanne hat durch genetische Untersuchung zum Beispiel bewiesen, dass die Wölfe, die die Alpen natürlich neu besiedelt haben, aus Italien und Frankreich stammen. Noch vor 50 Jahren gab es ­hingegen nur die direkte ­Beo­bachtung. Ruedi resümiert

t­ rocken: «Drei Luchse, sechs ­Bären und zehn Wölfe ­hätten die Schweiz damals un­bemerkt durchqueren können.» Es ist sehr wahrscheinlich, dass bei der Entdeckung des hundertsten neuen Säugetiers wieder eine Wildkamera involviert sein wird. Welches Tier das sein wird, ist noch offen: «Es gibt rund ein Dutzend Kandidaten, die in der Nähe der Schweizer Grenze leben», sagt Ruedi, «sie wurden aber noch nie offiziell auf unserem Staatsgebiet ge­ sichtet.» Das betrifft etwa das Stachelschwein, das sich in der Nähe des Tessins, im italie­ nischen Piemont, vermehrt.

Die Genforschung hält mitunter schöne Überraschungen für die Wissenschaftler bereit. So auch im Februar 2019, als sie das Kryptische Mausohr entdeckten, eine Fledermausart, die vor den Toren von Genf lebt, allerdings bis dahin mit ­einer anderen Art verwechselt ­worden war. In Europa gibt es rund vierzig Fledermausarten, aber viele sehen sich zum Verwechseln ähnlich. Die Verfahren der molekularen Genetik haben es ermöglicht, die Verwechslung aufzuklären. Jedes Jahr werden 20 bis 25 neue Säugetierarten entdeckt, hauptsächlich in den Tropen. Dabei handelt es sich grösstenteils um Ratten, Mäuse und Fledermäuse, die gleich zwei Drittel aller Säugetiere weltweit ­ausmachen. «Wir können stolz sein, dass mit dem Kryptischen Mausohr eine in der Schweiz entdeckt wurde», sagt Manuel Ruedi.

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Oder das Grauhörnchen mit Wurzeln in Nordamerika, das sich in Norditalien angesiedelt hat. «Das beunruhigt uns sehr, weil es eine spezielle Eichhörnchen-Pest überträgt, gegen die es selbst resistent ist», sagt ­Manuel Ruedi. Für das einheimische Eichhörnchen hingegen ist die Krankheit tödlich. Ruedi verspricht: «Wir werden alles tun, um die ersten Grauhörnchen auszurotten und so zu ­verhindern, dass diese invasive Art zum Aussterben unseres Eichhörnchens führt.» Es bleibt also spannend, welches Tier die Nummer 100 sein wird. MM

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KOLUMNE | 12.10.2020 | 37

Illustration: Rinah Lang

Tante-Margrit-Syndrom STADT, LAND, STUTZ Eigentlich war sie nicht meine Tante. Sondern die Tante ­meiner Mutter. Margrit Eisenring hiess sie. Und sie hatte Mitleid mit allen. Sie wohnte in Wettingen AG und fuhr, wenn sie Besuch erhielt, vorher extra mit Zug und Bus nach Jonschwil SG. Dort kaufte sie «Stückli» ein, also Dessert. Aber nicht, weil es in Wettingen nicht genauso gute Süssigkeiten gegeben hätte – nein, sie wollte den Jonschwiler ­Bäcker unterstützen, weil sie gehört hatte, dass der finanziell nicht so gut dastand. Tante Margrit kaufte oft in Läden ein, die nicht so gut liefen. Es ist nicht so, dass sie ­etwas von dort gebraucht hätte. Aber sie ­hatte Mitleid mit den Ladenbesitzern. Es ist auch nicht so, dass Tante Margrit reich gewesen wäre. Aber sie hätte ihre letzte Bluse gegeben. Ich selber habe von Tante Margrit jedes Jahr zum Geburtstag ein Briefchen mit einem 10er-Nötchen erhalten. Das hand­

Lisa Stutz (26) sucht die Balance zwischen urban und ländlich. Und pickt von beidem das Beste heraus.

habte sie bei allen Grossneffen und Grossnichten so. Eigene Kinder hatte Tante Mar­ grit nicht. Und es war absolut verboten, auf die Gratulation und das Geschenk mit einem Dankesbrief zu antworten – sogar einen ­Anruf befand sie als zu aufwendig für uns. Schon zu ihren Lebzeiten etablierte sich bei uns der Begriff Tante-Margrit-Syndrom. Er kommt dann zum Einsatz, wenn einem jemand so leidtut, dass es wehtut. Ein Hobbysänger auf der Bühne, der von Jugendlichen ausgelacht wird. Ein molliger Bub, der nicht mitspielen darf. Neulich war ich in den ­Ferien, es hat nonstop geregnet. Mein Bruder schrieb mir dreimal, ob wir es trotzdem geniessen könnten. «Hast du das Tante-­ Margrit-Syndrom?», fragte ich zurück. Die Inuit haben viele Wörter für Schnee, wir ­haben einen Namen für Mitleid. Tante Margrit dachte an alle. Und ich wünschte mir, mehr Leute würden so denken wie sie. MM

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38 | 12.10.2020 | KAMPFSPORT

«Stopp! Hör auf !»

Selbstverteidigung fängt mit verbaler Abwehr an. Wenn das nicht reicht, muss man zurückschlagen. Wie das geht, können Kinder in Kursen lernen. Denn wer sich früh zu wehren weiss, geht gestärkt durchs Leben. Text: Ines Rütten  Bilder: Marco Zanoni

A

bwehren, schlag, kick: Der neunjährige ­Melvin Reist teilt aus. Sein ­Gegner: ein schwarzes Kissen, das ihm Bellinda S ­ igillò, die Trainerin, hinhält. Seit zwei Jahren fährt der Viertklässler jeden Mittwoch von seinem Wohnort Obergerlafingen SO nach Biel BE in die Klubschule ­Migros, um Selbstverteidigung zu trainieren. Melvin ist von Natur aus eher schüchtern. Im Schulhaus hatte er einen Erzfeind, der ihm lange und immer wieder das Leben schwer machte. Doch diese Zeit ist vorbei, seit Melvin im Selbstverteidigungstraining ­gelernt hat, sich zu wehren. «Er hat sich gut entwickelt», sagt seine Trainerin. Er schaue den Menschen jetzt in die Augen, glaube an seine eigene Kraft und trete selbstsicher auf. Melvin nickt: «Ich bin jetzt nicht mehr so schüchtern und weiss, was ich machen muss, wenn mich jemand ärgert.» Das heisst, er beobachtet Situationen auf dem Pausenplatz und lässt sich darum nicht mehr von Pöbeleien überraschen. Und er setzt verbal von Beginn an Grenzen. Das wirkt. Seit drei Jahren unterrichtet Bellinda Sigillò an der Bieler Klubschule Frauen und Kinder in Selbstverteidigung. Für sie ist das eine Lebenseinstellung. «Man muss sich wehren können, egal in welchem Alter», sagt die 57-Jährige. Seit ihrem achten Lebensjahr treibt sie Kampfsport. Sie ist überzeugt: Wenn man sich im realen

Leben verteidigen kann, läuft man auch weniger Gefahr, Opfer von Cybermobbing zu werden. «Das fängt auf dem Pausenplatz schon an.» Denn oft würden sich Opfer und Täter bereits aus dem realen Leben kennen. Wer dort unsicher wirke, werde eher von Tätern ­ausgesucht und biete auch im ­Cyberspace mehr Angriffsfläche. Aufrechte Haltung, Blick nach vorn

«Wie geht es euch?», fragt Bellinda Sigillò an diesem Nachmittag die zwei Mädchen und sechs Jungen, die zum Kurs gekommen sind. Das ist stets ihre erste Frage. Je nach Antwort passt sie ihr Programm an. Hatte ein Kind ein schlechtes Erlebnis oder wurde angegriffen, analysiert Sigillò die Situation mit den Kindern und ­erklärt ihnen, wie man reagieren könnte. Das passende Verhalten üben sie dann gleich zusammen. Heute geht es allen gut. «Auf­ stehen!», ruft die Trainerin und klatscht in die Hände. Die Kinder stellen sich in einer Reihe vor dem grossen Wandspiegel auf. Dann üben sie Bewegungsabläufe, mit denen sie Schläge und Tritte abwehren ­können. ­Anschliessend geht es darum, im Ernstfall auch zurückschlagen zu können, um Angreifer loszuwerden. Die Kinder wehren ab, schlagen und kicken in ein schwarzes Trainingskissen. «Wir üben immer mehrere Abfolgen, denn es ist sehr wichtig, Reserven zu haben», erklärt Sigillò. «Man muss sich so lange wehren, bis der Angriff auf-

«Ich bin jetzt nicht mehr so schüchtern und weiss, was ich machen muss.» Melvin Reist (9) Besucher eines ­ elbstverteidigungskurses S


KAMPFSPORT | 12.10.2020 | 39

Wie Sie Ihr Kind stark machen Lassen Sie Ihr Kind den Schulweg mit einem oder mehreren Gspänli gehen.

Melvin (Bild oben, vorn) lernt bei Bellinda Sigillò in der Klubschule, wie man v­ orausschaut, Angriffe abwehrt und auch mal zurückschlägt.

hört.» Selbstverteidigung fange jedoch schon vor den ersten Schlägen an, erklärt die Traine­ rin: Eine aufrechte Haltung, der Blick nach vorn, und schon strah­ le man eine andere Energie aus. Und man müsse vorausschauen, um heikle Situationen früh er­ kennen und meiden zu können. Abwehr beginnt mit Worten

«Kommt es trotzdem zu einem Vorfall, hilft zunächst die ver­ bale Abwehr», sagt Sigillò. Laut und deutlich «Stopp» sagen ­helfe oft schon. Die erfahrene Kampf­sportlerin erklärt ihr Konzept: «Ich bringe allen das Gleiche bei, und jede und jeder

nimmt das heraus, was zur eige­ nen Situation passt.» Die Gründe für den Besuch des Trainings sind vielfältig. Einige Kinder hatten schon schlechte Erleb­ nisse, andere betreiben Selbst­ verteidigung einfach als Sport. Melvin hat hier sichtbar Spass. «Schneller, eins, zwei, drei!», treibt ihn Sigillò an. Der Junge nickt und wiederholt die Bewegungen: Faustschlag ab­ wehren, zurückschlagen, Kick. Die Trainerin ist zufrieden. Dann üben alle gemeinsam Ver­ teidigung mit Worten: «Stopp! Hör auf!» Die Schreie der K ­ inder hallen durch den Raum. Immer und immer wieder. MM

Erklären Sie ihm, dass es mit energischer Stimme «Stopp – hör damit auf – ich will das nicht» sagen soll, wenn ihm etwas nicht gefällt. Dazu dem Gegenüber in die Augen schauen. So kann es sich verbal ­verteidigen. Fordern Sie Ihre Tochter oder Ihren Sohn auf, über schlechte Erlebnisse zu sprechen – das hilft schon sehr. So frisst man schwierige Erfahrungen nicht in sich hinein. Kinder und Eltern können dann gemeinsam eine Lösung suchen. Wenn nötig auch Lehrpersonen einbeziehen. Erklären Sie Ihrem Sohn oder Ihrer Tochter, dass man einen Angreifer auch mal zurückstossen darf, wenn es sein muss. Die Klubschule Migros bietet Selbstverteidigungskurse für alle Altersstufen an: www.migmag.ch/ selbstverteidigung


40 | 12.10.2020 | GENUSS

Gut gemetzget

Zur Zeit der traditionellen Metzgete freuen sich viele auf eine ­Schlachtplatte. Wir servieren hier deshalb Deftiges, Raffiniertes und sogar etwas Vegetarisches für die immer kürzeren und kühleren Tage. Text: Claudia Schmidt

Bilder: Migusto

So u l f o o d für den H e rb st


GENUSS | 12.10.2020 | 41

Saucisson mit Honig-Senf-­ Sauerkraut Hauptgericht für 4 Personen

2 Saucissons Tradition à ca. 350 g 800 g fixfertiges Weinsauerkraut 1 grosse Zwiebel 1 EL Rapsöl 1 EL Honig 2 EL grobkörniger Senf

TIPP

1. Saucissons mit Wasser bedeckt

am Siedepunkt ca. 30 Minuten gar ziehen lassen.

2. Inzwischen Sauerkraut in ein

Metzgete-Ragout

Sieb geben und gut abtropfen ­lassen. Zwiebel hacken. Im Öl ­andünsten. Sauerkraut, Honig und Senf beigeben und alles gut mischen. Sauerkraut zugedeckt 10 Minuten köcheln. Zum ­Servieren Würste in Scheiben schneiden und auf dem Sauer­ kraut anrichten.

TIPP

Den Saucisson vor dem Anschneiden mit der Messerspitze ­anstechen – so spritzt es beim Anschneiden nicht unkontrolliert.

Hauptgericht für 4 Personen 100 g Knollensellerie 1 grosse Zwiebel 2 kochfeste Äpfel, z. B. Gala 500 g Schweinefleisch zum Kurzbraten, z. B. Huft Salz, Pfeffer 2 EL Erdnussöl 1 EL Mehl 2,5 dl Apfelwein 1 Würfel Hühnerbouillon 1,5 dl Vollrahm Muskatnuss

Ob Waadtländer Kabiswurst, Freiburger Saucisson oder Saucisson de Vully: Viele Regionen pflegen ihre eigenen Wurstspezialitäten. Und wer bei Leshop.ch bestellt, profitiert von der ganzen regionalen Vielfalt.

1. Sellerie in kleine Stücke

schneiden, Zwiebel halbieren und in Streifen schneiden. Äpfel ungeschält in grosse Würfel schneiden. 2. Fleisch in ca. 2 cm grosse

­ tücke schneiden und mit Salz S und Pfeffer würzen. Im Öl rund­ um kräftig anbraten. Vorberei­ tete Zutaten beigeben und kurz mitbraten. Mit Mehl bestäuben. Mit Apfelwein ablöschen. Bouil­ lon beigeben und aufkochen. Rahm dazugiessen. Ragout bei kleiner Hitze ca. 10 Minuten ­köcheln lassen. Mit Salz und Muskatnuss abschmecken.

Leberwurst im Glas mit Äpfeln Bei der Leberwurst im Glas spart man sich das umständliche Füllen von Därmen. Und erhält mit weichgekochten Apfelwürfelchen als ­Begleiter ein originelles Gericht. Rezept auf migusto.ch

KartoffelSauerkraut-Taler Gebratene Tätschli aus Kartoffeln und Sauerkraut verlocken als währschafte Alternative die Vegetarier. Mit Sauerrahm servieren. Rezept auf migusto.ch

Weitere Rezeptideen auf Seite 43


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GENUSS | 12.10.2020 | 43

1. Für die Würste Knoblauch mit

Speck im Cutter fein zerkleinern. Knoblauch-Speck-Masse mit Hackfleisch in eine Schüssel ­geben. Bouillon, Zucker, Salz und alle Gewürze beigeben. Mit einem Rührgerät zuerst ­langsam, dann kurz auf höchster Stufe zu einem geschmeidigen Brät verarbeiten.

1

2. Je ¼ der Wurstmasse auf ein

2

Bilder: Migusto

Brühwurst auf Apfel-ZwiebelGemüse

Die Metzgete war traditionell die Zeit für Fleischgenuss: Was nicht geräuchert oder getrocknet werden konnte, musste schnell verzehrt werden.

Hauptgericht für 4 Personen 2 süss-säuerliche Äpfel, z. B. Braeburn 2 Birnen, z. B. Forelle 2 grosse Schalotten 1 EL Butter 1 dl Apfelwein 2 EL Rapsöl 100 g geriebener Emmentaler Schnittlauch zum Bestreuen

grosses Stück Klarsichtfolie ­geben. Zu einer ca. 5 cm dicken Wurst formen. In die Folie ein­ wickeln und die Luft heraus­ drücken. Enden eindrehen. Würste zusätzlich mit Alufolie umwickeln.

3. Wasser in einer weiten Pfanne

aufkochen, Würste hineinlegen und ca. 15 Minuten sieden, ­zwischendurch wenden. Würste herausheben und etwas abkühlen lassen. 4. Äpfel und Birnen ungeschält

vierteln, entkernen und in feine Schnitze schneiden. Schalotten in feine Ringe schneiden. Butter in einer Bratpfanne erhitzen. ­Äpfel, Birnen und Schalotten ­darin anbraten. Mit Apfelwein ablöschen und 3 Minuten dünsten. Mit Salz und Pfeffer würzen. In ofenfeste Formen verteilen. Backofen auf 200 °C vorheizen.

3

Brühwürste 2 Knoblauchzehen 150 g Speckwürfelchen 400 g gemischtes Hackfleisch 5 cl Geflügelbouillon, eiskalt 1 TL Zucker 1½ TL Salz ½ TL schwarzer Pfeffer aus der Mühle 1 TL getrockneter Thymian 1 TL edelsüsser Paprika 1 Prise Chilipulver

5. Würste auswickeln und

4

in ca. 7 mm dicke Scheiben schneiden. Im Öl beidseitig scharf anbraten. Wurstscheiben auf die Apfelmischung legen, mit Käse bestreuen. In der ­Ofenmitte Käse 4–5 Minuten schmelzen lassen. Schnittlauch fein schneiden und darüberstreuen. Dazu passen Kartoffeln.

5 TIPP

Knusper-Öhrli Schweinsohren gehören zu den raren Metzgete-Delikatessen. Im ­ Ofen knusprig gebacken und mit Fenchelsamen gewürzt, begeistern sie etwa zum Aperitif. Rezept auf migusto.ch

Aus der Brühwurst­ masse kann man auch Polpette (Fleisch­ bällchen) oder Burger formen oder braten. Die Würste können ­unterschiedlich zubereitet werden: nur sieden oder in der Pfanne braten.


44 | 12.10.2020 | GENUSS

Wissensbissen Illustration: Felice Bruno; Bilder: PD, iStockphoto

Forelle Sie gehört zu den beliebtesten Speisefischen und wurde in ­diesem Jahr vom Schweizerischen Fischereiverband zum «Fisch des Jahres» gewählt: Die Forelle ist als geräuchertes Filet beliebt oder gebraten am Stück. «Nach Mül­le­ rinnen Art» bedeutet übrigens schlicht, dass die Forelle vor dem Braten in Mehl gewendet wird.

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Einzelblüten oder mehr formen, was wir als eine Sonnenblumenblüte wahrnehmen. Da nicht jede Einzelbüte zur Frucht wird, ­bildet eine Sonnenblume jedoch meist «nur» 2000 Samen.

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Die letzten grünen Tomaten an der Pflanze werden wahrscheinlich nicht mehr reif. ­Deshalb wickelt man sie in ­Zeitungspapier ein oder gibt sie in eine Papiertüte. Bei ca. 19 Grad reifen die Tomaten dann auch völlig im Dunkeln gut nach.

Kann ich Kartoffelstock auch mit festkochenden Kartoffeln zubereiten? Ja, das geht. In der Regel wird das Püree dadurch etwas ­cremiger, aber weniger fluffig als mit mehligkochenden ­Kartoffeln. Man kann die Sorten auch mischen – völlig frei nach

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den eigenen Vorlieben. Sicher gilt für festkochende Kartof-­ feln ebenfalls: Am sichersten ­be­reitet man Kartoffelstock mit ­einem Stampfer oder einem Passevite zu. Mit dem Pürierstab

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wird es eher zur Glücks­sache, je nach Kartoffelsorte. In der Regel werden dabei die Stärkekörnchen so stark zerkleinert, dass man am Ende eine k­ lebrige Masse erhält.

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48 | 12.10.2020 | NACHHALTIGKEIT

Wasserstoff-Lkw Anzahl Lkw: Drei Hyundai XCient Fuel Cell werden diesen Herbst in Betrieb genommen, weitere folgen 2021. Verbrauch: etwa 7 kg Wasserstoff auf 100 km CO2-Emissionen: bis 80 % weniger als ein herkömmliches Dieselfahrzeug

mit Sauerstoff gemischt, um Strom herzustellen, der den Elektromotor des Lkw antreibt. Vorteil: Diese Lkw sind uneingeschränkt für ­Liefertouren an Filialen oder Fahrten zwischen Lieferant und Verteilzentrum verwendbar.

Ladekapazität: 17 Paletten, also ungefähr gleich viel wie ein Diesel-Lkw

Nachteil: WasserstoffLkw sind klar teurer als Dieselfahrzeuge. Dass auf sie derzeit keine Schwer­verkehrsabgabe anfällt, macht die Technologie etwas rentabler.

Funktionsweise: Zur Herstellung von Wasserstoff wird im Überschuss produzierte erneuerbare Wind- oder Sonnenenergie verwendet. Der mit Elektrolyse gewonnene Wasserstoff wird

Handhabung: Die ­Fahrer werden speziell im Umgang mit diesen Lkw geschult. Darüber hinaus werden sie für die spezifischen Risiken sensibilisiert, zum Beispiel bei einem Unfall.

Reichweite: 400 km

Bye-bye Diesel! Mit drei neuen Wasserstoff-Lkw im Fuhrpark treibt die Migros die Reduktion von CO2 beim Güterverkehr weiter voran. Um noch mehr für den Umweltschutz zu tun, setzt sie ausserdem auf Biogas und Elektromotoren. Text: Pierre Wuthrich

Sein Elektromotor läuft mit Strom aus ­Wasserstoff und Sauerstoff: der Hyundai XCient Fuel Cell


NACHHALTIGKEIT | 12.10.2020 | 49

ElektroLkw Anzahl Lkw: EinTestfahrzeug ist eActros von Mercedes-­ Benz. Der erste rein elektrische Lkw im Schwerverkehr, der für die Serienproduktion gedacht ist. Der im Frühling 2020 von der Migros Zürich getestete Lkw ist eins von ­total zehn Fahrzeugen, die Mercedes für einen Testlauf unter realen Bedingungen in Europa zur Verfügung gestellt hat. Übrigens sind bereits 16 kleinere Elektro-Lkw bei der Migros im Einsatz. Verbrauch: ungefähr 145 kWh / 100 km CO2-Emissionen: bis zu 80 % weniger als ein herkömmliches Dieselfahrzeug Reichweite: 200 km Ladekapazität: wie ein ­gewöhnlicher Diesel-Lkw Funktionsweise: Lithium­ batterien liefern die Energie, die für den Antrieb der beiden Elektromotoren nötig ist.

Bilder: Roger Hofstetter

Vorteil: Dieser Lkw eignet sich vor allem für Städte und Ballungsgebiete, weshalb er auch in Zürich getestet wurde. Nachteil: Auch ein Elektro-­ Lkw ist teurer als ein Dieselfahrzeug. Man bezahlt heute wie für konventionelle Lkw eine Schwerverkehrsabgabe. Handhabung: Es wird eine kurze Einführung für die ­neuen Fahrzeuge organisiert (bei jedem neuen Kauf üblich).

BiogasLkw Anzahl Lkw: Acht Fahrzeuge der neuesten Generation sind auf dem Gebiet der Migros Basel (3) und Ostschweiz (5) im Einsatz. Verbrauch: etwa 29 kg Biogas / 100 km CO2-Emissionen: 80 % weniger als ein herkömm­ liches Dieselfahrzeug Reichweite: 400–450 km Ladekapazität: wie ein ­gewöhnlicher Diesel-Lkw Funktionsweise: Die Lkw verfügen über einen Motor, der mit Schweizer Biogas ­angetrieben wird. Dieses Gas kommt direkt von lokalen ­Lieferanten (zum Beispiel die St. Galler Stadtwerke) und wird in Fermentation organischer Biomasse hergestellt. Vorteil: Die Technik hat sich bewährt und ist ein zuverläs­ siger Ersatz für Dieselmotoren. Biogas-Lkw können übrigens auch in allen anderen von der Migros-Logistik bedienten ­Regionen eingesetzt werden und sind nicht so laut wie ­Diesel-Lkw. Nachteil: Ein Biogas-Lkw ist teurer als ein Dieselfahrzeug. Doch auch er gewinnt dank der Befreiung von der Schwer­ verkehrsabgabe aktuell an ­Attraktivität. Handhabung: Die Fahrer ­erhalten eine Schulung zu den wesentlichen Punkten.

«Wir werden unsere CO2Emissionen drastisch verringern» Rainer Deutschmann, Leiter der Direktion Logistik Transport, ­führt aus, warum die Migros bei der Dekarbonisierung auf ­mehrere Systeme setzt. Rainer Deutschmann, die Migros kauft sowohl Wasserstoff-Lkw als auch solche mit Elektro- und Biogasantrieb. Dabei könnte der Eindruck entstehen, dass man sich auf nichts richtig ­konzentriert. Wir haben eng mit dem inter­dis­ziplinären Forschungsinstitut des ETH-Bereichs für Material­ wissenschaften und Technologieentwicklung (Empa) zusammen­ gearbeitet, um unseren Bedarf zu bestimmen. Aus dieser Analyse ging hervor, dass es klug ist, auf verschiedene Technologien zu ­setzen. Denn wir wollen für jeden Streckenabschnitt den am besten geeigneten Lkw einsetzen. Was heisst das konkret? Ein Lkw mit Elektroantrieb ist ­beispielsweise gut geeignet für ­Lieferungen in der Stadt, da die ­Akku-Kapazität mit bloss etwa 200 Kilometern relativ gering ist. Ausserdem ist er sehr leise, was


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NACHHALTIGKEIT | 12.10.2020 | 51

etwa bei Lieferungen am frühen Morgen ein Plus ist. Ein Wasserstoff-Fahrzeug ist mit einem sehr leistungsstarken Motor ausgestattet und kann besser für weite Entfernungen ein­ gesetzt werden, etwa zwischen zwei Städten. Woher wissen Sie, welche Technologie für welche Fahrt geeignet ist? Hier spielt die Informatik eine ebenso wichtige Rolle wie die Technologie. Deshalb sprechen wir immer zugleich von einer Dekarbonisierungs- und einer Digitalisierungsstrategie. Um den richtigen Antrieb zu verwenden, haben wir ein ­Simulationssystem für unseren gesamten Fuhrpark entwickelt.

Wie funktioniert das genau? Wenn ich eine Lieferung von A nach B plane, zeigt mir das ­System auf einen Blick, wie viele Kilogramm CO2 ich mit einem bestimmten Lkw spare. Zur Berechnung hat unser IT-­System Tausende von GPS-Daten ­gespeichert, die Fahrer mit d ­ em Smartphon erfasst haben. Das System berücksichtigt neben der Entfernung zum Beispiel auch die Topografie der Route. Für Wasserstoff-Lkw wird es 2021 nur sechs Tankstellen in der Schweiz geben. Ist das kein Hindernis für die Entwicklung dieser Technologie? Nein, denn unsere ersten drei Lkw werden nur in der Ostschweiz unterwegs sein, dazu

in ­Zürich und Suhr, um dortige Migros- und Migrolino-Filialen zu beliefern. In allen drei Fällen gibt es eine Tankstelle in der Nähe der jeweiligen Zentrale. Für die weitere Entwicklung hat die Migros gemeinsam mit Coop, Fenaco und Avia den Förderverein H2 Mobilität Schweiz gegründet. Wir haben uns zwei Ziele gesetzt: in vier Jahren ein Netz aus mehr als hundert Tankstellen aufbauen und ­Tausende von Wasserstoff-Lkw auf die Strassen bringen. Was ist mit der Bahn? Hat sie noch eine hohe Priorität für die Migros-Logistik? Ja, sie bleibt ein sehr wichtiges Transportmittel für die Warenlieferung, insbesondere dieje­

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nige zwischen den Industrie­ betrieben und den Logistik­ zentren. Die drei erwähnten Technologien für Lkw sind eine gute ­Ergänzung, ohne ­jedoch zweitrangig zu sein. Mit ihnen können die CO2-­ Emissionen schnell massiv ­gesenkt werden. Und «Cargo sous terrain»? Das Projekt ist weiterhin von grosser Bedeutung. Vor zehn Jahren ge­hörte die Migros zu den Initianten. Heute begleiten wir die Entwicklung sehr eng, indem wir finanzielle und ­personelle Mittel mobilisieren. Schätzungen zufolge könnte der erste Abschnitt zwischen Härkingen SO und Zürich im Jahr 2031 fertig sein. MM


52 | 12.10.2020 | LESEN

Die Vorleserin

Romane, Kurzgeschichten und erotische Texte – Julia Knapp liest Erwachsenen vor. Für eine originelle Betonung imitiert sie auch mal die Stimme eines Bekannten. Text: Rahel Schmucki

Die Vorbereitung ist alles Die 36-jährige Zürcherin ist mit

e­ inem grossen gelben Koffer an­ gereist. Darin befinden sich ein schwarzer Rock, eine weisse Spitzen­ bluse und ein schwarzer Hut. Die ­typische Kleidung der Londoner Ge­ sellschaft in den 1910er-Jahren, die sie im ersten Teil der Lesung tragen

wird. Des Weiteren als Requisiten ein alter Vogelkäfig, Blumen, eine Vase, eine Karaffe, ein gehäkeltes Tischtuch und ein Korb mit Äpfeln. «Ich weiss, dass die Kostüme und die Kulisse ein bisschen klamaukig sind. Aber viele Leute sind es heute nicht mehr ge­ wohnt, eine Stunde lang nur zuzuhö­ ren. So gibt es auch etwas fürs Auge.» Ein Scheinwerfer beleuchtet die Vorleserin auf der Bühne. Sie gesti­ kuliert, ihre Stimme wird leiser und lauter, höher und tiefer. Ihre Worte kommen mal langsam, mal schneller. Nun erreicht die Geschichte eine Wendung: Die Hauptfigur versucht ihrer Familie zu entkommen und zieht aufs Land. Für Julia Knapp das Stichwort, um schwungvoll von der Bühne zu verschwinden, um nach wenigen Sekunden in ihrem zweiten Kostüm vor dem Publikum zu stehen: einem blau geblümten Rock, auf dem Kopf einen Strohhut. Statt des Vogel­ käfigs steht nun der Korb mit Äpfeln auf dem Tisch. Knapps Auftritte sind minutiös geplant. Schon zwei Wochen zuvor hat sie in ihrem Lieblingskostüm­ verleih nach dem passenden Outfit gesucht, mehrere Kleider anprobiert. Ihr wichtigstes Kriterium bei einem Kostümwechsel: Die Bühne darf nicht zu lange leer bleiben. Deshalb hat sie einen Rock ausgeliehen, unter den ein zweiter passt. Mit wenigen

Handgriffen kann sie so ihre Garde­ robe und die Kulisse verändern. Geheimzeichen im Skript

Wenn Julia Knapp ihre linke Hand nicht gerade zur Unterstützung ihrer Worte einsetzt, fährt sie mit dem Zeigefinger auf ihrem Skript entlang. Darin hat sie sich bei ­ihrer Vorbereitung verschiedene Zei­ chen notiert. Ein Auge dort, wo sie ins Publikum schaut. Das Musik­ symbol für forte an Stellen, an de­ nen sie mit lauter Stimme spricht. Und den Namen eines Bekannten, dessen spezielle Stimme sie imi­ tieren will. «Das Wichtigste für eine gute Lesung ist, den Text be­ griffen zu haben. Dann ergeben sich Ideen für die Interpretation wie von selbst», sagt Knapp. Des­ halb hat sie nicht nur das Buch ­gelesen, sondern auch Bilder der beschriebenen Orte angesehen und sich über die korrekte Aussprache englischer Begriffe erkundigt. Was sie vorliest, übt sie leise in etwa 30 Wiederholungen. «Laut lese ich vor der Aufführung den Text selten, nur so fünf oder sechs Mal.» Wie sie liest, hängt auch vom Publikum ab. «Ich gebe am Anfang so richtig Gas. Je ­nachdem, wie das ankommt, passe ich meine Lesung an. Baue mal mehr Humor ein oder lese besinnlicher. In die­

Bilder: Monika Flückiger (2), Ewald Vorberg

J

ulia Knapp wirft den Vorhang zur Seite, geht mit harten Schrit­ ten die Stufen zur Bühne hinun­ ter, ihr schwarzer Rock schwingt hin und her. Die Aufmerksamkeit des Publikums ist ihr mit diesem Auftritt bereits sicher. Sie stellt sich vors ­Mikrofon, klappt ihre Mappe auf und beginnt zu lesen. Knapp ist Vorleserin. Sie liest ­Erwachsenen vor: Romane, Erzäh­ lungen, feministische und gelegent­ lich erotische Texte. Manchmal im Rahmen einer Degustation, manch­ mal zusammen mit einer Musikerin. An diesem Abend, im Kellertheater Ono in Bern, ist es «Lolly Willowes oder der liebevolle Jägersmann» von Sylvia Towns­end Warner. Der ­Roman handelt von einer unver­ heirateten Frau im England der 1910er-Jahre, die gern alleine leben möchte. Ihre Familie spannt sie ­jedoch immer ­wieder als Kindermäd­ chen oder Haushälterin ein. Bis sie ­einen Pakt mit dem Teufel eingeht.


LESEN | 12.10.2020 | 53

«Viele Leute sind es heute nicht mehr gewohnt, eine Stunde lang nur zuzuhören.» Julia Knapp (36) Vorleserin

In andere Rollen schlüpfen: Julia Knapp reist mit einem grossen Koffer zu ­ihren Auftritten (grosses Bild). Darin befinden sich ihr Kostüm und Requisiten für die Kulisse.

So lesen Sie besser vor Vorbereitung: • Überlegen Sie sich vor dem Vorlesen, an welchen Textstellen Sie atmen können. • Ein Warm-up für die Muskeln und Stimmbänder hilft, dass Ihre Stimme angenehmer klingt. So seltsam es wirkt: Imitieren Sie einen Hund. Nach intensivem Hecheln fliesst der Atem leichter. Während des Vorlesens: • Verschlucken Sie nicht die Endungen. • Sprechen Sie die Konso­ nanten schön aus, unterscheiden Sie zum Beispiel zwischen W und V. • Nehmen Sie sich Zeit. Man kann fast nicht zu langsam vorlesen. • Suchen Sie den Blickkontakt zu Ihren Zuhörerinnen und Zuhörern. Achtung, vor dem Aufschauen mit dem Finger markieren, wo im Text Sie gerade sind!


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VW MULTIVAN 6.1: JETZT 24H TESTEN – WWW.MULTIVAN.CH

Platz für jedes Abenteuer Der VW Multivan 6.1 ist der perfekte Begleiter für jedes Abenteuer, wie die 24h TestDays von Melanie und Alain in der Region Engelberg zeigten.

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Der VW Multivan 6.1 ist ideal, um mehr Freiheiten zu gewinnen und neue Regionen zu entdecken. Sichern Sie sich Ihre Chance auf ein spannendes Abenteuer. Melden Sie sich unter www.multivan.ch für die unvergesslichen 24h TestDays an. Dabei lernen Sie den vielseitigen Allrounder besser kennen. Melanie und Alain aus dem Berner Seeland wollten schon lange mit ihren Mountainbikes die Trails rund um Engelberg erkunden und auf ihren Stand Up Paddles über den spiegelklaren Trüebsee gleiten. «Die Bikes, die SUP und allenfalls noch Zelt und Schlafsäcke zum Übernachten; dazu fehlt uns im aktuellen Auto der Platz», erklärt der sportliche Lehrer. Nun nutzt das Pärchen die einzigartige Chance für eine 24-Stunden-Erlebnisfahrt mit dem VW Multivan 6.1 und seinem bis zu 4300 Liter grossen Stauraum. «Der fast 5 Meter lange Wagen ist ideal. Er bietet Platz für jedes Hobby», freut sich Melanie, «so können wir alles kombinieren, sind viel flexibler und freier – echt cool!» Die beiden 34-Jährigen wollten zudem eine neue Ecke der Schweiz erkunden und haben sich für die Innerschweiz entschieden, genauer die Region Engelberg. «Biken, Wandern, Klettern oder Trailrunning wären möglich», zählt Melanie die verschiedenen Aktivitäten auf. Alain ergänzt: «Und ich möchte noch einen kurzen Blick ins bekannte Benediktinerkloster werfen. Das feiert 2020 sein 900-Jahr-Jubiläum, soll imposant sein und für mich als Käseliebhaber gibt es sogar ein Schaukäserei.»

Nach der komfortablen Fahrt auf der Autobahn, freut sich Alain am Steuer des VW Multivan 6.1 sichtlich über die Kurven hoch nach Engelberg. «Für einen so grossen Wagen ist er sehr handlich und agil. Zudem gefällt mir die Durchzugsstärke des effizienten und laufruhigen Diesels», urteilt der 34-Jährige fachmännisch. In Engelberg angekommen, finden sie rasch einen Parkplatz und testen gleich die Handlichkeit des VW. «Beeindruckend, wie locker Melanie den Multivan in die Lücke zirkelt. Das könnte ich kaum besser, obwohl die Rundumsicht dank der vielen Fenster und der hohen Sitzposition ausgezeichnet ist.» Nach etwas Kultur zum Start steigen die beiden um auf die Mountainbikes. Hoch geht es Richtung Untertrüebsee und Hüethütte mit toller Aussicht auf den Titlis. Nach der schweisstreibenden Biketour wollen sie zur Abkühlung ihre SUP nutzen. «Der Trüebsee ist zwar sehr hübsch, dennoch haben wir uns wegen des Wetters umentschieden», sagt Melanie. Das Paar zurrt Bikes und SUP sicher fest und entscheidet sich nach kurzem Blick aufs Navigationssystem im perfekt vernetzten Cockpit wieder runter nach Sarnen zu fahren. «Mit dem Multivan 6.1 hat man die Chance, seine Pläne auch mal zu ändern. Diese Freiheit ist genial und enorm viel wert», erklärt die Büroangestellte.

«Zudem freue ich mich schon auf die Kurven runter ins Tal, denn dieses Mal fahre ich.» Die Abkühlung und Entspannung im und auf dem Sarnersee tut gut. «Uns hat es hier so gut gefallen, dass wir den Tag bei einem romantischen Picknick auf dem Steg ausklingen lassen wollen», sagt Alain zufrieden und lässt seinen Blick übers Wasser schweifen. «Unsere 24-Stunden-Erlebnisfahrt endet ja erst morgen früh, und die Zeit mit dem Multivan wollen wir voll auskosten.»

So sind Sie dabei: Melden Sie sich unter www.multivan.ch für die kostenlosen 24h TestDays mit dem Multivan 6.1 an. So können Sie die Vorzüge der neusten Generation des VW-Allrounders im eigenen Alltag besser kennen – und vielleicht sogar schätzen lernen! Melanie und Alain haben es bereits ausprobiert, waren begeistert und möchten den Komfort, Platz und die Sicherheit, die der VW Multivan 6.1 bietet, nun nicht mehr missen. Infos und Anmeldung unter: www.multivan.ch


Bilder: Bon Wongwannawat, zVg

LESEN | 12.10.2020 | 55

ser Lesung kommt nicht viel vom ­Publikum, das Masken tragen muss und weit auseinander sitzt.» Vor Corona gab Knapp bis zu zehn Lesungen pro Jahr. Sie wird von Verlagen oder von Privatpersonen gebucht. «Wenn mir ein Buch oder ein Text ­besonders gut gefällt, habe ich auch schon selber eine Lesung organisiert», sagt sie. Jetzt ist es ein bisschen ruhiger geworden, der Auftritt im Theater Ono ist einer ihrer ersten seit März.

Julia Knapp hat immer gerne gelesen. Aufgewachsen ist sie in der Nähe von Weinsberg, einer Kleinstadt bei Stuttgart. Bereits als Zehnjährige besuchte sie eine lokale Theatergruppe. Dort entdeckte sie ihre Begeisterung für Bühnenauftritte. «Es fasziniert mich bis heute, Menschen zu begeistern. Besonders die harten Nüsse, die ­Leute, die nie oder wenig lesen. Sie versuche ich zu knacken.» Knapp hat Literatur, Philosophie und Italienisch studiert.

In die Schweiz kam sie für eine Stelle in einem Verlag in Wädenswil ZH. Heute arbeitet sie bei Orell Füssli als Eventmanagerin. Lesungen realisiert sie nebenbei. «Als Abwechslung zum Bürojob und aus Freude an der Sache», sagt sie. Ihre Muttersprache helfe ihr auf der Bühne. Aber jeder könne sich ein Bühnenhochdeutsch antrainieren. Auch ihr Hochdeutsch sei nicht perfekt. «Das Schweizer Publikum hört zum Glück meistens über meinen schwäbischen Akzent hinweg.» Nach gut einer Stunde schlägt Julia Knapp in ihrem Skript die letzte Seite auf. Lolly W ­ illowes hat gerade den Pakt mit dem Teufel geschlossen. «Den Rest verrate ich nicht. Nur so viel: Lolly wird ihre Familie endlich los.» Knapp klappt ihre Mappe zu, verbeugt sich mit e­ inem leichten Knicks und verlässt die Bühne so schwungvoll, wie sie g­ ekommen ist. MM Weitere Infos: juliaknapp.com

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BLEIBEN SIE IN SCHWUNG! Ob im Familienleben, bei der Arbeit oder während Freizeitaktivitäten – wir sind dauernd gefordert, unser Bestes zu geben. Daher ist es wichtig, körperlich und geistig vital zu sein und stets in Schwung zu bleiben. Insbesondere in Zeiten erhöhter Belastung sowie im Herbst/Winter ist unser Immunsystem gefordert, damit wir den Herausforderungen des Alltags gesund und fit begegnen können.

Eine tägliche Portion an Vitaminen und Mineralstoffen ist wichtig und unterstützt die Vitalität sowie das Immunsystem. Um gesund und in Schwung zu bleiben, ist der menschliche Organismus auf eine ausreichende Versorgung mit Vitaminen und Mineralstoffen angewiesen. Idealerweise werden diese durch eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst und Gemüse zugeführt. Individuelle Essgewohn­ heiten, das saisonbedingte Wegfallen von Lieblings­ früchten oder der Mangel an Disziplin, sich gesund zu ­ernähren, erschweren es jedoch so manchem, den täglichen Bedarf an Vitaminen und Mineralstoffen zu sich zu nehmen. Eine ­vor­übergehende Supplementierung mit Vitaminen und Mineral­ stoffen kann daher sinnvoll sein. Hierbei können Nahrungsergän­ zungsmittel den zusätzlichen Bedarf an Vitalstoffen bereitstellen. Wichtig ist jedoch, darauf zu achten, sich für ein qualitativ hochwertiges Produkt zu entscheiden, das optimal dosiert ist, und sich für die tägliche Einnahme als praktisch wie auch angenehm erweist. Bei der Wahl von Vitaminpräparaten lohnt es sich daher zu vergleichen und nicht einfach nach dem billigsten Produkt im Regal zu greifen.

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KOLUMNE | 12.10.2020 | 57

Licht und Schatten

Bild: Lorenzo Schuhmacher/MGB Fotostudio

DER ANDERE BLICK «Mama, was ist ein Schat­ tenkind?», fragt mich mein jüngerer Sohn (13) und zeigt auf einen Artikel in einer Zeitschrift. «Es gibt Menschen, die bezeichnen Geschwister von Kindern mit einer Behinderung oder mit ­einer schweren Krankheit als Schattenkinder», antworte ich, «weil es die Meinung gibt, dass sol­ che Kinder im Schatten ihrer Geschwister leben und weniger Aufmerksamkeit und Zuwendung von ihren Eltern bekommen als das Kind mit ­einer Beeinträchtigung.»

Sara Satir (41) wünschte sich früh eine Familie. Ihr erster Sohn Cem (15) kam mit einer Behinderung zur Welt – alles wurde ­anders als im Traum.

Ich wurde mit meinem zweiten Kind schwanger, als die Ärzte bei meinem älteren Sohn noch von einer Entwicklungsverzögerung sprachen und keine weiteren Diagnosen im Raum standen. Der Wunsch nach einem zweiten Kind war gross, ich habe immer von drei oder vier Kindern geträumt. Wir freuten uns riesig über die Geburt des zweiten Sohns. Im ersten Jahr ­waren die zwei wie Zwil­ linge. Beide lagen gern auf der Krabbeldecke und fanden ähnliche Dinge spannend. Im Laufe der Zeit überholte mein Jüngster seinen Bruder in ­allen Fähigkeiten. Er kletterte Bäume hoch, als sein Bruder noch das gerade Gehen übte, schwatz­ te wie ein Buch, während sein Bruder nur wenige Wörter sprach, zeichnete Strichmännchen und staunte, wieso sein Bruder keinen Stift halten konnte. In dieser Zeit las ich das erste Mal vom Begriff Schattenkind, einem Wort, das in mir Schuldgefühle aus­löste. Die Behinderung meines älteren Sohns nahm viel Raum in unserem Alltag ein. Er brauchte Pflege und ständige Aufmerksam­ keit, während sein Bruder sehr früh selbständig wurde. Spürte mein Kleiner, wie sehr ich ihn liebe? ­Wurde ich meinem zweiten Kind genug gerecht? Würde er in der Zukunft unter der Behinderung

seines Bruders leiden? Meine Gedanken kreisten nur noch um diese Fragen, und ich sprach mit ­einer Freundin über meine Gefühle. Sie hörte zu und deutete dann auf meinen jüngeren Sohn, der vor uns auf einer Wiese spielte: «Schau ihn dir an, so wirkt kein Kind, das im Schatten steht und sich nicht geliebt fühlt. So, wie er gerade strahlt, würde ich ihn eher als Sonnenkind bezeichnen.» Sie hatte recht, es ging ihm gut. Er war ein fröh­ licher kleiner Junge, der auch trotzen und frech sein konnte. Meine Verunsicherung war nicht verschwunden, doch ich lernte mit ihr umzu­ gehen. Die Behinderung seines Bruders ist für ihn Normalität. Mit drei Jahren sagte er zu mir: «Wenn er die Augen zusammenkneift, dann ist etwas nicht gut mit ihm, und er wird bald schreien und schlagen.» Dass schmaler werdende Augen ein Früherkennungszeichen für eine Reizüber­ flutung bei Autismus ist, das zu einem Ausbruch führen kann, hat mir ein Arzt erst viel später ­bestätigt. Dieses Beispiel zeigt, wie nah Chancen und Herausforderungen für Geschwister von Kindern mit einer Behinderung liegen. Das autis­ tische Verhalten seines Bruders war und ist für meinen Jüngsten immer wieder sehr schwierig auszuhalten und gleichzeitig sein grösstes ­Lernfeld für Empathie und Sozialkompetenz. Über das und noch viel mehr sprach ich mit mei­ nem jüngeren Sohn, als er sich nach der Bezeich­ nung Schattenkind erkundigte. «Welchen Begriff fändest du für deine Rolle als Bruder passender?», fragte ich ihn. Er antwortete: «Warum braucht es einen Begriff? Ich bin sein Bruder, und wir ­beide stehen im Licht und manchmal auch im Schatten, das gehört doch zusammen!» MM

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58 | 12.10.2020 | FÜSSE

Sieben Übungen für starke Füsse Fussgymnastik kann helfen, Verletzungen und Beschwerden an Knien, Hüften und am Rücken vorzubeugen. Wir zeigen einfache Übungen, die nicht nur den Füssen guttun. Text: Susanne Schmid Lopardo  Illustration: Bruno Muff

U

nsere Füsse stecken tags­ über fast immer in Schuhen, dadurch werden die Fuss­ muskeln einseitig bean­ sprucht. Das schwächt Fussgewölbe und Sprunggelenk. Dabei müssen ­Füsse Kräfte aushalten, die dem dreifachen Körpergewicht entspre­ chen, wie David Schaad, Leiter Physio­ therapeuten bei Medbase Bischofszell, erklärt. Schwache Füsse können Aus­ wirkungen auf die Knie, die Hüften und die Wirbelsäule haben. Mit Fuss­ gymnastik k ­ önnen wir die Muskulatur bis in die kleinen Muskeln stärken. ­Gezielte Übungen helfen, das Gleich­ gewicht zu trainieren und Verletzun­ gen vorzubeugen.

Mitmachen! 7 Übungen für den Einstieg

Barfusslaufen für starke Füsse

Es ist wichtig, die Füsse regelmässig zu fordern. Man sollte sie aber nicht überfordern. Ein gutes Training ist das Barfusslaufen zu Hause oder das Balancieren über einen Baumstamm. Schaad: «Da ist der Fuss sensorisch aktiv und muss sich anpassen.»

1

Übungen in den Alltag integrieren

Am besten integriert man die Übun­ gen in den Alltag. Zum Beispiel indem man beim Zähneputzen von den ­Fersen auf die Zehen wippt und um­ gekehrt. Oder an der Tram- oder ­Bus­haltestelle mit dem Fuss von der Aussenkante zur Innenkante wippt und zurück. Gut tut es den ­Füssen auch, wenn man zwischen­ durch die Schuhe auszieht und sie massiert und dehnt. Sie wollen gleich mit dem Üben be­ ginnen? Mit den folgenden Übungen können Sie einsteigen.

David Schaad dipl. Physio­ therapeut MSc und Leiter ­Therapie Medbase ­Bischofszell

Beidseitige Wadenkräftigung

Das braucht es eine Treppe oder ein dickes Buch. Stellen Sie sich mit beiden Vorder­ füssen auf eine Stufe oder auf ein ­dickes Buch, die Fersen sind in der Luft. Heben Sie die Fersen, bis Sie auf den Zehenspitzen stehen, und senken Sie die Fersen. Heben Sie die Fersen, bis Sie auf den ­Zehenspitzen stehen, und senken Sie die Fersen, bis sich eine leichte Dehnung bemerkbar macht. • Kräftigt die Wadenmuskeln, ­mobilisiert das Sprunggelenk • 10 × wiederholen

2

Einbeiniger Zehenstand

Stehen Sie auf einem Bein. Stellen Sie sich danach mit diesem Bein auf die Zehenspitzen. Kehren Sie kon­trolliert in die Ausgangs­ posi­tion zurück. Führen Sie diese Bewegung nicht zu langsam durch. So ist es einfacher, das Gleich­ gewicht zu halten. Wiederholen Sie diese Übung kontrolliert. • Stärkt die Wadenmuskulatur und fördert das Gleichgewicht • Auf jedem Bein 5 × wiederholen


FÜSSE | 12.10.2020 | 59

3

Zehenmobilisierung

Das braucht es: ein Handtuch. Setzen Sie sich aufrecht auf einen Stuhl, und stellen Sie die Füsse ­hüftbreit auseinander flach auf den Boden. Legen Sie ein Handtuch an der Aussenseite von einem Fuss auf den Boden. Greifen Sie das Hand­ tuch mit dem Fuss, neben dem das Handtuch liegt, und ziehen Sie es zur Mitte. Die Ferse des Fusses bleibt dabei auf dem Boden. Machen Sie diese Bewegungen so oft, bis das Handtuch zwischen Ihren Füssen liegt. Wiederholen Sie die Übung in die entgegengesetzte Richtung. ­Danach das Handtuch neben den anderen Fuss legen, und die Übung mit diesem wiederholen. • Fördert die Zehenmotorik und deren Koordination • 1 × pro Seite wiederholen

5

4

Zehen-FersenGang

Bild: zVg

Setzen Sie die Fersen eines Fusses vor die Zehen des anderen. Schauen Sie nach vorn, und gehen Sie gerade­ aus wie ein Seiltänzer auf dem Seil, z. B. von der Haustür zur Küche oder vom Bürotisch zum Drucker. • Trainiert den Gleichgewichtssinn • 20 × wiederholen

iMpuls ist die Gesundheits­ initiative der Migros.

Dehnung des Wadenmuskels

Stellen Sie sich vor eine Wand, und stützen Sie sich mit beiden Händen ab. Machen Sie mit einem Bein ­einen Schritt nach hinten, und ­setzen Sie dabei die Ferse auf den Boden auf. Ihre Zehen zeigen nach vorn. Beugen Sie nun das vordere Bein, und schieben Sie Ihren K ­ örper nach vorn, bis Sie eine Dehnung in der hinteren Wade spüren. Das hintere Bein bleibt gestreckt. Achten Sie darauf, dass die Ferse am Boden bleibt und Sie Ihr Knie nicht beugen. • Dehnt die Wadenmuskulatur und die Faszien • 2 × mit jedem Bein wiederholen, jeweils 15 Sekunden lang halten

7 6

Beidbeiniger Zehenstand

Stehen Sie aufrecht, die Beine hüftbreit, drehen Sie Ihre Fuss­ spitzen nach aussen. Die Stellung ähnelt ­einer Ballettposition. Heben Sie die Fersen, und gehen Sie auf die Zehenspitzen. Senken Sie die ­Fersen wieder auf den Boden zurück. ­Wiederholen Sie dies. • Stärkt Waden, Fussheber und Gleichgewicht • 10 × wiederholen

Mobilisierung der Plantarfaszie des Fusses

Dazu braucht es einen Stuhl, eine gefüllte, gefrorene Wasserflasche. Setzen Sie sich auf den Stuhl. ­Nehmen Sie die tiefgefrorene ­Wasserflasche. Legen Sie die ­Flasche nun unter Ihren Fuss und rollen Sie darüber, um das Gewebe zu mobilisieren. • Mobilisiert die Sehnen an der Fusssohle. Hilft auch bei einem entzündeten ­Fersensporn • 20–30 Sekunden mit jedem Fuss rollen

Übungen im Video Sie wollen lieber mit einer Online-Anleitung üben? Die Übungen mit Videos von Medbase finden Sie auf: migros-impuls.ch/fussgymnastik


60 | 12.10.2020 | MEINE MIGROS

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FINANZEN | 12.10.2020 | 63 Contentpartnerschaft

Börsen-Rückschläge als Kaufchance

Grafik: Bloomberg (Stand: 25. 9. 2020); Bild: Gerry Nitsch

Thomas Pentsy ist Markt- und ­Produktanalyst bei der Migros Bank.

Auf Konsolidierungskurs: Seit dem Corona-bedingten Jahrestief haben sich die Börsen­indizes erholt – speziell der SPI und der S&P 500 (indexiert: 1. 1. 2020). 120 S&P 500

Euro Stoxx 50

SPI

Topix

MSCI Emerging Markets

110 100 90 80 70

9. 2

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020 7. 2

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5. 2

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1. 20

Im Sommer hat sich das Stimmungs­ bild an den globalen Aktienmärkten weiter aufgehellt, unterstützt von ­einer Belebung der Wirtschaftstätig­ keit und von etlichen Unternehmens­ ergebnissen, die besser ausfielen als erwartet. Gegenüber den Prognosen auf dem Höhepunkt der Coronakrise überraschten die Konjunkturdaten bislang mehrheitlich positiv: Es kam nicht ganz so schlimm wie befürchtet. An der Börse ist aber das weitere ­Aufwärtspotenzial vorerst limitiert. Die Bewertungen nehmen bereits viel Wachstumsfantasie vorweg. Für die nächsten Monate sehen wir erhöhte Risiken für Rückschläge, zumal wieder vermehrt Spekulanten am Markt aktiv sind. Eine markante zweite Corona-Welle könnte der Wirtschaft abermals schaden. Einige Konjunkturindikatoren haben jüngst auch wieder eine Abschwächung des Aufschwungs signalisiert. Und speziell im Hinblick auf die US-­ Präsidentschaftswahl im November dürften Anleger nervöser werden. Hinzu kommen geopolitische Risiken wie eine weitere Eskalation im ­Handels- und Technologiestreit ­zwischen den USA und China sowie ein harter Brexit. Zwischenzeitliche Kurs­rück­setzer sind daher wahr­ scheinlich. Aufgrund der ultralockeren Geld­ politik der Zentralbanken bleiben die Rahmenbedingungen für Aktien jedoch nach wie vor günstig. Das mo­ netäre Umfeld verleiht den Märkten eine Kursstütze, und zusätzliche Hilfsmassnahmen durch Regierungen und Notenbanken sind im Kampf ­gegen die Coronakrise absehbar. ­Weitere Fortschritte bei Impfstoffen und Therapien gegen Covid-19 min­ dern wiederum die Unsicherheiten rund um das Virus und tragen dazu bei, das Vertrauen der Konsumenten und Unternehmen künftig schritt­ weise wieder zu stärken. Auf die Dauer von sechs bis zwölf Monaten erwarten wir daher eine weiterhin aufwärtsgerichtete, aber volatile Kursentwicklung. Zwischen­ zeitliche Rückschläge interpretieren wir als Kaufchance. Die Kursgewinne dürften künftig allerdings nicht mehr so üppig ausfallen wie seit April. MM

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66 | 12.10.2020 | MIGROS LUZERN

Alles für den täglichen Bedarf bieten die Läden im neuen, modernen Herti.

Willkommen im Herti Nach über vierzig Jahren erscheint das Einkaufscenter Herti in Zug in neuem Kleid und feiert am kommenden Donnerstag Neueröffnung. Text: Antonia Reinhard


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eit dem Bau des Herti-Centers in den 80er-Jahren wurden an den Gebäuden und in den Läden praktisch keine Erneuerungsarbeiten vorgenommen. Nachdem die Migros ­Luzern das Center 2014 übernommen hatte, ­investierte sie rund 30 Millionen Franken in die umfassende Modernisierung, die sämt­liche Gebäudeteile vom Unter­ geschoss bis zum Dachaufbau einschloss. Dabei wurden zum grössten Teil lokale und regionale Unternehmen berücksichtigt. Neben einer neuen energieeffizienten Gebäudetechnik wurden die Verkaufs­ flächen für die ­Geschäfte erweitert und neu angeordnet. Ebenso wurde der zent­ rale Quartier- und Marktplatz vergrössert. Neue Geschäfte und Dienstleistungen

Das Center überzeugt mit praktischen Einkaufsmöglichkeiten und einem lichtdurchfluteten Marktplatz in der Mitte, der zum Verweilen einlädt. Neben den ­bestehenden Läden sind auch sieben neue Läden und Dienstleister ins Herti einge­ zogen. Darunter Street One / CECIL, ­Chicorée und Center Physio Zug. Über 170 Parkplätze stehen zur Verfügung – das Parkieren in den ersten 90 Minuten sowie an den Eröffnungstagen ist kostenlos. Mehr Platz in der Migros-Filiale

Der helle Marktplatz in der Mitte des Centers lädt zum Verweilen ein.

Bilder: zVg

Der vergrösserte Supermarkt bietet auf 1500 Quadratmetern ein erweitertes ­Sortiment, neu mit bedienten Fleisch- und Fischtheken sowie einer Blumenabteilung. Den Kunden stehen auch Dienst­leis­tun­gen wie PickMup und der Kleiderrei­ni­gungs­ service am Kundendienst zur Ver­fügung. Bezahlt werden kann an den bedienten Kassen oder an den «Subito» Self-­Scanning und Self-­Checkout-Stationen. Mit der vergrösserten Supermarktfiliale schafft die Migros 26 zusätzliche Arbeitsplätze, sodass das Team nun insgesamt 40 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ­umfasst. Ab Sommer 2021 wird auch eine ­Lernende in der Filiale ausgebildet. MM Das Herti feiert vom 15. bis 17. Oktober die Neueröffnung, mit: • Rubbelkarten-Wettbewerb: Zu ­gewinnen gibt es Center-Taler im ­Gesamtwert von 8000 Franken. • Fotobox für digitale Grüsse oder ­Erinnerungsfotos zum Mitnehmen • Kindermalwettbewerb mit anschlies­ sender Ausstellung im Center Öffnungszeiten und weitere Infos: herti.ch

José Rodriguez Filialleiter Migros Herti

Drei Fragen an José Rodriguez, Filialleiter Migros Herti: Nach über einem halben Jahr im Provisorium öffnet nun auch die ver­ grösserte Migros-Filiale – sind Sie ­bereit? Auf jeden Fall! Mein Team und ich freuen uns sehr über den neuen Laden, der viel Platz zum Einkaufen und neu auch Fleisch und Fisch an der bedienten Theke bietet. Was gefällt Ihnen besonders am neuen Center? Die Architektur ist hell und freundlich. Man fühlt sich gleich wohl, wenn man hineinkommt. Was macht für Sie das ­Herti-Quartier aus? Das Herti ist ein wichtiger ­Begegnungsort für Jung und Alt. Im Quartier spürt man die Herzlichkeit, die auch im Center-Slogan benannt wird.


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Mitbasteln und gewinnen

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Das Sorglospaket für jeden Anlass Sie möchten Ihren Mitarbeitenden für Ihre Leistung danken? Oder sich bei Ihren Kunden für ihre Treue erkenntlich zeigen? Genau dafür gibt es das Rundum-Sorglospaket der Catering Services der Migros Luzern. Abgestimmt auf Ihren Anlass, vom Firmenapéro bis zum Weihnachtsessen. «Und wir bringen das Schutzkonzept gleich mit», erklärt Beat Thalmann, Leiter Catering, den Coup. Unkompliziert und schnell geliefert, mit allem, was es braucht. Mit oder ohne Service, ob Apéro-Päckli oder Street-Food-Stand mit ausgewählten Spezialitäten. Natürlich lassen sich die einzelnen Angebote auch kombinieren. Mehr Infos/Kontakt auf: www.csm-luzern.ch

Kreativ in den Herbst mit Do it + Garden: Der Migros-Fachmarkt bietet nicht nur das ­nötige Material, sondern auch viel Inspiration. Ob Dekorations­ gegen­stände für die ­eigenen vier Wände oder Weihnachts­ geschenke mit persön­ licher Note – vielfältige Angebote, Anleitungen und ­Videos sind auf der Do-it-Website zu finden (Link unten). Mitbasteln lohnt sich: Ab sofort gibt es bis Weihnachten insgesamt sieben ­Kreativ-Challenges, bei denen man Preise im Gesamtwert von 10 000 Franken gewinnen kann. Die Challenges und Infos dazu auf: doitgarden.ch/kreativ. Aktuelle Kreativ-­ Angebote in den fünf «Do it + Garden»-­Filialen der ­Zentralschweiz: Surseepark, ­Länderpark Stans, Mall of Switzerland Ebikon, Mythen-­Center Schwyz und Zugerland ­Steinhausen.


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KINDER | 12.10.2020 | 71

Fragen und gewinnen

Wieso hört man das Meer rauschen, wenn man

eine Muschel ) ) ans Ohr hält?

Dieses «Meeresrauschen» hört man vor allem in den hohlen ­gewundenen Häuschen von ­grossen Meeresschnecken. Leider ist es aber nicht wirk­lich das Rauschen des ­Meeres, das du hörst. Es klingt nur recht ­ähnlich. Früher dachte man, es sei das Rauschen des Blutes in den Adern von deinem Ohr und ­deiner Hand, das durch die ­ Schale verstärkt wird und dann an unser Ohr dringt.

)

Ruben (11), Degersheim (SG)

Dass diese Erklärung nicht ­stimmen kann, stellt man fest, wenn man ein Mikrofon vor die Öffnung eines auf dem Tisch ­liegenden Schneckengehäuses hält: Das Mikrofon zeichnet ­nämlich ein deutliches Rauschen auf, obwohl niemand das Ge­ häuse in der Hand hält. Ob es vielleicht doch das Meeres­ rauschen ist? Leider nein: Es sind die überall vorhandenen Umgebungsge­ räusche, die das Rauschen in

der Muschel verursachen: ein vorbeifahrendes Auto, ein ­bel­lender Hund, eine tickende Uhr. Diese Geräusche dringen an das Muschelgehäuse und ­werden ins Innere übertragen. Sie werden dann in der Muschel von den gewundenen Wänden viele Male zurück­geworfen und lassen die Luft im Innern schwingen. All diese Geräusche vermischen sich schliesslich zum typischen «Meeresrauschen», das wir in der Muschel h ­ ören ­können. MM

Hast du auch eine Frage? Schreib an: kinderfragen@ migrosmedien.ch

Diese Frage beantwortet Dr. med. Christine Schlesinger, Fachärztin für Kinderund Jugendheilkunde.

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72 | 12.10.2020 | MEINE MIGROS

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MEINE MIGROS | 12.10.2020 | 73

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74 | 12.10.2020 | RÄTSEL

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Sudoku 2 × 100 Franken zu gewinnen

Füllen Sie die leeren Felder mit den Zahlen 1 bis 9. Dabei darf jede Zahl in jeder Zeile, jeder Spalte und in jedem der neun 3×3-Blöcke nur ein Mal vorkommen. Die Lösungszahl ergibt sich aus den orangen Feldern von links nach rechts. So nehmen Sie teil: Tel.: 0901 000 844 (Fr. 1.–/Anruf) SMS: Senden Sie MMD4, gefolgt vom Lösungswort, Ihrem Namen und Ihrer Adresse an 3113 (Fr. 1.–/SMS). Bsp.: MMD4 123. Hans Muster, Musterweg 22, 8000 Musterdorf Internet: www.migmag.ch/sudoku (kostenlos) Teilnahmeschluss: Sonntag, 18.10.2020, 24 Uhr


RÄTSEL | 12.10.2020 | 75

Gewinnen Sie eine von 4 Migros-Geschenkkarten im Wert von je 100 Franken! 4×

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2 × 100 gewinnen Füllen Sie dieFranken zehn Wörter inzu das Rätselgitter ein. Füllen Sie Sie die zehn Wörter das Rätselgitter Tragen diesich zehn Wörter in das Rätselgitter Die Lösung ergibt aus in den Buchstaben inein. den Feldern 1-5.ein. Die ergibt sich aus den Buchstaben den Feldern 1-5. DasLösung Lösungswort ergibt sich ausinden Buchstaben in den Feldern 1 bis 5.

Ermitteln Sie für jede Quizfrage den richtigen Lösungsbuchstaben. Der Reihe nach in die Lösungsfelder eingetragen, ergibt sich das Lösungswort. Wenn man eine Gefahr frühzeitig spürt, dann riecht man den … K Kaffee

E Braten

U Kartoffelstock

Wie lautet die allgemeine Notrufnummer der Polizei in der Schweiz? L 109

I

H 117

111

Wie heisst ein beliebtes Videoportal? N TukTuk

S FligFlag

E TikTok

T 2015

1 1

P 2008

Wie heisst ein Meteorit-Einschlagkrater in Australien? E Billys Trick

I

O Kleiner Angeber

Gosses Bluff

Was ist ein «Comb-Over»? N Frisur

M Automobil

S Herrenjacke

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R 1. November 4

5

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Lösungswort

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4 4

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So nehmen Sie teil: Tel.: 0901 000 843 (Fr. 1.–/Anruf ) SMS: Senden Sie MMD3, gefolgt vom Lösungswort, Ihrem Namen und Ihrer Adresse an 3113 (Fr. 1.–/SMS). Bsp.: MMD3 HOTEL. Hans Muster, Musterweg 22, 8000 Musterdorf Internet: www.migmag.ch/paroli (kostenlos) Teilnahmeschluss: Sonntag, 18.10.2020, 24 Uhr Teilnahmebedingungen: auf der ersten Rätselseite

Tel.: 0901 000 842 (Fr. 1.–/Anruf ) SMS: Senden Sie MMD2, gefolgt vom Lösungswort, Ihrem Namen und Ihrer Adresse an 3113 (Fr. 1.–/SMS). Bsp.: MMD2 ATEMZUG. Hans Muster, Musterweg 22, 8000 Musterdorf Internet: www.migmag.ch/quiz (kostenlos) Teilnahmeschluss: Sonntag, 18.10.2020, 24 Uhr Teilnahmebedingungen: auf der ersten Rätselseite

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Kreuzworträtsel Lösung Nr. 41

Sudoku Lösung Nr. 41

Was

koche ich heute? migusto.ch

3

E 1 1

Die Zahl bei jeder Spalte oder Zeile bestimmt, wie viele Felder durch Schiffe besetzt sind. Diese dürfen sich nicht berühren und müssen vollständig von Wasser umgeben sein, sofern sie nicht an Land liegen.

G 16. Oktober 6

3

5 2

Bimaru

Wann wird der Gallustag gefeiert? T 17. Dezember

4

A

Lösung: Lösung:

Wann wurde zum letzten Mal die Mustermesse Basel durchgeführt? R 2019

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78 | 12.10.2020 | MEINE WELT

«Vom Filmen allein kann ich nicht leben»

Vormittags kurvt Silvia Häselbarth Stolz mit Fahrschülern durch Luzern, nachmittags arbeitet sie an ihren Filmprojekten. Nächste Woche startet ihr neuer Dokumentarfilm «Vamos» in den Kinos – und eine Fahrlehrerkomödie ist bereits in Vorbereitung. Text: Ralf Kaminski Bilder: Mischa Christen

2

Name Silvia Häselbarth Stolz (54) Wohnort Luzern Das läuft bei mir «Ich freue mich über den Start meines Dokumentarfilms ‹Vamos – Ein neuer Weg›, in dem vier Menschen um die 50 aus verschiedenen Gründen zu neuen Ufern aufbrechen. Auf das Thema bin ich durch einen Freund gekommen, der beschloss umzuziehen, weil er sich mit dem Auszug seiner Kinder so schwertat und einen Neustart suchte. Vom Filmen allein kann ich aber nicht l­ eben, deshalb habe ich noch meinen zweiten Beruf als Fahrlehrerin. Da geht es mir auch darum, den Jungen zu zeigen, was Verantwortung im Verkehr bedeutet. Zwar wusste ich schon mit 15, dass ich zum Film will, aber mein erster – ‹Drei Brüder à la carte› – kam dann doch erst 2011 raus.» 1

Mehr Infos: film-vamos.ch; ab 22. 10. im Kino


MEINE WELT | 12.10.2020 | 79

1 Mein Lieblingslokal «Im Majorelle gibts die beste heisse Schoggi mit ­Hafermilch in der ganzen Stadt. Zudem mag ich das Ambiente und die tollen ­marokkanischen Häppchen.» 2 Mein Film «Ich denke, viele Menschen um die 50 werden Themen in ‹Vamos› wiederfinden, die sie beschäftigen. Auch mein eigener Ablösungsprozess von ­unserem 22-jährigen Sohn dürfte mir nun ein wenig leichter fallen.» 3 Mein Lieblingsort «Ich sehe mir Kinofilme fast ausschliesslich im Bourbaki an – auch jetzt, einfach mit Maske.»

4

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4 Mein Mann «Markus und ich sind seit 27 Jahren verheiratet; er ist Ingenieur mit eigenem Büro, aber auch sehr häuslich und übernimmt gerne Hausarbeiten. Wir lieben uns sehr und lassen uns gleich­ zeitig viel Freiraum, deshalb funktioniert unsere Beziehung so gut.» 5 Mein anderer Job «Ich kam völlig ­zufällig darauf. Eine Freundin mit Lernfahrausweis hatte mich damals gebeten, mal mit ihr zu fahren, und fand dann, ich mache das so ruhig und entspannt, ich sollte Fahrlehrerin werden. Gerade hat mein Neffe Leon (18) bei mir mit den ersten Stunden begonnen.»

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Mein Lieblingsprodukt «Ich liebe die frischen Biofeigen aus der Migros. Leider gibt es sie ­immer nur für wenige Wochen im Jahr, dafür hole ich sie mir in dieser Zeit praktisch täglich.»

6 Mein Entspannungsort «Ich laufe am liebsten stundenlang herum und lasse mich inspirieren von dem, was ich sehe. Auf dem Felmis spaziere ich schon seit 24 Jahren regelmässig – egal, ob bei Sonne oder Regen, es ist immer gut.»  MM


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