Ausgabe Aare, AZA 3321 Schönbühl-Shoppyland. Psdg DP AG Ent. bez. A 44631 Illustration Igor Kravarik
www.migrosmagazin.ch vormals WIR BRÜCKENBAUER
Nr. 30, 25. Juli 2011
La vie en Rosé
Der Röstigraben spaltet die Schweiz in einen lebensfrohen Westen und einen bünzligen Osten. Stimmt das? Eine Sondernummer über Vorurteile. Adressänderungen am Postschalter melden oder dem regionalen Mitgliederdienst: Tel. 058 565 84 01 E-Mail: dienstleistungen@gmaare.migros.ch
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EDITORIAL Alain Kouo,
stellvertretender Chefredaktor, Migros Magazine
M-Infoline: Tel. 0848 84 0848* oder Fax 0041 44 277 20 09 (Ausland). m-infoline@migros.ch; www.migros.ch M-CUMULUS: Tel. 0848 85 0848* oder +41 44 444 88 44 (Ausland). m-cumulus@migros. ch; www.m-cumulus.ch Redaktion Migros-Magazin: Postfach 1751, 8031 Zürich, Tel. 044 447 37 37, Fax 044 447 36 01 redaktion@migrosmagazin.ch; www.migrosmagazin.ch; * Normaltarif
Deutschschweizer, ich liebe euch WER MICH KENNT, WIRD BEIM LESEN DIESES TITELS SCHMUNZELN MÜSSEN – halte ich euch Deutschschweizern doch fast jeden Tag eure saubere und ordentliche, organisierte, kalte Seite vor. In diesem August beginnt mein siebtes Jahr auf dieser Seite des Röstigrabens, weit weg von meinem Geburtskanton Waadt. Wenn ich bei euch bleibe, bei euch «Suisses-totos», dann nicht nur, weil ich in Zürich für die frankofone Redaktion des Migros-Magazins arbeite. Ich muss euch wohl doch auch ein wenig mögen. Ein wenig sehr sogar. Es ist Zeit, euch eine Liebeserklärung zu machen. MAN WEISS, WOHER MAN KOMMT, wenn man mit einer anderen Kultur konfrontiert wird. Ich gebe zu, ich hätte nicht gedacht, dass mir das in meinem eigenen Land passieren würde, wenn ich meine Koffer hier abstellen würde. In der Deutschschweiz fühle ich mich mehr denn je als Westschweizer, weil viele eurer Sitten und Gebräuche für mich exotisch bleiben und mich auf meine eigenen Traditionen zurückwerfen. Und das liebe ich hier. Sich ständig im eigenen Land in der Fremde fühlen.
Fotos Nicolas Righetti/Rezo, Simone Torelli, François Wavre/Rezo, Christophe Chammartin/Rezo
ALLES BEGINNT MIT DER SPRACHE. Erste Lektion: Wer sich hier zurechtfinden will — sei er Brite, Portugiese oder Westschweizer —, sollte schnell die örtliche Mundart beherrschen, weil es die meisten Schweizer nicht mögen, Hochdeutsch zu sprechen … Ich meinerseits weiss nicht, warum ich Dialekt lernen sollte, wo man mir in der Schule doch Hochdeutsch beigebracht hat, eine Sprache, die von 80 Millionen Deutschen gesprochen wird — das ist doch viel nützlicher, oder? Ich weiss also, dass ich immer der Welsche vom Dienst bleiben und dass ich niemals wirklich integriert sein werde, solange ich nicht Dialekt spreche, auch wenn ich ihn verstehe. Aber es stört mich nicht, am Rande zu stehen. AUCH BEIM ESSEN UND TRINKEN gibt es einige Merkwürdigkeiten. Ich stamme aus einem Kanton, in dem die Kultur des Weinbaus und des Weines quasi eine geheiligte Kunst ist. Gelandet bin ich in einem Teil der Schweiz, wo man Weisswein gemischt mit Citro oder kohlensäurehaltigem Wasser trinkt (den berühmten «Gschprützte»), wo man glaubt, die Meringues kämen aus Meiringen, während sie für die Westschweizer aus dem Gruyère stammen … Und solche Beispiele, die mich täglich bereichern oder nerven, habe ich noch eine ganze Menge. Liebe Deutschschweizer Freunde, ihr habt mir Toleranz beigebracht. Und auch dafür liebe ich euch. DIE ZEITUNG, DIE SIE IN DEN HÄNDEN HALTEN, ist das Ergebnis einer langen und intensiven Zusammenarbeit zwischen der Deutschschweizer und der frankofonen Redaktion des Migros-Magazins. Zwei Redaktionen, zwei Kulturen, zwei Arbeitsweisen, zwei Denkweisen haben einen gemeinsamen Weg gefunden, um diese Ausgabe entstehen zu lassen. Eine Arbeit, die uns gegenseitig bereichert, eine Arbeit, die mich in dem, wofür ich mich entschieden habe, bestätigt hat.
alain.kouo@mediasmigros.ch alain. n.ko n. kouo@m @med edia iasm
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La Romandie Inhalt
Journalist Christophe Büchi kennt sich aus beim Röstigraben. Er hat ein Buch darüber geschrieben.
Migros-Magazin 30, 25. Juli 2011 |
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Klischees über die Welschen ....................... 6 Die Romands trinken viel und arbeiten wenig. Denken die Deutschschweizer. Das Migros-Magazin hat diese Klischees überprüft.
Deutschschweizer in der Romandie ............. 15 Ein Fussballer, ein Winzer, eine Studentin, ein Tramfahrer und ein Journalist erzählen von ihrem Leben in der Westschweiz.
Liebe kennt keine Sprachgrenzen ................24 Wenn Amor das Navi falsch einstellt, entstehen prickelnde zweisprachige Beziehungen. Oh, là, là, nous sommes gespannt.
Der Röstigrabologe ..................................28 Christophe Büchi kennt die Differenzen zwischen der Deutschund der Westschweiz. Der NZZ-Journalist im Interview. Eine verrückte Liebesgeschichte: Susanne Guggenbühl und ihr Angelo aus der Romandie.
Minibar................................................. 32 Deutsch- und Westschweizer in einem Zug: Unterwegs mit einem Minibar-Steward von Zürich nach Genf.
Humor..................................................34 Die Welschen lachen über andere Dinge als die Deutschschweizer. Wenn Sie dieser Artikel amüsiert, wohnen sie im falschen Landesteil.
Überlebens-Guide ...................................36 Nützliche Tipps für den Alltag in der Romandie: So überlebt man als Deutschschweizer bei den Concitoyens im Welschen.
Französische Nachbarn .............................38 Wie vertragen sich die Romands mit den Franzosen?
Glücksgriff .............................................42 Die Starköchinnen Virginie Tinembart (links) und Vreni Giger küren die beste Rösti der Schweiz.
Sie wollen Französisch lernen? Dann nehmen Sie an unserem Gewinnspiel teil und gewinnen Sie einen Sprachkurs in Montreux.
Battle of the Rösti ...................................45 Wer macht die bessere Rösti? Die Welschen oder die Deutschschweizer? Das grosse helvetische Kochduell auf dem Rütli.
Migros-Themen ........................................1 Schiff ahoi! Die Franzosen kommen über den Genfersee in die Romandie zum Arbeiten.
Das Fest beginnt mit einem 1.-August-Brunch............................ 2 Süsse Versuchungen ............................................................. 4 Festweggen zum Nationalfeiertag ............................................ 5 Ferienzeit ist Sportzeit........................................................... 6 Fruit-Fun-Drinks, und der Sommer geht weiter .........................7 Cumulus ........................................................................... 8
So tic tac s d n a m o R s le
rteilen Was ist an all den Voru r? ah w rn ba ch Na n he hschweizer ihre welsc osser Unsinn oder sagt bl t is as w n, ge Wie nehmen die Deutsc le pf d un eiz r den Romands hegen ion ist in die Westschw kt da Re r ze ei w ch dran, die wir gegenübe hs sc Deut über die Romands? Die s al s au s un er zeln. üb r eh m auf. Mit einem Schmun es he isc Kl hn ze it m t gereist und räum Texte Monique Rijks Collagen Simone Torelli
Die Romands sin d die grössten Bün zli.
«Des quoi? Des Bü nzli? C’est quoi?» Die Wests chweizer verstehen nicht ei nmal das Wort, denn in de r französischen Sprache gi bt es keine Bezeichnung für diesen Typus Mensch. Dazu pa sst die Aussage von Geor g Kreis, Geschichtsprofes sor und Direktor des Euro painstitutes der Universität Ba sel: «Wir verstehen uns so gut, weil wir uns nicht verstehe n.» Zwar gibts auch in der Romandie Schrebergärten, Ga rtenzwerge, präzis gemähte Ra senflächen und Gärten mit Fa hnenstangen. Letzteres alle rdings deutlich weniger als ennet dem Röstigraben . In der Deutschschweiz be sitzen 30 Prozent der Ha ushalte mehr als drei Fahn en. In der Romandie sind es nur 18 Prozent. Im Alltag sind die Welschen grunds ätzlich tolerant, schliess lich ist das französische Laiss er-faire fester Bestandteil der Mentalität. Das zeigt sic h unter anderem bei den eidgenössischen Volksabstim mungen. Les Romands stelle n sich dann quer, wenn ihre persönliche Freiheit tangiert ist, sonst sind sie offener als di e Deutschschweizer. Auch ge genüber anderen Mentalit äten. Die Abgrenzungsman ie überlassen sie der Deutschsch weiz.
La Romandie Klischees
itisch l o p d n u ucht r r e v d n i n, nds s e a k c m e o n R h e c i D er. sen S m s e m e o i S S . m t i due n o F unkorrek d n u nkel e h c s h c s Fro Les Romands essen eigenartige Dinge: Schnecken, Fondue im Sommer oder, politisch eher unkorrekt, Froschschenkel. Willi Prutsch, Sie sind seit 22 Jahren Wirt im «Café du Grütli» in Lausanne. Können Sie dieses Vorurteil bestätigen? Nicht wirklich. In den letzten Jahren werden immer weniger Froschschenkel gegessen. Viele Romands sind mit der Art und Weise, wie die Tiere behandelt werden, nicht mehr einverstanden. Im «Grütli» on haben wir Froschschenkel von en. omm gen e der Kart n cken Wie steht es mit Schnecke ? er? mer mm Som im due und Fon m erem Das gehört zu unssere en beide biet Wir Lebensgefühl. sie oft l wei Gerichte an, auch . den und gern bestellt wer Auch von Deutschschweizern? err selten. Es ist schon so, Ehe dass Welsche und Deutschschweizer ziemlich unterschiedliche Essgewohnheiten haben. Die Westschweizer kennen aber keinesfalls nur Lust ohne Tabus. Ich habe mal agout auf die Karte tierrrago melltier Murrme gesetzt, eine Spezialität nerr Schwagers. dne ünd meines Bün nd Sturm Meine Gäste sind en «Tierhab und ufen gela eres and und r!» schände chtt rich Geri das e hab gerufen. Ich rigest der ganz schnell wie chen.
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Die Romands können kein Deutsch . Sie verstehen nur Bahnhof.
Wir Neuchâtel, Place Pury: weizerfragen Passanten auf Sch g zum deutsch nach dem We u sagt, Fra ge jun e Bahnhof. Ein eisprasie würde zwar das zw hen, suc be chige Gymnasium r nu könne aber leider ifahrer «Hauchdeutsch». Der Tax icht we versteht kein Wort — er «a s, ber jeweils auf Englisch au der die meisten Gäste aus en ech spr iz we Deutschsch ie ch die Au .» sch ösi sowieso Franz s ere ält ein — n übrigen Befragte n be ge — en Paar ausgenomm ze von eher unverständliche Sät dern. än sich. Das soll sich nun hö ge rt Im Kanton Neuenburg tten Frühdeutsch ab der dri chen Klasse zum obligatoris ll man wi zt jet d Lehrplan, un n. Ab he rge ite einen Schritt we ekt roj otp Herbst wird ein Pil rgärten de Kin gestartet: In neun rten vie m werden Kinder ab de ter un Lebensjahr in Deutsch n rde an richtet, gleichzeitig we rschulen ausgewählten Sekunda nden in eine gewisse Anzahl Stu auf der Allgemeinbildung Deutsch geführt.
ds n a m o Die R er : d n ü s o k sind Ö len yc Sie rec d un kaum fahren gslos un hemm Auto.
«Das stimmt so nicht», sagt Silvan Ko cher vom Kehrichtsamm eldienst der Stadt Biel . «Die Westschweize r sind weniger obrigk eitsgläubig als di e Deutschschwei zer. Sobald sie sich zu etwas gezwun gen fühlen, sperre n sie sich dagegen.» Beispiel gefällig? Die be i uns so beliebt e Sackgebühr haben viele G emeinden nicht eingeführt — und trotzdem funktioniert die Abfallverw ertung auf dieser Seite vo n la barrière de röstis gena uso gut wie bei uns. Statt mit fixen Regeln operie ren unsere Nachbarn mit anderen Mitteln: Sie st ellen Recycling-Infrastruk turen an attraktiven Lagen auf, betreiben viel Aufklärung und motiviere n zum gewissenhaften Entsorgen auf die bei de n Welschen erfolgreichste Art: mit Comics.
La Romandie Klischees sche s
Migros-Magazin 30, 25. Juli 2011 | Migros
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Die Romands duschen am liebsten französisch. Dieses Klischee hält sich hartnäckig. Der Ausdruck «französisch Duschen» stammt aus der Blütezeit des höfischen Lebens von Versailles. Weil sanitäre Anlagen damals selten waren, übertünchten die Menschen am Hof ihre Körpergerüche mit viel, viel Parfüm und noch mehr Puder. Die Zeiten haben sich geändert, der Ausdruck ist jedoch geblieben. Ein Riechtest zu Stosszeiten in den proppenvollen Genfer Trams beweist: Die Romands sind proper, es riecht weder nach Schweiss noch nach zu viel Parfüm. Zudem gelten am Lac Léman zwei weitere ungeschriebene Regeln, die gut gegen abgestandene Luft wirken: Man drängelt nicht, sondern wahrt auch in Stosszeiten Abstand, und anders als in den Zürcher Fahrzeugen wird das Tram nicht als Essstube genutzt.
orgens m n o h c s n e k in tr s d Die Roman ein. sw is e W li s lä G te rs e das
n n nippe um zeh s er n d e f g r u Mo äste a G n e t is rdon die me i in Yve z z lo a t am es Place P afé» als C it t e p « eher am . Eine Stunde in e ild: w s Weis h das B ic s t r e », änd ro-Zeit später ist Apé r let h U a C lf alie il g «Ab e a M in llner r jeden sagt Ke ht meh ic n r a (31). Zw derten ie verän sind auch d — g a T ren struktu r am Arbeits —, abe n e r ü p s hier zu rde sie nde wü e n este h c Wo n. Ob W e b le f u a ehr wieder chlich m ä s t a t r e rey schweiz imon F kann S , n hweie c s k trin , der o f In t h r telle fü von Suc n Fachs e h c e r is e r ze and l- und Alkoho e, aus le prob m ischen n e g o r D tist l an sta Mange gen. nicht sa Werten s er, en weis Hingeg ds Roman dass die : trinken anders d in Währen hweiz tsc s e der W nt der e 19 Proz eben, en ang t g a r f e B l zu Alkoho d es täglich ren, sin ie m u s kon chweiz eutschs in der D nur ür nt. Daf 12 Proze d s es jenseit zent gaben s 19 Pro n e b a r , Röstig u leben inent z t s b a r , u an ns n d bei u währen überhaupt ent inken. 15 Proz ohol tr lk A n e kein
La Romandie Klischees
Die Fraue n aus der Romandi einfach n e sind icht schö n Missen st ammen a genug. Nur neun us der Ro mandie.
Migros-Magazin 30, 25. Juli 2011 |
Die Schweiz w ählt seit 1951 im Rahmen des M iss-SchweizWettbewerbs jährlich die schönste Frau im Land. Von den 60 Damen , die bis heute den be gehrten Titel holten, stamm en nur gerade neun aus der Westschweiz. Woran liegt da s? Wir haben die Genfer Gy mnasiastinnen Orlana, Laurie , Anaïs, Kelly und Anja gefr agt, warum di e welschen Frau en bei den Misswahlen w eniger erfolgreich waren. W ürden die fünf Frauen an einer solchen Wahl teilnehm en? Hier die Antworten: «Das ist mir n och nie in den Sinn gekomm en.» «Vielleicht sin d wir auch zu klein, ich mei ne von der Körpergrösse her.» «Es gibt ja au ch, im Vergleic h zur gesamten Bevölkerung, vi el weniger welsc he Frauen.» «Und die Jury stammt doch mehrheitlich aus der Deutsc hschweiz ...» «Ja, und sowie so: Wir sind doch genauso schön, wir haben nur ke ine Lust, das beweisen zu m üssen.»
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ds n a m
o Die R n habe erwertig . Mind omplexe k keits
ands jamti! Die Rom a r ss a p i p Tem r gern übe ach wie vo n r lta ä w rh z e ftev mern dlichen Krä ie ch irs st te ö n die u its des R und jense ahrheit nisse diesTat und W in r e b a s, serer graben gefühl un rt e w st lb e ist das S Steigen. wacker am rn a rsee. b ch a N den Genfe m u d n ru Vor allem en Grund n auch all a m t a h rt Do en hier nur wohn t h ic heline N . u z da en wie Mic ss o n e g it Ze prägende esegler der Vorzeig o y e R y ehen auch Calm lli, hier st re a rt e utiB o Ernest tete Instit vielbeach l a n o ti d a o un der intern rn, die Un e C s a d ie s westonen w nd um da U . z it ts p u chen, IKRK-Ha lett zu ma p m o k ck ssballliche Glü beiden Fu ie d ch u a sind jetzt nne und ften Lausa a h sc n n a m höchsten der in der ie w e tt e Serv ertreten. ielklasse v p S sr e iz e Schw rwertigkeit och Minde n a d l il w Wer pflegen? komplexe
hr U 7 1 t k n Pu ands m o R e i d legen mer den H a m nieder. er
nze qu Sprachgre ie d ft u ä er In Biel verl chschweiz tadt. Deuts S hier ie n d e it h e rc du und arb n e b le e o, und Welsch aler Ort als d. Ein ide n a H . in n d fe Han überprü rurteil zu um das Vo Jennifer hrtochter Die KV-Le tsch, eine Deu Indelicato t zurzeit in n, arbeite schweizeri g des alabteilun der Person nd sagt: ums Biel u tr n e lz a it p S die nicht, dass «Ich finde eiten. Sie rb a eniger w s d n a m Ro iestufen n Hierarch e ll t, a f u a sind enn Not is iert, und w g a g ie n d e ls h a gleic l länger e auch ma tunden.» bleiben si en Arbeitss n e b e ri h otischer? vorgesc lschen cha e W ie d d ich nicht Und sin rteil kann ru o V s se ie iel «Auch d hat doch v s a d , n e bestätig der mehr mit einzelnen tun Person zu er ganzen als mit ein , was ich as Einzige antere Art Gruppe. D t ihre charm is , te ch a beob schen.» g mit Men im Umgan
LLa Romandie Klischees
Migros-Magazin 30, 25. Juli 2011 |
Die Romands er d n o v n e m u trä n. Grande Natio er: Die Wichtig ken, sie en den Welsch iviert. ehr kult seien s sie mit ch sind li d s s e li Sch uren un Karikat , Sie s . n o n s e chs Chan ufgewa a Filme u n e ie u d scha Dépar d n u e ller oman sind vo — lesen R n io t che nde Na re Spra Ih . z der Gra n e u nd Eloq tfüssig: Esprit u d leich n s u ig t nuit de nmu epuis la wirkt a d unet« o t ie is r uis t cke w s ü r je d « s , u ) A r «se her oderne (seit je m r » s e p d o m hen) te ig) Kino ge in traur s b in h ( ic ( » e te» och linen. p’tit cin wie Pra faire un uf der Zunge nsere na — wie u entzergehe hein täuscht aufsz r Sc m Eink e in t. e Aber de e in ne zeig Umfrag Lausan n o n kleine v ne , die Zentrum fragten Perso im m u e r eichne nb ber bez n siebe a e h d b e i n li e o V ltur e dr e als Ku ine alle unser sich all e at «Le r u r 1. We h sste n u : n w e , t r n te two n? zu bean e» geschriebe ns Fragen ir a ie en S u imagin . Nenn 2 . Malade e r è rt: t: Moli ! Antwo n e t Antwor is r u arikat der einen K Wer ist . 3 . e t ter t Chappa de Kulturminis n e : amtier ntwort weiz? A h, O r. e der Sch khalt r u B r Didie là, là!
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La Romandie Der Fussballer
Migros-Magazin 30, 25. Juli 2011 |
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Patrik Baumann
Basler Topfussballer bei Servette Genf.
Deutschschweizer in der Romandie
Basel, Kriens und seit Sommer 2010 der FC Servette-Genf, das sind die wichtigsten Stationen des Basler Innenverteidigers Patrik Baumann (24). Seit er als Barrage-Doppeltorschütze dafür sorgte, dass Servette wieder in der Super League spielt, gehört er zu den bekanntesten Spielern des Landes. «Hier in Genf habe ich grössere Freiheiten, aber auch mehr Selbstverantwortung. Der Club erledigt vieles im letzten Augenblick.» Während bei Basel der Trainingsplan Wochen im Voraus feststeht, erfährt Baumann manchmal erst um 12 Uhr, dass das Training von 15 auf 18 Uhr verschoben wurde. Der Club ist ein Spiegelbild der Genfer Bevölkerung, spielen doch bei Servette Schweizer, Portugiesen, Brasilianer und Senegalesen. Das und der beliebte portugiesische Trainer João Alves sorgen für lateinische Atmosphäre. «Am Tag eines Meisterschaftsspiels bereiten sich Deutschschweizer Clubs mit Einlaufen, Theorien über Taktik, gemeinsamem Mittagessen, einer weiteren Tranche Theorie und letzten Anweisungen in der Garderobe vor. Unser Trainer zieht uns vor einem Match nur für fünf Minuten zusammen.» Dafür verbringen die Spieler in Genf ihre Freizeit gemeinsam – etwa mit Essen, Einkaufen oder «beim Chillen am See». Baumann (Markenzeichen: neun verschiedene Tattoos) wohnt allein in einer Residenz in Veyrier, wenige Minuten vor der französischen Grenze. Weil für ihn alles neu ist, findet er Genf aufregender als Basel. Mit einer Ausnahme: Seine Freundin, mit der er seit sieben Jahren zusammen ist, lebt in Basel.
Text Reto E. Wild Bilder Jorma Müller
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La Romandie Der Winzer
Migros-Magazin 30, 25. Juli 2011 |
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Valentin Blattner
Rheinacher Winzer erobert Soyhières JU. Im 480-Seelen-Dorf Soyhières ist er als «Blattner, le vigneron» bekannt: Winzerpionier Valentin Blattner (52), der idyllisch ausserhalb des Dorfes lebt, züchtet laufend neue krankheitsresistente Reben. Inzwischen sind es über 1000 Sorten, die er nach Deutschland, Nordamerika und sogar in die Niederlande exportiert. Den Jura hat er mit der Weissweinsorte Réselle sowie der Cabernet-SauvignonKreuzung Cabernet Jura beglückt. Angefangen hat alles 1975 mit einem Sprachaufenthalt bei einem Winzer am Neuenburgersee. Das habe den Ausschlag gegeben, dass er Winzer geworden sei – einer der ganz wenigen Deutschschweizer in der Romandie. Seit 1991 lebt er in Soyhières, «weil es für einen Winzer in der Region Basel keinen Platz gibt». Im Jura habe er neue Möglichkeiten gefunden, die ihn an Australien erinnerten, weil er laufend Pionierarbeit leiste. Trotzdem: Für die Jurassier ist Blattner auch nach 20 Jahren ein Bâlois geblieben. Und dieser hat ein anderes ökologisches Verständnis als seine Nachbarn. «Die Welschen würden ihre Grossmutter verkaufen, wenn sie dafür ein Auto bekämen», sagt er. Tatsächlich wehrt sich fast niemand gegen eine geplante Bauschuttdeponie im Tal unter seinem Hof, «weil die Gemeinde dafür Geld erhält». Genauso wenig versteht er, weshalb die regionalen Verkehrsplaner die Strassen Richtung Frankreich ausgerichtet haben. Die Verbindung Richtung Deutschschweiz sei noch immer eine bessere Nebenstrasse. Bei solchen Entscheiden gehe es fast immer um «magouille», VetterliwirtText Reto E. Wild schaft.
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LIEBE FREUNDE VON PIONIER-FLUSSREISEN Meiner Leidenschaft für aussergewöhnliche Flussreisen kann ich mit diesem Indien-Projekt voll und ganz frönen. Das Konzept mit je vier Flusstagen auf dem Hooghly River und dem Ganges, verbunden mit nur zwei Bustagen, hat sich bewährt! Die Gäste der ersten Reisen waren begeistert. Flussreisen sind besonders in den Staaten West Bengal und Bihar ideal, weil dort die Infrastruktur noch immer auf sehr tiefem Niveau ist. Entdecken Sie mit uns Indiens «heiligsten Fluss», den Ganges, von der «Ewigen Stadt» Varanasi bis zur pulsierenden Metropole Kalkutta! Wir freuen uns, Sie an Bord der RV Bengal Ganges begrüssen zu dürfen. Hans Kaufmann, Flussreisenpionier aus Leidenschaft und Team
Sonnendeck
Reiseprogramm Delhi – Varanasi – Kalkutta 1. Tag Zürich – Delhi Flug Delhi. Hotelübernachtung 2. Tag Delhi Stadtrundfahrt durch Delhi. 3. Tag Delhi – Varanasi Flug nach Varanasi. Nachmittags Besuch der Ruinen/Museum von Sarnath mit grosser Skulpturensammlung. In Varanasi Rikschafahrt zu den Ghats. Geniessen Sie die «Aarti» Zeremonie von den Booten aus. 4. Tag Varanasi – Bodhgaya Busfahrt zum für Buddhisten bedeutendsten Wallfahrtsort Bodhgaya, wo Gautama zu «Buddha», dem Erleuchteten wurde. 5. Tag Bodhgaya – Nalanda – Simaria Fahrt zur Ruinenstadt Nalanda, einst grösstes Lehrzentrum der antiken Welt. Weiterfahrt durch Rajgir, wo Buddha viele Jahre lebte und predigte. Mittagessen. Fahrt zum Hotelschiff. 6. Tag Simaria – Munger – Sultanganj Schifffahrt nach Munger. Besuch der Bihar Yogaschule. Weiter nach Sultanganj mit den zwei markanten Granitfelsen. 7. Tag Sultanganj – Bateshwarsthan – Karagola Fahrt durch das Vikramshila-Reservat für Ganges-Delphine und seltene Tiere wie indischer Otter und Schildkröten. Besuch der Ruinen der Vikramshila Universität (8./9. Jh. ), einst Zentrum der buddhistischen Lehre. 8. Tag Karagola – Rajmahal Fahrt von Karagola nach Rajmahal. Spaziergang zu Ruinen, Palästen und Moscheen. 9. Tag Rajmahal – Farakka – Jangipur Passage der Schleuse auf der Fahrt nach Farakka durch den Verbindungskanal vom Ganges zum Bhagirathi und Hooghly River. 10. Tag Jangipur – Murshidabad – Chourigacha Vorbei an den Tempeln von Baranagar (bengalische TerrakottaKunst) Fahrt nach Murshidabad. Besuch des Hazarduari Palace mit über tausend echten und falschen Türen. Besuch der Katra Moschee. Weiterfahrt nach Chourigacha.
Aarti Zeremonie in Varanasi
REISEGARANTIE
Ganges Flussdelphine
Rathausstrasse 5, 8570 Weinfelden Tel. 071 626 55 00, info@thurgautravel.ch
11. Tag Chourigacha – Matiari – Kalna Schifffahrt nach Plassey, bekannt für die Schlacht von 1757, welche den Beginn der britischen Herrschaft in Indien einleitete. Weiterfahrt vorbei an Mayapur, dem Geburtsort von Sri Caitanya Mahaprabhu, der Inkarnation von Krishna. 12. Tag Kalna – Kalkutta Rikscha-Fahrt zum 1809 erbauten Rajbari Tempelkomplex, bestehend aus 108 ShivaTempeln. Besuch des Pratapeshwar-Tempels. Auf den Terrakotta-Platten sind Themen der Hindu-Epen dargestellt. Fahrt nach Kalkutta. 13. Tag Kalkutta – Schweiz Stadtrundfahrt mit Besuch des Dalhousie Square, St. John’s Church und Victoria Memorial. Ausschiffung. Transfer zum Flughafen. Rückflug. 14. Tag Zürich Ankunft am Morgen. Indiv. Heimreise. Programmänderungen vorbehalten. Reiseprogramm Kalkutta – Varanasi – Delhi Leicht geändertes Programm in umgekehrter Reihenfolge. RV Bengal Ganges**** Das 2004 im Kolonialstil gebaute, elegante Schiff bietet Platz für 56 Passagiere. Die grosszügigen Kabinen sind mit Klimaanlage, DU/ WC ausgestattet. Ideal, um das Leben entlang des Flusses zu beobachten sind die Veranda mit komfortablen Deckstühlen vor den Kabinen sowie das überdachte Sonnendeck. In der Lounge mit Bar finden Vorträge und Zusammenkünfte statt. Im eleganten Restaurant werden vorzügliche Mahlzeiten serviert. Mit Hartholz ausgestattet, edlen Möbeln und landestypischen Bildern bestückt, erwartet Sie eine einzigartige Atmosphäre an Bord. Nichtraucherschiff (im Aussenbereich darf geraucht werden).
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Kalkutta
Reisedaten 2011/2012 Delhi – Varanasi – Kalkutta (downstream 14 Tage) 09.10. – 22.10.11 01.01. – 14.01.12 26.02. – 10.03.12 06.11. – 19.11.11• 29.01. – 11.02.12 03.04. – 16.04.12 04.12. – 17.12.11 Kalkutta – Varanasi – Delhi (upstream 16 Tage) 29.09. – 14.10.11* 22.12. – 06.01.12 16.02. – 02.03.12• 27.10. – 11.11.11 19.01. – 03.02.12• 22.03. – 06.04.12 24.11. – 09.12.11 * Vorsaison-Rabatt Fr. 600.– p.P. • nur noch wenige Plätze frei Unsere Leistungen • Kreuzfahrt in gebuchter Kategorie inkl. Vollpension • Flüge downstream in K-Klasse mit Swiss, upstream mit Emirates in Q-Klasse, inkl. Flughafentaxen, höhere Klasse gegen Zuschlag • Inlandflüge inkl. Flughafentaxen • 4 Hotelübernachtungen inkl. Vollpension • deutschsprachige Reiseleitung und Guide bei den Ausflügen, alle Transfers Nicht inbegriffen: Trinkgelder, Getränke, Visakosten Fr. 140.–, Versicherungen (wir empfehlen eine Jahresversicherung Einzel Fr. 83.–, Familie Fr. 159.–). Kerosinzuschläge bleiben vorbehalten. Auftragspauschale Fr. 35.– pro Auftrag (entfällt bei Buchung über www.thurgautravel.ch)
Pauschalpreise pro Person in Fr. 2-Bettkabine Oberdeck hinten 2-Bettkabine Hauptdeck 2-Bettkabine Oberdeck Mitte 2-Bettkabine Oberdeck vorn Zuschlag Alleinben. OD Mitte/HD
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Verlängerungsprogramm Rajastan und Taj Mahal 6 Tage Fr. 870.– p.P. Hotel DZ, EZ Zuschlag 190.–, VP, Transfers, Ausflüge, Eintritte, Reiseleitung englisch⁄ab 6 Personen deutsch Varanasi – Kalkutta (downstream) Kalkutta – Delhi – Bharatpur (Sommerpalast Deeg/ Nationalpark Keoladeo Ghana) – Taj Mahal und Red Fort – Fatehpur Sikri – Delhi – Schweiz Kalkutta – Varanasi (upstream) Am 1. Tag Hotelübernachtung in Delhi. Sonst gleiches Programm mit Zusatznacht in Delhi.
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thurgautravel.ch
La Romandie Die Studentin
Migros-Magazin 30, 25. Juli 2011 |
19
Eva Reka
Zürcher Wirtschaftsstudentin in Lausanne. Bei Eva Reka (27) fallen zwei Dinge sofort auf: ihre 184 Zentimeter Körperlänge und ihr schönes Lachen. Obwohl sie in Regensdorf und Flurlingen ZH aufwuchs, fühlt sich die Deutschschweizerin rundum wohl in der Romandie. An Lausanne schätzt die Frohnatur, dass die «typische Universitätsstadt kulturell mehr bietet als Genf». Sie erlebt die Westschweizer insgesamt als spontaner, wärmer, aber teilweise auch chaotischer als die Deutschschweizer. «Das entspricht mir mehr. Ich kann mir nicht vorstellen, wieder in der Deutschschweiz zu leben.» Generell seien die Deutschschweizer viel organisierter und kompromissloser als die Romands. Im Waadtland sei «le quart d’heure vaudois», die 15 Minuten Verspätung, breit akzeptiert. Ihre Liebe zur Westschweiz hat Eva Reka bereits mit 16 entdeckt. Sie entschied sich für einen viermonatigen Au-pairAufenthalt bei einer Familie in Bex VD. Nach dem KV in Schaffhausen wollte sie unbedingt zurück an den Genfersee. 2004 hat sie sich diesen Wunsch erfüllt. Dank ihrem Schweizerdeutsch fand sie einen Job an der Rezeption eines Versicherungskonzerns in Lausanne. Ihr Freundeskreis besteht fast ausschliesslich aus Frankophonen. «Schwiizertüütsch finden meine Freunde schrecklich.» In die Deutschschweiz reist Eva Reka nur noch, um ihre Eltern zu besuchen. 2010 begann sie ein Wirtschaftsstudium. So bleibt ihr kaum ein ruhiger Moment, so zu leben, wie sie es am liebsten mag: abenteuerlich und sportlich. Diesen März sprang sie in den acht Grad kalten Genfersee. Später einmal möchte Eva Reka heiraten und mit ihrer Familie aufs Land ziehen – irgendwo in der Romandie.
Text Reto E. Wild
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La Romandie Der Tramfahrer
Migros-Magazin 30, 25. Juli 2011 |
21
Raymund Renggli
Zürcher Tramfahrer kurvt durch Genf.
Der Schneiderberuf brachte Raymund Renggli (51) nach Genf. Der Stadtzürcher fand während der Ölkrise 1980 keine Arbeit und heuerte deshalb bei einem Schneider in Genf an. Fünf Jahre später war es auch für die Genfer Kundschaft nicht mehr selbstverständlich, für einen Anzug über 5000 Franken hinzublättern. «Die Krise machte sich überall bemerkbar, und ich wollte weg aus der Romandie nach Bern, um Pfarrer zu werden», erinnert sich Renggli. Weil er die Eintrittsprüfung nicht schaffte, blieb er in Genf. Drei Monate lang versuchte er sich als Handlanger auf dem Bau, dann hörte er, dass die Genfer Verkehrsbetriebe Chauffeure suchten. Seit 1987 arbeitet er für die Transports Publiques Genevois als Bus- und Tramfahrer. An Genf schätzt er das Klima, an den Genfern den lockeren Umgang mit anderen Kulturen und Europa. «Wir haben viele Grenzgänger aus Frankreich und dadurch keine Vorurteile gegenüber Europäern. Interkulturelle Ehen sind eher die Regel als die Ausnahme, Genfer mit Schweizer Wurzeln eine Minderheit.» Er selbst ist mit einer Spanierin verheiratet. Manchmal vermisst er die Ordnung. «Schwarzarbeit ist hier eine Plage. Die Stadtregierung müsste die vielen unerlaubten Aufenthalter härter anfassen», bemängelt der parteilose Chauffeur. Dafür freut es ihn, dass der öffentliche Verkehr in den letzten Jahren stark verbessert wurde. In vielen Quartieren wurden 30er-Zonen eingeführt, der Individualverkehr wird nach und nach aus der Stadt vertrieben. Automobilisten, die in einer Busspur parken, bezahlen 180 Franken, wobei Renggli die Bussenzettel verteilt. Text Reto E. Wild
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Rheingold Romantische Rheinstrecke, Grachtenstadt Amsterdam ■ Excellence Royal – Flussfahrt der Extraklasse ■
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Strassburg–Amsterdam (6 Tage): 10.10.–15.10. Amsterdam–Strassburg (7 Tage): 15.10.–21.10. Preise pro Person Fr. 3-Bett-Kab. Mitteldeck 1225.–* 2-Bett-Kab. Hauptdeck hinten 1525.– 2-Bett-Kab. Hauptdeck 1625.– 2-Bett-Kab. frz. Balkon Mitteldeck 1825.– 2-Bett-Kab. mit frz. Balkon Oberdeck 2025.– 2-Bett-Kab. zur Alleinben. Hauptdeck 2025.– Sofort-Buchungsrabatt –150.–* Zuschläge Ausflugspaket 10.10. 247.– Ausflugspaket 15.10. 180.– Unsere Leistungen Fahrt mit modernem Komfort-Reisebus Schifffahrt in der gebuchten Kabine Inkl. Treibstoffzuschlag Schiff Fr. 35.– Vollpension an Bord, Gebühren, Hafentaxen Bootsfahrt in Strassburg Erfahrene Mittelthurgau-Reiseleitung Nicht inbegriffen Auftragspauschale von Fr. 20.– pro Person, bei Buchung über www. mittelthurgau.ch Reduktion von Fr. 20.– Persönliche Auslagen und Getränke Trinkgelder, Ausflüge Kombinierte Annullationskosten- und Extrarückreiseversicherung auf Anfrage Sitzplatz-Reservation Car 1.–3. Reihe Abfahrtsorte Str–Ams Ams–Str Wil 06.15 05.15 Burgdorf 06.30 06.30 Winterthur Rosenberg 06.40 05.40 Zürich-Flughafen 07.00 06.00 Aarau SBB 07.20 – Baden-Rütihof 08.00 07.00 Basel SBB 09.00 08.00 ■
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Ihr Reiseprogramm
Reisedaten 2011
1. Tag: Schweiz–Würzburg. Anreise mit modernem Komfort-Reisebus nach Würzburg. Stadtrundfahrt (inbegriffen). 2. Tag: Würzburg–Wertheim. Besichtigung der mächtigen Festung Marienberg, die vom fränkischen Weinland umgeben ist (*). Weiterfahrt auf dem gewundenen Main nach Wertheim. 3. Tag: Wertheim–Miltenberg. Ab Wertheim steht ein Rundgang Miltenberg mit Weinprobe (*) auf dem Programm. 4. Tag: Rüdesheim–Koblenz. Entdecken Sie das Rheingauer Winzerstädtchen, berühmt durch die Drosselgasse und ihre Weinlokale. Besuchen Sie Siegfried’s Musikkabinett mit seiner riesigen Instrumentensammlung (*). 5. Tag: Koblenz–Cochem. Eindrückliche Flussfahrt durch das Moseltal nach Cochem. Stadtrundgang mit Reichsburg (*). 6. Tag: Bernkastel–Trier. Entdecken Sie Bernkastel auf einem geführten Rundgang (*). 7. Tag: Trier–Schweiz. Ausschiffung und Stadtrundfahrt in Trier (inbegriffen). Rückfahrt zu Ihren Einstiegsorten.
Trier–Würzburg 24.09.–30.09. Preise pro Person
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Fahrt mit modernem Komfort-Reisebus Schifffahrt in der gebuchten Kabine Inkl. Treibstoffzuschlag Schiff Fr. 30.– Vollpension an Bord Gebühren, Hafentaxen Stadtrundfahrt Trier und Würzburg Erfahrene Mittelthurgau-Reiseleitung
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1072
NEU
La Romandie Der Journalist
Migros-Magazin 30, 25. Juli 2011 |
23
Patrick Mülhauser
Korrespondent bei Radio DRS in Lausanne.
Aufgewachsen ist Patrick Mülhauser (34) in einem deutschsprachig dominierten Umfeld in Freiburg. Zu Hause sprach man Schweizerdeutsch. Patrick Mülhauser erinnert sich, dass das Schulhaus im Schönbergquartier zwei Eingänge hatten: einen für französischsprachige und einen für deutschsprachige Schüler. Im Innern gab es keine Verbindung von einem Gebäudeteil zum andern. Statt dem Röstigraben war es eine Stahlbetonmauer. Heute hat Patrick Mülhauser den Eindruck, dass er «im Ausland arbeitet». Seine Hauptaufgabe besteht darin, den Deutschschweizern zu erklären, was in der französischen Schweiz anders ist. «Für viele ist unverständlich, dass die Protestpartei MCG in einer internationalen Stadt wie Genf Erfolg haben konnte.» Und in den Studios La Sallaz muss der Radiomann inmitten von welschen Kollegen feststellen, dass «selbst die Journalisten nicht viel davon wissen, was auf der anderen Seite vor sich geht». Diesen Herbst wird er sich mit den politischen Rechten der Ausländer beschäftigen. «Das Stimmrecht der Ausländer auf kommunaler Ebene ist in der Westschweiz weit verbreitet, in der Deutschschweiz aber nahezu inexistent.» Was den Journalisten auf seinen Streifzügen durch die Westschweiz am meisten überrascht, ist die Einsicht, dass «eine französische Schweiz nicht existiert». Wie in der Deutschschweiz wird auch bei den Romands immer noch ein Kantönligeist gepflegt. Man ist also nicht in erster Linie Westschweizer, sondern Waadtländer oder Jurassier.
Text Laurent Nicolet
Zweimal verliebt
Susan Guggenbühl und ihr Angelo. 21 Jahre lang hatten sie sich aus den Augen verloren. Jetzt sind sie wieder ein Paar.
«Mit 15 Jahren verliebte ich mich in Angelo und er sich in mich. Das war in Morges. Seine Kollegen wetteten mit ihm um vier Coca-Cola, dass er keine Chance bei mir hätte. Zwei Jahre lang waren wir ein unzertrennliches Paar. Eine wunderschöne Zeit. Danach musste Angelo ins Militär. Unsere Briefe kamen nicht mehr an, wir verloren uns aus den Augen. Und ich war schwanger. 21 Jahre später wollte mein Sohn von mir wissen: ‹Gäll, mein Vater ist nicht mein richtiger Vater?› Ich bejahte und erzählte ihm meine Geschichte. Er wollte den Namen seines leiblichen Vaters wissen und suchte ihn im Swisstel. Wir trafen Angelo im Juli 1997 — wieder in Morges. Unsere Liebe entfachte sich erneut. Wir lieben uns wieder so wie damals, als wir uns verloren haben. Beide liessen wir uns scheiden, jetzt sind wir seit 14 Jahren wieder ein Paar. Und zu uns gehört auch die vierährige Hündin Cjbelle. Mein Schatz wollte schon damals, mit 16 Jahren, einen solchen Hund. Wenn ein Hund, hat er gesagt, dann nur einen Mastino Napolitano. Cjbelle bereichert unser Glück noch zusätzlich. »
Susan & Angelo Angel
La Romandie Liebesgeschichten
Migros-Magazin 30, 25. Juli 2011
Wenn der Funke über den Graben springt
Ja, es gibt sie, die kleinen Unterschiede. Die verschiedenen Mentalitäten können aber ganz schön bereichernd sein. Fünf Deutschschweizer, die einen Romand lieben, erzählen. Weitere Liebesgeschichten finden Sie auf www.migrosmagazin.ch
Romands sind Gentlemen Sarah Mathez lebt mit ihrem welschen Mann und den zwei Kindern im Aargau. Das sei für Hugues nicht immer einfach, erzählt sie.
«Mein Mann Hugues ist aus Tramelan im Berner Jura, und ich bin Deutschschweizerin. Wir sind 35 und 30 Jahre alt und seit acht Jahren verheiratet. Mit unseren zwei Mädchen wohnen wir im Aargau. Wie wir uns im Jahr 2000 kennenlernten, das war ziemlich speziell. Wir wurden bei einer Familie eingeladen, die uns fragte, ob wir Pate und Patin ihres Kindes werden wollten. Die Gastgeber haben meine Eltern und mich an der Elfenbeinküste kennengelernt, und mein Mann kam aus demselben Dorf wie sie. Damals sahen Hugues und ich uns zum ersten Mal. Er gefiel mir sofort, und er wollte mich unbedingt nach Hause fahren. Generell sind die Romands schon etwas mehr Gentlemen und ‹alte Schule›. Ich selber fühle mich eigentlich erst als Deutschschweizerin, seit ich mit einem Romand verheiratet bin. Da die Elfenbeinküste die ersten 13 Jahre meine Heimat war, hatte ich hier etwas Mühe, meine Identität zu finden. Eigentlich dachte ich, dass ich den Romands sehr nahestehe, weil ich fliessend und gerne Französisch spreche. Doch mit der Beziehung zu meinem Mann wurde mir mehr und mehr bewusst, dass ich doch viele Deutschschweizer Züge habe. Wenn wir beispielsweise zum Mittagessen eingeladen sind, ist es für mich normal, allerspätestens vor 18 Uhr wieder aufzubrechen. In
der Familie meines Mannes sind wir dann oft die ersten, die ‹schon wieder gehen› … Wie in jeder Beziehung ist es auch bei uns wichtig, sich selber zu kennen; zu wissen, was man mag und was nicht und dann im Gespräch mit dem Partner Kompromisse zu suchen. Plötzlich erkennt man, dass es auch anders geht, und man kann sich als Paar von den verschiedenen Lebensweisen das rauspicken, was einem gefällt. Heute wohnen wir in der Deutschschweiz, was für meinen Mann nicht immer einfach ist. Schon sein Hochdeutsch verrät, dass er nicht von hier ist. Er hat sich angewöhnt, schnell einmal zu sagen, dass er aus der welschen Schweiz kommt. Dann sind die Deutschschweizer meistens schnell sehr offen. Ich merke auch, dass die Romands hier in der Deutschschweiz sehr leicht aufeinander zugehen. Es kommt mir vor wie damals, als wir in Afrika zufällig auf andere Schweizer trafen. Man freute sich und kam sofort miteinander ins Gespräch. Es war wie ein bisschen Heimat weit weg von der Heimat.» Bearbeitet von Barbara Siegrist Bilder Gabi Vogt
Sarah & Hugues
| 25
Jeanine & Loïc
Aus der Sommerromanze entstand eine grosse Liebe
Janine Ruchti und Loïc Wellhaeuser (beide 27) leben zusammen im zweisprachigen Murten. Das ist ein fairer Kompromiss, denn sie kommt aus Täuffelen am Bielersee und er aus Chevroux am Neuenburgersee. Sie schätzen die unterschiedlichen Mentalitäten. «Als sich meine Eltern trennten und mein Vater mir seine neue Freundin präsentierte, war ich gerade 16 — und so begeistert, wie man eben ist, wenn es im Leben des Vaters eine neue Frau gibt. Und dann auch noch eine Welsche! Als ich am Nachmittag des 24. Dezember 2003 erfuhr, dass die Schwester der Freundin mit ihrer Familie auch kommt,
dachte ich: Na, toll, den ganzen Abend Französisch reden ... Dann kam Loïc zur Tür herein, und mein Herz schlug schneller. Obwohl er kein Wort Deutsch sprach, erlag ich seinem Charme. Erst zweieinhalb Jahre später begann zwischen uns eine leidenschaftliche Romanze, die nur für einen Sommer bestimmt schien. Zu verschieden waren wir:
Er war unzuverlässig, sah alles total locker und wollte keine Verpflichtungen eingehen. Ich hingegen war extrem korrekt, verantwortungsbewusst, etwas verkrampft und stur. Nach einem halben Jahr Funkstille merkten wir beide, dass wir uns fehlten. Seit viereinhalb Jahren sind wir nun ein Paar. Heute wissen wir, dass genau
unsere verschiedenen Mentalitäten die Beziehung so speziell machen. Wir haben gelernt, den anderen so zu akzeptieren, wie er ist. Manche Dinge haben wir voneinander übernommen. So bin ich lockerer und offener geworden, er hingegen wurde verantwortungsbewusster. Und er hat schon einige Deutschkurse belegt.»
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La Romandie Liebesgeschichten
Migros-Magazin 30, 25. Juli 2011
| 27
Nein, niemals einen welschen Partner…
Marlen Udriot-Grossenbacher (26) hat sich nie vorstellen können, mit einem welschen Mann zusammenzuleben. Dann lernte sie Xavier (28) kennen. Heute lebt das Ehepaar mit seinem halbjährigen Röstigraben-Sonnenschein in der Romandie.
«Unsere Geschichte begann am 1. Juli 2005, als ich mit Kolleginnen den Berufsmatur-Abschluss feierte. Um einmal etwas anderes zu sehen, verschlug es uns nach Lausanne in das berühmte Nachtlokal ‹Mad›. Noch im Zug witzelten wir über die Romands und dass wir nie so einen als Partner haben möchten. Bei guter Schulabschluss-, Ferienbeginn- und Tanzlaune hat es sich dann einfach so ergeben, dass ich Xavier aus Genf kennenlernte. Zuerst haben wir viel gechattet, und bald telefonierten wir zum ersten Mal. Später hat er mir dann erzählt, dass ihn mein Deutschschweizer Akzent etwas überraschte, als er mich am Telefon erstmals richtig hörte. Im ‹Mad› war die Musik so laut gewesen, dass er meinen Akzent kaum wahrnahm. Nach der obligatorischen Schulzeit war ich ein Jahr als Au-pair in Genf gewesen, und so versuchte ich nun, aus meinen Französischkenntnissen das Beste herauszuholen. Xavier und ich sind nun
Marlen & Xavier
schon seit sechs Jahren ein glückliches Paar. Nach mehr als zwei Jahren Fernbeziehung hatten wir genug, uns nur am Wochenende zu sehen. Also sind wir zusammen nach Lausanne gezogen, wo wir gute Anstellungen fanden. Nochmals zwei Jahre später haben wir in Murten geheiratet und sind von der Stadt in das etwas ländliche Penthalaz gezogen. Im letzten Februar hat unser Röstigraben-Sonnenschein Julien das Licht der Welt erblickt. Ja, ja, wo die Liebe hinfällt … Ich bereue den Schritt in die Westschweiz auf keinen Fall, aber manchmal ist es für mich noch heute schwierig, meine Familie und meine Freunde nicht um die Ecke zu wissen. Ich werde eine Heimweh-Berner-Oberländerin bleiben und freue mich immer wieder, zu meinen Wurzeln zurückzukehren. Vielleicht ergibt es sich einmal, dass wir in die wunderschöne Murtenseeregion ziehen können. Ein bilingualer Wohnort wäre für mich das Pünktchen auf dem i.»
Felix & Chantal
Das Temperament der «femme romande»
Felix Egloff (55) lebt seit vier Jahren mit der Westschweizerin Chantal Guex (51) zusammen. Sein Fazit: «Mit welschen Frauen wirst du entweder stärker, oder sie sind dein Untergang.»
«Seit sieben Jahren sind wir ein Paar, seit vier Jahren wohnen wir zusammen. Das welsche Temperament ist bereichernd und anstrengend zugleich. Emotional von 0 auf 100 gelangt ‹la femme romande› in viel kürzerer Zeit, als es eine Deutschschweizerin jemals schaffen würde. Wie man merkt, dass es ernst wird? Ganz einfach: Auch nach über 25 Jahren in Zürich wechselt mein Schatz ab einem gewissen Emotionslevel urplötzlich auf Französisch. Das ist dann
jeweils der Moment, sich entweder in Sicherheit zu bringen oder kräftig mitzumischen. Manchmal muss man sich ein wenig ‹engueuler›, also anschnauzen. Und dann, nach ein paar Minuten hochexplosiver Stimmung, schaut man sich an, einer von beiden beginnt zu lächeln, und die Vulkaneruption fällt in sich zusammen und wir uns in die Arme. Na ja! Oft auf jeden Fall. Mit einer welschen Partnerin wirst du entweder noch stärker, oder sie ist dein Untergang.»
«Deutschschweizer trennen Privatleben – im Waadtland Keiner kennt die Differenzen zwischen der Romandie und der Deutschschweiz besser als Christophe Büchi. Der 59-Jährige arbeitet seit 10 Jahren als NZZ-Korrespondent in Lausanne und hat das Buch «Röstigraben» geschrieben. Büchi ist überzeugt, dass wir die Mehrsprachigkeit zu wenig nutzen. Christophe Büchi, Sie haben in Freiburg die Primarschule besucht, in Gossau SG das Gymnasium, tragen einen französischen Vor- und einen Deutschschweizer Nachnamen. Fühlen Sie sich als Deutschschweizer oder als Romand?
Als Alémanique romanisé. Meine Eltern sind Deutschschweizer, ich bin aber in einer mehrheitlich französischsprachigen Stadt aufgewachsen und habe in der Romandie studiert. So gesehen bin ich ein typischer Vertreter der Sprachgrenze, den eine spezielle Brückenmentalität auszeichnet. Welche?
Zu Hause haben wir Schweizerdeutsch gesprochen, in den Strassen Freiburgs dominierte Französisch. Ich war also von Anfang an ein Kind einer Minderheit. Ein Schock! Ich musste feststellen, dass die Regeln von zu Hause nicht die der Strasse waren. Deshalb hatte ich immer zwei Seelen in meiner Brust: die welsche meiner Umgebung und die Deutschschweizer meiner Herkunft. Dieser Mix hat mich wohl zu meinem Beruf als Röstigrabenbeobachter geführt, bei dem ich versuche, die beiden Kulturen in einen Dialog zu bringen. Sind die Mentalitäten wirklich so verschieden?
Vieles, was die französische Kultur ausmacht, ist auch wichtiger Bestandteil der Westschweiz. In der
Romandie etwa wird die Sprache stärker gewichtet als in der Deutschschweiz. Gegenüber Immigration und Multikulturalismus tut sich die frankophone Kultur weniger schwer als die germanische. Gemeinsam ist, dass beide Landesteile stark basisdemokratisch organisiert sind und Wert auf Föderalismus legen. Sie wohnen in Lausanne. Vermissen Sie die Deutschschweiz ein wenig?
Ja, eine gewisse Präzision und Sachlichkeit bei der Arbeit vermisse ich schon. In der Deutschschweiz trennt man die Arbeit stark vom Privatleben. Im Waadtland wird alles ein wenig vermischt. Das ist zwar sympathisch, führt aber auch zu Wischiwaschi. Und im Unterschied zur Deutschschweiz erhalte ich oft Einladungen zu Medienveranstaltungen, die irgendwo in einem Krachen stattfinden, den ich nur mit dem Auto erreiche. In der Deutschschweiz sind auf den Einladungen Verbindungen mit den öffentlichen Verkehrsmitteln angegeben, und man wird gefragt, ob man ein Vegi-Menü wünsche. ÖV und Vegi-Menü, sind das die grössten Unterschiede?
Für die Westschweizer ist die Kommunikation enorm wichtig, und sie haben Sprachwitz. Die Deutschschweizer erlebe ich als sachlicher, unsentimentaler und gegenüber politischen Institutionen selbstbewusster. In politi-
schen Fragen sind die Romands dafür offener und gegenüber Fremden entspannter. Weltweit gibt es kaum eine Region, die bei einem Ausländeranteil von einem knappen Drittel so wenig Probleme mit Ausländern hat. In der Drogenpolitik sind die Westschweizer allerdings weniger tolerant.
Hier muss man zwischen Städten und ländlichen Regionen wie Freiburg, Wallis oder dem Jura unterscheiden. Letztere sind katholisch geprägt. Für die Romands war der «Needle Park» am Zürcher Platzspitz schockierend. Sie sehen das Private als privat an: Jeder kann da mehr oder weniger machen, was er will. In öffentlichen Räumen sind die Romands für gewisse Regeln und etwa gegen Nacktbaden oder die staatliche Heroinabgabe. Auch in der Arbeitswelt geht den Welschen teilweise die Lockerheit ab.
Tatsächlich ist die Hierarchiegläubigkeit in der Westschweiz stärker als in der Deutschschweiz. Le Patron bedeutet da mehr als nur der Chef. Er ist schon fast ein Schutzheiliger. Da spielt der Einfluss von Frankreich eine Rolle. Dort operieren Unternehmen, die beinahe monarchisch organisiert sind. «Die Beziehungen zwischen der deutschen und der französischen Schweiz geben Anlass zur Besorgnis»,
schrieben Sie in Ihrem Buch «Röstigraben». Hat sich daran in den letzten zehn Jahren etwas geändert?
Ja. Heute erachte ich die Beziehungen als entspannter. Das zeigt
La Romandie Interview mit Christophe Büchi
Migros-Magazin 30, 25. Juli 2011
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die Arbeit stark vom wird alles vermischt» Der Röstigrabologe NZZ-Korrespondent Christophe Büchi ist in Freiburg aufgewachsen und versteht sich als Alémanique romanisé.
Christophe Büchi (59) arbeitet seit 2001 als Welschlandkorrespondent für die NZZ. Er ist Autor des Buches «Röstigraben», das die Entstehung des mehrsprachigen Gemeinwesens in der Schweiz seit 1291 schildert. Darin kommt Büchi zum Schluss, dass der Graben zwischen der Deutschschweiz und der Romandie erst im 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts entstanden ist. Derzeit schreibt der Röstigrabologe an der vierten Auflage des über 300 Seiten umfassenden Werkes. Es dürfte 2012 erscheinen – neben Deutsch und Französisch erstmals auch auf Japanisch. Büchi studierte Philosophie und politische Wissenschaft in Freiburg und Lausanne, arbeitete von 1975 bis 1979 als Assistent an der Universität Lausanne und ist seit 1980 Journalist. Zusammen mit dem früheren Tessiner NZZ-Korrespondenten Roger Friedrich erhielt Büchi im letzten Jahr den Preis der Oertli-Stiftung für den Brückenschlag zwischen zwei Sprachregionen. Büchi hat einen erwachsenen Sohn und zwei erwachsene Töchter, ist geschieden und lebt mit seiner Walliser Lebenspartnerin in Lausanne und Champéry VS.
sich bei den Abstimmungen. Vor zehn Jahren grassierte in der Romandie die Angst, das ganze Wirtschaftsleben würde sich nur noch auf Zürich konzentrieren. Heute erleben wir in der Westschweiz
einen riesigen Wirtschaftsboom; die Stimmungslage hat sich gründlich verändert. Das Wirtschaftswachstum sorgt für eine Entspannung?
Ja. Dabei profitieren wir vom Multikulturalismus. Früher war man in der Westschweiz stark auf die Deutschschweiz konzentriert. Heute sind wir keine viersprachige Schweiz mehr, sondern
eine Schweiz der rund 44 Sprachen. Die Zweierkiste RomandieDeutschschweiz hat sich gelockert, weil wir in einer globalisierten Welt leben. Noch in den 90er-Jahren ärgerten sich die Ro-
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mands darüber, dass sie für alle Befehle nach Zürich reisen mussten. Heute wäre man froh, der Hauptsitz wäre in Zürich und nicht in London. Das hört sich idyllisch an. Kein Wölkchen am Horizont?
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Die Beziehungen sind zwar nicht schlecht, aber auch nicht intensiv. Das bedaure ich. Die Schweiz gibt so einen Trumpf aus der Hand. Wirtschaftlich gesehen?
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Unsere Mehrsprachigkeit ist ein Wettbewerbsvorteil, den wir zu wenig nutzen. Es sollte für jeden Schweizer selbstverständlich sein, einen längeren Aufenthalt in der anderen Sprachregion zu absolvieren. In der Ausbildung der Lehrer, aber auch überhaupt in der Privatwirtschaft müsste man das stärker fördern – und auch bei den Journalisten. Schauen Sie die Medien an: Vor gut zehn Jahren gab es in der Romandie noch einen Stamm von zwölf Deutschschweizer Korrespondenten. Jetzt sind es noch sechs. Nächstes Jahr erscheint die vierte Auflage Ihres Buches. Was werden Sie anpassen?
Entscheidend ist, dass sich bei der Europapolitik eine Entspannung ergeben hat. Noch in den 90erJahren war sie das grosse Konfliktfeld. Seit den bilateralen Verträgen, denen fast die ganze Schweiz zustimmte, ist die Polarisierung zurückgegangen. Und doch mag man die Deutschschweizer nicht besonders. Woran liegt das?
Das Problem sind nicht die Differenzen, sondern die Indifferenz. Wir leben locker nebeneinander. Es bräuchte hingegen ein Interesse für den anderen Landesteil. Das ist unser unendlicher Reichtum. Aber dieses Interesse ist nun mal kaum vorhanden.
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Niemand macht mehr Schweizer glücklich.
Die Westschweizer reagieren als Minderheit. In der Deutschschweiz existiert eine diffuse Sympathie ohne ausgeprägtes Interesse. Die Deutschschweizer finden die Westschweiz eine schöne Gegend, wissen aber kaum, was genau an der ETH Lausanne läuft
Christophe Büchi ist überzeugt: «Die
oder in der leistungsstarken Industrie. Es gibt im Welschland eben nicht nur schöne Landschaften und Weinkeller. Andererseits müssten die Romands ihre Igelstellung aufgeben und auch mal St. Gallen oder Graubünden kennenlernen. Das erinnert etwas an unser Verhältnis zu den Deutschen.
Absolut. Der grosse Bruder für die Westschweiz ist die Deutschschweiz, und für die Deutschschweiz ist es der grosse Kanton. Die Romands haben zwei Sitze in der Regierung, bei Sport- und Kulturveranstaltungen achten die Verbände darauf, alle Landesteile zu berücksichtigen. Eigentlich besteht doch gar kein Grund zur Beschwerde.
Ich sehe mich als Pflichtverteidiger einer Minderheit. Und diese fühlt sich vor allem dann ausgeschlossen, wenn Schweizerdeutsch gesprochen wird. Viele Deutschschweizer haben sich über den Aufstieg von Servette in die Super League gefreut. Würde man sich in der Westschweiz auch darüber freuen, wenn St. Gallen den Wiederaufstieg schaffen würde?
Ich kenne auch in der Romandie Leute, die Basel- oder GC-Fan sind und den ehemaligen Nati-Trainer Köbi Kuhn als Sympathieträger mögen. Wenn einer wie Kuhn gut Französisch spricht, dann ist er bei den Romands einer der ihren. Das trifft genauso auf Roger Federer zu. Die Romands reden zwar gern von der «arrogance alémanique». Aber eigentlich sind die Deutschschweizer in der Westschweiz gern gesehen, vor allem in Städten wie
La Romandie Interview mit Christophe Büchi
Deutschschweizer sind in der Westschweiz gern gesehen.»
«Es gibt im Welschland nicht nur schöne Landschaften und Weinkeller.» Genf und Lausanne. Im Sport sind die Romands besonders glücklich, wenn ein Romand gewinnt. Also lieber Didier Cuche als Carlo Janka. Aber wenn Janka siegt, sind die Westschweizer ebenso stolz, denn die meisten von ihnen sind gleichzeitig Patrioten.
Einem Deutschschweizer käme es kaum in den Sinn, mitten in Genf einen Kaffee auf Deutsch zu bestellen. Der Romand in Zürich bestellt aber ohne mit der Wimper zu zucken auf Französisch.
Die Frankophonen sind sich bewusst, eine interkontinentale Sprache zu sprechen. Die Deutschschweizer wissen, dass man Deutsch nur an wenigen Orten spricht. Allerdings ist das Interesse der Westschweizer für das Deutsche in den letzten 20 Jahren enorm gestiegen. Immer mehr Maturaklassen besuchen Berlin, und immer mehr Junge studieren in Deutschland. Heute höre ich bei französischsprachigen Jugendlichen, wie sie «tschüss» sagen. Letztlich klagen wir trotz aller Animositäten auf sehr hohem Niveau. Der Konflikt in Belgien zwischen Flamen und Wallonen sorgt dafür, dass das Land seit über einem Jahr ohne Regierung ist. In der Schweiz ist das doch undenkbar.
Sie haben recht. Die Schweiz ist ein absolutes Erfolgsmodell. Wir
Migros-Magazin 30, 25. Juli 2011
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klagen tatsächlich auf weltweit höchstem Niveau. Klar erlebten wir auch Reibungen. Aber es kam nie zu Gewalttätigkeiten. Der einzige Konflikt, der hätte aus dem Ruder laufen können, war das Juraproblem. Beim Know-how im Zusammenleben mehrerer Kulturen sind wir Weltspitze. Haben Sie manchmal Lust, wieder in die Deutschschweiz zu ziehen?
Ich könnte mir ohne Weiteres vorstellen, in Zürich, Basel oder St. Gallen zu leben. Aber ich fühle mich der Romandie schon sehr verbunden. Die Genferseegegend ist mit einem wunderbar angenehmen Klima gesegnet. Der See, die Berge sowie die Nähe zu Bern und selbst zu Paris und Mailand sind ein grosser Vorteil. Interview Reto E. Wild Bilder Nicolas Righetti
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«Café? Thé?» Die Welschen schätzen es, dass sie sich mit dem Minibar-Steward auf Französisch unterhalten können.
Charlene Kamba ist in der Romandie aufgewachsen, wohnt in Zürich und reist nun nach Genf. Wie alle Welschen ist sie fast immer zu einem Schwatz aufgelegt.
Reise über den Röstigraben, Teil 2
Biel–Genf
Im Intercity zwischen Zürich und Genf überquert man in Biel die Sprachgrenze. Was bleibt, sind einige Passagiere und der Minibar-Steward. Und der Eindruck, dass die Unterscheide zwischen der Romandie und der Deutschschweiz gar nicht gross sind. Bonne route!
Text Ruth Brüderlin, Fotos Christine Bärlocher
La Romandie Reise über den Röstigraben, Teil 2
Unterwegs in Sachen Liebe: Die Berlinerin Julia Puckwald hat sich in einen Neuenburger verliebt. Nun muss sie leider wieder nach Hause. Via Genf Flughafen.
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Täglich unterwegs zwischen der Deutsch- und der Westschweiz: Abdulhakim Mohamed Nassir ...
... gönnt sich in Genf einen wohlverdienten Schluck.
W
ie steht es denn nun um den Röstigraben? «Die Romands machen ein freundlicheres Gesicht und sind eher bereit zu einem Schwatz», findet Charlene Kamba (24). Sie ist im Welschland aufgewachsen und vor zwei Jahren von Basel nach Zürich gezügelt. Nun fährt sie nach Genf. Mit dem Zug. Neben ihr hat eine Berlinerin Platz genommen. Sie heisst Julia Puckwald (17) und empfindet die Deutschschweizer ebenfalls als etwas zurückhaltender. Aber eigentlich seien beide Volksgruppen «sehr nett»: «Die Deutschschweizer geben sich Mühe, Hochdeutsch mit mir zu sprechen.»
Julia versteht kein Schweizerdeutsch und lernt gerade Französisch. Aus Liebe. Bei einem Besuch in Neuenburg hatte sie sich verliebt. Nun führt sie eine Fernbeziehung und ist wieder einmal auf dem Weg zum Genfer Flughafen. Minibar-Steward Abdulhakim Mohamed Nassir bahnt sich seinen Weg durch Gepäck und Füsse, die über die Lehnen in den Gang baumeln. «Café, Thé, Sandwiches?» Kapsel um Kapsel legt er in die nigelnagelneue Lavazza-Kaffeemaschine. «Milch? Zucker?» Und dann findet auch er einen kleinen Unterschied zwischen Deutsch-
schweiz und Romandie: «Die Welschen sind erleichtert, wenn sie Französisch mit mir sprechen können.» Kein Problem. Mohamed Nassir wohnt in Biel. Mitten im Röstigraben. Seine Frau ist Marokkanerin, Sohn Imran gerade 14 Monate alt und brabbelt seine ersten Worte. «In Arabisch, meiner Muttersprache. Ich bin in Saudi-Arabien aufgewachsen», sagt er. Vor zwölf Jahren floh er in die Schweiz, bekam Asyl und lernte Französisch, Deutsch, Englisch und Amhari, die Sprache Äthiopiens ...
Den Anfang der Reise ab Zürich finden Sie in der anderen Hälfte des Migros-Magazins
«Raffinierter Humor» Der Westschweizer Komiker Thierry Meury beantwortet die Fragen des Deutschschweizer Satirikers Andreas Thiel. Thierry Meury, worin unterscheidet sich der Westschweizer vom französischen Humor?
Der französische Humor ist gemeinschaftlicher. Die meisten französischen Humoristen reden unheimlich viel über das tägliche Leben, die Satiriker sind recht spärlich geworden. Der Westschweizer Humor ist vielleicht raffinierter, etwas mehr in sich gekehrt. Man ist zurückhaltend und dennoch bissig. Worüber lachen Sie, wenn Sie sich über die Deutschen, die Deutschschweizer oder die Franzosen lustig machen?
Man lacht über die Sprache der Deutschschweizer, diesen ungeliebten Dialekt, über ihre Überzahl und die Geringschätzung der Welschen. In Bezug auf die Deutschen lacht man über ihr forsches Auftreten, das man auch bei den Deutschschweizern wiederfindet. Die Sprache schafft Probleme. Schliesslich machen wir uns über die Grossmäuler und den Chauvinismus der Franzosen lustig. Sind alle Romands gleich, oder gibt es kantonale Unterschiede? Und lachen sie übereinander?
Es gibt tatsächlich kantonale Unterschiede, vielleicht vereinzelt spöttische Bemerkungen zwischen Süd und Nord oder dem Jura und Bern. Aber die Sticheleien sind recht gutmütig, man erkennt die Romands und ihre Akzente. Machen sich die Franzosen über die Romands lustig?
Nein, denn die Franzosen wissen gar nicht, dass es uns gibt. Für Paris ist die Schweiz ein grosser Tresor mit Kühen drumherum. In Sachen Geografie und Allgemeinkultur erinnern mich die Franzosen an die Amerikaner. Sie kennen Genf, die Schweiz und die Kühe.
Thierry Meury (grosses Bild) ist einer der beliebtesten Humoristen der Romandie.
Warum finden Sie es nicht lustig, wenn man Sie als Franzosen behandelt?
Wir sind keine Franzosen. Man wird nicht gern mit dem Cousin verglichen. Wir haben unsere eigene Identität und wollen diese zum Ausdruck bringen. Warum finden Sie es dann lustig, uns als Deutsche zu behandeln? Obwohl Schweizerdeutsch mit Hochdeutsch viel weniger gemein hat als Ihr Französisch mit der Sprache Frankreichs.
Von aussen gesehen sieht das nach Ignoranz aus. Ich kenne die Unterschiede zwischen den Kantonen, Mentalitäten und Akzenten nicht. Das Schweizerdeutsch erinnert uns einfach an das Deutsche. Allerdings ist zu sagen, dass ich in den Ferien lieber Hochdeutsch höre als Schwei-
zerdeutsch. Schweizerdeutsch ist weniger erholsam. Ist Ihr Minderwertigkeitskomplex gegenüber den Deutschschweizern oder den Franzosen grösser?
Gegenüber den Franzosen. Die Deutschschweizer wecken in uns keine Komplexe, zu ihnen besteht eher eine Freund-Feind-Beziehung. Im Grunde fühlen sich die Romands den Deutschschweizern in Bezug auf die Heimatliebe überlegen, aber auch, weil wir unserer Meinung nach eine raffiniertere Kultur haben. Wir fallen auf Reisen weniger auf. Haben Sie auch den Deutschen gegenüber Komplexe?
Nein. Aber wenn ich vor 1945 geboren wäre, hätte ich vielleicht solche. Ich habe ein grosses Prob-
lem mit der Geschichte. Wie ist es möglich, dass ein so sympathisches Volk in eine derartige Grausamkeit hineingezogen werden konnte? Das zeigt, dass so etwas überall auf der Welt möglich ist. Haben wirklich alle Romands in der Schule Deutsch gelernt?
Ja, wir haben Deutsch gelernt. So gut es halt ging. Im Jura war Deutsch zusammen mit Französisch und Mathematik sogar ein Hauptfach. Aber die deutsche Sprache ging beim einen Ohr hinein, beim andern hinaus. Es besteht halt schon eine Abneigung dagegen. Das ist, vor allem im Jura, fast angeboren. Ich kenne das unerlässliche Vokabular, um in Basel (das ich sehr mag) einen Match meines bevorzugten Fussballklubs zu besuchen: Bier, Bratwurst, wie viel? Aufgezeichnet von Dörte Welti
La Rom Romandie mandie Hum Humor mor
Anspruchsvolle Filmkomödien Filme wie «Les Bronzés font du ski», «Le Père Noël est une ordure» oder «La Cité de la Peur» sind beliebt. Zum Beispiel der Verführungstipp in «Les Bronzés font du ski»: «Ich glaube, du und ich, wir haben etwa das gleiche Problem: Wir können uns nicht voll und ganz auf unser Aussehen verlassen. Vor allem du. Wenn ich dir einen Tipp geben darf: Vergiss es, du hast überhaupt keine Chance, hau ab, aber sofort.»
Joëlle Beeler*, welchen Stellenwert haben Karikaturen in der Tagespresse der Westschweiz?
Einen sehr hohen, sie sind ein fester Bestandteil einer Zeitung. Die Karikatur wird gezielt personalisiert. In der «24 Heures» in Lausanne etwa arbeitet der Hauszeichner Raymond Burki, und wenn der Ferien hat, wird das den Lesern auch kommuniziert.
Geschichten von Ouin-Ouin Diese etwas einfältige Figur wurde Ende der 1950er-Jahre von Radio Suisse Romande kreiert und ist wegen ihrer humorvollen Episoden äusserst beliebt. Beispiel: Es ist Nacht. Seit einer Viertelstunde geht Ouin-Ouin unter einer Strassenlaterne hin und her. Schliesslich spricht ihn ein Mann an: «Warum gehst du ständig unter dieser Strassenlaterne hin und her?» «Ich habe meine Schlüssel verloren», antwortet Ouin-Ouin. «Wo denn?», fragt der Mann. «Dort drüben.» «Warum suchst du denn nicht dort?» «Weil es hier Licht hat …»
Regionale Witze Ein Walliser, ein Genfer, eine Nonne und eine Blondine sitzen im gleichen Zugabteil. Kommt ein Tunnel, und im Abteil wirds völlig dunkel. Plötzlich hört man eine kräftige Ohrfeige. Der Zug verlässt den Tunnel, und der konsternierte Genfer hat eine rote Wange. Hier die ersten Gedanken der vier Reisenden: Die Nonne: «Dieses Genfer Ferkel wollte sich an die Blondine heranmachen und hat eine Ohrfeige gefasst. Geschieht ihm recht!» Die Blondine: «Dieser Idiot aus Genf wollte an meinen Busen, hat sich aber geirrt und ist an die Nonne geraten. Und sie hat ihm eine gewischt.» Der Genfer: «Der Walliser wollte sich an die Blondine heranmachen, und sie dachte, das wäre ich. So habe ich die Ohrfeige gefasst.» Der Walliser: «So cool, im nächsten Tunnel wische ich ihm auch eine …»
Karikaturen sind in der Romandie bissiger als in der Deutschschweiz. Warum ist das so?
Die Romands sind radikaler, pointierter, böser. Sie sind gegenüber den Deutschschweizern in der Minderheit, wollen sich behaupten und gleichzeitig abgrenzen. Karikaturen sind ein typisches Instrument der Machtlosen. In Bezug auf den Röstigraben habe ich in meiner Lizenziatsarbeit herausgefunden, dass die Westschweizer Karikaturisten einfallsreicher sind als ihre Nachbarn. Sie setzen das Sinnbild Röstigraben auf verschiedene Arten um. Zum Beispiel in Form der schwangeren Helvetia, die ihr Kind verliert ... Im Ultraschall sieht man die Abspaltung der Romandie.
Witze unter der Gürtellinie Ein Mann und eine Frau am Abend in der Wohnung: «Darf ich Ihnen einen Whisky anbieten?» «Nur einen Finger.» «Wollen Sie nicht zuerst einen Whisky?»
Witze über die Deutschschweizer Comedians wie Marie-Thérèse Porchet machen sich gern über die Deutschschweizer lustig. Beispiel gefällig? «Schweizerdeutsch ist ein wenig wie Deutsch, aber ausgespuckt.»
Wie werden die Westschweizer denn in Karikaturen dargestellt?
Sie karikieren sich nicht selbst, und in der Deutschschweizer Tagespresse werden sie als schöne Frauen gezeichnet, mit denen man ausserordentlich sachte und sanft sprechen muss.
Witze über die besten Feinde, die Franzosen Warum schlucken Franzosen beim Schwimmen immer Wasser? Weil sie sogar im Wasser ihre grosse Klappe öffnen müssen.
Gibt es trotz aller Bissigkeit auch Tabus?
Illustrationen François Maret
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«Romands sind böser»
Darüber lachen die Romands
Damit werden jährlich die lustigsten, oft unfreiwillig abgegebenen Zitate von Schweizer Politikern ausgezeichnet. So auch die Aussage der Walliser SP-Politikerin Esther Waeber-Kalbermatten, die sich zum Hungerstreik des Hanfbauern Bernard Rappaz so äusserte: «Einem Hungerstreikenden darf man keine Sonderrechte gewähren.» Sie brachte damit unfreiwillig eine Prise Humor in eine politische schwierige Situation.
Migros-Magazin 30, 25. Juli 2011 | Migros
Natürlich, wie in anderen Regionen oder Ländern auch. Karikaturen über behinderte Menschen oder besonders sexistische Darstellungen haben in Westschweizer Zeitungen keinen Platz.
Interview Evelin Hartmann
* Die Medienwissenschaftlerin hat in ihrer Lizenziatsarbeit rund 50 Karikaturen aus der Tagespresse untersucht, die sich mit dem Verhältnis zwischen Deutsch- und Westschweizern befassen.
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S
ie müssen in geschäftlicher Mission ins Welschland? Sie sind nervös, weil Sie nicht so gut Französisch können? Vergessen Sie es! Die Sprache ist nicht Ihr grösstes Problem (obwohl es hilft, wenn Sie ein paar Sätze im Repertoire führen ohne Traktor-Akzent im Stil von «Schö vö le manscher à le midi»). Viel wichtiger ist es, bestimmte Regeln zu kennen.
Z
uallererst: Vergessen Sie Gewissenhaftigkeit und Pünktlichkeit! Die Welschen erscheinen immer mit einer kleinen Verspätung. Fünf Minütchen. Das ist im privaten Bereich so und im geschäftlichen Leben nicht anders. Sitzungen werden oft und gerne in den Morgenstunden angesetzt. Es werden schöne Worte gewechselt, es wird gelacht und geseufzt, kurz vor Mittag disloziert man – ohne dass eine Entscheidung gefallen wäre – in ein nahes Restaurant, wo man sich ein gutes Essen gönnt, selbstverständlich mit einem Glas Wein. Und plötzlich, wenn alle gemütlich im «petit café» rühren, wird bestimmt, was Sache ist.
D
ie Welschen sind gesellige Menschen, sie versuchen immer und allem ein Quäntchen Genuss abzugewinnen, auch bei der Arbeit. Und stürmen Sie am Feierabend nicht sofort nach Hause, sondern lassen Sie sich von Ihren neuen Arbeitskollegen zu einem «petit apéritif» verführen.
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36 | Migros-Magazin 30, 25. Juli 2011 La Romandie Überlebensguide
Lassen Sie sich von der welschen Lebensfreude anstecken!
Ü
berhaupt spielt sich in der Romandie viel mehr im Restaurant ab als bei uns. Einladungen zu Hause sind selten. Sollten Sie trotzdem mal in den Genuss einer solchen kommen – lassen Sie bitte Ihre Schuhe an! Deklarieren Sie ja nicht schon im Voraus, was sie essen oder eben nicht essen, machen Sie selbst angesichts von Kutteln in Tomatensauce gute Miene. Ihre Kollegen werden sie umso mehr schätzen.
D
ie Welschen sind charmant, flirten gerne – und unverbindlich. Ein bisschen Frivolität gehört zum Umgang – pour se faire plaisir!
www.migrosmagazin.ch Würden Sie es ennet dem Röstigraben schaffen? Der grosse Überlebens-Test!
La Romandie Hausmann-Kolumne
Migros-Magazin 30, 25. Juli 2011
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Le fossé du Wölfli Das mit dem Röstigraben ist schon mal Chabis. Gäbe es ihn überhaupt, dann Bänz Friedli, Hausmann höchstens diesder Deutschschweizer, seits seiner selbst: sprach mal Welsch. Meines Wissens kennt der Romand keinen «Fossé de röstis». Ganz abgesehen davon, dass ich im Jura hinten schon wunderbare Rösti gegessen habe, als wir dort mit Pferd und Wagen unterwegs waren. In den Herbstferien wars, im «Storchen», pardon: in der «Auberge de la Cigogne». Am TV lief gerade ein Länderspiel, unserYoungBoyWölflistandfürdieSchweiz im Tor, und die anderen in der Gaststube feuerten ihn genauso an wie Anna Luna und ich – wenn sie auch seinen Namen nicht aussprechen konnten. Hey, wir leben in ein und demselben Land! Allez, la Suisse! Oder gibt es den Graben doch, nur haben die Romands einen eigenen Ausdruck dafür? Einen, in dem dieser blöde Wölfli-Rösti-Annerösli-Umlaut nicht vorkommt? Da war doch dieser welsche Nationalrat mit dem unwelschen Namen, Antonio Hodgers: Der will uns den Dialekt verbieten. Ernsthaft! Er verlangte, dass wir, «les Suisse-totos», wie sie uns nennen, nur noch am Familientisch Schweizerdeutsch reden dürften, ansonsten Hochdeutsch. Die Romands würden das Schweizerdeut-
sche drum nicht verstehen. Als ob sie Hochdeutsch verstehen würden …
Hand aufs Herz, Monsieur le conseiller national! Die Sprache ists, die uns trennt. Wir halten Gotthelf für einen Nationalschriftsteller, Sie vermutlich den Ramuz. (Für alle Suisse-totos: Das ist der mit dem Schnauz auf der Zweihunderternote, den Sie bislang für Privatdetektiv Magnum aus der TV-Serie hielten.) Ramuz! Dessen «Farinet ou la fausse monnaie» hätte ich ja damals für die Matur lesen sollen, und mein Schatz von Französischlehrer, ahnend, dass ich die Lektüre verschlampt hatte, legte mir stattdessen einen Songtext von Renaud vor, «Dans mon HLM». Und, putain, ich verstand, dass es darin um Sozialwohnungen ging, und übersetzte «La môme du huitième, le hasch elle aime» korrekt mit «die Kifferin vom achten Stock». Ich will ja nicht bluffen, aber ich hatte einen glatten Sechser. Momoll, ich kann Franz! Besser gesagt: Ich konnte es. Als besagter Lehrer, Monsieur Leuba, mir unlängst eine freundliche Karte schrieb, zögerte ich ein halbes Jahr zurückzuschreiben – aus lauter Angst, Fehler zu machen. Aber wie wollte
ich mein Französisch auch üben? Rufe ich nach Lausanne an, antwortet man mir Englisch. Letzte Woche sprach ich in Zürich einen Monsieur Dufaux, bei dem Hans ein neues Akkordeon ausprobierte, Französisch an – er antwortet in gebrochenem Deutsch. Ich denke: Er findet mein Welsch nicht gut genug. Und bin beleidigt. Mein Sohn bemerkt hinterher: Der sei denk beleidigt gewesen, dass ich ihn Französisch angespro-
«Er will uns den Dialekt verbieten.» chen hätte, weil er es dahingehend aufgefasst habe, ich fände sein Deutsch nicht gut. Sehen Sie? Wie mans macht, ist es lätz. Wissen Sie noch, wie die Welschen reklamierten, Couchepains Nachfolger müsse dann unbedingt ein Romand sein? Deutsch, verlangten darauf die Deutschschweizer, müsse er aber schon auch können! Beherrscht indes einer beides perfekt wie der Schwaller, ist er den Romands zu wenig romand und den Deutschschweizern suspekt.
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Die Franzosen kommen Tag für Tag überqueren Tausende Franzosen den Genfersee, um in der Romandie zu arbeiten. Von den Westschweizern werden sie weder geliebt noch gehasst. Nur die Geringschätzung stösst den Romands etwas sauer auf. Text Pierre Léderrey, Bilder Christoph Chammartin/Rezo
D
ie Franzosen und die Romands: Letztere schneiden sich gern eine Tranche des kulturellen Reichtums ersterer ab. So oft wie möglich fahren die Romands nach Paris, der unbestrittenen Hauptstadt der Frankophonie. Andererseits machen sich viele Franzosen über die Genauigkeit und den Arbeitseifer der Westschweizer lustig. Das ändert sich allerdings, sobald sie die Grenze überqueren, um bei uns zu arbeiten. Seit dem Beitritt der Schweiz zum Schengen-Raum verfallen dank der Personenfreizügigkeit immer mehr Franzosen dem Sirenengesang unserer Vollbeschäftigung und den wesentlich höheren Löhnen. Was die Beziehung zu unserem grossen Nachbarn so speziell macht? Es gibt mehrere Gründe:
1) Die Sprache Es ist zwar erstaunlich, aber historisch erwiesen, dass die französische Schweiz die Dialekte noch schneller zum Verschwinden ge-
bracht hat als Frankreich. Andererseits haben sich in der Romandie sprachliche Besonderheiten entwickelt. Auch zahlreiche Ausdrücke wie «souper» (das Essen), die im Paris des 19. Jahrhunderts verschwanden, sind erhalten geblieben. «Wenn es etwas gibt, weshalb uns die Franzosen abschätzig behandeln, ist es die Sprache», analysiert Sophie, die in Lausanne für eine französische Bank arbeitet. «Ich habe sogar den Eindruck, viele Romands sind sich gar nicht bewusst, dass sie Helvetismen verwenden», sagt sie. Über die Sprechweise der Westschweizer wurden in Frankreich schon unzählige Wörterbücher verfasst. Der französische «gruyère» ist hier nichts anderes als der Emmentaler. Der «gant de toilette» (Waschlappen) wird zur «lavette» (weil nicht genäht), und die «soucoupe» (Untertasse) verwandelt sich in die «sous-tasse».
2) Die Gewohnheiten Die Romands sind pünktlicher als ihre Nachbarn. Deshalb begegnen
Charlène (29), Schiff aus Evian um 7:35 Uhr Die Kleinkinder-Erzieherin Charlène betreut die Kinder der Nestlé-Mitarbeitenden im Hort La Case. Diese Stiftung befindet sich über Lausanne, aber die dunkelhaarige Frau wohnt auf der anderen Seite des Genfersees in Evian. «Meine Kolleginnen sind alles Schweizerinnen, aber wir kommen sehr gut miteinander aus», sagt sie. Seit eineinhalb Jahren hat sie diesen Arbeitsweg. «Das ist sehr praktisch, denn die Überfahrt dauert kaum 35 Minuten. Im Sommer kommt Ferienstimmung auf.»
sie dem französischen Kollegen, der sich einige Minuten verspätet, mit vorwurfsvollem Blick. Franzosen, die sich in der Westschweiz niedergelassen haben, bekennen übrigens, dass sie sich sehr gut und perfekt integriert fühlen – selbst wenn sich ihr Freundeskreis noch immer überwiegend aus Landsleuten zusammensetzt. «Ich habe überhaupt nicht das Gefühl, als Ausländer wahrgenommen zu werden», erklärt etwa Antoine, der bei einem grossen Informatikunternehmen arbeitet und seit über zehn Jahren im Kanton Waadt lebt. Der singende Akzent seiner Heimatregion Rhône-Alpes ist bei seinen Kollegen beliebt.
3) Zwischen Bewunderung … «Für meine Familie und mich ist Paris wie eine zweite Heimat», sagt Pierre. Er liebt die Literatur und die Pariser Theater und fährt so oft wie möglich in die Lichterstadt. Wie er bewundern viele Romands die französische Kultur, die auch ein wenig die ihre ist. «Die
Grenzgänger: Täglich kommen im
Pierre-Olivier (29), Schiff aus Thonon um 8:15 Uhr Pierre-Olivier arbeitet in der Informatikbranche. Nach zwei Genfer Jahren hat er in Lausanne neue Büros seiner Firma bezogen. «Gegenwärtig passt mir dieses System sehr gut. Die Schweizer sind ausgezeichnete Kollegen, und finanziell sind die Löhne für uns sehr interessant.» Stört es ihn nicht, einen Teil seines Lebens am anderen Seeufer zu verbringen? «Mit den Shuttle-Schiffen bin ich in 27 Minuten in Lausanne. Als ich noch in Frankreich arbeitete, hatte ich einen längeren Arbeitsweg.»
La Romandie Die französischen Nachbarn
Migros-Magazin 30, 25. Juli 2011 |
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mit dem Kursschiff
Hafen von Lausanne-Ouchy Tausende Pendler an. Sie wohnen auf der französischen Seite des Genfersees und arbeiten auf der Schweizer Seite.
Caroline (43), Schiff aus Thonon um 8:27 Uhr «Seit dem vergangenen Oktober komme ich auf diesem Weg nach Lausanne», erklärt Caroline, Beraterin bei einer Personalvermittlungsfirma. «Wo ich übrigens die einzige Französin bin. Das funktioniert sehr gut. Vorher habe ich zwölf Jahre lang in Genf gearbeitet. Damals benutzte ich das Auto. Jetzt bin ich in 45 Minuten an meinem Arbeitsplatz, und das ist viel schneller.» Sieht sie sich für längere Zeit hier? «Sicher, wenn mir die Gelegenheit geboten wird.»
Mickaël (31), Schiff aus Thonon um 8:27 Uhr Der junge athletische Mann leitet in Lausanne ein Sportgeschäft. Vorher hat er acht Jahre lang im Nordosten Frankreichs als Polizist gearbeitet. «Meinen jetzigen Job ziehe ich bei weitem vor, und mir liegt die sehr seriöse Einstellung der Schweizer zur Arbeit.» Weniger angenehm ist für Mickaël der zweigeteilte Alltag zwischen zwei Ländern. «Mein Beziehungsnetz habe ich weiterhin in Frankreich, ich komme nur zur Arbeit nach Lausanne und fahre danach sofort wieder nach Hause.»
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La Romandie Die französischen Nachbarn
Schweizer Weine werden zwar immer besser, aber um die Burgunder und Bordeaux kommt kein Frankreich-Liebhaber herum», beteuern Jean und Stéphane, die oft in Genfer Weinstuben anzutreffen sind. Auch in Sachen Gastronomie bleibt Frankreich klares Vorbild. «Ganz zu schweigen vom Fussball oder von der Leichtathletik», sagt Stéphane und lacht herzhaft. «Zum Glück», fügt er an, «haben wir noch den Tennisstar Roger Federer. Aber eigentlich fühle ich mich nicht besonders verbunden mit ihm.»
4) … und Ärger Manche Westschweizer erzählen echauffiert, dass sie die Feindseligkeit der Franzosen schon im ersten Supermarkt von Hochsavoyen bemerken würden. Aber das war vor Beginn der Personenfreizügigkeit
und der Massen von Grenzgängern, die Tag für Tag an der Genfer Grenze auftauchen, viel ausgeprägter. Aber auch heute ist noch nicht alles eitel Sonnenschein. Das Mouvement Citoyen Genevois zum Beispiel bringt die Genfer Bundespräsidentin Micheline Calmy-Rey in Rage, denn die rechtspopulistische Genfer Protestpartei hat sich zur Wortführerin einer «Jetzt reichts»-Stimmung gegen die Grenzgänger ernannt. Solche Strömungen sind auch im Jura auszumachen, wo die SVP 2010 erfolglos versucht hat, eine Quote einzuführen. «Wenn man sieht, wie die angeblichen Schweizer Uhren in Fabriken fast ausschliesslich von französischen Mitarbeitern hergestellt werden, wird schnell klar, dass die Frage noch nicht abschliessend beantwortet ist», sagt der Delsberger Marc.
Migros-Magazin 30, 25. Juli 2011 |
Die Franzosen sind auf dem Heimweg: Gegen 18 Uhr kehrt Ruhe ein am Fähranleger Lausanne-Ouchy.
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er als Deutschschweizer den Röstigraben wirklich überwinden will, lernt am besten vor Ort die Sprache der Romandie. Besonders viel Spass macht ein Französischkurs in Montreux, der Perle der Schweizer Riviera. Das Migros-Magazin verlost einen zweiwöchigen Sprachaufenthalt in der Festivalstadt mit dem mediterranen Lebensgefühl und der palmen-gesäumten Seepromenade. Der Gewinner unserer Verlosung besucht einen Französischkurs an einer Sprachschule der Agentur «globo-study Sprachreisen». Die modern eingerichteten Kursräume liegen direkt an der belebten Grand Rue, im Zentrum von Montreux. Nach den
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La Romandie Kochduell
Migros-Magazin 30, 25. Juli 2011
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Die Waadtländerin Pascaline Bovet aus der Romandie ist Polygrafin und kocht vor allem für ihre beiden Kinder im Vorschulalter.
Battle of the Rösti Wer macht eigentlich die beste Rösti im ganzen Land? Das Migros-Magazin hat zur grossen Kartoffelschlacht auf der Rütliwiese geladen. Die beiden Hausfrauen Pascaline Bovet aus Neyruz-sur-Moudon VD und Theresia Scharner aus Küsnacht ZH haben die Kochkellen gekreuzt. Bewertet wurde das Resultat durch die Spitzenköchinnen Virginie Tinembart und Vreni Giger.
T
rotz Graben wird die Rösti beidseits der Saane geschätzt. Für unseren Kochwettbewerb hat sich Pascaline Bovet (34) viel vorgenommen. IhrRezeptfürdieRösti^Millefeuille mit Tomaten und Zucchini ist mutig und kreativ. Die Idee mit dem Gemüse stammt aus Bovets Alltag. «Damit meine beiden Kinder Gemüse essen, braucht es ein wenig Fantasie. Die Mischung mit Kartoffeln hilft dabei.» Ausserdem würde der Name Millefeuille an Patisserie erinnern. «Das gefällt den Kleinen.» Aber auch Theresia Scharner (62) hat Fans. Die Freunde der Zürcherin behaupten, sie mache die beste Rösti im ganzen Land. Ihr Geheimnis ist die Prise Kümmel, die sie dem Gericht beigibt. Gemüse oder Kümmel, das ist
die Frage, welche die Fachjury, bestehend aus den Spitzenköchinnen Vreni Giger (17 Gault-MillauPunkte) vom St. Galler «Jägerhof» und Virginie Tinembart, Chefin der «Pinte des Mossettes» in Cerniat, beantworten muss. Die Frauen sind sich einig, beide Röstivarianten schmecken. Weil aber Pascaline Bovets Kreation nicht wirklich eine Rösti ist, gewinnt Theresia Scharner die Battle of the Rösti ganz knapp. Texte Claudia Schmidt
line a c s t Pa m sti m ö i R n e s Da r ihr ü f t Bove
und Pierre Wuthrich
www.migrosmagazin.ch Sind auch Sie ein Rösti-Experte und leben Sie direkt am Röstigraben? Kochen Sie mit!
Zutaten für 4 Personen (Rösti Rösti als Beilage): 1,5 kg grosse, festkochende Kartoffeln, 2 Tomaomaten, 2 Zucchetti, Bratbutter, er, Salz und Pfeffer, 4 EL Olivenöl nöl mit Steinpilzen aromatisiert
Virginie Tinembart (links) und Vreni Giger bei der Arbeit.
Das Urteil der Jury Spitzenköchin Virginie Tinembart:
Gault-Millau-Köchin Vreni Giger:
«Ich habe die Deutschschweizer Rösti sehr genossen. Sie ist knusprig und zart. Kartoffeln, Speck und Zwiebeln stehen in gutem Verhältnis. Das hat man selbst in Restaurants selten. Leider etwas zu salzig und fettig. Auch Pascaline Bovets Rösti ist sehr gut, das Gemüse verleiht ihr etwas Mediterranes und macht sie saftig. Leider ist sie im Ergebnis keine richtige Rösti — dazu sind die Kartoffeln nicht genug angebraten.»
«Die Rösti von Theresia Scharner ist schön knusprig und innen weich und hat eine schöne braune Kruste. Sie ist fein im Geschmack, aber leider etwas zu salzig und ein bisschen zu fettig. Die Rösti von Pascaline Bovet ist für mich keine richtige Rösti, aber eine feine Interpretation davon — wenn auch ein wenig zu salzig. Ich hätte etwas Thymian beigegeben.»
Pinte des Mossettes, La Valsainte, 1654 Cerniat
Restaurant Jägerhof, 9000 St. Gallen, www.jaegerhof.ch
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Zutaten für 4 Personen (Rösti als Beilage): 1 kg rohe, festkochende Kartoffeln, 1 grosse Zwiebel, 4 EL Bratbutter (selbst hergestellt), 4 EL feine Speckwürfel, Salz und Pfeffer, 1 Prise gemahlener Kümmel
SPEZIAL ➔ Alles für den 1. August ➔ Mit Cumulus auf Wolke sieben ➔ Die Migros in Ihrer Region
2 | Migros-Magazin Migros Mig ros gaz 30, 25. 25 Juli 20 2011
Ei ht Hin ck auf uf Ein echter Hingucker jeder Käseplatte: der Heidi-Blütenkäse aus Bündner Bergmilch und essbaren Blüten der Kornund Ringelblume. Sie geben ihr sanftes Aroma an den Käse ab; zudem ist der Halbhartkäse mit Alpenkräutern eingerieben. 1.-August-Weggen, 400 g, Heidi-Birchermüesli 200 g, Fr. 1.80 Heidi-M-Drink, 1 l, Fr. 1.65 Brotkorb mit weissem Stoffeinsatz, Fr. 8.90** Käsemesser, Fr. 3.90** Geschirrserie Lisa aus Keramik, rot mit weissen Punkten, ab Fr. 3.90*** Vlies-Tischsets Kantonswappen, 40 x 30 cm, 12 Stück,
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SPEZIAL DAS BESTE AUS DER MIGROS
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Gelungener Start in den 1. August
D Nationalfeiertag Den N lf lässt l man am besten b gemächlich mit einem Brunch angehen. So tankt man Energie für ausgiebiges Feiern.
A
lle wollen ihn probieren, den Heidi-Blütenkäse. Und die Runde ist sich einig, er schmeckt, wie er aussieht: schlicht deliziös. Auch die anderen Leckereien schmecken gut: der duftende 1.-August-Weggen, das «gluschtige» Fleischplättli, das erfrischende Birchermüesli und die knackigen Früchte. Die Bergers lachen, schmausen und geniessen. Nicht immer war der Schweizer Nationalfeiertag ein arbeitsfreier Tag. Erst seit 1994
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4 | Migros-Magazin 30, 25. Juli 2011
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➔ 300 g Champignons putzen und in Scheiben schneiden. Mit 2 Esslöffeln Sonnenblumenöl bei starker Hitze 1—2 Minuten braten. Zirka Fr. 4.20 ➔ 150 g Blauschimmelkäse (z. B. Saint Agur) über die Champignons bröckeln und schmelzen lassen. 1 Bund Petersilie hacken und unterrühren. Zirka Fr. 4.50 ➔ Die Pilz-Käse-Mischung auf der Mini-Rösti verteilen. Tipp: Statt Rösti begleiten auch Brot oder Kartoffeln dieses Gericht perfekt.
Hoher Suchtfaktor
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SPEZIAL DAS BESTE AUS DER MIGROS
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1. August Weggen, 400 g,
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Ein Stück Heimat
Am Nationalfeiertag sind die 1.-August-Weggen nicht von unseren Esstischen wegzudenken. Der traditionelle Festweggen wird seit rund 60 Jahren gebacken. BÄCKER-TIPP
Bild & Styling Claudia Linsi
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n vereinfachter Form gab es den Weggen schon vor unserer Zeitrechnung, damals allerdings noch aus kräftigem Vollkornmehl. Spezielle Weissmehlweggen zum Nationalfeiertag gibt es seit rund einem halben Jahrhundert, als man begann, das damals kostbare Weissmehl aus Italien zu importieren. Erst im Laufe der Zeit fingen die lokalen Getreidebauern an, ebenfalls Weissmehl für feine Backwaren und helle Brote anzubieten. Mittlerweile gehören die
kreuzförmig eingeschnittenen Weggen zum 1. August wie der Cervelat, Augustfeuer und Feuerwerke oder Lampions und lange Festreden. Mit ihren kleinen Fähnchen sind sie das unbestrittene kulinarische Aushängeschild unseres Nationalfeiertags. Um den 1. August herum sind die Weggen in der ganzen Schweiz erhältlich und erfreuen sich bei Alt und Jung grosser Beliebtheit − zum Beispiel beim ausgedehnten Frühstück mit der ganzen Familie. Die
Weggen gehören zu den 15 Prozent der insgesamt 200 Brotsorten, die in allen Migros-Filialen erhältlich sind. Die anderen 85 Prozent sind regionale Spezialitäten wie etwa die freiburgische Cuchaule oder die neuenburgische Taillaule, die nur in den Regalen der jeweiligen Region stehen. Damit pflegen die MigrosBäckereien die langen kulinarischen Traditionen der Regionen, und das nicht nur an Feiertagen. Claudia Schmidt
Das Kreuz des Weggens Hübsch sehen die Weggen auf dem Frühstückstisch aus. Der kreuzweise Einschnitt erinnert einerseits an das Schweizer Kreuz, hat aber auch ganz praktische Aspekte: Der Weggen geht beim Backen schön gleichmässig auf, zudem lässt er sich auch ohne Messer einfach teilen, indem man ihn entlang des Einschnitts auseinander bricht.
6 | Migros-Magazin 30, 25. Juli 2011
Sportlich durchstarten
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Rückruf des Elektrorasenmähers EH 38 Die Migros ruft den Elektrorasenmäher EH 38 (Artikelnummer 6307.320), der seit März 2011 im Verkauf ist, wegen eines Mangels zurück. Das Lüfterrad mit der integrierten Messerhaltung kann sich während des Rasenmähens leicht deformieren. Dieser Defekt könnte unter Umständen
dazu führen, dass sich die Schraube des Schneidemessers löst und das Messer aus der Halterung fällt. Die Migros bittet die Kunden, den Rasenmäher ab sofort nicht mehr zu benutzen und das Gerät in die nächste Filiale mit einem Do it + Garden-Fachmarkt zurückzubringen. Gegen die
Vorweisung des Garantiescheins oder des Kassabons wird den Kundinnen und Kunden der bezahltee Verkaufspreis vollumfänglich zurückerstattet. Es besteht natürlich selbstverständlich auch die Möglichkeit, das Gerät gegen einen gleichwertigen, anderen Rasenmäher einzutauschen.
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Bild Pat Wettstein, Styling Mirjam Käser
SPEZIAL DAS BESTE AUS DER MIGROS
Summer of Love
Die Ingredienzien für ein grandioses Festival-Weekend? Starke Konzerte, beste Freunde, gute Laune, viel Verständnis für Petrus’ Launenhaftigkeit und haufenweise Fruit-Fun-Drinks.
W
o werden Matschflecken mit Würde getragen, und wo verdirbt stundenlanges Schlange stehen vor Plastiktoiletten keinem die Laune? Richtig, an Open-Air-Festivals. Ein erlesener Mix aus Gitarrengeschrumme, entspanntenMenschen,Schlammschlachten und Siestas in überhitzten Zelten zwischen Flirts unter freiem Himmel – das ist der
Sommerfestivalspirit, unverblümt und schonungslos. Beim Packen kennen Festivalhopper keinen Minimalismus. So muss auch kistenweise Süffiges mit. Fruit-FunFruchtdrinks sind richtig gute Festival-Buddys: Die neuen Trinkbeutel sind mit integrierten Trinkhalmen ausgestattet, sie sind leicht, fruchtig und erfrischen nicht nur durstige Hippiegeister.
Selbst ungekühlt schmecken sie – ganz im Gegensatz zu Bier. Und gekühlt natürlich noch viel besser. Je weniger man unter gleissender Sonne und prasselndem Regen für Getränke ansteht, desto besser. Hier gehts ums Vergnügen und nicht um Härtetests, darin sind sich Lily und Kevin einig. Nicole Ochsenbein
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PUNKTEN. SPAREN. ERLEBEN.
Rose-Madeleine Harringer (48) ist Bereichsleiterin bei der CumulusInfoline. Diese ist die Anlaufstelle für alle Fragen rund um das CumulusProgramm. Wie lange arbeiten Sie schon für die Cumulus-Infoline? Ich bin seit der Lancierung des Programms 1997 dabei. Damals habe ich die ganze Datenerfassung organisiert. Heute bin ich Bereichsleiterin für 30 Mitarbeitende. Zudem bin ich für das Qualitätsmanagement und die Einhaltung des Datenschutzes verantwortlich. Was schätzen Sie an Ihrem Job besonders? Mein Beruf ist mein Traumberuf. Ich liebe den direkten Kontakt zu den Kunden und zu meinen Mitarbeitern. Immer wieder kommen wir durch ein konstruktives Gespräch zu guten Lösungen. Das Schönste ist für mich das Vertrauen der Kunden. Danke!
Rose-Madeleine Harringer (Mitte) und ihr Team bewältigen bis zu 5000 Kundenanfragen pro Tag.
taktformular auf www.migros.ch/ cumulus ist ein rege genutzter Kanal. Briefe oder Faxe werden immer seltener.
Welches sind die häufigsten Kundenanliegen? Sie betreffen Adressänderungen, die Bestellung von Zusatz- oder Ersatzkarten, Fragen zu Angeboten, zum Punktestand oder zu unserer Homepage.
Gibt es Spitzenzeiten, in denen die Drähte heiss laufen? Das schwankende Volumen ist eine riesige Herausforderung. Wir verschicken alle zwei Monate zirka 2,5 Millionen Kontoauszüge gleichzeitig. Das löst jeweils eine Flut von Anrufen und Mails aus. An einem normalen Tag erhalten wir rund 1000 Kundenanfragen. Nach dem Versand steigt das Volumen für einige Tage auf über 5000 pro Tag an. Wir bemühen uns, auch an diesen Tagen Wartezeiten zu vermeiden und allen gerecht zu werden.
In welcher Form wenden sich die Leute an die Cumulus-Infoline? Die meisten wenden sich telefonisch an uns. Auch das E-Mail und unser Kon-
Hatten Sie ein spezielles Erlebnis? Vor einiger Zeit rief uns die Polizei an, da in einer Migros-Filiale eine Frau bewusstlos zusammengebrochen war.
Sie trug keine Dokumente bei sich. Anhand ihrer Cumulus-Nummer konnte ich bei ihr zu Hause anrufen und ihre Angehörigen informieren. Diese konnten sich umgehend mit den Helfern vor Ort in Verbindung setzen und ihnen wichtige Informationen über die Patientin geben. Dadurch konnten die Rettungssanitäter die richtigen Massnahmen treffen. Später wurde ich informiert, dass mein schnelles Handeln der Patientin das Leben gerettet hat. Wie funktioniert der Austausch zwischen Cumulus und Infoline? Wir arbeiten sehr eng mit den Verantwortlichen von Cumulus zusammen. Die Infoline ist ein Schaufenster zu unseren Kunden. Durch deren Feedback können wir feststellen, wo wir Verbesserungspotenzial haben. Eine Idee aus der Theorie ist nur so gut, wie sie bei den Kunden ankommt.
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Migros-Magazin 30, 25. Juli 2011
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NEWS
Produkt der Woche
Urchig gut und knusprig frisch — so präsentieren sich die neuen Holzofenbrote der Migros. Es gibt sie in zwei Varianten: einmal als Weissbrot mit Mehl und einmal als Ruchbrot mit Schrot bestreut. Beide Sorten werden mit Meersalz und Weizenkeimen hergestellt und enthalten zudem fünf Prozent Vollkornmehl. Sie werden im Holzofen vorgebacken, und ofenwarm gibt es sie in allen grösseren Filialen.
Klubschul-Tipp der Woche
Bild: M-Art Photographie
Für viele ist die Ferienzeit das Highlight des Jahres. Damit Sie Ihre Ferien in fremdsprachigen Ländern noch besser geniessen können, bietet die Klubschule Migros in fünf verschiedenen Sprachen Travelkurse an. So kommen Sie nicht mehr ins Schwitzen, wenn Sie nach dem richtigen Bus oder nach dem Weg zum Hotel fragen müssen. So macht das Feilschen auf dem Basar für Ihre Feriensouvenirs sogar Spass, und auf Ihrem Teller landen keine bösen Überraschungen mehr. Die Travelkurse beginnen ab Ende August und bereiten Sie optimal auf die nächste Reise vor. Nach den Ferien ist immer vor den Ferien! Alle Travelkurse im Überblick: www.klubschule.ch Suchwort: Travel Luzern: 041 418 66 66 Zug: 041 727 11 55 Sursee: 041 921 34 20
Von der Idee zum eigenen Kleidungsstück braucht es viel Handwerkskunst.
Da erblasst selbst Lagerfeld Kleidern die individuelle Note geben oder eigene Kreationen entwerfen: Bei der Klubschule Migros lernt man auf dem Weg zum Diplom M-Art Mode, wie es geht.
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as Bild der verstaubten alten Schneiderin ist lange passé: Schneidern und Nähen ist in. Der Trend weg von den Kleidern ab Stange hin zur Individualität fordert nicht nur Einfallsreichtum, sondern auch Eigeninitiative und Handwerk. Von der Inspiration bis zum Nähen braucht es einen genauen Ablauf und viel Handwerkskunst. Zum Beispiel Farb- und Materialmöglichkeiten studieren, Entwurfstechniken und Modellzeichnungen erlernen oder Schnittmuster selber herstellen. «Das Schneidern erfordert von den Kursteilnehmenden viel Geduld, da der aufwendige Prozess des Kleidergestaltens drei eigenstän-
dige Fachgebiete beinhaltet: Design, Schnitttechnik und Nähtechnik», meint Klara Neugebauer, Dozentin bei M-Art Mode. Der Lehrgang M-Art Mode der Klubschule Migros Luzern deckt alle diese Ansprüche ab. Vorkenntnisse sind zum Eintritt in die Grundstufe 1 allerdings nicht nötig. Wissen und Können werden sukzessive aufgebaut. Den Kursleiterinnen ist es wichtig, auf die individuellen Fähigkeiten der Teilnehmenden einzugehen und sie auf ihrem kreativen Weg fördernd zu begleiten. Ab dem fünften Semester kann eine mehrteilige Diplomarbeit erarbeitet und einer Jury präsentiert werden. Marisa Michlig
Lernziele der M-Art Mode auf Grundstufe Der Lehrgang M-Art Mode wird in den Klubschulen Zug und Luzern angeboten. Teilnehmende spielen den ganzen Prozess von der Idee bis zum fertigen Kleidungsstück systematisch und exemplarisch durch: ➔ Sie kennen verschiedene Entwurfsmethoden und bringen ihre Ideen ein. ➔ Sie kennen die Farbenlehre und können Farb- und Materialwirkungen beurteilen. ➔ Sie erhalten Einblick in die Geschichte der Bekleidung und kennen die jüngsten Modetrends. ➔ Sie stellen Modezeichnungen ihrer eigenen Modellen her. ➔ Sie können einfache Schnittmuster herstellen und abändern. ➔ Sie nähen ihre Modelle fachgerecht.
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Migros-Magazin 30, 25. Juli 2011
SPEZIAL IHRE REGION MIGROS LUZERN
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Aus 66 Migros-Lernenden werden Berufsleute
Nach zwei bis vier Jahren Berufslehre feierten die Lernenden der Migros Luzern ihren Lehrabschluss. Fürs Berufsleben sind sie gut gerüstet.
66 Lernende der Migros Luzern brechen auf zu neuen beruflichen Ufern.
Bild: Marisa Michlig
A
pplaus für 66 junge Frauen und Männer: Sie haben bei der Migros Luzern eine Berufslehre absolviert. Jetzt sind sie frisch gebackene Lastwagenfahrerinnen, Dekorationsgestalterinnen, Logistiker EBA (Eidg. Berufsattest) sowie Detailhandelsassistenten und -fachleute. «Sie sind jetzt gerüstet für das Berufsleben», hielt Bettina Kneubühler, Leiterin Personelles/Ausbildung bei der Migros Luzern, an der Abschlussfeier fest. Sie freut
sich besonders, dass rund 80 Prozent der ehemaligen Lernenden bei der Migros Luzern weiterbeschäftigt werden können. Ernst Weber, Geschäftsleiter der Migros Luzern, bedankte sich besonders bei den Eltern der Lernenden für die Begleitung, Unterstützung und Geduld in den letzten Jahren. Er ermutigte die Berufsleute, sich treu zu bleiben und auf ihre Stärken zu vertrauen. «Im Detailhandel kann man schnell Karriere machen. Also
nutzen Sie ihre Chance», so Weber.
Schwedische Klänge bei der Abschlussfeier
Die Lernenden der Migros Luzern feierten am 5. Juli in Littau das Ende ihrer Berufsbildungszeit. Die Abschlussfeier stand unter dem Motto «ABBA»: Klassische Evergreens wie «Money, Money, Money» oder «Waterloo» des schwedischen Pop-Quartetts erfreuten nicht nur die jungen Absolventen,
Adressänderungen: nur noch der Post melden. Die Zeitung wird dann automatisch an die neue Adresse geliefert. Abonnentenservice: MIGROS LUZERN, 6031 Ebikon, Tel. 041 455 70 38, E-Mail: genossenschaftsregister@migrosluzern.ch
sondern auch die anwesenden Eltern, Ausbildner und Berufsbildungsverantwortlichen. Alle Absolventen erhielten als Anerkennung für die erbrachte Leistung eine Geschenkkarte der Migros Luzern im Wert von Fr. 100.¬. Die Migros Luzern freut sich, ab dem 2. August 80 neue Lernende begrüssen zu dürfen. Für den Lehrbeginn im Sommer 2012 können sich ab August 2011 Interessierte bei der Migros Luzern bewerben. Rahel Probst
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SPEZIAL IHRE REGION MIGROS LUZERN
Migros-Magazin 30, 25. Juli 2011
NACHGEFRAGT
«Selbständiges Arbeiten ist wichtig»
Vier Lernende der Migros Luzern fassen zusammen, wie sie ihre Grundbildungszeit erlebt haben. Sie schliessen ihre Ausbildung Ende Juli ab.
Patrick Kumli, Logistiker Logis EFZ (Eidg. Fähigkeitszeugnis):
Ich konnte von Anfang an sehr viel Verantwortung übernehmen, deshalb fühle ich mich gut vorbereitet auf das Berufsleben. Die drei Jahre bei der Migros waren lehrreich und interessant ¬ mit den üblichen Höhen und Tiefen. Dennoch ist mir das Einführungslager zu Beginn der Grundbildungszeit am besten in Erinnerung geblieben. Nach meiner Grundbildung darf ich bei der Migros Luzern bleiben. Ich werde weiterhin in Dierikon als Logistiker arbeiten. Tipps für neue Lernende? Immer alles geben, es lohnt sich!
Monika Dovoda, DetailhandelsDet assistentin Nahrungs- und Genussmittel EBA (Eidg. Berufsattest):
Die Migros ist als Arbeitgeberin sehr engagiert und grosszügig. Durch die verschiedenen internen Kursmöglichkeiten waren meine Grundbildungsjahre sehr abwechslungsreich. Wichtig war das selbständige Arbeiten. Das war manchmal hart, aber letztendlich ist das eine sehr gute Ausbildung. Ich schliesse an meine Grundbildung die zweijährige, verkürzte Lehre zur Detailhandelsfachfrau an. Dies kann ich am gleichen Ort machen, in der Migros Fanghöfli in Littau.
Rilind Curri, Curri DetailhandelsfachDetailha mann Nahrungs- und Genussmittel EFZ:
Ich habe gelernt, wie man mit Kunden, mit Mitarbeitern und mit Vorgesetzten umgeht. Denn der Umgang mit Menschen scheint mir das Wichtigste zu sein, das man als Detailhandelsfachmann braucht. Es macht vieles einfacher. Nach der Lehre werde ich als Erstes ins Militär gehen. Was ich danach machen möchte, weiss ich noch nicht.
Patricia Schuler, Schuler DetailhandelsDeta fachfrau Do It + Garden EFZ:
Die Migros Luzern bietet eine sehr gute Grundausbildung. Ich habe viele Menschen kennengelernt und bin immer unterstützt worden. Durch den Kundenkontakt habe ich viel Selbstvertrauen gewonnen. Wichtig dabei war der enorme Teamgeist, der Sicherheit bietet. Ich wechsle im Sommer in den MParc Ebikon, wo ich wieder im Do It + Garden arbeiten werde. Die neu startenden Lernenden können sich auf viele neue Leute und eine spannende Zeit freuen. Text und Bilder: Marisa Michlig
Diese Lernenden haben bestanden DETAILHANDELSASSISTENTEN Dovoda Monika, M Fanghöfli Littau Buser Mario, MM Ladengasse Ebikon Ceric Dalibor, MM Mythen-Center Ibach Emini Qendrim, MM Metalli Zug Fischlin Angela, MM Mythen-Center Ibach Frank Sabrina, MMM Länderpark Stans Gashi Qendresa, MMM Surseepark Halef Linda, M Cham Kuster Iris, MM Schönbühl Luzern Rogenmoser Angela, MMM Zugerland Steinhausen Staub Miriam, M Küssnacht Uka Lindita, MM Schweizerhof Luzern Von Wartburg Simona, MParc Ebikon DETAILHANDELSFACHLEUTE Antonelli Natascha, M Reiden Arnold Carmen, MM Urnertor Bürglen Barmettler Michelle, MMM Länderpark Stans Bättig Corina, MM Sonnenplatz Emmenbrücke Bissig Mary Joy, MM Mythen-Center Ibach Boulahna Bouschra, MM Sonnenplatz Emmenbrücke Brun Nicole, Melectronics Länderpark Stans Brunner Jurka, Melectronics Surseepark
Brunner Michael, Do it + Garden Surseepark Bucher Leandra, MM Seetal-Center Hochdorf Bühler Nicole, MMM Surseepark Bühlmann Chantal, MMM Zugerland Burri Nicole, SportXX Zugerland Steinhausen Christen Manuela, MM Mythen-Center Ibach Curri Rilind, M Horw Fischer Antonia, MParc Ebikon Frank Anita, MM Seetal-Center Hochdorf Goceva Zorica, MMM Surseepark Hurschler Franziska, MM Sarnen-Center Imhof Doris, M Brunnen Krummenacher Daniel, MM Dorfmärt Wolhusen Liembd Theres, MParc Ebikon Lingg Michelle, MParc Ebikon Mair Corinne, MParc Ebikon Marbach Jacqueline, MMM Surseepark Mihajlovic Aleksandar, MM Meierhöfli Emmenbrücke Navaratnarajah Thiviya, MM Mythen-Center Ibach Niederberger Tamara, M Buchrain Rakusic Josipa, MM Sarnen-Center Schöpfer Lea, MM Schönbühl Schuler Patricia, Do it + Garden Mythen-Center Ibach Schumacher Timo, MParc Ebikon
Spahiu Uskana, MM Schweizerhof Luzern Steiner Judith, Do it + Garden Mythen-Center Ibach Steiner Stefanie, M Goldau Stöckli Nadja, MM Seetal-Center Hochdorf Sunar Aykan, MM Ladengasse Ebikon Surendran Sugana, MM Sonnenplatz Emmenbrücke Tischhauser Reto, Melectronics Zugerland Steinhausen Totzauer Franziska, MM Urnertor Bürglen Ukaj Klaudia, M Willisau Von Rotz Daniela, Do it + Garden Länderpark Stans Wagner Michelle, MM Urnertor Bürglen Zemp Jasmin, M Küssnacht Zumbühl Jasmin, MM Meierhöfli Emmenbrücke DIVERSE BERUFE Kaufmann Stefanie, Lastwagenführerin Amrein Raphael, Logistiker EBA Kumli Patrick, Logistiker EFZ Piccand Rebecca, Lastwagenführerin Rexhepi Ardita, Fleischfachassistentin Scheidegger Carmen, KV E-Profil Schnarwiler Joanna, KV E-Profil Werder Ariane, Dekorationsgestalterin
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1. A Am Vortag Kartoffeln in der Schale im Siebeinsatz im Dampf 40 Minuten kochen. Bis zum nächsten Tag kühl stellen. 2. A Am Zubereitungstag Kartoffeln schälen und an der Röstiraffel reiben. Toma Tomaten und Zucchetti in 1 Zentimeter dicke Scheiben schneiden. Etwas Br Bratbutter in einer beschichteten Bratpfanne erhitzen, Kartoffeln da dazugeben und etwa 5 Minuten anbraten. Mit Salz und Pfeffer würzen. 3. Inzwischen in einer zweiten Bratpfanne die Hälfte des Öls erhitzen. Zucchettischeiben 5 Minuten anbraten. Aus der Pfanne nehmen und beiseitestellen. Tomatenscheiben im restlichen Öl 3 Minuten anbraten. Gemüse mit Salz und Pfeffer würzen. Kartoffeln, Tomaten und Zucchetti schichtweise anrichten. Zubereitung: Am Vortag 40 Minuten, am Kochtag 20 Minuten; pro Person 10 g Eiweiss, 20 g Fett, 59 g Kohlenhydrate, 1950 kJ/470 kcal
Rösti-Rezepte von Theresia Scharner
1. Kartoffeln schälen und roh an der Röstiraffel reiben. Zwiebel fein hacken. Bratbutter in einer beschichteten Bratpfanne erhitzen, Speck und Kartoffeln dazugeben. Mit Salz, Pfeffer und Kümmel würzen. Bei mittlerer Hitze unter gelegentlichem Rühren circa 10 Minuten braten. 2. Kartoffeln am Rand mit einer Holzkelle leicht zusammenschieben, sodass ein schöner Kuchen entsteht. Circa 5 Minuten braten, bis sich eine goldgelbe Kruste gebildet hat. Rösti mithilfe eines Tellers wenden und auf der anderen Seite circa 5 Minuten fertig braten. Zubereitung: Rund 40 Minuten; pro Person circa 8 g Eiweiss, 15 g Fett, 38 g Kohlenhydrate, 1350 kJ/320 kcal
Die Deutschschweiz Kochduell
Migros-Magazin 30, 25. Juli 2011
Die Küsnachterin Theresia Scharner betreibt eine kleine Nähstube und kocht am liebsten für ihre Freunde.
Battle of the Rösti Wer macht eigentlich die beste Rösti im ganzen Land? Das Migros-Magazin hat zur grossen Kartoffelschlacht auf der Rütliwiese geladen. Die beiden Hausfrauen Theresia Scharner aus Küsnacht ZH und Pascaline Bovet aus Neyruz-sur-Moudon VD haben die Kochkellen gekreuzt. Bewertet wurde das Resultat durch die Spitzenköchinnen Vreni Giger und Virginie Tinembart.
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Die Schweiz ist das zweite Zuhause der Deutschen Die Deutschen lieben die Schweizer, diese schnuckeligen Bergler mit ihrem radebrechenden Deutsch. Die Gefühle der Deutschschweizer dem grossen Nachbarn gegenüber sind dagegen umso ambivalenter. Text Evelin Hartmann (sie ist vor drei Monaten von Hamburg in die Schweiz gezogen), Bilder Christian Schnur
S
ie heissen Müller, Schneider oder Schmidt. Die meisten von ihnen wohnen in Zürich, Basel oder Bern. Die Schweiz ist beliebt bei ihren nördlichen Nachbarn. In den letzten Jahren sind die Deutschen zu Tausenden gekommen – und geblieben. Sie lassen sich nieder, geniessen die Landschaft, lieben ZüriGschnätzlets, schätzen das kollegiale Miteinander und nehmen die tieferen Steuersätze gerne hin. Dabei belegen die Deutschen auf der Beliebtheitsskala vieler Schweizerinnen und Schweizer gerade mal einen mittleren Platz. «Deutsche sind arrogant, laut und besserwisserisch», heisst es oft. Sie sprechen unsere Sprache nicht, und manche treten von einem Fettnäpfchen ins andere, sagen «Fränkli» oder «Schwiizerli». Und nicht nur das: Nach einer Studie des Schweizer Sozialforschers Marc Helbling haben elf Prozent der Schweizer sogar ein Problem mit ihren deutschen Nachbarn. Der Titel seiner Arbeit: «Warum Deutschschweizer Deutsche nicht mögen». Zum Vergleich: Franzosen und Italiener schneiden nur bei vier Prozent der Schweizer schlecht ab. Dabei stehen sich Deutschschweizer und Deutsche kulturell viel näher.
Der Kleine schaut immer auf den Grossen «Das Verhältnis zwischen der Schweiz und Deutschland ist ein spezielles», betont Christof Meier, Leiter der Integrationsförderung der Stadt Zürich. «Wir sehen deutsches Fernsehen, wissen Bescheid,
was in Deutschland politisch passiert. Umgekehrt ist das nicht so.» Die Bundesrepublik hat 16 Mal so viele Einwohner wie die Deutschschweiz. Ein Ungleichgewicht, das beim kleineren Bruder gegenüber dem grösseren Minderwertigkeitsgefühle auslösen kann.
Schweizer haben Mühe mit deutschen Chefs
Herzlich aufgenommen
Seit fünf Jahren wohnen Matthias Schneider (37) und Andrea Kaufmann (30) in Oschwand BE. Das Paar führt die Vertriebsagentur H &S Agentur Kaufmann. «Wir sind von unserem Kunden in die Schweiz abgeworben worden. Da wir aber deutsche Firmen in der ganzen Schweiz vertreten, kommen wir viel herum und sind immer wieder erstaunt, wie vielfältig unsere neue Heimat ist», sagt Matthias Schneider. «Sicher, die Schweizer sind manchmal etwas zurückhaltend. Aber wenn man ihnen Zeit gibt und sich selbst bemüht, wird man sehr herzlich aufgenommen.»
Dass die Rolle Deutschlands im Zweiten Weltkrieg eine grosse Rolle in der aktuellen Integrationsdebatte spielt, glauben Experten nicht. «Wichtiger ist die starke Zunahme der Zahl Deutscher in so kurzer Zeit», sagt Marc Helbling. Seit 2007 das Personenfreizügigkeitsabkommen mit der EU in Kraft getreten ist, nutzten viele Deutsche die Chance, nun frei in die Schweiz einreisen und hier arbeiten zu können. Warum? Es locken bessere Arbeitsbedingungen und höhere Gehälter. Die Schweiz ist nah, und man spreche die gleiche Sprache – denken die Deutschen. 2002 lebten rund 140 000 von ihnen in der Schweiz, 2009 waren es knapp 270 000. Dazu kommen Tausende Pendler, die über die deutsch-schweizerische Grenze zur Arbeit fahren. «Viele von ihnen sind hochqualifiziert, sprechen besser Hochdeutsch und besetzen wichtige Positionen», so Christof Meier. «Aber die Schweizer sind nicht gewohnt, einen Ausländer als Vorgesetzten vor die Nase gesetzt zu bekommen.» Also beharren wieder mehr Eidgenossen auf dem Schweizerdeutschen. Marc Helbling: «Ein altbekanntes Phänomen: Wenn
Die Deutschschweiz Die deutschen Nachbarn
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Fan der Berge Als sich Tomas Grübl (26) bei RocheDeutschland bewarb, war schon klar, dass sein Einsatzort bald in der Schweiz sein würde. «Das hat mich gereizt», sagt er. Mittlerweile wohnt er seit drei Jahren in Luzern und arbeitet als Senior Team Leader bei Roche Diagnostics in Rotkreuz ZG. Tomas Grübl: «Die Schweiz fand ich immer toll. Ich bin ein grosser Outdoor-Sportfan, gehe gerne biken, bergsteigen. Es brauchte etwas Zeit, um mit Schweizern in Kontakt zu kommen, aber ich bin nett aufgenommen worden und mittlerweile sogar mit einer Schweizerin zusammen.»
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1. Tag / Zürich – Bangkok: Flug von Zürich mit Qatar Airways via Doha nach Bangkok. 2. Tag / Ankunft in Bangkok: Nach Ihrer Ankunft in Bangkok am Vormittag erwartet Sie bereits ein erster Höhepunkt Ihrer Reise mit dem Besuch des prunkvollen Königspalastes mitten in der quirligen Millionenstadt Bangkok. 3. Tag / Bangkok – Ayutthaya – Sukhothai: Fahrt durch eine abwechslungsreiche Tropenlandschaft mit üppiger Vegetation. Besuch von Ayutthaya mit seinen fantastischen Tempelanlagen – einst über 400 Jahre lang Hauptstadt von Siam, wie Thailand früher hiess. Nach der Besichtigung Fahrt nach Sukhothai. 4. Tag / Sukhothai – Chiang Rai: Heute besichtigen Sie zuerst Sukhothai, die erste Hauptstadt des Landes. Besonders interessant sind die prachtvollen Bauten und ein „Historical Park”. Am Nachmittag Halt am schönen Kwan Phaya See. 5. Tag / Goldenes Dreieck: Ein weiterer Höhepunkt erwartet Sie heute: Sie besuchen einen traditionellen Bergstamm mit Spaziergang durch den farbenprächtigen Markt. Krönung dieses Tages ist eine malerische Bootsfahrt auf dem Mekong–Fluss zum Dreiländereck von Laos, Myanmar und Thailand. 6. Tag / Chiang Mai: Heute besuchen Sie das Elefantencamp und können die Dickhäuter bei ihrem Bad beobachten. Anschliessend Spaziergang durch eine Orchideenfarm. Mit dem What Doi Suthep besichtigen Sie den imposantesten Tempel des ganzen Landes. Am Abend laden wir Sie zu einem typischen Kanntoke Dinner mit traditionellen Folkloredarbietungen ein. 7. Tag / Chiang Mai – Lampang – Phitsanulok: Am Vormittag besuchen Sie das Zentrum für lokales Kunsthandwerk in Chiang Mai. In Lampang bewundern Sie den bekannten und einzigartigen Emerald Buddha. Nach einer abwechslungsreichen Fahrt erreichen Sie am Abend Phitsanoluk. 8. Tag / Phitsanulok – Bangkok: Besichtigung der eindrücklichen Stadt Phitsanulok, die in keinem Thailandreiseprogramm fehlen sollte. In Phitsanulok leben heute wie in alten Zeiten viele Menschen am und auf dem Wasser – auf Booten und Flößen. Anschliessend Fahrt zurück in die quirlige Millionen–Metropole Bangkok und Übernachtung im Erstklasshotel. 9. Tag / Bangkok – Zürich oder Beginn Badeferien in Rayong: Freier Tag in Bangkok für Shopping oder einen fakultativen Ausflug Ausflug zu den prächtigen schwimmenden Märkten von Damnoen Saduak. Für Gäste mit Badeferienverlängerung erfolgt anschliessend der Transfer nach Rayong direkt in Ihr Hotel. Für Gäste, die heute in die Schweiz zurück fliegen, fliegen, erfolgt der Transfer zum Flughafen für den Rückflug Rückflug nach Zürich am Abend. 10. Tag / Zürich: Am Morgen Ankunft in Zürich.
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Die Deutschschweiz Die deutschen Nachbarn
objektiv die grossen Unterschiede nicht so sichtbar sind, streicht man die kleinen heraus, um die Grenzen nicht zu verwischen.» Man nenne das den «Narzissmus der kleinen Unterschiede».
Teamgeist und Konsens sind bei uns wichtiger Einige Klischees sind nicht mal herbeigeredet. Deutsche sind tatsächlich direkter. Sie ticken eben doch etwas anders als Schweizer – aber das machen sie nicht bewusst. «Viele Deutsche denken, in der Schweiz ist es wie zu Hause, nur schöner», so Marc Helbling. Dann seien sie überrascht, dass hier eine Sprache gesprochen wird, die sie nicht verstehen. Auch Eleonore Wettstein von der GGG-Ausländerberatung in Basel macht diese Erfahrung. Sie bietet Informationsveranstaltungen für Migranten an und sagt:
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Traum erfüllt
«Vielen Deutschen ist vor der Einreise in die Schweiz gar nicht klar, dass sie ins Ausland gehen. Wenn sie feststellen, dass hier doch eine andere Gesprächs- und Kommunikationskultur herrscht, bekommen sie einen kleinen Kulturschock.» Gerade in der Berufswelt wird in der Schweiz mehr Wert auf Konsens und Teamgeist gelegt. Dabei sei es nicht so, dass die Deutschen sich nicht für ihre neue Heimat interessieren. Im Gegenteil. «Aber die Deutschen können es schwer allen recht machen. Wenn sie sich bemühen, den Dialekt zu sprechen, kommt das oft nicht gut an. Wenn sie Hochdeutsch sprechen, kann es arrogant wirken», sagt Eleonore Wettstein. Was sie den Deutschen rät? Es erst einmal langsam angehen lassen und schauen, wie die Dinge hier funktionieren. «Und man sollte vom ersten Tag an versuchen, den Dialekt zu verstehen. Das erleichtert den Alltag.»
Für Michael Blümmel (26) war es immer ein grosser Traum, in der Schweiz zu leben. Vor drei Jahren hat er sich für den Sozialpädagogen und Studenten aus Adetswil ZH erfüllt. «Ich liebe die vielen Seen und die Berge. Man hat so viele Möglichkeiten», sagt er. «Aber ich denke, es ist wichtig, sich bewusst zu machen: Das hier ist nicht Deutschland, ich ziehe in ein fremdes Land. Wenn man den Schweizern signalisiert, dass man sich für ihre Sprache, ihre Kultur interessiert, dann wird man auch anerkannt.»
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Die Deutschschweiz Kolumne von Jean-François Duval
Migros-Magazin 30, 25. Juli 2011
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Wie ich die «Bourbines» entdeckt habe Wenn die Westschweizer den Bauch ihrer Mutter verlassen, wissen sie noch nicht, Jean-François Duval, dass es DeutschWestschweizer schweizer gibt. Journalist. Sie entdecken das erst nach und nach. Und diese Entdeckung erfolgt in mehreren Lebensabschnitten. In meinem Fall verlief dies so: 1. Mit sieben oder acht Jahren habe ich wohl von Freunden erfahren, dass in weiter Ferne in einer abgeschiedenen Region der Schweiz ein Volk namens «Bourbines» lebt. 2. Dieses noch reichlich unzivilisierte Volk sprach eine ungehobelte, mit gutturalen Lauten gespickte Sprache und gab Anlass zu mancherlei eigentümlichen Legenden. Es war ein Volk von Bauern und Knechten. Die Mädchen lebten auf dem Bauernhof, hatten alle dicke rote Backen, melkten Kühe und tranken Milch.
darauf bestand, dass wir eine Sprache mit unmöglicher Logik büffelten.
5. Mit 15 Jahren fuhr ich nach Salzburg, um meine in «Wir sprechen Deutsch» erworbenen mageren Deutschkenntnisse zu vertiefen. Während der Zugreise war ich ganz erstaunt, wie lange es dauerte, um den Deutschschweizer Teil des Landes zu durchqueren: Die Deutschschweiz bedeckt einen enormen Teil meines Landes. Je weiter ich ins Deutschschweizer Territorium eindrang, desto kleiner wurde ich, und die französische Schweiz mit mir. Ungläubig stellte ich fest, dass die Westschweizer eigentlich Liliputaner im Lande Gullivers waren. 6. In der Rekrutenschule war der Schock noch brutaler und konkreter. In der Kaserne hatte es vier Deutschschweizer Kompanien und nur eine Westschweizer Kompanie. Wir waren geradezu umzingelt von unaussprechbaren Gutturallauten.
3. In meiner Klasse hatte es Kinder, die hiessen Schifferli und Rothenbühler, aber ich kam nie auf den Gedanken, dass ihre Eltern aus diesem abgelegenen Landstrich stammen könnten.
7. Damals herrschte bei meinen Kameraden und mir die Überzeugung, dass JeanLuc Godard recht hatte, wenn er in «À Bout De Souffle» sagte, die schönsten Frauen der Welt kämen aus Lausanne und Genf. Heute weiss ich es jedoch besser: Godard hatte Dr. No mit Ursula Andress als Bond-Girl nicht gesehen.
4. Mit zwölf Jahren wurde unsere Kindheit mit «Wir sprechen Deutsch» auf eine harte Probe gestellt, weil man partout
8. Als ich nach dem Ende der Rekrutenschule durch die Zürcher Strassen flanierte, bestätigte sich dieser Eindruck: Ein
hübsches Mädchen in einem Tram winkte mir freundlich zu. Jetzt war es um mich geschehen: Ich stellte fest, dass die jungen Zürcherinnen geschmackvoll gekleidet waren und einen Sinn für Eleganz hatten, der den jungen Westschweizerinnen abging.
9. Seit meiner Bekanntschaft mit den Zürcher Trams verfluche ich Tag für Tag den langsamen öffentlichen Verkehr in Genf und im Waadtland. 10. Die Lektüre von Denis de Rougemont und einigen anderen hat bei mir die Einsicht genährt, dass die Schweiz eigentlich zu gross ist, um eine Nation zu sein. Die Deutschschweizer, die Westschweizer und die Tessiner haben ein Wunder vollbracht: einem Land, das Schweiz heisst, einen Zusammenhalt zu geben. Aber wie? 11. Was hält denn so unterschiedliche Volksstämme zusammen? Ich glaube, es ist nichts anderes als eine gehörige Portion gesunder Menschenverstand, der sich im Laufe einer nicht immer einfachen Geschichte langsam herausgebildet hat und dazu führt, dass ein Schweizer einen anderen Schweizer irgendwo auf der Welt immer erkennt. 12. Als ich den Bauch meiner Mutter verlassen hatte, erwartete ich nichts dergleichen, aber für den kleinen Romand, der ich war, sollte die Entdeckung der Deutschschweiz nichts weniger als die Entdeckung der grossen, weiten Welt sein!
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Illustration François Maret
36 | Migros-Magazin 30, 25. Juli 2011 Die Deutschschweiz Überlebensguide
Für den welschen Karikaturisten François Maret ist klar: Die Deutschschweizer putzen lieber, als einen Aperitif zu geniessen.
Die Hand geben statt Küsschen verteilen
Wenn man jemanden zum ersten Mal trifft, ist statt der obligaten drei Küsschen wie in der Romandie Händeschütteln angesagt. Auch unter Frauen und selbst dann, wenn es sich um Freunde von Freunden handelt. Das Küsschen wird in der Regel für die zweite Begegnung oder die Verabschiedung aufgespart. Erst muss man sich ja kennenlernen.
Der Fussgänger ist König
Das Strassenverkehrsgesetz ist unmissverständlich: «Vor Fussgängerstreifen hat der Fahrzeugführer (…) nötigenfalls anzuhalten, um den Fussgängern den Vortritt zu lassen, die sich schon auf dem Streifen befinden oder im Begriff sind, ihn zu betreten.» Die Regel wird in der Deutschschweiz akribisch befolgt. Die Auto-, nicht aber die Velofahrer bremsen sys-
tematisch, wenn sie sich einem Fussgängerstreifen nähern. Hat ein Autofahrer den Vortritt eines Fussgängers missachtet, kommt es nicht selten vor, dass er sich verlegen entschuldigt. Für Fussgänger ist das sehr praktisch. Autofahrer müssen allerdings sehr aufpassen!
Deutsche und Deutschschweizer
Aus Westschweizer Sicht unterscheiden sich die Deutschschweizer nicht von den Deutschen. Die Deutschen leben einfach noch weiter im Norden, sprechen eine germanische Sprache und trinken mehr Gerstensaft. Begehen Sie diesen Fehler nicht! Der Deutschschweizer kann es nicht ausstehen, mit seinen Nachbarn verwechselt zu werden. Wenn Sie es dennoch wagen, wird er Ihnen gleich alle Unterschiede erklären. Auch der Romand wird schliesslich nicht gern für einen Franzosen gehalten. Denn wir sind keine. Auch wenn es so erscheint.
So überlebt man als Romand in der Deutschschweiz Abgesehen von Klischees – manche Gewohnheiten sind ennet der Saane einfach anders. Hier einige Tipps, um in der Deutschschweiz nicht ins Fettnäpfchen zu treten. «Bündeli» auf dem Trottoir In der Deutschschweiz stapelt man die alten Zeitungen – vom Altkarton getrennt – und schnürt sie zu sogenannten Bündeli zusammen. Mit Papier gefüllte Einkaufstaschen werden von den Sammelteams liegen gelassen. Es kann ein Augenblick grosser Einsamkeit sein, das Altpapier wieder in die Wohnung hinaufzuschleppen. Vor allem wenn die Nachbarn vom Treppenabsatz aus zuschauen. Sorgen Sie also rechtzeitig für eine Rolle Schnur.
Der Name der Leute «Hoi Trudy», «Guten Tag Frau Perrenoud», «Tschüss Lukas». Man sagt nicht einfach «Salü», «Guten Tag» oder «Bye». Beim Duzen wird systematisch der Vorname beigefügt, beim Siezen der Familienname. «Das Übergehen dieser Regel ist unhöflich», verrät eine seit Jahren in Zürich ansässige Neuenburgerin. Da muss man
am Anfang höllisch aufpassen. Tief beeindruckt sagt sich der Romand: «Wie schaffen die es nur, alle diese Namen im Kopf zu behalten?» Ganz einfach, es ist eine Frage der Gewohnheit.
«Hoi zäme» Um mehrere Personen zu begrüssen, ist «Hoi» völlig wirkungslos. Wird «zäme», für zusammen, angefügt, fühlen sich die Deutschschweizer aber angesprochen. Das Schweizerdeutsche unterscheidet in der Grussformel nämlich zwischen Ein- und Mehrzahl. Dasselbe gilt fürs «Tschüss zäme». Und wenn man sich siezt, lautet die Begrüssung «Grüezi mitenand». Das funktioniert immer.
Text Céline Fontannaz
www.migrosmagazin.ch Würden Sie es ennet dem Röstigraben schaffen? Der grosse Überlebens-Test!
«Ich bin Anarchist» Der Berner Satiriker Andreas Thiel beantwortet die Fragen des Westschweizer Komikers Thierry Meury. Andreas Thiel, können Deutschschweizer überhaupt «fein» lachen?
Schweizerdeutsch ist eine subtile Sprache. Unsere alles dominierenden Kulturgüter Konjunktiv und Diminutiv brechen jeder Pointe die Spitze. Deswegen hat sich unser Humor zwischen die Zeilen verlagert. Wir lachen nicht über das, was wir sagen, sondern darüber, was wir nicht gesagt haben. Gibt es kantonale Unterschiede beim Publikum oder sind — wie wir hier der Meinung sind — alle primitiv?
Die Basler sind gebildet und anspruchsvoll. Komiker fürchten sich vor Basel. Das Basler Publikum ist theatererfahren und deshalb nicht so leicht zu verblüffen. Die Berner gehen selten ins Theater. In Bern gibt es fast nur staatlich subventioniertes Theater, also Theater, das jeder spielen, aber keiner sehen will. Wer in Bern spielen will, hängt seine Plakate am besten bereits Jahre vorher auf. Irgendwann denkt der Berner, etwas müsse ja an einem Stück sein, das sich so lange hält, und geht hin. Und wenn er mal drinsitzt, ist der Berner ein sehr angenehmer Zuschauer, denn er hat es gern gemütlich. Das Zürcher Publikum amüsiert sich bestens, sofern die Kritik gut war. War die Kritik hervorragend, ist es begeistert, selbst wenn etwas Schlechtes geboten wird. Bei schlechter Kritik geht es gar nicht hin. Das Zürcher Publikum lässt sich unterteilen in die Zuschauer mit den schwarzen Anzügen und einer zehn Jahre jüngeren Blondine und die im karierten Anzug mit einer zehn Jahre älteren Brünette. Erstere sind von der Bank, die zweiten von der Versicherung. Zuschauer in blauen Anzügen, die neben einer zehn Jahre
Andreas Thiel (grosses Bild) ist einer der bissigsten Deutschschweizer Satiriker. Einst lernte er Bauzeichner.
älteren, aber gelifteten und blondierten Brünetten sitzen, kommen aus dem Aargau. Beruht Ihr arroganter Humor darauf, dass Sie zu einer — zumindest geografischen — Mehrheit gehören?
Minderheiten finden Mehrheiten immer arrogant. Das hat mit dem Misstrauen gegenüber Macht zu tun. Wir Deutschschweizer finden die Zürcher arrogant, weil sie die mächtigsten sind. Und alle zusammen finden wir die Deutschen arrogant, weil sie als kulturelle, wirtschaftliche und politische Mehrheit empfunden werden. Dass keiner die Zürcher mag, stört diese aber nicht, da sie ja tatsächlich die stärksten sind. Und dass ihr Westschweizer uns Deutschschweizer nicht mögt, betrachten wir als euer gutes Recht. Problematisch
wird es für die deutschen Einwanderer, die ebenfalls eine Minderheit darstellen, von uns aber als Vertreter einer Mehrheit angesehen und deswegen schlecht behandelt werden. Für euch Romands spielt das aber alles keine Rolle, denn ihr werdet von uns ja wie eine Minderheit, also zuvorkommend, behandelt.
Wir machen uns nicht über Minderheiten lustig.
Wenn ein Deutschschweizer lacht, macht er dann dasselbe Geräusch, wie wenn er spricht?
Unsere Komiker sind alle links, ausser mir, ich bin Anarchist.
Ja. Ein Ostschweizer lacht in offenen Vokalen, ein Bernbieter in geschlossenen. Ist es so (wie bei uns), dass schon alleine die Tatsache, dass Sie sich über die Welschen lustig machen, ein garantierter Lacherfolg ist?
Enden eigentlich alle eure Komiker irgendwann beim Circus Knie?
Ja.
Sind die deutschen Humoristen alle SVP? Oder gibt es auch ein paar Linke?
Ist der Luzerner Komiker Emil Steinberger, der sehr bekannt ist in der Romandie, weil er seine Sketche auf Französisch spielt für Sie Vorbild oder Verräter?
Emil hat das geschafft, was fast keiner schafft. Er hat die Sprachbarriere durchbrochen. Aufgezeichnet von Dörte Welti
Die Deutschschweiz Humor
Darüber lachen die Deutschschweizer GROSSMUTTER-WITZ ***** Schwerhörige Grossmutter beim Arzt. Arzt: «Sie, Sie händ Thrombose.» D’Grossmuetter: «Hääää?!» Arzt: «THROMBOSE!» D’Grossmuetter: «Ahaaa …» Arzt: «Das muess me operiere.» D’Grossmuetter: «Hääää?!» Arzt: «OPERIERE!» D’Grossmuetter: «Ahaaa …» Arzt: «Choschtet vill Gäld.» D’Grossmuetter: «Hääää?!» Arzt: «VILL GÄLD!» Daheim fragt der Ehemann: «Und was hett de Dokter gseit?» D’Grossmuetter: «Er hett gseit, ich heg en TRAUMBUSE, mer müess en FOTOGRAFIERE, es geb VILL GÄLD defür!» ITALIENER-WITZ ***** Weshalb sind die Italiener so klein? Weil der Papa immer gesagt hat: «Wenn du gross bist, musst du arbeiten.» BLONDINEN-WITZ 1 **** Was macht eine Blondine auf dem Meeresgrund? Sie sucht Leonardo DiCaprio. VIAGRA-WITZ *** Was wird aus einem Glühwürmchen, das ein Viagra verschluckt hat? Eine Ständerlampe. SIMMEL-WITZ *** Ein Mann setzt sich an die Theke. Als der Wirt fragt, was er will, antwortet er: «Ich wette mit dir um ein Bier, dass ich etwas in der Tasche habe, das du noch nie gesehen hast!» Der Wirt geht auf die Wette ein. Der Gast öffnet seine Tasche und holt ein 30 Zentimeter grosses Männchen heraus. Das Männchen sieht aus wie der berühmte Autor Simmel und geht die Theke entlang, schüttelt jedem Gast die Hand und sagt: «Guten Tag, sehr erfreut, mein Name ist Simmel, ich bin Literat.» Der Wirt, der so was noch nie gesehen hat, ist aus dem Häuschen und fragt ihn, woher er das Männchen habe. Der Gast antwortet: «Geh raus, die Strasse entlang, bis du an eine Ecke mit einer Laterne kommst. Reibe an der Laterne, und es
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Die Karikaturen der anderen Joëlle Beeler*, welchen Stellenwert haben Karikaturen in den Deutschschweizer Tageszeitungen?
erscheint dir eine gute Fee.» Der Wirt rennt sofort los, kommt bei der Laterne an und befolgt die Anweisungen des Gastes. Da erscheint ihm die Fee. Der Wirt überlegt nicht lange und sagt: «Ich hätte gerne fünf Millionen in kleinen Scheinen.» Die Fee klopft an die Laterne und puff… der Wirt hat fünf Melonen in der Hand und um ihn herum lauter kleine Schweine. Stinksauer geht er in seine Kneipe zurück und schimpft: «Deine Fee ist wohl schwerhörig, ich wollte fünf Millionen in kleinen Scheinen und bekomme fünf Melonen und lauter kleine Schweine.» Da sagt der Gast: «Klar ist sie schwerhörig, oder dachtest du allen Ernstes, ich wünsche mir einen 30 Zentimeter grossen Simmel?» BLONDINEN-WITZ 2 ** Warum legt eine Blondine immer eine Peperoncini auf den Fernseher? Damit das Bild schärfer wird. FRITZCHEN-WITZ * Der Lehrer sagt: «Wer glaubt, dass er dumm ist, steht auf.» Da steht Fritzchen, der Klassenbeste, auf. Der Lehrer fragt verwundert, warum er aufgestanden sei. Da sagt Fritzchen: «Ich konnte es nicht ertragen, Sie als Einzigen stehen zu sehen.» Die Wertung ***** Lautes Losprusten **** Helles Glockenlachen *** Glucksen ** Mehr ein Meckern als ein Lachen * Leichtes Mundwinkelzucken
Im Unterschied zur Romandie haben die Zeitungen keine fixen Plätze für Karikaturen. Die Zeitungsmacher entscheiden von Artikel zu Artikel, ob eine Karikatur eingesetzt wird, und in der Regel arbeiten Zeitungen mit diversen freien Karikaturisten zusammen. Eine Ausnahme ist der «Tages-Anzeiger». Für ihn arbeitet Karikaturist Felix Schaad. Er zeichnet fast jeden Tag eine Karikatur für den Titel. Und die «NZZ am Sonntag» beschäftigt Karikaturist Patrick Chappatte. Sind die Karikaturen in der Deutschschweiz braver als jene in der Romandie?
Ich würde sagen: sachlicher. Betrachtet man das Thema Röstigraben, fällt auf, dass die Deutschschweizer versuchen, den Konflikt eher zu erklären als Saures zu geben. Sie sind vielleicht harmoniebedürftiger oder als eine Art «grosser Bruder» gelassener. Wenn es allerdings um sprachliche und kulturelle Eigenheiten geht, werden sie genauso bissig wie die Romands. Dann hört der Spass endgültig auf. Wie werden Deutschschweizer in Karikaturen dargestellt?
Als Neinsager, konservativ und mächtig. Die Romands karikieren die Deutschschweizer gern als Kuhschweizer mit Sennenkäppi. Welche Themen werden in der Deutschschweiz karikiert?
Illustrationen: Igor Kravarik
Die Karikaturisten beschäftigen sich mit dem In- und Ausland und dann erst mit lokalen, gesellschaftlichen Fragen wie etwa dem Röstigraben. Interview Evelin Hartmann
* Die Medienwissenschaftlerin hat rund 50 Karikaturen aus der Schweizer Tagespresse untersucht. Die Karikaturen haben inhaltlich alle das gleiche Thema: das Verhältnis zwischen Deutsch- und Westschweizern.
«Kaffee, Tee, Gipfeli.» Minbar-Steward Abdulhakim Mohamed Nassir findet alle Gäste nett. Dies- und jenseits des Röstigrabens.
Reise über den Röstigraben, Teil 1
Zürich–Biel
Der Zuger Versicherungsmann Thomas Mantei reist nach Neuchâtel und findet die Romands sehr entgegenkommend.
In der Deutsch- oder in der Westschweiz: Wo sind die Menschen freundlicher, wo sauberer, wo spendabler? Wer wüsste das besser als der Somalier Abdulhakim Mohamed Nassir? Der Minibar-Steward pendelt täglich zwischen Zürich und Genf und verkauft Kaffee, Gipfeli und Wein. Fazit: Die Unterschiede sind kleiner als gedacht. Ausserdem kann man im Zug seekrank werden. Text Ruth Brüderlin, Fotos Christine Bärlocher
Die Deutschschweiz Reise über den Röstigraben, Teil 1
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Jacques und Christine Mathys aus Villeret BE auf dem Weg nach Biel. Sie sind überzeugt, dass das welsche TV den Röstigraben vertieft.
Zürich 10:04 Uhr: Mit dem ICN ab in den Westen.
A
uch in einem Binnenzug kann man seekrank werden. Zumindest, wenn man nicht gemütlich in den Polstern des IC-Neigezuges von Zürich nach Genf fährt, sondern drei Stunden lang aufrecht die Gänge auf und ab eiert. Abdulhakim Mohamed Nassir (36) lacht verhalten: «Am Anfang hatte ich nachts noch das Gefühl, das Bett drehe sich. Aber man gewöhnt sich sehr schnell daran.»
Der Röstigraben werde tiefer geschwatzt, als er sei, finden Christine und Jacques Mathys aus Villeret BE: «Bei uns im Berner Jura ist er kein Thema.» Das Ehepaar ist bilingue und scheint zu wissen, wer an der Misere schuld ist. «Das Fernsehen», sagt Jacques Mathys, «vor allem Télévision Suisse Romande lässt keine Gelegenheit aus, um Vorurteile und Klischees zu verbreiten.»
Seit drei Jahren ist der gebürtige Somalier Minibar-Steward. «Kaffee, Tee, Gipfeli», kündigt er in jedem Wagen zweisprachig an. Deutschschweizer bevorzugen Vollkorn, Romands mögen Butter-Croissants. Ansonsten gebe es keine Unterschiede. Und die legendäre Apéro-Tradition der Welschen? Mohamed Nassir lächelt. «Am Nachmittag wird ab und zu Wein konsumiert.» Und zwar unabhängig von der Herkunft des Gastes oder dem aktuellen Standort des Zuges. Wer ist freundlicher? Wer kommunikativer? Wer gibt mehr Trinkgeld? Der Steward winkt ab. Keine Unterschiede, alle sehr nett.
Die Minibar bedient mittlerweile zum zweiten Mal die erste Klasse. Der Kaffeeabsatz ist hoch. Drei Geschäftsleute, aufgeklappte Laptops vor sich, unterhalten sich rege auf Englisch. In einem Einzelsitz liest Thomas Mantei Unterlagen. Er wohnt in Zug, fährt für einen grossen Versicherungskonzern nach Neuchâtel und ist Deutscher. «Die Unterschiede zwischen Deutschschweizern und Romands sind etwa gleich gross wie zwischen Zürchern und Bündnern», meint er trocken und lobt: «Die Romands sind, gerade was meine Französischkenntnisse angeht, sehr entgegenkommend.» Weiter vorne in der zweiten Klasse bekommt Auslandschweizerin Sophie
Auslandschweizerin Sophie Cowen (links) besucht ihre Cousine in Genf. Mit dabei: ihre Mutter Claire Inhelder.
Cowen (14) Nachhilfe in Swissness: Ihre Mutter Claire Inhelder-Cowen kauft ihr ein Kägi-Fret von der Minibar. «Das ist ein Stück Schweizer Kultur.» Sophie, die in den USA lebt und ihre Cousine in Genf besuchen will, guckt skeptisch, beisst rein und strahlt: «Fein.» Genf sei multikultureller als die Deutschschweizer Heimat ihrer Mutter in Wiesendangen ZH, findet sie: «Man sieht mehr verschiedene Rassen auf der Strasse.» Mutter Claire studierte vor 20 Jahren an der Rhone und fuhr jeden Monat zwischen den Landesteilen hin und her. «Mir fällt auf, dass Minibar-Steward früher als typischer Studentenberuf galt. Heute sieht man vor allem Migranten.» Sie erinnere sich noch, wie ihre Studienkollegen über die harte Arbeit geklönt hätten. Darum gebe sie heute noch immer besonders grosszügig Trinkgeld. Bei dieser Diskussion fällt Abdulhakim Mohamed Nassir ein, wer grundsätzlich nie etwas gebe: die Franzosen. Jedenfalls behaupten das seine Kollegen, die als Stewards im TGV nach Paris arbeiten.
In der anderen Hälfte des Migros-Magazins geht es weiter von Biel nach Genf
ÂŤDer eigentliche Graben Stadt und LandÂť #LAUDE ,ONGCHAMP IST DER 2 STIGRABEN EIN -YTHOS UNINSPIRIERTER *OURNALISTEN ODER TÂ…GLICHE 2EALITÂ…T
Weder noch. Der RÜstigraben tut sich vielmehr unter bestimmten Umständen auf und bei bestimmten Themen ganz systematisch. 1992 haben die grossen Debatten ßber den Europäischen Wirtschaftsraum einen echten Graben zwischen den West- und den Deutschschweizern aufgeworfen. Dieser Graben ist heute zwar nicht verschwunden, macht aber weniger Schlagzeilen. Die Europafrage polarisiert nicht mehr in gleichem Masse. Sie ist nicht mehr das Identitätsthema, das sie zu der Zeit war, als die Identität der Welschschweizer proeuropäisch geprägt war. Ein Westschweizer, der nicht proeuropäisch war, war kein guter Westschweizer. Das war eine Zeit, zu der sich eine Zeitung wie der Nouveau Quotidien auf dem Titel als schweizerisch und europäisch definieren konnte. 7AS IST GESCHEHEN
Die Skepsis gegenßber Europa hat sich auch in der Westschweiz breitgemacht. Heute distanzieren sich die Sprachregionen gemeinsam von Europa, und die nationale ZusammengehÜrigkeit stÜsst als politischer Rahmen auf mehr Akzeptanz, während man damals den Eindruck haben konnte, dass die Romandie die Schweiz am liebsten verlassen wollte. $ENNOCH IST DER 2 STIGRABEN NICHT V LLIG VERSCHWUNDEN
Aufgrund der Wirtschaftskrise hat
dieser Graben wieder an Bedeutung gewonnen, und zwar in den Bereichen Gesundheit, Sozialpolitik und im Steuersystem. Dort setzen die Deutsch- und die Westschweizer unterschiedliche Prioritäten. Fßr einen guten Deutschschweizer ist das Thema Steuersenkung von grosser Bedeutung, selbst zu Lasten des Sozial- und Gesundheitssystems. Die Deutschschweizer Linke sieht das natßrlich anders. Aber in der Romandie folgen sogar die bßrgerlichen Parteien dieser staatlich regulierten Linie und sind bereit, fßr gute Sozial- und Gesundheitsleistungen zu zahlen. Das ist der Unterschied. In der Westschweiz betrachtet man es quasi als Aufgabe des Staates, der Kantone, sich im sozialen Bereich und im Gesundheitswesen zu engagieren. )ST DER $EUTSCHSCHWEIZER SICHERHEITSORIENTIERTER
Da bin ich mir nicht sicher. In der Frage der Sicherheit erkennt man bei Abstimmungen keine grossen Unterschiede zwischen den Sprachregionen. (AT NICHT DIE 360 EINE DURCH UND DURCH DEUTSCHSCHWEIZE RISCHE 0ARTEI ZUM !BBAU DES 2 STIGRABENS BEIGETRAGEN
INDEM SIE 7ESTSCHWEIZER 3EKTIONEN GEGR|NDET HAT UND AUF 4OURNEE DURCH DIE 7ESTSCHWEIZ GEGANGEN IST
Man kann in jedem Fall eine Normalisierung des Diskurses feststellen, der ursprßnglich im Wesentlichen deutschschweizerisch geprägt war. Ausserdem besteht eine
gewisse Tendenz darin, Probleme zu nationalisieren. Das heisst, Tendenzen, die es frßher nur in Zßrich gab, sind nun auch in Genf zu beobachten. Aber das lässt sich nicht allein der SVP zuschreiben. Es sind auch immer weiterreichende Kooperationen zwischen den Deutsch- und den Westschweizer Medien zu beobachten, und auch da gibt es eine Nationalisierung des Diskurses. Statt von einem Graben sollte man heute besser von einem einfachen kulturellen Unterschied sprechen.
Unternehmen ßberhaupt kein System, das die Vertretung von Minderheiten gewährleistet, und es sitzen auch nur sehr wenige Minderheitsvertreter in den Geschäftsleitungen. Auch im Bereich der Kultur gibt es riesige Unterschiede, weil die Bezugssysteme nicht dieselben sind. Was in Paris wichtig ist, wird es auch in Freiburg sein, aber schon nicht mehr in Bern. Noch einmal: In der Politik kann ich nicht erkennen, dass die Westschweizer Politiker ausgeschlossen wßrden.
%RSCHEINT DIESE .ATIONALISIE RUNG NICHT GERADE DURCH DEN %INFLUSS VON 0RESSEHÂ…USERN WIE 4AMEDIA IN DER 2OMANDIE WIE EINE !LEMA NISIERUNG DER 0RESSE
!BER IST DIE 3PRACHE LETZTENDLICH NICHT BLOSS EIN ZWEITRANGIGES +RITERIUM 5ND HAT NICHT DIE ZU NEHMENDE :AHL AN &RAUEN IM "UNDESRAT DEN 2EGIE RUNGSSTIL STÂ…RKER VERÂ…NDERT ALS DIE 0RÂ…SENZ DER 7EST SCHWEIZER
Die Kritiken in der Westschweiz an der dominanten Stellung von Tamedia sind weniger bissig als erwartet. Wahrscheinlich sagt man sich, dass es immer noch besser ist, einen Chef in ZĂźrich zu haben als einen in Paris. 6IELE 7ESTSCHWEIZER HABEN DEN %INDRUCK VON DEN $EUTSCHSCHWEIZER %LITEN NICHT ERNST GENOMMEN ZU WERDEN :U 2ECHT
Ich glaube eher zu Unrecht. Es gab in der Politik immer bedeutende Westschweizer Repräsentanten, die bei den Deutschschweizern gut akzeptiert waren und sich ihrerseits auch weiterhin mehr oder weniger fßr die Ideen in den anderen Sprachregionen interessierten. In der Wirtschaft sieht das anders aus. Dort haben zahlreiche
Tatsächlich ist die Sprache ein bedeutendes, aber nicht das alleinige Kriterium. Was sich wirklich in den vergangenen dreissig Jahren vergrÜssert hat, ist der Unterschied zwischen den städtischen und den ländlichen Gebieten. Dort verläuft heute der eigentliche Graben. So gelten die städtischen Gebiete eher als links, aufgeschlossen – die ländlichen Regionen eher als konservativ und rechts. Doch das Abstimmungsverhalten ist der SprachzugehÜrigkeit leichter zuzuordnen als der sozialen Schicht. Der Verlauf der Sprachgrenze ist einfacher nachzuzeichnen. Schwieriger ist es hingegen, das Wahlverhalten der sozialen Schichten zu erfassen.
Bilder Nicolas Righetti
FĂźr den Politologen Claude Longchamp hat sich der RĂśstigraben mit dem Verschwinden der Europafrage weitgehend aufgelĂśst. Nur in sozialen Belangen und im Gesundheitswesen sei er noch recht real vorhanden.
Die Deutschschweiz Interview mit Claude Longchamp
Migros-Magazin 30, 25. Juli 2011 |
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verläuft zwischen Claude Longchamp
Seit 1987 analysiert der 54-jährige Politologe die Wahlergebnisse für SRG SSR idée suisse. Seit 1992 ist er Lehrbeauftragter für Politikwissenschaften an der Universität Bern. Verschiedene Lehrtätigkeiten an den Universitäten Freiburg, Zürich und St. Gallen sowie an den polytechnischen Hochschulen von Winterthur, Zürich und Lausanne. Seit 2008 Lehrbeauftragter an der Universität St. Gallen. Von 1993 bis 2003 CEO und Mitglied der Geschäftsleitung des Instituts für Politikforschung gfs Bern und seit 2009 Vorsitzender der Geschäftsleitung. Claude Longchamp ist in Freiburg aufgewachsen.
5ND WO KANN MAN DAS 4ESSIN BEI DIESER 2 STIGRABENDISKUSSION ANSIEDELN
Claude Longchamp sieht vor allem kulturelle Unterschiede zwischen den Deutsch- und Westschweizern.
Die Vorstellung, man könne die Tessiner mit unter die welsche Fahne nehmen, ist in jedem Fall falsch. Das Tessin ist zwar eine eigenständige Einheit, aber die Affinität zur Deutschschweiz ist stärker als die zur Romandie. So verläuft bei Abstimmungen der Graben zwischen den Westschweizern und dem Rest. Es kommt selten vor, dass die Deutschschweizer und die Tessiner unterschiedlich wählen. Vielleicht weil die Tessiner Elite in der Deutschschweiz gut vertreten ist. Und dann herrscht in der Romandie trotz allem immer noch die Vorstellung, man gehöre zum kulturellen Europa, während in der Deutschschweiz und im Tessin die antieuropäische Polarisierung stärker verwurzelt bleibt. Die Ablehnung des grossen Nachbarn ist im Tessin gegenüber der Lombardei und
«Das Wallis und Freiburg betreiben nicht wirklich eine aktive Politik der Zweisprachigkeit.»
in der Deutschschweiz gegenüber Deutschland ebenfalls stärker als in der Westschweiz gegenüber Frankreich. $IE ,IEBE ZU &RANKREICH SCHEINT IN DER 2OMANDIE ABER EBENFALLS NICHT GROSS ZU SEIN n
Politisch und wirtschaftlich vielleicht, aber kulturell sind die Bande sehr stark. Zwischen Deutschland und der Deutschschweiz hingegen ist der kulturelle Unterschied enorm. Zwischen dem, was die jungen Leute in Lausanne und in Paris denken, gibt es keinen grossen Unterschied. Doch zwischen dem, was die jungen Leute in Zürich und in Berlin denken, liegen Welten. $AS BEDEUTET
Da ist zunächst der Grössenkomplex. Die Deutschschweizer mögen es beispielsweise nicht be-
sonders, als Schwiizerli, die Läckerli essen behandelt zu werden. Dann wirft man den Deutschen, die in der Deutschschweiz arbeiten, vor, dass sie glauben, sie seien so wie die Schweizer, dass sie denken, sie sprächen dieselbe Sprache, was ein Missverständnis ist. Es ist nicht dieselbe Sprache. In Frankreich und in der Westschweiz ist das hingegen anders. Den Deutschen wirft man auch vor, eine Gesellschaft in der Gesellschaft zu bilden. So sind beispielsweise die Assistenten deutscher Professoren an schweizeri-
schen Universitäten oft ebenfalls Deutsche. 3IND NICHT GERADE DIE UNTER SCHIEDLICHEN DEUTSCHEN $IALEKTE EIN 5RSPRUNG DES 2 STIGRABENS
Gäste aus Luxemburg stellten im Januar dieses Jahres im Rahmen einer Jugendparlamentssitzung fest, dass wir Schweizer uns gar nicht mehr verstünden. Die Westschweizer sprächen kein Deutsch mehr und die Deutschschweizer kein Französisch. Wir seien gezwungen, auf Englisch zurückzugreifen, um uns zu verständigen,
so ihre Einschätzung. Das ist eine Entwicklung, die schwerwiegender ist als das Problem der Dialekte. Wenn sich die Jugend schon heute nur noch auf Englisch versteht, heisst das, dass in 20 Jahren in der Politik, der Wirtschaft oder der Kultur niemand mehr die Sprache des anderen spricht. In dem Fall wird Sprache zum Bestandteil des Missverständnisses, des Unverständnisses. %S LEBE ALSO DER $IALEKT n
Ich verstehe, wenn Westschweizer das Problem des Dialekts thematisieren, weil sie sich aus der Debat-
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Die Deutschschweiz Interview mit Claude Longchamp
te ausgeschlossen fühlen, wenn Schweizerdeutsch das Hochdeutsch ersetzt. Das Mindeste wäre jedoch, dass jeder eine zweite Landessprache spräche. Dabei muss man jedoch sehen, dass die Situation in den Deutschschweizer Regionen unterschiedlich ist. In Bern wird Französisch noch gut akzeptiert. Die Berner halten noch an der Beherrschung einer zweiten Landessprache fest, während das in Zürich nicht mehr der Fall ist.DortdominierenheuteDeutsch und Englisch. 7IE ERKL REN 3IE DANN DASS DAS -ITEINANDER EHER GUT FUNKTIONIERT UND EIN 3ZENA RIO WIE DAS IN "ELGIEN BEI UNS UNDENKBAR IST
Die Situation ist nur dann wirklich kompliziert, wenn die wirtschaftliche Problematik mit den Sprachgrenzen verknüpft ist. Wenn die wirtschaftlich Benachteiligten ei-
ner kulturellen, sprachlichen oder konfessionellen Minderheit angehören, lässt sich das kaum noch steuern, so wie es im Libanon oder in Belgien der Fall war oder immer noch ist. Es erscheint so, als hätten wir in der Deutsch- und in der Westschweiz ähnliche wirtschaftliche Tendenzen, wobei es innerhalb jeder der beiden Einheiten begünstigte und benachteiligte Regionen gibt. Die ökonomischen Kluften decken sich nicht mit der Kluft zwischen den Sprachen, sodass das mehr oder weniger funktionieren kann. 0ROFITIEREN DIE ZWEISPRACHI GEN +ANTONE WIE DAS 7ALLIS
"ERN ODER &REIBURG VON DIESER "ESONDERHEIT
Das Wallis und Freiburg betreiben nicht wirklich eine aktive Politik der Zweisprachigkeit und begnügen sich mit der Toleranz einer Sprache gegenüber der anderen.
Biel ist die einzige Stadt, die versucht, im Alltag eine aktive Integration der beiden Sprachgemeinschaften zu praktizieren. 7AS TRENNT r ABGESEHEN VON DER 3PRACHE r 7ESTSCHWEIZER UND $EUTSCHSCHWEIZER NOCH
Die Unterschiede sind zunächst kultureller Art. Ein Beispiel ist die Art der Vermittlung von Geschichte in den Schulen. In der Romandie ist diese gespickt von Verweisen auf die Römer, die hier Städte gegründet haben. Diese Verweise gibt es in der Deutschschweiz nicht, da liegt der Schwerpunkt eher auf den Ureinwohnern des Gotthards. + NNTEN SICH DIE |BERM CH TIGEN $EUTSCHSCHWEIZER NICHT VIEL AUTORIT RER GEBEN 7AS BEWEGT SIE EIGENTLICH DAZU
AUF -INDERHEITEN 2|CKSICHT ZU NEHMEN
Migros-Magazin 30, 25. Juli 2011
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Da die Deutschschweizer 70 Prozent der Bevölkerung ausmachen, könnten sie tatsächlich alle Entscheidungen selbst treffen. Aber das entspricht nicht der Schweizer Kultur. Das Schweizer Modell hat funktioniert, weil es im 16. Jahrhundert von reformierten Regionen gebildet wurde, die sich gegen die katholische Mehrheit verteidigen wollten. Es wurde ein Konsens zwischen den reformierten Regionen hergestellt, zu denen nicht nur Bern und Zürich gehörten, sondern eben auch Genf und Lausanne. Dieses Bemühen um kulturellen Konsens ist zu einem der wichtigsten Bausteine der Schweizer Mentalität geworden. Wenn die Westschweiz nur katholisch gewesen wäre, hätten sich angesichts der Berner Vorherrschaft die Welschen wahrscheinlich Frankreich oder Savoyen angeschlossen. Interview Laurent Nicolet
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Romaine & Marcel
Liebe überwindet auch den Röstigraben Er spricht zwar von «Liebe» und sie von «amour», aber Amors Pfeile sitzen. Fünf Paare erzählen. Weitere Liebesgeschichten auf www.migrosmagazin.ch
Die Deutschschweiz Liebesgeschichten
Migros-Magazin 30, 25. Juli 2011
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Marcel liebt den sexy Akzent von Romaine Romaine Bettex (22) und der Solothurner Marcel Rieben (28) sind seit Mai 2010 ein Paar.
S
ie lernten sich am 7. März 2010 auf der Fiescheralp im Wallis kennen. Romaine verbrachte hier ein Wochenende mit ihrem Skiklub, Marcel war mit seiner Feuerwehr gekommen. Bei einem Drink an der Bar kamen sie sich näher. «Mit den Deutschschweizern sprach ich Englisch, Marcel sagte mir aber, er würde sich lieber auf Französisch unterhalten», erinnert sich Romaine. In Bern und Freiburg sahen sie sich wieder, immer «in der Nähe des Röstigrabens». Ein schönes Arrangement, das sie schliesslich zusammenführte. Seit über einem Jahr verlässt Marcel jedes zweite Wochenende seine Wohnung in Lohn-Ammannsegg SO, um seine Liebe in Combremont-le-Petit VD zu treffen. Dazwischen fährt Romaine jeweils in den Kanton Solothurn. «Mein Dorf gleicht
demjenigen von Romaine», bemerkt Marcel. «Ich sehe mich nicht mit einer Partnerin, die in einer grossen Stadt wohnt – wegen der Mentalität.» Für Romaine besteht der einzige Unterschied zwischen den beiden Ortschaften darin, dass man im einen Schweizerdeutsch spricht und im anderen Französisch: «Ich musste mich nicht an eine andere Kultur anpassen.»
Solothurn ist «ziemlich weit weg» Marcel, der als Zivilschutzinstruktor arbeitet, betrachtet ihre Liebesgeschichte als eine «grosse Herausforderung». Seiner Geliebten Schweizerdeutsch beizubringen sei ein Vergnügen, denn «ihr Französischakzent ist sehr sexy». Gibt es auch Dämpfer? «Auf Französisch über Gefühle reden. Ich
muss mich konzentrieren, um die richtigen Worte zu finden», sagt Marcel. Seine Romaine, die an der Universität Freiburg studiert und viele Vorlesungen auf Deutsch besucht, kommt mit dem Solothurner Dialekt nicht immer zurecht. Gibt es Vorurteile? Marcel hat festgestellt, dass in Solothurn «wie überall in der deutschen Schweiz» der Glaube herrscht, die Welschen würden die Französischkenntnisse der Deutschschweizer ausnützen und sich gar nicht anstrengen, Deutsch zu sprechen. Romaine kann aus der Waadt berichten, dass man Solothurn als «ziemlich weit weg» ansieht. Und sie fügt an: «An der Uni gibt es sogar Studenten, die nicht wissen, wo Biel liegt …»
Séverine & Harry
Kinder sind dreisprachig Séverine Mischol (34) ist französisch-schweizerische Doppelbürgerin, ihr Mann Harry (38) kommt aus Graubünden. Mit ihren beiden Kindern Killian (8) und Matheo (4) wohnen sie im bernischen Jegenstorf.
Es war Liebe auf den ersten Blick, als sich Séverine und Harry 1994 in einem Nachtclub erstmals begegneten. Harry lebte damals ein Jahr in Genf, Séverine in Frankreich. Während einiger «idyllischer Monate» lernten sie sich näher kennen, «auf Französisch und viel mit den Händen, um etwas zu veranschaulichen». Harry erfuhr die Vorurteile der Genfer, «die glaubten, ich sei Deutschschweizer. Sobald ich das Wort ‹Rumantsch› in den Mund nahm, wurden sie freundlicher.» Séverine lacht: «Man darf ihn nicht als Deutschschweizer behandeln. Er ist stolz auf seine Sprache.» Séverine hatte übrigens keine Vorurteile gegenüber den Rätoromanen, denn sie wusste kaum etwas über deren Existenz. Acht Jahre lang pendelte das Liebespaar jedes Wochenende zwischen Chur und Genf. Die Entscheidung, ihre Zelte im Bernbiet aufzuschlagen, war ein Kompromiss. Harry fand Arbeit als Informatiker, und Séverine wollte sich «nicht zu weit weg von den Romands» fühlen. Während Schweizerdeutsch die Zweitsprache von Harry ist, musste sich Séverine ins Zeug legen. «Seit ich Kinder habe, ist es einfacher. Auf dem Spielplatz habe ich von anderen Müttern gelernt.» Das gilt auch fürs Rätoromanische, das sie zuerst an einer engeren Beziehung zu ihren Schwiegereltern hinderte. Nun aber übt Séverine und liest ihren Kindern Bücher vor. Die Kleinen sollen dreisprachig aufwachsen.
Manchmal ist die Armee auch eine Kupplerin
Der Waadtländer Guillaume Romanens und die Freiburgerin Jeannine Zwygart (beide 22) leben seit Oktober 2009 zusammen in Goumoens-la-Ville VD.
Nathalie & Urs
Und dann hat der Teddybär angerufen …
«Liebe auf den ersten Blick? Keineswegs!», sagen die Tierwärterin Jeannine und der Sicherheitsangestellte Guillaume. Als das Paar sich in Schönbühl BE kennenlernt, ist Jeannine Hundeführerin in der Armee und Guillaume ihr Rekrut. Er hat zwar immer in Goumoens-la-Ville VD gelebt, stellt sich aber als Freiburger vor: «Die Mehrheit meiner Familie väterlicherseits wohnt in diesem Kanton. Es ist reiner Zufall, dass Jeannine auch von dort kommt, aber es trifft sich vorzüglich.» In der Schule hasste er Deutsch, aber in der Armee kam er nicht darum herum. Und dann auch nicht mit seiner Partnerin, die zu der Zeit in Düdingen FR wohnte. Guillaume erinnert sich: «Es fiel mir leichter, Schweizerdeutsch zu lernen als richtiges Deutsch. Als Wachtmeister hörte ich alle Dialekte. Zuerst lernte ich die unanständi-
gen Wörter, die behält man am leichtesten.» Jeannine, deren Vater Welscher ist, hatte schon Französischkenntnisse. Seit sie mit Guillaume zusammenlebt, hat sie den Waadtländer Akzent angenommen. Guillaume bemüht sich, seinem Schatz SMS auf Hochdeutsch zu schicken, und Jeannine übersetzt auf Französisch, wenn ihr Partner ein Wort nicht versteht. «Wir benützen Hände und Füsse, um uns zu verständigen, aber nie Englisch», betont sie. Was ihr beim Umzug ins Waadtland aufgefallen ist: «Die Romands sind offener und herzlicher zu ihren Angehörigen als die Deutschschweizer. Bei der Arbeit schaut hier aber jeder für sich.» Für Guillaume ist es eine Legende, dass Deutschschweizer direkter und lauter sind als Romands: «In der Armee habe ich auf beiden Seiten gleich viele Grossmäuler gesehen.»
Nathalie Amacher (34) aus dem Berner Jura und der Aargauer Urs Kirchhofer (49) leben seit Februar gemeinsam in Biel. Manchmal greifen sie zum elektronischen Übersetzer.
G
anze vier Monate benötigte Nathalie, um das Herz ihres «Nounours» (Teddybären) Urs zu erobern. Das war 2009. Sie war Kassierin, er Verkäufer in der gleichen Migros-Filiale in Biel. «In seinen Augen war ich noch sehr jung», sagt Nathalie. «Ich gab ihm meine Telefonnummer. Schliesslich rief er mich an …» Nathalie ist in Sonceboz im Berner Jura aufgewachsen, wo nur Französisch gesprochen wird. In jungen Jahren vertiefte sie ihre Deutschkenntnisse in Luzern und später in München. Nach Ansicht von Urs lassen die aber noch immer zu wünschen übrig. Am Anfang ihrer Idylle hatte Urs einmal die Idee, einen elektronischen Übersetzer zu kaufen, den sie auch heu-
te noch benutzen. Urs: «Ich habe in Genf und in Biel Französisch gelernt. Hier verstehen die Romands meine deutsche Sprache, aber sie brauchen lieber ihre eigene.» Nathalie und Urs denken, dass Schweizerdeutsch-Unterricht in der Schule obligatorisch sein sollte. «Unser Nachteil ist, dass wir nur Hochdeutsch lernen», regt sich Nathalie auf. «Versuche ich, Schweizerdeutsch zu reden, schaut man mich an, als wäre ich eine Ausländerin. Das ist schade.» Wenn Urs seine Partnerin foppen will, nennt er sie Jurassierin. «Nein, ich fühle mich als Bernerin», sagt sie, «vor allem aber als Schweizerin. En passant ordne ich damit Bern automatisch der deutschen Schweiz zu …»
Jeannine & Guillaume
Die Deutschschweiz Liebesgeschichten
Migros-Magazin 30, 25. Juli 2011
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Hiltys lachen über Klischees Die Waadtländerin Delphine (32) und der Appenzeller Pascal Hilty (36) sind seit 2006 ein Ehepaar. Mit den Kindern Evan (4) und Len (2) wohnen sie in Le Mont-sur-Lausanne VD. Dort regt sich Pascal manchmal über die Oberflächlichkeit vieler Romands auf.
D
elphine und Pascal lernten sich 2000 bei einigen Drinks in einer Lausanner Bar kennen. Es folgten E-Mails, drei Wochen später ein Treffen, «und dann schlug es ein». Delphine war damals Lehrerin und wohnte noch bei ihren Eltern in Savigny VD, Marcel arbeitete als Informatiker und lernte seit vier Jahren Französisch im Kanton Waadt. «Ich glaubte, die Deutschschweizer seien pünktlich», sagt Delphine, «aber Pascal verspätete sich immer. Ich dachte auch, die Deutschschweizer seien kalt und abweisend, aber ich wurde nie wie eine Welsche angesehen, und seine Freunde sind auch meine geworden. Über viele gegenseitige Klischees können wir deshalb nur lachen.» Trotzdem, manchmal ist der Appenzeller Pascal enttäuscht von einer Seite gewisser Romands, die man sonst eher US-Amerikanern nachsagt: «Die Oberflächlichkeit. Schnell befreundet, schnell vergessen.» In der Westschweiz lache man zusammen, man trinke ein Glas Wein, ja. Aber eigentlich er-
Delphine & Pascal
wartet Pascal tiefere Beziehungen. Und auch Delphine findet schliesslich einen Kritikpunkt. Jetzt, wo sie mit dem Dialekt ihres Mannes «zurande kommt», bedauert sie, dass auf Französisch geantwortet wird, sobald jemand merkt, dass dies ihre Muttersprache ist. Was sind denn die grössten kulturellen Unterschiede zwischen Deutschschweizern und Romands? «Die einen haben eine Affinität zu Frankreich, die andern zu Deutschland», sagt Pascal. «Ich habe Mühe mit dem französischen Fernsehen, denn die Politik dieses Landes interessiert mich nicht.» Delphine spricht mit den Kindern Französisch, Pascal Schweizerdeutsch. Trickfilme sehen sie in beiden Sprachen. «Ich möchte, dass sie sich in meiner Sprache ausdrücken und mit meiner Familie diskutieren können», sagt Pascal. Ein französisch-deutsches Wörterbuch ist bei Hiltys nicht zu finden. Sie schaffen es immer irgendwie, sich zu verständigen. Texte Virginie Jobé, Bilder Mathieu Rod
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Die Deutschschweiz Der Fussballer
Migros-Magazin 30, 25. Juli 2011
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Xavier Margairaz
Waadtländer Fussballer im Dienste des FCZ.
Romands in der Deutschschweiz
Xavier Margairaz (27) verdiente sich seine Sporen in Yverdon, Lausanne und Neuenburg ab, bevor er zum FC Zürich wechselte. «Die Westschweizer Teams messen den spielerischen Fähigkeiten mehr Bedeutung bei. Mit Ausnahme des FC Zürich setzen die Clubs der Deutschschweiz eher auf Zweikampfstärke und Aggressivität», sagt der Mittelfeldspieler aus Rances VD. Abgesehen von der ungleichen Spielanlage hat Xavier Margairaz dies- und jenseits des Röstigrabens auch unterschiedliche Mentalitäten festgestellt. «Für einen Romand ist es möglich, zu arbeiten und sich gleichzeitig krummzulachen. Das ist in der Deutschschweiz undenkbar.» Ausserdem: «Die Deutschschweizer sind richtige Arbeitstiere. Sie geben immer 100 Prozent und achten auf jedes Detail, und sei es auch noch so unbedeutend für das Gesamtergebnis. Der Romand wendet sich mehr dem Wesentlichen zu.» Auch wenn dem 19-fachen Schweizer Nationalspieler der Genfersee, seine Familie und die Waadtländer Freunde fehlen, gefällt es Xavier Margairaz in Zürich. «Die Stadt ist schön. Es ist sehr viel los hier.» Was die Sprache betrifft, hat sich der Fussballer mit dem Dialekt nicht angefreundet, auch wenn er ihn verstehen muss. «Unser Trainer spricht Schweizerdeutsch. Manchmal übersetzen einige Spieler gewisse Begriffe für die Fremdsprachigen. Aber alles in allem geht es recht gut. Das Fussballvokabular ist immer das Gleiche.» Und sowieso, während der 90 Minuten eines Fussballspiels gibt es keinen Röstigraben mehr. Einmal mehr steht dann die Magie des Fussballs über allem. Text Pierre Wuthrich Bilder Jorma Müller
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Die Deutschschweiz Der Tramfahrer
Migros-Magazin 30, 25. Juli 2011
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Pascal Philipona
Lausanner Tramführer auf Zürcher Schienen. 36 Jahre sind nun vergangen, seit der Lausanner Pascal Philipona (56) «aus Liebe» den Röstigraben überschritten und sich in Kloten ZH niedergelassen hat. Nach dem Umzug in die Deutschschweiz folgten eine Hochzeit und zwei Töchter, die heute 28 und 30 Jahre alt sind. «Ich begann mit einer Lehre in einer Eisenwarenhandlung, dann arbeitete ich bei der Warenhauskette ABM, die es schon längst nicht mehr gibt. Auf meinen Wunsch hin wurde ich nach Zürich versetzt. Anschliessend war ich acht Jahre lang in einem Badezimmerunternehmen für den Einkauf zuständig.» Eines Tages las Pascal Philipona ein Inserat der Verkehrsbetriebe Zürich. «Für diesen Beruf muss man sehr ruhig und aufmerksam sein. 1986 gab es fünf verschiedene Trammodelle, die viel Sachverständnis und Fingerspitzengefühl erforderten. Heute kann man ein Cobra-Tram nach fünf Minuten fahren.» Der Waadtländer liebt die Abwechslung der verschiedenen Fahrten mit mehr oder weniger Leuten und Verkehr, den Kontakt zu den Fahrgästen, den Eindruck, helfen zu können, und die Abschiedsgrüsse beim Aussteigen. «Ich spüre den Röstigraben nicht sehr. Nur wird hier noch besser zum Rechten geschaut, alles ist geordneter. In den ersten Monaten wollte ich zwar zurück, aber heute ist mein Leben hier. Ich bin Deutschschweizer geworden, auch wenn noch etwas vom französischen Akzent geblieben ist. Wenn ich am Mikrofon eine Durchsage mache, reagieren die Leute positiv und sagen: Ah, ein Welscher!» Text Laurent Nicolet
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Die Deutschschweiz Die Studentin
Migros-Magazin 30, 25. Juli 2011
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Mylène Jeandupeux
Neuenburger Studentin an der Uni St. Gallen.
Mylène Jeandupeux (22) hat ihr sechstes Semester in Business Administration an der Universität St. Gallen beendet. Vor drei Jahren ist die Neuenburgerin für ihr Studium in die Ostschweiz gezogen. «Die Uni hier erschien mir besser organisiert.» Mylène Jeandupeux gehört zu den sechs Prozent Westschweizern, die in St. Gallen studieren. Eine kleine Gemeinschaft, von der sie sich bei ihrer Ankunft aber distanzierte. «Warum sollte ich hierher kommen, um weiterhin unter Welschen zu bleiben?» Das erste Jahr war am schwierigsten. Vor allem wegen der Sprache. Viele Romands scheitern oder geben gleich am Anfang wieder auf, obschon sie die Möglichkeit haben, das erste Jahr auf zwei Jahre verteilt zu absolvieren. Schwierig sei es vor allem in Arbeitsgruppen, in denen alles auf Schweizerdeutsch diskutiert wird. Aber Mylène gab nicht auf, und heute ist die Sprachbarriere überwunden. Von der Deutschschweiz lernte die Neuenburgerin das genaue Arbeiten, die Einhaltung der Regeln und die Organisation. «Allerdings habe ich den Eindruck, dass wir Welschen etwas fantasievoller sind, innovativer und romantischer vielleicht.» Wichtige Qualitäten im Wirtschaftsleben, wo man anders denken, kreativ sein muss. Mylène ist ehrgeizig und büffelt unermüdlich. Sie hat noch einiges vor. Nach dem Studium will sie in Rotterdam einen Master machen. Laut dem Wirtschaftsmagazin «Financial Times» ist das einer der weltweit begehrtesten Abschlüsse. «Auch das lernen wir hier. Die Ziele immer etwas höher stecken.» Aber, obwohl es sie an die Nordsee zieht, bleibt Neuenburg ihr Heimathafen.
Text Céline Fontannaz
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Die Deutschschweiz Der Winzer
Migros-Magazin 30, 25. Juli 2011
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Cédric Besson
Winzer aus Montreux in der Zürcher Provinz. Cédric Bessons (32) Laufbahn war vorgezeichnet. Als Sohn eines Weinbauern in Montreux VD hätte er gewiss ein Gut in dieser Weinhochburg übernehmen können. Doch er schwamm gegen den Strom. Und zwar Richtung Zürcher Weinland. Und das kam so: An der Ecole de Changins in Nyon lernte Cédric Besson Nadine Strasser kennen. Die Önologin stammt aus Uhwiesen ZH. Dort betrieben ihre Eltern ein bekanntes Weingut. Die beiden heirateten und übernahmen das Anwesen 2008. Der Schritt über den Röstigraben macht Cédric Besson zu einem der seltenen Westschweizer Winzer, die in der Deutschschweiz arbeiten. Das Vorurteil, dass Deutschschweizer Wein nur zum Fensterputzen reicht, kann der Waadtländer nicht bestätigen. «Hier, nur wenige Kilometer vom Rheinfall entfernt, fällt im Durchschnitt 400 Milliliter weniger Regen als in Montreux, und das Klima in Südlagen kommt dem des Wallis sehr nahe.» Besson produziert jährlich 50 000 Flaschen. Knapp zehn Prozent davon gehen in die Romandie. «Wir kommen gut an. Mit Deutschschweizer Wein sorgt man für Überraschungen.» Cédric Bessons Sortiment von taninhaltigen Weinen betört die Welschen. «In der Romandie werden wir stark von Frankreich beeinflusst. Hier eher von den Weinen aus der Neuen Welt, aus Spanien und Italien, die sich leichter trinken lassen.» Trotz dieser Leichtigkeit ist die Kultur des Aperitifs hier nicht so verbreitet. «Man trinkt ein Glas nach der Arbeit. Verkostet wird im Stehen. Der Kunde kommt, weiss, was er will und bleibt nicht lange.»
Text Céline Fontannaz
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Die Deutschschweiz Der Journalist
Migros-Magazin 30, 25. Juli 2011
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Thierry Délèze
Journalist aus Morges in Zürich.
Thierry Délèze (44) wollte den anderen Landesteil kennenlernen. Deshalb zügelte der Journalist aus Morges VD 2003 als Korrespondent für Radio Suisse Romande nach ZürichHöngg. Seit 2010 ist Délèze Wirtschaftskorrespondent für «24 heures» und «Tribune de Genève». «Mir gefällt es hier. Sonst wäre ich nicht geblieben. Alles ist gut organisiert. Vorher war ich ein Autofan. Jetzt benütze ich die öffentlichen Verkehrsmittel.» Seine Freundin hat ihn gelehrt, nicht nur Altpapier, Glas und Pet-Flaschen zu sammeln, sondern auch Karton, Alu und Rüstabfall für die Grünabfuhr. Und nicht nur das: Seit Délèze in der Deutschschweiz wohnt, ist er pünktlicher geworden. Der Romand mit Walliser Wurzeln widerspricht dem gängigen Bild, wonach die Westschweizer offener und lockerer seien. In der Deutschschweiz duze man sich viel schneller als in der Romandie. «Die Franzosen sind sehr hierarchiegläubig. Das färbt ab», begründet der Journalist und erwähnt ein weiteres Beispiel: «Die Drogenpolitik in der Deutschschweiz ist sehr offen und pragmatisch. Fast jede kleinere Stadt hat ein Spritzlokal. In Lausanne gibt es das beispielsweise nicht.» In einem Punkt ist Thierry Délèze aber ganz Romand geblieben. Für ihn sind die Polizeikontrollen in der Stadt Zürich «extrem streng». Ein Arbeitskollege von ihm musste eine Parkplatzbusse von 1200 Franken bezahlen. «Von so was habe ich in der Westschweiz noch nie gehört. In Lausanne kann man wenigstens mal länger im Parkverbot bleiben, ohne gleich eine Busse zu riskieren.»
Text Reto E. Wild
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e i d n e k c i t o S r e z i e w h c s h Deutsc
m en so viel wie Mäuse vo irt Fl m vo n he te rs ve d n d knausrig, pünktlich un an, und welche gehöre dr as w et t is es he isc Die Deutschschweizer sin Kl dieser gereist und hat die e Romands. An welchen z di ei n w ge ch Sa hs n. sc ze ut an De ot e di ng Ta n ist in Westschweizer Redaktio e Di e? st ki en ch är M e in di sten Erkenntnisse. ig ht ic w hn ze e Di . gt men Menschen dort befra htig und falsch. «Zusam Texte Mélanie Haab und Céline Fontannaz Collagen Simone Torelli
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Ric e Frage oder getrennt?» – «Dies rher hie verblüffte mich, als ich utsche kam», bekennt die de Sunny» Serviererin im Café «Bar in St. Gallen. «Die Leute r oft bezahlen ihr Getränk seh ist rlin Be in s getrennt. Bei un res de an einmal der eine, ein Reihe.» Mal der andere an der Zeichen Getrennt zahlen — ein , aber von Knausrigkeit? «Nein etwas man ist sich nicht gern Kundin schuldig», erklärt eine Meter ige ein n» im «Bierfalke ze in ren hg rac weiter. An der Sp der rtin Wi Erlach BE stellt die t, fes r» «Cabane du Pêcheu chdemnach sind die Deuts len schweizer beim Bezah und er» ert lizi mp «etwas ko Preis» n de f au r rke «achten stä rn. ba ch Na n he als ihre welsc nds ma Ro n de «Aber auch bei en.» ng nu ch Re gibt es getrennte nn da er ab Das Klischee beginnt ver n zu bröckeln, wenn ma jenseits gleicht, was dies- und hltätigdes Röstigrabens für Wo n wird. keitszwecke ausgegebe h rlic jäh h ric Die von GFS Zü gt, zei ge fra Um durchgeführte r ize we dass die Deutschsch sind wie doppelt so grosszügig ht aber die Romands.«Es beste terauch ein Einkommensun utschschied zugunsten der De Martina schweizer», analysiert izer Ziegerer. «Die Westschwe idasol ten va Pri sind dafür im iterin sle äft sch rischer», so die Ge für le tel der Zertifizierungss tionen gemeinnützige Organisa Die Zewo. Dritte Hypothese: weniger Deutschschweizer sind erwarten etatistisch eingestellt, und also weniger vom Staat e erk fsw Hil unterstützen die . sis Ba r ge lieber auf freiwilli
Die Deutschschweiz Klischees
Die Deut schschw sind tra e i ze r ditionsv e und Nat rbunden ionaliste n.
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Die Deutschschweizer essen um 11:30 Uhr und um 17:30 Uhr. die Situation f den Ort und au z n ga t m Es kom ist es von im Kanton Uri n, während an. In Altdorf nt verschiede ra au st Re zu Restaurant gäste genau um hof die Stamm m im Hotel Bahn a Monti (34) vo einen. Bei Petr h sc r er Uh r 12 Uh 0 um :3 11 beiter kommen die Ar » , do as on w «R et st fé Ca er son n Tagesteller od «und essen de stig ist». Im gü reitet und n be zu l el n h sc 12:30 Uhr am was der Andrang um t is b» ba Ke «Royal att» setzt sich r «Schützenm de in d Un . n Semestern grössten Uhr aus ältere 18 um t af ch nen die die Kunds später erschei de un St e n Ei . zusammen Touristen. um 20 Uhr die senszeit Jüngeren und igt, dass die Es ze e ag fr um d Beruf. Eine Strassen nach Alter un je , rt ie ri va r ärt, in von 11 bis 14 Uh aziergang erkl Sp im be au Fr te 11:15 Eine kleine al Mahlzeiten um e di n de ür w eim ihrem Altersh an kann sich Uhr serviert, «m 5 :1 17 um d er bedienen.» Uhr un telstunde früh er Vi e n ei on h aber sc
en n n e k ein W n e r In Sach schschweize d t n die Deu ecco, Rioja u s o r P r u n vo. i t i m i r P
Falsch. Kleine Str in Zug zur Znü assenumfrage n izeit. W die Leu erden te gefra g t, was s Apéro t ie zum rinken, gibt es Antwor folgend ten: Co e cktail, Soda, A Campa lkoholf r i reies, M Bianco artini , Rotwe in (ohn Präfere e nz), Ora nge Stimme n), Weis nsaft (zwei sw Stimme n, je ein ein (zwei e für tr und fü ockene r Wests chweiz Nur ein e r Weine) e 40-Jä . hrige n sponta ennt n Prose c c o Beim W . einimp orteur Schwan Philipp der in Z ürich w Klische ird das e hinge gen be denn d stätigt, iese dre i Spezia sind be litäten i den K unden gefragt am esten. «Aber w bestellt er bei u , schätz ns t auch Weine speziell sehr. D e ie Kund auf uns en höre ere Kau n fempfe und sin hlunge d gern n bereit, ihre Be stellun g anzu passen .»
Die Deutschschweiz Klischees
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toffeln, mit Kar li n r ö H . nd … Richtig Speck u o was , ln e b S Zwie ischen? hweizer. m s u lm schsc Apfe ie Deut d n e h lermac sich Älp ronen t n n e Das n li-Mak nach en, Älp magron rönli, je k a M en lten die oder Alp cherweise ge inli e auch Ort. (Pe l’alpag e er d i n o ls imm Macar Saane a r e d s ) jenseit richt … iz eres Ge t b hschwe e c s li t e b r Deu ? e d n e d in ela Sind Sie ue eing d n o F , t m h zu eine berrasc nicht ü s, ie S a n n a Seie s, An n o h ic n gar r dazu Co prikosen oder A e trocken zu serviert tehen in e Rotw Basler s ie D ! n me e. Jede bekom hlsupp e M e r eigene auf ih nt ihre n e k n , KalbRegio ärlauch B d it m , isch, un Wurst einefle w h h c ic S s , en fleisch s brüst taurant s Cordon e R n e t ie d gröss r e ll a taurant mit dem sler Res a L B Im t das XX bleu. t» wieg h c d a n r t u ilo, «Ein u ein K Megable René Torzi h der Koc rd des n Reko hält de berein je zu grösste leu: ordon b teten C ! Im 143 Kilo sthof a g d Lan n in Schütze eri ZG Unteräg Ihnen wird es it sogar m se, kä e t t Racle und n e n Bana nd efüllt u Curry g s snus in Koko paniert . Guten cht aufgetis ! Appetit
Die Deutschschweiz Klischees
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flirten r e z i e w h c s h c s t Die Deu ichkeit. l t n fe f Ö r e d n i nie
«Den Deutschschweizern fehlt es an Selbstsicherheit», sagt Matthias Pöhm. Der Rhetorik- und Schlagfertigkeitstrainer ist überzeugt, dass sich die Deutschschweizer vor dem Scheitern oder der Schwierigkeit, jemanden anzusprechen, fürchten. Aber schon das Eingeständnis, nicht zu wissen, wie man mit Frauen spricht, ist bereits ein grosser Schritt zu grösserer Geschmeidigkeit. Pöhms Kurs richtet sich an Männer. «Ich vermittle ihnen Strategien, um eine Frau zu verführen», erklärt er. Auf der Strasse sehe man ja, dass Deutschschweizer Männer eigentlich gern flirten würden, sich aber nicht getrauen und darauf beschränken, den jeweiligen Po zu bewundern. Im Kurs lässt er die Männer an der Strategie arbeiten. Worüber sprechen die Frauen? Wunder gebe es allerdings nicht, man müsse viel üben, damit es natürlich und einfach werde. «Wenn einige Kumpel in der Bar ein Bier trinken und sich einer von ihnen an eine Gruppe von Frauen heranwagt, wird er für seine Freunde zum Helden.»
Die Deuts ch sprechen schweizer l ie Französis ber c h a ls richtiges Deutsch. Falsch! Im Luzerner Bahnhof fragen wir die Leute nach dem Weg zum Verkehrshaus. Die ersten Fragen werden mehr oder weniger auf Deutsch gestellt, und die Antworten erfolgen natürlich auf Hochdeutsch. Eine junge Frau gibt uns gestikulierend Tipps, spricht aber sehr schnell. Wir ändern die Taktik und sprechen die Leute auf Französisch an. «Là-bas, bous 8, direct», erklärt eine ältere Dame, welche die Erklärungen ihres Mannes übersetzt. Eine 40-jährige Velofahrerin spricht «un little Französisch»: «Tu prends bus puis stop à Verkehrshaus. Tu as le billet?» Jetzt versuchen wir unser Glück auf Englisch mit einem stark französischen Akzent, aber die Antwort kommt auf Englisch. Aber bei der Tourist Information sagt uns die junge Frau, als wir sie auf Hochdeutsch fragten, sie erkläre uns den Weg lieber auf Französisch.
e i ze r w h c s h c s t u e Die D er mit i E n e g u z r o v be le. brauner Scha
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i ze r e w h c s h c s t u e D Die sind pünktlich, sen is w e g d n u ig s fleis t die haft. Im Büro is , Hierarchie heilig auf. ie n n e r h e g e b sie
Von wegen! 2007 befra gte die Migros 634 Kons umentinnen und Konsumen ten aus der ganzen Sch we iz zum Thema Eierfarbe. Die Erg ebnisse zeigten, dass die Eierschalenfarbe sowoh l in der deutschen Sch weiz als auch in der Westschwe iz einen relativ geringe n Einfluss auf den Kaufentscheid habe. 79 Prozent der De utschschweizer haben keine besondere Vorliebe, 14 Pro zent würden sich zugunsten von braunen und 7 Pro zen t zugunsten von weissen Eiern entscheiden. Hin ge ge n ist die Eierfarbe nur 63 Pro zent der Romands unwi chtig, 29 Prozent ziehen braune den weissen Eiern vor, und 7 Prozent mögen lieber we isse Eier. Das heisst: Die Romands sind die grösse ren Eierfarbenfetischist en.
en SBB stell ie d t s e d rschiede Zumin eine Unte ndukk it e w s lande r und Ko Lokführe drungen fest. Die en notge in e h c rs , um den teure e er Arbeit d i e b ig rechtzeit en. einzuhalt ionen Fahrplan nach Reg t is e s is u S nen Die Credit alle Regio d n U « . rt eichen. organisie sziele err re h Ja re ih chers, müssen e des Spre g a s hts s u A Nach weist nic arbellay, D l u n a u P est- d Jean ass die W d , in h f leistungs darau weniger r e iz e w h Südsch ie Deutsc ren als d hung, c u rs fähig wä te er Un in E « r: e schweiz ber die ürzlich ü k ir ffentw ie d KMU verö n e h c s ri en, schweize entnehm u z t is , n e chlicht hab der Deuts in n o ti a v o eitern dass Inn en Mitarb d n o v r e r eh schweiz als in de Prozent) 9 die (6 t o h w e , nt) ausg (60 Proze iz e w r h re c e Wests ein stärk sleitung e h Geschäft c li Eine mög ass Motor ist. n wäre, d o v a d n o ti ta rchie in Interpre der Hiera g n u lt a iz stärker die Einh en Schwe h c is s ö z der fran lt ist …» egen verwurze Unia dag ft a h c s rk Die Gewe e mehr ichsweis le rg e v lt der. «In zäh er Mitglie iz e ich w h c ts Wes rhoffen s tionen e a u ieit is ts il b ik o Konfl iner M e n o v s nd chweizer die Roma Deutschs ie D rt r. h e d», erklä rung m ckhalten rü u z . r n e n sind eh s Hartma cher Han re p S ia n U
EDITORIAL Barbara Siegrist,
stellvertretende Chefredaktorin, Migros-Magazin
Liebe erst auf den zweiten Blick «ÄHM, IST DAS JETZT PAUL, PIERRE ODER PATRICE?» Seit Jahren arbeiten die Deutschschweizer und die Westschweizer Redaktion unter einem Dach, produzieren die Deutschschweizer wöchentlich das Migros-Magazin und die Romands das Migros Magazine. Verirrt sich mal ein Romand in die Räume der Deutschschweizer Redaktion, fragen sich aber alle: «Wer ist denn das?» Ein Röstigraben, der sich quer durch unsere Redaktion zieht? Die Idee eines gemeinsamen Migros-Magazins war geboren.
WIR DEUTSCHSCHWEIZER HINGEGEN SIND STOLZ AUF DIE ROMANDS. Ist die Romandie doch so etwas wie das Tor zum Meer (Ferien!) für uns. Wir versäumen kaum eine Gelegenheit, auf unsere lebensfrohen Nachbarn zu verweisen – in der Hoffnung, etwas vom mediterranen Savoir-Vivre-Image würde auf uns ungehobelte «Germanen», die wir die wahre Kunst des Seins nicht beherrschen, abfärben. Klischee über Klischee … denen wir in dieser Ausgabe nachgehen. ICH GESTEHE, ICH WAR IMMER ÜBERZEUGT, die Romands seien ein Volk mit Minderwertigkeitskomplexen und ständig beleidigt. Während unserer Zusammenarbeit entschuldigte ich mich dementsprechend täglich bei meinen welschen Kollegen ... dafür, dass ich das Protokoll bereits Stunden vor ihnen geschrieben hatte (na ja, das ist jetzt etwas übertrieben …), dass ich die Deutschschweiz meist als Erste erwähnte, dass ich so schnell sprach ... bis die Romands mir klipp und klar erklärten, es beleidige sie nicht, dass die Deutschschweizer so dominant seien, sondern dass sie sich ständig für diese Eigenschaft entschuldigten. Erst damit würden wir die Romands stigmatisieren. Sie aber wollten einfach nur wie normale Schweizer behandelt werden. LIEBE LESERIN, LIEBER LESER, Sie halten das Resultat intensiver, lustiger und lehrreicher Wochen röstigrabenüberbrückender Annäherungsversuche in den Händen. Dieses Migros-Magazin (und auch dieses Editorial) ist mit einem Augenzwinkern entstanden. Und soll auch so verstanden werden. Für einmal können Sie unsere Zeitung von vorn UND von hinten lesen. Dafür müssen Sie einfach alles auf den Kopf stellen.
barbara.siegrist@migrosmedien.ch
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Fotos Nicolas Righetti/Rezo, Simone Torelli, François Wavre/Rezo, Christophe Chammartin/Rezo
ZWECKS WEITSICHT STARTETEN WIR DAS RÖSTIGRABEN-PROJEKT AUF DEM ÜETLIBERG. An diesem heissen Sommertag auf dem Zürcher Hausberg kam so manches Klischee ans Tageslicht. Eins der harmloseren ist die Überzeugung der Romands, dass die Deutschschweizer braune Eier lieber mögen als weisse. Die Westschweizer glauben also ernsthaft, dass die Deutschschweizer beim Einkaufen die weissen Eier gegen die braunen austauschen … Zudem halten die Romands uns für ziemlich humorlos und bar jeden Charmes.
Die Deutschschweiz Inhalt
Politologe Claude Longchamp ist überzeugt: Der Röstigraben ist heute weniger tief als früher.
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Klischees über die Deutschschweizer ............6 Deutschschweizer können nicht flirten, sind kalt, überpünktlich und emotionslos. Die Westschweizer Redaktion hat diese Klischees in der Deutschschweiz überprüft.
Romands in der Deutschschweiz ................. 15 Fussballer Xavier Margairaz, Winzer Cédric Besson, Studentin Mylène Jeandupeux, Tramfahrer Pascal Philipona und Journalist Thierry Délèze: Sie alle sind Romands und leben in der Deutschschweiz.
Liebe kennt keine Sprachgrenzen ................24 Es gibt sie, die glücklichen Frauen und Männer, die den Röstigraben Guillaume Romanens und Jeannine Zwygart: Sie lieben sich über den Röstigraben hinweg.
überwunden haben. Liebespaare erzählen ihre Geschichte.
Von wegen Röstigraben ............................28 Der Politologe Claude Longchamp ist sich sicher: Der grösste Graben verläuft heute zwischen Stadtpflanzen und Landeiern.
Minibar................................................. 32 Zürich—Genf mit dem Zug. Eine Tour de Suisse der besonderen Sorte. Die Menschen steigen ein und aus, nur der Minibar-Steward, der Kaffee und Gipfeli verkauft, ist immer der gleiche.
Humor..................................................34 Worüber lachen eigentlich die Deutschschweizer? Und gibt es auch einen Humor-Röstigraben? Der Westschweizer Humorist Thierry Meury unterhält sich mit dem Berner Satiriker Andreas Thiel.
Überlebens-Guide ...................................36 Kartoffelschlacht: Wer macht die bessere Rösti? Die Deutsch- oder die Westschweizer?
Nützliche Tipps für den Alltag: So überlebt man als Romand in der Deutschschweiz.
Deutsche Nachbarn..................................38 In den letzten Jahren sind Zehntausende von Deutschen in die Deutschschweiz gekommen. Sie bezeichnen die Schweiz als ihre zweite Heimat. Wie gut sind sie integriert?
Rätsel/Impressum....................................43 Unterwegs von Zürich nach Genf mit dem Minibar-Steward Abdulhakim Mohamed Nassir.
Battle of the Rösti ...................................45 Zwei Frauen, zwei Sprachen, ein Ziel: die beste Rösti der Schweiz braten. Das grosse Kochduell auf dem Rütli.
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Illustration François Maret
NO 30, 25 JUILLET 2011
Hopp de Bäse! Mit «la putz» bezeichnen die Romands eine besonders saubere Art des Putzens. Sind die Deutschschweizer wirklich Putzteufel? Die Wahrheit.