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Migros-Magazin-23-2020-d-OS

Page 1

Ausgabe Ostschweiz, AZA 1953 Sion Response Zentral, Psdg DP AG, Ent.bez.A 44631

migrosmagazin.ch | MM23, 2.6.2020

Auf und davon: Sechs virtuelle Reisen zu Zielen in aller Welt Seite 77

Ein Kind, zwei Mütter: Die Geschichte des kleinen Joshua Seite 52

Hygienemasken in der Migros: Beschaffung, Verkauf und Anwendung

Bild: Achim Thomae/Getty Images

Seite 10

Das Klima ist zurück

Corona hat den Klimaschutz kurzzeitig verdrängt – jetzt ist er wieder da Seite 12

Entdeckertour: Mit dem Schienenvelo über den Rhein Bitte Wohnungswechsel der Post melden oder dem regionalen Mitgliederdienst: Tel. 0041(0)71 – 493 24 51, E-Mail: mireg@gmos.ch

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4 | 2.6.2020 | MEINE MIGROS

Die blauen Cumulus-Bons sind Geld wert und werden darum ab sofort noch besser geschützt: Wer sie einlösen will, muss sich ein einziges Mal doppelt ausweisen. Der Kunde oder die Kundin kann zum Beispiel in der Migros-App die ­Handynummer hinterlegen und erhält darauf ­einen SMS-Code. Damit lassen sich die Bons ­anschliessend aktivieren und einlösen. ­Zusätzliche Infos auf migros.ch/cumulus

Urabstimmung 2020

Biokunststoffe, die zum Beispiel aus Mais oder Zuckerrohr hergestellt werden, haben verschiedene Nachteile. So stammen ihre Rohstoffe aus intensiver Landwirtschaft und aus Monokulturen. Sie haben daher meist keine bessere ­Ökobilanz als herkömmliche Kunststoffe. Aus ethischer Sicht ist es zudem problematisch, wenn aus Nahrungsmitteln Verpackungen ­entstehen. Haben Sie eine Frage? Kontaktieren Sie uns! M-Infoline, der Kundendienst der Migros, ist ­erreichbar unter Tel. 0800 84 0848 oder migros.ch/­ kundendienst

Liebe Genossenschafterinnen ,liebe Genossenschafter

Die Welt nach Corona Wie wird unser Alltag aussehen, wenn die Coronakrise ausgestanden ist? Wie werden wir dann arbeiten und essen? Welche Mode werden wir tragen und was werden wir in der Freizeit tun? Eine neue Studie des Gottlieb-Duttweiler-­ Instituts versucht die neue Normalität nach Corona vorauszusehen. Sie kann auf gdi.ch/nextnormal bestellt werden.

Dieser Tage erhalten Sie Ihre persönliche Stimmkarte für die Urabstimmung 2020. Damit können Sie direkt Ihre Stimme ­abgeben, gleichzeitig ­erfahren die Verantwort­ lichen der Migros, was Sie über Ihr Unternehmen denken. Die Frage, die wir Ihnen stellen, betrifft die Genehmigung der Jahresrechnung 2019, die vor­ geschlagene Verwendung des Bilanzgewinns und die Entlastung der Verwaltung Ihrer Genossenschaft. Der Bericht und die Jahresrechnung 2019, die in ­Ausgabe 21 des Migros-­ Magazins publiziert worden ist, ­werden Ihnen von der ­regionalen Verwaltung und dem regionalen ­Genossenschaftsrat zur Annahme empfohlen. Nehmen Sie Ihr Recht auf die Teilnahme an der ­Ur­abstimmung wahr. Wir freuen uns auf Ihre ­Beteiligung. Ihre Migros

Bilder: Getty Images, Keystone, zVg

? Warum setzt die Migros bei ihren Verpackungen nicht überall Kunststoffe aus nachwachsenden Rohstoffen ein?

Cumulus-Bons: mehr Sicherheit


MEINE MIGROS | 2.6.2020 | 5

106 119

Die Migros hatte im vergangenen Jahr 106 119 Mitarbeitende. Das sind mehr Menschen, als beispielsweise in der Stadt St. Gallen oder Luzern leben.

Ice-Tea-Fabrik für daheim Die Kinder von Leserin Gabriela Schneider aus Thun lieben den Ice Tea der Migros. Damit ihnen das süsse Getränk nie ausgeht, haben sie zu Hause ihre eigene Fabrik gebaut. Schicken auch Sie Ihr Migros-Bild. ­Wird das Foto ab­gedruckt, gewinnen Sie einen Einkaufs­gutschein im Wert von 50 Franken. Teilnahme: www.migmag.ch/blickfang

Wohltat für die Umwelt? In den vergangenen Wochen kam es auf den Strassen zu weniger Staus, und viele Flugzeuge blieben am Boden. War der Lock-down also eine Wohltat fürs Klima? Und was wird von den Veränderungen bleiben? Im Podcast «Chrut und Rüebli» wird dazu eine Zukunftsforscherin befragt. generation-m.ch/podcast

«Die Lust am Reisen liegt in der Natur des Menschen. Darum werden wir die Coronakrise meistern – auch dank der starken Eigentümerin Migros im Rücken.» Tim Bachmann neuer CEO von Hotelplan Suisse


6 | 2.6.2020 | AUGENBLICK

14:48 Uhr Bild: Michael von Graffenried

Migros-Moment in Reichenbach BE Höhlenmeister Niklaus

Haldimann (rechts) begutachtet mit Jean-Charles Michaud von der Migros-Tochter Mifroma einen Laib Emmentaler AOP Urtyp. Die Spezialität reift 100 Meter im Berg bei idealen klimatischen Bedingungen mindestens zwölf Monate aus. Die Aufnahme ist am 14. Februar 2020 entstanden.


AUGENBLICK | 2.6.2020 | 7


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INHALT | 2.6.2020 | 9

58

INHALT 10  Grosses Masken-ABC Alles über Hygienemasken in der Migros und die Anwendung

Der Ingenieur Andreas Lanter testet auf einer Versuchs­anlage hoch über dem Walensee die Belastbarkeit von ­Fangnetzen gegen Steinschlag.

12  Klima ist wieder Thema Die Crowdfunding-Plattform wemakeit erlebt eine starke Zunahme klimarelevanter Projekte 18  Papi ist der Beste Anekdoten und Kurioses rund um den Vatertag am 7. Juni

Bilder: Roger Hofstetter, Mara Truog, Shutterstock

21  Stadt, Land, Stutz 23  Raschelsack ade 24  Velotour auf Schienen Ungewöhnlicher Ausflug auf einer stillgelegten Bahnlinie 30  Gib mir den Rest Originelle Rezepte mit den Überbleibseln vom Kochen 36 Erdbeer-Käse-Kuchen 51  1, 2 oder 3? 52  Mutter im Doppelpack Ein lesbisches Paar als Eltern 58  Was für dicke Brocken Andreas Lanter konstruiert Schutznetze für Bergstrassen

74

63  Ihre Region Aktionen, Reportagen, News

69  Der andere Blick Diese Woche: Thomas Meyer

Fünf einfache Übungen, die Rumpf und Bauch stärken und den ­Rücken beweglich machen.

74  Yoga für den Rücken 77  Virtuell verreisen Sechs Games für Reiselustige 81 Glücksgriff Fitness-Gadgets zu gewinnen 83  Rätsel und Spiele

Impressum MIGROS-MAGAZIN vormals: Wir Brückenbauer, Wochenblatt des sozialen Kapitals, Organ des­Migros-Genossenschafts-Bundes, Migrosmagazin.ch

Auflage/Leserschaft: Beglaubigte Auflage: 1 550 818 Ex. (WEMF 2019) Leserschaft: 2 291 000 (WEMF, MACH Basic 2019-2)

Adresse Limmatstrasse 152, Postfach 1766, 8031 Zürich Telefon: 0800 84 0848 Kontakt: www.migmag.ch/leser

Abonnemente: abo@migrosmagazin.ch Tel.: 058 577 13 00

Herausgeber Migros-Genossenschafts-Bund Chefredaktion Franz Ermel (Ltg.), Steve Gaspoz, Rüdi Steiner

Ausführliches Impressum unter ­migrosmagazin.ch/impressum

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86 Migros-Lovestory Margrit und René Ammann lernten sich im Klubschul-­ Tanzkurs in Zürich kennen

Leonie und Sonja Plastina bekamen ihren Sohn Joshua per ­Samenspende.


10 | 2.6.2020 | CORONA

Bald kommt die Maske mit St. Galler Stickerei

Die Beschaffung von Hygienemasken stellt auch die Migros vor Herausforderungen. ­Mittlerweile sind in allen Filialen genügend zertifizierte Produkte erhältlich. Zehn Antworten zu Qualität und Anbietern, Transport, den Preisen und bald verfügbaren Mehrweg-Stoffmasken im Überblick. Text: Benita Vogel

1. Gibt es die Hygienemasken aktuell in allen Migros-­Filialen zu kaufen? Ja, seit Mitte Mai verkaufen nun alle Filialen Schutzmasken. Die Migros erhielt zuvor schon 3,4 Millionen Masken v­ om Bund geliefert. Diese kamen nach ­Absprache mit dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) in den Verkauf. Da die Menge noch stark begrenzt war, konnten zu Beginn nur die 100 grössten Filialen damit bestückt werden. Mittlerweile hat die Migros ­innert weniger Wochen rund 25 Millionen Masken selbst ­beschafft und konnte den ­Verkauf auf alle Läden aus­ dehnen.

2. Die Migros verkaufte vor ­Jahren bereits einmal Masken, weshalb fiel die Beschaffung diesmal schwer? Die Migros nahm nach Ausbruch des H1N1-Virus und während der Schweinegrippe-Pandemie vor elf Jahren Hygienemasken ins Sortiment auf. Weil die Nachfrage aber gering war, ­verschwanden sie einige Jahre später wieder aus den Regalen. Die etablierten Lieferanten ­erhielten bei Ausbruch der ­Coronakrise rasch Regierungs­ aufträge aus aller Welt und ­durften nur noch Kunden aus dem Gesundheitswesen, primär Spitäler oder Heime, beliefern. Detailhändler wie die Migros

hatten schon Anfang Februar keine Chance mehr, solche Ware zu bekommen. 3. Woher stammen die Masken, die die Migros aktuell ­verkauft? Die Masken werden in China hergestellt und über Schweizer und europäische Zwischenhänd­ ler bezogen. Die Beschaffung ist herausfordernd, weil die ­unterschiedlichsten Firmen mit Kontakten in China Masken ­anbieten. Es gibt viele unseriöse Händler, die ein lukratives ­Geschäft wittern. Im Markt mit Hygienemasken herrscht eine Art Goldgräberstimmung. Viele der Anbieter haben kaum das


CORONA | 2.6.2020 | 11

Maske korrekt verwenden – so geht es:

sehr viele Zertifikate gefälscht waren. Betroffene Anbieter ­wurden rasch ausgeschlossen. Die Migros arbeitet mit seriösen Händlern zusammen. Sie hat Masken vom Typ I und II im ­Angebot – alle mit gültigen Zertifikaten und sehr guten Test­ resultaten in Sachen Effizienz beim Filtern von Bakterien.

Bild: Marcos del Mazo/LightRocket/Getty Images; Illustrationen: iStock

5. Ein Unsicherheitsfaktor bei der Beschaffung ist der Transport von China in die Schweiz. Wie hat die Migros dies gelöst? Aus Nachhaltigkeitsgründen versucht die Migros, wann ­immer möglich auf Flugtransporte zu verzichten. In diesem

Know-how, da Masken nicht ihr Kernbusiness sind. Das gestal­ tete die Auswahl der Lieferanten anspruchsvoll. Zudem kamen völlig neue Geschäftsgebaren zum Vorschein: zum Beispiel, dass die Ware vollständig im ­Voraus bezahlt werden soll. 4. Wie ging die Migros bei der Wahl von Lieferanten vor, um nicht Fälschern aufzusitzen? Die Migros hat die Händler ­genau überprüft, beispielsweise ihre persönlichen Netzwerke, mit Recherchen im Internet. Gleichzeitig hat das interne Qualitätsmanagement der ­Migros Zertifikate und Verpackungen der offerierten Masken analysiert. Das war nötig, weil

«Im Markt mit Hygienemasken herrscht Goldgräberstimmung.» Fall wurden alternative Transportmittel wie Schiffe oder Züge geprüft. Dies hätte aber viel zu lange gedauert. Die Ware musste ja sehr schnell in die Schweiz kommen. So blieb nur der ­Flugtransport, dieser wurde grösstenteils selbst organisiert, mit der Swiss ab Shanghai und Shenzhen. Es ist schwierig, freie Slots zu erhalten, und diese sind entsprechend teuer. 6. Sind die Masken aus diesem Grund viel teurer geworden? Vor der Coronakrise kostete eine Packung mit 50 Stück noch Fr. 4.90, heute Fr. 39.90. Aufgrund der global immensen ­Nachfrage nach Hygienemasken haben sich die Einkaufspreise während der Krise fast verzehnfacht. Preistreibend sind auch die sehr teuren Flugtransporte. 7. Verdient die Migros mit den Masken überhaupt Geld?

Nein, die Migros verkauft die Masken zum Selbstkostenpreis. 8. Wie gross ist die Nachfrage nach Hygienemasken? Die Nachfrage ist unterschiedlich gross: In Ballungsgebieten und in Regionen mit vielen Corona-­Fällen, etwa in der Westschweiz, ist die Nachfrage sehr gross, in vielen ländlichen Gebieten, wo wenig Corona-­ Ansteckungen zu verzeichnen sind, ist der Bedarf eher gering. Die Migros erwartet, dass die Nachfrage steigt, wenn die ­Firmen ihre Mitarbeiter aus dem Homeoffice holen und diese wieder vermehrt im ÖV pendeln. Der Lagerbestand der Migros ist derzeit ausreichend, er wird stetig überprüft. 9. Gibt es Alternativen zu den Masken aus China? Die Abhängigkeit von China und deren negative Auswirkungen wurden in der Coronakrise ­deutlich vor Augen geführt. Es sind Bestrebungen im Gang, Schutzmaterial in der Schweiz und in Europa herzustellen. Die Migros begrüsst dies. Zudem wird die Migros Mitte Juni ­textile Mehrwegmasken in den Verkauf bringen. Diese sind aus speziellem, dreilagigem Stoff produziert und entsprechen den Anforderungen der Covid-19 Science Task Force. Eine der Masken-Linien ist bestickt und stammt von der bekannten Schweizer Stickereifirma ­Forster Rohner in St. Gallen. Sämtliche dieser sogenannten Community-Masken werden in Europa hergestellt. 10. Was ist bei der Handhabung von Hygienemasken besonders zu beachten? Es ist wichtig, dass man die ­Masken mit sauberen Händen richtig aufsetzt (siehe Spalte rechts). Einwegmasken sollen nach dem Gebrauch – oder wenn sie durchfeuchtet sind – entsorgt und nicht wieder­ verwendet werden. MM

Waschen Sie sich vor dem An­­ und nach dem Ausziehen die Hände mit Wasser und Seife oder benutzen Sie Desinfektionsmittel.

Den Mundschutz nur an den Bändern und den ­­ Aussenseiten berühren.

Bedecken Sie Nase, Mund und Kinn eng anliegend und ­drücken Sie den Metallbügel am oberen Rand an die Nase an.

Achten Sie darauf, dass zwischen Gesicht und Maske keine Lücke besteht.

Berühren Sie die Maske weder ­innen noch aussen. Entsorgen Sie sie nach Gebrauch in einem ge­ schlossenen Beutel oder Behälter.


12 | 2.6.2020 | KLIMAWANDEL Rhonegletscher, August 2015: Bergführer Egon Zuber wechselt die Planen, die das zu schnelle Schmelzen des Gletschers v­ er­hindern und die ­Eisgrotte im ­Innern schützen sollen.

W

ährend der Sommersession berät der Nationalrat noch einmal die Totalrevision des CO2-Gesetzes, um letzte Differenzen mit dem Ständerat zu bereinigen. Es sieht unter anderem eine Flug­ticket­ab­ gabe vor, CO2-Grenz­werte für Gebäude, Steuer­erleichterungen für Erdgas, biogene Treibstoffe und die Einrichtung eines Klimafonds. Im Dezember 2018 noch ­hatten Grüne und Linke eine erste Fassung der Totalrevision versenkt, weil sie aus ihrer Sicht von den Bürgerlichen zu sehr verwässert worden war: «Eine Frechheit für unsere Erde», schimpfte die Grüne Aline Trede auf Twitter. Diesmal jedoch stehen die Chancen gut für echte Fortschritte. Zu verdanken ist dies einer ­regelrechten Explosion des ­Klimabewusstseins im Jahr 2019, die im Herbst zu einer ­grünen Welle im Parlament führte. ­Beispielhaft dafür: Im Kanton Glarus wurde erstmals in der Geschichte ein amtie­ render Ständerat abgewählt (Werner Hösli, SVP) und durch den k ­ limafreundlichen Grünen ­Mathias Zopfi ersetzt. Wie sehr sich das gesellschaft­ liche Bewusstsein in der Schweiz gewandelt hat, zeigt sich auch bei der Crowdfunding-Plattform wemakeit. Dort hat die Zahl der Umwelt- und Klimaprojekte massiv zugenommen. Ein Vergleich zwischen den Perioden von April 2016 bis April 2018 und April 2018 bis April 2020 zeigt, dass sich die Zahl der Projekte um 150 Prozent auf 106 erhöht hat, das gesammelte Geld um 240 Prozent auf 1,84 Millionen Franken und die Zahl der Unterstützenden um 250 Prozent auf 14 400 Personen. Eindrücklich ist auch die Vielfalt der Projekte (siehe Seite 15).

Klima-Revolution von unten Die Coronakrise hat Umwelt und Klima aus den Schlagzeilen verdrängt. Nun nimmt die Debatte wieder Fahrt auf – im Parlament in Bern, bei Klimaaktivisten und Start-ups. Die Crowdfunding-Plattform wemakeit wird seit 2019 mit Klimaprojekten und Geld geradezu geflutet. Text: Ralf Kaminski

Bild: Nicolas Faure/Fotostiftung Schweiz/Keystone

Flut beim Crowdfunding


KLIMAWANDEL | 2.6.2020 | 13

Auf dem Höhepunkt der ­Co­ronakrise geriet das Klima bei wemakeit zwar ein wenig in den Hintergrund, dies habe sich aber bereits wieder zu ­ändern ­begonnen, sagt Céline Fallet, ­Geschäftsführerin der Crowdfunding-Plattform. «Im April w ­ aren rund zwei Drittel ­aller Projekte Solidaritätskam­ pagnen, doch mittlerweile nimmt die Zahl der anderen ­Projekte wieder zu, da­runter auch klimafokussierte.» Geldtopf für Klimaprojekte

Im Sommer kann man sich mit solchen Projekten bei wemakeit für eine Unterstützung durch den ­Impact Fund bewerben. Darin befinden sich rund 270 000 Franken, die über 2000 Spender Anfang des Jahres zur Verfügung gestellt ­haben. Stiftungen und Mäzene sollen diesen Betrag auf bis zu eine Million Franken erhöhen. Eine Expertenjury entscheidet, welche der Bewerber mit je 25 000 Franken unterstützt werden. Mitmachen können ­Klimaprojekte, die ein Finan­ zierungsziel von mindestens 50 000 Franken anvisieren. Sobald die Hälfte des Zielbetrags durch mindestens 200 Unterstützer erreicht wird, erhält das Projekt weitere 25 000 Franken aus dem Impact Fund. Und das ist noch nicht alles: Auch Schweizer Start-ups ­beschäftigen sich vermehrt mit klima­freundlichen Geschäfts­ modellen, etwa zur Kreislaufwirtschaft. 27 solcher Start-ups ­haben im Rahmen des Förderprogramms CE Incubator ­während der vergangenen ­Mo­nate ihre Lösungen weiter­ ent­wickelt, in den Be­reichen Food & Farming, Smart C ­ ities, Industrie & Beschaffung oder Fashion & Konsumgüter. «Trotz der herausfordernden Umstände durch Corona arbeiteten die meisten weiter», sagt José Silva, Programmleiter des

CE Incubators. «Und einige von ihnen sahen sich sogar mit einer steigenden Nachfrage nach ihren Dienstleistungen konfrontiert.» «Die verstärkte Sensibilität beim Klima ist nicht zuletzt dem enormen Engagement der ­Klimajugend zu verdanken», sagt Thomas Stocker (60), Klimaforscher und Professor an der Universität Bern. Er hätte sich gewünscht, dass der politische Rutsch bei den Wahlen sogar noch stärker ausgefallen wäre. Den jugendlichen Klima­ streikenden geht es genauso: «Klar, für Schweizer Verhältnisse waren das grosse Veränderungen», sagt Gymnasiast Jonas Kampus (19) aus Wetzikon ZH, «aber die Machtverhältnisse ­haben sich kaum verändert. ­Bestenfalls werden gewisse ­Gesetze ein bisschen stärker ausfallen, aber niemals so, wie sie eigentlich müssten.» Auch der Thalwiler Steiner-­ Schülerin Mira Guggenbühl (14) geht alles viel zu langsam. Dabei zeige das neue Konsumenten­ barometer der Uni St. Gallen, dass 60 Prozent der Bevölkerung hinter den Forderungen des ­Klimastreiks stehe. «Die Mehrheiten hätten wir an sich.» Ziel sei deshalb, neue basisdemokratische Strukturen zu etablieren, die auf lokaler Ebene Entscheidungen ermöglichten. Dass das Klimabewusstsein wegen Corona nachlassen wird, glauben die jungen Aktivistinnen nicht: «Die Schweiz hat nun ­erlebt, wie sich eine echte Krise anfühlt», sagt Mira Guggenbühl, «eine Art Vorgeschmack auf die Folgen der Klimakrise. Hoffentlich lernen wir etwas daraus.» Amsterdam als Vorbild?

Zudem habe das Virus etwas deutlich gemacht, ergänzt Jonas Kampus: «Wird die Wirtschaftsleistung runtergefahren, geht es der Umwelt sofort besser. Dieses Herunterfahren muss jedoch

Ein Vergleich zwischen den Perioden von April 2016 bis April 2018 und April 2018 bis April 2020 zeigt, dass sich die Zahl der Projekte bei wemakeit um 150 Prozent auf 106 erhöht hat, das gesammelte Geld um 240 Prozent auf 1,84 Millionen Franken und die Zahl der Unterstützenden um 250 Prozent auf 14 400 Personen.

g­ eplant erfolgen, sonst leiden sehr viele Menschen darunter.» Er sieht Amsterdam als Vorbild. «Als Antwort auf Corona strebt die Stadt nun die Postwachstumsgesellschaft an – in diese Richtung müssen wir gehen.» Thomas Stocker erhofft sich durch die Coronakrise eine Marktbereinigung. «Aus meiner Sicht wäre es sehr begrüssenswert, wenn Anbietern von ­Billigflügen und -kreuzfahrten nicht wieder auf die Beine ge­ holfen würde.» Aus ökologischer Sicht seien dies unhaltbare ­Geschäftsmodelle. «Es wäre kein grosser Verlust, wenn sie verschwinden würden.» Steuern, Gebühren, Label

1. Eine Revision des Steuerwesens, mit der man den CO2-Fussabdruck der Leute regional unterschiedlich besteuert. Wer sich einen grossen Fussabdruck leisten will, zahlt mehr, das Geld geht ­einerseits an die Bevölkerung ­zurück, andererseits in einen Innovationsfonds für Technologie und in den Umbau einer klima­ freundlicheren Infrastruktur. 2. Das Fliegen verteuern: eine substanzielle Abgabe auf Flugstrecken unter 1000 km, aber auch auf über 1000 km – Verwendung des Geldes siehe oben. 3. Ein Label in allen Läden, das den CO2-Abdruck eines Produkts transparent und auf einen Blick darstellt, damit jeder sich entscheiden kann, was er kaufen möchte und was nicht. «Wichtig ist, dass das alles nicht von heute auf morgen einfach von oben angeordnet wird, das wäre völlig kontraproduktiv», betont Stocker. Man müsse die Menschen mitnehmen, so wie es der Bundesrat exemplarisch mit den Massnahmen gegen ­Corona gemacht habe. «Man muss erklären, an die Vernunft und den Verstand appellieren und dann Schritt für Schritt Massnahmen einführen.» Dies


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KLIMAWANDEL | 2.6.2020 | 15

Ausgewählte Klimaprojekte bei wemakeit dauere zwar lange, aber nur so könne man die verbrei­tete Hal­ tung verhindern: «Der a­ ndere macht nichts, also muss ich auch nichts machen.» Jonas Kampus hält zudem fest, dass kleine Verhaltens­ änderungen zwar löblich seien, aber kaum was brächten. «Es ist begrüssenswert, wenn Leute ­weniger Plastik verbrauchen und sich erhoffen, damit etwas Gutes fürs Klima zu tun, aber uns geht es um sehr viel grös­ sere, grundsätzlichere, struk­ turelle Veränderungen. Nur die bewirken wirklich was.»

CO₂-SCORE ALLER LEBENSMITTEL Berechnung der CO₂-Bilanz von 109 000 Lebensmitteln und über die beliebte Codecheck-App (3,5 Mio. User) gratis veröffentlichen. Damit alle die CO₂-Bilanz ihrer Ernährung ausrechnen können. Finanzierungsziel: Fr. 39 000.– Erhalten: Fr. 53 335.– von 485 Unterstützern

THE DREAM OF INLE LAKE CHILD Finanzierung eines Dokumentarfilms über ein Umweltprojekt am Inle-See in Myanmar. Dort soll aus in der Natur entsorgten Plastikflaschen und ­-ab­fällen ein Schulhaus gebaut werden. Finanzierungsziel: Fr. 15 000.– Erhalten: Fr. 18 000.– von 67 Unterstützern

wemakeit.com/projects/co-score-of-all-foods

wemakeit.com/projects/ the-dream-of-inle-lake-child

KINDER PFLANZEN 100 000 BÄUME In Honduras (Zentralamerika) mit armen Kindern und Jugendlichen 100 000 neue Bäume pflanzen. Finanzierungsziel: Fr. 3500.– Erhalten: Fr. 4820.– von 27 Unterstützern

LEIHLAGER Ein Ort, an dem man hochwertige ­Gegenstände günstig ausleihen kann – etwa Bohrmaschinen, Campingzelte oder Küchengeräte. Finanzierungsziel: Fr. 15 000.– Erhalten: Fr. 18 895.– von 164 Unterstützern

wemakeit.com/projects/kinder-­pflanzen100000-baeume

wemakeit.com/projects/leihlager-2019

Bild: Nicolas Faure/Fotostiftung Schweiz/Keystone

Die Hoffnung stirbt zuletzt

Es müsse de facto eine indus­ trielle Revolution stattfinden, sagt Thomas Stocker: «Nach der Mechanisierung, der Elektri­ fizierung und der Digitalisierung braucht es nun die Dekarboni­ sierung.» Für dieses immense globale Unterfangen brauche es neue Erfindungen und neue Produkte – «aber es wird auch viel Fortschritt, Lebensqualität und neue Werte bringen.» Wie gross ist ihre Hoffnung, dass die Menschheit die Klimakrise noch rechtzeitig in den Griff bekommt? «Es schwankt», sagt Guggenbühl. «Aber grund­ sätzlich habe ich diese Hoffnung schon. Und ich könnte es mit mir nicht vereinbaren, mich nicht für meine Überzeugungen einzusetzen, selbst wenn es viel­ leicht nur wenig bringt.» Auch Kampus hat Hoffnung und sieht es gar als moralische Verpflich­ tung, dafür zu kämpfen. «Es ist eine Aufgabe, die uns über die nächsten 50 Jahre beschäftigen wird», sagt Klimaforscher ­Stocker. «Ich bin ein wenig opti­ mistischer als noch im Herbst 2018, dass die Menschheit bereit ist, diesen Weg zu gehen.» MM

LIESTAL GOES UNVERPACKT! SAVE THE BEES Abfüllerei und Verkaufssystem für System zur Bekämpfung der Varroa­unverpackte Lebensmittel in Liestal BL. milbe im Bienenstock. Finanzierungsziel: Fr. 45 000.– Finanzierungsziel: Fr. 50 000.– Erhalten: Fr. 50 377.– Erhalten: Fr. 95 445.– von 471 Unterstützern von 565 Unterstützern

Mehr Infos: climatestrike.ch, wemakeit.com, cetransition.ch

wemakeit.com/projects/liestal-goes-­unverpackt

wemakeit.com/projects/save-the-bees

Ausgewählte Klimaprojekte des Förderfonds Engagement Migros CLIMATE POLICY EXCHANGE Klimaverträge wie das Pariser Klimaabkommen dürfen kein totes Papier bleiben. Das Pionierprojekt Climate Policy Exchange (CPX) schlägt die ­Brücke zwischen lokalen Akteuren und international agierenden Firmen.

FUTURE PERFECT Wie können wir die natürlichen Lebensgrundlagen auf Dauer erhalten? Die Antwort könnte im Konzept der Kreislaufwirtschaft liegen. Um Roh­ stoffe intelligenter zu verwenden und zu verwerten, braucht es neue Ansätze.

thecpx.org

future-perfect.ch

MYBUXI Auf dem Land gibt es heute oft keine gute Alternative zum eigenen Auto. MyBuxi sieht vor, mit einer On-­ Demand-Flotte und professionellen Fahrern, die Anbindung an das ­ÖV-Netz zu verbessern.

MOVE THE DATE Jeweils am 7. Mai ist der Tag, an dem die Schweizer Bevölkerung ihre natür­ lichen Ressourcen für das ganze Jahr aufgebraucht hat. Das Pionierprojekt #MoveTheDate Switzerland will ­diesen Tag nach hinten verschieben.

mybuxi.ch

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ALLERGIEN RASCH ERKENNEN Allergien sind meist nicht gefährlich, sie können sich aber zu chronischen Beschwerden ausweiten. Deshalb bieten die Rotpunkt Apotheken einen Test an, der rasch Auskunft über die häufigsten Allergien gibt. Nur ein Tropfen Blut ist nötig, um Gewissheit zu haben.

Chronische Beschwerden vermeiden Um zu verhindern, dass eine Allergie wegen Nichtwissen zu chronischen Beschwerden führt – beispielsweise zu einem chronischen Asthma wegen allergischem Schnupfen – sollte möglichst rasch ein geeigneter Test durchgeführt werden. Die Rotpunkt Apotheken bieten deshalb Allergie-Checks an. In in einem separaten Raum wird nach dem Ausfül-

kennen, desto besser können die Symptome bekämpft werden. • Der Allergie-Check dauert nur 20 Minuten und kann ohne Voranmeldung in den Tagesablauf integriert werden. • Apotheken sind ein wichtiger Teil des Gesundheitssystems und die pharmazeutisch ausgebildeten Spezialisten bieten ein kostengünstiges Angebot.

Auslöser meiden oder bekämpfen Die häufigsten Überempfindlichkeiten werden von Katzen- oder Hundehaaren, Pollen von Birken, Beifuss, Esche, Lieschgras, Glaskraut oder aber von Hausstaubmilben, Schimmelpilzen oder Küchenschaben ausgelöst. Aber Achtung: Es gilt zu unterscheiden zwischen Allergie und Intoleranzen auf bestimmte Stoffe. Bei einer Allergie reagiert das Immunsystem, bei einer Intoleranz das Verdauungssystem, wie beispielsweise bei der Zöliakie oder der Laktoseintoleranz. Wissen ist also Macht: Kennt man den auslösenden Stoff, können Betroffene entsprechende Schutzmassnahmen ergreifen oder den Auslöser in ihrem Alltag meiden.

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Antihistaminika helfen Antihistaminika, wie beispielsweise Fexo Pollen Sandoz, zeigen eine gute Wirkung bei allergischem Schnupfen, Heuschnupfen, Hausstaubmilben- und Tierallergie, sowie bei Juckreiz. Warum zum Allergie-Check in die Rotpunkt Apotheke? • Bei Allergien ist Wissen Macht: Je schneller Sie die Ursache von Niesen, Husten, Hautveränderungen und Co.

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Laufende Nase, tränende Augen, Niesanfälle oder Rötungen auf der Haut: schuld daran könnte eine Allergie sein. Rund ein Viertel der Bevölkerung leidet an allergischen Symptomen. Der Grund dafür ist: Das Immunsystem hat verlernt, zwischen gefährlichen und harmlosen Substanzen zu unterscheiden und löst eine Überreaktion aus. Verantwortlich für Allergien sind meist Eiweisse, zum Beispiel von Pollen oder Tieren. Ein Eiweiss, das also für andere Menschen harmlos ist, wird für Betroffene zum Allergen.

len eines Anamnese-Fragebogens ein Tropfen Blut vom Finger entnommen und analysiert. Nach 20 Minuten kann mit der Blutanalyse festgestellt werden, ob eine Überempfindlichkeit auf eines der häufigsten Allergene vorliegt. Zusammen mit der Fachperson in der Apotheke werden dann weitere Massnahmen besprochen.

Rotpunkt verlost 3 Gutscheine von Schweiz Tourismus im Wert von CHF 100.–, CHF 150.– und CHF 200.–. Einlösbar für unvergessliche Ausflüge in der Schweiz. Geben Sie untenstehenden Talon in Ihrer Rotpunkt Apotheke ab. Oder machen Sie online mit unter www.rotpunkt-apotheken.ch. Teilnahmeschluss ist der 30. Juni 2020.

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Die meistgenutzten Rotpunkt Serviceleistungen Blasenentzündungs-Check: Der Test erlaubt, Bakterien im Urin nachzuweisen, um die richtige Behandlung zu verordnen.

Blutdruckmessung: Lassen Sie sich ohne Voranmeldung Ihren Blutdruck messen. Wir beraten Sie auch über den Einfluss Ihrer Medikamente.

Blutzuckermessung: Mit einer Blutzuckermessung erfahren Sie, ob ein Diabetes-Risiko besteht.

Hauslieferservice: Bei Bedarf bringen wir Ihnen die Medikamente schnell und zuverlässig nach Hause.

HerzCheck: Der HerzCheck gibt Ihnen Aufschluss über Ihren Blutdruck, das Cholesterin und die Blutzuckerwerte.

Impfberatung: Bringen Sie uns Ihren Impfausweis. Wir erstellen Ihnen eine Übersicht und erfassen Ihren Impfausweis elektronisch.

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Kompressionsstrümpfe: Wir nehmen eine persönliche Messung vor und suchen das passende Strumpfmodell nach Ihren Bedürfnissen aus.

Vaginalbeschwerden-Check: Vermehrter Ausfluss, Juckreiz? Mit einem Test lässt sich die Ursache für das Problem bestimmen.

Wundversorgung: Wir versorgen Ihre Wunde sorgfältig, hygienisch und fachgerecht mit dem geeigneten Material. Nicht alle Rotpunkt Apotheken bieten dieselben Serviceleistungen an. Auf der Rotpunkt Webseite finden Sie eine Übersicht darüber, welche Apotheken was anbieten und wo: www.rotpunkt-apotheken.ch/apotheken

Dr. Beat Disler von der Rosen Rotpunkt Apotheke in Basel, einer von über 100 Chefs die in den inhabergeführten Rotpunkt Apotheken persönlich für Sie da sind.


18 | 2.6.2020 | VATERTAG

Papis Party Am 7. Juni ist in der Schweiz Vatertag. Ein guter Grund, sich auf Spurensuche zu begeben: Wissenswertes und Kurioses rund um Männer, Vaterschaft und Feierfreuden. Text: Rahel Schmucki

3

Fragen an das Männerbüro

Drei Mal mehr Verkehrsunfälle In Deutschland ist der Vater­ tag ein Tag nur für Männer: Sie ziehen zusammen durch die Strassen – meist mit Leiterwagen, gefüllt mit ­Alkohol – und trinken den ganzen Tag lang. Dabei ist egal, ob man(n) Kinder hat oder nicht. An diesem Tag ist die Zahl der alkohol­ bedingten Verkehrsunfälle ­ in Deutschland denn auch dreifach so hoch wie an anderen Tagen.

Historisches

1600

feierte man den ersten Vatertag. Er wird noch heute am 19. März in diversen Ländern gefeiert und ist bekannt als Josefstag.

!

888 Kinder soll der marrokanische Sultan Mulai Ismail (1645–1727) mit seinen Konkubinen gezeugt haben.

1974

ernannte US-Präsident Nixon den Vatertag zum offiziellen amerika­ nischen Feiertag. Er wird heute am dritten Sonntag im Juni gefeiert.

Welche wären das? Zum Beispiel die nicht existente ­Elternzeit in der Schweiz. Oder die ­fehlende Möglichkeit, Teilzeit zu ­arbeiten: Neun von zehn Männern würden gerne ihr Pensum reduzieren und mehr Zeit mit ihren Kindern ­verbringen. Aber nur einer von zehn Männern kann das auch wirklich tun. Der Vatertag als Pendant zum ­Frauenstreik also? Ja, wenn das bedeutet, dass wir ­gemeinsam patriarchale Gesellschaftsstrukturen überwinden wollen. ­ Kein Mann erreicht das dominierende männliche Ideal. Es braucht ein Umdenken auf allen Ebenen der Gesellschaft.

4000

Jahre alt ist die älteste Vatertags­ karte aus Lehm. Archäologen ­haben sie in Babylonien entdeckt. Auf der Tafel wünscht ein Kind ­seinem Vater viel Gesundheit.

Christoph Gosteli, Männerberater beim Mannebüro Züri

Quellen: feiertag.info, livion.de, stuttgarter-nachrichten.de, tageblatt.lu, transling.eu

Welche Bedeutung hat der Vatertag für Sie, Christoph Gosteli? Keine. Meiner Meinung nach hat der Mutter- oder Vatertag die gleiche Wirkung, wie wenn wir auf dem Balkon für das Pflegepersonal klatschen: Man zeigt zwar seine Anerkennung, aber es nützt nichts. Es wäre viel wichtiger, einmal über die Herausforderungen des Vaterseins zu sprechen.


VATERTAG | 2.6.2020 | 19

10 % aller Kinder in Westeuropa sind Kuckuckskinder und leben nicht beim leiblichen Vater. Fjodor, Vater von 69 Kindern

Bilder: Keystone, iStockphoto, zVg, Irene Angehrn; Illustration: iStockphoto

Der russische Bauer Fjodor Wassiljew gilt als der Mann, der­ am meisten Kinder mit derselben Partnerin zeugte: Seine erste Ehefrau brachte z­ wischen 1725 und 1765 ­erstaunliche 69 Kinder zur Welt – nämlich 16-mal Zwillinge, 7-mal Drillinge und 4-mal Vierlinge.

In China nennt man den Vater Baba, was auch so viel heisst wie «acht acht» (bā bā). Darum feiert das Land den Vatertag am 8. August. Andere Länder, andere Daten 21. Mai: Vatertag in Deutschland 19. März: Festa del papà in Italien 1. Sonntag im Oktober: Pappendag in Luxemburg 5. Dezember: Wan Phor in Thailand 23. Juni: Dzień Ojca in Polen

Basteltipp Eine Grillschürze für Papa Eine persönliche Schürze ist ein tolles Geschenk zum Vatertag. Darüber freuen sich bestimmt alle Väter und Grossväter, die gerne am Herd oder Grill stehen. Die Do-it-yourself-Bloggerin Irene Angehrn hat dafür auf famigros.ch eine Bastelanleitung mit Bildern geschrieben. Infos: famigros.ch/basteln

4 Kilo nehmen werdende Väter während der Schwangerschaft ihrer Frau durchschnittlich zu.

Babalar Günü 3. Sonntag im Juni: Babalar Günü in der Türkei


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KOLUMNE | 2.6.2020 | 21

Illustration: Rinah Lang

Einstellungsstopp

Lisa Stutz (26) sucht die Balance zwischen urban und ländlich. Und pickt von beidem das Beste heraus.

STADT, LAND, STUTZ Irgendjemand sagte mal in einer Zeitung, der wahre Charakter ­eines Menschen komme erst zum Vorschein, wenn er ein Auto lenkt. Es wurde gar dazu geraten, eine Autofahrt in den Stellenbewer­ bungsprozess einzubauen. Hat man nämlich zwei Bewerbende, die auf dem Papier und im persönlichen Gespräch genau gleich gut ab­ schneiden, zeige sich nur auf der Strasse, wer die bessere Wahl sei. Ich hoffe, dass das nicht stimmt. Ich bin im Auto die schlechteste ­Version von mir. Zu hektisch, zu unsicher. Dass ich wohl kein Talent bin, merkte ich schon während der Fahrstunden vor sieben Jahren. André, mein Fahrlehrer, war sehr ge­ duldig mit mir. Aber in seiner Mimik las ich die blanke Angst. Ich bin stolz, dass ich die Prüfung trotzdem beim ersten Mal bestand, und gebe des Öfteren damit an. Mittlerweile weiss ich, warum ich nicht die beste Auto­ fah­rerin bin. Ich kann kein Multitasking.

Und Autofahren ist Multitasking. Wer mit mir fährt, darf kein nettes Gespräch über Gott und die Welt anzetteln – schon gar kein Bewerbungsgespräch. Nein: Ich muss schalten, bremsen, steuern. Sonst sind wir plötzlich in Bern statt in Basel. Verstehen Sie mich nicht falsch: Ich gefährde weder mich noch Drittpersonen. Mein Spezialgebiet sind vielmehr unübersehbare Pfosten, Steine und Baumstämme, die ich im Rückwärtsgang touchiere. Manchmal auch im Vorwärtsgang. Weil ich um meine Schwäche weiss, bin ich oft Beifahrerin. Was ich auf dem rechten Sitz alles erlebe! Männer tendieren zum Flu­ chen. «Sone Dubel!», rufen sie, ohne zu wis­ sen, ob vor ihnen ein Mann oder eine Frau fährt – der Feind ist männlich. Andere sind nicht konzentriert, zappen am Radio, telefo­ nieren, hören haarsträubende Musik oder haben kein Gefühl für den nötigen Abstand. Ich würde keinen von ihnen einstellen. MM

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Aussergewöhnliche Reisen zu moderaten Preisen


ZAHLTAG | 2.6.2020 | 23

Veggie Bag statt Raschelsack Er ist die umweltschonende Alternative zum Plastiksäcklein. Der Veggie Bag in Zahlen: woraus er besteht, was er kann und wie man ihn pflegt. Text: Dominik Véron  Bild: Roger Hofstetter

2 632 764 So viele Beutel sind bereits in Umlauf: 658 191 Viererpack, also 2 632 764 Stück insgesamt.

Meter beträgt der durchschnitt­ liche Abstand vom VeggieBag-Regal, wenn Kunden feststellen, dass sie ihren eigenen Beutel zu Hause vergessen haben. Macht nichts, passiert uns allen. Beim nächsten Einkauf gibt es ja eine neue Chance.

Kilo Äpfel finden locker Platz in einem Veggie Bag.

Wird der Veggie Bag mindestens sechs Mal wiederverwendet, weist er eine geringere Umweltbelastung auf als ein herkömmliches Einweg-Plastiksäckchen.

Ein Veggie Bag besteht aus 940 Metern Faden.

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2.50 Franken kosten vier Veggie Bags in der Migros.


24 | 2.6.2020 | FAMILIENAUSFLUG

25 Meter hoch, 254 Meter lang und bereits vor 145 Jahren in Betrieb genommen: die Rhein­brücke der Bahnstrecke von Etzwilen nach Singen in Deutschland

«Volle Pulle» über den Rhein Mit dem Schienenvelo auf der stillgelegten Bahnlinie von Etzwilen nach Singen radeln ist ein Erlebnis für Familien, Entdecker und Nostalgiker – dank Kapitän und Fast-Lokführer Franz Signer. Text: Marlies Seifert­  Bilder: Roger Hofstetter


FAMILIENAUSFLUG | 2.6.2020 | 25

T

uuuut, tuuuut! Wir fahren zwar nicht in einer Dampf­ lokomotive, wollen uns aber doch bemerkbar machen. Also blasen wir beherzt ins Hörnli, das uns am Bahnhof Ramsen SH in die Hand gedrückt wurde, und rat­ tern am Andreaskreuz vorbei über den Bahnübergang. Unser einziger Antrieb: die eigene Muskelkraft. Wir fahren Schienenvelo! Angst vor Gegenverkehr? Unnötig. Schon 1969 wurde der Personenverkehr zwischen Singen in Deutschland und Etzwilen SH eingestellt. Seit Ende der Neunzigerjahre fahren auch k ­ eine Güterzüge mehr. «Wir waren Teil der rollenden Landstrasse durch die Schweiz», erzählt Franz ­Signer (73) vom Verein zur Erhaltung der Eisenbahnlinie Etzwilen-Singen, der heute die Strecke unterhält. Im Eiltempo rauschten damals ganze Lkw Richtung ­Süden. Wir strampeln jetzt wie die ­Wilden und erreichen trotz pfeil­ geraden Gleisen nur höchstens 20 Kilometer pro Stunde. Zeit für eine Pause. Im Bahnhofs­museum in ­Hemishofen SH erklärt Signer die Exponate mit der Souveränität des ­pensionierten Seklehrers. «Eigent­ lich wollte ich Lokführer werden. Weil ich Brille trage, ging das aber nicht.» Nun ist er halt Schienenvelo­ kapitän – und führt uns bald zum Highlight der Strecke: auf die 25 Meter hohe Rheinbrücke. Türkis­ blau schimmert der Fluss zu unseren ­Füssen. Was für eine Aussicht! Nach kurzer Fahrt bergauf wird das Schienenvelo gedreht. «Jetzt ­volle Pulle treten, dann sausen ­lassen», kommandiert Signer. Die Haare flattern im Fahrtwind. Für ­einen ­Moment sind wir fast so schnell wie eine Dampflok. MM


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FAMILIENAUSFLUG | 2.6.2020 | 27

Nach einer kurzen Einführung (rechts) beginnt das Abenteuer in Ramsen. ­Unterwegs gibt es neben Eisenbahn-Romantik und Action viel Wissenswertes: So dürfen Kinder selber die Weiche umstellen (unten) oder erfahren, wie eine alte ­Bahnhofs­glocke funk­tioniert.

«Wir waren Teil der rollenden Landstrasse durch die Schweiz.» Franz Signer (73) Schienenvelokapitän

So kommen Sie aufs Schienenvelo Sonntags startet die Fahrt von Ramsen nach Hemishofen und zurück, von 11 bis 16 Uhr zu jeder vollen Stunde. Fahrtdauer: eine Stunde. Die Vorreservation ist online oder per Telefon möglich. Wer das letzte Zeitfenster bucht, kann die Fahrt bis zur Rheinbrücke verlängern. Deren Befahrung ist nach Voranmel­ dung auch unter der Woche möglich und findet in jedem Fall unter Aufsicht statt. Die längere Route mit Brücke nimmt ein­ einhalb Stunden in Anspruch. Pro Schienenvelo können zwei bis maximal fünf Personen mit­ fahren. Preis: 30 Franken pro Schienenvelo für die Kurz- und 50 Franken für die Langstrecke. Infos unter +41 (0) 52­743 14 90 oder auf etzwilen-singen.ch


30 | 2.6.2020 | FOODSTYLE

Foodwaste

Das kann noch nicht weg


FOODSTYLE | 2.6.2020 | 31

Rechts: Geräucherte Lachsforelle auf ­­SelleriePüree, ­umkreist von ein­gelegtem ­Apfel, ­glasiertem Speck und Kresse. Links der Teller mit den Abfällen: ­Neben ­Fischkopf und -gräten ­Gemüseresten, ein Apfel, Speckhaut und ein ­Rahmdöschen

Beim Kochen sammelt sich einiges an Abfall an. Aber wie viel eigentlich? Und dient er vielleicht noch zu etwas, bevor man ihn wegschmeisst? Beim Versuch haben Foodstylistin Rahel Rüttimann und Fotograf Ron Edwards ein paar völlig ekelfreie Arbeiten geschaffen. Text: Dinah Leuenberger Bilder: Rahel Rüttimann und Ron Edwards


32 | 2.6.2020 | FOODSTYLE

Vom Ricotta-­ Randen-Ravioli ­gefüllt mit ­einem ganzen Bio-­Eigelb (rechts) bleiben die Ringelrande, ­Eier­schalen, die Rinde von Grana Padano, Kräuterstängel, ein ­Knoblauchnetz und eine ­Etikette übrig.

«Wir haben uns gefragt, wie viel Abfall beim Kochen entsteht – und haben einmal gesammelt. Es wurde recht schnell ein ziemlich grosser Berg.» Rahel Rüttimann (27) Foodstylistin


FOODSTYLE | 2.6.2020 | 33

S

ie weiss, wie man Essen ­optisch schön anrichtet, und er, wie man es foto­ grafiert. Aus dieser ­Kombination realisierten Rahel Rüttimann (27) und Ron Edwards (32) ihr gemeinsames Projekt «Gnuss und Güsel». Auf jedem Bildpaar sehen Betrachtende zum ­einen ein aufwendig zubereitetes Gericht aus vielen frisch gekochten Komponenten. Und zum anderen den entstandenen «Abfallberg». «Der soll keinen Ekel hervorrufen», sagt Edwards, und wird so fürs Foto fast wie das Menü in Szene gesetzt. «Gnuss und Güsel» ist bereits das zweite Kunstprojekt des Duos «Rahel und Ron». Dabei gehe es ­ihnen nicht primär um das Thema Food-Waste, obwohl sie darauf ­natürlich sensibilisiert seien. «Viel­ mehr hatten wir die Absicht, auch aus dem Abfall etwas Schönes zu kreieren», erklärt Rüttimann. Start in die Selbständigkeit

Der Markknochen, Kürbisinnereien, die Fleischverpackung, Küchen- und ­Butterpapier ­erinnern noch an das ­leckere ­Gericht rechts: Ein Sous-­vide gegartes Hirschkarree mit Portwein-­DemiGlace, ­dreierlei ­Federkohl und ­Kürbispüree

Die beiden Food-Begeisterten ­haben das Studio «Rahel and Ron» bisher neben ihrem Haupt­erwerb betreut. Sie hat als Poly­desig­nerin gearbeitet und er als Marketing Manager. Jetzt wagen die beiden aber den Schritt in die Selbstän­ digkeit, mit einer eigenen FoodMarketing-­Agentur. Dass ihr Fokus auf dem Essen liegt, ist naheliegend: Das Paar ist in Familien aufgewachsen, die ­Kochen und Essen leidenschaftlich zelebrieren. Mit ihrer eigenen Agentur wollen die beiden diese Leidenschaft weitergeben. MM Mehr Infos: rahelandron.ch, Instagram: @rahelandron


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GENUSS | 2.6.2020 | 35

Wissensbissen

Grill mi Camembert Cremiger Camembert vom Grill – ja, auch das geht. Der Weichkäse lässt sich einfach grillieren, ohne dass er am Rost anklebt. Je nach gewünschter Bräunung benötigt der Grillkäse fünf bis zwölf Minuten. Ideal als Begleiter zu Folienkartoffeln, knusprigem Brot oder einem fruchtig-würzigen Chutney.

GARTEN

Grillkräuter

Illustration: Felice Bruno; Bilder: iStock, zVg

Rosmarin, Thymian, Oregano und Salbei sind aromatische Trümpfe beim Grillieren. Als einfache Paste mit Senf füllen sie kleine Täschchen, die man ins Fleisch schneidet. Verholzte Thymian- und Rosmarinzweige kann man leicht gewässert in die Glut oder die Tropfschale geben – so wird das Grillgut leicht geräuchert.

275

Grad beträgt die Temperatur, auf die Holz zur Gewinnung von Holzkohle erhitzt wird – ganz ohne Zufuhr von Sauerstoff. Die Temperatur steigert sich dann selbständig auf 350 bis 400 Grad.

Grill-Timer Mit dem Grill-Timer der Migros-Grillitarier-App fürs Smartphone gelingt von Fleisch über Fisch bis Gemüse jedes Grill­ gut perfekt, denn es wird ­alles punktgenau ge­ braten. Den Link zur App gibts auf grillitarier.ch

Pfannenhilfe

Mein Steak vom Holzkohlegrill ist aus­sen schon fast verbrannt, innen aber noch roh. Was mache ich falsch? Das passiert leicht, wenn man direkt über der Glut grilliert. ­Besser indirekt grillie­ ren. Man kann zum Beispiel die Kohle seit­ lich anordnen und das Steak in die Mitte des Rosts legen. Man soll den Rost nicht einölen, aber bei mir klebt das Fleisch an. Wie lässt sich das verhindern? Fleisch lässt sich leicht wenden, wenn sich bereits eine leichte Kruste gebildet hat. So lange muss man sich gedulden. Man kann zwischendurch ver­ suchen, das Fleisch mit der Grillzange an­ zuheben. Wenn es noch klebt, ist der Zeitpunkt noch nicht erreicht. Alternativ können Sie auch ein wenig Pflanzenöl ins Fleisch einmassieren. Das Öl darf aber ­keinesfalls in die Glut tropfen.


36 | 2.6.2020 | MEINE MIGROS

Produktmanager Goran Susic (38) überzeugt sich von der Qualität der Erdbeeren.

Erdbeer-FrischkäseKuchen Dessert, ergibt ca. 6 Stück 60 g Mandelblättchen 70 g Butter ½ Zitrone 150 g Löffelbiskuits 5 Blatt Gelatine 1 dl Milch 250 g Halbfettquark nature 300 g Frischkäse, z. B. von M-Budget 50 g Puderzucker 400 g Erdbeeren

«Geerntet wird von Hand»

Zubereitung

1. Springformboden mit Backpapier aus­ legen. Mandeln rösten, auskühlen lassen. Butter bei kleiner Hitze schmelzen. Schale der Zitrone fein abreiben, Saft auspressen. Löffelbiskuits und Mandelscheiben im ­Mixer oder Cutter fein hacken. Mit Butter, Zitronenschale und -saft mischen. Auf dem Springformboden verteilen. Boden gut ­andrücken, kühl stellen.

Goran Susic freut sich schon lange auf die Erdbeersaison – als Product Manager Beeren der Genossenschaft Ostschweiz hat er auch beruflich grosses Interesse an den Früchten.

ie meisten Beerenfans warten sehnsüchtig auf heimische Erdbeeren. Wann startet die Saison, und wie lange dauert sie? Erste Erdbeeren gibt es meist schon im April. Haupterntezeit sind aber die drei Wochen von Ende Mai bis Mitte Juni. Durch gute Sorten­ auswahl können unsere Schweizer ­Produzenten die Saison aber ­ver­längern, und so haben wir oft bis ­September heimische Beeren. Wie läuft die Ernte ab? Geerntet wird morgens früh – von Hand. Die Pflücker legen die Früchte dabei möglichst gleich in die Schale. Erdbeeren sind sehr druckempfind­ lich, deshalb werden sie so wenig wie möglich angefasst. Das erfordert nicht nur ein gutes Auge, sondern auch einen sensiblen Umgang mit den Beeren. Zudem werden alle ­Schalen ausgewogen bestückt: nicht nur grosse oder kleine Früchte. Im Normalfall sind die Beeren am ­nächsten Tag bereits in der Migros. Wie lange dauert es, bis die Pflückerin oder der Pflücker das beherrscht?

Das kann schon ein paar Wochen ­dauern. Deshalb wird nach Möglich­ keit auf längerfristig verfügbares ­Personal gesetzt.

2. Gelatine ca. 5 Minuten in kaltem Wasser einweichen. Milch in einer Pfanne erwärmen. Gelatine aus dem Wasser heben, gut aus­ drücken, zur Milch geben und rühren, bis sie geschmolzen ist. Pfanne von der Herdplatte ziehen. Quark, Frischkäse und Zucker verrühren. Wenig Masse in die Milch rühren, dann mit der restlichen Masse gut vermischen. ¼ der Erdbeeren in Scheiben schneiden und auf dem Biskuitboden vertei­ len, Masse darauf giessen und glatt streichen. Etwa 3 Stunden zugedeckt kühl stellen.

Kontrolliert werden die Beeren aber auch von der Migros, oder? Ja, wir nehmen Stichproben. Da ­werden Früchte probiert, visuell be­ urteilt und ganz objektiv der Zucker­ gehalt ­gemessen – wie im Weinbau. Welche Früchte aus Schweizer ­Anbau folgen als Nächste? Bei uns in der Ostschweiz sind das die Himbeeren, dann die Heidel­ beeren. Insgesamt kommen wir auf acht bis zehn Beerensorten – ­inklusive Spezialitäten wie die ­Sélection-Erdbeeren Mara des Bois. Jede Migros-Region arbeitet ­zudem mit lokalen Produzenten, ­sodass ein sehr grosses Angebot an Beeren aus der Region erhältlich ist. Wie sieht das Angebot bei den Biobeeren aus? Die Nachfrage steigt, und die Anbau­ flächen sind in den letzten Jahren stark ausgebaut worden. Wir führen viele verschiedene Biobeeren. MM

3. Kuchen vorsichtig aus der Form nehmen. Restliche Erdbeeren in feine Scheiben schneiden. Auf dem Kuchen anrichten und sofort servieren. Bild und Styling: Veronika Studer; Roger Hofstetter

D

Text: Claudia Schmidt

TIPP Nach Belieben mit Zitronenzesten und Erdbeerblüten dekorieren. Zubereitung ca. 30 Minuten  Einsteiger + ca. 3 Stunden kühl stellen Preis: günstig

Pro Stück ca. 14 g Eiweiss, 30 g Fett, 38 g Kohlenhydrate, 2000 kJ/480 kcal


MEINE MIGROS | 2.6.2020 | 37

Weitere Infos und Rezepte: migusto.ch/beeren

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Sélection Erdbeeren Mara des Bois, 250 g* aktueller Tagespreis * in grösseren Filialen

Migusto ist die Kochplattform der Migros: migusto.ch


38 | 2.6.2020 | MEINE MIGROS

Diese Glace hat Saison Für viele Glace-Fans ist auch der Hauptgang bloss eine ­Vorspeise. Die vielen C ­ rème-d’Or-Kreationen aus Meilen am Zürichsee ­gestalten die Auswahl fast schon schwer: Neben Klassikern wie Waldbeeren oder ­Caramel bereichern s­ aisonale, zeitlich limitiert erhält­ liche Sorten das ­Angebot – j­ etzt etwa Poire Williamine. Die Rahmglace wird wie alle Crème d’Or aus Schweizer Milch und Rahm sowie zu 100 Prozent aus natürlichen Zutaten hergestellt. Bei Poire Williamine stammt der Williamsgeist von der Walliser Distillerie Morand.

Crème d’Or Poire Williamine, Limited Edition, 750 ml Fr. 8.80

Tipp In wenigen Handgriffen ­zum ­Gelatiere: Zerstossene Nussguetzli, Birnenschnitze und Melissenblätter passen zur ­Kugel Poire Williamine; Rahmtäfeli, Caramelsauce oder einfach Rahm zur Caramel-­ Glace. Frische Beeren gesellen sich zum Eis mit Waldfrüchten.

vom 2. bis 8. Juni

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Bild und Styling: Claudia Linsi; Foodstyling: Feride Dogum

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KOLUMNE | 2.6.2020 | 51

Zuckerbrot und Peitsche

1, 2 ODER 3 ? Der Grosse (9) und der ­ leine (4) ergänzen sich in vielem. So i­ sst K der Kleine den Broccoli für den G ­ rossen, dafür nimmt sich dieser der E ­ rbsli des ­Brüderchens an. Der Grosse baut Lego­ brücken, die der Kleine mit s­ einen Mons­ tertrucks einstürzen lässt. Je nach Bereich und Befindlichkeit fällt die Zusammen­ arbeit kooperativ oder konfliktreich aus. Bei Süssigkeiten treffen Himmel und Hölle aufeinander: Geht es darum, uns zu überzeugen, dass jetzt genau der richtige Zeitpunkt für ein Dessert ist, sind sie aus­ gewiefte Partner. Machen sie sich dann aber über die Smarties oder Mentos her, werden sie zu erbitterten Feinden. Der Grosse gibt vor, alles verdrückt zu haben. Der Kleine fällt jedes Mal darauf h ­ erein und verschlingt seinen ­Zuckerschock im Rekordtempo. Dann zaubert der Grosse ­genüsslich ganz viele Smarties oder Men­ tos hervor und lockt den ­Kleinen, bis der bittere Tränen vergiesst. – Und jetzt? MM 1 Ich warte, bis der Grosse seine Mentos

Illustration: Lisa Rock

weggeputzt hat, und ­öffne ein Packung nur für mich. 2 Der Grosse kriegt nichts Süsses mehr, wenn er weiterhin diese blöde Show abzieht. 3 Ich erinnere mich, dass mein grosser ­Bruder das Gleiche mit mir gemacht hat, und lache leise in mich hinein.

Monica Müller (45) hat zwei ­Buben, einen Mann, einen Job, einen Haushalt. Mal wäre sie gern mehr Leitwölfin, mal mehr Gandhi.

Antwort 3: Da ich keine bleibenden Schäden davongetragen habe, vertraue ich darauf, dass auch der Kleine das durchstehen wird. Vielleicht stecke ich ihm heimlich hie und da einige Mentos zu – zur mentalen Stärkung. Anzeige

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52 | 2.6.2020 | REGENBOGENFAMILIE

Joshua hat zwei Mütter Für Leonie Plastina war schon immer klar: Sie wollte eines Tages Mutter werden. Doch dann verliebte sie sich in Sonja. Das Projekt leibliches Kind wurde auf einmal ziemlich kompliziert – aber nicht unmöglich. Chronik einer Familiengründung mit Hindernissen. Text: Anne-Sophie Keller  Bilder: Mara Truog

E

in Kind zeugen in den Flitter­ wochen: Heterosexuellen ­Paaren passiert das schnell einmal, ob gewollt oder un­ gewollt. Bei Leonie (29) und Sonja ­Plastina (39) war das alles ein bisschen komplizierter. Oder wie sie sagen: «Halt anders – kompliziert ist es ja ­ bei den meisten Paaren.» Die zwei Frauen lernten sich ­Anfang 2009 beim Sport kennen. ­Beide spielten Handball, Sonja in der A-Nationalmannschaft, Leonie im U20-Team. Bis zu diesem Zeitpunkt hatten beide nur Männerbeziehungen gehabt. Sie waren also ziemlich über­ rascht, als aus Freundschaft plötzlich Liebe wurde. «Während andere sich schon ihre Theorien über uns zurecht­ legten, hatten wir selbst noch keinen Plan, was das zwischen uns eigentlich war», sagt Leonie Plastina. Hinzu ­kamen zehn Jahre Altersunterschied, was der Gerüchteküche der Team­ kolleginnen zusätzlich Würze gab. Als die beiden sich schliesslich ­ im Sommer 2009 ihrem Umfeld gegen­ über outeten und fortan als ­Paar auf­ traten, fielen die Reaktionen durchweg positiv aus. Im August 2016 – sieben Jahre nach dem ersten Date – liessen Leonie und Sonja ihre Partnerschaft eintragen. Das Glück schien perfekt. Es gab da nur diesen einen Haken: Wie machen zwei Frauen ein Baby? Leonie, die schon immer einen starken Kinderwunsch verspürt hatte, erinnert sich: «Für mich war von Anfang an klar, dass wir einen Weg finden würden.» Der Weg führte während der Flitter­ wochen in das Instituto Bernabeu, eine Fertilitätsklinik in der spanischen Hafenstadt Alicante. Denn die Samen­

spende ist in der Schweiz für lesbische Paare bis jetzt verboten (siehe Infobox rechts). «Wir haben uns dazu entschieden, mein Ei künstlich befruchten zu lassen und es Sonja einzupflanzen», erklärt Leonie. Sonja wurde dadurch mit Leonies Kind schwanger. Zehn Tage später flogen ­ sie zurück – zu dritt. «Dir wird ­ etwas injiziert, und plötzlich bist du schwanger. Das war schon sehr surreal», sagt Sonja rückblickend. Es hat sie viel gekostet

Die Erfolgsrate bei In-vitro-Fertilisa­ tion beträgt 20 bis 40 Prozent. Das ist nicht viel höher als bei normalen Schwangerschaften, von denen nur rund ein Fünftel erfolgreich verläuft. Auch bei Leonie und Sonja klappte es nicht auf Anhieb. Nach e­ iner Fehl­ geburt folgte Ende März 2017 der ­zweite Versuch: Ein eingefrorenes ­Reserveei wurde zur zweiten Chance – und schliesslich, am 16. Dezember 2017, termingetreu zu Joshua, einem kerngesunden Blondschopf mit grün­ braunen Augen. Und mit der Pünkt­ lichkeit eines Schweizer Uhrwerks, wie sich herausgestellt hat. «Ein rich­

«Da wird dir etwas injiziert, und plötzlich bist du schwanger. Das war surreal.» Sonja Plastina Mutter von Joshua

tiger Bünzlischweizer», scherzt Leonie. Er passe gut in die Familie. «Alles bei uns ist total konventionell: Wir haben in Weiss geheiratet und nun sogar ein Haus gekauft. Völlig langweilig», fügt sie an und lacht. Für Joshua ist Sonja Mama und Leonie Mami. Doch wenn er ruft, rennen beide. Ansonsten unterscheidet sich die Kinderbetreuung nicht gross von denen anderer Eltern, die berufs­ tätig sind. Sonja ist seit November 2019 ad interim Geschäftsführerin eines Handelsunternehmens; Leonie wird dieses Jahr in Zürich ihr Medizin­ studium abschliessen. Während die beiden ausser Haus sind, wird Joshua an zwei Tagen von Grosseltern gehütet, zwei Tage verbringt er in der Kita und den fünften teilen sich die Mütter auf. Eine angehende Ärztin und eine Geschäftsführerin haben also ein Kind bekommen. Weil sie es wollten – aber auch, weil sie es sich leisten konnten: 14 000 Franken kosteten die Reise und alle medizinischen und administra­tiven Abklärungen, weitere 6000 Franken sollte der Adoptions­ prozess verschlingen. Doch zunächst tauchte eine andere Hürde auf: Das ­Zivilstandsamt erklärte, dass es mit ­einer eingetra­genen Partnerschaft keinen Familien­namen gebe, dass ­Joshua folglich den ledigen Namen der leiblichen Mutter erhalte und ­somit Joshua Bachmann heisse. Die Namensänderung, die d ­ rei Monate nach Joshuas Geburt rechtskräftig wurde, kostete zusätz­liche 6 ­ 00 Fran­ ken – und Nerven:«Da wir kein Fami­ lienbüchlein hatten, mussten wir die Geburtsurkunde einschicken. Joshua hatte ­damit gar keine Papiere mehr», erklärt Leonie. Die ­Geburtsurkunde


2.6.2020 | 53

Wenn die Mütter mit dem Sohne: Leonie (hinten) und Sonja Plastina sind nach einer künst­lichen ­Befruchtung und zahlreichen administrativen Hürden glücklich mit Sohn Joshua.

Das sagt das Gesetz Lesbische Frauen können in der Schweiz selbstver­ ständlich Kinder kriegen, haben jedoch hierzulande keinen Zugang zur Samen­ spende. Das hat die Na­ tionalratskommission im Sommer 2019 im Zuge der Debatte über die «Ehe für alle» entschieden. Der Dachverband Regen­ bogenfamilien zeigt sich aber optimistisch, dass dieses Jahr eine Mehrheit im Parlament die Variante mit der Samenspende ­ in die Vorlage aufnehmen wird. Somit würde sich der Zugang zur Samenspende in der Schweiz auf die ­geregelte Nutzung von ­Samenbanken begrenzen. Debattiert wird das ­Geschäft in der Sommer­ session 2020. Infos: regenbogenfamilien.ch


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REGENBOGENFAMILIE | 2.6.2020 | 55

musste das Paar nach der Namens­ änderung wiederum neu beantragen. Im Dezember 2018 ging das Pro­ zedere mit der Adoption los. Leonie erzählt: «Ich musste ein dickes Dos­ sier einreichen, das unter anderem eine von mir verfasste Biografie über ­Joshua enthalten sollte. Wie absurd: ein Lebenslauf über ein Baby. Was schreibe ich denn da? Dass Joshua gerne spielt und seit einem Monat laufen kann?» Der Prozess dauerte zehn Monate – bis zum positiven Ent­ scheid im O ­ ktober 2019. Heute kön­ nen die zwei darüber lachen. «Aber die Informa­tionsbeschaffung war an­ strengend», sagt Leonie. Über die nö­ tigen Res­sourcen verfügen nicht alle Familien. ­«Unser Gynäkologe erzähl­ te uns von Frauen, die illegal Sperma kaufen ­und es sich dann selber inji­ zieren. Die a­ ktuelle Gesetzeslage führt genau dazu: Weniger privile­ gierte Menschen begeben sich in Risikosi­tuationen.» Niemals werde

sie verstehen, warum man die Rechte von Menschen derart einschränke. Sie würden es wieder tun

Alles «total konventionell» – und doch ein bisschen anders: Joshua nennt seine Eltern Mami und Mama.

Eines Tages wird Joshua in der Schule gefragt werden, wo sein Papa sei. Leonie und Sonja Plastina sehen das gelassen: «Darüber haben wir keine Kontrolle. Wir können unseren Sohn lediglich stärken, damit er hoffentlich gut mit diesen Fra­ gen wird umgehen können.» Leonie sagt das mit einer Ruhe, die sich auch auf den mittlerweile zweijährigen Joshua aus­ zuwirken scheint: Er strahlt wie seine Mütter viel Gelassenheit aus. Sonja fügt an: «Wir vertrauen darauf, dass die ­Gesellschaft auch progressiver wird. Es gibt inzwischen so viele Regenbogen­ familien; das macht Mut.» Für die beiden Frauen steht ausser Zweifel: Auch wenn der Weg teilweise beschwerlich und mühsam war, sie würden ihn für weitere Kinder wieder gehen. «Man kann auch als lesbische Frau eine eigene, glückliche Familie haben», resümiert Leonie. MM

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58 | 2.6.2020 | NATURGEFAHREN

Schutzengel der Bergstrassen Ingenieur Andreas Lanter konstruiert und testet raffinierte Steinschlagbarrieren, die auch tonnenschwere Felsbrocken aufhalten. Text: Michael West  Bilder: Roger Hofstetter

Schwindelfrei: Andreas ­Lanter kontrolliert das ­Schutznetz, das einen neun ­Tonnen schweren Brocken a ­ ufhalten soll.


NATURGEFAHREN | 2.6.2020 | 59

«Heute baut man Häuser an Orte, die unsere Vorfahren aus Angst vor Steinschlag gemieden hätten.»

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er weisse Opel ist kaum noch als Auto zu erkennen: Nur ein ­bizarres Durcheinander aus ­zerknülltem Blech, geborstenem Plastik, zerfetzten Sitzpolstern und Glas­ splittern ist vom Kleinwagen geblieben. Er sieht aus, als habe ihn ein Monster ­zerkaut und wieder ausgespuckt. In Wahrheit ist der bemitleidenswerte Opel einem Experiment zum Opfer gefallen: Ein Kran liess einen 1,4 Tonnen schweren Felsbrocken aus 36 Metern Höhe auf das Auto krachen. Nun steht das Wrack am Rand des früheren Steinbruchs Lochezen oberhalb des Walensees – ein Mahnmal ­dafür, was auf Bergstrassen passieren kann, wenn nicht mit armierten Beton­ verbauungen, Erdwällen und Schutznetzen vorgesorgt wird. Auf dem zerklüfteten Gelände befindet sich die einzige Steinschlag-Versuchsanlage der Schweiz. Als sie 2001 ihren Betrieb ­aufnahm, galt sie sogar in ganz Europa als einmalig. Inzwischen existieren etwa in den ­italienischen Alpen ähnliche Anlagen. Auf dem Lochezen-Areal testen Ingenieure, Monteure und Messtechniker robuste Schutznetze, die weltweit in Felswänden oberhalb von ­Strassen und Bahnlinien ­verankert werden.

Die Steinschlag-­ Versuchsanlage ­Lochezen über dem Walensee

Wo es Steine regnet

Das Prüfgelände auf einem Plateau unter­ halb einer lotrechten Kalksteinwand ist nur schwer zugänglich. Erreichen lässt es sich über eine bewilligungspflichtige Waldstrasse und anschliessend mit e­ iner Standseilbahn. Ein ganzes Arsenal von Warntafeln soll ­ungebetene Besucher fernhalten. Betrieben wird die Anlage von der ­Romanshorner Firma Geobrugg, der euro­ päischen Marktführerin für SteinschlagSchutznetze. An einem trübkalten Maitag will hier einer ihrer Spezialisten ein neu­ artiges Netz testen: Andreas Lanter ist ein durchtrainierter Mann, der sich zwischen Felsbrocken und grobschlächtigen Bau­ maschinen sichtlich wohlfühlt. Prüfend blickt der 30-jährige Ingenieur zur oberen

Kante der Kalksteinwand empor. Dort steht ein Kran, dessen Konturen im wabernden Nebel fast verschwinden. An seinem Aus­ leger hängt ein Betonklotz mit Stahlkern – ein normierter Brocken, der acht Tonnen auf die Waage bringt. Bald soll er aus 41,5 Metern Höhe in das Schutznetz stürzen und zuverlässig aufgehalten werden. «Das Netz ist nur zehn Meter breit», er­ klärt Lanter. «Das ist eine Herausforderung, weil eine grössere Barriere den Einschlag besser abfedern könnte. Es gibt aber Situa­ tionen, in denen über einer Bergstrasse nur Platz für ein schmales Netz bleibt – ­darum ist dieser Test wichtig.» Dann klettert der Experte über eine Metallstiege an der

Wand hoch. Er klinkt seinen Klettergurt mit einem Karabinerhaken in ein waagrecht verlaufendes Drahtseil ein und geht über ­einen schmalen Steg zum Schutznetz, das mit massiven Stahlträgern im Kalkfels ver­ ankert ist. Sorgfältig kontrolliert Lanter noch einmal alle Einzelteile der Steinschlag­ barriere: Sie besteht vor allem aus Draht­ seilen und einem Flechtwerk aus Stahl­ drahtringen. Hinzu kommen sogenannte Bremselemente – Metallplatten, die sich beim ­Aufprall kontrolliert verbiegen und so Energie abbauen. Später gibt Lanter aus sicherer Distanz den Befehl zum Abwurf des Brockens. ­Spezialkameras laufen, um den Einschlag in


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NATURGEFAHREN | 2.6.2020 | 61

«Auch die Berge sind keine ewigen Monumente, sondern vergänglich. Darum fallen Felsbrocken herunter, die es aufzuhalten gilt.» Superzeitlupe festzuhalten. Messtechniker haben einen ­3-D-­Laserscanner installiert, der danach ein räumliches Bild des verformten Netzes machen soll. Unheil von oben

Einen Augenblick ist es auf der Testanlage völlig still; niemand sagt ein Wort. Dann stürzt der Betonbrocken wie ein Meteorit aus dem grauen Dunst und knallt in die Barriere. Das Netzwerk gleicht danach einem ausgeleierten Strumpf. Doch es hat den Betonklotz etwa fünf Meter über dem Boden aufgehalten. «Rund zehn solcher Tests sind nötig, bis die Barriere nach ­einer zweijährigen Entwicklungszeit reif für die Zertifi­ zierung ist», sagt der Ingenieur. «Keine noch so exakte Computersimulation kann die ­Versuche im Feld ersetzen.» Die Geduld verliert Lanter bei dieser langwierigen Arbeit nie. Denn er weiss, welche Verant­wortung er trägt: Seine Netze schützen nicht nur die Axen­strasse am Vierwaldstättersee, sondern beispielsweise auch die legendäre Küsten­strasse Chapman’s Peak Drive südlich von Kapstadt oder Bahnstrecken in Japan, über die Hochgeschwindigkeits­ züge rasen.

Der Spezialist ist sich sicher, dass ihm die Arbeit in den kommenden Jahren nicht ausgehen wird: «Durch den Klimawandel weicht der Permafrost zurück, und Felswände werden instabil. Hinzu kommt die Zersiedelung der Alpen: Heute baut man Häuser an Orte, die unsere ­Vorfahren aus Angst vor Steinschlag noch gemieden hätten.» Berge mit Verfallsdatum

Wie verändert es einen Menschen, wenn er sich beruflich dauernd mit Naturgefahren befasst? Macht Lanter in der Freizeit einen weiten Bogen um die Berge? «Im Gegenteil», sagt er mit Nachdruck. Er sei ein pas­ sionierter Bergsteiger, der gerne die Schafbergwand am Alpstein erklimme. Doch seinen Profiblick kann er nie ganz abschalten. Er achtet beim Wandern und Klettern auf Bruchlinien in Felswänden oder auf Narben, die frühere Steinschläge in Baumstämmen hinterlassen h ­ aben. «Ich finde die Berge wunderschön», versichert er. «Doch ich sehe sie nicht als ewige Naturmonumente. Sie wurden einst aufgefaltet, und unendlich langsam vergehen sie auch wieder. Darum bröckeln Felswände und fallen Brocken in die Tiefe, die es aufzuhalten gilt.» MM

Test erfolgreich: Das Netz konnte den aus 41,5 Metern Höhe ­abstürzenden Beton­klotz stoppen.


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Durchstarten – mit neuem Wissen zu mehr Erfolg Im digitalen Zeitalter sind Social Media nicht mehr aus dem Alltag wegzudenken. Doch wie lässt sich das Potenzial von Facebook, Instagram und Co. bestmöglich nutzen? Die richtigen Fach- und Computerkenntnisse versprechen Erfolg. Da ist diese junge Mutter, die ihre selbstgenähten Babykleider via Facebook vermarktet, der Rentner, der Instagram für eine virtuelle Fotoausstellung nutzt, die Stylistin, die ihre WhatsAppKontakte mit Schönheitstipps versorgt. Ob für das (Einzel-)Unternehmen, den Verein oder für private Zwecke – zahlreiche Beispiele zeigen: Social Media kann ein wichtiger Erfolgsfaktor sein. Denn in keinem anderen Marketingbereich ist es so einfach, schnell, direkt und unkompliziert mit bestehenden und zukünftigen Kundinnen und Kunden in Kontakt zu treten, Feedback von Partnern und Gleichgesinnten zu erhalten oder die Bedürfnisse der eigenen Zielgruppe abzuholen. Auch wenn Social Media längst kein neues Phänomen mehr ist – die Zahl mitspielender KMU, Organisationen und Influencer, die unbeachtet untergehen, ist hoch. Gut gemeint ist nicht immer gut gemacht Die meisten – darunter auch zahlreiche Marketingprofis – denken, je aktiver sie auf Social Media sind, desto mehr werden sie beachtet. Darum produzieren sie massenhaft Inhalt – nicht unbedingt relevanten oder zielgruppenorientierten, sondern hauptsächlich viel davon. Und diesen publizieren sie anschliessend über mög-

lichst viele Social-Media-Kanäle und -Plattformen. Doch viel bringt nicht unbedingt viel. Denn die Konsumenten von heute haben gelernt, zu filtern, auszublenden und nur ausgewählte Inhalte zu beachten. Um die (Kauf-)Entscheide von Zielgruppen zu lenken, sind verschiedene Erfolgsfaktoren zu beachten. Nebst einer umfassenden Bedürfnisanalyse und der darauf basierenden Social-Media-Strategie – steht Know-how an oberster Stelle. Bevor Sie also drauflos-posten, -sharen und -bloggen, investieren Sie in die flexibel einteilbaren Social Media Marketing Module der Klubschule Migros Ostschweiz. Ihre Zukunft wird Ihnen danken. Die Voraussetzungen Apropos Know-how – wie steht es um Ihre Computerkenntnisse? Sind Sie fit für den digitalen Büroalltag? Social Media betreuen, heisst auch Redaktionspläne aufbereiten, Texte professionell gestalten oder ein Budget erstellen. Kennen Sie sich mit Tabellenkalkulation und Ordnerstrukturen aus? Können Sie Ihre Termine im Outlook-Kalender regeln, Suchmaschinen richtig nutzen, Favoritenleisten erstellen, um nur die Grundlagen zu nennen? Für Quereinsteiger, Wiedereinsteiger, aber auch für tägliche Nutzer lohnt sich ein Update. Die ECDL-Module an der Klubschule Migros Ostschweiz machen Sie sicher im technischen Umgang mit Computer- und Office-Anwendungen und verbessern Ihre Organisationskompetenz. Steigen Sie jetzt ein und entwickeln Sie sich zum Experten. Damit verfügen Sie über die besten Voraussetzungen für Ihre Social-Media-Aktivitäten. Darüber hinaus erwerben Sie mit ECDL ein anerkanntes Zertifikat, für den Fall, dass Sie einen neuen (Büro-)Job oder eine Weiterentwicklung anstreben. Melden Sie sich an. Effizienz ist lernbar.

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Abwarten? Ein Fremdwort Die Schweiz stand in den vergangenen Wochen fast still. Auch Vereine mussten ihr Angebot vorübergehend einstellen. Doch der Jugendverband Jungwacht und Blauring (Jubla) hat in der Ostschweiz auch in dieser Zeit einiges geboten. Text: Irma Keller  Bild: Jungwacht Blauring Herisau

B

is März verbrachten die knapp 5000 Mitglieder der Jubla ­Ostschweiz einen ­grossen Teil ihrer Freizeit in ihren lokalen Gruppen. Die Kinder und Jugendlichen nahmen an abwechslungsreichen Aktivitäten und Lagern teil, und die Leitenden – oft selbst im Jugendalter – engagierten sich für das vielseitige Freizeitprogramm. All dies hat das ­Coronavirus auf unbestimmte Zeit unterbunden. Damit fielen auch die sozialen Kontakte weg. Die ganze Jubla-Welt stand still – zum Glück nur für einen kurzen Moment. Die Leitungspersonen aus der Jubla Ostschweiz wollten nicht abwarten, denn vielsei­ tige Aufgaben und Erlebnisse sind für Kinder wichtig. Zwar sind die Mittel, die Gruppen in dieser Zeit zusammenzuführen und ein Ersatzprogramm anzubieten, beschränkt. Doch Not macht erfinderisch: In kurzer Zeit entstanden vir­ tuelle Treffen und Ersatzprogramme, die die Vorgaben des Bundes erfüllten. Ganz nach dem Grundsatz «Kreativ sein» aus dem Jubla-Leitbild. Fantasie kennt keine Grenzen

Zu Hause kreativ: Die Resultate der Mandala-Challenge von Jungwacht und Blauring Herisau zierten die Gärten.

Die lokalen Gruppen, auch Scharen genannt, setzen auf verschiedene Konzepte. So verteilt zum Beispiel die Jubla Buechberg in Staad und Thal wöchentlich ein Programmheft mit Beschäftigungsideen an alle Kinder, andere Scharen publizieren diese auf ihrer

Website. Einige Gruppen konzentrieren sich auf die gemeinsame digitale Durchführung von Aktivitäten und Treffen oder veranstalten Wettbewerbe mit Aufgaben aus diversen ­Bereichen. So zum Beispiel die Jungwacht Blauring Herisau: In der Gruppenstunden-­Chal­ lenge kreierten die Familien zahlreiche und farbenfrohe Mandalas aus den verschiedensten Gegenständen. Spielzeug, Haushaltartikel und ­Papier wurden ebenso genutzt wie Naturmaterialien. Im Pfila@Home

Das bei den Kindern und den Jugendlichen beliebte Pfingstlager (Pfila) konnte in diesem Jahr nicht analog stattfinden. Engagierte Jublaner und Pfadis haben sich zusammengetan und ein digitales Pfila@Home organisiert. Es entstanden ­virtuelle Programmblöcke für die Scharen und Abteilungen. Eine breite Auswahl der ­er­lebten Highlights sind in den sozialen ­Medien mit #PfilaAtHome geteilt. Nachdem der Bundesrat vergangene Woche grünes Licht gegeben hat, freuen sich die Jubla-Scharen nun auf ihre «richtigen» Sommerlager. Das Migros-Kulturprozent wird sie bei ihren Sommeraktivitäten unterstützen. MM


64 | 2.6.2020 | MIGROS OSTSCHWEIZ

«Da Erdbeeren nicht lange haltbar sind, müssen die Abläufe sehr effizient sein.» Melanie Knup

Eingespieltes Team: Melanie und Peter Knup ­begutachten die Erdbeeren auf dem Feld.

Beerenparadies U am Bodensee Im kleinen Kesswil TG ist mit der Peter Knup AG der grösste Schweizer Beerenproduzent zu Hause. Aus ihrem Angebot sticht eine Frucht heraus: die Erdbeere. Auf dem Betrieb von Peter Knup und Tochter Melanie dreht sich fast alles um sie. Text und Bilder: Lukas Aebersold

m auf dem Betrieb der Peter Knup AG in nützlicher Frist von A nach B zu kommen, muss man sich sputen. Über 90 Hektaren, umgerechnet 125 Fussballfelder, erstreckt sich das Reich von Peter und Melanie Knup. Auf rund der Hälfte der Fläche wachsen Him-, Heidel-, Johannis-, Stachel- und Brombeeren. Die andere Hälfte ist ihrer grossen Leidenschaft gewidmet: Erdbeeren. Seit 40 Jahren bauen die Knups in Kesswil Erdbeeren an – und fast so lange beliefern sie die Migros Ostschweiz damit. Der Betrieb, den Tochter Melanie dereinst in fünfter Generation führen wird, ist aber noch älter, er besteht seit 1873. Nach langen Jahren Ackerbau, Milchwirtschaft und ­Pionierarbeit im ­Obstbau übernahm P ­ eter Knup Anfang der 1980er-Jahre den Hof von seinem Vater und entdeckte seine Passion für die roten Früchte. «Zu jener Zeit wurde im Kanton der Erdbeeranbau forciert, und


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z ei w Links: Ein Drache schreckt Vögel ab, die sich ansonsten über die schmackhaften ­roten Früchte hermachen würden. Unten: frisch gepflückte Erdbeeren, bereit für den ­Transport zur ­Migros-Kundschaft

ich suchte eine neue Herausforderung», sagt der 64-Jährige. «Im Unterschied zum Obstbau hat man bei den Erdbeeren sehr schnell ein Resultat; das gefällt mir. Und ausserdem sind sie gesund und fein, was ja beim Essen sonst oft ein Entweder-oder ist.» Auch Erdbeeren kriegen Sonnenbrand

Dass die Erdbeeren in Kesswil so prächtig ­gedeihen, ist kein Zufall. «Der Bodensee sorgt für ein gemässigtes Klima, was uns vor allem bei Spätfrost hilft», erklärt Peter Knup. «Ausserdem haben wir hier eine leichte Nordhanglage, was die Sonneneinstrahlung etwas abschwächt.» Zu viel davon sei nicht gut für die Kultur. «Auch Erd­beeren kriegen Sonnenbrand», weiss M ­ elanie Knup. «Nur werden sie dabei nicht rot, sondern weiss.» Mit Tunnels, Vlies oder Netzen kann man die Pflanzen vor Regen, Frost oder Hagel schützen. Doch viele Felder bleiben der ­Witterung ausgesetzt. «Je besser entwickelt

eine Pflanze ist, desto weniger wetterab­ hängig ist sie», erzählt Peter Knup. In dieser Hinsicht habe dieses Jahr das überaus schöne ­Aprilwetter geholfen. Ein Garant für eine gute Ernte sei das aber noch nicht. «Wettertechnisch muss sehr vieles passen, damit es ein gutes Jahr gibt.» Starke Familienbande

Bei der Unberechenbarkeit des Wetters ist es umso wichtiger, dass die Zusammenarbeit zwischen Vater und Tochter von keinen dunklen Wolken getrübt wird. «Da besteht zum Glück keine Gefahr, denn wir denken sehr ähnlich», sagt Peter Knup und fügt schmunzelnd an: «Wir streiten zwar viel, aber nie über die wichtigen Dinge.» Während sich Peter Knup vor allem um pflanzentechnische Angelegenheiten kümmert, um die Gesundheit der Kulturen und um das Tagesgeschäft, widmet sich Tochter Melanie der Auslieferung und der Vermark-

tung der Erdbeeren und hat ein besonderes Augenmerk auf die Prozesse im Betrieb. «Da Erdbeeren nicht lange haltbar sind, müssen unsere Abläufe sehr effizient sein», erklärt die studierte Betriebswirtschafterin. Damit es möglichst reibungslos läuft, arbeiten nebst den Festangestellten und vielen Saisonniers auch Mutter, Schwester und der eigene Ehemann mit. «Ein klassisches Familienunternehmen eben», meint Melanie Knup. Und wie haben Vater und Tochter ihr ­Produkt am liebsten? Peter Knup «mit Schlagrahm», T ­ ochter Melanie legt sich ­weniger fest: «Ich habe da keine Präferenz. Erdbeeren sind immer fein.» MM


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KOLUMNE | 2.6.2020 | 69

Oj wej, die Philosemiten!

Bild: MGB-Fotostudio

DER ANDERE BLICK Letztes Mal habe ich an dieser Stelle von nichtjüdischen Frauen ­berichtet, die von frommen jüdischen Männern nicht gegrüsst wurden und sich bei mir darüber beschwert haben. Einzig aus dem Grund, weil ich ebenfalls ein jüdischer Mann bin, wenngleich noch nicht mal ein frommer. Offenbar nimmt man «die Juden» als geschlossenes System wahr – wie die Ikea, wo man ja auch bei ­jedem beliebigen Mitarbeiter reklamieren kann, wenn beim neuen Schrank eine Schraube fehlt.

Thomas Meyer (46) Als Jude gehört der Schriftsteller Thomas Meyer zu den 0,2 Prozent der Bevölkerung, zu denen die übrigen 99,8 Prozent manchmal ein etwas merkwürdiges Verhältnis haben.

Anders aber als die charmanten Ikea-Leute, die stets eine zufriedenstellende Lösung finden, weiss ich mit diesen Rügen nie so recht was anzufangen. Ich habe es aufgegeben zu erklären, dass fromme Juden es als unsittlich empfinden würden, eine fremde Frau nur schon anzusehen, geschweige denn zu grüssen. Und dass ich es als nicht sonderlich respektvoll empfinde, mir das Befremden darüber anhören zu müssen. Ich lasse es einfach über mich ergehen; ganz der jüdische Bambus im gojischen Wind. Diese Flexibilität ist manchmal auch von mir ­gefordert, wenn ich nach meinen Lesungen mit dem Publikum ins Gespräch komme. «Herr Meyer», heisst es dann, «ich war vor 25 Jahren in einem Kibbuz!» Dazu schaut man

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mich in einer Art an, als hätte man mir ein wertvolles Geschenk überreicht. Oder: «Ich habe mal in einer jüdischen Firma gearbeitet!» Ich weiss zwar nicht, was eine «jüdische Firma» ist, aber allem Anschein nach hat ein Nichtjude, der dort tätig ist, einen besonders edlen Charakter. Nun könnte man meinen, mir seien Menschen, die freundlich lächeln, wenn sie über «die Juden» reden, lieber als solche, die dabei vorwurfsvoll gucken. Ist aber nicht so. Der Philosemit ist mir genauso unheimlich wie ­ der Antisemit – mög­licherweise sogar noch etwas mehr. Man muss nicht nett sein zu mir, weil ich Jude bin. Man muss auch kein Mitleid haben deswegen. Und es ist mir wirklich von Herzen egal, ob jemand mal in Israel war oder einen jüdischen Chef hatte. Er ist in meinen Augen kein besserer Mensch deswegen und sollte es auch in seinen eigenen nicht sein, denn es ist keine moralische Leistung, einem Juden zu begegnen. Am liebsten sind mir Menschen, denen es gleichgültig ist, ob einer jüdisch ist, homo­sexuell oder sonst wie anders als er selbst. Mir sind Menschen am liebsten, die überhaupt nicht reagieren, wenn sie von so etwas Kenntnis ­erhalten. Weil es nämlich nichts zu bedeuten hat. MM


70 | 2.6.2020 | BEAUTY

Einmal glatte Beine, bitte!

Jupe statt Jeans, Bermudas statt Bundhose: Wenn wir wieder mehr Haut zeigen, wünschen wir uns schnelle und effiziente Methoden der Haarentfernung. Tipps für seidig zarte, rasierte Sommerbeine. Text: Petra Koci Illustration: Veronica Dall’Antonia

Sie haben den Ruf, streng zu riechen – aber das gilt nicht mehr: Die heutigen ­befeuchtenden Enthaarungscremes sind wohlriechend und arbeiten mit chemischen Wirkstoffen: Sie zersetzen die Keratin­ struktur, sodass die Haare sich direkt an der Haut auflösen und mit der Creme abtragen lassen. Tipp: Auf die maximale Einwirkzeit achten und die Haut danach gründlich mit Wasser abspülen, um sie zu neutralisieren.

Rasieren Mit Wasser, Gel und scharfer Klinge Unter der Dusche rasieren? Gute Idee. Warmes Wasser öffnet die Poren, und das Haar wird aufgeweicht. Rasierschaum oder -gel hilft beim Einweichen der Haare und richtet sie auf, sodass sie sich leichter entfernen lassen. Auf eher trockener Haut kann die Klinge ohne Druck gleiten. Vorsicht bei Duschgel und Seife anstelle von Rasierschaum: Sie verkleben die Klingen und machen sie stumpf. Das kann an den Haaren reissen und die Haut irritieren. Bei der Klinge also bitte: scharf.

Waxing und Sugaring Die kalte und die warme Methode Etwas Mut braucht es anfangs vielleicht schon und für ein schönes Resultat auch etwas Übung. Dafür bleiben die Haare bis zu vier Wochen lang weg und wachsen feiner nach. Kaltwachsstreifen oder warme Zuckerpaste mit natür­lichen Inhaltsstoffen zieht man gegen die Haarwuchsrichtung, möglichst flach der Haut entlang ab – je schneller, desto mehr Haare werden entfernt, und sie brechen nicht ab. Tipp: Die Haut vor der Anwendung mit etwas Puder trocknen. So haftet der Wachs oder der Zucker besser und erfasst alle Härchen.

Epilation Rupfen mit lang anhaltendem Effekt Ja, es kann schon etwas zwicken. Denn beim Epilieren werden die ­Haare herausgezogen. Sie wachsen dann in der ­Regel erst ­in zwei bis vier Wochen ­wieder nach. ­Damit die Pinzetten gut greifen, hilft es, die Haut zu spannen. Tipp: Für sanf­teres Epilieren warmes ­Wasser anwenden, etwa in der Dusche. Es macht die Haare weicher, und die Wärme fördert die Durchblutung – dadurch reagiert die Haut weniger empfindlich.

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74 | 2.6.2020 | YOGA

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für einen beweglichen Rücken Für einen gesunden Rücken ist tägliche Bewegung wichtig. Wer seine Wirbelsäule regelmässig in verschiedene Richtungen biegt, verfügt über genügend Beweglichkeit und Kraft, um Rückenbeschwerden gar nicht erst entstehen zu lassen. Yoga ist ideal dafür. Text: Cynthia Grasso-Bürki

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anchmal zieht es im Rücken, es zwickt im Kreuz oder die Schulterpartie ist verspannt: Rückenschmerzen sind leider sehr verbreitet. ­Einseitige Belastung durch ­stundenlanges Sitzen oder ­Stehen, das Tragen von schweren Taschen oder falschen Schuhen, ruckartiges Hochheben von schweren Gegenständen oder ganz einfach Stress können ­Auslöser für Schmerzen in der Rückengegend sein. Bauch und Rumpf trainieren

Um Beschwerden im Kreuz, der Wirbel­säule oder im Nacken ­vorzubeugen, ist es wichtig, sich täglich zu bewegen. Ob beim ­Spazierengehen, Velofahren oder Schwimmen ist ­nebensächlich. Wird die tägliche Bewegungs­ einheit mit ein paar wenigen ­Yogaübungen ergänzt, ist man gut aufgestellt, um von Rücken­ schmerzen verschont zu bleiben. Eine wichtige Rolle kommt dabei den Bauchmuskeln zu: Denn wer Bauch und Rumpf ­trainiert, hat auch einen starken Rücken. Ebenso wichtig ist es, den Rücken möglichst in alle Richtungen zu biegen. So bleibt die Wirbelsäule elastisch, ein­ zelne Wirbel werden entlastet und Verspannungen gelöst. Mit einer täglichen Yogasequenz von rund zehn Minuten steigert man das Wohlbefinden des ­Rückens markant. MM

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Vierfüsslerstand (Arme gestreckt unter Schultern platzieren, Knie unter den Hüften): Das Gewicht ist gleichmässig auf den Händen verteilt. Ausatmen, Rücken ganz rund machen, den Blick Richtung Bauchnabel. Einatmen, in die ­Gegenbewegung gehen, Rücken durchstrecken (kein Hohlkreuz!), den Blick nach oben gerichtet. 6-mal wiederholen. Wirkung: Verbessert die Durchblutung der Rücken­muskeln, löst Verspannungen in der Wirbelsäule und macht sie durchlässig und beweglich.

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Rückenlage mit ausgestreckten ­Beinen: Heben Sie das rechte Bein (das linke liegt ausgestreckt auf dem Boden), um­fassen Sie das rechte Bein unterhalb des Knies mit beiden Händen und ziehen es beim Ausatmen Richtung Brustkorb. Die Wirbelsäule liegt flach auf dem Boden. Ein paar Atemzüge verweilen. S ­ eite wechseln. Wirkung: Entspannt den unteren Rücken, öffnet den Hüftbereich und entlastet den Ischiasnerv.


YOGA | 2.6.2020 | 75

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Rückenlage mit angewinkelten Beinen (Füsse stehen hüftbreit auseinander auf der Matte, Arme liegen seitlich auf dem Boden, Handflächen zeigen nach unten): Spüren Sie den Rücken gerade auf dem Boden ­liegen. Geben Sie Druck auf die Fussflächen, und heben Sie die Wirbelsäule beim Einatmen Wirbel für Wirbel nach oben, bis der g­ anze ­Rücken in der Luft ist. Beim Ausatmen legen Sie den Rücken Wirbel für Wirbel am Boden ab. Wiederholen Sie die Übung 3- bis 6-mal. W ­ irkung: Löst Verspannungen im Nacken und in den Schultern. Dehnt die Brustmuskeln. Kräftigt Muskulatur im unteren Rücken und Beckenboden.

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Bilder: Shutterstock

Hund, der nach unten schaut: Beine und Arme durchstrecken, Fersen Richtung Matte drücken. Das Gewicht ist gleichmässig auf den Handund Fussflächen verteilt, der Körper bildet ein Dreieck, das Gesäss ist der höchste Punkt. Blick nach unten. ­Spüren Sie­ ­den durchgestreckten Rücken. Beginnen Sie, sich leicht zu ­bewegen, verändern Sie die Position von Beinen und ­Füssen, sodass das Becken leicht schaukelt. Wirkung: Dehnt wohltuend den u ­ nteren Rücken und den Becken­boden. Hilft, im Beckenraum wirksam Verspannungen zu lösen.

Aus dem Hund mit den Füssen zu den Händen gehen bis in die stehende Vorwärtsbeuge (Füsse hüftbreit auseinander): Der Oberkörper ist nach vorn gebeugt, der Kopf hängt locker nach unten. Arme neben den Füssen ruhen lassen, oder wer mehr möchte: Hände hinter dem Rücken verschränken und weit vom ­Rücken wegstrecken (mit nach vorne gebeugtem Kopf). Die Beine können leicht gebeugt sein. Atmen Sie ein paar Mal in dieser Position durch und rollen Sie den Rücken Wirbel für Wirbel hoch, bis zum Stand. Wirkung: Löst Verspannungen im Schulterbereich, dehnt die gesamte Rückseite des Körpers.

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GAMES | 2.6.2020 | 77

Ferienkick für zu Hause Reiselust? Die kann man auch gut virtuell befriedigen. Wir stellen sechs Game-Neuheiten vor, die Spielerinnen und Spieler in ferne Welten entführen: vom All-inclusive am Nil über den New-York-Trip bis zur Nationalpark-Idylle. Text: Philipp Rüegg

Für Kreuzfahrer

Sea of Thieves Karibik-Flair mit türkisblauem Wasser und malerischen Stränden erwartet in «Sea of Thieves» die Kreuzfahrtfans. Aber auch Abenteurer. Denn f­ ür Spannung sorgen Schatzsuchen und Duelle mit knorrigen Skelettpiraten. Nur gut, stehen verschiedene Schiffstypen zur Auswahl: Wer Wert auf Privatsphäre legt, segelt in der Schaluppe. Für grös­ sere Besatzung eignet sich die Galeone. Für PC und Xbox One, ca. 30 Franken

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Assassin’s Creed Origins

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«Assassin’s Creed ­Origins» spielt im alten Ägypten. Es bietet traumhafte Fahrten auf dem Nil, wo es ­Alligatoren und Flusspferde zu bestaunen gibt. Natürlich gilt es auch, Pyramiden zu besichtigen – nicht nur das: Man darf sie sogar von innen ­er­kunden. Abgerundet wird das Erlebnis durch viele traumhafte ­Wüstenlandschaften. Für PC, PS4 und Xbox One, ca. 30 Franken

Wer Bewegungs- und Entdeckungsdrang verspürt, sollte einen Blick auf «Subnautica» werfen. Dort lässt sich eine gigantische Unterwasserwelt entdecken. Anfangs mit dem Schnorchel und nur wenige Meter tief, später im Unterseeboot, mit dem sich selbst ­riesige Seeungeheuer bestaunen ­lassen. Nur nicht zu nahe ran! Der Trip kann sonst ungemütlich werden. Für PC, PS4 und Xbox One, ca. 25 Franken

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Firewatch Als Feuerwächter im Nationalpark von Wyoming (USA) hat ein Spieler in «Firewatch» die Idylle ganz für sich allein: ­Entlegene Seen, flüsternde Wälder und weit und breit kein Mensch. Nur über Funk hat man Kontakt mit einer weiteren Feuerwächterin. Ideal für Naturmädchen und -burschen.

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78 | 2.6.2020 | GAMES

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Marvel’s Spiderman New York bleibt eine der beein­ druckendsten Metropolen – voll von Sehenswürdigkeiten und ­Touristen-Hotspots. In der Rolle von Spiderman hat man einen ­entscheidenden Vorteil: Man muss sich in keine überfüllte U-Bahn quetschen, sondern bewundert ohne Anstehen das Empire State Building aus nächster Nähe. Und kurz darauf schwingt man sich über die Brooklyn Bridge.

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RÄTSEL | 2.6.2020 | 83

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RÄTSEL | 2.6.2020 | 85

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Ermitteln Sie für jede Quizfrage den richtigen Lösungsbuchstaben. Der Reihe nach in die Lösungsfelder eingetragen, ergibt sich das Lösungswort. Was macht angeblich die Liebe? H weitsichtig

E blind

M taub

Wie lautet eine Kunstform, bei der man Personen oder Ereignisse verspottet? R Lyrik

I

L Satire

Prosa

Wie lautet der rätoromanische Name für Graubünden? N Grisons

E Grischun

S Grigioni

Was verbindet das Schwarze Meer mit dem Mittelmeer? F Bosporus

M Drin-Golf

T Golf von Malia

Wie hoch ist der Frauenanteil im Nationalrat (Stand Februar 2020)? D ca. 32%

O ca. 60%

A ca. 41%

Welcher dieser Buchstaben erscheint nicht im Periodensystem? N J

S H

R K

Eines der beiden Schriftsysteme der minoischen Kultur Kretas wird … genannt. L Parallel B 1

2

3

T Linear A 4

5

6

G Symmetrie C 7

Lösungswort

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4 3 2 3 2

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Lösung: Lösung: 1 1

2 2

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Bimaru Die Zahl bei jeder Spalte oder Zeile bestimmt, wie viele Felder durch Schiffe besetzt sind. Diese dürfen sich nicht berühren und müssen vollständig von Wasser umgeben sein, sofern sie nicht an Land liegen.

Z F P W A A E U L I S L A M I S T I T einmal T E publiziert. B Vorwoche R I G noch Liebe Rätselfans, in einem Teil der Ausgabe 22 wurde versehentlich das Rätselangebot aus der Für diesen Fehler bitten wir um Entschuldigung. Die Redaktion E M I T T E N T A D E L B E R T T A R IQuiz E R E N Bimaru Kreuzworträtsel Sudoku Paroli B B Lösung Nr. 22 Lösung Nr. 22 Lösung Nr. 22 Lösung Nr. 22 Lösung Nr. 22 W U E TWALNUSS LIEBE Was koche ich heute? migusto.ch

Sudoku Gewinner Nr. 21

Paroli Gewinner Nr. 21

Quiz Gewinner Nr. 21

Werner Albrecht, Neuenkirch LU; Valérie Bell, Lausanne

Markus Luginbühl, Thun BE; Toni Schönbächler, Adliswil ZH

Jacqueline Saner-Schwyzer, Liesberg Dorf BL; Heidi Anderegg-Bischofberger, Ricken SG


86 | 2.6.2020 | MILOVE

«Ich wollte, dass er mich anspricht»

Die Ammanns haben sich im Tanzkurs der Klubschule Migros kennengelernt. Die Chemie stimmt auf Anhieb, und mit Margrits bestelltem Bier ist es um René ­geschehen. Für das erste Date b ­ raucht sie allerdings noch etwas Zeichensprache. un r Treffp kt: Saal de rste rK e lub és en

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Text: Manuela Enggist

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ls René Ammann 1978 seine Stelle als Handwerker bei der SBB-Hauptwerkstätte antrat und von Winterthur nach Zürich zog, entschliesst er sich, einen Tanzkurs der Klubschule Migros zu besuchen: «Ich wollte neue Leute kennenlernen.» Beim Tanzen sei ihm dann Margrit sofort aufgefallen: «Sie war mit zwei Freundinnen da und lächelte ständig. Sie sah einfach blendend aus.» Die beiden verstanden sich auf Anhieb und

liessen ab und zu den Partnerwechsel aus, um einen weiteren gemeinsamen Tanz zu kriegen. Mehr nicht. Später erfuhr Mar­ grit, dass sich René für den zweiten Teil des Kurses angemeldet hatte. Sie tat es ihm gleich: «Ich dachte, dass wir uns so vielleicht näherkommen würden.» Am ersten Abend des zweiten Kursteils geht die Gruppe noch etwas trinken, und als Margrit eine Stange bestellt, weiss René, dass sie die Richtige ist: «Eine Frau, die Bier trinkt, war damals

selten. Ich wusste, mit uns würde es passen.» Margrit versucht ihrerseits, Renés Aufmerksamkeit zu gewinnen. «Ich wollte, dass er mich anspricht, und habe ihm dies mit unauffälligen ­Blicken und Gesten klarzu­ machen versucht.» Auf dem Weg zur ­Toilette hofft sie, dass er ihr folgt. «Ich dachte mir, jetzt oder nie. Wenn er nicht kommt, dann hat er kein Interesse.» Als Mar­ grit aus der Toilettentür tritt, steht René im Gang und bittet sie um ein Date. MM

Bilder: zVg

Er über sie «Bei unserem ersten Treffen sprachen wir über Gott und die Welt. Mägi hat mir gleich gesagt, dass sie Kinder haben wolle und später in einem Haus im ­Grünen leben möchte. Mir gefiel, dass sie wusste, was sie wollte. Und noch besser war, dass ich das Gleiche wollte.»


Sie über ihn «René hat mir oft den Rücken freigehalten und sich um die Kinder gekümmert, sodass ich auch mal Zeit für mich hatte. Das ist bis heute so geblieben. Er unter­ stützt mich, wo er nur kann. Mit ihm habe ich grosses Glück.»

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René (64) und Margrit Ammann (62), leben in Amriswil TG. Sie haben drei Kinder und fünf Enkel – und sind viel auf Reisen. Vor allem Italien hat es dem Paar angetan.

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