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Migros-Magazin-42-2018-d-VS

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Ausgabe Wallis, AZA 1920 Martigny

Wir suchen: Helden des Alltags 2018 Seite 74

MM42, 15.10.2018 www.migrosmagazin.ch

Kleider zum Nulltarif: Die Masche der Umtauschbetrüger Seite 8

Jugendlohn statt Sackgeld: Das sind die Vorteile Seite 10

45 Fragen und Antworten

Autor Pedro Lenz über schöne und schwierige Beziehungen

Bild: Michael Sieber

Seite 26

Saftspezialitäten S. 45 | Schuppenflechte S. 80 | Trendsetter-Firmen S. 20 Bitte Wohnungswechsel der Post melden oder dem regionalen Mitgliederdienst: Tel. 027 720 44 00 - mitglieder.register@migrosvs.ch


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MM42, 15.10.2018  5

E Editorial

45 Mal total spontan Es gibt Interviewtermine, um die machen meine Kolleginnen und Kollegen Schere, Stein, Papier. So gewann Schere gegen Papier, dann Stein gegen ­Papier, bevor klar war, wer Pedro Lenz treffen darf. Klare Siegerinnen im Spiel um die beiden Inter­view­­ plätze bei Lenz: die Kolleginnen Dinah Leuen­berger und Lisa Stutz. Sie trafen den Autor («Der Goalie bin ig») in seinem Restaurant in Olten. 90 Minuten lang löcherten sie ihn. Eine ganze Fussballspiellänge. Alle zwei Minuten eine neue Frage. Und wissen Sie, was sie ihn gefragt haben? «Wie ist Ihre Beziehung?» haben sie gefragt. Und zwar 45 Mal. Wie ist Ihre Beziehung zum Wickeltisch? Wie ist Ihre Beziehung als Eltern? Wie ist Ihre Beziehung zur Mundart? 45 Beziehungsfragen prasselten auf Pedro Lenz herein, der vorab vom Beziehungsbom­ bardement nichts gewusst hatte. Er machte einfach mit. 45 Mal antwortete er spontan. Und im Nachhin­ein ver­ änderte oder verwarf er keine einzige Antwort. So entstand ein wunderbar ehrliches ­Interview (Seite 26).

Bilder: Jorma Müller, Keystone

Schere, Stein, Papier hilft bestimmt auch bei der Wahl der «Helden des Alltags». Zumindest wenn Sie sich am Familientisch nicht einig werden, wen Sie nominieren möchten. Kennen Sie jemanden, der hilft, ohne etwas zu erwarten? Der sich engagiert in unserer ­Gesellschaft und Aufmerk­ samkeit verdient? Helfen Sie uns, die Helden des Alltags 2018 zu finden! (Seite 74) Yvonne Zurbrügg, Redaktionsleiterin yvonne.zurbruegg@mgb.ch

Inhalt Menschen 8  Diese Woche

Betrug beim Onlineshopping

10 Jugendlohn

16

Wer Kindern Geld gibt, erzieht sie in finanziellen Belangen

16  Meral Kureyshi

Mit ihrem zweiten Buch wird die ­Berner Autorin so richtig laut

19  Bänz Friedli 20  Moderne Arbeitgeber

Genauso viel verdienen wie der Chef und m ­ itbestimmen? In ­diesen Firmen ist dies möglich

26 Interview

Schriftsteller Pedro Lenz lässt sich Beziehungsfragen gefallen.

Migros-Welt 37  Spitzenduft für Wäsche 39  Hautverträglich waschen 40  Nachhaltige Daunenjacke 42  Hohe Gruyère-Kunst 45 Migusto Fruchtsaft machen 61  Top Fleckenentferner 63  Cremes gegen Fältchen

67  Neues aus Ihrer Region  Aktionen, Reportagen, News

Leben 73  «1, 2 oder 3?» 74  Helden des Alltags

Nominieren Sie Ihren Helden!

80 Gesundheit Psoriasis 83 Reisen Dubrovnik 85  «Stadt, Land, Stutz» 87  Migros Bank 88 Kinder Ausgewandert 91 Leseraktion 93 Glücksgriff 95  Rätsel und Spiele 100 Cumulus 102  Meine Welt

Model Manuela Frey

M-Infoline: Tel. 0800 84 0848 oder Fax +41 800 84 0848 (Ausland). www.migros.ch/kundendienst; www.migros.ch Cumulus: Tel. 0848 85 0848* oder +41 44 444 88 44 (Ausland). cumulus@migros.ch; www.migros.ch/cumulus Redaktion Migros-Magazin: Limmatstrasse 152, Postfach 1766, 8031 Zürich, Tel. 058 577 12 12, Fax 058 577 12 08. redaktion@migrosmagazin.ch; www.migrosmagazin.ch * Normaltarif

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Menschen

Darauf freuen wir uns Freispiel Vom 16. bis 20. Oktober hält das Netzwerk Früheffekt mit der Aktionswoche «Gugus Aarau» im Stadtmuseum ein ­Plädoyer für das freie Spiel.

MM42

Enge Gassen Am 20. Oktober erfährt man bei einer AltstadtFührung durch St. Gallen, warum es keine Stadttore mehr gibt.

Mein Bild der Woche

Regula Bührer Fecker (40) ist ­Mitinhaberin der Werbeagentur Rod Kommunikation und zwei­ fache Mutter. 2017 publizierte sie das Buch «Frauenarbeit».

«Jede achte Frau erkrankt im Verlauf ihres Lebens an Brustkrebs. Eine krasse Zahl. Der Brustkrebsmonat Oktober ist­jedes Jahr ­Anlass, Vorbeugung, Erforschung und Behandlung von Brustkrebs international ins öffentliche Bewusstsein zu rücken. Mein Bild der Woche zeigt deshalb unsere Mutter ­(sitzend). Wir verloren sie im vergangenen Jahr nach langem Kampf an diese unglaublich fiese Krankheit. Liebe ­Frauen, schauen Sie gut zu sich. ­Untersuchen Sie sich regelmässig. Und reden Sie mit Ihren ­Freundinnen, Müttern und Töchtern ­darüber, ­damit ­diese das­selbe tun.»

zweipunktnull

Bilder: Stadt Aarau, zVg, Bruno Karl Stebler

Entschuldigung, wie digital sind Sie? Borys Liechti (40), Grafiker, Zürich So informiere ich mich «Ich lese die gedruckte ‹NZZ am Sonntag›, ansonsten viel online.» Dafür bin ich zu alt «Ich verstehe den ganzen Reiz der ­Selfie-Kultur nicht.» Da bin ich analog «Ich spiele lieber auf meinem richtigen Klavier als auf einem elektronischen.»

Unnützes Wissen

Fruchtsalat Granny Smith gab es wirklich. Grossmutter Smith starb 1870, zwanzig Jahre ­bevor der von ihr gezüchtete Apfel der Öffentlichkeit vorgestellt wurde.

Der Apfel ist die beliebteste Schweizer Frucht. Etwas mehr als 16 Kilo werden pro Kopf und Jahr gegessen.

Liebste App: Watson

Birnen sinken im Wasser, Äpfel aber schwimmen oben. Die Orange stammt ursprünglich aus China und wird deshalb im Niederlän­ dischen auch «Sinaas­appel» genannt: «Apfel aus China». Apfelsaft darf bis zu zehn Prozent Birnensaft ent­halten. Quelle Neon/Stern


8  MM42, 15.10.2018 | MENSCHEN

Gut zu wissen

Rückgaberecht? Nicht immer! Anders als etwa in der EU sind Versand­ händler in der Schweiz nicht dazu verpflichtet, ihren Kunden ein Rück­ gaberecht zu gewähren. Der Onlinehändler kann ein solches Widerrufs­ recht aber in seinen all­ gemeinen Geschäftsbe­ dingungen festhalten. Es ist also dem Verkäufer überlassen, ob man ein Produkt zurückgeben kann, weil es einem nicht gefällt oder weil man es in der falschen Grösse gekauft hat. Gängig ist hierzulande ein Rückgaberecht von 14 Tagen. In jedem Fall ein Rück­ gaberecht haben Kun­ dinnen und Kunden hin­ gegen, wenn gemäss Schweizerischem Obli­ gationenrecht ein we­ sentlicher Irrtum oder Täuschung vorliegt. Digitec Galaxus, zu 70 Prozent im Besitz der Migros, ist der grösste Onlinehändler der Schweiz und bietet in folgenden Fällen ­keine Rücknahmen an: • bei beschädigten ­Artikeln (Ausnahme: Transportschäden) • wenn die Original­ verpackung nicht mehr vorhanden ist • wenn Zubehör fehlt • bei Software-Lizenzen • bei Nahrungsmitteln • bei Unterwäsche und Socken • bei E-Autos • bei geöffneten Artikeln von Warengruppen wie Hygieneartikeln, Verbrauchsmaterialien, Kindersitzen, ­Büchern, DVDs etc. Quellen: Digitec Galaxus, ch.ch (Suchmaske: Rückgabe), VSV

Wird das neue Kleid ein Liebling für viele Stunden – oder nur für einen einzigen ­Instagram-Post?


MENSCHEN | MM42, 15.10.2018  9

Diese Woche

Zahlen und Fakten

211

Likes ab Stange

Millionen Beiträge gibts auf Instagram unter #ootd – outfit of the day.

2000

Für den Applaus der Community machen sich manche mit einem Outfit vom Onlinehändler schick, schiessen ein Selfie und retournieren die Ware. Nur eine Anprobe oder Umtauschbetrug?

Mal sind die Taschen der Schweizer Firma Metoyoubag seit der Gründung im Jahr 2013 vermietet worden.

Text: Lisa Stutz

F

ängt ein Satz heute mit «Meine Tasche ist von …» an, endet er meist nicht mehr mit «… meiner lieben Omi, ein Geschenk zum Geburtstag». Die Taschen der Bloggerinnen auf Instagram sind von Chanel, Dior, Louis Vuitton. Mit dem Hashtag #ootd – outfit of the day – zeigen sie ­ihren Followern, was sie gerade tragen. Die Kleider und Acces­ soires sind teuer und selten die gleichen wie am Vortag.

Bild: iStockphoto

Jugendliche sind Zielgruppe

Das weckt bei den oft jungen Fans natürlich Kaufwünsche. «Jugendliche sind ein wichtiger Wirtschaftsfaktor und eine hochinteressante Zielgruppe für die Werbung. Sei dies in klassi­ schen Medien oder auf Social Media», bestätigt Bernhard Bür­ ki von Pro Juventute. Doch um den Traum vom Kleid Realität werden zu lassen, fehlt vielen das nötige Geld. Wie wäre es also, den coolen Sweater online zu bestellen, ihn für ein Insta­ gram-Selfie anzuziehen und dann kostenlos wieder zurückzuschicken? Bei der kürzlich veröffent­ lichten Studie einer britischen Kreditkartenfirma gab jeder zehnte Konsument zu, genau so schon vorgegangen zu sein. Pat­ rick Kessler, Präsident des Ver­ bands des Schweizerischen Ver­ sandhandels (VSV), nennt dieses Phänomen so: «Kostümparty – bestellen, schöne Fotos machen, zurück an den Absender.» Für ihn stellt sich die Frage, ob diese Kleider schon als «gebraucht» gelten oder nur als «anprobiert und fotografiert», wie das zu-

weilen auch in der Umkleide­ kabine vorkommt. «Es ist ein Grenzfall. Dem Händler macht er aber keine Freude.» Kleider stinken nach Rauch

Klare Fälle von Umtauschbetrug seien schon lange ein Thema, hält Kessler fest. Diese kann man auf verschiedene Arten feststellen: Entweder wurde der retournierte Artikel offensicht­ lich benutzt – weist also Ge­ brauchsspuren auf oder stinkt nach Rauch. Oder die Betrüger wenden einen Trick an: Sie schicken gefälschte Produkte zurück. Der VSV rät seinen Mit­ gliedern, genaue Rückgabericht­ linien zu definieren, heikle Pro­ dukte wie Unterwäsche oder Parfüms zu ver­siegeln und bei einem Verdacht die Kundin tele­ fonisch zu k ­ onfrontieren. Besonders beliebt für Um­ tauschbetrug seien Abendklei­ der und Schuhe, die für einen speziellen Anlass getragen wer­ den. «Man missbraucht den ­Onlinehändler als Leihhaus», fasst Kessler zusammen. Auch Heimelektronik ist be­ troffen. Kessler: «Der Klassiker während der Fussball-WM: Man bestellt einen grossen Flach­ bildschirm und schaut unzählige Spiele. Nach der WM geht das Teil zurück an den Verkäufer.» Bei Digitec Galaxus, dem gröss­ ten Onlinehändler der Schweiz, machen die Kunden von ihrem Rückgaberecht selten Gebrauch. «Noch seltener kommt es vor, dass bei Rückgaben eindeutig ein Betrugsgedanke dahinter­ steckt», sagt Pressesprecher Alex Hämmerli. Offiziell zum Ausleihen bieten zwei junge

2,4

Schweizerinnen ihre Produkte an: Auf Metoyoubag.com kann man Luxustaschen mieten. «Chanel, Dior, Louis Vuitton – wir haben sie alle», sagt CoGründerin Ekaterina Derkatch. Unter ihren Kundinnen seien auch viele Bloggerinnen, verrät sie. MM

Prozent der bei Digitec Galaxus gekauften Produkte wurden im letzten Jahr zurückgegeben. Quellen: Metoyoubag, Instagram, ­Digitec Galaxus

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10  MM42, 15.10.2018 | MENSCHEN

Der 14-jährige Max steckt einen Teil s­ eines ­Jugendlohns in ­Skatingschuhe. Eleonora war 15, als sie den ersten ­Jugendlohn bekam. Weil sie eisern sparte, ­konnte sich die heute 19-Jährige einen Roller kaufen.


MENSCHEN | MM42, 15.10.2018  11

Jugendlohn

Wer soll das bezahlen? Handy, Kleider, das Abo für den Bus. Dafür braucht es mehr als Sackgeld – einen Lohn. Max, Eleonora und Leonardo haben Erfahrung mit dem eigenen Einkommen. Sie und ihre Eltern erzählen, weshalb dieses Modell für beide Seiten ein profitables Geschäft ist. Text: Johannes Kornacher  Bilder: Basil Stücheli

A

nstatt ein neues Skateboard anzuschaffen, hat Max Schneider (14) das alte renoviert: Für 70 Franken hat er ein neues Deck gekauft und die rutschfeste Oberfläche selber aufgeklebt. Die Rollen wurden vom alten Brett über-

nommen. «Neu würde mich das mindestens 250 Franken kosten», sagt Max, «jetzt habe ich Topqualität zum günstigen Preis». Max wirtschaftet kostenbewusst. 306 Franken Jugendlohn bekommt er pro Monat. «Davon kann ich gut leben», sagt der 14-Jährige. Er bestreitet damit

alle täglichen Lebenskosten. Die Eltern kommen für Ver­ sicherungen, Wohnen, Schul­ kosten, Familienferien und grosse Anschaffungen für den Wintersport auf. Und sorgen für die Mahlzeiten zu Hause. Max, ein vifer Bursche mit wachen Augen, besucht die

­ ritte Klasse des Gymnasiums d in Zürich-Wiedikon. Ein statt­ licher Budgetposten für ihn sind Schuhe. «Skatingschuhe halten höchstens drei Monate», klagt er. Sie müssen eine flache Sohle haben und vorne verstärkt sein. Das macht sie schon mal teurer als gewöhnliche Sportschuhe.


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20


MENSCHEN | MM42, 15.10.2018  13

«Ich will nicht immer fragen und Rechenschaft ablegen müssen, bevor ich mir etwas kaufe.» Max Schneider (14)

Wie viele Jugendliche trägt er tagaus, tagein dasselbe Paar. Für Kleidung und Schuhe hat Max 600 Franken im Jahr kalkuliert. Er achtet immer auf Aktionen. Jugendlohn hat nichts mit Beloh­ nung zu tun. Vielmehr geht es dabei um eine Erziehung in Geldbelangen. «Eltern und Jugendliche handeln aus, was in den Jugendlohn gehören soll, und schliessen einen Vertrag», erklärt Andrea Fuchs, Präsidentin des ­Vereins ­Jugendlohn. Der Vertrag sei wichtig, um später nachschauen zu können, was man vereinbart hat. Auch Ämtli, Freizeit und Verant­ wortung für Hausaufgaben können damit geregelt werden. Mit ihrem Einkommen verwalten und bestreiten die Jugendlichen ihre Alltagskosten selbst. Der Jugend­ lohn soll den bisherigen Aus­gaben, dem aktuellen Lebensstandard und dem Familienbudget entsprechen. «Das funktioniert in allen Einkom­ mensklassen», sagt Fuchs. D ­ eshalb gebe der Verein auch keine konkre­ ten Zahlen vor. In den meisten Familien, die den Jugendlohn eingeführt haben – näm­

lich bei 72 Prozent – funktioniert das Modell gut bis sehr gut. Dies hat eine Umfrage vom Januar unter fast 1000 Eltern ergeben (siehe Box rechts). Generell beobachteten die teilnehmenden Eltern, dass ihre Kinder mehr Autonomie und Selbstverantwortung in Geldfragen erwerben, dass sie preisbewusster werden und sorgfältiger mit dem ­eigenen Geld umgehen. Ein waches Auge für den Preis

Auch Max hat schnell verstanden: Mit Jugendlohn erhält er mehr ­Unabhängigkeit. «Ich will doch nicht immer fragen und Rechen­ schaft geben müssen, bevor ich ­etwas kaufe», sagt er. Während der Schulzeit braucht er etwa 50 Fran­ ken pro Monat für den Bus und rund 30 für die Verpflegung aus­ wärts. Ab und zu leistet er sich ein Lunch in einem Pastalokal und gibt dafür gerne ein paar Franken mehr aus. Dafür spart er beim ­Handy: Er hat ein älteres Gerät, sein Abo kostet nur 29 Franken.

Bild: Philip Frowein

Geht das mit Sackgeld nicht? Sackgeld deckt in der Regel nur Ausgaben fürs Ver­ gnügen ab, nicht aber für Lebens­kosten. Die Eltern tragen weiterhin die Kosten für den täglichen Lebens­ bedarf und entscheiden, was es gibt und was nicht. Beim Jugendlohn geht diese

Was ist der Lerneffekt? Einer der wichtigsten ist die Impulskontrolle, also lernen zu warten. Dies muss schon mit Kindern unbedingt trainiert werden. Fürs Konsumieren heisst das: Brauche ich eine be­ stimmte Sache oder brau­ che ich sie nicht? Kann ich sie mir leisten? Welche Konsequenzen hat die ­Anschaffung? Gibt es Alter­ nativen? Das zu lernen, ist prägend fürs spätere Leben. Haben Sie ein Beispiel? Ein Jugendlicher kaufte sich vom ersten Monatslohn eine Spielkonsole. Dann merkte er: Ich hab nicht

Was, wenn sich Kinder ­unfair behandelt fühlen, weil Freunde mehr Geld bekommen? Dann müssen ihnen die ­Eltern erklären, dass nicht alle Familien das ­gleiche Budget haben. Wichtig ist, dass beim ­Jugendlohn die gleichen B ­ eträge eingeplant werden wie zuvor.

76%

der Eltern bestimmten die Höhe des Jugendlohns a­ ufgrund von ­Berechnungen.

72%

der Familien waren der Meinung, das Einteilen des Geldes klappe bei ihnen gut.

71%

der Familien führten den Jugendlohn ein, als ihr Kind noch keine 14 Jahre alt war.

63%

mehr genug Geld für den Zmittag. Er musste eine Lö­ sung finden und verkaufte die Konsole wieder. Das war enorm lehrreich für ihn. Wann ist das beste Alter, mit dem Jugendlohn zu ­beginnen? Mit etwa zwölf Jahren. Dann sind Jugendliche im Umgang mit Geld bereits geübt, wenn das Chaos der Pubertät beginnt.

944 Familien, die ihren Kindern einen Jugendlohn zahlen, nahmen an einer Umfrage teil. Das sind die Resultate:

66%

«Die Jugendlichen lernen zu warten» ­Entscheidungskompetenz an den Jugendlichen über. Er verwaltet seine Ausgaben selbständig.

Erfahrungen mit dem Jugendlohn

der Befragten fanden es einfach, die Höhe des Lohns festzulegen.

Urs Kiener

Warum soll ein Jugend­ licher Lohn erhalten? Weil es seine Kompetenz und das Selbstwertgefühl stärkt, wenn seine Eltern ihm vertrauen und er unab­ hängig ­entscheiden kann. Der Jugendliche lernt, Ver­ antwortung zu überneh­ men. Er muss Konsumwün­ sche gegen notwendige An­ schaffungen abwägen. Und er kommt zur Einsicht: Ich kann mit Geld umgehen.

Umfrage

Urs Kiener (60) ist Psychologe bei Pro Juventute

der Jugendlichen hielten sich an die Abmachungen, die sie im Zusammenhang mit dem Jugendlohn mit ihren ­Eltern vereinbart hatten.

8%

der Jugendlichen legten ihren Lohn mittels Schätzungen selber fest.

50%

der Familien führten mit dem Jugendlohn neue Haushalts- und Alltagsregeln ein. Quelle: Jugendlohn.ch


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MENSCHEN | MM42, 15.10.2018  15

Doch der Preis gilt nur zwei Jahre, er weiss, danach wird es teurer. «Es lohnt sich, immer zu schauen, was ­gerade günstig ist.» Max, so sagt seine Mutter Nathalie Krügel, lege Wert auf Qualität. Nicht bei Kleidern, aber beim Skateboard, dem Laptop oder seiner Spielkonsole. Für «etwas Rechtes» gibt er lieber mehr aus. Auf seinen Laptop hat er lange gespart. Seine Mutter findet: «Max geht mit seinen Ausgaben verantwortungsvoll um.» Einen Vertrag haben sie nicht. Beide sagen: «Es funktioniert sehr gut.» Was kostet das Kind?

Jugendlohn ist nur auf den ersten Blick eine Frage des Geldes. Die ­Umsetzung des Modells soll beim ­Jugendlichen einen Entwicklungsprozess auslösen. Dazu g­ ehört, ­Verantwortung zu übernehmen und ­selbständig zu werden. Laut Andrea Fuchs bringen die Eltern den Kindern mit dem Jugendlohn Vertrauen und Respekt entgegen und signalisieren: «Die Kindheit ist vorbei, nun beginnt eine Beziehung auf Augenhöhe.» Auch Sandra und Michele Tassone, Eltern von Leonardo (13) und Eleonora (19), sind vom Jugendlohn überzeugt. Sie hörten 2014 erstmals davon. Eleonora war damals 15. «Wir wussten nicht einmal genau, wieviel unsere Kinder kosten», erinnert sich die Mutter. Das hört Andrea Fuchs oft. «Man führt nicht genau Buch. Erscheint etwas als notwendig oder die Kinder insistieren, wird gekauft.» 200 Franken für Eleonora

Michele Tassone hatte anfangs Bedenken, ob er und seine Frau das konsequent durchhalten würden. Eine berechtigte Sorge, wie Andrea Fuchs bestätigt: «Haben die Kinder einen finanziellen Engpass, kann das für die Eltern schwer auszuhalten sein – aber für den Lernprozess ist es wichtig, sich an Abmachungen zu halten.» Eleonora ist heute im dritten Lehrjahr als Detailhandelsfachfrau. Sie ­erinnert sich gerne an die Jugendlohnzeiten: «Es lief immer gut.» Ihre ­Eltern bezahlten ihr damals 200 Franken pro Monat, was der Kinderzulage entsprach. Davon gingen allein fürs Handy 55 Franken drauf. Kleider kaufte Eleonara meistens ­secondhand und kaum spontan. Einmal gab sie für Schuhe 135 Franken aus, was ihr Budget mehrere Monate belastete. Ausgang, Verpflegung und ÖV lagen selten höher als 100 Fran-

Ein Kawaski-Töff, das ist Leonardos Traum. Damit er wahr wird, verdient der ­13-Jährige zum ­Jugendlohn etwas hinzu. Mit Rasenmähen und Babysitten.

ken. «Ich konnte sogar rund zehn Prozent vom Lohn sparen.» Mit den Ersparnissen plus Weihnachts- oder Geburtstaggeschenken konnte sie sich mit 17 Jahren einen lang gehegten Wunsch leisten: einen schicken Peugeot-Roller. Allerdings hatte Eleo­nora die Kosten für den Unterhalt nicht kalkuliert, weshalb das edle Stück noch immer unbenutzt im Keller steht. Demnächst will sie den Roller aber einlösen. «Den Helm habe ich schon», sagt sie und lacht. Sparen mit grossen Hemden

Für ihren Bruder Leonardo hat das Abenteuer Jugendlohn vor einem Jahr begonnen. «Manches», sagt der 13-Jährige, «kann ich mir nicht leisten.» Lego-Technik zum Beispiel. ­Leonardo hat derzeit 45 Franken pro Monat, mal 13, also 585 Franken im

Jahr. Die Familie lebt im aargauischen Sarmenstorf. Kosten für Bus, Verpflegung auswärts oder ein Handy hat er noch nicht. Leonardo weiss, wie man spart. Die Haare lässt er sich von der Mutter schneiden, Hemden kauft er oft eine Nummer zu gross. «Da wachse ich dann rein.» Mit seinem Lohn kommt er aus, fände 70 Franken aber realistischer. Mit Rasenmähen oder Babysitting verdient er etwas dazu. «Ich will nie auf null kommen, sondern etwas ­sparen können», sagt Leonardo. Sein Traum: ein Kawasaki-Motorrad. Ein Privatkonto hat er bereits. Mit seiner EC-Maestro-Karte fühle er sich ein Stück erwachsener, sagt er, «ich bin stolz darauf, dass ich meine Ausgaben selbständig bestreiten kann.» MM Mehr Informationen: www.jugendlohn.ch


16  MM42, 15.10.2018 | MENSCHEN Meral Kureyshi

«Ich fühle mich wohl dabei, anders zu sein» Meral Kureyshi hat ein zweites Buch geschrieben. Ein lautes. Eines, das wohl viele enttäuschen wird, – sagt die Autorin. Mit ihrem Debüt «Elefanten im Garten», einem Roman über einschneidende Verluste, war sie 2015 für den Schweizer Buchpreis nominiert. Text: Dinah Leuenberger

Mit grosser Freude organisiert Kureyshi seit einiger Zeit das Lyrikatelier in Bern. Dort können Kinder und Erwachsene ihre Texte mitbringen, die dann gemeinsam besprochen werden. «Das Atelier gibt mir alles. Inspiration, Menschen, die reagieren. Schreiben ist etwas sehr Einsames. Darum suche ich den Austausch.» Nur Dringendes kann sie erzählen

Sie hat in Biel literarisches Schreiben studiert, Bern wurde zu ihrer neuen Heimat. Wobei sie dieses Wort nicht mag: «Es bedeutet Grenzen, Nationalität. Ich spreche ­lieber vom Daheim.» Sie ist häufig unterwegs. «Ich kann überall schreiben, und ich schreibe viel.» Allerdings funktioniert es nur, wenn sie Dringlichkeit spürt. Einfach drauflosschreiben, ohne Ziel, tue einem Text nicht immer gut. «Nur dringende Geschichten ­packen mich.» Nur diese kann sie erzählen, muss sie erzählen. Auch «Elefanten im ­Garten» war so eine Geschichte, die 2015 für den Schweizer Buchpreis nominiert wurde und mit der sie 2016 den Literaturpreis des Kantons Bern gewann.

«Heimat bedeutet Grenzen. Ich spreche lieber vom Daheim.» Meral Kureyshi

Das Buch wurde von vielen als Migra­ tionsgeschichte verstanden. «Doch der Tod meines Vaters war der Grund für das Buch.» So handelt es vor allem von Ver­ lusten: dem Verlassen der Heimat, dem ­Erblinden der Mutter, und eben, dem Tod des Vaters. «Als ich mit dem Schreiben fertig war, war die Sache für mich eigentlich abgeschlossen, ich hatte ja zehn Jahre dafür ­gebraucht.» Doch bei Lesungen wird sie mit diesen Verlusten immer wieder konfrontiert. Neu für sie ist die Begegnung mit den Lesern. Dass diese in ihrem Buch eine ­andere Geschichte sehen, stört sie

nicht: «Jeder sucht sich selbst in einer Geschichte. Und in meiner haben sich halt sehr viele gefunden.» Trotzdem ist sie nicht stolz auf ihr Buch: «Das ist auch ein schreckliches Wort, ich bekomme Gänsehaut, wenn ich es höre.» Sie ist nicht so aufgewachsen, dass man stolz ist, wenn etwas Bestimmtes erreicht wurde. Wichtig ist nicht, was man macht, sondern wie man ist, sagt sie. «Von meiner Familie habe ich gelernt, glücklich und froh zu sein, dass es mir gut geht.» Wie ihre Familie, ­gehört auch die Liebe zu Meral Kureyshi: «Ich war noch niemals nicht verliebt. Seit ich denken kann, bin ich es immer, und immer in mehrere.» Eine Begegnung, eine Liebe, eine Person

Meral Kureyshi gestikuliert wild und schweift beim Sprechen gern ab. Wenn sie merkt, wie schnell sie spricht, bremst sie sich manchmal, indem sie «bla, bla, bla» anfügt. Gleichzeitig spricht sie druckfertige Sätze wie diesen: «Man muss so laut sein wie möglich, gerade so, dass man noch nicht schreit.» Sie erzählt, dass sie bereits mit ­ihrem ersten Buch hätte lauter sein wollen. Das zweite wird es auf jeden Fall sein, sagt sie. Und doch werde es wohl viele ent­täuschen: «Ich will genau das machen, was nicht von mir erwartet wird.» In «Fünf Jahreszeiten» geht es um eine Begegnung, eine Liebesgeschichte und um eine Person, die im Museum arbeitet. Mehr verrät ­Kureyshi nicht. «Wäre mir nicht meine Kindheit genommen worden, wäre ich ganzer, als ich heute halb bin?» Das fragt sie sich im Buch und auch im echten Leben. Sie findet, dass ihr etwas genommen wurde. «Durch eine Flucht wird man aus dem Leben gerissen, an einem anderen Ort wieder abgesetzt und aufgefordert, einfach weiterzumachen.» Und doch ist sie froh, in der Schweiz aufgewachsen zu sein. Es hat sie stark gemacht, ihr Ecken und Kanten verliehen. «Die sind viel besser als glatte Oberflächen», sagt sie. «Zum Leben braucht es Reibung.» MM «Fünf Jahreszeiten» von Meral Kureyshi erscheint im Februar 2019 im Limmat Verlag.

Bild: Matthias Guenter/Keystone

S

ie schrieb mit sechs, in Prizren im Süden des Kosovos, türkisch. Sie schrieb, als sie mit zehn in die Schweiz kam, ins Tagebuch. Und sie schreibt heute, deutsch, g­ efeierte Texte. ­Obwohl sie gar nicht gern schreibt. «Ich würde lieber tanzen, aber das kann ich nicht. Schreiben ist die Form, die immer da war, die mir blieb, und in der ich das s­ agen kann, was wichtig ist», sagt Meral K ­ ureyshi (35). Ihre eigene Geschichte weist viele ­Gemeinsamkeiten auf mit jener der Heldin ­ihres ersten Romans, «Elefanten im Garten». Beide flüchten mit der Familie in den Neunzigerjahren vor dem Jugoslawien-Krieg in die Schweiz, wohnen eine Weile in Neuenegg BE und eine Weile in Bern. Jahre dauert es, bis die Familie endlich weiss: Wir dürfen bleiben. Kurz darauf stirbt der Vater, im Buch und auch im echten Leben. Trotzdem ist die Geschichte nicht autobiografisch, ­betont die Autorin: «Erinnerungen sind keine Wahrheiten. Auch wenn ich von gestern erzähle, ist es nicht die Wahrheit, weil ich nur einen Teil davon erzähle. Es ist quasi immer gelogen.» Die namenlose Erzählerin im Roman weigert sich lange, an der Schweiz Gefallen zu finden. «Ich hingegen hatte Ehrgeiz, wollte es auch hier schaffen, hier Freunde finden.» Ganz einfach war dies allerdings nicht. «Meine dunklen Locken waren ein grosser Kontrast zu den glatten, blonden Haaren der anderen Mädchen.» Aber nicht nur das Aussehen war anders, auch die Sprache und die Kultur waren es. Zuerst wurde sie deswegen lange ignoriert, was wohl noch schlimmer sei, als gehänselt zu werden, sagt sie. Irgendwann begann sie aus Trotz, noch mehr anders auszusehen: Schnitt sich die Haare kurz, zog grosse und farbige Sachen an. «Ich fühle mich wohl dabei, anders zu sein.» Noch heute, wenn sie mit Freunden ins Kino geht, und sie alle den Film mögen, mag sie ihn nicht. «Ich diskutiere lieber mit Leuten, die anders denken als ich. Das ist viel interessanter.» Nur durch Reibung könne etwas entstehen. «Manchmal knallts, das muss man aushalten können. Es tut gut, aneinanderzugeraten, von Zeit zu Zeit.»


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Meral Kureyshi schreibt, weil sie das am besten kann. Tanzen wär ihr lieber.


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Bänz Friedli

Himmeltraurig schön

Bild: Vera Hartmann

Die frühen Schatten, das blasse Licht, ver­ dorrte Beeren, fahles Gelb – ein Nachmittag im Oktober ist es, die Sonne bleich. Und ich hatte gar nicht mehr gewusst, wie sehr ich den Herbst mag. Schon schickt ein Reisever­ anstalter mir, versehen mit zwei Ausrufe­ zeichen in der Betreffzeile, die Aufforderung «Trotzen Sie dem Winterblues!!». Aber wer spricht denn von Blues? Die Mailwerbung bietet Billigflüge in alle Himmelsrichtungen an, um dem angeblich so Schrecklichen zu entfliehen: dem Umstand, dass die Tage ­kürzer und die Nächte kalt werden. Zugege­ ben, auch ich habe schon über das Ende eines Sommers geklagt, auch ich habe schon Shirts mit der Aufschrift «Eternal Summer» getra­ gen, mir sogar mal eine Postkarte mit der ­Losung «Eternal Winter» gekauft, weil ich mir in der Snowboardsaison zu­weilen wünschte, sie möge nie aufhören, weil ich extreme Hitze und extremen Schneefall gern­ habe – aber, Himmel, wie langweilig wäre das? Wenn wir nur immer das Eine hätten?

Bänz Friedli (53) gibt sich mit Blues dem Blues hin.

Wir sollten die Übergangszeiten mögen. In denen nichts eindeutig ist. Die Tage der Melancholie, die Nächte, in denen man wie­ der Kerzen anzündet. Dazu Musik, wie man sie nur im Herbst hört, Songs, so schön trau­ rig und so himmeltraurig schön, dass sie zu der Zeit passen, die nicht mehr Sommer und noch nicht Winter ist, bei mir momentan ­ «It Makes No Difference» von Shannon

McNally, in dem sie auf Amerikanisch singt: «Kein Sonnenschein mehr, Regen fällt, nie hingen die Wolken so tief.» Aber es spielt keine Rolle, welches Lied – Sie haben bestimmt Ihre eigenen Herbstklänge. Mit Melancholie meine ich nicht zur Schau gestellten Welt­ schmerz und schon gar nicht Selbstmitleid. Herbst bedeutet nicht, dauerbetrübt zu sein. Aber nie ungetrübt. Eines Herbsttags vor ­vielen Jahren sah ich in New Orleans einen Trauerzug, und wie die Musikkapelle sich nach wenigen schleppenden Takten zu fröh­ licher Marschmusik aufschwang, werde ich nie ­vergessen. Wie sie im Tod das Leben feierten, im Schmerz Freude zeigten. Herbst heisst, die Welt in allen Farben zu sehen, sich auch des Schweren bewusst zu sein. Im Wissen, wie schlecht es um die Welt steht, in einer Welt voller Totschlag, ­religiösem Wahn und Naturverwüstung, kann Leichtigkeit im Grunde nie uneinge­ schränkt gelingen. Es kann einem höchstens trotz allem leicht zumute sein. Lebensfreude? Ist doch immer ­getrübt. Was nicht heisst, dass sie nicht gerade dadurch tiefer sein kann. An diesem sonnigen Oktobertag habe ich mir vorgenommen, ihn dann auch zu mögen, wenn er nass und garstig ist, den Herbst. Shannon McNally wird mir beistehen. Und genau genommen ist ihr Song, den ich so mag, ein Blues. MM

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Unkonventionelle Unternehmen

Ein gutes Stück Arbeit

Den Strand zum Büro machen. Gleich viel verdienen wie die Chefin. Mitbestimmen können. Die Trendsetter auf dem Schweizer Arbeitsmarkt locken mit Eigenverantwortung und flachen Hierarchien. Das gibt viel zu tun. Text: Dinah Leuenberger  Bilder: Michael Sieber


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Cleverclip: Arbeiten von überallher

Ein weltumspannendes Geschäftsmodell Mit Videos, Infografiken und E-Learnings helfen die Mitarbeitenden von Cleverclip anderen ­Firmen beim Erklären schwie­riger Dinge. Carlo Badini (27) gründete sein Unternehmen direkt nach dem Gymnasium. «Ich begann mit ­einem weissen Blatt, hatte noch keine Managementprinzipien ­eingetrichtert bekommen, was vermutlich ein V ­ orteil war.» Speziell an seiner Firma: Es gibt in Bern einen Standort, aber alle Mitar­ beitenden arbeiten andernorts. ­Niemand muss ins Büro kommen. Das ginge auch gar nicht: Die 30 Mit­arbeitenden wohnen in zwölf verschiedenen Ländern. Aus der Not sei dieses Modell entstanden, sagt Badini. «Ich begann mit 500 Franken und konnte mir nur einen grausigen Keller ­aus­serhalb von Bern leisten. Meiner ersten Angestellten wollte ich den nicht zumuten. Also sagten wir, es spiele keine Rolle, wo und wann wir arbeiten. Haupt­sache, die Arbeit wird gut erledigt.» Voraussetzung dafür sei, dass sämtliche Pro-

W Carlo Badini, CEO von Cleverclip, hat ein Büro in Bern und Mitarbeitende in aller Welt.

zesse digi­talisiert sind. Viel Freiheit bedingt viel Verantwortung: «Wir erwarten, dass Kundentelefone auch um 2­­ 0 Uhr noch beantwortet werden.» Und wer Kundenkontakt hat, muss in Bern im Büro sein. Ortsunabhängiges Arbeiten führe auch nicht zu einer E-Mail-Flut. «Interne E-Mails haben wir nicht, wir arbeiten mit einem Messenger-­ System.» Aber natürlich ­erfordere es einige Koordination, wenn über Zeitzonen hinweg kommuniziert werde. Für den persön­lichen Kontakt lädt Cleverclip ­jedes Jahr zu einem Teamausflug. Letztes Jahr auf Bali, dieses Jahr nach Barcelona. «Da hocke mer de ufenang obe», sagt Badini – mehr Freunde als ­Kollegen. Kultur­unterschiede sind ­selten: «Wir wurden alle mit Netflix und You­tube gross, egal ob aus Südamerika, Asien oder Europa.» Die Freiheiten, die Cleverclip den Mitarbeitenden gewährt, ziehen die besten Talente an und bescherten der Firma bereits mehrere ­Auszeichnungen.

o verbringen Sie Ihren ­Arbeitstag? Auf einem etwas aus der Mode geratenen Büro­stuhl? Auf dem Pult ­liegen Locher und Bostitch griffbereit, der ­Telefonbeantworter blinkt? Dann gehören Sie zur grossen Mehrheit der Schweizer ­Bevölkerung. Über 2,8 Millionen Menschen waren im Jahr 2017 im Dienstleistungs­ sektor tätig, der Grossteil von ihnen im Büro. Obwohl sich die Tätigkeiten stark unter­ scheiden, sieht der Büroalltag bei den meis­ ten erschreckend ähnlich aus. Berichte über Unternehmen, die ganz anders funktionie­ ren, stammen vor allem aus den USA, selten aus Deutschland. Google fördert weltweit das Arbeiten an eigenen, privaten Projekten, hat Pingpongtische und eine Rutschbahn. Amazon zahlt Mitarbeitenden, die die Firma verlassen, 5000 Dollar Abfindung – so bleiben nur die motiviertesten. Und beim Surfbretthersteller ­Tower Paddle Boards

Cleverclip

Branche: Visuelle ­Kommunikation, Beratung Besondere Konditionen: Seit der Gründung 2014 ortsunab­ hängiges Arbeiten, Teamausflug Leitbild: Arbeiten von überallher, Hauptsache, gut Geschlechterverhältnis: 50 : 50, 30 Personen arbeiten bei Cleverclip

wird statt acht nur noch fünf Stunden ­ gearbeitet – bei gleichbleibendem Lohn. Etwas wagen dürfen, scheitern dürfen

Die Trends auf dem Arbeitsmarkt werden von den grossen Firmen gemacht. Trotzdem gibt es auch in der Schweiz einige Vorreiter, die nach einer anderen Idee funktionieren, und dies zum Teil bereits seit über 30 Jahren. Ein Beispiel ist die Architektur-Zeitschrift «Hochparterre». Die junge Verlagsfrau ­verdient dort mit Grundlohn und Gewinn­ beteiligung etwa 100 000 Franken im Jahr. Genauso viel wie ihr Chef. Denn bei «Hochparterre» wird nach dem Leitbild der Französischen Revolution gearbeitet: ­Liberté, Égalité, Solidarité. Liberté, weil alle gefordert sind, ihre Kreativität nutzen und mitdenken sollen. «Man soll etwas ­wagen, darf aber auch scheitern, ohne dass es gros­sen Tadel gibt», sagt Gründer und Chef­redaktor Köbi Gantenbein (62). Égalité, weil die Hierarchien flach sind und alle gleich


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Flache Hierarchien und ­gleicher Lohn für alle. Nach diesem Leitbild arbeitet die Crew von «Hochparterre».

viel verdienen. Die Firma pflegt eine starke Diskurskultur. «Man muss reden miteinander!» Und Solidarité, weil gleich viele Frauen wie Männer bei «Hochparterre» arbeiten. Und weil man zueinander schaut, in guten wie in schlechten Zeiten. Gantenbein sagt es so: «Wir ‹Hochparterris› sind eine Familie. Am Anfang waren wir vier Menschen, jetzt 22. Mit ihren Familien kommen wir auf 80 Menschen, die wir alle solidarisch tragen.» Wenn es jemandem schlecht gehe, sei er halt einmal eine Woche weg. Und auch die Kinder haben Platz: «Selbstverständlich gehen sie auch in die Krippe. Aber es braucht mehr, auch vom Arbeitgeber, damit es funktioniert.» Logisch, dass es bei «Hochparterre» einen kleinen Vaterschaftsurlaub gibt. Und: Alle drei Jahre hat jede und jeder «Hochparterri» das Recht auf zwei Monate bezahlten Bildungsurlaub. Die einen ­machen eine lange Reise, die anderen malen. Gantenbein wanderte durch Spanien. Bei «Hochparterre» werde viel gearbeitet. Trotzdem legt man Wert auf die Gesundheit, indem die Vierzigstundenwoche und die ­Ferien eingehalten und Überstunden mini-

miert werden. «Unsere Ver­sicherung hat uns kürzlich einen Bonus a­ usbezahlt, weil bei uns niemand krank ist.» Warum funktioniert dieses Modell bei «Hochparterre», aber in vielen anderen ­Firmen nicht? «Man muss es einfach machen», sagt der Chefredaktor. Und man müsse sich als Besitzer einer Firma bewusst dafür entscheiden, so wie er und Benedikt Loderer es seinerzeit taten. «Das heisst auch, dass man als Chef auf Privilegien und Sonderrechte verzichtet.» Er sei, sagt ­Gantenbein, in ­einem sozialdemokratischen Haushalt auf­gewachsen und habe nie verstanden, warum ein Chef mehr verdienen solle als ein ­Angestellter und ein Direktor mehr als eine Gärtnerin. Doch alle in der Firma müssen die Égalité wollen und ­mittragen. Das geht nicht von alleine: «Es braucht jahrelange ideologische Arbeit», sagt Gantenbein, «es gibt kein Paradies auf Erden. Man muss es sich einrichten, wenn auch nur im Kleinen, umtost von der Welt.» Weitere spezielle Schweizer Arbeitgeber im ­Kurzporträt auf den Seiten 24–25

Hochparterre

Zeitschrift und Verlag im ­Bereich Planung, ­ Architektur und Design. Branche: Medien Besondere Konditionen: Seit der Gründung 1988 ­gleicher Lohn für alle, zwei Monate bezahlter ­Bildungsurlaub alle drei Jahre. Familiäre Firmenkultur Leitbild: Liberté, Égalité, Solidarité Geschlechterverhältnis: 50 : 50. 11 Frauen und 11 Männer ­arbeiten bei «­Hochparterre»


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Ergon Informatik: Transparenz und Eigenverantwortung

Hier denkt nicht nur die Chefin unternehmerisch

«Bei uns kann man nicht mauscheln.» Gabriela Keller, CEO von Ergon Informatik

Ergon Informatik stellt Sicherheits­ produkte und massgeschneiderte Software her. Die Mitarbeitenden ­stehen im Zentrum, für diese Unter­ nehmenskultur hat Ergon ­bereits einige Auszeichnungen erhalten. Die Firma setzt auf hohe Kollegialität, Transparenz und Eigenverantwortung. Seit der Gründung herrscht Lohn­ transparenz, die Höhe des Lohnes bestimmt ein Modell. «Keiner muss bei der Einstellung den Lohn verhandeln», sagt CEO Gabriela Keller (49). Dank dieser Kultur gelinge es, hochquali­ fizierte ­Mitarbeitende zu gewinnen. Auch interne Prozesse sind grösst­ möglich transparent. «Bei uns kann man nicht mauscheln», sagt Keller. Die Mitarbeitenden haben zudem eine Art Vetorecht. Bei jedem Entscheid kann

die Mehrheit der Betroffenen bei der nächsthöheren Instanz Einspruch ­erheben. Das passiere aber selten. Der Gewinn der Firma kommt in e ­ inen Topf und wird Ende Jahr verteilt. «Un­ sere Teams unterstützen sich gegen­­­ seitig.» Unter dem Jahr werden 80 Pro­ zent des Lohns ausbezahlt, der Rest Ende Jahr, wenn das Ergebnis ­genug gut war. Ist es besonders gut, erhalten alle einen Bonus – einen Teil davon können sie innerhalb der Firma ver­ schenken. «Letztes Jahr sind so 83 000 Franken umverteilt worden», sagt ­Keller. Mit einer derart offenen Kultur «gibt die Geschäftsleitung Auto­rität ab, profitiert aber vom unternehmerischen Denken aller», sagt sie und ist überzeugt, dass die IT-Branche Vorrei­ terin für einen fairen Arbeitsmarkt ist.

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Ergon Informatik

Branche: ­Informatik, ­ Software­ entwicklung, IT-Dienstleister Besondere Konditionen: Hohe Transparenz, auch beim Lohn. ­Offene Kultur Leitbild: Mitwirkung, Transparenz Geschlechter­ verhältnis: 15 Pro­ zent Frauen, total 280 Mitarbeitende


MENSCHEN | MM42, 15.10.2018  25

Gehörlosenbund Schweiz: Rückmeldungen sind erwünscht Gehörlosenbund Schweiz (SGB-FSS)

Wo alle miteinander regelmässig im Gespräch sind Als Non-Profit-Organisation engagiert sich der Gehörlosenbund Schweiz (SGB-FSS) dafür, dass den Gehörlosen Gehör verschafft wird. Nicht nur die Sprach­situation ist beim SGB speziell – neben Deutsch, Französisch und Ita­lienisch gibts ­jeweils auch die Gebärdensprache – seit rund einem Jahr herrscht eine neue Feedbackkultur. Zwar gibt es am Jahresende nach wie vor ein Mitarbeitergespräch, doch unter dem Jahr sind alle aufgefordert, laufend via Quercus-App Feed­backs abzugeben. Über alle Hierarchie­ stufen und Abteilungen hinweg und in beide Richtungen. «Das Feedback fördert den Umgang mit Kritik, die Mitarbei­tenden werden offener», sagt Geschäftsführer Harry Witzthum (49). Nach einem Meeting

fordert er die Teilnehmenden auf, ihm zu seiner Präsentation Rückmeldungen zu geben. Das sorge dafür, dass er bereits bei der Sitzungsvorbereitung aufmerksamer sei. Die Feedbacks sind lohnrelevant, wie auch das Jahres­endgespräch. Die Quercus-App wurde von einer Schweizer Firma entwickelt und hat zum Ziel, die Feedbackkultur in Unternehmen zu ­di­gitalisieren und sie flexibler zu machen. Statt nur einmal im Jahr über Ziele zu diskutieren, findet dank der App ein ständiger Austausch statt. Der Mitarbeitende weiss jederzeit, wo er steht, und die Vorgesetzte erkennt rechtzeitig wo es Handlungsbedarf gibt. Am Anfang seien nicht alle begeistert gewesen, sagt Witzthum. «Wir

müssen die offene Feedbackkultur ständig vorleben und den Prozess begleiten. Ein Kulturwandel passiert nicht einfach so.» Trotzdem bemerkt er positive Verände­rungen: Die Menschen seien offener und empfänglicher für Kritik und gleichzeitig besser im Formulieren von konstruktiver Kritik. «Gemeine oder unnötige Kritik kommt nur selten vor. Mobbing schon gar nicht.» Der spielerische Umgang mit der App helfe dabei: Zu Beginn sei gewitzelt worden, man verteile dann nur drei statt fünf Sterne. ­Mittlerweile trägt die App auch zur ­Moti­vation bei: «Man kann seine Entwicklungen laufend anschauen, ­positives Feedback motiviert ­zusätzlich.»  MM

Branche: Non-Profit-­ Organisation

Besondere Konditionen: Seit etwa einem Jahr Feedbackkultur via Quercus-App Leitbild: Offene, transparente Feedbackkultur Geschlechter­ verhältnis: 39 Frauen, 13 Männer; 50 Prozent der Angestellten sind gehörlos.

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26  MM42, 15.10.2018 | MENSCHEN

«Gebe ich mein Kind ab, bin eher ich der, der weint» Pedro Lenz

Er ist preisgekrönter Autor, Beizenbesitzer und neuerdings Vater. Früher hat der 53-Jährige dauernd gearbeitet, heute arbeitet er der Familie zuliebe an seiner Work-Life-Balance. 45 Beziehungsfragen an Pedro Lenz. Interview: Lisa Stutz, Dinah Leuenberger Bilder: Michael Sieber


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Pedro Lenz findet, dass er mit zunehmendem Alter cooler und ab­gebrühter geworden ist.


28  MM42, 15.10.2018 | MENSCHEN

Pedro Lenz, welche Beziehung haben Sie zum ersten Satz eines Textes? Eine schwierige. Ein Text muss immer gut anfangen, vor allem ein Roman. Da mache ich mir grossen Druck. Bei einem kürzeren Text ist das einfacher. Zu Schreibblockaden? Keine, denn ich lasse sie nie an mich heran. Wenn ich gerade einen Moment habe, in dem ich nicht weiterweiss, habe ich meine Tricks. So umgehe ich die Schreibblockade. Zu nicht gelungenen Texten? Eine ganz schwierige. Es ist schon vorge­ kommen, dass ich bei der zweiten Auflage ­eines Buchs Sätze ändern liess. Das haben die vom Verlag natürlich nicht so gern. Aber meistens geht es nur um Kleinigkeiten, ein einzelnes Wort, das es noch braucht. Zu den Leuten, die Sie genau beobachten? Die nehmen mich meistens gar nicht wahr. Einige Leute haben das Gefühl, dass sie auf­ passen müssen, was sie sagen, sobald sie mich treffen. Aber meistens haben sie es dann schon gesagt (lacht). Es ist nicht so, dass ich ständig mit der Absicht herumlaufe, Anekdoten aufzuschnappen. Es gibt auch viele Momente, in denen ich ganz normal Zug fahre und für mich etwas lesen möchte. Und plötzlich schnappe ich was auf, das ich nicht erwartet hätte. Zu Mundart? Mundart ist für mich Alltag wie Dienstag­ morgen. Ich habe eine ganz normale Be­ ziehung dazu und nicht – wie viele meinen ­würden – eine sehr besondere. Zur Vermischung von Sprachen? Es kommt nicht immer etwas Besseres raus, wenn man Sprachen mixt. Aber es kann sehr interessant sein. Ich habe eine offene, vor­ urteilsfreie Beziehung dazu. Mir fällt auf, dass Hochdeutsch im Moment stark in die Alltagssprache hineindringt. Die Leute fragen: «Was arbeitisch du?» statt «Was schaffisch du?». Das hat man früher nicht gehört. Das ist ein Phänomen, das ich über­ haupt nicht anklage. Jede Sprache ist fähig, andere Worte und Ausdrücke zu adoptieren. Zu Ihrer Work-Life-Balance? Auf Facebook würde es heissen: «Beziehungs­ status kompliziert.» Ich habe sehr lange sehr viel gearbeitet und das gar nicht gemerkt. Jetzt spüre ich, dass es zu viel wird. Ich versuche, weniger zu arbeiten, zugunsten meiner Freundin und meines Kindes. Es gibt immer mehr Tage, an denen ich mich nicht an den Computer setze, sondern die Zeit meinem Buben widme. Das ist neu für mich, und ich bin noch im Lernprozess. Vorher waren Work und Life für mich das Gleiche.

Zu Auftritten? Auftritte sind für mich eine Bereicherung. Manchmal kommen durchs laut Lesen neue Seiten meiner Texte hervor. Ich stelle fest, dass ich mich manchmal in der Schreibstube selber bescheisse. Wenn ich eine Seite vor Publikum lese und kein gutes Gefühl d ­ abei habe, mich ein bisschen schäme oder froh bin, wenn dieser Abschnitt vorbei ist, heisst das, dass er nicht gut genug war.

selber aufs WC muss und allein mit dem Kind unterwegs bin. Dann suche ich ein Behinderten-WC, in das ich den Kinder­ wagen mit hineinnehmen kann. Ich kann nicht einfach schnell ins Pissoir gehen und ihn draussen lassen – da würde er die Hütte zusammenschreien. Und ihn dabei im Arm halten, ist auch irgendwie komisch (lacht). Ich weiss mittlerweile genau, wo es Behin­ derten-WCs mit guten Wickeltischen gibt.

Zu Ihren Fans? Eigentlich locker. Schwierig ist sie erst dann, wenn ich merke, dass es den Leuten egal ist, für was ich bekannt bin. Es gibt solche, die sagen: «Ich kenne Sie, ich habe Sie mal gese­ hen, aber woher kennt man Sie noch mal?» Dann sage ich manchmal zum Spass: «Ich bin der, der beim Tele Gilli das Wetter mode­ riert!» Für diese Leute gilt: Bekannt ist bekannt. Lieber ist mir, wenn mich die Leute kennen, weil sie mich lesen.

Zu Ihrem Sohn? Interessant ist, dass diese Beziehung wie von selbst kam. Klar, das sagen einem alle. Aber man muss die Emotionen und Gefühle trotzdem selber erlebt haben. Sobald das Geschöpf da ist, besteht eine Verbindung. Unabhängig davon, ob das Kind hübsch ist oder nicht, laut oder leise.

Zu anderen Schreibenden? Meistens gut. Ich habe viele Freunde in der Schriftstellerszene, die ich sehr schätze. Arno Camenisch gehört dazu, Beat Sterchi, Lukas Bärfuss, Raphael Urweider. Das sind Freunde von mir, und ich finde sie auch als Autoren super. Daneben gibt es andere, die ich einfach als Autoren gut finde, aber nicht kenne oder mit ihnen nicht auf der gleichen Wellenlänge bin. Dass ich jemanden als Autor schlecht finde und als Mensch auch, kommt eher selten vor. Welche Beziehung haben Sie zu Schlaf? Ich bin ein guter Schläfer. Bin ich müde, kann ich einfach den Kopf hinlegen und einschlafen. Das habe ich beim Militär gelernt. Aber klar: Jetzt als Vater habe ich nicht mehr so viel Schlaf wie auch schon. Zu Wickeltischen? Die sind oft zu tief unten für mich mit mei­ nen zwei Metern, aber man gewöhnt sich dran. Das grössere Problem ist, wenn ich

Spoken Word Festival «Woerdz»

Lenz und andere Sprechartisten Das Migros-Kulturprozent unterstützt das schweizerische literarische Schaffen auf zeitgemässe Weise. Unter anderem mit dem Projekt «Lyrik und Spoken!». Dazu gehört das Spoken Word Festival «Woerdz», das vom 17. bis 21. Oktober in Luzern stattfindet. 50 nationale und internationale Sprechartisten treten an Poetry-­ Slams und Lesungen auf. Darunter auch Pedro Lenz, Hazel Brugger und Gabriel Vetter.

Zu ihrer Freundin – als Eltern? Man muss sich bewusst Zeit zu zweit schaf­ fen. Die Gefahr ist, dass man das Kind emo­ tional missbraucht. Dann nämlich, wenn man beim Kind die Nähe sucht, die man beim Partner nicht findet. Klar ist: Ein Kind verändert eine Beziehung. Man hat nicht mehr so viel Zeit zusammen wie vorher. Zu Erziehungsbüchern? Da stehen zum Teil schlaue Sachen drin. Nach der Lektüre eines Erziehungsbuchs darf man aber nicht meinen, man wisse jetzt alles. Ein bisschen hinschauen ist auch noch gut. In einem Erziehungsbuch des dänischen Erziehungsexperten Jesper Juul steht, dass Eltern oft denken, ihr Baby sei trotzig. Dabei müsse man sich mal überlegen, wie oft am Tag wir das Kind zu etwas zwingen. Wickeln, aufheben, in den Wagen legen. Ständig packen wir das Kind und stecken es irgend­ wo hin. Dass das Kind manchmal etwas nicht will, ist nicht trotzig, sondern normal. Man kann sein Baby ja nicht fragen, ob es jetzt aufs Tram will oder lieber aufs nächste. Aber man soll sich bewusst sein, dass man viel fürs Kind entscheidet. Zur Kinderbetreuung? Ich bin ein emotionaler Mensch. Gebe ich mein Kind ab, bin eher ich der, der weint. Und darum ist mir wichtig, wer das Kind be­ treut. Momentan teilen meine Freundin und ich uns das auf. Wir schauen, dass wir im Gleichgewicht sind. Sie vier Tage und ich ­einen? Das wäre nicht fair. Zu anderen Eltern? Die ist noch im Aufbau. Ich komme auf dem Spielplatz plötzlich über Kinder mit anderen Eltern ins Gespräch. Auch mit solchen, mit denen ich sonst nichts gemeinsam hätte. Wer von uns hat zum Beispiel echten Kon­ takt mit Leuten aus Äthiopien, die hier leben? Nur diejenigen, die Kinder in dersel­


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Zur Person

Wickeltisch und Flügelrad Pedro Lenz (53) wohnt zusammen mit seiner Freundin Rahel Grunder (29) in Olten. Die beiden haben einen zehn Monate alten Sohn, den er zum ­Wickeln lieber auf den Boden legt, als sich über den Wickeltisch zu beugen – Lenz ist 2,02 Meter gross. Er ist Halbspanier, wuchs in Langen­ thal auf und besitzt zusammen mit dem Journalisten Werner De Schepper die Oltner Beiz «­ Flügelrad». Lenz gehört zu den erfolgreichs­ ten Autoren der Schweiz und gewann zahlreiche Preise: mit dem Roman «Der G ­ oalie bin ig» den Schillerpreis, den Schweizer Filmpreis und den Literaturpreis des Kantons Bern.

Im Cosmos Verlag ist kürzlich sein neuestes Buch erschienen, «Der Liebgott isch ke Gränzwächter».

ben Schulklasse oder im gleichen Fussballklub haben. Neulich trafen wir auf dem Spiel­platz eine Familie aus dem Jemen. Später ging ich nach Hause und googelte, was eigentlich genau im Jemen los ist. Beruflich hätte ich mit dieser Familie nichts zu tun gehabt. Und jetzt ergibt sich das ganz natürlich. Zu Zeitungen, die feststellen, dass Sie ein alter Vater sind? Locker, die haben ja recht! Ich hoffe einfach, dass das nicht meine einzige Eigenschaft ist. Ich schaue es mit Demut an, dass ich das noch erleben darf. Diejenigen, die schreiben, dass ich 24 Jahre älter bin als meine Freundin, leisten einen Dienst am Leser, damit er das nicht selber ausrechnen muss. Zu Ihrem eigenen Vater? Wir hatten eine sehr liebevolle Beziehung. Leider lebt er schon lange nicht mehr. Er war übrigens auch ein alter Vater. Manchmal tut es mir leid, dass ich ihm jetzt nicht seinen Enkel zeigen kann. Welche Beziehung haben Sie zu Ihren Träumen? Ich bin nicht so ein Träumer. Ich träume nicht von fünf Kindern oder von einer Jacht. Vielleicht hatte ich mal den Traum, vom Schreiben leben zu können. Das hat sich ­erfüllt – und das ist für mich riesig. Bei den Träumen in der Nacht ist es so, dass ich sie schnell wieder vergesse. Zu Ihren Albträumen? Es gibt einen, den ich gern mal deuten lassen würde. Ich habe ja die Lehre als Maurer gemacht und viel auf Gerüsten gearbeitet. Dabei hatte ich nie Angst. Doch heute träume ich manchmal, dass ein Gerüst sich langsam von der Mauer löst, und dann erwache ich. Ich frage mich, ob das eine Höhenangst ist, die ich damals verdrängte. Wenn ich wach

bin, habe ich eher selten Angst. Das nimmt vielleicht jetzt mit dem Vatersein zu. Zu Ihrer Heimat? Ich bin ein heimatverbundener Mensch. Heimat muss man sich immer wieder schaffen. Ähnlich wie an einer Liebesbeziehung gilt es, daran zu arbeiten. Bis in meine Zwanziger war Langenthal meine Heimat. Hier in Olten habe ich mir seit zehn Jahren wieder ein Zuhause geschaffen. Ich weiss von mir: Wenn ich müsste, könnte ich auch in Wien oder New York leben. Aber ich würde mir meine Heimat immer etwa auf einer Fläche von Langenthal bauen. Einer Fläche, die ich zu Fuss umkreisen und erfassen kann. Zu Zürich? Ich habe drei Jahre dort gewohnt. Ich kannte vor allem den Kreis 3 gut, das war mein Langenthal. Als Ort gefällt mir Zürich sehr gut. Was mir heute nicht gefällt, ist die Konzentration von Fernsehen, Radio und Zeitungen auf Zürich. Wenn sogar die Berner Zeitungen in Zürich gemacht werden, gibt es einen einseitigen Blick auf die Schweiz und auf die Welt. Zum Bünzlitum? Es gibt zwei Arten von Bünzlitum. Es gibt die Bünzlis, die es nicht besser wissen. Mit denen habe ich kein Problem, denn sie sind engstirnig, weil sie nie etwas anderes gekannt haben. Das sind solche, die im Treppenhaus Zettel schreiben, dass man die Waschmaschine besser putzen soll, anstatt direkt bei mir zu läuten. Doch dann gibt es auch machtvolle und weltläufige Bünzlis, die es eigentlich besser wüssten. Die weit gereist und trotzdem noch bünzlig sind. Zu Fremdem? Interessiert und neugierig, aber Angst vor Fremdem habe ich auch. Jedenfalls wenn ich

den Begriff weit fasse. Habe ich zum Beispiel Angst vor Instagram, kann ich mir die App erklären lassen, und plötzlich ist sie mir nicht mehr fremd. Ich muss jedoch kein Freund davon werden. Mit den Menschen ist es ähnlich. Nicht alles von Fremden kann ich verstehen oder annehmen. Aber ich habe eine riesengrosse Mühe damit, wenn jemand das Fremde an sich für problematisch hält. Zum Glauben? Ich glaube an einen christlichen Schöpfergott. Aber ich hätte gern einen stärkeren kindlichen Glauben. Wenn mir jemand von einem Glaubenswunder erzählt, bin ich skeptisch. Vielleicht sind wir Schweizer zu rational, um solche Dinge zu glauben, aber rational genug, um uns nicht deswegen die Köpfe einzuschlagen. Ich möchte nicht an einem Ort leben, wo der Glaube so wichtig wird, dass deswegen Streit entsteht. Zu Ihren Schwächen? Schwächen kommen immer wieder zum Vorschein. Wie wüste Häuser in einem Dorf. Man kann ihnen ausweichen, aber sie sind trotzdem da. Einige Schwächen habe ich auszumerzen versucht, aber je älter ich werde, desto eher muss ich sie akzeptieren. Ich bin zum Beispiel handlungsschwach; rede viel, aber tue nicht alles davon. Natürlich habe ich noch mehr Schwächen, aber alle möchte ich nicht auf den Tisch legen. Zu Ihren Vorbildern? Diese Beziehung ist naiv und irrational, denn ich will nur das Schöne sehen. Muhammad Ali ist der Grösste. Aber ich weiss, dass er sehr viele Schwächen hatte. Trotzdem ist er ein Vorbild: in seiner Eleganz und Eloquenz. Zum Älterwerden? Es ist nicht nur angenehm. Beim Fussball merke ich, dass ich nicht mehr 20 bin.


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MENSCHEN | MM42, 15.10.2018  31

Ich habe eine Idee, wie der Ball gespielt wer­ den muss, aber die Beine tragen mich nicht mehr dorthin. Das Alter hat aber auch Vor­ teile: Man wird cooler und abgebrühter. Zu Ihrem Äusseren? Ich will nicht sagen, ich sei nicht eitel. Aber es lässt nach. Ich bin nicht Brad Pitt, war ich nie und werde es nie sein. Ich bin eher eitel in Be­ zug auf meine Wirkung. Mir muss man sagen, ich solle mal wieder zum Coiffeur. Dann gehe ich halt. Das Problem ist: Wenn sie wenig schneiden, habe ich einen schönen Schnitt, muss aber rasch wieder gehen. Zu Ihrem Inneren? Ich habe lange Raubbau betrieben mit mir selbst, das war die Arroganz der Jugend. Ich achte jetzt mehr auf meinen Körper und mein Seelenleben. Aber ich bin nie radikal – ausser beim Rauchen, da muss man es sein.

denke, er meint mich. Erst später realisiere ich, dass er eher meinen Namen und mein Renommee meinte. Das tut weh. Vielleicht liegt das daran, dass ich erst spät bekannt wurde, mir fehlen die Antennen. Zu Trennungen? Sie müssten keine Katastrophe sein, wenn man sie gut vollziehen könnte. Die Frage ist: Wer kann das? Ich selbst hatte auch Tren­ nungen, die gut abliefen. Wenn für beide klar ist, dass man sich nicht mehr zwingend sehen muss. Aber natürlich hatte ich auch schon andere Trennungen, schmerzhafte, wo das Verhältnis nie ganz geklärt wurde. Ideal wäre es, man könnte mit der Ex-­ Freundin noch Tennis spielen – ich spiele nicht Tennis, aber nur mal angenommen.

«Muhammad Ali ist der Grösste.»

Welche Beziehung haben Sie zu WhatsApp-Gruppen? Das ständige Blinken macht mich nervös.

Pedro Lenz (53), Autor

Zu Ihrer Beiz? Am Anfang, vor zehn Jahren, als wir zu dritt das Haus gekauft haben, war es anstrengend. Heute hat sich die Beziehung etwas abge­ kühlt, weil wir einen Beizer haben, der das super macht. Er prägt das Restaurant. Aber natürlich ist es nach wie vor eine enge Bezie­ hung: Ich wohne im selben Haus, der Wirt auch, also gibt es einen ständigen Austausch. Zu Ihrem Kater? Einen Kater, bei dem man einen Tag lang physisch kaputt ist, hatte ich schon lange nicht mehr. Vier Stunden Party und dafür zehn Stunden Kater stehen in keinem Verhältnis. Das heisst aber nicht, dass ich nie einen Kater habe. Zum Schreiben ist ein leichter Kater übrigens kein schlechter Freund. Man hat eine gewisse Schwere und Lethargie. Zu falschen Freunden? Da bin ich manchmal etwas naiv. Wenn mir jemand Logentickets für den nächsten Match offeriert, dann freut mich das, und ich

Zur zweiten Chance? Die finde ich wichtig, ich bin ein Verzeiher. Bescheisst mich jemand, und ich kann nicht verzeihen, habe ich einen ungelösten Knopf. Zu Freundschaften mit Frauen? Habe ich, aber es ist weniger selbstverständ­ lich. Erzähle ich einer Frau, die nicht meine Freundin ist, meine innersten Gefühle, fühlt es sich an wie Verrat. Bei Männern habe ich dieses Gefühl nicht. Ich hatte nie sehr viele Freundinnen, die nicht auch meine Freun­ din waren. Vielleicht zu Unrecht.   Welche Beziehung haben Sie zu Cristiano Ronaldo? Keine enge. Sein fussballerisches Talent steht in einem umgekehrt proportionalen Verhältnis zur persönlichen Sympathie. Als er bei Real Madrid war – ich bin ja auch ­Real-Fan –, musste ich mich für seine Tore freuen und habe mich gleichzeitig fremd­ geschämt wegen seines Verhaltens. Jetzt ist er bei J ­ uventus Turin, da ist es einfacher.

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Zu YB als Meister? Ich habe mich sehr gefreut. Aber Meister sein ist nicht nur problemlos. Wir haben 32 Jahre lang davon gesprochen, jetzt ist der Titel da, aber das Leben muss weitergehen. Wir werden nicht immer Meister bleiben. Aber einen zweiten Titel nehmen wir noch, es sieht ja gut aus. När luegemer de witer. Zur Champions League? Das ist eine Liebe voller Widersprüche, wie wenn man sich in eine Nutte verliebt. Fuss­ ballerisch ein sehr hohes Niveau, aber rund­ herum alles nur Business, das löscht mir ab. Zu Ihren Füssen? Eine Katastrophe. Die Diskrepanz zwischen meinem Fussballverstand, dem theoreti­ schen Wissen, und dem, was ich körperlich noch zustande bringe, ist riesig. Als Kind war es umgekehrt: Da rannte ich viel und wusste wenig. Ich spiele noch regelmässig Fussball, und wenn ich den Rasen betrete, habe ich im Herz immer noch das Gefühl des zehn­ jährigen Buben. Ich liebe es! Aber sobald wir zu spielen beginnen, ein Fiasko. Zu Ihren Händen? Ich war nie das Goldhändchen. Aber Sorgfalt habe ich gelernt, und das mag ich auch. Ich arbeite gern mit den Händen, im Garten. Das Verhältnis zu meinen Händen ist jeden­ falls besser, als das zu meinen Füssen. Zu Fouls? Teil des Spiels. Ohne sie kann man nicht Fussball spielen. Ich tue es auch, manchmal gar nicht absichtlich. Dann muss der Schiri pfeifen. Versteckte Fouls habe ich gar nicht gern, und ins Leben gehören sie auch nicht. Zum Goalie? Eine Liebesbeziehung. Der Goalie auf dem Feld ist die interessanteste Figur. Schon als Kind war ich von ihm fasziniert. Und natür­ lich habe ich zum Goalie eine enge Bezie­ hung, weil mir dieses Buch viele Türen ge­ öffnet hat. Er wurde zum Synonym für mich. Wenn ich mit meinem Sohn irgendwohin komme, sagen die Leute: «Lue, dr Goalie chunnt mitem chline Goalie!»  MM


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Seit Anfang 2017 sind in der Migros-Gastronomie grüne Mehrwegschalen im Einsatz. 60 000 Mal wurden sie bislang verwendet. So konnten zwei Tonnen Einwegplastik eingespart werden.

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«Wer motzt, ist mit sich selbst unzufrieden» Wie lange sind Sie schon MigrosGenossenschafterin? Ich glaube seit mehr als 33 Jahren. Weshalb sind Sie Migros-Besitzerin? Ich bin einfach gerne Genossenschafterin. Ich wohne in einer Genossenschaftswohnung und bin bei einer Genossenschaft versichert. Ich finde den Solidaritätsgedanken gut. Was mögen Sie an der Migros? Eigentlich alles. Die Migros ist ja auch ein Treffpunkt. Das Zwischenmenschliche ist wichtig im digitalen Zeitalter. Ich finde das toll.

Bild: René Ruis

Gibt es etwas, das Sie kritisieren möchten? Nein, denn wer immer motzt, ist mit sich selbst unzufrieden. Das MigrosPersonal ist nett und hilfsbereit, man kann schöne Begegnungen erleben.

Name: Claire Forster (79) Wohnort: Aarau Beruf: pensionierte Röntgen­assistentin Lieblingsprodukt: Feigen

Haben Sie eine besondere Erinnerung? Wenn man in meiner Kindheit in der Migros eingekauft hatte, musste man die Migros-Taschen vor gewissen Leuten im Dorf verstecken. Die verachteten einen, wenn man in der Migros statt im Dorfladen war. MM


34  MM42, 15.10.2018 | MIGROS-WELT

Forum elle

Ein Netzwerk für Frauen Forum elle ist die Frauenorganisation der Migros. Engagierte Genossenschaftsrätinnen des Unternehmens hatten den Verein 1957 ins Leben gerufen, damals noch mit Unterstützung von Migros-­ Gründer Gottlieb Duttweiler. Wer Forum elle noch nicht kennt: In den kommenden Wochen werden an verschiedenen Orten in der Schweiz die Frauen von Forum elle präsent sein und Schöggeli sowie Flyer verteilen.

Forum elle ist partei­ politisch unabhängig und konfessionsübergreifend. Die Organi­ sation zählt rund 8500 Mitglieder, die schweiz­ weit 16 Sektionen angehören. Ein Beitritt zum Forum elle ist allen Frauen möglich. Forum elle bietet seinen Mitgliedern eine Plattform, um ihr Netzwerk aufzubauen und zu pflegen. Die verschiedenen Sektionen organisieren jährlich zahlreiche Veranstaltungen. Dank der Nähe zur Migros gehören dazu beispielsweise Einblicke hinter die Kulissen der M-Industrie­betriebe oder Besuche bei regionalen Produzenten. Auf dem Programm stehen aber auch Veranstaltungen zu sozialen, kulturellen und gesellschaftlichen Themen, beispielsweise Vorträge zu Ernährung, Buchlesungen oder der Besuch von Kunstausstellungen. Infos und Anmeldung: www.forum-elle.ch

Mitarbeiter der Riseria bei der Ernte auf dem eigenen Reisfeld in Taverne TI

M-Industrie

Reisernte in der Riseria Seit dem Frühjahr 2018 bewirtschaftet die Reismühle der Migros auf ihrem Gelände in Taverne im Tessin ein kleines Reisfeld. Die Absicht ist, Kunden und Besuchern vor Ort zu zeigen, wie Reis wächst, und vor der eigenen Haustür Erfahrungen im Anbau zu sammeln. So hat die Riseria eine vollautomatische Bewässerung mit Feuchtesensoren erfolgreich getestet. Anfang Oktober war es dann so weit: Mitarbeiter konnten bei schönstem Herbstwetter die erste «Ernte» einfahren, bestehend aus zwei Risotto-Sorten sowie einem violetten Reis namens «Gioiello». Mit Sicheln ausgerüstet schnitt

die Gruppe Ähre um Ähre, um anschliessend, ebenfalls von Hand, einen Teil zu dreschen und den Rest zu Garben zu binden. «Obwohl wir in der Riseria täglich Reis verarbeiten, war das eine völlig neue Erfahrung für alle Beteiligten», sagt Unternehmensleiter Daniel Feldmann zufrieden. Aus diesem Grund will er das Feld auch im kommenden Frühling wieder bestellen. Die Riseria ist die leistungs­ fähigste und grös­ste Reismühle in der Schweiz, sie verarbeitet jedes Jahr 15 000 Tonnen Rohreis zu über 100 verschiedenen Fertigprodukten.

Frage der Woche

Ist die Schokolade «Milch extra ohne Zuckerzusatz» alkoholhaltig? Nein, diese Schokolade ist alkoholfrei. Sie enthält zwar den Zuckerersatzstoff Isomalt, der im Jargon der Chemiker zu den «mehrwertigen Alkoholen» gehört. Dies ist auch in der Nährwerttabelle des Produkts erwähnt. Mehrwertige Alkohole haben jedoch keine berauschende Wirkung. Abgesehen vom Namen und gewissen chemischen Ähnlichkeiten, haben sie nichts mit dem Ethanol zu tun, das in alkoholischen Getränken enthalten ist.  MM

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Telefonisch erreichbar Montag bis Freitag: 8.00–18.00 Uhr, Samstag: 8.30–16.30 Uhr Anrufe auf die oben ­genannte Nummer sind gratis.


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Kultig frisch «Auf einer Wanderung im Verzascatal, gönnen sich unsere Töchter eine erfrischende Abkühlung – auch von innen.» Sibylle Kaufmann, Rünenberg BL

Konzert

Botschafter des Jazz Für Jazzfans ist der Walliser Andreas Schaerer einer der besten europäischen Sänger in dieser Musiksparte. Der dynamische Stimmakrobat begeistert aber auch Zuhörer, denen dieses Genre bisher noch fremd ist. Für sein neues Programm hat er sich unter anderem mit dem finnischen Gitarristen Kalle Kalima zusammengetan, der den kraftvollen Gesang mit elektronisch verfremdeten Klängen begleitet. Zum Konzert am 3. November in der Gessnerallee in Zürich haben Kinder und Jugendliche bis 15 Jahre in Begleitung von

Erwachsenen freien Eintritt. So wird eine neue Generation für Jazz begeistert. Das Migros-­ Kulturprozent unterstützt das Fami­li­en­konzert. Infos: www.jazznojazz.ch

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42  MM42, 15.10.2018 | MIGROS-WELT Le Gruyère

Stufe für Stufe Käsekunst Die Gruyère-Qualitätsprodukte sind äusserst beliebt. Was viele nicht wissen: Jeder AOP-Käse wird in kleinen Dorfkäsereien in Handarbeit hergestellt. Woher ein Käse stammt, lässt sich künftig auch auf der Verpackung erkennen. Text: Claudia Schmidt  Bilder: Daniel Winkler

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eisterkäser Frédéric Pasquier (37) ist schon früh auf den Beinen. In seiner Käserei in Echarlens FR wird frühmorgens die Milch von 15 Milchbauern angeliefert. Der persönliche Kontakt mit den Lieferanten ist Pasquier wichtig. Die Milch wird sogleich zusammen mit der Milch vom Vorabend zu Gruyère AOP weiter­verarbeitet – an sieben Tagen in der Woche. «Wir verwenden Rohmilch. Die muss man schnell weiterverarbeiten – die Kühe pausieren nicht.» Nach dem Eindicken fährt die Käseharfe so lange durch die Masse, bis ein körniger Brei entsteht. Die Grösse der Körner prüft der Käser, indem er mit einer Schaufel oder mit der Hand durch die Masse fährt und sie in Augenschein nimmt. «Ich muss den Bruch fühlen können. Mit Rohmilch verändert er sich sehr schnell», sagt Pasquier. Die Körner dürfen weder zu gross noch zu klein sein, weil sonst zu viel Molke im Käse bleibt. Deshalb überprüft der ­Käser den Bruch mehrmals, bis die gewünschte Konsistenz erreicht ist. Erst dann wird der ­Käsebruch erwärmt und später in einer Käseform abgefüllt. Mit ­einem Druck von 4bar wird der Käse gepresst, damit er die ­typische Kon­sistenz des Gruyère AOP erreicht. Mehrmals am höchsten bewertet Es folgt ein 24-stündiges Salzbad.

Ein Metall­gestell sorgt ­dafür, dass die Laibe an Ort und Stelle bleiben, statt auf der Lake zu schwimmen, denn das Wasser enthält 22 Prozent Salz. Während rund drei Monaten reift der Gruyère AOP dann im Käse­keller. Regelmässig wird er mit Salzlake geschmiert und gepflegt. Dann holt Mifroma, der Käse­verarbeiter der Migros, die Laibe ab und lässt sie in eigenen Kellern weiter­ reifen. Aber es ist Pasquiers Verdienst, dass sein Käse regelmässig ex­zellente Noten erhält. Anhand der Nummer auf j­ edem Laib lässt sich Herkunft und Alter auf den Tag genau zurückverfolgen. MM

vom 16. bis 22.10.

Bereits auf dem Laib lässt sich genau zurück­ verfolgen, wann und in welcher Käserei der Käse hergestellt wurde. Höhlengold Gruyère AOP, 250-Gramm-­ Stücke, per 100 g Fr. 2.70

Bevor es in den Reifekeller geht, werden die Käselaibe für 24 Stunden in ein Salzbad gelegt.

Schon kurz nachdem der Käsebruch in die Formen gegossen wurde, erhält der künftige Laib sein Label.

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46  MM42, 15.10.2018 | MIGROS-WELT Topfgeschichte

Herbstfrüchte entsaften Brom- und Himbeeren Kaum jemand hat so viele Brombeeren oder Himbeeren, dass sich das Entsaften im Dampfentsafter lohnen würde. Deshalb ist der Zentrifugenentsafter oder der Slow Juicer gut geeignet. Natürlich kann man auch ganz einfach einen Kochtopf nehmen (siehe Rezept). ­Früher wurden oft mechanische Beerenpressen verwendet, die aber oft viel Fruchtsaft verspritzen.

Trauben Weinbeeren lassen sich in kleinen Mengen in der Saftzentrifuge entsaften. Die Ausbeute ist allerdings nicht so gross wie mit dem Dampf­entsafter, der wiederum grössere Mengen benötigt. Für die Weinherstellung eignet sich der sterilisierte Saft nicht mehr – dafür braucht es die ganzen Beeren, um eine ordentliche Maische herzustellen.

Äpfel und Birnen Für frischen Saft eignet sich ein Zentrifugenentsafter oder auch ein Slow Juicer. Der Saft ist für den schnellen Genuss gedacht. Grosse Mengen für den Vorrat müssen sterilisiert werden. Deshalb eignen sich die Geräte nicht für grosse Ernteerträge. Die entsaftet man besser im Dampfentsafter. In ­sterile Flaschen gefüllt entfällt das Sterilisieren.

In der Migros finden Sie alles rund um den Herbstgenuss.

Holunder Die Beeren geben ihren Saft am besten im Dampfentsafter ab. Es reicht, die ersten groben Stängel abzuschneiden. Den Saft in sterilisierte Flaschen geben. So hält sich der Saft bis zur nächsten Ernte. Dieses Jahr wurden die ­Holunderbeeren früh reif, sodass Mitte ­Oktober leider nur noch ­vereinzelt reife Beeren an den Sträuchern hängen.


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MIGROS-WELT | MM42, 15.10.2018  59

Profi-Tipp

Auf Vorrat

Claudia Schmidt, Foodjournalistin

Spritzig-fruchtig

Brombeersirup Zutaten für 7 dl 1 kg Brombeeren 6 dl Wasser ca. 400 g Zucker 3 EL Zitronensaft Zubereitung

Brombeeren und Wasser aufkochen. Bei mitt­ lerer Hitze ca. 30 Minuten köcheln lassen. ­Pfanne vom Herd ziehen. Beeren mit einer Kelle ­zerquetschen. Abkühlen lassen. Durch ein ­feinmaschiges Tuch absieben. Brombeersaft ­ab­messen. Pro dl Saft 50 g Zucker dazugeben. Brombeer- und Zitronensaft mit Zucker 15 Minuten kochen lassen. In heiss ausgespülte Flaschen füllen, gut verschliessen und ausküh­ len lassen. TIPP

Sirup mit Mineralwasser aufgiessen. Mit ­Eiswürfeln und Limettenscheibe servieren. Kühl und dunkel gelagert, ist der Sirup circa 1 Monat haltbar. Einmal geöffnet im ­Kühlschrank lagern.

In Zeiten ständiger Verfügbarkeit sind die Vorratskammern aus der Mode gekommen. Ein Blick auf meine Vorräte ver­ schafft mir dennoch ein Gefühl der Zufriedenheit. Das gilt ­besonders für Holundersaft. Im Winter mit Zitrone und Honig als Getränk bei Erkältungen, so ist er aus der Volksheilkunde nicht wegzudenken. Der säuerlich-herbe Geschmack heizt auch in einer Holunder­ beersuppe mit Äpfeln und Griess­ klösschen herrlich ein. Brombee­ ren entsafte ich ebenfalls gern. Ihr Saft aromatisiert bei mir Desserts, zum Beispiel Panna cotta. Ich ersetze einen kleinen Teil des Rahms durch Saft. Und manchmal bekommt das cremige Rahmdessert auch eine Brombeer-­Jelly-Schicht spen­ diert. Auf 125 Milliliter heissen Saft kommen eineinhalb Blätter eingeweichte Gelatine sowie ­etwas Zucker nach Belieben. Leicht abgekühlt giesse ich den Saft über die gekühlte, feste ­Panna Cotta. MM

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MIGROS-WELT | MM42, 15.10.2018  61

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Tag 3 Les Andelys Ausflug* nach Lyons la Forêt. Es folgt ein Rundgang in Les Andelys mit Besuch des Schlosses Gaillard und der Kirche Notre-Dame. Wenn die Excellence Royal ihre Fahrt nach Caudebec-en-Caux fortsetzt, erleben Sie das Tal der Seine von seiner schönsten Seite, durch malerische Landschaften, vorbei an bizarren Kreidefelsformationen. Dann wird der Lauf der Seine breiter, die Nähe des Ärmelkanals spürbar. Tag 4 Caudebec-en-Caux > (Honfleur) Ganztagesausflug*. Das Städtchen Honfleur besitzt den wohl schönsten Hafen der Normandie, mit einer einzigartigen Lage an der Blumenküste, der Côte Fleurie. Auf einem Stadtrundgang entdecken Sie das romantische Viertel am alten Hafenbecken. Mittagessen in einem typischen Restaurant. Anschliessend Fahrt durch die Normandie und Zwischenhalt in einer Calvados-Brennerei, inkl. Führung und Degustation.

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Tag 2 Paris Morgens gemütliche Bootsrundfahrt* auf der Seine und nachmittags Besuch des Quartiers Montmartre und SacréCoeur*. Entdecken Sie das Künstlerviertel Montmartre auf einem kurzen Spaziergang, inkl. einem Besuch der berühmten Kirche Sacre-Coeur. Die Aussicht von hier aus über die Stadt ist gigantisch. Am Abend legt die Excellence Royal ab.

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Tag 5 Caudebec-en-Caux > (Étretat) Ausflug* nach Étretat zur Alabasterküste mit ihren hoch aufragenden Kreideklippen und den faszinierenden Steilfelsen.

Fakultativer Genuss eines Gourmet-Mittagessens. Der Spitzenkoch David Görne (seit 2016 besitzt er 1 Michelin-Stern) verwöhnt Sie mit einem 6-Gang-Menü inkl. Getränke (Fr. 170) in seinem bezaubernden Manoir. Tag 6 Rouen Stadtrundrundgang* in Rouen. Seine Fachwerkbauten, enge Pflasterstrassen und die Kathedrale machen Rouen, die «Stadt der 100 Türme», fast schon zu einem gotischen Freilichtmuseum. Nachmittags haben Sie die Möglichkeit bei einem fakultativen Ausflug (Fr. 50) auf der «Route der Abteien» die Abtei Saint Wandrille zu besuchen. Hier brauen die Mönche ihr eigenes Bier, welches Sie auch kosten können. Des Weiteren findet bei der Abtei Jumièges, eines der eindrucksvollsten Bauwerke der Romanik, und der Abtei Saint-Georges de Boscherville ein kurzer Halt statt. Tag 7 Vernon > Paris Busausflug* nach Giverny. Besichtigen Sie das Wohnhaus von Claude Monet, der hier 43 Jahre lang lebte. Werfen Sie einen Blick auf den wohl berühmtesten Seerosenteich der Welt, der den Maler zu einigen seiner wichtigsten Werke inspirierte. Nachmittags Weiterfahrt nach Paris. Tag 8 Paris > Schweiz Nach dem Frühstück Busrückreise zu Ihrem Abreiseort. *Ausflugspaket Das Ausflugspaket kann nur im Voraus gebucht werden. Sie sparen mindestens 20%. Buchung einzelner Ausflüge an Bord möglich.

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MIGROS-WELT | MM42, 15.10.2018  67

Gastronomie

AOP auf dem Teller Am Freitag und Samstag steht in den Restaurants Martigny, Sion und Glis das Wallis im Mittelpunkt – und die Gäste können ein ­feines Raclette geniessen. Im Restaurant im Osten der Raspille stammen die Käselaibe vom Unternehmen Walker in Bitsch. Im Westen der Raspille hingegen servieren die Restaurants Raclettekäse aus dem Hause Valcrème in Siders.

Ihre Region Neues aus der Genossenschaft Migros Wallis

Animation

In der Welt der Roboter Intelligente Maschinen kommen in Science-Fiction-Filmen vor und spielen auch in unserer Zukunftsvorstellung eine grosse Rolle. Im Simplon Center ist es jetzt möglich, Roboter zu entdecken und sogar zu lernen, wie man sie baut. Text: Mélanie Zuber

Bilder: zVg; Didier Bérard

Roboter schwingen das Tanzbein. Im Einkaufscenter Glis finden Themen­­tage zur Welt der Roboter statt.

V

om 17. bis 27. Oktober finden im Einkaufscenter in Glis Aktivitäten zum Thema Roboter statt. Vier davon seien erwähnt: eine Werkstatt, in der man selbst einen Roboter zusammenbauen kann, die Vorstellung eines synchronisierten Tanzes mit

vier Maschinen, eine sogenannte Werkstatt der erweiterten Realität, bei der eine Zeichnung zum Leben erweckt wird, und eine Werkstatt der virtuellen Realität, in der das Publikum in ein Universum seiner Wahl transportiert wird. Bereit für die Zukunft? MM


68  MM42, 15.10.2018 | MIGROS-WELT

Berufsbildung

«Die Migros hat mir eine Zukunft ermöglicht» Mit 18 Jahren hat Ricardo Pires eine zweite Lehre bei der M ­ igros Wallis begonnen. Im Migros-Magazin stellt er seinen beruflichen Werdegang und den gewählten Beruf mit Begeisterung vor. Text und Bild: Mélanie Zuber

Sein glückliches Lachen spricht für einen Menschen, der seinen Platz gefunden hat. Ricardo Pires ist jung. Aber er hat sein Leben schon selbst in die Hand genommen. Bei der Migros Wallis hat er den idealen Rahmen gefunden, um sich zu entfalten. Wir treffen ihn an seinem Arbeitsort, in der Metzgerei des Einkaufscenters Forum des Alpes in Conthey. Ricardo Pires, Beschreiben Sie uns Ihren beruflichen Werdegang bei der Migros? Ich habe zuerst eine Vorlehre als Detailhan­ delsassistent im Tourbillon Center in Sion gemacht, danach eine zweijährige Lehre im selben Bereich. Diesen Juli erhielt ich mein eidgenössisches Berufsattest. Ein paar Tage später fing ich mit einer Lehre als Fleisch­ fachmann im Forum des Alpes an. Warum haben Sie sich für die Migros Wallis entschieden? Meine Eltern haben immer in der Migros im

Tourbillon Center in Sitten eingekauft. Wenn ich sie begleitete, fiel mir die Hilfs­ bereitschaft der Filialmitarbeiter auf und dass sie bei ihrer Arbeit glücklich schienen. Das wollte ich auch für mein Berufsleben. zufrieden sein. Es ist gekommen, wie ich es erhofft habe. Ich wurde sehr gut auf­ genommen, und stehe jeden Morgen gerne auf, um zur Arbeit zu gehen. Warum haben Sie eine Vorlehre gemacht? Dadurch konnte ich die Berufswelt kennen­ lernen und mich auf die Lehre vorbereiten. Das hat mir geholfen, mich zu engagieren. Und was hat Sie zu einer zweiten Lehre motiviert? Während der ersten Ausbildung konnte ich alle Unternehmensbereiche entdecken. Ich arbeitete ein paar Wochen in der Metzgerei, wo es mir sehr gefiel. Als ich mein EBA erhielt, wurde mir eine Stelle als Rayonleiter

angeboten. Wissen Sie, die Migros hat mir für meine Zukunft nämlich viele Türen ge­ öffnet. Aber ich wollte lieber eine Lehre als Fleischfachmann machen. Ich stellte einen Antrag, der problemlos bewilligt wurde. Hätten Sie die Lehre denn nicht anderswo machen wollen? Nein. Ich wollte bei der Migros bleiben, weil ich die Beziehung zu meinen Kollegen, die Unterstützung in der Zentrale und die gute Betreuung durch den Berufsbildungsdienst sehr schätze. Kurz, das Unternehmen gefällt mir einfach. Und ich weiss, dass ich hier keine Sorgen haben werde. Und was gefällt Ihnen an der Metzgerei? Wie ich es meinem Chef gesagt habe: Es ist kein Beruf, sondern Kunst. Wir stellen viel­ fältige Produkte her und sind kreativ. Ich fin­ de das super. Wir bereiten Marinaden zu, richten Fleischfondueplatten an, denken uns


MIGROS-WELT | MM42, 15.10.2018  69

Berufsbildung

Es sind 68 Lehrstellen frei! Die Migros Wallis ist der grösste Lehrbetrieb im Kanton. Die Genossen­ schaft begleitet jedes Jahr mehr als 140 Jugend­ liche bei ihren ersten Schritten im Berufs­ leben. Die jungen Men­ schen können beim Unternehmen folgende Berufe erlernen: Detail­ handelsassistent/in, Detailhandelsfachfrau/ mann, Fleischfachfrau/ mann, Strassentrans­ portfachfrau/mann, Logistiker/in, Automobil­ fachfrau/mann, Kauffrau/ mann und Informatiker/ in. Die Migros Wallis bietet ihren Jugendlichen auch echte Zukunfts­ aussichten. Im Jahr 2018 wurden zwei Drittel der Lehrabschluss­gänger, die bei der Genossen­ schaft bleiben wollten, angestellt. Die Rekru­ tierung zur Besetzung der Lehrstellen für den Lehrbeginn im August 2019 hat schon begon­ nen. Gegenwärtig sind 68 Lehrstellen frei. Ricardo Pires, ein junger Mann mit viel Leidenschaft für seinen Beruf

schöne Präsentationen aus, um die Kund­ schaft zur Theke zu locken. Das ist genial.

nungskurs machen, das sich in der Zentrale der Migros Wallis in Martigny befindet.

Arbeiten Sie auch mit anderen Fleischverarbeitungsbetrieben der Migros-Gruppe zusammen? Ja. Ich finde es gut, während der Lehre auf andere Unternehmen der Gruppe zählen zu können. In der Filiale können wir zum Bei­ spiel nicht oft entbeinen. Diese Woche kann ich beim Unternehmen Merat einen Entbei­

Haben wir Sie nicht schon an der Berufsund Ausbildungsmesse Your Challenge angetroffen? Ja, richtig! Ich war dieses Jahr am Stand, um die Migros zu vertreten und meinen Beruf vorzustellen. Die Jugendlichen stellten viele Fragen. Die meisten dachten, dass es bei der Migros nur Verkäufer gibt. Ich habe ihnen erklärt, dass wir ebenfalls Metzger, Poly­ designer 3D und viele andere Berufe haben.

«Mit 18 Jahren ist es beruhigend zu wissen, dass die berufliche Zukunft auf einer soliden Basis errichtet wird.» Ricardo Pires, Lernender Fleischfachmann

Welchen Ratschlag würden Sie jemandem geben, der eine Lehre beginnt? Die Migros öffnet viele Türen; sie ist einer der besten Lehrbetriebe. Ich hatte schuli­ sche Schwierigkeiten und Angst, nach dem Abschluss nicht zu wissen, was ich machen könnte, aber die Migros hat mir eine Zu­ kunft ermöglicht. MM

Interessiert? Schicken Sie uns Ihr Bewerbungsdossier (Bewer­ bungsbrief, Lebenslauf, Zeugniskopien der letzten zwei Schuljahre, Kopie eines Eignungs­ tests Multicheck, AGVS oder ASTAG) an: Migros Wallis, Berufsbildung, Rue des Finettes 45, 1920 Martigny, oder per E-Mail an new-talents@ migrosvs.ch. Die berück­ sichtigten Kandidatinnen und Kandidaten werden zu einem Vorstellungs­ gespräch eingeladen. Verläuft dieses für beide Seiten optimal, können die Jugendlichen ein fünftägiges Praktikum beim Unternehmen absolvieren. Entdecken Sie auf www.new-talents.ch die vielen Vorteile einer Lehre bei der Migros-Gruppe.


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Leben MM42

Umfrage

Wie viele Gottenkinder sind okay? Zwei sind perfekt.

41%

Drei dürfens sein, das braucht aber etwas Organisation. 1, 2 oder 3?

Notarzt

Monica Müller (44) hat zwei B ­ uben, einen Mann, einen Job, einen Haushalt. Mal wäre sie gern mehr Leitwölfin, mal mehr Gandhi.

1   Ich versuche, den Kleinen von seinem Ziel abzubringen, indem ich einen doppel-

ten Pfotenbruch des Leoparden beklage.   Ich helfe dem Kleinen, den Arztkoffer zu öffnen, lasse die unangenehmsten 2 ­Utensilien verschwinden und assistiere ihm bei der Arztvisite. 3   Ich verbiete dem Kleinen, den Patienten jetzt zu stören.

Nur eins. Dafür so richtig mit Übernachtungen und Ausflügen.

18%

Je mehr, desto besser! Ist doch eine schöne, spezielle Rolle.

15%

586 Abstimmende famigros.ch Eine Umfrage von

Antwort 1: Der Leopard ist das Lieblingstier des Kleinen. Wenn ihn jetzt etwas von seinem Vorhaben abbringen kann, dann eine ebenso dringende Operation an ihm. Mein Mann wird eher schneller genesen ohne die Intervention des kleinen Notarztes.

Illustration: Lisa Rock, Bild: René Ruis

Seit der Kleine (3) das Doktorköfferli entdeckt hat, wird bei uns rund um die Uhr operiert: Er bandagiert Leoparden, narkotisiert Hunde, misst die Herztöne von Drachen. Sind alle Plüschtiere seiner strengen Kontrolle entronnen, gilt es Ernst für uns. Er drückt mir die Narkosemaske ins Gesicht, rammt dem Papi den Fiebermesser in den Bauch und traktiert den Grossen (8) mit der Pinzette. Als ich eines Abends von der Arbeit nach Hause komme, ist mein Mann richtig krank. Er hat sich durch den Tag mit den Kindern geschleppt und muss sofort ins Bett. Nach der Gutenachtgeschichte schnappt sich der Kleine den Arztkoffer und rennt damit wild entschlossen zum schlafenden Papi. Und jetzt?

26%


74  MM42, 15.10.2018 | LEBEN

Held des Jahres 2017: Markus Walser. Ohne ihn hätte die Palfries-­ Seilbahn ihren Betrieb wohl nie mehr auf­ genommen.

S Der Preis für Helden des Alltags

stille Macher Sie setzen sich ein für die Gesellschaft – und das, ohne eine Gegenleistung zu erwarten: die Helden des Alltags. Zusammen mit dem Schweizer Radio und Fernsehen sucht das Migros-Magazin die Heldinnen und Helden 2018. Text: Andreas Bättig

ie engagieren sich freiwillig, weil sie glauben, dass Engagement «die Gesellschaft weiterbringt». Wie Markus Walser (oben). Oder weil sie «einfach gern dienen», wie Kevin Hirt (Seite 76). Beide wurden als Helden des Jahres ausgezeichnet, ein Preis, den das Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) auch 2018 wieder verleihen wird. Die Preisträger wählt der Sender gemeinsam mit dem Publikum aus. Wer kennt eine Heldin oder einen Helden des Alltags, die oder der diesen Preis verdient? Vom 18. Oktober bis 16. November kann jeder seinen Favoriten nominieren. Ein Formular dafür findet man auf www.srf1.ch. Zur Inspiration sind auf der Website die bisherigen Preisträger seit 2014 aufgelistet. Und man kann nachlesen, was die Auszeichnung für die Betreffenden bedeutet, wie sich ihr Engagement entwickelt hat und warum sie motiviert sind, weiterhin Gutes zu tun.


LEBEN | MM42, 15.10.2018  75

Held des Jahres 2016: Thomas Niederer, der Schweizer Seen ­saubertaucht.

Teil der Festung Sargans. 1998 gab sie die Palfries-­ Seilbahn für die zivile Nutzung frei. Rechtsstreitigkeiten mit den Nachbarn verhinderten allerdings einen weiteren Betrieb. Markus Walser bei der Preis­ verleihung im Februar 2018 mit SRF-Direktor Ruedi Matter.

Markus Walser (46) aus Wangs SG

Bild:er Pascal Mora / SRF; Oscar Alessio / SRF (2)

Ohne ihn kein Bähnli Wenn Markus Walser von der Militärseilbahn bei Sargans SG spricht, gerät er ins Schwärmen. «Sie hat eine geniale Trasse.» Zuerst fährt man über die Wasserfälle des Ragat­scher Bachs, dann über ein kleines Tal, in dem manchmal Wildtiere zu sehen sind, bevor sich auf der Hochebene Palfries ein eindrücklicher Ausblick über den Walensee und in die Glarneralpen bietet. Zwei Gondeln bringen von Ende Mai bis Mitte November je acht

Personen in zwölf Minuten von 500 auf 1700 Höhenmeter. Oben befinden sich ein weitverzweigtes Wandergebiet und Bergrestaurants. Doch bis die alte Militärseilbahn 2016 den fahrplanmässigen Betrieb aufnehmen konnte, mussten Walser und gut 70 weitere freiwillige Helfer unzählige Arbeitsstunden für die Instand­ setzung leisten. Die Schweizer Armee baute die Bahn im Jahr 1941 als

Markus Walser wurde 2008 gefragt, ob nicht er das Präsidium der Seilbahn übernehmen wolle, um den Fortbestand zu sichern. Er sagte zu, «weil ich es wichtig und richtig finde, dass Freiwilligenarbeit gemacht wird. Nur das bringt uns als Gesellschaft weiter». Es folgten zehn Jahre, in denen sich die Genossenschaft mit den Behörden herumschlug. «Wir mussten nachweisen, dass die Seilbahn sicher ist.» Mittlerweile ist sie bei Ausflüglern so gefragt, dass eine Fahrt unbedingt online reserviert werden muss. Walser, der sein Präsidium dieses Jahr abgegeben hat, freut sich, dass sich der Einsatz gelohnt hat: «Wenn man die Freude der ­Fahrgäste sieht, kommen einem manchmal fast die Tränen.»

Thomas Niederer (53) aus Hergiswil am See NW

Er taucht für alle ab In unseren Schweizer Seen liegt Abfall. Sehr viel, wie Thomas Niederer immer wieder mit eigenen Augen sieht. Seit neun Jahren sammelt der leidenschaftliche Taucher Autoreifen, Velos, alte Batterien, Flaschen, Plastik und vieles mehr vom Seegrund ein. Mittlerweile engagieren sich etwa 80 Taucher und 30 Helfer an Land ehrenamtlich im Verein «Schweizer Umwelt- und Abfalltaucher» (Suat), den Niederer ins Leben ­gerufen hat. Etwa 350 Tonnen Material konnten sie bis jetzt bergen und fachgerecht entsorgen. «Bei jedem Clean-­ up füllen wir eine ganze Abfallmulde von sechs Kubikmetern», sagt ­Niederer. Dass er mal ein Abfalltaucher sein würde, war nicht sein Plan. «Ich wollte ursprünglich zum Spass tauchen, die Unterwasserwelt ­erkunden, Fische und Krebse sehen.» Doch dann seien ihm

die Abfallberge aufgefallen. Niederer kann nicht verstehen, was die Menschen alles in den See werfen. «Wir nutzen die Gewässer, um Spass zu haben, und vergessen dabei, dass die Seen hochsensible Ökosys­teme sind, in ­denen ­viele Tiere leben.» Ginge es nach Niederer, sollten Kinder in der Schule oder schon im Kindergarten für die Umwelt sensibilisiert werden. Grosse Sorgen macht ihm der zunehmende Anteil an Plastik, auch Mikroplastik, in unseren Gewässern. «Das ist nicht nur ein Problem der Drittweltländer. Auch in unseren Gewässern sammelt sich dieses Material an.» Verschiedene Lebewesen fressen Plastik und verhungern infolge­ dessen. Schon deshalb ist Niederer motiviert, auch bei niedriger ­Wassertemperatur nach ­Abfall auf dem Seegrund zu tauchen.


76  MM42, 15.10.2018 | LEBEN

Held des Jahres 2015: Kevin Hirt

«Ich bin von Natur aus ein dienender Mensch.»

Heldin des Jahres 2014: Esther Schönmann im Einsatz in ihrer ­Gassenküche in ­Langenthal BE.

Kevin Hirt engagiert sich in der Jugendorganistaion Cevi. Esther Schönmann (76) aus Aarwangen AG

Sie ist für Randständige da Er schliesst alle mit ein Er wurde für sein Engagement in der Jugendorganisation Cevi zum Helden gewählt. Es sei für ihn eine Ehre gewesen, zum Helden gewählt zu werden, sagt Kevin Hirt und betont: «Mir war immer wichtig, dass ich diese Aus­ zeichnung nicht nur für mich selbst beanspruchen möchte.» Denn es gäbe viele andere, die sich wie er in der christlichen Jugendorganisation Cevi, in der Pfadi, in der Besj, der Jubla und allen anderen Jugendver­ bänden engagierten. «Denen gehört der Titel genauso», sagt Hirt. In seinen Augen ist es wichtig, dass es die Cevi ­gerade in der heutigen Zeit gibt. «Hier können sich die Kinder und Jugendlichen aus­ toben, in die Natur gehen, ­lernen, Verantwortung zu übernehmen.» Auch würden

in der Cevi christliche Werte vermittelt. «Das macht die ­Organisation für mich zu etwas Besonderem.» Kevin Hirt setzt sich gern für andere ein. «Ich bin von Natur aus ein dienender Mensch.» Dies zeige sich nicht nur in der Cevi. Der gelernte Koch hat sich erst kürzlich zum Arbeitsagogen ausbilden lassen und betreut nun in einem Restaurant Menschen mit psychischen ­Beeinträchtigungen. «Ich wollte weiterhin als Koch arbeiten und mich gleichzeitig sozial engagieren können.» Als Arbeitsagoge schaue er, was die Menschen im Rahmen ihrer Möglichkeiten vermögen und was eben nicht. «Jede Person hat Fähigkeiten. Ich sorge da­ für, dass sie ein möglichst nor­ males Arbeitsumfeld haben.»

Seit mittlerweile 15 Jahren setzt sich Esther Schönmann für Personen ein, die am Rande der Gesellschaft stehen. Angefangen hat alles mit einer Diplomarbeit, die Schönmann im Rahmen ihrer Ausbildung zur psycho­ logischen Lebenstherapeutin schreiben musste. «Sehnsucht, Suchen, Drogensucht» lautete der Titel. Bei der Recherche merkte sie schnell, dass sie sich nicht nur theoretisch mit dem Thema befassen will. Also ging sie auf die Strasse, traf die Drogenkranken persönlich und fand: Für die wird in der Schweiz viel zu wenig getan. In den folgenden sechs Monaten verteilten sie und ihr Kol­ lege und Hobbykoch Hans-­ Ruedi Leuthold ein Mal in der Woche im Freien Suppe für die Alkoholiker und Drogenkran­ ken, die sich auf dem Wuhrplatz in Langenthal aufhielten. Dann machte sie sich auf, einen Raum für die Gassenküche zu suchen. Mittlerweile offerieren Esther

Schönmann und ihre Helfer von Oktober bis Ostern einmal in der Woche ein warmes Menü in der Gassenküche in Langenthal. Bis zu 60 Portionen werden an Bedürftige, darunter auch alleinstehende Rentnerinnen und Rentner, verteilt. Die Lebensmittel erhält Esther Schönmann als Spende von der «Schweizer Tafel». Auch Kleider und Lebens­mittel können bei Schönmann jeden Mittwoch gratis bezogen wer­ den. Von sich selber sagt die Rentnerin: «Ich bin der Typ, der das Elend und die Not moralisch aushalten kann.» Dafür ­bekomme sie auch viel zurück. «Wenn wir mit den Lebensmit­ teln kommen, springen die Leute auf und zeigen ihre Freude. Das ist schön.» Für die Zukunft wünscht sich Schönmann einen grösseren Raum für die Abgabe von Esswaren und Kleidern. Der jetzige sei mittlerweile viel zu klein. Doch einen solchen zu fin­ den, sei alles andere als einfach.

Bilder: Oscar Alessio / SRF (2)

Kevin Hirt (28) aus Oftringen AG


LEBEN | MM42, 15.10.2018  77

Heldin des Jahres 2014: Tanja Reusser, Präsidentin im Einsatz für Schmetterlingskinder

«Wir beraten Eltern, damit sie nicht ausbrennen.» «Ich bin der Typ, der Elend und Not moralisch aushalten kann.» Esther Schönmann gründete eine Gassen­ küche in Langenthal.

Tanja Reusser ist die Präsidentin von Debra Schweiz. Tanja Reusser (44) aus Belp BE

Ihr grosser Einsatz für Patienten Tanja Reussers Tochter leidet seit ihrer Geburt unter Epi­ dermolysis bullosa (EB), einem seltenen Gendefekt, der dafür verantwortlich ist, dass ihre Haut äusserst empfindlich ist. Jede Berührung kann schnell zu Verletzungen und grossflächigen Wunden führen. Sogar ungeeig­ nete Kleider können die Haut verletzen. Weil die Haut so emp­ findlich wie die Flügel eines Schmetterlings ist, nennt man die Betroffenen in der Umgangs­ sprache auch Schmetterlings­ kinder. Schweizweit gibt es geschätzt lediglich 200 Fälle. Um anderen betroffenen Familien den Alltag mit EB zu erleich­ tern, hat sich Tanja Reusser 2004 entschieden, das Präsidium von Debra Schweiz zu übernehmen, dies trotz der Mehrfachbelas­ tung als alleinerziehende berufs­ tätige Mutter. «Ich will vor allem anderen ­Eltern von Schmetter­ lingskindern zeigen, dass man

mit dieser Krankheit auch ein möglichst normales Leben füh­ ren kann», sagt sie. «Wir beraten zum ­Beispiel die pflegenden ­Eltern, damit sie sich auch mit gutem Gewissen entlasten und nicht ausbrennen.» Wer ein Schmetterlingskind hat, auf den wartet viel Arbeit. Debra Schweiz soll nicht nur die Eltern unterstützen, sondern auch EB bekannt machen. Denn noch immer würden Schmetter­ lingskinder wegen ihrer stark vernarbten Haut in der Öffent­ lichkeit angestarrt. «Manche fragen sich beispielsweise, ob diese Krankheit an­steckend ist, und gehen auf Distanz.» Seit Kurzem unterstützt auch der Musiker Luca Hänni als Bot­ schafter die Organisation. «Wir sind ihm wahnsinnig d ­ ankbar», sagt Reusser. Denn je bekannter die Krankheit sei, desto nor­ maler könnten B ­ etroffene ihr Leben führen. MM


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80  MM42, 15.10.2018 | LEBEN

Gesundheit

Gut zu wissen

Wuchernde Hautzellen Psoriasis wird auch als Schuppenflechte bezeichnet. Der Begriff ist aber irreführend: Die schubweise verlaufende Krankheit wird nicht von einer Flechte im biologischen Sinn verursacht, sondern es handelt sich um eine Wucherung von Hautzellen. Aus ­ungeklärten Gründen erneuern sich diese viel schneller als normal, ­bilden Schuppen und lösen sich ab. Am häufigsten treten die geröteten, juckenden Stellen an den Ellenbogen, ­Knien, auf der Kopfhaut sowie in der Analfalte auf. Bei gut 20 Prozent der B ­ etroffenen entzünden sich im Lauf der ­Jahre auch die Gelenke unter den betroffenen Hautstellen – man spricht dann von einer Psoriasis-­Arthritis. Die Ursachen der ­Psoriasis sind nicht endgültig geklärt. Eine Veranlagung wird wahrscheinlich vererbt. Die Schübe können von Krankheiten, Medikamenten, Hautreizungen oder Stress ausgelöst werden. In der Vorzeit wurde Psoriasis wohl häufig mit Lepra verwechselt und Betrof­ fene aus der Gemeinschaft ausgeschlossen. Heute gibt es diverse Behandlungsmethoden. Neue hochwirksame Medikamente sind sehr teuer.

Zum Aus-derHaut-Fahren Schuppenflechten sind weder ansteckend noch gefährlich. Doch sogenannte Psoriasis lässt die Lebensqualität drastisch sinken. Nach 20 Jahren Juckreiz und unangenehmen Ausschlägen lässt ein neues Medikament David Egli hoffen. Text: Andrea Söldi  Bilder: Herbert Zimmermann

D

avid Egli sitzt in einem Restaurant am See in Luzern und strahlt. ­Freudig streckt er seine Hände über den Tisch und zeigt seine fast in­ takten Fingernägel. Lediglich am Daumen der rechten Hand sind noch eine leichte Ver­ formung und ein paar Flecken zu erkennen. «Seit vier Monaten bin ich praktisch be­ schwerdefrei», sagt der 40-Jährige. Dies, ­nachdem er ein halbes Leben mit der Haut­ krankheit ­Psoriasis gekämpft hat. Vor allem die Finger- und Fussnägel waren von der heimtückischen Schuppenflechte betroffen. «Die Zellen wucherten dermassen unter den Nägeln, dass sie häufig in 30-Grad-­Winkeln abstanden», sagt Egli rückblickend. Zu Beginn waren die Symptome relativ harmlos: ein Jucken in der Gesässfalte, das mit etwas kortisonhaltiger Salbe wieder besser wurde. Zwei, drei Jahre später waren die Nägel befallen. Man könne nichts machen, beschie­ den ihm die Ärzte. Er solle froh sein, wenn es nicht schlimmer werde. Das wurde es aber. Oft konnte er nicht einschlafen

Und es plagte den jungen Mann zusehends. Einerseits aus ästhetischen Gründen. «Mit der Zeit entwickelt man Marotten, wie die Hände vor anderen zu verstecken», erzählt der Informatiker. Im Kontakt mit Kunden – wenn er zum Beispiel auf dem Tablet eine neue Software präsentieren musste – gab er meist von sich aus eine Erklärung zu den Verformungen ab und betonte, dass keine Ansteckungsgefahr bestehe. Anderseits schmerzten ihn die Nägel schon bei kleinstem Druck, und er verletzte sich oft beim Versuch, sie zurückzustutzen. Zudem war der Juckreiz in den Hautfalten, hinter den Ohren sowie an den Knien und Ellenbogen zuweilen stark. «Oft konnte ich

deswegen nicht einschlafen. Und während Sitzungen, wenn ich mich nicht kratzen konnte, machte es mich fast rasend.» Schon sein Grossvater hatte Psoriasis

Um das Problem in den Griff zu bekommen, probierte er über die Jahre so ziemlich jede erdenkliche Behandlungsmethode aus: ein ganzes Arsenal von fettenden Lotionen und Salben, verschiedene Medikamente und ­Ernährungszusätze, Handbäder mit an­ schlies­­sender UV-Bestrahlung sowie ­diverse Diäten. «Eine Zeit lang raffelte ich Ingwer über fast alle Speisen, ein andermal ver­ strömte ich Weihrauch im Schlafzimmer», sagt Egli lachend. Immer wieder hätten ihm Bekannte neue Kuren empfohlen. Genützt hätten die meisten davon aber herzlich ­wenig; oder wenn, dann nur kurzfristig. Selbst als er vor einem Jahr das Rauchen aufgab, trat der erhoffte Effekt nicht ein. Bereits sein Grossvater sei ziemlich ­sicher von Psoriasis betroffen gewesen, ­er­innert sich Egli, jedoch ohne die Diagnose zu kennen. «Auch er wies unter den Nägeln starke Wucherungen auf. Wenn man ihn ­darauf ansprach, sagte er jeweils, ein Pferd sei ihm auf den Fuss gestanden.» Erst später fiel dem Enkel auf, dass die Erklärung ziem­ lich absurd war – waren doch beide Hände und Füsse betroffen. Und doch ein normales Leben geführt

Trotz seiner Hautkrankheit führte David Egli ein ziemlich normales Leben. So gut es das Familienleben zuliess, schwamm der dreifache Vater regelmässig, spielte Video­ games und las Bücher. «Nerd-Sachen halt», sagt der IT-Projektleiter, der ursprünglich Geschichte und Philosophie studierte. An der Arbeit fehlte er wegen der Psoriasis nie.


LEBEN | MM42, 15.10.2018  81

«Während der Sitzungen, wenn ich mich nicht kratzen konnte, machte es mich fast rasend.» David Egli

Am Ellenbogen ist die Psoriasis noch zu sehen, doch IT-Fachmann David Eglis ­Fingernägel sind wieder gesund. Endlich kann er seine Schuhbändel wieder öffnen.

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Dennoch erreichten die Symptome in den letzten Jahren ein Ausmass, das seine ­Geduld an die Grenzen stossen liess. In ­Absprache mit seinem langjährigen Derma­ tologen entschloss er sich, es mit potenten Medikamenten zu versuchen. Seit rund zwei Jahren ist ein Mittel auf dem Markt, das Psoriasis-Patienten hoffen lässt. Die Crux dabei sind die Kosten: Eine Spritze, die für einen Monat reicht, kommt auf rund 2000 Franken zu stehen. Die

­ rankenkassen zahlen nur, wenn zuvor K ­andere Medikamente erfolglos ausprobiert wurden, die oft starke Nebenwirkungen ­haben. David Egli erhält die teuren Injek­ tionen mittlerweile seit vier Monaten und ist begeistert. «Die Nägel sind gesund, und ich habe ­überhaupt keine unangenehmen Begleit­erscheinungen.» Endlich sei es ihm wieder möglich, eine Münze vom Boden auf­ zuheben oder e­ inen verknoteten Schuhbän­ del zu lösen. MM

• Discover in der Migros-­ App öffnen • Diese Seite scannen • Dossier lesen www.migros-impuls.ch/haut

iMpuls ist die Gesundheits­ initiative der Migros.


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Weitere Tipps und Bilder: www.migmag.ch/ dubrovnik

Zur richtigen Zeit am richtigen Ort: Wer Dubrovnik in Ruhe entdecken möchte, braucht ein gutes Timing. Reisen

Aufs Timing kommt es an

Bild: Reto E. Wild

Dubrovnik erlebt einen noch nie dagewesenen Touristenboom. Eine Anleitung, wie man die Massen umgeht und so Kroatiens Perle am Mittelmeer relativ ungestört geniessen kann. Eine Dreiviertelmillion Kreuzfahrtpassagiere zwängen sich jährlich durch die Altstadt von Dubrovnik. Vor allem zwischen Mai und Anfang Oktober platzt der zum Unesco-­Weltkulturerbe zählende Ort aus allen Nähten. Extrem viele ­Touristen tummeln sich dort donnerstags und samstags zwischen 10 und 14 Uhr. Daher empfiehlt es sich, die Stadt ­ausserhalb der Saison zu besuchen – oder eben an anderen Tagen, am besten vor 10 Uhr oder am Nachmittag.

das «Restaurant 360» mit 70 Weinen im Offenausschank (Tipp für Kenner: weissen Rukatac vom Gut Sladić be­stellen!). Küchenchef Marijo Curić ist in Dubrovnik aufgewachsen und hat einen Michelin-­ Stern. Einen Dreigänger serviert er für rund 90 Franken. Wer traditionelle Küche mag, fährt 40 Minuten Richtung Süden nach Konavle zum Agrotourismus der Familie Monković. Für den Eintopf Peka mit Kartoffeln, Lamm und Rind bezahlt man dort umgerechnet 14 Franken.

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Altstadt: Ein Spaziergang auf der rund zwei Kilometer langen Stadtmauer aus dem 16. Jahrhundert ist von 8 bis 18.30 Uhr möglich und kostet 150 Kroatische Kuna*­(rund 23 Franken). Beeindruckende Sehenswürdigkeiten sind die barocke Kirche des Heiligen ­Blasius und der gotische Rek­torenpalast. Die Fussgängermeile Stradun bietet ­Läden und Restaurants aller Art.

2

Essen und trinken: Über der Altstadt lockt von März bis November

Ausflug: Gut eine Autostunde nördlich von Dubrovnik lädt das Städtchen Ston zu einer Besichtigung der längsten Festungsmauer Europas ein. Von hier kommt hochwertiges Salz, während die Nachbar­gemeinde Mali Ston für Austern und Miesmuscheln bekannt ist. Ausserhalb von Ston und direkt am Meer steht das exzellente Restaurant Gastro Mare, in dem Küchenchef und ­Fischer Toni jeden Tag ein neues Menü zaubert – je nachdem, was in seinem Netz landet. Promis wie Bill Gates, Julia

Roberts und Weltfussballer Luka Modrić lieben seine lokale und ehrliche Küche (geöffnet von Mai bis Anfang Oktober).

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Wein: Kroatische Weine sind ein Geheimtipp. Auf den Hügeln von Ston setzen die Brüder Ivan und Josip Miloš fast ausschliesslich auf die kroatische Traube Plavac Mali. Etwa 60 Kilometer nördlich von Ston reift im Weingut Rizman der weisse Nonno Pošip im ­Eichenfass. Achtung: Auf dem Weg zum Weingut passiert man zweimal die Grenze zu Bosnien – Ausweis nicht vergessen!

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Unterkunft: Vier Kilometer jenseits der Altstadt empfängt das ruhig ­gelegene Hotel Dubrovnik Palace seine Gäste mit einem grosszügigen Pool und eigenem Meerzugang. In Gehdistanz zum Hotel lädt die Halbinsel Babin Kuk mit Restaurants und weiteren Unterkünften zum Verweilen ein. Besonders empfehlenswert sind das mediterrane «Levanat» und die Cave Bar «More».  MM * Kroatien ist EU-Mitglied mit eigener Währung.

Reto E. Wild (50) ist Tourismus­ experte und ­Redaktor beim Migros-­Magazin. Er war im August in Dubrovnik.


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Stadt, Land, Stutz

Illustration: Rinah Lang

Denken Sie an Kartoffelbrei!

Lisa Stutz (24) sucht die Balance zwischen urban und ländlich. Und pickt von beidem das Beste heraus.

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Klimawandel, Hooliganismus, #Metoo – es sind die grossen Themen, die uns beschäftigen. Manchmal tut es aber gut, über etwas ganz und gar Unbedeutendes nachzudenken. Über Besen zum Beispiel. Genau, die Dinger mit dem Stiel und den Borsten. Bibi Blocksberg hatte einen besonders coolen. Der hiess ­Kartoffelbrei und flog mit der kleinen Hexe, wohin sie wollte. Gern hätte ich als Kind auch einen Kartoffelbrei gehabt. Ansonsten konnte man mich mit Besen jagen; statt zu putzen, hörte ich lieber Bibi-Hörspiele.

wirtschaften früher einen Besen am Wegrand einsteckten, um zu signalisieren, dass geöffnet ist. Und nicht etwa – wie eine Freundin von mir glaubte –, weil die Gastgeber ihre Räume nur mit dem Besen reinigen. Die Beizen haben sporadisch und je nach Saison geöffnet. Wir trinken frischen Traubensaft und schlemmen hausgemachte Vermicelles. Meine Begeisterung für Beizen mit Stiel ist gross. Mit dem Besen im Schrank kann ich hingegen noch immer nicht viel anfangen. Meine Meinung zum Thema ist gemacht.

Wann hat man schon Zeit, über so etwas wie Besen nachzudenken? Zum Beispiel, wenn man in einer gemütlichen Besenbeiz sitzt. In einer solchen legen wir eine Pause auf unserem Herbstspaziergang ein. Vor der Scheune stehen einige Tische, ein Ehepaar bedient die paar Gäste. Besenbeizen heissen so, weil die Betreiber der ländlichen Gast-

Wir bleiben lange sitzen – und reden doch noch über die grossen Brocken. Lohndiskriminierung, Kindererziehung, militante Veganer. Wenn auch Sie mal genug davon haben: Setzen Sie sich in eine Besenbeiz und denken an etwas völlig Banales. Apfelkerne zum Beispiel. Oder Handschuhe. Rabattbons, Ravioli, Radiergummis. Oder halt Kartoffelbrei. MM

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Migros Bank

Mitmachen und gewinnen

2018 – ein unruhiges Börsenjahr

Senden Sie uns Ihr Finanzwort des Jahres!

Die Migros Bank und das Finanzportal Finews.ch suchen den Finanzbegriff, der in Ihren Augen stellvertretend für das laufende Anlage- und Finanzjahr steht. Bisher erwies sich 2018 vor allem als ein unruhiges Börsenjahr.

Rampenlicht. Die Folgen dieses weltweit einzigartigen Experiments wären für den Schweizer Finanzplatz indes unvorhersehbar gewesen. So erteilte das Stimmvolk der VollgeldInitiative mit 75,7 Prozent Neinstimmen eine klare Abfuhr.

Wie sprunghaft die Börse mitunter sein kann, zeigte uns gleich der Start ins Anlagejahr 2018: Hatte sich die US-Börse zu Jahresbeginn noch in Rekordlaune präsentiert, so verkehrte sich die Anlegerstimmung gegen Ende Januar schlagartig ins Gegenteil: An den Aktienmärkten kamen die Kurseinbrüche mehr oder weniger unerwartet, wie Blitze aus heiterem Himmel.

Während an der Wall Street im Sommer der längste Bullenmarkt in der US-Börsengeschichte gefeiert wurde, herrschte in den Emerging Markets teilweise der Börsenblues. Aufgeschreckt wurden die Investoren durch die Währungs- und Zahlungsbilanzkrise in der Türkei und in Argentinien.

Bilder: zVg, Wang Ying/Xinhua/Keystone

blog.migrosbank.ch

Thomas Pentsy ist Markt- und ­Produktanalyst bei der Migros Bank.

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Ausgelöst wurde das Kursbeben durch die Sorge über schnell steigende Zinsen. Geschürt wurde die Un­sicherheit weiter durch Inflationsängste in den USA und die Furcht vor einem globalen Handelskrieg. Gleich zu seinem Amtsantritt als neuer US-Notenbankpräsident musste Jerome Powell die angespannten Nerven der Anleger beruhigen. Kaum Trost gab es derweil für die Investoren in Kryptowährungen: Bitcoin & Co. crashten zu Jahresbeginn.

Staunen über das Hoch der US-Börsen

Ein weiterer Unruheherd war die EU. Dafür verantwortlich waren die politischen Unsicherheiten anlässlich der Regierungsbildung in Italien, die im zweiten Quartal zeitweise starke Schwankungen an den europäischen Anleihenmärkten und einen Ausverkauf italienischer Staatsanleihen bewirkten. Aber auch die zeitweilige Regierungskrise in Deutschland und die Brexit-Verhandlungen verunsicherten die Anleger. Die Schweiz stand aufgrund der Vollgeld-Initiative ebenfalls im

Welches Schlagwort beschreibt die Lage in der Finanzwelt besonders treffend? Das Finanzjahr 2018 hat uns eine breite Auswahl spannender Themen beschert. Jetzt ist Ihre Kreativität gefragt! Beim Thema sind Sie frei, die genannten Beispiele sollen nur inspirieren. Senden Sie uns Ihren Vorschlag für das Finanzwort des Jahres bis 28. Oktober auf blog.migrosbank.ch zu. Zu gewinnen gibt es ein Essen mit der Jury und einen Migros-Einkaufsgutschein über 200 Franken. MM


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Ausgewandert

Von Grafstal nach Guatemala ­ ophie lebte bereits in S mehreren Ländern: Mexiko, Deutschland, Kolum­bien, Amerika und Guatemala in Zentralamerika. Von dort ist die Neunjährige mit Schweizer Wurzeln mit ihren Eltern, Schwester Nayeli (6) und Bruder Corwin (5) gerade in die USA ausgewandert. In den Staaten bleibt die Familie aber nur kurz. Wohin es danach geht, ist noch offen. Der Grund: Sophies Vater ist Ame­rikaner und arbeitet für US-amerikanische Botschaften in wech­ selnden Anstellungen. Als Anfang Juni in Guatemala der Vulkan Volcán de Fuego ausbrach, war die Familie ausserhalb der Gefah­ renzone, etwa 40 Kilo­ meter vom Berg ent­ fernt. Angst musste Sophie keine haben. Sie durfte aber ein paar Tage nicht draussen spielen, weil dort alles von schädlicher Vulkan­ asche bedeckt war.

Kinder

«Es gibt überall liebe Kinder»

Mexiko, Deutschland, Amerika – die 9-jährige Weltbürgerin Sophie lebte mit ­ihrer Familie schon in vielen Ländern. Sie hat gelernt, offen auf unbekannte Kinder ­zuzugehen und rasch neue Freundschaften aufzubauen. So auch in Guatemala. Text: Gabriela Bonin Illustration: Olaf Hajek

Sophie liebt Züri Geschnetzeltes, Raclette und Cervelats. Das be­ kommt sie, wenn sie je­ weils in den Ferien ihre Schweizer Grosseltern in Grafstal ZH besucht.

Sophie (9) zieht mit ­ihrer Familie oft um – zuletzt in die USA.

«Seit Kurzem besuche ich in Virgi­ nia (USA) die 4. Klasse. Zuletzt war ich in der 3. Klasse in Guatemala. Dort besuchte ich eine amerika­ nische Privatschule. Mir gefiel es sehr, besonders das Fach Robotics, da haben wir Programmieren ge­ lernt. Das ist gar nicht so schwierig. Ich bin schon oft umgezogen und in neue Schulklassen gekommen. Dann suche ich mir ein Kind, das lieb aussieht. Es gibt überall liebe Kinder.»

«In Guatemala habe ich mitge­ holfen, eine ‹Tapete› – auf Deutsch Teppich – zu gestalten. Das ist eine Tradition, die man an Ostern und am Unabhängigkeitstag, dem 15. September, macht. Wir streuten aus farbigem Sägemehl schöne ­Bilder auf den Boden.»

«In Guatemala wachsen echte Schokoladenbohnen. Ich habe ­gelernt, wie man diese mit einer steinernen Walze mahlen kann. So bekommt man Kakaopulver. Ich lese auch gern Bücher, zum Beispiel Hexengeschichten. Und ich spiele oft mit Legos oder backe. Meine Mutter und mein Dad helfen mir dann. Wir machen zum Beispiel manchmal Mailänderli zusammen.»


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Hast du auch eine Frage?

So wächst der Fliegenpilz:

Schreib an: kinderfragen@ migrosmedien.ch

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Leandro (5), Frenkendorf BL

In deiner Nähe stehen Wälder. Dorthin gehst du vermutlich gern zum Spielen. Vielleicht darfst du im Wald auch mit deinen Eltern Pilze sammeln. Jetzt ist die beste Zeit dafür. Hast du schon beobach­ tet, wie schnell sie wachsen? Dar­ um sagt man, sie «schiessen» aus dem Boden – vom dunklen Unter­ grund nach oben ans Licht.

einen Schlag reich werden. Oder wenn sie unverhofft eine hohe Position im Beruf erreichen. Man nennt sie auch «Emporkömm­ linge». In England bezeichnete man solche Leute einst als «Mush­ rooms», das bedeutet «Pilze». ­Früher hat man also auf Englisch jene Menschen als «Pilze» be­ schimpft, die nur durch Glück schnell reich oder mächtig wurden. Im Deutschen hat man diesen Ge­ danken übernommen und daraus, etwas freundlicher, einen «Glücks­ pilz» gemacht. So nennen wir je­

Es gibt Menschen, die ebenso wie Pilze urplötzlich von unten nach oben kommen. Zum Beispiel, wenn sie im Lotto gewinnen und so auf

manden, der oft Glück oder grosses Glück hat. Du wolltest auch wissen, wie ein Glückspilz aussieht: Er ist rot mit weissen Tupfen, wie ein Fliegenpilz. Dieser ist giftig und ­irgendwie magisch. In unserer Kul­ tur gilt er als Symbol für das Glück. Wenn ich als Kind mit meinen ­Eltern Pilze sammeln ging, waren das immer schöne Stunden. Wer als Erster die seltenen, wunderbar aromatischen Steinpilze fand, ­wurde gefeiert. So wenig brauchte es, um ein Glückspilz zu sein. MM

Eine Mutter erklärt die Welt Journalistin ­Gabriela Bonin (51) beantwortet ­Kinderfragen.

Tobi hat die Raclettepfännchen für seine Freunde vorbereitet. Welche beiden sind gleich belegt? Verbinde sie!

Rätse lspass

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Verbinde alle Zahlen, alle römischen Zahlen, alle Grossbuchstaben und alle Kleinbuchstaben miteinander. Kannst du erkennen, welches herbstliche und schaurig-schöne Gemüse sich hier versteckt?

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Lösung: 1 und 4

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Kleiner Tipp: Die Zahlenreihenfolge 1 bis 10 bei den römischen Zahlen ist Ⅰ Ⅱ Ⅲ Ⅳ Ⅴ Ⅵ Ⅶ Ⅷ Ⅸ Ⅹ.

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hellen Zimmern und Suiten, die mit viel heimischem Holz, edlen Farben und Stoffen ausgestattet sind. Kulinarisch verwöhnen lassen können sich die Gäste im haus­eigenen Genuss-Reich mit tradi­tionellen, vegetarischen oder vitalen 5-Gänge-Wahlmenüs. Auch die Vinothek überzeugt durch Vielfalt: Sie bietet über 250 Weine aus der alten und neuen Welt. Ein ganz besonderer Ort in der H ­ otelanlage ist die Lilien-Lounge und Bar am See: Kleine À-la-carte- Gerichte wie Salate, hausgemachte Pasta und Süssspeisen aus der stylischmodernen Showküche ­ergänzen die gut sortierte Bar mit raffinierten Cocktails. So sieht ein Urlaub der Extraklasse aus – in e ­ inem Haus, das Designfans ebenso begeistert wie Romantiker. MM www.koenig-ludwig-hotel.de

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SO BEQUEM, DASS SIE DARIN SCHLAFEN KÖNNEN! Dieser einzigartige BH gibt Ihrer Brust sicheren Halt – denn das hautfreundliche, netzartige Gewebe passt sich Ihrer Brust wie eine zweite Haut an. Träger, Saum und Verschluss sind so beschaffen, dass an keiner Stelle etwas kneift, drückt oder einschneidet. Das seidenartige Stretch-Gewebe trägt sich so angenehm, dass Sie fast vergessen, dass Sie einen BH tragen! Mit anderen Worten: Der Magic-Soft-BH ist so bequem, dass Sie sogar darin schlafen können! Und das beste: Dank der flexiblen Netzstruktur passt sich der Magic-Soft-BH Ihrer Brust automatisch an – egal welche Körbchengrösse Sie brauchen. Alles, was Sie wissen und bei der Bestellung angeben müssen, ist Ihren Unterbrustumfang. Der BH ist aus solidem Nylon-Spandex-Gewebe und ist in der Maschine waschbar.

Jetzt auch Slip erhältlich!

für 2 nur Fr. 29.90 Stück pro

Wir garantieren Ihnen volles Rückgabe-Recht, wenn Sie nicht hundertprozentig zufrieden sind

Bequemer FrontVerschluss

Sehr bequeme, breite Träger

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75 cm 80 cm 85 cm 90 cm 95 cm 100cm 105 cm 110 cm w1 w2 w3 w4 w5 w6 w7 w8

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LEBEN | MM42, 15.10.2018  97

Gewinnen Sie eine von 6 Migros-Geschenkkarten im Wert von je 100 Franken!

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Quiz Ermitteln Sie für jede Quizfrage den richtigen Lösungsbuchstaben. Der Reihe nach in die acht Lösungsfelder eingetragen, ergibt sich das Lösungswort. A Gewohnheit

B Strafe

2. Ein wichtiges Verhalten bei einigen Kartenspielen ist … E

O das Bluffen

das Blaffen

U das Bluten

3. Wie wird die Universität St. Gallen genannt? T

HSG

G USG

S

A Besitztum

O Lebensraum

FSG

Teilnahmeschluss: Sonntag, 21.10.2018, 24 Uhr

4. Was bezeichnet Habitat? I

Kleidernorm

So nehmen Sie teil: Tel: 0901 560 042 (Fr. 1.–/Anruf) SMS: Senden Sie MMD2, gefolgt vom Lösungswort, Ihrem Namen und Ihrer Adresse an die 920 (Fr. 1.–/SMS), Bsp.: MMD2 TASTSINN. Hans Muster, Musterweg 22, 8000 Musterdorf Postkarte: (A-Post): Migros-Magazin, Quiz, Postfach, 8074 Zürich Internet: www.migrosmagazin.ch/ wettbewerbe

1. Was bestätigt die Regel? M Ausnahme

3 × 100 Franken zu gewinnen

Teilnahmebedingungen: auf der ersten Rätselseite

5. Wo steht zurzeit die grösste Bohrinsel (Troll A) der Welt? L

R Nordsee

Indischer Ozean

B Beringmeer

6. Wo kommt die «Arche-Noah-Falle» zum Zug? R Schach

U Bärenjagd

I

Umweltschutz

Auflösung Nr. 41:

7. Wie lange existierte die Zugkategorie «Swiss Express» der SBB? P 1954–1967

N 1969–1980

A 1975–1982

8. Wie nennt man im Netzjargon das Ersetzen von Buchstaben durch Zahlen? G Barbed Wire

D Leetspeak

E

Lösungswort : 1

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3

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Paroli

Twins

LABRADOR Gewinner Nr. 40: Beatrix Rast-Blaser, Volketswil ZH; Dany Tettamanti, Au ZH; Margrith Freund, Weinfelden TG

3 × 100 Franken zu gewinnen

Füllen Sie die zehn Wörter in das Rätselgitter ein. Das Lösungswort ergibt sich aus den Buchstaben in den Feldern 1 bis 5:

So nehmen Sie teil: Tel: 0901 560 043 (Fr. 1.–/Anruf) SMS: Senden Sie MMD3, gefolgt vom Lösungswort, Ihrem Namen und Ihrer Adresse an die 920 (Fr. 1.–/SMS), Bsp.: MMD3 OSTEN. Hans Muster, Musterweg 22, 8000 Musterdorf Postkarte: (A-Post): Migros-Magazin, Paroli, Postfach, 8074 Zürich Internet: www.migrosmagazin.ch/ wettbewerbe Teilnahmeschluss: Sonntag, 21.10.2018, 24 Uhr Teilnahmebedingungen: auf der ersten Rätselseite

Lösungswort : 1

2

3

4

5

Auflösung Nr. 41: KARTE

Gewinner Nr. 40: Verena Kid, Näfels GL; Donato Renzo Pio, Bern; Paul Schneider, Mels SG


Flusskreuzfahrt zu den 5 schönsten Eschmattenweg 9 • 3952 Susten

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Mit vom Live-Musik

ThürlerMossiman Projekt

Unsere Leistungen für Sie: ❚ Bequeme Hin- und Rückfahrt aus Ihrer Region mit modernen Komfort-Reisecars ❚ 3 Tage Flusskreuzfahrt mit der modernen MS Thurgau Prestige ***** superior

Ein Erlebnis der besonderen Art! Geniessen Sie den Advent und besuchen Sie mit uns die 5 schönsten Weihnachtsmärkte entlang des Rheins in Gengenbach, Mainz, Rüdesheim, Speyer und Basel. Ihr Reiseprogramm in Kürze: 1.Tag: Anreise / Gengenbach (D) Früh morgens fahren wir von unseren verschiedenen Einsteigeorten ab. Während der Fahrt in Richtung Gengenbach servieren wir Ihnen das Frühstück. Besuch Weihnachtsmarkt. Anschliessend Weiterfahrt nach Kehl, wo Sie bereits vom luxuriösen Flusskreuzfahrtschiff, der MS Thurgau Prestige***** superior erwartet werden. Der besondere Höhepunkt von heute ist unsere Live-Abendunterhaltung mit dem Thürler-Mossiman-Projekt. 2. Tag: Mainz (D) und Rüdesheim (D) Frühstück an Bord. Besuch Weihnachtsmarkt in Mainz. Zurück an Bord, nimmt das Schiff Kurs Richtung Norden bis nach Rüdesheim am

Rhein. Dort angekommen lassen sich vom berühmten «Weihnachtsmarkt der Nationen» faszinieren. Zurück an Bord erwartet Sie Live-Musik vom Thürler-Mossiman-Projekt. 3. Tag: Speyer (D) Frühstück an Bord. Am Nachmittag entdecken Sie Speyer, die historische Kaiserstadt am Oberrhein. Geniessen Sie den Zauber der Weihnachtszeit. Am Abend «Gala-Kapitänsdinner». Auch heute sorgt Thürler-Mossiman-Projekt wieder für einen stimmungsvollen, letzten Abend an Bord. 4. Tag: Basel und Heimreise Frühstück an Bord und Ausschiffung. Kurzweilige Fahrt in unseren Reisecars zum romantischen Weihnachtsmarkt in Basel. Gegen Abend geht es zurück ins „Röschti- und 13 Sterne-Land».

❚ Grosszügiger Aufenthalt auf den Weihnachtsmärkten von Gengenbach, Mainz, Rüdesheim, Speyer und Basel ❚ Vollpension an Bord ❚ 1x Frühstück im Reisecar ❚ Hafentaxen und EU-Strassenabgaben / MwSt. Ihr Flussschiff: die MS Thurgau Prestige***** superior

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LEBEN | MM42, 15.10.2018  99

Gewinnen Sie eine von 5 Migros-Geschenkkarten im Wert von je 100 Franken! Sudoku

×5

5 × 100 Franken zu gewinnen

Füllen Sie die leeren Felder mit den Zahlen 1 bis 9. Dabei darf jede Zahl in jeder Zeile, jeder Spalte und in jedem der neun 3 × 3-Blöcke nur ein Mal vorkommen. Die Lösungszahl ergibt sich aus den blauen Feldern von links nach rechts.

Auflösung Nr. 41: 618

So nehmen Sie teil: Tel: 0901 560 044 (Fr. 1.–/Anruf) SMS: Senden Sie MMD4, gefolgt von der Lösungszahl, Ihrem Namen und Ihrer Adresse an die 920 (Fr. 1.–/SMS), Bsp.: MMD4 123. Hans Muster, Musterweg 22, 8000 Musterdorf Postkarte: (A-Post): Migros-Magazin, Sudoku, Postfach, 8074 Zürich Internet: www.migrosmagazin.ch/ wettbewerbe

Gewinner Nr. 40: Martine Dojcinovic, Bourguillon FR; Ernst H. Jurgens, Chailly-Montreux VD; Elsbeth Gurtner, Kandersteg BE; Walter Looser, Winterthur ZH; Anita Hartmann, Hunzenschwil AG

Teilnahmeschluss: Sonntag, 21.10.2018, 24 Uhr Teilnahmebedingungen: auf der ersten Rätselseite

Bimaru

Brücken

Die Zahl bei jeder Spalte oder Zeile bestimmt, wie viele Felder durch Schiffe besetzt sind. Diese dürfen sich nicht berühren und müssen vollständig von Wasser umgeben sein, sofern sie nicht an Land liegen.

Jeder Kreis stellt eine Insel dar. Die Zahl darin gibt an, wie viele Brücken dort enden. Brücken sind nur zu horizontal oder vertikal benachbarten Inseln erlaubt. Diese dürfen mit einfachen oder doppelten Brücken verbunden werden. Am Schluss sollen alle Inseln miteinander verbunden sein. Verboten: Kreuzungen, diagonale Brücken und 3 2 2 3 3 mehr als zwei Linien

1

Auflösung Nr. 41:

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3 1 2 2

2 1 3 6

6 2 1 3

1

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Auflösung Nr. 41: 2

5 2

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2

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© raetsel.ch 1315

Impressum MIGROS-MAGAZIN vormals: Wir Brückenbauer, Wochenblatt des sozialen Kapitals, Organ des­Migros-Genossenschafts-Bundes, Migrosmagazin.ch Auflage/Leserschaft: Beglaubigte Auflage: 1 554 258 Ex. (WEMF 2017) Leserschaft: 2 358 000 (WEMF, MACH Basic 2017-2)

Adresse Redaktion und Business Limmatstrasse 152, Postfach 1766, 8031 Zürich Telefon: 058 577 12 12 redaktion@migrosmagazin.ch Herausgeber Migros-Genossenschafts-Bund

Publizistische Gesamtleitung Sarah Kreienbühl

Leitung Ressort Gesellschaft & Familie Yvonne Zurbrügg

Leitung Business Thomas Brügger Druck: NZZ Media Services AG, Tagblatt Print

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102  MM42, 15.10.2018 | LEBEN

Meine Welt

«Ich liebe ja Heidi Klum»

Das erfolgreiche Model Manuela Frey sucht neu auf Pro7 Schweiz nach «Switzerland’s next Topmodel». Und sie tut es auf ihre ganz eigene Art – trotz der ­Bewunderung für ihr grosses Vorbild.

2

Text: Dinah Leuenberger Bilder: Peter Lueders

Mein Lieblingsprodukt «Die Kaugummis von M-Budget sind perfekt für mich: Da sind etwa 100 Stück drin, und trotzdem sind sie nach einer Woche leer.»

1

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LEBEN | MM42, 15.10.2018  103

1 Mein Mietvelo «Mein Fortbewegungsmittel Nr. 1! Im Sommer ist es in der Subway viel zu heiss, und zu Fuss ist fast alles zu weit. Mit dem Bike bin ich an der frischen Luft und bewege mich. So entdecke ich auch gern die Stadt.» 2 Meine Aussicht «Ich mache viel Sport hier oben oder meditiere. Die Aussicht ist atemberaubend und gibt mir Energie. Oft esse ich sogar hier Znacht. Dass ich jetzt in einem neuen, tollen Apartment leben darf, geniesse ich. Vorher habe ich in alten Wohnungen gelebt, ganz am ­Anfang sogar in der Model-WG mit zehn anderen. Das war sehr anstrengend.»

3

Name Manuela Frey (22) Sternzeichen Waage Lebenslauf «Ich wollte schon immer Model werden. Meine Eltern liessen es mich versuchen, sagten aber auch, dass es auf dieser Welt viele schöne Frauen gibt. Doch mit 15 gewann ich den ‹Elite Model Look Contest› und zog schon sechs Monate später nach New York. Seither lebe ich meinen Traum. 2014 lief ich in einer Saison an 70 Shows, habe für die grössten Mode­häuser gearbeitet. Dass ich jetzt ‹Switzerland’s next Topmodel› moderieren darf, ist eine riesige Chance für mich. Ab sofort ent­scheide ich auf Pro7 Schweiz, wer eine Runde weiterkommt und wer nicht. Ich liebe ja Heidi Klum, aber ich wollte ich selbst bleiben und eine eigene Version der Sendung machen. Ich glaube, das ist mir gut gelungen.» 3 Meine Freundin «Viktoria (37) ist meine Agentin und beste Freundin. Sie ist ein Mensch mit Herz – das findet man in meinem Business selten. Wir gehen gern an Eishockeyspiele und Konzerte oder unternehmen etwas mit ihren Kindern.»

Bild: ProSieben Schweiz

4 Mein Glücksstein «Mein Bruder Lukas hat mir diesen Stein geschenkt. Er war traurig, dass ich so früh nach New York zog. Trotzdem sagte er immer, ich solle meine Träume leben und ‹Faith›, also Glauben, haben. Das fand ich so schön, dass ich mir das Wort auch habe tätowieren lassen. Ich liebe kleine Tattoos.»

5

Meine Glücksschuhe «Meine Oma hat sie mir geschenkt. Ich trug sie an allen wichtigen Shows und Castings, und sie haben mir immer Glück gebracht.»

5 Mein Duft «Dolce & Gabbana ist mein Lieblingsdesigner. Kürzlich kam das ­Model Lejla Hodzic, eine gute Freundin, nach New York und wohnte bei mir. Als Dank brachte sie mir dieses Parfum mit. Ich war sofort verliebt – diesen Duft trage ich bestimmt, bis ich 80 bin.» MM


So herzhaft schmeckt der Herbst.

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Das Videorezept «Kürbis-Hackfleisch-Pie» sowie viele weitere Herbstgerichte gibt es auf migusto.ch/herbst. Jetzt den Herbst geniessen. Bei diesem Angebot sind M-Budget und bereits reduzierte Artikel ausgenommen. ANGEBOT GILT NUR VOM 16.10. BIS 22.10.2018, SOLANGE VORRAT

Ein M herbstlicher.


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