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Migros magazin 27 2017 d vs

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Ausgabe Wallis, AZA 1920 Martigny

MM27, 3.7.2017 | www.migrosmagazin.ch

Sonderausgabe

75 Jahre Bild: MGB-Archiv

BrĂźckenbauer und Migros-Magazin, ein Spiegel der Zeit

Bitte Wohnungswechsel der Post melden oder dem regionalen Mitgliederdienst: Tel. 027 - 720 42 59


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4 | MM27, 3.7.2017

D Editorial

Erfolg haben, heisst geben

Diese Ausgabe, liebe Leserin, lieber Leser, ist zu einem grossen Teil einer Zeitung gewidmet, die es gar nicht mehr gibt. Der Brückenbauer und sein Nachfolger, das Migros-Magazin, sind seit 75 Jahren Teil der Mediengeschichte dieses Landes. Der «Brügglipuur» und das «Migi-Magi» sind bis heute ein Spiegel der gewaltigen Veränderungen der letzten acht Jahrzehnte. Dieses Heft widmet sich den grossen Themen, die uns geprägt, und den Menschen, die uns beeinflusst haben.

Blenden wir für einen Moment zurück ins letzte Jahrhundert, ins Jahr 1942. Es war eine schwierige Zeit für die Schweiz. Es herrschte Krieg in Europa. Weltkrieg. Der Zweite bereits. Und er sollte die Welt verändern wie kein Krieg zuvor. Deutschland reihte zu dieser Zeit einen militärischen Erfolg an den nächsten. Einer nach dem anderen wurden die Nachbarstaaten unseres Landes überrannt. Die Schweiz igelte sich ein und beschwor den Wehrwillen ihrer Bevölkerung. Über ganz Europa lag die Angst vor einer Okkupation durch die Herrenmenschen aus Deutschland.

In diese Zeit fiel eine Entscheidung, die die Wirtschaftsentwicklung der Schweiz massgeblich beeinflussen sollte. Gottlieb Duttweiler, Gründer der Migros, hatte sich 1941 entschieden, sein gut laufendes Unternehmen seinen Kunden zu schenken. Einfach so. Ohne Gegenleistung. Die Migros wurde in eine Genossenschaft umgewandelt, die Anteilscheine mit einem geschätzten Verkehrswert von damals 16 Millionen Franken verschenkt. Der kinderlose Mann, der immer das Wohl der Kunden auf der Zunge hatte, bewies mit der Schenkung, dass es ihm wirklich ernst war mit dem Spruch: «Erfolg haben, heisst geben, immer wieder geben. Man kann nicht verhindern, dass es wieder zurückkommt.» Mit der Gründung der Genossenschaft bestand auch der Bedarf nach Kommunikation mit den neuen Besitzern, sprich den Kundinnen und Kunden. Deshalb gründete Duttweiler 1942 die Zeitung «Wir Brückenbauer, Wochenblatt für das soziale Kapital». Der Brückenbauer sollte über das

aktuelle Geschehen in der Welt, der Schweiz und in der Migros informieren. Die Startauflage lag 1942 bei 110 000 Exemplaren – schon damals eine riesige Zahl. Sie sollte sich in den kommenden Jahrzehnten bis heute auf 2,1 Millionen erhöhen. Gottlieb Duttweiler liess es sich nicht nehmen, seine Meinung zu politischen Themen regelmässig in der Zeitung kundzutun. Über Jahre hinweg hat er jede Woche einen Leitartikel für den Brückenbauer verfasst. Das Ende des Zweiten Weltkriegs, der Wirtschaftsaufschwung der Fünfziger, die Rebellion der Sechziger, die Erdölkrise – der Brückenbauer begleitete die wichtigen historischen Entwicklungen und Ereignisse und versuchte, sie den Migros-Genossenschafterinnen und -Genossenschaftern verständlich näherzubringen. Ohne dabei das alltägliche Leben, die kleinen und grossen Sorgen der Menschen zu vergessen. Daneben fand auch das ungebrochene Wachstum der Migros-Gruppe in der Zeitung seinen Niederschlag. Denn deren Geschäfte waren in den dreissig Jahren des Nachkriegsaufschwungs geradezu explodiert. Überall im Land entstanden Supermärkte, die Verkaufswagen rollten, die Zahl der MigrosIndustriebetriebe wuchs. So wie sich der optische Auftritt der Migros ständig erneuerte, wurde auch der Brückenbauer diversen Relaunches unterzogen. Erst wurde die trockene Textwüste mit immer mehr und immer grösseren Bildern belebt. Die Werbung wurde grossformatiger. Farbe hielt nach und nach Einzug. 1986 wurde dann aus der «grossen» eine «kleine» Zeitung – sprich eine Zeitung im Tabloidformat, wie wir es auch heute noch kennen. 2004 schliesslich wurde der Brückenbauer komplett renoviert und umbenannt. Gleichzeitig wurde der Zeitung ein zeitgemässeres inhaltliches Konzept verpasst, mehr Service und eine emotionalere Ansprache des Publikums sollten den Erfolg des Brückenbauers ins neue Jahrtausend tragen. Migros-Magazin nannte sich das Folgeprodukt, und auch die neu firmierte Zeitung entsprach offenbar den Vorstellungen der Leserschaft. Bis heute jedenfalls hatte die Zeitung nie einen deutlichen Rückgang zu

Am 30. Juli 1942 erscheint der Brückenbauer zum ersten Mal. Die Seiten sind gefüllt mit viel Text und wenig Bildern. Der Ton ist politisch engagiert: Das soziale Kapital schafft es gleich zweimal auf Seite 1. Doch stöbern Sie selbst: Auf www.migmag.ch/bb finden Sie eine Zeitungsaus­ gabe pro Jahrzehnt zum Lesen.

verzeichnen, obwohl sich die Medienbranche in einem dramatischen Wandel, die gedruckte Presse auf einem permanenten Rückzug befindet. Die Kombination aus emotionalen, ehrlichen Geschichten und verständlichen Infos über das Geschehen in der Migros und über neue Produkte scheint auch nach 75 Jahren noch anzukommen. Und zeitgleich zünden wir die nächste Stufe der Rakete Migros-Magazin mit einem komplett erneuerten Online-Auftritt (siehe unten). Liebe Leserin, lieber Leser, die Redaktion des Migros-Magazins freut sich, wenn Sie auch den weiteren Weg gemeinsam mit uns gehen.

Hans Schneeberger, Chefredaktor hans.schneeberger@migrosmedien.ch

Alles neu bei Migrosmagazin.ch

Die Webseite des Migros­Magazins ist ab sofort übersicht­ licher und moderner. Neben den Artikeln aus der Zeitung finden Sie neu auch Storys, die nicht in der Printausgabe abgedruckt werden – und Sie können selbst zum Autor oder zur Autorin werden. Seite 108


MM27, 3.7.2017 | 5

75 Jahre Die Vierziger

9 Der Historiker Jakob Tanner über die Schweiz nach dem Zweiten Weltkrieg 13 Die Migros erobert die Schweiz auf Rädern

Die Fünfziger

15 Der Zürcher Philosoph

Georg Kohler über die «Ära der Zuversicht» 18 Film-Götter der 50er 19 Ungarn-Aufstand: Die Migros leistet Nothilfe

8

Die Sechziger

20 Schweizer Jugendliche

gehen auf die Barrikaden

22 Prominente 68er 25 Erste Menschen auf

dem Mond

Die Siebziger

32

28 Erdölkrise: Und plötzlich stand alles still 29 Dennis Meadows vom «Club of Rome» im Interview 31 M-Sano: Die erste Bio-Offensive der Migros 32 Das Frauenstimmrecht – endlich auch in der Schweiz 33 Construire-Chefredaktorin Charlotte Hug erzählt

Migros-Welt Bilder: Alfred Eisenstaedt/Time Life Pictures/Getty Images, Str/Keystone, iStockphoto, MGB-Archiv

37 Sarah Kreienbühl (46)

ist neue Leiterin des Bereichs Personal, Kulturelles, Soziales und Freizeit bei der Migros 38 Spendenaktion 2016 Schweizer Hilfswerke sagen Danke für 3,8 Millionen Franken 42 L’Oréal Paris

Liquid Care für jeden Hauttyp 44 Lilibiggs-Programm

Lehrling Ben & Co. erklären Kindern den Migros-Kosmos

Die Achtziger

89 Der einstige Migros-Chef Jules Kyburz über den 80er-

Zeitgeist und seine Begegnung mit Michail Gorbatschow

Die Neunziger

94 Das Volk sagt Nein zum EWR – und stellt so die

Weichen für die Bilateralen 97 Der Kalte Krieg ist aus

Die Nuller

99 9/11, Swissair-Grounding,

Gotthardbrand, Tsunami – das Jahrzehnt der Katastrophen 102 Okay, nicht alles in den Nullern war schlecht … 103 Monica Glisenti, publizistische Leiterin des MM, über die Geburt des Migros-Magazins

Die Zehner

104 Die Roboter übernehmen 106 Beziehungsstatus «Es ist kompliziert»: Wie junge Leute die klassischen Medien konsumieren 108 So funktioniert die neue

Webseite des Migros-Magazins 109 Daten, Daten, Daten! David Bosshart, CEO des Gottlieb Duttweiler Instituts, über die künftigen Sieger im Detailhandelsgeschäft

46 Naturbasierte Wirkstoffe

Darum sind die Produkte von Migros Plus umweltfreundlich 50 Brot des Monats Mediterrane Sommerfocaccia 53 Migusto So gelingen würzige Chutneys aus Pfirsich, Ingwer, Koriander ... 73 Total Wirksam gegen Flecken aller Art 81 Neues aus Ihrer Region Aktionen, Reportagen, News

113 Rätsel, Impressum 118 Cumulus

M-Infoline: Tel. 0800 84 0848 oder Fax +41 800 84 0848 (Ausland). www.migros.ch/kundendienst; www.migros.ch Cumulus: Tel. 0848 85 0848* oder +41 44 444 88 44 (Ausland). cumulus@migros.ch; www.migros.ch/cumulus

104

Redaktion Migros-Magazin: Limmatstrasse 152, Postfach 1766, 8031 Zürich, Tel. 058 577 12 12, Fax 058 577 12 08. redaktion@migrosmagazin.ch; www.migrosmagazin.ch * Normaltarif


6 | MM27, 3.7.2017 | 75 JAHRE

In eigener Sache

Prominente Worte

Wir feiern den 75. Geburtstag von Brückenbauer und Migros-Magazin – und das sagen prominente Leserinnen und Leser über unsere Arbeit.

Doris Leuthard (54)

Steffi Buchli (38)

Bundespräsidentin

Sportmoderatorin

«Das Migros-Magazin ist aus der Schweizer Medienlandschaft nicht wegzudenken. Nicht nur, weil es kraft seiner dreisprachigen Auflage in Millionenhöhe omnipräsent ist, sondern auch in inhaltlicher Hinsicht: Das Migros-Magazin greift Geschichten aus dem Leben auf – handwerklich solid, ohne Larmoyanz und nahe an den Menschen. Hier scheint noch immer der Charakter der viel beachteten Vorgängerpublikation Brückenbauer durch. Ich gratuliere herzlich zum Jubiläum und wünsche der Redaktion weiterhin kreatives Schaffen.»

«In meiner Kindheit warst du, lieber ‹Brügglibuur›, omnipräsent. Meine Mutter informierte sich bei dir über Aktionen, für meine Schwester und mich warst du abwechselnd Bilderbuch, Zeichenunterlage oder Geschenkpapier. Aus dem Brückenbauer wurde das Migros-Magazin, und Jahre später gab ich dir zum ersten Mal ein Interview. Mein Mami wurde von ihrem gesamten Umfeld darauf angesprochen, und ich merkte: Du, Migros-Magazin, bist ein Anker in der Schweizer MagazinLandschaft und damit Kulturgut. Ich wünsche dir alles Gute zum Geburtstag! P.S.: Für mein Mami wirst du immer der ‹Brügglibuur› bleiben.»

Wendy Holdener (24)

Skifahrerin «Der Brückenbauer hat mich schon im Vorschulalter inspiriert. Vor allem kurz vor Weihnachten, beim Ausfüllen des Wunschzettels für das Christkind. Heute bietet mir die Zeitung noch immer Inspiration, jedoch vermehrt für leckere Gerichte, sofern ich mal Zeit finde, selber zu kochen. Dass der Brückenbauer zum Migros-Magazin wurde, macht für mich Sinn. Die Migros steckt als Begriff auch in vielen anderen guten Initiativen der Migros – etwa im Migros Grand Prix, von dem ich als Kind profitieren durfte. Diese Skirennen waren für mich immer die coolsten der Saison.»


75 JAHRE | MM27, 3.7.2017 | 7

Roger de Weck (63)

Investorin und Philanthropin

Generaldirektor SRG SSR

«Liebes Migros-Magazin, Stiftungen stossen Innovationen an, schliessen Lücken, bauen Brücken und setzen Hebel in Bewegung. Das tust du schon seit 75 Jahren – damals noch unter dem Namen Brückenbauer. Und trägst journalistisch hohe Qualität ins breite Publikum. Nicht umsonst nennt man dich den stillen Riesen der Schweizer Medienlandschaft. ‹Dutti›, Visionär seiner Zeit mit sozialer Verantwortung für die Schwächeren, wäre stolz auf diese Leistung! Viel Glück zum Geburtstag – und weiter so!»

«Das Migros Magazin steht für Menschen, Leben, Lebensfreude. Und nimmt sich aber auch der Alltagssorgen der Bevölkerung an. Die Migros und ihr Magazin sind dieser Haltung über Jahrzehnte treu und zugleich immer im Trend geblieben. Inhalt und Verpackung stimmen wie eh und je: Das MigrosMagazin weiss die Leserin und den Leser zu packen, mit Geschichten, die dich und mich nicht nur berühren, sondern auch weiterbringen. Ich wünsche der Jubilarin 75 weitere trendige Jahre, in denen sie die ganze Schweiz, Gross und Klein, Jung und Alt, Familien und Singles, Land- und Stadtbewohner aller Sprachgruppen anspricht und inspiriert: das Migros-Magazin, ein echter Brückenbauer.»

Michel Gammenthaler (44)

Komiker «Dass es in der Schweiz zweierlei Kinder gibt, war mir schon früh bewusst. Ich fühlte mich im hiesigen Detailhandels-Yin-Yang von Anfang an in der Migros-Welt zu Hause. Gewisse Artikel lösen in mir Proustsche Déjà-vus aus: Rayon Schoggi, Prussiens-Guetsli ... Ein weiteres Highlight meiner Kindheit: der MigrosWagen. Ich liebte diesen fahrenden Einkaufsladen! Und inzwischen gehöre ich doch tatsächlich zu der Generation, die sich noch daran erinnert, dass das Migros- Magazin einmal ‹Brügglibuur› hiess. Happy Birthday!»

Texte: Andrea Freiermuth Bilder: Tanja Demarmels/13 Photo, Lukas Mäder/SRF, Hans Bézard/Head, Susanne Schwiertz, Danielle Liniger/SRG/Keystone, Adrian Bretscher/SI/RDB

Carolina Müller-Möhl (48)


2

3 1 Ein US-Matrose küsst am Times Square

eine Krankenschwester – nach der Kapitulation Japans (2. September 1945).

2 25. August 1944: Junge Pariser feiern die Ankunft der französischen Armee – und damit die Befreiung von Nazi-Deutschland. 3 8. Mai 1945: ein Zeitungsverkäufer in Lausanne am Tag des Kriegsendes

Text: Reto E. Wild

1

Bilder: RDA/Central Press/Getty Images, Walter Scheiwiller/Keystone, Alfred Eisenstaedt//Time Life Pictures/Getty Images, Christian Schnur, MGB-Archiv

8 | MM27, 3.7.2017 | 75 JAHRE


75 JAHRE | MM27, 3.7.2017 | 9

Die Vierziger

Verwüstung und Neubeginn

Der Zweite Weltkrieg überschattete ein halbes Jahrhundert. Die Schweiz blieb zwar militärisch verschont, stand aber unter Notrecht: Die Männer mussten Aktivdienst leisten, Nahrungsmittel wurden rationiert. Das Kriegsende am 8. Mai 1945 wurde auch hierzulande gefeiert. Die Situation normalisierte sich aber erst 1949 mit der Rückkehr zur direkten Demokratie.

Endlich, Frieden!

Zum Ende des Zweiten Weltkriegs schreibt der Brückenbauer: «Fünf Jahre und acht Monate furchtbaren Geschehens sind hinter uns. Diese sechs Jahre kommen uns wie ein unerhörter wüster Alpdruck-Traum vor. Wir sind dem Kriegssatan auch diesmal heil entronnen, es ist wirklich, es ist tatsächlich vorbei.» Brückenbauer vom 11. 5. 1945

Jakob Tanner

«Die Schweiz erfand sich neu als Sonderfall»

Zum Ende des Zweiten Weltkriegs läuteten auch in der Schweiz die Friedensglocken. Doch das Land schlitterte bald danach in eine schwere Krise. Der Historiker Jakob Tanner erklärt weshalb. Wie war die Stimmung in der Schweiz am 8. Mai 1945? Die Friedensglocken haben ge­ läutet, und in der Bevölkerung machte sich eine enorme Er­ leichterung breit. Gleichzeitig hatte man aber in der Politik und der militärischen Führung Angst vor einer «Friedens­ psychose»: Es durfte nicht sein, dass die bisher gut gesicherte Grenze geöffnet wurde. Die Schweizer Armee blieb deshalb bis August 1945 mobilisiert. Es gab allerdings eine weit­ verbreitete Wut auf Zehntau­

sende von Nazi­Anhängern: Der Bundesrat hatte die Schweizer Landesgruppe der NSDAP erst bei Kriegsende verboten. Die Schweiz musste sich der Vergangenheit stellen. Dies geschah vor allem auf Druck von aussen. Schon Anfang 1945 erzwangen die Alliierten die Sperrung der deutschen Gut­ haben, und die Schweiz willigte ein, auf deutsches Raubgold zu verzichten. Die Nationalbank umging dieses Verbot aber

Zur Person

Historiker und Mitglied der BergierKommission Der in Root LU geborene Historiker Jakob Tanner (66) ist seit Sommer 2015 emeritierter Professor der Forschungsstelle für Sozialund Wirtschaftsgeschichte der Universität Zürich. Ebenfalls 2015 erschien sein Buch «Geschichte der Schweiz im 20. Jahrhundert». Das einstige Mitglied der Bergier-Kommission wurde nach mehreren Auslandsaufenthalten 1997 an die Forschungsstelle berufen. Er wohnt in Zürich, ist verheiratet und Vater einer Tochter.


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75 JAHRE | MM27, 3.7.2017 | 11

noch im April 1945. 1946 wurde eine Schweizer Verhandlungsdelegation unter Chefunterhändler Walter Stucki nach Washington zitiert. Stucki beklagte sich, dass die Schweiz von den Ameri­ kanern wie ein okkupiertes Land be­ handelt werde. Die Verhandlungen endeten damit, dass die Schweiz für den Goldhandel mit Nazi­Deutschland 250 Millionen Franken bezahlte. Das war ein ausgezeichnetes Ergebnis; offensicht­ lich verfügten die Amerikaner nicht über alle Informationen zu den Gold­ transaktionen. Und die Schweiz zahlte die Summe offiziell als Beitrag zum Wiederaufbau von Europa. Mehr noch: Der Ruf des absolut soliden und sicheren Schweizer Finanzplatzes, den nicht mal die Sieger des Zweiten Weltkriegs in die Knie zwingen konnten, wurde dadurch gefestigt. Wurde so gut verhandelt? Die Schweiz profitierte auch davon, dass sie im Ersten Weltkrieg zu einem wichtigen europäischen Finanzplatz aufgestiegen war. Und im heraufziehen­ den Kalten Krieg wollten es sich die USA mit der Schweiz nicht verscherzen. Generell schauten sie darauf, dass die Kommunisten in westeuropäischen Län­ dern nicht zu viel Einfluss gewannen.

Text: Yvette Hettinger, Michael West

Bild: MGB-Archiv

In Ihrer Dissertation von 1986 «Bundeshaushalt, Währung und Kriegswirtschaft» untersuchten Sie die Haltung der Schweiz während des Kriegs. Meine These dazu: Wenn ein Land wie die Schweiz wirtschaftlich so stark ver­ flochten ist und in einen Krieg gezogen wird, entstehen enorme Zwänge. Der Franken war in den Kriegsjahren die einzige konvertible Währung, die Deutschland und auch die USA benutzten. Man könnte argumentieren, dass es nicht angebracht sei, mit dem verbreche­ rischen Hitler­Regime Geschäfte zu machen. Nur scherte sich die Schweiz ziemlich wenig um eine solche Moral, und Industrieunternehmen und Banken nutzten alle Möglichkeiten. Nach dem Kriegsende hätte man eine neue Richtung einschlagen können. Ja, doch die Schweiz übte sich im Stillsitzen, insbesondere die Banken blieben weitgehend tatenlos und lehnten Nachforschungen von Opfern der Juden­ vernichtung mit dem Argument ab, man habe es auf schweizerisches Volks­ vermögen abgesehen. Im Extremfall er­ klärten Bankinstitute den Angehörigen der jüdischen Opfer, ohne einen Toten­ schein aus Auschwitz könnten sie keinen Zugang zu den Konti erhalten.

Bilder aus dem Krieg

Während des 2. Weltkriegs berichtete der Brückenbauer regelmässig über den Kriegsverlauf. Bilder von der Ostfront (1943) zeigten, welche Waffen die Russen einsetzten.

Höhepunkte der Vierzigerjahre

Brückenbauer vom 1. 10. 1943

1942

Sie selbst waren in einen Fall involviert. Unter anderem machte ich im Schweizer Fernsehen die Geschichte eines deutschen Juden publik: Er hatte in den 30er­Jahren eine Versicherungspolice in der Schweiz abgeschlossen. Nach der Reichskristall­ nacht forderte das Steueramt von Berlin– Moabit Ende 1938 die Auszahlung dieser Police, was umgehend geschah. Damit wurde Schweizer Recht und das Kunden­ vertrauen massiv verletzt. Als der später ausgebürgerte Deutsche, der den Zweiten Weltkrieg überlebt hatte, nach dem Geld fragte, wurde ihm mitgeteilt, man könne die Summe nicht zweimal auszahlen. Das war nicht das einzige dunkle Kapitel in der Geschichte. Nein, ab März 1945 publizierte Carl A. Loosli im «Tages­Anzeiger» eindrückliche Reportagen, die das Leid der Verdingkin­ der thematisierten. Es dauerte sehr lange, bis sich hier auch politisch etwas bewegte. Erst 1981 übernahm die Schweiz die euro­ päischen Menschenrechtsstandards. Hat die Schweiz nach dem Krieg weitere Chancen verpasst? Deutschland und Japan waren am Boden zerstört und hatten bald schon blühende Industrien. Die Schweiz konnte in bestimmten Tech­ nologiebereichen schlicht nicht mit­ halten, etwa bei der Massenproduktion von Automobilen, grösseren Flugzeugen, AKWs oder Computern. Man kann aber nicht von verpassten Chancen sprechen, denn die Schweiz hat sich mit guten Gründen auf eine Arbeitsteilung auf den Weltmärkten eingelassen. Doch sie war ein Kartellland – damit konnte man viel Geld machen, wie das Autoimportkartell der Firma Emil Frey zeigt. MM

Am 2. Dezember gelingt die erste Energiegewinnung durch Kernspaltung. Am 30. Juli erscheint erstmals der Brückenbauer. 1943

Der Schweizer Albert Hofmann entdeckt durch Zufall das LSD. Die Migros rettet die Praesens-Film AG und legt so die Grundlage für die goldenen Jahre des klassischen Schweizer Films. 1944

D-Day: Invasion der Alliierten in der Normandie Mit ersten Sprachkursen beginnt der Aufbau der Klubschule Migros. 1945

Am 8. Mai endet der Zweite Weltkrieg; der Kalte Krieg beginnt. Die Migros begegnet Boykotten, indem sie ihre Eigenproduktion ausbaut und in Bischofszell eine Konservenfabrik erwirbt.

1946

Am 21. Februar startet das erste düsengetriebene Flugzeug und landet auf einem Flugzeugträger. Das seit 1933 bestehende Filialverbot fällt, und Gottlieb Duttweilers Unternehmen kann noch rasanter expandieren. 1947

Am 30. Oktober wird das Allgemeine Zollund Handelsabkommen (GATT) abgeschlossen. Es tritt am 1. Januar 1948 in Kraft. Die Migros verkauft erstmals Schnittblumen. 1948

Olympische Spiele in St. Moritz In Zürich eröffnet die erste Filiale mit Selbstbedienung. 1949

Ende des israelischen Unabhängigkeitskriegs und Waffenstillstand zwischen Israel und Ägypten. Mit «Familie M» zeigt die Migros erstmals einen Kinowerbefilm.


MAX

Exklusiv-Reise vom 8. - 11. September 2017

Luxemburg - Stadt, Land, Bahn & Fluss Ein grossartiges Wochenende im vielfältigen Grossherzogtum! Reisehöhepunkte:

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Hotel Doubletree by Hilton in Luxemburg Luxemburgs Altstadt

Grevenmacher Luxembourg

Remich le

sel

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2. Tag, Samstag 9. September 2017 – Moselfahrt und Grevenmacher Freuen Sie sich auf einen schönen Tag der ganz im Zeichen der wunderschönen Naturlandschaft Luxemburgs steht. Unser Ausflug beginnt in Remich, von wo aus wir eine Panoramaraschifffahrt auf der Mosel unternehmen. Geniessen Sie die herrlichen Landschaftsbilder der Luxemburger Weinstrasse, die an uns vorbeiziehen! Bei der anschliessenden Besichtigung der Sekt- und Weinkellerei in Grevenmacher erfahren wir einiges über die guten Tropfen der Umgebung und geniessen die prickelnde Köstlichkeit. Später lassen wir uns noch von der Schönheit des Schmetterlingsgartens verzaubern. Der tropische Garten mit seinen Hunderten exotischen Schmetterlingen lädt zu Spaziergängen auf einer Fläche von mehr als 600 m2 ein. 3. Tag, Sonntag 10. September 2017 – Stadtführung Luxemburg & Train 1900 Heute morgen zeigen wir Ihnen bei einer Stadtführung Luxemburg. Die Stadt beein-

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druckt mit ihren Arkaden in der Altstadt, dem herzoglichen Palais und der «Corniche», dem schönsten Balkon Europas. Malerische Plätze, hübsche Altstadtgassen und prachtvoll geschmückte Boulevards laden zum Flanieren ein. Nach einer schönen Stadtrundfahrt erkunden wir die Stadt unter fachlicher Führung bei einem erlebnisreichen Spaziergang. Alt und Modern geben sich die Hand. Die ehemaligen Befestigungsanlagen mit den eindrucksvollen Kasematten gehören ebenso zum Stadtbild wie die internationalen Banken und das Europa-Viertel. Am Nachmittag steht in Pétange der stolze Dampfzug „Train 1900“ zum Einsteigen bereit - standesgemäss nehmen wir in der 1. Klasse Platz und fühlen uns in eine andere Zeit zurückversetzt. Langsam setzt sich die Lock schnaufend und dampfend in Bewegung – geniessen Sie die Szenerie und die schöne Fahrt im gemächlichen Tempo. Beim Wendepunkt in Fonds des Gras erwartet uns neben dem nostalgischen Bahnhof Freilicht-Eisenbahnmuseum, wo Sie alte Zugskompositionen, Lokomotiven und Gebäude bewundern können. Am Abend werden wir im Hotel mit einem feinen Nachtessen erwartet. 4. Tag, Montag 11. September 2017 – Heimreise Nach dem Frühstück treten wir mit vielen unvergesslichen Eindrücken im Gepäck die Heimreise an.

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75 JAHRE | MM27, 3.7.2017 | 13

Migros-Kunden

Der Trumpf des rollenden M Seit drei Generationen sind die Mitglieder der Familie Stauffer treue Migros-Kunden. Die Beziehung zum orangen M begann mit den erfolgreichen Verkaufswagen der 1940er-Jahre.

D Migros-Kunden der ersten Stunde: Bruno Stauffer, Dinah Marti, Hilde Stauffer, Bea Haupt, Rahel Marti und Nadine Marti (v.l.)

Text: Michael West Bilder: Mara Truog, MGB-Archiv

Kleines Bild: Migros-Verkaufswagen Ende der 1940er-Jahre

iese Szene aus seiner Kind­ heit hat Bruno Stauffer (83) noch so klar vor Augen, als habe sie sich erst gestern zugetragen: Direkt vor seinem Eltern­ haus in der Zürcher Oberländer Ge­ meinde Hinteregg hielt jeweils in den 40er­Jahren der Migros­Verkaufs­ wagen. Chauffiert wurde der rollende Laden von einem stets freundlichen Mann, dessen Vorname Stauffer nie erfuhr. «Für uns Kinder war das ein­ fach der Herr Eigenmann», sagt der pensionierte Werkzeugmacher. Wenn der Lastwagen im Dorf ein­ fuhr, wartete bereits eine Gruppe von Hausfrauen am Strassenrand. Der Chauffeur klappte die Seitenwand auf; zum Vorschein kam eine Verkaufstheke, hinter der Herr Eigenmann in Position ging, um die Kundinnen zu bedienen. Als Bub stellte sich Stauffer dann oft mit seiner Mutter in die Warteschlange. «Mich beeindruckte immer, wie

mühelos der Chauffeur im Kopf rech­ nen konnte und wie schnell er das Wechselgeld aus den Münzfächern an seinem Gurt herauszählte. Ein speziel­ les Lieblingsprodukt im Migros­ Sorti­ ment hatte ich aber damals nicht.» Das lag daran, dass dieses Sorti­ ment damals noch sehr klein war. Schleckzeug war nicht im Angebot; dafür gab es Nahrungsmittel wie Zucker, Reis, Teigwaren oder Kokos­ fett, die jeder Haushalt benötigte. Diese Produkte waren stets von einwandfreier Qualität und deutlich günstiger als bei den alteingeses­

senen Läden. Kein Wunder also, dass die Hausfrauen beim Migros­Wagen Schlange standen. Tumulte rund um die Verkaufswagen

In anderen Gemeinden kam es wegen der Konkurrenz zwischen der Migros und den Dorfläden während der 40er­Jahre zu tumultösen Szenen: Die Stellplätze der Verkaufswagen wurden mit Güllefässern blockiert, Kunden und Gegner der Migros strit­ ten heftig miteinander. «In Hinteregg ging alles eher still über die Bühne», sagt Stauffer. Der Verkaufswagen hat­ te immer mehr Kunden; irgendwann verschwand der traditionelle Dorf­ laden. Der Siegeszug der Migros liess sich ohnehin nicht mehr aufhalten – weder im Zürcher Oberland noch im Rest der Schweiz. «Die neuen Läden mit ihren guten und günstigen Pro­ dukten waren bei einem Grossteil der Bevölkerung hochwillkommen», sagt Brunos Ehefrau Hilde (83). «Man vergisst heute, dass die Schweiz nach dem Krieg noch ein armes Land war. Viele Familien mussten jeden Rappen umdrehen.» Migros­Verkaufswagen kreuzten auch nach den 40er­Jahren den Le­ bensweg von Bruno Stauffer. Nach der Heirat lebte er mit Hilde während der 60er­Jahre in Uster ZH an der Seeblickstrasse. Und wieder lag die Haltestelle eines rollenden Ladens direkt vor der Haustür. Kein Wunder, dass auch die beiden Töchter Rahel Marti (52) und Bea Haupt (58) viele Kindheitserinnerungen an den Ver­ kaufswagen haben. Die ältere Tochter berichtet zum Beispiel, sie habe die Mutter schon sehr früh zur mobilen Migros begleitet. Die Verbindung mit dem orangen M reicht bis in die dritte Generation. Rahel Martis Töchter Dinah (18) und Nadine (16) kennen das Migros­Sor­ timent gut und haben ihre Lieblings­ produkte. Dazu gehören etwa die klassische Vanilleglace mit dem Seehund auf der Verpackung, Mango­ glace oder Honignüsse. MM


Wunderwelt im Laden: 1955 präsentieren MigrosMitarbeiter in weissen Laborkitteln den Kunden die ersten Kühlschränke. Sie kosteten zwischen 395 und 650 Franken, einen Bruchteil des Preises, der damals im Fachhandel verlangt wurde. In der Wirtschaftswunderwelt der 50er machte die Migros viele Konsumgüter für die Bevölkerung erschwinglich: von der Gemüsemühle über den Staubsauger bis zu den Nylonstrümpfen.


75 JAHRE | MM27, 3.7.2017 | 15

Kampf der «Telefonitis»

Zwar hatten 1952 bereits über eine halbe Million Haushalte in der Schweiz ein Telefon. Doch war die Technologie noch so neu, dass der Brückenbauer dem «richtigen» Telefonieren eine ganze Seite widmete. Statt «Hallo» in den Hörer «zu brüllen», solle man sich leise und mit Namen vorstellen. Generell würden vor allem Frauen unter «Telephonitis» leiden, beklagte sich ein Mann. Versuche jemand mal ihn anzurufen, sei das Telefon immer besetzt – von seiner Frau. Brückenbauer vom 7.11.1952

Die Fünfziger

Ära der Zuversicht

Texte: Ralf Kaminski, Michael West

Illustration: Belicta Castelbarco/Kombinatrotweiss, Bild (Collage): MGB-Archiv Bilder: Christian Schnur, MGB-Archiv

Nach Jahren mit Krieg, Kummer und Entbehrungen begann in den 1950ern die Zeit des Wiederaufbaus, der Hoffnung, des Konsums und des wachsenden Wohlstands. Die Stimmung in der westlichen Welt war optimistisch, sagt der Philosoph Georg Kohler, ein gewaltiger Kontrast zu heute.

E

s kann nur besser werden. Das fasst die Haltung vieler Menschen in West­ europa zusammen, die seit dem Be­ ginn des Ersten Weltkriegs 1914 kaum je anderes als Leid und Entbehrungen erlebt haben. Die funkelnde Konsumwelt der USA, ihr Sound und ihr Lebensgefühl wurden zum Vorbild, besonders für die Jungen. Haushalts­ geräte erleichterten das Leben der Frauen, Motorräder und Autos wurden zu Sehnsuchts­ objekten der Männer. Sogar Ferien am exo­ tischen Mittelmeer waren plötzlich möglich. «Schöner leben, mehr haben», bringt es Georg Kohler (72) auf den Punkt. Der emeri­ tierte Professor für politische Philosophie an der Universität Zürich hat sich intensiv mit den 1950er­Jahren beschäftigt und betont auch die Schattenseiten: «Gleichzeitig kam der Kalte Krieg in Fahrt, und die Menschen sorgten sich vor einem neuen Konflikt – diesmal mit Atomwaffen.» Die Schweiz hat Bunker gebaut und jeden Nonkonformisten als potenziellen Kommunisten verdächtigt. «Die 50er galten deshalb auch als bleierne Zeit, wer sich nicht an die rigiden Regeln hielt, hatte ein Problem», sagt Kohler. Der Zeitgeist jedoch war optimistisch: Man glaubte an eine erfolgreiche Zukunft, nicht zuletzt dank des technologischen Aufbruchs, dessen Möglichkeiten unbegrenzt zu sein schienen. Science­Fiction­Geschich­ ten erlebten eine Blütezeit, und im deutschen Film wurde getanzt und gesungen («Wir Wun­ derkinder», «Die drei von der Tankstelle», «Wenn die Conny mit dem Peter»). Welch ein Kontrast zu heute. Im Kino und Fernsehen werden laufend neue Varianten der

«Schöner leben, mehr haben»: Mit diesem Motto umschreibt der Zürcher Philosoph Georg Kohler das Lebensgefühl in den 1950er-Jahren.


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75 JAHRE | MM27, 3.7.2017 | 17

Apokalypse durchgespielt, der technische Fortschritt gilt als potenzieller Jobkiller, der im Westen angehäufte Wohlstand scheint in Gefahr zu sein. «Es kann nur schlechter werden», lautet das Motto. «Gekippt ist es mit 9/11», sagt Kohler. «Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion, dem Ende des Kalten Kriegs, herrschte nochmals Optimismus. Man hoffte, dass die Welt nun zusammenwächst und ewiger Frieden herrscht.» Die Anschläge in New York beendeten diese Illusion. «Und die Finanzkrise 2007/2008 mit ihren wirtschaftlichen und politischen Folgen verdüsterten den Zeitgeist endgültig.» Der Optimismus der 50er war in gewisser Weise gerechtfertigt – für viele im Westen wurde das Leben besser und besser. Wie gerechtfertigt ist der heutige Pessimismus? Georg Kohler hält die demokratischen Rechtsstaaten des Westens für stabil genug, um den Herausforderungen zu begegnen. «Es muss nicht zur Katastrophe kommen. Aber das bedingt, dass wir uns der Probleme annehmen und an Lösungen arbeiten.» MM

Bild: MGB-Archiv

Nach dem Zweiten Weltkrieg rollte eine nie zuvor erlebte Konsumwelle über den europäischen Kontinent (im Bild: Migros-Angestellte und Lehrling beim Dekorieren eines Schaufensters, 1955).

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Die Götter der 50er Richtig berühmt wurde sie 1962 mit dem ersten Bond-Film «Dr. No», aber Ursula Andress (81, Bild 1) war schon zuvor auf der Leinwand zu sehen und befreundet mit den US-Ikonen James Dean (1931– 1955, Bild 1) und Marlon Brando (1924–2004, Bild 2), die in den 50er-Jahren grosse Kinoerfolge feierten. Ein anderer Schweizer Star dieser Zeit war Liselotte Pulver (87, Bild 3), die schon bald auch in deutschen Filmen wie «Ich denke oft an Piroschka» (1955) oder «Das Wirtshaus im Spessart» (1958) gross herauskam. Die Teenager derweil liebten Peter Kraus (78) und Conny Froboess (73, Bild 4), die ab 1958 als Teenie-Traumpaar des deutschen Films die Leinwände eroberten. Und die ganze Welt verehrte Marilyn Monroe (1926–1962), zu deren Highlights in den 50er-Jahren «Niagara», «Gentlemen Prefer Blondes» und die brillante Komödie «Some Like It Hot» gehörten.

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Text: Ralf Kaminski

Zakynthos


75 JAHRE | MM27, 3.7.2017 | 19

Ungarischer Volksaufstand

Migros-Mitarbeiter leisten Nothilfe 1956 erhoben sich die Ungarn gegen das stalinistische Regime. Unter grossem Risiko lieferten Migros-Mitarbeiter Nahrungsmittel, Medikamente und Verbandsmaterial ins Bürgerkriegsgebiet.

Höhepunkte der Fünfzigerjahre 1950

Ferdy Kübler gewinnt als erster Schweizer die Tour de France. Gottlieb und Adele Duttweiler veröffent­ lichen ihre 15 Thesen zur Migros – ihr ethi­ sches Vermächtnis. 1951

Hugo Koblet gewinnt die Tour de France, und Ferdy Kübler wird Radweltmeister. Zum Migros­Sortiment gehören neu auch Non­Food­Produkte wie Nylonstrümpfe, Strickwolle und erste Haushaltsmaschinen. 1952

Elizabeth II. besteigt am 6. Februar den britischen Thron. Aufsehenerregende Hilfsaktion: Migros-Camions auf dem Weg ins Bürgerkriegsgebiet

Texte: Yvette Hettinger, Michael West.

Bilder: MGB­Archiv (2)

W

enige Tage lang sah es im Oktober 1956 so aus, als löse sich das ungarische Volk aus der sowjetischen Umklamme­ rung. Es begann mit Studentenprotesten in Budapest. Schnell weitete sich der Aufstand auf weitere Teile des Landes aus. Das stalinis­ tische Regime stürzte. Doch Anfang November walzte die Sowjetarmee den Aufstand nieder. In der Schweiz war die Solidarität mit der ungarischen Bevölkerung gross. Die Migros schickte Ende Oktober zwei Lastwagen mit Hilfsgütern ins Kriegsgebiet. Die Mitarbei­ ter, die diesen Transport ausführten, riskier­ ten viel. Österreichische Zöllner wollten die Camions zuerst aufhalten, weil die Gefahr zu gross sei. Der Migros­Transport bewegte sich zwischen ausgebrannten Panzern auf schwer beschädigten Strassen. Ungarische Aufstän­ dische informierten die Chauffeure laufend über die Bewegungen der Sowjettruppen. Die Camions hatten Medikamente, Verbands­ zeug und Konserven geladen, die in Budapest an sechs Spitäler verteilt wurden. Die Migros­ Mitarbeiter gelangten mit ihren LKWs sicher in die Schweiz zurück. Nach dem blutigen Ende des Aufstands flüchteten 200 000 Ungarn in den Westen, 14 000 fanden in der Schweiz Zuflucht. MM

Die ersten MM­Filialen werden eröffnet. 1953

Die Oscar­Verleihung am 19. März wird in den USA und in Kanada zum ersten Mal im Fernsehen übertragen. Bob Hope ist der Moderator. In der Schweiz wird Gottlieb Duttweiler teilweise noch immer angefeindet, in den USA aber in die «Hall of Fame in Distribution» aufgenommen. 1954 Auf nach Ungarn!

«Welcher Schweizer wäre da nicht mit dem Herzen mit den Freiheitskämpfern!», schrieb der Brückenbauer und berichtete über die Migros­ Lastwagen mit Hilfsgütern, die nach Ungarn fuhren. Brückenbauer vom 2.11.1956

Fussball­WM in Bern: Deutschland wird Weltmeister. Gottlieb Duttweiler gründet Migrol, um die Benzinpreise zu drücken. 1955

In Montgomery, Ala­ bama (USA), wird die

Afroamerikanerin Rosa Parks verhaftet, weil sie sich weigert, ihren Sitzplatz im Bus für einen weissen Mann zu räumen. Es ist die Geburts­ stunde der Bürger­ rechtsbewegung in den USA. Die Migros führt die Fünf­Tage­Woche ein und ist damit anderen Arbeitgebern voraus. 1956

Suezkrise: Auslöser des Konflikts zwischen Ägypten auf der einen Seite und Grossbritan­ nien, Frankreich und Israel auf der anderen Seite, war die Frage, wer die Kontrolle über den Suezkanal ausübt, der den Seeweg zwi­ schen Europa und Asi­ en erheblich verkürzt. Die Migros gründet die Eurocentres­Sprach­ schulen im Ausland, die der Völkerverstän­ digung dienen sollen. 1957

Mit dem Sputnik­Satel­ liten beginnt das Zeit­ alter der Raumfahrt. Gottlieb Duttweiler verankert das Migros­ Kulturprozent in den Statuten. 1958

Die Weltwirtschaft erlebt ihre erste Rezession der Nachkriegszeit. Die Migros Bank wird gegründet. 1959

In Kuba übernimmt Fidel Castro die Macht. Die Migros eröffnet in Zürich das erste Do­it­yourself­Center.


20 | MM27, 3.7.2017 | 75 JAHRE

1

Die Sechziger

Von Marx bis Mini

Was für ein Jahrzehnt! Die Beatles revolutionieren den Pop, die Mode wird bunt, die Pille bringt neue sexuelle Freiheiten. Auch politisch schlagen die Wellen hoch: Die USA erhalten mit John F. Kennedy den ersten «modernen» Präsidenten, Studenten protestieren gegen den Vietnamkrieg und starre Konventionen – und die Kubakrise löst fast den Dritten Weltkrieg aus.

Die Bewegung

Junge im Widerstand

I

n der Nacht vom 29. auf den 30. Juni kracht es in Zürich. Das Pulver ist die Forderung nach einem autonomen Jugendhaus. Der Funke springt, als die Polizei den Platz vor dem Globus-Provisorium auf der Bahnhofsbrücke räumen will. Die Strassenschlachten dauern bis in die frühen Morgenstunden und fordern 40 Verletzte. Der Globuskrawall bringt etwas zum Explodieren, was schon lange schwelt. Es sind nicht nur die fehlenden Freiräume in der Stadt, die die Jugend bewegen, sondern auch die geistige Enge, autoritäre Erziehung und rigide Sexualmoral. Oder wie der Brückenbauer schreibt: «Angegriffen wird über-

all die Welt der Väter.» Deren Autorität werde nicht mehr hingenommen, sondern nicht selten leidenschaftlich abgelehnt. Die Geschichtsprofessorin Brigitte Studer (61) lebt damals im Kanton Freiburg, ist erst 13 Jahre alt und hat davon vorerst nicht viel mitbekommen. In den 70er-Jahren aber profitiert sie von den Veränderungen in der Gesellschaft und beginnt, sich als Wissenschaftlerin für die Dekade des Aufbruchs zu interessieren: «Die Bewegung der 68er war die erste soziale Bewegung globalen Ausmasses. Auch in Japan und Osteuropa begehrte man gegen die herrschende Ordnung auf.» Das sei im Rückblick eigentlich

sehr erstaunlich, denn damals waren sämtliche Radio- und TV-Sender öffentlichrechtlich organisiert und viel stärker staatlich kontrolliert als heute . Ansonsten sieht die Historikerin viele Parallelen zu heutigen sozialen Bewegungen: «Die 68er bestanden wie Occupy oder Women’s March aus heterogenen Gruppen, die sich unter einem gemeinsam Nenner zusammenfanden, der Kritik am Bestehenden.» Damals seien eben nicht nur Studenten auf die Strasse gegangen und bei Women’s March nicht nur Feministinnen oder bei Occupy nicht nur Leute, die wegen der Finanzkrise ihr Haus verloren haben.

Text: Andrea Freiermuth Bild (Kennedy): Willi Gutberlet/DPA/Keystone

Die Jugendrevolution der 68er ging auch an der Schweiz nicht spurlos vorbei. Die Historikerin Brigitte Studer erklärt die Hintergründe und zieht Parallelen zu heutigen Bewegungen wie Occupy und Women’s March.


75 JAHRE | MM27, 3.7.2017 | 21

1 US-Präsident John

F. Kennedy inspirierte die Welt, löste die KubaKrise friedlich; 1963 fiel er in Dallas einem Attentat zum Opfer. 2 Das legendäre

Musikfestival in Woodstock im August 1969 gilt als Höhepunkt der US-Hippiebewegung. 3 Mit dem Globus-

krawall erreichten die Jugendunruhen 1968 auch die Schweiz.

2 Bilder: str/PHOTOPRESS-ARCHIV/Keystone , Bettman Archive/Getty Images, MGB-Archiv

3

Bewegte Schweizer Jugend

Eine weitere Konstante sei die Bedeutung von Symbolen: «Bei den 68ern waren es lange Haare und Flower Power, bei Occupy die Anonymous-Maske und bei Women’s March pinke Strickmützen mit Katzenohren.» Symbole seien ein wichtiges verbindendes Element, gerade weil es zuweilen schwierig sei, sich im Konkreten und ohne Führung auf ein gemeinsames Ziel zu einigen. Bei Occupy ist man sich etwa einig, dass man den Banken Einhalt gebieten sollte. Aber wie genau man das macht, darüber gehen die Meinungen stark auseinander. Unzufriedenheit mit der bestehenden Ordnung, ein Symbol mit einender Kraft und

ein Funke, der das Pulverfass zum Explodieren bringt. Theoretisch weiss man, was es braucht, damit die Menschen auf die Strasse gehen. Praktisch sind soziale Bewegungen aber weit weniger gut vorhersehbar. Darum will Historikerin Studer auch auf keinen Fall eine Prognose abgeben, wo in Zukunft ein Feuer ausbrechen könnte. Was sie aber aufgrund des Laufs der Geschichte sagen kann: «Soziale Bewegungen politisieren Men­ schen, die zuvor passiv und unbeteiligt waren. Das setzt Energie frei und ver­ ändert die Gesellschaft.» Darum sei sie sehr gespannt, was in der Folge der neu aufkeimenden Frauenbewegung geschehe. MM

«Gerät auch unsere Jugend in Bewegung?», fragt der Brückenbauer im März 1968. «Die vorherrschende Ruhe kann täuschen», schreibt Chefredaktor Walther Allgöwer. «Aus den Geschehnissen im Ausland wissen wir, dass ein aufwühlendes Ereignis wie ein Funke im Pulverfass zünden kann.» Er sollte Recht behalten. Brückenbauer vom 29. 3. 1968


22 | MM27, 3.7.2017 | 75 JAHRE

68er-Zeitgenossen

Der Schlaghosen-Aufstand

Pepe Lienhard (71), Bandleader und Saxofonist «Ich hatte damals nur die

Dodo Hug (67), Singer-Songwriter «1968 war ich ein Küken und gerade einmal 18 Jahre alt. Von den 68ern bekam

ich erst spät etwas mit. Einmal lief ich mit Freunden bei einer Demo in Bern gegen die Besetzung der Tschechoslowakei durch die Russen mit. Aber für Politik interessierte ich mich eigentlich nicht so sehr. Modisch gesehen war ich natürlich ein Kind jener Zeit: Ich trug erst Miniröcke, später Schlaghosen und ausgeflippte Hippiekleider.»

Musik im Kopf und war kein politischer Mensch. An Demos beteiligte ich mich nie. Aber modisch inspirierten mich die 68er schon. Das Foto entstand 1969 nach einem Auftritt in St. Gallen. Später wurden meine Hosen unter den Knien weiter und meine Mäntel noch etwas länger. Besonders viel Freude hatte ich an Pelz, wie ihn auch Bob Dylan trug. Wenn wir in dieser Aufmachung in einem Restaurant auftauchten, wurden wir manchmal nicht bedient.»

Christiane Brunner (70), ehemalige SP-Ständerätin «1968 war ich 21 Jahre alt und

studierte im zweiten Jahr Jus in Genf. Die Bewegung politisierte mich. Die extreme Linke forderte die Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau. Das fand ich gut. Aber Theorie und Praxis waren etwas anderes: Die Frauen hatten in den OKs der 68er nichts zu sagen. Sie waren gut, um den Kaffee zu machen – und fürs Bett.»

Höhepunkte der Sechzigerjahre Am 18. August bringt der USPharmakonzern Searle die Antibabypille auf den Markt.

norddeutschen Emden eine Erdölraffinerie bauen, um den grossen Mineralölkonzernen Konkurrenz zu machen.

Gottlieb Duttweiler gründet die Frisia AG und lässt im

1961 John F. Kennedy wird zum jüngsten

1960

Präsidenten der USA gewählt. Die Migros lanciert die Eigenmarke Optigal, die für Schweizer Pouletproduktion mit strengen Qualitätsmassstäben steht.

1962 Kuba-Krise als Höhepunkt des Kalten Kriegs Am 8. Juni stirbt Gottlieb Duttweiler im Alter von 74 Jahren. Tausende nehmen in Zürich Abschied.

1963 Am 28. August hält Martin Luther King seine berühmte Rede, die mit «I have a dream» beginnt. Das Gottlieb Duttweiler Institut wird in Rüschlikon

ZH eröffnet – die älteste Denkfabrik der Schweiz. . 1964 Die Beatles stehen mit fünf Singles auf den Plätzen 1 bis 5 der USamerikanischen Hitparade − eine

zuvor nie dagewesene Situation. Die Migros lädt alle Genossenschafter an die Landesausstellung in Lausanne ein; 328 000 profitieren von dem Angebot.

Texte: Andrea Freiermuth, Yvette Hettinger, Michael West Bilder: Patrick Lüthy & Thomas Ledergerber/IMAGOpress.com, zVg (6)

Die einen wurden durch die 68er-Bewegung politisiert, die anderen liessen sich eher modisch inspirieren. Prominente Schweizer erzählen, wie sie den Aufbruch und Umbruch erlebt haben.


75 JAHRE | MM27, 3.7.2017 | 23

La Lupa (70), Sängerin «An den Globuskrawall Ende Juni 1968 in Zürich erinnere ich mich noch

sehr gut. Ich nahm daran zwar nicht teil. Aber in jener Nacht passierte etwas für mich sehr Bedeutendes: Ich kam meinem heutigen Mann näher. Er flüchtete sich sozusagen von der Polizei direkt in meine Arme. Neben meiner Ehe haben mir die 68er auch ein buntes Leben beschert. Flower Power ist bei mir heute noch Programm.»

Filippo Leutenegger (64), Mitglied der Zürcher Stadtregierung «1968 war ich im wahrsten Sinne des Wortes noch ein Klosterschüler – aber ich war schon politisch interessiert und für Umweltanliegen sensibilisiert. Das Bild zeigt mich zehn Jahre später an einer Kundgebung beim Atomkraftwerk Gösgen. Heute bin ich in Zürich verantwortlich für Ämter, die für die Stadtnatur zuständig sind. Vor 40 Jahren hätte ich nicht gedacht, dass ich mich dereinst so direkt für Bäume und Grünräume engagieren kann. Das macht mir Freude.»

1965 Eröffnung des Mont-Blanc-Tunnels – mit 11,6 Kilometern der damals längste Strassentunnel der Welt In Zürich-Wollishofen wird in einer Filiale ein erster

Versuch mit einer Selbsttippkasse unternommen. 1966 Beginn der Chinesischen Kulturrevolution Das vorerst grösste Bauvorhaben

Christa de Carouge (80), Modeschöpferin «Ich war damals bereits 32 Jahre alt und lebte in Genf. Die 68er schrammten

an mir vorbei und bewegten eher die Generation nach mir. Mit Flower Power und Demonstrationen konnte ich nicht viel anfangen. Aber die Bewegung inspirierte mich zur Freiheit. Die Freiheit, Frauen in Männerkleider zu stecken. Die Freiheit, mein Leben nach der Scheidung von meinem ersten Mann in die eigenen Hände zu nehmen. Und die Freiheit, für meine Ideen und Ideale zu kämpfen.»

der Migros-Gemeinschaft wird vollendet – die neue Zentrale der Genossenschaft Migros Zürich. 1967 Christiaan Barnard führt im südafrikanischen Kap-

stadt die erste Herztransplantation durch.

des OstblockMilitärs in Prag

Die Migros führt das Datum auf Produkten ein.

Unter dem Namen Mirexal lanciert die Migros eigene Armbanduhren.

1968 «Prager Frühling» und Einmarsch

1969 Vom 15. bis 17. August findet das

Roger Schawinski (72), Journalist und Medien­ unternehmer «Nach dem Fichenskandal im Jahr 1989

erfuhr ich, dass man mich 1968 wegen einer Vietnamdemo auf dem St. Galler Marktplatz registriert hatte. Ich hatte damals mit einer improvisierten Rede das Wort ergriffen. In der Fiche stand auch, dass mein politischer Standpunkt nicht klar ersichtlich geworden sei. Das war korrekt. Denn ich hatte mich immer von allen extremen Bewegungen ferngehalten. Ich interessierte mich, blieb aber immer auf kritischer Distanz. Ich wurde also kein eigentlicher 68er – weder einer, der sich mit seinen damaligen Leistungen brüsten konnte, noch einer, der sich von dieser Zeit in späteren Lebensphasen distanzieren sollte.»

legendäre Woodstock Music and Art Festival statt. Es markiert das Ende der im Mainstream angekommenen Hippiebewegung. In einer Urabstimmung be-

schliessen die Migros-Genossenschafter, dass auf den Produkten die Zusammensetzung stehen soll. Bis Ende 1970 tragen rund 500 Artikel die Warendeklaration.


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1. Tag Basel–Breisach Individuelle Anreise nach Basel. Ab

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die Loreley-Strecke. Ausflug* zum Drachenfels. Fahrt mit historischer Zahnradbahn zum Aussichtspunkt. Besichtigung von Schloss Drachenburg. 4. Tag Dordrecht– Rotterdam Ausflug* zu den Windmühlen von Kinderdijk. Stadtrundfahrt* Rotterdam. 5. Tag Amsterdam Stadtrundfahrt mit Ausflug* zur Insel Marken und Besuch einer Käserei. Grachtenfahrt. 6. Tag Duisburg–Düsseldorf Ausflug* zum Zollverein. Busfahrt nach Düsseldorf, wo das Schiff zwischenzeitlich angekommen ist. Einschiffung der Ausflugsgäste. An Bord gebliebene Gäste können Düsseldorf individuell besichtigen. 7. Tag Rüdesheim Schifffahrt mit Weinprobe* an Bord durchgeführt vom Weingut Breuer. Individuelle Erkundung vom Weinstädtchen. 8. Tag Baden-Baden Ankunft in Gambsheim und Busausflug* nach Baden-Baden. Rundgang durch die Bäder- und Kunststadt. Rückfahrt nach Kehl, wo das Schiff die Ausflugsteilnehmer bereits erwartet. 9. Tag Basel Ausschiffung und individuelle Heimreise. +

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75 JAHRE | MM27, 3.7.2017 | 25

Mondlandung

Nächster Halt: Mars Akkubohrer, Computerchips, Raketenglaces: All diese Alltagsdinge haben wir der Apollo-Mission zum Mond zu verdanken. Und auch die Lust, den Mars zu erobern. Zu welchen Erfindungen könnte uns diese Reise inspirieren? Geophysikerin Ruth Ziethe wagt eine Prognose.

H

Texte: Michael West, Andrea Freiermuth Bilder: AKG­Images/Keystone, zVg, MGB­Archiv

Buzz Aldrin betritt am 16. Juli 1969 nach Neil Armstrong als zweiter Mensch den Mond. Ruth Ziethe glaubt, dass eine MarsMission zu neuen Erfindungen beflügeln wird.

Gottlieb Duttweiler stirbt am 8. Juni 1962 im Alter von 74 Jahren. Die Abdankung findet in der voll besetzten Fraumünsterkirche in Zürich statt. Die Anteilnahme ist gross: Der Gottesdienst wird über Lautsprecher in drei weitere Kirchen übertragen. 5000 Trauergäste erweisen dem Migros-Gründer die letzte Ehre.

eute lockt der Mars, vor rund 50 Jahren machte man sich auf zum Mond. Am 28. November 1969, zwei Wochen nach der zweiten erfolgreichen Mondlandung, fragt der Brückenbauer: «Was sollen die Mondfahrten?» Im Rückblick wissen wir, was wir den Apollo-Missionen alles zu verdanken haben: etwa Akkuwerkzeuge, weil es auf dem Mond keine Steckdosen gibt. Oder Computerchips, weil die Rechner dadurch kompakter wurden. Nicht zu vergessen: Raketenglace, Moonboots – und David Bowies «Ziggy Stardust». Die Geophysikerin Ruth Ziethe (42) hat am Physikalischen Institut der Universität Bern eine Kamera entwickelt, die derzeit im Mars-Orbit unterwegs ist. Die Wissenschaftlerin ist überzeugt, dass uns der Mars ebenso inspirieren wird wie der Mond. Sie wagt eine Prognose in vier Punkten: Autarke Energieerzeugung: Ein be­

manntes Raumschiff würde rund zehn Monate benötigen, um zum Mars zu gelangen. Würden Menschen auf dem Roten Planten landen, würden sie sich nicht schon am Tag darauf bereits wieder aus dem Staub machen. Wie auch? Wahrscheinlich würde ihnen der Treibstoff für die Rückreise sowieso fehlen. Wollen die Astronauten kein Selbstmordkommando sein und zu­

mindest eine Weile auf dem Planeten überleben, müssen sie selbst Energie erzeugen können. Herstellung von Nahrungsmitteln:

Wie können wir die Weltbevölkerung in Zukunft ernähren? Auch bei der Lösung dieser Herausforderung kann unser Nachbarplanet vielleicht Pate stehen. Denn Marsreisende müssten zumindest einen Teil ihrer Nahrungsmittel selbst kultivieren. Neuartige Wärmedämmung: Auf dem Mars herrschen extreme Temperaturen zwischen minus 130 Grad Celsius und knapp über Null. Für die Mars­Mission gilt es, Isolationsmaterialien zu entwi­ ckeln, die diesen Extremtemperaturen standhalten und gleichzeitig leicht und kompakt sind, damit der Transport nicht zu aufwendig wird. Vereinte Kräfte nötig: Eine Mars­

Mission wird wahrscheinlich ohne internationale Zusammenarbeit und Koordination nicht möglich sein. Für einen einzelnen Staat oder eine ein­ zelne Firma ist das Unterfangen zu gross. Das bietet der Menschheit eine einzig­ artige Chance zu beweisen, dass sie in der Lage ist, ihre Differenzen für ein ge­ meinsames Ziel zu überwinden. Wobei natürlich auch die Gefahr besteht, dass das Projekt Mars ein Wettstreit zwischen zwei verfeindeten Lagern wird. MM


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28 | MM27, 3.7.2017 | 75 JAHRE

Viel Platz für Velofahrer und Fussgänger: ein autofreier Sonntag in Zürich, 1973

Erdölkrise

Alles stand still Die Siebziger

Bleierne Jahre

Erdölkrise, Wirtschaftsflaute, Linksterrorismus in Deutschland und Italien: Nach zwei Jahrzehnten des Wachstums stösst die Wohlstandsgesellschaft an ihre Grenzen.

Wachstumskritiker vereinen sich in der Friedens- und Umweltbewegung, und mit der Gründung von Microsoft und Apple zeichnet sich ein weiterer grosser Umbruch am Horizont ab – der Übergang ins Computerzeitalter.

Die Ölkrise bescherte der Schweiz 1973 vier autofreie Sonntage. Die leeren Strassen machten Spass, doch erstmals wurde dem Westen auch seine Abhängigkeit vom Schwarzen Gold bewusst. Und die ersten Keime der Umweltbewegung begannen zu spriessen.

D

ie Welt scheint für einen Moment still­ zustehen. So gross ist am 17. Oktober 1973 der Schock über den Anstieg des Ölpreises von rund drei auf über fünf US­Dollar pro Barrel. Die erste und bisher folgenreichste Ölkrise wird durch den Jom­ Kippur­Krieg ausgelöst. Die ara­ bischen Länder drosseln gezielt die Förderungen, um die west­ lichen Staaten von einer Unter­ stützung Israels abzubringen. Die Krise macht der west­ lichen Welt von einem Tag auf den anderen klar, wie abhängig sie vom Schwarzen Gold aus dem Mittleren Osten ist. In der Schweiz verordnet der Bundes­ rat vier autofreie Sonntage.

Die Familienkutsche, die damals noch klar als Statussymbol galt, bleibt in der Garage. Dafür werden die Autobahnen zu Spielplätzen und Velowegen. Es ist weniger die Erinnerung an diese Sonntage mit Volks­ festcharakter als die Angst vor der Abhängigkeit, die in den folgenden Jahren ein Umdenken auslöst. Der in den vergangenen zwei Jahrzehnten kultivierte Fortschrittsglaube beginnt zu bröckeln. Plötzlich ist man sich bewusst, dass das Erdöl nicht ewig sprudeln wird. Dass fossile Energien eine ziemlich schmut­ zige Angelegenheit sind, weiss man zwar schon länger, aber dies auszusprechen, war bis anhin nicht salonfähig gewesen. Das


75 JAHRE | MM27, 3.7.2017 | 29

Dennis Meadows

«Es gibt keinen Weg zurück» 1972 verfasste der US-Ökonom Dennis Meadows den Bestseller «Die Grenzen des Wachstums». Ein Gespräch über seine damaligen und heutigen Prognosen, die Leistungen der Migros und wie man die Welt mit seinem eigenen Verhalten vor Schlimmerem bewahren kann.

Das Ende des Erdölzeitalters

Schon 1979 setzte sich der Brückenbauer mit den nachhaltigen Optionen der Energiegewinnung auseinander, die auch heute in aller Munde sind: Sonne, Wind und Wasser. Die Prognose allerdings, dass das Erdölzeitalter schon bald zu Ende sei, war dann aber doch etwas zu gewagt.

Texte: Andrea Freiermuth Bild: str/Keystone, MGB-Archiv

Brückenbauer vom 2.2.1979

ändert sich nun. Damit ist die Ölkrise auch ein Katalysator für die Umweltbewegung. Der Brückenbauer titelte Anfang 1979 «Das Erdölzeitalter geht zu Ende. Kann die Sonne helfen?» Eine klare Antwort gibt es nicht. Allerdings bietet der Artikel eine gute Übersicht der verschiedenen Alternativen – von Algen über Wind bis zur Sonne. Auch macht man sich bereits Gedanken zu Speicherlösungen. Die Kernenergie sieht der Brückenbauer schon damals als Übergangslösung: «Die Ent­ wicklung der modernen Technik lässt die Hoffnung aufkommen, dass wir durch die Phase des umweltverschmutzenden Erdöls und der Urankraftwerke mit ihren radioaktiven Abfällen in eine umweltfreundlichere Ära gelangen werden.» Ein paar Monate später geht das Atom­ kraftwerk Gösgen AG ans Netz. Betrachtet man den aktuel­ len Energiemix der Schweiz, muss man leider feststellen, dass wir noch immer am Öltropf hängen – und dies, obwohl der Preis Anfang der 2010er­Jahre bei einem Allzeithoch von über 110 Dollar pro Barrel lag. Heute steht er bei rund 45 Dollar. MM

Sie prophezeiten zu Beginn der 70er-Jahre das Ende des Wachstums. In den letzten 40 Jahren geschah das Gegenteil. Waren Ihre Berechnungen falsch? Wir haben nie gesagt, dass das Wachstum sofort stoppt. Im Gegenteil: Unsere Com­ putermodelle zeigten verschiedene mögliche Entwicklungen. Die meisten Szenarien deuteten darauf hin, dass die Bevölkerung, die Wirtschaft und der Ressourcenverbrauch noch bis ins dritte Jahrzehnt des neuen Jahr­ tausends hinein wachsen würden. Dann müsste es jetzt dann mal stoppen? Das tut es tatsächlich. Die Entdeckungen neuer Ölfelder geht zurück. Millionen von Migranten drängen nach Europa, weil sie in ihrer Heimat keine Zukunft sehen. Und das Wirtschaftswachstum im Westen stagniert: Wir werden nie mehr so hohe Wachstums­ raten haben wie in den goldenen 80er­Jahren. Werden wir nicht einfach neue Technologien finden, die unsere Probleme lösen? Technologien agieren nicht für sich selber. Dahinter stecken immer Motive. Die Pharmaindustrie gibt derzeit mehr Geld aus, um Mittel gegen Glatzen als gegen Aids zu entwickeln. Warum? Weil Aidspatienten arm, Männer, die sich an ihrer Glatze stören, jedoch reich sind. Die Entwickler einer neuen Technologie haben in der Regel das Ziel, möglichst viel Profit zu machen. Das macht fossile Brennstoffe sehr attraktiv: Ein Teil ihrer Kosten wird erst in Zukunft anfallen, in Form des Klimawandels. Wenn der Markt nicht spielt, sollte die Politik steuern? Und neue Technologien entwickeln? Das ist, wie wenn Sie einem Krebspatienten Aspirin gegen seine vom Krebs ausgelös­ ten Kopfschmerzen geben. Das wird ihn nicht heilen. Technologie ist wie Schmerz­ mittel – bloss Symptombekämpfung.

Kann ein nachhaltiges Wachstum eine Lösung sein? Die Migros macht Grossartiges innerhalb ihres Wirkungsbereichs. Aber wir können von einem Supermarkt nicht erwarten, dass er die Probleme des Planeten löst. Nachdem ich «Die Grenzen des Wachstums» geschrieben hatte, fragte ich mich: Was kann ich tun? Meine Antwort darauf war schliesslich: Wenn ich die Welt nicht verändern kann, dann muss ich wenigstens mein Leben so verändern, dass ich ethisch vertretbar lebe. Da kann man vieles tun. Können wir noch umkehren, oder ist es dafür schon zu spät? Umkehren können wir ganz klar nicht mehr. Dabei muss man wissen: «The Point of No Return» ist ein Ausdruck aus der Fliegerei. Wenn Sie von New York nach Zürich fliegen, können Sie irgendwann nicht mehr um­ kehren, weil sie zu wenig Treibstoff haben. Aber Sie können einen anderen Flughafen auf der Strecke anfliegen. Je früher Sie sich das überlegen, desto mehr Optionen haben Sie. In welche Richtung sollten wir fliegen? In den kommenden 150 Jahren werden wir immer wieder Schocks erleben: Klimakatastrophen, Migrationsströme, Pandemien, Wirtschaftskrisen. Damit eine Regierung solche Schocks gut absorbie­ ren kann, muss sie sich schnell anpassen können. Die Schweiz ist da im Vorteil, kleine Systeme sind in der Regel agiler als grosse. Wie können sich Individuen auf die kommenden Krisen vorbereiten? Meine Mutter lehrte mich: «Wenn du es dir nicht erlauben kannst zu verlieren, solltest du nicht spielen.» Wir sollten aufhören zu spielen und darauf zu hoffen, dass künftige Technologien die Probleme lösen, die wir durch unser aktuelles Handeln verursachen.

Wo liegt denn die Ursache? Der Krebs auf dem Planeten ist das Bevöl­ kerungswachstum, kombiniert mit dem Wunsch nach einem hohen Lebensstandard.

Sind Sie ein Pessimist? Nein, aber auch kein Optimist. Ich bin Rea­ list. Hoffnung macht mir, dass es heute so etwas wie ein Umweltbewusstsein gibt. Das war zu Beginn der 70er­Jahre noch nicht so.

Die Migros etwa hat ihr Sortiment an Biofood und Labelfisch stark ausgebaut.

Derzeit ist davon aber gerade in den USA nicht viel zu sehen. Für Präsident


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75 JAHRE | MM27, 3.7.2017 | 31

Trump gibt es keinen Klimawandel. Er tut absolut nichts, um die Umwelt zu schonen. Im Gegenteil. Wir sind derzeit in einer Periode, in der simplifizierte und autoritäre Regierungsformen attraktiver werden. Trump ist nur ein Beispiel von vielen. Aber Geschichte ist kein linearer Prozess – diese Leute kommen und gehen. Und überhaupt: Mit einer Distanz von 500 Jahren spielt es keine Rolle, was heute passiert. Ich fürchte den Schaden, den Donald Trump verursachen könnte, aber der langfristige globale Trend wird wichtiger für das kommende Jahrhundert. Also gibt es doch Hoffnung? Natürlich. Ich bin sicher, dass unsere Spezies noch in 3000 Jahren hier sein wird. Ob es allerdings Hoffnung gibt für eine Zivilisation, die extrem viel Energie und Ressourcen verbraucht? Eher nicht. Auch Zivilisationen kommen und gehen – das war schon immer so. MM

M-Sano

Die Bio-Kehrtwende 1973 leistete die Migros mit der Einführung von M-Sano Pionierarbeit in der umweltschonenden Herstellung von Landwirtschaftsprodukten. Auf dieser Grundlage entstanden später die Labels Migros-Bio und Terrasuisse.

W

as der Brückenbauer im März 1973 ankündigte, darf durchaus als eine Kehrtwende in der Schweizer Landwirtschaft bezeichnet werden. Die Migros lancierte ihre nationale Initiative für eine möglichst chemiefreie Herstellung von landwirtschaftlichen Produkten wie Gemüse und Obst, später auch Fleisch und Getreide. M-Sano hiess das Programm, angelehnt an den lateinischen Begriff für Gesundheit. Die Chemie habe den Menschen zwar grosse Erleichterung gebracht, «diese Errungenschaft entschuldigt indessen in keiner Weise den missbräuchlichen Einsatz von Chemikalien, der eine wachsende Bedrohung für die Gesundheit aller Lebewesen darstellt», schrieb der Brückenbauer. Das Engagement der Migros passte zum aufkeimenden Umweltbewusstsein dieser Zeit, das durch die Monate später ausbrechende Ölkrise noch verstärkt werden sollte.

Texte: Andrea Freiermuth, Thomas Tobler Bilder: Christian Schnur, Daniel Winkler

Berater für die Bauern

Zur Person

Nostradamus der Moderne Der US-Ökonom Dennis Meadows (74) hat 1972 im Auftrag des Club of Rome eine kritische Studie zur Zukunft des Planeten erstellt. Sein darauf basierendes Buch «Die Grenzen des Wachstums» schlug ein wie eine Bombe, bis heute sind über 30 Millionen Exemplare verkauft worden. Meadows hat als 17-Jähriger drei Monate als Austauschschüler in der Schweiz verbracht und damals in seiner Gastfamilie auch Brückenbauer gelesen und in der Migros eingekauft.

Umgesetzt wurde M-Sano von einem speziell dafür gegründeten Zentralbüro in Lausanne VD. Jede Region des Landes erhielt einen landwirtschaftlichen Berater, der den Produzenten beim Anbau und bei der Ernte unter die Arme griff, Bodenproben entnahm und die Produktion laufend kontrollierte. «Wir haben in den 70er-Jahren damit begonnen, mittels sogenannter Bandspritzung nur die Saatreihe von Zuckerrüben und Mais chemisch von Unkraut freizuhalten und die Zwischenräume zu hacken», sagt Hansjakob Winzeler (75). Auf seinem Hof in Thayngen SH hat er die Pionierprojekte der Migros umgesetzt. «Wir haben hier nach M-Sano-Vorgaben auch einen neuen Schweinestall mit Tiefstreu und Offenfront gebaut und die Haltungsbedingungen der Tiere dadurch deutlich verbessert.» Dies sei damals noch absolut neu gewesen. «M-Sano war bei seiner Einführung eine echte Pionierleistung der Migros», sagt Bernhard Kammer, Leiter Bereich Umwelt und Tierwohl bei der Migros. «Ziel war, die landwirtschaftliche Produktion in der Breite nachhaltiger zu gestalten.» Die Grundlagen der heutigen Label Terrasuisse und MigrosBio beruhen auf M-Sano. Dazu gehören The-

Pionierbauer: Hansjakob Winzeler mit seinen Schweinen auf dem Hof in Thayngen SH

men wie Tierwohl, Biodiversität und ressourcenschonende Produktion. «Die Labels erfreuen sich einer grossen Beliebtheit und beeinflussen die Kaufentscheidung vieler Konsumenten massgeblich», sagt Kammer. Umsatzzahlen belegten dies klar. «Trotz schwierigen Umfelds im Detailhandel erzielen nachhaltige Label wie Migros-Bio und Terrasuisse erfreuliche Wachstumswerte – letztes Jahr insgesamt 6,6 Prozent.» Auch heute noch Wegbereiter

Dieser Pioniergeist von damals ist bei der Migros auch heute noch vorhanden, wie Kammer erklärt. «2012 haben wir als erste Detailhändlerin in der Schweiz mit Rute und Leine (engl. «pole and line») gefangenen Thunfisch angeboten – eine besonders umweltschonende Fangmethode.» Und 2016 habe die Migros das gesamte Bananensortiment auf nachhaltige Produktion umgestellt. «Solche Pionierprojekte werden wir auch zukünftig realisieren – zum Wohl von Mensch, Tier und Natur.» MM


32 | MM27, 3.7.2017 | 75 JAHRE

Lustvoller Kampf: Demonstrantinnen für das Frauenstimmrecht im Januar 1971 in Zürich

Frauenstimmrecht

Migros macht Stimmung Brückenbauer und Migros waren beim Abstimmungskampf um das Frauenstimmrecht 1972 alles andere als neutral. Entsprechend freudig wurde das Abstimmungsresultat in der Zeitung begrüsst.

Karikatur zur Abstimmung

Das Verdikt ist klar: Hinter dem Mond hätten sich die Schweizer bisher befunden, fand der Karikaturist des Brückenbauers – erst mit dem Ja zum Frauenstimmrecht habe sich das geändert. «Weit öffnet sich das Zukunftstor», hiess es euphorisch in der Ausgabe nach der Abstimmung. Brückenbauer vom 12.2.1971

D

a ein Mann und eine Frau auf einer Urne mit Düsenantrieb. Dort die Apollo 14 mit Captain Al Shepard an Bord. Die beiden Flugobjekte schiessen hinter dem Mond hervor. Dazu die Zeilen: «Zur gleichen Zeit, als die amerikanischen Astronauten den Mond wieder verliessen, sind auch die Schweizer Männer hinter dem Mond hervorgekommen und haben endlich, dafür mit wuchtigem Mehr, das Frauenstimmrecht bejaht.» Die Karikatur auf der Frontseite des Brückenbauers vom 12. Februar 1971 wird begleitet vom euphorischen Leitartikel des damaligen Chefredaktors Walther Allgöwer, der unter

anderem schreibt: «Wir danken den Migros-Genossenschaftern, dass sie mitgeholfen haben, dem Frauenstimmrecht und damit einem Menschenrecht zum Durchbruch zu verhelfen.» Die Migros setzte sich stark für das Frauenstimmrecht ein. Die Geschäftsleiter der Genossenschaften beriefen im Herbst einen Ausschuss ein, der damit betraut wurde, sich «mit aller Kraft für die Annahme des neuen Verfassungsartikels einzusetzen». In den Wochen und Monaten vor der Abstimmung ergriff der Brückenbauer immer wieder Partei für die Frauen, etwa mit Reimen wie: «Auch den Schweizer Frauen gehört das

volle Stimmrecht – die Zeit ist da. Jeder Mann stimmt Ja.» Zudem gab er männlichen Pro-Stimmen Raum. So sagt der Kinderarzt Edouard Gugler in der Ausgabe vom 29. Januar 1971: «Die Gesellschaft könnte aus der politischen Gleichberechtigung der Frau in denjenigen Gebieten den grössten Nutzen ziehen, die dem weiblichen Geschlecht naturgemäss näher liegen als dem männlichen. Ich denke da etwa an das Fürsorge- und Pflegewesen.» Heute schaudert es Frauen, wenn sie auf Care-Arbeit reduziert werden. Damals klangen Guglers Worte jedoch recht progressiv – und man wollte die zaudernden Männer ja auch nicht allzu sehr erschrecken … MM


75 JAHRE | MM27, 3.7.2017 | 33

Charlotte Hug

Madame Media Charlotte Hug leitete ab 1977 die Migros-Presse, parallel dazu fungierte sie als Chefredaktorin von Construire, dem Brückenbauer-Pendant in der Romandie. Noch heute verfolgt die 86-jährige Waadtländerin die Medienwelt mit grossem Interesse.

S

ie wirkt, als ob ein Windhauch sie umstossen könnte: Charlotte Hug (86) ist bloss 1,50 Meter gross und weniger als 40 Kilogramm schwer. Doch in diesem zerbrechlichen Körper steckt ein klarer und starker Geist: «Der Brückenbauer war besser als das heutige Migros-Magazin», findet sie. Sicher, sie verstehe, dass der Konkurrenzkampf um die Leser ständig grösser werde, und dass man da mit Menschengeschichten punkten könne. Aber sie wünschte sich etwas mehr Artikel mit politischer Relevanz. Von der Sekretärin zur Chefin

Texte: Andrea Freiermuth, Yvette Hettinger, Michael West Bilder: str/Keystone, MGB-Archiv, Michael Sieber

Charlotte Hug kam 1956 als Sekretärin zum Redaktionsteam von Construire, dem französischen Schwesterblatt des Brückenbauers. Zu den Aufgaben der Waadtländerin gehörte die Übersetzung der Texte von Gottlieb Duttweiler. Ab 1962 leitete Hug die Redaktion von Construire, 1977 übernahm sie die Leitung der gesamten Migros-Presse, blieb aber als Chefredaktorin der französischen Ausgabe tätig – in einer Zeit, als Frauen in Chefpositionen rar waren.

Hug war nicht nur sehr begabt, sie hatte sich auch für den richtigen Mann entschieden. Obwohl José Hug als Psychologe eine eigene Praxis hatte, begrüsste er, dass seine Frau auch nach der Geburt der beiden Söhne berufstätig blieb. Unter ihrer Leitung veränderte sich der Brückenbauer stark. Ab 1977 brachte er Farbbilder, ab 1986 erschien er als Tabloid. Kurz vor ihrer Pensionierung 1993 begleitete Hug eine weitere Revolution: den Wechsel von der Schreibmaschine zum Computer. Noch heute beobachtet Charlotte Hug die Medienwelt mit grossem Interesse. Obwohl sie die Namensänderung von Brückenbauer zu Migros-Magazin 2004 als Fehlentscheid betrachtet, habe die Zeitung ihren Weg gefunden und werde auch künftig nicht an Bedeutung verlieren, im Gegenteil: «Heute, wo die privaten Medien immer mehr Ressourcen verlieren, kann eine Kundenzeitschrift wie das Migros-Magazin eine wichtige Lücke füllen.» Sie sei zuversichtlich, dass die Migros diese Verantwortung auch in Zukunft wahrnehme. MM

Höhepunkte der Siebzigerjahre 1970

Der Swissair-Flug 330 stürzt aufgrund eines Bombenattentats in Würenlingen AG ab. In St. Gallen wird die erste MMM-Filiale der Schweiz eröffnet. 1971

Die Schweiz sagt Ja zum Frauenstimmrecht. Die Migros führt das erste phosphatfreie Waschmittel ein. 1972

Bei den Olympischen Spielen in München werden neun israelische Sportler von arabischen Terroristen als Geiseln genommen und getötet.

1976

Gründung der Firma Apple Arina Kowner wird Direktorin Kulturelles und Soziales beim Migros-Genossenschafts-Bund. Sie ist die erste Migros-Frau mit Direktorentitel. 1977

«Deutscher Herbst» der RAF, Anschlagsserie im September und Oktober Die Genossenschaft Migros Basel schenkt der Stadt den JeanTinguely-Brunnen.

In Zürich wird die Duttweiler-Brücke eingeweiht – der einst umstrittene «Dutti» ist zum Idol geworden.

1978

1973

Die Migros stellt die 1935 gegründete Zeitung «Die Tat» nach einem Zwist mit Chefredaktor Roger Schawinski ein.

Erste Ölkrise und schwere Rezession in den Industrieländern Unter dem Namen M-Sano startet die Migros das erste Nachhaltigkeitsprogramm. 1974 Rücktritt von US-Präsident Nixon – als Folge der Watergate-Affäre

Erstmals wird der Adele-DuttweilerPreis verliehen – an Elisa Mapély, die sich für blinde Menschen engagiert. 1975

Wacher und starker Geist auch mit 86 Jahren: Ex-Chefredaktorin Charlotte Hug

Die Migros wird 50 und bietet Produkte zu Preisen von 1925 an.

Ende des Vietnamkriegs

Am 25. Juli wird Louise Brown geboren, der erste in vitro gezeugte Mensch der Welt.

1979

Im Iran wird der Schah gestürzt. In der USBotschaft in Teheran werden Amerikaner als Geiseln genommen. Ein Teil von ihnen kann sich befreien und wird mit einer Swissair-Maschine ausser Landes gebracht. Der Migros-Hilfsfonds wird gegründet. Er unterstützt Entwicklungsprojekte im In- und Ausland.


34 | MM27, 3.7.2017 | 75 JAHRE

Knapp

2, 4 Mio

icht das Menschen erre in der in az ag Migros-M z. Damit Deutschschwei n meistgehört es zu de azinen gelesenen Mag . es nd des La

Dies & das

Lesedauer im Schnitt:

20

Minuten

Die fünf Top-Interessen der Leserschaft: • Familie, Kinder und Partnerschaft • Lokale und regionale Informationen und Themen • Gesundheit und Ernährung • Tiere und Natur • Reisen Treue Leserschaft:

72

Prozent der Leserschaft gehören zu den Heavy-Usern. Das heisst, sie lesen von sechs aufeinanderfolgenden Ausgaben fünf oder sechs.

Zahlen und Fakten

Eine Erfolgsstory – dank der Leserinnen 1942 startete der Brückenbauer mit einer Auflage von 110 000 Exemplaren. Inzwischen werden vom Migros-Magazin in der Deutschschweiz 1,5 Millionen Exemplare pro Woche verteilt. Das Magazin kommt bei Frauen besonders gut an. Erstausgabe 30. Juli 1942

2000

Auflagenzahlen von Brückenbauer und Migros-Magazin zwischen 1942 und 2016

Auflage in Tausend 1500 1000 500

Prozent der Leserinnen und Leser leben in einem Haushalt ohne Kinder und sind erwerbstätig.

32

Prozent der Migros-Magazin-Leserinnen und -Leser leben in einer Familie (mindestens ein Kind oder ein Jugendlicher unter 19 Jahren im Haushalt) und sind erwerbstätig.

27

Quelle: Verlagsangaben, WEMF, Auflagenbulletin

Vom Brückenbauer zum Migros-Magazin – die optisch grössten Veränderungen

1942

1958

Prozent der Leserinnen und Leser sind pensioniert.

1986

4

Prozent sind in der Ausbildung. Am 30. Juli erscheint erstmals Quelle: Publicom 2010; WEMF, MACH Basic 2017-1

der Brückenbauer, das «Wochenblatt des sozialen Kapitals» und die Zeitung für Familie M.

26. Dezember: Eine Illustration

ziert das Cover. Die Titelseite mit Bild, wie wir sie heute kennen, wird lanciert.

12. Februar: Der Brückenbauer erscheint im Kleinformat Tabloid. Neue Farben und Schriften sorgen für Frische.

Texte: Dinah Leuenberger, Reto E. Wild Bilder: MGB-Archiv

37

0 30. Juli 2. A 1942 ug. 19 5. Ja 46 n. 1 6. Ja 951 n. 1 6. Ja 956 n. 1 7. Ja 961 n. 1 9 8. Ja 66 n. 1 9. Ja 971 n. 1 9. Ja 976 n. 1 1. Ja 981 n. 1 9 2. Ja 86 n. 1 3. Ja 991 n. 1 3. Ja 996 n. 2 3. Ja 001 n. 2 0 3. Ja 06 n. 2 4. Ja 011 n. 2 016

Lebenswelten der Leserinnen und Leser:


Migros-Welt MM27

Zahl der Woche

14 530

14 530 Stimmen erhielt die Rahmglace Haselnuss bei der Migipedia-Glaceabstimmung und kommt deshalb im Sommer 2018 als Special Edition zurück in die Migros-Tiefkühlregale.

Migros-Lehrberufe

Frisch gewaschen

Bild: Daniel Kellenberger

Semira Tahiri (18) absolviert das erste Lehrjahr zur Fachfrau Textilpflege bei der Migros Ostschweiz.

«Wir waschen und bügeln vor allem Arbeitskleidung. Bis zu 1500 Kilogramm Wäsche kommen pro Tag zusammen.»


36 | MM27, 3.7.2017 | MIGROS-WELT

Der Nuss-Muffin in der «Schokoladen-MuffinVerpackung». Rückruf

Migros ruft «aha!»SchokoladeMuffins zurück Bei einer Kontrolle wurde festgestellt, dass ein Teil der Muffins des Allergiker-Labels «aha!» mit falschem Inhalt verkauft wurden. In der Verpackung der Schokolade-Muffins befinden sich Nuss-Muffins. Der Verzehr dieser Muffins stellt für Personen mit einer Haselnussallergie ein Gesundheitsrisiko dar, darum ruft die Migros das Produkt zurück. Die Nuss-Muffins in der Verpackung der Schokolade-Muffins waren diese Woche in MigrosSupermärkten erhältlich. Artikelnummer: 113206800000, Verkaufspreis Fr. 1.90, M-Data: «zu verkaufen bis:» 1.8.17, «mindestens haltbar bis:» 11.8.17 Die Migros bittet Personen, die allergisch auf Nüsse reagieren, dieses Produkt nicht zu konsumieren.

Personen, die nicht allergisch auf Nüsse reagieren, können die entsprechenden Muffins ohne Bedenken essen. Kunden können die Artikel in alle Migros-Filialen zurückbringen und erhalten den Verkaufspreis zurückerstattet.

«iMpuls» Drei Disziplinen stehen bei den «iMpuls»-Sommerspielen, die noch bis 6. August

dauern, auf dem Programm. Bei der Lauf-Challenge gilt es, mit einer Laufgruppe täglich so viele Schritte wie möglich zu machen. In sieben Schweizer Städten sind die «iMpuls»-Läufer unterwegs. Ziel dieser Fang-Challenge ist es, die Läufer zu erwischen und ein Selfie mit ihnen zu schiessen. In der Foto-Challenge geht es schliesslich darum, sich beispielsweise beim Spiel im Wasser (Bilder) zu fotografieren oder bestimmte Mahlzeiten in Szene zu setzen. Mitmachen lohnt sich: Es winken Preise im Gesamtwert von 50 000 Franken. Alle Infos: www.impuls-sommerspiele.ch

Frage der Woche

Kann ich das Sportwaschmittel der Migros-Marke Yvette auch für normale Wäsche wie Jeans oder T-Shirts verwenden? Ja, das ist möglich. Yvette Sport wurde zwar speziell für Outdoor-Kleidung entwickelt: Es reinigt schonend und erhält daher die Atmungsaktivität der oft in diese Textilien eingearbeiteten Membrane, sodass die Wind- und Wasserdichtigkeit der Kleidung gewährleistet bleibt. Weil das Waschmittel keinerlei Bleichmittel enthält, kann es aber für alle Fasern verwendet werden. Ausgenommen sind einzig Wolle und Seide.

Haben Sie eine Frage?

Kontaktieren Sie uns! M-Infoline, der Kundendienst der Migros, erreichbar unter 0800 84 0848 oder www.migros.ch/ kundendienst

Telefonisch erreichbar Montag bis Freitag: 8.00–18.00 Uhr, Samstag: 8.30–16.30 Uhr Anrufe auf die oben genannte Nummer sind gratis.


MIGROS-WELT | MM27, 3.7.2017 | 37

Migros-Geschäftsleitung

Klipp und klar

Neue Personal- und Kulturchefin

«Wir haben ehrgeizige Ziele»

Sarah Kreienbühl (46) ist ab 1. Januar 2018 neue Vorsteherin des Departements HR, Kulturelles &

Soziales, Freizeit und Mitglied der Generaldirektion des MigrosGenossenschafts-Bunds. Sie wird damit im neuen Jahr die Nachfolge von Fabrice Zumbrunnen antreten, der ab 2018 neuer Migros-Chef ist. Sarah Kreienbühl hat an der Universität Zürich Angewandte Psychologie studiert und war unter anderem bei der Swissair an der Auswahl von Piloten und Flugverkehrsleitern beteiligt. Zuletzt war die schweizerisch-französische Doppelbürgerin für die Sonova AG tätig, die in der Schweiz für ihre

Sarah Kreienbühl ist ab 2018 unter anderem Chefin des Migros-Kulturprozents.

Marke Phonak bekannt ist. Kreienbühl ist dort Mitglied der Konzernleitung und verantwortlich für den Bereich Human Resource Management. Zudem gehört sie zum Stiftungsrat der karitativen «Hear the World Foundation», die bedürftigen Kindern weltweit das Hören ermöglicht. Migros-Chef Herbert Bolliger ist überzeugt, dass Sarah Kreienbühl «nicht nur alle notwendigen fachlichen Kompetenzen mitbringt, sondern auch die Migros-Werte hochhalten und sich dank ihrer langjährigen Erfahrung in einem weltweit tätigen Unternehmen rasch in der komplexen MigrosGruppe zurechtfinden wird.»

Mario Irminger, Chef von Denner

1

Denner und der WWF werden Partner. Weshalb? Wir wollen einen Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung von Umwelt und Konsum leisten. Dafür wurden ehrgeizige Ziele definiert. Der WWF unterstützt uns bei der Umsetzung dieser Ziele und kontrolliert die Erreichung.

2

Welche Ziele? Wir werden beispielsweise bis 2020 unseren Anteil an zertifiziertem Fisch und Seafood auf 62 Prozent des gesamten Fischsortiments erhöhen. Zudem verzichten wir ab 2020 auf den Import per Flugzeug und sind schon ab 2017 Mitglied des Sojanetzwerks Schweiz, das sich für einen nachhaltigen Sojaanbau einsetzt.

3

Blickfang

Bilder: zVg

Vereint nach Jahrzehnten

Schicken Sie uns Ihr Migros-Bild

«Nach 54 Jahren in der Dunkelheit eines Estrichs hat dieses Exemplar des Brückenbauers vom 7. Juni 1963 endlich wieder das Licht der Welt respektive das meines Gartens erblickt.»

und gewinnen Sie einen Einkaufsgutschein im Wert von 50 Franken. Wenn auf Ihrem Foto ein MigrosZusammenhang zu erkennen ist, sind Sie dabei.

Edda Rafetzeder (78), Dällikon ZH

Hochladen: www. migmag.ch/blickfang

Lassen sich Discount und Nachhaltigkeit vereinen? Natürlich. Um attraktive Preise anzubieten, sind wir darauf angewiesen, die Unternehmensstrukturen schlank zu halten und ressourcenschonend zu arbeiten. Das heisst: keine Verschwendung von Lebensmitteln, eine optimierte Logistik und ein dichtes Netz an Filialen, die zu Fuss und per ÖV erreichbar sind.


38 | MM27, 3.7.2017 | MIGROS-WELT

Spendenaktion

Für Menschen im Abseits

3,82 Millionen Franken betrug der Erlös der Migros-Spendenaktion 2016. Die Chefs von fünf Hilfswerken berichten, wie nun mit diesem Geld versteckte Not in der Schweiz gelindert wird. Text: Michael West

O

ft führen die Betroffenen auf den ersten Blick ein normales Leben. Doch es braucht wenig, um die Fassade einstürzen zu lassen. Jeder achte Mensch in der Schweiz ist laut dem Bundesamt für Statistik von Armut bedroht. Es genügt eine unerwartete Zahnbehandlung oder der Selbstbehalt nach einem Spitalaufenthalt, um den mühsam gewahrten Schein zu zerstören. Die Betroffenen können die Rechnungen nicht mehr bezahlen, sie stolpern und fallen aus der Normalität. Genau diesen Menschen sollte die letztjährige Migros-Spendenaktion helfen. Der Verkauf von Schokoladenherzen

brachte einen Erlös von 2,8 Millionen Franken. Die Migros erhöhte den Betrag um eine weitere Million und konnte 3,82 Millionen Franken zu gleichen Teilen an die fünf Partner-Hilfswerke Caritas, Heks, Pro Juventute, Pro Senectute und Winterhilfe überweisen. Das Geld ist für ausgewählte Projekte bestimmt und kommt denen zugute, die mitten in der Schweiz Not leiden. Die Verantwortlichen der Hilfswerke rufen in Erinnerung, nach welchen Kritierien die Projekte ausgewählt werden. Und sie erklären, was die Spenden bewirken. MM Lesen Sie weiter auf Seite 40

Katja Wiesendanger, Direktorin

Pro Juventute Pro Juventute

Türen zur Arbeitswelt öffnen «In der Schweiz sind gegenwärtig über 16 000 Jugendliche zwischen 15 und 24 als Arbeitslose registriert. Pro Juventute hilft mit dem kostenlosen CoachingProgramm ‹MyFutureJob›. Jugendlichen werden mithilfe persönlicher Begleitung durch erfahrene Berufsberater neue Perspektiven und Möglichkeiten eröffnet.

Dank der Migros-Spenden konnte Pro Juventute dieses Jahr zum Beispiel einen weiteren Berufsberater anstellen. Damit sind wir in der Lage, 2017 nicht nur 80 zusätzlichen Hilfesuchenden den Zugang zu ‹MyFutureJob› zu ermöglichen, sondern wir können diese auch intensiver und länger begleiten.»


MIGROS-WELT | MM27, 3.7.2017 | 39

Caritas

Bergbauern unterstützen «Bergbauernfamilien haben meist mit finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen. Damit sie in schwierigen Zeiten über die Runden kommen, vermittelt ihnen die Caritas freiwillige Helfer. Dank der Migros­Aktion konnten wir unsere Hilfe ausdehnen: In den vergangenen Monaten erhielten 100 Bauernfamilien aus der ganzen Schweiz eine Unterstützung durch 751 Freiwillige. Sie halfen den Berg­ bauern bei ihrer Arbeit im Stall und auf den Feldern. Sie überbrückten Notsitua­ tionen nach Unfällen und Krankheiten, oder sie packten bei Bauarbeiten an. Mit Beiträgen aus der Migros­Aktion half die Caritas ausserdem 340 armuts­ betroffenen Familien über finanzielle Engpässe hinweg. Und schliesslich konnten die 22 Caritas­Märkte das Angebot für randständige Menschen verbessern.»

Hugo Fasel,

Direktor Caritas Schweiz

Heks

Berufliche Fähigkeiten nutzen «In der Schweiz ist es für viele beruf­ lich gut qualifizierte Migranten schwie­ Hanspeter rig, eine Stelle zu Bigler, Direktor finden, die ihren a.i. Heks Kompetenzen ent­ spricht. Daher müssen Betroffene oft eine Arbeit ohne Bezug zu ihrem Beruf annehmen oder sind schlicht arbeitslos. Das Projekt ‹Mentorat Emploi Migration› (MEM) bietet Migranten ein Coaching durch Mentoren aus dem gleichen beruflichen Umfeld. Diese Tandem­ Arbeit zahlt sich aus: Ein Drittel der Teilnehmenden findet einen Job, der ihren Fähigkeiten entspricht. Dank der Spendenaktion konnte die Heks die MEM­Projekte in mehreren Regionen der Westschweiz ausbauen.»

Pro Senectute

Angehörige entlasten

Bilder: zVg

«Dank der Spende kann Pro Senectute einen Unterstützungsdienst für An­ gehörige günstig anbieten, die ihre pflegebedürftigen Partner oder Eltern zu Hause betreuen. Wir können auch neue Freiwillige suchen und ausbil­ den. Diese helfen stundenweise bei der Betreuung und ermöglichen den Angehörigen dringend benötigte Pausen, in denen sie Energie tanken können. Mit der Weihnachtsspende werden wir dieses Jahr ein Pilot­ projekt mit professionellen Coaches für betreuende Angehörige in der Ostschweiz starten, das auf die ganze Schweiz ausgedehnt werden soll. Die Spende hilft uns zudem, die Plattform www.memo­info.ch zu betreiben. Diese Website informiert darüber, was die Anzeichen einer Demenz sind und welche Hilfs­ angebote zur Verfügung stehen.»

Werner Schärer,

Direktor Pro Senectute

Monika Stampfli,

Geschäftsführerin Winterhilfe Winterhilfe

Arztrechnungen zahlen «Wer arm ist, überlegt es sich zweimal, zum Arzt zu gehen. Der Selbstbehalt ist für Betroffene oft unbezahlbar. Zahn­ behandlungen werden daher aufge­ schoben, Brillengläser nicht korrigiert, manche verzichten auf ein Hörgerät. Zu gesundheitlichen Schäden kommt dann die Isolation, weil die Menschen schlecht

hören, sehen oder sich wegen ihrer Zähne schämen. Dank der Spende kann die Winterhilfe ihr Projekt ‹Übernahme von Gesundheitskosten› ausbauen und langfristig sichern: Im laufenden Geschäftsjahr konnten wir bereits in 255 Fällen Beiträge an Gesundheitskosten zahlen – im Vorjahr waren es 60.»


40 | MM27, 3.7.2017 | MIGROS-WELT

Spielzeug

Leuchtende Kinderaugen

W

ährend der Vorweihnachtszeit 2016 konnten Kunden beim Einkaufen in der Migros spezielle Sticker sammeln. Wer genügend Kleber hatte, um damit eine Karte zu füllen, bekam einen Teddybären. Die meisten behielten das knuddelige Plüschtier; viele beschlossen aber stattdessen, den Teddy zu spenden. Am Ende konnte die Migros rund 30 000 Bären an ausgewählte Hilfsorganisationen verschenken. Diese kümmern sich um bedürftige Familien, für die Spielzeug ein Luxus ist. Berücksichtigt wurde etwa die

Aktion «Weihnachtspäckli» oder «Heks in-fra», ein Integrationsprogramm in den Kantonen St. Gallen und Thurgau: Während Migranten dort Deutschkurse besuchen, werden deren Kinder in Gruppen betreut. Die Mädchen und Buben spielen, schliessen Freundschaften und werden auf den Kindergarteneintritt in der Schweiz vorbereitet. Die Betreuer weckten tagelang die Vorfreude auf die Teddybärenspende. Eines Morgens stand dann ein grosser Korb mit Teddys bereit. Jedes Kind durfte sich eines der Plüschtiere schnappen und nach Hause mitnehmen. MM

Während Migrantinnen und Migranten Sprachkurse besuchten, wurden ihre Kinder mit knuddeligen Teddys beschenkt.

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Dank der Migros-Spendenaktion floss viel Geld in Hilfsprojekte. Aber auch 30 000 Teddybären wurden verschenkt.


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42 | MM27, 3.7.2017 | MIGROS-WELT

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44 | MM27, 3.7.2017 | MIGROS-WELT

Lilibiggs

Bahn frei für Ben Warum ist das so? Wie funktioniert das? Kinder entdecken die Welt durch Fragenstellen. Auch die Migros steckt voller Rätsel und Geheimnisse. Ben, der clevere neue Lehrling bei der Migros und Freund der Lilibiggs, gibt Kindern Antwort auf alle ihre Fragen. Text: Dora Horvath

Nina ist eine fidele Witze-

erfinderin und ein kluger Bücherwurm. Denn sie liest einfach alles – vom Abenteuerroman bis zu Geschichten über Tiere, Menschen und Erfindungen.

Hugo ist beim Spielen

Tobi dreht fast durch

stets an erster Stelle und ein wahrer Bastelkönig. Er erfindet viele lustige Dinge und liebt es, wenn es dabei zischt und kracht.

vor Glück, wenn er Obst oder Gemüse erschnüffelt. Wenn er eine Pause braucht, fällt er laut schnarchend in einen Blitzschlaf. Ben ist der clevere Migros-Lehrling.

Für die Lilibiggs ist er wie ein grosser Bruder, denn er weiss auf jede ihrer Fragen eine Antwort. Seine Abenteuer hält er in Videos fest, die sich die Kinder auf www.lilibiggs.ch oder auf Youtube.com anschauen können.

Das Lilibiggs-Programm der Migros ist vielseitig

Auf der Lilibiggs-Homepage können Kinder spielen und Spass haben, ihre Kreativität ausleben und viel Interessantes lernen. Die Aktivitäten und Inhalte sollen die Kinder in ihrer Entwicklung fördern.

Das Kindermagazin der

Bunter, toller, lustiger dein neues Lilibiggs– Magazin!

Ausgabe 1/2017

Sommer, Sonne, Spass und Spiele

Verlosung!

3, 2, 1:

«willkommen Ben!»

Superwichtig: Recycling Ideen für eine grünere Welt

Die allercoolsten Badibegleiter

www.lilibiggs.ch

Das Lilibiggs-Magazin ist

für Kinder zwischen sechs und neun Jahren konzipiert. Es behandelt unter anderem Themen aus der Migros wie Recycling oder die Kasse. Famigros-Mitglieder erhalten das werbefreie Magazin dreimal im Jahr als Beilage im Migros-Magazin. Das Magazin ist auch online auf der LilibiggsHomepage verfügbar.


MIGROS-WELT | MM27, 3.7.2017 | 45

Ben & die Migros

Alle Videos mit Ben und den Lilibiggs auf

Ben erklärt Kindern die Migros In den Videos «Ben & die Migros»

erklärt der Migros-Lehrling den Kindern die Welt der Migros. Er benutzt dabei eine kindergerechte Sprache. Die Filme vermitteln nicht nur Wissen, sondern haben auch hohen Unterhaltungswert.

Neben den «Mission»-Videos gibt es auch Fun-Clips, die Ben von seiner witzigen und kreativen Seite zeigen. Zudem stellt sich Ben in einem Video an seinem ersten Arbeitstag den Kindern vor.

www.lilibiggs.ch

Jette Larsen Bozinov ist Projektleiterin des LilibiggsKinderprogramms.

Warum piept eine Kasse?

1

Ben erklärt in diesem Film, dass jede Verpackung einen Strichcode aufgedruckt hat. Der Code wird im Scanner von einem Laser gelesen. Das Piepen dient lediglich dazu, der Kassiererin zu signalisieren, dass das Gerät das Produkt erkannt und erfasst hat.

2

Spielwaren testen

Ben besucht seine beiden Spielwarentester Lars und Sophia. Zusammen testen sie die Sommerspielwaren aus der Migros.

3

Was bedeuten die Zahlen unter dem Strichcode?

In einem der Fun-Clips entschlüsselt Ben den Strichcode auf einer Verpackung . Die Fun-Clips-Filme sind kürzer und zeigen Ben von seiner witzigen und kreativen Seite.

Bilder: zvg Porträt: Roger Hofstetter

Das Lilibiggs-Menü gibt es

in den Migros-Restaurants für Fr. 6.50. Die Kinder dürfen ihr Menü aus dem gesamten Angebot nach Belieben zusammenstellen. Im Preis inbegriffen sind ein Getränk, ein Lilibiggs-Geschenk oder eine Glace sowie ein LilibiggsMini-Magazin. Einige Restaurants verfügen auch über eine Spielecke.

Die Lilibiggs-Produkte sensibilisieren Kinder für eine ausgewogene Ernährung auf Basis der Ernährungspyramide. Das Lilibiggs-Sortiment der Migros bietet eine breite Palette verschiedener Produkte, die jeweils kindergerecht portioniert und originell verpackt sind.

Jette Larsen Bozinov

«Lilibiggs sollen Kindern Spass machen» Was sind die Lilibiggs? Die Lilibiggs mit den Figuren Tobi, Hugo und Nina sind das Kinderprogramm der Migros. Die Inhalte sollen Kindern Spass machen, Wissen vermitteln und die Kreativität anregen. Wen sprechen die Lilibiggsfiguren an? Kinder im Alter von drei bis neun Jahren. Nina, Hugo und Tobi sind ihre Freunde und kommunizieren mit ihnen auf Augenhöhe. Was bietet das Programm? Auf der Lilibiggs-Homepage finden Kinder die Videos von «Ben & die Migros», Bastelideen, Verlosungen und vieles mehr. Das Programm umfasst ausserdem ein Kindermagazin, ein Lilibiggs-Kindermenü in den Migros-Restaurants oder Lilibiggs-Kinderkassen in ausgewählten Filialen. Gewisse Hausbäckereien veranstalten zu bestimmten saisonalen Anlässen wie Samichlaus ein Kinderbacken. Last not least gibt es auch eine Lilibiggs-Produktewelt für den Bereich Ernährung und Zahnhygiene. MM


46 | MM27, 3.7.2017 | MIGROS-WELT

Von uns. Von hier.

Saubere Fenster dank Pflanzenpower Wer Putzmittel wie den Migros-Plus-Glasreiniger entwickelt, hat stets die Umwelt im Blick. Das geht auch Kerstin den Brave so: Für ihre Tätigkeit beim Migros-Industriebetrieb Mibelle Group spielen naturbasierte Wirkstoffe eine bedeutende Rolle. Interview: Thomas Tobler

Kerstin den Brave, sie tüfteln permanent an den Inhaltsstoffen von Reinigungs­ mitteln der Migros. Welche Stoffe sorgen beim Glasreiniger von Migros Plus für saubere Fenster? Es ist eine Kombination aus verschiedenen Inhaltsstoffen. Im Migros-Plus-Glasreiniger sind der Spiritus sowie aus Sonnenblumenöl gewonnene Tenside und weitere naturbasierte Wirkstoffe entscheidend für die Sauberkeit. Wie wirken diese Stoffe? Die Tenside erhöhen die Löslichkeit von Fett- und anderen Schmutzpartikeln in Wasser. Sie entfernen also zum Beispiel Fingerabdrücke von der Fensterscheibe. Weitere Wirkstoffe verbessern die Trocknung auf dem Glas, das heisst, sie sorgen für eine gleichmässige und streifenfreie Trocknung. Gleichtzeitig beugen sie der erneuten Verschmutzung vor und erleichtern so auch schon die Arbeit, wenn die nächste Reinigung ansteht. Sie sprechen von naturbasierten Wirk­ stoffen. Was bedeutet «naturbasiert»? Die im Migros-Plus-Glasreiniger enthaltenen Inhaltsstoffe werden mit pflanzlichen Rohstoffen mit europäischer Herkunft hergestellt. Das unterscheidet sie im Wesentlichen von erdölbasierten Tensiden und anderen Wirkstoffen. Was sind das für Pflanzen, aus denen diese natürlichen Wirkstoffe gewonnen werden? Der Alkohol, die Tenside und weitere Wirkstoffe stammen aus Pflanzen wie Sonnenblumen, Mais, Weizen oder Raps beziehungsweise aus deren Nebenprodukten.

Bilder: Paolo Dutto

Seit wann gibt es natürliche, nachwach­ sende Rohstoffe in Reinigungsmitteln? Einzelne Rohstoffe sind seit den 80er-Jahren erhältlich. Durch die steigende Nachfrage in diesem Bereich wurde über die Jahre natürlich auch das Angebot an Rohstoffen grösser. Die Kunden wünschen sich einerseits ein möglichst ökologisches Produkt, andererseits aber auch eine Leistung, die sie von rein chemischen Produkten gewohnt sind. Beide Wünsche zu erfüllen, ist heute manchmal schwierig – zumal Aspekte wie Verfügbarkeit und Qualität der pflanzenbasierten Rohstoffe nach wie vor eine Herausforderung darstellen. Sind denn rein chemische Produkte leis­ tungsstärker? Die sogenannten grünen Produkte wurden in den letzten Jahren sehr stark weiterentwickelt. Im Spannungsfeld zwischen Nach­ haltigkeit, Leistung und Preis bieten grüne Produkte wie der Migros­Plus­Glasreiniger eine gute Lösung für die tägliche Anwen­ dung und brauchen den Vergleich mit kon­ ventionellen Produkten nicht zu scheuen. Wie verbessert man die Leistung eines Glasreinigers? Generell lässt sich das nicht sagen. Einfach eine höhere Menge an Tensiden einzusetzen, verbessert zwar die Fettlösekraft, verstärkt aber gleichzeitig die Streifenbildung. Beim Migros-Plus-Glasreiniger haben wir ein weiteres pflanzliches Tensid in die Rezeptur integriert und die Verhältnisse der Inhaltsstoffe untereinander so angepasst, dass wir die Leistung nochmals verbessern konnten. Wie findet man neue Wirkstoffe wie Tenside?

Einerseits lesen wir viel Fachliteratur, recherchieren und beobachten den Markt. Andererseits stehen wir permanent in engem Kontakt mit unseren Rohstofflieferanten und lassen die neuesten Entwicklungen in unsere Formulierungen einfliessen. Was wird getestet? Glasreiniger werden anhand standardisierter Testmethoden auf ihr Leistungsvermögen hin geprüft. Dazu trägt man definierte Mengen unterschiedlicher Anschmutzungen auf eine Glasplatte auf. Anschliessend wird diese Glasplatte nach einer bestimmten Methode mit dem Glasreiniger geputzt. Durch die Rückstände lassen sich die verschiedenen Produkte dann miteinander vergleichen. Auf der Verpackung des Glasreinigers steht «Abbaubarkeit 100 Prozent». Was heisst das? Diese Bezeichnung bezieht sich auf die Rezeptur. Tenside müssen von sich aus biologisch abbaubar sein, das gibt der Gesetzgeber vor. Aber wir testen die komplette Rezeptur, so wie sie im Verkauf steht, noch einmal. 100 Prozent biologisch abbaubar bedeutet, dass alle verwendeten Substanzen von den Bakterien in der Kläranlage gemäss OCDE-Test 302B innerhalb von 28 Tagen komplett abgebaut sein müssen. Abgesehen vom Aspekt der Nachhaltigkeit: In welche Richtung geht die Entwicklung von Reinigungsmitteln wie Glasreinigern? Eine möglichst breite Anwendung wird immer wichtiger. Das heisst, ein Produkt soll für verschiedene Zwecke benutzt werden können – ein Glasreiniger beispielsweise auch für Laptops oder andere glatte Oberflächen. MM


MIGROS-WELT | MM27, 3.7.2017 | 47

Star der Woche

Der Saubermann Rund drei Millionen MigrosPlus-Reinigungsartikel stellt der Migros-Industriebetrieb Mibelle Group pro Jahr her. Die ökologische Reinigungsund Waschmittellinie wurde von der Migros in den frühen 80er-Jahren lanciert. Mit dabei war auch der MigrosPlus-Glasreiniger. Wie bei Reinigungsmitteln üblich, hat sich das Produkt im Lauf der Jahre stetig weiterentwickelt und wird neu mit Wirkstoffen aus europäischen Pflanzen hergestellt. Mehr Informationen zum Star der Woche auf www.vonuns-vonhier.ch/ star-der-woche Rätsel lösen und gewinnen

Der Glasreiniger von Migros Plus ist vollständig biologisch abbaubar – unter anderem, weil die Wirkstoffe aus Pflanzen gewonnen werden. Doch aus welchen? Beantworten Sie diese Frage auf www.vonuns-vonhier.ch/ star-der-woche und gewinnen Sie eine MigrosGeschenkkarte. Es werden Geschenkkarten im Gesamtwert von Fr. 150.– verlost. Ist der Spiegel wirklich streifenfrei sauber? Entwicklerin Kerstin den Brave im Labor des MigrosIndustriebetriebs Mibelle Group prüft die Wirkung eines Glasreinigers.

Die M-Industrie stellt viele MigrosProdukte her. Dazu gehört auch der Migros-Plus-Glasreiniger.


* Die Kosten der SMS entsprechen deinem MobilfunkanbieterVertrag. Mit dem Senden der SMS spendest du Greenpeace deinen Wunschbetrag und stimmst zu, dass Greenpeace dich kontaktieren darf.

Sterben die Bienen aus, sind auch wir Menschen in Gefahr.

SchĂźtze gemeinsam mit Greenpeace die Bienen: Spende zwischen 1 und 99 Franken per SMS. Beispiel: GP BIENEN 15 an 488 *


MIGROS-WELT | MM27, 3.7.2017 | 49

Migros Plus

Nachhaltig sauber Stark gegen Schmutz, sanft zur Natur: Die Wasch- und Reinigungsmittel von Migros Plus werden mit natürlichen, nachwachsenden Rohstoffen hergestellt. Sie sind zu mindestens 97 Prozent biologisch abbaubar. Denise Stirnimann ist CategoryField-Managerin Waschen, Papier, Reinigen bei der Migros.

Aktion 20-fache Cumulus-Punkte

Denise Stirnimann

«Richtiges Putzen schont die Umwelt»

für alle Produkte von Migros Plus* bis 10. Juli

Was empfehlen Sie gegen Flecken auf Textilien? Bei Flecken aus Schweiss, vom Kugelschreiber oder bei Rost­ flecken empfehle ich die Vor­ behandlung mit dem Migros­ Plus­Apfelessigreiniger. An­ schliessend das Kleidungsstück in Seifenlauge aus Wasser und Migros­Plus­Colorwaschmittel einlegen und es dann wie üblich waschen. Der Trick eignet sich für alle Textilien ohne Viskose. Wie bleiben die Farben des Lieblingsshirts leuchtend? Zusätzlich zu einem Color­ waschmittel ist auch dafür der Migros­Plus­Apfelessigreiniger nützlich: Die Textilien vor der Wäsche darin einlegen; dies stabilisiert die Farben und hält sie länger strahlend.

Bild: Roger Hofstetter

Das Colorwaschmittel von Migros Plus enthält Waschnussextrakt und andere natürliche Wirkstoffe. Es reinigt Textilien fasertief und schont dabei deren Farben sowie die Umwelt. Migros Plus Colorwaschmittel, 1,5 l Fr. 11.50

* ausgenommen alle bereits reduzierten Artikel

Dank spezieller Rezeptur wirkt das Handgeschirr­ spülmittel auch in kaltem Wasser stark gegen Fett. Dies spart gegenüber dem Spülen mit heissem Wasser Energie. Die Wirkstoffe der Hamamelis (Zaubernuss) und andere Bestandteile schonen die Haut. Migros Plus Handgeschirrspülmittel Hamamelis, 750 ml Fr. 3.05

Was hilft gegen Streifen auf frischgeputzten Fenstern? Grundsätzlich sollten Fenster zügig und ohne Sonneneinstrah­ lung geputzt werden. Ich emp­ fehle, die Scheiben zuerst mit warmem Wasser und einem Abzieher zu säubern. Danach mit Glasreiniger und Haushalt­ papier nachreinigen und gut trocken polieren. Und wie wird der Grillrost wieder blitzsauber? Am besten wird der Rost sofort nach dem Abkühlen gereinigt. Ansonsten empfehle ich, einen Migros­Plus­Mini­Tab für die Geschirrspülmaschine in Wasser aufzulösen (Achtung: Handschuhe benutzen!) und den Rost darin ein bis zwei Stunden einzulegen. MM


50 | MM27, 3.7.2017 | MIGROS-WELT

Freude am Geschmack

Würzig mediterran Eine knusprige Käsekruste und frische Cherrytomaten machen die Sommerfocaccia besonders aromatisch. Sie ist aktuell als Brot des Monats in den Migros-Hausbäckereien erhältlich. Text: Jacqueline Vinzelberg

Focaccia ist eine italienische Spezialität und stammt aus Ligurien. Das Fladenbrot aus Hefeteig steht als Verwandter der Pizza nicht nur bei Liebhabern mediterraner Küche hoch im Kurs. Die luftige Sommervariante aus den Hausbäckereien der Migros schmeckt dank getrockneter Tomaten besonders würzig. Überbackener Grana Padano verleiht dem Brot ein feines, salziges Röstaroma, Cherrytomaten setzen frische Akzente. Die Focaccia lässt sich vielseitig belegen, bietet sich als Beilage beim Grillieren oder kleine Zwischenmahlzeit an. Frischer Rucola rundet den Geschmack ab: Dank seiner feinen Schärfe unterstreicht er den intensiven Geschmack der Sommerfocaccia. Tipp: Die Focaccia kurz aufacken und noch warm servieren – so kommt das spezielle Käse-Tomaten-Aroma besonders gut zur Geltung.

Serviertipp

Unsere Geschmacks­ experten von Migusto haben die Sommerfocaccia mit Käse und Tomaten degustiert. Sie empfehlen als Traumpartner Rucola. Die Focaccia horizontal aufschneiden, grosszügig mit Rucola belegen, etwas Olivenöl darüber­ träufeln, leicht mit Pfeffer würzen, zuklappen und andrücken. In Stücke schneiden und servieren.


MIGROS-WELT | MM27, 3.7.2017 | 51

Serie So schmeckt das Brot des Monats

Mehr zu Geschmack: www.freude-amgeschmack.ch

Aktuell im Juli: Sommerfocaccia

Peter Wildhaber ist Bäcker in der Migros-Filiale Münsingen BE. Er gehört zu den rund 900 Backprofis, die in den 130 Hausbäckereien mehrmals täglich backen. So ist das Brot bis Ladenschluss stets frisch und warm erhältlich. Peter Wildhaber (48)

«Je grösser der Zopf, desto intensiver der Geschmack» Was schätzen Sie an Ihrem Beruf? Es ist ein sehr lebendiger Beruf, den ich liebe. Hier kann ich meine Leidenschaft ausleben. Welches Brot backen Sie am liebsten? Ich habe keine Vorliebe für ein spezielles Brot. Aber zum Schluss muss jedes Brot richtig ge­ backen sein und schön aussehen. So bekommt es seinen Charakter.

Bilder: Veronika Studer (Food) / Gaëtan Bally (Porträt) Serviertipp: Regula Brodbeck

Welches Brot gehört für Sie zum Sonntag? Es muss eine grosse Bärner Ankezüpfe sein. Denn je grösser der Zopf, desto intensiver ist sein Geschmack. Er bleibt auch länger frisch. Was war Ihr schönster Brotmoment? Zufällig schaute mir einmal Kuno Lauener, der Sänger der Band Züri West, über die Brot­ theke beim Zöpfeln zu. Er bat mich, langsamer zu flechten, damit er mir folgen könne. Beim dritten Zopf schüttelte er den Kopf und sagte zu mir: «Das kann ich nie.» Ich erwiderte, das sei wie Musik machen. Darauf antwortete er mit einem Grinsen im Gesicht: «Nein, Musik­ machen ist viel einfacher.» MM

Sommerfocaccia, 280 g Fr. 3.10 Erhältlich in allen Migros-Filialen mit Hausbäckerei


Dominique Biedermann Präsident des Verwaltungsrates von ethos

Thomas Paroubek Leiter des Migros-Beschaffungsbüros in Hongkong

Dr. h.c. Rudolf Strahm alt Nationalrat

Dr. Felix R. Ehrat Group General Counsel Novartis

Prof. Dr. Rudolf Minsch Chefökonom economiesuisse

Gute Konsumenten, böse Konzerne? 9. Konsumententagung, Freitag, 15. September 2017, 14 Uhr Lake Side, Bellerivestrasse 170, Zürich Weltweit wächst die Kritik an der Globalisierung. Gleichzeitig gewinnt der Protektionismus an Zuspruch. Unbestritten ist: Importgüter sollen möglichst sozial- und umweltverträglich hergestellt werden. Doch werden die Öko- und Arbeitsstandards überhaupt eingehalten und wie werden sie kontrolliert? In der Schweiz sollen künftig Konzerne belangt werden können, wenn sie im Ausland Menschenrechte und Umweltstandards verletzen; dies verlangt die «Konzernverantwortungsinitiative». Sind die Konsumentinnen und Konsumenten ihrerseits bereit, für fair hergestellte Produkte einen fairen Preis zu bezahlen?

Information/Anmeldung Migros-Genossenschafts-Bund Direktion Wirtschaftspolitik Limmatstrasse 152, 8031 Zürich Tel. 044 277 30 87 MIGROS-Wirtschaftspolitik@mgb.ch

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MIGROS-WELT | MM27, 3.7.2017 | 53

Migusto

Exotische Krönung Perfekt für den Sommergrillabend: Wir zeigen Schritt für Schritt, wie mit saftigen Pfirsichen, Ingwer und Koriander ein wunderbar würziges Chutney gelingt. Text: Andrea Pistorius, Angela Obrist Bilder: Veronika Studer

Rezept: Andrea Pistorius

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Chutneys stammen ursprünglich aus der indischen Küche. In Einmachgläser abgefüllt, sind sie über mehrere Monate haltbar.


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Schulküche

So gelingt das Pfirsich-Chutney 1

Pfirsiche an mehreren Stellen einschneiden.

Für 1–2 Minuten in kochendes Wasser geben, herausheben und in Eiswasser abschrecken. Pfirsichhaut mit einem Messer abziehen.

5

In der Zwischenzeit die Gläser und Deckel 10 Minuten lang in kochend heissem Wasser sterilisieren. Auf einem sauberen Küchentuch

abtropfen lassen.

2

Pfirsichfleisch vom Kern schneiden und klein würfeln. Schalotte und Knoblauch

fein hacken. Peperoncino entkernen und ebenfalls fein hacken.

6

Chutney mit einem Konfitüretrichter in die Gläser füllen, fest verschliessen und

für 5 Minuten auf den Deckel stellen. Danach umdrehen und vollständig auskühlen lassen.

3

Ingwer schälen. Dafür am besten mit einem

Messerrücken oder Teelöffel die Schale von der Wurzel schaben. Ingwer fein reiben und mit den restlichen Zutaten in einer Pfanne mischen.


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MIGROS-WELT | MM27, 3.7.2017 | 67

Profitipp

Würze für Grilliertes 4

Zutaten für ca. 3 dl

4 1 1 1 10 g 1 dl ½ TL

½ TL 100 g ½ TL

Pfirsiche grosse Schalotte Knoblauchzehe Peperoncino frischer Ingwer Apfelessig gemahlener Koriander Zimt Zucker Salz

Andrea Pistorius

Rezeptautorin

Wer noch nie ein Chutney zu Fleisch probiert hat, sollte das ganz schnell nachholen. Chutney ist sozusagen das exotische Pendant zu Preiselbeerkonfitüre. Bekannt ist den meisten wohl Mango-Chutney, das oft beim Inder serviert wird. Die hier im Rezept beschriebene Variante mit den rotbäckigen, süss-saftigen Pfirsichen ist übrigens ein Traum und passt zu jeder Art von Grillgut wie Lamm und Poulet, aber auch zu rezentem Käse. Anstelle von Pfirsichen lassen sich auch Nektarinen oder Aprikosen verwenden. Und noch ein Gelingtipp: Die Gläser kann man statt im Wasserbad auch bei 180 Grad während 10 Minuten im Backofen sterilisieren. In kleine Gläser gefüllt, ist die Köstlichkeit ein tolles Mitbringsel bei sommerlichen Grillfesten. Dabei ist es allerdings besser, gleich ein grösseres Glas einzupacken, denn sonst könnte es zu Engpässen kommen, so fein schmeckt es. MM

Einkochen: Alles bei mittlerer Hitze unter gelegentlichem Rühren 15–20 Minuten lang kochen, bis die Konsistenz konfitürenartig ist.

Tipp Chutneys sollte man im Kühlschrank aufewahren und innerhalb von vier bis fünf Tagen konsumieren. Wenn man sie in sterilisierte Gläser abfüllt, sind Chutneys gut ein halbes Jahr lang haltbar.

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MIGROS-WELT | MM27, 3.7.2017 | 69

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MIGROS-WELT | MM27, 3.7.2017 | 71

Yvette

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MIGROS­WELT | MM27, 3.7.2017 | 73

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MIGROS-WELT | MM27, 3.7.2017 | 75

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MIGROS-WELT | MM27, 3.7.2017 | 77

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Porto und das Tal des Douro den Norden Portugals, bis er in der zauberhaften Hafenstadt Porto das Meer erreicht. Rebterrassen reihen sich über- und nebeneinander. Hier gedeihen beste Weine. Der berühmteste aber ist und bleibt der Portwein. Wir freuen uns, Sie in eine der schönsten Flusslandschaften Europas zu begleiten. Eine fantastische Flussregion. Die Reise 2018 ist jetzt zum Frühbucher-Bestpreis für Sie buchbar!

Liebe Flussfahrt-Freunde Dieser Fluss hat Kultur, Kunst und Küche an seinen Uferlandschaften geprägt. Viele unserer Reisegäste haben den Douro ins Herz geschlossen. Mit der neuen Miguel Torga setzen wir auf dem Douro einen neuen Qualitätsstandard – auf zwei Decks, mit französischem Balkon und mit exklusivem Mittelthurgau-Ausflugsprogramm. Die Hügel am Flussufer des Douro sind von umwerfender Schönheit – von der UNESCO zum Weltkulturerbe ernannt. In unzähligen Windungen fliesst dieser einzigartige Fluss durch

Tag 1 Zürich–Porto Flug von Zürich nach Porto und Transfer zu Ihrem Schiff. Tag 2 Porto Panoramarundfahrt* durch die schöne Hafenstadt am Atlantik. Altertümliche Baudenkmäler oder die Gassen am Hafen vereinen sich harmonisch mit zeitgenössischen Bauten. Tag 3 Porto–Guimarães–Régua Ausflug* in die Geburtsstadt Portugals. Der Tag klingt aus bei einem Abendessen auf einem herrschaftlichen Weingut bei Lamego.

Herzliche Grüsse, Ihr

Tag 4 Régua–Barca d’Alva Im Douro-Museum* in Régua erfahren Sie viel über die Weinbautradition am Douro. Der berühmteste Tropfen ist der Portwein.

Stephan Frei Geschäftsleiter

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80 | MM27, 3.7.2017 | MIGROS-WELT

Ernährung

Genuss ohne Verzicht

In Zusammenarbeit mit dem Allergiezentrum Schweiz bietet Migros in jedem Supermarkt ein Angebot an Produkten an, die sich für Personen mit einer Nahrungsmittelallergie oder -intoleranz eignen. Diese Produkte tragen das Gütesiegel aha!. Text: Mélanie Zuber

A

uf die Gesundheit Rücksicht nehmen zu müssen, ist manchmal mit Frust verbunden. Hier ist nicht die Rede vom grossen Schoggiglacebecher, den man aus Angst vor der Kalorienlawine nicht verdrückt. Gemeint ist hier die Glacekugel, die wegen der darin enthaltenen Laktose zu heftigen Bauchschmerzen führt, oder die knusprige Brotscheibe, deren Gluten mehrere Stunden lang für unangenehme Verdauungsprobleme sorgt. Gemäss Schätzungen leidet in der Schweiz jede fünfte Person an einer Nahrungsmittelintoleranz. Diese kann verschiedene Formen annehmen: Magenkrämpfe, Kopfweh, Bauchbeschwerden, Hautreaktionen. Die häufigsten Unverträglichkeiten sind Laktose- und Glutenintoleranz. Bei einer Laktoseintoleranz kann der Körper als Folge einer verminderten Produktion des Verdauungsenzyms Laktase den Milchzucker nicht verdauen. Bei einer Glutenintoleranz, auch Zöliakie genannt, handelt es sich um die Unverträglichkeit von Getreideeiweiss. Von der Krankheit ist nur eine von hundert Personen betroffen. Viele Menschen fühlen sich aber nach der Einnahme von glutenhaltigen Lebensmitteln dermassen unwohl, dass sie sich freiwillig dafür entscheiden, deren Konsum zu

reduzieren. Für Personen mit einer Intoleranz ist Essen deshalb manchmal eine komplizierte Angelegenheit. Ein spontaner Restaurantbesuch oder ein Essen mit Freunden kann für viele zum Problem werden. Laktose beispielsweise ist oft versteckt in Suppen, Saucen, Streuwürzen, Bouillons, Margarinen, Backwaren, Fleischprodukten und Fertiggerichten. Auch Gluten ist in vielen Fertigprodukten enthalten. 160 leicht verdauliche Produkte

Die Migros arbeitet seit 2008 mit dem Allergiezentrum Schweiz (SAS) zusammen. In ihren Supermärkten bietet sie mehr als 160 Produkte mit dem aha!-Label an, die die Bestimmungen des Allergiezentrums erfüllen. Kundinnen und Kunden, die an einer Intoleranz leiden, erkennen diese Produkte im Nu und können sie ohne Risiko konsumieren. Sie müssen nicht mal die Liste der Inhaltsstoffe des Produkts studieren: Die kleine runde gelbe Etikette auf dem Produkt genügt als Hinweis. Das aha!-Sortiment umfasst verschiedene Milchprodukte wie Käse, Joghurt und Milchgetränke, aber auch Getreide wie Brot, Pasta und Fertiggerichte. So kann man trotz Unverträglichkeit sorglos und beschwerdefrei alle seine Lieblingsprodukte geniessen. MM


MIGROS-WELT | MM27, 3.7.2017 | 81

Ihre Region Neues aus der Genossenschaft Migros Wallis

Mit dem Label aha! sind alle Produkte ausgezeichnet, die man auch mit einer Intoleranz geniessen kann.

Bilder: dr, Sebnem Ragiboglu | 123rf.com

In den grössten Migros-Supermärkten im Wallis sind 160 aha!-Produkte erhältlich.

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Das Label aha! kennzeichnet Produkte, die auch bei einer Allergie oder Intoleranz besonders verträglich sind.


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MIGROS-WELT | MM27, 3.7.2017 | 83

Ferien

Viel Spass im Sommer Bei der Klubschule Migros sind die langen Sommerferien kurzweilig. Das normale Kursprogramm wird in dieser Zeit zwar unterbrochen, aber die zahlreichen verschiedenen Kurse und Workshops versprechen spannende Aktivitäten und neue Erlebnisse. Text: Mélanie Zuber

Bild: lithian | 123rf.com

J

eder regelmässige Lernprozess sollte der Motivation und der Effizienz zuliebe ab und zu unterbrochen werden. Bei der Klubschule Migros wird dieses Prinzip ebenfalls angewendet: Das traditionelle Kursprogramm wird zwischen Ende Juni und Mitte August auf Standby geschaltet. Tote Hose herrscht aber trotzdem nicht. Es werden andere, neue Fächer angeboten, von denen die meisten nicht im normalen Kursprogramm aufgeführt sind. Sie sorgen für span-

nende Abwechslung, für gute Laune und stimulieren das Gehirn. An vier Abenden verwandelt sich die Stadt Brig zum Beispiel in ein riesiges Fitnessstudio für alle, die sich beim Urban Fitness so richtig auspowern wollen. Wer das Bedürfnis hat, Stress auf ruhigere Weise abzubauen, kann einen Yoga-Workshop besuchen. Ein Kurs zum Thema «Erfrischende Massage» bietet die Möglichkeit, der Sommerhitze Abhilfe zu schaffen. Und wer Spass, Bewegung und Abschalten verbinden

möchte, meldet sich am besten zu einem fetzigen Discofox- und Discoswing-Kurs an. Andere Kurse vervollständigen das Programm für Erwachsene, wie zum Beispiel der «Einstieg in den Computeralltag» – den gleichen Kurs gibt es auch für Personen über 50, «Foto-Digitalkamera», «Nähatelier» und Schminklektionen. Bei den Kindern liegt der Akzent auf Sprachkursen, Ballett und Fotografie. MM Informationen: Klubschule Brig, 027 720 66 50, www.klubschule.ch

Die Stadt als Fitnesscenter: Die Klubschule bietet im Sommer Urban Fitness in Brig an.


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wird Migros­Magazin – als Spiegel einer frischen und aktuellen Migros.

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75 JAHRE | MM27, 3.7.2017 | 89

Die Achtziger

Mauern fallen

Texte: Hans Schneeberger, Andreas Dürrenberger, Remo Leupin Illustration: Belicta Castelbarco/Kombinatrotweiss, Bild (Collage): Getty Images (2) Bilder: Str/Keystone

Die 80er-Jahre waren schrill und bunt. Sie brachten die Föhnund Punkfrisur, Serienknaller wie «Miami Vice» oder MTV. In dieses Jahrzehnt fielen aber auch der Atomunfall in Tschernobyl und Aids. Und die Perestroika des sowjetischen Präsidenten Michail Gorbatschow läutete eine neue politische Ära ein, die 1989 zum Fall der Berliner Mauer und zum Ende des Kalten Kriegs führte.

Spots als TV-Highlight

Statt wie bisher einfach Produkte anzupreisen, sollte TV-Werbung in den 1980er-Jahren die Zuschauer unterhalten. Der Brückenbauer berichtete von den aufwendigen Dreharbeiten für den neuen Migros-Spot in der Modemetropole Mailand – inklusive Programmhinweis. Brückenbauer vom 12.2.1986

Jules Kyburz

«Gorbatschow hat einen starken Eindruck gemacht»

Der ehemalige Migros-Chef über die «goldenen» 1980er-Jahre, sein Treffen mit dem damaligen sowjetischen Präsidenten Michail Gorbatschow – und Gottlieb Duttweilers immerwährende Thesen. Ende der 1980er-Jahre herrschte in der Schweiz Hochkonjunktur. Auf den Aufschwung folgte eine erste Börsen- und danach eine Immobilienkrise. Wie war das damals für die Migros? Wir haben Krisen nie als solche erlebt. Bei uns hatte eine Krise die Auswirkung, dass wir vielleicht ein Prozent weniger Mehrumsatz hatten. In meiner ganzen Zeit bei der Migros kann ich mich an keine Krise erinnern. Weshalb war die Migros nicht betroffen? Das hat mit dem Geschäft zu tun. Wenn wir weit zurückgehen, dann bestand der MigrosUmsatz zu 100 Prozent aus Lebensmitteln. Dieser Anteil ist zwar nach und nach zurückgegangen. Aber gegessen wird auch in Krisenzeiten, deshalb spürten wir Krisen nie direkt.

Auch nicht in den 1970er-Jahren? Das war doch eine Zeit der grossen Krisen. Energiekrise, Terrorismus, die Grenzen des Wachstums. Ich habe es nicht so in Erinnerung. Ich war von morgens bis abends ein positiver Mensch. Es ist immer nur aufwärtsgegangen. Ich habe eben auch die gute Zeit erwischt. Als ich zur Migros kam, machten wir 300 Millionen Franken Umsatz pro Jahr. Das machen wir heute in 3½ Tagen. Die Entwicklung war unglaublich. Provokativ könnte man nun sagen: Die guten Manager erkennt man in schlechten Jahren. Ich hatte nie ein schlechtes Jahr. Das hat mich durchs Leben begleitet. Als ich Filialleiter war, hatte ich immer die besten Umsatzzunahmen.

Kurt Furgler und Michail Gorbatschow in Genf (19. November 1985)

Als Verkaufsleiter ebenfalls und als Geschäftsleiter der Migros Bern auch. Sicher hatte das mit guter Arbeit und der Konjunktur zu tun, die für die Schweiz sehr vorteilhaft war. Aber gab es Grundsätze, die Ihre Arbeit geprägt haben? Sie meinen Führungsgrundsätze? Ja, zum Beispiel. Das Wichtigste ist das Team. Wie merkt man, dass das Team stimmt? Die bekannten vier M: Man muss Menschen mögen. Das klingt jetzt sehr einfach. Wie findet man die richtigen Personen?


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75 JAHRE | MM27, 3.7.2017 | 91

Zur Person

Das ist schwierig zu sagen. Ich hatte immer Teams, die für mich durchs Feuer gegangen wären. Da kann man gar nicht verhindern, dass man Erfolg hat. Dabei muss man aber nicht seinen eigenen Erfolg suchen. Ich habe immer gesagt, dass es fünf Leute braucht, um eine Firma zu führen, egal, wie gross sie ist. Du musst den Erfolg dieser fünf Leute suchen. Dann erntest du als Chef den Erfolg, ohne viel beitragen zu müssen. Es ist relativ einfach.

Vom Magaziner zum Migros-Chef Kaum jemand kennt die Migros so gut wie der 85-jährige Jules Kyburz. Nachdem er als 17-Jähriger einige Monate zur See gefahren war, absolvierte er die Handelsschule. In der Migros-Filiale in Wetzikon ZH begann er mit 20 Jahren als Magaziner und füllte Regale auf. Danach wurde er Filial-, Verkaufs- und Geschäftsleiter der MigrosGenossenschaft Bern. 1984 wurde Kyburz MigrosChef. 1992 übernahm er für acht Jahre das Amt des Migros-Präsidenten. 1993 trat er zudem in die Gottlieb-und-AdeleDuttweiler-Stiftung ein, die er bis 2012 leitete.

Kommen wir zurück zu den 1980er-Jahren. Wie haben Sie die Öffnung und den Umbau des Ostblocks unter dem damaligen sowjetischen Präsidenten Michail Gorbatschow erlebt? Ich war dabei, als Gorbatschow von Bundesrat Kurt Furgler in Genf empfangen wurde. Es war ein Empfang beim Roten Kreuz mit einer kleinen Gästeschar. Ich weiss gar nicht, warum ich eingeladen wurde (lacht). Welchen Eindruck hatten Sie von Michail Gorbatschow? Er hat einen starken Eindruck gemacht. Aber natürlich auch wegen der historischen Ereignisse. Die Geschichte prägt ja eine Persönlichkeit. Als sich Osteuropa öffnete, hatte man den Eindruck, dass die ganze westliche Wirtschaft in den Osten expandieren wollte. Weshalb tat die Migros das nicht? Das durfte man nach unseren Statuten gar nicht. Deshalb war das nie ein Thema – obwohl wir gute Verbindungen gehabt hätten. Denn zwischen 1960 und 1970 bildeten wir Leute aus Osteuropa aus. Ich war damals Verkaufschef der Migros St. Gallen. Es kamen immer rund zwölf Personen, wir hatten sogar eigene Wohnungen für sie. Wir bildeten die Leute aus, dann fuhren sie wieder nach Hause. War die internationale Politik ein Thema in den Verwaltungssitzungen der Migros? Politik waren für uns die Waren- und Finanzmärkte. Die grösste politische Diskussion in der Verwaltung gab es immer, wenn es um den Kredit für den Landesring der Unabhängigen ging.

Bild: Christian Schnur

Gab es Leute, die sich gegen das politische Engagement der Migros stellten? Ja, da musste man richtiggehend kämpfen. Wenn man nicht selber ein gewisses Gewicht gehabt hätte in der Verwaltung, wäre das abgeklemmt worden. Das heisst, dass Sie dafür gekämpft haben? Ich habe wohl am meisten dafür gekämpft. Weil Sie das Gefühl hatten, die Migros müsse Politik betreiben?

Der Hauptgrund war, glaube ich, der, dass der Landesring von Gottlieb Duttweiler gegründet worden war. Weil Dutti auf dem politischen Parkett bekämpft wurde, sagte er: Du musst den Kampf dort führen, wo er stattfindet. Also musste er in die Politik. Mich hat das geprägt. All die politischen Kämpfe von Dutti habe ich erlebt. In der Verwaltung sass nicht mehr mancher, dem das so ging. Aber je grösser eine Firma wird, desto weniger muss sie eine Partei haben. Und irgendwann ist die Firma so gross, dass sie keine Partei mehr verträgt. Diese Meinung ist immer stärker geworden, bis sie eine Mehrheit hatte. Heute bin ich auch dieser Meinung. Es wäre undenkbar, dass im eidgenössischen Parlament fünf Vertreter von Novartis, fünf von der Roche und zehn von der Migros sitzen würden. Finden Sie auch, dass die Migros ein Spiegel der Schweiz ist? Mit der wirtschaftlichen Entwicklung, den komplexen Strukturen, dem Föderalismus? Ja, die Migros ist eine kleine Schweiz. Sie ist ja auch so organisiert wie das Land. Wurde sie von Gottlieb Duttweiler bewusst so organisiert? Ja. Die Delegiertenversammlung ist die Bundesversammlung. Die Genossenschaften sind die Kantone. Die Delegation sind die Bundesräte. Es ist genau das Modell Schweiz, in dem niemand etwas allein entscheiden kann.

Müsste man Duttweilers Grundsätze und Thesen nicht einmal revidieren und dem Zeitgeist anpassen? Oder haben sie Bestand für die Ewigkeit? Ich glaube nicht, dass man sie anpassen muss. Sie sind eine Art moralisches Testament. So heisst es zum Beispiel: «Das Frauenherz ist der sicherste Aufbewahrungsort unseres Ideengutes.» Was soll man da ändern? Das zeigt, dass Dutti der Erste war, der die Frauen beigezogen hat. Und ebenfalls wichtig: «Grosswerden muss in der Demokratie abverdient werden.» Was gibt es da zu ändern? «Keine Beteiligung an Umsatz oder Gewinn.» Es ist doch verrückt, dass Duttweiler schon 1957 die Problematik von Boni erkannte, bevor es das Wort überhaupt gab. Sie erinnern sich ehrfürchtig an Gottlieb Duttweiler. Ja, natürlich. Ich habe die Migros noch zehn Jahre unter ihm erlebt. Allerdings war er ganz oben und ich ganz unten. Ich hatte mit ihm also kaum zu tun. Aber in jedem unserer Führungskurse kam Dutti jeweils in der letzten Stunde kurz vorbei. Das machte uns natürlich wahnsinnig Eindruck. Und als ich in Zug Marktleiter war, kam er praktisch jeden Samstag zwischen zwei und halb drei Uhr mit seiner Frau Adele in die Filiale. Dann kauften sie sich eine Glace: Er bekam ein paar Schlecke, dann sie ( lacht). MM


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Ein Anbieter – viele Services. Für CHF 8980.– (Generalabonnement 1. Klasse) bzw. CHF 6750.– (Generalabonnement 2. Klasse) bekommen die Kunden ein umfassendes Sorglospaket für ihre tägliche Mobilität.

«Wenn ich am Stau vorbeibrause, möchte ich nicht tauschen.» Jederzeit einfach, flexibel und umweltfreundlich unterwegs sein – und dies massgeschneidert auf die eigenen Mobilitätsbedürfnisse. Genau das wollten Bettina und Christian Hirsig, als sie sich für die Teilnahme am Markttest SBB Green Class E-Bike entschieden haben. Sie sind begeistert vom umfassenden Sorglospaket für ihre tägliche Mobilität, bei dem sie alle Services aus einer Hand bekommen. Zum Bahnhof mit dem schnellen E-Bike Stromer ST2, zum Geschäftstermin mit dem Zug, für Transporte das Mobility-Auto – und sollte mal etwas schief gehen, sind die Hirsigs durch die integrierte Vollkaskoversicherung, Stromer Assistance und den ÖV-Schutzbrief auf der sicheren Seite und immer mobil (vgl. Box). «Die Pilotkunden bekommen von uns alles aus einer Hand für ihre tägliche Mobilität», erklärt Fabian Scherer, Projektleiter SBB Green Class. Das können Bettina und Christian Hirsig aus Bern bestätigen. Sie sind Eltern zweier kleiner Buben, selbstständige Betriebswirtschaftler und privat wie beruflich ziemlich auf Achse. Sie sind zudem offizielle Bot-

schafter für SBB Green Class E-Bike. «Wir möchten möglichst flexibel unterwegs sein, jedoch auf ein eigenes Auto verzichten», sagt Christian Hirsig. Der Umwelt zuliebe – aber nicht nur: «Bei uns ist jeder Tag anders und so auch unser Bedürfnis nach Mobilität.» Sie schätzen das Privileg für einen Ausflug mit den Kindern, fürs entspannte Eintreffen zum Meeting oder für den Kundenbesuch im Industriegebiet immer das «passende Pferd im Stall» zu haben. Und: «Wenn ich im Schnellzug oder auf dem Stromer in der Sommerhitze am Stau vorbeibrause, möchte ich nicht tauschen.» SBB Green Class E-Bike ist als einjähriger Markttest konzipiert.

Ein Angebot der SBB in Zusammenarbeit mit:

«Wir erhoffen uns wertvolle Erkenntnisse, wie die Kunden solche Angebote nutzen. Diese helfen uns bei der Entwicklung von kombinierten Mobilitätsangeboten in der ganzen Mobilitätskette», sagt Fabian Scherer. Der Markttest wird deshalb wissenschaftlich begleitet von der ETH Zürich. SBB Green Class E-Bike ist bereits der zweite Markttest für die kombinierte Mobilität. Im Herbst 2016 hat die SBB mit Erfolg ein Kombi-Angebot mit u. a. einem BMW i3-Elektroauto lanciert. Bei beiden Markttests zeichnen die Kunden ihre täglichen Mobilitätsdaten per App auf. Diese werden von der ETH Zürich ausgewertet und dienen als Grundlage für die mögliche Lancierung von Folgeangeboten. Bis zum 13. Juli 2017 können sich interessierte

SBB Green Class E-Bike enthält: – wahlweise 1.-Klass-GA oder 2.-Klass-GA (bestehende ÖV-Abos werden pro rata zurückerstattet) – Stromer ST2, das digitalste E-Bike: eine Jahresmiete inklusive Vollkaskoversicherung und E-Bike-Services – ein Jahresabo für einen Veloabstellplatz in einer Velostation am Bahnhof – Mobility-Carsharing-Abo inklusive Fahrtengutschrift im Wert von CHF 100.– – sechs Velo-Tageskarten zur Mitnahme des E-Bikes im Zug – Schutzbrief des Öffentlichen Verkehrs – einen kostenlosen Zugang ins Internet an SBB Bahnhöfen – Battere-Abo: Handy-Akkuladegeräte an 1000 Standorten zur Ausleihe

Kunden bei der SBB melden, um ab September 2017 für ein Jahr eine innovative und einmalige Mobilitätslösung zu erhalten. Zudem, wie Fabian Scherer betont: «Die Pilotkunden von SBB Green Class E-Bike sind Mobilitätspioniere, die etwas Neues ausprobieren und die Mobilität der Zukunft mit uns gestalten möchten.» Interessenten können sich unter www.sbb.ch/greenclass bewerben.


75 JAHRE | MM27, 3.7.2017 | 93

Höhepunkte der Achtzigerjahre 1980

Texte: Michael West, Yvette Hettinger

Bild: Josef Zimmermann/Keystone

Am 22. September beginnt der erste Golfkrieg.

Queen Elizabeth II. besucht am 1. Mai 1980 die Grün 80 in Münchenstein BL. Vom Besuch zeugt noch heute eine Blutbuche, die Ihre Majestät höchstpersönlich pflanzte. Auch die Gartenlandschaft der Grün 80 besteht bis heute: Die Migros hat das Naherholungsgebiet als «Park im Grünen» erhalten.

Die Migros lädt 400 000 Menschen an die Messe Grün 80 in Mün­ chenstein BL ein. 1981

Die Migros schliesst den ersten Landes­ gesamtarbeits­ vertrag ab. 1983

Der «Stern» publiziert die gefälschten Hitler­ Tagebücher.

IBM stellt den ersten Personal Computer vor.

Hotelplan setzt Videotex zur Kun­ denberatung ein.

Das Hochhaus des MGB am Zürcher Limmatplatz wird eingeweiht.

1984

1982

Beginn des Falk­ landkriegs

Ostblockstaaten boykottieren die Olympischen Spie­ le in Los Angeles – als Revanche für den Boykott 1980 in Moskau.

Die Klubschule Migros bietet erste Informatikkurse an.

Montana: 14 Me­ daillen gehen an Schweizer.

1985

Bernhard Lugin­ bühl gestaltet die ersten Kunst­ tragtaschen der Migros.

Live­Aid­Konzerte in London und Philadelphia Die Migros ver­ kauft erstmals Per­ sonal­Computer. 1986

Katastrophe in Tschernobyl Die Migros St. Gallen eröffnet den Säntispark. 1987

Ski­Weltmeister­ schaft in Crans­

1988

Erster Golfkrieg en­ det am 20.August. Das Migros­ Kulturprozent ver­ anstaltet zum ers­ ten Mal das Tanz­ festival «Steps». 1989

Am 9. November fällt die Berliner Mauer.

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94 | MM27, 3.7.2017 | 75 JAHRE

Die Neunziger

Das europäische Jahrzehnt

Es weht der Wind des Wandels: Deutschland wird wiedervereint, die EU entsteht. Internet und Mobiltelefonie revolutionieren Arbeitswelt und Freizeit. In der Schweiz fusionieren Sandoz und Ciba-Geigy zum Pharmariesen Novartis – und das Stimmvolk stellt mit dem Nein zum Europäischen Wirtschaftsraum die Weichen für die bilateralen Verträge.

EWR-Abstimmung

Unsere besondere Beziehung zu Europa Landsgemeinden abgeschafft wurden, kam es am 1. August 1991 zur berühmten Rede des damaligen Nationalratspräsidenten Ulrich Bremi, der als Wirtschaftsfreisinniger rhetorisch fragte: «Wohin brechen wir auf? Die Antwort kann nur lauten: Europa.» Im Vorfeld der Abstimmung startete der Brückenbauer eine EWR-Serie und beschäftigte sich mit dem Thema. Zum Auftakt titelte er am 5. August 1992 «Aktenzeichen EWR – bald gelöst?» und schrieb: «Wenn die Schweiz dem Europäischen Wirtschaftsraum fernbleibt, werden noch mehr Investitionen ins Ausland verlagert. Dann ginge es wirklich um Arbeitsplätze – und ‹as Läbige›.» Die Auslagerung der Arbeitsplätze war auch am 12. August 1992 unter dem Titel «Der EWR zwischen Risiko und Chance» ein Thema. In der Serie gab es Kurzbeiträge mit dem Titel «De Seppli wotts wüsse», was sich heute reichlich archaisch anhört. Und am 2. September 1992 wurde der damalige Bundesrat Jean-Pascal Delamuraz zitiert:

«Ein Nein wäre das schlimmste Eigentor der Schweizer Geschichte.» Die Tatsache, dass die Schweizer Regierung unmittelbar vor der Abstimmung ein Beitrittsgesuch deponierte, habe zum knappen EWR-Nein mit 50,3 Prozent beigetragen. Nach dem Resultat, so Hermann, formulierten die meisten Parteien den EU-Beitritt weiterhin als Ziel. Einen Tag nach dem Nein versammelte sich eine Gruppe Jugendlicher, die sich mit dem Ergebnis nicht abfinden wollte. Sie gründete die Vereinigung «Geboren am 7. Dezember 1992». Klare Ablehnung des EU-Beitritts

Hermann hat sich in seinem Buch «Was die Schweiz zusammenhält» eingehend mit den Folgen des Ergebnisses befasst und sagt: «Die EWR-Abstimmung war entscheidend für eine komplette Umpflügung der Parteienlandschaft und den Aufstieg der SVP.» Der Politologe betont aber auch, dass die Stimmbürger eine Abstimmung über einen EUBeitritt damals schon klar abgelehnt hätten.

Texte: Reto E. Wild

F

ür Michael Hermann (45), Geschäftsführer der Forschungsstelle Sotomo in Zürich, ist klar: «Die Vorlage zum Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) zählt historisch zu den folgenreichsten Abstimmungen in der Schweiz. Bei einem EWRJa wäre die Masseneinwanderungsinitiative viele Jahre später gar nicht realisiert worden.» Als EWR-Mitglied hätte sich die Schweiz an Kontingente zur Einwanderung halten müssen, begründet der Politgeograf. Der Historiker Jakob Tanner (66) urteilt ähnlich: «Die EWR-Abstimmung war eine wichtige innenpolitische Weichenstellung im Verhältnis Schweiz–Europa.» Danach sei in der Schweiz der Bilateralismus erfunden worden. Hermann bezeichnet die 90er-Jahre nach der bleiernen Schwere des Kalten Kriegs als Jahrzehnt des Aufbruchs mit Politikern wie Bill Clinton, Tony Blair und Gerhard Schröder, «die den dritten Weg verkörperten». Und in dem Jahrzehnt, als in der Schweiz gleich drei

Bilder: Lukas Lehmann/Keystone, PD(2), MGB-Bildarchiv

Die EWR-Vorlage vom 6. Dezember 1992 zählt zu den wichtigsten Abstimmungen der Schweiz in der Nachkriegszeit. Das Volks-Nein markierte den Beginn des Bilateralismus.


75 JAHRE | MM27, 3.7.2017 | 95

Ein Ja zum EWR

Im August 1992 startete der Brückenbauer eine Artikelserie zum Europäischen Wirtschaftsraum und beleuchtete verschiedene Aspekte, was sich mit einem Ja zum EWR für die Schweiz geändert hätte. Brückenbauer vom 5.8.1992

Rund 6000 Menschen demonstrieren am 19. Dezember 1992 vor dem Bundeshaus nach dem Nein zum EWR-Beitritt.

«Es gehört zur Selbstmystifizierung von Christoph Blocher und seiner SVP zu behaupten, sie hätten den EU-Beitritt verhindert.» Einen entscheidenden Einfluss hatte Blocher jedoch beim EWR-Nein. Wäre die Schweiz EWR-Mitglied geworden, hätte das Stimmvolk bei einer allfälligen späteren Abstimmung einen Austritt kaum angenommen, glaubt Hermann. Er geht allerdings davon aus, dass eine EU-Abstimmung heute nur gut 20 Prozent Befürworter hätte. «Nicht einmal im EWR-Mitgliedsland Norwegen gab es eine Mehrheit.» Wie sich die Gemütslage veränderte, zeigte bereits die Volksinitiative «Ja zu Europa», über die am 4. März 2001 befunden wurde und die sofortige Beitrittsverhandlungen der Schweiz mit der EU forderte: Sie kam auf 23 Prozent Ja-Stimmen, ein Debakel für die Neue Europäische Bewegung Schweiz (Nebs), die ein Ja gesucht hatte. «Das Nein zur Initiative hat die EU-Debatte endgültig beendet und den Röstigraben zugeschüttet, weil sämtliche Kantone dagegen waren», schliesst Hermann. MM

Schweizer Europapolitik

Generation EWR «Die EWR-Abstimmung von 1992 hat mich politisiert. Ich war damals im ersten KV-Lehrjahr. Ein linker Lehrer wollte uns den Beitritt schmackhaft machen. Obwohl ich mich nicht für Politik interessiert hatte und nicht abstimmen konnte, überzeugten mich die Argumente der Gegner: Wir hätten einen Teil unserer Mitbestimmungsrechte und unsere Unabhängigkeit verloren. Hätte das Volk nicht Nein gesagt, wären wir heute sicher in der EU. Darum bin ich Christoph Blocher für seinen enormen Einsatz noch heute dankbar. Leider ist die Diskussion wieder aktuell, weil der Bundesrat die Schweiz enger an die EU binden will. Das Volk wird das Land wie 1992 an der Urne verteidigen müssen.»

«An den 6. Dezember 1992 erinnere ich mich genau: Ich spielte ein Adventskonzert mit dem Orchesterverein Burgdorf. Als sich abzeichnete, dass der Beitritt abgelehnt würde, war die Stimmung gedrückt. Viele in unserem Orchester waren politisch engagiert. Ich war noch nicht stimmberechtigt, jedoch klar für den Beitritt. Oft wird ausgeblendet, was danach passiert ist: höhere Arbeitslosigkeit, Lehrstellenmangel, zunehmende Verschuldung. Zum Glück haben Reformen, Liberalisierungen und die aussenpolitische Öffnung die Schweiz auf den Erfolgspfad zurückgebracht. Politisiert wurde ich 1991 in einem europäischen Jugendlager im Engadin. Das hat mich motiviert, mich zu engagieren, in einem freien Europa.»

Natalie Rickli (40), SVP-Nationalrätin

Christa Markwalder (41), FDP-Nationalrätin, 2006 – 2014 Präsidentin der Nebs


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Paola Ghillani (53), Präsidentin der Paola Ghillani & Friends AG. Sie leitete sechs Jahre lang die MaxHavelaar-Stiftung.

Alexandre Capus (55) ist Schriftsteller, französisch-schweizerischer Doppelbürger und überzeugter Europäer.

Landesring der Unabhängigen

Das Ende einer Ära

A

n einem kalten Dezembertag 1999 ging im Restaurant Schützen in Aarau eine Epoche zu Ende. Nach der Schlappe bei den Parlamentswahlen beschlossen die Delegierten des Landesrings der Unabhängigen (LdU) die Auflösung. 63 Jahre hatte die Partei von Migros-Gründer Gottlieb Duttweiler Bestand gehabt. 1967 hatte der LdU 9,1 Prozent der Stimmen geholt. Danach war es mit der grössten Nicht-Bundesratspartei langsam, aber kontinuierlich bergab gegangen. Eine der letzten Vertreterinnen des LdU von nationaler Bedeutung war die Zürcherin Monika Weber, die 1987 den Sprung in den Ständerat schaffte und 1991 und 1995 wiedergewählt wurde. «Die Zeiten hatten sich geändert, neue Parteien drängten in die Politik», sagt die heute 74-Jährige über das Ende des Landesrings. Fehlt der Landesring in der heutigen Parteienlandschaft der Schweiz? «Die Parteien einer Zeit repräsentieren die dominierenden Meinungen und Einstellungen dieser Zeit. Was aber sicher ist: Heute ist mir keine Partei bekannt, die für das ‹soziale

Höhepunkte der Neunzigerjahre

«1992 war ich bei der Depeschenagentur und hatte am Abstimmungswochenende Dienst, auch mit welschen Kollegen. Das war ein rabenschwarzer Tag für uns – wir alle hätten das Resultat so nicht erwartet. Ich bin in einem politischen Haushalt aufgewachsen und finde es selbstverständlich, dass man sich interessiert. Natürlich habe ich für den Beitritt gestimmt. Ich bin überzeugt, dass uns der Isolationismus schadet und würde wieder für eine enge Zusammenarbeit mit der EU stimmen. Die Folgen der Abstimmung sind bis heute zu spüren: Die Schweizer Politik ist ängstlicher geworden. Früher getrauten sich die Politiker konkrete Aussagen zu Europa zu machen. Heute nimmt ja niemand mehr das Wort Europa in den Mund.»

Kapital› eintritt, also dass Unternehmen, denen es gut geht, etwas für die Allgemeinheit tun sollten. Das ist schade.» Der Erfolg des Landesrings gründete zu einem guten Teil auf starken Persönlichkeiten wie Monika Weber, aber auch Lokalpolitikern wie den langjährigen Zürcher Regierungsräten Sigmund Widmer und Alfred Gilgen. Kraft ihrer Prominenz blieben die zunehmenden Richtungskämpfe zwischen dem rechten und sozialliberalen Flügel ebenso unter dem Deckel wie der Umstand, dass der Landesring stets eine Deutschschweizer Erscheinung geblieben war. Bis es nicht mehr ging. MM

Lange Gesichter am AuflösungsParteitag des LdU am 4. Dezember 1999

1990

Am 3. Oktober findet die deutsche Wiedervereinigung statt. Am 27. Mai stirbt Adele Duttweiler im Alter von 97 Jahren. 1991

Ende der Sowjetunion und des Kalten Kriegs

Texte: Reto E. Wild, Kian Ramezani, Yvette Hettinger, Michael West Bilder: Korcak Vit/CTK/Keystone, Walter Bieri/Keystone, Aurélien Bergot, René Ruis/Keystone, MGB-Archiv

«Ich bin ursprünglich Italienerin und wurde zur Zeit der SchwarzenbachInitiative in Bulle FR eingebürgert. Im Vorfeld der EWR-Abstimmung spürte man die Angst der Schweizer Bevölkerung, die direkte Demokratie zu verlieren. Nicht ganz zu Unrecht, denn die EU hat bewiesen, dass sie nicht auf die Bevölkerung hört und weit weg von deren Sorgen ist. Ich fand das Abstimmungsergebnis gut, weil es uns gezwungen hat, kreativ zu sein und uns nicht allein auf dem europäischen Markt abzustützen. Das EWR-Nein hat den bilateralen Weg und den Handel mit Ländern ausserhalb Europas gefördert. Heute sehen wir, dass wir mit dem Nein Recht hatten. Föderalismus und eine direkte Demokratie wären wichtige Faktoren für die EU.»

Die Migros feiert den 700. Geburtstag der Schweiz und lädt 700 Schulklassen an die nationale Forschungsausstellung Heureka in Zürich ein. 1992

Das Nokia 1011, das erste GSM-Mobiltelefon, wird im November in den Markt eingeführt. Der Preis ohne Mobilfunkvertrag liegt bei über 2500 Franken. Für ihre humorvollen TV-Spots bekommt die Migros in den USA als erstes ausländisches Unternehmen den Werbe-Oscar «Clio Award». 1993

Am 1. November tritt der Maastricht-Vertrag in Kraft, die EU ist geboren. Im französischen Thoiry eröffnet die Migros das erste Einkaufszentrum im grenznahen Ausland. 1994

Das Onlinezeitalter für die breite Masse beginnt: Als erster Browser ermöglicht der Netscape Navigator das Surfen im

Internet für den Normalverbraucher. Die Migros-Werbespots mit Hund Max starten. 1995

Der israelische Ministerpräsident Jitzchak Rabin stirbt bei einem Attentat. In Holzhäusern ZG wird der erste MigrosGolfplatz eingeweiht. 1996

Die Basler Pharmakonzerne Ciba-Geigy und Sandoz fusionieren zur Novartis. Die Migros führt die Produktelinie M-Budget ein. 1997

Martina Hingis gewinnt als erste Schweizerin und jüngste Tennisspielerin seit 110 Jahren einen Grand Slam. Das CumulusProgramm wird eingeführt. 1998

Absturz einer Swissair-Maschine über Halifax (Kanada) Die Migros ermöglicht in einzelnen Regionen Online-Shopping. 1999

Ruth Dreifuss (SP) ist die erste Frau, die Bundespräsidentin wurde. Mit der M-Infoline führt die Migros eine zentrale Auskunftsstelle für alle Kundenanliegen ein.


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Historischer Schnitt: Am 17.12. 1989 öffnen der österreichische Minister Mock (l.) und sein tschechoslowa­ kisches Gegenüber Dienstbier den Eisernen Vorhang.

Klartext von Elisabeth Kopp Umbruch und neue Krisen

Der Kalte Krieg ist aus Schon im Frühling 1989 wurde der Eiserne Vorhang löchriger. Der Zerfall des gesamten Ostblocks und der Fall der Berliner Mauer brachten in den 90er-Jahren dramatische geopolitische Veränderungen. Die Schweiz kämpfte derweil mit ganz anderen Problemen, über die auch der Brückenbauer berichtete.

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ngarn war innerhalb des Ostblocks immer ein bisschen freier als die Nachbarländer. Ende November 1988 strich der amtierende Minis­ terpräsident Miklos Nemeth, «bald einer der radikalsten Reformer», wie die «NZZ» urteilt, im Staatshaushalt für 1989 den Betrag zur Wartung der Grenzhindernisse. Drei Monate später teilte er dem sowjetrussischen Partei­ chef Gorbatschow formell mit, Ungarn werde die Grenzhindernisse abbrechen. Und der vom Westen verehrte «Gorbi» hatte über­ raschenderweise nichts einzuwenden. Übers West­Fernsehen bekamen auch die DDR­Bürger die Ereignisse mit, worauf ein Flüchtlingsstrom Richtung Ungarn einsetzte, bis das Land am 22. August die Grenze öff­ nete. Unmittelbar vor dem Fall der Berliner Mauer, bis Anfang November 1989, reisten laut «NZZ» rund 50 000 DDR­Bürger über Ungarn aus. «Den Ungarn», analysiert der damalige «NZZ»­Korrespondent Andreas Oplatka, «blieb die Genugtuung, auch als kleines Land einen bedeutenden Beitrag zur deutschen Wiedervereinigung und zum Umbruch von 1989 geleistet zu haben.» Für den Historiker Jakob Tanner (66) wa­ ren die markantesten Ereignisse der Wende­ jahre 1989 bis 1992 der Rücktritt von Bundes­ rätin Elisabeth Kopp und das Zusammen­

treffen von Fichenaffäre, Mauerfall in Berlin und zwei Wochen später die GSoA­Abstim­ mung. «Niemand rechnete damit, dass 35,6 Prozent für die Abschaffung der Armee sind, darunter die Mehrheit der Rekruten und die Kantone Genf und Jura. Das war eine veritable innenpolitische Erschütterung.» Die Schweiz und der Jugoslawienkrieg

1992 bezeichnet Tanner als das «aussenpoliti­ sche Entscheidungsjahr, in dem wider Erwar­ ten die Vorlage zur EWR­Mitgliedschaft, wenn auch knapp, abgelehnt wurde.» Die Schweiz hatte viel Mühe, sich auf die neue inter­ nationale Lage nach dem Ende des Kalten Kriegs einzustellen. «1996 rasselte die Schweiz in eine aussenpolitische Krise, weil weder Finanzplatz noch Regierung ein Sensorium dafür hatten, wie sich die Debatte um Gerechtigkeit in der Vergangenheit international zugespitzt hatte.» Aussenpolitisch überschlugen sich die Ereignisse: Am 11. März 1990 erklärt sich Litauen für unabhängig, im Mai folgen Lett­ land und Estland. Der gesamte Ostblock beginnt zu zerfallen. Im August löst die Besetzung Kuwaits durch den Irak den ersten Irakkrieg aus. Eine «massive Auswirkung auf die Schweiz» hatten jedoch laut Tanner die Jugoslawienkriege, die kurz nach dem

Nach ihrem Rücktritt interviewte der Brückenbauer Elisabeth Kopp, die erste Frau im Bundesrat. Die Aussage der damaligen Justizministerin ist aktueller denn je: «Man muss sich von der Illusion lösen, dass es für die Asylantenfrage ein Patentrezept gibt.» Brückenbauer vom 4.4.1990

25. Juni 1991 anfingen, nachdem Kroatien und Slowenien ihre Unabhängigkeit erklärt hatten. In der Schweiz sei schon seit den 80er­Jahren das Feindbild der Fremdarbeiter durch das der Asylanten abgelöst worden, und «die Flüchtlinge aus dem ehemaligen Jugo­ slawien wurden für Angstpropaganda miss­ braucht.» Für Tanner hatte aber auch Europa eine Chance verpasst, weil es nicht gelungen war, im Balkan friedensstiftend einzugreifen. Vor diesen Ereignissen beschäftigten sich die Schweizer Medien mit dem vorzeitigen Rücktritt von Elisabeth Kopp, der ersten Bundesrätin. Im Interview mit dem Brü­ ckenbauer vom 4. April 1990 sagte Kopp rückblickend: «Zu Beginn meiner Amtszeit hatte man den Eindruck, ich würde mich vorwiegend mit Asylanten­ und Ausländer­ fragen beschäftigen. In meinen ersten zwei Amtsjahren war dem auch so.» Für Kopp war die Schaffung einer Stelle eines Delegierten für das Flüchtlingswesen die Lösung. «Mit Peter Arbenz fanden wir eine Persönlichkeit, die bereits über einen grossen Erfahrungsschatz verfügte.» Mit ihm wurde eine Abteilung mit 200 Mitarbeitern aufgebaut. «Ohne die Schaffung dieses Amts wäre es nicht denkbar gewesen, in den letzten Jahren dem Flüchtlingsansturm noch einiger­ massen erfolgreich gegenüberzutreten.» MM


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Die Nuller

Das Jahrzehnt der Katastrophen

Terror, Hitze, Tsunami, Finanzkollaps: In den 00er-Jahren brauchte man ein dickes Fell. Kaum war

eine Krise vorbei, folgte schon die nächste. Das Swissair-Grounding erschütterte die Schweiz – 9/11 und die Finanzkrise schockierten die ganze Welt. Einiges wirkt bis heute nach: Die Wirtschaft erholt sich nur langsam, der Terror ist auch in Europa Alltag, und das Fliegen ist mühsam geworden.

New York (2001) 2 Tsunami in

Südostasien (2004) 3 Finanzkrise (2008) 4 Amoklauf im

Zuger Parlaments­ gebäude (2001) 5 Das Grounding

der Swissair (2001)

Text: Ralf Kaminski

1 Terroranschlag in

Bilder: Keystone (5), Patrick Aventurier/Getty Images, MGB-Archiv

Das schreckliche Jahr 2001

Dafür kam es im Rest des Jahrzehnts knüppeldick. Im Frühling 2000 platzte die Internetblase, die Börsen stürzten ab. Im November 2000 schafften die USA es nicht, auf Anhieb einen neuen Präsidenten zu wählen – nach wochenlangen Nachzählungen in Florida entschied das Oberste Gericht knapp für George W. Bush. 2001 folgten die Terroranschläge auf das World Trade Center in New York, im gleichen Jahr begannen die USA in Afghanistan einen Krieg gegen die Taliban, der noch heute nicht wirklich beendet ist. Die Schweiz erlebte 2001 das Grounding der Swissair, einen Amoklauf im Zuger Kantons­ parlament sowie ein Flammen­ inferno im Gotthardtunnel mit elf Toten. 2003 starteten die USA unter Behauptung falscher

Tatsachen den Irakkrieg (ebenfalls noch nicht wirklich beendet), derweil Europa unter einer monatelangen Hitzewelle litt, die Zehntausende Tote forderte. Erstmals rückte der Klimawandel ins Bewusstsein der breiten Bevölkerung.

Ausgabe Aare, AZA 3321 Schönbühl-Shoppyland. Psdg DP AG Ent. bez. A 44631

WOCHENZEITUNG DER

BRÜCKENBAUER NR. 38, 18. SEPTEMBER 2001

www.brueckenbauer.ch

Viele neue Ängste entstehen

Im März 2004 wurde Madrid Opfer von islamistischen Terroranschlägen, die Welt fürchtete sich vor der Vogelgrippe in Asien, und an Weihnachten starben rund 300 000 Menschen am Indischen Ozean wegen eines Tsunamis, darunter viele Touristen aus Europa. 2005 verwüstete der Wirbelsturm «Katrina» grosse Teile von New Orleans und schädigte die Ölindustrie im Golf von Mexiko so stark, dass die Rohstoffpreise stiegen. 2007 begann der Immobilienmarkt in den USA zu kriseln, was 2008 zur schlimmsten Finanzkrise seit dem Zweiten Weltkrieg führte, die nach und nach die ganze Welt erfasste. Die grösste Schweizer Bank, UBS, überstand sie nur dank eines staatlichen Rettungspakets. Parallel dazu geriet die UBS in den USA unter Druck, weil sie US-Bürgern jahrzehntelang geholfen hatte, Steuern zu hinterziehen – es war der Anfang vom Ende des Schweizer Bankgeheimnisses. 2009 begann wegen Griechenland die Eurokrise, und die Angst vor einer Schweinegrippe-Pandemie ging um. Die Nachwehen dieser Krisendekade spüren wir noch heute:

Trauer Nach den Terroranschlägen in den USA. Seite 2 bis 9

Bild Key-online

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ückblickend muss man es vielleicht als böses Omen sehen, dass es schon vor dem Start in die neue Dekade grosse Ängste vor den Nuller-Jahren gab. «Sekten im Weltuntergangsfieber» titelte der «Spiegel» am 28. 12. 1999 und berichtete von Untergangspropheten, die für den Übergang ins neue Jahrtausend mit der in der Bibel verheissenen Apokalypse rechneten. Ganz so schlimm kam es dann doch nicht. Auch die verbreitete Befürchtung, Computernetzwerke kämen mit dem Sprung von 1999 auf 2000 nicht klar, erwies sich als unnötig.

Adressänderungen am Postschalter melden oder dem regionalen Mitglieder-Register: p 031 - 858 84 01

Trauer nach dem Terror

Für einmal schaffte es die Weltgeschichte auch auf die Titelseite des Brückenbauers. Die Terroranschläge vom 11. September 2001 auf die Twin Towers in New York schockierte auch die Menschen in der Schweiz. Brückenbauer vom 18.9.2001

Die Wirtschaft ist weiterhin angeschlagen, insbesondere die Arbeitslosigkeit bleibt in einigen Ländern Südeuropas erschreckend hoch. Der Islam hat den Kommunismus als neues Feindbild ersetzt, Populisten fordern Grenzen und Mauern. Die Menschen der westlichen Welt befürchten zunehmend, dass es ihren Kindern einst schlechter gehen könnte als ihnen. Und das Fliegen ist wegen der vielen neuen Security-Regeln noch mühsamer geworden. MM


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75 JAHRE | MM27, 3.7.2017 | 101

«Es hat mich nicht überrascht» «Letztlich war das Grounding die Folge eines Kontrollverlusts, eine unnötige Überreaktion. Aber überrascht hat es mich nicht. Für die Angestellten je­ doch war es ein riesiger Schock, entsprechend erlebten wir für den Start der Swiss viel Wider­ stand von allen Seiten, oft sogar Hass und Wut. Dabei waren ja wirklich nicht wir für das Grounding verantwortlich, sondern die damalige Swissair­ Führung um Mario Corti, die die Übersicht verloren hatte. Es gibt Dokumente, die zeigen, dass noch genügend Geld und Werte da gewesen wären, um den Flug­ betrieb aufrechtzuerhalten. Und im Ausland haben die meisten gar nicht mitbekommen, dass irgendwas anders ist – dort steht das Schweizer Kreuz auf der Heckflosse noch immer für Qua­ lität und Erfolg. Ich denke auch, dass die Swiss heute in einem schwierigen Markt sehr gut auf­ gestellt ist.»

André Dosé (60), Swiss-CEO von 2002 bis 2004

«Es war eine Schande»

Moritz Leuenberger (70), Bundesrat von 1995 bis 2010, damals

Bundespräsident

«Vor dem Grounding wurde über ein mögliches Ende der Swissair oft und intensiv gesprochen. Die Vertreter der Bank wünschten sich den Kon­ kurs sogar – sie schwärmten vom Phoenix, der dann aus der Asche steigen würde. War­ nungen vor den politischen und moralischen Folgen fanden kein Verständnis. Mit einem ungeordneten Groun­ ding allerdings rechneten auch wir nicht. Es war eine Schande. Wir alle im Bundesrat waren empört und haben unserem Ärger auch öffentlich Luft gemacht. Dass es so weit kom­ men konnte, lag in erster Linie

an der damaligen Hunter­ Strategie der Swissair, bei der sie sich hoffnungslos verschul­ dete. In den letzten Stunden spielte zudem die UBS eine trübe Rolle. Mit dem Ende der Swissair ging vieles verloren. Heute gehört die Swiss der Lufthansa und richtet sich ausschliesslich nach dem Markt. Der nationale Zusammenhalt spielt kaum noch eine Rolle. So erlahmt auch die Solidarität der Kun­ den: Sie wählen ihre Fluggesell­ schaft ebenfalls nach finanziel­ len Kriterien. Die ökonomische Schraube dreht die Entfrem­ dung weiter voran.»

ounding

e d n E s Da s o h t y eines M

-Gr Swissair

– am Boden ir a s is w S der lugzeuge F e ll a egangen. n g e s b u e a li . b ld 1 e nern sich r das G ber 200 a in o r t w e k z iz O n . e 2 a w h h Am Tsc der Sc d Beatrice n nalstolz u io é t s a o N D dré dem erger, An b n e u e L z Morit

Text: Ralf Kaminski

Bilder: zVg

«Es tut auch rückblickend noch weh» «Schon bei meinem nicht ganz freiwilligen Austritt aus der Firma wusste man, dass es Probleme gibt, aber das Grounding kam für mich über­ raschend. Ich war zu Hause, schaltete sofort das Fernseh­ gerät an – unvergesslich ist mir die Szene mit all den Swissair­Flugzeugen nebeneinander am Boden.

Das alles hat mich sehr ge­ troffen, und es tut auch rück­ blickend noch weh. Ich finde es bis heute unfair, dass man die Schuld einfach dem ehemaligen CEO Philippe Bruggisser in die Schuhe ge­ schoben hat – Verwaltungsrat, Politik und Banken haben genauso versagt. Was die emo­ tionale Bindung betrifft, kann

Swiss die Swissair nicht er­ setzen. Aber ich denke, die Zeit, in der man eine derart tiefe Beziehung zu einer Flug­ gesellschaft hatte, ist ohnehin vorbei. Wir können dankbar sein, dass uns die Swiss immer noch ein Tor zur Welt bietet. Ich habe heute noch Kontakt zu Ehemaligen; das sind im­ mer fröhliche Abende.» MM

Beatrice Tschanz (72),

Swissair-Mediensprecherin von 1997 bis Frühling 2001


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2005: Rauchverbote im ÖV bilden in der Schweiz den Startschuss zu freierem Atmen.


75 JAHRE | MM27, 3.7.2017 | 103

Vom Brückenbauer zum Migros-Magazin

«Das Geheimnis ist der Mix»

Am 18. Mai 2004 erschien der letzte Brückenbauer – eine Woche später kam das neue Migros-Magazin erstmals in die Briefkästen. Monica Glisenti, die publizistische Leiterin des MM, blickt zurück.

Gab es keinen Widerstand? Immerhin stammte der Titel Brückenbauer von Gottlieb Duttweiler. Der Name symbolisierte die Brücke zwischen den Produzenten und Konsumenten. Ein einziger älterer Mann drohte, die Revolution würde ausbre­ chen. Alle anderen konnten die Argumentation nachvollziehen, und die Leser hatten auch kein Problem mit der Umstellung.

Die Nummer eins

Ausgabe Aare, AZA 3321 Schönbühl-Shoppyland. Psdg DP AG Ent. bez. A 44631.

Texte: Hans Schneeberger, Ralf Kaminski, Yvette Hettinger, Michael West

Bilder: Keystone (5), zVg, MGB­Archiv

Monica Glisenti, Leiterin Unternehmens­ kommunikation Migros­Genos­ senschafts­Bund

Monica Glisenti, wieso hat man den Wechsel vom Brückenbauer zum Migros-Magazin gemacht? Als ich vor 16 Jahren vom Jour­ nalismus in die Unternehmens­ kommunikation der Migros wechselte, wunderte ich mich, dass die Migros im Brücken­ bauer kaum thematisiert wurde. Dabei war das Magazin der wichtigste Kommunikations­ kanal für das Unternehmen und die Migros schon damals die bekannteste, vertrauenswür­ digste und beliebteste Marke der Schweiz. Wir entwickelten ein neues inhaltliches und optisches Konzept und entschieden, dass die Zeitung von dieser starken Marke profitieren soll und umgekehrt die Genossenschaft von der Zeitung. Zudem wussten die jüngeren Menschen gar nicht mehr, weshalb der Brückenbauer so hiess.

vormals WIR BRÜCKENBAUER www.migrosmagazin.ch Nr. 22, 25. MAI 2004

MIT S LU CUMU O INF 124 Seite

Grosse Familie, grosses Glück EXTRA: NATÜRLICH BIO. AB SEITE 57. FUSSBALL: OTTMAR HITZFELD ÜBER SEINE ZUKUNFT.

Von der Zeitung zum moder­ nen Magazin: Am 25. Mai 2004 startete das neue Migros­ Magazin mit vielen Menschen­ geschichten und Informa­ tionen über die Migros.

Adressänderungen am Postschalter melden oder dem regionalen Mitgliederdienst: Tel. 031 858 84 01

Migros­Magazin vom 25.5.2004

Bei einer derart grossen und heterogenen Zielgruppe war es bestimmt nicht einfach, ein Konzept zu definieren. Ich erinnerte mich, dass ich als Kind stets fasziniert zuhörte, wenn die unterschiedlichsten Generationen um den Tisch sassen und über Schicksale, über Freud und Leid der Menschen sprachen. Deshalb heisst das Konzept auf einen Nenner gebracht: Das MigrosMenschen-Magazin. Das Menschenkonzept hat bei der Leserschaft sofort eingeschlagen? Ja. Das Geheimnis ist der Mix zwischen diesen spannen­ den, emotionalen Menschen­ geschichten, den Informatio­ nen über die Migros und den kompetenten Ratschlägen für den Alltag. Das Migros-Magazin ist eine Erfolgsgeschichte. Während rundum Zeitungen massiv an Leser verlieren. Was macht die Zeitung gut oder gar besser als andere? Es hat eine sehr treue Leser­ schaft, die das solide jour­ nalistische Handwerk und die Seriosität der einzelnen Artikel schätzt. Die Beiträge sind nicht reisserisch, und die porträ­ tierten Menschen müssen nicht prominent sein. Dadurch ent­ steht viel mehr Nähe, Emotio­ nalität und Identifikation. Gibt es die Zeitung in fünf bis zehn Jahren noch, angesichts der Krise, in der die Zeitungsbranche steckt? In fünf Jahren vermutlich schon noch. Ich könnte mir aber vor­ stellen, dass in zehn Jahren nur noch digital gelesen wird. MM

Höhepunkte der 2000er-Jahre 2000

Am 1. Januar tritt die neue Bundes­ verfassung der Schweiz in Kraft. Der Schweizerische Bund der Migros­ Genossenschafte­ rinnen heisst neu Forum elle. 2001

Am 11. September verüben Terroristen mit gekaperten Flug­ zeugen Anschläge auf die Twin Towers in New York und das Pentagon. Erstmals erzielt die Migros einen Um­ satz von über 20 Mil­ liarden Franken. 2002

schen Kanzlerin gewählt. Neu bietet die Migros die Premium­ Linie Sélection an. 2006 Der irakische Diktator Saddam Hussein wird gefangen genommen und hingerichtet.

Hotelplan über­ nimmt Travelhouse und wird so zur Nummer eins im Schweizer Reise­ markt. 2007

Der Südkoreaner Ban Ki­moon wird Uno­General­ sekretär.

Am 1. Januar wird der Euro als Bargeld eingeführt.

Die Migros über­ nimmt die Mehrheit an Denner.

Die Migros bereichert die «Expo 02» mit der Bahn «Strangers in Paradise», die von 850 000 Besuchern ausprobiert wird.

2008

2003

In Bern eröffnet das Einkaufs­ und Freizeitcenter West­ side, das der welt­ berühmte Architekt Daniel Libeskind entworfen hat.

Roger Federer gewinnt erstmals in Wimbledon. Die Kinderfiguren Lilibiggs geben ihr Debüt. 2004

26. Dezember: Tsunami in Indone­ sien und Thailand Aus dem Brücken­ bauer wird das Migros­Magazin. 2005

Angela Merkel wird zur ersten Deut­

Barack Obama wird als erster Afroamerikaner ins Weisse Haus gewählt.

2009

Das Wunder vom Hudson: Flugzeug­ notlandung im New Yorker Fluss Der internationale Detailhandels­ kongress kürt die Migros in Barcelona zur nachhaltigsten Detailhändlerin der Welt.


Besuch bei den PepperRobotern

104 | MM27, 3.7.2017 | 75 JAHRE

www.migmag.ch/ roboter

Die Zehner

Die Welt wird digital

Die Konjunktur zieht langsam wieder an. Doch populistische Strömungen bringen die Politik unter Druck, die Angst vor Terror wächst – und auch auf dem Arbeitsmarkt stehen die Zeichen auf Umbruch: Die Digitalisierung krempelt die Berufsbilder radikal um.

Der Pepper verschenkt Rosen und soll die Besucherin bald auch durch das Einkaufszentrum führen können.

Roboter im Alltag

(M)ein neuer Freund Science Fiction, die «Fiktion der Wissenschaft» in Hollywoodfilmen, wird immer mehr Realität. Längst gibt es Roboter, die mit den Menschen in Kontakt treten und für sie Aufgaben übernehmen. Wie funktioniert das? Bei einem Besuch im Einkaufszentrum Glatt in Wallisellen ZH können Kunden das herausfinden.

R

eglos, mit hängendem Kopf warten die sechs Kinder auf ihr Mami. Erst durch Knopfdruck kann dieses ihren Schützlingen Leben ein­ hauchen: Die sechs heissen Pepper und sind Roboter – aus weissem Kunststoff, mit grossen Kulleraugen und freundlichem Gesichtsausdruck. Die Augen beginnen zu leuchten, und die hüfthohen Kerle recken und strecken sich – wie auch wir das nach dem Aufwachen tun. Nach wenigen Augen­ blicken sind sie bereit, um sich den Kunden im Einkaufszentrum Glatt zu präsentieren. Im neu errichteten Tech Lab können die Besucher die Peppers kennenlernen und so mehr über das Thema Robotik erfahren. Dieses löst zum Teil noch Skepsis aus: Aus Hollywoodfilmen kennen wir Welten, in denen Roboter die Menschheit bekämpfen.

Und auch im Arbeitsmarkt sind sie eine vermeintliche Bedrohung. Dann nämlich, wenn sie Arbeiten besser und schneller erledigen als Menschen. Tatsächlich sollen die Roboter aber kein Ersatz, sondern viel­ mehr Hilfe im Alltag sein. So werden etwa selbstfahrende Päckliroboter und Autos ge­ testet, Medizinroboter unterstützen bei Operationen und helfen, ältere Menschen vom Bett in den Rollstuhl zu heben. Technisch ist es bereits möglich, menschen­ ähnliche Roboter herzustellen: Diese können sprechen und sich an Gespräche erinnern, weil sie mit riesigen Datenservern verbunden sind. Sie können auch mittels sensibler Kame­ rasensoren Mimik und Gestik imitieren. Weil diese Art Roboter noch teuer ist, forschen die Entwickler nun nach preiswerteren Metho­ den, damit die Roboter alltagstauglich wer­

den. Die Forschungsrichtungen gehen weit auseinander. So ist ein Roboter, der in der Kantine Chicken Nuggets serviert, eher eine Spielerei. Ein Anzug hingegen, dank dem Querschnittgelähmte wieder laufen können, bedeutet neues Leben. Beides ist bereits heute möglich. Noch sind die Fähigkeiten der Roboter im Zentrum Glatt begrenzt. «Der Aufwand ist relativ hoch, weil diese Art Roboter noch nicht auf Deutsch programmiert wurde», erklärt Roboter­Mami Lisa­Marie Löffler, die im Glatt für Marketing und Kommunikation zuständig ist. Programmiert werden die Roboter von der Firma Avatarion, diese nutzt dazu die Programmiersprache Python. Soll der Roboter zum Beispiel tanzen, müs­ sen die Programmierer verschiedene Ele­ mente beachten: Zu welcher Musik soll das


75 JAHRE | MM27, 3.7.2017 | 105

Tech Lab

Roboter erleben Im Tech Lab des Einkaufszentrums Glatt in Wallisellen ZH können Besucher jeden Mittwoch (14 bis 16 Uhr) und Samstag (16 bis 19 Uhr) die sechs Pepper-Roboter kennenlernen und mit ihnen interagieren. Dabei werden sie unterstützt von einem Promotoren-Team, das zeigt, worauf die Besucher achten sollen, damit die Unterhaltung mit dem Roboter klappt. Seit Anfang Juli kommt jeden Freitag von 15.30 bis 17 Uhr ein neuer Roboter zu Besuch in den Glatt-Kinderhütedienst Müsliburg.

passieren? Was macht der linke Arm, wäh­ rend der rechte oben bleibt und der Roboter gleichzeitig nach links und rechts hin­ und herfährt? Alle Elemente müssen dann sepa­ rat programmiert und koordiniert werden.

Text: Dinah Leuenberger Bild: Holger Salach

High-five mit dem Roboter

Pünktlich zur Vorführstunde drücken Kinder ihre Nasen an die Glaswände des Tech Lab. Gespannt beobachten sie die sechs Peppers beim Aufwachen und warten darauf, zu ihnen zu dürfen. Nach einer kurzen Vorführung wird es ernst. Alle Roboter sind schnell um­ zingelt. «Braucht hier jemand eine Umar­ mung?», fragt ein Pepper. Ein Junge nähert sich zögerlich und wird sogleich mechanisch umarmt. Er ist verblüfft und muss schliesslich lachen. «So cool Mami, er hat mich umarmt!» Sogenannte soziale Roboter, die mit den Menschen in Kontakt stehen und diese unmittelbar unterstützen, wird es in Zukunft vermehrt geben. Noch ähneln aber viele Prototypen eher einem Terminator. Darum hat die École polytechnique fédérale in Lausanne (EPF) ein Labor gegründet, wo keine klobigen Roboter erforscht werden, sondern sanfte und weiche. Solche könnten auch als Prothesen verwendet werden oder als Kraftunterstützung helfen. Inzwischen läuft die Vorführstunde im Glattzentrum auf Hochtouren. Nun soll der programmierte Tanz vorgeführt werden – das Highlight. Auf die Frage: «Kannst du

sind unsere Roboter aber noch weit entfernt. Alles, was sie können, wurde von Menschen programmiert.» Das können auch witzige Sätze sein: «Ich mag meinen Elektrosaft ge­ schüttelt, nicht gerührt», sagt ein Pepper in Anspielung auf 007 und fordert als nächstes ein High­five von einer Besucherin. Laufend werden die Kenntnisse der Pep­ pers erweitert, damit sie bis zum Ende des Jahres zu mobilen Anzeigetafeln werden. Sie sollen den Kunden Fragen beantworten und sie auf ihrem Weg durch das Glatt begleiten. Das geht schon jetzt – allerdings gemäch­ lich: Auf ein «Folge mir!» streckt der Pepper die Hand aus und macht sich mit seiner Begleitung gemütlich auf den Weg durchs Einkaufszentrum. MM

tanzen?» antwortet der Pepper: «Na klar!» und bringt sich in Position. Dann legt er zum Lied «Gangnam Style» los, fährt nach links und rechts, lässt dabei die Arme kreisen, die Augen leuchten – und nicht nur seine, auch die der Kinder, die sofort in die bekannte Choreografie einsteigen. Daneben hat ein an­ derer Roboter Probleme. Ein Kind möchte fragen, wie es ihm geht. Weil es aber nicht deutlich genug gesprochen hat, versteht Pepper nichts. Ein häufiges Problem: «Die Peppers können nur reagieren, wenn die Wortabfolge gemäss Programmierung ein­ gehalten wird», sagt Löffler. Einige Kunden hätten am Anfang Berührungsängste, weil sie an selbstdenkende Hollywood­Roboter dächten. «Von der künstlichen Intelligenz

10 | MM25, 20.6.2016 | MENSCHEN

MENSCHEN | MM25, 20.6.2016 | 11

Die Roboter-Mama

Nadia Thalmann und ihr Roboter im Gespräch www.migmag.ch/ roboter

Nadia Magnenat Thalmann

Roboter wie du und ich

Nadine beantwortet Fragen, schüttelt Hände und sieht aus wie eine jüngere Version ihrer Erschafferin Nadia Magnenat Thalmann. Die Genfer Forscherin baut Roboter, die so menschenähnlich wie möglich sind. Text: Ralf Kaminski

E

Bilder: Suheimi Abdullah/Getty Images

ine Begegnung mit Nadine lässt niemanden kalt. Sie sieht nicht nur aus wie ein Mensch, zur Begrüssung schüttelt sie einem erst mal die Hand – ihre eigene fühlt sich fast an wie echt. Danach kann man sich mit ihr unter­ halten, über Gott und die Welt. Und wäh­ rend sie spricht, blinkt sie mit den Augen, schaut einen an, gestikuliert mit den Hän­ den. «Sie kann sogar Gefühle simulieren», sagt Nadia Magnenat Thalmann, ihre Er­ bauerin, sichtlich stolz und begeistert über die Krönung ihrer Arbeit im Robotikbereich. Seit 1977, nach dem Studium in Kanada, ist sie damit beschäftigt. Thalmann ist Gründerin und Leiterin des Miralab an der Universität Genf, zudem seit sieben Jahren Direktorin des renom­ mierten Institute for Media Innovation an der Nanyang Technical University in Singa­ pur. Erste Varianten ihrer sozialen Roboter baute sie bereits in Genf, aber Nadine ent­ stand komplett im asiatischen Stadtstaat. Vor etwa drei Jahren war sie als Prototyp. fertiggestellt. Seitdem hat sie Thalmann mit ihrem Team weiterentwickelt und Ende Dezember 2015 an einer Roboterpräsenta­ tion der Uni erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt. «Sie sah so anders aus als alle anderen Roboter dort und weckte sofort enormes Medieninteresse.» Maschinen aus Metall zu bauen hat die schweizerisch­kanadische Doppelbürgerin

nie interessiert. Was wohl daran liegt, dass sie neben Quantenphysik auch Biologie und Psychologie studierte und sich vor allem für die soziale Seite der Roboter interessiert. Sie möchte ihr Aussehen und Verhalten so menschenähnlich wie möglich machen, um sie etwa als persönliche Assistenten im Alltag einsetzen zu können, an einer Rezep­ tion, für die Betreuung von Kindern oder Betagten. «Roboter sind hundertprozentig zuverlässig. Sie stehen jederzeit zur Verfügung und können jede Sprache sprechen. Sie erinnern sich an alles und erkennen jeden wieder: Sie sind uns Menschen in diesen Bereichen ganz klar überlegen.» Nadine lernt mit jedem Gespräch dazu

Auch Nadine «erinnert» sich an Gespräche und Personen, sie erkennt ihre Erbauerin sofort und weiss zum Beispiel, dass deren Tochter Vanessa schwanger ist. Möglich ist das, weil sie mit einem Server verbunden ist, der gewaltige Datenmengen speichert, auf die sie jederzeit zurückgreifen kann. Gleich­ zeitig tasten Kamerasensoren das Gesicht ihres Gegenübers ab; sie erkennt deshalb nicht nur, mit wem sie spricht, sondern auch dessen aktuelle Gefühlslage. «Mit jedem Gespräch, jeder Interaktion, lernt sie dazu und kann später darauf zurückgreifen. Und sie gibt nie zweimal dieselbe Antwort.» Die Basis für Nadine ist ein japanischer Roboter, der mittels zusätzlicher Motoren

Roboterbauerin Nadia Magnenat Thalmann mit ihrem Star Nadine.

und einer Kunststoffaussenhülle zu men­ schenähnlicher Mimik und Gestik fähig ist. Noch vor zehn Jahren hätten die techno­ logischen Möglichkeiten dafür nicht gereicht, sagt Thalmann. Heute jedoch ist es nur noch eine finanzielle Frage, Roboter her­ zustellen, die noch echter wirken – mehr Motoren unter der Kunststoffhülle für Mimik und Gestik, höhere Speicherkapa­ zität und bessere Arbeitsprozessoren für schnellere Antworten und das Speichern von noch mehr Informationen. Nadines Hardware hat rund 350 000 Franken gekostet, weil sie komplett von

Hand produziert wurde. Thalmann kann das deshalb so genau beziffern, weil sie eine exakte Kopie gebaut hat, die heute im Heinz­ Nixdorf­Museumsforum im deutschen Paderborn steht, dem grössten Computer­ museum der Welt. «Für den Alltagsgebrauch ist das natürlich viel zu teuer.» Der nächste Schritt sei, Roboter wie Nadine so zu bauen, dass sie bezahlbar werden. Daran arbeitet sie nun mit ihrem Team in Singapur. Die Lösung: alles erst mal an einer kleine­ ren Version durchspielen. Dadurch wirken die Roboter eher wie Puppen als wie Men­ schen. Aber sie werden die gleichen Fähig­

keiten haben wie Nadine, industriell pro­ duzierbar sein und höchstens 1000 Franken kosten. Und anders als Nadine, die nur sitzen kann, sollen sie sich auch selbständig bewegen. Das zumindest ist das Ziel. Roboter im Kinderzimmer

Thalmann schätzt, dass es noch etwa ein Jahr dauern wird, bis die ersten marktreif sind. Im Kinderzimmer sollen sie beim spieleri­ schen Lernen helfen, zu emotionalen Gefähr­ ten werden wie Puppen oder Teddybären und natürlich die Eltern alarmieren, falls irgendwas nicht so ist, wie es sein sollte.

Nadia Magnenat Thalmann ist Gründerin und Leiterin des Miralab an der Universität Genf. Sie hat eine menschenähnliche Roboterfrau erschaffen, die Nadine heisst und ihrer Erschafferin zum Verwechseln ähnlich sieht. Man kann sich mit ihr unterhalten. Migros-Magazin vom 20.6.2016


106 | MM27, 3.7.2017 | 75 JAHRE

Philomena Schwab (27)

«Ich habe kein Zeitungs-Abo» Wohin bewegt sich die Medienwelt? Die preisgekrönte Gamedesignerin zeigts.

Meine Top 3 Apps

Facebook, Twitter und Reddit. Reddit ist ein Social-NewsAggregator, eine Website, auf der registrierte Benutzer Inhalte anbieten können. Ein Inhalt kann entweder aus einem Link oder einem Textbeitrag bestehen. Andere Benutzer können die Beiträge positiv oder negativ beurteilen. Ich habe die Feeds «Biologie» und «Indie Games» abonniert. Bei Facebook habe ich Gruppen erstellt, bei Twitter Listen, und so landen die spannenden News aus der Gamedesign-Welt bei mir. Entdeckt jemand, mit dem ich vernetzt bin, einen Artikel, der mich interessieren könnte, schickt er ihn mir über Whatsapp. Business

Für jedes laufende Projekt bin ich in einer anderen SlackGruppe, aktuell sind es acht. Das Kommunikationstool ist eine Mischung aus Forum und Whatsapp. Mails sind aber ebenfalls wichtig. Zeitungen und Magazine

Ich habe keine Zeitung und kein Magazin abonniert, auch nicht in digitaler Form. Manchmal blättere ich im Tram in einer Gratis-

zeitung – nehme das, was ich lese, aber nicht sehr ernst. Lieber lerne ich unterwegs Japanisch. Ganz grundsätzlich deprimieren mich die Medien. Lese ich doch mal eine Zeitung, denke ich: «Jetzt habe ich wieder einmal gehört, wie schlecht die Welt ist.» Politik und Abstimmungen

Ich stimme immer ab, zähle auch im Nebenjob Stimmen in einem Wahlbüro in Zürich– Schwamendingen, wo ich wohne. Für die Meinungsbildung diskutiere ich am liebsten mit anderen oder schaue mir poli­ tische Diskussionssendungen am TV an. Fehlen mir Informationen zu einer Vorlage, lese ich im «Tages-Anzeiger» oder auf «NZZ online» nach. News-Apps habe ich bewusst keine, sie wären zu zeitraubend. Die beste Werbung

Als Spielentwicklerin setze ich ganz auf die Szene. Auch wenn ein neues Game von allen grossen Zeitungen dieser Welt besprochen wird und alle wichtigen Preise gewonnen hat, muss es kein kommerzieller Erfolg werden. Spielt aber ein Youtuber das Game publikumswirksam, ist das verkaufsfördernd. Youtuber sind oft sehr gute Storyteller. Viele Leute schauen gern anderen beim Gamen zu, statt selbst zu gamen. Der bekannteste Youtuber PewDiePie hat 55 Millionen Abonnenten.

Die Gamedesignerin Philomena Schwab

Da bin ich analog

Ich habe gefühlte 1000 Kalender-Apps getestet und bin zum Schluss gekommen, dass sie mir nichts bringen. Ein Word-Dokument mit den Pendenzen der Woche funktioniert am besten. Und eine Papieragenda. Dafür bin ich zu alt

Snapchat. Ich sehe keinen Mehrwert darin, persönliche Bilder zu teilen, die nur kurz verfügbar sind. Mein Traum

Ein gesetzlich verordneter computerfreier Tag pro Woche. Mein Businesspartner Micha Stettler und ich reagieren immer sofort auf Fehlermeldungen bei unserem Game «Niche – a genetics survival game ». Also müssen wir rund um die Uhr digital präsent sein.

hat an der Zürcher Hoch­ schule der Künste Game­ design studiert, es folgten Praktika, etwa beim renom­ mierten Blindflug Studio. Noch bevor die finale Version ihres Games «Niche» erschienen ist, hat sie 35 000 Kopien davon abgesetzt und 400 000 Fran­ ken eingenommen. Das fertige Game erscheint dieses Jahr.

Bilder: Michael Sieber (2), Shutterstock (3), reddit.com

Ich informiere mich nicht gezielt, sondern nutze Social Media so, dass die für mich relevanten Neuigkeiten zu mir kommen.

Texte: Monica Müller

Motto


75 JAHRE | MM27, 3.7.2017 | 107

Der jüngste Zeitungsmacher der Schweiz Der Gymnasiast Nils Feigenwinter

aus Liestal hat das Online­ magazin «Tize» gegründet. 30 junge Menschen schrei­ ben dort über das, was sie bewegt. Die digitale Schülerzeitung hat 15 000 Unique Visitors.

Die Schweiz in den sozialen Medien Twitter

700 000

Menschen in der Schweiz veröffent­ lichen oder lesen die 140­Zeichen­ Textnachrichten. Facebook

3,9 Millionen

nutzen Facebook.

Nils Feigenwimter (16)

«Mails sind zu langsam» Der Chef des Onlinemagazins «Tize» sagt, welche Medien er liebt und nutzt – und worauf er ganz gut verzichten kann. Motto

Medien begleiten mich durch den Tag – ich bin gern informiert und ständig mit «Tize» beschäftigt. Meine Top 3 Apps

Instagram, Netflix und Tize. Instagram finde ich perfekt zum Abschalten: Ich zeige gern, was ich gerade mache und kann über Insta auch mit Leuten in Kontakt bleiben, die ich nicht mehr sehe. Auf Netflix schaue ich Serien wie «Modern Familiy» oder «The Mentalist». Ich leite «Tize» und bin unter anderem auch für das Marketing zuständig. Ich kenne nicht mehr alle persönlich, die für uns schreiben. Aber ich lese alles und schreibe auch. Business

Wir diskutieren über Themen in einem Redaktions-Chat auf Whatsapp. Per E-Mail kommuniziere ich nur mit Erwachsenen, Sponsoren oder Journalisten, die sich für unser Onlinemagazin interessieren. E-Mails schreiben ist ein biss-

chen wie faxen – wahnsinnig langsam. Zeitungen und Magazine

einem Artikel auf «Tize», lesen ihn auch die anderen. Snapchat und Instagram nutzen wir für die Leserbindung.

Ich surfe auf SRF, «20 Minuten» oder «Watson» und lese gern Blogs auf Linkedin. Ich gehöre der «Generation gratis» an, kostet eine App einen Franken, überlege ich mir schon ganz genau, ob ich die wirklich will. Aber ich sehe ein, dass ein Umdenken stattfinden muss. Gute Inhalte haben ihren Preis. Deshalb unterstütze ich auch das Medienprojekt «Republik».

Ich gehe sehr gern ins Kino und schaue mir Filme am liebsten vor dem Fernseher an. Wenn ich streame, verkable ich das iPhone mit dem TV. Auch Bücher lese ich gern auf Papier. Eine Agenda habe ich nicht. Ich bin sehr unorganisiert; versuche, mir einfach alles zu merken, aber es geht immer wieder etwas vergessen.

Politik und Abstimmungen

Dafür bin ich zu alt

Ich darf noch nicht abstimmen, freue mich aber darauf, die Zukunft mit zu formen. Ich bilde mir bereits jetzt zu jeder Vorlage eine Meinung, indem ich viel darüber lese und mit meiner Familie diskutiere. Die beste Werbung

Mund-zu-Mund-Propaganda! Sprechen Schülerinnen und Schüler auf dem Pausenplatz von

Da bin ich analog

Musical.ly ist an meiner Generation vorbeigegangen. Meine 13-jährige Schwester liebt die App, mit der man playback zu Popsongs performen und danach die Videos teilen kann. Mein Traum

Ich möchte einmal im Unterhaltungs- und Medienbereich tätig sein. Nirgendwo sonst kann man Menschen so glücklich machen.

Instagram

1,7 Millionen

teilen auf Instagram fotografische Mo­ mentaufnahmen. Snapchat

960 000,

vor allem junge Menschen, ver­ senden mit Snap­ chat Fotos, die nur einige Sekunden sichtbar sind. Whatsapp In einer Schweizer Umfrage gaben 71 Prozent an, die kostenlose Chat­App zu nutzen. Quellen: Omnicom Media Group, Xeit. Die Zahlen beziehen sich auf aktive Nutzer pro Monat (MAUs).


108 | MM27, 3.7.2017 | 75 JAHRE

www.migrosmagazin.ch

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Heikko Böhm (48), Produzent und Redaktor beim SRF

Sie liebt Debatten

Er empfiehlt Serien

Verena Meier liest am liebsten Kolumnen und Kommentare. «Die Hauptartikel sind mir meist zu lang und kompliziert.» Sie tauscht sich gern über das Gelesene aus und liebt hitzige Debatten auf Augenhöhe. Als Hobbygärtnerin liest sie den Gartenblog auf www.migrosmagazin.ch sehr aufmerksam. Viele der Tipps setzt sie in ihrem Garten um. Dass sie nun ganz unkompliziert eigene Texte und Fotos hochladen kann, findet sie toll. Gern möchte sie auch Fotogeschichten posten, die beispielsweise zeigen, wie ihr Mohn gedeiht.

Heikko Böhm gefällt, dass er die Website nach seinen Interessen gestalten kann. Der TV-Redaktor wird auf jeden Fall die Stichworte Reisen, Sport, Video, Fernsehen und Film auswählen. Für die Kommentarspalten in den gedruckten Zeitungen und online interessiere er sich sehr. Dass auf www.migrosmagazin.ch «jeder eine Chance hat, einen Beitrag zu posten», findet er fair. Er selbst kann sich vorstellen, von seiner Pakistan-Reise als Dok-Filmer zu berichten oder seine aktuell liebste Serie («Making a Murderer») anzupreisen.

Texte: Monica Müller, Reto Vogt, Michael West, Yvette Hettinger Bilder: Susanne Oberli, Roger Hofstetter, René Ruis

Luftiger Look: aufgeräumt, übersichtlich, modern und verständlich


75 JAHRE | MM27, 3.7.2017 | 109

Bisherige Höhepunkte der 2010er

David Bosshart

«Immer mehr gilt: Der Datenfluss bestimmt den Warenfluss»

2010 Apple lanciert das erste iPad.

David Bosshart blickt in die Zukunft des Detailhandels: Was nicht emotionalisierbar sei, werde aus den Regalen verschwinden, meint der CEO des Gottlieb Duttweiler Instituts. Und: Detailhändler müssen nicht nur auf ihre Kunden hören, sondern auch deren Daten analysieren, um einen möglichst persönlichen Service bieten zu können.

Die erste M-Way-Filiale entsteht. 2011 In Fukushima kommt es zum Reaktorunglück. Die Migros führt das Self-Scanning-System «Subito» ein.

1

Nicht der stationäre Handel stirbt, sondern die heutigen Formate. Die Konsumenten erwarten im Laden immer mehr diejenigen Qualitäten und Bequemlichkeiten, die sie von ihren mobilen Geräten her kennen.

tinuierlich verbessern. Auf den Kunden hören, genügt nicht mehr: Man muss auch auf seine Daten hören können. Also: Wer den besseren und persönlicheren Service bietet, gewinnt.

Shoppability schlägt Shopping.

Und das heisst: Vernetzte Dienstleistung schlägt Ware.

2

Der Besuch von traditionellen Ladenflächen hat überall in der westlichen Welt abgenommen. Wichtig ist, dass etwas «kaufbar» ist, und damit eben verfügbar, zustellbar und sofort vergleichbar mit anderen Angeboten. Das heisst: Die Frequenzen kommen nicht zurück. Die Menschen werden sich mit neuen Vertriebsformen langsam, aber kontinuierlich anfreunden.

3

Amazon ist der nächste Aldi – nur

unglaublich viel mächtiger. Haben wir Ende der 80er-Jahre und in den frühen 90ern darüber spekuliert, wann und ob Aldi in die Schweiz kommt, so spekulieren wir heute darüber, wann Amazon kommt, um die Kaufkraft der Schweizer abzuschöpfen. Und das mit all seinen zusätzlichen Bequemlichkeiten und Innovationen, die die beiden heute präsenten deutschen Harddiscounter niemals werden bieten können.

4

Immer mehr gilt: Datenfluss bestimmt Warenfluss. Wer die Da-

ten beherrscht, kann die Serviceleistung dank Maschinen-Lernen und Künstlicher Intelligenz kon-

5

Der Kunde interessiert sich für die um die Produkte herum aufgebauten oder angehängten Dienstleistungen wie einfaches Bezahlen – siehe etwa Stimmerkennung und Bestellung und Abholung bei Starbucks in gewissen Städten. Oder Amazons Just-walk-outTechnologie, bei der man gar kein Portemonnaie mehr zücken, mühsam Kleingeld oder Noten herausklauben oder auch nur eine Kreditkarte oder elektronisches Geld beiziehen muss. Bei Lebensmitteln können solche Dienstleistungen interessante Kochrezepte sein, die dank Youtube leicht nachgekocht werden können. Oder zusätzliche medizinische Informationen zur Gesundheitsverträglichkeit.

Dienstleistung und weniger ein physisches Produkt: ein Kochkurs, Yoga-Übungen, eine Reise in die virtuelle 3-D-Welt.

7

40 bis 60 Prozent der Produkte haben in wenigen Jahren keine

Flächenberechtigung mehr. Was nicht emotionalisierbar ist, was nicht als Mehrwertprodukt «upgedatet» werden kann und entsprechende Marge generiert, verschwindet aus den Regalen und ist nur noch auf dem Bildschirm zu besichtigen. Stapelware, Produkte, die wir häufig als Aktionsware einkaufen, sperrige und unangenehm zu transportierende Güter – sie verschwinden in transparente Lagerhäuser, wo sie jederzeit bestellt werden können.

Migros startet das Nachhaltigkeitsprogramm Generation M. 2013 Edward Snowden löst die NSA-Affäre aus. Der Migros-Verteilbetrieb Neuendorf nimmt die grösste Solaranlage der Schweiz in Betrieb. 2014 Die 17-jährige Malala Yousafzai erhält den Friedensnobelpreis. In vielen Filialen sind Bioprodukte von Alnatura erhältlich. 2015 Die SNB hebt den EuroMindestkurs auf. Migros-Tochter Medbase wird wichtige Anbieterin in der Grundversorgung. 2016 Gotthard-Basistunnel: Am 1. Juni wird der längste Eisenbahntunnel der Welt eröffnet.

6

Zwischen dem Convenienceund Freizeitkonsum nimmt die

Spreizung zu: Entweder schnell, bequem und einfach konsumieren können – oder Einkaufen als Freizeitaktivität, bei der man stressfrei etwas essen oder trinken geht, häufig gemeinsam mit anderen Menschen, um anschliessend vielleicht auch noch etwas zu kaufen. Und was man kauft, ist häufig eine

2012 Philipp Hildebrand tritt als SNB-Chef zurück.

Historische Migros-Verkaufswagen sind wieder unterwegs. 2017 Donald Trump wird US-Präsident. David Bosshart: «Wer den persön­ licheren Service bietet, gewinnt.»

Die Migros startet die Kochplattform Migusto.ch.


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LEBEN | MM27, 3.7.2017 | 111

Zu gewinnen 1 × 2 Tickets für Robbie Williams in Zürich inkl. Übernachtung im Placid Hotel, Styling und vieles mehr

Im Gewinnpaket inbegriffen: eine Übernachtung im LoftZimmer im angesagten Placid Hotel in ZürichAltstetten und ein Hairstyling mit SyossProdukten. Nach dem Dinner geht es direkt ans Zürcher Konzert von Robbie Williams.

Das Migros-Magazin und Syoss verlosen zwei Tickets für das Robbie-Williams-Konzert inklusive Übernachtung im Design-Loft des Placid Hotel Zurich. Ein exklusives Styling vor dem Event garantiert auch den Gewinnerinnen einen coolen Auftritt.

Bild: Dave Hogan For One Love Manchester/Keystone

Das Migros-Magazin und Syoss verlosen einen Aufenthalt im Placid Hotel Zurich für zwei Freundinnen am 2.September im Wert von 3000 Franken. Inbegriffen sind zwei Tickets für das Konzert von Robbie Williams, eine Nacht im Loft-Zimmer, die Bahnanreise in der 1. Klasse, ein Champagner-Apéro, ein Hairstyling, ein Abendessen im Restaurant Buckhuser, Frühstücksbuffet sowie 300 Franken Taschengeld.

Wie heisst die Marke, deren Produkte für das exklusive Umstyling verwendet werden?

Stylish an die Show von Robbie Williams

W

Mitmachen und gewinnen

Beantworten Sie folgende Frage:

Glücksgriff

er gerade mit frisch frisierten Haaren vom Coiffeur kommt, fühlt sich einfach gut. Noch schöner ist es, frisch gestylt an einen besonderen Event zu gehen. Das Migros-Magazin und der Haarkosmetik-Hersteller Syoss verlosen zwei Tickets für das Konzert von Robbie Williams am 2. September im Hallenstadion Zürich. Inbegriffen sind die Anreise mit dem Zug (1. Klasse), eine Übernachtung im Loft-Zimmer des Placid Hotel Zurich, ein exklusives Haar-Umstyling für die

Verlosung

Per Telefon: Wählen Sie 0901 560 039 (1 Fr./Anruf) und nennen Sie Ihre Lösung, Ihren Namen und Ihre Adresse. Per SMS: Senden Sie eine SMS mit dem Text GEWINNEN, dem Lösungswort, Ihrem Namen und Ihrer Adresse an die Nummer 920 (1 Fr./SMS). Per Postkarte: Senden Sie eine Postkarte (A-Post) mit Ihrem Lösungswort und Ihrer Adresse an Migros-Magazin, «Syoss», Postfach, 8099 Zürich

Online:

Gewinnerin und ihre Begleiterin sowie 300 Franken Taschengeld. Das Umstyling führt eine professionelle Syoss-Stylistin im trendigen Ambiente der DesignLoft bei einem Apéro mit Champagner durch, bevor es zum Dinner ins Restaurant Buckhuser und danach ans Konzert von Robbie Williams im Hallenstadion geht. Styling, Dinner und Konzert

Mit Syoss ist das Styling immer umwerfend. Umso besser, wenn sich dann auch eine Syoss-Stylistin um die Haare der Gewinnerin und

ihrer Freundin kümmert und den beiden noch vor dem Dinner und dem Konzert einen glamourösen Look verpasst. Dabei helfen die zahlreichen Haarpflege- und Stylingprodukte und die grosse Auswahl an Colorationen. Und damit das «get syossed»Gefühl zu Hause weiter anhält, gibt es neben Tipps für das tägliche Haarstyling für die Gewinnerin und ihre Begleiterin je ein SyossProduktepaket zum Testen. MM Mehr Infos: www.get-syossed.ch www.placid.ch

www.migrosmagazin.ch/ gluecksgriff Einsendeschluss: 9. Juli 2017 Die Gewinner werden schriftlich benachrichtigt. Es erfolgt keine Barauszahlung, der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Über die Verlosung wird keine Korrespondenz geführt. Die Mitarbeitenden der der Migros-Medien sind von der Teilnahme ausgeschlossen. Mehrfachteilnahmen sind nicht erlaubt und werden vom Wettbewerb ausgeschlossen. Preise, die nicht bis spätestens drei Monate nach Ziehung durch den Gewinner bezogen werden, verfallen ersatzlos.


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LEBEN | MM27, 3.7.2017 | 113

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So nehmen Sie teil Tel. Wählen Sie die 0901 560 041 (Fr. 1.–/Anruf) SMS Senden Sie MMD1, gefolgt von dem Lösungswort, Ihrem Namen und Ihrer Adresse an die 920 (Fr. 1.–/SMS). Beispiel: MMD1 SOMMER. Hans Mustermann Musterstrasse 22 8000 Musterhausen Postkarte (A-Post) Migros-Magazin, Kreuzworträtsel, Postfach, 8074 Zürich Internet www.migrosmagazin.ch/raetsel Teilnahmeschluss: Sonntag, 9.7.2017, 24 Uhr Teilnahmebedingungen: Über die Verlosung wird keine Korrespondenz geführt. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Keine Barauszahlung. Computergesteuerte Massenteilnahmen sind nicht gewinnberechtigt. Die Mitarbeiter der Migros-Medien sind von der Teilnahme ausgeschlossen. Gewinner werden schriftlich benachrichtigt und mit Namen und Wohnort veröffentlicht.

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LEBEN | MM27, 3.7.2017 | 115

Quiz

Gewinnen Sie eine von 3 Migros-Geschenkkarten im Wert von je 100 Franken! Ermitteln Sie für jede Quizfrage den richtigen Lösungsbuchstaben. Der Reihe nach in die acht Lösungsfelder eingetragen, ergibt sich das Lösungswort. 1. Was hat man manchmal noch im Ärmel? H Nell

E

Ass

A Buur

2. Eine unerfahrene oder unbekannte Person ist ein … Blatt. L

kleines

O goldenes

S

unbeschriebenes

P Biel

T

Basel

D Wald

M Asien

3. Wo in der Schweiz gibt es keine Trams? N Genf

So nehmen Sie teil

4. Wo kommen die Molaren vor? R Mund

S

Meme

Tel. Wählen Sie die 0901 560 042 (Fr. 1.–/Anruf) SMS Senden Sie MMD2, gefolgt von dem Lösungswort, Ihrem Namen und Ihrer Adresse an die 920 (Fr. 1.–/SMS). Beispiel: MMD2 TASTSINN Hans Mustermann Musterstrasse 22 8000 Musterhausen Postkarte (A-Post) Migros-Magazin, Quiz, Postfach, 8074 Zürich Internet www.migrosmagazin.ch/raetsel Teilnahmeschluss: Sonntag, 9.7.2017, 24 Uhr

T

Mokka

Teilnahmebedingungen: Auf der ersten Rätselseite

5. Welche dieser afrikanischen Städte zählt am meisten Einwohner? E

Lagos

U Tunis

T

Kapstadt

6. Wer gibt den Paddelrhythmus bei einem Drachenbootrennen an? R Flötist

A Trompeter

S

Trommler

7. Wie wird ein Internet-Phänomen genannt, das in sozialen Medien auftaucht? E

Merse

D Emem

8. Nach welchem Kaffeegetränk werden gewisse Bären benannt? G Macchiato

O Cappuccino

Lösungswort: 1

2

3

4

5

6

7

8

Gewinner Nr. 25: Marianne Gerzner, Villnachern AG; Therese Zitterli, Bern; Susanna Odamtten, Rupperswil AG

Auflösung Nr. 26: PASSBILD

Paroli

Gewinnen Sie eine von 3 Migros-Geschenkkarten im Wert von je 100 Franken! Füllen Sie die zehn Wörter in das Rätselgitter ein. Das Lösungswort ergibt sich aus den Buchstaben in den Feldern 1 bis 5. 5 2 3

T

4

Auflösung Nr. 26: DANKE Gewinner Nr. 25: Dagmar Meuwly, Düdigen FR; Verena Wyssmann-Santschi, Wilen b. Wollerau SZ; Agnes Hirschi-Sutter, Mülchi BE

1

DERART I G EHELEUTE GAL LERTE KOTELETT ME S S E R I N ME Z I E R E S N E B S T D EM SE I T L I NG SYNTHESE TSATS I K I

So nehmen Sie teil Tel. Wählen Sie die 0901 560 043 (Fr. 1.–/Anruf) SMS Senden Sie MMD3, gefolgt von dem Lösungswort, Ihrem Namen und Ihrer Adresse an die 920 (Fr. 1.–/SMS). Beispiel: MMD3 OSTEN Hans Mustermann Musterstrasse 22 8000 Musterhausen Postkarte (A-Post) Migros-Magazin, Paroli, Postfach, 8074 Zürich Internet www.migrosmagazin.ch/raetsel Teilnahmeschluss: Sonntag, 9.7.2017, 24 Uhr Teilnahmebedingungen: Auf der ersten Rätselseite

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Bleiben Sie in bester Erinnerung – berücksichtigen auch Sie in Ihrem Testament gemeinnützige Organisationen. Eine Kampagne u.a. von: Fastenopfer, Greenpeace Schweiz, Heilsarmee, Internationales Komitee vom Roten Kreuz (IKRK), Lunge Zürich, SBS Schweizerische Bibliothek für Blinde, Seh- und Lesebehinderte, Schweizer Paraplegiker-Stiftung, Schweizerische Stiftung Pro Patria, Stiftung Kinderdorf Pestalozzi, Stiftung SOS-Kinderdorf Schweiz


LEBEN | MM27, 3.7.2017 | 117

Sudoku

Gewinnen Sie eine von 5 Migros-Geschenkkarten im Wert von je 100 Franken! Füllen Sie die leeren Felder mit den Zahlen 1 bis 9. Dabei darf jede Zahl in jeder Zeile, jeder Spalte und in jedem der neun 3x3-Blöcke nur ein Mal vorkommen. Die Lösungszahl ergibt sich aus den gelben Feldern von links nach rechts. Auflösung Nr. 26: 731

So nehmen Sie teil Tel. Wählen Sie die 0901 560 044 (Fr. 1.–/Anruf) SMS Senden Sie MMD4, gefolgt von der Lösungszahl, Ihrem Namen und Ihrer Adresse an die 920 (Fr. 1.–/SMS). Beispiel: MMD4 123 Hans Mustermann Musterstrasse 22 8000 Musterhausen Postkarte (A-Post) Migros-Magazin, Sudoku, Postfach, 8074 Zürich Internet www.migrosmagazin.ch/raetsel Teilnahmeschluss: Sonntag, 9.7.2017, 24 Uhr

Gewinner Nr. 25: Marinella Crausaz, Lucens VD; Marie-Claire Lorétan, Lyss BE; Flavia Alther, Adliswil ZH; Pierre Elmer, Bad Zurzach AG; Claudia Berger, Emmen LU

Teilnahmebedingungen: Auf der ersten Rätselseite

Bimaru

Brücken

Die Zahl bei jeder Spalte oder Zeile bestimmt, wie viele Felder durch Schiffe besetzt sind. Diese dürfen sich nicht berühren und müssen vollständig von Wasser umgeben sein, sofern sie nicht an Land liegen.

Jeder Kreis stellt eine Insel dar. Die Zahl darin gibt an, wie viele Brücken dort enden. Brücken sind nur zu horizontal oder vertikal benachbarten Inseln erlaubt. Diese dürfen mit einfachen oder doppelten Brücken verbunden werden. Am 2 1 1 2 Schluss sollen alle Inseln miteinander verbunden sein. Verboten: Kreuzun2 2 3 3 gen, diagonale Brücken und mehr als zwei Linien.

4

Auflösung Nr. 26:

3 2 2

3 3 2

2 3 3

3 2 1

2

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1 2

4 2

2 2 3

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Auflösung Nr. 26: 2

4

2

1

4

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4 2

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2 2

1 2

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3 2

1 2

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4 3 1

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3

3

1 4 3

2 1 2 3

2 3 1

Impressum MIGROS-MAGAZIN vormals: Wir Brückenbauer, Wochenblatt des sozialen Kapitals, Organ des Migros-Genossenschafts-Bundes, Migrosmagazin.ch Auflage/Leserschaft: Beglaubigte Auflage: 1 557 900 Ex. (WEMF 2016) Leserschaft: 2 335 000 (WEMF, MACH Basic 2016-2) Adresse Redaktion und Verlag: Limmatstrasse 152, Postfach 1766, 8031 Zürich, Telefon: 058 577 12 12 Fax: 058 577 12 08 redaktion@migrosmagazin.ch Herausgeber: Migros-Genossenschafts-Bund Leiter Migros-Medien: Lorenz Bruegger

Publizistische Leitung: Monica Glisenti Chefredaktor: Hans Schneeberger Produktion/Ressort Leben: Remo Leupin (Leitung), Robert Rossmanith (Chef von Dienst), Sabine Müller (Produzentin), Gerda Portner (Produzentin), Ursula Trümpy (Produzentin), Karin Keller-Jabbie (Korrektorin), Heinz Stocker (Korrektor) Ressort Menschen: Sabine Lüthi (Leitung), Andrea Freiermuth, Yvette Hettinger, Ralf Kaminski, Dinah Leuenberger (Volontärin), Monica Müller, Reto E. Wild Online: Reto Vogt (Leitung), Almut Berger, Elena Bernasconi, Reto Meisser

Ressort Migros-Welt: Daniel Sidler (Leitung / stv. Chefredaktor), Sandra Jermann (Leiterin Projektmanagement), Heidi Bacchilega, Jean-Sébastien Clément, Andreas Dürrenberger, Dora Horvath, Melanie Michael, Fatima Nezirevic, Angela Obrist, Kian Ramezani, Anna-Katharina Ris, Claudia Schmidt, Thomas Tobler, Jacqueline Vinzelberg, Michael West

Prepress: Liliane Bolliger, Ruedi Bolliger

Bildredaktion: Olivier Paky (Leitung), Benjamin Böttcher, Franziska Ming, Susanne Oberli, Helen van Pernis

Kommunikation & Medien-Koordination: Eveline Zollinger (Leitung), Alina Bühler, Rea Tschumi

Layout: Laetitia Buntschu Signer (Art Director), Werner Gämperli, Saskia Goslings, Nicole Gut, Gabriela Masciadri, Pablo Tys

Verlag: Rolf Hauser (Leitung), Margrit von Holzen verlag@migrosmagazin.ch Tel.: 058 577 13 70, Fax: 058 577 13 71

Lithografie: Reto Mainetti (Leitung), Manuela Seelhofer, Max Sommer Sekretariat: Stefanie Zweifel (Leitung), Imelda Catovic Simone, Nicolette Trindler Honorarwesen: Verena Hochstrasser

Werbemarkt: Thomas Brügger (Leitung) Anzeigen: Gian Berger, Simon Djoni, Yves Golaz, Andreas Hess anzeigen@migrosmagazin.ch Telefon: 058 577 13 80 Fax: 058 577 13 72 Innendienst: Tom Ballaman (Leitung), Dominique Brunner, Michael Glarner, Janine Meyer, Jasmine Steinmann Lesermarkt: Nicole Thalmann (Leitung), Marianne Hermann, Stefania Nicolini Media-Services: Patrick Rohner (Leitung), Tabea Burri, Laetitia Dürst, Aisha Kaufmann Abonnemente: Sonja Frick (Leitung), Sibylle Cecere abo@migrosmagazin.ch Tel.: 058 577 13 00, Fax: 058 577 13 01

Druck: DZB Druckzentrum Bern AG


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Donnerstag, 6.7., bis Samstag, 8.7.2017.

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TerraSuisse Cervelas im 5er-Pack 5 x 2 Stück, 1 kg, gültig vom 6.7. bis 8.7.2017

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