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«Die Revolution beginnt beim Dacia Händler.»
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eit einiger Zeit wirbelt Dacia den Automobilmarkt durcheinander. Nachdem in der Kompaktklasse und bei den Kombis nichts mehr ist, wie es mal war, wackeln nun in der SUV-Klasse die Preise. EIN 4X4 FÜR FR. 19 900.
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Die Revolution ist in vollem Gange: Bereits über 1 Million Dacia wurden weltweit verkauft. Ein Konzept, das überzeugt. Ein Renault Motor in jedem Modell garantiert Technik auf dem neuesten Stand. Und auch alle anderen Bauteile stehen für Langlebigkeit. Dacia gibt für sämtliche Modelle eine
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Nr. 34, 23. August 2010
Bilder Christian Schnur, Lucas Peters
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M-INDUSTRIE 42
Was die Migros alles selbst produziert. MICASA-WETTBEWERB 78
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6 | Migros-Magazin 34, 23. August 2010
EDITORIAL Hans Schneeberger, Chefredaktor
Treffen nach 62 Jahren
Der Zweite Weltkrieg hat auch in der Schweiz tiefe Spuren hinterlassen:
* Normaltarif
Das Migros-Huhn ist wieder da 48 Chocolate, Kuh Muffin und Tiertrainerin Tatjana Zimek drehten in Zürich den neuen TV-Spot der Migros.
Diese Zeiten sind vorbei. Glücklicherweise. Für viele von uns ist der Weltkrieg nur noch eine Sammlung von Daten, die man im Geschichtsunterricht im Kurzzeitgedächtnis bunkern musste, um den nächsten Test nicht zu verbocken. Viele aber, die damals als Kinder in die Schweiz reisten, erinnern sich auch heute noch intensiv und dankbar an diese Zeit. Gerhard Ulrich zum Beispiel kam als Achtjähriger aus dem zerbombten Dresden nach Zürich zu der Familie Feucht. 62 Jahre später trifft er sich mit deren Tochter Klara, damals 13, die er nie vergessen hat, zum ersten Mal wieder. Das Migros-Magazin war bei diesem bewegenden Treffen dabei (Seite 12). Ein ganz anderes Thema: Wenn die Redaktorinnen und un Redaktoren des Migros-Magazins prominente Schweizer im Ausland interviewen, werden sie ab und zu gebeten, etwas aus der Schweiz mitzubringen. Deshalb packten Reto Wild und mi Mathias Haehl bei ihrem Kurztrip zu Christian Ma Gross Gr nach Stuttgart gleich ein Kilogramm Schokolade mit in die Reisetasche. Das MitSc bringsel hat dem zurzeit so erfolgreichen br VfB-Trainer und erklärten Nuss-Schoggi-Fan Vf sichtlich Freude bereitet... si
hans.schneeberger@migrosmagazin.ch
Bilder Daniel Winkler, Keiko Saile, Reto Schlatter, Davie Maupilé
M-Infoline: Tel. 0848 84 0848* oder Fax 0041 44 277 20 09 (Ausland). m-infoline@migros.ch; www.migros.ch M-CUMULUS: Tel. 0848 85 0848* oder +41 44 444 88 44 (Ausland). m-cumulus@migros.ch; www.m-cumulus.ch Redaktion Migros-Magazin: Postfach 1751, 8031 Zürich, Tel. 044 447 37 37, Fax 044 447 36 01 redaktion@migrosmagazin.ch; www.migrosmagazin.ch;
Wie tief, das können sich die Nachkriegsgenerationen gar nicht vorstellen. Meine Mutter, aufgewachsen in der Ostschweiz, erzählt noch heute von alliierten Bombardierungen auf der anderen Seite des Bodensees. Und wie die riesigen Feuer in Friedrichshafen sie bewegt haben. Oder auch die Reihen von Kriegskindern, die nach Ende des Krieges in Zügen in die Schweiz in die Ferien kamen. Ausgemergelte, verängstigte Mädchen und Buben, die für einige Zeit Ruhe, Frieden und Sicherheit fanden.
Im Zug ins Vorparadies 12
Hermann Schulin kam als unterernährtes Nachkriegskind zur Familie von Emmi KammAckermann ins Glarnerland.
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DIESE WOCHE Nicolas Senn 118
|7
Migipedia
51
Fotoschatz der Migros
53
Der Chef der Online-Plattform, Ben Proske, zieht eine erste Bilanz.
Der 20-Jährige studiert Wirtschaft und spielt Hackbrett so frech wie kein anderer. Ende August vertritt er die Schweiz am GP der Volksmusik in Wien.
Die ersten Verkaufswagen rollen an.
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Blühende Kräuter
88
Der Besitzer der Davoser Schatzalp tischt ein Wildschwein-Entrecôte auf.
IHRE REGION
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BESSER LEBEN
Ältere bringen volle Leistung 97 Familie: Eltern-Kinder-WG 98 In Form: Der Grillparty-Knigge 105 Tiere: Schutz vor der Hitze 107 Auto: Familientest Ford Focus 108
RUBRIKEN
MENSCHEN
Im Zug ins Vorparadies
Für kriegsversehrte Kinder war die Schweiz ein Hort der Sicherheit.
Ein Leben für wilde Tiere
INTERVIEW
12
20
Der Schweizer Tierfotograf Karl Ammann lebt in Kenia und wehrt sich gegen Wilderer und Holzkonzerne.
Anschluss garantiert
26
Lehre statt Uni? Das durchlässige Schweizer Bildungsangebot bietet allen eine zweite oder dritte Chance.
Christian Gross
34
Der Schweizer Startrainer über Töffs, Millionengagen und Videoaufnahmen während des Spiels.
NEUES AUS DER MIGROS
Serie: Werkplatz Migros
42
M-Industrie ist der grösste Produzent von Eigenmarken in der ganzen Welt.
Das Migros-Huhn ist wieder da
48
Chocolate legt der Migros wieder ein Ei.
Migros-Woche Leserbriefe Auf ein Wort Bild der Woche Kolumne: Der Hausmann Bitte melde dich Leseraktion: Hoch in Hamburg Rätsel/Impressum
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MEINE WELT
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Vertritt uns am GP der Volksmusik.
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8 | Migros-Magazin 34, 23. August 2010
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Ei, Ei, Ei — was für eine eiweisshaltige Zahl: Jowa, die hauseigene «Bäckerei der Migros», verarbeitet jährlich rund 75 Millionen Eier. Umgerechnet auf einen Tag sind das 205 479 Eier.
AUS DER REGION MIGROS ZÜRICH
«Die Schweizermacher»
Am Donnerstag, 16. September, wird in der Maag Halle in Zürich das Musical «Die Schweizermacher» uraufgeführt. Max Bodmer und Moritz Fischer, zwei Einbürgerungsbeamte, bespitzeln Francesco Grimolli, die Balletttänzerin Milena und das deutsche Ehepaar Starke. Da unvorhergesehen die Liebe ins Spiel kommt, wird die Situation zu einem Dilemma.
Das Musical lehnt sich an den Film von Rolf Lyssy zum Thema «Schweizer werden und Schweizer sein» an, der 1978 zum erfolgreichsten Schweizer Kinofilm wurde. Mit der Migros als Partnerin wird nach «Ewigi Liebi» erneut ein Musical mit Erfolgsfaktor auf die Bühne gebracht. Mehr dazu und weitere News aus der Migros Zürich auf den Regionalseiten ab Seite 91.
Jane & Mary’s Die Schweiz liebt Glace. Und die Auswahl wird grösser:
G
ut 50 Millionen Liter Eiscreme konsumieren die Schweizer pro Jahr. Das fordert die Glace-Entwickler der Midor AG, der ältesten Produktionsstätte der Migros, in Meilen immer wieder heraus, sich etwas Neues einfallen zu lassen. Product Group Manager Stefan Eberle (30) sagt: «Diesmal haben wir uns von der amerikanischen Glace inspirieren lassen. Aus vielen Filmen und Amerikareisen kennen wir die typischen bunten Becher mit dem kühlen Inhalt. Diese Glace zeichnet sich durch viele feine Stückchen aus und ist auch in der Konsistenz durch weniger Luftaufschlag viel kompakter. Eine echte Herausforderung für meine
Mitarbeitenden und mich bei der Midor, ein solches Eis zu entwickeln, das dem hohen Schweizer Standard gerecht wird.» Mittee September ist es so weit: Dann nn gibt es die «American Style Icee Cream» Jane & Mary’s in den Va-rianten Vanilla Crunch und Straw-berry Cream in allen grösseren en Migros-Filialen zu kaufen. Auch h der Preis lockt: Der fröhlich anmutende Becher mit 450 ml Glacegenuss wird zu einem attraktiven Preis erhältlich sein. Und während Jane & Mary’s-Glace jetzt den Markt erobern soll, tüfteln die Midor-Mitarbeitenden an neuen Jane & Mary’s-Geschmacksrichtungen, denn der nächste Sommer kommt bestimmt. JJB
ComicfilmFestival Schräger Humor, kritischer Ernst und seelenvolle Stimmungsbilder: Vom 7. bis 12. September zeigt «Fantoche», das internationale Festival für Animationsfilm, in Baden AG zum achten Mal, Leckerbissen des Comicfilms und lockt mit mehreren Wettbewerben. Im Schweizer Wettbewerb werden zwei Filme ausgezeichnet. Mit im Rennen ist auch das Migros-Kulturprozent, das Jadwiga Kowalskas «La fille et le chasseur» gefördert hat.
Karten gibts unter: www.fantoche.ch
Bilder iStockphoto, Hans Ebner
NEWS
MIGROSWOCHE
|9
aus Meilen
Midor arbeitet an einem «American Style Ice».
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Djerba
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Türkei
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Ab Zürich nach Izmir mit Pegasus am Sa. 28.8., 11., 18.9.10 Hotel Ömer Holiday Village B B B, Kusadasi, Doppel mit All Inclusive
Tunesien
HM K TUN OMAKHA
Ab Zürich nach Monastir mit Tunis Air am Sa. 28.8., 4., 11., 18., 25.9.10 Hotel Omar Khayam B B B, Hammamet, Doppel mit All Inclusive
Ägypten
Die Midor-Mitarbeitenden Martina Krummenacher, Martina Laco und Roberto Falvella.
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595.– statt 1052.–
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Ab Zürich nach Hurghada mit Koral Blue am Sa. 28.8., 11., 18.9.10 statt 1405.– Hotel Mövenpick Resort & Spa B B B B i, El Gouna, Doppel mit Frühstück
Rhodos
HM K RHO ATRPAL
Ab Zürich nach Rhodos mit Viking Airlines am So. 29.8., 12., 19.9.10 Hotel Atrium Palace B B B B B, Kalathos, Doppel mit Frühstück
Zypern
FRISCH IN DER MIGROS
Blaublütig
Sie ist blau, und das fällt auf. Die Zwetschge sorgt neben Pfirsich, Aprikose, Nektarine, Kirsche und Co. für einen farblichen Kontrast in der Steinobstfamilie. Ein dunkles Schaf ist sie deshalb aber noch lange nicht. Ihr festes Fruchtfleisch schmeckt köstlich und eignet sich für süsse und salzige Speisen. Von der Vorspeise bis zum Dessert, als Dörrzwetschge im Speckmantel oder als Kompott mit Vanilleglace: Die kleine Blaue verwöhnt den Gaumen!
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Ab Zürich nach Larnaca mit Viking Airlines am So. 29.8., 5., 12.*, 19.9.10* Hotel Dome B B B B, Ayia Napa, Doppel mit Frühstück
statt 1410.– * Zuschlag 50.–
Algarve
1 Woche
HM K FAO VILGAL
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LESERBRIEFE
Migros-Magazin 34, 23. August 2010
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MM 32: «Amor verkuppelt am liebsten zu Techno», Artikel zur Street Parade.
Amor verkuppelt wirklich zu Techno!
Es hat mich sehr gefreut, Ihren Artikel über Cédric Barras zu lesen. Ich bin selbst eine Raverin, welche die Szene von ganzem Herzen liebt, und ich habe meinen Mann auch auf einer Technoparty kennengelernt. Also hat uns Amor wirklich zu Techno verkuppelt! Wir sind seit fünf Jahren glücklich verheiratet und haben einen gemeinsamen Sohn. Ich wünsche Cédric Barras viel Erfolg für seine DJ-Karriere, interessante Ideen und neue Fans. Weiter so! Lenura Wintergerst, per Mail
MM 33: «Die Unantastbaren», Artikel zum «Eidgenössischen» in Frauenfeld.
Wie wär es mit den Starken?
Der Artikel mit dem Titel «Die Unantastbaren» gefällt mir. Die «Bösen» ist für mich aber ein schlechter Name, schliesslich gilt bei ihnen: harte Schale, weicher Kern. Ich bin fürs Umtaufen in die «Starken».
Letizia Gurtner 7017 Flims
MM 33: «Heja Gluck!», Kolumne von Bänz Friedli über das Sprachverständnis von kleinen Kindern.
Bild Pierre-Yves Massot
Wenn die Fische trocken bleiben
Hier noch ein Beitrag zum «Kindermund»: Nach einem gemütlichen Essen im Familienkreis möchten wir das Restaurant
Cédric Barras hat seine neue Liebe Corinne (mit Sohn Alexandre) an der Street Parade kennengelernt. Heute leben sie zusammen.
verlassen, doch es giesst aus Kübeln. Ein paar Meter neben dem Ausgang steht das überdachte Fischbecken mit den Forellen. Da meint unser fünfjähriger Enkel: «Wenigschtens d Fische si am Schärme!» Margrit Joder
die Kinder immer nur Gopf. Einmal im Restaurant rief Urs aus: «Gopf, Dani», da ihn Daniela geärgert hatte. Die Köpfe einiger älterer Damen gingen ziemlich schnell in die Höhe.
Ich bin ein grosser Fan der Hausmann-Kolumne. Am liebsten lese ich «aus Kindermund». Da kann ich immer herzhaft lachen. Ich möchte einen kleinen Beitrag leisten. Als ich einmal mit meinen zwei Kindern, Daniela und Urs, an einer Gartenwirtschaft vorbeikam, sagte Urs (3), er möchte einkehren. Daniela (8), die als Kind sehr sparsam war, erwiderte: «Spinsch, zehn Franke duss wiö nüt.» Darauf Urs: «Denn chöne mer jo inegoh.» Beim Einkaufen sagte Daniela (3): «Lueg Mami, Schiessbisgitts.» Sie meinte damit die Cheesebiskuits. Das trug uns böse Blicke ein. Anstatt Gopfriedstutz sagten
MM 33: «Von Käse bis Strom auf Kuh eingestellt», Sommerreise nach Ruswil LU.
35 10 Konolfingen
Myrtha Schäfer 8165 Oberweningen
Wo sind die Hörner der Kühe gelieben?
Wie wäre es, wenn künftig bei einer Wahl zur schönsten Kuh auch darauf Wert gelegt würde, ob sie ihren natürlichen
Kopfschmuck, die Hörner, noch trägt? Abgesehen davon, dienen die Hörner ja nicht nur zur Zierde. Regina Gernet 6262 Langnau
In Ihrer Reportage über Kühe und über die Miss Ruswil wird dem Leser erklärt, was eine gute Kuh ausmacht. Was mir schon länger aufgefallen ist und was ich mich frage: Wo sind die Hörner der Kühe geblieben? Nach meinen Recherchen werden den Tieren die Hörner abgesägt oder im Ansatz verbrannt! Kühe ohne Hörner ¬ für mich sind das Milchschafe ohne Wolle. Rolf Eberhart
2562 Port
«Die Bösen sind für mich ein schlechter Name, schliesslich gilt bei ihnen: harte Schale, weicher Kern.»
Letizia Gurtner, 7017 Flims
Schreiben Sie uns: Wir freuen uns über Briefe und Mails zu Artikeln im Migros-Magazin. Je kürzer Ihr Brief, desto grösser die Chance, dass er veröffentlicht wird. Zuschriften können durch die Redaktion gekürzt werden. Per Post an Redaktion Migros-Magazin, Leserbriefe, Postfach 1751, 8031 Zürich, oder per Mail an leserbriefe@migrosmagazin.ch. Und vergessen Sie bitte nicht, Ihre Adresse und Ihre Telefonnummer anzugeben.
12 | Migros-Magazin 34, 23. August 2010
Mit leerem Bauch ins Vorparadies Tausende von Schweizer Familien nahmen während und nach dem Zweiten Weltkrieg unterernährte Kinder aus Nachbarländern bei sich auf. Zwei Männer, die als Buben in die Schweiz kamen, erinnern sich an diese Zeit – und sehen ihre «Halbgeschwister» wieder.
E
r will nicht weinen. Als ihn die Emotionen trotzdem übermannen, ist nur ein kurzer Schluchzer zu hören. Dann hat der Chemiker und Patentanwalt seine Stimme wieder im Griff. Gerhard Ulrich ist 70 Jahre alt. Er lebt mit seiner Frau Monika in Sins AG. Als seine Heimatstadt Dresden 1945 von den Alliierten kurz vor Kriegsende bombardiert und zerstört wurde, war er fünf Jahre alt. Klein Gerhard, seine Mutter und seine Schwester – der Vater war im Krieg – überlebten den Angriff mit viel Glück. Und sie überlebten auch die Zeit danach. Aber Gerhards gesundheitlicher Zustand war kritisch, er hatte Rachitis und war viel zu dünn, die Ärzte gaben ihm noch zwei Jahre. Dass ihn das Rote Kreuz ein Jahr nach Kriegsende in die Schweiz brachte, zu Familie Feucht in Zürich, hat ihm vermutlich das Leben gerettet. Er jedenfalls ist überzeugt davon. Das sagt er mehrmals und schaut dabei die Schwarz-Weiss-Fotos aus jener Zeit an: er mit der jüngeren Tochter der Feuchts am Ufer des Zürcher Obersees stehend, er mit seinen Gasteltern an einem Tisch sitzend, er alleine bis zu den Knien im Wasser, ein scheu wirkender Bub mit kurzem, blondem Haar. Der Aufenthalt bei der Optikerfamilie aus Zürich hat ihn nicht nur wieder stark gemacht – Gerhard Ulrich schluchzt ein zweites Mal, wieder nur ganz kurz, und sagt: «Das hat mein ganzes weiteres Leben geprägt.» Es waren zwar
nur drei Monate, die er in Zürich verbrachte, aber für einen achtjährigen Jungen ist das eine lange Zeit. Er erinnert sich an seine Ankunft: «Alles war intakt, die Häuser, die Strassen. Es hatte keine Ruinen. Und die Menschen waren freundlich. Es kam mir fast unwirklich vor.» Feuchts kauften ihm Medikamente und Vitamine und gaben ihm reichlich zu essen. An den Wochenenden fuhren sie immer mit der Bahn zu ihrem Ferienhaus am Obersee. Altendorf heisst die Haltestelle am See, «die lustigste Haltestelle der Schweiz, pflegte Mutter Feucht zu sagen, weil man vor Lachen aussteigt», erinnert sich Gerhard Ulrich, lacht und zeigt wieder auf die Bilder, die dort entstanden sind. Diese Schwarz-Weiss-Fotografien sind für ihn etwas vom Wertvollsten, das er besitzt. Das Bild mit Klara, der jüngeren Tochter der Familie – sie war 13 Jahre alt, als der Junge bei ihnen war –, liebt er besonders. Die beiden haben sich seit da nie wieder gesehen. «Sie war in England, als ich die Eltern das letzte Mal besuchte. Später heiratete sie und wanderte nach Afrika aus.» Nachzuforschen liess er also bleiben, aber an sie gedacht hat er oft. Dass er Klara Feucht 2010 im Rahmen des Projekts «Interview fürs Migros-Magazin», wie er es nennt, 62 Jahre später wieder sehen würde – daran hätte er nie im Traum gedacht. Gerhard Ulrich sitzt vor einem Berg von Zeitdoku-
menten wie Tagebüchern und Fotobänden im Wintergarten seines Einfamilienhauses oberhalb von Sins, seine Frau bringt einen Kaffee, er zündet sich eine Zigarette an. Wie er aus seinem Leben erzählt, muss er öfters innehalten, seine Frau mahnt ihn, tief durchzuatmen.
Gastfamilien halfen, wo die Politik versagte
Die Zahl der Kinder, die während und nach dem Zweiten Weltkrieg zu Erholungszwecken in die Schweiz geholt wurde, wirkt aus heutiger Sicht unvorstellbar: rund 181 000 waren es von 1940 bis 1956. Für jedes dieser Kinder fand sich eine Schweizer Familie, die sich sagte: Wir wollen helfen. Die Essen, Kleidung, Geschenke für diese Kinder aus dem eigenen Sack bezahlten. Dass die Menschen in der Schweiz selbst deutschen Kindern schnell Hilfe anboten, war damals alles andere als selbstverständlich – der Hass und die Furcht gegenüber NaziDeutschland war noch immer stark. Der deutsche Historiker Bernd Haunfelder hat mehrere Bücher zum Thema Kinderzüge in die Schweiz geschrieben. Darin schildern damalige Gastkinder ihre Erinnerungen. Sie sind überzeugt, dass es in erster Linie Nächstenliebe war, die so viele Schweizer dazu bewegte, ihre Häuser zu öffnen und trotz eigener Entbehrungen und der offiziellen Politik, der dieses Engagement
MENSCHEN KRIEGSKINDER
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«Die Schweiz hat mir das Leben gerettet.» Gerhard Ulrich sieht seine «Gastschwester» Klara nach 62 Jahren zum ersten Mal wieder. Das Foto in ihren Händen zeigt die beiden ein Jahr nach Kriegsende beim Wochenendausflug am Zürichsee.
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MENSCHEN KRIEGSKINDER
nicht sehr genehm war, zu helfen: «Sie handelten nach dem Grundsatz, dass dort, wo viele satt werden, auch noch Platz für ein weiteres sei.» Die Kinder, so sagte man sich, traf schliesslich keine Schuld. Hermann Schulin war auch eines dieser Kinder. 1937 in Kassel geboren, war er zwei Jahre alt, als der Krieg ausbrach, und zehn, als er für einen Erholungsaufenthalt in die Schweiz kam. Genauer gesagt nach Mühlehorn GL am Walensee. Schulin stammt aus einer Juristenfamilie, «schon mein Urururur-Grossvater war Jurist.» Man würde meinen, ein Kind aus solchem Hause hätte den Krieg besser überstanden als andere, aber dem war nicht so. «In der Hungerszeit nach dem Krieg war das Essen noch stärker rationiert als während des Kriegs; auf dem Schwarzmarkt kauften sich die Menschen dazu, was sie benötigten. Weil mein Vater Richter war, konnte er nicht auf dem Schwarzmarkt einkaufen.» Das führte dazu, dass Hermann Schulin und seine Geschwister stark unterernährt waren. In Mühlehorn lebte er – wie ein Jahr zuvor schon seine Schwester Gertrud – für drei Monate bei der Familie Ackermann. Vater Jakob Ackermann hatte eine Sägerei, er war ein starker Mann, «aber seine Stimme, die war ganz melodiös», erzählt Hermann Schulin. Ein grosser Demokrat sei er gewesen, sein Gastvater, «und so ein herzlicher Mensch». Die Herzlichkeit ist es, die Hermann Schulin immer wieder erwähnt. Sein eigener Vater war streng und Disziplin fordernd – so erlebte er Deutschland in seinen Jugendjahren ganz allgemein. Den Vater lernte er erst richtig kennen, als dieser nach Kriegsende mit der Familie lebte. Schulin erzählt, wie er als Kind nicht aufrecht ging, stets einen Buckel machte. «Wohl, weil ich nicht genügend Kraft hatte. Zu Hause wurde das stark moniert. ‹Hermann, halt dich gerade!›, schimpfte der Vater oft. In Mühlehorn war es dann so: Bei einem Spaziergang mit Vater Ackermann – ich ging auch wieder so vornüber gebeugt – erklärte
Migros-Magazin 34, 23. August 2010
«Diese Herzlichkeit», sagt er wieder und will aus einem weiteren Brief vorlesen, doch dann hält er inne, schaut Emmi an und sagt: «Weisst du, für mich war das bei euch wie im Vorparadies.»
Noch heute melden sich Leute, um sich zu bedanken
«Essen mag er wacker. Es fehlt ihm gewiss gar nichts.» Beim Wiedersehen mit Emmi Kamm-Ackermann, einer der drei Töchter seiner Gastfamilie, schwelgt Hermann Schulin in Erinnerungen.
mir dieser, was mit den Organen passieren könnte, wenn sie immer so zusammengedrückt werden. Das hat mich motiviert.» Ackermanns schrieben den Eltern von Hermann regelmässig Briefe, erzählten, wie es dem Jungen geht, was er alles erlebt. Schulin hat diese Briefe sorgfältig aufbewahrt und liest Emmi, einer der Töchter des mittlerweile verstorbenen Jakob Ackermann, nun daraus vor. Da steht zum Beispiel: «Das Körpergewicht von Hermann nimmt nicht wesentlich zu, es ist dies nicht seine Art. Essen mag er wacker. Es fehlt ihm gewiss gar nichts. Er isst auch von allem, was auf den Tisch kommt (…). Schweizerdeutsch spricht er noch nicht. Aber er versteht alles. (…) Letzten Sonntag durfte er mit an die Landsgemeinde in Glarus. (…) Nun hat Hermann schon mehr als die Hälfte seiner Ferienzeit um. Es wird uns, wenn er wieder abgereist ist, recht langweilig werden die erste Zeit. Man kann mit ihm gut plaudern. Er ist ein mitteilsames Bürschtchen. (…) Wir waren übrigens sofort auf Du und Du.» Hermann Schulin kichert.
Ähnlich äussern sich viele der heute Erwachsenen, die damals zur Erholung in die Schweiz durften. Bernd Haunfelder hat zahlreiche Berichte von heute noch Lebenden in den Büchern «Kinderzüge in die Schweiz» und «Not und Hoffnung» vereint. Auch wenn die historische Darstellung der offiziellen Schweiz von damals und ihre Neutralitätspolitik etwas gar unkritisch dargelegt wird – die Stimmen der Menschen, denen damals geholfen wurde, vermitteln einen Eindruck einer Schweizer Bevölkerung, die offen und solidarisch war. Die Dankbarkeit und Wertschätzung dieser Tausenden von Menschen, denen geholfen wurde – und ihrer Familien – hat mitgeholfen, den Ruf der Schweiz als humanitäres Land in der Welt zu verankern. Einige der damaligen Gastkinder sind später in die Schweiz gezogen, so wie Gerhard Ulrich, der als Metallexperte bei Landis & Gyr angestellt wurde, und Herbert Schulin, den ein Professor der Universität Zürich als Assistent quasi zurückholte. Beide sind bis heute geblieben. Beide sagen, dass die Erinnerungen an die Monate hier ausschlaggebend waren, in die Schweiz zurückzukehren. Viele der Gastkinder haben später auch versucht, die Gasteltern oder ihre Nachfahren ausfindig zu machen. Noch heute würden sich Deutsche und solche aus anderen europäischen Ländern (siehe Box) beim Schweizerischen Roten Kreuz melden, weil sie den Familien noch einmal danken möchten, erzählt Elsi Aellig, eine langjährige Mitarbeiterin des Roten Kreuzes. Aellig hat ab 1947 die Fahrten der Kinder aus Deutschland in die Schweiz in den sogenannten Kinderzügen organisiert. In ihrer Wohnung in Bern erinnert sie sich an die Zeit von damals: «Mit jedem Zug kamen 450 bis
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MENSCHEN KRIEGSKINDER
Migros-Magazin 34, 23. August 2010
500 zuvor von Ärzten ausgesuchte, unterernährte und tuberkulosegefährdete Kinder. Sie hatten nur wenig Gepäck dabei, viele waren ganz schwach. Sie wurden dann in alle Kantone verteilt, die dortigen Sektionen kümmerten sich schon vorgängig um ihre Platzierung. Und alle wollten kleine Mädchen! Da mussten wir manchmal sagen: Äxgüsi, aber es gibt nicht für alle Mädchen, Sie kriegen einen Buben.»
«In meiner Suppe hatte es heute fünf Fleischstücke!»
Wenn die Kinder nach den drei Monaten wieder nach Hause fuhren, zeigte sich ein ganz anderes Bild. Elsi Aellig war bei mehreren Rückfahrten dabei. Sie hat sie so erlebt: «Es war eine komplett andere Stimmung auf dem Perron. Die Kinder waren munter, ihre Gesichter runder, die Koffer vollgepackt, sie hatten sogar zusätzliches Gepäck.» Viele Gasteltern hätten den Kindern Kleider und Spielzeug geschenkt und ihnen Essen mitgegeben, viel Schokolade. Elsi Aellig lacht, «immer diese Schoggi, die war ganz wichtig.» Aber hatten es alle Kinder so gut bei den insgesamt rund 100 000 Gastfamilien in der Schweiz? Elsi Aellig denkt kurz nach und sagt dann: «Gewiss gab es auch Kinder, die man umplatzieren musste. Sie waren ja hier, um sich erholen zu können – einige wurden dann aber doch über Gebühr in die Arbeit eingebunden, vor allem auf Bauernhöfen kam das vor. Aber die meisten erinnern sich an grosse Herzlichkeit, Grosszügigkeit, Nächstenliebe.
«Sie kamen unterernährt und gingen mit runden Gesichtern.» Elsi Aellig hat ab 1947 die Fahrten der Kinder aus Deutschland in die Schweiz organisiert.
Viele hatten fast einen Kulturschock, als sie hier ankamen.» In Briefen, welche die Kinder an ihre Eltern schickten, las man Sätze wie: «Was es alles gibt hier! Stellt euch vor, in meiner Suppe hatte es heute fünf Fleischstückchen!» Hunger und Mangel haben diese Kinder geprägt. Gerhard Ulrich sagt: «Auch heute staune ich noch, wenn ich mir eine Schale Johannisbeeren für sechs Franken kaufe – dass ich mir das leisten kann!» Ulrich, der sich spät noch selbständig gemacht hat, ist heute ein gut situierter Mann, aber anstatt sich ein Prestige-Auto zu leisten, spendet er lieber dem Roten Kreuz
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regelmässig etwas Geld. Für die Bilder zu dieser Geschichte ist er an den Ort zurück, wo er mit seiner Gastfamilie die Wochenenden verbrachte, nach Altendorf am Zürcher Obersee. Da erlebt er die erste grosse Überraschung: das Ferienhaus von damals steht noch. Als er zusammen mit dem Fotografen über das private Gelände geht, kommt ihnen ein jüngerer Mann entgegen, etwas misstrauisch will der wissen, was die beiden Fremden an den Ort führt. «Hier verbrachte ich wunderschöne Tage mit meinen Gasteltern, der Optikerfamilie Feucht aus Zürich», erklärt Ulrich sofort, «nun wollten wir hier Bilder machen.» «Ach», sagt der junge Mann, «das waren meine Grosseltern.» Er ist der Sohn von Klärli, die wohlauf sei und nicht in Afrika lebt, wie Ulrich geglaubt hat, sondern längst wieder in der Schweiz – die zweite Überraschung. Am darauffolgenden Sonntag sitzen Klara Künzler-Feucht und Gerhard Ulrich vor dem Ferienhaus und tauschen Fotos und Erinnerungen aus. Ulrich ist aufgewühlt. Klärli drückt seine Hand. Er sagt: «Dieses Wiedersehen, ich kann gar nicht beschreiben, was es mir bedeutet.» Zwei Kilo habe er in den letzten zwei Tagen abgenommen, «und heute Morgen habe ich einen Beruhigungs- und dann noch einen Herz-KreislaufTee getrunken.» Die Tränen kullern. «Eins ist sicher», sagt er noch, «ab jetzt bleiben wir immer in Kontakt.» Text Esther Banz Bilder Reto Schlatter
Die Schweiz — ein sicherer Hort für Kinder in Not Schon während des Ersten Weltkriegs und der Weltwirtschaftskrise holten engagierte Schweizer notleidende Kinder hierher. Besonders aktiv waren Frauen aus dem Arbeiter- und Gewerkschaftsumfeld, es entstand die «Proletarische Kinderhilfe», aus der das bis heute aktive Schweizerische Arbeiterhilfswerk wurde. Während
des Zweiten Weltkriegs organisierten das Schweizerische Hilfswerk für Emigrantenkinder und die Schweizerische Arbeitsgemeinschaft kriegsgeschädigter Kinder Kinderzüge aus Frankreich und halfen insbesondere Kindern, die seit Jahren mit ihren Familien vor den Nazis auf der Flucht waren. 1944 wurde die private Kinderhilfe ins Schweizerische Rote Kreuz
integriert, das bis 1956 Kinderzüge auch aus Österreich, Italien, Holland, Ungarn und weiteren Ländern organisierte. Ehemalige «Schweizer Kinder» sind zum Teil in Vereinen zusammengeschlossen (www.schweizer-kinder.de und www.helmut.sinor.at/wordpress). Heute bietet das Kinderhilfswerk Kovive Kindern in Not Ferien in der Schweiz an (www.kovive.ch).
Ausstellung: «Kinderzüge in die Schweiz», Henry-Dunant-Museum in Heiden AR, bis 15. November. Literatur zum Thema: — Bernd Haunfelder: «Kinderzüge in die Schweiz», «Not und Hoffnung» (Aschendorff Verlag) — Antonia Schmidlin: «Eine andere Schweiz. Helferinnen, Kriegskinder und humanitäre Politik 1933—1942» (Chronos Verlag)
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AUF EIN WORT
Migros-Magazin 34, 23. August 2010
FRAU DER WOCHE
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BUNDESRATSWAHLEN 2010
«Die Bundesräte leben in einer geschützten Welt» Priska Spörri Die Glückskette sammelte für die Flutopfer in Pakistan über 13 Millionen Franken an einem einzigen Tag. Vertrauen schaffte dabei die neue Mediensprecherin der Spendensammelorganisation Priska Spörri (47). Gerade weil die Schweizer Pakistan mit Terror in Verbindung bringen, ist eine offene und ehrliche Sprecherin, der die Bevölkerung glaubt, Gold wert.
Bilder Keystone/Pool Bundeshausfotografen/Pascal Lauener, Keystone/Laurent Gillieron, zvg
MANN DER WOCHE
Der ehemalige SP-Präside SP-Präsident Peter Bodenmann (58) schont weder links noch rechts. Er kritisiert im Vorfeld der Wahlen den Bundesrat. Und der Walliser Hotelier ist überzeugt, Johann Schneider-Ammann und Simonetta Sommaruga werden in die Exekutive gewählt. Peter Bodenmann, am 22. September finden die Ersatzwahlen für die zurücktretenden Bundesräte Moritz Leuenberger (SP) und HansRudolf Merz (FDP) statt. Was steht dabei im Zentrum?
Wir werden Ende Oktober vier Frauen und drei Männer im Bundesrat haben. Die Zeiten haben sich seit der Nichtwahl von Christiane Brunner geändert. Das ist erfreulich. Es stellt sich die Frage, wann die SVP wieder zwei Vertreter im Bundesrat hat. Denn im Ernst kann man den BDP-Sitz nicht mehr dieser weit rechts stehenden Partei anrechnen. Das heisst, Sie sprechen der FDP ihren zweiten Sitz ab.
Semih alias Müslüm In Bern ist er Kult. Jetzt erobert Semih Yavsaner (30) mit seiner Kunstfigur Müslüm die ganze Schweiz und will damit das Kulturzentrum Reithalle in Bern vor dem Verkauf retten. Sein sozialkritisches und witziges Video «Erich, warum bisch du nid ehrlich», gerichtet an SVP-Politiker Erich Hess, ist ein Hit. 150 000 Leute klickten es auf Youtube bereits an.
Es gibt drei Blöcke in der Schweiz. Links die SP und die Grünen. In der rechten Mitte die FDP und die CVP. Und weit rechts die SVP. Die rechte Mitte hat real Anspruch auf drei Sitze. Die beiden anderen Kräfte auf je zwei.
Die SVP hat kaum Kandidaten — im Gegensatz zu FDP und SP. Warum?
Die SVP hat keine realistische Machtperspektive entwickelt. Sie ist die grosse Jammeri-Partei, die behauptet, unser Land werde schlecht regiert, weil sie untervertreten sei. Deren Politiker ha-
ben kalte Füsse. Das läuft darauf hinaus, dass letztlich Johann Schneider-Ammann von der FDP und SP-Frau Simonetta Sommaruga gewählt werden. Zwei Berner?
Leuenberger und Blocher waren auch beide aus dem Kanton Zürich. Viel schlechter wird das nicht herauskommen. In der «Weltwoche» haben Sie den Linken empfohlen, SVPFraktionspräsident Caspar Baader zu wählen. Warum?
Baader ist für seine Partei eine Spass- und Wahlbremse – und wäre das erst recht als Bundesrat. Er hat weniger Potenzial als Ueli Maurer. Und der richtet im VBS ein rechtes Chaos an. Niemand weiss, was er will. Neue Kampfflugzeuge oder doch keine?
«Die Schweiz wird von den Chefbeamten regiert. Das funktionert gut.» Was halten Sie vom Sitzanspruch der Grünen?
Die Grünen haben in den letzten Jahren auf Kosten der SP Stimmen gewonnen. Es besteht die Gefahr, dass ein Sitz der Linken nach den Wahlen an die Grünen geht. Ausser, sie bekommen bei der nächsten Vakanz den Posten der Bundeskanzlerin. Dieser war in der Schweizer Geschichte schon wichtiger als Bundesräte.
Sie bezeichnen den jetzigen Bundesrat als «KastratenChörli». Was läuft falsch?
Ueli Maurer ist für den bilateralen Weg mit angezogener Handbremse. Doris Leuthard hält einen neuen Anlauf zum EWR für denkbar. Micheline CalmyRey ist für einen EU-Beitritt. Der Bundesrat müsste die drei möglichen Wege konzeptionell aufarbeiten lassen. Und diese Diskussion mit und in der Öffentlichkeit führen. Und erst dann entscheiden. Sonst laufen wir der Geschichte – wie beim Bankgeheimnis – immer hinterher. Welcher amtierende Bundesrat macht die Arbeit in Ihren Augen besonders gut?
Ich arbeite – um in der Welt der Migros zu bleiben – eher in der Abteilung Salz statt Zucker … Heisst das, kein Bundesrat leistet gute Arbeit?
Doch, denn die Schweiz wird nicht vom Bundesrat, sondern von den Chefbeamten regiert. Das funktioniert gut, solange keine grossen Überraschungen anstehen. In ruhigen Zeiten kann man die Bundesräte ohne Schaden ein Jahr ins Fitnesszentrum schicken. Die Schweiz würde genau gleich funktionieren. Wie beurteilen Sie die Stimmung im Bundesrat?
Die Bundesräte leben in einer geschützten Welt. In ihrem Umfeld sagen alle, sie seien die Schönsten und Gescheitesten. Und die glauben das. Alle reden vom Team. Aber wenn es nicht mal möglich ist, Rücktritte zu koordinieren, spiegelt das die Realität. Interview Reto E. Wild
20 | Migros-Magazin 34, 23. August 2010
Ein Leben für die wilden Seit 30 Jahren lebt Karl Ammann in Kenia. Der Ostschweizer setzt sich als Tierfotograf, Buch- und Filmautor und Umweltaktivist für die Tiere ein. Gegen Wilderer, Korruption, die Bevölkerungsexplosion und Holzkonzerne hat er aber einen schweren Stand.
K
enia: Weites Land, weiter Himmel. Der Schweizer Karl Ammann (61) wohnt am Fuss des Mount Kenya auf 2200 Meter über Meer – zusammen mit seiner Frau Katherine (61) und dem 23-jährigen Mzee. Dieser blättert gerne im «Playboy» und steht auf blonde Frauen. Der «Adoptivsohn» ist ein besonderes Familienmitglied, der den Alltag im abgelegenen Haus vor den Toren von Nanyuki grundlegend verändert hat. Mzee ist ein Schimpanse. Das Ehepaar Ammann begegnete ihm, als es 1988 auf einem klapprigen Kahn flussaufwärts durch den Kongo reiste. Damals war Mzee noch ein Baby, steckte in einem winzigen Korb, verwahrlost und eingeschüchtert. Seine Eltern wurden von Wilderern umgebracht, ihr Fleisch auf dem Markt verkauft. Die Ammanns haben sich des Babyäffchens angenommen. Mzee ist für Karl Ammann ein lebendes Mahnmal und Auslöser einer erbitterten Gegenwehr gegen die Gräueltaten an den bedrohten Menschenaffen, unseren nächsten biologischen Verwandten. Der gebürtige Sankt Galler steht unter Strom, ist ständig auf Achse, besessen von seinem Kampf gegen die Ungerechtigkeit. Mit Artikeln, Büchern, Filmen und seiner Kamera als wichtigster Waffe rüttelt er auf und informiert. «Ich will dem Publikum, aber vor allem den Politikern und Entscheidungsträgern, keine Chance für eine Ausrede geben, sie hätten nicht ge-
wusst, was hier abgeht», sagt er besonnen. Die meisten Schweizer würden zu gut in ihrem schönen «Schwyzer Ländli» leben und hätten keine Ahnung von Afrika.
Vom Balair-Flugbegleiter zum Umweltaktivisten
Er aber fühlt sich im Schwarzen Kontinent zu Hause. Schon als Student einer Handelshochschule begleitete er vor knapp 30 Jahren Afrika-Reisen für Kuoni und arbeitete für die damalige Charterfluggesellschaft Balair als Flugbegleiter. Nach seinemStudiumstellteihndie Hotelkette Intercontinental in Kenia ein. Danach investierte er in das Luxuscamp Mara Intrepids, das im Naturschutzgebiet Masai Mara, im Hochland Kenias liegt und für seinen Löwenreichtum bekannt ist. Der Verkauf seines Anteils brachte ihm genug Geld ein, um
Der Schimpanse Mzee gehört seit 20 Jahren zur Familie von Karl Ammann.
Karl Ammann: «Ich will dem Publikum keine Chance für eine Ausrede geben, sie hätten nicht gewusst, was abgeht.»
sich ein Haus ausserhalb Nanyukis zu bauen. Seither setzt sich Karl Ammann unentwegt für die Wildtiere ein. Demnächst publiziert er in Zusammenarbeit mit der «University of California» einen Bildband über Giraffen («Giraffe Reflections»). Sein Buch «Eating Apes» wurde 2004 für den Pulitzer-Preis vorgeschlagen. Drei Jahre später zeichnete ihn das «Time Magazine» zum «Hero of the Environment» aus. Immer wieder reist Ammann in abgelegene Urwaldgebiete und sammelt Beweise für die unkontrollierte Zerstörung der afrikanischen Regenwälder. Er legt sich mit Wilderern und einfachen Buschjägern an, die Gorillas und Schimpansen töten, weil deren Fleisch unter den Einheimischen als Delikatesse gilt – und auf dem Schwarzmarkt viel Geld ein-
bringt. Und er kämpft gegen Holzkonzerne, die mit ihrem Strassenbau durch den Urwald die Wilderei vereinfachen. Mit wenigen Dollars lassen sich selbst Parkhüter von Nationalparks schmieren. Den Winkelried Afrikas schmerzt das; seine Prognose zur Zukunft fällt düster aus: «In Samburu im Süden Kenias gab es beispielsweise vor zehn Jahren 35 000 Giraffen, heute sind es noch 5000. Schuld daran sind Wilderer und die Bevölkerungsexplosion, die zu immer mehr Kühen, Ziegen und Eseln in der Heimat der Wildtiere führt.» Er könne mit seiner Arbeit die Entwicklung verlangsamen, aber nicht aufhalten. «Vielleicht findet jemand eine Lösung», sagt er. Es hört sich resigniert an. Entsprechend schlecht schläft er.
MENSCHEN KÄMPFER
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Tiere
Menschenaffen werden immer noch abgeschlachtet. Dagegen kämpft Karl Ammann.
e sflüg u A alle riffen g e b in
Grandiose Gebirgswelt auf der grossen Dolomiten-Rundfahrt. Ausflug zum Schloss Trauttmansdorff, nach Meran und nach Kastelruth.
1. Tag Schweiz – Südtirol Sie verlassen die Schweiz und fahren durch den Arlbergtunnel ins Stanzertal. Am Nachmittag folgen Sie dem Inn nach Innsbruck. Sie fahren durchs Wipptal zur italienischen Grenze auf dem Brenner. Kurz danach erreichen Sie das hübsche Städtchen Sterzing. In der Hauptgasse erinnern noch viele alte Wirtshausschilder an die Zeit, als das Städtchen ein wichtiger Umschlagplatz an der Brennerroute war. 2. Tag Grosse Dolomitenrundfahrt Auf der grossen Sechspässefahrt lernen Sie die eindrückliche Bergwelt der Dolomiten kennen. Am Anfang der Route steht die imposante, von senkrecht abfallenden Felswänden gebildete Eggentalschlucht. Den ersten Halt legen Sie dann am bekannten Karersee ein, von wo aus Sie herrliche Blicke auf die markanten Wände des Latemarmassivs haben. Danach geht's weiter über den Karerpass ins Fassatal und über Canazei auf das Sellajoch, den höchsten Punkt der Rundfahrt. Von hier aus haben Sie einen der schönsten Panoramablicke über die grandiose Gebirgswelt der Dolomiten. Nun geht es ein Stück talwärts ins Val Gardena, bevor Sie gleich die nächste Passstrasse zum Grödner Joch erreichen. In Corvara, einem bekannten Winter- und Sommerferienort, machen Sie Mittagshalt. Kurz nach diesem Aufenthalt überqueren Sie die nächsten zwei Übergänge, den Valparolapass und den Falzaregopass. Die Strasse führt uns nun hinunter nach Cortina d'Ampezzo, der Hauptstadt der Dolomiten. Von hier aus steigt die Strasse an und führt Sie hinauf zum letzten Pass des heutigen Tages, zum Dreikreuzpass. Kurz hinter der Passhöhe machen Sie Halt am wunderschön gelegenen Misurinasee. Nun geht's hinunter ins Höhlensteintal, wo Sie kurz nach dem Dürrensee einen kurzen Halt einschalten, um alle der berühmten Drei Zinnen zu sehen. Über Toblach und das Pustertal kehren Sie in Ihr Hotel zurück. 3. Tag Ausflug Schloss Trauttmansdorff – Meran – Kastelruth Am Morgen fahren Sie zum Schloss Trauttmansdorff. Hier besuchen Sie die Gärten, die 2005 zum «Schönsten Garten Italiens» gekürt wurden. Selbstverständlich kann auch das Schloss besichtigt werden, in dem Kaiserin Sissi zweimal zur Winterkur wohnte. Danach fahren Sie nach Meran mit seinen grosszügigen Parkanlagen und Promenadewegen. Am Nachmittag fahren Sie hinauf auf das Hochplateau am Fusse der Seiser Alm. Nach einem Aufenthalt in Kastelruth gelangen Sie über den Panidersattel ins Val Gardena und in Ihr Hotel zurück. 4. Tag Südtirol – Schweiz Über Meran führt Sie der Weg ins Vinschgau, mitten durch unendliche Obstplantagen, zum Reschenpass. Bei der Ortschaft Graun eröffnet sich Ihnen einer der schönsten Ausblicke der Alpen: der Reschensee im Vordergrund, überragt vom schneebedeckten Gipfel des Ortlers. Nach dem Mittagshalt in Landeck kehren Sie wieder über die Arlbergroute in die Schweiz zurück.
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MENSCHEN KÄMPFER 23 |
Migros-Magazin 34, 23. August 2010
Trotzdem hat Karl Ammann seinen Aktionsradius über Kenia hinaus ausgeweitet. Er berichtet von reichen und einflussreichen Arabern, die in ihren Anwesen Löwen und Tiger halten, was den Millionären ein Machtgefühl gibt. In Ägypten werden Schimpansen und Gorillas illegal gehalten. Sein Dokumentarfilm «Cairo Connection» bringt diese Misere ans Tageslicht.
Karl Ammann hilft auch den Tieren in Südostasien
Dank seiner in Singapur lebenden Schwester berichtet Ammann auch aus Südostasien, wo im Grenzgebiet Burma–China die Nachfrage nach lebenden Wildtieren, die zum Essen abgeschlachtet werden, stark gestiegen ist. Und die traditionelle chinesische Medizin verlangt nach Elefantenhaut und Tigerpenissen. Bei den Handlangern der Tiermörder ist der
haute ihm mit einem Stock über die Schultern. Doch das Unrecht gegenüber den Tieren treibt Ammann immer wieder an. Am Ende des Tages sitzt er zusammen mit seiner Frau und Mzee, der tagsüber draussen in einem riesigen Gehege turnt, vor dem Fernsehgerät und versucht, Ruhe zu finden. Am Wasserloch vor dem Haus begegnen sich Elefanten und Büffel. Für Mzee heisst es nach dem Abendessen, die Zähne zu putzen und schlafenzugehen. Gut, dass der Schimpanse nicht weiss, was seinen Artgenossen angetan wird. Text Reto E. Wild
Die Wildtiere Ostafrikas sind durch Bevölkerungsexplosion und Wilderer in Gefahr. Karl Ammann dokumentiert die Entwicklung.
aufrechte Schweizer inzwischen bekannt. Für versteckte Aufnahmen mit uhrengrossen Kameras helfen ihm deshalb Studenten. «Ich kann nicht mehr den naiven Touristen spielen. Seit der Verbreitung des Internets bin ich bekannt. Kommt dazu, dass das viele
Bilder SF, Karl Ammann
Reisen mir langsam an die Substanz geht», räumt Karl Ammann ein. Er erhielt anonyme Anrufe, er würde mit seiner Arbeit zu weit gehen. Als er in Bangkok einen Film über die misshandelten Strassenelefanten drehen wollte, ging ein Thailänder auf ihn los und
Am Donnerstag, 26. August, strahlt SF 1 einen Film über Karl Ammann aus, und zwar in der Reihe DOK um 20 Uhr. Der 50-minütige Beitrag von Béla Batthyany heisst «Der Troublemaker — Karl Ammann rettet die Tiere in Afrika». www.karlammann.ch
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Migros-Magazin 34, 23. August 2010
JUGENDOLYMPIADE IN SINGAPUR
FACKELLAUF ÜBERS WASSER: Der Singapurer Segler Darren Choy (16) ist einer von über 3600 Nachwuchsathleten aus aller Welt, die sich zurzeit in seiner Heimat an der weltweit allerersten Jugend-Olympiade messen. Aus 205 Nationen sind die Sporttalente zwischen 14 und 18 Jahren in den Stadtstaat gereist, 22 Athleten kommen aus der Schweiz. Die Ehre, das jugendliche olympische Feuer zu entfachen, erhielt Lokalmatador Choy.
Bilder Keystone/AP Photo/Wong Maye-E, Keystone/Laurent Gillieron
FRAGE DER WOCHE
Wer kann in der Schweiz Bundesrat werden? Wählbar ist grundsätzlich jeder stimmberechtigte Schweizer Bürger. Zugehörigkeit zum Parlament ist nicht nötig. Im Lauf der 162-jährigen Geschichte der modernen Schweiz hat sich aber ein Wahlverfahren mit zahlreichen geschriebenen und ungeschriebenen Regeln entwickelt. Ein massgeblicher Faktor bei den Bundesratswahlen war stets die Parteizugehörigkeit. Im Bundesrat sollte sich die Stärke der Parteien im Parlament spiegeln. Im Februar 1999 entschied das Volk, die sogenannte Kantonsklausel (nur ein Bundesrat pro Kanton) aus der Bundesverfassung zu streichen. Stände und Volk forderten stattdessen die angemessene Vertretung der Sprachgemeinschaften und Regionen in der Landesregierung.
ZITAT DER WOCHE
«Ich habe auch am Fliessband gearbeitet. Das hat mir nicht geschadet.» Doris Leuthard (47) weibelt in der «NZZ» für die Revision der Arbeitslosenversicherung. Auch einem jungen, gut ausgebildeten, arbeitslosen Maurer schade es nicht, wenn das RAV ihn in die Gastronomie schickt. Damit muss er nach einem Ja zur Revision rechnen.
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26 | Migros-Magazin 34, 23. August 2010
Nach der Lehre ist vor der Uni
Mit einem Realschulabschluss Ärztin werden? Das schweizerische Bildungssystem macht es dank seiner beispielhaften Durchlässigkeit möglich, dass junge Menschen über Umwege doch noch ihren Traumberuf finden.
A
m Anfang stand eine Lehre. Ralph Gassmann (33) lernte Typograf in einer Druckerei, Ariana Kuster (39) entschied sich für eine Lehre bei der damaligen PTT, und Stephan Jutz (39) liess sich zum Kaufmann ausbilden. Erinnert sich Ralph an die Zeit, als er das Gymnasium vorzeitig verliess und sich auf Lehrstellensuche begab, sagt er: «Ich hatte keine Ahnung, was ich lernen wollte.» Mehr zufällig landete er in einer Druckerei. Heute sieht er seine Lehrzeit positiv: «Ich lernte dort Disziplin und den Umgang mit Menschen – aber ich wusste auch bald einmal, dass ich diesen Beruf niemals bis an mein Lebensende ausüben wollte.» Ariana Kuster ging ihre Berufswahl als Jugendliche pragmatisch an: «Zugegeben, der hohe Lehrlingslohn von 3700 Franken lockte mich.» Das Geld und die damit verbundene Selbständigkeit reizten sie, «ich war endlich unabhängig.» Gleich zwei Berufsausbildungen vorzuweisen hat Stephan Jutz. Nach seiner kaufmännischen Lehre liess er sich zum Forstwart ausbilden. Die Nähe zur Praxis begeisterte ihn durch seine beiden Lehrzeiten: «Mich in die Arbeit reinknien, die wiederum vom Arbeitgeber und den Kollegen geschätzt wurde, das mochte ich in
beiden Berufsausbildungen. Ich profitierte enorm.» Die Erkenntnisse von Ralph, Ariana und Stephan, die ihre Berufslehren in den Achtziger- und Neunzigerjahren begannen, bieten sich geradezu an, ein Loblied auf das duale Berufsbildungssystem der Schweiz – der Ausbildung in einem Betrieb mit Besuch einer Berufsfachschule – anzustimmen. Bildungspolitiker, Bildungsbeamte und Wirtschaftsverbände werden auch nicht müde zu betonen, wie effizient und zielgerichtet das schweizerische Berufsbildungssystem arbeitet.
Mit einer Berufslehre an die Universität
Ursula Renold, Direktorin des Bundesamtes für Berufsbildung und Technologie BBT, lobt die enge Vernetzung von Wirtschaft und Bildung, die im Verhältnis zum Ausland niedrige Jugendarbeitslosigkeit und die Durchlässigkeit der einzelnen Bildungswege (siehe Interview Seiten 24-25). So könne beispielsweise ein Heranwachsender, der eine Lehre mit Berufsmatur abschliesse, später an eine Fachhochschule oder mit einem Zusatzjahr gar an einer Universität studieren. Zeugen dieser Durchlässigkeit sind auch die Bildungsbiografien von Ralph, Ariana und Stephan.
Ralph beendete seine Lehre 1998. Er bewarb sich an der staatlichen Schauspielschule in Manchester, wurde aufgenommen und verliess diese im 2001 mit einem Bachelorabschluss in der Tasche. Heute steht er auf internationalen Theaterbühnen und ist als Schauspieler im Fernsehen beim «Tatort», in Spielfilmen und Serien zu sehen. Ariana, die ehemalige Telefonistin, absolvierte die Kantonale Maturitätsschule für Erwachsene und arbeitet zurzeit im Spital Limmattal in der Chirurgie als Assistenzärztin. Seinen Traumjob gefunden hat auch Stephan: Der gelernte Kaufmann und Forstwart ist heute Reviertierpfleger im Zürcher Zoo und pflegt dort die Elefanten. Kein Loblied auf das Schweizer Berufsbildungssystem anstimmen mag der Basler Arbeitsmarktökonom George Sheldon. Er attestiert dem System zwar, dass es «gut aufgestellt» sei. Dieses «Pushen der Berufslehre» erachtet er aber als falsch. Der Arbeitsmarkt in der Schweiz habe einen Mangel an Akademikern und nicht an Handwerkern, sagt Sheldon. Dies zeige auch der Umstand, dass die Schweiz Akademiker im Ausland rekrutieren müsse. «Warum also Jugendliche zu einer Berufslehre motivieren, wenn der Arbeitsmarkt einen Be-
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Vom Typografen zum Schauspieler Ralph Gassmann, 33 Jahre:
«Ich wollte bereits im Alter von 15 Jahren an einem professionellen Ort Theater spielen, doch gab es in meinem Alter keine Ausbildung in der Schweiz. Auch der Begriff Casting war mir Mitte der Neunzigerjahre unbekannt — heute kennt diesen Begriff jeder Jugendliche. Es gibt in der Schweiz zu wenige Möglichkeiten für Jugendliche, sich bereits früh künstlerisch in einem professionellen Umfeld zu entwickeln. Ich büffelte die für mich nutzlose Mathematik und setzte mich erst spät an der Schauspielschule mit den für mich wichtigen literarischen Werken auseinander. Das Berufsbildungssystem der Schweiz ist bis auf die künstlerischen Berufe gut. Die vielen komischen Künstlerbiografien in der Schweiz zeugen davon.»
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darf an höher qualifiziertem Personal hat?», fragt sich der Arbeitsmarktökonom und fügt an: «Das ist auch nicht fair gegenüber den jungen Menschen, die am Ende auf ihrer Berufslehre sitzen bleiben und keinen Job finden.»
Praxiserfahrung lässt sich vergolden
Die BBT-Direktorin Ursula Renold teilt Sheldons Einschätzung nicht. «George Sheldon reduziert den Akademiker und den Handwerker auf zwei polarisierende Begriffe. Bedauerlicherweise nimmt er dabei nicht zur Kenntnis, dass das Berufsbildungssystem durch die Reformen der letzten zehn Jahre sehr viel durchlässiger geworden ist.» Bildungsgänge der höheren Berufsbildung sowie Fachhochschulen würden ihre Studierenden massgeschneidert für die Wirtschaft ausbilden. Mit ihrer Praxiserfahrung seien diese Berufsleute bei den Arbeitgebern gar gefragter als Universitätsabgänger und erzielten hohe Einstiegslöhne, sagt Renold weiter. Untersuchungen würden belegen, dass ein Jahr nach Abschluss weniger Fachhochschulabgänger arbeitslos seien als Universitätsabgänger. Renold findet es falsch, mehr junge Menschen über das Gymnasium direkt an die Universität oder ETH zu führen. Denn vom jetzigen System profitieren letztlich auch die Hochschulen, die damit ihre Exzellenz verbessern und weniger Leute haben, die ihr Studium wegen mangelnder Studierreife abbrechen. Sheldons Kritik kann auch der Ökonom Rudolf Strahm, alt Nationalrat, ehemaliger Preisüberwacher und profunder Kenner der BildungslandschaftinderSchweiz, nicht teilen. Nur in einem Punkt pflichtet Strahm seinem Kollegen Sheldon halbwegs bei: «In gewissen Bereichen wie in der Medizin oder in den Naturwissenschaften haben wir tatsächlich einen Mangel.» Dieses Problem sei aber selbst gemacht; mit der Abschaffung des Numerus
Von der PTTTelefonistin zur Ärztin
Ariana Kuster, 39 Jahre:
«Alles, was mich beruflich nach meiner Lehre interessierte, war mit einem Realschulabschluss nicht erreichbar. So bestand ich knapp die Aufnahmeprüfung an die Kantonale Maturitätsschule für Erwachsene und studierte danach Medizin an der Universität Zürich. Immer wieder gab es Leute, die nicht an meine Ziele glaubten und versuchten, mich zu entmutigen. Heute kann ich sagen, dass ich mir meine beruflichen Sterne vom Himmel geholt habe. Wenn ich etwas meinen Töchtern mit auf den Weg geben will, dann das: Alles ist möglich, und niemand ausser sie selbst entscheiden über ihren Weg.»
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Vom Kaufmann zum Elefantenpfleger Stephan Jutz, 39 Jahre:
clausus beim Medizinstudium und einer Anpassung der Maturitätsreform könnte man diesem Defizit entgegenwirken. Strahm schlägt vor, die Naturwissenschaften im Gymnasium wieder zu stärken. «Die Folge wäre, dass längerfristig der Akademikermangel nicht im Ausland kompensiert werden müsste.» Die aktuellen Entwicklungen in der Bildungspolitik interessieren die Ärztin Ariana und den Elefantenpfleger Stephan insofern, als sich ihre gemeinsamen Töchter Sophia und Lisa-Delia in einigen Jahren selbst für einen Weg im Schweizer Bildungssystem entscheiden müssen. Welchen sie wählen werden, sei unwichtig, beteuern beide. «Schön wäre einzig, wenn sie ihn mit Leidenschaft gehen», sagt Ariana, denn eine berufliche Sackgasse würde es im Bildungssystem der Schweiz so oder so nicht geben. – «Wer weiss das besser als Stephan und ich?»
«Ich war ein mittelmässiger Sekundarschüler und lernte Kaufmann in der Sparte Handel. Nach einer Reise nach Kanada arbeitete ich im Büro und importierte Kinderwagen, dann folgte ein kurzer Abstecher als ‹Mädchen für alles› in einem Restaurant. Doch ich wollte in der Natur arbeiten, die Zeit in Kanada hatte mich inspiriert. So absolvierte ich eine zweite Berufslehre als Forstwart und ernährte mich in dieser Zeit aus Kostengründen mehrheitlich von Migros-Budget-Produkten. Ich kann körperlich zwar einiges wegstecken, musste mir aber nach der Lehre eingestehen, dass ich nicht der talentierteste Forstwart war. Als dann der Zürich Zoo einen Tierpfleger suchte, bewarb ich mich. Sie wählten mich unter 200 Kandidaten aus, und heute bin ich stellvertretender Reviertierpfleger bei den Elefanten. In meinen zwei Lehren konnte ich viel lernen — handwerklich wie zwischenmenschlich. Das war sicher auch mit ein Grund, weshalb sich der Zoo Zürich für mich entschied.»
Text Oliver Demont Bilder Christian Schnur
DAS SAGT DIE EXPERTIN Ursula Renold (49), Direktorin des Bundesamtes für Berufsbildung und Technologie, findet, dass Eltern ihre Kinder nicht ins Gymnasium drängen sollten.
«Ein Universitätsabschluss bietet keine bessere Karrierechance» Ursula Renold, Wirtschaftsvertreter und Politiker von links bis rechts loben das Berufsbildungssystem der Schweiz. Warum diese Einigkeit? Die Wirtschaftskrise hat eindrücklich gezeigt, wie gut unser System insgesamt funktioniert: Die
Jugendarbeitslosigkeit lag im vergangenen Jahr bei 5,2 Prozentpunkten. Im Vergleich mit anderen Ländern (siehe Grafik rechte Seite) weisen wir einen sehr niedrigen Wert aus. Die Wirtschaft investierte trotz Krise in den eigenen Berufsnachwuchs. Wie auch der Bildungs-
bericht Schweiz 2010 zeigt, gelingt es uns offensichtlich gut, mit den Berufsbildungsabschlüssen nahe an den Bedürfnissen des Arbeitsmarkts zu sein. Mit anderen Worten: Die Berufsbildung erfolgt praxisnah. Ausgebildet wird dort, wo in der Arbeitswelt ein Bedarf an Fachkräften besteht. So gut die Berufsbildung auch sein mag — zahlreiche Eltern wollen, dass ihre Kinder direkt ins Gymnasium einsteigen und danach die Universität besuchen. Dies gründet wohl in der Vorstellung vieler Eltern, mit einem akademischen Abschluss hätte man heute bessere Karrierechancen. Das stimmt aber nicht. Denn auch mit einer Lehre bleiben alle Möglichkeiten für die Zukunft offen. So können junge Erwachsene mit Lehr-
abschluss und Berufsmaturität später direkt an die Fachhochschule oder mit einem Zusatzjahr gar an die Universität. Auch die höhere Berufsbildung, im Anschluss an eine Berufslehre, vermittelt spezifische Berufsqualifikationen und bereitet optimal auf Führungsund Fachfunktionen in der Arbeitswelt vor. Eltern sollten deshalb ihre Kinder nicht ins Gymnasium drängen, wenn diese eine andere Präferenz haben und nicht mehr weiter zur Schule gehen wollen. Warum aber den Umweg über eine Berufslehre wählen, wenn eine Person später studieren möchte? Die Möglichkeit für den Besuch eines Gymnasiums besteht für all diejenigen, die weiter in die Schule gehen möchten. Tatsache ist aber, dass über 50 Prozent der Jugend-
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Jugendliche ohne Job
Jugendarbeitslosigkeit der unter 25-Jährigen im internationalen Vergleich* SPANIEN
24,6 %
ITALIEN
21,3 %
GRIECHENLAND
20,6 %
SCHWEDEN
19,4 %
FRANKREICH
18,1 %
PORTUGAL
16,4 %
LUXEMBURG
13,5 %
DEUTSCHLAND
10,4 %
ÖSTERREICH
8,1 %
NORWEGEN
7,5 %
JAPAN
7,2 %
DÄNEMARK
7,2 %
SCHWEIZ
7,0 %
NIEDERLANDE
5,6 % 0%
5%
10 %
15 %
20 %
25 %
DANK PRAXISNAHER BERUFSBILDUNG TIEFE JUGENDARBEITSLOSIGKEIT:
Im Jahr 2008 waren in der Schweiz nur sieben Prozent der unter 25-Jährigen ohne Arbeit. Spanien führt die Statistik an. Dort hat fast ein Viertel der Jugendlichen keinen Job. * Quelle: OECD (2008)
lichen im Alter von 15 Jahren genug davon haben, die Schulbank zu drücken. Der Entscheid für eine Berufslehre bietet da die Möglichkeit, sich schon früh in der Arbeitswelt zu beweisen. Denn neben theoretischen Kenntnissen können Jugendliche sich auch praxis- und arbeitsnahe Kompetenzen aneignen, die später sowohl für ein Studium an einer Hochschule als auch für das berufliche Weiterkommen in der Arbeitswelt nützlich sind. Das Berufsbildungssystem in der Schweiz ist in Europa ein Sonderfall. Gerät da der Bildungsabgänger aus der Schweiz nicht ins Hintertreffen, wenn im Ausland unsere Abschlüsse und die damit verbundenen Qualifikationen niemand kennt?
Das trifft tatsächlich zu. Deshalb müssen wir Transparenz schaffen, und das geht nur über einen Vergleich der Qualifikationen. Nehmen wir als Beispiel die Pflegefachfrauen. In England und in Holland werden diese an Universitäten ausgebildet, in der Schweiz an höheren Fachschulen und Fachhochschulen. Die mit diesen Abschlüssen erworbenen Fähig-
«Über die Hälfte aller 15-Jährigen hat genug von der Schule.»
keiten sind in den drei Ländern ähnlich, die Titel jedoch verschieden. Das Gleiche gilt für Wirtschaftsprüfer, Personalfachleute oder Marketingplaner, deren Abschlüsse in der Schweiz zu der höheren Berufsbildung gezählt werden. Im Ausland hingegen besitzen diese Berufsleute meist einen Universitätsabschluss. Wir arbeiten deshalb an einem System, das die Fähigkeiten eines Abschlusses misst und vergleicht und nicht den erworbenen Titel in den Vordergrund stellt. Wir setzen alles daran, unsere Berufsbildungsabschlüsse im Ausland bekannt zu machen. Ist es nicht vermessen zu glauben, dass das Ausland sich eingehend mit den Schweizer Eigenheiten der Bildungslandschaft befassen sollte?
Diesen Anspruch haben wir nicht. Unsere Pflicht ist es aber, die Qualität unserer Berufsbildung aufzuzeigen und sie ihrem Wert entsprechend zu positionieren. Wir sind gemessen an der Arbeitslosenstatistik wesentlich leistungsfähiger als Länder, die nur vollschu– lische Bildung kennen. Mit Vertretern aus Deutschland, Österreich, Dänemark und Luxemburg — sie alle kennen das duale Bildungssystem mit einer Berufslehre — haben wir eine Gruppe gegründet mit dem Ziel, unsere Anliegen international besser zu vertreten und die Vorteile bekannt zu machen. Auch ins Auge fassen müssen wir Zeugniserläuterungen und eine Übersetzung der Titel ins Englische, sodass man versteht, welche Qualifikation hinter einem Titel steht. Interview Oliver Demont
Sabine Lüthi
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Besuch der guten Fee Was ich Sie schon lange mal fragen
wollte: Ertappen Sie sich auch dabei, mit der ZunBänz Friedli schrubbt ge Ihren Zeigefinund schrubbt. ger zu benetzen, um vom Boden Schmutzkrümel aufzunehmen – ein Brösmeli, einen Melonenkern, was weiss ich … ein Stäubchen gar nur? Dann ist Ihr Reinlichkeitsfimmel ähnlich gravierend wie meiner. Winzigkeiten, derentwegen man sich bückt, Nichtigkeiten! Liesse man sie liegen, es würde niemandem auffallen. Nun ginge es ja noch, dass ich daheim alles und jedes vom Boden klaube. Aber unlängst verpasste ich sogar Bienvenus Führungstor im Letzigrund. Anna Luna hat es mir dann geschildert. Sie sass neben mir und hatte, wie übrigens auch ihr Bruder, ihre Papierserviette und den leeren Plastikbecher unter die vordere Sitzreihe geschmissen, darauf vertrauend, dass dann schon aufgeräumt werde: vom Vati. Und während der Vati also seinen Arm unter die Vordersitze zwängte und mühsam den töchterlichen und söhnlichen Abfall hervorholte, erzielte Bienvenu das Null-zu-eins für YB. Ein sehenswerter Treffer, scheints. Einem wie mir ist es nie sauber genug. Ich befürch-
te, Sie kennen das. Also können Sie sich vorstellen, wie es mich störte, dass unser Küchenboden nach vier Jahren in der neu-
en Wohnung das reinste Vierfruchtmuster abgab, obgleich wir weiss Gott nicht im Ruch stehen, Militaristen zu sein. Nicht einfach nur unputzbar dreckig waren die kleinen, ursprünglich hellgrauen Plättli, sondern fleckig: hier braun, da grünlich, dort schlammgelb, denn wir hatten es mit allem probiert – Javel, Backpulver, Essig, Spülglanz – und den Boden dabei ein ums andere Mal verschlimmbessert. Nur der Schmutz zwischen den Plättli blieb, die einst blassen Fugen waren raben-, wirklich rabenschwarz.
top und zuletzt das iPad meiner Frau, das mit Fingerabdrücken nur so übersät ist.
Mir blieb nur, Beatrice zu Hilfe zu rufen, meine Je-
«Wer hat mein iPad geschlissen?», ruft sie am
mako-Tante. (Für Uneingeweihte: Das ist die Putzutensilienvertreterin, die mich anlässlich einer Heimdemonstration bei einer Nachbarin zu ihrer Produktelinie bekehrte. Dabei ging ich mehr so zum Spass hin.) Wie erhofft geschah ein kleines Wunder. Einer Fee gleich schwebt Beatrice in unsere Wohnung – wobei ich mich natürlich saumässig für all den Staub schäme, den ich plötzlich überall erspähe –, sie zückt Spezialbürste und Sondermittel, demonstriert die richtige Schrubbtechnik, und nach einer halben Stunde sieht es in der Küche, schwupps, wie in einem Neubau aus. Ich bin so hingerissen, dass ich ihr
besondere Mitteli und Fasern für Chromstahl, Herd und Badezimmer abkaufe sowie – ganz neu! – einen Spezialreiniger für spiegelnde Oberflächen und Flachbildschirme. Mit religiösem Eifer mache ich mich ans Polieren, ich glänze Fernseher und Backofentür, Spiegelschrank und Lap-
«Ein kleines Wunder geschah.»
Abend aus und schimpft mit den Kindern, jetzt sei aber fertig auf ihrem Gerät «Airportmania» gespielt! Worauf ich kleinlaut von meiner Putzaktion erzähle. Offenbar hat der Reiniger das iPad mit einem staubabstossenden Film überzogen, der nun auch die Versuche abstösst, den Berührbildschirm zu bedienen. Moral? Hat die Geschichte keine. Ausser vielleicht der, dass nicht immer die Kinder schuld sind. Oder am End gar diejenige, dass allzu viel Putzen schadet? Bänz Friedli live: 30. 8. Langnau i. E., Kupferschmiede; 3. 9. Laupersdorf, Bibliothek.
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«Ich bin ein Patriot»
Christian Gross ist der erfolgreichste Schweizer Fussballtrainer der Gegenwart. Dem MigrosMagazin gewährte der Chefcoach des VfB Stuttgart eines seiner seltenen Interviews. Dabei schwärmte er von Töfftouren, Segantini, spanischem Rotwein und von der Schweiz.
Christian Gross, Sie haben den VfB Stuttgart am 6. Dezember 2009 übernommen. Sind Sie nun in der Schwabenmetropole zu Hause?
Es wäre etwas übertrieben, schon vom Zuhause zu sprechen. Ich musste mich sehr schnell akklimatisieren; die Grössenordnung im Fussball ist hier in Stuttgart anders. Ich fühle mich insgesamt sehr wohl in Europa und möchte mich nicht auf ein einzelnes Land festlegen. Sicher ist: In der Schweiz haben wir ein Paradies. Weshalb?
Landschaftlich, der Umgang miteinander. Ich stehe dazu: Ich bin ein Patriot. Wir Schweizer dürfen stolz auf unser Land sein. Uns fehlt nur das Meer. Der VfB war in der Bundesliga das beste Team der Rückrunde 2009/2010. Die 2,26 Punkte pro Spiel sind Vereinsrekord.
Ich bin mir absolut bewusst, dass ich diesen Schnitt über eine Zeitspanne von lediglich sechs Monaten erreichte. Um nicht abzusteigen, waren wir ganz einfach gefordert, Punkte zu holen. Die Spieler waren bereit, die Verantwortung zu übernehmen, und wussten, worum es geht. Dieses Bewusstsein konnte ich der Mannschaft sehr schnell vermitteln. Wir haben uns darauf konzentriert, möglichst gut zu verteidigen und mehr Tore zu schiessen. Wie konnten Sie dieses Bewusstsein vermitteln?
Mit einer direkten Sprache, mit der ich die Fehler aufzeige und dabei trotzdem in einem konstruktiven Ton rede. Im Sie-Ton, wie wir wissen.
Klar. Je länger ich in diesem Ge-
schäft dabei bin, desto mehr gehe ich zu dieser Form über. Der SieUmgangston mit dem Vornamen als Anrede erlaubt eine direktere Sprache. Sie gelten als grosser Motivationskünstler.
Das Wort Motivation benutze ich selten – ausser wenn es um mich geht. Denn ich muss derjenige sein, der am meisten motiviert ist. Wichtig ist, resultatorientiert zu spielen, aufzuzeigen, dass es mehr Spass macht, wenn man gewinnt. Als Trainer muss ich die Begeisterung für den Fussball vorleben.
Wie motivieren Sie sich selbst? Mit Musik?
Musik ist etwas Existenzielles und sehr wichtig in meinem Leben. Was für Musik hören Sie?
Unterschiedlich. Letzthin war ich an einem Konzert von Pink Martini – im Rahmen des Stuttgarter Jazz-Festivals. Die Atmosphäre war toll. Sicher gehe ich auch an das Konzert von Cicero, dem Frank Sinatra Deutschlands. A-ha ist auf Abschiedstournee. Mein Musikgeschmack richtet sich nach meiner Stimmung. Frühmorgens motiviert mich beispielsweise ein hartes Rockstück von Bruce Springsteen. Botschaften in gewissen Liedern begleiten mich durchs Leben. Beispielsweise?
«Tougher than the Rest» von Springsteen ist ein Titel, der von der Herausforderung handelt, den Weg zu bestehen, was immer auch passiert. Und Töfffahren motiviert Sie auch?
Das ist ein Hobby, das ich aus Zeitgründen kaum ausübe. Es ist für
mich das Ausleben eines Freiheitstraums. Dabei fahre ich sicher nicht auf der Autobahn oder im Stadtverkehr. Ich peile lieber ein schönes Lokal an und verweile dort. Sind Sie Harley-Fahrer?
Nein. Ich fahre ein CaliforniaModell von Moto Guzzi. Das habe ich einer deutschen TV-Station gesagt. Am nächsten Tag bekam ich einen BMW-Töff zur Probe. Nachdem unser Hauptsponsor Mercedes sein Okay gab, fahre ich es jetzt gelegentlich. Sie haben nicht nur Benzin im Blut, sondern sind auch in Kunst bewandert. Sie spielen Klavier und sind fasziniert von den Segantini-Bildern.
(lacht) Ich hatte mal damit begonnen, Klavier zu lernen. Aber mein Lehrer verstarb leider früh. Ich hörte dann mit dem Unterricht auf und kann deshalb nicht richtig Klavier spielen. Aber Segantini stimmt: Ich bin begeistert von seinen Bildern mit den Engadiner Landschaften. Aus dem Oberengadin mit seinen Seen und dem speziellen Licht schöpfe ich unglaublich viel Kraft und Energie. Deshalb verbrachte der VfB sein Trainingslager im Engadin!
Ja. Das Tal bietet sehr viel. Segan-
«Morgens motiviert mich ein harter Rocksong.»
tini war ein Maler, der das Licht gesucht hat. Ich bewege mich ebenfalls nicht gerne im Dunkeln. Am 20. August fiel der Startschuss zur Bundesliga. Sie haben in den letzten Wochen über «grosse Sorgen» geredet. Ist das Kader des VfB nicht schlagkräftig genug?
Nach dem Abgang von Khedira und dem Rücktritt von Goalie Lens Lehmann haben wir viel Persönlichkeit verloren. Es geht jetzt darum, deren Aufgaben auf mehrere Schultern zu verteilen. Wir benötigen unbedingt einen guten Start. Die Spieler müssen sich tagtäglich bewusst sein, dass sie Repräsentanten des Vereins sind. An diesem Verantwortungsbewusstsein arbeite ich jeden Tag. Was ist das Saisonziel 2010/11?
Die Bundesliga wird sehr ausgeglichen sein. Für uns geht es darum, gut in die Saison zu starten, möglichst schnell die Neuzuzüge zu integrieren und als Mannschaft aufzutreten. Das Fachmagazin «Kicker» wählte Sie zum zweitbesten Trainer der Bundesliga — nach Bayerns Van Gaal. Wie wichtig ist Ihnen diese Anerkennung?
Diese Auszeichnung wurde von Leuten vergeben, die sich im Fussball auskennen. Um weiterzukommen, braucht man solche Anerkennungen.
In der deutschen Bundesliga ist ein Trainer durchschnittlich ein Jahr im Amt. Macht Ihnen das Angst?
Nein. Klar, die Kurzfristigkeit ist schon ein Phänomen, das wir allerdings auch in der Wirtschaft im Speziellen und in
INTERVIEW CHRISTIAN GROSS
Gross(e) Herausforderung
Christian Gross (56) ist erst der sechste Schweizer, der in der Bundesliga einen Trainerjob hat. Er übernahm das abstiegsgefährdete Stuttgart im Dezember 2009 und realisierte in einem halben Jahr einen Vereinsrekord (2,26 Punkte pro Spiel). Sein Vertrag läuft bis zum Juni 2011. Die zweite Bewährungsprobe erfolgt mit dem am vergangenen Wochenende erfolgten Start zur Bundesliga. Gross setzt auf Symbolik und Psychologie. Der Stadtzürcher gehört zu den erfolgreichsten Trainern der Schweiz, holte er doch mit dem FC Basel von 1999 bis 2009 vier Meistertitel und ebenso viele Cupsiege. Mit den Grasshoppers schaffte er von 1993 bis 1997 zwei Meistertitel.
Unter der Leitung von Christian Gross schaffte der VfB Stuttgart letzte Saison den Sprung von einem Abstiegsplatz in die Europaliga.
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INTERVIEW CHRISTIAN GROSS
Migros-Magazin 34, 23. August 2010
der Gesellschaft allgemein sehen. Die Geduld in praktisch allen Lebenslagen nimmt immer mehr ab. Die technische Entwicklung mit Mobiltelefonie und Internet hat diese «Schnelligkeit» zusätzlich forciert. Mein Lieblingsmotto ist deshalb, stets wach zu sein und zum Beispiel die Bedeutung eines Anrufs von einem Vorstandsmitglied richtig einzuschätzen. Deshalb muss ich an mir selbst arbeiten und fit und wach bleiben. Wie machen Sie das?
Mit gesunder Ernährung, Kontrolle des Gewichts, vitaminreichem Essen. Ich ernähre mich trotzdem sehr genussvoll. Was heisst das?
Wenn ich Schokolade esse, dann möglichst mit Nüssen. Wenn ich Salat esse, dann mit einem feinen Olivenöl.
Und Sie trinken gerne einen spanischen Ribera del Duero aus Tempranillo-Trauben.
Deutsche Medien bezeichnen Sie als «härtesten Hund der Bundesliga». Stimmt dieses Bild?
Selbstverständlich. Ich bin ein Fan von spanischen Weinen und gerade vom Tempranillo mit seinem unglaublich erdigen Geschmack. Das passt zu meinem Charakter. Ihnen wird nachgesagt, Sie seien bei der ersten Begegnung mit Menschen vorsichtig. Haben Sie das von Ihrem Vater, einem einstigen Polizisten aus ZürichHöngg, geerbt?
(lacht laut) Mein Vater war zwar Polizist, aber ein geselliger Mensch. Nur wegen seines Berufs darauf zu schliessen, ich sei speziell ernst und hart geworden, ist deshalb falsch. Ich bin in einem gutbürgerlichen Haus aufgewachsen und meinen verstorbenen Eltern dankbar, dass sie mir jede Gelegenheit gaben, Fussball zu spielen.
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Wenn Sie hart mit konsequent gleichsetzen, stimmt es. Ansonsten gehe ich mit Spielern und Mitarbeitern sehr respektvoll um.
Und reden mit den Spielern in mehreren Sprachen. In wie vielen? Gross ist ein Taktikfuchs.
«Ich bin für die Einführung des Videobeweises.»
Deutsch, Französisch, Englisch, Italienisch und Spanisch. Spanien hat die besten Fussballer der Welt. Welches ist Ihre Bilanz der WM 2010?
Die richtige Mannschaft hat gewonnen. Wir Schweizer können mehr, als wir im Spiel gegen Honduras gezeigt haben. Ist Trainer Hitzfeld schuld am Ausscheiden der Schweizer?
Sicher nicht. Wir sollten
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INTERVIEW CHRISTIAN GROSS
Migros-Magazin 34, 23. August 2010
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nicht vergessen, dass es bereits ein riesiger Erfolg ist, wenn sich die Nati für ein grosses Turnier qualifiziert. Und während der WM muss einfach alles stimmen, also keine verletzten Leistungsträger. Mir schien von aussen, die Spieler hätten ein wenig einheitlicher auftreten können.
wichtig ist Ihnen der Anzug am Spielfeldrand?
Welches waren die schönsten Szenen in Südafrika?
Bill Gates und Warren Buffett haben dazu aufgerufen, Milliardäre sollen Teile ihres Vermögens für einen guten Zweck hergeben. Haben Sie sich auch schon in diese Richtung engagiert?
Das ist individuell. Das darf man nicht überbewerten. Ich fühle mich an einem wichtigen Tag wie bei einem Bundesliga-Spiel am wohlsten im Anzug. Während der Woche trage ich meist einen Trainingsanzug.
Der Schweizer Sieg gegen Spanien mit dem verrückten Tor von Fernandes, dem ein ungesehenes Notbremsefoul des Torhüters vorausging. So gesehen konnte der Schiedsrichter froh sein, dass ein Goal fiel. Gewundert habe ich mich über die unterschiedliche Regelauslegung der Schiedsrichter und fand den Unparteiischen im Final Holland gegen Spanien schlecht. Alles in allem hat man an diesem Turnier zu viel über die Schiedsrichter gesprochen. Immer mehr Experten fordern den Videobeweis für Fussballspiele.
Ich bin absolut für die Einführung dieser Technik. Wenn ein Linienrichter auf der Höhe des Sechzehners ist, kann man ihm aufgrund des Winkels keinen Vorwurf machen, wenn er den Ball falsch einschätzt. Aber mit einer Torkamera kann man einen solchen Fall sofort auflösen. Die Fifa verlangt Fair Play der Spieler. Dann dürfen die Spieler auch Fair Play der Fifa verlangen. Um Diskussionen zu verhindern, muss man den Videobeweis einführen. Wie weit lässt sich Erfolg kaufen?
Gute Spieler kann man mit einem entsprechenden Salär zu einem Verein locken. Allerdings steht es auf einem anderen Blatt geschrieben, ob der Club danach Erfolg haben wird. Sicher hilft Geld, ein
Schön wärs, ich wär Milliardär! Sie machen einen falschen Vergleich. Ich bewege mich in einem Geschäft, das sehr kurzlebig ist. Wenn ich dann mal mit meinem Job aufhören sollte, was jetzt überhaupt nicht absehbar ist, werde ich mir überlegen, in welchem karitativen Bereich ich Geld anlegen soll.
Christian Gross dirigiert sein Training in mehreren Sprachen.
«Ich fühle mich während des Spiels am wohlsten im Anzug.» breites Kader zu haben. Aber mit Geld allein kann man den Erfolg definitiv nicht kaufen. Dazu braucht es wichtigere Faktoren.
Haben Sie mit den beiden noch Kontakt?
Das geschlossene Auftreten, die Identifikation mit dem Verein, zielgerichtetes Arbeiten und Individualisten, die sich einordnen.
Mit Murat tausche ich SMS aus und verfolge seine Karriere als Trainer bei Thun sehr genau. Er ist ein Trainertalent und hat eine genaue Vorstellung von Fussball. Ich sage ihm eine grosse Karriere voraus, wenn er hartnäckig dranbleibt.
Ihre ehemaligen Spieler, die Yakins, mischen die Schweizer Super League auf.
Die Brüder Murat und Hakan Yakin sind immer tadellos angezogen — wie Sie. Wie
Welche?
Bevor Sie aufhören, werden Sie aber Nati-Trainer, oder?
Das kann man so nicht voraussagen. Das hängt immer von der Konstellation ab. Bisher war ich Clubtrainer. Und das gefällt mir. Hitzfeld war vorher auch nie Trainer einer Nationalmannschaft.
Wir haben einen hervorragenden Nati-Trainer. Er ist erfolgsorientiert und besitzt eine grosse Portion positive Aggressivität. Haben Sie noch grosse Träume?
Ich hatte in meinem Leben bis anhin sehr viel Glück. Deshalb wünsche ich mir, ein sorgenfreies Leben zu führen, bis es mich nicht mehr gibt. Interview Reto E. Wild und Mathias Haehl Bilder David Maupilé
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Auf diesen beiden einmaligen Reisen an Bord der MS Excellence Royal auf dem Rhein entdecken wir unter anderem die Städte Mainz, Koblenz, Düsseldorf und Köln. Wir passieren den Romantischen Rhein und den sagenumwobenen Loreley-Felsen und geniessen ein Nachtessen in gediegener Atmosphäre auf Schloss Vollrads. Daneben stehen Weltklasse-Stars wie Cecila Bartoli und J. D. Florez auf dem Programm. Höhepunkte
Reise 1
Festspielhaus Baden-Baden
Liederabend mit Cecilia Bartoli
Musiktheater im Revier, Gelsenkirchen
«My Fair Lady»
Orchester des Mariinsky Theaters St. Petersburg Dirigent: Valery Gergiev
Ihr Reiseprogramm — Reise 1 1. Tag, Do 11. Nov.: Schweiz Baden-Baden. Anreise nach Greffern. Einschiffung auf unser Flussschiff MS Excellence Royal. Am Abend erwartet uns der erste musikalische Leckerbissen: Festspielhaus Baden-Baden, 20.00 Uhr Liederabend mit Cecilia Bartoli Mezzosopran Kammerorchester Basel Ouvertüren und Arien von Georg Friedrich Händel 2. Tag, Fr 12. Nov.: Rüdesheim. Den heutigen Morgen verbringen wir an Bord unseres schwimmenden Hotels. Die Schifffahrt führt uns rheinabwärts vorbei an Speyer, Worms und Mainz bis nach Rüdesheim. Das Rheingauer Winzerstädtchen ist bekannt für seine Drosselgasse und die Weinlokale. Wir verkosten die hiesigen Weine während einer Degustation. Anschliessend fahren wir auf der romantischen Rheinstrecke mit ihren unzähligen Schlössern, Burgen, Ruinen und dem sagenumwobenen LoreleyFelsen weiter. 3. Tag, Sa 13. Nov.: Köln. «Köln ist ein Gefühl», so lautet das Motto von Köln Tourismus. Treffender könnte die Kunst-, Universitäts- und Medienstadt wohl kaum beschrieben werden. Nicht nur der Kölner Dom, ein Meisterwerk der Hochgotik, und die sehenswerten Altstadtgässchen zeichnen Köln aus. Es ist vielmehr auch die fröhliche, ausgelassene Lebensart und Herzlichkeit der Kölner, die im Alltag beim geselligen Beisammensein in einem der Brauhäuser und ganz speziell in der fünften Jahreszeit, dem Karneval, zum Vorschein kommt. Morgens geführte Stadtbesichtigung und am Nachmittag Weiterreise mit der MS Excellence Royal nach Düsseldorf. Gegen Abend Busfahrt nach Gelsenkirchen: Musiktheater im Revier, Gelsenkirchen, 19.30 Uhr «My Fair Lady» Musical nach einer literarischen Vorlage von G. B. Shaw Musik Frederik Loewe
Cecilia Bartoli, erfolgreichste Mezzosopranistin unserer Zeit 4. Tag, So 14. Nov.: Düsseldorf oder fakultativer Ausflug Zeche Zollverein. Die Düsseldorfer Altstadt ist berühmt als «Die längste Theke der Welt». Weitere Sehenswürdigkeiten sind das Geburtshaus Heinrich Heines, die Rheinuferpromenade sowie das alte Rathaus mit Jan Wellems Reiterstandbild. An diesem Morgen haben Sie die Wahl, entweder entdecken Sie die Lifestyle-Metropole Düsseldorf bei einer geführten Besichtigung oder Sie nehmen an unserem fakultativen Ausflug in das Unesco Weltkulturerbe Zeche Zollverein teil. Hier erleben wir den gesamten Produktionsablauf von der Förderung über die Aufbereitung bis zur Verladung des «schwarzen Goldes». Der Weg führt uns durch das Gelände und die Übertageanlagen des einstmals modernsten und leistungsstärksten Steinkohlebergwerks in Europa.
(Dieser fakultative Ausflug muss bei der Buchung reserviert werden.)
5. Tag, Mo 15. Nov.: Koblenz und Gala-Abendessen auf Schloss Vollrads. Am Morgen besichtigen wir unter kundiger Führung die historische Altstadt Koblenz. Besonders sehenswert sind die romantischen Gassen zwischen der Basilika St. Kastor und der Liebfrauenkirche. Das Wahrzeichen der Stadt, der Schängelbrunnen, steht im heutigen Rathaushof umringt von Barockbauten des Jesuitenensembles. Vom Deutschen Eck mit dem Kaiser-Wilhelm-Denkmal werfen wir einen Blick auf die Festung Ehrenbreitstein, die grösste erhaltene Befestigungsanlage Europas, die 118 m über der Stadt thront. Am Abend geniessen wir: Die MS Excellence Royal Ihr Hotelschiff
Foto Uli Weber
Vorzeigeobjekt der Deutschen Weinkultur Alte Oper Frankfurt
Foto Uli Weber
Gala-Abendessen auf Schloss Vollrads Weltklasse-Tenor J. D. Florez Abendessen auf Schloss Vollrads in Oestrich-Winkel Gediegenes Abendessen inkl. sämtliche Getränke im Vorzeigeobjekt der Deutschen Weinkultur 6. Tag, Di 16. Nov.: Mainz. Mainz, gegenüber der Mündung des Mains am Rhein gelegen, ist Landeshauptstadt und zugleich die grösste Stadt des Bundeslandes Rheinland-Pfalz. Beeindruckende Gebäude, Denkmäler und Museen zeugen von 2000 Jahren Mainzer Stadtgeschichte. Auf einer geführten Besichtigung wird uns die Stadt und ihre interessante Vergangenheit nähergebracht. Nachmittag zur freien Verfügung. Gegen Abend Busfahrt nach Frankfurt: Alte Oper Frankfurt, 20.00 Uhr Orchester des Mariinsky Theaters St. Petersburg Dirigent: Valery Gergiev Klavier: Alexei Volodin Werke von Schtschedrin, Berlioz und Tschaikowskys Klavierkonzert Nr. 1 b-Moll op. 23 7. Tag, Mi 17. Nov.: Mannheim Schweiz. Ausschiffung und Rückfahrt in die Schweiz zu den Einsteigeorten. Programm- und Fahrplanänderungen bleiben vorbehalten.
auf dem Rhein
mit der MS Excellence Royal****+
Höhepunkte
Reise 2
Festspielhaus Baden-Baden
Weltklasse-Tenor J. D. Florez
Reise 1: 7 Tage inkl.Vollpension an Bord ab Fr. Reise 2: 7 Tage inkl.Vollpension an Bord ab Fr.
Gala-Abendessen auf Schloss Vollrads Vorzeigeobjekt der Deutschen Weinkultur Hessisches Staatstheater Wiesbaden
«La Traviata»
Theater Dortmund
Konzert der Dortmunder Philharmoniker Johannes Brahms Sinfonie Nr. 2 Ihr Reiseprogramm – Reise 2 1. Tag, Fr 19. Nov.: Schweiz Baden-Baden. Anreise nach Greffern. Einschiffung auf unser Flussschiff MS Excellence Royal. Am Abend erwartet uns der erste musikalische Leckerbissen: Festspielhaus Baden-Baden, 20.00 Uhr Liederabend mit Weltklasse-Tenor J. D. Florez «Bel Canto Spectacular» Dirigent: Allesandro Vitiello Württembergisches Kammerorchester Heilbronn 2. Tag, Sa 20. Nov.: Speyer und Gala-Abendessen auf Schloss Vollrads. Heute gelangen wir nach Speyer. Hier haben Kelten, römische Soldaten, religiöse und weltliche Herrscher und vor allem auch die initiativen Bürger ihre Spuren sichtbar hinterlassen. Stolze Kirchen, schmucke Fassaden verschiedener Bauepochen und verwinkelte Gassen zeugen von längst vergangenen Zeiten. Am Ende der langen Maximilianstrasse, die von schönen barocken Stadthäusern gesäumt ist, steht der prächtige Kaiserdom aus dem 11. Jahrhundert. Er wurde 1981 in die Liste der Unesco-Welterbestätten aufgenommen und ist das grösste erhaltene und bedeutendste romanische Bauwerk Europas. Geführter Stadtrundgang mit Aussenbesichtigung des Domes. Gegen Mittag Weiterfahrt rheinabwärts bis nach Mainz. Am Abend geniessen wir: Abendessen auf Schloss Vollrads in Oestrich-Winkel Gediegenes Abendessen inkl. sämtliche Getränke im Vorzeigeobjekt der Deutschen Weinkultur 3. Tag, So 21. Nov.: Mainz. Mainz, gegenüber der Mündung des Mains am Rhein gelegen, ist Landeshauptstadt und zugleich die grösste Stadt des Bundeslandes Rheinland-Pfalz. Beeindruckende Gebäude, Denkmäler und Museen zeugen von 2000 Jahren Mainzer Stadtgeschichte. Auf einer geführten Besichtigung wird uns die Stadt und ihre interessante Vergangenheit nähergebracht. Nachmittag zur freien Verfügung. Gegen Abend Busfahrt nach Wiesbaden:
Romantischer Rhein Hessisches Staatstheater Wiesbaden, 19.30 Uhr «La Traviata» Oper in 3 Akten von Giuseppe Verdi In italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln 4. Tag, Mo 22. Nov.: Köln und fakultatives Abendessen in einem Brauhaus. Am Morgen passieren wir die romantische Rheinstrecke mit ihren unzähligen Schlössern und Burgen und den sagenumwobenen Loreley-Felsen. Am Nachmittag erreichen wir Bonn. Von hier aus fahren wir weiter mit dem Bus nach Köln. Geführte Besichtigung in der Kunst-, Universitäts- und Medienstadt. Sehenswert ist nicht nur der Kölner Dom, ein Meisterwerk der Hochgotik, sondern auch die Altstadtgässchen. Am Abend Abendessen auf der MS Excellence Royal oder Teilnahme an unserem fakultativen Abendessen in einem typischen Kölner Brauhaus. Zum Essen gehört selbstverständlich ein Glas Kölsch. (Dieses fakultative Abendessen muss bei der Buchung reserviert werden.) 5. Tag, Di 23. Nov.: Ausflug Zeche Zollverein. Am Mittag erleben wir den gesamten Produktionsablauf von der Förderung über die Aufbereitung bis zur Verladung des «schwarzen Goldes» im Unesco-Weltkulturerbe Zollverein in Essen. Der Weg führt uns durch das Gelände und die Übertageanlagen des einstmals modernsten und leistungsstärksten Steinkohlebergwerks Europas. Gegen Abend Bustransfer nach Dortmund: Theater Dortmund, 20.00 Uhr Klassisches Konzert der Dortmunder Philharmoniker Dirigent: GMD Jac van Steen Klavier: Ralf van Raat Werke von Joseph Haydn, Tritan Keuris und Johannes Brahms Sinfonie Nr. 2 D-Dur op. 73
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Programm- und Fahrplanänderungen bleiben vorbehalten. Organisation und Durchführung Twerenbold Reisen AG, Im Steiacher 1, 5406 Baden Anmeldung: 056 484 84 84
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2-Bett-Kabine Hauptdeck 1995. 2-Bett-Kabine mit frz. Balkon, Mitteldeck 2195. 2-Bett-Kabine mit frz. Balkon, Oberdeck 2395. Reduktion Kabine hinten 200. Nicht inbegriffen Kartenzuschläge Kartenpaket für alle 3 Vorstellungen Kategorie A 150. Kategorie B 75. Aufpreis fak. Ausflug Zeche Zollverein 35. Komb. Annullations- & Extrarückreiseversicherung 49. Reise 2 Preise pro Person Fr. 2-Bett-Kabine Hauptdeck 1795. 2-Bett-Kabine mit frz. Balkon, Mitteldeck 1995. 2-Bett-Kabine mit frz. Balkon, Oberdeck 2195. Reduktion Kabine hinten 200. Nicht inbegriffen Kartenzuschläge Kartenpaket für alle 3 Vorstellungen Kategorie A 180. Kategorie B 95. Aufpreis fakultatives Abendessen im Brauhaus 25. Komb. Annullations- & Extrarückreiseversicherung 49. Beide Reisen Fr. Zuschläge Fahrt im Königsklasse-Luxusbus 140. 2-Bett-Kab. zur Alleinbenützung, Hauptdeck 375. 2-Bett-Kab. zur Alleinbenützung, Mittel- & Oberdeck 750. Unsere Leistungen ■
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-Luxusbus bzw. Komfort-Fernreisebus Schifffahrt in der gebuchten Kabine Vollpension an Bord, Gebühren, Hafentaxen Willkommenscocktail, Kapitänsdinner Alle Ausflüge und Besichtigungen (Reise 1: ausg. fak. Ausflug Zeche Zollverein) (Reise 2: ausg. fak. Abendessen im Brauhaus) Abendessen auf Schloss Vollrads inkl. Getränke Stadtführungen gemäss Programm Musikprogramm Kartenpaket Kategorie C Erfahrene Reisebegleitung Auftragspauschale Unsere Auftragspauschale von Fr. 20. pro Person entfällt für Mitglieder im Excellence-Reiseclub oder bei Buchung über www.twerenbold.ch Hinweis Karten Kategorie A: beste verfügbare Kategorie Karten Kategorie B: zweitbeste verfügbare Kategorie Karten Kategorie C: drittbeste verfügbare Kategorie Abfahrtsorte 08:15 Wil , 08.30 Burgdorf , 08:40 Winterthur, 09:00 Zürich-Flughafen , 09:20 Aarau, 10.00 Baden-Rütihof , 11.00 Basel
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6. Tag, Mi 24. Nov.: Düsseldorf. Die Düsseldorfer Altstadt ist berühmt als «Die längste Theke der Welt». Weitere Sehenswürdigkeiten sind das Geburtshaus Heinrich Heines, die Uferpromenade sowie das alte Rathaus mit Jan Wellems Reiterstandbild. Geführte Besichtigung der Lifestyle Metropole. 7. Tag, Do 25. Nov.: Köln Schweiz. Ausschiffung und Rückfahrt in die Schweiz zu den Einsteigeorten.
1795. 1595.
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42 | Migros-Magazin 34, 23. August 2010
SERIE — TEIL 1
Die M-Industrie gehört mit ihren 15 Unternehmen im Inland und drei Betrieben im Ausland zur Migros-Gruppe. Sie stellt über 20 000 Produkte her — von der Konfitüre bis zum Waschmittel. Mit 10 000 Mitarbeitenden — darunter 400 Lernenden in mehr als 15 Berufen — ist die M-Industrie eine der bedeutendsten Arbeitgeberinnen der Schweiz und weltweit die grösste Produzentin von Eigenmarken. 2009 betrug ihr Umsatz 5,092 Milliarden Franken. Sie beliefert nicht nur die Migros, sondern exportiert Schweizer Qualitätsprodukte in mehr als 50 Länder. In einer Serie porträtiert das Migros-Magazin verschiedene Unternehmen der M-Industrie.
Hochbetrieb auf
Die Migros ist nicht nur die grösste Detailhändlerin der Schweiz, sie über die M-Industrie befragen wir deren Chef Walter Huber und zeigen, Walter Huber, als Chef der M-Industrie stehen Sie insgesamt 18 Industrieunter– nehmen vor. Was zeichnet diese Betriebe aus?
Die M-Industrie setzt sehr stark auf den Produktionsstandort Schweiz. Pro Jahr investieren wir im Inland 150 bis 200 Millionen Franken in neue Technologien und Produktionsanlagen. Wir tragen also ständig dazu bei, den Werkplatz Schweiz zu modernisieren. Zudem sind wir der grösste Abnehmer von Schweizer Landwirtschaftsprodukten. Und wir stehen für eine nachhaltige Produktion, und zwar über die gesamte Wertschöpfungskette. So werden Waren zum Beispiel wenn immer möglich mit der Bahn transportiert. Doch wie steht es mit den Innovationen? Die Migros wird traditionell nicht mit neuen
Erfindungen, sondern eher mit cleveren Kopien wie dem legendären «Kaffee Zaun» in Verbindung gebracht.
Das wäre ein falsches Bild, denn Innovationen sind einer der Haupttreiber unseres Geschäfts. Damit wir auch in Zukunft international mit den Besten mithalten können, arbeiten gegen 200 Forscher und Entwickler an Technologien, Konzepten und Produkten von morgen. In der Vergangenheit haben wir bereits eine lange Reihe von Innovationen erbracht. Zum Beispiel?
Wussten Sie, dass die Bina, also die Bischofszell Nahrungsmittel AG, Anfang der Achtzigerjahre die erste Schweizer Herstellerin von Eistee war? Der Durstlöscher entwickelte sich sofort zum Renner. Die Bina war weltweit auch die erste Abfüllerin von Fruchtsäften in Tetra-Packungen, und die Mi-
Standorte der M-Industrie ÖSTERREICH ENGLAND SCHWEIZ
FRANKREICH Netzwerk aus spezialisierten Produktionsbetrieben: In der Deutschschweiz, der Romandie
und dem Tessin, aber auch in Österreich, Frankreich und England sind die Unternehmen
der M-Industrie vertreten. Als Traditionsbetriebe sind sie in ihren Regionen stark verwurzelt.
belle beliefert international Kosmetikkonzerne mit selber entwickelten Wirkstoffen. Die Liste der Beispiele liesse sich noch stark verlängern. Viele Konsumenten wissen nicht, dass die M-Industrie nicht nur die Migros, sondern auch andere Unternehmen im In- und Ausland beliefert. Wo liegen hier die Schwerpunkte?
In der Schweiz beliefern wir die Gastronomie und zählen viele Bahnhof- und Tankstellenshops zu unseren Kunden. Im Ausland konzentrieren wir uns auf grosse Detailhandelsketten wie die britische Tesco oder die deutsche Edeka sowie auf Fachhandelsketten wie Drogeriemärkte. Sehen Sie bei diesen Drittkunden noch Wachstumschancen?
In der Schweiz haben wir noch viel Potenzial in der Gastronomie und im Convenience-Bereich, also beim Geschäft mit Lebensmitteln, die sich schnell zubereiten lassen. Auch innerhalb der Migros-Gruppe sind noch interessante Potenziale vorhanden. Und natürlich im Ausland – da wollen wir unseren Umsatz bis 2012 von 350 auf 700 Millionen Franken verdoppeln. Um dies zu erreichen, stärken wir die Vermarktungsstrukturen in unseren Hauptmärkten Deutschland, England, Frankreich, Österreich und Nordamerika. So haben wir Ende letzten Jahres bereits eine Tochtergesellschaft in den USA und Kanada eröffnet. Wachstum wäre doch auch durch die Übernahme anderer Unternehmen zu erreichen.
Dort, wo es strategisch Sinn macht, sind auch Akquisitionen für uns ein Thema. So haben
NEUES AUS DER MIGROS
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dem Werkplatz Migros entwickelt und produziert auch viele Erzeugnisse selber. Zum Auftakt einer Artikelserie woher beispielsweise das Aproz-Mineralwasser kommt.
M-Industrie-Chef Walter Huber: «Wir sind der grösste Abnehmer von Schweizer Landwirtschaftsprodukten.»
wir kürzlich Hallam Beauty in England übernommen und konnten damit unsere internationale Marktposition im Kosmetikgeschäft deutlich ausbauen. Das alles klingt sehr optimistisch. Wo liegen in den kommenden Jahren aber die Herausforderungen für die M-Industrie?
Wir sind durch die steigenden Rohstoffpreise herausgefordert, die unsere Produktionskosten in die Höhe treiben. Ein Beispiel sind die explodierenden Kakaopreise, die Chocolat Frey zu spüren bekommt. Wir verzichten allerdings auf eine generelle Erhöhung der Schokoladepreise und tragen die Mehrkosten zu einem Grossteil selber. Die M-Industrie
spürt auch die fortschreitende Liberalisierung. Diese verschärft die Konkurrenz im Inland, öffnet uns im Ausland aber auch die Tore zu neuen Märkten. Ich bin zuversichtlich, dass wir diese Chancen erfolgreich packen werden, weil wir in unseren 18 Industriebetrieben enorm viel Know-how und Erfahrung haben. In Zukunft müssen wir aber die Kompetenzen
der verschiedenen Betriebe noch stärker bündeln und Synergien konsequent nutzen – sei es im internationalen Geschäft, im Einkauf oder in der Kommunikation.
Interview Daniel Sidler, Michael West Bild Mirko Ries
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NEUES AUS DER MIGROS
Migros-Magazin 34, 23. August 2010
Aproz in Zahlen Das Unternehmen Aproz Sources Minérales mit Sitz in der Walliser Gemeinde Nendaz gehört zur M-Industrie. Der Betrieb beschäftigt 120 Mitarbeiter in 16 verschiedenen Berufen. Im Jahr 2009 hat Aproz Sources Minérales 209 Millionen Liter Getränke abgefüllt und einen Umsatz von mehr als 100 Millionen Franken erzielt. Das Mineralwasser stammt aus rund zehn Quellen auf dem Gemeindegebiet von Nendaz VS.
Aproz-Qualitätshüter: Stéphane Métrailler bei einer Quellfassung, die sich in einem Wald verbirgt.
Geheime Quellen im Wallis
Das Unternehmen Aproz Sources Minérales ist der führende Schweizer A Anbieter von Mineralwasser. Die genaue Lage der kostbaren Quellen ist nur i Ei ih wenigen Eingeweihten bekannt, darunter dem Aproz-Qualitätswächter Stéphane Métrailler.
S
téphane Métrailler ist ein glücklicher Mensch. Wenn er die Läden seines Landhauses in Conthey öffnet, sieht er die reinste Postkartenidylle. Er blickt direkt ins Rhonetal mit den ewig verschneiten Gipfeln der Rosablanche und auf grossflächige Fichten- und Lärchenwälder. Die Gemeinde Nendaz umfasst nicht weniger als 15 Dörfer und Weiler. Dazu gehört auch der Ortsteil Aproz, wo seit 1947 die Aproz Sources Minérales SA angesiedelt ist, der führende Schweizer Wasseranbieter und ein Unternehmen der M-Industrie. Métrailler (39) ist gelernter Chemiker und Leiter eines achtköpfigen Teams. Er ist für die Qualität der 200 Millionen Liter Was-
ser verantwortlich, die pro Jahr auf dem Industriegelände abgefüllt werden. Abgesehen von den bekannten Marken Aproz, Aquella und Valais stellt das M-IndustrieUnternehmen, das insgesamt 120 Personen beschäftigt, Softdrinks, Sirupe, Sodakonzentrate und unter Lizenz auch Pepsi, 7-UP und Orangina her.
Auf Tourenskiern unterwegs zu Quellen
Sinnbild für den Wasserreichtum des Zentralwallis ist der Fluss, der ganz in der Nähe des Geländes vorbeifliesst. In der Gemeinde Nendaz befinden sich zudem der Staudamm von Cleuson und der Lac du Grand Désert. Aus dem Gestein dieser Gegend entspringen
die rund zehn Quellen von Aproz, reich an Mineralien wie Kalzium und Magnesium. Métrailler hat sich persönlich stark für die Erschliessung und die offizielle Anerkennung einiger dieser Quellen engagiert und immer wieder Proben entnommen. Er war dafür unter teils abenteuerlichen Bedingungen im Gebirge unterwegs – mit Wanderschuhen und Tourenskiern, aber auch mit dem Schneemobil und dem Helikopter. Die genauen Orte der Quellen sind nur wenigen Eingeweihten bekannt. «Es handelt sich um geschützte Gebiete, die wir auch als solche bewahren wollen», erklärt Michel Charbonnet, Chef von Aproz Sources Minérales. Eine der
Wasserentnahmestellen befindet sich auf einer kleinen Anhöhe mitten im Wald von Les Bouillets. Durch eine unscheinbare, aber bestens gesicherte Metalldoppeltür gelangen wir in eine 80 Meter lange Galerie mit zahlreichen Leitungen und Tanks, in die sich das kostbare Nass bei einer konstanten Temperatur von 9 Grad ergiesst. Stéphane Métrailler ist hier ganz in seinem Element: Er begutachtet die verschiedenen Bassins, öffnet einen Hahn und kontrolliert die Messgeräte. «Die Anlage ist vom Kanton zugelassen und unterliegt extrem strengen Vorschriften», erläutert er. Da für jede Quelle nur eine einzige Herkunftsbezeichnung verwendet werden
Wir wünschen allen Kindern einen guten Schulstart! Sei’s imTurnunterricht oder in der Mathestunde: Wer ein Leben lang so stark sein will, wie Lovely, isst und trinkt täglich 3 Portionen Milch und Milchprodukte: 1 Glas Milch, 1 Becher Joghurt und 1 Stück Käse. Für starke Leistungen in der Schule und auf dem Sportplatz. Mehr Informationen unter: www.swissmilk.ch
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darf, wird das Wasser aus dem Wald von Les Bouillets ein paar Minuten und einige hundert Meter später ausschliesslich in Flaschen mit dem Label Aquella abgefüllt. Doch das ist nur eines von vielen Getränken der Aproz Sources Minérales. Das Sortiment des Unternehmens umfasst mehr als 150 Produkte. Der Betrieb wird ständig vergrössert und modernisiert. Er verfügt über Laboratorien und Produktionsketten nach neuesten
DAS SAGT DER EXPERTE Michel Charbonnet (41) ist seit 2004 Leiter von Aproz Sources Minérales SA im gleichnamigen Walliser Dorf.
«Wir kämpfen gegen Verschwendung»
Leistungsstarke Anlagen: Bis zu 75 000 Flaschen können stündlich abgefüllt werden; die Pet-Flaschen werden vor Ort geblasen.
Standards – bis zu 75 000 Flaschen können pro Stunde abgefüllt werden. Die Produktepalette wird laufend erweitert: In jüngster Zeit war die Lancierung von sauerstoffreichen Mineralwassern mit Apfel-, Orangen- und Zitronengeschmack ein Erfolg. Hinzu kam die Einführung eines besonders praktischen Flaschenverschlusses, des sogenannten Sportverschlusses.
Fruchtiger Geschmack ohne Konservierungsmittel
Nun hat sich das Unternehmen die Aufgabe gestellt, bei Orangina auf Konservierungsstoffe zu verzichten. «Obwohl diese Aufgabe gerade im Bereich der Hygiene sehr anspruchsvoll ist, nehmen
wir sie gerne als Ansporn», versichert Stéphane Métrailler. Der ganze Stolz des Unternehmens: Sein ökologisches Engagement genügt strengen Auflagen und wurde daher gemäss den Regeln der Internationalen Organisation für Normung (ISO) zertifiziert. Die meisten Pet-Flaschen werden vor Ort geblasen. Die Flaschen werden zudem immer leichter, wodurch Rohstoffe gespart werden. Den Transport der Waren lässt Aproz zum überwiegenden Teil auf dem Schienenweg abwickeln. Ehrensache, dass die kristallklaren Wasser aus dem Wallis auch umweltfreundlich befördert werden. Texte Joël Guillet Bilder Nicolas Righetti
Konnte Aproz von der grossen Hitze dieses Sommers profitieren? Wenn ich nachts aufwache und durstig bin, verheisst das für Aproz immer gute Verkaufszahlen. Die diesjährige Hitzewelle gleicht ein eher schwaches Frühjahr aus, kommt aber nicht an die Gluthitze im Jahr 2003 heran. Auch wenn ich in den jüngsten Sommernächten schon einige Flaschen öffnen musste … Welches Mineralwasser mögen Sie persönlich eigentlich am liebsten? Aproz medium oder Valais ohne Kohlensäure, ein sehr angenehmes Wasser für den Gaumen, mit dem wir seit 2009 Hotels und Restaurants beliefern. Könnten Sie da nicht ebenso gut Leitungswasser trinken? Wenn ich zu Hause Lust auf stilles Wasser habe, dann trinke ich in der Tat Leitungswasser, das hier eine sehr gute Qualität hat. Wenn ich kohlensäurehalti-
ges Wasser trinke, dann Aproz mit seinem hohen Mineralstoffgehalt. Bevor dieses Wasser unsere Fabrik erreicht, durchdringt es viele Gesteinsschichten und wird dadurch auf natürliche Weise gereinigt und mit Mineralstoffen und Spurenelementen angereichert. Meiner Meinung nach ist das Flaschenwasser eine sinnvolle Ergänzung zum Leitungswasser. Aber man kann sagen, dass Leitungswasser umweltfreundlicher ist … In der Schweiz werden mehr als 80 Prozent der Pet-Flaschen von den Verbrauchern zum Recycling zurückgebracht. Bei Aproz Sources Minérales haben wir der Verschwendung den Kampf angesagt. Unsere neuen Verpackungen bestehen zu 35 Prozent aus Recyclingmaterial, und das Gewicht der Verpackungen geht auch zurück. Und mehr als 90 Prozent unserer Produkte werden über die Schiene vertrieben.
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Chocolate und Muffin: beste
Das Star-Huhn der Migros-Werbung gibt ihr Comeback. Mit von der Partie sind die Kuh Muffin und
I
n der Zürcher Altstadt trauen die Passanten an diesem Junimorgen ihren Augen und Ohren nicht. Lautes Muhen ist zu hören. Nein, es ist keine Halluzination, eine leibhaftige Kuh steht auf dem pittoresken Münsterplatz. Auch sonst herrscht ungewöhnliches Treiben: orange Absperrbänder werden gezogen, Zuschauer werden gebeten, stehen zu bleiben, Filmkameras surren. «Quiet!» Atemlose Stille. «Camera Please!» Fiebrige Erwartungshaltung liegt über dem Drehort. «Action!», schreit endlich der Regieassistent. Vorhang auf für Chocolate, das legendäre Huhn aus dem Migros-TV-Spot. «Hüüühner, Hüüühner», ruft Tiertrainerin Tatjana Zimek. Der gefiederte
Der TV-Spot
Chocolate und Muffin auf dem langen Weg vom Bauernhof in die Migros-Filiale.
Star ziert sich. Schliesslich macht Chocolate zögerlich die ersten Schritte, um urplötzlich zu beschleunigen und rasant über das Kopfsteinpflaster zu tippeln, hinein in Zimeks Arme. Sie schmiegt ihr kleines Haupt an den Busen der Tiertrainerin und bekommt die wohlverdienten Streicheleinheiten. «Cut!» Erleichterung herrscht. Die Szene ist im Kasten. Der Dreh dauert insgesamt zwei Tage. «Die ganze Crew umfasst rund 35 Personen», sagt Alexander Jaggy, Kreativdirektor der Werbeagentur Jung von Matt/Limmat, die das Migros-Huhn erneut in Szene setzt.
Muffin legt gern mal eine Pause ein
Der neue Migros-TV-Spot feierte am 22. August Premiere. Darin macht sich Chocolate erneut auf den weiten Weg vom heimischen Bauernhof in die Stadt, um dort
in einer Migros-Filiale ein Ei zu legen. Begleitet wird sie diesmal von der Kuh Muffin, die ihre Milch spendet. Im Gegensatz zur pflichtbewussten Chocolate nimmts Muffin eher locker und legt schon mal eine Pause ein, um sich an saftigem Gras gütlich zu tun. Dies auch während der Dreharbeiten auf dem Münsterplatz: Kurzerhand macht sich Muffin in einer Drehpause über die Blumenauslage eines Floristen her und kann erst im letzten Moment gebremst werden. Dafür setzts von Tiertrainerin Zimek aber keine Schelte, im Gegenteil: «Kühe sind sensibel; ich bin stolz, wie sie das Ganze meistert.» Sie muss es wissen, ist sie doch die berühmteste Tiertrainerin Deutschlands. In ihrer Filmtierschule arbeitet sie mit Hunden, Mardern, Rehen und anderem Getier. Seit 23 Jahren ist sie im Geschäft und hat mit Filmstars
Hollywood in Zürich: Muffin auf Futtersuche und in Action im HB (unten). Die Diva und ihre Trainerin (rechts).
wie Tom Cruise oder Michael Douglas gedreht. Trotzdem ist ihr leichte Nervosität anzumerken. Kein Wunder, der Dreh einer Schlüsselszene im Zürcher Hauptbahnhof steht bevor. Damit sich gerade Muffin an die hektische Atmosphäre gewöhnen konnte, haben Zimek und ihr Team vorgesorgt und die Drehorte in der Stadt bereits vor ein paar Monaten besucht. Nachdem die Szenen auf dem Münsterplatz im Kasten sind, macht sich der gesamte Filmtross auf den Weg zum HB, gefolgt von einheimischen Passanten, US-Touristen und einem Reporter des Lokalsenders Tele Züri.
Chocolate kommt mit Doubles ans Filmset
In der Bahnhofshalle kommt es rasch zu einem eigentlichen Menschenauflauf. «Ist das nicht das
NEUES AUS DER MIGROS
Freundinnen natürlich das Migros-Magazin. Migros-Huhn?», lautet das alles beherrschende Thema. Kein Zweifel, Chocolate ist Kult. Late-NightGast bei «Giacobbo/Müller» und andere Fernsehauftritte, Homestorys wie jüngst in der «Schweizer Illustrierten» und die enorme Popularität auf Internetplattformen wie Youtube und Facebook zeugen davon. Fans schreiben ihr sogar E-Mails (chickenchocolate@gmx. de) und bitten um ein Ei; täglich erhält die Elisabeth Taylor unter den Hühnern zwischen 25 und 30 Anfragen. «Sie hat sich mittlerweile zu einer richtigen Diva entwickelt», meint Tatjana Zimek lachend. Und wie eine richtige Diva erscheint Chocolate nicht ohne Double auf den Drehs. Lange rumstehen, bis der Kamermann die richtige Lichteinstellung gefun-
den hat? Von wegen, hier springt Nutella ein, während die Diva in ihrer Box einen kurzen Schönheitsschlaf geniesst. Und um zum Beispiel auf Tische zu hüpfen, steht Stunt-Huhn Snickers bereit. Die Hühner wurden alle – gemäss strengen Tierschutzkriterien – für die verschiedenen Rollen trainiert. Auch Muffin schlägt sich tapfer und dreht ihre Szenen ab – wohlgemerkt ohne Double. Ob ihr Auftritt reicht, um eines Tages ähnlichen Starruhm wie Chocolate zu ernten? Christoph Petermann
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NEUES AUS DER MIGROS
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Der Netzwerker
Die Migros lernt laufend von ihren Kunden: In zwei Monaten haben Zehntausende die Online-Plattform Migipedia besucht, ihre Wünsche und Kritiken deponiert. Ben Proske, verantwortlich für die Website, zieht eine erste Bilanz.
K
önnte man alle Einträge auf Migipedia nicht bloss lesen, sondern auch hören, es entstünde ein riesiges Stimmengewirr. Weit über 50 000 Leute haben die Online-Plattform bisher besucht, viele haben Produkte gelobt oder kritisiert. Rund 2000mal hat die Migros Fragen von Migipedia-Usern beantwortet. Vor allem aber haben die Nutzer miteinander diskutiert – sei es über Bratpfannen oder Schoggijoghurt. Denn die Website ist ein lebendiges Migros-Lexikon, das von den Kunden gestaltet wird. Ben Proske (35), zusammen mit seinem Team verantwortlich für die OnlinePlattform, zur bisherigen Entwicklung von Migipedia. Ben Proske, schon lange gibts die M-Infoline, auf der Kunden Fragen zu Produkten stellen oder Reklamationen anbringen können. Wozu brauchte es da zusätzlich noch Migipedia?
Die M-Infoline ist ein bewährter Kanal für Infos, Lob und Kritik.
Doch durch M-Infoline werden die Kunden nicht miteinander vernetzt. Wir wollten ein Forum schaffen, in dem sich die Migros und die Kunden, aber auch die Konsumenten untereinander austauschen können. Wir führen also den bisher schon erfolgreichen Kundendialog konsequent in den neuen Medien fort. Bevor Migipedia vor zwei Monaten online ging, verpflichtete sich die Migros, keinerlei Zensur zu üben. Nur Beiträge unter der Gürtellinie sollten gelöscht werden. Wie oft ist das bisher vorgekommen?
Kein einziges Mal! Ich freue mich darüber, wie fair auf Migipedia debattiert wird. Wer auf Migipedia geht, will loben oder konstruktive Kritik üben. Wenn mal Schabernack getrieben wird, so ist er originell und nicht destruktiv. Es gibt zum Beispiel humorvolle Videos mit Produkten oder gelegentlich auch mal einen spontanen Migros-Vers.
Er und sein Team behalten den Überblick: Ben Proske, Leiter digitales Marketing bei der Migros, glaubt, dass soziale Netzwerke wie Migipedia in Zukunft immer wichtiger werden.
Migipedia in Kürze
Auf www.migipedia.ch können Migros-Kunden zu vorläufig 5000 Produkten die Meinung sagen. Die Website wird laufend weiterentwickelt.
Sind Sie nicht überrascht vom durchgehend fairen Verhalten der Migipedia-Nutzer? Schliesslich kann hier jeder völlig anonym Kommentare schreiben.
Ja, viele Mitglieder der MigipediaCommunity kennen wir nur unter ihren oft witzigen Benutzernamen, die zum Beispiel Thaddäus Tentakel lauten. Doch diese Anonymität wird nicht missbraucht. Migipedia polarisiert nicht, sondern lädt zum Mitgestalten ein. Hatten die Kommentare auf Migipedia schon Auswirkungen aufs Migros-Sortiment?
Ja, ein aktuelles Beispiel ist das Milchgetränk Shakeria. Migipedia-Nutzer kritisierten den Ver-
schluss und die zu wenig umweltfreundliche Verpackung. Daran arbeiten wir nun. Viele haben sich zudem den Migros-Eistee in PetFlaschen statt nur in Kartons gewünscht. Auch dieser Wunsch soll nach Möglichkeit erfüllt werden. Wie geht es mit Migipedia weiter?
Die Website befindet sich ja noch im Aufbau. Sie wird um neue Funktionen ergänzt. Manche User möchten künftig auch MigrosFilialen bewerten können; das schauen wir nun an. Wie die Website am Ende aussieht, hängt ganz von den Rückmeldungen der Nutzer ab. Interview Michael West Bild Keiko Saile
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NEUES AUS DER MIGROS
Migros-Magazin 34, 23. August 2010
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MIGROS-ZEITREISE
Perlen aus dem Bildarchiv
Die Karawane der Migros
E
ine Armada von Ford-Lastwagen: Das Bild aus dem Jahr 1928 mit den legendären Verkaufswagen steht für die kämpferische Anfangszeit der Migros. Fünf Jahre zuvor schickte Gottlieb Duttweiler die ersten Ford T auf die Strassen des Kantons Zürich – im Angebot ganze sechs Basisartikel: Kaffee, Reis, Zucker, Teigwaren, Kokosfett und Seife. Die Produkte
waren massiv günstiger als diejenigen der Konkurrenz. Dutti wandte sich damals an «die Hausfrau, die rechnen muss, und die intelligente Frau, die rechnen kann». Die dankten es ihm – aber nicht die lokalen Ladenbesitzer. Wo die ersten Verkaufswagen der Migros auffuhren, formierte sich Widerstand. Beleidigungen und Drohungen gehörten zum
täglich Brot der Chauffeure. Nicht selten wurden Barrikaden gebaut, oder auch mal ein Güllewagen auf die Standplätze gestellt. Die Migros liess sich jedoch nicht aufhalten. Die rollenden Läden entwickelten sich zudem rasch zum sozialen Treffpunkt. In ihrer Blütezeit Mitte der Sechzigerjahre erreichte die Migros-Flotte mit 144 Verkaufswagen ihren Zenit.
In den folgenden Jahrzehnten machten dann aber immer mehr Filialen und das veränderte Konsumverhalten den Verkaufswagen langsam, aber sicher den Garaus. Im Wallis ging 2007 der letzte Migros-Wagen auf Abschiedstour. Die Verkaufswagen rollten von dannen, und eine 82-jährige Tradition wurde Geschichte.
Christoph Petermann
PREISBAROMETER
Aktuelle Preisänderungen der Woche Abwaschen ist ja nicht gerade ein Highlight der Küchenarbeit. Immerhin: Mit der M-Classi-Abwaschbürste Basic 2er geht die Verrichtung zügig und sauber von der Hand. Diese Haushalthilfe gibts nun in der Migros erst noch günstiger: Neu kostet sie bloss noch 2 Franken. Der alte Preis betrug 2.10 Franken.
Viele Preise für Rohstoffe steigen, so auch für Tee. Dies zwingt die Migros dazu, bei gewissen Tees die Preise moderat anzuheben. Folgende Produkte der Marke Tetley schlagen auf: ➔ Rooibos Vanilla, 20 Beutel, alter Preis (aP): 3.10 Franken, neuer Preis (nP): 3.20 Franken. ➔ Rooibos Orange, 20 Beutel, aP: 3.10 Franken, nP: 3.20 Franken. ➔ White Classic, 20 Beutel,
aP: 3.10 Franken, nP: 3.20 Franken. ➔ White Mandarin, 20 Beutel, aP: 3.10 Franken, nP: 3.20 Franken. ➔ Darjeeling Drawstring, 25 Beutel, aP: 2.90 Franken, nP: 3 Franken. ➔ Ceylon Drawstring, 25 Beutel, aP: 2.90 Franken, nP: 3 Franken.
➔ English Breakfast Drawstring, 25 Beutel, aP: 2.90 Franken, nP: 3 Franken. ➔ Earl Grey Drawstring, 25 Beutel: aP: 2.90 Franken, nP: 3 Franken. ➔ Earl Grey Extra, 25 Beutel, aP: 2.90 Franken, nP: 3 Franken. ➔ English Breakfast, 50 Beutel, aP: 5.40 Franken, nP: 5.50 Franken. ➔ Earl Grey, 50 Beutel, aP: 5.40 Franken, nP: 5.50 Franken.
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SPÄTSOMMER-FRISCHE
Gut gerüstet in den Herbst W
enn die Cazzuola auf Idas Herd köchelt, kann kein Familienmitglied die Hände vom Deckel lassen. Der wohlriechende Duft des Eintopfs füllt das 180 Jahre alte Emmentaler Bauernhaus und lockt Gross und Klein in die Küche. Es «herbschtelet» – Zeit für währschafte Kost. Wie sie Grosi Ida gerne mit Kraut und Rüben zubereitet, den idealen Kraftspendern für kalte Tage. Liebevoll verkocht die 80-Jährige Wirz und
Mit Kraut und Rüben wussten schon unsere Grossmütter zu heilen und Urchiges auf den Tisch zu zaubern. Eine Hommage an das heimische Gemüse mit alten Schweizer Rezepten und inspirierenden Anwendungstipps. Wurzelgemüse nach alten Schweizer Rezepturen. Was als Gemüse «von gestern» galt, hat jetzt wieder Saison – im doppelten Sinn. Die kulinarischen Schätze wie Rüebli
und Randen schlummern tief im Boden und speichern wertvolle Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente und können gut über den Winter gelagert werden. Das
Rüebli gehört zur ältesten Gemüseart, seine Herkunft ist jedoch unbekannt. In der Schweiz fand man in den vor zirka 3000 Jahren entstandenen Pfahlbauten Reste
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DAS BESTE AUS DER MIGROS
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Cazzuola
Hauptgericht für 4 Personen Der Duft einer Cazzuola lockt jeden in die gute Stube. Das rustikale Gericht stammt ursprünglich aus Mailand. Über die Grenze brachten die italienischen Arbeiter das Rezept während des Baus des Gotthardtunnels. Der Eintopf mit Weisskabis, Rüebli, Schweinsragout und Schweinswürstchen kräftigte die Zuwanderer und vermittelte Ihnen ein Stück Heimat. Die Cazzuola schmeckte auch den Urner Hausfrauen, die den Eintopf ihrem Geschmack entsprechend anpassten und auf ihren Speiseplan setzten. Bilder Lucas Peters, Styling Esther Egli, Köchin Andrea Mäusli
Zurück zu den Wurzeln: Grosi Ida weiss um die Kraft, die im Wintergemüse steckt. In Ihrer Stube rüstet sie Rüebli, Kohl und Wirz und verarbeitet diese nach alten Schweizer Rezepten zu urtümlichen Gerichten.
eines Rüebli-Eintopfs. Später hielt das Rüebli gar Einzug in die Modewelt: Die englischen Hofdamen fanden es chic, sich Karottenkraut ins Haar oder auf den Hut zu stecken. Als Heil- oder Nahrungsmittel war der Kohl schon bei den Römern bekannt. Er wächst auch bei tiefen Temperaturen und ist lange haltbar. Was sonst noch alles im Wintergemüse steckt, verraten wir auf den folgenden Seiten. Texte Tina Gut
Zutaten 400 g Rüebli 1 Zwiebel 700 g Schweinsragout vom Hals Salz, Pfeffer 2 EL Erdnussöl 2 EL Tomatenpüree 2 EL Mehl 2 dl Weisswein 8 dl Bouillon 200 g Weisskabis 200 g Wirz ½ Bund Kräuter, z. B. Rosmarin 4 Schweins-Cipollatas
Zubereitung 1. Rüebli in Stücke schneiden. Zwiebel hacken. Fleisch mit Salz und Pfeffer würzen. Kurz in Öl anbraten. Tomatenpüree beigeben und mit Mehl bestäuben. Rüebli und Zwiebeln dazugeben und 2 Minuten mitdünsten. Mit Wein ablöschen. Bouillon dazugiessen. Ragout zugedeckt bei mittlerer Hitze zirka 60 Minuten schmoren. 2. Von Kabis und Wirz dicke Blattrippen wegschneiden. Gemüse in breite Streifen schneiden. Nach 20 Minuten der Garzeit Kabis, Wirz und die gehackten Kräuter mit dem Ragout mischen. Würstchen darauflegen. Alles zirka 40 Minuten schmoren. Mit Salz und Pfeffer abschmecken. TIPP Dazu passen Salzkartoffeln.
68 | Migros-Magazin 34, 23. August 2010
SPÄTSOMMER-FRISCHE EXTRA Küchenlexikon von R wie Randen bis W wie Wirz Randen: Ob gekocht oder roh –
aus Randen lassen sich herzhafte Herbstsalate zaubern. Die rote Knolle schmeckt aber auch im Ofen gebacken oder leicht gedünstet. Suppen gibt sie eine intensiv rote Farbe, wie der russischen Suppenspezialität Borschtsch. Rettich: Bei den Rettichen unterscheidet man Sommer- und Winterrettich. In unseren Breitengraden wird meist der Sommerrettich verwendet: als Rohkostsalat zum Beispiel mit Gurken oder solo wie in den bayrischen Biergärten als «Radi» zu Bier und Brez’n. Um ihn roh zu geniessen, schneidet man den geschälten Rettich in Scheiben und salzt ihn kräftig. Wenn das Wasser austritt, ist er servierbereit und weniger scharf. An einem kühlen, trockenen Ort oder im Kühlschrank ist der Rettich ein bis drei Wochen haltbar. Rotkohl: Rotkohl eignet sich zum
Rohessen als Salat wie auch zum Dünsten und Schmoren. Er ist ein bisschen süsser als Weisskohl und schmeckt besonders gut zu Wildgerichten mit gedämpften Äpfeln, Marroni und Backpflaumen. Das rassige Violett des Rotkabis kann mit ein paar Tropfen Zitronensaft, Essig oder mit einem in Würfel geschnittenen säuerlichen Apfel verstärkt werden. Rüebli: Die robusten Rüebli kön-
nen fast das ganze Jahr über angebaut und in Kühlräumen fast unbegrenzt lang gelagert werden. Kurz in Butter geschwenkt, entfalten gedämpfte Rüebli ihren süsslichen Geschmack besonders gut und passen als Beilage zu vielen Gerichten. Rüebli haben den Vorteil, dass sie auch bei langen Garzeiten nicht zerfallen. Deshalb sind sie ideal für Suppen und Eintöpfe. Weisskohl: Kann roh als Salat, ge-
kocht oder gedünstet genossen werden. Etwa im Gemüseeintopf, im Auflauf oder als Suppe. Fer-
mentiert wird er zu Sauerkraut und schmeckt hervorragend zu Schweinefleisch wie beim ungarischen Szegediner Gulasch oder zur Saucisson vaudois. Der Weissund Rotkabis hält einige Wochen im Gemüsefach des Kühlschranks. Unbedingt separat von Obst oder Gemüse lagern, die Ethylen abgeben (zum Beispiel Äpfel oder Tomaten), da diese den Reifeprozess des Kohls beschleunigen. Wirz: Der krause Kohl wird vor-
nehmlich gekocht, gedünstet oder in Eintöpfen verarbeitet – klassisch im Pot-au-feu mit Siedfleich, Kartoffeln und Lauch. Er passt auch gut in asiatische WokGerichte. Caramelisierte Butter unterstreicht seinen sanften Kohlgeschmack besonders gut: Wirz in Viertel schneiden, in Gemüsebouillon dämpfen und mit caramelisierter Butter übergiessen. Im Kühlschrank ist der Wirz mindestens zwei Wochen haltbar.
Rustikal versorgt: Im praktischen Jutensack sind die Zwiebeln lichtgeschützt und lange haltbar. Zwiebelsack, Fr. 4.90
DAS BESTE AUS DER MIGROS
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Chabisbünteli Hauptgericht für 4 Personen
Die bodenständigen Zuger Gerichte, wie etwa das Chabisbünteli, waren vermutlich schon zur Zeit der Schlacht am Morgarten bekannt. Man findet sie in fast allen Landesküchen, im deutschsprachigen Raum genauso wie in Osteuropa und auf dem Balkan, jeweils etwas anders zubereitet und mit anderem Namen: Was in Deutschland Kohlroulade genannt wird, heisst in Polen Golabki und in der Türkei Sarma. Zutaten 1 Weisskabis à ca. 1,2 kg 2 Scheiben Toastbrot 3 dl Bouillon 1 Zwiebel ½ Bund glattblättrige Petersilie 400 g Rindshackfleisch 2 EL Erdnussöl Salz, Pfeffer 1 Ei 100 g geriebener Greyerzer 1 EL Butter Zubereitung 1. Reichlich Wasser aufkochen. Kabis darin zirka 10 Minuten
köcheln lassen. Aus dem Wasser heben und in kaltem Wasser abschrecken. Gut abtropfen lassen. Vom Kabis vorsichtig 8—12 grosse Blätter ablösen. Auf einem Tuch ausbreiten und trocken tupfen. Die dicken Blattrippen wegschneiden. Restlichen Kabis beiseitestellen, zum Beispiel für ein Kabisgemüse oder eine Suppe. 2. Toastbrot würfeln und mit der Hälfte der Bouillon beträufeln. Zwiebel und Petersilie hacken. Hackfleisch im Öl anbraten. Zwiebel kurz mitbraten. Mit Salz und Pfeffer würzen. Abkühlen lassen.
3. Backofen auf 180 °C vorheizen. Brot ausdrücken. Mit Fleisch, Petersilie, Ei und der Hälfte des Käses zu einer Masse verkneten. Mit Salz und Pfeffer abschmecken. Zum Formen je 1 Kabisblatt in eine Tasse legen. 2—3 EL Füllung einfüllen und etwas andrücken, das Blatt darüberfalten. Kabisköpfli in eine ofenfeste Form stürzen. Butter in Flocken daraufgeben, mit dem Käse bestreuen. Bouillon dazugiessen. Kabisbünteli in der Ofenmitte 20—25 Minuten garen.
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Migros-Magazin 34, 23. August 2010
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SPÄTSOMMER-FRISCHE EXTRA
Rüeblisuppe Kleine Mahlzeit für 4 Personen
Eine feine Rüeblisuppe ist genau das Richtige für verregnete Herbsttage. Sie wärmt, nährt und schmeckt. Rezepte gibt es unzählige. Wie die traditionelle Aargauer Rüeblisuppe mit Speck und Gewürznelken. Wir haben uns für eine unkomplizierte Vegi-Variante entschieden. Mit dem klassischen Rüebli wurde seit je gerne experimentiert, ist es doch das Lieblingsgemüse der Eidgenossen. Fast neun Kilo isst ein Schweizer im Schnitt pro Jahr. Rüebli, Schweiz,
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Zutaten 700 g Rüebli 1 Zwiebel 1 EL Butter 1 l Gemüsebouillon 1 dl Rahm Salz, Pfeffer, Tabasco ½ Bund Kräuter, z. B. Schnittlauch
Zubereitung Rüebli in grobe Stücke schneiden. Zwiebel hacken. Beides in Butter andünsten. Mit Bouillon ablöschen. Zugedeckt zirka 20 Minuten kochen lassen, bis die Rüebli weich sind. Die Hälfte des Rahms dazugeben. Alles mit dem Stabmixer pürieren. Suppe mit Salz, Pfeffer und Tabasco abschmecken. Kräuter hacken. Suppe anrichten. Kräuter darüberstreuen und restlichen Rahm als Garnitur daraufgeben.
Gemüsebouillon fettfrei, Bio, 180 g, Fr. 4.50
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Gut gewickelt
Kohl- und Wirsingwickel und Auflagen eignen sich hervorragend bei Gicht in den Zehen, Ohrenschmerzen, Halsentzündung, Fieber (hierbei Wickel auf den Rücken legen), Gelenkschmerzen oder Insektenstichen. Die entzündungshemmende Wirkung verdankt der Kohl sogenannten Flavonoiden und Senföl. Senföle wirken antibiotisch und verschaffen Linderung bei Atemwegserkrankungen und
Kein Chabis, wie Rüben, Kohl und Co. Wunder wirken Harnwegsinfektionen. Zudem enthält Kohl viele Vitamine, Mineralstoffe wie Kalzium, Kalium, Eisen und Spurenelemente. So wirds gemacht: Blätter
waschen, abtrocknen. Mittelripp ausschneiden, Blattreste mit dem Rollholz weich walzen, dachziegelartig auflegen, in ein Zwischentuch und dann in ein Abdecktuch wickeln.
Einwirkungszeit: ein bis zwölf Stunden, jeweils morgens und abends.
Gut gereinigt Als «Besen für Magen und Darm» bezeichnete Sebastian Kneipp das Sauerkraut. Er lobte es als eines der gesündesten Nahrungsmittel. Seine Heilkraft verdankt es seinem hohen Anteil an Bitterstoffen,
Top-Neuheit: Mekong-Flussfahrt
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Haben Sie die «10 vor 10-Reportage» des Schweizer Fernsehens über den Mekong-Fluss gesehen?
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■ Flussfahrt
im Kolonialstil mit Mekong Pandaw ■ Mythos Mekong – mächtigster Fluss Südostasiens ■ Indochina, kulturelle Reichtümer, landschaftliche Schönheiten Ihr Reiseprogramm 1. Tag: Schweiz–Siem Reap (Kambodscha). Linienflug nach Siem Reap. 2. Tag: Siem Reap (Kambodscha). Ankunft in Siem Reap. Nachmittags erste Besichtigungen der königlichen Stadt und Tempelanlagen von Angkor Thom und dem Bayon von König Jayavarman VII. Übernachtung im Hotel. 3. Tag: UNESCO-Welterbe Tempelstadt Angkor Wat (Kambodscha). Eindrückliche Besichtigung des UNESCO-Weltkulturerbes Angkor Wat und grössten sakralen Bauwerkes der Welt. Übernachtung im Hotel. 4. Tag: Siem Reap (Kambodscha). Ganztägiger Ausflug zum Phnom Kulen, auf dessen Bergspitze der grösste Buddha des Landes thront. Besichtigen Sie den Fluss der 1000 Lingas und den filigranen Bantey Srey Tempel. Übernachtung im Hotel. 5. Tag: Siem Reap (Kambodscha) – Kampong Cham. Transfer nach Kampong Cham mit kurzem Stopp in Kampong Thom. Einschiffung auf die «MS Mekong Pandaw». 6. Tag: Kampong Cham. Heute morgen fahren Sie flussaufwärts zum Tempelhügel Wat Hanchey aus der Vor-Angkorianischen Zeit. Während des Mittagessens an Bord fahren Sie flussabwärts zurück nach
Kampong Cham und erkunden Stadt und Umgebung. Mit dem Bus fahren Sie zum Tempel von Wat Nokor. Dieser farbenfrohe Tempel ist einzigartig in Kambodscha. 7. Tag: Tonle Fluss–Kampon Chhnang. Das heutige Programm richtet sich nach dem Wasserstand auf dem Tonle Sap See, mit einer Länge von über 150 km der grösste See in Kambodscha. Es liegt eine beeindruckende Stille und Ruhe über dem See, wenn wir an schwimmenden Dörfern vorbeifahren. Am frühen Morgen Fahrt auf dem Tonle Fluss weiter flussaufwärts Richtung Kampong Chhnang. Dieser Teil der Reise ist einer der Höhepunkte Ihrer Kreuzfahrt. 8. Tag: Phnom Penh (Kambodscha). Die Hauptstadt hat sich ihren französischen Charme bewahrt. Hauptattraktion ist der Königliche Palast mit der Silber-Pagode. Nachmittags Möglichkeit für einen optionalen Besuch des Museums Tuol Sleng dem ehemaligen Gefängnis der «Roten Khmer». 9. Auf dem Mekong/Grenzübergang nach Vietnam. Auf dem Mekong fahren Sie heute in Richtung Vietnam. Unterwegs halten Sie in Prek Touch, einer kleinen Flussgemeinde, wo Sie einen Spaziergang durch die Obstplantagen unternehmen. Am späten Nachmittag Überquerung der Grenze zwischen Kambodscha und Vietnam.
10. Tag: Chau Doc (Vietnam). Mit kleineren Booten geht es zu einem Dorf des Cham Volkes. Erkunden Sie diese faszinierende Stadt mit ihren eleganten Gebäuden aus der Zeit der französischen Kolonialherrschaft. 11. Tag: Sa Dec –Vinh Long –Cai Be. Sa Dec mit seinen zahlreichen kleinen Kanälen und dem bunten Treiben entlang des Flussufers erscheint wie «Klein-Venedig». Der kleine Ort ist für Literatur- und Filmfreunde interessant. Hier verbrachte die französische Autorin Marguerite Duras ihre Jugendjahre, und ihr autobiografischer Roman «Der Liebhaber» wurde hier verfilmt. 12. Tag: My Tho–Ho-Chi-Minh-City (Vietnam). Ausschiffung und Transfer von My Tho zum Hotel. Nachmittags eindrucksvoller Ausflug zu den Tunneln von Cu Chi, in dem sich vietnamesische Partisanen im Vietnamkrieg von 1960 bis 1975 versteckt hielten. 13. Tag: Ho-Chi-Minh-City (Vietnam). Stadtrundfahrt zu den prächtigsten Sehenswürdigkeiten aus der Kolonialzeit. 14. Tag: Ho-Chi-Minh-City –Bangkok. Zeit zur freien Verfügung. Spät nachmittags Transfer zum Flughafen und Rückreise. 15. Tag: Bangkok –Zürich. Ankunft in der Schweiz.
Ihre Reiseroute
Ihr Flussschiff – Mekong Pandaw Das im Kolonialstil gebaute Flussschiff der renommierten Pandaw-Reederei bietet maximal 62 Passagieren Platz. Die gemütlichen Kabinen mit viel Holz verteilen sich auf 3 Decks und verfügen über 2 Betten, eine Ablage mit Spiegel und Schublade, einen Wandschrank sowie ein kleines Bad mit Dusche/WC und Waschbecken. Die Kabinen auf dem Hauptdeck haben ein Bullauge, das sich nicht öffnen lässt. Die Kabinen auf Mittelund Oberdeck haben ein Fenster zum Öffnen und jeweils eine kleine Aussenveranda mit 2 gemütlichen Sesseln. Zur Ausstattung gehören ausserdem ein Sonnendeck, eine Lounge mit Bar, ein Restaurant und eine Bordboutique. An Bord der Mekong Pandaw erwartet Sie eine einzigartige, elegante Atmosphäre, um den Mythos Mekong zu erleben.
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Migros-Magazin 34, 23. August 2010
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«Kneipp bezeichnete das Sauerkraut als Besen für Magen und Darm.» organischen Säuren, Vitaminen und Milchsäurebakterien, die den Darm regenerieren: Sie regen die Tätigkeit milde an, helfen schädliche Bakterien abzuwehren und stärken somit das Immunsystem. Ausserdem bauen sie Giftstoffe ab und senken den Cholesterinspiegel. Wer empfindlich auf das Sauerkraut reagiert, mischt ein wenig Kümmel-, Fenchelsamen oder Wacholderbeeren bei. Sauerkraut ist zudem im Winter ein
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Ruch-, Vollkorn- und Halbweissbrot sind beliebt wie eh und je. Nun findet man das frische Dreigespann noch schneller im Regal.
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chlicht, ehrlich und ohne viel Schnickschnack: die Ruch-, Halbweiss- und Vollkornbrote sind die Klassiker im Brotsortiment der Migros. Von den insgesamt 138 000 000 jährlich verkauften Broten machen die drei Lieblinge der Nation stolze 18 Prozent aus. Auch preislich sind Ruch-, Vollkorn- und Halbweissbrot ein
Knüller und brauchen keinen Vergleich zu scheuen. Damit man sie im Regal unter den vielen Brotspezialitäten sofort erkennt, sind die drei Brotsorten neu verpackt worden. Die transparente Hülle erlaubt eine bessere Sicht auf den Inhalt. Wie bei allen Broten der Jowa gibt die Beutelfarbe Auskunft über die Mehlsorte.
Gelb steht für Halbweissmehl, Rot für Ruchmehl und Grün für Vollkornmehl. Hergestellt werden die drei Preisklassiker in den acht Regionalbäckereien der Jowa. So wird gewährleistet, dass jede MigrosFiliale bis zu viermal täglich mit frischem Brot beliefert wird. Dora Horvath
DAS BESTE AUS DER MIGROS
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Lieblinge der Nation
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Begehrte Helena
Wenn Micasa ruft, kommen sie alle: Über 650 Personen machten am zweiten Micasa-Homestorys-Wettbewerb mit. Zu gewinnen gab es den Tisch Helena aus massivem Eichenholz und sechs Stühle namens Regina im Gesamtwert von über 3000 Franken. Produktion und Text: Angela Weibel Bilder: René Ruis Styling: Uschi Stähli
Heute erscheint der neue Micasa-Katalog g 2010/2011. Im letzten Teil des Micasa-Homemestorys-Wettbewerb dürfen sich vier Gewinner über ein neues Sofa freuen. www.micasa.ch
Ein schönes Studienobjekt
«Sie ist eckig und nicht rund», freut sich Simone Groth (23) aus Zürich über das Design von Helena, ihrer neuen Mitbewohnerin. Die BWL-Studentin war es leid, an einem ovalen Tisch zu speisen und zu lernen. Zu viel Platz habe er in der Studentenwohnung eingenommen, zu oft rutschten die Bücher über die Tischkante. Die sechs Regina-Stühle sind ebenfalls ein praktischer Zuwachs, für Arbeitsgruppen als auch für gesellige Nachtessen. Und natürlich ist die Studentin auch vom Charme der neuen Möbel betört: «Das Holz im Antik-Look und die schwarzen Stühle passen perfekt zum hellen Boden, echt cool!» Helena ist eben eine wahre Schönheit und die Reginas ihre perfekten Hofdamen.
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Eine Plattform für Familiensinn
Jede zweite Woche ist bei Familie Tran in Renens bei Lausanne Familientreffen: Nach vietnamesischer Manier und mit europäischem Humor versammeln sich bei diesem Zusammenkommen rund zwölf Verwandte um einen Reiskocher und viele asiatische Spezialitäten. Eine logistische Meisterleistung, die vor Helenas Zeiten erst recht beeindruckte: Vor gut einem Monat noch sass die Grossfamilie nämlich noch um einen halb so grossen Tisch. Das Glück vom neuen Tisch hat die gesellige Runde Khuê Tran (ganz links) zu verdanken. Die 27-jährige Jungarchitektin hat eines der turbulenten Treffen auf Bild festgehalten und die Micasa-Jury damit einstimmig überzeugt.
Neuer Tisch, alte Manieren
Zerhämmert, zerkratzt und vermalt: Der ehemalige Tisch von Familie Ammann aus Engelburg bei St. Gallen war reif für die Pension und musste deshalb Helena weichen. So sollte der Spaghetti-Plausch an einer neuen Tafel eigentlich in bester Manier stattfinden. Klein Leonie (4) und Schwester Joelle (2) fordern Mama Franziska (37) und Papa Markus (36) aber gerne heraus: Warum mit dem Löffel essen, wenns doch auch ohne geht? Zum Glück sind Stühle und Tisch unkompliziert in der Pflege und mit einem feuchten Lappen leicht zu reinigen.
Romantik und Beinfreiheit
Ein Häppchen für die Liebste, und nur Helena war Zeugin. Martina Hrouda (33) und Martin Werle (32) aus Basel teilen ihr Liebesglück am neuen Tisch nun sogar auf richtigen Stühlen: «Die sechs Reginas sind toll, endlich haben wir auch Erwachsenenstühle!» Die glückliche Gewinnerin spielt auf die ehemalige asiatische Tischkombination an. Vom Auslandsaufenthalt im fernen Japan brachten die beiden Turteltauben traditionelle Stühle mit, die bei einer Höhe von 50 cm nicht gerade praktisch waren. Froh über den Austausch ist vor allem Martin, der seine langen Beine nun doch um einiges komfortabler platzieren kann.
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at? e immer auf Vorr ➔ Was haben Si n ine s, Zigarren, me Joghur t, Orangenju n Ségur. Lieblingswein Phéla Sie pro Woche? en ➔ Wie oft koch te … Nächste Frage bit Sie … r fü t ➔ Kochen is d sehr bewundere un ich die t, … eine Kuns d un n de tre mi r nu aber schätze, bei der ich . nicht mittun kann essen? Sie nie im Leben n de ür w ➔ Was sen. tler unter den Gemü Blumenkohl, den Hi al n Sie gern m ➔ Mit wem würde essen gehen? ht. Warum, sag ich nic Jamie Lee Curtis.
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eine Antwort per E-Mail kam prompt: «Ich habe vier Brüder, und alle kochen super. Ich bin der Einzige, der davon keine Ahnung hat. Habe den Brüdern bereits geschrieben, dass sich dies ändern wird und ich den mir zustehenden Platz im Kocholymp zwischen Bocuse und Anna’s Best einnehmen werde. Sie können also von einer Zusage ausgehen.» Pius App (63), Greenhorn am Herd und Tausendsassa auf dem Berg, hat vor sieben Jahren mit Geschäftspartner Erich Schmid einen der legendärsten Orte der Schweiz gekauft: Das Hotel Schatzalp samt Skiliften, Bergrestaurants und Standseilbahn. Als das in die Jahre gekommene
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Jugendstil-Bijou 2003 an ausländische Investoren verkauft werden sollte, wurde der sonst eher pragmatisch denkende Unternehmer und Wahl-Davoser App nostalgisch. Ein Heidi-Feriendorf auf diesem magischen Berg? Bloss nicht! Der Elektroingenieur, der mit der marktführenden Software für Unterschriftenerkennung im Bankenwesen ein Vermögen machte, entschied sich, Hotelier zu werden. Und sein Einsatz hat sich gelohnt. 2008 wurde der Betrieb zum historischen Hotel des Jahres zu erkoren. er
D Marathonläufer Der liliebt eine gute Zigarre
Di Erneuerung der Standseilbahn Die und die Wiederinbetriebnahme un der Lifte im ersten «entschleunigten Skigebiet der Schweiz» waren für den Technikfreak und Skifahrer Chefsache, den Thron in der «Schatzalp»-Küche überliess er dem Sarden Antonello Maria Piseddu. «Ich mag seine klassische mediterrane Hotelküche, bin aber auch oft nur mit der Käseschnitte in unserem Panorama-Restaurant zufrieden», erzählt App. Er empfängt uns mit einer Maria-Mancini-Zigarre im Mund – dort, wo von 1900 an gehustet und geröchelt, gestorben und geheilt wurde und wo Thomas Mann zum weltberühmten Roman «Der Zauberberg» inspiriert wurde. Das ehemalige Luxussanatorium für Lungenkranke gehört heute einem Genussraucher, der seit 25 Jahren am Swissalpine Marathon teilnimmt. Seine Bestzeit für die 78 Kilometer: 9:50 Stunden. Für Margaretha Junker, die Köchin der «Saisonkü-
Kochen mit der «Saisonküche» «Saiso
keine Berge benützt: Gut, dass der «Zauberberg» mit ungewöhnliche Wege zu gehen.
«Mit Kräutern kenne ich mich aus», betonte Kochlehrling und Hobbygärtner Pius App, der Salbei und Minze mag. «Saisonküche»-Köchin Margaretha Junker auch.
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SAISONKÜCHE
Migros-Magazin 34, 23. August 2010
che», war es eine Herausforderung, ein Rezept zu kreieren, das einem Feinschmecker ebenso mundet, wie es einen Herddebütanten nicht überfordert. Ihr «Wildschwein-Entrecôte an Rotwein-Kräutersauce mit Blüten-Blattsalat» trifft seinen Geschmack. Er liebt Wild. Im September wird er seine Freunde zur Jagd im Gebirge begleiten. Aber das Rezept schüchtert ihn dennoch ein. «Lassen Sie mich besser nur an die Kräuter», sagt er. «Damit kenne ich mich aus.»
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Wildschwein-Entrecôte an Rotwein-Kräutersauce Hauptgericht für 4 Personen Zubereitung zirka 20 Minuten + 25—30 Minuten im Ofen garen. Pro Person zirka 33 g Eiweiss, 20 g Fett, 5 g Kohlenhydrate, 1550 kJ/370 kcal
Ex-Freundin meinte, er liebe Pflanzen mehr als sie
Dass der alte botanische Garten der «Schatzalp» mit seinen Kräutern heute wieder blüht, ist sein Verdienst. «Ich habe einen grünen Daumen, aber kein Händchen für Damen», grinst der Junggeselle, während er bedächtig den Salbei und die Kapuzinerkresse zupft. «Eine Ex-Freundin meinte mal, ich würde die Pflanzen mehr lieben als sie.» Warum er denn nie kochen gelernt habe, will die Köchin wissen, während sie ihm an der Pfanne die Hand führt. «Wahrscheinlich, weil ich immer allein gelebt habe», sinniert er. «Ich gehe lieber auswärts essen oder esse kalt: Brot, Käse, Trockenfleisch, ein gutes Glas Wein, fertig.» Einmal habe er sogar eine Wohnung gebaut, wo er auf eine Küche verzichten wollte. «Spinnsch?», meinten die Freunde. «Die kannst du nie wieder verkaufen.» Also baute er eine ein, benutzte sie als Büro und den Herd als Schreibtisch, wo er die Zukunft der «Schatzalp» ersann. Wann der geplante 105 Meter hohe radikal-moderne Wohnturm der Basler Stararchitekten Herzog & de Meuron neben der «Schatzalp» in den Davoser Himmel ragt, steht noch in den Sternen. «Eines nur ist sicher», grinst er, während er sich das erste selbst gebratene Fleisch schmecken lässt. «Das wird der erste und letzte Turm meines Lebens.» Ob er sich nach der erfolgreichen Herdpremiere vorstellen kann, noch mit dem Kochen anzufangen? «Nein», lacht er. «Eher würde ich heiraten.» Text Silke Bender Bilder Daniel Rihs
ZUTATEN
600 g WildschweinEntrecôte, Fleur de sel, Pfeffer, 1 EL Bratbutter, 2 Bund Mix-Kräuter, z. B. Thymian, Salbei, 150 g Blattsalat, einige essbare Blüten, z. B. Kapuzinerblüten
SAUCE
2 Schalotten, 2 EL Butter, 0,5 dl roter Portwein, 1,5 dl Rotwein, 2 dl Rindsfond, 1 TL Feigensenf mit Honig
ZUBEREITUNG
1 Backofen auf 150 °C vorheizen. Fleisch mit Salz und Pfeffer würzen. Entrecôte in der Bratbutter rundum zirka 4 Minuten anbraten. Auf eine Platte legen. Die Hälfte der Kräuterzweige darauflegen. Fleisch im Ofen 25—30 Minuten garen, bis die Kerntemperatur von rund 65 °C erreicht ist. 2 Für die Sauce Schalotten hacken. Im Bratsatz in der Hälfte der Butter andünsten. Mit Port- und Rotwein ablöschen. Fond dazugiessen. Von den restlichen Zweigen einige hineinlegen. Sauce zur Hälfte einkochen lassen. Absieben und zurück in die Pfanne geben. Restliche Kräuter fein hacken. Kräuter, Senf und restliche Butter in die Sauce rühren. Mit Salz und Pfeffer abschmecken. 3 Salat und Blüten auf Tellern dekorativ anrichten. Fleisch in zirka 5 mm dicke Tranchen schneiden und zum Salat anrichten. Mit Rotwein-Kräutersauce umgiessen. Tipps Anstelle von Wildschwein-Entrecôte ein Schweinsfilet verwenden. Den Salat mit zirka 4 EL Sauce beträufeln, zum Beispiel italienisches Dressing.
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KLEINE KÜCHENKUNDE
Blühende Fantasie
Kräuter geben nicht nur Aroma, sie geben auch einen optischen Kick. Andrea Pistorius, Köchin der «Saisonküche», über blumigen Küchenzauber.
Oregano
M
an muss kein Kaninchen sein, um sich auch an saftigen Blüten zu erfreuen. Immer häufiger finden essbare Blüten den Weg auf unsere Speiseteller. Und das nicht nur, weil auch das Auge mitisst. Sie machen aus so manchem Gericht nicht nur eine optische Augenweide, sondern geben unseren Geschmacksknospen den gewissen Kick. Zunächst einmal sind alle Blüten der Küchenkräuter essbar. Oft weisen sie sogar ein ähnliches Aroma auf wie die Blätter: So etwa Basilikum, Lavendel, Majoran, Minze, Oregano, Rosmarin, Salbei, Kapuzinerkresse oder Thymian. Allerdings sind die Blüten meist etwas süsser im Geschmack als die Blätter. Auch Kamillenund Scharfgarbenblüten sind prinzipiell essbar und sind hübsche Farbkleckse im Salat. Die Vielfalt der Aromen, Formen und Farben der Kräuterblüten ist immens. Lassen Sie ruhig Ihrer Fantasie freien Lauf und bringen Sie den Teller und die Gesichter Ihrer Gäste zum Blühen.
Vielen Dank für die Blumen Die violetten Duftveilchen werden aufgrund ihres süssen Duftes geschätzt. Sie eignen sich frisch oder kandiert zum Garnieren von Salaten, Torten und Desserts, aber auch zum Aromatisieren von Essig. Auch die verwandten Stiefmütterchen mit seinen vielen Farben sind ähnlich zu verwenden. Sie punkten allerdings mehr mit ihrem Aussehen als mit ihrem Aroma. Die adretten Gänseblümchen sind so lieblich wie fein. Die jungen, halb geöffneten Blüten schmecken mild, offene Blüten
leicht bitter. Die dekorativen roten Blütenblätter der Goldmelisse sind intensiv würzig und verfeinern süsse und pikante Speisen. Mit heissem Wasser aufgebrüht und abgekühlt, lässt sich auch ein erfrischendes Getränk herstellen. Sehr vielfältig ist der Hibiskus. Seine intensiv pinkfarbenen Blüten sind eine exotische Garnitur und schmecken, in Zuckersirup eingelegt und mit Sekt aufgegossen, als Aperitif. Eisgekühlter Hibiskustee ist in nordafrikanischen Ländern ein beliebter und aromatischer Durstlöscher.
Geschmack: Würzig-scharf; getrocknet — das Pizzagewürz schlechthin. Verwendung: Tomatengerichte und Oregano — eine ewige Harmonie. Doch auch Grillfleisch mag die rosa blühenden Stauden. Eines der wenigen Kräuter, die getrocknet ihr Aroma sogar noch verstärken.
Ernten und Aufbewahren Der beste Zeitpunkt, Kräuter und Blüten zu ernten, ist der späte Morgen. Darauf sollten Sie bei der Ernte achten: Nehmen Sie am besten Ihre Finger, um die frischen Triebe, Blätter und Blüten vorsichtig abzuknipsen. So bleiben die Pflanzen kompakt und können gut und kräftig nachwachsen. Um das volle Aroma zu behalten, muss das Geerntete rasch weiterverarbeitet werden. Die Kräuter behutsam waschen und mit dem Küchentuch trocken tupfen und in speziellen, in der Migros erhältlichen Kräuterboxen im Kühlschrank lagern. Dort bleiben die empfindlichen Pflanzen bis zu dreimal länger frisch. Kräuter erst kurz vor dem Verwenden hacken, sonst verflüchtigt sich das Aroma zu schnell. Einige Kräuter können auch eingefroren werden. Blüten jedoch müssen zwingend frisch verwendet werden, nur wenn nötig vorsichtig abbrausen und trocken schütteln. Sie werden erst kurz vor dem Servieren auf dem Teller drapiert. Guten Appetit!
Kapuzinerkresse
Lavendel
Geschmack: Intensiv blumig, vorsichtig dosieren. Verwendung: Nicht nur in Parfüms und Seifen der wohlduftende Klassiker aus Südfrankreich, er schmeckt auch in Lamm- und Kartoffelgerichten. Lavendelblüten parfümieren — frisch oder kandiert — Glacen, Gebäck, Dressings oder Honig.
Geschmack: Frisch und pfeffrig. Verwendung: Blätter und Blüten eignen sich für Salate; die essbaren Blüten sind ein optischer Hingucker, der erst vor dem Servieren beigegeben wird. Die zerkleinerten Blätter aromatisieren Saucen, Dips, Kartoffel- und Eierspeisen.
SAISONKÜCHE
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Bilder iStockphoto (1), Fotolia (4), Gian Vaitl
AUFGEGABELT
Martin Jenni, Food-Redaktor
Himmelwärts
Salbei
Thymian
Geschmack: Sehr aromatisch, leicht bitter. Verwendung: Aus der mediterranen Küche kaum wegzudenken. Er eignet sich sehr gut zum Mitgaren und Trocknen, schmeckt in Fleisch-, Fisch- und Gemüsegerichten und macht schwere Speisen leichter verdaulich.
Geschmack: Streng, leicht bitter, etwas seifig. Dezent dosieren. Verwendung: Zu gegrilltem oder gebratenem Fisch, Lamm, Kalb, Wild oder Leber. Als «Salbeimüüsli» ein Apéro-Klassiker in der Schweizer Küche: die Blätter in Bierteig schwenken und anschliessend kurz frittieren. Als Tee lindert Salbei Halsschmerzen.
In die Luft? Nein danke. Nicht mit Jet, Helikopter oder Segelflugzeug. Schon gar nicht mit Ballon oder Gleitschirm. Klettern, Bungee jumping? Gott bewahre. Wohl fühle ich mich am Boden. Mit beiden Füssen. Oder auf dem Rücken im Gras liegend himmelwärts blickend und Vögel bestaunend. In der Höhe die Bergdole und zuhause meine Hausamsel, die bei mir auf der Laube regelmässig nistet. Und wenn ich schon an ein Nest denke, kommt mir ein ganz Spezielles in den Sinn. Nein. Nicht die «Schatzalp» (ab Seite 84) in Davos, die ist mir eine Kragenweite zu gross, vielmehr denke ich an die Pension Briol im Eisacktal (Südtirol), die ein «Bauhaus»-Juwel ist und mit Johanna von Klebelsberg eine allerliebste Gastgeberin hat. Hinzu gesellen sich Ökowiesen, Wald, Schneeberge und viel Himmel. Neben angenehmen Zimmern mit Balkon, ist die modern interpretierte Omaküche und ist der Weinkeller ein überzeugendes Argument einige Tage hier droben zu verbringen. Wer hier nicht seine Ruhe findet, wird sie nirgendwo finden – denke ich mal. www.briol.it
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Migros-Magazin 34, 23. August 2010
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NEWS
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Kino kann manchmal auch leicht gruselig sein. Lachen, träumen und sich vielleicht ein bisschen fürchten: Bei der Zauberlaterne, dem Filmklub für 6- bis 12-Jährige, entdecken die Kinder die Magie des Kinos. Sie verbringen unvergessliche Momente mit Kolleginnen und Kollegen. Die Saison startet im September mit einem neuen Programm von neun Filmen. Abo-Preis: nur Fr. 30.- (Fr. 20.- für jedes weitere Kind derselben Familie). Zauberlaterne-Vorstellungen in der Region Zürich: Klub Bülach, Kino ABC, Infoline: 044 941 09 83 Klub Dietlikon, Pathé Dietlikon, Infoline: 032 723 77 04 Klub Männedorf, Kino Wildenmann, Infoline: 077 439 49 77 Klub Rapperswil, Schlosskino, Infoline: 055 210 73 33 Klub Zürich, Filmpodium der Stadt Zürich, Infoline: 079 616 10 90 www.zauberlaterne.ch
Polizeimusikfestival Vom 1. bis 4. September findet in Zürich das 10. Police Music Festival statt, mit Unterstützung des Migros-Kulturprozents. Mit einem klangvollen Programm zeigen sich die Polizeikorps von ihrer musikalischen Seite. Der Höhepunkt des Festivals sind die drei Grand Festival Shows vom 3./4. September im Zürcher Hallenstadion. Vor imposanter Kulisse bieten 800 Mitwirkende eine abwechslungsreiche Show. Zu den Spezialgästen gehört die Schweizer Opernsängerin Noëmi Nadelmann. www.zpmf.ch
Verkaufsstellenleiterin Marinela Gavrilovic (links) freut sich mit ihrem Team auf die Eröffnung der Filiale in Männedorf.
Neue Migros Männedorf
Am Donnerstag, 26. August, wird die Migros Männedorf am neuen Standort wieder eröffnet. Sie präsentiert sich hell, geräumig, attraktiv und mit fast verdoppelter Verkaufsfläche.
A
n der Alten Landstrasse 258 in Männedorf wird am 26. August die fertig gestellte Migros Männedorf wieder eröffnet. Die Verkaufsfläche konnte gegenüber jener der einstigen Migros beinahe verdoppelt werden. Zur Wiedereröffnung am neuen Standort gibt es für die Kundschaft am 26. und 27. August verschiedenste Attraktionen ¬ und 10 Prozent Rabatt beim Einkaufen. Auf einer Verkaufsfläche von fast 900 m2 finden Kundinnen und Kunden eine grosszügige Früchteund Gemüseabteilung, Fisch und Fleisch, Back- und Kolonialwaren,
Tiefkühlprodukte, Milchprodukte und Eier. Nebst einem breit gefächerten Lebensmittelangebot bietet die Migros Männedorf aber auch vielfältig sortierte Hygiene- und Körperpflegeprodukte sowie Kosme-
Öffnungszeiten
Migros Männedorf, Alte Landstrasse 258 Die Filiale ist neu geöffnet von Mo bis Fr von 8 bis 19 Uhr, Sa von 8 bis 18 Uhr.
tik für die Frau und den Mann. Für Kinder gibt es Babynahrung, Spiele und weitere Spielsachen. Im Bereich Haushalt finden sich nebst Pfannen, Gläsern und Bestecken auch Tischwäsche und Kerzen. Ebenso werden Blumen und saisonale Gartenartikel angeboten. Dank vier Kassenstationen soll die Kundschaft möglichst schnell bedient werden. Mit der neuen Migros Männedorf werden zusätzlich sechs neue Stellen geschaffen. Verkaufsstellenleiterin ist Marinela Gavrilovic.
Impressum: Migros-Magazin, Region Zürich, Redaktion: Andreas Reinhart (ar), Eve Pfeiffer (EPF) Genossenschaft Migros Zürich, Corporate Communications, Postfach, 8021 Zürich, E-Mail: regio@gmz.migros.ch
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Migros-Magazin 34, 23. August 2010
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Von der Leinwand auf die Bühne
Der Erfolgsfilm «Die Schweizermacher» wird zum Musical. In der Maag Halle in Zürich wird dieses am 16. September uraufgeführt — mit der Migros als Hauptsponsorin.
«Die Schweizermacher»: Die Musicaladaption zum gleichnamigen Schweizer Film.
V
or 32 Jahren, also 1978, landete der Regisseur Rolf Lyssy mit dem Film «Die Schweizermacher» einen Kinohit und traf mit dem Thema den Nerv der Zeit. Über eine Million Besucherinnen und Besucher pilgerten in die Kinos und sahen sich die satirisch-ironische Komödie an. Noch heute gilt «Die Schweizermacher» als erfolgreichster Schweizer Film, der je in den hiesigen Kinos lief. Nun kommt der Kinohit am 16. September als grosse Musicaladaption auf die Bühne.
Das Thema über das Schweizerwerden und Schweizersein ist aktueller denn je. So sind Parallelen zu tatsächlichen Verhältnissen nicht ausgeschlossen, obwohl das Musical und der Film von Rolf Lyssy auf einer erfundenen Geschichte basiert.
Hochkarätige Besetzung und Erfolgsproduzenten
In der Person von Darko Soolfrank und Guido Schilling haben sich zwei Erfolgsproduzenten des Themas angenommen und bringen nach «Ewigi
Liebi», «Deep» und «Space Dream» ein weiteres Musical mit Erfolgsfaktor ins Theater. Das Bühnenstück wurde mit einem hochkarätigen Team umgesetzt. In den Hauptrollen sind zudem Iréna Flury, Andrea Zogg und Rolf Sommer zu sehen. Vom Start der Vorbereitungen bis zur Uraufführung im September 2010 vergingen fünf Jahre, in denen die Macher die witzige Komödie in ein Musical umwandelten. Zur Story: Die beiden Einbürgerungsbeamten Max Bod-
mer und Moritz Fischer bespitzeln Francesco Grimolli, die Balletttänzerin Milena und das deutsche Ehepaar Starke. Unvorhergesehen kommt die Liebe ins Spiel und lässt die Situation zu einem Dilemma werden. Ob alle Kandidaten den Schweizer Pass erhalten, sei an dieser Stelle noch nicht verraten. Die Migros unterstützt das Musical «Die Schweizermacher» als Hauptsponsorin. Weitere Informationen und Tickets: www.dieschweizermacher.ch
NEWS
Neues von Outdoor by SportXX Am 28. August wird der Outdoor by SportXX am Standort Limmatplatz Zürich geschlossen: Das gesamte Verkaufsteam arbeitet ab 30. September am neuen Standort Outdoor by SportXX im Erdgeschoss des Einkaufszentrums Sihlcity, Zürich. Trekking- und Wanderbegeisterte finden dort eine grosse Produkteauswahl sowie kompetente Beratung. Nebst den preisgünstigen Migros-Eigen-
marken sind weitere Marken vertreten: National zum ersten Mal präsentieren sich übrigens bei Outdoor by SportXX die Weltmarken Haglöfs und Jack Wolfskin mit eigenen Shops. Am 28. Oktober wird im Zürcher Niederdorf ein weiterer Outdoor by SportXX eröffnet, auf zwei Etagen. Als «Shop in Shop» ist in diesem Fachmarkt auch der Reiseanbieter Travelhouse eingegliedert.
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IHRE REGION MIGROS ZÜRICH
Migros-Magazin 34, 23. August 2010
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Wer an Kaufsucht denkt, hat das Bild von Frauen vor Augen, die mit vollen We Ei Einkaufstaschen durch Kleiderläden und Shoppingstrassen eilen. Eine Un Untersuchung der Zeppelin-Universität in Friedrichshafen am Bodensee ze zeigt nun aber: Unter den Teilnehmern der Studie zeigten fast ebenso vi viele Männer (5,5 Prozent) wie Frauen (6 Prozent) Symptome einer Ka Kaufsucht. Das Resultat überrascht auch deshalb, weil in Therapien ge gegen Kaufsucht praktisch ausschliesslich das weibliche Geschlecht ve vertreten ist. Laut der Studie findet man krankhaftes Shoppen vor allem be bei jüngeren Menschen in unteren Einkommensstufen. Einkaufen als Droge: Einer von 20 Männern ist betroffen.
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unge Mitarbeitende würden mehr leisten als ältere Semester ist ein verbreitetes Vorurteil. Dass dem nicht so ist, weist nun eine Studie der Universität Bayreuth (D) nach: Alter führe weder zu nachlassendem Erfolg noch zu erlahmendem Willen bei der Arbeit, so die Forscher. Bei der Untersuchung wurden 1250 Arbeitnehmende unter die Lupe genommen. Allerdings wiesen die Wissenschafter einen Zusammenhang zwischen Diskriminierung und Leistungsfähigkeit nach: Bekommen ältere Mitarbeitende im Firmenalltag den Eindruck, dass sie aufgrund ihres Alters gering geschätzt werden, schwächt dies ihre Leistungsmotivation. Die Forscher fordern ein frühzeitiges, offensives Vorgehen gegen Altersdiskriminierung – auch, weil Unternehmen aufgrund der Überalterung der Gesellschaft nicht darum herumkommen, in der Zukunft mehr ältere Personen einzustellen. Daniel Schifferle
Frage von letzter Woche
Ich finde Männer sexy …
So haben unsere Leserinnen und Leser geantwortet.
26 %
61 %
… die Mut zur Farbe zeigen.
… die ihren eigenen Kleiderstil pflegen.
13 %
… die sich dezent kleiden.
98 | Migros-Magazin 34, 23. August 2010
E
s war ein Morgen wie jeder andere: Sina Scheller sass an ihrem Küchentisch, aus dem Radio rieselte sanfte Musik, vor ihr dampfte heisser Kaffee. In diese Ruhe hinein platzte eine junge Frau, stampfte zum Kühlschrank und zog die Milchpackung heraus. Sina machte sich mit einem Räuspern bemerkbar, die Fremde drehte sich um und lachte fröhlich: «Guten Morgen. Ich bin Anna. Ich habe die Nacht bei Arsène verbracht.» Arsène (18) ist der Sohn von Sina Scheller-Persenico (50) und der Bruder von Jill (20). Die drei teilen sich in Zürich eine Vierzimmerwohnung, den Alltag und ein paar Regeln. Eine davon lautet: Am Morgen darf nicht gemotzt werden. Deshalb blieb Sina an besagtem Morgen nichts anderes übrig, als mit der neuesten Eroberung ihres Sohns freundlich zu plaudern, bis dieser aus dem Zimmer gekrochen kam. Solche oder ähnliche Episoden sind vielen Eltern, die mit ihren erwachsenen Kindern unter einem Dach leben, nicht fremd.
Jill war bis jetzt mit ihrer Lehrabschlussprüfung stark engagiert. In Zukunft will sie sich stärker im Haushalt nützlich machen.
Im gemachten Nest Mit 18 Jahren sind Jugendliche vor dem Gesetz erwachsen. In der familiären Struktur bleiben sie aber Kinder. Das macht den gemeinsamen Alltag für Eltern und Kinder zur Herausforderung.
BESSER LEBEN FAMILIE Manchmal hilft nur der Entzug von Leistungen Halten sich Jugendliche nicht an die Vereinbarungen, können Eltern folgende Massnahmen anwenden: ➔ Das Dienstleistungsangebot zurückfahren. Etwa, indem Eltern die Wäsche nicht mehr für die Kinder mitwaschen oder den Kühlschrank nicht mehr ohne Weiteres füllen, das Zimmer nicht mehr putzen und so weiter. ➔ Die Eltern können ihrerseits gewisse Gefälligkeiten einfordern, zum Beispiel Hilfestellung im Umgang mit den neuen Medien oder indem sie sich von ihren Kindern bekochen lassen oder Mithilfe im Garten oder im Haus fordern.
sation des Alltags. Wenn ein Jugendlicher 18 Jahre alt wird, ist er vor dem Gesetz erwachsen, mit allen Rechten und Pflichten. Er darf sein Schulzeugnis unterschreiben, abstimmen gehen, findet Einlass in jede Bar, darf Alkohol kaufen, so viel er will und muss, wenn er Mist baut, die Verantwortung für seine Taten übernehmen. Kurz: Er ist ein vollständiges Mitglied unserer Gesellschaft. Ausserhalb der heimischen Wände klappt dieser Schritt meistens gut, nur im Herzen der Familie verläuft der Übergang vom Kind zum Volljährigen nicht immer ohne Tücken. Wer mit Kindern in diesem Alter zusammenlebt, weiss: Manchmal braucht es nur ein falsches Wort, und die erwachsenen Töchter und Söhne mutieren innert Sekunden zum Kleinkind. Wenn Kindern plötzlich eine neue Rolle in einem vertrauten Umfeld zukommt, braucht es Absprachen, Regeln und vor allem eine gute Kommunikation. Sina, Jill und Arsène haben ihr Mit-
Arsène, Mutter Sina und Jill wohnen zusammen, wobei Arsène eine eigene Vorstellung von Ordnung hat.
Egal, ob sie ihren Nachwuchs liberal oder traditionell erzogen haben, der Gedanke «das hätten wir uns bei unseren Eltern nie leisten können» taucht in diesen Momenten unweigerlich auf.
Ein falsches Wort, und der Sohn mutiert zum Kind
Die Zeiten haben sich geändert. Heute wohnen viele Jugendliche wieder länger zu Hause als noch vor 20, 30 Jahren. Das hat einerseits mit den hohen Mietpreisen Ω vor allem in den Städten Ω zu tun, aber nicht nur. Die Generationen sind zusammengewachsen, der Umgang zwischen Eltern und Kindern ist kumpelhafter geworden. Dieser offenere Umgang hat viele Vorteile, stellt aber auch höhere Ansprüche an den Umgang untereinander und an die Organi-
Mitarbeit im Haushalt wäre erwünscht: Doch für Sina ist es manchmal einfacher, den Abwasch gleich selber zu erledigen.
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einander gut geregelt – beteuern sie einherzig, während sie in ihrer Stube am schmalen Tisch auf den orangefarbenen Stühlen sitzen. Die Grenzen sind klar definiert: Im eigenen Zimmer darf jeder machen, was er will, in den gemeinsamen Räumen ist Respekt gegenüber den anderen gefordert. Arsène, der zurzeit zwischen Schule und Lehrstelle pausiert, strahlt übers ganze Gesicht und sagt: «Wir sind eine richtige WG.» Und Jill, die soeben ihre Ausbildung als Fachfrau Gesundheit abgeschlossen hat, fügt hinzu: «Wir teilen alles, reden viel miteinander, kommen gut aus, was will man mehr?»
Hin und wieder fliegen dann aber auch die Fetzen
Auf die Frage, ob sie denn in ihrer WG auch die Haushaltspflichten teilen würden, meint Jill, sie hätte sich vorgenommen, nach ihrer Lehre mehr zu helfen und Arsène sagt: «Wenn ich anfangen will, ist meistens schon alles gemacht.» Sina, die als selbständige Grafikerin arbeitet, wünscht sich mehr Mitarbeit im Haushalt und teilt mit vielen Eltern in ähnlicher Situation das Schwanken zwischen Gelassenheit, Gereiztheit und Resignation: «Wie ich angesichts von herumstehendem, schmutzigem Geschirr oder Puff im Wohnzimmer reagiere, hängt auch von meiner Tagesform ab. Manchmal kann ich es mit einem Lachen wegstecken, manchmal werde ich wütend und fordere lautstark Mithilfe. Und manchmal finde ich es am einfachsten, wenn ich es selber erledige.» Dass das Zusammenleben auf engem Raum alle fordert, ist selbstverständlich, und dass dabei auch mal die Fetzen fliegen können, genauso. «Streit gehört dazu», sind sich Schellers einig. «Jill und Arsène sind intellektuell und geistig zwar erwachsen, aber was den Haushalt betrifft, stecken die beiden noch stark in ihrer Rolle als Kind», meint Sina. Trotzdem: Die Mutter ist froh, wohnen die beiden noch eine Weile zu Hause, auch wenn sie die Frage «Was gits hüt Znacht?», mit der Jill und Arsène sie jeden Abend beim Nachhausekom-
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BESSER LEBEN FAMILIE
Migros-Magazin 34, 23. August 2010
DAS SAGT DIE EXPERTIN
Karin Gerber (50) ist Erziehungsberaterin, Paar- und Familientherapeutin mit eigener Praxis in Zürich.
«Mit 18 Jahren ist es Zeit, zu verhandeln und klare Abmachungen zu treffen» Karin Gerber, kann man die eigenen Kinder nach dem 18. Lebensjahr überhaupt noch erziehen? Nein, die Erziehung ist abgeschlossen. Jetzt rücken andere soziale Kompetenzen wie das Verhandeln, der gegenseitige Respekt und eine klare Kommunikation in den Mittelpunkt des gemeinsamen Alltags. Mutiert die Familie in dieser Phase zur WG mit vier gleichberechtigten Bewohnern? Mit den eigenen Kindern kann man nicht in einer WG leben. Die Eltern stellen den Rahmen für den Alltag zur Verfügung und bestimmen im Idealfall zusammen mit den Jugendlichen, wie dieser gefüllt werden soll. Sie definieren, welches Dienstleistungsangebot sie zur Verfügung stellen
wollen und welche Mithilfe sie von den Kindern erwarten. Dürfen Eltern über den Kopf ihrer immerhin «erwachsenen Kindern» hin bestimmen? Jugendliche in diesem Alter wollen meistens das erreichen, was sie im Kopf haben. Dabei verfolgen sie in erster Linie eigene Interessen und weniger die der gesamten Familie. Die Aufgabe der Eltern ist es, dem etwas entgegenzusetzen, klare Rahmenbedingungen zu setzen und ein gewisses Mass an Mitarbeit zu fordern. Es ist schwierig, die Kinder zur Mithilfe im Haushalt zu motivieren. Haben Sie einen Geheimtipp? Kinder in diesem Alter engagieren sich grundsätzlich wenig für die
Familie. Das liegt weniger am Unwillen der Jugendlichen als vielmehr an den gewachsenen Eltern-Kind-Strukturen, auf die man sich gerne zurückfallen lässt. Daher ist es wichtig, klar abzumachen, wer wofür zuständig ist. Ein anderes Problem: Jugendliche in Ausbildung haben nie genug Geld. Wie sollen Eltern reagieren? Unterstützen oder zum Sparen animieren? Wichtig ist, dass Jugendliche den Wert des Geldes erfahren und dass Richtlinien ausgehandelt werden. Jede Familie hat einen anderen Umgang mit Geld und ein anderes Budget. Eltern sollten sich selber treu bleiben und sich nicht so schnell von anderen Beispielen oder Forderungen verführen lassen.
men empfangen, manchmal fast die Wände hochgehen lässt. Eine Frage, die auch Beatrice Zürcher knapp 100 Kilometer weiter östlich von Zürich oft hört. Die 45-jährige Wirtin lebt mit ihrem Mann Sepp (51) und den beiden Söhnen Sepp (22) und Ruedi (20) am Rand der Welt, auf halbem Weg zwischen dem 1400-SeelenDorf Gonten AI und dem Kronberg. Die Eltern führen gemeinsam das Berggasthaus Scheidegg. Die beiden Buben arbeiten ausser Haus: Sepp, der gelernte Schreiner, verbringt unter der Woche viel Zeit auf Montage, und Ruedi, der gerade seine Lehre als Elektriker abgeschlossen hat, ist zurzeit im Militär. An einem Samstag im Juli sind alle vier hier. Vor der Türe nieselt es, das Wetter hat die meisten Gäste vertrieben. Das ist im Sommer eher selten. An schönen Tagen geht es bei Zürchers zu wie in einem Bienenhaus. Jetzt geniessen sie die Ruhe, sitzen um den runden Tisch und erzählen von ihrem Familienalltag. Trotz der besonderen Wohnlage – im Sommer erreicht die Familie ihr Heim entweder zu Fuss oder über die kurvenreiche Privatstrasse, auf der für Gäste striktes Fahrverbot herrscht, im Winter nur mit dem Schneemotorrad – haben
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BESSER LEBEN FAMILIE
Migros-Magazin 34, 23. August 2010
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DAS BIN ICH
Kinder stellen sich vor
Ruedi fühlt sich wohl daheim: Als Rekrut ist er zum ersten Mal in seinem Leben unter der Woche weg von zu Hause. Bei der Familie Zürcher im appenzellischen Gonten ist die Welt noch in Ordnung: Ruedi, Sepp, Beatrice und Sepp junior.
die Söhne nicht vor, auszuziehen. Warum? Sepp Junior zählt auf: «Der Haushalt wird gemacht, es hat immer was zu essen im Kühlschrank und ich muss kein Geld abgeben.» Bruder Ruedi ergänzt: «Und wir haben es schön miteinander.» Er ist zum ersten Mal in seinem Leben unter der Woche weg von zu Hause. «Schön» und friedlich ist es auch darum, weil jeder den anderen in Ruhe lässt. Mutter Beatrice sagt: «Solange sie anständig bleiben, lassen wir den beiden viele Freiheiten. Wichtig ist doch, dass die Kinder wissen, dass sie sich durch dick und dünn auf uns verlassen können.» «Und wir sind anständig», sagt Ruedi mit einem schelmischen Blick: «Bei uns sind die Versuchungen ohnehin kleiner als in der Stadt. Unter der Woche trifft man selten jemanden im Ausgang, und beim Alkohol sind wir vorsichtig – der Weg nach Hause hat viele Kurven!» Jede Familie pflegt eine eigene Kultur, die durch Absprachen und Gegenleistungen geregelt ist, egal, ob diese Rahmenbedingungen am Tisch ausgehandelt wurden wie
dem zum Wortwechsel kommt, führt Beatrice den Spruch ihres Vaters ins Feld: «Solange ihr eure Füsse unter meinem Tisch habt, bestimme ich», worauf Sohn Sepp, der den Tisch selber geschreinert hat, gelassen erwidert: «Noch hast du die Füsse unter meinem Tisch!» Texte Monique Rijks Bilder Tanja Demarmels
Sepp junior in der Küche: Wenn im familieneigenen Berggasthaus Scheidegg Hochbetrieb ist, packen alle mit an.
bei Schellers oder aus dem Alltag heraus gewachsen sind wie bei der Familie Zürcher. Auf der Scheidegg macht Mutter Beatrice den Haushalt. Ehemann Sepp erledigt alle administrativen Arbeiten und Reparaturen, und die Söhne greifen, wenn auch nicht immer ohne Murren, den Eltern an hektischen Wochenenden unter die Arme. Oder sie fahren ins Dorf, wenn etwas in der Küche fehlt, oder helfen dem Vater bei Arbeiten rund ums Haus. Dafür bekommen sie kein Geld. Auch nicht, wenn sie im Restaurant oder in der Küche helfen. Im Gegenzug müssen sie nichts abgeben, auch das eine klare Abmachung, die unnötigen Diskussionen vorbeugt. Und wenns trotz-
www.migrosmagazin.ch Nicht nur die Jugend ist gefordert: Verteilen Sie Hausarbeit konsequent? Der Elterntest.
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BESSER LEBEN IN FORM
Migros-Magazin 34, 23. August 2010
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Was sich an der Grillparty gehört Gespräche bringen.
Lästern? Dann bleibt man besser zu Hause. Wie verhält man sich, wenn ein persönlicher «Todfeind» an der Party auftaucht?
Die gute Miene zum Spiel, das nicht böse werden muss: Ich kann mich ja mit allen anderen Gästen unterhalten. An Grillpartys geht es oft bunt zu. KniggeExpertin Lucia Bleuler kennt die Grenzen.
Unter Freunden bedeutet ein Grillabend «grillen, chillen, Bierchen killen». Wenn der Abend aber formelleren Charakter C hat und nicht jeder jeden kennt, was dann? Frau Bleuler, es war ein heisser Tag. Wie freizügig darf man sich für eine Grillparty kleiden?
Im chicen Freizeitlook: Hose in Baumwolle oder Leinen und Kurzarmhemd oder Poloshirt für ihn sind in Ordnung. Den Damen empfehle ich etwas Leichtes, Originelles, ein luftiges Kleid oder eine bunte Dreiviertelhose zu einem ärmellosen Oberteil oder Spaghetti-Träger-Shirt. Wohin mit der Sonnenbrille während des Essens?
Bild Getty Images
Definitiv nicht ins Gesicht, ausser die Sonne blendet stark. Auch ins Haar gesteckt wirkt eine Sonnenbrille nicht gerade sexy. Drinnen ist das sowieso tabu. Am besten auf den Tisch legen oder gleich in die Handtasche versorgen. Und wenn man sich auf der falschen Party fühlt: Darf man einen Hitzestau vortäuschen, wenn man früher nach Hause gehen möchte?
Irgendetwas vorzutäuschen ist
grundsätzlich daneben. Wenn ich nach Hause gehen möchte, dann verabschiede ich mich freundlich und korrekt. Darf man dem Gastgeber vorschlagen, kühles Bier zu trinken statt des lauwarmen Weins, der bereitsteht?
Grundsätzlich trinkt man, was im Angebot ist, aber man kann ja mal
So meiden Sie Fettnäpfchen NICHT ERLAUBT:
➔ Bikini/Krawatte ➔ Rumsitzen und nichts sagen ➔ Den eigenen Lieblingssenf mitnehmen
ERLAUBT:
➔ Rauchen auf der Terrasse oder im Garten ➔ Mit dem Grillmeister übers Grillen diskutieren ➔ Auf Alkohol verzichten
Interview Christian Hug
www.luciableuler.ch
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diskret und freundlich nachfragen. Und wenn man sein eigenes Getränk mitbringt und dieses auch gleich selber trinkt?
Nur wenn ich zum Grillen, Chillen, Bierchenkillen eingeladen bin und dies obendrein vorher angekündigt habe. Alles andere ist ein No-Go. Hühnerbeine isst man von Hand …
… ist der Tisch mit einem feinen Tuch gedeckt, würde ich warten, bis der Gastgeber anfängt, mit den Händen zu essen. Ansonsten geht das in Ordnung, man kann ja auch von Hand gesittet essen. Hitzige Diskussionen passen doch zum heissen Wetter.
Partys sind nicht für Hitzköpfe erfunden worden. Und ein bisschen Lästern über diesen und jene? Das kann ja manchmal erst den nötigen Pfeffer in langweilige
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Migros-Magazin 34, 23. August 2010
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uch die Tierwelt leidet, wenn die Temperatur im Sommer mehr ansteigt. Besonders gefährdet sind unsere Haustiere, die meist vollständig vom Verhalten ihrer Besitzer abhängig sind. Nicht leicht fällt es etwa dem Hund, die Hitze aus dem Körper abzuführen, denn lediglich an den Pfoten hat er Schweissdrüsen. Kühlung verschafft er sich durch Hecheln. Dabei kann sich die Atemfrequenz auf bis zu 400 Atemzüge pro Minute erhöhen. Durch diese Form der Temperaturregulierung verliert der Hund sehr viel Körperflüssigkeit. Damit er nicht dehydriert, muss er reichlich trinken.
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Natürliche Rezepte gegen tierische Hitze
Sommer für Sommer sterben unzählige Haustiere an einem Hitzeschlag. Um das zu vermeiden, sind die Halter gefordert.
Bild F1 Online
Auch den Meerschweinchen droht ein Hitzeschlag
Ausserdem schont der beste Freund des Menschen sich, indem er im Schatten auf der faulen Haut liegt. Muss der Hund jedoch im Auto auf sein Herrchen warten, lauert grösste Gefahr: Innentemperaturen von 60 Grad sind keine Seltenheit. Es droht ein Kreislaufkollaps oder schlimmstenfalls ein tödlicher Hitzeschlag. «Am Anfang reagiert der Hund, indem er extrem mit gestrecktem Kopf hechelt und speichelt oder schäumt, dann fängt die Phase des Schockzustands an», erklärt Tierarzt Jean-Luc Forster von der Kleintierpraxis Letzi in Zürich. «Der Kreislauf versorgt nur noch die wichtigsten Organe, der Hund ist apathisch, atmet weiter schnell, hechelt dann meist nicht mehr, die Schleimhäute sind häufig blass. Da ist rasches Handeln angesagt: Kühlen und sofort zum Tierarzt.» Auch Katzen haben lediglich an den Pfoten Schweissdrüsen.
Vögel behelfen sich mit Hecheln gegen die Hitze — und suchen einen Tümpel für ein kühlendes Bad.
Trotzdem sind sie weniger gefährdet als Hunde, da sie selten im Auto mit dabei sind und sich selbständig ein ruhiges Schattenplätzchen suchen können. Bei Meerschweinchen hingegen muss man aufpassen. Tierarzt Jean-Luc Forster: «Die Besitzer möchten etwas Gutes für die Tiere tun und setzen sie am Morgen in ihr Gehege im Garten. Dann kommt die Sonne, die heiklen Tiere finden keinen Schatten und erleiden einen Hitzschlag.» Auch bei Kaninchen muss der Halter für ganztägige Schat-
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«Schwimmen ist zu anstrengend. Unsere Luba mag es lieber bequem und spielt Kapitän in ihrem bunten Boot.» Bild von Melanie Tschui, 4558 Winistorf SO
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tenplätze besorgt sein. Wildtiere haben es da einfacher. Beim Hasen funktionieren die langen Löffel als Hitzeableiter.
Kühe schalten beim Fressen einen Gang runter
Wiederkäuer wie Kühe erhöhen die Atemfrequenz, um sich abzukühlen. Ist es sehr heiss, kann man sie regelrecht «pumpen» sehen. Zudem fressen sie weniger, damit sie weniger Verdauungswärme erzeugen. Zudem machen windige Standorte für die Kühe die Hitze
erträglicher. Wie der Hund kühlen sich auch die Vögel mit Hecheln ab. Ausserdem suchen sie Tümpel für ein kühlendes Bad. Mehr Probleme hat der Vogelnachwuchs. An den heissen Sommertagen der vergangenen Wochen haben Tierfreunde beobachten können, wie junge Vögel aus dem Nest unter dem Dach zu früh zum ersten Flug starteten, nur um der Hitze zu entfliehen. Doch das führte dann zu einem raschen Ende ihres jungen Lebens. Dagmar Steinemann
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NEWS
Weniger ist eben doch mehr
Fiat bekennt sich zum spritsparenden «Downsizing»: Im neuen Fiat 500 TwinAir werkelt ein Zweizylinder mit nur 0,9 Liter Hubraum. Das 85 PS starke Triebwerk schafft dank optimierter Luftführung und Ventilsteuerung die 100 km/h in flotten 11 Sekunden, verbraucht aber nur vier Liter Benzin auf 100 Kilometer. Der TwinAir steht ab September als Dreitürer wie Cabrio ab voraussichtlich etwa 19 000 Franken parat.
Schutzengel für Fussgänger
Volvo setzt mit einem neuen Radarsystem auf Sicherheit. Nach der neuen Volvo-Limousine S60 rollt ab Dezember die Kombiversion V60 zu den Händlern. Zum Verkaufsstart gibt es den V60 mit drei sparsamen Dieslern (115 bis 205 PS) und mit Turbobenzinern (150 bis 304 PS). Ein echtes Highlight ist das erste Radarsystem, das ausser Autos auch Fussgänger erkennt: Droht ein Unfall mit einem Fussgänger, bremst «Pedestrian Detection» notfalls selbst automatisch voll ab.
Schweizer Feldversuch startet Zu Testzwecken hat Smart 1500 vollelektrische Fortwo Electric Drive gebaut. 50 der 41 PS starken Stromer werden ab sofort auch in der Schweiz eingesetzt: Vier Jahre testen Institutionen, Firmen und Privatpersonen im Raum Zürich den surrenden Zweisitzer im Grossversuch. Smart-Partner sind hier die Energieversorger EKZ und EWZ sowie Mobility.
Der Ford Focus im
Familie Wild Giray aus der Stadt Zürich sucht ein sparsames Familienauto. Stopp-Start-System unter die Lupe.
K
inder verändern das Leben: Kaum ist der Nachwuchs da, wird es um wunderschöne Facetten reicher – aber auch ein wenig schwieriger. Zum Beispiel, wenn man bisher nur öffentliche Verkehrsmittel oder gelegentlich Autos von Mobility genutzt hat. «Wir leben in der Stadt Zürich und fahren gerne Zug», berichtet Christina Wild Giray. «Seit unser Sohn Jonas zur Welt kam, entpuppt sich das nun aber teils als aufwendiger, manchmal sogar als mühsam. Gerade, weil wir nun öfter unsere Familien besuchen.» Kein Wunder, spielen die Eltern des acht Monate alten Jonas mit dem Gedanken, sich einen Wagen anzuschaffen. «Ein Auto ist für uns ein reines Fortbewegungsmittel, das wir nur in der Freizeit nutzen», », betont Holger: «Es solltee uverbrauchsarm und geräumig sein.» Das machte diee Familie zu idealen Kandida-ten für den Lesertest im Ford Focus Econetic mitt dessen neuem Stopp-StartSystem zum Spritsparen (etwa am Rotlicht).
Oben: Christina und Holger Wild Giray machen mit dem kleinen Jonas gerne Ausflüge ins Grüne. Links: Mit der praktischen Eco-Anzeige lässt sich das eigene Fahrverhalten trainieren.
Der kleine Jonas liebt Motorgeräusche
Das unproblematische Stopp-Start-System findet beim 37-jährigen Pflegefachmann Holger ebenso Lob wie der 109 PS starke Dieselmotor des verbrauchsoptimierten Econetic: «Beim Beschleunigen muss man ordentlich aufs Pedal drücken, aber die Kraft reicht völlig.» Die 32-jährige Physiotherapeutin Christina fügt lachend an: «Das leichte Brummen wirkt auf Jonas beruhigend, ja sogar einschläfernd. Das hat uns keineswegs gestört.» Beim Verbrauch über 650 Testkilometer landete Familie Wild
Rechts: Auch der Kinderwagen hat gut im kompakten Fünftürer Platz.
STECKBRIEF
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BESSER LEBEN AUTO
Familienfokus
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EXPERTE Kurt Egli, Umweltberater
Im Lesertest nahm das Trio den Ford Focus Econetic mit neuem
Giray bei rund fünf Liter Diesel pro 100 Kilometer – ein guter Wert für einen kompakten Fünftürer. Die Abweichung zum Werkswert (3,8 l/100 km) lag dabei im Rahmen des Üblichen. Ansonsten fiel bei Ausflügen wie etwa beim Besuch bei Jonas’ Grosseltern im Allgäu «nichts Spezielles auf», wie Holger zum Fahrwerk vermerkt. Das ist durchaus positiv zu verstehen: Den Fahrkomfort empfanden Christina und Holger als «entspannend», auch die vielfach verstellbaren, bequemen Sitze ernteten Lob. Nicht zu vergessen die einfache Bedienung, die gute Übersicht und die Eco-Anzeige im Cockpit des Fünftürers. «Damit kann man das eigene Fahrverhalten trainieren», lobt Holger, der sonst jährlich etwa 2500 Kilometer ausschliesslich in Autos von Mobility zurücklegt.
Für den Kindersitz ist eine Männerhand gefragt
Etwas Kritik gibt es aber dennoch. «Die Gurte der hinteren Sitze sind etwas kurz», erläutert Christina: «Ich hatte zu wenig Kraft, um sie um den Kindersitz zu ziehen. Da musste mir Holger helfen.» Bezüglich Raumangebot lobt das junge Ehepaar, dass sogar der Kinderwagen hineinpasst und vier Erwachsene komfortabel untergebracht sind. Bei der Frage, ob sie sich vorstellen könnten, den Focus zu kaufen, schränkt Holger ein: «Ja, aber nur als Kombi, wegen des noch grösseren Laderaums.» Wie reagiert eigentlich der kleine Jonas auf die vermehrten Autofahrten? «Für ihn ist es wohl wie Fernsehen», sagt Christina schmunzelnd: «Er mag es und lässt die Landschaft an sich vorbeiziehen – oder schläft eben.» Text Timothy Pfannkuchen Bilder Oliver Lang
Stopp-Start in Serie Mit seinem CO2-Wert von 99 g/ km unterschreitet der Ford Focus Econetic mit Stopp-StartSystem die magische 100-Gramm-Grenze. In der unteren Mittelklasse zählt er damit sogar zu den ToptenFahrzeugen (www.topten.ch). Schade nur, dass die spritsparende Stopp-Start-Automatik längst nicht bei allen Herstellern mit im Grundpreis inbegriffen ist. Vor über 20 Jahren erfunden, sollte sie in der Zeit des Klimaschutzes Standard sein. Beim Focus Econetic etwa muss die umweltbewusste Kundschaft für diese Spartechnik (wenngleich im Paket mit einer Klimaautomatik) einen Mehrpreis von 1250 Franken in Kauf nehmen.
CO2-RICHTWERTE 180 170 160 150
175 161 147
140 130
134
120
120
110 100 90
99 g/km 2008 2009
2010 2011
2012
Ford Focus 1.6 16V TDCi Econetic Bis 2012 sollen Neuwagen in der EU im Schnitt nur noch 120 g/km CO2 ausstossen. Geht man von einer kontinuierlichen Senkung der CO2-Emissionen aus, bedeutet dies für das Jahr 2010 einen Richtwert von 147 g/km. Unser Testwagen liegt mit 99 g/ km deutlich darunter. Weitere Informationen zu unserem Bewertungssystem finden Sie unter www.migrosmagazin.ch
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Wir wollen uns sehen ➔ Ich suche meine Freundin, Käthi Burri (lediger Name) aus Aarau. Sie hat im Restaurant Laterne serviert und ich im Restaurant Waage. Sie hat später einen Italiener geheiratet und zog ins TelliQuartier. Wir haben uns 1974 aus den Augen verloren. Ich würde mich so freuen, etwas von ihr zu hören.
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Hamburg — das Hoch im Norden
Die Hansestadt Hamburg gehört zu den schönsten Metropolen Deutschlands. Leser des Migros-Magazins kommen in den Genuss einer vielfältigen Reise an die Elbe.
H
amburg, das Tor zur Welt, die Schöne, das Hoch im Norden: Die grüne Metropole am Wasser gilt nicht umsonst als eine der schönsten Städte Deutschlands. Von ihrem Flair und maritimen Charme ist jeder begeistert, der einmal hier gewesen ist. Ob Elbe, Alster, Hafencity, Speicherstadt, Fischmarkt oder Reeperbahn – hier gibt es jeden Tag etwas Neues zu entdecken, zu erleben und zu bestaunen. Mit 1,8 Millionen Einwohnern die zweitgrösste Stadt Deutschlands, bietet Hamburg ein einmaliges Angebot für seine
Das Reiseprogramm ➔ 1. Tag: Sonntag, 21. November 2010 / Schweiz—Hamburg Fahrt im luxuriösen 5-SterneNichtrauchercar vom Einsteigeort nach Hamburg. Zwischenhalte unterwegs. Abends Zimmerbezug im 5-Sterne-Hotel Grand Elysee im Herzen der Stadt. Das Haus verfügt über einen grossen Wellness-Bereich. Fakultatives Nachtessen und Rest des Abends zur freien Verfügung. ➔ 2. Tag: Montag, 22. November 2010 / Hamburg — Stadt- und Hafenrundfahrt Frühstücksbuffet im Hotel. 9 Uhr: Abfahrt ab Hotel zu einer Stadtrundfahrt unter dem Motto «Best of Hamburg». 12 Uhr: Mittagspause bei den Landungsbrücken direkt an der Elbe, fakultatives Mittagessen.
Gäste: Kunst und Kultur vom Feinsten, Musical-Welterfolge, anspruchsvolles und unterhaltsames Theater, eine Vielfalt an Hotels, exzellente Restaurants, exquisite Shoppingmöglichkeiten, ein prickelndes Nachtleben und jede Menge historische Sehenswürdigkeiten, welche die 1200jährige Geschichte der Stadt dokumentieren. Was Hamburg aber wirklich ausmacht, ist ein bestimmtes Lebensgefühl. Davon können sich die Teilnehmer auf dieser exklusiv für die Leser des Migros-Magazins organisierten Reise selber überzeugen. ds
13 Uhr: Die Reiseteilnehmer erleben auf einer 1½-stündigen Rundfahrt den Hamburger Hafen. 14.30 Uhr: Ende der Rundfahrt. Transfer zurück zum Hotel und Rest des Tages zur freien Verfügung. Fakultatives Nachtessen. ➔ 3. Tag: Dienstag, 23. November 2010 / Hamburg—Papenburg, Meyer Schiffswerft— Hamburg Frühstücksbuffet im Hotel. Frühmorgens Abfahrt mit dem Bus nach Papenburg. Dort kann anlässlich einer V.I.P.-Tour durch die Meyer Werft der Bau von riesigen Kreuzfahrtschiffen hautnah miterlebt werden. 10 Uhr: Kurze Einführung in den Schiffsbau und anschliessend Führung durch die Werft. Zirka 13.15 Uhr: Ende der Führung, Mittagessen in einem typischen
Wer mit nach Hamburg reist, kann etwas erleben: Grossstadtgefühle sowie Restaurant nach ostfriesischer Art. Rückfahrt nach Hamburg. Am Abend gemeinsames Nachtessen im originellen Warsteiner Elbspeicher. Transfer zurück zum Hotel und Rest des Abends zur freien Verfügung. ➔ 4. Tag: Mittwoch, 24. November 2010 / Hamburg — Finkenwerder Airbus-Werke oder Damenprogramm und Shopping. Frühstücksbuffet im Hotel. 9 Uhr: Abfahrt ab Hotel mit Bus zum Hamburger Werksflughafen Finkenwerder von Airbus
Industries. Nach einer Einführung werden die Reiseteilnehmer in kleinen Gruppen in den AirbusMontagehallen die Arbeiten an Flugzeugen und Flugzeugteilen aus nächster Nähe mitverfolgen können. Dazu erhalten sie fachkundige Erklärungen durch Mitarbeiter von Airbus. Zirka 13.15 Uhr: Ende der Führung. Anschliessend kurze Fahrt zum Mittagessen in der Gröninger Brauerei im ehemaligen Hamburger-Brauhausviertel. Nach dem Mittagessen Transfer zurück zum Hotel und Rest des Tages zur freien Verfügung. Fakultatives
LESERAKTION
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Buchen und vom Angebot profitieren
exklusive Besuche in der Meyer Werft und bei den Airbus-Flugzeugwerken. Nachtessen im Hotel. Als Alternative zum Airbus-Werksbesuch wird ein Damenprogramm angeboten: 9.30 Uhr: Ein Guide holt die Teilnehmerinnen im Hotel ab und begleitet sie zum Weihnachtsshopping. Während dieser Jahreszeit präsentiert sich Hamburg bereits im vorweihnachtlichen Kleid. Zehn von zwölf Weihnachtsmärkten sind schon offen. Um 12 Uhr sind die Teilnehmerinnen zu einer Punschfahrt mit dem legendären Alsterdampfer eingeladen. Zirka 14.30 Uhr: Ende des Stadt-
bummels. Dann ist «Tea-Time» mit vielen kulinarischen Überraschungen angesagt. Anschliessend Fahrt zurück zum Hotel und Rest des Tages zur freien Verfügung. Fakultatives Nachtessen im Hotel. ➔ 5. Tag: Donnerstag 25. November 2010 / Hamburg— Schweiz Frühstücksbuffet im Hotel. Frühmorgens Abfahrt im Marti-Car zurück in die Schweiz. Am Abend Ankunft am jeweiligen Einsteigeort.
Im Pauschalpreis sind folgende Leistungen eingeschlossen: ➔ Reise im luxuriösen Marti5-Sterne-Nichtrauchercar ab dem gewählten Einsteigeort in der Schweiz nach Hamburg und zurück ➔ Frühstück bei der Hinreise an Bord ➔ Vier Übernachtungen im 5-Sterne-Hotel Grand Elysee im Zentrum von Hamburg, Basis Doppelzimmer mit Bad oder Dusche, WC, inklusive Frühstücksbuffet, Bedienung und Taxen ➔ Stadt- und Hafenrundfahrt mit lokaler, fachkundiger Führung gemäss Programm am zweiten Tag ➔ Exklusive V.I.P.-Führung in der Meyer Schiffswerft in Papenburg, inklusive Transfers im Marti-Car ➔ Empfang in der Werft bei Tee und Gebäck ➔ Mittagessen nach dem Werftbesuch in einem typischen Restaurant ➔ Gemeinsames Nachtessen im originellen Warsteiner Elbspeicher in Hamburg inklusive Transfers ➔ Exklusiver Besuch bei Airbus Industries in Hamburg-Finkenwerder gemäss Programm ➔ Mittagessen in der Gröninger Brauerei in Hamburg gemäss Programm am vierten Tag ➔ Alternatives Programm zum Besuch der Airbus-Werke für Damen. ➔ Abonnement für die freie Benützung der öffentlichen Verkehrsbetriebe in der Hamburger Innenstadt vom ersten bis und mit vierten Tag ➔ Alle Eintritte und Besichtigungen gemäss Programm ➔ Marti-Reiseleitung ➔ Ausführliche Unterlagen Im Pauschalpreis nicht eingeschlossen sind: ➔ Getränke zu den Mahlzeiten, wo nicht anders erwähnt ➔ Obligatorische Annullationsund SOS-Versicherung à 25 Franken pro Person, sofern nicht bereits vorhanden
Car-Einsteigeorte: Kallnach** 6 Uhr Bern 6.45 Uhr Olten 7.45 Uhr Zürich* 8 Uhr Basel 9 Uhr ** Gratisparkplätze * Parkieren zu reduzierten Preisen Preis- und Programmänderungen sowie eventuelle Treibstoffzuschläge bleiben vorbehalten. Es gelten die Allgemeinen Reisebedingungen der Ernst Marti AG in Kallnach.
Für Teilnehmer, die im Flugzeug nach Hamburg reisen möchten: Sonntag, 21. November 2010: ➔ Individuelle Anreise zum Flughafen Zürich-Kloten ➔ 12.45 Uhr Abflug mit Swiss in der Economy-Klasse. ➔ 14.15 Uhr Ankunft in Hamburg. Transfer vom Flughafen zum Hotel Grand Elysee. ➔ Weiterer Verlauf der Reise gemäss Programm. Donnerstag, 25. November 2010 ➔ Transfer vom Hotel Grand Elysee zum Flughafen in Hamburg. ➔ 14.50 Uhr Abflug mit Swiss in der Economy-Klasse nach Zürich. ➔ 16.15 Uhr Ankunft in Zürich. ➔ Individuelle Rückreise zum Wohnort Preise für die Leserreise Hamburg: ➔ Pauschalpreis pro Person: 1295 Franken ➔ Pauschalpreis pro Person für Leser des Migros-Magazins: 1195 Franken ➔ Einzelzimmerzuschlag pro Nacht: 88 Franken ➔ Flugzuschlag pro Person zum Pauschalpreis: 195 Franken ➔ Flughafen- und Sicherheitstaxen pro Person: 133.50 Franken (Stand August 2010, Änderungen vorbehalten) Mindestbeteiligung 40 Personen Platzzahl beschränkt
Anmeldung: Ernst Marti AG, Brühl 11, 3283 Kallnach, Tel. 032 391 01 11, marti@marti.ch
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GLÜCKSGRIFF
Migros-Magazin 34, 23. August 2010
Es darf gelacht werden
Zu gewinnen: je zehnmal zwei Eintrittskarten für den «Comedy Club» des erfolgreichen Schweizer Tourneetheaters «Das Zelt» in St. Gallen, Wettingen und Bern.
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eit 2002 zieht das Schweizer Tourneetheater «Das Zelt» mit Erfolg durch die Lande. Nun präsentiert «Das Zelt» mit dem Programm «Comedy Club» Witz, Parodie, Satire und Artistik in einer Show – beste Unterhaltung ist dabei garantiert. Dafür sorgen der meistzensierte Satiriker der Schweiz, Andreas Thiel, mit Claudio Zuccolini, David Bröckelmann und vielen mehr auf der Bühne. Der ehemalige TV-Mann Zuccolini folgt seiner wahren Berufung und präsentiert Produkte:
Kaffee schwarz mit viel Zucco. Bröckelmann, bekannt aus «Giacobbo/Müller», parodiert Yakin, Hüppi und Christian Gross, lässt hitzige Diskussionen aufkommen und verblüfft dabei mit sekundenschnellen Wechseln. Durch das Programm führt Anet Corti als charmante Produktionsassistentin. Umrahmt wird dieses ComedyFeuerwerk von den Vollblutmusikern «Les Papillons» und Artistikeinlagen des Breakdance-Trios «Dirty Hands». Die Künstler variieren je nach Spielort. ds
Stars des «Comedy Clubs»: Der Satiriker Andreas Thiel (links) und die Topmusiker «Les Papillons».
Die Spieldaten: ➔ St. Gallen, Kreuzbleiche, 5. September, 20 Uhr ➔ Wettingen, Zirkuswiese, 21. September, 20 Uhr ➔ Winterthur, Zeughauswiese, 12. Oktober 20 Uhr ➔ Aarau, Schachen, 2. November, 20.30 Uhr ➔ Bern, Allmend, 20. Dezember, 20 Uhr
M Mitmachen uund mit Glück ggewinnen Das Migros-Magazin verlost zehnmal zwei Eintrittskarten für den «Comedy Club» von «Das Zelt» in St. Gallen, Wettingen und Bern. Teilnahme per Telefon: Wählen Sie 0901 591 912 (1 Franken pro Anruf vom Festnetz), nennen Sie Ihren Namen und Ihre Adresse. Per SMS: Senden Sie ein SMS mit dem Text Glück und Ihrer Adresse an die Nummer 920 (1 Franken pro SMS). Beispiel: Glück Beat Beispiel, Exempelgasse 1, 9999 Musterdorf Via Internet: www.migrosmagazin.ch/ gluecksgriff Mit Postkarte: Migros-Magazin, «Das Zelt», Postfach, 8099 Zürich Einsendeschluss: 29. August 2010 Die Gewinnerinnen und Gewinner werden schriftlich benachrichtigt. Es erfolgt keine Barauszahlung, und der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Über die Verlosung wird keine Korrespondenz geführt. Weitere Infos unter www.daszelt.ch
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IMPRESSUM MIGROS-MAGAZIN vormals: Wir Brückenbauer Wochenblatt des sozialen Kapitals Organ des MigrosGenossenschafts-Bundes www.migrosmagazin.ch Beglaubigte Auflage: 1 568 210 Exemplare (WEMF Oktober 2009) Leser: 2 312 000 (WEMF, MACH Basic 2010-1) Adresse Redaktion und Verlag: Postfach 1751, 8031 Zürich Telefon: 044 447 37 37 Fax: 044 447 36 01 redaktion@migrosmagazin.ch
Publizistische Leitung: Monica Glisenti Geschäftsleiter Limmatdruck AG: Jean-Pierre Pfister Leiter Migros-Medien: Lorenz Bruegger Projekte und Events: Eve Baumann (Leitung), Denise Eyholzer Chefredaktor: Hans Schneeberger (HS) Stellvertreterin des Chefredaktors: Barbara Siegrist (BS) Stv. Chefredaktorin: Jacqueline Jane Bartels (jjb) Chef vom Dienst: Philipp Jordan (pj) Produzent: Andrej Abplanalp (AA)
Ressort Reportagen: Sabine Lüthi (sbl, Leitung), Almut Berger (ALB), Mathias Haehl (hae), Yvette Hettinger (YH), Daniel Schifferle (dse, verantw. Besser Leben), Cinzia Venafro (CV, Volontärin), Reto E. Wild (rw), Ruth Brüderlin (brü), Anette Wolffram (A.W.) Ressort Migros Aktuell: Daniel Sidler (si, Leitung), Béatrice Eigenmann (be), Andreas Dürrenberger (DÜ), Florianne Munier (FM), Christoph Petermann (cp), Daniel Sägesser (ds), Michael West (M.W.) Ressort Shopping & Food: Jacqueline Jane Bartels (jjb, Leitung), Eveline Schmid (ES, stv. Leitung), Heidi Bacchilega
(HB), Silke Bender (SB), Anna Bürgin (AB), Tina Gut (TG), Dora Horvath (DH), Martin Jenni (MJ), Sonja Leissing (SL), Fatima Nezirevic, Nicole Ochsenbein (NO), Anna-Katharina Ris (AKR) Layout: Daniel Eggspühler (Leitung), Diana Casartelli, Marlyse Flückiger, Werner Gämperli, Nicole Gut, Bruno Hildbrand, Gabriela Masciadri, Tatiana Vergara Lithografie: René Feller, Martin Frank, Reto Mainetti Prepress: Peter Bleichenbacher, Marcel Gerber, Felicitas Hering Bildredaktion: Tobias Gysi (Leitung), Cornelia Beutler, Anton J. Erni, Franziska Ming, Susanne Oberli, Olivier Paky, Mirko Ries
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118 | Migros-Magazin 34, 23. August 2010
Nicolas Senn
Keiner spielt so frech Hackbrett wie Nicolas Senn: Der Wirtschaftsstudent aus Romanshorn TG hat keine Hemmungen, die Klänge seines Instruments mit Rap oder Jazz zu kombinieren. Selbst auf dem Kilimandscharo hat er schon gespielt. Am kommenden Samstag vertritt der 20-Jährige die Schweiz am Final des Internationalen Grand-Prix der Volksmusik in Wien. Name: Nicolas Senn (20) Sternzeichen: Jungfrau Wohnort: 8590 Romanshorn TG Wieso leben Sie hier? Hier bin ich aufgewachsen, und da ich noch bei meinen Eltern lebe, hat sich die Frage eines anderen Wohnorts nie gestellt. Wo würden Sie gerne leben? Mir ist es wohl, wo ich bin. Innerhalb einer Stunde bin ich von ganz unten am Bodensee zuoberst auf dem Säntis – das schätze ich sehr. Beruf und Lebenslauf: Nach dem Gymi in Romanshorn habe ich vor einem Jahr mit dem Wirtschaftsstudium an der HSG St. Gallen begonnen. Nebenbei arbeite ich als Sportfotograf, wenn ich nicht gerade einen Auftritt mit dem Hackbrett habe. Mein Ziel: Mein Studium in St. Gallen erfolgreich abzuschliessen. Mein Lebensmotto: Was dich nicht umhaut, macht dich stärker. Was ich mag: Gute Musik, sprich authentische Musik. Dann verträgt sich ein traditionelles Instrument wie das Hackbrett auch problemlos mit Rap oder Jazz. Was ich an mir mag: Ich bin eher sachlich, bleibe daher auch relativ kühl, wenn andere schon lange am «Durretrülle» sind. Was ich an mir nicht mag: Ich kann extrem ungeduldig sein. Wenn ich eine neue Idee habe, muss ich sie auf der Stelle ausprobieren. Wobei: Es kann auch positiv sein, für etwas «Feuer und Flamme» zu sein. Mein Lieblingsessen: Appenzeller Käse, wie könnte es
anders sein! Wobei ich den milden bevorzuge. Mein Vorbild: Neben der Überlegende unter den Hackbrettspielern, Walter Alder, Töbi Tobler. Tobler war einer der ersten, der moderne Musik auf dem Hackbrett spielte. Mein peinlichster Moment: Beim Auftritt an einer CVPDelegiertenversammlung habe ich den damaligen Thurgauer Regierungsrat Philipp Stähli erst Christoph Stähli genannt und anschliessend Christoph Blocher der CVP zugeordnet.
Text Almut Berger Bilder Daniel Winkler
www.nicolassenn.ch
MEINE UHR
«Ein Erbstück. Mein Grossvater hat sie mir im Alter von acht, neun Jahren geschenkt. Sie ist Bestandteil der Appenzeller Tracht.»
MEIN GRÖSSTER FAN
«Meine Grossmutter Rita Fürst (77). Sie ist eine waschechte Innerrhoderin und hat mich bereits als ganz kleinen Bub für das Appenzeller Brauchtum begeistert.»
MEINE WELT
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MEINE BEIZ «Der ‹Heubode› der Bauernfamilie Eisenhut in Steinleuten AR. Beim traditionellen ‹Steinleuten-Fest› habe ich dort als Neunjähriger eines meiner ersten Konzerte gegeben.»
MEINE HACKBRETTSAMMLUNG
«Bis heute spiele ich vor allem auf dem Brett, das ich bereits als Sechsjähriger bekommen habe. Für die Konzerte mit dem Rapper Bligg habe ich mir aber ein massiveres bauen lassen. Kürzlich habe ich im Internet ein Hackbrett mit meinem Jahrgang — 1989 — entdeckt. Und dann ist da auch noch das rucksacktaugliche Mini-Hackbrett: Es wurde extra für eine Benefiz-Veranstaltung auf dem Kilimandscharo in Tansania von Anfang Jahr gebaut.»
MEIN ERSTES KUNSTWERK «Die ‹vier Sennen› hängen in unserer Küche in Romanshorn. Ich muss im Kindergarten gewesen sein, als ich sie gemalt habe. Man beachte den Zweiten von links: Er spielt Hackbrett.»
MEINE LEIDENSCHAFT
MEINE TRACHT
«Obwohl im Thurgau aufgewachsen, fühle ich mich sehr wohl in der Appenzeller Tracht. Der Ohrring mit der stilisierten Rahmschöpfkelle, dem ‹Schumer›, wird am rechten Ohr getragen. Der ‹Schumer› symbolisiert Erfolg.»
MEIN MITBRINGSEL
«Dieses sogenannte Massai-Piano habe ich auf einem Markt irgendwo zwischen Kenia und Tansania entdeckt. Es ist aus Abfall konstruiert und klingt verblüffend gut.»
«Der FC St. Gallen. Mein Vater Norbert war Profifussballer bei den Espen, und meine drei jüngeren Brüder spielten dort alle hobbymässig. Ich selber war mit 13, 14 Jahren Balljunge. Damals habe ich begonnen, während der Spiele zu ‹fötele› — der Beginn meiner Karriere als Sportfotograf.»
MEIN FLUCHTORT «Ein altes Bauernhaus (rechts) in den Hügeln des Appenzeller Mittellands, das meine Familie seit Jahren gemietet hat. Gerade erst habe ich mich hier vier Wochen lang auf meine Zwischenprüfungen vorbereitet.»
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