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Migros-Magazin-30-2019-d-VS

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Ausgabe Wallis, AZA 1920 Martigny

migrosmagazin.ch | MM30, 22.7.2019

Berühmt dank Cumulus: Djily Gueye Seite 14

Wo die Kreativität spriesst: Chindsgi ohne Spielzeug Seite 10

Zu gewinnen: 60 Tickets fürs «Eidgenössische», 25. August in Zug Seite 25

Wie Fussballlegende Latour Schwalben lieben lernte

Bild: Michael Sieber

Seite 30

Freiwillige Helfer: Ohne sie hätte das Schwingfest keinen Schwung Bitte Wohnungswechsel der Post melden oder dem regionalen Mitgliederdienst: Tel. 027 720 44 00 - mitglieder.register@migrosvs.ch

Seite 20


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4 | 22.7.2019 | MEINE MIGROS

Wettbewerb Frage beantworten und Tickets gewinnen migrosmagazin.ch/ wettbewerbe

Staffellauf, Weitsprung, Speerwurf … Am 29. August messen sich bei «Weltklasse Zürich» im Letzigrundstadion die Besten der Besten der Leicht­athletik. Und Sie können mit Ihrer Familie dabeisein: Das Migros-Magazin verlost 3 × 4 Familien­ tickets im Gesamtwert von 1020 Franken. Beantworten Sie die Wettbewerbsfrage auf migrosmagazin.ch/wettbewerbe und gewinnen Sie vier Tickets.

In der Migros-Gruppe arbeiten Menschen aus 154 Nationen.

Bilder: Benjamin Soland/Blick/freshfocus, iStock, 3+, zVg

Weltklasse!


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MEINE MIGROS | 22.7.2019 | 5

Spitzenprodukt «Keine Bergtour ohne Linsoft-Erfrischungstücher», schreibt Leserin Rosmarie Gilbert-Theiler aus Cham zu diesem Foto. «Die dürfen auf keiner Wanderung fehlen.»

Macht er den grossen Fang?

In der aktuellen Staffel von «Bauer, ledig, sucht» hofft JungbauerThierry (25) auf Liebesglück. Er arbeitet in einer Fischzucht in Rubigen BE, die Fische an die Migros Aare ver­ kauft. Wir drücken die Daumen und freuen uns auf Fisch vom glücklichen Bauern!

Frage der Woche

Schicken auch Sie Ihr Migros-Bild. W ­ ird das Foto abgedruckt, gewinnen Sie einen Einkaufsgutschein im Wert von 50 Franken. Teilnahme: www.migmag.ch/blickfang

Auf manchen Lebensmitteln steht der Hinweis «enthält eine Phenylalaninquelle». Was heisst das? Der Hinweis «enthält eine Phenylalaninquelle» muss laut Gesetz auf Produkten stehen, wenn der Süssstoff Aspartam (E 951) zu ihrer Rezeptur gehört. Er ist nur für Personen wichtig, die unter der seltenen Stoffwechsel­ störung Phenylketo­ nurie (PKU) leiden.

PREISABSCHLAG Donuts mit Schokooder Vanilleguss kosten in der Migros neu Fr. 1.10 statt 1.20. Eine runde Sache!

Haben Sie eine Frage? Kontaktieren Sie uns! M-Infoline, der Kunden­ dienst der Migros, ist erreichbar u ­ nter Tel. 0800 84 0848 oder migros.ch/kundendienst

Kulturprozent

Getanzte Gefühle Die 17-jährige Lena Scherer zeigte raffinierte Bewegungsbilder und begeisterte die Jury. Die Waadt­ länderin ist eins von sechs Jung­ talenten, die beim diesjährigen Tanzwettbewerb gewonnen haben. Sie werden vom Migros-­ Kulturprozent mit insgesamt 86 400 Franken gefördert.


6 | 22.7.2019 | AUGENBLICK

20:37 Uhr

Teilnehmer des Klubschulkurses «Fotografie Praxis» üben unter der Leitung des ­ mehrfach ausgezeichneten Profifotografen Christian Herbert Hildebrand (Allenwinden ZG) den Umgang mit Gegen­licht bei Sonnenuntergang. Das Bild entstand am 17. Juni um 20.37 Uhr an der Seepromenade. Migros-Moment in Zug


Bild: Christian Herbert Hildebrand/fotozug.ch

AUGENBLICK | 22.7.2019 | 7


«Vegi ist der neue Grillgenuss.» Grill-Regel von Sara R.

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Der Sommer ist zu kurz für langes Vorbereiten. Die innovativen Köstlichkeiten von Grill Mi gelingen fast von selbst: Einfach fixfertig auf den Grill legen und nach kurzer Zeit geniessen. En Guete!

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Grill mi Cornatur Mexican Burger 2 Stück, 190 g


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INHALT | 22.7.2019 | 9

INHALT 10  Tschüss Puppe Projekt Spielzeugdiät: Ein Luzerner Kindergarten setzt auf kreative Improvisation

Vorzeigebetrieb: Die bunten Hemden und Shirts des Migros-Personals werden in der nordmazedonischen Textil­fabrik Viemi gefertigt. Das Familienunternehmen setzt auch Massstäbe in Sachen Fairness.

14  «Schöni Bröue!» Ein Strandverkäufer auf Mallorca lockt mit Brillen und CumulusPunkten – und avanciert damit zum Social-Media-Star 19  Bänz Friedli 20  Zweikampf im Sägemehl Was macht die Faszination des Nationalsports Schwingen aus? 26  PET-Pionierprodukt Die Migros-Sirupflasche besteht zu 100 Prozent aus rezykliertem Material

26

30  Der Schwalbe auf der Spur Vom Fussballtrainer zum ­Förderer der Biodiversität: bei Hanspeter Latour im Garten

47  1, 2 oder 3? 49  Wer kauft hier ein? 50 Sommergrill-Raclette 57 Wissensbissen

59  Ihre Region

Aktionen, Reportagen, News

64  Die Kleidermacher Ein Betrieb in Nordmazedonien fertigt die Arbeitsbekeidung der Migros-Angestellten

Bilder: Roger Hofstetter, Jean-Christophe Bott/Keystone

71  Stadt, Land, Stutz 73  No-Go Nagelpilz Was wirkt gegen die lästigen Sporen an den Zehen? 75  Rätsel und Spiele

Vorzeigeprodukt: Die Glarner Firma Resilux Poly Recyc­ling fertigt aus alten PET-­ Flaschen komplett neue für den Migros-­Sirup. Eine bisher einzigartige Leistung.

20

Vorzeigesport: Das Eidgenössische Schwingfest naht – ein neues Buch widmet sich der Geschichte und der Tradition des Hosenlupfs.

78  Meine Welt Regisseurin Viviane Andereggen bringt ihren Film «Die drei !!!» ins Kino

M-Infoline: Tel. 0800 84 0848 oder +41 800 84 0848 (Ausland) www.migros.ch/kundendienst; www.migros.ch

Cumulus: Tel. 0848 85 0848 (Normaltarif) oder +41 44 444 88 44 (Ausland) cumulus@migros.ch; www.migros.ch/cumulus

Impressum MIGROS-MAGAZIN vormals: Wir Brückenbauer, Wochenblatt des sozialen Kapitals, Organ des­Migros-Genossenschafts-Bundes, Migrosmagazin.ch

Auflage/Leserschaft: Beglaubigte Auflage: 1 558 711 Ex. (WEMF 2018) Leserschaft: 2 348 000 (WEMF, MACH Basic 2019-1)

Adresse Redaktion und Business Limmatstrasse 152, Postfach 1766, 8031 Zürich Telefon: 0800 84 0848 Kontakt: www.migmag.ch/leser

Herausgeber Migros-Genossenschafts-Bund Chefredaktion Franz Ermel

Abonnemente: abo@migrosmagazin.ch Tel.: 058 577 13 00 Ausführliches Impressum auf ­migrosmagazin.ch/impressum

Druck: NZZ Media Services AG, Tagblatt Print


10 | 22.7.2019 | SPIELZEUGFREI

Leopoldina, Klara und Alma (von links) üben in der «Turnhalle» für ihre Aufführung.

Purzelbaum statt Puppe Die Kinder vom Dula-Kindergarten in Luzern haben alle Spielsachen in den Keller geräumt. Jetzt betreiben sie eine Pizzeria und bauen einen Eiffelturm und lernen so, wie sie ohne Spielzeug kreativer werden und Probleme lösen können. Text: Benita Vogel  Bilder: Franca Pedrazzetti

D

ie Pizzeria ist geöff­ net», ruft Yann. Er holt mit einer Schaufel die Pizza aus dem Ofen und legt sie auf das Tablett ­seines Gspänlis Arun. Der sitzt im Pizzalieferwagen und sagt: «Pizzaservice – wir bringen die Pizza nach Hause.» Der Pizza­ ofen ist in Wirklichkeit ein leeres Regal und der Liefer­wagen eine Holzkiste auf Rädern.

Im Kindergarten Dula 2 in Luzern ist nichts mehr an seinem gewohnten Platz. Die 20 Mäd­ chen und Jungen haben Bilder­ bücher, Zauberkästen, Puzzles, Knete und Bauklötze in den Keller geräumt – und stellen jetzt Pizza her. Die Kinder nennen es die «Wüeschtiziit», Fachleute sprechen von spielzeugfreier Zeit. Anstelle von Spielsachen gibt es Karton, Papier, Klebe­

band, Schnur, Werkzeug, Farb­ stifte, Tücher oder eben Kinder­ garten­mobiliar zum ­Verweilen. Was sich wie ein Diätpro­ gramm für Kinder anhört, ist ein Projekt der Suchtprävention (siehe Interview). «Im freien Spiel müssen Kinder selber aktiv werden und nach Lösungen suchen. Sie lernen so, sich besser einzuschätzen, sich miteinander auszutauschen, aber auch Lan­

geweile und Frust besser auszu­ halten», sagt Erziehungswissen­ schaftlerin Ursula Gassmann. Die Lebenskompetenz stärken heisst dies im Fachjargon. Mit dem blauen Stuhl fing alles an Die 31-Jährige hat die Kinder mit

einer Bildergeschichte auf das achtwöchige Projekt vorbereitet: Zwei Hunde ziehen in die Wüste und finden einen blauen Stuhl.


SPIELZEUGFREI | 22.7.2019 | 11

Die Vierbeiner haben viele Ideen, was sie damit anfangen können. Das Buch «Der blaue Stuhl» von Claude Boujon habe die Kinder zum Namen «Wüeschtiziit» inspiriert. Auch die Luzerner Kinder sind erfinderisch. Neben der Pizzeria betreiben sie eine «Blitz­arena», ein «Yoga-Studio» und eine «Turnhalle». Auch ein Eiffelturm befindet sich in Bau. Das ­un­verkennbare Grundgerüst mit den Plattformen steht bereits. «Jetzt wollen wir einen Lift dazu bauen», sagen Felix, Leon und Philipp. «Wie denn?», fragt der eine. Die Jungs bleiben stumm. Nebenan in der Turnhalle – eine mit Kissen belegte Fläche – hüpfen Alma, Klara und Leo­ poldina. «Wir bereiten eine Auf-

Der Lift auf den Eiffelturm ist gebaut. Felix und seine Gspänli bewundern das Tageswerk.

führung vor, aber hier, wo alle zuschauen, können wir nicht üben», sagen sie. Schliesslich soll es eine Überraschung werden. «Frau Gassmann, wo können wir ungestört proben?», rufen die drei. «Welche Art von Ort stellt ihr euch denn vor?», fragt die Kindergärtnerin zurück. «Hm», sagen die Mädchen nur. Konfetti fürs Schlussbild

«Ich muss mich mit konkreten Vorschlägen zurückhalten, damit die Kinder selber Lösungen finden», sagt Ursula Gassmann. Das sei zuweilen herausfordernd, weil man als Lehrperson häufig die Rolle einnehme, den Kindern Wissen und Erfahrung zu ver­ mitteln. «Es ist wichtig, dass sie Raum und Zeit erhalten, um eigene Ideen zu entwickeln»,

«Langeweile hilft Kindern, Frust auszuhalten» Fabrizio Rüegg, Projektleiter Spielzeugfreier Kindergarten, über «Spielzeugdiät» als Suchtprävention und deren Grenzen.

Was hat die spielzeug­ freie Zeit im Kinder­ garten mit Suchtprä­ vention zu tun? Das Projekt stärkt die Lebenskompetenzen. Im freien Spiel lernen die Kinder sich besser kennen, sich miteinander auseinanderzusetzen und auch einmal Langeweile auszuhalten. Das hilft ihnen, Frust aus­ zuhalten und kritisch zu denken. So können sie auch Stress besser bewältigen. Je früher Kinder diese Kompetenzen stärken, desto widerstandsfähiger sind sie als Erwachsene. Das ist die Basis für einen verantwortungsvollen Umgang mit Suchtmitteln.

Bild: zVg

Nur weil man Kinder auf Spielzeugdiät setzt werden sie als Erwach­ sene nicht abhängig? Spielzeug ist nichts Schlechtes. Es gibt viele pädagogisch wertvolle Spielsachen, die die Motorik, das logische Denken fördern und die Fantasie anregen. Es geht also nicht um Entzug, sondern um den bewussten und mass­ vollen Umgang. Wo sind die Grenzen des Freispiels? Es kommt vor, dass Kinder sich während der spielzeugfreien Zeit we­ niger gut konzentrieren können und von einem Spiel zum nächsten

rennen. Deshalb ist es wichtig, die Kinder zu begleiten und Regeln festzulegen, wie sie beispiels­ weise in Konfliktsitua­ tionen reagieren sollen. Wie betreiben Sie bei älteren Kindern Suchtprävention? Das hängt vom Alter, Umfeld und von den Themen ab. Ein gutes Beispiel ist die Flimmerpause, in der Jugendliche eine Woche lang auf digitale Medien wie das Handy verzichten. Grundsätzlich gilt bei der Suchtprävention: je früher, desto besser. Aus Studien wissen wir, dass die Wahrscheinlichkeit, Cannabis zu kon­ sumieren, bei Men­schen mit hohen Lebens­ kompetenzen rund 20 Prozent tiefer liegt.

Fabrizio Rüegg, Projektleiter Spielzeugfreier Kindergarten, Suchtprävention Zürcher Oberland


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SPIELZEUGFREI | 22.7.2019 | 13

sagt sie. Sie selber habe die Rolle der Beobachterin und Begleiterin, falls es zu Kon­flikten käme. Davon gebe es aber weniger als im normalen Kindergartenalltag, weil die Kinder in der spielzeugfreien Zeit draussen spielen können, wann immer sie wollen. Falls es doch Streit gibt, werden alle zu einem grossen grünen Punkt zusammengerufen. Dort soll sich jedes Kind zum Konflikt äussern. «Ruhigere Kinder kommen so öfter zu Wort als sonst.» Es gebe auch mehr Diskussionsbedarf beim Spielen als sonst. Der Eiffelturmbautrupp hat inzwischen die Liftfrage mit Kartondeckeln, Schnur und einem Ast gelöst. Und die turnenden Mädchen überbrücken die langwierige Suche nach einem Übungsplatz mit dem Schnipseln von Papier – «das sind Konfetti

fürs Schlussbild», sagt Alma. «Langeweile haben wir fast nie», sagt die Sechsjährige. Falls doch einmal Ideen ausbleiben, können die Kinder auf einer Steinmühle Korn mahlen. «Damit backen wir Brot fürs Abschlussfest.» Alma findet die spielzeugfreie Zeit «cool: Wir können spielen, was wir wollen, und Znüni essen, wann wir wollen». Bauklötze und Puppen vermissen die Kinder nicht. Im Gegenteil: «Wir streiten uns weniger, weil keine Spielsachen da sind, um die wir uns streiten können», sagt Luisa. Zu Hause weiterspielen

«Tatütata, Tatütata», tönt es plötzlich aus der Pizzaecke. Die Pizzaioli kommen in den Holzkisten angefahren. «Es brennt», ruft Arun und schwingt ein rotes Tuch. Die Lieferwagen wurden

Der Pizzalieferdienst kommt an­ gedüst: Arun (rechts) und sein Kollege in der Holzkiste auf Rädern.

kurzerhand in Feuerwehrautos umfunktioniert. Yann hält ein Kartonrohr in der Hand, aus dem ein blaues Tuch hängt, und sagt: «Bschshch.» Die Löscharbeiten werden vom Gong der Kindergärtnerin unterbrochen. «Es ist

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Zeit aufzuräumen, alle helfen mit.» Hier und dort muss Ursula Gassmann zur Mithilfe mahnen. «Es ist wichtig, bestimmte Regeln und Strukturen, die man im üblichen Unterricht hat, beizubehalten.» Die Pizzeria wird geschlossen, der Eiffelturm in die Ecke gestellt, und die Konfetti für das Schlussbild werden in eine Tüte gepackt. Zum Abschluss sagen die Kinder, wie sie sich fühlen. Es gibt dafür eine Gefühlsschablone mit Gesichtern: einem lachenden, einem weinenden, einem müden und einem ärgerlichen. Die meisten Kinder haben ihre Schablone auf lachen und müde eingestellt. Ursula Gassmann sagt schliesslich: «Es wäre wünschenswert, dass die Kinder auch zu Hause genug Zeit und Raum erhielten, um frei spielen zu können.» MM


14 | 22.7.2019 | SOCIAL MEDIA

Der Rabattprofi Djily Gueye, Strandverkäufer auf Mallorca, erobert mit Berner Dialekt und Cumulus-Rabatt die Herzen vieler Schweizer Touristen. Wer ist der Mann? Text: Estelle Dorsaz  Bilder: Michael Sieber

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So berichtete das ­Migros-Magazin vor einer Woche über Djily Gueye.

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eden Tag schlurft Djily Gueye in der glühenden Hitze die drei Kilometer lange, weisse Playa de Muro im Nordosten von Mallorca auf und ab. Mit seiner dunklen Brille und der Mütze mit grossem Schirm fällt der Strandverkäufer auf – ganz besonders den Schweizer Feriengästen, von denen es in dieser Ecke der Mittelmeerinsel viele hat. Denn in regelmässigen Abständen ruft er in astreinem Berner ­Dialekt: «Schöni Bröue. Mit UV-Schutz. U 130 Jahr Garantie. Leg se mau a! ­Haube Priis nur mit Cumulus-Charte.» Und es funktioniert. Viele lachen, ­sprechen ihn an oder bitten um ein ­Selfie mit ihm. Der 32-Jährige lässt sich nicht lange bitten.

Die Stammgäste der umliegenden ­Hotels kennen Djily seit Jahren, vor Kurzem ist er innert weniger Tage zum Star in den sozialen Medien geworden. Der Hype kam unerwartet

Den neuen Status verdankt Djily dem Schweizer Marco Casartelli, der mit seiner Familie Ferien auf Mallorca machte. Amüsiert von der originellen Verkaufs­ taktik filmte der Basler die Szene und stellte das Video auf Facebook. Es wurde so oft geteilt, dass verschiedene Medien darüber berichteten und das Filmchen mittlerweile schweizweit bekannt ist. Für Casartelli kam dieser Hype unerwartet: «Am Anfang war es nur ein Spass unter Freunden. Ich wusste nicht ein-


SOCIAL MEDIA | 22.7.2019 | 15

seinen Vater die spanische Staatsbürgerschaft besitzt, begann Brillen und Armbänder an den spanischen Stränden zu verkaufen – im Sommer auf Mallorca, in der Nebensaison auf Gran Canaria, im Winter ein bis zwei Monate in Senegal, wo er seine Frau und seine zwei Kinder wiedersieht. Das sind keine leichten ­Lebensumstände, aber so kann er den Lebensunterhalt verdienen und etwas Geld nach Hause schicken. Ganz allein ist er trotzdem nicht: «Wir leben hier als Familie zusammen in einer Wohnung. Viele von uns arbeiten hier: Meine Schwester flicht Zöpfe, mein Bruder und mein Cousin verkaufen Strandtücher.» Ein Mal in der ­Woche geht Djily nach Palma, um sich in den Läden der Stadt einzudecken. Cumulus-Karte von Schweizer Freund

mal, dass die Leute mein Video weiterverbreitet haben», sagt er. «Mittlerweile haben wir mehr als eine Million Klicks.» Djily wird nun in der Schweiz, in ­Spanien, in Frankreich und sogar in ­Senegal erkannt. «Die Leute rufen mich von überallher an, um mir zu sagen, dass sie mich in dem Video gesehen ­haben», ­erzählt er stolz. Am Strand ­beglückwünschen mich die Schweizer.» Von Senegal zur Playa de Muro Djily Gueye lebt seit 16 Jahren abwech-

selnd auf den Balearen und den Kanarischen Inseln. Er wurde im westafrikanischen Senegal geboren und verliess mit 16 Jahren das Land, weil er dort keine Arbeit fand. Der junge Mann, der durch

Wenn man ihn fragt, warum er Berner Dialekt spreche, antwortet er: «Ich habe mit einem Freund zusammen einige Monate lang in Bern auf einem Markt gearbeitet. Ich habe den Dialekt vor ­allem am Strand mit Touristen gelernt und auch dank eines Schweizer Freundes auf Gran Canaria. Er hat mir auch eine Cumulus-Karte gegeben.» Und ­warum Schweizerdeutsch? «Ich spreche mit allen Kunden in deren Sprache. Das amüsiert sie und verbindet uns. Ich kann auch einige Sätze auf Holländisch. Aber von allen Nationalitäten sind die Schweizer meine Lieblingskunden. Sie sind sympathisch, höflich, und sie ­kaufen meine Brillen. Ich habe viele Schweizer Freunde. Sie sind wie eine Familie für mich.» Djily hat nie für längere Zeit Ruhe. Schon nähern sich weitere Neugierige und fragen, ob sie ein Foto mit ihm ­machen dürfen. «Wir kommen jedes Jahr hierher und kennen ihn schon ­lange. Wir haben das Video gesehen und schätzen Djily sehr, weil er immer gute Laune hat und sehr respektvoll ist. Aus­ serdem versteht er Schweizerdeutsch, so können wir uns immer ein bisschen mit ihm unterhalten», erklärt eine ­Touristin aus Basel. Klar ist: Mit seinen Verkäuferqualitäten überzeugt Djily im Internet ebenso wie am Strand. MM

Posieren für eine zufriedene Kundin (o.). Djily Gueyes ­bestes Verkaufsargument: die Cumulus-Karte (M.). ­Migros-Magazin-Reporterin Estelle Dorsaz überreicht Djily einen Fluggutschein von «Migros Ferien», damit er seine Familie in Senegal besuchen kann (u.).


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ne Italiens. Wir besuchen eine renommierte Weinkellerei und erfahren bei einer Führung alles über die Herstellung der edlen Tropfen. 4. Tag – Cuneo & Tenda Bahn Am Vormittag zeigen wir Ihnen die schöne Stadt Cuneo. Am Nachmittag folgt dann die Fahrt mit der legendären Tenda Bahn bis nach Ventimiglia an der italienischen Riviera. Freuen Sie sich auf eine spektakuläre Bahnstrecke mit herrlichen Gebirgslandschaften und malerischen Dörfern. 5. Tag – Monaco & San Remo Den heutigen Tag beginnen wir mit einem Besuch im Fürstentum Monaco. Entdecken Sie dabei die pittoreske Altstadt und tauchen Sie in eine Welt voller Glamour und Lebensgefühl ein. Am Nachmittag erwartet uns San Remo – die Hauptstadt der Blumenriviera liegt majestätisch eingebettet zwischen azurblauem Meer und dem malerischen, saftiggrünen Hinterland. 6. Tag – Heimreise Mit vielen unvergesslichen Eindrücken im Gepäck treten wir heute die Heimreise an.

✓ Fahrt mit dem Mont-Blanc-Express Martigny-Châtelard

Leistungen - Alles schon dabei!

✓ Fahrt mit der Stand-, Schräg- & Feldbahn zum Lac d’Emosson ✓ Schöner Ganztagesausflug Piemont/Langhe Region ✓ Besichtigung Weinkellerei Barolo-Gebiet inkl. Degustation ✓ Interessante Stadtführung in Cuneo ✓ Fahrt mit der legendären Tenda-Bahn von Cuneo nach Ventimiglia ✓ Ganztagesausflug Monaco & San Remo ✓ Eigene Schweizer Reiseleitung

Wählen Sie Ihr Reisedatum: Reise f: 14. - 19. September 2019 Reise g:

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BÄNZ FRIEDLI | 22.7.2019 | 19

Die verlorene Zeit

Bild: Vera Hartmann

Meine Liebste hat mir ein Duschgel ge­ schenkt. Nicht irgendeins – dasjenige, das ich in unserer Anfangszeit benutzte, vor vielen, vielen Jahren. Ein Naturprodukt aus der ­Drogerie, cremig, süsslich, aus Weizenkeim­ lingen hergestellt. Schon damals konnte man esnachfüllen lassen und dadurch Plastik­ abfall vermeiden; der Hersteller war der Zeit voraus. Ohne viel zu überlegen, schmiere ich mich nach weiss nicht wie vielen Jahren da­ mit ein, und zack! ist alles wieder da: die enge Duschkabine, der Gasdurchlauferhitzer, das Fensterchen zum Lüftungsschacht, über­ haupt die erste gemeinsame Wohnung, das LP-Gestell aus Harassen, die gerahmte Foto­ grafie an der Wand: Kuba! Ich höre sogar ­ die Musik, die wir hörten. Crowded House, Neneh Cherry, The Chemical Brothers. Und all dies wegen eines Dufts.

Bänz Friedli (54) riecht an der ­Vergangenheit.

Gerüche wecken Erinnerungen, die Wissen­ schaft spricht vom Proust-Effekt. Weil der französische Romancier Marcel Proust be­ schreibt, wie ihn der Geruch eines Gebäcks, das er in eine Tasse Tee getunkt hat, an die Zeit erinnert, da seine Tante ihm jeweils eine Madeleine reichte, die sie zuvor mit ­ihrem Tee benetzt hatte. Schon ist er in die Kindheit zurückversetzt: «In diesem Augenblick sind alle Blumen unseres Gartens, d ­ esgleichen die ganzen Leute aus dem Dorf und ihre kleinen Häuschen und die Kirche und ganz Combray und Umgebung, Form u ­ nd Festigkeit anneh­

mend, Stadt wie Gärten, aus meiner Tasse Tee entstanden.» Gerüche wecken einst durchlebte Emotio­ nen, weil die Nervenpfade des Geruchssinns von der Nase direkt zur Gedächtnisschaltzen­ trale unseres Gehirns führen. Wir alle ken­ nen das: Popcorn riecht nach Kino, Bratwurst nach Grümpelturnier, das Parfum L’Eau ­d’Issey nach … Nein, das behalte ich für mich. «Auf der Suche nach der verlorenen Zeit», hiess Prousts Buch. Und wenn Sommerregen auf Asphalt fällt und es staubig herb in die Nase steigt, bin ich sogleich zurückversetzt auf ein bestimmtes Wegstück zwischen ­Heggbühl und Runihubel. Ich sitze auf mei­ nem roten Cilo-Halbrenner, es ist Sonntag. Nur dem einen Geruch, meinem aller­ liebsten, bin ich noch nicht auf die Spur ­gekommen. Wann immer er mich anspringt, könnte ich auf der Stelle zerfliessen. Ein ­zärtlicher, verführerischer Pflanzenduft, den ich immer nur im Vorbeigehen wahrnehme. Lange d ­ achte ich, es sei Flieder. Oder Mag­ nolie, Lorbeerkirsche? Ich weiss es nicht. Liesse der Duft sich einfangen, in Flaschen abfüllen, ich würde ihn kaufen. Und doch ­ bin ich froh, dass man das nicht kann. Weil es gut ist, neben all den Erinnerungen auch noch Sehnsüchte zu haben. Ungestillte. MM Bänz Friedli live: 2.8. Unterwasser SG; 3.8. Steinhausen ZG, Waldstock Open Air; 4.8. Grindelwald BE

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20 | 22.7.2019 | EIDGENÖSSISCHES SCHWINGFEST

Die Chrampfer Sie sind jung oder alt, Schwingfans oder nicht, und sie engagieren sich mit ihrem Verein oder als Einzelne: Über 4000 freiwillige Helferinnen und Helfer machen das «Eidgenössische» erst möglich. Text: Lisa Stutz und Monica Müller  Bilder: Cyrill Krähenbühl

C

hrampfer heissen sie offiziell beim Schwingen, am ­Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest in Zug sind es über 4000 freiwillige Helferinnen und Helfer. Der Name ist Programm: Sie fahren Stapler, arbeiten auf dem Campingplatz, sorgen für Sicherheit, sind in der Gabenbeiz tätig oder koordinieren die Autos auf den Parkplätzen.

Klar ist: Ohne sie ginge nichts. Drei Freiwillige haben mit uns über ihre Einsätze gesprochen. Sie freuen sich darauf und sind gespannt, was sie erwartet. Sie zweifeln nicht daran, dass der Grossanlass ein einmaliges ­Erlebnis wird. Trotz viel Arbeit steht zwischen den Einsatzschichten eine eigene Helfertribüne für sie bereit – so ­sehen die Chrampfer doch noch etwas von den Bösen.


EIDGENÖSSISCHES SCHWINGFEST | 22.7.2019 | 21

«Der Teufel selbst steigt in den Ring»

350 000 Fans werden das Eidgenössische ­Schwingund Älplerfest (ESAF) vom 23. bis 25. August in Zug verfolgen. Journalist Linus Schöpfer hat ein Buch über den Trendsport geschrieben und dabei in Sagen Überraschendes entdeckt. Text: Sabine Lüthi, Lisa Stutz

Bild: Urs Flüeler/Keystone

Linus Schöpfer, Sie haben sich für Ihr Buch «Schwere Kerle rollen besser» intensiv mit dem Schwingen auseinandergesetzt. Was ist daran so interessant? Schwingen ist spannender, als die meisten denken – als Sportart, aber auch als histori­ sches Phänomen. Es spiegelt die Schweiz und ihre Geschichte, ist voller grossartiger Storys auf und neben dem Platz. Wer denkt, das Schwingen sei immer das Gleiche gewe­ sen, täuscht sich gewaltig. Auch die Wahrnehmung des Sports hat sich stark verändert. Was hat Sie bei Ihren Recherchen denn am meisten überrascht?

Daniela Maurer (27) Wohnort: Affoltern am Albis ZH Einsatz: Service im VIP-Bereich

Einiges. Zum Beispiel die ersten Unspun­ nenfeste: Sie wurden von Aristokraten ­organisiert, unter den Gästen waren Barone, Fürsten, Pariser Salondamen. Oder die Tat­ sache, dass Schwingen unter linken Arbeitern in den 1920er-Jahren ziemlich populär war. Verblüfft haben mich auch die Schwinger-­ sagen, auf die ich gestossen bin. Da wird von monströsen Kämpfern erzählt, vom Teufel selbst, der in den Ring steigt. Das hat schon fast «Game of Thrones»-Qualität. Der Schwingsport blickt auf eine grosse ­Erfolgsgeschichte zurück, er ist beliebt und lukrativ wie nie zuvor. Das ist so. In Zug werden 350 000 Zuschauer erwartet, wahrscheinlich werden wieder bis zu einer Million an den Bildschirmen ­zuschauen. Schwingen ist Sport, Kommerz und Politik. Schon früh versuchten einfluss­ reiche Leute wie Aristokraten, Politiker oder Militärs die Bühne, die ein Schwingfest bietet, für ihre Interessen zu nutzen. Das hat sich bis heute nicht verändert. Die Bühne ist noch grösser geworden: mehr Zuschauer, mehr Medien. Auch ein Gölä i­ nteressiert sich nun plötzlich für das Schwingen und kündigt seinen Auftritt am «Eidgenössischen» an. Wo bleiben da die Linken? Die tun sich schwer. Auch weil konservative Politiker unsere Vorstellung von Schwing­ festen, Schwingreden und vom Schwingen an sich geprägt haben. Dass Linke, wenn sie es klug anstellen, auch an Schwingfesten gut ­ankommen könnten, zeigte die Rede von ­SP-­Bundesrat Willi Ritschard am «Eidgenös­

«Da mein Vater die freiwilligen Helferinnen und Helfer für das Eidgenössische Schwing- und ­Älplerfest rekrutiert, habe ich von Anfang an a­ lles mitbekom­ men: wie gross der Anlass ist, wie viele sich engagieren, was es für unseren k ­ leinen Kanton Zug bedeutet. Für mich war immer schon klar, dass ich mitanpacke. Seit zehn Jahren bin ich im Stadtturnverein Zug aktiv, wir bewegen uns im Team, spielen

Unihockey, Fussball, Badminton. Und wir helfen auch mit fünfzig Leuten beim ESAF. Persönlich habe ich zum Schwingen keinen Bezug, aber das Fest, die Grösse und Einmaligkeit faszinieren mich. Ich freue mich, als Freiwil­ lige Teil des Ganzen zu sein. Der Einsatz im Service ist Zufall. Ich habe schon bei anderen Anlässen gekellnert und denke: Das kommt gut. Am meisten freue ich mich auf die gute Stimmung.»


Damit läuft auch das Sparen wie geschmiert.

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EIDGENÖSSISCHES SCHWINGFEST | 22.7.2019 | 23

«Die Linke vergisst gerne, dass Feste schon immer wichtig gewesen sind.» sischen» 1977 in Basel. Ritschard biederte sich nicht an, hinterfragte Traditionen – und bekam trotzdem Applaus. Die Linke vergisst ja gerne, dass Feste in der Schweiz schon ­immer wichtig gewesen sind, gerade für die politische Meinungsbildung. Die Zuschauermengen sind heute gigantisch. ­Warum konnten die Schwinganlässe so gross werden? Das hat viel mit dem Fernsehen zu tun. Schweizerinnen und Schweizer lieben es, sich die Kämpfe vor dem Bildschirm anzuschauen. Die Einschaltquoten sind hoch, der Sieger erhält schweizweit Medienpräsenz. So kommt eine Dynamik in Gang: Man sieht die Schwinger im TV und kann sich plötzlich vorstellen, auch mal an ein Schwingen zu ­gehen. So wachsen die Feste und werden noch attraktiver für Medien und Sponsoren. Reduziert Schwingen die Komplexität der weltweiten Entwicklungen auf etwas ganz Einfaches, Überschaubares? Auf den ersten Blick vielleicht. Aber letztlich ist das eine Illusion: Sobald man sich eingehend mit Schwingen auseinandersetzt, wird es komplex. Sie schreiben im Buch von der ­«Poesie des Schwingens». Der

Sport hat aber auch schon Tote und Schwerverletzte gefordert. Es gibt beides, die Poesie und das Brutale – wie in jedem Kampfsport. Muhammad Ali verlieh dem Boxen eine nie gesehene Leichtigkeit, zugleich gab und gibt es in diesem Sport Schwerverletzte und sogar Tote. Eine Ästhetik des schönen Schwingens gibt es schon, aktuell etwa die herrliche Kurz-Übersprung-Kombination von Pirmin Reichmuth. Und einen spektakulären Schwung wie den Souplesse sieht man ja nur etwa alle fünf ­Jahre. Das ist dann schon ein Ereignis.

Zur Person Linus Schöpfer (34) ist Kulturredaktor beim «Tages-Anzeiger». Er ist im ­Entlebuch aufgewachsen und hat in Bern und Berlin Literaturwissenschaften und Geschichte studiert. In seinem Buch «Schwere Kerle rollen besser – Warum die Schweiz das Schwingen erfand»* e ­ rzählt Schöpfer die Geschichte eines Sports, der Hunderttausende in der Schweiz fasziniert.

Gibt es einen Prototyp des Schwingers? Nein. Körperlich und technisch gab es immer schon sehr unterschiedliche Schwinger: grosse und kleine, dicke und sehnige. Heute sind auch ihre Hauptberufe sehr verschieden, einige Schwinger studieren oder haben studiert, wie Matthias Glarner und Armon Orlik. Muss man nicht ohnehin konservativ sein, um an einen Anlass zu gehen, der Frauen als Schwingerinnen ausschliesst? Das kann man so sehen. Ich persönlich kann nicht nachvollziehen, dass Steinstösser am «Eidgenössischen» Platz haben, Schwingerinnen dagegen nicht. Aber ich empfehle, ab und zu einen konservativen oder vermeintlich konservativen Anlass zu besuchen. Sonia Kälin, der Star des Frauenschwingens, darf am «Eidgenössischen» in Zug als Muni-Gotte, als Patin der Siegertrophäe, einlaufen. Ein Trostjob? Trostjob ist etwas hart gesagt. Das Einlaufen mit dem Muni ist eine Ehrensache. Aber klar: Kälin ist eher vorsichtig, mehr die Reforma­ torin. Sie glaubt, die Frauen müssten Schritt für Schritt vorgehen. Noch heute sind Stimmen zu vernehmen, man wolle keine plattgedrückten Busen und Frauen mit Masse an ­einem «Eidgenössischen» sehen.

Was löst das bei Ihnen aus? Das ist Quatsch. Und auch aus historischer Sicht gibt es überhaupt keinen Grund, warum Frauen nicht mitschwingen sollten. Das «Eid­genössische» war immer ein Experimentierfeld. Früher waren zum Beispiel auch noch die Kugelstösser oder Wettheuer dabei. Muss sich das Schwingen irgendwann ­wieder neu erfinden? Das könnte passieren, wenn sich der Schwing­sport übernimmt. Die Kommerzialisierung hat ja auch Tücken: Wo es viel Geld zu verdienen gibt, wird es schnell heikel. Gibt es noch weitere Graubereiche? Die Einteilung der Paarungen durch das Kampfgericht ist nicht transparent. Bei * Nagel & Kimche, 2019, erhältlich auf Exlibris.ch

Philipp Sidler (48)

Bild: Fabienne Andreoli

Wohnort: Cham ZG Einsatz: Check-in Turnhalle

«Hinter der Theke ist es oft spannender als davor. Deshalb freue ich mich, als Helfer dabei zu sein. Während des Schwingfests können Gäste an verschiedenen Orten übernachten, etwa in Zivilschutzanlagen, Schulhäusern oder in der Stadthalle. Und da kommen wir ins Spiel: Meine Kollegen vom Hobby-Fussballclub SC Wacker Inwil und ich sind in Baar und Zug im Einsatz. Ich bin in einer Turnhalle in Baar statio-

niert und mache dort die Eingangskontrolle. In der Halle sind etwa 80 Betten aufgestellt. Meine erste Schicht beginnt in der Nacht auf Samstag, um 2 Uhr – es wird bestimmt hart, so lange durch­ zuhalten. Doch die Vorfreude überwiegt: Uns erwartet ein ­gigantisches Fest. Ich bin ein Schwingfan und war schon beim letzten «Eidgenössischen» dabei – damals jedoch als Gast und nicht hinter den Kulissen.»


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EIDGENÖSSISCHES SCHWINGFEST | 22.7.2019 | 25

­ einen Recherchen für das Buch wollte ich m bei einer Einteilung dabei sein. Der Vorgang ist jedoch sakrosankt, da darf niemand an­ wesend sein. Dieses System ist anfällig für Mauscheleien und Absprachen.

Glücksgriff

60 Tickets für das ESAF 2019 zu gewinnen Die Migros ist seit 2007 Königspartnerin des Eidgenössischen Schwing- und Älplerfests (ESAF), das nur alle drei Jahre stattfindet. In einem Monat ist es wieder so weit: Das ESAF 2019 geht vom 23. bis 25. August in Zug über die Bühne. Das Migros-Magazin verlost 30 × 2 Tages­ tickets für den Sonntag, 25. August, wenn unter den 280 Bösen der Schwingerkönig gekürt wird. Preisfrage: Wie heisst der S ­ iegerMuni, den der beste Schwinger am ESAF 2019 erhält?

So machen Sie mit

Die Berner dominieren im Sägemehl seit Jahren. Schwingen muss im Bärnbiet ­erfunden worden sein. Die Berner haben tatsächlich um 1800 das moderne Schwingfest erfunden, das kann man sagen. Und der Ursprungsort des ­orga­nisierten Schwingens war 1895 ein ­Kaffeehaus der Stadt Bern. Dort wurde der Eidgenössische Schwingerverband gegründet. Der Kanton Bern hat eine ausgeprägte Schwingkultur. Aber es gibt auch ­legendäre Schwinger aus anderen Regionen: Karl Meli lebte in Winterthur, Ernst Schläpfer ist ein Appenzeller, Geni Hasler ein Schwyzer. Um nur drei von vielen sehr ­erfolgreichen Nichtbernern zu nennen. Ja, in den letzten Jahren haben die Berner fast alles gewonnen. Aber am Eidgenös­ sischen in Zug wird das anders sein. Wer gewinnt? Joel Wicki. Für Berner eine etwas exotische Prognose! Für einen Entlebucher ist sie nicht so exo­ tisch. Gut, notfalls darf es auch der Pirmin Reichmuth aus Zug sein. Wie war die Zusammenarbeit mit den Schwingern bei der Recherche für das Buch? Sehr gut, immer angenehm und von ­Interesse geprägt. Sonia Kälin, Mat­ thias Glarner und Ernst Schläpfer haben das Buch s­ ogar gegen­gelesen. Auch hatte ich offenen Zugang zum Archiv des Schwinger­­verbands, in dem ich einige tolle ­Geschichten und Anekdoten fand. Etwas fros­tiger wurde es seitens

«Die Berner haben um 1800 das moderne Schwingfest erfunden.» der Funktionäre, als es um die Defizitgarantie von Christoph Blocher fürs «Eidgenössische» von 1995 ging. Die Garantie zeigt, dass es von bürgerlicher Seite nicht nur rhetorisch, sondern auch finanziell Support gab. Wie ist das Buch entstanden? Ich war für den «Tages-Anzeiger» 2013 am «Eidgenössischen» in Burgdorf. Dort traf ich auf die drei Parallelwelten des Kommerz, der Folklore und des Kampfsports, die ich nicht so recht zusammenbrachte. Danach wollte ich mir das genauer anschauen. Purer Zufall also? Eigentlich schon. Obwohl ich ja auf dem ­Lande aufgewachsen bin und mein Vater als Landarzt bei Schwingfesten ab und zu im ­Einsatz war. Ich erinnere mich, dass er nicht so gern an diese Feste ging, wegen der mög­ lichen schlimmen Verletzungen. Haben Sie selbst schon mal einen ­Hosenlupf gewagt? Das lasse ich besser bleiben. Ein Kollege vom Schweizer Fernsehen kam ja mal auf die glo­ riose Idee, mit Jörg Abderhalden ein wenig zu «rutzen» – und brach sich dabei prompt eine Rippe. MM

migrosmagazin.ch/ wettbewerbe Teilnahmeschluss: 28. Juli, 24 Uhr Die Gewinner werden schriftlich benachrichtigt. Es erfolgt keine Barauszahlung, der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Über die Verlosung wird keine Korrespondenz geführt. Mitarbeitende des Migros-Genossenschafts-Bundes sind von der Teilnahme ausgeschlossen. Mehrfachteilnahmen sind nicht erlaubt und werden vom Wettbewerb ausgeschlossen. Preise, die nicht bis spätestens drei Monate nach Ziehung durch den Gewinner bezogen werden, verfallen ersatzlos.

Richard Geiser (68) Wohnort: Cham ZG Einsatz: Campingplatz

«Wir vom Schweizer Alpenclub Rossberg bilden den grössten Verein im Kanton Zug. Für mich war klar, dass wir helfen, wenn ein solcher Grossanlass statt­ findet. Da können wir ja nicht einfach abseitsstehen! Also habe ich organisiert, dass über 100 ­unserer Mitglieder als freiwillige Helfer dabei sind. Wir sind für den Campingplatz eingeteilt. Er ist ausgebucht, und wir schauen, dass alle Besucher ein Plätzchen

finden. Unsere Gruppe leistet ­gegen 200 Arbeitsschichten. Ich mache die Nachtschichten, je­ weils von 22 bis 6 Uhr, mit guten Freunden zusammen. Ich freue mich auf den Einsatz und bin ­gespannt, wie alles laufen wird. Ich war schon an kleineren Schwingfesten dabei, die Stim­ mung ist immer gut. Vor allem aber freue ich mich, einen ­kleinen Beitrag zu einem grossartigen Fest zu leisten.»


26 | 22.7.2019 | PET-RECYCLING

Den Kreislauf schliessen Die Herstellung von Flaschen aus Rezyklat wäre ohne die MigrosKunden nicht möglich: Sie brachten allein im vergangenen Jahr leere PET-Getränke­ flaschen* im Gesamt­ gewicht von über 9040 Tonnen in die ­Supermärkte zurück. Damit ist die grösste Schweizer Detail­ händlerin auch die Nummer eins beim PET-Recycling. Ab 2025 sollen in der EU alle PET-Flaschen mindestens zu 25 Prozent aus Rezyklat ­bestehen. Die Migros erfüllt diese Vor­gabe bereits heute: Aproz hat zuletzt den Anteil an Recycling-­ PET von 35 auf fast 50 Prozent gesteigert. Die Mineralwasser­ flaschen setzen sich heute schon bis zu 60 Prozent, die Sirup­ flaschen ­sogar vollständig aus Rezyklat zusammen. Künftig soll bei möglichst vielen Flaschen der Kreislauf geschlossen werden. Bereits jetzt ist die PET-Wiederverwertung eine Wohltat für die Umwelt: Pro Jahr kann die Migros dank der Verwendung von Rezyklat für ­Getränkeflaschen 2500 Tonnen Neumaterial ein­sparen. * PET ist die Abkürzung für Polyethylenterephthalat.


PET-RECYCLING | 22.7.2019 | 27

Zentnerschwere Ballen ­ aus alten PET-Flaschen ­stehen am Anfang: Sie werden in Bilten G ­ L ­gereinigt, ­geschreddert und zu Fäden g ­ eschmolzen. Daraus ­entstehen grobe ­Körner und dann die kleinen Flaschen­rohlinge.

Wie Phoenix aus der Flasche Im Glarner Ort Bilten entsteht ein Pionierprodukt: die Migros-Sirupflasche aus 100 Prozent Recycling-PET. Sie ist im Schweizer Detailhandel einmalig. Text: Michael West  Bilder: Roger Hofstetter

W

er in Bilten die Firma Resilux Poly Recycling sucht, wird schnell fündig. Das liegt nicht nur daran, dass sie gross und das Dorf klein ist, sondern auch an ihrem ­inoffiziellen Markenzeichen: Auf dem Areal des Unternehmens sind mächtige Kunststoffballen aufgetürmt. Die würfelförmigen Klumpen wiegen jeweils etwa drei Zentner. Jeder besteht aus einer Vielzahl leerer PETGetränke­flaschen, die an Sammelstellen in der ­ganzen Schweiz eingeworfen wurden. Mithilfe modernster Maschinen ­fertigen die rund 120 Mitarbeiter aus dem zusammengequetschten Leergut neue Flaschen in allen Formen und Farben. Eine von ihnen gilt als absolutes Pionierprodukt: Es ist die Migros-­ Sirupflasche, die kein neues PET enthält, sondern ausschliesslich aus Rezyklat her­ gestellt wird.

Bilder: zVg (2)

Zu schade für den Abfall

Der letzte Arbeitsschritt folgt in Aproz: Die Rohlinge werden dort zu Sirup­flaschen aufgeblasen.

Der Rohstoff dafür sind leere Flaschen aus ungefärbtem PET. Sie werden mit Lauge ­gewaschen; dann trennt ein Apparat mit ­Wasserdruck und scharfen Klingen blitzschnell die alten Etiketten ab. Maschinen ­zerschneiden das PET zu Flocken, waschen es ­erneut und verflüssigen es bei einer Hitze von 280 Grad. Aus der Hightech-Anlage q ­ uillt der geschmolzene Kunststoff in endlos langen Fäden, die erneut zerkleinert und dann ­ab­gekühlt werden, bis daraus kristallisch ­glitzerndes Granulat entstanden ist. Jürgen Allemann, Betriebsleiter Poly ­Recycling bei Resilux, greift sich eine Handvoll des grobkörnigen Pulvers und lässt es durch die Finger rieseln. «Dieses Granulat ist ein unglaublich praktischer Werkstoff», sagt der 48-Jährige. «Unterschiedlichste Flaschen lassen sich daraus herstellen und anschlies­send wieder rezyklieren – der Kreislauf könnte fast endlos weitergehen.»

Als erste Getränkeflasche im Schweizer ­Detailhandel besteht die Migros-Sirupflasche seit vergangenem Frühling ausschliesslich aus derartigem Rezyklat. Doch warum wurde diese Pioniertat nicht schon früher vollbracht? «Für ein solches Produkt braucht es äusserst präzise Methoden der Farbtrennung», erklärt Allemann. Es darf zum Beispiel keine Flocke einer braunen PET-Flasche in den Herstellungsprozess gelangen, sonst könnten die neuen Flaschen einen Gelbstich bekommen. Die Kunden würden die darin enthaltenen Getränke womöglich für ­­ ver­­un­reinigt halten. Mit der Farbtrennung betreiben die Mit­ arbeiter von Resilux Poly Recycling denn auch einen enormen Aufwand: Auf den Förder­bändern erfassen Hochleistungs-­ scanner selbst kleinste Partikel, die nicht den korrekten Farbton haben. Vom fertigen Granulat werden Stichproben genommen: Mit­arbeiterinnen beugen sich darüber und durchsuchen das Pulver mit Pinzetten nach Körnern, die nicht farblos sind. Vollendung im Wallis Erst dann wird das PET-Pulver erneut einge-

schmolzen und in die Form eines Flaschenrohlings gegossen: ein kleines, dickwandiges Ding, das an ein Reagenzglas er­innert. Per Lastwagen und Zug gelangen die Rohlinge ­anschliessend zum M-Industrie­betrieb Aproz Sources Minérales im Wallis. Erst dort ent­ stehen die fertigen Sirup­flaschen, die gross und dünnwandig sind: Die Rohlinge werden vor Ort erhitzt und mit grossem Druck in die richtige Form geblasen. So viele Arbeitsschritte sind nötig, bis Aproz den beliebten Sirup der Migros ab­ füllen kann. Wer im Supermarkt nach der ­Flasche greift, denkt zuerst an den süssen Inhalt. Doch auch die Hülle aus PET verdient Anerkennung. MM


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Katalogpreis


30 | 22.7.2019 | GARTEN

Böse Schwalbe, gute Schwalbe Als Fussballtrainer konnte Hanspeter Latour wegen einer Schwalbe schon mal aus der Haut fahren. Heute hüpft sein Herz vor Freude, wenn er den Vogel sieht. Der 72-jährige ehemalige Goalie widmet seinen Garten der Artenvielfalt. Text: Barbara Schmutz  Bilder: Monika Flückiger

E

in struppiger Blätz Land bringt Hanspeter Latours Herz zum Blühen. Die lehmige Erde ist aufgeworfen, daneben schiessen Wildblumenbüschel in die Höhe. Thymian, Skabiose, Nattern­ kopf. Letzten Frühling nahm er diese Brache im Berner Oberland – einen Katzensprung von seinem Chalet ­entfernt – in Pacht. Der Eigentümer wollte darauf nichts bauen: Die 540 Quadratmeter liegen in der Gefahren­ zone, bei heftigem Regen schwillt das angrenzende Bächlein zum Bach an. Latour will das Land ökologisch ­aufwerten, ein Paradies schaffen für Wildbienen, Schmetterlinge, Insekten und Schwalben. Anfangs Sommer liess er die Wiese mähen und den Boden aufreissen. Er säte pfundweise Wild­ blumensamen, pflanzte 140 Wild­ blumenziegel, liess zwei Felsbrocken herkarren. Ob die Tiere die Landschaft, die er für sie angelegt hat, goutieren werden – noch weiss er es nicht. Plötz­ lich reckt er den Kopf: «Lueget dört, ä Schwaube!» Tatsächlich kommt eine angeflogen. Sie steuert eine Pfütze an, landet, steckt – zack – den Schnabel ins Wasser und fliegt wieder weg. «Nei, wie mi das fröit!», ruft Latour. Der Blätz ist Latours neuestes ­Naturgartenprojekt. Schon 1986 liess er im bernischen Innereriz auf

1100 Metern Höhe ein Chalet bauen und drum­herum einen Garten anlegen. Damals arbeitete er als Laborleiter der Gruppe für Rüstungsdienste in Thun und als nebenamtlicher Trainer des FC Solothurn. An den freien Tagen ver­ zog er sich mit seiner Frau Mathilde und den Kindern Yves (damals 9) und Jeanine (damals 6) in sein Ferienhaus. Hier, wenige Kilometer von Thun ent­ fernt, tauchte er in eine andere Welt ein. Über grün gepolsterte Hügel ­wachen die schroffen Flanken des Hohgant und der Sieben Hengste. In dieser Landschaft konnte er alles ver­ gessen: «Hier war es egal, ob wir einen Match ge­wonnen oder verloren hat­ ten», sagt er. 2000 Quadratmeter misst dieser ­Garten, ein Stück Wald inklu­ sive. Raum für Artenvielfalt. «Ein ­wildes Ding», sagt Latour. Was die Frau jätet, pflanzt er wieder

Erstaunlich, dass damals neben Voll­ zeitjob und Trainer-Nebenamt noch Zeit für den Garten blieb. «Vieles liess ich einfach wachsen», erklärt Latour. Ausreissen, allerdings nicht rübis und stübis, tut er nur die invasiven Pflan­ zen, die alles überwuchern wollen, den Schachtelhalm etwa oder das orange­ rote Habichtskraut. Macht sich seine Frau im Garten zu schaffen, beobachtet er sie mit Argusaugen: «Thilde rupft


GARTEN | 22.7.2019 | 31

«Im Garten ein neues Insekt zu entdecken, ist so schön wie ein gewonnener Match.» Hanspeter Latour Hobbygärtner

Oben: In seinem Chaletgarten jätet Hanspeter ­Latour Habichtkraut, um Platz für Wildblumen, etwa ­Kartäuser Nägeli, zu schaffen. ­ Unten: Im Paradies für wilde Pflanzen und Tiere t­ urnen Eichhörnchen und ein ­­Bienenkäfer weidet sich am ­Wiesenkerbel.

für meinen Geschmack zu viel aus», sagt er. «Er pflanzt es dann wieder ein», sagt sie. Sie habe lediglich einen hellgrünen ­Daumen, ihre Leidenschaft gilt den ­Büchern und den Fernsehkrimis. Doch Letztere kann sie im Erizer Chalet kaum ungestört schauen. Wegen der Wild­ tiere, die ihr Mann nachts beobachten will. Dann steht er in der Küche am ­offenen Fenster und äugt durch den Feldstecher ins Dunkel. Bemerkt er in den Büschen ein Huschen, gibt er ­Thilde, die auf dem Sofa mit den Kom­ missaren mitfiebert, ein Zeichen: ­abstellen, sofort! Klar, dass sich die ­Viecher immer dann anschleichen, wenn die Spannung am grössten ist. Die Liebe zur Natur bekam Hanspeter Latour von seinem Vater eingepflanzt. Mit dem ersten Sackgeld, das er in s­ einer Jugendzeit mit Aushilfsbüez bei ­Bäckern, Metzgern und Gärtnern verdiente, kauf­ te er sich «Brehms Tier­leben». Doch die Faszination für den Fussball war stärker, für Flora und F ­ auna blieb keine Zeit mehr. Und so war Latour ein Anfänger, als er in den 80er-­Jahren den Garten um sein Ferienhaus anlegte. Er kämpfte mit dem lehmigen Boden. Ein Bekannter machte ihn auf Chinaschilf aufmerksam, das wachse gut, sagte er. Latour setzte es. Es gedieh prächtig, begann zu wuchern, überallhin, wie wahnsinnig. ­Latour, dem inzwischen klar geworden war, dass


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GARTEN | 22.7.2019 | 33

«dä Cheib nid dahäre ghört», rodete den halben Garten. «Aber da!», er zeigt auf dunkelgrüne Halme, «da drückt er scho wieder düre!» Pflanzen und wachsen lassen

Das Ziel war, die Natur machen zu lassen. Doch zuerst musste Latour den Boden bearbeiten. Er liess einen Teil abtragen und mit Flusskies ­auffüllen. Material wegführen, Mate­ rial hinkarren – ökologisch einwand­ frei sei das nicht. «Aber das hinter­ frage ich nicht mehr. Wenn ich sehe, was heute in meinem Garten lebt, kann ich sagen, diese Aktion hat Sinn gemacht.» Viele Libellen- und mehr als 70 Schmetterlingsarten sind hier ­heimisch, darunter das Schachbrett, der Bläuling, der Kleine Fuchs. Er sieht sich sonnende Eidechsen und fotografiert Ringelnattern. In der Abenddämmerung sausen ihm die Fledermäuse um den Kopf. Dieser Artenvielfalt half Latour ­eigenhändig auf die Sprünge. Er setzte Felsenbirne, Holunder, Heidel­beeren, Berberitze; sorgte für Pfützen, damit die Frösche darin laichen können; hängte Nistkästen in die Bäume, für Blau- und Kohlmeisen, Stare und Kauze. Die Scheiterbeigen vor dem Haus und beim Biotop hat er den ­Insekten als Hotels überlassen. Wild­ bienen und Goldwespen – Winzlinge mit rotem Oberkörper und blauem Hinterteil – haben Schlupflöcher ins Holz gebohrt. Anderes liess er einfach wachsen. Kartäuser Nägeli, Beinwell, Stein­ brech, Leberblümchen etwa: Vögel und Mäuse brachten ihre Samen, ­Latours Garten bot den Boden zum Gedeihen. Nur weniges hat der Hobby­ gärtner selber gepflanzt: Wiesen­ knopf als Nahrung für den Bläuling, zudem Türkenbund, Wilde Feuer­ lilien und Frauenschuh. Auf Letztere machte ihn einst der damalige Weg­ meister aufmerksam. Es müsse ein Stück Wald gerodet werden, sagte dieser, dort wüchsen Frauenschuhe, die würden die Rodung nicht über­ leben. Latour grub sechs Pflanzen aus und setzte sie in seinen Garten. ­«Obwohl sie an einem saublöden Ort ­stehen, zwischen Grill und Kompost, haben sie heuer bereits zum sechsten

Fussballer, Trainer, Buchautor

Mal geblüht», sagt er. Er hat sie foto­ grafiert, wie jedes Jahr. So wie er ­jedes Jahr vom Kleinen Fuchs unzäh­ li­­ge Bilder macht. Und von Eidechsen, Vögeln, Libellen – von allen ­Tieren, die er vor seine Linse bekommt. 80 verschiedene Schmetterlinge und ebenso viele verschiedene Vögel hat er in einem Umkreis von ­einem Kilo­ meter abgelichtet, darunter rare wie den Regenbrachvogel und die Nor­ dische Schwanzmeise. Das ist denn auch sein grösstes Glück: einen neuen Vogel oder ein neues Insekt zu ent­ decken. «Das ist so schön wie ein ­gewonnener Match!» In seinem neuen Buch «Natur mit Latour» (siehe Box rechts) zeigt Latour einen Teil seiner Bilder, und er stellt Überlegungen an: etwa darüber, ob die Veränderungen, die in der Natur passierten, dramatisiert würden oder tatsächlich dramatisch seien. MM

Glücklicher Herr über Blumenwiesen: Hanspeter Latour als Gastgeber für zahlreiche, zum Teil seltene Arten

Hanspeter Latour wurde 1947 in Thun geboren, wo er auch aufwuchs. Ab 1964 bestimmte Fussball sein Leben. Erst war er Goalie und ab 1974 Trainer. Sein grösster Erfolg war 2002 der Aufstieg des FC Thun in die Nationalliga A. 2009 machte er sich selbständig und hielt Vorträge über Führung, Motivation und Teambildung. Daneben kommentierte er bis 2014 Fussballspiele für Radio und Fernsehen. Bereits in den Büchern «Das isch doch e Gränni» und «Das isch doch e Schwalbe» (Werd & Weber Verlag, 2014/2016; je Fr. 32.– bei exlibris.ch) publizierte Hanspeter Latour Erzählungen und Bilder aus ­seinem Leben und seinem Garten. Im Mai 2020 soll im gleichen Verlag sein neues Werk herauskommen: «Natur mit Latour». Im Rahmen der SRF-Bio­ diversitäts-Kampagne «Mission B» macht sich Hanspeter Latour für die Artenvielfalt stark. Als Biodiversitätscoach wird er ­einer WG helfen, deren Garten neu naturnah zu ­gestalten. Wie das geht, gibt es vom 5. bis 9. August live bei «Schweiz aktuell» zu sehen.


34 | 22.7.2019 | SORTIMENT

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1, 2 ODER 3? | 22.7.2019 | 47

1, 2 ODER 3?

Party! Geburtstage sind bei uns das ganze Jahr hindurch ein ­Thema. Seit ­Monaten fragt der Kleine (3), wann er endlich vier wird. Mag er uns, lädt er uns zu seiner Party ein. ­Findet er uns hingegen doof, streicht er uns von der Gästeliste. Ihres Platzes sicher sein kann sich allein seine ­Spielzeuggarage. Und das Motto ist auch gesetzt: mit A ­ utos Rennen fahren. Beim Grossen (8) ist aber noch alles offen. Mit möglichst vielen in einer Turnhalle Fussball spielen? Nur mit dreien eine Pijama-Party rocken? Mit einigen in ein Erlebnisbad eintauchen? Kürzlich war der Grosse an eine Übernachtungsparty eingeladen. ­Geschlafen haben sie kaum. Seine Laune am Tag danach war unterirdisch. Doch die Müdigkeit hat er schnell ­vergessen und will jetzt nur noch eins: auch ein solches Fest ausrichten. Mir aber ist überhaupt nicht mehr ­danach. – Und jetzt?

Illustration: Lisa Rock; Bild: René Ruis

1   Der Grosse darf wählen, schliesslich dreht sich die    Welt an diesem Tag um ihn. 2   Ich lasse mich überzeugen, greife aber durch, falls die Gäste ewig wach bleiben. 3   Um 21 Uhr heisst es für die Partygänger: ab ins heimische Bett! Monica Müller (44) hat zwei ­Buben, einen Mann, einen Job, einen Haushalt. Mal wäre sie gern mehr Leitwölfin, mal mehr Gandhi.

Antwort 2: Ab 22 oder 23 Uhr – je nach ­Nerven – werden die Kinder in verschiedene Zimmer verteilt, sollten sie sich nicht vom Schlaf bodigen lassen.

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GENUSS | 22.7.2019 | 49

Wer kauft hier ein?

Unsere Food-Expertin versucht zu erraten, zu wem der Einkauf auf dem Kassenband ­gehört. Auf Seite 50 finden Sie die Auflösung – und ein passendes Rezept.

Sonja Leissing Food-Redaktorin

Und wer hat hier wirklich ­eingekauft? Auflösung auf Seite 50

Birnen eignen sich perfekt für den ­Kuchenbelag, fein ­geschnitten sind sie ideal auf ­einer Wähe und ­geraffelt passen sie in ein selbst­ gemachtes Bircher­ müesli.

Butter gilt als wahre ­Alleskönnerin. Weder die knusprige Rösti noch das panierte Schnitzel kommen ohne sie aus.

Bilder: Fotostudio MGB, zVg

B

eim Blick auf den ­Einkaufszettel zähle ich um die 20 Milch­ produkte. Darunter ­verschiedene Joghurts, Früchte­ quark mit Himbeeren und Apfel, den Cottage Cheese, «Tomme ­léger», Mozzarella, Appenzeller Käse und UHT-Milch im Sech­ serpack. Deshalb tippe ich auf eine Familie mit mindestens zwei Kindern. Die LillibiggsReiswaffeln lassen zudem ver­ muten, dass die Kinder noch im Vorschulalter sind. Und die XXL-Packung Paprika Chips, dass hier auch mal beim gemüt­ lichen Fernsehabend in die Tüte gegriffen wird. Weiter fällt mir auf, dass auf dem Band einige Aktionsangebote liegen. Die Kombination von frischer Backhefe, gehackten Tomaten und Mozzarella lässt auf eine selbstgemachte Pizza schliessen. Dazu gibts einen frischen Eich­ blattsalat und zum Dessert ­vielleicht eine Birnenwähe mit ­Dinkel-Kuchenteig. Oder für alle ein Schoggistängeli mit der «Crème Quick»-Vanillecreme zum Zvieri. Jetzt bin ich wirk­ lich gespannt, wer diesen ­Einkauf getätigt hat.


50 | 22.7.2019 | GENUSS

AUFLÖSUNG

Einkaufen nach Menuplan

Bettina Reichmuth (36) mit Lea (3), Aline (7), Remo (5) und Martin Reichmuth (40) mit ­Dario(1) aus Sommeri TG

Schicken Sie uns Ihren Kassenzettel! Möchten auch Sie Ihre Einkäufe auf dem K ­ assenband zeigen? Schicken Sie uns einen abfoto­grafierten Kassenzettel oder einen Screenshot des Bons aus der Migros-App. ­Senden Sie uns zusätzlich ein Bild Ihrer Mit-­ esser: Das kann die Familie, die WG, Lebens­partner oder einfach eine Foto von Ihnen selbst sein. Wenn wir Ihren Kassenzettel auswählen, ­gewinnen Sie eine Geschenkkarte im Wert von 50 Franken. Senden Sie Ihren Kassenzettel und ein Bild von den Mitgliedern Ihres Haushalts an kassenband@migrosmagazin.ch.

DAS KOCHT MIGUSTO MIT DEN ZUTATEN VOM KASSENBAND

Birnenkuchen Für Springform mit 24 cm Ø 80 g Amaretti Italiani 150 g Butter, weich 100 g Zucker 1 Prise Salz 4 Eier 220 g Mehl 2 TL Backpulver 4 kleine Birnen (etwa 600 g), z. B. Williams ½ Zitrone 3 EL Birnen- oder ­ Quittengelee Butter für die Form Zubereitung 1. Backofen auf 180 °C vor­

heizen. Amaretti zerbröseln. Springformboden mit Back­ papier auslegen, Rand mit Butter bestreichen und mit wenig Amarettibrösel be­ streuen. Butter, Zucker und Salz mit dem Handrührgerät schaumig schlagen. Eier

nacheinander darunter­ rühren, ca. 3 Minuten weiter­ rühren. Restliche Amaretti mit Mehl und Backpulver ­mischen, unter den Teig ­heben. Den Teig in die vor­ bereitete Form füllen und glattstreichen. Den Kuchen in der unteren Ofenhälfte rund 10 Minuten backen. 2. Inzwischen die Birnen ­halbieren, das Kerngehäuse entfernen. Birnenhälften dritteln. Zitrone auspressen und Birnenschnitze mit dem Saft beträufeln. Kuchen aus dem Ofen nehmen. Birnen­ schnitze stehend mit dem breiteren Teil nach unten in den Teig stecken. Den Kuchen ca. 60 Minuten fertigbacken. Herausnehmen. Etwas ab­ kühlen lassen. Dann aus der Form nehmen und noch

warm mit Gelee bestreichen. Den Kuchen auf einem Gitter auskühlen lassen. Zubereitungszeit Rund 30 Minuten, dazu etwa 70 Minuten Backzeit

Pro Stück ca. 6 g Eiweiss, 16 g Fett, 43 g Kohlenhydrate, 1450 kJ / 350 kcal

Bilder: Claudia Linsi, zVg

Bettina Reichmuth überlegt sich ­jeden Sonntagabend, was sie der Familie in der kommenden Woche auftischen will, und er­ stellt einen Menüplan. «Mit vier Kindern kann ich nicht täglich einkaufen, dafür fehlt mir ein­ fach die Zeit», sagt sie. Zum Glück seien weder ihre Kinder noch der Mann heikel und niemand leide unter einer ­Unverträglichkeit. So mache ­Kochen Freude. «Nach diesem Einkauf habe ich eine Pizza Margherita gebacken. Das lieben bei uns einfach alle.»


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54 | 22.7.2019 | GENUSS

Zum Dahinschmelzen

Mit frischen Früchten und Gemüse wird auch Raclette zum Sommergrill-Gericht. Am Feuer plaudert man über geeignete Käsesorten und vieles mehr … Rezept: Katrin Klaus

Auch Brie, Rahmkäse oder Gorgonzola lassen sich gut im Pfännchen über dem Grill schmelzen. Dazu ­passen Nüsse, Trauben oder Apfelschnitze. Anstelle von Kartoffeln kann man auch geröstetes Brot mit Honig dazu reichen.

Setzen Sie auf saisonale Kreativität: Zum SommerRaclette passen auch ­Zwetschgen, Trauben, Äpfel, Birnen, Pimientos oder Snackpeperoni sehr gut – sie können in unserem Rezept die Aprikosen ersetzen.

Ob Vegetarier, Pescetarier, Flexitarier oder Fleischliebhaber – Grillitarier finden Tipps, Rezepte und Grilltimer auf grillitarier.ch


GENUSS | 22.7.2019 | 55

KÄSE-GEMÜSESPIESSCHEN auf migusto.ch/ grillkaesespiess

Viele Grillmeister, viel Spass: Wenn alle ihre ­Portion Raclette über den Grill halten, wird mit dem schmelzenden Käse die Stimmung bei Jung und Alt noch besser – mal romantisch, mal lustig.

Sommer-Raclette vom Grill

Grill-Raclette-Pfännchen mit abnehmund ausziehbarem Tele­skopgriff sind im Do it + Garden Migros erhältlich. Achtung: Wenn man die Pfännchen direkt auf den Grill stellt, sollte man den Käse stets im Auge behalten – nicht dass er anbrennt.

Zutaten für 4 Personen 1 kg Frühkartoffeln 500 g Aprikosen 6 Schalotten 200 g Bratspeck 800 g Raclettekäse Raclette-Gewürz ¼ Bund Thymian Zubereitung

1. Kartoffeln kochen: Kartoffeln im Wasser ca. 10 Minuten weich kochen.

Bild und Styling: Veronika Studer, Rezept: Katrin Klaus

2. Spiesse vorbereiten: Aprikosen und Schalotten in Schnitze schneiden. Speck ­aufrollen. Alles abwechselnd an den Spiess stecken. 3. Raclette zubereiten: Den Grill auf ca. 180 °C vorheizen. Spiesse rundum etwa 5 Minuten grillieren. Käsescheiben in Grill-Raclette-Pfännchen geben. Pfännchen auf den Rost stellen. Käse schmelzen. Würzen und mit Thymian bestreuen. Mit Kartoffeln und Aprikosenspiessen servieren. Zubereitung ca. 15 Minuten  Einsteiger + ca. 20 Minuten grillieren Preis: mittel

Pro Person ca. 64 g Eiweiss, 70 g Fett, 60 g Kohlenhydrate, 4750 kJ / 1150 kcal


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GENUSS | 22.7.2019 | 57

Wissensbissen

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Ein süsses Gipfeltreffen Mit einem Biss in den «Buttergipfel ­Branche» testet man gleich zwei Spezia­litäten aus der Eigenfabrikation der M ­ igros: Das Buttergipfeli stammt von der Jowa, das Branchli mit Haselnüssen von Chocolat Frey – beides «made in Switzerland».

Illustration: Felice Bruno; Bilder: iStock, zVg

wurde in Wien laut Über­ lieferung das erste ­Gipfeli ­gebacken. Erst rund 100 Jahre später setzten sich vergleich­ bare «Croissants» in Frank­ reich durch.

Zu den bekanntesten fermentierten ­Lebensmitteln gehört der koreanische ­Kimchi, ein mit ­Milch­säurebakterien fermentierter Kohl. Welche Alternativen es gibt und wie das Ganze funktioniert, beschreiben die Starköche René Redzepi und David Zilber vom Restaurant Noma in ihrem Buch «Das Noma-­Handbuch Fermentation» (bei ­ Exlibris.ch, Fr. 43.90).

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Pfannenhilfe

Kann man Blätter­ teig einfrieren? Ja, in der Regel für eine Dauer von bis zu sechs Monaten. Vor der Verwendung lassen Sie den Teig über Nacht im Kühlschrank auftauen. Erst danach entfernen Sie die Verpackung und verarbeiten den Teig nach Belieben. Wozu dienen ­Teigreste? Die Teigreste kann man mit Wasser ­bestreichen, Salz ­darüberstreuen und backen. Verwendet werden sie als k­ nuspriges Salat-­Topping.

Mit Rettich in die zweite Runde Die ersten Gemüsebeete sind abgeerntet, nun hat es Platz für die neue Aussaat. Bis Ende August kann man im Freiland nochmals Rettich säen, Winterrettich sogar bis in den September. Letzterer liefert noch im November ­frische Vitamine. Tipp: Wer zu dicht angesät hat, geniesst pikierte Keimlinge im Salat oder auf einem Butterbrot.

Melanie Michael Food-Redaktorin


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22.7.2019 | 59

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Sport und Spass im Gebirge Im Wallis finden in diesem Sommer wieder mehrere Volksläufe statt. Dabei stechen zwei Events heraus: der stets auch für Profis attraktive Thyon-Dixence-Lauf und der sogenannte Meuh Day, bei dem der Spass im Vordergrund steht. Text: Fabien Lafarge

Die mächtige Staumauer des Grande Dixence (im Hintergrund) ist ­das Ziel des Thyon-­Dixence-Laufs. Beim «Meuh Day» müssen die Teilnehmenden so manchen Hindernis-­ Parcours meistern.

Bilder: zVg

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ereits zum 38. Mal findet am Sonntag, 4. August, der Thyon-DixenceLauf statt. Die Strecke verläuft unter ­majestätischen ­Gipfeln wie dem Dent Blanche und dem Matterhorn über Bergstrassen und -wege hinauf zum Stausee Grande Dixence. Gleich nach dem Start nehmen die Läufer das Val des Dix in Angriff, dann geht es bergauf. Die Gesamtlänge beträgt 16,3 Kilometer, wobei 700 Höhenmeter bewältigt werden müssen. Im vergangenen Jahr nahmen mehr als 1500 Läufer teil. Wird 2019 jemand den Rekord des Kolum­bianers Jairo Correa aus dem Jahr 1990 knacken? Dieser liegt bei einer Stunde, acht Minuten und 28 Sekunden. Infos: thyon-dixence.ch

Einen Monat später, am 7. September, steht in Orsières der «Meuh Day» auf dem Programm. Hinter dem englischen Namen ­verbirgt sich ein Wortspiel: «Meuh» erinnert an Kühe und gleichzeitig an das englische Wort «mud» für Schlamm. Damit ist alles ­über den besonderen Charakter dieses vergnüglichen Wettbewerbs gesagt. Denn hier wartet ein Parcours mit sehr speziellen Hindernissen auf die Teilnehmer. Kostümiert durch Schlamm und Wasser

Statt über Stock und Stein geht es durch Schlamm und Wasser – und zwischendurch auch mal über Strohballen und Weidezäune. Wer mit­machen möchte, verkleidet sich auf möglichst ausgefallene Art und stürzt

sich ohne A ­ nspruch auf sportliche Topleistung ins k ­ unterbunte Treiben. Man absolviert allein oder als Team eine rund sieben Kilometer lange Strecke mit Hindernissen, die so poetische Namen tragen wie Meuhjump (Baumstämme über­springen), Meuhfibrillator (elektrische Zäune, unter ­denen man durchkriecht) oder Meuhcramo (ein richtig schönes Schlammbad). Für die ­Zuschauer gibt es entlang der ­Strecke und im Dorf diverse Animationen, Bars und Restaurants sowie einen Kinderhütedienst. Unter anderem kann man das Spektakel live auf einem ­grossen Bildschirm mitverfolgen. MM Infos: themeuhday.ch Der Anlass wird von der Migros Wallis unterstützt


60 | 22.7.2019 | MIGROS WALLIS

Mineralien aus uralten Felsen Gesundheitsexperten empfehlen, im Hochsommer stets genug Wasser zu trinken. Eine gute Gelegenheit, einen Blick hinter die Kulissen von Aproz zu werfen. Text: Anne Catherine Berrut

Was bedeutet «Mineralwasser»?

Um die Bezeichnung «Mineralwasser» tragen zu können, muss das Wasser von einer einzigen Quelle stammen, eine unterirdische Reise durch Felsschichten weitab von jeglicher Verschmutzung hingelegt haben und ­direkt an der Quelle ohne chemische Behandlung abgefüllt werden. Zudem muss die Zusammensetzung von Mineralsalzen und Spurenelementen stabil sein – dies unterscheidet das Mineral­

wasser von Quellwasser. Wasser von Aproz lässt sich also mit einem Genussmittel wie Wein, Kaffee oder ­Olivenöl vergleichen. Und jedes Mineralwasser entspricht spezifischen ­Gesundheitsempfehlungen. Jede Quelle dient exklusiv der Gewinnung einer Mineralwassermarke von Aproz. Denn die Aproz Sources Minérales verfügen über meh­rere ­Mineralquellen mit unterschied­licher Mineralisierung. Das Mineralwasser Aproz zeichnet sich zum Beispiel durch einen besonders hohen Kal­ zium- und Magnesiumanteil aus, mit dem insbesondere an sehr heissen Tagen der Bedarf an Mineralstoffen ­gestillt werden kann. Mit 1650 Milli­ gramm Mineralsalzen pro Liter ist Aproz auch bestens geeignet für Sportler und Personen, die an Osteoporose leiden. Mit 485 Milligramm pro Liter hat das Mineralwasser Valais weniger Mineralstoffe und eignet sich damit eher für Babys und Personen mit einer Vorliebe für «leichteres» Wasser. ­Zusätzlich zum Mineralwasser mit oder ohne Kohlensäure produziert Aproz auch aromatisiertes Wasser, Schorle, Limonade und Sirup, darunter etwa der beliebte Sirup aus Walliser Aprikosen. Aproz stellt zudem SoftDrink-Marken wie 7UP, Pepsi und Orangina unter Lizenz her.

Blick auf den Hauptsitz der Aproz ­Sources ­Minérales in Aproz VS

Die Getränke von Aproz unterstehen sehr strengen Kontrollen. Jedes Jahr werden über 50 000 Qualitätstests durchgeführt, die alle Produk­tions­ etappen betreffen und ergonomische, chemische, mikrobiologische und geschmackliche Prüfungen be­inhalten. Bei Aproz werden auch regelmässig neue Rezepturen getestet. Eine Pionierin im PET-Rezyklieren

In Übereinstimmung mit den Nachhaltigkeits-Versprechen der Migros engagiert sich Aproz gleichermassen auf mehreren Ebenen für die Umwelt: Die Flaschen werden vor Ort abgefüllt, wodurch Transporte vermieden

Bilder: Aproz, DR

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ie 1947 gegründete Aproz Sources Minérales SA ist schweizweit Marktführerin in der Herstellung von ­Mineralwasser und Sirup und gehört seit über 50 Jahren zur Migros-­ Gruppe. Das Aproz-Wasser sammelt sich im Herzen der Walliser Alpen aus ­Regen und Gletscherschmelze und gewinnt auf seiner langen Reise durch die uralten Felsen des Trias seinen ­besonderen Wert – eine Reise, die mehr als zehn Jahre dauern kann. Durch die verschiedenen Gesteinsschichten wird das Wasser gefiltert, ­gereinigt und mit Mineralsalzen und Spurenelementen angereichert, was ­jeder Marke der Aproz Sources Minérales ihre besondere Identität und ihren einmaligen Geschmack ­verleiht.


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und überdies neue, leistungsstärkere Konzepte in der Produktion schneller umgesetzt werden können. Alle PET-­ Flaschen von Aproz sind zu 100 Prozent rezyklierbar und enthalten im Schnitt fast 50 Prozent rezykliertes PET. Und: Neu werden auch Sirup­ flaschen bei unveränderter Qualität zu 100 Prozent aus r­ ezykliertem PET hergestellt – eine Premiere in der Schweiz (siehe Artikel auf Seite 26). Um den ökologischen Fussabdruck weiter zu verringern, wird das Gewicht der Verpackung ständig optimiert, und die Firma liefert 90 Prozent aller ­Getränke per Güterwagen zu den Migros-Verteil­zentren. MM

Im Sommer sollte man viel Wasser trinken. Am besten schafft man sich einen Vor­ rat an. Diese Woche kann man von einer Aktion der ­Migros Wallis profitie­ren: Es gibt 30 Prozent Rabatt auf nicht aromatisiertes ­Mineralwasser der Marken Aproz, Aquella und Valais in 6 × 1,5-Liter-PET-Flaschen.

Hätten Sie es gewusst? Pro Stunde können rund 100 000 Flaschen abgefüllt werden. Die Gesamtpro­ duktion von Aproz beträgt 175 Millio­nen Liter pro Jahr. Aproz Sources Minérales SA zählt 150 Mitarbeitende an ihrem Standort in Aproz.


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64 | 22.7.2019 | ARBEITSBEKLEIDUNG

Bei den Kleidermachern der Migros Die Arbeitskleidung des Migros-Personals fällt auf. Genäht werden die bunten Hemden und T-Shirts in einem Familienunternehmen in Nordmazedonien. Auf Betriebsbesichtigung in Ohrid. Text: Benita Vogel  Bilder: Roger Hofstetter

A

us einem Lautsprecher an der Decke erklingt ­mazedonische Popmusik. Um einen grossen rechteckigen Tisch stehen zwei Frauen und hantieren mit granatapfelrotem Stoff. Sie ziehen ein Tuch von der ­Rolle und ­legen Lage auf Lage. Kleine Nadeln, die aus dem Tisch ragen, ­fixieren die einzelnen Schichten. «Es darf nichts verrutschen; die feinen orangen Streifen im Stoff müssen ­exakt ­aufeinanderliegen, damit das Linienmuster auf den T-Shirts stimmt», s­ agt Zoran Aleksovski. Er ist der Gründer des Textilbetriebs Viemi im nordmaze­donischen Ohrid. Gemeinsam mit ­seiner Frau Zorka, seinen Kindern und 210 An­ gestellten produziert er hier Arbeitsbekleidung, auch für die Migros. ­ Die Hemden und T-Shirts, die das Personal in den Supermärkten, bei ­Do it + Garden oder Migrolino trägt – sie alle ­werden bei Viemi zugeschnitten und genäht. «Wir h ­ aben schon über eine Million Teile für die Migros ­produziert und 350 Kilometer Stoff verarbeitet», s­ agt der Firmenchef. Unternehmen im Wachstum

Familie Aleksovski hat Viemi um ­ die Jahrtausendwende gegründet ­ und bald darauf begonnen, Berufs­ bekleidung im Auftrag der Schweizer ­ Firma Workfashion herzustellen.

Workfashion beschafft den Stoff, lässt die ­Kleidung bei Viemi zuschneiden und nähen und beliefert anschlies­send ­­die Kunden. Die ­Partnerschaft hat sich bewährt. ­Umsatzzahlen will man zwar nicht nennen, aber die ­Anzahl der Beschäftigten spricht für sich: Sie hat sich seit der Gründung verzehnfacht. Frauen bilden die Mehrheit; sie nähen, bügeln und ­bedienen Schnittmaschinen. Eine von ihnen ist Biljana Jankulovska (53). Sie arbeitet seit acht ­Jahren bei Viemi und näht Hemdenteile an einer von 40 Sta­tionen der neuen Automatisierungsanlage. Über eine u-förmige Schiene an der Decke werden die Stoffstücke an ­Kleiderbügeln von Station zu S ­ tation transportiert. Hängenäherei nennt man das System im Fach­jargon. Neben Biljanas Station führt ein Schienenarm die Bügel von der Decke ­hinunter. Ohne den Stoff vom Bügel zu nehmen, näht sie die Hemdenleiste an das Vorderteil, schneidet den F ­ aden ab, drückt auf e­ inen Knopf, ­ und schon fährt der B ­ ügel den Lift hoch, zurück zur U-Schiene und zur nächsten Station. «Mit diesem System sind wir flexibel und können in unserem eigenen ­Tempo arbeiten», sagt sie. ­Per Knopfdruck kann sie die ­Stoff­zufuhr unterbrechen oder technische Probleme melden.

Schritt für Schritt zum T-Shirt: In der Hängenäherei sind 40 Frauen am Werk. Akzente in Orange: Kontraststreifen und Faden für die Migros-Bekleidung (u.)

Biljana Jankulovska und ihre Kolleginnen arbeiten von 7 bis 15 Uhr, um 10 Uhr ist Pause. In der Kantine der Näherei wird ein Brunch offeriert – auf Firmenkosten. Die Kaffeepause um 13 Uhr findet im Schatten der Bäume vor ­den Produktionsräumen statt. Die Nettoarbeitszeit beträgt 7,25 Stunden, bezahlt sind 8 Stunden. «Die Näherinnen sind fest angestellt und erhalten einen Monatslohn», sagt Firmenchef Zoran Aleksovski. Die ­meisten haben keine Ausbildung im Nähen; je nach Fähigkeiten verdienen


22.7.2019 | 65

Engagement für Fairness Viemi bearbeitet zu 90 Prozent Aufträge der Schweizer ­Firma ­Workfashion. Der Nähbetrieb und der Berufsbekleidungs­ spezialist mit Sitz in ­Hagendorn ZG arbeiten seit elf Jahren zusammen. Weil er nich mehr in China produzieren wollte, suchte er einen verläss­ lichen Produktionspartner, «um gute Qualität und ­faire Arbeitsbedingungen ­sicherstellen zu können», wie Workfashion-Chef ­­Alfred J. Beerli erklärt. Heute könne er «mit ­gutem ­Gewissen ­sagen, dass Viemi ein Vorzeige­ betrieb in der Textilindustrie ist». D ­ ie Fabrik werde regelmässig ­auditiert und ­zertifiziert.

Erfolgreiche Betriebsführung als Familienprojekt: Emilia, Zorka, ­Viktor und Zoran Aleksovski (v.  l.) mit Migros-­Hemden in ­Anthrazit und Granatapfelrot

sie zwischen 300 und 400 Euro im Monat. Das liegt über dem staatlich fest­gesetzten Mindestlohn für die Textilindustrie, der 215 Euro beträgt. Zum Vergleich: Eine Mahlzeit in ­einem preiswerten Restaurant in Ohrid ­kostet um die drei Euro, eine Vierzimmerwohnung ausserhalb des Stadtzentrums um die 125 Euro. «Wir wollen ein fairer Arbeitgeber sein», sagt Aleksovski. Nicht nur, ­weil die Partnerfirma Work­fashion darauf achte, sondern auch, w ­ eil ­es für die ­Rekrutierung wichtig sei, zumal in der

­ ouristenstadt Ohrid auch Hotels und T Restaurants um Angestellte buhlen. Jüngst hat Viemi eine Personal­ kommission aus unabhängigen Ver­ treterinnen gebildet, die sich alle vier Wochen trifft, um die Anliegen ­der ­Angestellten zu diskutieren und der Geschäftsleitung mitzuteilen. Die Firma will demnächst auch eine eigene ­Kin­der­tagesstätte einrichten, um jungen Müttern nach dem Mut­ terschafts­urlaub die Rückkehr in den Job zu e­ rleichtern. Die Kita soll bis zu 40 Kindern Platz bieten.

«Wir haben schon über eine Million Teile für die Migros produziert.» Zoran Aleksovski Viemi-Gründer

Workfashion arbeitet mit Fair Wear Foun­ dation (FWF) und Amfori BSCI zusammen. Beide Organisationen möchten die Arbeits­ bedingungen in der ­Textilindustrie über ­Sozialstandards nach­ haltig verbessern. Deren Einhaltung in den Zu­lieferbetrieben prüfen unabhängige ­Auditoren vor Ort.

Auch die Migros ­engagiert sich gemeinsam mit Amfori BSCI seit vielen Jahren dafür, dass die Textil­lieferanten ­korrekte Arbeitsbedingungen e ­ inhalten und ­ nur minimal Chemikalien ein­setzen. Sie konnte bereits ­einen grossen ­ Teil ihres Sortiments entsprechend anpassen.


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ARBEITSBEKLEIDUNG | 22.7.2019 | 67

Migros-Stoff am Laufmeter: ViemiAngestellte stecken das granatrote Tuch ab (l.). Das Resultat im Bild: Näherin Biljana ­Jankulovska zeigt ein Foto von ihrem Besuch in Bern (r.).

Bei solchen Projekten entscheiden nach und nach auch Aleksovskis Kinder mit. Emilia (27) ist Textilwissenschaftlerin, Viktor (30) Betriebswirtschafter; beide sind bereits für die Näh­planung und die Produktion zuständig. «Wir haben einen ­grossen Teil unserer Kindheit im Betrieb ­verbracht und kennen viele Mitarbeiterinnen schon seit vielen Jahren», so Viktor. Die Geschwister setzen auf Modernisierung und neue Technologien. Die jüngste

­ nschaffung steht noch verpackt im Vorraum A der Produktion: eine Fliesspresse zur Verstärkung von Hemdkragen und -manschetten. Seit Kurzem ist auch eine Bügelmaschine im Einsatz, die im Höchsttempo Säume ­vorfaltet. Die wichtigste Investition ist indes ­ die Hängenäherei – mit dem Kleiderbügel­ transport an der Decke. «Damit konnten ­ wir die Produktivität und Qualität markant steigern», sagt Juniorchefin Emilia. Das System melde Fehler in Echtzeit, und die ­

40 Näh­stationen seien flexibel einsetzbar. ­ So arbeitet Näherin Biljana Jankulovska ­jeweils an unterschiedlichen Nähstationen. «Wo genau, ist unwichtig, am liebsten ver­ arbeite ich den roten Migros-Stoff.» Um die fertigen T-Shirts im «Einsatz» zu sehen, hat sie während eines Verwandten­ besuchs extra einen Abstecher in eine ­Migros-Filiale in Bern gemacht und Fotos ­geschossen. Ihr Fazit: «Die T-Shirts sehen sehr gut aus.» MM

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STADT, LAND, STUTZ | 22.7.2019 | 71

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Eine ganz neue Ära

Lisa Stutz (25) sucht die Balance zwi­schen urban und ländlich. Und pickt von ­beidem das Beste heraus.

Ich bin ein wenig hässig. Jetzt haben auch die Zürcher Ferien. Das heisst, ich sehe auf dem Weg zur Arbeit viele strahlende Teenager, die auf Gummibooten die Limmat hinabböötlen. Teenager sollen nicht strahlen. Sie sollen den Sinn des Lebens anzweifeln, die falschen Leute küssen und Tequila kotzen. Aber ich will mal nicht so sein. Sie haben die langen Ferien verdient. Vor allem diejenigen, die eine Abschlussfeier hinter sich haben.

halbgar ausfällt. Danach müssen sich die ­Gefeierten entscheiden, ob sie nun mit Mami, Papi und Grosi dinieren sollen oder mit ­Kumpels saufen. Ich wählte bei meiner Bez-­ Abschlussfeier etwas dazwischen: ein Essen mit einer Gruppe Freundinnen in Aarau. Es war ein schöner Abend, der abenteuerlich endete: Wir stiegen, Landeier, die wir waren, am Bahnhof Aarau in den falschen Zug. Und fuhren geradewegs zum Hauptbahnhof Zürich.

Abschlussfeiern sind ja immer ganz kuriose Feiern. Die Absolventen takeln sich auf, um dann zum ersten Mal in all den Jahren dem Rektor zu applaudieren. Noch nie in ihrem Leben haben sie so oft hintereinander den Begriff «neue Ära» gehört. Die Lehrpersonen überreichen ihnen mit erschöpftem Lächeln eine Rose und das Zeugnis, und irgendwie sind alle erleichtert, wenn es endlich zum Apéro geht. Wobei auch der meistens eher

Wir standen in der grossen Halle und stellten hysterisch fest, dass kein Zug mehr zurück ins Heimatdorf fuhr. Nun doch ganz froh, dass es Mamis und Papis gibt, riefen wir zu Hause an. Drei Väter quälten sich aus dem Bett, um uns abzuholen. Da warteten wir also, halb erwachsen und noch mehr Kind, schauten uns im HB um und dachten: Krass, fast hätten wir die Nacht durchmachen müssen. Mit Küssen und Tequila und ohne Sinn. MM

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FUSSPILZ | 22.7.2019 | 73

Gut zu wissen

Auch die Füsse brauchen Luft Offenes Schuhwerk ist eine Wohltat – ganz besonders, wenn man Nagelpilz vorbeugen möchte. Was hilft ausserdem? Massnahmen und Mittel gegen den lästigen Sporenbefall. Text: Florian Diaz Pesantes

Zumindest aus medizinischer Sicht sind Flip-Flops rehabilitiert: Im luftigen Milieu hat es Nagelpilz schwer, sich auszubreiten.

M

an mag sich in modischer Hinsicht über Flip-Flops oder Adi­ letten streiten. Aus ­gesundheitlicher Perspektive ­haben sie einen Vorteil: Wer in der warmen Jahreszeit häufig offene Schuhe trägt, hat trockene Füsse – und damit seltener Nagelpilz. Denn sämtliche Arten von Nagelpilz ­mögen es feucht. Darum befallen sie vor allem Füsse, die ständig in geschlossenen Schuhen stecken und schwitzen.

Bilder: iStock, zVg

Dr. med. Florian Diaz Pesantes Facharzt für Derma­tologie, Medbase Winter­ thur Neuwiesen In Zusammenarbeit mit

Sportler sind häufiger betroffen Etwa ein bis zwei von 100 jungen Erwachsenen haben Nagelpilz. ­Diejenigen, die oft Turnschuhe ­tragen, sind häufiger betroffen. ­ Bei älteren Erwachsenen sind es ­ungefähr sechs von 100. Zu den Gründen zählt, dass Senioren öfter an Durchblutungsstörungen und Diabetes leiden – beide Erkrankungen schwächen das lokale Immunabwehrsystem, wodurch Hautpilz ein leichtes Spiel hat. Breitet sich ein Pilz im Nagel aus, wird dieser zuerst am vorderen Ende bröselig und verfärbt sich

gelblich oder weiss. Die Veränderungen dehnen sich allmählich zur Nagelwurzel hin aus. Am häufigsten sind die Nägel der Grosszehen betroffen, selten die Fingernägel – dann aber vor allem bei Menschen, die mit ihren Händen berufsbedingt oft in feuchtem Milieu arbeiten, etwa bei Tellerwäschern oder Gärtnern. Auch unter künstlichen Nägeln können Nagelpilze gut gedeihen. Was tun gegen die lästige Infektion? Helfen können Anti-Nagelpilz-­ Lacke, die im Verkauf frei erhältlich sind. Führt die Anwendung innerhalb von zwei Monaten nicht zu ­einer merklichen Verbesserung, sollte man jedoch den Arzt konsultieren. Möglicherweise stellt er fest, dass es sich gar nicht um eine Nagel­ pilzinfektion handelt. Oder e­ s braucht stärkere «Geschütze», um dem Problem Herr zu werden. Dazu zählen beispielsweise Tabletten mit dem Wirkstoff Terbinafin. Er wird durch die Einnahme in den wachsenden Nagel eingebaut und «wächst» mit ihm nach vorn. Da Nägel nur langsam wachsen, dauert die Behandlung Wochen bis Monate. Geduld bringt Heilung.  MM

Nagelpilzsporen sind überall, wo Menschen verkehren – der Kontakt ist also kaum vermeidbar. Deshalb sollte man darauf achten, d ­ ass die Sporen nicht in die Nägel eindringen. Nach dem Duschen die Füsse abtrocknen, eventuell föhnen, auch die Zehenzwischen­ räume. Mit einer harnstoffhaltigen Pflegecreme behandeln. Vor Beginn jeder Behandlung die Nägel kürzen. Bei Schweissfüssen Talkumpuder in die Socken streuen und täglich Schuhe wechseln, vor allem bei Sicherheits­ schuhen und Gummistiefeln. Schuppenflechte, Nagelwuchsstörungen oder ­verheilte schwere Nagelverletzungen können wie Nagelpilz aussehen. Deshalb: Im Zweifelsfall zum Arzt gehen. Nagelpilz tritt oft zusammen mit Fusspilz auf. ­Fuss­pilz behandeln, bevor er die Nägel befällt, etwa mit Clotrimazol-Creme. Auch Bakterien können Nägel infizieren. Dann ist eine antibiotische Behandlung nötig. Nach einer Nagelpilzinfektion kann man sich jederzeit wieder damit anstecken. Die chirurgische Entfernung pilzbefallener Nägel bringt keine Heilung.

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1. Was kann man jemandem in den Bauch fragen? W Gruben

H Löcher

T

Krater

I

Seine

2. Welches Pronomen ist auch ein französischer Fluss? A Deine

E

Ihre

3. Jemand, der sich an die jeweilige Situation oder Lage anpasst, gilt als … N Opportunist

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Kolonist

Organist

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4. Wie nennt man Diäten, bei denen der Anteil der Kohlenhydrate reduziert wird? A Minus-Carb

T

Teilnahmebedingungen: auf der ersten Rätselseite

R Low-Carb

Down-Carb

5. Welcher dieser Schweizer Sportverbände zählt am meisten Mitglieder? S

E

Swiss Cycling

U Swiss Volley

Swiss Tennis

6. Wie heisst einer der Kontinente, auf dem „Games of Thrones“ spielt? D Tosseris

T

I

Wisteris

Essos

7. Welches Tier kommt bei der englischen Übersetzung von Meerrettich vor?

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N Ziege

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Pferd

8. Die mit blossem Auge erkennbaren Planeten in der Abenddämmerung heissen … E

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Abendletzt

G Neulichter

Nachtsterne

Lösungswort : 1

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4

5

6

7

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Füllen Sie die zehn Wörter in das Rätselgitter ein. Die Lösung ergibt sich aus den Buchstaben in den Feldern 1-5.

Paroli

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3 1 2 5

Lösung: 1

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So nehmen Sie teil: Tel.: 0901 560 043 (Fr. 1.–/Anruf) SMS: Senden Sie MMD3, gefolgt Avom Lösungswort, Ihrem Namen und Ihrer Adresse an die 920 (Fr. 1.–/SMS), Bsp.: MMD3 OSTEN. Hans Muster, 3 Musterweg 22, 8000 Musterdorf Postkarte (A-Post): Migros-Magazin, 1 Paroli, Postfach, 8074 Zürich Internet: migrosmagazin.ch/ wettbewerbe 2 Teilnahmeschluss: Sonntag, 28.7.2019,524 Uhr Teilnahmebedingungen: auf der ersten Rätselseite

Lösung:

5

Lösungswort : 1

2 × 100 Franken zu gewinnen

E I NREDEN NEAPELER OFENTUER PART I EL L PLAETTL I REETDACH SCHAEF TE SP I ELEND U MW E R T E N UNFAEH I G

5

Auflösung Nr. 29: PISTE

1

2

3

4

5

Gewinner Nr. 28: Elvira Zbinden, Winterthur ZH; Alfred Zbinden, Kirchenthurnen BE

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78 | 22.7.2019 | MEINE WELT

«Ich fand das Buch so schön wild» Die Schweizer Regisseurin Viviane Andereggen hat schon m ­ ehrere Filmpreise gewonnen. Am 25. Juli kommt ihre ­Verfilmung des Buchs «Die drei !!!» in die Kinos. Darin gehen drei Mädchen erfolgreich auf Verbrecherjagd. Text: Ruth Ciesinger Bilder: Jens Koch

1

Meine Stadt «Ich liebe Budapest. Diese Aufnahme habe ich in ­Donaunähe gemacht. Es war ein wahnsinnig heisser Tag, und ich dachte, dass sich der Asphalt gleich von den Strassen lösen wird.»

Mein liebstes ­Migros-Produkt

­«Die Blévitas sind herzhaft, aber nicht supersalzig. Ich kaufe sie immer, wenn ich nach Z ­ ürich komme.»

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MEINE WELT | 22.7.2019 | 79

1 Meine Bücher «Ich lese gerne und denke, dass es auch total wichtig für meinen Beruf ist. Zuletzt habe ich ­‹Winternähe› von Mirna Funk gelesen.» 2 Meine Truhe «Diese wunderbare Holztruhe zieht seit 15 Jahren mit mir von Stadt zu Stadt. Gefunden habe ich sie in Basel auf der Strasse. Ich habe sie ­sofort in meinen Bauwagen mitgenom­ men, in dem ich damals gelebt habe.» 3 Mein Menora-Kerzenständer «Als ich meinem Grossvater erzählte, dass ich nach Deutschland ziehe, musste er leer schlucken. Mitglieder meiner jüdischen

2

Name Viviane Andereggen (34) Wohnort Berlin Das läuft bei mir «Die vergangenen Wochen waren sehr arbeitsintensiv für mich. Ich habe neue Projekte ­vorbereitet und war daneben voll mit der Postproduktion von ‹Die drei !!!› beschäftigt. Mitte Juli hatten wir die Teampremiere, einmal in Köln und einmal in München, das war ­auf­regend und schön. Aber richtig ­spannend wird es jetzt, wenn der Film am 25. Juli in die Kinos kommt. Ich wollte ihn machen, weil ich das Buch so grossartig und schön wild fand. Und weil drei selbstbewusste Mädchen die Hauptrollen spielen, was auch noch heute nicht häufig ­vorkommt. Jetzt hoffen wir natürlich sehr, dass ihre Abenteuer bei den Kindern und Eltern in den Kino­ sesseln gut ankommen.»

Familie wurden in Ungarn von den Nazis ermordet. Heute müsste ich ihm sagen, dass es in gewissen Regionen wieder besser ist, sich nicht als Jude zu zeigen.» 4 Mein Platz «Ich mag den Walter-­ Benjamin-Platz. Er liegt in der Nähe ­meiner Wohnung. An schönen Tagen kann man unter der Kastanie ein Buch lesen oder einfach Leute beobachten.»

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Bild: Praesens-Film

5 Meine Pünktlichkeit «Ich glaube, als Schweizerin kann ich gar nicht anders: Ich bin sehr pünktlich. Ich habe auch schon versucht, mir das abzutrainieren. Aber es hat nicht richtig geklappt.»

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6 Meine Ruhe «Beim Drehen muss ich gut organisiert und vorbereitet sein und mich auf das Geschehen einlassen kön­ nen. Ruhe und Konzentration sind dafür sehr wichtig. Tee ist für mich ein Symbol für diese Gelassenheit.»  MM


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