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Toni Brunner gegen Maya Graf
Was heisst fair essen? Das grosse Streitgespräch Seite 10
MM35, 27.8.2018 www.migrosmagazin.ch
KĂźnstlerin Pipilotti Rist im Interview Seite 30
Bild: Marco Zanoni
Wild, liberal und ziemlich crazy: Colorado ist eine Reise wert Seite 82
Kein Weg zu weit: Unterwegs mit der Spitex
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MM35, 27.8.2018 7
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Inhalt
Editorial
Möchten Sie auch ins Blatt?
Menschen 10 Fair-Food-Initiative
Maya Graf (Grüne) und Toni Brunner (SVP) im Streitgespräch
Ein Gitarrenreparateur. Eine Tiefseetaucherin. Eine Klöpplerin. Es gibt so viele Leute, die gern mal im Migros-Magazin vorkommen würden. Aber wir auf der Redaktion sind unbestechlich, selbst wenn uns Jungunternehmer eine Kiste voll Risoletto schicken, um ihre Chancen auf ein Porträt zu steigern.
14 Luna erobert die Leinwand 17 Bänz Friedli 18 Nationaler Spitex-Tag
Das Migros-Magazin lebt vom bunten Strauss an Geschichten, den wir Ihnen, liebe Leserin, lieber L eser, jede Woche nach Hause schicken dürfen. Ist das eine Story? Diese Frage stellen wir uns täglich zigfach. Einerseits mit eigenen Ideen, andererseits mit solchen, die Sie uns zuschicken. Am Schluss ist es beim Magazin wie bei Blumen: Auf das Arrangement kommt es an.
Bilder: Jorma Müller, Joshua Bright/NewYorkTimes/Redux/Laif
30
Schauspielerin Luna Wedler ist «das schönste Mädchen der Welt»
Sara Barmettler pflegt Senioren in abgelegenen Gebieten
24 Laufend Gutes tun
Leben
30 Interview
81 «1, 2 oder 3?» 82 Reisen
36 Leserforum
Migros-Welt 44 Kaderfrauen, Teil 3
Paola Giavedoni, Innovationschefin bei Elsa-Mifroma
Dass wir ab und zu enttäuschen müssen, gehört zum Geschäft. Aber wir machen auch glücklich, zum Glück. Eine L eserin hat mir geschrieben: «Seit Sie da sind, gibt es endlich mehr Frauengeschichten im MM. So toll!» Ich habe die l etzten 16 Titelblätter angeschaut. Und in der Tat: Drei Mal war ein Mann drauf. Vielleicht sollte ich die Absage an den Gitarren- reparateur überdenken. Oder möchten Sie mal ins Blatt?
Aktionen, Reportagen, News
Extremsportlerin Brigitte Daxelhoffer auf Spendentour Pipilotti Rist über Biederkeit, Kunst im Alltag und Korallen
Diese Woche im Strauss: ein Streitgespräch zwischen Toni Brunner und Maya Graf zur Fair-Food-Initiative, eine Reportage mit Spitex-Pflegerin Sara Barmettler, für die kein Kunde zu abgelegen wohnt. Ausserdem: Künstlerin Pipilotti Rist im grossen Interview sowie eine Reisegeschichte über Colorado.
72 Neues aus Ihrer Region
46 Charity-Aktion
Hier helfen Ihre Spenden
49 Migusto: Trauben 66 Anna’s beste Fruchtsäfte 70 Pyjamas aus Bio-Cotton
Durchs wilde Colorado
89 «Stadt, Land, Stutz» 91 Gesundheit: Endometriose 92 Digital: 20 Jahre Google 94 Kinder: Ausgewandert 97 Glücksgriff 99 Rätsel 103 Impressum 104 Leseraktion 106 Cumulus 108 Meine Welt
«Rundschau»-Moderator Sandro Brotz
M-Infoline: Tel. 0800 84 0848 oder Fax +41 800 84 0848 (Ausland). www.migros.ch/kundendienst; www.migros.ch Cumulus: Tel. 0848 85 0848* oder +41 44 444 88 44 (Ausland). cumulus@migros.ch; www.migros.ch/cumulus
Yvonne Zurbrügg, Redaktionsleiterin yvonne.zurbruegg@ migrosmedien.ch
Redaktion Migros-Magazin: Limmatstrasse 152, Postfach 1766, 8031 Zürich, Tel. 058 577 12 12, Fax 058 577 12 08. redaktion@migrosmagazin.ch; www.migrosmagazin.ch * Normaltarif
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Menschen
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MM35
Günstig ins Kino Am «Allianz Tag des Kinos», dem 2. September, kosten alle Tickets landesweit nur fünf Franken. Weshalb eigentlich nur ein Mal im Jahr?
Unnützes Wissen
Wetterphänomene Die Aussage «Morgen wird das Wetter wie heute» stimmt mit einer Wahrscheinlichkeit von einem Drittel.
«Wir sehen eine Meerjungfrau, die alles hat, was es zum Meerjungfraudasein braucht: Sie ist eine Frau, sie hat eine Flosse – und wie ihre berühmtere Schwester in Kopenhagen räkelt sie sich gemütlich auf einem Stein am Meer. Super schaut sie aus. Und doch: Die Statue der ‹nicht ganz so kleinen Meerjungfrau›, die der Künstler Erik Valter in der dänischen Stadt Kolding gerade enthüllt hat, um damit herrschende Körperideale infrage zu stellen, stösst auf überraschend viel Kritik. ‹Zu dick, zu hässlich, zu zufrieden›, so die offensivsten Wortmeldungen. Es scheint, als bräuchten wir noch sehr viel mehr neue, nicht ganz so konforme Bildnisse. Und zwar nicht nur von Meerjungfrauen.» Mein Bild der Woche
Bilder: Tristram Kenton, Bruno Karl Stebler, Erik Valter, zVg (2)
Gabriel Vetter (32) ist Satiriker und Träger des Salzburger Stiers.
zweipunktnull
Entschuldigung, wie digital sind Sie? Rolf Näpfer (38), Allrounder, Adliswil ZH So informiere ich mich «Mit den Zeitungsapps von ‹Tages-Anzeiger› und ‹NZZ›» Dafür bin ich zu alt «Wie heisst es? Ah ja, Snapchat!» Da bin ich analog «Musik höre ich mit Vinylplatten.»
Liebste App: Facebook
Bis 1950 durften US-Wettervorher sager drohende Tornados in den betroffenen Regionen nicht erwähnen – aus Angst vor Panik und Geschäfts einbussen. Der kälteste Zeitpunkt des Tages ist kurz nach Sonnenaufgang. Ein Regenbogen ist nur sichtbar, wenn man den Regen vor sich und die Sonne im Rücken hat. Normale Regentropfen fallen mit einer Geschwindigkeit von vier bis fünf Metern pro Sekunde. Quelle: Neon/Stern
Das ganze Gespräch mit Video:
10 MM35, 27.8.2018 | MENSCHEN
www.migmag.ch/ fairfood
Volksinitiative
Klingen gekreuzt um Fair-Food «Wir brauchen mehr fair produzierte Lebensmittel. Schluss mit Preisdumping auf Kosten von Mensch, Tier und Umwelt.» Maya Graf, Nationalrätin Grüne Partei und Co-Präsidentin des Komitees der Fair-Food-Initiative
Haben Sie heute «fair» gefrühstückt? Maya Graf: Ja, Himbeeren vom eigenen Hof mit gekauftem Biorahm. Selbstgebackenes Brot aus unserem Getreide. Und Fair trade-Kaffee mit unserer Milch. Toni Brunner: Was heisst schon fair? Ich habe einfach gut gefrühstückt. Die Milch stammt vom eigenen Hof, die Konfitüre aus den Beeren im Garten, das Trockenfleisch von den eigenen Tieren, die Butter von unserem Käser, der unsere Milch verarbeitet. Zurzeit haben wir sogar Pfirsiche, Aprikosen und Tomaten. Nur das Brot backen wir nicht selbst, das kommt vom Dorfbeck. Das alles haben Sie heute Morgen gegessen? Brunner: ( lacht) Wer viel arbeitet, muss auch viel essen. Nicht alle sind so privilegiert und praktisch Selbstversorger. Eine Banane kommt bei Ihnen nicht auf den Tisch? Brunner: Wir sind privilegiert, und darum sind mir Regionalität und Saisonalität am wichtigsten. Aber ich kann auch eine Banane oder eine Ananas ohne schlechtes Gewissen essen. Graf: Und du bist sicher bereit, einen fairen Preis für diese Produkte zu zahlen? Damit deine Berufskollegen in Costa Rica
MENSCHEN | MM35, 27.8.2018 11
Am 23. September stimmt das Volk ab über die Vorlage «Für gesunde sowie umweltfreundlich und fair hergestellte Lebensmittel». Mitinitiantin Maya Graf und Gegner Toni Brunner – beide von Haus aus Landwirte – erörtern Pro und Kontra. Text: Yvonne Zurbrügg, Kian Ramezani Bilder: Marco Zanoni
avon leben können, so wie du d von deiner Milch? Brunner: Ich kenne Johann Dähler, er besitzt eine riesige Ananasplantage in Costa Rica. Wenn ich weiss, wer wo produziert, habe ich kein schlechtes Gewissen. In die Lohn- und Arbeitspolitik der Länder will ich mich hingegen nicht ein mischen, das wäre anmassend. Graf: Aber du hast eine Verantwortung. Du bist der Privilegierteste von uns allen, wenn du sogar den Ananasbauer kennst (lacht). Und Johann Dählers Produkte sind sicher zertifiziert – frag ihn. Fair und nachhaltig produzierte Lebensmittel aus dem In- und Ausland sind bereits erhältlich, der Konsument hat die Wahl. Reicht das nicht? Graf: Die Initiative will das Angebot an solchen Lebensmitteln vergrössern. Im Inland sind wir auf einem guten Weg. Allerdings führt die Schweiz 50 Prozent der Lebensmittel ein, und in diesem Bereich stellen wir Defizite fest. Unser Wintergemüse aus dem spanischen Almería etwa wird von Sklaven geerntet, man kann es nicht anders sagen. Brunner: Wir haben in der Schweiz eine Nahrungsmittelproduktion mit den weltweit strengsten Standards. Es gibt einen Verfassungsauftrag und
«Es ist eine Illusion zu glauben, wir könnten die gesamte Wertschöpfungskette kontrollieren. Konzentrieren wir uns auf das Machbare.» Toni Brunner, Nationalrat SVP, Gegner der Fair-Food-Initiative
12 MM35, 27.8.2018 | MENSCHEN
entsprechende Fördermassnahmen. Die Initiative will all dies aufs Ausland ausdehnen. Wer soll das kontrollieren? Hinter jeder Frucht müsste ein Kontrolleur hersein, um sicherzustellen, dass sie den Schweizer Standards entspricht. Das wird ein Bürokratiemonster! Hinzu kommt: Nicht alle wollen Bioprodukte. Das ist eine Bevormundung der Konsumenten.
«Wir stellen die Notwendigkeit von Importen nicht infrage. Aber es sollte uns nicht egal sein, woher das Essen kommt.» Maya Graf
Graf: Das ist polemisch. Du kennst den Initiativtext: Wir wollen dem Bund I nstrumente in die Hand geben, damit er das bestehende Kontrollsystem zusammen mit den B ranchenverbänden für fair und nachhaltig produzierte Produkte nutzen kann. Das ist über Labels möglich, über eine wirklich trans parente Deklaration oder über Zollkontingente als Anreiz system. Was wir nicht wollen, ist die Weiterführung des Status quo: Preisdumping auf Kosten von Mensch, Tier und Umwelt. Die Schweiz führt mit Abstand am meisten Lebensmittel aus der EU ein. Toni Brunner, ist es für Sie eine ungewöhnliche Rolle, die EU gegen die Grünen zu verteidigen? Brunner: Ich muss niemanden verteidigen. Aber es ist doch eine Illusion zu glauben, wir könnten in der EU die gesamte Wertschöpfungskette selber kontrollieren. Konzentrieren wir uns auf das Machbare. Schon heute können wir problematische Lebensmittel aus dem Ausland deklarieren. Aber eben: Den Grünen geht es nicht nur um Deklaration. Es geht um Kon trolle und einen massiven Eingriff in die Wahlfreiheit.
Graf: Die Mindestanforderung folgt Grundkriterien, die auf Empfehlungen beruhen, etwa auf denen der Uno. Unser Ziel, das Angebot an fair produzierten Produkten zu vergrössern, er fordert Zeit. Wir müssen heute beginnen. Brunner: Kurzfristig wird das Angebot nicht wachsen, sondern schrumpfen. Weil nicht alle Lieferanten in der Lage sind, diese Vorgaben zu erfüllen. Graf: Die Branche hat E rfahrung in der Importkontrolle. Aber jetzt frage ich umgekehrt: Was passiert denn, wenn wir einfach nichts unternehmen? Ein Drittel unseres ökologischen Fussabdrucks ist auf den Lebensmittelkonsum zurückzuführen. In Sachen Uno-Umweltziele 2030 rangieren wir bei den Punkten Konsum und Lebensmittelimporte auf den hinteren Plätzen. Wir haben das Pariser Klima abkommen unterschrieben. Das sind Verpflichtungen für die Schweiz. Die Befürwortung der Initia tive soll nicht heissen, dass das Angebot sich verknappt. Wie sieht es bei den Preisen aus? Graf: Die Preise steigen nicht zwingend, denn das Angebot wächst. Der Wettbewerb wird sich um Qualität und Nachhaltigkeit drehen, nicht wie heute um den niedrigsten Preis. D ie Preise werden aber auch nicht sinken – Lebensmittel haben ihren Wert. Die Initiative fördert mehr Regionalität, also könnten wir lokale Kooperativen und Wochenmärkte stärken. Rüebli direkt vom Bauern sind günstig. Kann ein regionales M odell denn acht Millionen Menschen in der Schweiz ernähren? Graf: Wir stellen die Notwendigkeit von Importen nicht infrage. Aber es sollte uns nicht egal sein, woher das Essen stammt. Die regionale Verarbeitung einheimischer Produkte und auch Wochenmärkte haben grosses Potenzial. Die Tomate vom Wochenmarkt kostet aber deutlich mehr als die vom Detailhändler.
Kontra Toni Brunner (44) ist Landwirt und Na tionalrat im Kanton Thurgau. Von 2008 bis 2016 war er Präsident der SVP Schweiz. Er lebt mit seiner Partnerin in Ebnat-Kappel SG.
Graf: Für mich ist der Berner Markt Vorbild. Die Vielfalt ist gross, für jedes Budget. Toni Brunner, Sie machen sich unablässig Notizen. Rechnen Sie gerade die Preisprognosen Ihrer Ratskollegin nach? Brunner: Es wäre ehrlicher von den Initianten zu sagen: Ja, es kostet etwas mehr. Wenn die Bauern im Ausland höhere Standards erfüllen und auch höhere Löhne erhalten sollen, dann muss sich das an der Verkaufsfront im Preis niederschlagen.
Graf: Nicht unbedingt. Der Wettbewerb wird über die Qualität stattfinden. Aber klar kostet es etwas mehr, wenn die Land arbeiter in Almería endlich von ihrer Arbeit leben können. Brunner: Die Forderung nach mehr Regionalität würde mehr bewirken als der ganze Rest dieser Initiative. Beim Konsumenten wird der Eindruck erweckt, alles, was aus dem Ausland komme, entspreche Schweizer Standards. Das wird nie der Fall sein. Und den Schweizer Bauern würde ein
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die klimatischen Voraussetzun gen fehlen. Aber grundsätzlich sind wir gesegnet mit frucht baren Böden und ausreichend Wasser. Graf: Wir sind uns in diesem Punkt schon nicht ganz einig: Ich bin für mehr Produktion, aber eine umweltfreundliche und ressourcenschonende. Regional heisst für mich auch ökologisch. Die B öden sollen fruchtbar bleiben für die nächste Generation.
Pro Maya Graf (56) ist Nationalrätin der Grünen Partei Basel. 2013 war sie Nationalratspräsidentin. Sie ist verheiratet, hat zwei erwachsene Kinder und lebt auf dem familieneigenen Biohof in Sissach BL, den ihr Bruder und ihre Schwägerin bewirtschaften.
wichtiges Differenzierungsmer kmal genommen. Was würde übrig bleiben? Der Preis. Graf: Diese Angst kann ich dir nehmen. Das Vertrauen in Schweizer Produkte wird immer grösser sein als das in auslän dische, zumal die Transport thematik immer wichtiger wird. Hier sind Sie sich einig: Sie beide möchten mehr regionale Produkte, also einen höheren Selbstversorgungsgrad. Brunner: Also, ich bin sehr dafür. Statt zu glauben, man könne der
ganzen Welt die eigenen Regeln aufzwingen, s inge ich das Hohe lied der Regionalität und der Saisonalität. Hier könnte man die Menschen viel mehr sensi bilisieren, aber dazu braucht es diese Initiative nicht. Und die Schweizer Landwirtschaft wäre in der Lage, mehr zu produzieren? Brunner: Wir könnten mehr Lebensmittel produzieren. Bei der Milch und beim Schweine fleisch haben wir praktisch Selbstversorgung. Anders bei den Südfrüchten, weil bei uns
Brunner: Wenn es nach deinen Vorstellungen ginge und alle biologisch produzierten, dann würde in der Schweiz aber nicht mehr, sondern weniger produ ziert. Und das wiederum bedeutet mehr Importe – also mehr Transporte. Das ist einfach nicht konsequent. Statt immer nach dem Staat zu rufen, sollte jeder bei sich selbst anfangen. Ein persönliches Beispiel: Wir führen einen kleinen Landgasthof, auf der Karte gibt es nicht 50, son dern 5 Menüs, und «es hat, solange es hat». Alles ist frisch, und weggeworfen wird nichts. Geht es letztlich also auch um Verzicht? Graf: Ganz klar nein. Das An gebot wird grösser. Wir haben gesehen, wie die Auswahl an Bio produkten in den vergangenen Jahren gewachsen ist. Es gibt bei uns Sortenvielfalt, und alte Sorten werden neu belebt. Das bedeutet nicht Verzicht, sondern im Gegenteil mehr Genuss. Brunner: Ich finde diese Diskus sion scheinheilig. Der Verzicht ist eine zwingende Komponente, wenn man den ökologischen Fussabdruck ernst nimmt: weniger nichtsaisonale Produkte, weniger Produkte, die herum geflogen werden. Wenn das Angebot grösser wird, dann tut man nichts für die Umwelt. Denn das bedeutet mehr Trans porte. Graf: Du willst es nicht verstehen. Brunner: Wer glaubt, mit der Annahme dieser Initiative werde alles auf dem Teller fair, täuscht sich. Kümmern wir uns um die
Schweiz. Bei Ware aus dem Aus land muss der Konsument selber entscheiden. Ich möchte, dass Schweizer Bauern sich gegen über Importen differenzieren können. Graf: Ich finde das etwas skurril: Was wir importieren, soll mög lichst schlecht sein, damit die einheimischen Bauern einen Vorteil haben. Brunner: Das ist nun deine Interpretation. Graf: Ich überlasse dir das letzte Wort. Brunner: ( lacht) MM
Standpunkt
Die Position der Migros Die Migros lehnt die Initiative im Einklang mit der IG Detailhandel ab. Sie hält die Vorlage für gut gemeint, teilt aber die Ansicht des Bundesrats, dass sie nur mit grossem bürokratischem Aufwand und hohen Kosten umsetzbar ist. Die Folge wären höhere Preise und ein beschränktes Angebot. Schon jetzt sind viele Konsumenten bereit, etwas mehr für Produkte mit Nachhaltigkeitslabel auszugeben. Die Migros baut dieses Sortiment l aufend aus. Zudem führt sie bei vielen Importlebensmitteln freiwillig die Schweizer Tierschutzgesetze ein, etwa bei Truten-, Kaninchenund Pouletfleisch. Dank des engen Kontakts mit ausländischen Lieferanten kann sie direkt für Verbesserungen sorgen und Kontrollen durchführen. Die Initiative gilt nicht für Privat importe und fördert den Ein kaufstourismus, was den Privatverkehr verstärkt und der Umwelt schadet. Einig geht die Migros mit dem Anliegen, hochwertige Produkte und den Schutz der Ressourcen zu fördern. D iese Ziele sind aber bereits in der Verfassung und im Gesetz verankert.
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Luna Wedler
Ganz schön erfolgreich
Sie war bereits Berlinale-Shootingstar, nun hat die Zürcher Jungschauspielerin Luna Wedler mit der Teenagerkomödie «Das schönste Mädchen der Welt» den Durchbruch in Deutschland geschafft. Ihr Herz schlägt jedoch weiterhin für den Schweizer Film. Text: Ralf Kaminski Bilder: Christian Schnur
Das neue Gesicht auf der Kinoleinwand: die Zürcher Schau spielerin Luna Wedler
MENSCHEN | MM35, 27.8.2018 15
E
in bisschen Glück war schon dabei, als Luna Wedler (18) die Hauptrolle in «Das schönste Mädchen der Welt» ergatterte. Sie hatte nämlich genau zu der Agentur gewechselt, die auch den Regisseur Aron Lehmann ver tritt. Er wurde aufmerksam auf sie, und so bekam sie eine Einladung zum Casting. «Am Ende waren noch ich und eine deutlich bekanntere Schauspielerin für die Hauptrolle im Rennen», e rzählt sie. Der Regisseur wollte Luna und setzte sich durch. Für die Zürcherin ist das ein wei terer grosser Karriereschritt, nach dem sie Anfang Jahr an der Berlinale zu einem der zehn europäischen Shootingstars 2018 gekrönt wurde. In der Schweiz ist sie schon mit «Amateur Teens» (2015) aufgefallen und mit «Blue My Mind» (2017), für den sie den Schweizer Filmpreis als beste Hauptdarstellerin erhalten hat. Nun jedoch kann sie ihr Talent einem weit grösseren Publikum zeigen. Und auch ihre Schönheit? Luna lacht. «Das ist eben das Schöne an der Geschichte: Es geht um innere Schön heit. Das war es auch, was mich an der Figur gereizt hat.» Luna Wedler spielt Roxy, die just zu einer Klassen fahrt nach Berlin neu in eine Schule kommt und sofort die Aufmerk samkeit diverser Jungs auf sich zieht. Sie freundet sich rasch mit dem netten Aussenseiter Cyril an, schwärmt jedoch für den attraktiven Rick, derweil der fiese Benno alle Register zieht, um sie ins Bett zu kriegen.
Bilder: Nadja Klier, Tobis Film GmbH
Eine, die tut, was ihr gefällt
Die wilde, unterhaltsame Komödie basiert lose auf dem Theaterstück «Cyrano de Bergerac», in dem ein Mann mit hässlicher grosser Nase einem viel hübscheren, aber nicht besonders hellen Rivalen dabei zu helfen versucht, eine Frau zu er obern, die er eigentlich selbst liebt. «Roxy ist kein Mädchen, wie man es sonst in dieser Art Film findet», sagt Luna, «sie ist wild und frei und offen und tut, was ihr gefällt. Etwas, das sonst eher die Jungs dürfen.» Das zu spielen, hat ihr grossen Spass gemacht. «Sie ist mir im Grunde ziemlich ähnlich, nur viel selbstbe
wusster.» Wobei sie mit ihrer natür lichen, ungekünstelten Art überhaupt nicht so wirkt, als gäbe es da Defizite. Sie lerne eben aus jeder Rolle etwas für ihr eigenes Leben, erklärt sie. «Schauspielerei ist ein bisschen wie Psychotherapie: Man lernt sich selbst mit jeder Figur besser kennen.» Tiefgang erwünscht
Luna Wedler ist die mittlere von drei Töchtern eines deutschen Chirurgen und einer Schweizer KV-Lehrerin, sie hat einen Freund und e inen gros sen Freundeskreis. Und bis vor vier Jahren führte sie ein ganz normales Zürcher Mittelklasseleben. Dann entschied sie spontan, dem Casting aufruf zu «Amateur Teens» zu folgen. «Ehrlich, ich weiss nicht genau, was mich da geritten hat. Und eigent lich wollte ich auch gar nicht mehr hingehen, aber meine Mutter fand: ‹Du machst das jetzt.›» Und am Ende hatte sie die Rolle: ein fieses Teenie biest. «Es war echte Arbeit, mich in diese Figur zu versetzen. Aber ich habe dabei erstmals die komplette Verwandlung in einen anderen Men schen erlebt, dieses Abtauchen in eine andere Welt. Wegen dieses Gefühls liebe ich die Schauspielerei so s ehr.» Nach «Amateur Teens» war für sie klar, dass sie Schauspielerin werden wollte. Im Oktober schliesst sie die European Film Actor School in Zürich ab, schon im September dreht sie er neut in Deutschland: «Dem Horizont so nah» ist die Verfilmung von Jessica Kochs autobiografischem Roman über eine tragische Liebe. Luna spielt aber mals die Hauptrolle. Auch wenn sie den Durchbruch in Deutschland geschafft hat, will sie nicht nach Berlin ziehen wie so viele andere Schweizer Künstlerinnen und Künstler. «Ich bleibe der Schweiz treu und hoffe, dass ich hier weiterhin interessante Rollenangebote bekom me.» Die deutsche Filmbranche sei für ihren Geschmack zu kommerziell ausgerichtet. «In der Schweiz getraut man sich, auch kleine und schräge Geschichten ins Kino zu bringen, solche mit Tiefgang. Filme, die einen danach noch beschäftigen.» Das ist es, was sie auch selbst gerne sieht. Ihr absoluter Liebling ist «Man
chester by the Sea» (2016) mit Casey Affleck und Michelle Williams, einer ihrer Lieblingsschauspielerinnen. Wegen ihres Faibles für Tiefgang träumt sie auch nicht von Hollywood. «Natürlich würde ich nicht Nein sagen, aber es ist kein Ziel. Mir ist vieles zu flach, was von dort kommt.» Dann schon eher Frankreich oder Grossbritannien. Und auch da ent wickelt sich bereits etwas. «Eigentlich darf ich dazu noch gar nichts sagen, aber ich habe eine Rolle bekommen, in der ich Englisch mit hochdeut schem Akzent sprechen muss.» Aufmerksamkeit von allen Seiten
Luna Wedler steht an einem aufre genden Punkt in ihrer Karriere. «Das schönste Mädchen der Welt» kommt mit vielen Vorschusslorbeeren in die Kinos, sämtliche Medien interes sieren sich für sie, und die nächsten Monate werden ihr viel Aufmerksam keit bescheren. «Andererseits ist mir auch ein bisschen mulmig zumute, was da nun alles kommt.» Schon heute wird sie manchmal auf der Strasse erkannt und an gesprochen – und sie freut sich im mer sehr darüber. Bisher konnte sie sich daheim in Zürich ihre Normali tät zwar bewahren, aber das könnte mit zunehmender Bekanntheit schwieriger werden. Davon lässt sie sich nicht aus der Ruhe bringen: «Ich surfe derzeit auf einer Welle und geniesse jeden Moment.» MM «Das schönste Mädchen der Welt» läuft als Vorpremiere bereits am «Allianz Tag des Kinos» (2.9.) und offiziell ab 6. September in den Schweizer Kinos.
Luna Wedler als Roxy im Film «Das schönste Mädchen der Welt», in dem Musik eine zentrale Rolle spielt.
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2. Tag – Labin & Opatija Wir starten den Tag mit einem Rundgang in Labin, der schönen alten Stadt, die eindrücklich über Rabac thront. Anschliessend lernen wir mit Opatija die Grande Dame der Adriaküste kennen. Das schönste der kroatischen Seebäder verzaubert uns mit seinen fantastischen Parkanlagen, eleganten Villen und Hotels. Nachtessen im Hotel. 3. Tag – Pula & Rovinj Wir fahren durch herrliche Landschaften bis nach Pula und tauchen beim Anblick des weltbekannten Amphitheaters in die Römerzeit ein! Rovinj gehört mit Sicherheit zu den schönsten Küstenstädten Europas und wird Sie mit seinen mittelalterlichen Gassen und der mediterranen Herzlichkeit verzaubern. Abends Nachtessen und Musikabend im Hotel. 4. Tag – Insel Krk & Punat Heute haben Sie entweder die Möglichkeit am Strand auszuspannen oder einen Ausflug auf die Insel Krk zu unternehmen (inbegriffen). Die „Goldene Insel“ empfängt uns mit tollen Landschaften, die von kahlem Gebirge bis hin zu fruchtbaren Flusstälern reicht. Freuen Sie sich auf die quirlige Hauptstadt Krk und auf die Verkostung feiner Weine mit lokalen Spezialitäten. Nachtessen im Hotel. 5. Tag – Heimreise Nach dem Frühstück treten wir die Heimreise an.
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MENSCHEN | MM35, 27.8.2018 17
Bänz Friedli
Puppen und Kerle Es war vor 14 Jahren. In einer Wochenzeit schrift schrieb ich, wie sehr mir der Rück schlag missfalle, den ich bei den Rollenbildern beobachtet hatte: «Emanzipation? Gleich stellung? Vergiss es, Mann. Die jungen Frauen sind wieder anschmiegsame Tussis, die Jungs voll krasse Kerle.» Tage zuvor hatte unser Vierjähriger seine Puppe in die Kinderkrippe mitnehmen wollen. «Kaum sind wir ange langt, umringen ihn fünf Knaben – ein kleiner Türke, zwei Albaner, ein Sizilianer und Adam aus Nigeria, alle blicken finster. Und noch ehe einer von ihnen ihn verhöhnen kann, drückt er mir sein Bäbi, es heisst Monika, wieder in die Hand und sagt kleinlaut: ‹Nimmst du die Monika bitte mit ins Büro?› Buben spielen nicht mit Puppen bei uns in der Vorstadt.»
Bild: Vera Hartmann
Bänz Friedli (53) greift (noch einmal) ein Tabuthema auf.
Und unsere kleine Tochter war betrübt vom Chindsgi heimgekommen. Ihr bester Kamerad, der Abdurrahman, wolle plötzlich nichts mehr von ihr wissen. Dort, wo er her komme, spielten Knaben nicht mit Mädchen, habe sein Papi gesagt. «Schon mit fünf sind sie ausgewachsene Macker, die kleinen Chile nen, Pakistaner, Montenegriner», folgerte ich. «Wozu haben wir gopferglemmi 30 Jahre lang gegen Rollenklischees angekämpft, wenn Immigrantenknäbchen und, in deren Wind schatten, hiesige Burschen auf unseren Pausenplätzen nun wieder den Macho markieren?» Der Text sorgte für Aufruhr. Ein Podiumsgespräch wurde anberaumt, im
Zürcher Stadthaus. Dort wurde ich aufs Schärfste attackiert. Eine SP-Politikerin und heutige Regierungsrätin, damals noch sehr rothaarig, beschimpfte mich als Rassisten, eine andere fand mich «zum Kotzen». Back lash durch Immigration? Das Thema war tabu. Für Linke, weil ihnen blinde Fremden freundlichkeit über alles ging. Für rechte Parteien, weil sie selber ein rückständiges Frauenbild pflegten. Im August 2018 verprügeln junge Männer in Genf fünf Frauen, einfach so. In Zürich werden mehrere Frauen begrapscht, belästigt, geschlagen. Der Genfer Sicherheitsdirektor Pierre Maudet sagt: «Männer aus patriarcha len Kulturen, die schlecht integriert sind, be trachten Frauen als etwas Minderwertiges.» Heute darf man es aussprechen: Das Problem sind Männer aus patriarchalen Kulturen. An dem Tag, als Abertausende nach Zürich an die Street Parade strömten, verliessen unsere 19-Jährige und ich die Stadt mit der Bahn. Bevor wir einsteigen konnten, platschte eine Horde junger Männer aus dem Zug, angereist aus Richtung St. Gallen, Wil, Winter thur. Sogleich machten sie meine Tochter – es war morgens um elf, und sie waren schon hagelvoll – aufs Übelste an. Reine Belästigung. Vom Dialekt und dem Aussehen her eindeutig junge Schweizer. Vermutlich stammen sie aus einer patriarchalen Kultur. MM
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Gabrielle Bergamaz (57) sucht eine feste Anstellung
18 MM35, 27.8.2018 | MENSCHEN
Nationaler Spitex-Tag
Pflege bis weit hinten im Tal
Auch Menschen, die abgelegen wohnen, haben im Alter ein Anrecht auf Pflege zu Hause. Ein Tag mit einer jungen Pflegefachfrau von der Spitex Nidwalden zeigt, welche Herausforderungen dabei mit viel Leidenschaft gemeistert werden. Text: Dinah Leuenberger Bilder: Herbert Zimmermann
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er weisse Fiat Panda düst die kurvige Berg strasse hinauf. Mit Vierradantrieb, ver steht sich. Der Weg zum Haus ist verwinkelt, aber Sara Barmettler weiss genau, mit welchem Gang der Panda auch die letzte Kuppe überwindet, um pünktlich bei Herrn Odermatt* einzutreffen. Im Sommer erreicht sie alle ihrer Klienten. Im Winter hin gegen müsse man manchmal kreative Lösungen finden, sagt sie. Die 23-Jährige aus Stans ar beitet bei der Spitex Nidwalden. Tausend Menschen betreut diese pro Jahr, viele von ihnen wohnen weit hinten im Tal, auf dem Berg oder gar einer Alp. So auch Armin Odermatt, den die Spitex zweimal pro Woche besucht. Der Weg vom Büro zu ihm, hoch über Hergis wil, dauert 17 Minuten. Sara Barmettler war schon eine Weile nicht mehr bei ihm. Sie weiss, dass der 81-Jährige sich gele gentlich um die Schafe seines Sohnes kümmert, und sein Hund Bless manchmal bellt. Die junge Frau drückt die Klingel und öffnet die Tür. «Guten Morgen, hier ist die Spitex.» «Ah Frau Barmettler, auch schon gesehen», begrüsst er sie. In der gemütlichen Küche mit der Holztäfelung
besprechen die beiden, was heute gemacht werden soll. «Wie immer», sagt die Pflege fachfrau: zuerst duschen, dann die Beine pflegen und einen kleinen Verband erneuern. Zum Schluss noch prüfen, ob die Medikamente sortiert sind. Gemächlich machen sich die beiden auf ins Badezimmer, Gesprächsfetzen dringen durch die Wohnung, es riecht nach Shampoo. Während sich Oder matt wieder anzieht, holt Sara Barmettler die durchsichtige Plastikbox mit den Medikamen ten hervor. Die wird an diesem Tag noch öfter eine wichtige Rolle spielen. Allein, aber mit schöner Aussicht
Beim Blutdruckmessen bleibt etwas Zeit zum Plaudern. Seit fünf Jahren komme die Spitex zu ihm, darüber sei er sehr froh. Denn ohne sie ginge es nicht. Das bekam Armin Odermatt auch schon zu spüren: Einmal konnte im Winter wegen der vereisten Strasse niemand vorbeikommen. Deshalb habe er erst einen Tag später duschen können. «Es macht mir nichts aus, dass mich nicht immer dieselbe Per son betreut, sie machen es alle gut», sagt er. Weil viele Mitarbei tende bei der Spitex Teilzeit ange stellt sind, und nicht alle Klienten
immer am gleichen Tag besucht werden, gibt es einen Turnus. Der alte Mann erzählt, dass er gern Radio hört und die «Nidwaldner Zeitung» liest. Im Fernsehen schaue er höchstens die «Tages schau» und mal einen schönen Film. Aber keine Krimis. Einsam fühle er sich nicht, sagt Armin Odermatt. Obwohl er alleine wohnt und nicht mehr ins Dorf geht. «Ich habe es ja schön hier. Meine Aussicht haben sie zum Glück noch nicht verbaut.» Eine seiner vier Schwestern besucht ihn regelmässig und kauft für ihn ein. Kochen kann er noch selbst. «Heute gibt es Spiegeleier und Kartoffeln.» Sara Barmettler prüft noch einmal das Pflegeprotokoll. «Für heute sind wir fertig, Herr Oder matt.» Mit ihren Klienten spricht die junge Frau sanft, aber mit fes ter Stimme. Armin Odermatt macht sich auf in die Küche, zu Eiern und Kartoffeln. Die Pflege fachfrau desinfiziert sich im Auto die Hände, trägt das Besuchsende in einer App ein, und fährt mit dem weissen Flitzer ins Tal. Eine Leidenschaft für die Pflege
Für heute hat Sara Barmettler drei Besuche geplant, je nach Gebiet und Tag können es aber bis zu zehn werden. «Die Spitex ist ganz mein Ding. Es macht
mich sehr glücklich, die Men schen zu Hause zu besuchen.» Dort erzählten sie mehr von sich, fühlten sich wohler als in einem Heim oder im Spital, erzählt sie auf der Fahrt zurück ins Büro. Die Lehre zur Fachfrau Gesundheit absolvierte Sara Barmettler in einem Altersheim, danach besuchte sie eine Info veranstaltung zur Spitex. «Das gefiel mir sofort, es ist einfach meine Leidenschaft.» Bei der Spitex Nidwalden hat sie im vergangenen Jahr die Weiter bildung zur diplomierten Pflege fachfrau abgeschlossen. Dadurch trägt sie jetzt mehr Verantwor tung: Kommen neue Klienten, macht sie die ersten Abklärun gen, spricht mit den Angehörigen und den Hausärzten und wird als Erste informiert, wenn es Veränderungen im Pflegeablauf
MENSCHEN | MM35, 27.8.2018 19
1 Der 91-jährige Theodor Hermann kann sich nicht mehr alleine rasieren. 2 Mit dem Panda auf Tour: Kurvige, steile Strassen gehören zum Alltag von Sara Barmettler. 3 Eincremen nach dem Duschen ist ein wichtiger Teil der häuslichen Pflege.
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4 Armin Odermatts Blutdruck wird gemessen: Sara Barmettler geht behutsam, aber bestimmt vor.
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MENSCHEN | MM35, 27.8.2018 21
gibt. «Ich hege keine Freund schaften, das wäre nicht profes sionell. Aber zu den Klienten ent steht eine enge Beziehung, wenn man sie lange begleitet.» Sara Barmettler tritt auf die Bremse – direkt vor ihr trägt eine rote Katze eine erlegte Maus über die Strasse. «Die Fahrten sind alles andere als langweilig. Die Gegend ist ja wunderschön, und man lernt die Dörfer gut kennen.» Bei einem Erstbesuch brauche sie manch mal das Navi, danach finde sie den Weg alleine. Und weil sie auf den Autofahrten Radio hört, ist sie immer gut informiert. «So kann man den Klienten gleich etwas erzählen.» Lieber die Spitex als die Ehefrau
Als nächstes besucht Sara Bar mettler das Ehepaar Hermann.
Es wohnt in Obbürgen, mit ei nem herrlichem Blick ins Engel bergertal und auf den Vierwald städtersee. Die Fahrt dorthin dauert etwas mehr als 20 Minu ten. Bevor sie das Haus betritt, geniesst die junge Frau kurz die Aussicht, trägt auf ihrem Handy den Beginn des Besuchs ein, und begrüsst das neugierige Katzen baby. Theodor und Therese Her mann wohnen im selben Haus wie ihr Sohn, der den Bauern betrieb führt. Auch bei den Her manns steht eine transparente Plastikbox auf dem Tisch, und auch hier hilft Sara Barmettler beim Duschen. Der 91-Jährige Theodor Hermann braucht Unterstützung. Währenddessen erzählt seine 88-jährige Frau, wie froh sie seien, dass die Spitex kommt: «Wissen Sie, von der Spitex nimmt er alles an, von
seiner eigenen Frau nicht.» Die Spritze ins Bein zum Beispiel, dürfe sie ihm nicht geben, das wolle er nicht. Frisch geduscht verarztet Sara Barmettler eine kleine Wunde an seinem Rücken. Danach setzt sie sich neben ihn auf die Bank und legt ihm behutsam die Hand auf die Schulter. Sie beugt sich zu ihm und fragt mit lauter Stimme, ob sie noch beim Rasieren helfen soll. «Mein Mann hört nicht mehr so gut. Und seine Einstellung zum Hörgerät ist leider nicht die beste», sagt Therese Hermann und schmunzelt. Kürzlich muss te sie sich einer Operation unter ziehen, in dieser Zeit hat ihre Schwiegertochter den Garten gepflegt und manchmal gekocht. Seit drei Jahren putzt wöchent lich der Hausdienst der Spitex
bei den Hermanns. Bei der Spitex Nidwalden arbeiten 110 Mitar beitende in der Pflege, zehn in der Administration, und 30 in der Hauswirtschaft. «Jetzt mache ich den Haushalt wieder selbst, aber wir sind froh, dass wir mithilfe der Familie und der Spitex gut organisiert sind», sagt Therese Hermann. Ihr Mann nickt: «Jetzt sind wir halt einfach alt. Aber es gibt viele jüngere, denen es schlechter geht. Wir haben es gut hier.» «Es hinterfragt nie jemand, was ich mache. Die meisten sind froh, dass ich da bin und sie unterstütze», sagt Sara Barmett ler. Manchmal sei eine Person vielleicht nicht sofort Feuer und Flamme, dass jetzt jemand beim Duschen helfe. Dann geht sie es behutsam an. Fragt, ob sie zuerst den Rücken einseifen oder ein
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MENSCHEN | MM35, 27.8.2018 23
Die Wege zu den Klienten sind zwar oft lang, aber auch wunderschön.
fach den Arm stützen soll. Bei der Spitex Nidwalden setzt man auf Nachwuchs: 17 Per sonen werden momentan zur Fachperson Gesundheit oder Pflegefachperson ausgebildet. Ein wichtiger Schritt, sagt der Geschäftsführer der Spitex Nidwalden, Walter Wyrsch. Die Altersgruppe der über 80-Jährigen ist in den letzten Jahren stark gewachsen. Fach kräftemangel gebe es zum Glück noch nicht, sagt Wyrsch. Und das Personal sei hauptsächlich aus der Region. «Darum haben wir ein hohes Ansehen. Fast alle kennen jemanden bei der Spitex, darum nimmt man unsere Hilfe gern in Anspruch.» Diskussion um Kosten
Für Sara Barmettler steht die letzte Fahrt an diesem Tag auf dem Programm: 30 Minuten durchs Tal, vorbei an einer grossen Ziegenherde, den Hang hinauf, erneut zu einem Bauern hof. Anna Dönni im zweiten Stock öffnet die Haustür schon, bevor Sara Barmettler klingelt. Sie freut sich, dass jemand kommt. Waren es bei den ande ren Besuchen Gesprächsfetzen, dringen jetzt lebhafte Diskus sionen aus der Dusche. Nach der Körperpflege setzt sich Anna Dönni in der Küche auf einen Stuhl und hebt die Beine schwungvoll auf einen zweiten. «Ich muss mich bewegen, auch
Beim Strümpfe anziehen ist Anna Dönni froh um Sara Barmettlers Hilfe.
mit 91 noch», sagt sie und lacht. Sie hatte offene Beine, die nun von der Spitex gepflegt werden und inzwischen schön verheilt sind. «Wo haben Sie die Creme und die Pflaster?», fragt Sara Barmettler. Sie findet beides, auch bei Anna Dönni, in der transparenten Plastikbox. Selbst mitgebracht hat sie die Handschuhe, die sie bei der Pflege trägt. Diese Materialien wurden bis dahin von der Krankenkasse übernommen. Die Spitex schätzt ihre jähr lichen Kosten schweizweit auf 60 Millionen Franken. Seit Anfang des Jahres kommen die Kassen nicht mehr für medizinisches Material wie Verbände und Schläuche auf. Dem Bundesrat sind diese Kosten nach wie vor zu hoch: Er will die Spitex-Beiträge um 33 Millionen kürzen. Die Krankenkassenbeiträge für die ambulante Pflege zu Hause sollen um 3,6 Prozent gesenkt werden. Ein Leiturteil des Bun desverwaltungsgerichts von Mitte August legt fest: Können Pflegekosten nicht durch Krankenkasse und Versicherte gedeckt werden, müssen die Kantone oder ihre Gemeinden vollständig für die Restkosten aufkommen. Viele Spitex- Organisationen bleiben vorerst auf ungedeckten Kosten sitzen. Walter Wyrsch von der Spitex Nidwalden sagt es so: «Wenn es
immer mehr ältere Menschen gibt, steigen die Kosten für die Spitex. Aber sie machen ledig lich zwei bis drei Prozent der gesamten Gesundheitskosten aus. Das vergisst man schnell.» Das Bundesamt für Gesundheit spricht von einer «Korrektur»: Damit der Umfang der Kosten übernahme durch die obligato rische Krankenkasse vor und nach der Einführung der Neu ordnung der Pflegefinanzierung gleich hoch bleibe. Dafür wür den die Beiträge für Pflegeheime nach oben korrigiert – diese seien zu tief festgesetzt gewesen. Als Gast bei den Klienten
In der Plastikbox liegen auch die Utensilien, um bei Anna Dönni den Blutzucker zu messen. «Mich selber piksen, das könnte ich nicht. Aber die Insulin spritze in den Bauch, die traue ich mir zu», sagt sie. Im Parterre des Hauses wohnt ihr Sohn, wenn er sie besucht, kocht sie noch. Ansonsten bringt der Mahlzeitendienst der Pro Senec tute jeden Donnerstag vier Mahlzeiten. Eine ihrer Töchter kommt regelmässig vorbei. Sie hilft beim Putzen und erledigt die Einkäufe. Und eine Enkelin sei Coiffeuse, die mache ihr die Haare. «Über diese Besuche freue ich mich sehr.» Anna Dönni hat 24 Grosskinder und 17 Urgrosskinder, aber die kämen natürlich nicht alle so
häufig. «Manchmal bin ich etwas einsam.» Dann geht sie hinunter in die Waschküche und sieht nach, ob sie dort etwas tun kann. Oder sie liest im hellen Licht des Dachfensters in ihrer Küche. «Ich bin trotzdem gerne hier oben, hier bin ich zu Hause.» Sara Barmettler betrachtet sich als Gast bei ihren Klienten. Sie fragt, bevor sie etwas tut: Wo sie das Badetuch aufhängen soll. Ob sie die Dusche ausspülen darf. Und ob sie noch beim An ziehen der Stützstrümpfe helfen soll. Gerne, sagt die Rentnerin, aber Socken lieber keine. Es sei ja so warm im Moment. Mit geübten Griffen sind die Strümpfe schnell angezogen. Anna Dönni würde gern noch etwas weiterplaudern, das merkt man. Aber sie weiss, dass die Pflegefachfrau weiter muss. «Merci vielmal, chömid wider guet derab!», sagt sie und schliesst die Tür. Vor dem Feierabend muss Sara Barmettler Büroarbeit erledigen, auch die gehört zu ihrem Alltag. Davor geniesst sie die halbstündige Fahrt durchs Tal zurück ins Büro. «Die Auto fahrten sind zwar lang, aber auch wunderschön. Das geniesse ich einfach», sagts und düst mit ihrem Panda vorbei an Mini seilbahnen und grünen Wiesen, stets im richtigen Gang. MM * Name geändert
24 MM35, 27.8.2018 | MENSCHEN
Brigitte Daxelhoffer
Zäh wie ein Turnschuh
Für die Ultra-Trail-Läuferin Brigitte Daxelhoffer ist kein Weg zu weit, wenn sie Menschen in Not helfen kann. Nun nimmt die Bernerin ihre grösste Herausforderung unter die Füsse: die Via Alpina quer durch die Schweiz. Text: Sabine Lüthi Bilder: Franziska Frutiger
MENSCHEN | MM35, 27.8.2018 25
Daheim in Burgistein: Brigitte Daxelhoffer mit Tochter Hannah und den Hunden Struppi, Bonnie und Clyde (v.r.)
D
ie schmale Dorfstrasse in Burgi stein BE schlängelt sich den Hügel hoch – zuoberst thront ein Chalet, idyllisch gelegen, alt, die Türen sind offen. Der Wind pfeifft durch die Tannen, Grasfelder erstrecken sich über die Höhen, kein Mensch weit und breit. Hier kommt der Fuchs nicht nur nachts vorbei. Brigitte Daxelhoffer (40) hat ihren 14 Hühnern, dem «Güggu» und den 16 Kanin chen sichere Ställe gebaut. Ihre Tiere sollen einen angenehmen Lebensabend geniessen dürfen. Sie hat sie vor dem sicheren Tod ge rettet. Ihre vier grossen Hunde lebten früher auf der Strasse, die zwei Katzen stammen von Bekannten. Die alleinerziehende Mutter hat ein Herz für Tiere, hilft gern. Genauso wie ihre Tochter Hannah (8). «Das liegt bei uns in den Genen.» Die studierte Psychologin und Mitarbei terin einer Beratungsfirma in den Bereichen
Medizin und Pharmaprodukte hat schon mit acht Jahren entdeckt, dass sie schnelle Beine hat. Dieses Kapital macht sie inzwi schen mit Spendenläufen zu Geld: Seit vier Jahren kennt die Ultra-Trail-Läuferin keine Grenzen, wenn es darum geht, anderen Menschen zu helfen. Sie rennt, damit es missbrauchten Frauen und benachteilig ten Kindern in Indien und Nepal besser geht. Erst 101 Kilometer in den Berner Alpen, dann 201 Kilometer in den Bündner Bergen, 257 Kilometer durch die Sahara, 320 Kilometer quer durch das Gebirge in Wales, 30 Kilometer durch England. Schon die Grossmutter war eine «zähe Hutte»
Mit ihrer privaten Hilfsorganisation Run for Hope und der Partnerorganisation Chance Swiss unterstützt Brigitte Daxelhoffer jähr lich ein Projekt durch Spendenläufe. Ihr An liegen ist es, Leid zu mindern, Mädchen aus
der Prostitution zu retten, die so alt sind wie ihre Tochter, ihnen eine Schulbildung zu ermöglichen. Im September startet sie in Montreux VD an einem weiteren grossen Lauf: entlang der Via Alpina, quer durch die Schweiz. Es ist bis jetzt ihre grösste Herausforderung. «Ich weiss, mein Körper kann noch länger, noch weiter.» Schon ihre Grossmutter sei «eine zähe Hutte» aus dem Emmental gewesen. Nach fünf Tagen, 380 Kilometern und 25 000 Höhenmetern will sie in Vaduz (FL) ankommen. «Das hat noch niemand so gemacht. Aber mir ist das ‹Dürezie›, ‹Düre bisse› und Leiden gegeben.» Unterwegs auf den langen, harten Rennen fluche sie viel, habe sie Selbstmitleid, heule und lache. Mit sich selbst. Das passt ihr. «Ich bin eine Eigenbrötlerin, bin gern allein.» Und immer wieder denke sie dabei an die Frauen und Kinder in Indien und Nepal.
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henswürdigkeiten u.a. das Arabahmet Viertel, die venezianische Befestigungsanlage und der Besuch von zwei alten Karawansereien aus dem 17. Jh. erfüllen einen spannenden Ausflugstag. Sie haben die Möglichkeit landestypische Produkte wie Schmuck und Souvenirs einzukaufen. 5. Tag / Kyrenia: Der heutige Ausflug führt Sie zu dem grandiosen mittelalterlichen Gebirgskastell St. Hilarion. Ein „Muss“ für jeden Besucher. An atemberaubender Lage, auf einem steilen Kalkfelsen gelegen, werden Sie hier mit dem wohl schönsten Ausblick Zyperns beschenkt. Anschliessend lassen Sie sich von den majestätischen Ruinen der Abtei Bellapais – ein wahres Meisterwerk gotischer Baukunst – in den Bann ziehen. Fahrt zum Hafen und Besichtigung der Festung. Am Ende des Tages Einkaufsmöglichkeit für Lederwaren. 6. Tag / Tag zur freien Verfügung: Geniessen Sie einen freien Tag oder reservieren Sie weitere fak. Ausflüge bei Ihrem Reiseleiter. 7. Tag / Fakultativer Ausflug Paphos: Geniessen Sie einen freien Tag oder nehmen Sie am fak. Ausflug nach Paphos teil. In Paphos – dem Geburtsort der Aphrodite – beeindrucken kulturhistorische Höhepunkte. In römischer Zeit war Paphos die Hauptstadt von Zypern. Aus dieser Zeit stammen die Ruinen der Palastanlagen mit seinen Königsgräbern und wunderbaren Mosaiken – Zeugen des einstigen Reichtums. Der Distrikt von Paphos hat so viele geschichtsträchtige Orte, dass UNESCO den Ort und seine gesamte Umgebung auf die Liste der Weltkulturerben setzte.
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Bilder: zVg. Cimbaly/V. Campagnie@MDS 2016
Strapazen in der Wüste: Brigitte Daxelhoffer 2016 am Marathon des Sables in Marokko (r.) Engagierte Läuferin: Besuch in der Kindertagesstätte in Kalkutta, Indien, im Januar 2018
«Das ist ein grosser Motivator», sagt sie. Für den Lauf entlang der Via Alpina seien bereits über 20 000 Franken zusammengekommen. Angefangen hat alles mit einer Trekking tour in Nepal. Ihr damaliger Guide, Sherpa Ash Gurung, kam 2014 in der grossen Lawine am Mount Everest ums Leben – ein halbes Jahr nachdem sie mit ihm im Himalaya unterwegs gewesen war. Brigitte Daxelhoffer wollte die junge Witwe und Mutter zweier kleiner Kinder nicht in ihrem Elend zurücklassen. Die Spenden für die ersten Läufe reichten aus, um für Gurungs Kinder Aslima und Abin eine Schulbildung sicherzustellen. Das Schicksal der Frauen und Kinder geht ihr nah. «Ich kann die Blasen an meinen Füssen nach fünf Tagen von einem Arzt aufstechen lassen und die Füsse pflegen. Aber für die Menschen dort gibt es keinen Ausweg.» Die Probleme gewisser Menschen hierzulande machen sie manchmal «richtig hässig». Kürzlich habe ein Senior in einem Einkaufszentrum über die Nektarinen ge flucht: Entweder seien sie zu weich oder zu hart. «Seien Sie froh, dass es überhaupt Nek tarinen gibt», habe sie etwas forsch gesagt. Wenn es um die Ernährung geht, ist die Ernährungsberaterin nicht heikel. An den Läufen – und auch sonst – esse und trinke sie, worauf sie Lust habe. Bananenshake, Eierbrötli, Sandwich. Auch Cola trinke sie, wenn sie Lust darauf habe. Von speziellen Riegeln, Drinks oder gar Hormonen hin gegen hält sie nichts. «Nie im Leben! Mein Körper dankt es mir.» Ihm tue auch die wöchentliche Massage gut, das Liegen in der Badewanne und das frühe Zubettgehen. «Um 22 Uhr lösche ich das Licht.» Einzig um ihre Füsse sorgt sie sich, «meine Schwachstelle». Auf dem 257-Kilo meter-Lauf durch die Wüste kam Sand in die Schuhe und gefühlte tausend Blasen an den Füssen bereiteten ihr grosse Schmerzen.
Sie fluchte. «Ich lief auf den Fersen.» An einem Checkpoint liess sie sich helfen. Ein Arzt baute ihr eine Sohle aus Schaum gummi. «Ich fühlte mich danach unglaub lich gut.» Bei einem anderen Lauf steckte sie sogar den lästigen Stein weg, den sie nicht mehr aus den Schuhen brachte, weil er schon zu tief in der Haut steckte. Brigitte Daxelhoffer besitzt derzeit 18 Paar Laufschuhe. Sie haben eine «Lebens zeit» von 300 Kilometern – dann schenkt sie sie den Menschen in Nepal und Indien, wo sie einmal pro Jahr hinfliegt. Ihre Lieblings schuhe allerdings sind Flipflops. Die hat sie sogar auf ihren Spendenlauf durch die Wüste mitgeschleppt, damit ihre Füsse sich abends erholen konnten. «Alle schüttelten nur den Kopf über mein zusätzliches Gepäck, aber ich würde es wieder tun.» Die Frauensolidarität macht es möglich
«Run for Hope» ist unter anderem nur mög lich, weil Brigitte Daxelhoffer auf grosse Frauensolidarität zählen kann. Grosse Un terstützung erhält sie zum Beispiel von ihrer Mutter Lotti (73), die allwöchentlich zweimal in Burgistein übernachtet, damit die Tochter arbeiten und trainieren kann. Und nur dank ihrer Chefin könne sie sich überhaupt in die sem Ausmass für «Run for Hope» engagieren. «Sie ist auch eine Macherin», sagt Brigitte Daxelhoffer, die 60 Prozent arbeitet. Wenn sie ihre zwölf Stunden Lauf pro Woche zurücklegt, begleitet Hannah sie manchmal auf Teilstrecken. Schon als Hannah ein Kleinkind war, nahm sie sie im Kinderwagen mit zum Training – und zog damit in Burgistein alle Blicke auf sich. Auch auf der Via Alpina wird das quirlige Mädchen in Grindelwald vor Ort sein, gemeinsam mit ihrer Schulklasse. Selbst bewusst kommentiert die kleine Läuferin: «Mängisch rennen i schnäuer aus ds Mami.» MM
Spendenprojekt
Run for Hope Die Organisation Run for Hope ist ein privates, persönlich motiviertes Spendenprojekt. Die Beteiligten engagieren sich ehrenamtlich. Die Spenden gehen an Projekte in Nepal und Indien. Am 5. September nimmt Brigitte Daxelhoffer ihren härtesten Lauf unter die Füsse: Innert fünf Tagen und fünf Nächten wird sie die Schweiz auf der Via Alpina von Montreux nach Vaduz durchqueren. Weitere Teilnehmer – darunter Andrea Huser, eine der besten Trail-Läuferinnen der Welt – werden die Strecke über 14 Alpenpässe oder Teilstrecken mitlaufen. Spenden gehen zu 100 Prozent an New Light, eine Partner organisation von Chance Swiss. Sie betreibt eine Tagesstätte für Kinder in Kalkutta, Indien, die als «Unberührbare» stigmatisiert sind. www.run-for-hope.ch www.facebook.com/ etwasbewegen
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«Meine Arbeit ist experimenteller Service» Kunst
Keine Schweizer Künstlerin sorgt im In- und Ausland für so viel Furore wie Pipilotti Rist. Ein Gespräch darüber, wieso sie sich ab und zu bieder fühlt, warum wir Menschen wie Korallen aussehen und was sie ihrem Publikum bieten will. Interview: Dinah Leuenberger und Yvonne Zurbrügg
Bilder:Â Piero Oliosi / Polaris / Dukas
MENSCHEN | MM35, 27.8.2018  31
Pipilotti Rists Kunst ist eine Flucht nach vorne: Positives und Buntes sind zentrale Elemente.
32 MM35, 27.8.2018 | MENSCHEN Zur Person
Bewegte Gedichte Pipilotti Rist, in der angepassten Schweiz gelten Sie als die Unangepasste. Zu Recht? Manchmal treffe ich Leute, im Vergleich zu denen bin ich total bieder. Und wieder in einem anderen Zusammenhang braucht es ganz wenig für den Stempel «unangepasst».
materialisieren. Aber ein euphorisches Gefühl kann auch durch ein lustiges Gespräch entstehen oder im Halbschlaf, wenn sich Realität und Unterbewusstsein vermischen. Man kann alle Drogenerfahrungen auch ohne Drogen provozieren.
Haben Sie den Stempel verdient? Ich wäre lieber weniger angepasst, als ich es bin. Aber es ist eine Frage der Kraft und Zeit. Denn man muss sich dann verteidigen oder fühlt sich isoliert. Und ständig Ideen haben, wie man eine Situation auch anders und besser leben könnte, bedingt überschüssige Energie. Darum ist es auch bequemer, angepasst zu sein.
Haben Sie die Vision, Ihrem ganzen Schaffen eine übergeordnete Botschaft zu verleihen? Ja, ich will meine Kraft und Zeit weniger darauf verwenden, was alles schlecht ist, sondern das Positive herausschälen. Das Traurige hängt ja dann trotzdem in den Ecken herum. Die Flucht nach vorne in positive, energetische Visionen war ein bewusster Entscheid. Auch auf die Gefahr hin, dass man dafür bestraft wird.
«Es heisst, die Kunst solle sich vom Kommerziellen distanzieren. Aber wir können die Schönheit ja nicht einfach der Werbung überlassen.» Pipilotti Rist, Künstlerin
Wenn jemand sagt, Ihre Kunst sei wie ein Drogenrausch, hat er Ihre Kunst nicht verstanden. Oder können Sie gut mit diesem Vergleich leben? Da muss ich zurückfragen: Was für einen Drogenrausch? Ihr Film «Pepperminta» war LSD für alle, die es nie nehmen würden, aus Angst vor den Konsequenzen und den Farben. So gesehen ist es ein Kompliment, wenn meine Kunst als Drogenrausch bezeichnet wird. Denn Drogen bringen ja nie etwas hervor, das nicht schon da ist. Es geht in meiner Kunst oft um innere Welten. Und wenn sie diese zum Vorschein bringen kann, finde ich das sehr gut. Der Job der Künstlerin ist es eigentlich, die Fantasien der Menschen zu
Warum? Wenn man in der Kunst auf das Negative fokussiert, scheint man sofort ein tiefgrün diger, spannender Mensch zu sein. Hingegen können positive Kunstwerke, die viele Menschen ansprechen und sie emotional berühren, zu schnell als scheinbar weniger intellektuell bezeichnet werden. Und auch der Umgang mit Schönheit ist in der Kunst schwieriger: Es heisst, Schönheit sei korrupt, und die Kunst solle sich vom Kommerziellen distanzieren. Damit bin ich aber nicht immer einverstanden, wir können die Schönheit ja nicht einfach der Werbung überlassen. Ich finde, dass es Schönheit und Harmonie auch als Themen in der Kunst braucht, um das Hirn aktiv zu entspannen, und wir es aus sich herausstülpen können, bis es vibriert.
Rist lebt und arbeitet in Zürich und versucht, mit ihrem Schaffen ihrem Namen gerecht zu werden. Seit ihrer Adoleszenz nennt sie sich Pipilotti, in Anlehnung an Pippi Langstrumpf. Für sie ist der Name auch ein Antrieb, losgelöst von unnötigen Konventionen und Ängsten zu leben – was gar nicht so einfach sei, sondern genau wie die Kunst ziemlich viel Arbeit mache.
Indem Sie bunte, schöne Kunstwerke anfertigen? Lustig, dass Sie diese zwei Adjektive gleich zusammensetzen. Ja, die Farben kommen auch oft unter die Räder. Wohl, weil Farbe immer pralles Leben bedeutet. Vielleicht haben Menschen Angst vor üppiger Farbe, weil es dann so stark lebt, dass sie es nicht mehr kontrollieren können. Aber auch hier: Farben werden stärker der Werbung und Mode zugeordnet. Und auch generell eher den Frauen, nicht wie bei den Vögeln. Die Männer tun mir extrem leid, weil sie so wenig Farbe tragen dürfen, wobei sich das glücklicherweise auch gerade verschiebt. Machen Sie Selfies? Nein. Eigentlich selten. Manchmal mache ich beim Skypen einen Screenshot, als Erinnerung an beide Parteien. Wenn es schön komisches Licht hat. Aber normale Selfies: nicht wirklich. Auf Instagram gibt es 37 000 Nennungen zu «Pipilotti Rist». Sie sind ein Social- Media-Star, ohne etwas zu posten! Vor zwei Wochen habe ich die Innenarchi-
Pipilotti Rist wünscht sich, dass die Kunst den Kunst raum verlässt und allen Menschen zugänglich wird.
Bild: Joshua Bright/The New York Times/Redux/laif
Ist also Ihre Kunst heute angepasster als auch schon? Auch da gibt es beide Meinungen: Unsere Gesellschaft lebt in ganz vielen Gruppen, was die einen provoziert, wird von anderen als Spiel empfunden. Wer sagt also, was provoziert? Wenn wir heute jemanden in T-Shirt und engen Jeans 50 Jahre in die Vergangenheit schickten, wäre das für die Menschen der damaligen Zeit ein totaler Schock. Heute vermischen sich Trends und mögliche Kulturen viel stärker.
ipilotti Elisabeth Rist (56) ist eine der P bekanntesten Schweizer Künstlerinnen. Ihre Videoinstallationen, die sie als ‹bewegte Gedichte› bezeichnet, wurden in den renommiertesten Museen der Welt gezeigt, darunter dem Museum of Mofern Art (MoMA) in New York, dem Museum of Contemporary Art (MCA) Sydney und dem Centre Pompidou in Paris. Für ihre Werke hat sie zahlreiche Preise erhalten, wie den «Premio 2000» der Biennale in Venedig.
MENSCHEN | MM35, 27.8.2018 33
tektin India Mahdavi getroffen. Ich bin ein Fan von ihr. Sie ist selbst eine begeisterte Instagram-Nutzerin und meinte, so viele Nennungen seien grossartig, viel wichtiger noch als Follower. Obwohl ich selbst kein Instagram-Profil habe, freut mich das natürlich. Schliesslich macht sich ein Mensch dort Arbeit: Er oder sie fotografiert meine Kunst, lädt das Bild hoch, beschriftet es. Die Menschen sind dadurch aktiv.
«Genau betrachtet, sind wir Menschen eine Mischung aus einem Schwein, einem Affen und einer Koralle.» Pipilotti Rist
Und Ihre Kunst multipliziert sich so. Junge Menschen, die sonst vielleicht nicht in Ihre Ausstellung gehen, finden so Zugang. Ja, das ganze Internet und die Hashtags sind demokratische Brücken, zu denen alle Zugang haben. Die Museumsbesucher betreiben mit ihren Posts quasi moderne Mundpropaganda. Gleichzeitig findet auf Social Media ein extremer Selbstdarstellungswahnsinn statt. Man will zwar einzigartig sein, aber am Ende bewirkt der Fotofilter das Gegenteil. Aber das ist ja nicht nur bei Selfies so, sondern auch auf der Strasse. Der Wunsch, nicht ausgeschlossen zu sein – auch rein optisch nicht –, ist ja ein tiefes menschliches Bedürfnis. Vielleicht wollen wir ein bisschen schöner sein, aber wir wollen vor allem nicht aus dem Raster fallen. Früher konnten sich einfach nur die Reichen malen lassen, und auch sie haben sich idealisiert darstellen lassen. Heute können alle selbst Selfies machen, der Prozess wurde demokratischer. Gleichzeitig lernen Menschen so, mit der Technik umzugehen, wir werden mündiger im Umgang mit Bildern. Glauben Sie, dass der Selbstdarstellungs wahnsinn ein weibliches Phänomen ist? Nein, der Druck auf die Männer hat auch zugenommen. Das hat alles eher mit Selbstbewusstsein zu tun als mit dem Geschlecht. Aber dass wir Frauen stärker über das Äussere definiert werden, ist ein Kollateralschaden des Patriarchats. Sie arbeiten in Ihrer Kunst mit einer Fülle an Technologien. Wie wählen Sie diese aus? Ich liebe Maschinen. Viele Technologien habe ich genutzt, sobald sie demokratisch
erschwinglich waren. Angefangen hatte ich mit Dia und Super8. Dann kam Video, aber da wusste ich noch gar nicht, dass ich Künstlerin werde. Ich betrachte meine Arbeit mit den unterschiedlichen Technologien als einen experimentellen Service. Damit biete ich Bühnen für Menschen und Besucher, die dann das Zentrum sind. Ich versuche auch, das Video vom rechteckigen Bildschirm zu befreien. Für mich ist Video kein einseitiges Fenster, sondern eher ein Wunderlicht, von dem etwas retour kommt. Sie pflegen ein Archiv mit all Ihren Pro duktionen. Was, wenn es in 50 Jahren keine Technik mehr gibt, um sie ab zuspielen? Macht Ihnen das Angst? Das ist ja nicht nur mein Problem, sondern auch ein gesamtgesellschaftliches: Wie gehen wir mit unseren Daten um? Eigentlich müsste man ja immer selektiv speichern, sich genau überlegen, was man behält und was man löscht. Natürlich hat niemand Zeit dafür. Aber es macht mir keine Angst, sogar ein Ölbild ist ja nach vierhundert Jahren nicht mehr das, was es mal war. Die Technik verändert sich laufend. Wenn sich mein Sohn Videos im PAL-Format anschaut, sagt er, es sei nicht scharf. Gleichzeitig empfinden heute viele junge Künstler 4K als zu scharf. Es sei ein Hindernis, weil so kein Platz mehr bleibe für Zwischentöne. Dinge, die nicht fotografisch realistisch sind, transportieren ein Gefühl oft besser als ganz gestochen scharfe Abbildungen. «Show a Leg», das jetzt im Migros-Museum für Gegenwartskunst gezeigt wird, ent stand 2001. Sie selbst sind in den Video produktionen zu sehen. Ist das Ihre Form von Selbstdarstellungswahnsinn? Es geht mir nicht um ein Selbstporträt. Es ist einfacher, eine Szene tausendmal nach zuspielen, wenn ich es selbst mache. Ganz ohne andere Personen ging es aber nicht: Die anderen beiden Figuren, die in «Show a Leg» vorkommen, sind Moni Schori, lustigerweise die heutige Cheftechnikerin des Migros-Museums, und Nadia Schneider, die heutige Sammlungskuratorin. So passt es doppelt, dass das Werk jetzt dort gezeigt wird. In der Ausstellung hängen Vorhänge, die von Projektionen gestreichelt werden. Die Besucher werden sehen: Man hat nur kein verzerrtes Bild, wenn man sich auf die Position des Projektors stellt. Das hat eine psychologische Komponente: Man versteht den anderen nur, wenn man versucht, sich in seine Position reinzudenken. In der Fotografie werden aktuell Künstler dafür kritisiert, ihren eigenen Körper zu zeigen. Sie tun dies schon lange. Wenn ich die Figur selbst spiele, geht es mir nicht um Selbstdarstellung, sondern um die
philosophische Figur. Ich versuche damit, allgemeingültige Themen aufzugreifen. Der Körper ist einfach das grundsätzliche Material, das zur Verfügung steht. Am Ende ist es unser Job als Künstler und Künstlerinnen, kritisiert zu werden. Das ist auch der Unterschied zwischen einer anonymen und einer persönlichen Arbeit. Man hat keine Auftraggeber, aber hält immer die zweite Backe hin. Nicht nur Körper kommen in Ihrer Kunst häufig vor, sondern auch das Thema Sexualität. Sexualität direkt bearbeitete ich höchstens im «Pickelporno». Ich würde es eher Körper lichkeit nennen. Die ist für mich nicht gleich Sexualität. Es geht eher darum, dass wir Menschen eigentlich aussehen wie eine Koralle. ( lacht) Tun wir das? Ja, genau betrachtet, sind wir Menschen eine Mischung aus einem Schwein, einem Affen und einer Koralle. «Pickelporno» ist nun schon einige Jahre alt. Ist denn das Körperliche für Sie nicht mehr so interessant, weil es allgegenwärtig ist? «Pickelporno» entstand aus der damaligen feministischen Diskussion heraus: Viele Frauen fanden Porno scheisse. Ich habe mir aber überlegt: Wie könnte ein erotischer Film aussehen, der mir als Frau auch gefallen könnte? Frauen in der Kunst waren lange rar. Gibt es positive Veränderungen? Ja, die Veränderungen sind aber für alle Menschen gut. Biografien und Lebensentwürfe sind offener geworden. Es braucht nicht mehr nur physische Kraft oder die Zugehörigkeit zu einer Klasse, um das eigene Leben gestalten zu können. All das finde ich sehr genial. Ich habe eine Mutter, die sich immer sehr viel Freiheit genommen hat. Auf sie konnte ich bauen, sie hat mir nie gesagt, was ich hätte werden sollen. Wenn Sie ein anderes Geschlecht hätten, für einen Tag, was würden Sie anders machen? Und würden Sie Ihre Kunst anders betrachten? Also dann hätte ich gerne die Brüste am Rücken. Nein ernsthaft, ich empfinde mich oft als Mann. Oder ich denke stundenlang nicht daran, dass es Geschlechter gibt. Die Körperteile, die gleich sind, sind ja zahl reicher als die, die uns unterscheiden. Und ich glaube, jede und jeder betrachtet meine Kunst auf eine andere Art. Würden Sie andere Kunst machen, wären Sie nicht Pipilotti, sondern Peter? Ich denke nicht. Wir hatten an einem Kurzfilmfestival als Experiment Filme gesehen,
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«Als Mann hätte ich gerne die Brüste am Rücken. Nein ernsthaft, ich empfinde mich oft als Mann.» Pipilotti Rist
Sie verglichen Ihre Kunst einst mit einer Handtasche. Wäre es ein Sackmesser, wenn Sie ein Mann wären? Ja, ich glaube, meine Kunst würde anders beurteilt werden, aber das ist nicht nur so als Künstlerin. Wenn zwei Frauen lebhaft sprechen, wird es eher als Ablenkung empfunden, und wenn zwei Männer reden, heisst es: Die diskutieren jetzt. Vor diesen Vorurteilen ist niemand gefeit, mich ein geschlossen. Ich glaube, es dauert einfach noch zwei bis drei Generationen. Aber wenn ich die Jungen betrachte, bin ich sehr zuversichtlich. Also sind Sie feministisch optimistisch? Ja. Geändert hat sich für mich, dass ich Feminismus lieber praktisch als theoretisch anwende. Bei meinen Produktionen sind es vor allem Frauen, die in der Technik arbei ten. Und alles, was ich am Anfang gelernt habe – Löten, Verkabeln –, lernte ich eben falls von einer Frau: Käthe Walser. Sie ist die Projektleiterin des «Show a Leg»-Aufbaus. Feministisch muss ich nur noch sein, wenn mir ein Chauvinist oder eine Chauvinistin entgegentritt. Dann krame ich die Argumen te hervor. Aber meistens bin ich von moder nen Männern umgeben, die keine Überheb lichkeit an den Tag legen. Wenn man immer nur für die eigene Gruppe spricht, kann es auch egoistisch werden. Es überbordet. Ich versuche es mit Solidarität für alle, die sie brauchen oder wollen. In der Literatur gibt es eine Diskussion um die Frage, welche Themen noch nicht verbraucht sind. Ist es in Ihrer Kunst auch so, dass Sie sich das manchmal fragen? Ich glaube, diese Frage stellt sich jeder krea tive Mensch. Man muss etwas denken, was noch nicht gedacht wurde. Aber man weiss ja nicht, was man noch nicht weiss. Es baut natürlich auf dem auf, was schon da ist. Das
Ziel ist es, plötzlich ein Bild hinzukriegen, bei dem jemand sagt: Genauso sieht es bei mir im Traum aus. In welche Richtung denken Sie für die nächsten Projekte? Ich arbeite an einem Augmented-RealityProjekt. Und ich möchte, dass die Kunst den Kontext, also das Museum, verlässt. Deswegen erarbeite ich ein Projekt mit dem WWF. Er lanciert eine Informationskampagne zur Situation des weltweiten Korallensterbens. Zur Unterstützung planen wir eine Aktion im öffentlichen Raum. Bei Ihnen entstehen mehrere Projekte gleichzeitig. Wie viel ist immer im Köcher, damit Sie das Gefühl haben, es läuft genug? Wir haben immer Projekte in verschiedenen
Ausstellung
Grosse Kunst aus aller Welt Migros-Gründer Gottlieb Duttweiler legte den Grundstein für die Kunstsammlung des Migros-Museums für Gegenwartskunst, die heute rund 1400 Werke von 700 nationalen und internationalen Künstlerinnen und Künstlern zählt. Die Einzigartigkeit der Sammlung besteht darin, dass sie viele grosse Installationen – zum Beispiel das Werk «Show a Leg» von Pipilotti Rist – umfasst.
Es ist vom 25. August bis 11. November ausgestellt. www.migrosmuseum.ch
Stadien, in verschiedenen Grössen und an ganz verschiedenen Orten. Ausserdem gibt es auch viele, die auf dem Weg sterben und nicht stattfinden. Oder die eine sehr lange Vorbereitungszeit brauchen: Beim Museum of Modern Art in New York benötigten wir sechs verschiedene Vorschläge, bis die Aus stellung stattfand. Das dauerte sieben Jahre. Wie gross ist der Anteil Ihrer Arbeit, der nie aus Ihrem Atelier hinauskommt? Ein Viertel, schätze ich. Wer entscheidet das? Manchmal ist das Projekt aus sicherheits technischen Gründen nicht möglich. Beim MoMA war das am Anfang der Fall. Oder es funktioniert aus finanziellen Gründen nicht. Am Ende entscheide ich selbst: Wenn die Kompromisse zu gross werden, mache ich lieber einen Cut. Wir haben einen Ordner, «unverwirklichte Projekte», in dem wir auch diese Träume sammeln. Künstler wie Damien Hirst oder Takashi Murakami haben Unternehmen mit 100 bis 200 Mitarbeitenden. Auch Sie haben im Atelier Unterstützung. Können Sie sich vorstellen, mit einer solchen Armee von Leuten die Kunst entstehen zu lassen? Nein, das entspricht nicht meinem Charak ter. Je mehr Leute man im Team hat, desto hierarchischer wird es. Ich bin extrem froh, alleine oder mit wenigen Menschen zu arbeiten, die eine Eigenverantwortung übernehmen. Ich arbeite kollaborativ und immer im direkten Zwiegespräch. Und es sind auch sehr lange Partnerschaften; mit dem Grafiker Thomas Rhyner etwa arbeite ich zusammen, seit ich vierzehn bin. Was wünschen Sie sich für die zukünftige Kunst? Ich bin daran interessiert, dass sich Kunst und Alltag vermischen. Und ich wünsche mir, dass die kulturellen Angebote und Institutionen noch stärker verteilt und für alle zugänglich sind. Darum ist die Kunst vermittlung so wichtig. Durch sie haben bereits Kinder kulturelle Anreize und lernen, Bilder zu beurteilen. Ein Selbst bewusstsein im Umgang mit Bildern ist bei der heutigen Bilderflut ganz besonders wichtig. So erhalten sie Zugang, auch wenn ihre Eltern nie etwas mit Kunst anfangen konnten. Ich schätze es, dass sich die Migros mit dem Kulturprozent für zeit genössische Kunst einsetzt. Es gibt diesen Spruch von Maurizio Nannucci: «Jede Kunst war einmal zeitgenössisch.» Ich wünsche mir, dass man das nicht vergisst. Auch der konservativste Politiker würde in einem Kartoffelsack herumlaufen, wenn nicht eine kulturelle Leistung für den Anzug gesorgt hätte. MM
Bilder: 2001, Sammlung Migros Museum für Gegenwartskunst, videostill: Courtesy of Pipilotti Rist, Hauser & Wirth und Luhring Augustine
ohne die Autorschaft zu erfahren. Dann mussten wir raten, ob der Film von einem Mann oder einer Frau war. Es war nicht möglich, richtig zu raten. Aber bei der Auf lösung realisierten wir, dass wir die Filme nun anders betrachteten.
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36 MM35, 27.8.2018 | MENSCHEN
Leserforum MM34 Mama kanns nicht
«Das Amüsanteste und Ehrlichste, was ich je im Migros-Magazin gelesen habe»
Sarah Luterbacher via E-Mail
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Sehr cool! Vom pflasterlosen Spielplatzbesuch bis zur Badi ohne Tupperware, von jedem Satz fühle ich mich angesprochen. Und sogar der Schnodder im T-Shirt kommt mir bekannt vor. Das Amüsanteste und Ehrlichste, was ich jemals im Migros-Magazin gelesen habe. Martina Ruppen via E-Mail Wunderbare Gedanken, gerne hätte ich die als junge Mutter gelesen. Marlies Hort via www.migrosmagazin.ch
Bild: Basil Stücheli
«Ich bin keine perfekte Mutter», sagt Susanne Kunz.
Danke an Susanne Kunz und die Redaktion! Die Menschheit sollte endlich verstehen, dass jeder Mensch anders ist und es «perfekt» nicht gibt. In unserem Quartier wohnen fast 20 Kinder, da wird gelacht, gestritten, gespielt und geschrien, das gehört alles zum normalen Alltag dazu! Wir Eltern sind alle verschieden und trotzdem im Notfall füreinander da. Und das ist doch das, was zählt: miteinander, nicht gegeneinander!
MENSCHEN | MM35, 27.8.2018 37
MM34 Werbung
«Grillitarier – was soll diese Wortschöpfung?» Ich störe mich schon den ganzen Sommer an dem Aus druck «Grillitarier» – was soll diese Wortschöpfung, sollte sie originell sein? Auch «Die Migros gehört den Leuten» mit den dümmlichen Fernsehspots könnten Sie endlich beenden. Ich habe noch nie gemerkt, dass ich bei der Migros etwas zu sagen hätte, obwohl ich schon seit Jahrzehnten Genossenschafterin bin. Immer wieder verschwinden beliebte Artikel, in kleineren Filialen erhält man oft nicht das Alltägliche, dafür massenhaft Fertiggerichte, vorgerüstete
Früchte und Gemüse, die sicher nach einem Tag nicht mehr vollwertig sind, usw. Wenn ich schon Fernsehspots ansehen muss, wäre es schön, wenn sie wie früher witzig und originell wären. Helen Koller via E-Mail MM34 Heikles Gedränge auf den Seen
«Damit nehmen sie einen Unfall zumindest in Kauf» Tatsächlich ist an schönen Sommertagen einiges los auf den Schweizer Seen – auch auf dem Zürichsee. Umso wichtiger ist es deshalb, dass sich die Kapitäne der Kursschiffe bei jedem Anund Ablegen konsequent mit
einem Hornstoss bemerkbar machen. Aufgrund der Lärm klage eines Anwohners der Zürcher Goldküste, eines ehemaligen Kampfjetpiloten (!), getraut sich die überwiegende Mehrheit der Kapitäninnen und Kapitäne auf dem Zürichsee seit gut einem Jahr aber nicht mehr, das Schiffshorn zu betätigen – selbst bei prekären Situationen rund um den Schiffssteg. Damit nehmen sie einen Unfall mit anderen, z.B. Schwimmern oder Stand-up-Paddlern zumindest in Kauf. Gleichzeitig erweisen sie ihrer Arbeitgeberin, der Zürich see Schifffahrtsgesellschaft, einen Bärendienst, haftet diese doch bei einer Kollision voll umfänglich, wenn der betref fende Kapitän zuvor auf das Hornen verzichtet hat. Stefan Bachofen via E-Mail
MM34 Die Menschen sind schwach und leicht zu verführen
Was Wladimir Kaminer hier sagt, ist nicht nur das Witzigste, sondern auch das Intelligenteste, das ich je über Kreuzfahrten gelesen habe. Der einzige Makel ist, dass er nichts über die groteske Umweltverschmutzung durch die Kreuzfahrtschiffe sagt. Peter P. Knobel via E-Mail
Schicken Sie Ihre Leserbriefe an: Redaktion Migros-Magazin, Limmatstrasse 152, Postfach 1766, 8031 Zürich, oder per Mail an: redaktion@migrosmagazin.ch Die Redaktion behält sich Kürzungen vor und übernimmt keine Verantwortung für Inhalt und Richtigkeit der Aussagen. Über Erscheinen resp. Nichterscheinen der Leserbriefe wird keine zusätzliche Korrespondenz geführt.
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«Es geht bei der Migros nicht nur um Profit» Wann wurden Sie MigrosGenossenschafter? Das muss gewesen sein, als ich zu Hause ausgezogen bin und meinen ersten eigenen Haushalt gegründet habe. Also vor rund 15 Jahren. Weshalb sind Sie Migros-Besitzer? Wegen der Schokolade, die man bei der Teilnahme an der Urabstimmung erhält ( lacht). Nein, ich bin halt ein Migros-Kind. Ich finde die Migros mega sympathisch. Was mögen Sie besonders an der Migros? Sie ist sehr familienfreundlich. Die Cumulus-Punkte und die Rabatte, die man dadurch erhält, schätze ich sehr. Und die Produkte sind cool. Ich staune immer wieder, wie gut die Qualität der Migros-Eigenmarken ist.
Name: Stefan Seger (41) mit Jill (6) und Julie (3) Wohnort: Frauenfeld Beruf: Informatiker Lieblingsprodukt: Mifloc-Kartoffelstock
Was gefällt Ihnen nicht? Nichts, es gibt ja alles hier. Mir gefällt einfach die Migros-Idee, sie gibt viel zurück mit dem Kultur prozent. Die Migros muss zwar auch rentieren, aber man hat nicht das Gefühl, dass es nur um den Profit geht.
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Erinnerungen ans Sommerlager Das Migros-Kulturprozent unterstützte gemeinsam mit dem Lagerblog der Tagblatt Medien über 150 Sommerlager von Ostschweizer Jugendorganisationen. Die Lager profitierten von einem vergünstigten Einkauf und erhielten als Geschenk Konfitüre und Schokoladenpulver. Auf www. tagblatt.ch/lagerblog hatten sie die Chance, allen Daheimgebliebenen von ihren Abenteuern zu
berichten. Zusätzlich war das schönste Lagerbild gesucht. Über einen Wettbewerb auf Instagram wurden die Sieger erkoren. Das Foto von der Jungschar Goldbrunnen in St. Gallen (Bild) schaffte es aufs Podest. Die Jungschar verbrachte eine Zeltlager-Woche zum Thema Wikinger in Esch likon TG. Mehr von der Migros Ostschweiz ab Seite 72
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MIGROS-WELT | MM35, 27.8.2018 41
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Malen und gewinnen
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Welche Kinder bis 13 Jahre haben Lust, Mickey Mouse, Minnie, Donald, Daisy und Pluto zu zeichnen? Eltern schicken die Werke ihrer Kinder per Post an folgende Adresse: Migros-Magazin, MickeyZeichenwettbewerb, Postfach, 8099 Zürich. Schreiben Sie auf die Rückseite der Zeichnung Ihren Namen, Ihre Adresse und Telefonnummer sowie Name und Alter des Kindes, von dem das Werk stammt. Einsendeschluss: 29. August (Poststempel). Unter allen Einsendern verlost das Migros-Magazin vier Tickets für die Show «Disney on Ice» am 20. Oktober im Hallenstadion Zürich im Gesamtwert von 700 Franken.
Bilder: Dougal Waters; Walt Disney Company; Getty Images, zVg
Schriftliche Benachrichtigung, keine Barauszahlung, Rechtsweg ausgeschlossen, keine Mehrfachteil nahmen. Werden Preise nicht bis drei Monate nach der Ziehung bezogen, verfallen sie ersatzlos.
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Fahrrad statt Auto
Die Klubschule Migros lädt zum kostenlosen Entspannungstag, in der ganzen Schweiz. An mehr als 35 Standorten können am Samstag, 22. September, verschiedene Methoden und Entspannungstechniken ausprobiert und kennengelernt werden. Die Schnupperkurse dauern jeweils 40 Minuten. Eine kostenlose Anmeldung wird empfohlen.
Die Aktion «Velo-Mittwoch» will Menschen motivieren, sich öfter auf den Fahrradsattel zu schwingen. Ob man nun zur Arbeit radelt oder nach Feierabend noch eine Runde dreht, spielt keine Rolle – Hauptsache, man ist jeweils am Mittwoch mit dem Velo unterwegs.
Infos: www.klubschule.ch/entspannungstag
Zur Aktion gibt es eine Gratis-App, die im App-Store oder auf Google Play in einer überarbeiteten Version erhältlich ist. Damit lassen sich die per Velo zurückgelegten Distanzen messen. Nutzer können einfach Buch führenüber ihre Fahrten und ihre Leistung mit den anderen Teilnehmern am Velo-Mittwoch vergleichen. Wer mindestens vier Mal mitmacht, hat ausserdem die Chance, ein E-Bike zu gewinnen. Hinter der Aktion steht Pro Velo Schweiz; die App wurde mit Unterstützung des Förderfonds Engagement Migros entwickelt. Weitere Infos: www.velomittwoch.ch
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MIGROS-WELT | MM35, 27.8.2018 43
Blickfang
Monument Valley «Eine tolle Aussicht – nicht zuletzt wegen des Frey-Schoggistängelis.» Robert Stadler, St. Gallen
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Konsumententagung
Freier Handel, fairer Handel? Preisbarometer
Aktuelle Preisänderungen Ausgewählte Produkte
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in %
Sun Queen Cashewkerne, 200 g
4.15
3.95
–4,8
Bio Max Havelaar Cashewkerne, 100 g
3.15
3.10
–1,6
TerraSuisse Hinterschinken, Maxi-Schale, per 100 g
3.20
3.05
–4,6
M-Classic Hinterschinken, Midi-Schale, per 100 g
2.60
2.45
–5,7
Malbuner Bauern-Saftschinken, per 100 g
2.95
2.85
–3,3
Bio Chämischinken, per 100 g
5.40
5.15
–4,6
Malbuner Landrauchschinken, per 100 g
4.95
4.75
–4,0
Anna’s Best Vegi Saladbowl French, 190 g
4.20
4.10
–2,4
Anna’s Best Vegi Saladbowl ProvenÇal, 180 g
4.40
4.30
–2,3
Anna’s Best Vegi Saladbowl Country, 320 g
5.90
5.80
–1,7
Bio Anna’s Best Vegi Saladbowl Farmer, 190 g
5.20
5.10
–1,9
Anna’s Best Saladbowl Rustico, 185 g
4.90
4.80
–2,0
American Favorites Saladbowl Caesar, 230 g
5.80
5.70
–1,7
M-Classic Javel Wasser Lavande, 2 l
2.80
2.95
5,4
M-Classic Javel Wasser Menthe, 2 l
2.80
2.95
5,4
M-Classic Javel Wasser Nature, 2 l
1.70
1.80
5,9
* in Franken
Am 5. September laden die Migros und das Europa- Institut der Universität Zürich zur 10. Konsumententagung auf dem Berner Gurten. Zum einen diskutieren Ständerätin Anita Fetz und National rätin Regula Rytz kontrovers über die Fair-Food- Initiative. Zum anderen beleuchtet eine neue Studie, wie sich das geplante Handelsabkommen der Schweiz mit dem südamerikanischen Markt Mercosur auf die Schweizer Fleischbranche auswirkt. Dazu referieren National rätin Kathrin Bertschy und Nationalrat Toni Brunner. Die Teilnahme ist kostenlos, eine Anmeldung aber nötig. Die Tagung beginnt um 14.15 Uhr. Anmeldung: Migros-Wirtschaftspolitik@mgb.ch Anmeldeschluss: 28. August
Worauf es bei der Karriere ankommt:
44 MM35, 27.8.2018 | MIGROS-WELT
www.migmag.ch/ giavedoni
Paola Giavedoni
«Ich brauche die Familie als Basis»
Viele Migros-Mitarbeiterinnen gehören dem Kader an – auch Lebensmitteltechnologin Paola Giavedoni. Sie ist Innovationschefin bei Elsa-Mifroma, einem der grössten Milchverarbeitungsbetriebe der Schweiz. Text: Hans Schneeberger Bild: Michael Sieber
Sommerserie Kaderfrauen in der Migros
Teil 3
Förderung
18 Wochen Mutterschafts urlaub Die Berufstätigkeit von Frauen ist ein wichtiger Faktor für den Wohlstand und Fortschritt der Gesell schaft, aber auch für die Entwicklung der Migros. Mehr als 60 Prozent ihrer Mitarbeitenden sind Frauen; fast jedes dritte Kadermitglied ist eine Frau. Auch die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist ihr ein wichtiges Anliegen. Die Migros gewährt allen Müttern 18 Wo chen Mutterschafts urlaub bei vollem Lohn und übertrifft damit die gesetzlichen Vorschrif ten. Sie ist Mitglied bei Advance – Women in Swiss Business, einer Vereinigung und einem Netzwerk, das die Erhö hung des Frauenanteils in Führungspositionen fördert.
V
iel internationaler kann eine Familie nicht sein: Der Vater Deutscher, die Mutter aus dem Friaul, die beiden Kinder in Holland geboren. Die Kinder sprechen zusammen französisch, mit dem Papa deutsch und mit Frau Mama italienisch. Diese wiederum parliert mit ihrem Mann englisch. Früher haben alle auch noch holländisch gesprochen, aber das hat sich mit den Jahren «ausgewaschen». Die internationale Ausrichtung hat die bisherige Laufbahn der Lebensmitteltechnologin Paola Giavedoni geprägt. Die Friaulerin hat an der Universität Udine studiert, verliess Italien aber schon bald und arbeitete als Postdoktorandin in Deutschland. Der global ausgerichtete Unilever-Konzern bot ihr die Möglichkeit, in England, Deutschland, Holland und in der Schweiz zu arbeiten. Forschung, Produkteentwicklung und Innovation waren stets ihre Leidenschaft. Auch als sie via die Firma Chiquita wieder in die Schweiz kam und schliesslich bei der Elsa-Mifroma-Gruppe im freiburgischen Estavayer anheuerte. Dort arbeitet sie seit mittlerweile sechs Jahren als Leiterin strategische und technologische Innovation. Seit drei Jahren ist
die talentierte Managerin zudem in einem 50-Prozent-Pensum für die strategische Innovationsarbeit in der gesamten MigrosIndustrie verantwortlich. Oft fehlt es an Ambitionen
Noch immer sind Frauen in den Bereichen Technologie und Strategie dünn gesät. Auch bei der Elsa, die rund 600 Personen beschäftigt. In den letzten Jahren hat sich die Situation aber verbessert: Es haben zwei Frauen in der Geschäftsleitung Einsitz genommen, und die Teilzeitangebote für Frauen – auch im Kader – sind vorhanden. Trotzdem ist der Frauenanteil im Kader von Technologie-Unternehmen immer noch tief. Warum? «Es fehlt oft an den Ambitionen», sagt Paola Giavedoni. Sie selber scheitert auch immer wieder, daran etwas zu ändern: «Ich versuche junge Praktikantinnen zu motivieren, zu provozieren. Es passiert nichts, oder der Erfolg ist klein. Man ist schnell zufrieden, begnügt sich mit dem, was der normale Arbeitsalltag so zu bieten hat.» Eben erst hat eine neue nationale Studie auf das Problem hingewiesen: Viele Frauen in der Schweiz meiden den wirtschaftlichen Wettbewerb. Und je besser die Ausbildung, desto ausgepräg-
ter ist diese Tendenz. Das bestätigt auch Giavedoni: «Junge Frauen aus Italien oder Frankreich sind viel offensiver, viel fordernder. Sie wollen Erfolg haben im Berufsleben.» Auf die Frage, was denn ihre Karriere am meisten gefördert hat, kommt die Antwort blitzschnell: «Mein Mann.» Hätte er in seiner Karriere nicht immer wieder Rücksicht genommen und die eigenen Bedürfnisse zurückgestellt, wäre ihr Berufsweg wohl ganz anders verlaufen. «Aber es war ein klarer, gemeinsamer Entscheid: Meine Laufbahn bot uns beiden schlicht mehr Chancen.» Sich nicht irritieren lassen
Wenn sie laufbahnorientierten jungen Frauen einen Rat geben müsste, was wäre es? «Sie sollen etwas wagen, etwas bewegen.» Und sich durch das Umfeld nicht irritieren lassen. Welche arbeitstätige Frau kennt sie nicht, die kaum verhüllten Vorwürfe: «Gefällt es dir nicht zu Hause?», oder «Siehst du deine Kinder überhaupt noch?» Solche Fragen interessieren Paola Giavedoni wenig. Natürlich ist das innere Bedürfnis da, Zeit für die Familie zu haben. «Zu Hause ist mir jede Minute wichtig.» Aber sie ist überzeugt, dass sie das Richtige tut. MM
MIGROS-WELT | MM35, 27.8.2018 45
O-Ton
Paola Giavedoni über ... Familie und Job: «Es ist manchmal schwierig, die richtige Balance zu finden. Für meine Kinder versuche ich, immer präsent zu sein, insbesondere auch in alltäglichen Belangen. Ich kann nur entspannt arbeiten und reisen, wenn zu Hause alles glatt geht. Ich brauche die Familie als Basis, als ruhenden Gegenpol zur Arbeit.» Ausbildung und Ausgleich: «Ich will Leidenschaft entscheiden lassen und dabei Mensch bleiben. Eher zufällig habe ich eine Ausbildung in der Lebensmitteltechnologie begonnen. Daraus ist eine grosse Leidenschaft entstanden, die ich im Beruf weiterentwickeln kann. Daneben sind mir Basketball, Schwimmen und Klavier wichtig – und auch wenn die Freizeit weniger geworden ist: viele Freunde in der ganzen Welt, auf die ich mich immer verlassen kann. Das ist für mich das optimale Umfeld.»
Zur Person Name: Paola Giavedoni Alter: 54 Geboren in: Udine, Italien Familie: verheiratet, 2 Kinder (13, 17) Freizeit: Schwimmen, Schiedsrichterjobs bei Schwimmwettkämpfen, Meer, Strand und Sonne Bei der Migros seit: 2012
Werte: «Ein internationales Arbeitsumfeld hat mich den Respekt gelehrt für Diversität, für die Vielfalt des Lebens und für das Land, in dem ich mich aufhalte. Ein wichtiger Erfolgsfaktor im Job und bei Projekten ist die persönliche Motivation der Mitarbeiter. Ohne Engagement sind die Ergebnisse nur durchschnittlich.»
46 MM35, 27.8.2018 | MIGROS-WELT
Heks
Heimat im Garten Peter Merz, Direktor Heks: «Neue Gärten ist ein Programm zur Integration von Flüchtlingsfamilien: Heks pachtet Parzellen und bewirtschaftet sie gemeinsam mit den Familien. Die Arbeit im Garten stärkt die Gesundheit. Gleichzeitig bietet sich dort die Möglichkeit, Deutsch zu sprechen und freundschaftliche Kontakte zu Nachbarn zu knüpfen. Dies erlaubt Menschen, die alles zurückgelassen haben, in der Schweiz neue Wurzeln zu schlagen. Dank der Migros-Spende konnte Heks in der Deutschschweiz das Projekt vergrössern. Wir haben zusätzliche Garten parzellen gepachtet und zahlreiche weitere Teilnehmende ins P rogramm aufgenommen.»
Pro Juventute
Immer auf Draht Katja Wiesendanger, Direktorin Pro Juventute: «Jeden Tag wenden sich rund 350 Kinder und Jugendliche in Not an die Helpline Beratung + Hilfe 147 von Pro Juventute. Per Telefon, SMS, E-Mail, Chat oder Internet finden sie Hilfe rund um die Uhr, an 365 Tagen im Jahr, anonym und kostenlos. Alle unsere Beraterinnen und Berater sind Fachleute mit therapeutischer Erfahrung. Sie hören den jungen Menschen zu, nehmen ihre Sorgen und Ängste ernst und helfen ihnen, eine Lösung zu finden. Dank der Spende kann Pro Juventute die Beratung in der Westschweiz und im Tessin ausbauen. Sie hat auch einen neuen Beratungskanal in der Deutschschweiz ins Leben gerufen, in dem sich Jugendliche mit Gleichaltrigen über ihre Probleme austauschen.»
MIGROS-WELT | MM35, 27.8.2018 47
Sammelaktion
Für die im Schatten
Nach ihrer Weihnachtsaktion überwies die Migros im Januar 3,245 Millionen Franken an Caritas, Heks, Pro Juventute, Pro Senectute und Winterhilfe.
Die Chefs der Hilfswerke erklären, wie das Geld nun Bedürftigen in der Schweiz nützt. Text: Michael West
E
s geht um Menschen, die mitten in der reichen Schweiz Not leiden und oft einfach übersehen werden: um Leute in der Schuldenfalle, um gemobbte Kinder und einsame Senioren, auch um Migranten, die in ihrer neuen Heimat allein bleiben. Für sie engagierte sich die Migros mit ihrer letztjährigen Spendenaktion. Viele Kundinnen und Kunden unterstützten die Aktion durch den Kauf
von Schoggiherzen. 2,245 Millionen Franken kamen so zusammen; die Migros erhöhte die Summe um eine weitere Million und überwies den Gesamtbetrag zu gleichen Teilen an Caritas, Heks, Pro Juventute, Pro Senectute und Winterhilfe. Die Chefs der Hilfswerke geben nun Auskunft: Sie erinnern an einige der Projekte, für die das Geld bestimmt ist, und erklären die Wirkung der Spendenfranken. MM
Pro Senectute
Kostbare Kontakte Werner Schärer, Direktor Pro Senectute Schweiz: «Die Freiwilligen unseres Besuchsdienstes unterstützen ältere Menschen im Alltag. Sie gehen mit ihnen einkaufen oder spazieren – und sie verhelfen ihnen zu sozialen Kontakten. Wir organisieren jährlich über 30 000 Einsätze bei 2500 Senioren. Dank der Migros-Spende können wir fortlaufend neue Freiwillige suchen, diese ausbilden und begleiten. Pro Senectute unterstützt zudem ältere Menschen in finanziellen Notlagen, etwa bei hohen Zahnarztkosten. Seit Januar 2018 wurden im Vergleich zum Vorjahr 24 Prozent mehr Gesuche beim Einzelhilfefonds eingereicht – dank der Migros-Spendenaktion konnten wir diese zusätzlichen Anfragen behandeln.»
Caritas
Ausweg aus Teufelskreis Hugo Fasel, Direktor Caritas Schweiz: «Über 600 000 Menschen kämpfen in unserem wohlhabenden Land mit Zahlungsrückständen oder sind sogar überschuldet: Oft handelt es sich um Alleinerziehende, kinderreiche Familien oder Erwerbslose. Eine Zahnarztrechnung, eine schwere Krankheit oder der Verlust des Arbeitsplatzes kann dafür sorgen, dass sie von einem Tag auf den anderen den Boden unter den Füssen verlieren. Dank der Migros-Weihnachts aktion konnten wir mit unserer Sozialund Schuldenberatung innert eines halben Jahres zweitausend zusätzliche Telefon- und Onlineberatungen durchführen. Bei insgesamt tausend Familien haben wir in persönlichen Beratungen eine Schuldensanierung in die Wege geleitet. Oder wir haben Überbrückungshilfen geleistet, damit die Verschuldeten wieder besser über die Runden kamen.»
Winterhilfe
Unbeschwerte Stunden Monika Stampfli, Geschäftsführerin Winterhilfe Schweiz: «Armut und die damit verbundene Isolation sind in der Weihnachtszeit besonders schlimm. Die Winterhilfe will in dieser schwierigen Zeit niemanden ohne Gesellschaft lassen und organisiert seit vielen Jahren in Basel-Stadt Weihnachtsfeste für Betroffene. Mit dem Ertrag der MigrosSpendenaktion konnten wir das Projekt ausbauen. Schon in diesem Dezember bieten wir die Feiern zusätzlich in den drei Kantonen Waadt, Freiburg und Glarus an. Familien und Alleinstehende, die im Alltag viel zu kämpfen haben, erleben so einige fröhliche Stunden.»
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Trauben aller Sorten sind beim Kochen vielseitig einsetzbar. In Desserts überzeugen die Beeren mit angenehm säuerlicher Süsse, und sie toppen eine klassische Caramelcreme. Text: Andrea Pistorius, Melanie Michael Bilder: Daniel Aeschlimann Rezept: Andrea Pistorius
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Im selbst gemachten Kompott harmoniert Sanddornmark mit Trauben.
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Caramelcreme mit Traubenkompott 1
Trauben waschen, von den Stielen zupfen und halbieren. Sanddornmark mit Trauben und Vanillepaste in einer Pfanne aufkochen und ca. 2 Minuten köcheln lassen. Maisstärke mit wenig Wasser verrühren, zum Kompott rühren. Nochmals kurz aufkochen und vom Herd z iehen. Auskühlen lassen.
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Für die Creme Eigelb mit Stärke, ¹ ⁄₃ der Milch und ¹ ⁄₃ des Zuckers in einer Schüssel verrühren. Beiseitestellen. Restlichen Zucker in einer unbeschichteten Pfanne goldbraun caramelisieren. Vorsichtig erst mit Wasser, dann mit restlicher Milch ablöschen. Unter Rühren 3–4 Minuten köcheln, bis sich der Zucker aufgelöst hat.
4
Tipp: Statt Sanddornmark Hagebuttenkonfitüre verwenden.
Heisse Caramelmilch unter Rühren langsam zur Eimischung und alles zurück in die Pfanne giessen. Unter kräftigem Rühren langsam bis knapp unter den Siedepunkt er hitzen, bis die Creme bindet. Durch ein Sieb in eine Schüssel giessen. Zum Auskühlen eine Klarsichtfolie direkt auf die Creme legen, damit sich keine Haut bildet.
Rahm steif schlagen. Caramelcreme glatt rühren. Rahm portionenweise unter die Creme mischen. Creme in Gläser verteilen. Etwas Traubenkompott darauf anrichten, restliches Kompott dazuservieren.
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Zutaten für 4 Personen Kompott: 350 g rote Trauben, z. B. kernlose 100 g Sanddornmark 1 TL Vanillepaste ½ EL Maisstärke
Creme: 3 Eigelbe 3 EL Maisstärke 2,5 dl Milch 120 g Zucker 0,5 dl Wasser 2 dl Vollrahm
Kennen Sie den Unterschied zwischen Gebrannter Creme, Caramelcreme und Crème brulée? Eine kleine Dessertkunde: Für den Schweizer Klassiker, die Gebrannte Creme, werden die Zutaten in einer Pfanne ge kocht, der Zucker wird dabei dunkel caramelisiert, bis er leicht aufschäumt. Zuletzt wird der geschlagene Rahm unter gehoben. Im Unterschied dazu wird in unserem Rezept für eine Caramelcreme der Zucker nur leicht caramelisiert. Die fran zösische Crème brulée kommt ohne Milch und Maisstärke aus. Ausserdem braucht es für sie keine Pfanne, sondern sie wird in Förmchen ins Wasserbad ge stellt und im Backofen gestockt. Für die französische Variante wird der Zucker zuletzt auf der Oberfläche der ausgekühlten Creme mit einem Brenner oder unter dem Backofengrill caramelisiert. So oder so: Alle drei Varianten schmecken hervorragend! MM
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migusto.ch Trauben-Marzipan-Strudel: www.migusto.ch/strudel Pastel de nata mit Trauben: www.migusto.ch/pastel-de-nata Traubensaft-Apfel-Schokoladencake: www.migusto.ch/traubensaft-cake
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Weihnachtsschiff auf dem Rhein
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Ihr Musikprogramm ✔✔«Mamma Mia!» in Frankfurt ✔✔«Schwanensee» in Baden-Baden 1. Tag: Schweiz–Frankfurt am Main. Anreise nach Frankfurt am Main für die Einschiffung auf unser Flussschiff. 2. Tag: Frankfurt–Mainz. Auf einer Stadtrundfahrt hören wir viel Wissenswertes über Frankfurt. Am Abend erwartet uns die Alte Oper mit «Mamma Mia!», einem Musical mit den Hits von ABBA in einer deutschsprachigen Inszenierung. Danach legt die Queen ab Richtung Mainz. 3. Tag: Mainz–Speyer. Geführte Stadtbesichtigung. Am Abend geniessen wir ein festliches Essen auf unserem Schiff während wir nach Speyer fahren. 4. Tag: Speyer–Plittersdorf–Breisach. Geführter Spaziergang durch Speyer. Danach macht sich die Queen auf den Weg nach Plittersdorf. Von hier aus fahren wir nach Baden-Baden zum Festspielhaus. Dort werden wir vom Ballett «Schwanensee» verzaubert. 5. Tag: Breisach–Schweiz. Rückreise in die Schweiz zu den Einsteigeorten.
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1. Tag: Schweiz–Würzburg. Anreise nach Würzburg und Besuch auf dem traditionellen Weihnachtsmarkt. Anschliessend Einschiffung auf unser Flussschiff Excellence Melodia. 2. Tag: Würzburg. Geführte Besichtigung durch Würzburg und die fürstbischöfliche Residenz, eines der bedeutendsten Barockschlösser Europas. Am Abend erster musikalischer Höhepunkt mit der Oper «La Bohème» von Giacomo Puccini im Mainfranken Theater Würzburg. 3. Tag: Flusstag. Geruhsamer Tag an Bord unseres schwimmenden Hotels. Den Heiligabend feiern wir bei einem festlichen Weihnachtsessen auf der Excellence Melodia. 4. Tag: Nürnberg. Besichtigung der wichtigsten Sehenswürdigkeiten der geschichtsträchtigen Stadt. Später krönender Abschluss im Staatstheater Nürnberg mit dem Ballett «A Midsummernight´s Dream». 5. Tag: Kelheim–Schweiz. Ausschiffung und Rückfahrt in die Schweiz zu den Einsteigeorten.
Programm- und Fahrplanänderungen bleiben vorbehalten.
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Fruchtig und fair gehandelt Die Früchte in ausgewählten Säften der Anna’s-Best-Linie stammen aus fairem Handel, und ihr Weg ist bis zur Bauernkooperative rückverfolgbar. Die M-Check-Auszeichnung macht auf diesen Mehrwert aufmerksam.
Bilder: Véronique Hoegger
Wer den Fruchtsaft Pink Grapefruit oder Orange von Anna’s Best trinkt, geniesst ein Produkt aus fairem Handel und trägt dazu bei, dass Kleinbauern familien und Angestellte in Entwicklungs ländern ein besseres Einkommen und gute Arbeitsbedingungen erhalten. Der M-Check zeigt diesen und andere Mehrwerte auf einen Blick. Damit vereinheitlicht die Migros nach und nach die Kennzeichnung nachhaltiger Produkte und erleichtert die Orientierung beim Einkaufen.
MIGROS-WELT | MM35, 27.8.2018 67
Produkt aus fairem Handel Die Migros beschafft die Orangen direkt von der Fairtrade-Kooperative Coacipar im Süden von Brasilien. Ihre Kleinbauern erzielen ein besseres Einkommen. Dank der Fairtrade-Prämie können ihre Kinder beispielsweise ein Ausbildungsprogramm absolvieren.
Andreas Jiménez ist Geschäftsleiter von «Fairtrade Max Havelaar».
Andreas Jiménez
«Nachhaltigkeit wird für die Kosumenten noch sichtbarer»
Rückverfolgbar bis zum Bauern Jeder Herstellungs schritt lässt sich bis zum Ursprung eines Produkts zurück verfolgen. Der Migros- Industriebetrieb Bischofszell Nah rungsmittel AG (Bina) beschafft die Orangen direkt von der Bauern kooperative Coacipar, unter anderem von Hércules Edemir (Bild), dem Präsidenten der Kooperative, an der sich rund 50 Bauern beteiligen.
Die Migros fasst die Nachhaltigkeitsleistungen für ihre Pro- dukte neu im M-Check zusammen. Was halten Sie davon? Andreas Jiménez: Es ist eine positive Entwicklung, wenn Nachhaltigkeit für die Konsumenten noch sichtbarer wird. Und ich freue mich, dass die Migros weiterhin auf die Bekanntheit und Wirkung von «Fairtrade Max Havelaar» setzt. Denn durch den Kauf von Fairtrade-Produkten können die Migros-Konsumenten ganz konkret die Lebensbedingungen von Menschen in Entwicklungsländern verbessern. Welche konkreten Vorteile geniessen die Bauern durch die Fairtrade-Zertifizierung? Fairtrade ermöglicht Klein bauernfamilien und Angestellten ein besseres Einkommen, gute Arbeitsbedingungen und mehr Sicherheit. Mit der FairtradePrämie können diese Menschen Projekte realisieren, die der Gemeinschaft zugutekommen, etwa den Bau von Schulen. Woher stammen zum Beispiel die Früchte für den Orangensaft von Anna’s Best? Von der Orangen-Kooperative Coacipar in Brasilien. Dank der Zusammenarbeit mit der Fairtrade-Organisation und der Migros müssen ihre Mitglieder dort zum Beispiel die ärztliche Betreuung für sich und ihre Kinder nicht mehr aus eigener Tasche bezahlen. MM
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Tag 1 Schweiz > München > Passau Busanreise nach München. Der beliebte Weihnachtsmarkt mit alpenländischem Flair war in seiner Tradition und ist immer noch ein sogenannter «Warenmarkt». Trotz der Grösse des traditionsreichen Weihnachtsmarktes auf rund 20000 m² im Herzen der Stadt sind viele gemütliche Ecken zu entdecken. Der Duft von Zimt und Nelken liegt in der Luft und macht Appetit auf ein Stück Lebkuchen. Transfer zu Ihrem Schiff nach Passau. Um 18 Uhr legt die Excellence Melodia ab. Tag 2 Tulln > Wien Geniessen Sie vormittags eine erholsame Flussfahrt. Die Landschaften entlang der Donau sind von ausserordentlicher Schönheit. Wandeln Sie auf den Spuren der Habsburger-Monarchie von einst mit den prächtigen Barockschlössern Schönbrunn und Belvedere. Wien präsentiert sich im Advent mit vielen stimmungsvollen Weihnachtsmärkten von seiner romantischen Seite. Jetzt bestellen: Katalog «Winter auf dem Fluss 2018»! WINTER AUF 8 DEM FLUSS 201 dt-Shopping Glühwein, Lichte
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Mit SilvesterMusikreise auf der Rhône
Tag 3 Wien Schlendern Sie begleitet vom Duft der Weihnachtsbäckerei und heissem Punsch durch die traditionellen Wiener Adventsmärkte. Der Rathausplatz wird zu einem leuchtenden Märchenland. Die rund 150 Verkaufsstände bieten Weihnachtsgeschenke, Christbaumschmuck, Süssigkeiten und wärmende Getränke an. Ein riesiger Adventskranz mit 12 m Durchmesser dominiert den Platz, die Bäume des umgebenden Rathausparks sind festlich dekoriert. Ihr Hotelschiff verlässt um 11 Uhr Wien und fährt bis Tulln. Die Weihnachtsmarkt-Besucher werden am Nachmittag nach Tulln zum Schiff gebracht. Tag 4 Linz > Salzburg > Schweiz Am Morgen erreichen Sie Linz. Bustransfer in die Mozartstadt Salzburg. Zu Füssen der Festung Hohensalzburg und rund um den altehrwürdigen Dom scharen sich die traditionellen Hütten mit ihrem vielfältigen Warenangebot. Nach dem Mittag Busrückreise zu Ihrem Abreiseort.
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Donau & Advent
MIGROS-WELT | MM35, 27.8.2018 69
Kult Ice Tea
Kultige Durstlöscher Der Migros-Eistee mit Zitronengeschmack weckt Erinnerungen: Seit über 30 Jahren sorgt er nicht nur auf der Schulreise für eine süsse Erfrischung. Wie früher wird der Tee noch heute frisch aufgebrüht – das verleiht ihm seinen authentischen Geschmack. Im Lauf der Jahre wurden weitere Sorten rund um den Klassiker entwickelt. So gibt es heute den Kult Ice Tea Zitrone auch ungezuckert oder mit Kohlensäure aus der Dose. Als zusätzliche Geschmacksrichtung steht seit Neustem Hagebutten & Hibiskus zur Wahl.
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Die Pyjamas und Nachthemden von Ellen Amber sind so kuschelig und angenehm zu tragen, dass es schwerfällt, sie wieder auszuziehen. Sie bestehen zu 100 Prozent aus Bio-Cotton und sind «eco»-zertifiziert. Beide Labels garantieren eine umweltschonende und sozialverträgliche Baumwollproduktion, vom Anbau bis zur Verarbeitung.
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Ihre Region
Neues aus der Genossenschaft Migros Ostschweiz Martin Flüeler überprüft im Käsekeller der Molkerei Davos die Qualität der gelagerten Laibe.
Aus der Region. Für die Region.
Laib mit Seele
Die Milch, aus der Davoser Bergkäse hergestellt wird, kommt von Bauernhöfen, die über 1450 Meter liegen. Käsermeister Martin Flüeler setzt seine reiche Erfahrung und die ganze Leidenschaft ein, um aus dem Naturprodukt das Beste zu machen. Text: Roberto Zimmermann Bilder: Gerber/Loesch, Veronika Studer
MIGROS-WELT | MM35, 27.8.2018 73
M
artin Flüeler taucht seine Hand in das «Chessi», wo die warme Kuhmilch zu flocken beginnt. «Das müssen Sie einmal gespürt haben!», ruft Flüeler über den Lärm der Maschinen hinweg und fordert den Beobachter auf, es ihm gleichzutun. Seine mit Alkohol sterilisierte Hand fördert weiche, gallertartige Wölkchen aus Eiweiss zutage – der erste Schritt zum Davoser Bergkäse, den Flüeler in der Molkerei Davos für die Migros herstellt. «Die Konsistenz ist nicht zu vergleichen mit der im anderen «Chessi», wo wir gerade Schafskäse herstellen», erklärt der 45-Jährige und ergänzt: «Ziegenmilch ergibt die weichs
ten, Schafsmilch die härtesten Käsekörner. Kuhmilch steht dazwischen.» Flüeler betont, wie wichtig es ist, dass ein Käser wortwörtlich feinfühlig ist, damit er erkennt, wann er in den Herstellungs prozess eingreifen muss. Seine geschärften Sinne machen den guten Käser aus, von der ersten «Sinnenprobe» beim Riechen der angelieferten Milch bis zur Qualitätskontrolle am Laib im Käsekeller. Zwar helfe ein Computer «mit einer gewissen Führung, aber wir arbeiten mit einem Naturprodukt, das sich je nach Futter, Klima und Jahreszeit verändert. Da ist Fingerspitzengefühl gefragt». Martin Flüeler, der wie schon seine Eltern Migros-Besitzer ist, leitet die Geschäfte der Molkerei Davos und ist zudem deren Mitinhaber. Seit über 15 Jahren liefert der Betrieb Bergkäse an die Migros-Filialen in Davos, seit acht Jahren unter dem Label «Aus der Region. Für die Region.» in die gesamte Migros-Region Ostschweiz. Die Milch dafür stammt von über 30 Höfen, die auf mindestens 1450 Metern Höhe liegen.
Tipps des Produzenten
Den Käse vor Luft schützen Dafür, dass der Davoser Bergkäse so herzhaft schmeckt, sorgt unter anderem die handwerkliche Produktion durch Käser Martin Flüeler und sein Team. Kein Wunder, isst er ihn am liebsten «ohne etwas» oder mit einem guten Stück Brot. Tipp 1 Original verpackter Käse ist mehrere Wochen lang im Kühlschrank haltbar. Einmal geöffnet, empfiehlt Martin Flüeler, die Stücke möglichst luftdicht mit durchsichtiger Haushaltfolie oder speziellem Käsepapier zu umwickeln. Sauerstoff lässt die Fette im Käse oxidieren.
Im Keller werkt Fredy 2
Martin Flüelers Mitarbeiterin Irina Perreten behandelt im Keller einen Laib mit Salzlake.
Die Käselaibe werden im Metallkessel gewendet und erhalten so ihre Form.
Unten im Käsekeller ist derweil Fredy 2 an der Arbeit. Er holt die perfekt geformten Käselaibe aus den Regalen, reibt sie sorgfältig auf allen Seiten mit Salzlake ein und stellt sie zurück ins Gestell. Fredy 2 tut das Tag für Tag und mit stoischer Ruhe. Fredy 2 ist ein Roboter. Er folgte vor einigen Jahren auf Fredy 1, der diese monotone Arbeit bis zur Pensionierung erledigt hatte. Martin Flüeler sticht mit einem Bohrer immer wieder einen Laib an, um Kon sistenz und Aroma zu testen. Der Davoser Bergkäse lagert hier drei bis sechs Monate lang und erlangt so allmählich seine milde Würze. Die Laibe sind makellos und verbreiten einen strengen Duft. «Der Kunde erwartet optimale Konsistenz», sagt Flüeler und verspricht: «Wenn der Käse in die Filialen kommt, ist er immer konsumbereit.» Und schmeckt dann so, dass der Käsermeister stolz auf ihn sein kann. Auch das ist garantiert. MM
Tipp 2 Käse sollte nicht tiefgefroren werden – ausser g eraffelter Fondue- oder Reibkäse. Nach 2–3 Monaten sollte er verzehrt werden.
Davoser Bergkäse per 100 g Fr. 2.65 In ausgewählten Filialen in Graubünden erhältlich.
Die Migros gehört den Leuten. Deshalb fördert sie die regionale Landwirtschaft wie kein anderer und verkauft in der Migros Ostschweiz rund 1500 regionale Produkte von mehr als 4000 regionalen Produzenten.
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Wissen aus der Region
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12 606 Flaschen vom beliebten Saft vom Fass ohne Alkohol können dank der Bestäubungsarbeit einer einzigen Wildbiene produziert werden. Die Natur ist die verlässlichste Partnerin der Mosterei Möhl in Arbon.
Eröffnung
Ein Restaurant für Ilanz Premiere für Ilanz: Gemeinsam mit dem neuen Supermarkt öffnet am 30. August im Einkaufszentrum Marcau erstmals ein Migros-Restaurant seine Türen für die Kundschaft. Text und Bilder: Silke Seichter
D
ie Inneneinrichtung im neuen Migros-Restaurant Ilanz greift mit den Bergen verknüpfte Gestaltungselemente auf und fügt sich so gut in die Region ein. Die Gäste kommen aber natürlich vor allem kulinarisch auf ihre Kosten. «Unser frisches und saisonales Sortiment liefert für jeden Geschmack etwas», sagt Restaurant-Leiter Silvan Maissen. Der Tag beginnt mit einer vielfältigen Zmorgeauswahl, über Mittag stehen täglich drei Menüs, Grillspezialitäten und ein grosses Salatbuffet im Angebot. Im Supermarkt, der von Bruno Manetsch geleitet wird, dürfen sich die Kunden dank
Im Supermarkt sind alle Bereiche auf Rätoromanisch beschriftet, wie hier die Süssgetränke.
der vergrösserten Fläche auf mehr Vielfalt freuen. Die Fleisch- und Käsetheken werden durch eine bediente Fischtheke ergänzt. Neue Dienstleistungen runden das Angebot ab. Dazu gehören die Kleiderreinigung, eine grosse Melectronics-Abteilung mit kompetenten Fachberatern, ein Bestellterminal für zusätzliche Fachmarktsortimente sowie das bargeldlose Bezahlsystem Subito. Didier Cuche an der Eröffnung
Auswärtige Kunden kommen im Supermarkt zu einer Schulung in Rätoromanisch: Die Kennzeichnung der Bereiche in der vierten Landessprache erfolgte mithilfe der Lia
Rumantscha, Bilder unterstützen bei der Orientierung auch solche, die die Sprache nicht beherrschen. Von Donnerstag, 30. August, bis Samstag, 1. September, dürfen sich Kunden auf Eröffnungsaktivitäten im ganzen Center freuen. Morgens von 8 bis 10 Uhr erhalten alle einen Gratiskaffee mit Gipfeli. Für nur Fr. 2.50 gibt es ab 10.30 Uhr eine Bratwurst vom Grill mit Bürli und Aproz- Mineralwasser. Bei Menzli Sport steht am Freitag um 18 Uhr eine Überraschung auf dem Programm: Der ehemalige Skirenn fahrer Didier Cuche fordert seine Fans beim Velo-Sprint. MM
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Berufsbildung
Das Glück mit Verspätung gefunden Ungelernte Hilfskräfte haben es auf dem Arbeitsmarkt immer schwerer. Deshalb ermöglicht das Bundesgesetz seit 2003 auch für Erwachsene ohne Lehre einen Berufsbildungsabschluss. Ilir Gerxhaliu hat die Chance genutzt und arbeitet heute als Teamleiter in der Logistik der Migros Ostschweiz. Text und Bilder: Natalie Brägger
K
istchen mit Joghurt, Milch und Käse flitzen über die Rollbänder: Sie werden von einer riesigen Kommissionierungsanlage automatisch sortiert und für den Transport in die über 100 Migros-Filialen in der ganzen Ostschweiz bereitgestellt. Was früher noch mühsam von Hand gemacht wurde, erledigt heute dieser riesige Roboter, auch Geko – gekühlte Kommissionierung – genannt. Dafür verantwortlich, dass die Geko läuft, ist Ilir Gerxhaliu mit seinem 14-köpfigen Team. Der Anlagenführer und Teamleiter kennt jedes Detail der Geko und ist in Störungsfällen verantwortlich dafür, den Betrieb am Laufen zu halten – mit möglichst raschen Anweisungen an die Mechaniker oder im Notfall mit der Umstellung auf die Kommissionierung von Hand. Wenn Ilir Gerxhaliu über die vielen kleinen Teile der Anlage, seine Planung und seinen Umgang mit den Mitarbeitenden spricht, merkt man: Hier ist einer mit Engagement und Fach wissen am Werk. Das war nicht immer so in seinem Leben. Als Ilir Gerxhaliu elf Jahre alt war, musste seine Familie aus dem Kosovo in die Schweiz flüchten. Ohne Deutschkenntnisse kamen Gerxhalius in Herisau an. Keine einfache Zeit, wie sich Ilir erinnert: «Wir wurden aus unserem Nest gerissen.» Der Start in der
fünften Klasse sei anspruchsvoll gewesen, die Integration habe Zeit benötigt. Geholfen habe ihm dabei das Fussballspielen. «Im Fussballclub habe ich Kollegen gefunden und musste Deutsch sprechen», erzählt der 32-Jährige. Nach der Primar- folgte die Realschule, anschliessend begann Ilir Gerxhaliu aber nicht wie die meisten seiner Klassen kameraden eine Berufslehre. «Für mich zählte damals nur Fussball», sagt er und gibt zu, dass er naiv und zu überzeugt von sich selbst gewesen sei. Mit Gelegenheits- und Ferienjobs verdiente er sich ein bisschen Geld, mit 19 Jahren begann er schliesslich die Rekrutenschule als Füsilier. «Die Militärzeit hat mich reifer werden lassen. Ich habe gelernt, die Freizeit noch besser zu nutzen und zu schätzen», sagt er heute. Sein Wunsch nach der Rekrutenschule: endlich irgendwo eine fixe Stelle antreten. Fussbruch mit positiven Nebenwirkungen
Ein Kollege empfahl Ilir Gerxhaliu schliesslich bei der Migros als Kommissionierer. Der Termin fürs Vorstellungsgespräch an einem Montagmorgen war fix, doch ausgerechnet am Tag davor erlitt Ilir Gerxhaliu bei einem Fussballturnier einen Fussbruch. Familie Gerxhaliu wählte die unkomplizierteste Lösung für dieses Problem: Statt Ilir ging einfach Zwillingsbruder Liridon nach Gos-
sau und stellte sich vor. Mit Erfolg: Er bekam den Job und arbeitet noch heute bei der Migros. Ilir war zwei Monate später ebenfalls erfolgreich und begann seine Karriere als Kommissionierer. Seine Aufgabe: Gemüse für die verschiedenen Filialen sortieren und bereitstellen. 20 Kilogramm schwere Kisten zu schleppen, war für den jungen Schweizer normal. «Klar, ich war auf der untersten Stufe. Aber es war mein erster richtiger Job, ich habe es gern gemacht», erzählt Ilir Gerxhaliu. Das merkten auch seine Vorgesetzten. Allmählich stieg er zum Assistenten des Anlagenführers in der gekühlten Kommissionierung auf. Gerxhaliu
MIGROS-WELT | MM35, 27.8.2018 77
Die Zeit des Kistenschleppens ist vorbei: Als Team leiter verbringt Ilir Gerxhaliu heute viel Zeit im Büro mit Planungsarbeiten.
Rechts: Ilir Gerxhaliu ist mit seinem Team dafür verantwortlich, dass alle gekühlten Milchprodukte rechtzeitig kommissioniert sind und für den Transport in die Filialen bereitstehen.
Die Ausbildung geht weiter
So besuchte er – gemeinsam mit seinem Bruder Liridon – zwei Jahre lang die Berufs schule in Chur und schloss schliesslich 2012 die Ausbildung zum Anlagenführer EFZ erfolgreich ab. «Ich bin der Migros dankbar, dass sie mir dies ermöglicht hat, und ver
Bundesrat zu Besuch Hoher Besuch in Gossau: Vor gut einer Woche war Bundesrat Johann Schneider- Ammann zu Gast in der Migros-Betriebszentrale. Er hat sich persönlich darüber informiert, wie der Artikel 32 der Berufsbildungsverordnung angewendet wird und welchen Menschen er zugutekommt. In der Migros Ostschweiz haben seit 2003 mehr als 60 Mitarbeitende die Ausbildung nach Artikel 32 absolviert.
Links: Ilir Gerxhaliu durfte Bundesrat Johann Schneider- Ammann von seinem Lebensweg erzählen.
wollte mehr, merkte aber schnell, dass er da für zuerst einen Lehrabschluss brauchte. Dank Artikel 32 in der Berufsbildungsverord nung ist ein solcher mit mindestens fünf Jahren Berufserfahrung und dem Abschluss des üblichen Qualifikationsverfahrens auch ohne Lehre möglich.
Praxisbeispiel
suche täglich, mit guter Arbeit etwas zurück zugeben», betont er. Es folgte die Handels schule, Ende 2015 übernahm der zweifache Vater zusätzlich zur Aufgabe als Anlagen führer auch die des Teamleiters. Im vergan genen Jahr hat er die berufsbegleitende Aus bildung zum Prozessfachmann begonnen, denn seine Neugierde ist noch nicht gestillt. Dass er über ein paar Umwege zu seiner heutigen Position gekommen ist, bereut Gerxhaliu nicht: «Dadurch, dass ich aus dem operativen Bereich aufgestiegen bin, kann ich mich gut in meine Mitarbeitenden ein fühlen, verstehe ihre Probleme und schätze auch, was sie körperlich leisten.» MM
Rund die Hälfte aller Absolventen arbeitet mittlerweile in Fachoder Führungsfunktionen. Dank dem Passus in der Berufsbildungsverordnung können Personen, die keine Lehre, aber mindestens fünf Jahre Berufserfahrung haben, mit dem gängigen Qualifikationsverfahren den Lehr abschluss erlangen: Sie besuchen zur Vorbereitung die Berufsschule oder erwerben die theoretischen Kenntnisse im Selbststudium. Mit dieser Massnahme möchte der Bund dem Fachkräftemangel und dem Arbeitslosigkeits risiko von schlecht qualifizierten Arbeitnehmenden entgegenwirken.
78 MM35, 27.8.2018 | MIGROS-WELT Gibt gern Ratschläge: Ursula Müller (links) im Gespräch mit Kursteilnehmerinnen
Kurse mit Aussicht
Geniessen und lernen
Klubschule
Ein Hauch von Haute Couture
Das Endprodukt: eine Clutch aus St. Galler Spitzen
In zwei Tagen Wissenswertes über die Textilstadt St. Gallen erfahren und zusätzlich St. Galler Spitzen an der Nähmaschine und in der Backstube kreativ in Szene setzen – dieses Komplettangebot bietet der Kurs «Alles Spitze» der Klubschule Migros. Text: Natalie Brägger Bilder: Stefan Rötheli
M
ichelle Obama trägt sie, Amal Clooney und Pippa Middleton auch: St. Galler Spitzen. Die Stadt St. Gallen ist weltweit als Textilstadt bekannt und so sind die edlen Stoffe aus der Ostschweiz auch immer wieder an grossen Modenschauen in Paris, Mailand oder New York zu sehen. Der Kurs «Alles Spitze» – angeboten von der Klubschule Migros in Zusammenarbeit mit Schweiz Tourismus und St. Gallen-Bodensee Tourismus – lässt die Teilnehmenden St. Galler Spitzen auf vielfältige Weise er leben. Der zweitägige Aufenthalt in der Gallusstadt beginnt mit einer Führung im Textilmuseum.
Anschliessend zeigen die Spitzenpatisseure des Hotels Einstein, wie man eine filigrane Dessertkreation zum Thema Mode herstellen kann. Elegante Tasche selber nähen
Am zweiten Kurstag steht die Nähmaschine als Arbeitsgerät im Zen trum. Ursula Müller, gelernte Schneiderin und Designerin, stellt mit den Teilnehmenden eine elegante, kleine Handtasche aus St. Galler Spitzen her. Zur Auswahl stehen drei verschiedene Modelle, die man entweder in Schwarz, Weiss oder zweifarbig umsetzen kann. Die St. Gallerin hat schon als Kind unglaublich gern mit Stoffen experimentiert. «Als
ich damals die ersten Barbies hatte, habe ich Kleider für sie genäht», erinnert sie sich mit einem Schmunzeln. Die Freude, ausser gewöhnliche Kleidungsstücke zu gestalten, edle Stoffe auszuwählen und zu verarbeiten, das ist es, was Ursula Müller immer wieder ins Nähatelier treibt. Wer befürchtet, dass das Nähen der Clutch aus St. Galler Spitzenschwierig ist, liegt falsch: «Man sollte einmal an einer Nähmaschine gesessen haben. Sonst braucht man aber keine speziellen Vorkenntnisse», betont Ursula Müller. Plötzlich ist die Haute Couture nicht mehr so weit weg, wie man denkt. MM Kursdaten: 8./9. September, 3./4. Oktober
Unter dem Titel «Freizeitkurse mit Aussicht» bietet die Klubschule Migros in Zusammenarbeit mit Schweiz Tourismus, Graubünden Ferien und St. Gallen-Bodensee Tourismus verschiedene Kurse mit Hotelübernachtungen an. Sie geht damit auf das Bedürfnis ein, dass sich immer mehr Menschen auch in den Ferien weiterbilden möchten. Folgende Kurse sind vom 8. September bis 4. November im Programm:
• Achtsamkeit in der Kartause Ittingen • Alles Spitze in der Textilstadt St. Gallen • Aquarellieren im Schlosspark Waldegg in Rorschacherberg • Engadiner Bergkönige fotografieren mit Aufenthalt in Pontresina • Herbstfloristik im Hotel Heiden • Lebensbuch – meine Geschichte in Worten auf der Schatzalp, Davos • Yoga und Ayurveda im The Alpina Hotel, Tschiertschen Daten und Anmeldung: www.klubschule.ch/aussicht
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13.08.18 11:24
Leben MM35
Umfrage
Wie viel Nachwuchs wünschen Sie sich? Zwei Kinder
48%
Drei Kinder 1, 2 oder 3?
Monica Müller (44) hat zwei B uben, einen Mann, einen Job, einen Haushalt. Mal wäre sie gern mehr Leitwölfin, mal mehr Gandhi.
Wir schleudern flache Steine über den Luganersee, als ein Motorboot mit zwei jungen Frauen genau vor uns anhält. Die beiden lassen das Boot auf den Wellen schaukeln, posieren in ihren Bikinis und fotografieren sich gegenseitig mit dem Handy: vor dem Motor, am Bug, am Heck. Der Grosse (7) und der Kleine (2) lassen die Steine aus den Händen fallen und schauen fasziniert zu. Ein junger Mann rudert vorbei und ruft: «Sexy!» Der Kleine, gross im Imitieren, macht es ihm nach: «Sexy!» schreit auch er. Wir lachen laut, und so schreit er noch lauter: «SEXY!» Als die jungen Frauen davonbrausen, fragt der Grosse: «Was heisst eigentlich sexy?» «Wenn dir jemand gefällt und du ihn voll hübsch findest», erkläre ich. «Wart ihr früher auch mal sexy?», fragt der Grosse. Und jetzt?
29%
Vier oder mehr Kinder
12%
Ein Kind
11% 1 «Wir sind immer noch sexy!», erwidere ich beleidigt. 2 «Wir waren mindestens so sexy wie die zwei», sage ich und zeige ihm zu Hause alte
Fotos von uns in Bikini und Badehosen. 3 «Leider nein», sage ich und kläre ihn über die inneren Werte auf.
2448 Abstimmende
Eine Umfrage von
Antwort 2: Es verwirrt den Grossen, dass die alten Fotos von uns noch nicht auf dem Handy abgespeichert sind. Interessiert schaut er sie sich an und findet, er erkenne uns. Ich frage nicht nach, wie sexy wir auf den Bildern wirken.
Illustration: Lisa Rock, Bild: René Ruis
Sexy!
82 MM35, 27.8.2018 | LEBEN
Reisen
Mit Hanf und Hut durch Colorados Wildnis
Unberührte Natur, Wildwasserfahrten, Bisons, Ufo-Fans und legales Cannabis: Im US-Bundesstaat Colorado findet man mehr als andernorts. Mittendrin liegt die boomende Stadt Denver, die seit Kurzem von Edelweiss direkt angeflogen wird. Text: Ralf Kaminski Bilder: Jorma Müller
LEBEN | MM35, 27.8.2018  83
2000 Bisons leben im Naturreservat der Zapata Ranch. So nah kommt man ihnen nur auf dem PferderĂźcken.
Restaurants, Hotels und weitere Tipps
84 MM35, 27.8.2018 | LEBEN
www.migmag.ch/ colorado
H
ätten wir doch nur diesem verdammten Ranger nicht vertraut! «Vielleicht ab und zu ein paar Schneefelder», hatte er uns gesagt. Aber verirren könne man sich auf dem Ute Trail keinesfalls. Immerhin riet er zu Wanderschuhen, wofür ich sehr dankbar bin, nachdem ich nun schon zum fünften Mal bis übers Knie im Schnee eingesunken bin. Ächzend ziehe ich mein Bein wieder heraus und sehe, wie der Fotograf, lediglich in Turnschuhen und Shorts, vor mir erneut einsinkt. Das grössere Problem: Vor lauter Schneefeldern haben wir drei Wanderer aus der Schweiz keine Ahnung mehr, wo der offizielle Pfad durchführt. Und so schön die karge Gebirgsland schaft des Rocky Mountain National Park auf 3500 Meter über Meer ist, so sehr verliert sie ihren Reiz, wenn man fürchtet, sich verirrt zu haben. Ich plädiere dafür zurück zugehen, der Fotograf argumen tiert fürs Weitergehen – und entdeckt dann etwas, das vage nach einem Pfad aussieht. Wir gehen also tapfer voran. Kurz darauf hören wir Stimmen und sind erleichtert. Allerdings nur kurz: Am Rande eines weiteren Schneefelds sitzen ein älterer Mann und zwei ziemlich über gewichtige Frauen. Die Amerikaner berichten, dass ihre zwei Freunde vor 90 Minuten losgezogen seien, um Hilfe zu holen, sie könnten nicht mehr weiter. Wir ver sichern ihnen, dass wir unten Bescheid geben, wo sie sind – und hoffen sehr, nicht selbst in eine solche Situation zu geraten.
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1 Alt und neu: Das Stadtzentrum von Denver ist das Tor zur prächtige Natur Colorados. 2 Konzerte mit Kulisse: das Red Rock Amphitheatre in der Nähe von Denver. 3 Cannabis ist ein grosses Geschäft in Colorado. 4 Goldie Solodar weiss alles über die Pflanze, ihren Anbau, die Produkte und den Rausch. 5 Rodeo bei Buena Vista.
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Am Ende klettern wir entlang ei nes kleinen Rinnsals auf Händen und Füssen hinunter zu einem See und kommen dort entlang endlich zu unserem Ziel, nach insgesamt drei Stunden. Kurz zuvor begegnen uns zwei Ran ger, die gerade aufbrechen, um dem festsitzenden Trio Hilfe zu leisten; was aus ihnen geworden ist, erfahren wir nicht. Die Gebirgslandschaften von Colorado mögen ein wenig so aussehen wie die in der Schweiz, aber nicht nur stromern dort Berglöwen, Bären und Elche durch die Gegend, sie sind auch viel grösser, wilder und weniger erschlossen. Man kann stundenlang unterwegs sein, ohne anderen Menschen oder irgendwelchen Zeichen der Zivilisation zu begegnen. Colorados fantastisch viel fältige Natur mit 300 Sonnenta gen pro Jahr ist schon seit Jahr zehnten Anziehungspunkt für Sportler und Erholungsuchende
aller Art. Doch der Bundesstaat lockt auch ein eher ungewöhnli ches Grüppchen von Menschen an: Jeweils Ende Juli versam meln sich Ufo-Gläubige aus aller Welt zu einer Konferenz beim «UFO Watchtower» in Hooper, ein paar kleinen Gebäuden mitten im Niemandsland, das anscheinend für Ausserirdische besonders anziehend ist. Ufos und Kraftlinien Pro Jahr kämen 20 000 bis 30 000 Besucher beim Watch
tower vorbei, erklärt Candace Knowlan, die das Gelände derzeit stellvertretend für die verunfallte Besitzerin betreut. «Viele davon haben schon Ufos gesehen und sind froh, hier mit Leuten sprechen zu können, die sie nicht auslachen.» Knowlan selbst hat über die Jahre in der Gegend schon mehrfach selbst unerklärliche Flugobjekte beobachtet, sogar tagsüber. Aber warum gerade
in Hooper? «Weil hier Kraft linien zusammenlaufen und ein Portal zu anderen Parallel universen bilden», erklärt die 70-Jährige und berichtet, dass es auch schon zu Spontan heilungen gekommen sei. Das Tor zu dieser wunder samen Wildnis ist die Metropole Denver, die von Edelweiss seit Anfang Juni zweimal pro Woche direkt angeflogen wird. Dort lebt auch die Schweizerin Kathrin Troxler (38), die mit ihrem amerikanischen Lebenspartner Brian Erdner (39) seit vier Jahren den kleinen Reisean bieter Aspire Tours führt. «Vor fünf, sechs Jahren war Denver eine Stadt, in der man per Flugzeug ankam und sofort weiterreiste», erklärt Troxler. Doch das ist vorbei. Durch ein millionenschweres Investitions programm wurde die verödete Innenstadt rund um die Union Station total erneuert. Restau rants aller Art, hippe Cafés, Bier
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Tipps
Fast wie in der Sahara: die Dünen des Grand Sand Dunes National Park im Süden des Bundesstaats.
Colorado Beste Reisezeit Das ganze Jahr, je nach Vorliebe. Colorado bietet 300 Sonnentage im Jahr. Die Winter sind kalt und schneereich, die Sommer heiss. Anreise Edelweiss fliegt seit Kurzem zweimal pro Woche direkt von Zürich nach Denver, Retourtickets gibts ab 740 Franken. www.flyedelweiss.com Aktivitäten
brauereien und viele Geschäfte laden ein zum Shoppen und zu kulinarischen Höhenflügen jenseits von simplen Burgern und Steaks. Diverse Museen bieten Kultur- und Kunstinte ressierten eine erstaunliche Vielfalt, von moderner Kunst über Saurier bis hin zum Leben der Ureinwohner. Und wer die Gelegenheit hat, sollte sich unbedingt ein LiveKonzert im nahegelegenen Red Rock Amphitheatre ansehen, eine in gewaltige rote Fels formationen eingebettete Out-
Candace Knowlan betreut den «UFO Watchtower» und hat selbst schon Flugobjekte gesehen.
door-Arena, wo auch schon die Beatles oder U2 aufgetreten sind – mit Blick auf die Skyline von Denver in der Ferne. Trump ist schlecht fürs Geschäft
Troxler kam 2002 mit 22 Jahren nach Colorado und verliebte sich erst in die fantastische Natur und dann in einen Amerikaner, von dem sie sich schon längst wieder getrennt hat. Nach einigen Ausbildungen fing sie an, Touristen auf private Spezialtouren zu begleiten. 2014 machte sie sich selbständig. Ihr Lebenspartner, ein sportlicher Mathematiklehrer, den die Natur von New York nach Colorado gelockt hatte, stieg kurz darauf ebenfalls ein. Und die Geschäfte laufen gut: «Wir sind ständig gewachsen», erzählt Troxler, die Pauschal touren im Angebot hat, aber auch komplexe Privattouren nach Wunsch zusammenstellt. Doch nicht bei allen Anbietern
ist die Lage so rosig. Während Aspire Tours zu 80 Prozent amerikanische Gäste hat, spüren andere, die stärker auf Europäer ausgerichtet sind, einen negativen Trump-Effekt. «Denen sind die Geschäfte im vergangenen Jahr um bis zu 70 Prozent ein gebrochen», sagt Troxler. Vor ein paar Jahren noch lebte das Paar quasi von der Hand in den Mund. «Aber das ist das Tolle an den USA: Mit Ideen und Mut kann man hier wirklich etwas auf die Beine stellen.» Heute läuft es so gut, dass sie sich vor Kurzem ein riesiges Stück Land am Arkansas River, etwa zweieinhalb Stunden südwestlich von Denver, gekauft haben, mitten im Naturparadies zwischen Buena Vista und Salida, am Rande von lauter 4000er-Bergen. Dort wollen sie später nicht nur selbst wohnen, sondern auch einen nachhaltig geführten und ökologischen Tourismus
Riverrafting Der Arkansas River bietet Spass und Spannung für Anfänger und Profis: https://whitewater.net/ rafting-buena-vista- colorado/ Cannabis-Touren Seit 2014 ist Cannabis in Colorado legal. Wer eine kompetente Einführung möchte, wendet sich am besten an City Sessions: citysessionsdenver.com Konzerte Das Red Rock Amphi theatre etwas ausserhalb von Denver ist eine fantastische Kulisse für Konzerte. Aliens In der Nähe des Grand Sand Dunes National Park werden offenbar regelmässig Ufos gesichtet. Wer mehr er fahren will oder selbst Ausschau danach halten möchte, ist beim UFO Watchtower richtig.http://ufowatchtower.com Horseriding/Bisons Die Zapata Ranch bietet in ihrem Naturreservat viele Möglichkeiten, sich wie ein Cowboy oder -girl zu fühlen. Man kann auf dem Pferde rücken nicht nur Bisonherden besichtigen, sondern auch Kühe zusammentreiben. www.zranch.org
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aufbauen. Und das alles, obwohl sie seit einem Jahr Eltern sind. «Fritz hat unser Leben ver ändert, uns mehr geerdet. Aber ohne eine Nanny würde es nicht gehen», erklärt Kathrin Troxler, die mit dem Kleinen konsequent Schweizerdeutsch spricht. Trotz aller Liebe für ihre neue Heimat könnte sie sich nämlich durch aus vorstellen, in die Schweiz zu rückzukehren. «Es ist unser Plan B, falls die Geschäfte hier doch mal schiefgehen.» Ein Auslöser des Tourismus- Booms in Denver war ihrer An sicht nach die Legalisierung von Cannabis 2014, das in Colorado für medizinische Zwecke auf Rezept schon seit 2009 verfüg bar war. Es entstand eine viel fältige und detailliert regulierte neue Industrie, die dem Staat 2017 Steuereinnahmen von 183 Millionen Dollar bescherte, die wiederum in Schulen und die öffentliche Infrastruktur investiert wurden. Droge als effektives Heilmittel
«Cannabis ist ein Milliarden geschäft in Colorado», erklärt Goldie Solodar (31). Sie hat sich mit ihrer Firma City Sessions auf Cannabis-Touren speziali siert und kann im Detail er klären, wie man es mit welchem Effekt am besten zu sich nimmt. Läden und Produkte gibt es in Denver in Hülle und Fülle, man kann Cannabis rauchen, inhalieren, salben, in Schokoladenform essen... Allerdings muss man über 21 sein, einen Pass mitbringen und wird im Laden registriert; auch darf man die Produkte nur in Colorado selbst konsumieren und nicht
ausführen. Von der medizinischen Wirksamkeit eines Cannabis-Gels konnte sich der Autor selbst überzeugen: Das nach dem steilen Wanderabstieg schmerzende linke Knie erholte sich mit dem Gel de facto über Nacht – sonst dauert dies immer mehrere Tage. «Die medizinischen Anwendungsmöglichkeiten sind endlos und noch nicht mal im Ansatz erforscht», erklärt Solodar. «Das liegt daran, dass Cannabis fast überall noch im mer illegal ist und die mächtige Pharmaindustrie alles daran setzt, dass es so bleibt.» Deren teure Medikamente wären näm lich dank der vielfältigen Wirk stoffe der Cannabis-Pflanze we niger gefragt. Mit Cannabis-Schokolade ist auch das Naturerlebnis noch eindrücklicher, etwa die majes tätischen Dünen des Grand Sand Dunes National Park bei Son nenuntergang. Umgeben von hohen Bergen kann man etwa 370 Kilometer südlich von Denver stundenlang durch die Dünenlandschaft wandern und Teenagern zusehen, wie sie mit Snowboards die steilen Sand hänge hinunterkurven. Die nahe gelegene und weit gehend von Frauen geführte Zapata Ranch bietet in ihrem Naturreservat nicht nur Über nachtungsmöglichkeiten, son dern auch diverse Aktivitäten auf dem Pferderücken, etwa eine Tour zu einer lokalen Bison herde. Rudy wird mir blutigem Anfänger von Cowgirl Anna als gemütliches Farmpferd vorge stellt und erweist sich zunächst auch als wenig motiviert, sich
überhaupt zu bewegen. Doch schliesslich trabt er den anderen Pferden ganz brav hinterher. «Auf keinen Fall fressen lassen», gibt Anna mir noch mit auf den Weg, was ich dann auch redlich versuche. Aber Rudy ist hungrig und hat einen starken Nacken. Dennoch schaffen wir es tatsächlich zu einer Gruppe von etwa 40 Bisons. Insgesamt sind es 2000 Büffel, die sich auf einer riesigen Fläche von etwa 20 000 Hektaren bewegen. Die bis zu 550 Kilo schweren Tiere werden von der Zapata Ranch alljährlich einmal durchge checkt, ansonsten jedoch so wild wie möglich gehalten. Zu Bisons besser Abstand halten
Allzu nahe dürfen wir an die riesigen Viecher allerdings nicht ran – und als wir nur noch etwa 20 Meter Abstand haben, kom men prompt ein paar in unsere Richtung getrottet, ob neugierig oder warnend, ist schwer einzuschätzen. Schnell treten wir den Rückzug an und machen unsere Fotos aus grös serer Distanz. Was vom Pferde rücken aus gar nicht so leicht ist. Ausserdem fängt nach einer Stunde zuerst der Hintern an zu schmerzen, dann bald schon der Rücken. Ein Cowboy wird wohl nicht mehr aus mir. So bin ich dann ganz froh, als wir uns wieder den Ställen nähern. Und Rudy sicherlich auch, denn nun kann er endlich wieder ungestört futtern. MM Die Reise wurde unterstützt von Edelweiss, Aspire Tours und Visit Denver. www.flyedelweiss.com / www.aspiretours.com / www.denver.org
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Dorffest vs. Street Parade
Lisa Stutz (24) sucht die Balance zwischen urban und ländlich. Und pickt von beidem das Beste heraus.
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Neben schwitzenden Achseln und mit Alkohol gefüllten Bäuchen zwänge ich mich hindurch und suche meine beste Freundin. Stand sie nicht eben noch da? Ein Betrunkener quatscht mich an, ich verstehe kein Wort. Da ist sie ja – ist das etwa ihr Exfreund? Um mir Dramen und Menschenmengen zu ersparen, hatte ich mich extra gegen die stressige Street Parade in Zürich und für das herzige Festli im Dorf entschieden. Doch je länger ich hier bin, desto mehr stelle ich fest, dass ich genauso gut in die Stadt hätte gehen können. Betrinken kann man sich auf jeden Fall beiderorts. Denn wer denkt, auf dem Land keine halbtoten Teenies anzutreffen, der irrt: Wohl jedes Dorfkind macht seine erste Erfahrung mit Alkohol an einem Turnerabend/ Musikfest/Grümpelturnier. Hier sind Räusche eben noch bezahlbar. Und: Die Musik ist überall laut. «War das dein Ex?», schreie ich
meiner Freundin ins Ohr. Sie guckt auf i hr Getränk, runzelt die Stirn und schreit zurück: «Echt jetzt? Das Bier auf Ex?». Auch im Dorf quellen die Mülleimer schnell einmal über: Als ich fast auf einem Pappteller mit AsiaNudeln ausrutsche, vergesse ich kurz, dass ich ja gar nicht an der Street Parade bin. Pipi muss man ebenfalls hier wie dort. Zuerst versucht man, das Unvermeidliche zu verdrängen, doch irgendwann gesteht man sich ein: Ich muss aufs Klo. Man reiht sich ein in die Schlange vor dem Toi-Toi und hält sich jedes Mal die Nase zu, wenn die Tür aufgeht. Ist die Tür dann wieder zu, fragt man sich die ganze Zeit, was die Dame da drin eigentlich so lange macht. Doch die wichtigste Erkenntnis: Spass haben kann man überall. Sind die richtigen Leute dabei, gehts wie von alleine. Da ist es völlig egal, ob man in Zürich, Hongkong oder Hinterpfupfingen feiert. MM
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Wer regelmässig unter starken Menstruationsschmerzen leidet, sollte zum Frauenarzt.
Endometriose
Die Regel ist Leiden Starke Schmerzen vor und während der Periode sollten nicht unterschätzt werden. Häufig steckt eine Endometriose dahinter, die Folgen haben kann. Text: Kati Vogt
J
Bild: Michael Heim / EyeEm/ Getty Images
Dipl. med. Kati Vogt ist Fachärztin für Gynäkologie bei Medbase Bern Zentrum.
ede zehnte Frau leidet darunter: starke Schmerzen vor und während der Periode, häufig verbunden mit Schwindel und Übelkeit. Die typische Patientin hat zahlreiche Besuche beim Frauenarzt hinter sich, ohne dass die Ursache für ihr Leiden erkannt worden ist. Im Schnitt dauert es sechs Jahre, bis die Diagnose gestellt wird: Endometriose. Eingeschränkte Lebensqualität
In der Gebärmutter befindet sich eine Schleimhaut, die während des weib- lichen Zyklus wächst und während der Periode abgestossen wird. Bei der sogenannten Endometriose befindet sich Gebärmutterschleimhaut ausserhalb der Gebärmutter, zum Beispiel im freien Bauchraum, an der Blasenwand oder am Darm. Die Schleimhaut an der falschen Stelle reagiert aber genauso wie die Schleimhaut in der Gebärmutter: Sie wächst und wird abgestossen. Das verursacht starke Schmerzen vor und während der Regel. Zu den häufigsten Leiden zählen anhaltende Unterbauchschmerzen und Schmerzen beim Geschlechtsverkehr. Es können sich
auch Zysten an den Eierstöcken bilden, die Unfruchtbarkeit verursachen können. Oft sind die Beschwerden so stark, dass die Frauen extrem eingeschränkt sind. Die Lebensqualität nimmt ab. Sportliche Aktivitäten, ein längerer Einkaufsbummel oder Treffen mit Freunden sind häufig unmöglich. Das ganze Gesellschaftsleben kann dadurch eingeschränkt werden. Die Betroffenen leiden meist auch psychisch. Diverse Behandlungsarten
Leider gibt es keine Therapie, mit der die Endometriose vollständig geheilt werden kann. Aber die Beschwerden können gelindert, die Lebensqualität verbessert werden. Deshalb können nur alle Frauen ermutigt werden, sich rechtzeitig professionelle Hilfe zu suchen. Ein Besuch beim Frauenarzt ist der erste Schritt für ein ausführ- liches Gespräch und eine Untersuchung. Anschliessend werden auf die Patientin abgestimmte Massnahmen besprochen. Die Behandlungen reichen von der Abgabe spezieller Schmerzmittel oder Hormone bis zu operativen Eingriffen. MM
Tipps
Handeln statt erdulden • Früh zum Arzt, Probleme und Beschwerden offen ansprechen, gegebenenfalls Arztwechsel • Hilfe in einem Endometriose-Zentrum holen • Eine sogenannte Endometriose-Nurse gibt wertvolle Hinweise zu einer alternativen Therapie. • Einer Selbsthilfegruppe beitreten • Mut! Keine Frau muss unter diesen starken Schmerzen leiden.
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92 MM35, 27.8.2018 | LEBEN
Ein Gigant feiert Google hat Geburtstag: Vor 20 Jahren gründeten zwei Informatikstudenten einen Suchmaschinendienst, der heute aus dem digitalen Alltag nicht mehr wegzudenken ist. Zahlen, Fakten und Anekdoten rund um den Riesen. Text: Dinah Leuenberger Illustration: Jelka Lerche
Seit 2004 ist das Verb «googeln» im Duden-Vokabular aufgeführt.
19 95 Kontakt Larry Page trifft an der Stanford-Universität auf Sergey Brin, der dort bereits Informatik studiert und ihm den Campus zeigt.
«Buffy – im Bann der Dämonen» ist eine der ersten TV-Serien, in der das Wort «googeln» vorkommt. Die Frage «Have you googled her yet?» wird in der Synchronfassung mit «Hast du sie schon mal richtig gecheckt?» übersetzt.
Das Wort Google leitet sich von «googol» ab, der englischen Bezeichnung für die Zahl 10 hoch 100. eine Anspielung auf die riesige Informationsfülle im Internet.
Der erste Serverschrank von Google bestand aus Legosteinen. 1997
1996
«BackRub» Die beiden Studenten entwickeln eine Suchmaschine mit dem Namen «BackRub»; obwohl sie sich anfangs kaum einig sind.
Neuer Name Die Erfinder nennen Ihr Kind definitiv «Google» (siehe Begriffserklärung oben).
LEBEN | MM35, 27.8.2018 93
2009 setzte Google den ersten Tweet ab. «I’m 01100110 011. 101 01100101 01101100 01101001 01101110 01100111 00100000 01101100 01110101 01100011 01101011 01111001 00001010.» Die Botschaft im binären System lautete übersetzt: «I’m feeling lucky.»
Der allererste «Doodle» im Logo auf der GoogleHomepage war eine Abwesenheitsnotiz: Als die Gründer Sergey Brin und Larry Page 1998 zum «Burning Man»Festival fuhren, bauten sie das Logomännchen des Festivals in den Schriftzug auf ihrer Website ein.
Ein Google-Angestellter lebte zwei Jahre lang mit seiner Frau in einem Wohnmobil auf dem Firmenparkplatz in Mountain View, um sich die horrenden Mieten in der Gegend zu sparen.
Die Eliteuniversität Stanford nimmt 5 Prozent ihrer Bewerber an – Google bloss 0,2 Prozent.
1998
Gesellschaftsgründung Erst mit dem offiziellen Start-up zieht das Team von der Gründergarage in ein Büro um.
2000
Marktführer Das Unternehmen wächst rasant – auch weil es unkonventionell ist. Google avanciert zur g rössten Suchmaschine der Welt.
Susan Wojcicki, die Larry Page und Sergey Brin die Garage vermietete, in der die beiden Google gründeten, ist heute CEO von Youtube. 200
4
Börsengang Anleger können die ersten Google-Aktien kaufen. Der börsenkotierte Konzern beschäftigt heute über 60 000 Mitarbeitende in 50 Ländern.
94 MM35, 27.8.2018 | LEBEN
Ausgewandert
Von Bern nach Hongkong Der elfjährige Adrian und sein zehnjähriger Bruder Julian leben in Hongkong und reisen in den Ferien regel mässig in die Schweiz. Ihr Vater ist vor 18 Jahren von Bern nach Hongkong ausgewandert und hat eine Chinesin geheiratet. Er besitzt und führt eine kleine Handelsagentur. Julians und Adrians Mutter ist Vorsteherin einer Berufsschule, die Hotelpersonal, Köche und Kellner ausbildet. Als die Jungs sie einmal besuchten, bekamen sie heisse Schokolade mit einem speziellen Topping serviert: Auf dem Schaum waren mit essbarer Tinte Fotos von ihnen aufgesprüht (siehe Bild unten). Hongkong ist eine Weltstadt mit über sieben Millionen Einwohnern. Zum Vergleich: Die Schweiz hat etwa acht Millionen. Weil es in Hongkong wenig Platz gibt, baut man dort viele Hochhäuser. So leben in der Metropole auf einem Quadratkilometer über 6400 Menschen. Das sind mehr als 30 Mal so viele wie in der Schweiz.
Adrian (links) und Julian mit ihren Fotos auf der heissen Schoggi.
Kinder
«Adrian liebt gekochte Hühnerfüsse mit Sauce»
Die Brüder Adrian (11) und Julian (10) geniessen in Hongkong das Essen und treiben viel Sport. In der Schweiz mögen sie Käsegerichte und Skifahren. Text: Gabriela Bonin Illustration: Olaf Hayek
Wir beide besuchen in Hongkong eine katholische Schule. Adrian lebt im Internat und ist von Montagmorgen bis Freitagabend dort. Er kann oft spielen, Sport treiben sowie Saxofon und Ukulele üben. Am Morgen machen alle Schüler vor dem Unterricht Turnübungen und beten. Mit Julians Schulkollegen sind wir kürzlich mit dem Boot zu einem Strand zum Angeln gefahren. Das hat Spass gemacht!
In Hongkong gibt es eine Riesenauswahl an feinem Essen. Adrian liebt gekochte Hühnerfüsse mit Sauce, Julian BBQ-Buns – weisse, gefüllte Teigbrötchen. In der Schweiz essen wir gern Lasagne, Raclette, Fondue – und alles, was unsere Tante Ursula für uns kocht.
Julian spielt Fussball, Basketball und Badminton. Und da wir am Meer leben, können wir auch segeln, baden und bodysurfen. Adrian tüftelt oft an Lego-Kon struktionen herum. In der Schweiz fährt er auch gern Ski. Übrigens verstehen wir Berndeutsch recht gut, sprechen es aber nicht. Dafür beherrschen wir Kantonesisch, Mandarin und Englisch.
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Tiara Sol (4) aus Zug
Das kennen wohl alle: Wir wollen etwas basteln, aber es will und will uns nicht gelingen. Oder jemand ärgert uns mit Absicht. Oder wir warten endlos auf etwas, verlieren langsam die Geduld ... Wer kann da noch voll entspannt bleiben?! Wie Wasser im Kochtopf ist man zuerst noch ruhig, dann aber steigen erste Blasen auf – so ähnlich wie bei uns der Ärger. Wir spannen die Muskeln an. In uns beginnt es zu brodeln. Eine Kraft ergreift uns. Und plötzlich bricht die Wut aus uns heraus: mit Geschimpfe und
Groll, Wuttränen und blitzenden Augen. Wut macht uns kampfstark und wagemutig. Zugleich will sie, dass wir blind um uns schlagen. Wut entsteht, weil wir uns zum Beispiel ohnmächtig oder unverstanden vorkommen, dumm oder verraten fühlen. Es ist okay, wenn wir sie an einem Kissen oder Fussball auslassen. Oder sie allein im eigenen Zimmer herausbrüllen. Wenn wir sie aber anderen entgegenschleudern, gibts meist richtig Ärger. Zudem schaden wir uns
selbst. Wut ist nämlich wie ein glühend heisses Kohlestück: Willst du es jemandem um die Ohren hauen, nimmst du es in die Hand – und verbrennst dich selbst daran. Das Gegenmittel zur Wut ist die Gelassenheit. Diese Ruhe liegt wie ein Schatz in dir drin verborgen. Du kommst ihr näher, wenn du tief und ruhig atmest. Denke dabei an etwas Schönes – so lange, bis du lächeln musst. MM * Hast du auch eine aktuelle Frage? Sende sie per Mail an kinderfragen@migrosmedien.ch
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7. Tag: Urwüchsiger Norden Aufstieg zum Pico Ruivo (1862 M.ü.M), dem höchsten Berg Madeiras.
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3. Tag: Höhenwanderung Wanderung durch einen wildromantischen Baumheidewald. Fahrt nach Porto Moniz, bekannt für seine Naturschwimmbecken.
6. Marktbesuch in Funchal Besuch des bunten Blumen-, Fisch-, Gemüse- und Früchtemarktes. Zeit zur freien Verfügung.
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So nehmen Sie teil: Hauptpreis (blaues Lösungswort) Tel.: 0901 560 041 (Fr. 1.–/Anruf) SMS: Senden Sie MMD1, gefolgt vom Lösungswort, Ihrem Namen und Ihrer Adresse an die 920 (Fr. 1.–/SMS). Bsp.: MMD1 SOMMER. Hans Muster, Musterweg 22, 8000 Musterdorf Internet: www.migrosmagazin.ch/wettbewerbe Postkarte (A-Post): Migros-Magazin, Kreuzworträtsel, Postfach, 8074 Zürich Zusatzpreis (grünes Wort) Tel.: 0901 560 065 (Fr. 1.–/Anruf) SMS: Senden Sie MMD5, gefolgt vom Lösungswort, Ihrem Namen und Ihrer Adresse an die 920 (Fr. 1.–/SMS) Bsp.: MMD5 WINTER. Hans Muster, Musterweg 22, 8000 Musterdorf Chancengleiche WAP -Teilnahme ohne Zusatzkosten: http://m.vpch.ch/MMD12315 (gratis übers Handynetz) Teilnahmeschluss: Sonntag, 2.9.2018, 24 Uhr
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Teilnahmebedingungen: Über die Verlosung wird keine Korrespondenz geführt. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Keine Barauszahlung. Computergesteuerte Massenteilnahmen sind nicht gewinnberechtigt. Die Mitarbeiter der Migros-Medien sind von der Teilnahme ausgeschlossen. Gewinner werden schriftlich benachrichtigt und mit Namen und Wohnort veröffentlicht.
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Quiz & Paroli
Quiz Ermitteln Sie für jede Quizfrage den richtigen Lösungsbuchstaben. Der Reihe nach in die acht Lösungsfelder eingetragen, ergibt sich das Lösungswort. 1. Eine Situation, aus der es scheinbar keinen Ausweg zu geben scheint, heisst … A Steinmühle
W Windmühle
O Zwickmühle
2. Welcher Vogel kann auch als Gebinde auftreten? I
P Strauss
Amsel
N Krähe
3. Das Erstellen von Strassentunnels gehört zu welchem Fachgebiet? T
E
Tiefbau
Hochbau
S
Gartenbau
I
König
4. Um wen «kämpft» man beim Geschicklichkeitsspiel Kubb? K Ball
Z
Ring
5. Wie heisst eine Fraktion der Gemeinde Simplon? B Emma
T
Susi
O Gabi
6. Welche Zeitspanne umfasst ein Lustrum? N 5 Jahre
A 3 Monate
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So nehmen Sie teil:
Tel.: 0901 560 042 (Fr. 1.–/Anruf) SMS: Senden Sie MMD2, gefolgt vom Lösungswort, Ihrem Namen und Ihrer Adresse an die 920 (Fr. 1.–/SMS). Bsp.: MMD2 TASTSINN. Hans Muster, Musterweg 22, 8000 Musterdorf Postkarte (A-Post): Migros-Magazin, Quiz, Postfach, 8074 Zürich Internet: www.migrosmagazin.ch/ wettbewerbe Teilnahmeschluss: Sonntag, 2.9.2018, 24 Uhr Teilnahmebedingungen: auf der ersten Rätselseite
R 15 Minuten
7. Wie viele Bahnhöfe und Haltestellen zählt die SBB? L
T
ca. 350
ca. 500
E
ca. 800
8. Ein besonderer Bestand der «Bibliothèque nationale de France» heisst … N Enfer
D Prison
R Ciel
Lösungswort: 1
2
3
4
5
6
7
8
Paroli
So nehmen Sie teil: Tel.: 0901 560 043 (Fr. 1.–/Anruf) SMS: Senden Sie MMD3, gefolgt vom Lösungswort, Ihrem Namen und Ihrer Adresse an die 920 (Fr. 1.–/SMS). Bsp.: MMD3 OSTEN. Hans Muster, Musterweg 22, 8000 Musterdorf Postkarte (A-Post): Migros-Magazin, Paroli, Postfach, 8074 Zürich Internet: www.migrosmagazin.ch/ wettbewerbe
Lösungswort: 2
3
Gewinner Nr. 33: Arthur Boschung, Düdingen FR; Peter Rauber, Suhr AG; Hansueli Bruderer, Herisau AR
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Füllen Sie die zehn Wörter in das Rätselgitter ein. Das Lösungswort ergibt sich aus den Buchstaben in den Feldern 1 bis 5: 1
Auflösung Nr. 34: LAUFBAHN
4
Auflösung Nr. 34: LIEBE
Teilnahmeschluss: Sonntag, 2.9.2018, 24 Uhr
5
Gewinner Nr. 33: Beat Hertig, Ramsei BE; Elisabet Eggimann, Langenthal BE; Trudi Hugentobler, Matzingen TG
Teilnahmebedingungen: auf der ersten Rätselseite
Gemeinsam fĂźr ein gesundes Klima.
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SchĂźtze die Welt, in die unsere Kinder geboren werden.
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So nehmen Sie teil:
Auflösung Nr. 34: 483
Füllen Sie die leeren Felder mit den Zahlen 1 bis 9. Dabei darf jede Zahl in jeder Zeile, jeder Spalte und in jedem der neun 3 × 3-Blöcke nur ein Mal vorkommen. Die Lösungszahl ergibt sich aus den blauen Feldern von links nach rechts.
Sudoku
Gewinner Nr. 33: Marcel Gerber, Alle JU; Heidi Märki, Winterthur ZH; Maja Kiefer, Dietlikon ZH; Beat Thalmann, Riehen BS; Lena Wismer, Hünenberg See ZG
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Brücken
Die Zahl bei jeder Spalte oder Zeile bestimmt, wie viele Felder durch Schiffe besetzt sind. Diese dürfen sich nicht berühren und müssen vollständig von Wasser umgeben sein, sofern sie nicht an Land liegen.
Jeder Kreis stellt eine Insel dar. Die Zahl darin gibt an, wie viele Brücken dort enden. Brücken sind nur zu horizontal oder vertikal benachbarten Inseln erlaubt. Diese dürfen mit einfachen oder doppelten Brücken verbunden werden. Am 2 Schluss sollen alle Inseln 3 2 3 1 miteinander verbunden sein. Verboten: Kreuzungen, diagonale Brücken und 2 3 4 3 2 mehr als zwei Linien.
Auflösung Nr. 34:
3 3 2
2 1 3
3
2 3 2
3 3
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2 2 1
3
6 2
1 1 3
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Auflösung Nr. 34: 3 3
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3 1 2
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Impressum MIGROS-MAGAZIN vormals: Wir Brückenbauer, Wochenblatt des sozialen Kapitals, Organ desMigros-Genossenschafts-Bundes, Migrosmagazin.ch Auflage/Leserschaft: Beglaubigte Auflage: 1 554 258 Ex. (WEMF 2017) Leserschaft: 2 358 000 (WEMF, MACH Basic 2017-2)
Adresse Redaktion und Business Limmatstrasse 152, Postfach 1766, 8031 Zürich Telefon: 058 577 12 12 Fax: 058 577 12 08 redaktion@migrosmagazin.ch Herausgeber Migros-Genossenschafts-Bund
Publizistische Gesamtleitung Sarah Kreienbühl
Leitung Ressort Gesellschaft & Familie Yvonne Zurbrügg Leitung Ressort Health & Beauty Susanne Schmid Lopardo
Leitung Redaktionen Migros-Medien Franz Ermel
Leitung Ressort Food Roberto Zimmermann Leitung Produktion Remo Leupin
Leitung Business Thomas Brügger Druck: NZZ Media Services AG, Tagblatt Print Abonnemente: Sonja Frick abo@migrosmagazin.ch Tel.: 058 577 13 00 Fax: 058 577 13 01
104 MM35, 27.8.2018 | LEBEN Leseraktion
Die Städte der Donau – einst und heute Leser des Migros-Magazins geniessen eine neuntägige Flussreise auf der «Excellence Princess» zu den schönsten Metropolen an der Donau – und erhalten einen Rabatt von 150 Franken.
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Das Reiseprogramm 1. Tag: Schweiz–Linz
Busanreise nach Linz. Nach der Einschiffung geniessen Sie die Flussreise Richtung Bratislava.
2. Tag: Bratislava
Altstadtführung* in Bratislava. Alternativ schlendern Sie individuell durch die Strassen der Hauptstadt der Slowakei. 3. Tag: Mohacs–Pecs
Geniessen Sie vormittags die Flusslandschaften durch Serbien. Ab Mohacs Ausflug* nach Pecs am Fusse des Mecsek-Gebirges. 4. Tag: Belgrad
Vormittags Rundfahrt* durch
elgrad. Nachmittags Ausflug B durch die Landschaften um Topola und Oplenac (Fr. 38.–) mit Besichtigung der Kirche des HI. Georgs.
7. Tag: Hainburg–Wien
Entspannen Sie an Bord der «Excellence Princess».
Nachmittags Ausflug ins Burgenland mit Weindegustation und Rundgang in Rust am Neusiedlersee (Fr. 48.–). Abends Fahrt zum Heurigen (Fr. 38.–) oder Besuch eines klassischen Konzerts (Fr. 80.–).
6. Tag: Budapest
8. Tag: Wien
5. Tag: An Bord
Vormittags Ankunft in Budapest. Rundfahrt*. Nachmittags Besichtigung des Sissi-Schlosses Gödöllö (Fr. 38.–).
Entdecken Sie Wien auf einer Stadtrundfahrt inklusive Kaffeehaus-Besuch*. Das künstlerische und intellektuelle Erbe der Stadt
Bilder: Fraanz Zwickl (2), PD (4)
Neun Tage auf der schönen b lauen Donau entspannen und Kultur tanken – das erwartet die Gäste an Bord der «Excellence P rincess». Die Reise mit dem Luxusflussschiff führt von Linz über Bratislava nach Belgrad, Budapest und Wien.
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Angebot
Leserangebot
1 Die «Exellence Princess» vor dem imposanten Parlamentsgebäude in Budapest 2 Luxuriös: Kabine auf Mittel- und Oberdeck 3 Schiff ahoi auf der «Excellence Princess» 4 Die berühmte Cumil-Skulptur in Bratislava 5 Das Hundertwasserhaus in Wien 6 Die Grosse Kriegsinsel in Belgrad
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wurde von Bewohnern wie Mozart, Beethoven und Sigmund Freud geprägt. Flussreise entlang der Wachauer Weinberge.
Buchen und profitieren Leserinnen und Leser des Migros-Magazins erhalten 150 Franken Rabatt auf die DonauReise. Reisedaten 2019: • 30. 6. – 8. 7. • 8. 7. – 16. 7. • 16. 7. – 24. 7. • 24. 7. – 1. 8. • 1. 8. – 9. 8. Excellence Princess: Ein Luxusliner für exquisite Momente. Ihr frischer Chic, Grossräumigkeit und ihre herausragende Gastronomie machten die «Donauprinzessin» zum prämierten Kreuzfahrtschiff des Jahres. Preise pro Person: • 2-Bett-Kabine Hauptdeck Fr. 1695.– • 2-Bett-K abine Mitteldeck, franz. Balkon, Fr. 2195.– • 2-Bett-Kabine Oberdeck, franz. Balkon, Fr. 2455.– Unsere Leistungen: • An-/Rückreise mit Komfort-Reisebus • Excellence-Flussreise mit Vollpension an Bord • Reiseleitung Zuschläge: • Alleinbenützung Kabine Hauptdeck Fr. 0.– • Königsklasse- Luxusbus Fr. 285.– • Ausflugspaket mit 5 Ausflügen Fr. 177.–
9. Tag: Linz–Schweiz
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Am Morgen erreichen Sie Linz. Frühstück und Busrückreise zu Ihrem Abreiseort.
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Meine Welt
«Ich liebe den Kick einer Live-Sendung» Vollblutjournalist, leidenschaftlicher Sportler, Hobbykoch: «Mr. Rundschau» Sandro Brotz macht keine halben Sachen. Nach der Sommerpause kehrt der Zürcher zur besten Sendezeit auf die Bildschirme zurück: Das Politmagazin startet neu mittwochs schon um 20.05 Uhr. Text: Monica Müller Bilder: Jorma Müller
LEBEN | MM35, 27.8.2018 109
1 Mein Kraftort «Ich liebe den Zürichsee! Gern beginne ich den Tag mit e inem ‹Schwumm› oder lasse ihn am Wasser ausklingen. Im und am See tanke ich Energie, das ist Luxus für mich.» 2 Mein Sohn «Lennox (13) verbringt die meisten Wochenenden bei mir. Am liebsten gehen wir an Konzerte (etwa Eminem) oder unternehmen Städtetrips nach London, Paris oder Hamburg.»
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Name Sandro Brotz (48) Sternzeichen Waage Wohnort Kilchberg ZH Lebenslauf «Seit dreissig Jahren bin ich nun Journalist. Nach dem KV bei Mövenpick konnte ich mir auch einen Job in der Hotellerie vorstellen. Doch die Leidenschaft fürs Schreiben war stärker. Schon als Kind hielt ich ein Pferderennen oder einen Feuerwehreinsatz für mich fest. Beim längst eingestellten Z ürcher Lokalblatt ‹Vorstadt› startete ich 1988 meine Karriere, seit sechs Jahren moderiere ich die ‹Rundschau›. Dazwischen liegen viele weitere Stationen bei Radio- und Printmedien. Meine Leidenschaft ist das Interview: Ich setze mich unglaublich gern mit Themen und Leuten auseinander und liebe den Kick der Live-Sendung.»
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Bilder: Oscar Alessio/SRF, zVg
3 Meine Mäppli «Ich bin immer mit meinen farbigen Mäppli unterwegs, die voll sind mit Informationen zu den Themen meiner kommenden Sendung.»
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4 Mein Bild «Mario Comensolis Bilder gefielen mir schon immer. Erst kürzlich habe ich erfahren, dass er m einen Tessiner Grossvater kannte und por trätiert hat – das Bild steht bei mir im Wohnzimmer. Ich habe das südländische Temperament von ihm geerbt.» 5 Meine CD «Diese signierte CD der Fantastischen Vier ist uralt. 1992 interviewte ich sie für Radio Z. Sie waren noch ganz ungeschliffen, und wir lachten viel. Mein Musikgeschmack ist breit: Ich mag Mainstream und Klassik.» Mein Lieblingsprodukt «Ich koche gern, am liebsten mit vielen frischen Zutaten wie Kräutern und Tomaten. Mein Repertoire umfasst nebst Pasta und Pizza auch Aufläufe. Kochen ist sinnlich und entspannt.»
6 Mein Sport «Bis 18 spielte ich intensiv Handball, dann trieb ich 20 Jahre lang keinen Sport. Nach einer Phase, in der ich mich regelmässig an Marathons und Triathlons mass, nehme ich es jetzt gemächlicher. Vor Sendungen jogge ich immer eine Runde, an freien Tagen radle ich gern um den Zürichsee.» MM
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